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Full text of "Zeitschrift für Kirchengeschichte"

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Zeitschrift  für 
Kirchiengesc.. 


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ZEITSCHRIFT 

FÜR 

KIRCHENGESCHICHTE. 


XI. 


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ZEITSCHRIFT 


FÜR 


mCHENGESGHIGHTE 


Jk  THIODOR  BRISGSB. 


XI.  Band, 


eOTHA. 

FKIEDRICÜ  ANDREAS  PERTHES. 
1890. 


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Inhalt. 


Erstes  Heft 

(Ausgegeben  den  16.  September  1889.) 


ünteniielinngen  und  Essays: 

h  A.  Jiarnuck,  Theophilus  vou  Autiocbien  und  das  Neue 
Testament   1 

2.  /.  Dräseke,  Des  ApolUnarios  von  Laodicea  Schrift  wider 
Ettoomios  SS 

8.  JT.  S^umrgkme,  Die  Verwaltung  und  die  finaadeUe  Be> 
deutong  der  Patrimonien  der  römiieben  Kirobe  bis  aar 
Ornndnng  des  Kirehenstaates  62 

4.  2%.  Briefftr,  Kritiscbe  ErSrterangen  snr  neuen  Lutber^ 
Ausübe  n  (erste  Abteil.)  101 

Analekten: 

1.  Ph.  Sieger,  Der  griechische  Iren&ns  und  der  ganaeHege- 

sippus  im  17.  Jahrluindort  156 

2.  G.  V.  Below,  Zwei  Aktenstücke  zur  Geschichte  des 
Landeskircbentums  in  Jülich  158 

3.  J.  M.  üsteri,  Zu  Zwinglis  EIcucbus  161 

4.  Misceilen  Ton  Hoktein,  Distel,  Wükene  166 

Naelirichten   .  .  .  .  I7i 


402545 


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VI  IKBALT. 

Mta 

Zweites  Heft 

(Ausgegeben  den  14.  December  1889.) 

Untersttchungen  und  Essays: 

1.  E.  Lempp,  Antonius  von  Padua.    I.  Quellen  ....  177 

2.  0.  Wintkcbnann,  Uber  die  Bedeutung  der  Verträge  von 
Kadan  und  Wien  (15^4—1535)  für  die  deatschen  Pro- 
testanten   ...  212 

3.  A.  Kleimc^idt,  Hamman  von  Üokiiauseü   2&3 

Analekten : 

1.  W.  Altmann,  Die  Stellang  der  deutschen  Nation  des 
Baseler  Konzils  zu  der  Ausscbreibong  eines  Zehnten, 
durch  welchen  die  zur  Griecbenonion  notwendigffi  Geld- 
mittel bescbnfTt  werden  sollten  2G8 

2.  P.  Tscha<:kcrtf  Zur  Korrespondenz  Martin  Luthers  .    .  274 

3.  jR.  Fes^fer,  Die  Religionsmandate  des  Markgrafen  Philipp 

von  Baden  (1522—1533)   307 

4.  Miscelle  von  Th.  Distel  330 


IMtteB  Heft» 

(Ausgegeben  den  1.  Märi  1890.) 

Untersnchongen  und  Essays: 

1.  F.  Görres,  Kaiser  Maximin  II.  als  Christenvcrfolger   .  333 

2.  E,  NocJdechen,  TertulUnn  Von  dem  Kranze    ....  368 

3.  Ph.  Mc\/t  r,  Ii«  itriige  zur  Kenntnis  der  neueren  Ge- 
schichte und  des  gegenwärtigen  Zustande«  der  Athos- 
klöster   1  395 

Anftlekten : 

1.  R.  Röhricht,  Ein  „Brief  Christi"  486 

2.  F.  BaethfjfH,  Die  syrische  Handschrift    Sachau  802** 

auf  der  Kgl.  Bibliothek  zu  Berlin  442 

3.  Jh.  Koldt,  Wittenbeiiger  Piapatationstbeaen  aus  den 
Jahren  1516-1522    448 

4.  Th,  Kolde,  Zur  Chronologie  Lutherscher  Schriften  im 
Abendmahisstreit  472 

5.  A'afcmiu,  Thesen  Luthers  de  excommunicatione.  1518  477 

6.  Th.  Brieger,  Thesen  Karlstadt's   479 

7.  Miscellen  von  Th.  Distel  und  Wilkens  483 

^acliriehten  489 


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INHALT.  YH 

Sfit« 

Viertes  Heft 

(Ausgegeben  den  30.  Mai  1890.) 

üntersuchimgeii  und  Essays: 

1.  E.  Lcmjyp,  Antonius  von  Padua.    II.  Schriften   .    .    .  50S 

2.  Ph.  Mfi/rr,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  neueren  Ge- 
schichte und  des  gegenwärtigen  Zustandes  der  AtUos- 
klöster.   II  539 

inalekten: 

1.  L.  SdiuLe,  Zur  Geschichte  der  Brüder  vom  gemüiii- 
sameu  Leben.  Bisher  uubekanutc  Schriften  von  Geert 
Groote,  Johannes  Bosch  und  Johannes  Yeghe    .  .  .  577 

2.  Miseellen  von  B/Skrida  und  Mwsktiri  619 

Reglsier: 

1.  Veneielinie  der  ahgedroekten  QueUenstacke  .  .  .  .  6S8 

II.  yendchiiie  der  beBprochenen  Schriften   085 

m.  Sach-  und  NaineDiegiater   628 


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Theophilus  von  Aoliocbien  oud  das  Keue  lestauieat 

Von 

Adolf  Harnaek« 


Dem  Bischof  Theophilus  von  Antiochieiii  dem  Vorfkaaer 
der  drei  BUeher  ad  Autolycum  wird  von  den  Kritikem 
«me  sehr  hohe  Stelle  in  der  Geschichte  des  neatestament- 

lichen  Kanons  eingeräumt.  Allgemein  betrachtet  mau  den 
Mann,  der  bald  nach  dem  Jahre  IHO  gesclnieben  hat,  als 
den  ältesten  Zeugen  des  wesentlich  abgeschloBsenen  Neuen 
Testamentes  und  stellt  ihn  daher  vor  und  neben  Irenäus 
und  TertoUian*.  Als  maisgebend  iUr  diese  Stellung  wird 
Folgendes  angefilhrt:  Theophilns  habe  zuerst  deutlich  die 
Evangelien  und  nicht  nnr  das  Evangelium  als  Insiansen 
citiert;  er  habe  femer  zuernt  den  Vertasser  des  vierten  Evan- 
geliums Johanne»  genannt  und  als  „Pneuniatophoreu"  be- 
zfuhiiet^  er  habe  weiter  der  Qruppe  der  alten  heiligen 
ScbhÜen  eine  Qruppe  von  Poemnatophoren  sugeordnet  und 


1)  Die  Identität  dr»r  beiden  Mauuer,  die  noch  jüngst  wieder  von 
Brbes  bestritten  wurden  ist,  scheint  mir  sicher  zu  sein. 

2)  S.  Reufs,  Gesch  der  h.  Schriften  N  Ts,  5.  Aufl.,  2.  Abtl., 
S.  18 f.;  BleekManj^oId,  Einl.  i.  d.  N  T.,  4.  Aufl.,  S.  831.  883 
Anm.;  Hilgcnftild,  Einl.  S.  74  (doch  s.  die  Bemerkang  über  den 
sweiteo  Nachfolger  des  Theophilus,  Serapion,  a.  a.  0.);  Holtzroann, 
Einl^  %  Aufl.,  8.  187.  144;  Weifs,  Einl  S.  64;  Zahn,  Gesch.  de« 
MTlieheB  Kanons  I,  1,  S.  101  Anm.  1,  S.  91  Anm.  1;  Westcott, 
A  goienl  snrrey  of  the  bist  of  the  Canon  of  the  N.  T.,  6.  Edition^ 
p.  SIS8;  Credner-Yolkmar,  Geooh.  des  NTIlehon  Kanons,  8.  136. 

MiMhr.  1 1.'0.  IL  1.  1 


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2 


BABMACK, 


diese  von  demseiljeii  Geist  für  inspiriert  erklärt,  durch  welche 
jene  Schriften  entstaudeu  seien  ^  er  habe  endlich  zu  den 
Kundgebungen  dee  b.  Geistes  auch  die  paoliniBcben  Briefe 
gerechnet,  da  er  sie  mit  der  Formel  (III,  14):  6  d'üog  Idyog 
ntXeöei  fj^äg  citiere,  sie  aI«o  auf  eine  Stufe  mit  deu  Schrif- 
ten" gestellt 

Von  diesen  Stucken  ist  das  letztgenannte  weitaus  das 
wichtigste.  Hat  Tbeophilus  wirklich  den  Pauiusbrieleu  das- 
selbe Ansehen  eingeräumt  wie  den  Evangelien  und  den 
EyangeUen  dasflelbe  wie  dem  C^eseta  und  den  Propheten,  ao 
scheint  er  der  lllteste  Zeuge  einer  Betrachtung  und  Wttr* 
digung  christlicher  Schriften  su  sein,  die  man  sonst  erst 
durch  Irenäuö,  Tertullian  und  das  Muiatori'sche  Fragment 
belegen  kann.  Man  liut  deshalb  allen  Grund,  ihm  den  her- 
vorragendsten Platz  in  der  Geschichte  des  ueuteBtamentlicben 
Kanons  anzuweisen. 

Allein  da&  dieser  Plate  ihm  doch  nicht  gehOhrt^  scheinen 
die  Kritiker  seihst  empfunden  zu  haben;  denn  keiner  hat  die 
Konsequenzen  zuversichtlich  nach  allen  Seiten  zu  ziehen 
gewagt ,  welche  der  von  ihnen  erhubene  Tliatbestand, 
wenn  er  richtig  ermittelt  ist,  fordert.  Anderseits  haben  sie 
rieh  auch  nicht  Rechenschaft  darüber  gegeben ,  wie  sin- 
gulftr  und  paradox  die  Stellung  ist,  weUihe  sie  dem  Theo- 
pbilus  in  der  Kanonageechichte  einräumen.  Ich  will  nur 
das  Wichtigste  erwähnen:  Irenäus  und  Tertnllian  sind  Abend- 
länder^ Theophilus  ist  Antiochener.  DcmioLh  hoII  er  die- 
selbe Stute  deö  sich  bildenden  Kanons  repninentieren  wie 
sie;  aber  er  stände  damit  im  Orient  völlig  isoliert. 
Ein  Neues  Testament,  etwa  die  vier  Evangelieni  die  Paulus- 
briefe  und  die  Apokalypse  Johannes  nm&Bsend^  gab  es  da- 
mals nirgends  im  Orient;  vielmehr  besitzen  wir  eine  Reihe 
von  Zeugnissen,  welche  einen  ganz  anderen  Zustand  be- 
zeugen. In  Edessa  hatte  man  neben  dem  Alten  Testument 
damals  und  noch  lange  Zeit  hindurch  nur  das  Diatessaron 
Tatian's.  Die  Grundschrift  der  sechs  ersten  Bücher  der 
apostolischen  Konstitutionen,  welche  der  syrischen  Kirche 
des  S.  Jahrhunderts  angehört,  kennt  als  kanonisch  neben 
Geseta  und  Fk^opheten  eben&Oa  mir  die  Evangelien.  Dia 


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TIIEOPUILUS  VOK  ANTIOCHIEN  U.  DAS  N.  TESTAMENT.  3 

WAhndifliDlich  ans  Syrien  (3.  Jahrhundert)  stammenden 
paeodoelementiniBchen  Briefe  de  virginitate  brauchen  noch 

die  uralte  Formel  (1,  12):  ,,sicut  ex  lep^e  ac  pruphetia  et 
a  domino  nostro  Jepu  Cliristo  didicimus  de  earitate  exer- 
cenda''  K  Ulemena  von  Alexandrien  bezeugt,  daf»  die  aie- 
zandrinische  Kirche  um  200  noch  kein  Neues  Testament 
beeeiaen  hat,  londem  gleichwertig  mit  dem  Alten  Testament 
nur  die  Evangelien  brauchte,  daneben  aber  eine  groiae  Samm- 
loi^  ,,}ieiliger''  Schriften  mit  verschiedenartiger  absteigender 
Dignität  kannte,  in  der  sich  auch  die  Taulubbriefe  befanden 
Was  aber  am  meisten  in  das  Gewicht  föllt  —  der  zweite 
Nachfolger  des  Theophilue  aui'  dem  Bischofssitz  in  Antiochien, 
Serapion,  hat  nicht  nor  seitweal%  die  öffentliche  Verleenng 
des  PetruBevangdiuma  in  einer  Gemeinde  aeinee  Sprengeis 
geduldet,  sondern  er  hat  auch,  nachdem  er  sich  von  dem 
häretischen  Inhalt  dieses  Buches  überzeugt  iiatte,  die  Ge- 
meinde niclit  etwa  auf  die  vier  Evangelien  verwiesen,  son- 
dern sich  so  ausgedrückt,  dafs  man  deutlich  erkennt,  dais 
ihm  sogar  der  Evangelienkanon  noch  nicht  als  fest  und  iOr 
alle  Zeiten  abgeschlossen  gegolten  hat,  geschweige  ein  Neues 
Testament'.  Da  uns  nun  über  das  Vorhandensein  des 
Neuen  Testamentes  in  irgendwelchen  morgenländischen  Ge- 
meinden  um  180 — 200  schlechterdings  nichts  bekannt  ist,  so 
steht  Theophilus  völlig  isoliert;  ja  wenn  der  Thatbestand 
für  ihn  richtig  erhoben  ist,  so  ist  die  Annahme  unvermeid- 
lieh,  dais  die  Kanonsbildung  in  Antiochien  nach  seinem  Tode 

1)  &  Fank,  Patr.  Apost.  Opp.,  T.  U,  p.  13.  Sehr  lehntiek  ist» 
Antiocbas,  der  Pkglator  der  Briefe,  diete  FonDel  also  veritndert 

bei:  Jtdv«  Yqtttfii  naJaud  tt  »«d  Hu  roffro  ifuv  nti(ftauXtikT€», 
ikymnäif  xrL  (hom.  96,  CoUerill,  Modeni  eritieism  iiid  Caenent's 
cpp.  to  Yirgms  188i  p.  121).  £■  ist  diese  Veriiideniiig  eine  ich&ie 
PhnUaie  au  der  Modifikation,  w^ohe  dk  jfiogenn  BeceniioneB  des 
•eOlhaoiacHen  Ifar^ima  an  der  Fotmel:  al  m»^*  ilftäf  fi(filM  «al  ui 
txk  ToikoK  intnoXat  toO  Soiou  Mg6s  Ifeittov,  aagebfaeht 
beben. 

2)  S  mein  Lehrbttch  der  DognengeMsh.,  Bd.  I,  &  820-828  der 
awdten  Auflage. 

3)  S.  Euseb.,  H.  e.  VT,  12  and  meine  Sebrifk:  „Das Nene Teita^ 
aeat  am  das  Jahr  200",  &  47ff. 

!• 


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HARNACK, 


Rackschritte  gemacht  hat  Diese  Annahme  ist  aber  ah> 
aurd. 

Man  sieht  somit ,  wie  sehr  es  geboten  Ist»  sich 

gewisseni,  ob  man  nicht  einem  Tnig;biid  getbl^  ist,  indem 
man  Thcophiius  zum  Zeugen  der  aus  Evangelien  und  apo- 
stolischen Briefen  bestehenden  neuen  Sammlung  gemacht 
hat  Nur  die  stärksten  und  sichersten  Aigomente  werden 
nns  hier  Überaeugen  dürfen  K  In  einer  Richtnng  habe  ich 
schon  froher  ▼ersucht,  das  Urteil  über  die  Stellung  des 
Theuphilus  zu  ermäfsigen  *.  Ich  habe  darauf  hingewiesen, 
daf«  derselbe  die  neuen  Scliriften  nicht  als  apostolisch  prä- 
diziere,  sondern  als  ^.pneumatophorisch^',  dafs  er  somit  von 
der  Betrachtung  des  Neuen  Testaments^  wie  sie  Irenäus  und 
Tertoliian  bieten,  noch  entfernt  ist,  sich  dem  Standpunkt 
des  Justin  als  verwandt  erweise  und  zudem  nicht  angegeben 
habe,  welche  Mftnner  er  In  die  Gruppe  der  Pneumatophoren, 
die  er  den  hl.  Schriften  zuordnet,  eingerechnet  wissen  wolle. 
Allein  meine  Nachweisungen  sind  meines  Wissens  unbeachtet 
geblieben  Sie  mögen  vielleicht  deshalb  weniger  Eindruck 
gemacht  haben  ^  weil  ich  in  dem  Lehrbuch  der  Dogmen- 
geschichte nicht  die  Möglichkett  hatte,  sie  ausführlich  su 
begründen,  nnd  weil  ich  die  allgemeine  Annahme,  Theo- 
philus  habe  PauliisbncKi  mit  der  Formel:  6  S-eloQ  hr/og 
citiert,  noch  als  richüg  liatte  gelten  lassen.  Um  der  Wichtig- 
keit der  Frage  willen  wird  es  gestattet  sein,  ausführlich  auf 
die  Stellung  des  Theophilus  zum  christlichen  Schrifittum  ein- 


1)  Sollten  deh  solche  finden  lassen,  dann  hätte  nsa  allerdings 
Grand,  die  EInw&rlb  anft  genaueste  noch  einmal  so  prOfen,  die  gegen 
die  Idsntifisienuig  des  Veiikssers  der  Bücher  ad  Antolycnm  und  des 
antiochenischMi  Bischöfe  Theophilus  erhoben  worden  sind;  denn  es 
wfirde  dann  sehr  frahrscheinlich  sein,  dafs  jener  erst  im  3.  Jabxfa.  ge- 
schrieben bat. 

2)  9.  Dogmengeseh.  I,  8.  3S0f.  and  die  oben  dtierte  Abhand- 
lung 3.  39  f. 

3)  Holtimaun  a.  a.  0.  S.  131  Anm.  1  bat  sie  ledigUch  gebucht 
in  den  Worten:  „Hamack  erkennt  dem  Theophilus  den  NTlichen 
Kanon  sogar  noch  ab  wegen  des  mangefaaden  Kriteriums  der  Apo- 
stoUcität.** 


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TH£OrHlLUS  VO^  AiM  iOCUiii^N  U.  DAS  H,  TESTAMENT.  6 

zugehen  '  und  so  die  herrschenden  Vorstellungen  einer  Prü- 
fung zu  unterziehen  *. 


Die  drei  Bücher  ad  Aatolyeum  amd  bekaDnÜloh  niolit 
drei  gleichartige  Teile  eines  Werkes.  Sie  gehören  allerdings 

sachlich  enge  zusammen  und  bilden  eine  einzige  Apologie; 
allein  sie  sind  Bchon  der  Fonn  nach  verschieden.  Das  erste 
Buch  ist  die  nachträgliche  Aufzeichnung  einer  „Homilie^^ 
(s.  hb.  II  inii)i  welche  Theophilus  im  Zusammenbaiig  eines 
Qesprichs  seinem  heidnischen  Freunde  Autelycos  gehalten 
hat  Das  Bweile  Buch  ist  ein  y^Syngramma^  welches  er  auf 
Antrieb  des  Freundes  vertalst  hat  (s.  lib.  II,  c.  l);  das  dritte 
Buch  ist  eine  DonkscLiitt  („Hypumncma  'j ,  welche  Theo- 
philus  proprio  motu  dem  Freunde  gewidmet  hat  (s.  lib.  III, 
c.  l).  Das  erste  Buch  legt  den  christlichen  Gottesbegriti' 
und  damit  im  Zu^mmenhang  auch  den  christlichen  Aof- 
erstehttngBglanben  dar  and  bekämpft  die  heidnische  Götter- 
lehre. Es  ist  eine  Antwort  auf  die  prerokatorische  Frage 
des  Freundes:  Ju^dv  juot  rdv  ^tdv  aov  (s.  lib.  I,  init  et 
tin.).  Diu  Darstellung  in  dieser  „Homilie**  ist  rein  tlu  tisch. 
Daher  folgt  in  dem  zweiten  Buch,  dem  Syngramnia,  die 
ausfUhrÜche  Begründunp:  den  Propheten,  die  der 
Superstition  y  weiche  die  Poeten  und  Philosophen  patroni- 
skren,  entgigeogeeetst  werden,  und  swar  ist  es  die  faibliBche 
Schöpfungs-  und  Uigeschiohte ,  die  hier  als  höchste  Wahr* 
hnt  dargelegt  und  erklärt  wird  (c.  10 — 33).  Den  Beschluis 
bildet  eine  kurze  Ubersicht  über  die  sonstigen  Wuhrlieits- 
erkenntniase,  die  man  den  Propheten  (einschlielalich  der  Öi- 


1)  Die  kane  Abhsodliuig  von  Otto  ,»Gebiaitek  HTlieher  SdurifleD 
bei  TlieopbUi»  von  Antiochtett**  (Zoltwhr.  f.  die  Uator.  Theo!.  1869, 
8.  617— 6S3)  enthält  nur  einsa  Cut  TOllttin^gen  Abdniek  derStellsn. 

9)  Nicht  nur  aehe  ieh  im  Folgenden  von  dorn  Mgen.  EvaageUai- 
komncatar  des  Theophilns  flslbttvontSadlich  ab,  aondem  ieh  hüte 
«och  das  von  Otto  p.  827  (Eidit*)  abgodmekte  Fragment  einos  Kom* 
mentaTB  zum  Hobeuliede  eines  „Theophilns**  beiaeile,  da  dieier 
Theoplulai  nieht  sn  identifisieren  ist. 


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6 


HAKNACKy 


bylle)  yerdanki   Das  dritte  Buch  enthält  eine  Denkschrift 

über  das  Alter  der  prophetischen  Schriften,  welcher  nach 
einem  aniinosen  Angrifi'  aui'  die  heidnischen  Schriftsteller  und 
ihre  Unsittiichkeit  eine  ausführliche  Widerlegung  der  den 
Christen  landläufig  gemachten  entsetzlichen  Vorwürfe  und 
eine  Darstellang  der  hohen  Sittenregeln  der  Propheten  ond 
Eyangelien  vorangeht 

Bd  dieser  Verschiedenheit  des  StofRss  der  drei  Btlcher 
wird  es  zweckmäfsig  sein,  jedes  einzelne  Buch  für  sich  in 
Beziehung  auf  seinen  Schrittgebrauch  zu  betnu  lit(  n. 

In  dem  ersten  Buch  finden  sich  strenggenommen  nur 
zwei  Citate  und  eine  einzige  CitationsiormeL  Die  beiden 
Cütata  sind  o.  1,  p.  32  (ed.  Otto)  Ps.  32,  6  und  c.  II, 
p.  34  sq.  Prov.  24,  21 — 22.  Die  erstere  Stelle  wird  mit 
yuQy  die  letztere  mit  Xeyei  ydg  6  vöfiog  6  yo0  &eolf  einge- 
führt. Man  erkennt  hieraus,  dafs  Theophilus  auch  alttesta- 
mentliche  Gebote,  die  nicht  in  den  fünf  Büchern  Moses' 
stehen,  als  6  voi^iog  bezeichnet  hat  Es  entspricht  dem  Cha- 
rakter der  Honiilie,  dafs  sie  dn  freier  Ergufs  ist,  daher  auch 
des  gelehrten  Materiales  und  der  Citate  entbehrt  Aber  schon 
dieses  erste  Buch  sagt»  wie  sehr  sein  Ver&sser  in  den  hei- 
ligen Schriften  lebte;  denn  seine  Gedanken  und  seme  Sprache 
sind  von  denselben  belieiTbclit,  und  zwar  sind  es  besonders 
die  Psalmen,  Proverbien  und  der  Hiob,  in  denen  er  lebte 
und  deren  Worte  er  in  seine  Hede  verwebt.  So  sind  in 
c.  1  Ps.  113,  4£;  134,  16f.  iChion.  16,  26,  in  c.  3  ProY. 
3,  22,  in  c.  4  Gen.  1,  14.  Jes.  66,  1,  in  c  6  Uiob  9,  9. 
Ps.  32,  7;  134,  7;  146,  4.  Jer.  10,  13;  51,  16,  in  c.  7 
EKob  9,  8;  34,  14;  38,  18.  Ps.  23,  2;  32,  6;  64,  7;  88,  9. 
Prov.  3,  19 f.,  in  c.  lü  Ts.  113,  4 f.  H;  134,  l.)t.  18.  1  Chron. 
16,  26,  in  c.  11  Prov.  24,  21t.,  in  c.  14  Ex  od  4,  11.  Ps. 
93,  9.  Jes.  40,  21.  28  ohne  ausdiiirkliches  Citat  teils  wört^ 
teils  in  Anspielungen  verwertet  Aber  auiserdem  zeigt 
der  Verfasser  auch,  dafs  er  ebenso  in  den  paulinischen 
Briefen  zuhause  ist  Er  citiert  sie  niemals,  er  sagt 
nichts  über  ihre  Autorität;  aber  er  zeigt  sich  sehr 

1)  Die  Proverbienstelle  lautet:  tiiAa  vlk        irai  fiaoUän  xrL 


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TUEOPUILÜS  VOK  AMTIOCHIKN  U.  DA8  N.  TKSTAMEMT.  7 

stark  voü  ihnen  beeiniiafat.  Darin  unterscheidet  er  sich 
bestimmt  von  den  älteren  Apolop^eten,  aber  bekanntlich  nicht 
Ton  den  älteren  christlichen  öcbntktellern ;  denn  z.  B.  Poly- 
karp und  der  Landsmaon  des  Theophilos,  Ignatius  |  haben 
ebeniaUs  in  ibren  Briefen  —  grölktenteils  stillschweigend 
die  pauliniscfaen  Briefe  reicUicb  ausgebeutet. 

Gleich  in  der  zweiten  Zeile  des  ersten  Kapitels  heifst  es: 
ii^ltoi^  thfi^gtoftoig  (■xovüi  xöv  vofjv  TLatsepS^aginn'ov,  vgl.  2  Tim. 

8:  äy^iffanoi  yMretpd-txQfiiwM  töv  vovv.  In  c.  2  (p.  6)  steht 
SoKifi^ontS  %ä  diag>iQorraf  vgl.  Röm.  2,  18.  Phil.  1,  10; 
ebendnrt  (p.  8):  ds<|oy  a0y  xo»  ai^  wsav^&if^  ü  s2  fioixk» 
es  cix,  A  neöigiifoe,  ü  oda  et  TÜidntfig^  d  oiK  ä  SQfraSf  ü 
A  dm>trT8^TfjTijgj  d  odx  il  dQamHntonrjg,  d  ühf,  d  Sßfftet^f  d 
Ofdr.  Bi  ?.oldoQiK,  d  ov'k  S^yllog,  el  ov  q^d^ovegdg^  ei  ov/.  dXa- 
Q(av<,  ei  avx  ^e^/m^g,  ei  ov  nktjKTiqgj  u  ov  q>iXaQyvQOgy  u 
0^  yoHSatp  «r/rei^g,  d  ov  tä  zexva  aov  nu^hüg,   tolg  yäQ 

kavroiig  xa^a^ftawaip  cbrd  navtdg  fioloafioß,  YHr  haben 
bekanntlich  in  der  christlichen  Urlitteratur  i'Qsp*  aus  dem 

2.  Jahrhundert  eine  grofse  Anzahl  von  Lasterkatalogen 
(Mark.  7,  21.  Matth.  15,  19.  ßöm.  1,  29f.  Gal.  5,  20.  1  Kor. 
6,  8—10.  Eph.  5,  3—5.  iTim.  1,  9.  10.  2  Tim.  3,  2—5; 
Didache  2.  3.  ö;  Bamab.  20;  Hermas,  Mand.  8;  dealeai  6; 
c£  Pseudociem.  de  virg.  1,  8;  Theoph.  ad  AutoL  II,  84 
allein  es  scheint  mir  nicht  swdfelhaft  au  sein,  dafs  der  Tor» 
liegende  aus  paulinischen  Worten  (iKor.  6,  8 — 10.  Röm. 
1,  30.  2 Tim.  3,  2.  Tit.  1,  7)  zusanmiengesetzt  ist;  denn 
von  den  sechzehn  Bezeichnungen  von  SUndem  finden  sich 
vierzehn  in  jenen  wieder  (nur  {rreQdrrTrig  und  ta  rinva  cov 
lEtMLs  fehlt).  Dastt  kommt,  dais  der  Sohlnls  offenbar  ans 
3  Kor.  7, 1  stammt  (Ka^a^iofH»  iavv€^  dfrb  nm^ög  fiükua-- 
/ioO).  Bemerkenswert  ist  es,  SaSk  Theophilus  die  paulinischen 

Stelleu  unteroiiiandermifcscbt  und  so  trei  reproduziert.  In 
c.  6  *  (p.  20)  stammt  der  Ausdruck  /)  rroAr/rorxfAoc  ooq'ta 
foß  ^&off  aus  £ph.  3»  10.   Derselbe  Brief  ist  im  siebenten 


1)  Die  Parallele,  welche  Otto  c  3,  p.  12  la  Hsbr.  19,  89  sb- 
Watf  itt  ohne  Beweiskraft. 


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8 


HARNACK, 


Kapitel  (p.  ^2)  benutzt;  clenn  der  Ausdruck:  toVto  Si  ooi 
av^ßtßtl'Aiy  Sia  vfjv  rvffXwoiv  rf^g  ilwxfjg  xfft  nwQiaoiv  %fjq 
TUtf^iag  Gov  ist  aus  £pb.  4,  18  (itnunwfihoi  r/J  Siavoi^ 

In  demaelbeii  Kapitel  (p.  94)  sind  die  Worte:  Svw  drrö^ 

TO  (hnfiror  /.ca  iidiotj  Tt]v  d(fiUtQaiav  eint  Reminiscenz  an 
iKor.  15;  53.  Gleich  darauf  (c.  8,  p  J4)  liest  man:  !^iUa 
djtiüTÜQ  y«x^o^  iy€i(f€a&ai.  Urav  tavai,  %6(t€  niatewug  .  .  • 
%m  niatis  üov  §ig  dmaviav  loytadijairai,  Dieae  Zeüeii 
erinnem  an  iKor.  16,  1:1.  36  und  Böm.  4^  6:  l9yiCer€ti  ^ 
niawig  €tdro€  tilg  StTiaioaijyriv.  In  c.  11  (p.  34)  ist  der  Aubp 
druck  (ßaailevg)  tnb  ^eoH  Terayinevog  auB  Rom.  1 3,  I  (efoü- 
oiai  hnb  iHod  Terayithai)  geflossen.  In  diesem  Kapitel 
finden  sich  auch  sonst  noch  Anklänge  an  die  paulinischen 
Briefe,  resp.  an  neutestamentUche  Stellen,  die  von  den 
Pflichten  g^n  dieOlirigkeit  handeln,  b.  p.  32:  nft^ta  %h» 
flaaiXia  und  p.  34 :  paaiMg  yifjfww  dg  vö  ziftäa&ai  (l  Petr. 
2,  17:  rdy  ßamXla  rtpäxB)^  p.  34:  B^fi9»og  hti^  ccStoü 
(iTim.  2,  l),  iiaoilevg  Irrö  &eot'  rerayfitvoc:  .  .  .  tlg  cd  öi- 
Aaiwg  'Aqiveiv  (Köm.  13,  3 — 4:  i/.diAog  elg  ÖQyrjv 
xaxdr  ftffdaaoi^i)  ]  p.  34:  ^ra^a  it€od  oi'MnfOiAiWf  6  ßaoi" 
ntnlcvmrstu  (iKor.  9,  17:  oiifüifOfiia¥  nmlmmtputCy 
So  iit  der  ganie  Abeohnitt  Uber  den  Qehmam  gegen  die 
Obrigkeit  und  das  Gebet  Ab*  dieeelbe  von  pauliniscfaen 
Keminiscenzen  durchzogen.  Um  so  wichtiger  ist  der  Schlufs- 
satz:  r'irTTf  /.(n  u  lavta  7cXayäoai ,  w  äi't^QOJTce  (nämlich  in- 
dem du  den  Kaiser  göttlich  verehrst),  tdv  di  ßaaikta  zifia 
evvoöy  ttvt(^  (s.  Köm  1 3,  5),  ÖTtoraoüöfiwog  cdtt^  (Tit  3,  l), 
edxöfieifog  i^tu^  a^oO  (iTim.  2,  1).  to07O  Tsoidir 
frotug  rd  ^ikt^a  toO  ^io€,  Xiyn  yä^  6  v6fiog  6  to0 
^«oC  (Frey.  24,  21  f.)*  Tifua  vis  &eöv  tlol  ßaatXio, 
Kai  ^tridevt  avT€)v  (iueiO^i^g  ijg*  i§aiq)vrig  yccQ  ti^ 
CQVTai  tovg  ix^^QOvg  avtaiv. 

Von  entscheidender  Wichtigkeit  ist  hier,  dais  Theophilus 
die  Worte  des  Paulus  braucht,  als  wären  es  Beine  eige- 
nen und  in  ihnen  keineswegs  den  verptlich- 
tenden  Gotteswillen,  das  Gebot  Gottes,  authen- 


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TUEOFiULUB  VON  ANTIOCHIEN  V.  DAS  N.  T£6TA>I£NT.  9 

tisch  ausgeprägt  findet.  Vielmehr  verweist  er, 
um  dem  von  ihm  in  den  Worten  des  Paulus  Ue- 
•ftgten  oun  noch  die  göttlicke  Beglaubigung  zu 
geben,  auf  daa  Alte  Testament.  Hieraus  ergiebt  sich 
mit  Etvidenz,  daTs  ihm  die  panlimschen  Briefe  noch  nicht 
authentisches  Gbttes  Wort  gewesen  sind.  Der  glilcklidiste 
Zufall  hat  es  gefugt,  dafs  die  ei  neige  Stelle  in  den  drei 
Büchern  ad  Autolycum,  welche  den  Anschein  erregt,  als 
eitlere  TheophiluB  die  Paulusbriefe  als  Gottes  Wort  (III,  14), 
gerade  auch  von  dem  Gebot  des  Gehorsams  gegen  die 
Obrigkeit  handdt  Wenn  mr  spttter  aaf  diese  Stelle  eiih^ 
gehen  werden,  werden  wir  uns  des  hier  Toriiegenden  klaren 
Thatbestandes  erinnern.  Er  präjudiziert  die  Auslegung  der 
fraglichen  ^Stelle  III,  1 4 ;  denn  an  unserer  Stelle  ist  es  über 
jeden  Zweifel  erhaben,  dals  Theopluius  die  Pauiuabriefe,  resp. 
die  in  ihnen  enthaltene  Mahnung  zum  Gehorsam  gegen  die 
Obrigkeit,  nicht  iiir  Gottes  Wort  im  strengen  Sinne,  d.  h. 
nicht  för  den  antbentisohen  vdfiog  to0  xhoß  gehalten  hat 

In  c.  13  (p.  40)  liest  man:  taCta  rd  fidvra  hreffyü  ^ 
foff  &eod  ootftta  vgl.  iKor.  19,  11:  ftdirra  Si  ratra  evs^si 
tb  tv  Aal  ro  airö  Tn^iua.  Kurz  vorher  (p.  38)  heilst  es: 
u  yaQ  Tvxot  ehcelv,  yjx/.'Kog  aiTOv  })  twv  Xoinwv  ürregudTtifv 
idr  ßli^O-^  dg  yfpf  fC(^Orov  aTZOihnjo'Mi  vuxi  kvetaiy  uta 
iy9ii(9tat  wl  fimat  avdxvg.  Hiermit  ist  iKor.  15,  36  i 
EU  yergleichen:  8  OTmqu^  ot  iutorrmutai  iä»  ftij  dno^vjß* 
xai  .  •  aneinetg  yvfofdv  tAtusKav  ü  n^oi  ai%cv  ^  zivog  t0i^ 
hnfrßv.  Hier  ist  besonders  interessant,  dals  an  beiden  Stellen 
li,  n'yoi  steht,  aber  in  eiueui  ganz  verschiedenen  Sinn.  Theo- 
phiius  hat  augenscheinlich  die  Stelle  mehr  im  Ohre  als  im 
Sinne  gehabt  Das  ganze  Buch  schlieist  mit  einer  Satz- 
gmppe^  die  ganz  aus  den  paulinischen  Briefen  gefloesen  ist 
(c.  14,  p.  44):  \ö  i$er<^st  xä  ndvza  imtd  nt^ivtH 

dlxaiw  dfiodtdobg  hukfrti)  wnä  d^lw  t&v  iMiü^ßhß  (Röm* 
2,  6).   Toig  fMW¥  na&*  hcoinovi]v  Stä  egy^af  dyad^töv  tip(HSrFiv 
äif  l^uQOiai'  diOQi/jaciai  L(i)t]v  ahoviov  (Ron;.  2,  1),  x^t^dv^ 
UQijvip',  dvairavotv  vxd  7t).r]i}i]  dyat}u)v  ^  iov  ot'ft  6(p\^aXfj.bg 

(1  Kor.  2|  9)*  %wq  di  dmotag  %ai  nuna^pQOmtfraig  xai  drtu^ 


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10 


^aßoiv  rfj  <Wiy^e/^,  nud^oidvoiq  Si  tfj  ddi%i(ji  (Rom.  2,  8*), 
€7iäv  ifttf  t^iin  i  at  uotyuaig  v.ai  rcogv^  iai^  yjn  dgotvo/Mitiatg 
v,ai  7r)^ore^(aig  /.at  laig  di/efiivoig  ddnAolaiQuaig  (l  Kor. 
^1  9.  10.  1  Petr.  4,  3:  d^t^iitoig  üdui^joXaxqimg),  ^atai  ogyr) 
aal  dv^ög,  d-^tffig  xcti  üvevoffoqia  (Röm.  2,  S*"),  xai  rb 
wilos  vodg  voiodwvg  wi&^u  ttB^  tdihnov.  Man  aieht  aack 
liier  wieder,  wie  bewandert  der  VerfiMser  in  den  Paulas^ 
briefen  ist»  mit  welcher  eonverftnen  Freiheit  er  sie  aber  ver- 
wertet, sie  durcheinander  wirtt,  Zusätze  macht  u.  s.  w. 

Aufser  dem  Angeführten  spielt  der  Verfasser  in  diesem 
Buche  auf  neutestaiuentiiche  Stellen  nirgends  an,  also  auch 
nicht  auf  evangelische  Sprüche  Dagegen  erzählt  er  im 
Sohiufakapitel|  sein  aweites  Bach  vorbereitend^  wie  er  selbet 
durch  die  LdctOre  ,yder  hdligen  Schriften  der  heiligen  PhH 
pheten''  i^iegaig  yqaq^aXq  t&v  äyiwv  nqoqriqtQv)  bekehrt  wor- 
den sei.  Diese  haben  die  ganze  Zukunft  vorausgesa^  und 
somit  bei  das,  was  sie  vorbrachten,  auisi  .sicherste  beglaubigt; 
die  Dichter  und  Philosophen  aber,  die  viel  später  als  die 
Propheten  gelebt,  hätten  aus  den  heiligen  Schriften  (cx  t&¥ 
^itay  yf^wpGv)  gestohlen;  mithin  möge  auch  Autoljcns  die 
prophetischen  Schriften  lesen  {tag  n^cHpririKag  yqaq^dg). 

Wie  man  sieht,  sind  die  scripturae    sanctae  *\  „  sacrae 
pr  )])[ieticae")  hier  lediglich  die  Schriften  des  Alten  Testaments. 
Aiiüo  läfst  sich  aus  dem  ersten  Buch  ad  Autoijcum  schlechter- 
dings nichts  iUr  die  Geltung  neuer  Schriften  (nicht  einmal 
des  Hermworts  oder  der  Evangelien)  entnehmen. 

Das  zweite  Buch,  wehshes  sich  eingehend  mit  Gen.  1-  4. 
10.  11  beschäftigt;  giebt  eine  genaue  Darlegung  des  pro- 
phetischen Wortes  nach  selten  seines  Ursprungs  und  Inhalts, 
wie  dasselbe  von  den  uralten  hebräischen  Propheten  in  den 
heiligen  Schriften  niedergelegt,  aufserdem  aber  noch  von  der 
Sibylle  verkündet  worden  ist   Die  heiligen  Schriften  sind 

1)  m»  beiden  einzigen  Stellen ,  die  Otto  als  Parallelen  aus  dem 
Johannesevangelium  anführt,  sind  ohne  Gewicht;  denn  c.  13,  p  38 
berührt  sich  mit  Joh.  12,  24  nur  so  weit,  als  sich  diese  Stelle  selbst 
mit  IKor  15,  36  f.  berührt,  und  die  Worte  c.  14,  p.  42:  fik  änioru, 
JULU  jv/orcM  bnachen  nicht  maa  Job.  20,  27  gefloaen  m  ssin. 


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XüfiOPHILUS  \0H  ANTIOCHIEN  U.  DAS  N.  TK8TAMKNT.  11 


ausschliefalich  (lic  alttcatamentlichen,  und  über  den  Ur- 
spruiii;  des  prophetischen  Wortes  heifat  es  c.  9  (p.  76 sq.): 
ei  %oS  ^wO  iMQwrfOif  7cveviiiawogf6(toi '  fofedfiotog  dyicv  xai 

«o^a^irrtQf  iyivomo  ^wSiSawwoi  wxi  Baioi  xai  diwiou 

Jt6  xm  Dumi^n&d^ccy  tijv  dm^iiaMttv  tcnSvtiv  laßeiv^  o^- 

dl  Ijg  a<Hpiag  elrrov  yuxi  rä  n^Qi  vijg  %%iaBUig  zoß  nöofiov 
xai  tQw  hoiTfdv  äutoftm  %al  odx  dg  9  ^^'^ 

otg,  dHä  nun  noQä  ^EJJa^i¥  SißvXltt'  xai  rtdyr^s  flla 
dXhp^ig  Kai  avftfpunfa  til^i/jxaaiv  xtX.   Diese  Sätze  tind  in 

dem  zweiten  Buche  seiir  Lkulig  variiert  mid  zwar  werden 
die  Auödiucke  „diöctOKei  fjußg  %b  -rrvetjua  xo  Hyiov  <)ta  töv 
^QO^mp^üip**  ^  „diddoMi  ^  d-eia  yQaq>i^*,  if}  dyia  yQctifij  ^,  ai 
Syiai  yqoapai^^  ^  ga&s  gleichwertig  gebraucht;  statt  %6  fcveVfia 
äfu»  steht  aber  anoh  6  Uyog  to9  ^eoO^,  und  statt  heilige 
Sohriften'^  vielmehr  „Qesets  und  Propheten^'*;  dodi  wird 
sacb  Moses  als  Prophet  beseichnet^,  und  daher  vertreten 
die  Propheten  auch  das  ganze  Alte  Testament 

Die  völlige  Gleiehsetsung  von    heilige  bchriiten^^  und 


1)  So  aeesataiere  ich  (gefsn  Zahn,  Fonehoqgen  n»  S.  ISSfi, 
der  nvtvfiuTwfo^  bevorsogt),  weil  bei  Ignathis,  den  aatioeheiiiaehea 

fpoQoe,  tftne^^pSQoe  su  aeoentaieieD  Ist;  s.  I<ightfoot  sn  Igoat.  ad 

Ephes.  Init. 

2)  8.  «  B.  c.  10,  p.  80;  c.  35,  p.  1(K). 

3)  S.  c.  ;iü,  p.  142;  c.  33,  p.  156;  c.  34,  p.  156. 

4)  S.  c.  10,  p  «2;  c.  18,  p.  108;  c.  22,  p.  118;  c.  24,  p.  122. 

5^  S.  c.  19,  p.  10»;  c.  21,  p.  118. 

6)  S.  c.  22,  p.  Hbf.;  c.  30,  p.  142. 

7)  S.  c.  10,  p.  80. 

8)  S.  c  14.  p  ;  c.  34,  p.  158;  c.  35,  p.  158;  c.  87.  Audere 
Ausdrücke  siud  »/  diötija  tun'  «; iwi'  fvroXSiv  toö  i9fo&  (c.  14,  p.  98); 
6  voiiog  xai  lu  nnoaxdyuatn  kCiqQ  (c.  15,  p.  102);  r«  ^ijra  ti'is  laro- 
(^uq  if^^  IfQüi  Tj  '/{idif  ii  oiiiD^  niQ*^j[ft  (c.  20,  p.  110);  vofiot  xai  iv- 
xokui  üyiui  I  C.  27,  p.  134);  T«  ^(ttQu  yQufj.^uia  {c.  31,  p.  162). 

9)  S.  c  35,  p.  im. 

10)  S.  c.  37.  38;  c.  10  iait.;  9.  30.  34.  35. 

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]2  ILU;.NACK, 

Propheten  erleidet  aber  eine  doppelte  Ausnahme.  Erstens 

nftmlich  gilt  die  Sibylle,  wie  bemerkt,  als  Ph>plietm  fs.  c  9, 
C-  36 — 38).  Allein  ihre  Prophezeiungen  werden  keineswegs 
unter  die  heiligen  Sclnilten  subsumiert,  vielnieiir  von  ihnen 
unterschieden  ^  Wohl  beüst  es  c.  38,  p.  Iö2 :  2:ißvkla  xcti 
0«  loiTeoi  TtQOtfijTai;  aber  niemals  wird  die  Propheseiang 
der  Sibylle  als  „heilige  Schrift'^  dtiart.  Zweitens  liest  man 
c  32,  p.  1 18 sq.:  **OSw  6td6muovütv  ij^iäg  a\  äyiai  ygatfat  xeti 
7cdviii;  o\  :n'itinctfO(fu()Oiy  lis/awrjc;  Xtyw  Ev  dqyj^ 

b  XoyoQ,  vmI  6  ?.6yoi^  7iQÖg  tbv  0^etn\  dei/.vtH;  bn  h  7iqu)- 
totg  fiovog  6  yf'sög  xai  iv  m  rm  ö  Au/oc;.  Unuta  kty£i* 
Kai  ^€dg  i}y  6  Xdyog'  icmrra  di  avtoO  tytvevOy  -ml 
adroü  iyivBTO  oödi  Ih*  Hier  ist  also  den  heiligen  Schriften 
eine  Gruppe  von  Gkistestrfigem  angeseilt ^  aus  welcher  der 
Eyangelist  Johannes  namentlich  genannt  ist.  8o  wichtig 
und  lehrreich  diese  Thatsache  für  die  Geschichte  tU  s  Kanons, 
speziell  des  JuhauDCäcvangcHumä  ist,  so  darf  sie  doch  nicht 
überschätzt  werden.  Man  hat  darauf  zu  achten,  dafs  die 
Worte  nicht  lanten:  oi  Uyiai,  ygagfai  tloi  ai  ßißXoi 
dtioat6haw  oder  ähnlich;  sondern  dals  den  heiligen  Schriften 
Personen,  die  y,den  Geist  tragen^',  zugeordnet  sind,  ähnlich 
wie  diu  Sibylle  neben  den  heiligen  Schriften  steht.  P2s  ist 
keineswegs  gleichgültig,  dafs  l)  hier  nicht  Schriften  genannt 
sind,  dafs  2)  die  Personen  nicht  als  Apostel  charakterisiert 
sind;  und  dafs  3)  die  Glmppe  nicht  näher  als  durch  die 
Worte  n6iftf/g  oi  ftyevfiaTog)6Qoi  beaeichnet  ist  Dafs  aber 
die  Christenheit  seit  Christus  neben  den  heiligen  Schriften 
einen  Chor  von  „Geistestriigern"  besitzt  (Propheten),  ist 
bekanntlich  kein  neuer  Gedanke.  Neu  ist  nur  die  An- 
wendung dieses  Gedankens  auf  einen  Evange- 
listen und  zwar  aut  Worte  desselben,  die  nicht 
Herrn  werte  sind.  Hierin  allein  beruht  der  Fortschritt 
der  £ntwickelung^  der  hier  zu  konstatieren  ist  Aber  die 
Existenz  eines  Neuen  Testaments  neben  dem  Alten  IKst  sich 
aus  diesen  Worten  schlechterdings  nicht  erweisen,  ja  es  läfst 
sich  nicht  einmal  darthun^  dafs  dem  Verljasser  eine  begrenzte 


1)  Vgl.  den  ÜbsrgSDg  vom  86.  com  86.  KapItsL 


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THEOPHILUS  VON  ANTIOCniEir  U.  DAS  N.  TBSTAMBMT.  13 

Gruppe  von  Geistesträgern''  vorgeschwebt  liat;  vielmehr 
ist  da»  Gegenieii  alleiD  wahncheinUch. 

Dafs  wir  so  richtig  erklSrt  haben,  dafür  büi^  die  Hal- 
tung, die  der  Verfasser,  abgesehen  ron  dieser  Stelle,  zu  den 

nachmals  im  Neuen  Testament  befal'sten  Schriften  einge- 
nommen hat.  Er  citiert  sie  niemals,  obgleich  er  den 
gröfsten  Teil  derselben  kennt,  ja  im  Gedächtnis  hat  Merk« 
würdig  ist  dabei  (vgl.  das  erste  Buch),  dafs  er  in  den 
Paolnsbrieten  so  bdmisch  ist,  während  er  die  Synoptiker 
fast  völlig  unbenutat  lälst.  £Keht  man  von  dem  apokryphen 
Hermspmeh  —  TheophÜns  citiert  ihn  übrigens  nicht  als  sol- 
chen — :  /rcrvr«  Saa  «V  ut^  ^ivv}~r^lc^l  (tri}Q(o:ro<^  Un  riii  yi- 
vm&ai  'iva  ^rfit  akhii  7Wifi  fc.  34,  p  158),  ab,  so  sind  nur 
zwei  sichere  Berücksichtigungen  synoptischer  Steilen  zu 
finden.  C.  8  (p.  76)  heifst  es:  üg  ftaf^n^giov  a^otg  re  %ai 
n^iv  dif^dätfioig  (vgl.  Matth.  10,  18),  und  c.  13  (p.  94) 
wird  Luk.  18>  27  mit  yti^  eingeführt:  rd  yoQ  na^ä  dv^qdh- 
rcoig  dS^vara  Svpord  iartv  tto^  S'&p  >.  Dagegen  ist  die 
Sjjrache  des  zweiten  Buches  wie  des  ersten  paulinisch  jg^e- 
farbt.  Gleich  das  erste  Kapitel  zeigt  in  den  Sätzen:  iitoQtuv 
dvai  töv  Ijinyov  ^fiOv  .  ,  .  yMp  idi(.a^ijg  njt  hjyt^i  Boein- 
flaasnng  durch  iKor.  i,  18£.  2Kor.  11,  6.  In  c.  12  (p.  88) 
stammt  tdnf  TthAitoy  tfjis  owpiag  Toff  ^«o0  aus  B5m.  11, 
Li  c  14  (p.  98)  erinnert  das  hupvyeiv  trjv  d^yr^v  jcac  nt^lat» 
ToV  ^€00  an  Röm.  2,  X  5.  In  c  IC  (p.  104)  erkennt  man 
in  dia  Vt^auoi;  /.al  /.üi  iqoB  7raXiyyai'£(jia<  Tit.  o,  bi.,  in  lovg 
H(^ooiot'iag  jf^  dhj'Hi\i  vielleicht  1  Tim.  2,  4,  in  t)  no).v- 
TtoiyuXog  otHpia  toO  i^eoO  jedenfalls  Ü^ph.  3,  10  wieder.  In 
e.  17  (p.  106):  Ter  irrtyeia  q^vo6vtiov  liegt  Phil.  3,  19  au- 
gmnde.  Noch  deutlicher  erscheint  dieser  Brief  (4|  8)  in 
c  36  (p.  174):  TtfOro  aAij^^  tu  dtq>ih/Aa  x.  dtTnaia  x. 


1)  Unsicher  8ind  die  iieruliruugen  c.  16  (p  104):  u^XXtn  xnu- 
ßtnuv  Tois  Hi^Ji^^i^iiov^  ^ijdvMttv  X.  ätftatv  ituagTidv  (vgl.  Luk. 
24,  47),  c.  34  (p.  158):  f4otj(ttai  x.  ifövoi  ,  noppi^ag,  Mion^g,  tflaQ- 
yvQiaf,  6qxov  ij/tvdov(  (vgl.  MMth.  15,  19)  und  c.  23  (p.  120)  toq 

dem  gebiraadsa  Weibe,  «elehos  aadi  dsr  Gebart  den  Sehmsn  ver» 
gUst  (vgl.  Joh.  16,  21). 


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14 


HABNACK, 


ft^osft^  ffäotv  dif^Qf&n<ng  tuyxj&m,  Li  c.  17  (p.  106)  ist 
auch  KoL  3,  3:  tck  äm  ff^fwoßytBg  benutsi^  und  EoL  1,  15 
liegt  e.  22  (p.  118)  KUgrande:  7r^ftir<^{>xov  n6itf^  utriamg. 

In  c.  21  (p.  134)  ibt  daö  /J.i^oovof.if'^oai  d(ft}aQola^  viel- 
leicht ans  1  Kor.  16,  50  abzuleiten,  und  der  letzte  Satz  des 
33.  KapiteU  ist  wohl  eine  Reminiscenz  an  1  Kor.  2,  7 — 10. 
Die  LastersuBAiniiieiistellung  in  c  3i  (p.  168):  eida»AoAai^<Mr 
•  •  •  fKO(fpeia  . .  •  daeXyeia  xai  lixa^a^ia,  ist  von  GkJ. 
5,  19  f.  abhängig,  und  der  Aosdnick:  fgt&gwoiv  tljg  nuxQÖiag 
(c.  35,  p.  162),  den  wir  schon  I,  7  fanden,  stammt  aus 
Eph.  4,  18.  Dieser  stillschweigende  Gebraueh  pau- 
lioischer  Briefe  ^  ist  um  so  bemerkenswerter,  als  Theophüu» 


1)  Qans  sieher  ist  aus  der  neutestiunentlicbeQ  Brieflitterator  dem 
Verfasser  noch  der  erste  Petrasbrief  bekannt  gewesen ;  Tgl.  e.  34  (p.  1&8): 

nn96jn(voi  Soy^aaiv  ftnrn(ot<;  dtä  Ttkuvti^  nnTgonttga&örov 
yvtofATis  äavv^rovj  mit  1  Petr.  1,  18:      t^sT  u«r  vu(5p  avaaTQOffi^ 

n  ar  Qon  ttQa6  ÖT  o  V ,  und  ibid.:  r^j  u&t^liov  fi(5tüi.()X(tion'a^^  mit 
1  Petr.  4,  3.  Möglich  ist  eine  Benutzung  des  zweiten  Petrusbriefes 
—  PH  wäre  die  älteate  —  in  c.  9  (p.  76) :  ol  toO  ^toO  äv9^^n<u, 
7treLfj.i(T(Kfooot  'iv(L'unTo^  ftyfov j  vgl.  1  Petr.  1 ,  21 :  vrtd  nvn'uaTOf 
äyiov  (fi(i6fitvui  Uäliiatti'  uno  S-foC  UvO^Quinui.  Allein  die  Uberein- 
stiiiununi:^  ist  doch  nur  scheinbar,  sofern  der  charakteristische  Aua- 
druck; jot  UtüL.  uvit{mnot  faicLi  iui  zweitem  Petru&bnef  iiiciit  iiiidet, 
vielmehr  dort  nur  zufällig  unb  &(ov  und  ävi/ifCj.Toi  zusammeustehea. 
Auch  c  13  (p.  96),  wo  es  vom  Logos  heilst;  tfaivtov  StaniQ  Iv^vog 
iv  otxilifiaTt  avrixo/i/t^,  berflhft  sieh  niebt  to  stark  wH  2  Petr.  1,  19, 
wo  das  prophetische  Wort  mit  einem  Ivxvat  tf  ai9nnft$  ip  vt^xt^^W 
t6n^  veigUehen  wird,  dalk  man  notwendig  eine  Benotfoog  annelhBeB 
miük  Die  Stelle  e.  25  (p.  126):  ink»  ytvpn»$  nm9(w,  oiS»  4^19 

nffdoßmmif  ißiattas  nak  inl  orf^ibr  r^ogi^v  f^ttm,  kann  auf 
Hebr.  5,  12  berohen;  doch  ist  bti  der  flänfighdt  des  Bildes  die  Ab- 
bSngigkeit  nicht  sicher.  Indessen  ist  beaehtenswerti  dals  gldch  dar- 
auf wieder  eine  Paiallele  som  Hebrierbiief  (12, 9)  begegnet:  §i  d'i 

rOtf  SXmr.  Dab  die  Planeten  das  Bild  der  tod  Gott  abge&llenen  Ifen- 
sehen dnd  (c.  15,  p.  102)  braucht  nicht  notwendig  aus  Jod.  13  zu 
stammen«  £in  sicheres  Zeugnis  für  die  K^ntnis  der  Apokalypse  UUst 
sich  nicht  anf&iden;  doch  hat  Eusebius  bekanntlich  bemrrkt,  dafs 
Tbeophilus  in  einer  anderen  Sehrilt  7icngnisse  ans  diesem  Boeh  bei- 
gebracht habe. 


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TBE0PHILÜ6  VOM  ANTIOCHIEN  U.  DAS  N.  TESTAMENT.  16 


in  dem  Buche  viele  AuafiUmuigea  giebt^  f&r  die  er  sich  auf 
Paolos  sehr  wohl  hAtte  bemfen  k^jooen.  Dennoch  citiert 
er  ihn  niemals  als  Instana.   Am  aofifallendsten  ist  das 

c.  22.  Hier  nennt  er  den  Logos  „ ^wiclio/.ot.'  Jtaorig  xr/- 
otiog^*  und  berichtet  über  seinen  Ursprung  (S-ebg  ov  v.ei'fo'iet'^ 
%ofj  Xoyov).  I>ennoch  beruft  er  sich  nicht  auf  den  Kolosser- 
oder  Philipperbriefy  sondern  ruft  die  heiligen  Schiiften'^  und 
Joh.  1  ab  Instanx  an.  Hiemach  kann  man  nicht  andern 
nrteilen»  wie  schon  bei  der  Untersuchung  des  ersten  Buohea 
von  uns  genrteSt  worden  ist,  dafs  die  pautinischen 
Briefe  bei  Theopliilua  keines wegi»  auJ  einer  8t ii  1  e 
mit  den  heiligen  Schriften  stehen;  ja  es  läl'st  sich 
nicht  eininai  irgendwelche  Diguität  für  sie  ermittein,  ob- 
gleich der  Verfasser  in  ihnen  völlig  heimisch  ist. 

Da  der  Hanptteil  des  dritten  Buches  eine  Chronographie 
umfafsty  80  gewährt  er  uns  nur  eine  geringe  Ausbeute» 
Allein  die  umfassende  Einleitung  e.  2 — 15  enthftlt  doch  ziem- 
lich viel  (  itate,  und  hier  tirtdet  sich  auch  jener  Aus- 
druck, der  die  Kritiker  veranlalst  hat,  dem  TheophiiuK  ein 
fertiges  Neues  Testament  beizulegen.  Wir  können  sofort  zu 
ihm  übergehen,  resp.  aur  genauen  ßetrachtung  der  c  12 — 14f 
denn  was  yorheigeht,  enthttlt  nach  der  Untersuchung  der 
beiden  ersten  Bttcher  nichts  Neues.  Bemerkt  sei  nur,  daia 
Tbeophilos  c.  1  den  Beweis  ankündigt,  zag  na(^*  ^ftlv 
yQa(pa<  seien  nicht  :r()oa(pavovg  xai  vmteQi7.dg.  Er  will 
rr^v  d^atörrita  rtov  ua()  t)uir  yQa{.ipiaTU)v  dai'legen.  Auch 
hier  hat  er  also  lediglich  die  aittestamentiichen  Schriften  im 
Sinn,  wenn  er  von  heiligen  Schriften  redet  In  c  2  (p.  188) 
braucht  er  die  panlinische  Redeweise  (iKor.  9,  26):  di^ 
diffovaiv;  in  c  4  (p.  194.  196)  ist  2  Kor.  11,  19  {fQoyifiog 
Crv  ifiiiog  ftcjQÖv  avlxu)  1  Kor.  1,  18  f.  benutet.  Mit 

c.  9  bc^nnnt  er  wiederum  eine  Darlegung  der  Hoheit  der 
christlichen  Lehre.  Die  Christen  glauben,  dafs  ein  Gott  »ei, 
der  alles  geschaffen  habe  und  lenke,  und  sie  wissen  ihn  als 
Qesetsgeber,  da  er  ein  heiliges  Qeseta  gegeben.  £uuge 
leuchtende  Vbrsohrifteii  dieses  heiligen  Qesetne  wevden  nun 
milgeteilt  (c.  9 sqq.);  dieselben  seien  spfttsr  durch  von  Goti 
gesandte  Propheten  eingeschärft   worden.    Der  Verfasser 


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16 


HAKNACK, 


bringt  nun  beispielsw^se  StoUen  aus  den  Propheten  über 
die  Bnlae  beL  Dann  fiüirt  er  c.  13  alao  fort:  ''fk«  wxi. 
m^l  diTUXioa^gy  fjg  6  wöfiog  Sifipa»,  dx6Xov&a  e^^axfiror* 

Kai  td  t<j>v  7iqo(fif\vüiv  'Kai  töv  evayyeh'cov  t'xstVy  dtä  td 
Tovg  rcdrrag  'JcvevficttoffdQOVi;  Ui  rrvivftari  *hof^  l^lahy/.ivai. 
Plötzlich  tauchen  hier  ncbca  den  Propheten  die  Evan- 
gelisten auf.  £in  Dreifaches  ist  bemerkenswert  Erstlich 
daie  es  nicht  heilst  ^^das  Evangelium'',  sondern  ^ydie  Eyan- 
gelien^;  swettens  dals  die  Evangelien  so  enge  mit  den  Pro* 
pheten  verbanden  sind  (das  xA  ist  nicht  wiederholt) ;  drittens 
dafs  die  Evanji^listen  als  .rrer'uacoff  oQoi  bezeichnet  sind,  dals 
weder  sie  Apuatel  geruiiuil  .sind,  noch  auch  Apostel  neben  ihn^ 
erwähnt  werden.  Was  wir  oben  (ß,  12)  zu  II,  22  beobachtet 
haben,  bestätigt  sich  hier  also,  resp.  wird  erst  völlig  sicher 
gestellt:  Theophilns  hat  nicht  nur  das  Evangelium,  son- 
dern vielmehr  die  Schriften  der  Evangelisten  neben 
das  Alte  Testament  gestellt  —  das  ist  der  F^ortachritt  Uber 
Justin  -— ;  aber  er  hat  die  Evan^Hsten  als  Pneumatophoren 
bezeichnet,  und  er  hat  den  Evangelien  noch  keinen  „Apo- 
stolos^'  zugeordnet.  Der  angeführte  Satz  ist  somit 
der  charakteristischste,  der  sich  in  den  drei 
Btt ehern  findet;  er  markiert  die  Stdlung,  die  man  Tbeo- 
philus  in  der  Vorgeschichte  des  Neuen  Testamentes  ansa- 
weisen  hat. 

Um  nun  zu  beweisen,  dalU  Propheten  und  Evangelien 
mit  dem  Gesetze  inbezug  auf  die  Lehre  von  der  Gerechtig- 
keit Ubereinstimmen,  dtiert  der  Verfasser  merkwttrdigerweiae 
(c  13)  nur  eine  Reihe  von  Prophetenstellen.  War  er  in 
den  Synoptikern  so  unbewandert  (s.  oben  S.  13)  oder  ist  es 
als  Vergelslichkeit  zu  beurteilen?  Dann  geht  er  zu  dcu 
Keuschlieitsroireln  (c.  über  und  citiert  eine  Propheten- 
stelle, nun  aber  mit  der  Forniel:  t)  c)f  evayyihog  (pvjvi) 
t'ciTctti'AuyttQOv  dtdda^u  tri^i  äyveiag  leyovaa,  Matth.  5,  28 
und  82,  hierauf  Prov.  6,  27—29.  Endlich  kommt  er  (c  Ii) 
auf  die  Feindeeliebe  und  citiert  hier  zuerst  Jes.  66,  ö,  dann 
mit  der  Formel:  td  de  evayyfXior  (piiai,  Matth.  5,  44.  46. 
Hierauf  folgen  nun  diese  Sätze: 

Tovg  öi  7toiofjpwag  %ö  dya'Jö¥  öiddai^u  [seil.  %ö  ^vayyd- 


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TH£OPBILUS  VON  AMTIOGHIEN  V,  DAS  N.  TK8TA11BNT.     1 7 

kiov\  fii)   y.avyßa&ai  y   i'va  fi))  dvi^QtojiaQta'Mi   {itaiv,  M^i 
pniivm  yaQj  qitiaivy  jJ  xbiq  aov  1}  agtoiE^a  %L  rtotel  1} 
cov  ij  de^ifL  ^'Evi  /<j^  xoi  ntqi  roO  vnovdaaea^ai  d^aig 
nun  ^iwaiats  xai  ^w&at  iniq  a^t&v  %elgiki  ^ßäg  6  Mog 
Xdyog,  Brrwg  f/Qefiov  xai  )]oix^dif  ßiw  diAytaf»»,  tmu  Stddmtu 

(f6ßov  %6v  (p6ßov  j  Tiu  Tov  (fOQov  löv  giÖQOv ,  ftiidevi  ^rfiev 
d(p€A£iv      fidvov  TO  uyarräv  jraviag. 

Diese  Stelle  ist  es,  auf  Grund  welcher  mau  behauptet 
hat,  Theophil  US  citiere  die  Paulusbriefe  mit  der  Formel 
„TuUön  {ötManuu)  i^ißg  ö  ^äiog  liyog*\  stelle  aie  damit 
den  Evangelien  nnd  dem  Alten  Testament  gleich  und  be- 
zeuge so  die  EzistemB  eines  Neuen  Testaments.  ADein  diese 
Behauptung  läfst  sich  nicht  halten,  wenn  man  die  Stelle 
genau  ins  Auge  falst,  und  wenn  man  sie  im  Zusammenhang 
mit  den  sonstigen  Aufisagen  des  Theophilus  würdigt. 

1)  TheophilaSi  der,  wie  gezeigt  worden,  einen  sehr  reich- 
lichen Gebranch  Ton  den  Paulusbriefen  in  seinen  drei  £tt- 
aham  gemacht  hat,  dtiert  sie  sonst  niemals  als  heilige 
Schriften,  sondern  verwebt  ihre  Worte  in  seinen  eigenen 
Text 

2)  Die  Gruppe  von  Ausführiingen,  der  unsere  Stelle  an- 
gehört 9  ist  c.  12  durch  den  batz  eingeleitet,  dafs  die  An* 
wmsoDgen  der  Propheten  und  Evangelien  mit  den 
Gbboten  des  Qesetses  übereinstimmen.  Also  dachte  der 
Verfuser  nicht  an  Apostel  oder  an  Briefe;  auch  kann  der 
Ausdmck  rd  eiayy^lm  nicht  Briefe  mit  einschtieÜsen.  Dem- 
gemäfs  kann  Theophilus  auch  in  seiner  Beweisführung  sich 
nur  auf  die  Propheten  und  Evangelien  bezogen  haben. 

3)  An  der  Stelle  1,  11  hat  der  Verfasser,  wie  gezeigt 
worden  (s.  S.  8  f.),  das  Gebo^  der  Obrigkeit  au  gehorchen, 
bereits  aosfUhriich  besprochen.  £r  hat  es  dort  in  pauli- 
«yMJiim  Worten  beschrieben;  dann  aber  hat  er,  nm  zu  be- 
weisen,  dals  es  wirklich  ein  Gottes -Gebot  sei,  sich  nicht 
auf  Paulus  berufen»  sondern  erklärt:  rov  ßaaiXia  ziua^  ev- 
vqQv  avttpf  i7iotaaa6(Aevo^  avcot^  eSxo/jevog  inig  avToO' 
)Jysi  yäq  6  voftog  toü  ^eoC*  Ti'fta  v'ti  -D^edv  'Aal  ßaaiXia 
(ProT.  24|  81).   Also  hat  der  Verfasser  die  Anweisung  dea 

Sdtackr  tI.-0  ZI.  I.  2 


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18 


UAKNACK^ 


Paulus,  der  Obrif;^keit  untertlian  zu  sein,  nicht  für  das 
authentische  Gottes  Gebot  gehalten,  sondern  nur  lur  eine 
Wiedergabe  desselben.  Um  dasselbe  Gebot  handelt  es 
sich  aber  auch  hier. 

4)  An  unserer  Stelle  fOhrt  der  Ver&sser  -mit  dMoM 
auch  zuerst  in  pauliniscber  Umschreibung  Gottes- 
gebot an:  tovg  noiovvfftc  lo  dyatiui  oidctOAU  \rb  nayytXtov 
oder  ö  0£iog  X6yog]  ^/^  /MiyüatJai ,  tva  ftt]  dvÜQio.iäQ&r^i 
aber  er  weifs  sehr  wohl,  daf.s  er  damit  nicht 
die  authentische  Gestalt  des  Gebotes  angeführt 
hat  Daher  fährt  er  fort;  fiij  yvt&tw  yÄq^  q^ffip,  ^  x^'C 
<rof  t]  dgiacegä  ti  ttom  ^  x^*Q  ^  dcficf  (s.  Matth.  6,  3). 
Diese  lieobachtung  zeigt  wiederum  evident,  dafs  ilmi  die 
Paiilusbriele  selbst  nicht  heiHge  Instanzen  gewesen  sind; 
sonst  hätte  er  hier  nicht  noch  das  Evangelium  mit  (pi^ai  zu 
citieren  gebraucht. 

ö)  Nicht  den  drei  Stellen  mit  kiyti  (c,  13)  und  ^ijaiy 
xb  eiayythcw  sind  die  nun  folgenden  beiden  Sätze:  *'Eti 

tX'XWd^ai  Ijclq  avT(üv  xeAfi'ft  f^^iäg  d  Odog  ?,6yog,  l):nog 
yoLuoy  '/Ml  t]ot'xior  fiiov  diäyiofiEv,  und  Äa/  diddo  Aet  dno- 
didövai  7täOiv  tä  ndvra  %tL  formell  und  inhaltlich  pa- 
rallel, sondern  dem  Satze:  Tobg  de  Ttoioüyrag  rd  dya^y 
dtd&a'Ait  fiij  TMtvxiß^^ai,  Vvo  fiij  iof^qtartdQWMi  ^iv.  Von 
diesem  Satsse  aber  haben  wir  sub  4)  gesehen ,  dals  er  im 
Sinne  des  Theuj^hihis  nicht  den  authentischen  Guttesspruch 
^^clU^t  enthält,  Bondern  eine  freie  fpaiilini^che)  Umschreibung 
desselben,  die  zu  ihrer  vollen  Beglaubigung  die  Anlührung 
des  nialsgebenden  Gottesgebotes ,  welches  nun  folgt,  noch 
bedarf.  Also  ist  es  evident,  dafs  auch  an  unserer  Stelle  die 
mit  TMikedu  {6id6aiut)  6  9äiog  X6yog  eingeftüirten  beiden 
paulinischen  Sfttse  im  Sinne  des  Theophilus  nicht  die  Gottes- 
sprüche selbst  sind,  sondern  eine  freie  ^^  ieder<::abe  derselben. 
Theophilus  aber  bat  es  diesmal  unterlassen ,  ihnen  das  aus- 
drückliche Gotteswort  j  mit  qfifii  eingeführt ,  nachzusenden, 


1)  Sowohl  das  xav^Oo^iii  ist  pauliuisch,  als  der  folgende 
Finslsats,  8.  Gsl.  1»  10.  1  Theas.  %  4.  Ephes.  6,  6.  Kol.  3,  29. 


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THJS0PHIL.U8  VOM  ANTIOCHIEK  U.  DAS  N.  TESTAMENT.  19 

entweder  weil  er  es  schon  I,  c.  H  angeführt  liaite^  oder 
aber  weil  er  hier  das  Gebot,  der  Obrigkeit  sa  gehoroheii| 
nur  fiäehtig  mm  ScfaluiB  erwähnen  wollte ,  da  er  ja  eigent- 
lich von  der  Feindesliebe  handelt  und  deshalb  die  Erwäh- 
nung jenes  Gebotes  hier  mehr  ein  upus  supererugationis  ist. 

6j  Aueh  Buiibl  wird  in  den  Büchern  des  Theophilus  mit 
6  ö-eiog  löyog  (diöäa/u)  niemals  ein  wörtliches  Oitat  aus 
den  heiligen  Schriften  ehige^rt,  sondern  die  freie  Um- 
Schreibung  dnes  Gottesgebots.  Das  wörtliche  Cätat  wird 
stets  mit  if»iai  gegeben.  So  heifst  es  III,  13:  Kai  fte(fi 
aeftvorriTog  ov  /Ltdvov  SiSdffnet  rj/udc  d  &/tog  Xöyoc  rö  fiij 

a^aQzdveii  t^yvj ,  u/Jm  /mi   u^x^ig   irroiai;   2:o?Miudv 

piiv  ohf  t(pi\'    Ol   tKft^ak^oi    aov  ogd-a  ßXeTzexuyaav  atX, 
III,  15:  i^BÖg  6i4oXoyutaif  dXii&eia  ßgaßerei,  x^Q^9 
r^^i,  ^igfy^  TU^ayLiftUi  löyog  Syiog  ddi^eif  aotpia  dt- 
ddtntu  %tL   U,  23:  Sjrtag  nhtinta^^  6  roß  ^eo€f  h&yog  dg 
rö  aö^dno&ai  xai  nXri^^ma^i  %b  yivog  tChf  dtf&mbrttav, 

7)  Wir  haben  also  in  unserer  Stelle  nicht  heilige  Schrift- 
citate  zu  erkennen,  sondern  die  freie,  in  paulinischen  Worten 
wiedergegebene  Umschreibung  de?*  Gottcsgebotes,  der  Obrig- 
keit unterthan  zu  sein  und  für  sie  zu  beten.  Also  darf 
man  hier  nicht  ein  Zeugnis  fttr  die  kanonische 
Geltung  der  paulinischen  Briefe  konstatieren. 
Übrigens  sind  auch  die  paulinischen  Stellen  keineswegs  wört- 
lieh  citiert.  Tit.  3,  1  und  1  Tim.  2,  1.  2  scheinen  mit- 
einander Terbunden  zu  sein,  und  Köm.  13,  7  f.  ist  sehr  frei 
wiedergegeben: 


Theophilus. 

/Ml    (AXlOi^ai    LrtQ  iiilUJV, 

didyotfte». 


Paulus. 

Tit  3,  1 :  ^Ttofiifiwi^  4x^ 
Toig  agxctii;  l^ovalaig  ino- 

1  Tim.  2,  if.:  TtaqavMXüi 
. . . .  7cotüoi^ai  dtt'joug,  ngoo- 
evxdg,  ivr€v^€ig,  tvxaqtaüfxg 
. . . .  hnifi    ßaailiüw  .... 

2*  ^ 


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HAaNACK, 


SO 


Röm.  13,  7  f.:  dn-Sdote 
Ttäai  Tag  dq^uiiis^  ^^1» 

^pd^OV  Tdv  q^ÖQOVj  Ttp  TO  Tilog 

ei  fit)  tö  dXXtjkovg  d'/a/r^v. 


Aber  wie  man  auch  immer  diese  Abweichungen  be- 
ui'teiien  —  das  Urteil  bleibt  anbetroffen,  dafs  Theo- 
philos  hier  nicht  authentuBche  Gottewpr&che  angefUhrt  hat, 
aondem  in  diesen  paaliniachen  Worten  ein  zugrundeliegendeB 
Gütteagebot  (vielleicht  Prov.  24,  dl)  anerkennt  ^  ebenso  wie 
auch  noch  uribere  Prediger  den  Aubdruck  „Wort  Gottes'* 
nebon  der  eigentlichen  Bedeutung  in  einem  l'reieren  Sinn 
brauchen  und  jede  l^Iahnung,  die  im  göttlichen  Wort  iiiren 
Grund  hat,  ab  Wort  Gottes  beaeichnen. 


Übet  (Ins  ,,Netie  Testament"  des  Theophilus  kann  man 
sich  denif^einiiis  sehr  kurz  fassen.  Er  hat  ein  solches  noch 
in  iLeinem  binn  besessen.  Als  kanonische  Instanzen  kennt 
er  nur  die  heiligen  Schriften  (des  Alten  Testaments),  d.  h. 
die  Schriften  der  Propheten  (Pnenmatophoren);  diese  alt- 
tcrtamentlichen  Phipheten  setaen  sich  aber  fort  in  dner  wei- 
teren Ghruppe  von  „  Geistträgem die  nicht  niher  zu  be- 
stimmen ist,  zu  der  aber  jedenfalls  die  \"erfa9fler  der  (vier) 
Evangelien  gehörten  und  der  Verfasser  der  Apokalypse 
Von  den  Aposteln  hat  Theophilus  niemals  gesprochen.  Waren 
sie  ihm  vidleioht  noch  alle  einschliefslieh  des  Paulus  „Geist- 
tfiger*^,  so  ist  doch  durch  nichts  angedeutet,  dals  er  ihre 
Briefe  Air  kanonisch  gehalten  hat^  lielniehr  ist  das  G^gen- 


1)  Die  Uaterraehnqg  fiber  die  Frsgei  ob  nicht  den  Steltea  B9m. 
18,  If.  IPetr.  S,  laf.  ITim.  2»  If.  Tlt  3,  1  und  den  gleiehsrtigea 
bei  den  apostolisehea  Vitsn  ein  Hermwert  sugrande  liegt,  Uuse  ich 
hier  anf  sieh  berahen. 


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THEOPBILUS  VON  ANTIOCHIEN  U.  DAS  N.  TESTAMENT.  31 


teil  ans  der  verschiedenen  Art  der  Benutzung  des  Alten 
Testamente  und  der  Evangelien  einerseitB,  der  paulinischen 
Briefe  andeneitB  evident  Gekannt  hat  Theophilus  die  vier 
Evangelien  (doch  für  Markus  fehlt  der  Beleg),  die  dreizehn 

PauluHbrie:e  (iiir  die  Thessalonicherbriefe  fehlt  der  Beleg), 
höchst  wahrscheinlich  auch  den  Ilebräerbriei*,  ferner  den 
ersten  Petrusbrief  und  die  Apokalypse.  Dafs  keine  einzige 
Stelle  die  Bekanntschaft  mit  der  Apostelgeschichte  verrät 
—  die  von  Otto  au%elührten  Zeugnisse  aind  nicht  heweis- 
kriftig  — I  ist  von  Bedeutung.  Ebenso  bedentui^gfvoll  iet 
es,  dafs  der  katholisch-apostolische  Traditionsbeweb  nirgends 
auch  nur  angedeutet  ist,  obgleich  Theophiiuä  dua  bischöfliche 
Amt  bekleidet  hat. 

Diese  Untersuchung  wird  gezeigt  haben,  wie  vorsichtig 
man  bei  der  Prtkfung  der  Zeugnisse  für  die  Existenz  des 
Neuen  Testamentes  zu  ver£shren  hat.  Noch  ist  die  alte 
schlechte  Methode,  nach  welcher  man  Iedi(j^ch  die  Zeugnisse 
für  die  Benutzung  der  einzelnen  Bücher  des  Neuen 
Testaments  sammelt  und  damit  der  Aufgabe  entsprochen  zu 
haben  glaubt,  in  weiten  Kreisen  lierrschend.  Aber  auch 
diigenigen,  welche  angefangen  haben,  auf  die  Oitationsformein 
wo,  achten  und  die  Schriften  des  2.  und  3.  Jahrhunderts  einer 
genaueren  Pk'Qfung  zu  unterziehen,  haben  nur  in  wenigen 
FSllen  die  Forschung  gründlich  zu  Ende  gefUhrt 


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les  ApolliDarios  von  Laodicea  Schrift  wider 

Eanomios. 

VOD 

Dr.  Joliannes  Bräseke. 


Basilius  Caeaareae  Cappadociae;  quae  piius  Mazaca  vo- 
cabatur,  episcopus,  egregios  ^^eontra  Eanoouiim''  elaborayit 
libm.  So  berichtet  Hieronymus ' ,  über  die  Ansabl  aber 
der  Bttcber  wider  Eunomioe  schweigt  sowohl  er  als  auch 

das  ganze  übrige  Altertum.  Sie  bildet  seitdem  einen  Gegen- 
stand des  Streites  unter  den  Gelehrten ;  der  gröfste  Teil  der 
älteren  bis  auf  Fabricius  schrieb  die  überiielerten  tiini  Bücher 
wider  Eunomios  dem  Basilios  zu,  einige  jedocb,  unter  ihnen 
Efmidus^  glaubten  die  letstan  beiden  Bücher  demselben  ab- 
erkennen 8u  müssen.  Auf  der  im  Jahre  1439  abgehaltenen 
Kirehenyersammlung  zu  Florens,  wohin  die  Abgesandten 
der  Griechen,  an  iluer  Spitze  der  aus  Anesst  vor  der  immer 
drohender  nahenden  Türkengefahr  auf  eine  Vereinigung  mit 
der  römischen  Kirche  bedachte  Kaiser  Johannes  Paiäologos, 
von  Ferrara  übergesiedelt  waren,  wurde  über  eine  diesem 
Teile  angehötige  Stelle  (S.  306  D— 307  B)  ausführlich  ver- 
handelt, insbesondere  berief  sich  der  Bchneidige  und  uner- 
schrockene Verfechter  der  griechischen  Lehre,  Bischof  Markus 
von  Ephesus    auf  einen  demselben  Zusammenhange  ange- 


1)  Hieronym.  De  rir.  Hiustr.  CXVI. 

2)  Übsr  «Kseen  aosgeie^duieteik  Mann  tsOt  DemetnkopulM  in 


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DBÄSEKEy  AP0LL1NARI08  V.  LAOD.  GEGEN  EUNOMIOB.  23 

bdngen  Ausspruch  als  einen  echteni  Yon  Basükw  selbst  her- 
rührenden  K  Auch  die  Handschriften  und  ältesten  Dmcke 
sttmmen  nicht  miteinander  ftberein.   Wie  Garnier  in  der 

Vorrede  zu  seiner  Basilius- Ausgabe  erwähnt^,  teilte  (Jum- 
beüs  ia  seiner  Ausgabe  des  Basilius  init,  dafs  die  beiden 
leisten  Bticher  in  einem  Cod.  Reg.  sich  nicht  üLnden,  auch 
die  zu  Venedig  im  Jahre  1536  bei  Steplianus  Sabinus  ge- 
druckte Ausgabe  weist  nur  die  drei  ersten  Bücher  auE 
Jene  Angabe  Combefis'  scheint  auf  einem  Irrtum  ku  be- 
nihen,  da  Garnici-  auf  das  bestimmteste  erklärt ^  die  ge- 
nannte Handtscliiilt  trotz  sorgfältiger  NacbforRchungen  auf 
der  königlichen  Bibliothek  nicht  gefunden  zu  haben.  Es 
standen  demselben  aufser  einem  Cod.  Colbert  sechs  andere 
Handschriften  (Codd.  Regü)  augebote^  in  denen  simtlich  alle 
fttnf  Bücher  fibereinstunmend  dem  BasOios  beigelegt  werden. 
Dafii  schon  in  der  mittelalterlichen  gi  lechischen  Kirche  die 
Ansichten  über  die  letzten  beiden  Bücher  durchaus  nicht 
einheilig  waren,  lehrt  die  im  Anfang  des  vierten  Baches  im 
Cod.  Beg.  y  sich  findende  Bemerkung:  Tiai  tv^qI  toikov 
toB  lAyav  didaponog  ftagA  tsokloig  d6So  x^rse,  t0p  fih 


»einer  geachickt  geschriebeueu  mid  durch  Herauziehung  uud  Be- 
naizung  vielfach  bisher  uicbt  veröffentlichter  Quellenschriften  wert- 
TullciJ  'latoQiu  lüv  aj(touiii o;  rfjs;  Aativixfi;  txxkriaittg  anö  t^<;  oQd-o- 
6öiüv  'EUrtPixijg  (Leipzig  18ü7)  besonders  S.  146  und  147  Genaaeres 
mit.  Ausführlichere  Naohweisungen  giebt  derselbe  in  seinem  vsr- 
diemtKehen  Werke  *OqMoSos  'EXläg  ijjüi  rmv  *Elkn^tav  rOr 
yfja^pdvtm^  uatA  A«t(vuf¥  mä  tOv  auyyQttft/idrtar  atdrOf  (Leipxig 
S.  98-105. 

1)  Er  tsgte  (S«8S.  18,  p.  440  edit  Born.  T.  IV.  Ooncilior.): 
*0  fi^yag  Suailnoc  iv  toif  n^df  EMfJUOv  AvriQotjTutdts  nt^  in 

ihm      nPiOfia  t6  äyui», 

2)  Basilü,  Cacsareae  Cappadociae  archiepiscopi ,  opera  omnia. 
VoL  I  (PerisÜB  1731),  Praet  p.  LXIH,  §  XI.    De  Ubm  in  £u- 


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24 


^ivy  od  ytatfiyoffoi^yTtay  di  &g  ti  dne^ipaivov  ^xpnoq*  Das 
Urteil;  welches  der  mittelalteiiiehe  Ghrieche  in  den  letzten 
Worten  ausspricht,  ist  jedenfalls  sehr  beachtenswert  und 
erweckt  schon  zum  voraus  ein  gunstiges  Vorurteil  itir  die 
beiden  dem  Basilios  aberkannten  Bücher,  denn  das  Geschick 
angesweifelter  oder  nameolai  umiaufendor  Schrii'ten  ist  be- 
kanntlich nicht  immer  ein  besonders  frenndliches  gewesen. 
Garnier  hat  sieh  darauf  besehrftnkt  sa  beweisen ,  dafs  Ba- 
silius iiicLt  der  Verfasser  seiti  kann,  und  dieser  Nachweis 
ist  als  diucliaus  gelungen  zu  bezeichnen.  Er  hat  aber  leider 
zur  i^'olge  gehabt  >  dafs  man  sich  seitdem  um  die  beiden 
letzten  Bücher  so  gut  wie  gar  nicht  gekümmert  bat  Auf* 
fiülend  ist  es,  dafs  Klose,  der  in  so  yieien  Lehrbüchem  mit 
Auszeichnung  genannte  VerfiMser  der  ,|Qcschichte  und  Lehre 
des  Eunomius"  (Kiel  1833),  auf  jene  von  Garnier  ohne 
tiefer  eindringende  und  umschauende  Prüfung  gewissermafsen 
preisgegebenen  und  aus  diesem  Grunde,  wie  es  schien,  zu 
ewigem  Schweigen  verurteilten  Bücher  auch  nicht  den  flüch> 
tigsten  Blick  geworfen  hat  Die  neueste  Ausgabe  des  Bar 
Biliös  von  Gol^Uiom  ^  bietet  nur  die  unbesweifelt  echten  drei 
Bücher  des  Basilioe  wider  Ennomios  und  besehrftnkt  sich 
in  der  Vorbemerkung  darauf,  die  W'urte  Garnier  0  wieder- 
zugeben. Auch  der  jüngste  Gesehichtschreiber  des  Basilios, 
BöhringeTi  verzeichnet  einfach  die  Thatsache,  dafs  Basüios 
»jrnit  seinen  iiinf  oder  vielmehr  drei  Büchern^  als  der  erste 
gegen  Eunomios  zu  Felde  gezogen  sei ohne  auf  die  Ur- 
sprungsrerhsltnisse  der  beiden  in  jeder  Beziehung  bedeuten- 
den Bücher  näher  einzugehen.  Sollte  der  Verfasser  nicht 
zu  enuittelu,  ja  mit  aller  Bestiiiitntheit  zu  ermitteln  sein? 
Man  kann  mit  Recht  fragen,  warum  niemals  der  Versuch 
gemacht  worden  ist,  den  wahren  Verfasser  der  beanstandeten 
Schrift  festansiellen.  Wenn  diese  dem  Basüios  hat  bei- 
gelegt werden  können^  so  kann  der  Ver&sser  kein  gänsiich 


1)  Im  sweiten  Bande  der  Tliilo*selien  Bibliotb.  patr.  grase,  degm. 
(Updg,  T.  0.  Wdgel,  1854). 

8)  Böbringer,  Die  alte  Kirehe.  VII.  Basilias  m  Cisstea. 
(Slut^art,  Hsjer  und  ZeUer,  1875),  S.  88. 


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APOLLIKAKIOS  V.  LAOD.  ÜEGKN  EUA'OMlOi«.  2& 

unbedentender  Mensch,  er  mufs  ein  hervorragender  und 
darum  bekannter  Lehrer  der  Kirche  gewesen  sein.  So  viel 
ich  sehe,  ist  es,  um  ein  teste«  Ergebnis  zu  gewinnen,  in 
erster  Linie  dnngend  nötige  die  Nachrichteo  des  Photioe 
und  Hienmymixfl  einmal  genauer  an  prüfen. 

Pbotioa  erwilmt  drei  Beetreiter  dee  Ennomiee,  den  An^ 
tiodiener  Theodoros  (Cod.  4),  Sophronios  (Cod.  6)  und  Gre- 
gorios  von  Nyi>sa  (Cod.  6  und  7).  Dais  von  (licaeii  dreien 
keiner  VeH'asser  der  beiden  unechten  Bücher  in  An 
Spruch  genommen  werden  kann,  folgt  allein  schon  aus  den 
beiden  Umständen,  dafs  die  Werke  aller  dreier,  von  denen 
wir  nur  die  des  Qregorioe  Ton  Nyssa  noch  besitsen^  als 
Sehotncbriflen  für  Basilios  (hri^  Baaüistmi  xcrr^  Bdvoftlav) 
and  als  gegen  die  ans  drei  Büchern  bestehende,  erst  im 
Todesjahre  des  Basilius  (;57*J)  verööcntiichte  Schrift  des 
Eonomios  gerichtet  bezeichnet  werden.  Beide  Beziehungen 
treffen  anf  die  vorliegenden  Bücher  nicht  zu.  Wie  aus  dem 
uns  noch  yorli^gendai  Werke  des  Bruders  des  Basilioe  er* 
helh,  waren  diese  SchutaschrÜteu  von  beMehtlicheni  Um* 
&nge;  Theodoroe'  Werk  um£s(ste  nach  Photios  sogar 
25  Bücher,  nur  das  des  Sophronios  dürfte  etwas  kurzer  ge- 
wesen sein  Die  beiden  Bücher  aber,  von  denen  wir  reden, 
sind  weit  entfernt  von  einem  solchen  Umtang,  und  des  Ba- 
nlios  Kame>  sdner  Sache  und  seines  Werkes,  deren  Gre- 
gorioa  von  Nyssa  so  oft  und  ehrenvoll  gedenkt,  wird  nir- 
gends auch  nur  mit  einem  Worte  Erwähnung  gethan. 

Anders  steht  die  Frage  bei  dem  Berichte  des  Hieronymus. 
Er  teilt  von  Eunomios  Folgendes  mit:  „Eimoinius,  Arianae 
partis  Cyzicenus  episcopus,  in  apertam  hereseos  suae  pro- 
rupit  blasphemiamy  ut,  quod  illi  tegunt,  iste  publice  fateretur. 
Usqne  hodie  vivere  didtor  in  Gappadocia  et  multa  contra 
eociesiam  rescribere.  Besponderunt  ei  ApoUinariui^  Didymus^ 
Baeilins  CaesarienstS|  Gregoriua  NaiianBennB  et  Nyssenia 


1)  £«t(f/au^oi  fttp      isgt  Photios  von  ihm  Biblietli.  Cod.  5 


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26 


alter  OregorinB^'  K  Die  suletst  genaiinteii  drei  Kappadocier 
kommen  hier  BdbstTerstftndlich  nicht  In  Betracht,  sondern 

einzig  und  allein  Apollinari  os  und  Didyaios.  Von  einer 
Schiift  des  Didymos  gegen  Eunomios  weifs  nun  aber  weder 
der  spätere  Photios  Uberhaupt  etwas,  noch  erwähnt  Hierony- 
miu  fieibst  ein  solches  Werk  anadrOckHchy  er  führt  (De  vir. 
ilL  CIX)  nur  an  ,,contM  Arlanos««  Ubros  duos  et  »de  spirita 
sancto*^  libnim  mram,  quem  ego  in  latinnm  verti.  Es  kannte 
somit  nur  die  Scbrilt  LCCi^eu  die  Arianer  *  gemeint  sein,  die 
selbst verständlir Ii  sich  mit  Eunomios,  dom  Hauptwort! uhrtr 
der  Arianer,  ebenso  bescliättigen  raul'ste,  wie  etwa  des  Ky- 
nllos  Gr^avqol^  ein  Werk,  das  Photios  (Cod.  136)  als  xard 
'Af^dov  xai  B^filov  küfoiis  yenmotg  mal  nolwudTmg 
iefta¥il^6iie¥W  beseiclmet  Dem  Versache  aber,  jene  Schrift 
des  Didymos  in  dem  unechten  Anhange  zn  den  drei  Bü- 
chern des  Basilius  wider  Eunomios  finden  zu  wollen,  steb^ 
von  andci'cm  abgcseiieu,  die  eine  Hauptschwierigkeit  ent- 
gegen, dals  Didymos'  Werk  zwei  Bücher  umfafste,  während 
dasjenige  y  was  bisher  als  viertes  und  fünftes  Booh  wider 
Eunomios  gesfthli*  wurde,  thatsftehlich  nur  eine  einzige  sa- 
sammenhflngende  Schrift  bildet  Diese  Behauptung  ndtigt 
uns  natürlicli,  zuLLäcksl  einen  Blick  aui  die  liandscbriftliche 
Überlieferung  zu  werfen. 

Garnier  hat  B.  279  seiner  Ausgabe  auf  Grund  der  zuvor 
genannten  Handschriften  folgende  Überschrift  gesetzt:  Tod 
a^oö  (d.  b.  BaatXeiov)  Wm^^ix^  xat  xawä  E^fuov 
ifftofniu  xcrt  l;6aug  hi  %0¥  ^eorrwihuay  yqaq>(öv  dg  rd  dy- 
Tileydfieva  icegl  roC  vtoC  iv  riy  xaiw;  x«*  naXai^  diad-t^y.rjf 
X6yo^  d'.  Wenn  die  ältere  Pariser  Ausgabe  bietet:  'Aihq- 
fltpiUM  xaT*  EvyofiioVf  iv  ([j  u^Loqiai  xr^,  so  mufs  zwar, 
wie  schon  Garnier  bemerkt,  statt  Iv  ^  geschrieben  werden 
oijfy  aber  die  Fassang  h  ^  webt  vielleieht  auf  das  ur- 
aprilngliehe  Wiri^^Yjrix«^,  das  erst  im  Hinblick  auf  den  mit 

1)  Hieronym.  De  vir  iUastr.  GXZ. 

2)  Soerat  Hist  eccL  IV,  S5:  T&rt  &k  fUytüroe  cwJjiyoqoe 
nÜMims  n(mvtq  lifafptto  JiSv/iot,  nffde  ro^  U^ie»<t^  äat»wtB¥  iuA 


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APOLLIN ARIOS  V.  LAOD.  GEGEN  EüNOMIOS.  27 

dem  sogenannten  filnilen  Buche  in  manchen  Handschriflen 

gemachten  Abschnitt  in  l^vTtQ^tju/.u  flüchtig  geändert  wurde. 
Sehen  wir  von  den  längeren  Inhaltsangaben  ab,  wie  sie  die 
spätere  Zeit  zur  Bequemlichkeit  der  Leaer  den  meist  kurzen 
alten  Autschrülen  anzuhängen  pflegte,  flo  wird  die  ursprung- 
liche Überschrift  gelautet  haben  l/ivTiQ(fiiwiindg  nav*  Edw/iicv. 

Die  von  Oanuer  a.  a.  O.  mitgetmlte  Überschrift  im  Cod 
Reg.  IV:  TO0  ctdtoü  ^rgög  Evvöfttop  Tte^t  roH  äyiov  nveöfaa^ 
Tog  hjycK  tiihrt  uns  einen  Schritt  weiter.  Die  Inhalts- 
aoG^abe  ist  ersichtlich  unzutreffend.  Aber  wenn  Codd.  lieg.  IV 
und  V  bei  Beginn  des  sogenannten  iimiten  Buches  keinen 
Abaata  and  keine  Überschrift  machen,  sondern  den  Schlolih 
Worten  des  sogenannten  Tierten  Baches  ma0ra  voeiv  del 
od  tdiy  vidv  unmittelbar  in  derselben  Zeile  die  Anfangs- 
worte des  sogenannt«!  fünften  Buches  Sri  rd  ntüiwi  tffg 
XTtaeoK  folgen  lassen,  während  am  Rande  die  hier  allerdings 
passenden  Worte  /n^i  rof  ciytov  rrvEv^tavog  stehen ;  so  sehen 
wir,  dais  beide  Bücher  ursprünglich  eine  Öchrüt  bildeten, 
deren  Beaeichnnng  im  Anfang  als  löyog  ö'  aus  der  einfachen 
Anreihong  an  die  drei  Bttcher  des  Baailios  xu  erklären  ist 
IMese  Thataacfae  wird  zom  GlCtck  durch  die  anderen  Hand- 
achrifien  in  (»wtlnsohter  Welse  bestätigt  K  Der  Cod.  Colberi 
stimmt  genau  mit  Codd.  Reg.  iV  und  V,  nur  sind  die  Worte 
ti€qI  roC  äyiov  uvev^iacog  von  jüngerer  Hand  geschrieben; 
Codd.  Reg.  I,  II,  VI  dagegen  haben  vor  dem  sogenannten 
ftinüten  Buche  die  einfachen  Worte  Tteqi  voO  äytov  rcveij- 
fdütogt  Überschrift,  die  dadurch  in  eine  und  dieselbe 
Beihe  mit  den  zahlreicfaen  anderen  handschriftlich  im  Texte 
überlieferten  Überschriften*  tritt  und  soweit  entfernt  von 


1)  Jene  Vicnshl  der  Bacher  scheint  aneh  in  alteo  Augaben 
^hKch  gewesen  sn  sein.  Um  nur  auf  cmen  mir  bekannten  FaU  hin- 
sawdsen,  00  finden  sich  in  dnem  1570  an  Paris  io  Kleinoktar  er- 
schienenen Sammelbande,  der  v.  a.  Schriften  von  Athanasioa,  Ana- 
tiasios  und  KyriUos  enthfilt,  aneh:  Basilü  libri  IV  adycrsos  impfiun 
EttDomJum. 

2)  Dü£b  diese  Uberschriften  nicht  vom  Verfasser  herrühren,  be- 
darf keines  Beweises.  Sie  sind  sehr  ungleich  verteilt  und  geben  den 
Inhalt  oft  nur  tehr  oberflächlich,  riei£Msh  angenau  and  geiadeza 


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2» 


der  Bedeutung  dner  BuchauiiMsbrift  ist,  dftfs  erat  eine  jüngere 
Hand  nn  Cod.  Reg.  lU.  vor  dieselbe  die  Bezeichnung  Hyog  e' 

äeUeii  zu  müssen  glaubte. 

Den  bei  Garnier  S.  320—322  sich  findenden  unbedeuten- 
den Anhang  7ie^l  tov  nvevfAaiog  halte  ich,  trotzdem  in  den. 
Codd.  Bßg.  IV  und  V  die  Anfangsworte  ip^fida^ha 
ftäaa  ipvxi  in  derselben  Zeile  den  Schlufiiworten  des  söge* 
nannten  lünfien  BucheB  di&gg  ^fiiv  folgen,  während  die 
Worte  Ttegl  rtv&^iAatog  am  Rande  stehen,  für  einen  unechten, 
nicht  hierher  gehörigen  Zusatz  homiletischer  Art,  über  den 
gleich  hier  das  Nötige  zu  sagen  am  Orte  sein  dürfte. 

Gkimier's  Ansichti  daüs  der  Verfasser  der  ganaeu  vorher- 
gehenden Erörterungen  auch  den  Anhang  oder  £pilog  ge> 
flohrieben  (Vorrede  o.  XII,  p.  LXXIV),  sttttai  sich  nur  auf 
die  beiden  Thatsacheni  dafs  einmal  in  der  überliefSurten 
Schreibung  kein  Absatz  erscheine,  sodann,  dafs  auch  in  dem 
Anhange  die  (iuttheit  des  heiligen  Geistes  ausgesprochen 
und  gelehrt  werde.  Offenbar  ist  das  kein  stichhaltiger  Be- 
weis. Dem  gegenüber  muls  vielmehr  darauf  hingewiesen 
werden,  da(s  die  Beweisführung  rarher  vollsfUadig  su  Ende 
isty  dals  alle  Beweismittel  für  die  (Gottheit  des  Gebtes  nach 
allen  Richtungen  hin  erschöpft  and.  Was  hier  noch  vor- 
getragen wii*d ,  sind  einige  ganz  müfsig  herausgegriffene 
Punkte,  die  abermals  zu  beweisen  und  noch  einmid  zu  er- 
örtern völlig  überflüssig  war.  Auch  enthält  dieser  dem  Ver- 
ftsser  des  Vorangehenden  zugeschriebene  Schlufs,  wie  Qar- 
nier  mit  einigen  Beispielen  belegt,  Abgeschmacktheiten  in 
der  Darstellung  und  thatsftchliche  Dunkelheiten,  wdche  ea 
durchaus  verbieten,  an  denselben  Verfasser  zu  denken,  wel- 
cher diib  Vorhergehende  ^^'sclirieben.  Dessen  Austuhrungen 
zeichnen  sich  überall  durch  Klaiheit,  Schärfe  und  Bestimmt- 
heit im  Ausdruck  sowie  vielfach  durch  hohen  rednerischen 
Schwung  aus.  Daau  kommen  aber  noch  wesentliche  andere 
Züge,  auf  die  zuvor  niemand  geachtet  hat   Aus  dem  Rah- 


fiüseh  an.  Um  nur  ein  Beispiel  aosufttbnm,  so  liegt  dieSsehe  gsosii 
ebenso  in  den  Schriften  des  Dionys ios.  Vgl.  Hipler^  DionTsins 
der  Aieopagite  (Bsgensbnig,  Msns,  1861),  S.  56. 


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▲POLLOTARIOS  V.  LAOD.  GEGEN  EUNOMIOS.  29 

men  und  dem  Tone  der  ganzen  vorhergegangenen  Unter- 
suchung iällt  es  vollständig  heraus,  wenn  plötzlich  in  einer 
liDgeren  Stelle  (8.  320 CD)  die  Seele  als  Person  «bgefUhrt, 
ilm  Unfiüiigkeit  mar  Erretehung  gdttUoher  £rkeimtiiiB  dnroh 
Verweisiiiig  auf  Ps.  138,  6  deadieh  herFoigiehoben  und  nnn* 
mehr  dareb  die  Wendung  vo^ov  oh^  ^XP^^  mtorrdif 
L^ii^atJfiSv  fueid  niaitug  n^qi  Tfjg  toC  äyiov  7CvevinaTog 
qvüFJüi:,  TTOQ*  avTOP  trfc/jaavTsg  roV  irjiovun'ov  rrjv  yv<j)aiv 
2ur  loangnffiiahme  und  Lösung  der  Autgabe  übelgegangen 
wird,  gerade  als  ob  noch  mit  keinem  Wort  Tom  heiligen 
Geiste  die  Rede  gewesen  wftre,  die  Unteranchang  vielmehr 
▼om  Uranfimg  an  erst  beginnen  sollte^  Auf  die  Notwendig- 
keit gläubiger  Fonchung  ist  im  Vorangehenden  (S.  306  B) 
öcLou  viel  angemessener  liingewiesen  worden,  insbesondere 
ist  auch  der  von  dem  Ii.  Ueiste  ausgesagte  allgemeine  iSatz 
adr<$  ianv  8  tov$  äywvg  irroir^ae  xal  u^v  i^eiay  Ciaf)v  naq- 
ixBi  Toig  ahoüai  jtag  *  avwoO  tov  d-96v  zuvor  schon  viel  ein- 
gehender behandelt  und  mit  sehr  beidchnenden  Besonder- 
heiten ausgestattet  worden,  so  dafs  derselbe  an  der  Stelle, 
wo  er  sich  findet,  d.  h.  im  Anfange  dieses  „libellus'^  oder 
dieser  „  lucubratiuncula",  wie  (ianiiei  das  Anhängsel  trotz- 
dem nennt,  sich  liüehBt  wunderlich  austiiiiiiut.  Die  alten 
Gelehrten,  Garaier  sowie  vor  ihm  Front  ie  Duo  u.  a. ,  auf 
ihre  Handschriften  meist  blind  schwörend,  und  sklavisch  von 
ihneii  abhängig»  haben  sich,  wie  es  scheint,  nicht  sur  An- 
erkennung der  einfachen  Thatsache  aulschwingen  können, 
die  da  kurz  und  bündig  lautet:  Jenes  Anhängsel  gehört 
nicht  zur  Schrift  wider  Kunuruios.  Es  ist  eine  nach 
ötü  (llritrjüw^ev  S.  320 D,  d  it'd^vftiiO^etrifAev  S.  321 B)  und 
Ton  erbauhche  Betrachtung,  ohne  Spur  von  Kttcksicht  aui 
£anomios,  wie  schon  Combefis  bemerkte,  der  richtig  her- 
«usfUhlte,  was  Garnier  leider  nicht  zugeben  will,  „Eu- 
nominm  hoc  capite  (d.  i.  S.  822 OD)  nihil  feriri,  sed  oa- 
tholicum  insti'ui  finnarique  in  fide  deitatis  spiritus  et  tracta- 
tulum  esse  seorsum  editum,  ut  sunt  Basiiiani  alii  in  A-^ce- 
ticis".  Bessarion  nahm  in  einer  auf  der  Florentiner  Kardien- 
Versammlung  vorgelegten  Schrift  auf  eine  diesem  Anhange 
angeliSrige  Stelle  als  auf  einen  Avmgmxh  de«  Basilios  fie- 


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30 


DRÄSEKE, 


2ug;  er  hielt  denselben  fUr  ein  echtes  Werk  des  BasilioB. 

Derselben  Ansicht  ist  Albert  Jahn,  welcher  in  seiiKi  scharf- 
sinnigen kleinen  Schritt  „Basilius  31  agnus  Plotinizans^'  (Bern 
1838)  den  ebenso  überraschenden  wie  überzeugenden  Nach- 
weis  ^Ihrte,  „totani  illam  Tte^l  toC  Ttveöfictrog  oratinnculam 
oentonem  plotiniannm  esse  — ,  id  est  consatam  e  Plotini 
disputatione  Emi.  V.  Lib.  I.  cap.  1.  p.  482  £  —  cap.  5. 
p.  486  Ay  et  ita  quidem  consutamy  niy  quae  Plotino  de 
anima  mundi  deque  mundo  intelligibili  disputantur,  ea,  non- 
niiUis  hinc  inde  omissis,  nonnullis  etiam  e  doctrina  ecclesia- 
Bticii  adimxtis,  ad  argumentum  de  spihtu  sancto  transiata 
sint''  (a.  a.  O.  S.  5). 

Ans  diesen  meinen  Nachweisungen  ei^ebt  sich^  wie  mir 
scheint,  mit  unumstt^fslicher  Gewüsbeit  die  Thatsaehe,  dala 
mit  Ausnahme  des  zuletzt  Genannten  alles  in  den  Hand- 
schiüten  auf  die  drei  Bücher  des  Basilios  wider  Kunoniios 
folgende  eine  zusaninienliängende  Schrift  hilJet  An  des  blin- 
den Alexandriners  Didymos  zwei  Bücher  gegen  die  Arianer 
kann  also  nicht  gedacht  werden.  Es  bleibt  somit  aus  Hie- 
ronymus' Verzeichnis  der  Gegner  des  Eunomios  nur  ApoUi- 
narioB  ttbrig. 

Nun  liegt  nach  meiner  Überzeugung,  deren  Berechtigung 

ich  im  Folgenden  werde  zu  erweisen  haben  j  die  Sache  so, 
dafs  Garnier's  sämtliche,  S.  LXIV — LXXIV  «einer  Vorrede 
erhobenen  Bedenken  und  Ausstellungen  sich  glatt  erledigen, 
wenn  wir  für  die  unbekannte  Gröfse,  mit  der  er  rechnet^ 
auf  die  er  fort  und  fort  hinweist,  ohne  dafs  er  auch  nur 
den  geringsten  Versuch  machte,  sie  beim  Namen  zu  nennen, 
einfach  Apollinarios  von  Laodicea  einsetzen. 

Dafs  Garnier  selbst  und  seine  älteren  Zeitgenossen  nicht 
hierauf  e^ekuninien,  dürfen  wir  diesen  und  jenem  nicht  zum 
besonderen  Vorwurf  machen,  da  Apollinarios  erst  in  unseren 
Tagen  durch  Caspari  und  mich  mit  einigen  vollständigen, 
zusammenhfiagenden  Schrifien  aus  dem  Dunkel  der  Ver- 
gessenheit wieder  ans  Licht  gezogen  worden  ist  Dals  aber 
die  Neueren  der  Frage  nach  der  Herkunft  jener  den  drei 
Büchern  des  Basilios  wider  Kunomios  angehängten,  gleich- 
iailö  gegen  Euuomios  gerichteten  Schriit,  so  viel  ich  sehe,  mehr 


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APOLUNABIOS  V.  LAOD.  OEGISN  EUKOMJOS. 


81 


oder  weniger  aus  dem  Wege  gegangen  sind  ^,  ist  einigermarsen 
Terwunderlich.  Wenn  Caspari  >  bewiesen  hat,  daf«  besonde» 
die  Gregoriofi  Tbaumaturgos  sugescbriebene  ÜTcrrcr  fiigog 
maus,  aodann  aber  aaeh  das  angeblicbe  Bekenntnis  de» 
Athanaaios  ITe^i  zf^q  aaQ/,tüoecoi;  roV  S^eoü  Ao/ot,  dei  ;uigeb- 
Kche  Brief  des  Julius  von  Rom  an  Dionysios  und  die  an- 
geblich von  dembelben  verüaiate  Abhandlung  JleQi  rf^g  iy 
XQianlß  hörr^Tog  Tof^  oio^taTog  ngdg  t^v  x^eöttita  Schriften 
des  ApoUioarioB  yon  Laodicea  sind;  wenn  ich  selbst,  auf 
demseLben  Wege  der  Untersuchuiig  fortacbreitend,  die  fiüsch- 
lieh  Jnstimis  dem  Märtyrer  beilegte  ^Eyi&eatg  nimmg  in 
ihrer  kürzeren  Fassung  als  ApoUinarios'  Schrift  neqi  tQid- 
(fec und  den  gleichfalls  Justinus'  Namen  tragenden  ^oyog 
na(iaiVEir/Lbg  yC(fög  ^EJikip^ag  aia  Apoliinarios'  Schrill  *Y7tiQ 
dkr^ituag  l6yog  Ttaf^tvettiKäg  "Elk^as  ^  nachgewiesen 
habe:  wamin  soll  nicht  aucb  Apoliinarios'  ^AwiQ^vddg 
xar'  Edvofiiov  einst  mit  fiasilios'  Namen  versehen  worden 
sein?  Und  für  diesen  Fall  ist  es  ziemlich  gleichgültig, 
ob  wir  annehmen,  dafs  die  Schrift  frühzeitig  durch  ein 
Versehen  der  Abschreiber  oder  Sammler  als  viertes  Buch 
den  drei  BiU  liorn  des  Basilios  angehängt  wurde »  so  wie 
mehrere  der  Codices  Begii  es  beute  noch  erkennen  lassen^ 
oder  ob  wir  uns  dafUr  entscheiden ,  dafs  apollinaristische 
Ftiseher  schon  im  Anfange  des  5.  Jahrhimderts  absicht- 
lich ihres  verketzerten  Meisters  Namen  durch  den  des  ge- 

1)  Rnpp  (Giegor*0  des  B.  y.  Nyua  Leben  und  Meinangeii  [Leip- 
1834],  S.  134)  hält  „diese  beiden  letiten  Bfieher  für  die  korae 

Abweisung  des  Eunomins,  welehe  der  Nyssener  auf  der  Synode  sa 

KoDstantini^l  dem  Gregor  toq  Naidans  und  Hieronymus  (de  viri» 
ill.  12b)  vorgelesen  haben  soll,  you  welcher  PhotiuN  (c.  6.  7)  zu  be- 
richten scheint".  Fritzsche  dagegen  weist  (De  Theodor!  Moj>sue- 
steni  Tita  et  scripti»  [Malle  183(j],  S.  di^)  diese  Annahme  entschieden 
curück  und  erklärt  sich  iÜr  Sophronios  als  Verfasser. 

2)  In  der  seinem  Werke  „Alte  und  neue  Quellen  zur  Geschichte 
de»  Taufsymbols  und  der  Glaubensregel"  (Christiania  i87i);  S. 

bis  1«;4  eln^^esohaltetcu  Abhandlung  „Über  die  Aarä  ftigof  n(9iti 
und  die  iiekcuntuisse  in  ihr". 

3)  Zeitschrift  für  Kirchengeschichte,  Bd.  VI,  S.  503—549. 
4j  Zeitschrift  für  Kirchengescychte,  Bd.  VII,  S.  257—302. 


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32 


feierten  Ensbisdioft  ▼on  OSssPM  enetsten«  tun  die  Scbnft 

jenes  der  Kirche  zu  eiluilten.  Für  letztere  Annahme 
kormte  man  sich  sowolil  auf  das  Gebchick  der  von  Ca- 
spari  beliandelten  bchrittou  des  Laodiceuers  wie  auch  auf 
dBB  Verfahren  jenes  Apollinaristen  berufen^  der  Apoili- 
DArios'  Schrift  ile^i  vgidSog  bearbeitete,  die  Unmlänglich* 
keit  der  menachlichen  Erkenntnis  für  göttliche  Dinge  (Kap.  S, 
S,  380  A)  ebonto  wie  der  Verfamer  des  oben  besprocbenen 
Anhangs  mit  Verweiaung  aut  Ps.  138.  €  begründete,  das 
Ganze  mit  des  Justinus  Kuin  n  versah  und  seine  Erweite- 
rungen zwei  bteilen  gerade  durch  Entlehnungen  aus 
Basiüos'  Werk  gegen  Eunomios  beschaffte  ^  Jeden&Us  sengt 
für  jenen  also  hergesteUten  Zustand  der  Überliefenmg  acfaon 
Maadmns  GonfeMor  (gest  629),  der  sich  gelegentlich  mit 
Basilios  fiber  eine  eigentOmliche  Ansicht  desselben  yon  odaia 
und  tvlqytia  auseinanderaetzt,  die  eben,  wie  Combefis  be- 
merkt hat,  im  sogenannten  vierten  Buche  u.  a.  8.  288  ent- 
wickelt wird.  Niuii  der  Versuch  der  Ermittelung  des  Ver- 
fassers ist  in  der  angedeuteten  Richtung  bisher  thatsächlicb 
mobt  gemacht  worden,  obwohl  die  daan  erforderlichen  Hilfr- 
mittel  Iftngst  zu  jedennamis  Gebrauche  vorhanden  sind. 

Was  wissen  wir  Uber  des  Laodiceners  ApoUinarios 
Verhältnis  zu  Eunomios  V  Zum  Glück  sind  wir  durch 
Photios'  Auszüge  aufi  dem  Geschichtswerke  des  für  diesen 
nachnicänischen  Zeitabschnitt  ältesten  und  zuverlässigsten 
Gewährsmannes»  des  Arianers  Philostoi^gios,  in  den  Stand 
gesetatj  Hieronymus'  kurse  Angabe  in  erwünschter  Weise 
ergftnaen  und  vervollständigen  su  können.  Sokrates  und 
Sozomenos,  in  sehr  grofsen  Teilen  ihrer  Werke  von  aria* 
nischen  Quellen,  im  besonderen,  was  Grsrhichte  der  Ananer 
und  verwandter  Ketzer  angeht,  von  Philostorgios  abhängig, 
80  zwar,  dafs  8ozoroenos  „die  Quellen  des  Öokrates"  —  in 
unserem  Falle  höchst  wahrscheinlich  ausschliefaÜcb  Philo» 
storgios'  —  „selbständig  nachschlug  und  was  ihm  gut 

1)  Vgl  Exposit.  fidci  Cap.  5,  p.  377  A  mit  Basil  adv.  Ennom. 
U«  34,  p.  271  und  Cap.  8,  p.  379C  mit  Basil.  adv.  Eiiaom.  I,  IS, 

p.  224. 

2)  BeauUte  Philostorgios  etwa  die  Kircheogeschichte  des  Timo> 


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APOLLl^AUIOS  V.  LAOD.  GEGEN  fiUNOMlOS. 


33 


dankte,  daimus  vom  Sokrates  imabhäDgig  verarbeitete,  resp. 

der  Sokratischen  Überlieferung  hinzufügte"  schweip^en  über 
da»  VerhÄltnia  des  ApoUiiiarios  zu  Eunomios  vuilötüudig, 
vielleicht  weil  beiden  zu  ihrer  Zeit  (439 — 440) ,  die  schon 
▼on  gans  anderen  Fragen  bewegt  und  in  Aufregung  ver- 
aeist wnrde^  die  ananisclieii  Streitigkeiten  nieht  mehr  wichtig 
genug  achienen,  um  alle  Eänzelhdten  deneLben  am  Philo- 
ikorgios  an  fibemehmen.  Photioe  teilt  ans  Pbilostorgios 
VIII,  12  mit:  On 

Tov  yf'rokJuvdQiov  )Jyei  nqög  TJ^v  ujroXoyiav  EvvOfn'nv  d^ii- 
ygäipai.  elva  ndjUv  Evvo^iiov  iv  utvv^  k6yoig  avf.tn/MKhvog 

Die  UrgftnaaDgy  welche  Hieronymus*  Bericht  hier  erfilhrt, 
ist  nicht  anwesentlich.   ApoUinarios  Bchrieb  danach  gegen 

des  Eunomios  W/foAo//a,  oder,  wie  die  Schrift  uns  heut- 
zutage handschriltlich  bezeichnet  erscheint,  'ArcoXoyr^fiyLdgy 
nicht  aber  g^en  das  grölsere  Werk  des  Kuuoinios,  welches 
dieeer  gegen  die  drei  Bücher  des  Basilios  richtete.  Da  wir 
jenen  Auaaug  aoe  Philoetoi^oe  dem  Photioe  verdanken ,  eo 
ist  ee  anfiaUend,  dals  bei  ihm  die  von  ebendemaelben 
Werke  genannte  Buchaahl  an  anderer  Stelle  abweicht  Pho- 
tios  la«  Eunomios'  Schriften  noch.  Cod.  137  heifst  es: 
l^veyvwa^  ßißXiöäQiov  EYNODilüYy  n]g  oi/xiag  övaaeßeiag 
tnO^etJigy  ov  t)  Liiy^a<p^  . . .  . ,  worauf  im  Cod.  Paris.  lieg. 
1226  (Bekk.  =  C)  eine  Lücke  von  dreizehn  oder  vienehn 
Buchstaben  folgt,  die^  wie  aus  den  folgenden  Mitteilungen 
ftber  dieses  Bttchlems  Widerlegung  durch  Basilios  erheUt, 


theos  vou  Berytus,  eines!  Scluilers  uud  begcisterteu  Bewunderers  des 
ApoUinarios,  worin  derselbe  nicht  h^oCn  alle  Schriften  seines  Meititers 
verzeichnet,  sondern  auch  alle  Briefe  desselben,  sowie  die  der  berühm- 
testeu  Zeitgenosseu  au  ihn  geeammelt  hatte?  Und  liegen  uns  viel- 
leicht in  SozomenoB  noch  Reste  solcher  auf  jeneu  zuvcriassigstca 
Gewährsmann  znriiekz uf iilncudei'  Mitteilungen  vor? 

1)  L.  Jeep,  Queilenuiitersuchungen  zu  den  griechischen  Kirchen- 
hUtorikem  (Leipzig,  Teabner,  lö84),  ä.  141,  vgl.  aavor  S.  148.  149. 

Mtscht.  f.  K.'O.  XU  1.  3 


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84 


URÄSERE, 


und  flchon  Fabridus  ▼ermntete  \  mit  dem  Worte  yinO^IO' 

rHTIKOS  ausgefüllt  werden  muls.  Hieran  schliefst  sich 
Cod.  138:  'yiviyviholh]  roC  airov  ^rmeßoVg  EYNOMfOY 
ßißki'ovj  iy  X6yoig  tQtoiv,  lug  df^i^tv  tCtv  mcodeöuytuiviav  yuavä 

Hier  nennt  Photioe  ausdrücklich  drei  Bacher,  eine  Zahl,  die 
man  Kshon  nm  des  Gegensatses  willen  gegen  die  drei  Ba- 
cher des  Basilios  für  die  richtige  su  halten  genügt  sdn 

wird.  Die  Auszüge  aus  Philostorgios  sind  überluiupt  Üüchtig 
gemacht,  und  daher  ist  die  Verwechselung  eines  F  mit  Ej 
besonders  in  einer  nur  etwas  unsauberen  oder  verwischten 
Abscbrift  wohl  leicht  erklärlich. 

Inbeang  auf  die  anderen  Nachrichten  werden  wir  da- 
gegen PhHostorgioB  den  Vorzug  vor  Photios  geben.  Letz- 
terer berichtet  (Cod.  138),  Ennomio«  habe  seine  drei  BOcher 
gegen  Basilios  nicht  vor  deö^eii  Tode  zu  verüffenthchen 
gewagt^,  während  Philostorprios ,  der  Eunomios  persönlich 
gekannt  und,  wie  selbst  Photios'  dürftiger  Auszug  deutlich 
erkennen  läfst,  aufserordentlich  zahlreiche  und  eingehende 
Kachrichten  über  ihn  überliefert  hat,  uns  mittoilt,  dafs  £a* 
nomioB  allerdings  seine  GlegenschriiI  noch  bei  Lebaeiten  des 
Basilios  herausgegeben,  und  dafs  letzterer,  nachdem  er  nur 
das  erste  Buch  derselben  gelesen,  schwer  erkrankt  und  ge- 
Btorbeu  bei.  Dasselbe  Sachverhältnis ,  dafs  nämlich  Eu- 
nomios'  Schrift,  die  gleichfalls  die  Aul'scbrift  ^u47coh)yia  ge- 
tragen an  haben  scheint  ^,  noch  bei  Basilios'  Lebzeiten  ans 
Licht  trat,  scheint  sich  mir  auch  aus  dem  Eingang  von  des 


1)  Im  Anhang  zum  zweiten  B»nde  der  Thilo  -  Ctokihom'sehsn 
Biblioth.  patr.  Graec.  dogmat,  S.  579. 

2)  *Em\         6  ^fiof  (xhvo<;  rrpt  jtaQOUttav  kmotv  %in^ 

S)  Greg.  Nyss.  c.  Eanom.  I,  S.  299 B  (Ohler  S.  35):  rgatf^rta, 
tl  doxtt,  jeai       itvw^ifas  inoloyiag  änvXoyfav  äXlijv'  i)         pOv  od 

4at(, 


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APOIiLINARIOB  V.  LAOD.  GEGEN  EUN0M10& 


36 


NjflBenera  Gregodos  erstem  Buche  wider  £anomios  za  er* 
geben  K 

£e  könnte  jetel  nur  noch  gefragt  werden,  wann  etwa 
Apollinarioe  gegen  EnnomioB*  l^ftoloyrjTiTtdg  geschrieben. 

Im  i\u>zuge  aus  Philostorgios  sind  Basilios  und  Apollinarios 
so  iitb«  iieinandergestellt,  dais  wer  den  Kampf  eröffnete,  nicht 
deutlich  ersichtlich  ist.  Wenn  Qarnier  mit  seinen  l^ach- 
weisongen  im  Rechte  ist,  wonach  BasilioB  aU  junger  Mann, 
noch  Yor  der  Übernahme  des  Bistums  yon  Cftsarea  im  Jahre 
S70,  )a  ehe  er  überhaupt  etwas  gegen  Ketsw  schrieb^  seine 
Schrift  gegen  fiunomios  yerfafste,  und  wenn  dieser  selbst 
also  noch  früher,  höchst  wahrscheinlich  nachdem  er  360 
sein  Bistum  zu  Cyzicuö  ijattc  aufgeben  müssen,  seine  ab- 
weichenden Ansichten  in  seinem  '^nolo/tiiin6g  niederlegte  *i 
80  werden  wir  das  Richtige  treffen,  wenn  wir  der  Angabe 
des  Hieronymus,  welcher  Apollinarios  an  erster  Stelle  unter 
Eunomios'  Glegnem  nennt,  folgen  und  Apollinarios  über- 
haupt als  den  ersten  Kirchenlehrer  ansehen,  der  gegen 
Eunomios  zu  Felde  zog.  Und  zwar  mulb  diese  Tliatigkeit 
des  Laodiceners  in  den  Anfang  der  sechzip^er  Jahre,  363 
oder  364,  fallen,  d.  h  in  diejenige  Zeit,  in  welcher  Apolli* 
narios  auf  dem  Höhepunkte  seines  Ruhmes  stand,  Basilios 
dagegen,  wie  aus  den  uns  noch  erhaltenen,  den  ersten  sech- 
aiger  Jahren  angehSrigen  Briefen  beider  erhellt,  noch  als 
schüchterner,  im  Streite  uner&hrener  junger  Mann  mch  in 
den  die  Zeit  bewegenden  Fragen  um  liat  und  Auskunft 
an  den  grofsen  Laodiceuer  wandte  Gegen  diese  Ansetzung 
darf  nach  meiner  Überzeugung  nicht  der  Umstand  geltend 
gemacht  werden,  dals  Qr^rios  von  Njssa  im  Kingange 
seines  Werkes  g^gen  Eunomios  der  Widerlegung  des  Eu- 
nomioe  vonseiten  des  Apollinarios  mit  keiner  Silbe  Erwfth* 


1)  S.  285  BC,  bei  Ohler  S.  22. 

2)  Für  die  Abf;Lssung  desvinolu)  fjxcxüs  um  MO  erklären  sich  auch 
Klüse,  Geöchiclite  und  Lehre  des  Euuüinius  (Kiel  Ibiio),  S.  '64  uud 
Fritzsche,  De  Tbeodori  Mopsaest.  vlta  et  scrlptis  (Halle  1836), 
S.  97. 

8)  Zdtsehiift  filr  Kii«hengeiebiehte,  Bd.  VIE,  S.  107-lia 

8* 


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36 


DRÄSEKK, 


niing  thttt,  sondern  vielmehr  ao  Terfthrt,  ab  ob  sein  Brader 
Basilios  der  einzige  gewesen,  der  Eunomios  auf  den  rechten 

Weg  zurückzubringen  sich  habe  angelegen  sein  lassen 
Das  Schweigen  des  öregorios  ist  mehr  als  hinreichend  er- 
klärt, wenn  wir  bedenken ,  dafs,  als  er  tUr  seinen  Bruder 
BaulioB  gogen  Eimotnios  eintrat,  Apollinarios  bereits  sein 
Hanptgegner  in  der  ClfriBtologie  war,  gegen  den  er  schon 
im  Jahre  378  seinen  wuchtigen  l^vTiQQriu%6g  geschrieben. 
Dafs  er  jetzt  noch  Ehren  halber  ApolHnarios  sollte  genannt 
haben,  dürfen  wir  bei  der  erbittci  ton  Gegnerschaft,  die  sich 
seitdem  infolge  der  Neuerungen  des  A|)(iIiinarios  in  der 
Christologie  zwischen  beiden  Kirchenlehrern  herauagebildety 
hu  keiner  Weise  erwarten. 

Fabricius  hielt  ApolHnarios'  Qegenschrift  für  verloren*; 
ich  behaupte,  dieselbe  liegt  uns  in  den  beiden  ftlschlich  Ba- 
Biliös  beigelegten  Büchern,  dem  sogenannten  vierten  and 
füDlteu  Buche  wider  Eunuinios,  deren  ursprünglichu  Einheit 
ich  auf  Gnind  der  handschriftlichen  Uberlieferung  gezeigt 
SU  haben  glaube,  unversehrt  noch  vor,  und  es  wird  nun- 
mehr die  Aa%abe  sein^  dies,  so  weit  als  möglich,  au  be- 
weisen. 

]^ne  Schwierigkeit  tritt  gleich  hier  uns  in  den  Weg. 
Sie  beruht  in  dem  Umstände,  dafs  der  ^/^vriggririiidg  xorr' 
SlvojLtfov^  den  gegebenen  Nachweisungen  zufolge,  einer  Zeit 
angeh(>rt,  in  welcher  Apollinnrios  als  der  Hauptkänipfer 
für  die  rechtgläubige  Lehre,  wie  sie  den  meisten  christ- 
lichen Zeitgenossen  im  uic&nischen  Bekenntnis  niedergelegt 
erschieni  gefeiert  wurde.  Die  ganze  Schrift  ist  darum  durch 
und  durch  rechtgläubig,  und  dieser  Umstand  hat  nieht 
anm  wenigsten  zu  ihrer  unversehrten  Erhaltung  beigetragen. 
Es  fehlen  in  ihr  fast  gänzlich  diejenigen  Besonderheiten  der 
Lehre  und  dcd  Ausdrucks,  im  engereu  JSiune  die  Lieblings- 
ausdrücke und  Schlagworte  desselben,  an  welchen  später 
ApoUinarios'  Schriften  mehr  oder  weniger  sicher  au  er- 


1)  Vgl.  Crrogor.  Nyss.  c.  Eiinom.  I,  S  28nA  fÖhl  r  Ö  22). 

2)  ..Apiillinarii  opus  intercidit "  ~  v^].  ^^(*r^  Anbnn^'  zum  zweitoa 
Bude  der  Thilo-Goldhom 'scheu  BibUotbu  patr.  Graec.  dogmat.  S.  579. 


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APOLUNAKIOS  V.  LAOD.  QEGEK  EUKOHIOS.  37 


kenDeo  sind.  Doch,  wie  ich  schoo  zuvor  bemerkte,  sind 
die  sämtlichen  Bedenken  und  Einwendungen,  welche  Garnier 
eriioben  bat,  um  die  Vei^taaerBchaft  des  BasilioB  abzuwehren^ 
derart  y  dafs  rie  auf  Apollinarioe'  Sprachgebrauch  auf  das 
genaueste  zutreffBo.  Es  wird  daher  meine  Aufgabe  sein 
müssen,  zur  Erhärtung  der  Behauptung,  Apollinarios  von 
Laodicea  sei  der  Veriasscr  des  fälschlich  Basilius  Ix  igeicgten 
\^v(i^(itlTiA.dg  xcrr'  Evvo^iov^  Garnier's  Einleitung  im  ein- 
seinen durchsugehen. 

Beginnen  wir  mit  Gamier's  gewichtigstem  Bedenken. 
Im  §  73  seiner  Vorrede  S.  Lxiz  knüpft  er  dasselbe  an  fol- 
gende,  S.  d87  sich  findende  Stelle:  ftofy&Krtarog  '/.vQivneQov 
Scv  kfyotTO ,  y.iioiiu  iih'  dXrid-iJjg  vml  luivfuoi'  tui-,  ytiriifia 
6t  i>'£i()(m'ruo)^  /.alüiueroc.  Der  Schreiber  dieser  Zeilen", 
sagt  er,  „wer  er  auch  immer  sein  mag,  widerlegte  eine 
Schritt  des  Eunomios,  in  welcher  dieser  Ketzer  lehrte,  der 
Sohn  werde  ilüschlich  ein  Erzeugnis  {yiwt^a)  genannt 
Denn  wie  jenes  scriVfioc  xor'  EMfiicv  Htv  so  gefafst 

werden  raufs,  dafs  Eunomios  behauptete,  der  Sohn  sei  in 
Wahrheit  ein  Geschüpt,  so  mul'a  auch  das  tolf^ende  ytv- 
nifta  d*  iJfevöiüvviKog  y.aXm'tiet'og  so  verstanden  werden, 
dais  damit  dessen  eigene  Lehre  gemeint  sei,  derzutolge  er 
den  Sohn  als  ein  Erzeugnis  bezeichnete,  dem  dieser  Aus- 
druck nur  fiüschlicb  zukomme.  Dergleichen  aber  hat  Eu- 
nomios in  seiner  ersten  Schrift  nicht  ausgesprochen,  woraus 
folgt,  dafe  er  es  in  der  sweiten  gelehrt  haben  mufs,  von  der 
mit  Sicherheit  behauptet  werden  kann,  dafs  sie  von  Babilios 
nicht  widerlegt  sei,  da  sie  erbt  nach  dessen  Tode  ans  Licht 
trat*'  Soweit  Garnier.  Wenn  wir  uns  nochmals  daran  er- 
innem,  dais  dessen  sämtliche  Ausiuhrungen  unter  dem  Ge- 
sichtspunkte des  Nachweises  stehen^  dafs  Basilios  nicht  der 
Verfasser  ist,  so  wurd  es  nicht  schwer  halten,  an  diesem 
Beispiele  zu  zeigen,  dafs  Garnier  in  seinem  Eifer  zu  viel 
bewiesen  und  damit  über  sein  Ziel  hinausgebchossen  hat. 
Wir  fragen  überrascht:  Wie  kann  Garnier,  der  sonst  so  be- 
sonnene Forscheri  sich  zu  dem  Schlüsse  verleiten  lassen: 
weil  jenee  xrioyio  ftiv  dXi^i^  ntm^  EMfiicv  ^  die  wahre 
Memung  des  Eunomios  bezeichne ,  müsse  auch  das  zweite 


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36 


1>RA8EKB, 


Glied  yinmifia  de  tpevdov^tas  TMtlo^fi&fog  einer  iigendwo 
Yon  ihm  wirklich  geäulflerten  Anrieht  entsprechen?  Und 
wie  kann  daraus  sofort  weiter  geschlossen  werden,  dafs,  weil 

letztere  Schlulsfolgerung  in  dem  von  ßasilios  widerlegten 
^yi:rnXnyriTix,6g  nicht  gezogen  werde,  dieselbe  eben  deswegen 
der  zweiten,  nach  Basiiios'  Tode  von  seinem  Bruder  Uro- 
gorios  bekämpften  Schrift  des  Eunomios  angehören  müsse? 
In  der  Tbat,  wAre  diese  Beweisführung  Oamier's  eine  zwin- 
gende, so  wäre  es  mit  der  hehaupteten  Urheherschaft  des 
Apollinarios  von  Laodicea  schlecht  bestellt.  Aber  ich  glaube 
zeigen  zu  können ,  dafs  Garnier  hier  entschitden  zu  weit 
gegaDgen  ist.  Garnier  trägt  sämtliche  Steilen  aus  Eu- 
nomios' l^TioXoyritrAÖg  zusammen,  in  denen  er  den  Sohn  auf 
Grund  von  Schriftstellen  klar  und  deutlich  als  yimn^a  und 
nolf^a  bezeichnet;  aber  es  wäre  eine  vollständig  y ergebliehe 
Mühe^  diejenige  Stelle  in  derselben  Schrift  etwa  wörtlich 
aultreiben  zu  wolluu,  in  welcher  der  vom  Sohne  gebrauchte 
Ausdnick  ylwr^Lia  als  ein  demselben  nur  tälschlieh  zukommen- 
der bezeiclmet  wird.  Was  Garnier  nicht  gesehen,  ist  ein- 
tach  die  Thatsache^  dafs  wir  in  den  Worten  ytvifi^a 
di  iffevdtavi^fifag  %aloi6fi$ifog  eine  aus  Eunomios'  Voraua» 
Setzungen  und  Sprachgehrauch  gezogene  Schlufsfolgerung  des 
Apollinarios  vor  uns  haben,  nicht  aber  eine  irgendwo,  d.  h. 
hier  in  einer  anderen  Schril't  als  dem  l^TtoloyriTt-KÖg,  von 
Eunomios  geäuiscrte  Ansicht  Der  ganze  Zusammenhang 
zeigt,  dafs  der  Verfasser  hier  wie  an  so  vielen  anderen 
Stellen  seiner  in  greisen ,  zusammenhängenden  Abschnitten 
streng  syllogistischen  Schrift  auf  nichts  anderes  ausgeht»  als 
das  Hinfällige,  Unbegründete,  streng  logischen  Ansprüchen 
nicht  Genügende  in  Eunomios'  Beweisführung,  Ausdrucks- 
weise  und  Sprachgebrauch  nachzuweisen.  Darum  hätte 
Garnier  schon  auf  den  jenen  von  ihm  ausgehobenen  Worten 
vorangehenden  Vordersatz  et  fioi^oyey^  6  vtds  did  zd  fidvog 
hL  fiM'Ov  yeyen^&ai  zurttckgreiien  und  sodann  auch  das 
unmittelbar  Folgende  mittrilen  müssen:  ei  6  v(6g  d7ii.itovQyri(.ia 
TOÜ  rrar^dg  /jofo^f  ra  df  rravta  rov  vtov'  eiyrußv  „za  Hia  ruvia 
od  t(Tr/ (h^vardv  sittuv'  t^cayayQy  ,^yMi  cu  au  fi/d",  kot* 
EM^iiov  ovyUii  xaXüis*    ovtdg  yäQ  favioB  ehai  ovx  i^t^ 


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APOLLIMAKIOS  Y  LAOO.  UEGEN  KL^OMIOS. 


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turro*  qtalnrat  dir  Sti  negi  tfjg  SfioioiriTog  xat  tfjg  yuxjä 
nävia  dfcagaXXamov  Aal  6/.iutt(,:  otütac:  -avttxiy,  ov  nBqi 
/.nofudrojv  diakeyßug.  Der  Zusaminenliaiig  ^eigt,  wie  mir 
acbeinty  klar  und  deutlich,  dafs  wir  es  mit  SchluTsfolgeruDgeii 
Btt  thnn  babeiiy  welche  der  VerfaBser  dem  EonoinioB  zidii 
Die  Begeichmmg  /^yyqfia,  deren  sich  Etmomiee  tbatsftcUich 
bedient,  will  er  ihm  gerade  nicht  gelten  laaaen,  er  erklärt 
den  Gebrauch  des  Wortes,  selbstverbtaiuliich  in  ciciü  soiibt 
allein  von  ihm  berückbic  ht  igten  und  widerlegten  ^A7zoXoyr\- 
%iA6g  lür  einen  anrechtmälsigen  (il'evdoßyvfÄwg).  Ich  sage 
mit  voller  Uberaengong  ,|Belbatver8tändlich'V  denn  das,  was 
Garnier  S.  LXX  Torbring^  um  das  yivtfi^a  di  ^jmvdwröfiitüs 
wloCfievog  als  wirklich  von  Eunomios  behauptet  in  der 
sweiten  Schrift  desselben  unterzubringen,  ist  mehr  als  schwach 
und  gelingt  ihm  in  keiner  Weise.  Denn  die  beiden  aus 
des  Ny sseners  Widerlegung  ausgehobenen  Sätze  ^  sind  so 
weit  entfiemt  von  dem  gewünschten  Wortlaut  und  dem  ge- 
wfinachten  Sinni  dala  sie  Tielmehr  auf  das  einleuchtendste 
gefade  meine  Ansicht  bestätigen,  insofern  nAmUch,  ak  sie 
uns  Beigen,  wie  auch  der  Nyssener  den  Ikmomios  auf  die 
Uumöglichkeit  aufmerksam  gemacht  hat,  die  vun  ihm  ge- 
brauchten ßegritle  ytvv^pia  und  ytvvr^ai^;  m  wahrem  Sinne 
auf  das  Verhältnis  des  Sohnes  zum  Vater  anzuwenden. 

An  die  Ausdeutung  jener  Stellen  imüpfiten  sich  noch 
einige  Bedenken  Oamier^Si  die  hier  ku»  erwähnt  sein  mtfgen. 
Er  findet  es  auflallend,  dals  mit  Ausnahme  von  drei  oder 
vier  Schriltstellen  aus  Eunomios'  ^jioXoyr^iivLog  die  sämt- 
lichen anderen  in  der  Unzahl  der  von  seinem  unbekannten 


1)  Greg.  Nys8.  c.  Eunom.  ÜI ,  S.  511  D  ((iblcr  S.  246):  Hv- 
mjtifv  tjvia  »f  i^ai  Tvv  i  liiv  3f«)  yfv%'i]ua  kt'ytiv  ov  7H(()nii  oi  u(&(i ,  rij^ 
ytvvTi&n'arji;  avTiji  ot  üiu»  x«*  i loü  vloü  7JQOür]yo(>{(tg   irjv  rotaurij*» 

fi^pujy  uxovtüv  jovfov  fÄifÄvi^ad^to ,  Sti  ytwti^ilaay  ovalav  inl  toO 
fivyoyiyoOi  itnuv  fSnukv  i»  roO  änoloö^v  xuk  tni  roü  nuTQÖs  rip^ 
fiil  yiryri^titfap  kiyttv,  wf  (xtixixt  ft^re  lipf  uyiwrialttv ,  /uijre  t^v  ylW- 
rfusw  ii»t*  odafus  naQ«Xaftßd»tü9mf  ^bU'  M/g  ^Iv  tri»  qMo»  naga- 


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Verfasser  angezogenen  und  behandelten  Schriftstellen  mit 
keiner  Silbe  erwähnt  wurden.  Insbesondere  erschliefst  er 
dem  Umstände,  dafs,  weil  sein  Unbekannter  S.  291  die 
Stelle  Mark.  10,  18  (soll  heifsen  Matth.  19,  17)  anführa^ 
diese  aber  in  £imoi!iioe'  l^stoloyr]^nn6s  mcht  yorkomme^ 
wohl  aber  ▼on  Gregorios  von  Njsea  *  erwtthnt  werde,  eben- 
dieflelbe  daher  in  dee  fiunomios  Ewdter  Schrift  gestanden 
und  diese  deshalb  von  jenem  widerlegt  worden  sein  müsse. 
Warum  soll  nicht  ©in  besonders  schriftgewnltiger  Ge^er 
des  Kunomioft  aeine  Widerlegung  desselben  reicbÜcli  mit 
Schrütstellen  ausgestattet  haben?  Und  war  es  denn  nötig, 
ja  auch  nur  mdgUch,  jede  YOn  dem  Irrlehrer  angeftihrte 
Stelle  etwa  ale  falsch  angewendet,  aurdckattweisen?  Doch 
die  sutreflendste  Antwort  hat  hier  schon  J.  A.  Fabridua 
gegeben,  indem  er  auf  die  ^Stelle  in  Kunomios'  [/I:loXo- 
yriii/.og  Kap.  27:  tuvkov  di  :rdriojv  ev^qivCig  fifv  ymI  rrXa- 
tik£(^v  fv  fxtQoig  fjylv  dTiodsdety^iviov  y  h  ßQa%ü  Öi  vüw 
nqbg  {)fißg  utfioloytifirK  fv,  ti%6ft9^a  %%k,  aufmerksam  machte 
und  die  Worte  mit  Recht  ao  erklftrte,  dafs  Eunomios  in 
denselben  auf  frühere,  die  Torliegenden  fVagen  genauer  er^ 
drtemde  Schriften  hinwies  *.  Garnier,  der  wohl  «nsah,  dafe 
mit  dieser  Deutung  des  gelehrten  Fabricius  alle  seine  zuvor 
erhobenen  Bedenken  hinfällig  wurden,  buchte  sich  derselben 
dadurch  zu  entziehen,  dafs  er  in  jenen  Worten  des  Eunomios 
nur  eine  Verweisung  aut'  den  ersten,  ausiuhrlicheren  Teil 
aemes  V4f7roAo)^ix<$g  sehen  au  mttssen  erklärte.  Offionbar 
aber  wird  von  ihm  da  derjenige  RegrifF,  auf  den  es  ihm 
gerade  ankommt,  in  den  Text  hineingetragen.  Er  umschreibt 
den  iSiiin  nämlich  so:  „Cum  iain  demonstrata  sint  a  nobis 
haec  omnia  liquide  et  magis  proiixe  m  taeteris  quae  prao- 
cedunt  argumentationibus  etc.  Danach  würden  wir  unbe* 
dingt  eine  nfthere  Bestimmung  wie  i»  %ois  nf^^te^p  ^It^" 
ftivotg  oder  eine  derartige^  jedes  MilsTerständnis  ausschlielsende 
örtliche  Bestimmtmg  erwarten  müssen,  unter  allen  Umständen 


1)  Contn  Euuomiam  1.  XI,  8.  694  B  ss  ÖUer  S.  484. 

2)  Motsados  hic  locus,  quo  ad  nberioia  toa  se^ta  iam  suis 
Itlud  tempus  edita  Eunomin*  prorcoat 


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APOLUKAKIOS  V.  LAOD.  OKGEN  EUN0M10& 


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aber  müfste  vor  hr'ooig  der  Ai  tikel  stehen.  Da  dieser  fehlt, 
80  hat  Fabricius  mit  Fug  und  Hecht  die  Worte  von  ander- 
«eitigeii  AtuflÜinuigen  des  EunoniioB  ventandeoi  auf  wdclifr 
er  aeine  Leser  einfiMib  Terwdflt  Dieaem  durch  Fabrieimi' 
richtige  Deatang  hergesteUten  VeriiSltniB  entspricht  Übrigen» 
durchaus  das  Verhalten  des  Apollinarios  in  seiner  Schrift 
selbst.  Er  vei  liandelt  zumeist  mit  seinem  Gej^ner  Eunomios, 
den  er  wiederholt  mit  Namen  nennt  ^  unmittelbar  in  der 
«weiten  Person  der  Eänzahl,  saweilen  aber  auch,  was  al» 
ganz  selbstverBtttndUcb  angesehen  werden  muls^  mit  den  An- 
hängern desselben  als  seinen  €kgnem  in  der  Mehrzahl 
Und  die  ennomianisehen  Sätxe,  anf  welche  er  sich  bedeht, 
sind  entweder  dem  Wortlaute  oder  dem  Sinne  nach  in 
Eunomios'  l^TioloyririAÖg  enthalten;  ohne  dafs  damit  ausge- 
schlossen ist,  dalk  hier  und  da  auf'  frühere  schriftUche  und 
mündliche  Anisenmgen  des  £anomios  sarüokgegriffen  wäre. 
Das  Veriiiltnis  erscheint  eben  als  ein  solches,  dafs,  wie 
aach  Philoetorgios'  Nachricht  besengt,  das  Erscheinen  des 
.A'toXoyiiLiAOs;  des  Eunomios  in  gauz  eigentlichem  Sinne 
Apollinarios  zur  EröflFhung  des  Kampfes  die  miTiiittelbare  Ver- 
anlassung und  Autforderung  gegeben  und  dais  diese  bchrift 
als  die  übersichtlichste  Zusammenfassung  der  schon  seit  län* 
gerer  Zeit  bekannten  nnd  Tielnmstrittenen  Lehren  des  Haapt- 
wortfüfarers  der  Arianer  natuigemäls  von  ihm  in  erster  Linie 
Berücksichtigung  erfahren  hat:  eine  Sachlage,  die  selbst 
Garnier  an  keiner  anderen  Stelle  der  Schriit,  mit  Ausnahme 
der  eben  behandelten,  irgendwie  zu  verdankein  oder  in 
Zweifel  zu  ziehen  gewagt  hat 

Endlich  dürfte  Garnier  damit  gleichfalls  au  viel  behaupten, 
wenn  er  a.  a,  O.  S.  Lxzi  mit  Bemfnng  auf  Gregorios  von 
Nyaea,  Phikwtorgios  und  Photios  sich  darauf  steift,  Eunomios 
habe  nichtH  weiter  als  die  beiden  Schriften  geschrieben,  von 
denen  biöher  die  Rede  war.  Schon  die  einbigi'  Thätigkeit 
und  ausgedehnte  Wirksamkeit,  welche  der  Mann  nach  Thilo- 
ftorgioe'  Bericht  cur  Ausbreitung  und  Geltendmachung 
seiner  Lehren  und  dogmatischen  fjberseugungen  entfaltete^ 
laeeeD  es  als  selbstverständlich  erscheinen,  dals  Eunomios 
mehr  als  zweimal  zur  Paeder  gegriffen ,  auch  wenn  una 


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42 


DEÄ&EKE, 


nicht  jede  einzelne  Schrift  nach  Aufschriit  und  näherer  Be- 
stimmung genannt  wird.  Auch  Hieronymus',  freilich  auf 
•eiiie  spätere  Zeit  bezügliche  Ausdrucksweise:  ^^Usque  hodie 
▼ivere  dicitar  in  Oappadoc»  ei  multa  contra  eoclesiani  re- 
«cribere''  —  Bcheint  mir  die  Ndtigung  zu  enthalteOi  an  eine 
umfangreichere  Bchriftetellerische  Wirksamkeit  dee  Eunomioe 
zu  denken.  Besitzen  wir  ja  doch  heute  aufser  dem  ^rto- 
XoyjjnyjK  noch  Eunumios'  E'/.^iaiq  :tiatE(j)gy  die  er  auf 
Belclü  des  Kaisers  Thcodosius  im  Jahre  383  diesem  zu 
Konstantinopel  überreichte  ^  Nicht  minder  weist  uns  des 
MtgenMscben  Nemesios  Beaugnalime  auf  £unomios'  tmla 
aus  platoniBchen ,  teils  aus  aristotelischen  Grundsfttsen  ge- 
mischte Erklärung  der  Seele  die  im  ^AnoXoyri%i'A6(;  keine 
Stätte  tindet,  auf  ebendieselbe  Annahme,  ebendenselben  Aus- 
weg der  Erklärung. 

Die  weiteren,  zumeist  spracidichen  Bedenken  Qamier's 
sind,  wie  ich  aavor  schon  bemerkte ,  sämtlich  derart^  da£s 
je  weniger  sie  es  anlassen-  an  BasiUcs  als  Verfueer  su 
denken,  desto  ttberzeugendo*  fttr  die  Ab&seung  der  Schritt 
durch  Apollinarios  sprechen.  Naeli  Eritdigung  der  haupt- 
sächlichsten behwiene:keit,  welche  Garnier  im  §  73  seiner 
Vorrede  behandelte,  wird  es  am  einlachsteu  sein,  wenn  wir 
die  Übrigen  Abschnitte  derselben  der  fieihe  nach  durch» 
gehen. 

Stellen  wir  Chumier's  Qesamturteil  aber  die  sprachlichen 

Unterschiede,  die  ihm  im  Vergleich  zu  den  drei  erbten  Bü- 
chern entgegengetreten  .  p^ewissermalsen  als  Entwurf  und 
Ubersicht  für  das  Folgende  voran. 

Seinen  Verdacht  begründet  er  im  allgemeinen  §  66^ 
S.  LZiv  sunächst  so:  ^yAnimadverti  enim,  quod  iam  anim- 
adverterant  multi,  eos  a  tribus  prioribus  genere  dicendi 
quam  maxime  differre,  eamque  diversitatem  tantam  esse,  ut 
si  Basiliuni  hunini  auctor  esse  dicatur,  eura  sibi  dissinülli- 
mum  fuisse  oportcat.  Et  vero  verba,  dictio,  phrasis  et  ut 
pauds  absolvam  onmia  conspicuas  et  certas  peregrinitatia 


1)  Socrat.  Ilist.  ecci.  V,  10. 

2)  Nemes.  De  nat.  hom«  Kap.  II,  S.  45. 


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APOLLINARIOS  V.  LAOD.  GEGEN  EUN0MI08.  43 

DotAs  videntur  praeferre.  Nova  sunt  verba  et  apad  Ba- 
oliom  inusitatay  nova  quoque  loquendi  genera;  et  oniverse 
dieani  tantam  esse  divenitatem  dictionis,  at  qui  oam  noa 
Tideat,  lippiat  necesse  In  der  That  sind  damit  die 
iiauptsädiliehsten  nnd  tiefgreifendsten  üntendiiede  stuammen- 
ge&fst    Nun  zu  den  Einzelheiten. 

GHriiier  tadelt  zunächst  den  überaus  häufigen  Gebrauch 
der  Partikel  ely  die  Fülle  der  kleinen,  kurzen,  mit  u  einge- 
leiteten Satsglieder.  £r  sieht  mit  Recht  darin  eine  starke 
Abweichong  von  der  wohlgegliederten^  ebenmUisig  und  glatt 
Terlanfenden  Darstellnng  des  Basilios,  Üint  aber  dem  Ver- 
fi»er  entschieden  dadurch  Unrecht,  dafs  er  einzelne  solcher 
kleinen  Satzglieder  aus  dem  Zubainmenhange  reifst ,  ihren 
Inhalt  zerklaubt  und  für  dürftig  erklärt,  während  jedes 
dieser  kleinen  Satzteilchen  innerhalb  des  groiisen  GbfUges 
▼<m  Schlüseen  und  Beweisen  |  aus  dem  sie  hmuagegriffeni 
tebr  wohl  an  seiner  Stelle  steht  und  an  seinem  Teile  zur 
Henrorbringung  des  ^gentQmlich  Zwingenden  einer  solchen 
syllogistischeu  Beweisführung  beitr;L<!:t  Es  ist  nicht  uber- 
flüssig, an  dieser  Stelle  des  Urteils  uns  zn  erinnern,  das 
gerade  Basüios  über  ApoUinanos'  Schreibweise  filUt.  Er 
tagt  Yon  ihm  £p,  CCLXIII|  n.  4  geradesEu:  Sffvi  fiiv  obv 
0^00  xai  rd  TfjjS  ^eohayittq.  9v%  hi  /^a^ixdb  drtodtiSioiVf 
Hk*  l|  d»9'i^omimnß  dq>OQfÄ0v  (zwei  Codd.  loyia^av) 
lunamjBVTiv  «xovra  —  Worte,  aus  denen  klar  hervorgeht, 
dafs  Apollinarios  in  der  Entwickelun^  luid  Verteidigung 
semer  theologischen  Ansichten  sich  dialektischer  Beweis- 
führung bedient  hat  Aus  den  uns  von  seinen  Schrifien  er- 
haltenen Bruchsttteken  ersehen  wir  deutlich ,  dafs  er  „ein 
Yeriasser  gewesen  ist,  der  disputatorisch  au  schreiben  und 
dialektisch  zu  argumentieren  liebte  und  sich  in  Syllogismen 
gefiel"  Caspari  machte  zuerst  darauf  aufmerksam,  „dafs 
der  trinitarische  Teil  der  Kard  ^fgog  niatig  im  ganzen 
änen  disputatorischen  und  hier  und  da  —  z.  B.  in  der 
Partie  über  die  Gh>ttheit  des  heiligen  Geistes  auf  p.  171  ab 
(Mai)  —  einen  dialektisch  aigumentierenden  Charakter  trSgt^', 


1)  Caspari  a.  a.  0.  S.  99. 


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44  DRÄSKKfe:^ 

lind  ich  8ell)st  habe  betreffs  der  Schrill  Jhpi  i^iado.:  Ulin- 
iiche  Merkmale  hervorgehoben  ^  Eine  syilugistiscbe  k^ciihtt 
ist  nun  aber,  besonders  in  seinem  ersten  Teile,  der  'yiyti(^ 
^tioög  xttt*  Evvofiiov  in  ganz  hervorragendem  Mafse.  Dieses 
Geprttge  hat  Qamier  vöUig  verkannt  Auf  Sokritt  und 
Tritt  stofsen  wir  da  auf  jenes  fllr  ApoUinarios  so  bezeichnend^ 
ihm  80  geläufige  Ver&hren  seinen  Gegnern  gegenttber:  genau 
wie  in  den  beiden  genannten  Schriften  des  Laod iceners  sind 
auch  hier  Syllogismen  und  Schriitbeweise  kunstvoll  und  be- 
weiskräftig miteinander  verbunden  und  vertiochten.  Wollte 
man  irgendein  Stück  aus  ApoUinarios'  sohriftstellerisoher 
Hinterlassenschaft  zum  Vergleich  heranzieheni  so  mfliste  man 
die  mdsten  der  Bruchstücke  aus  seiner  Schrift  wider  Dio* 
doros*,  die  ausdrücklich  (a.  a.  O.  S.  145)  als  ein  X6yog 
üv?,?.oyiaTiK6i:  bezeiclinet  wird ,  hier  autlühren ,  oder  auch 
jenes  Bruchstück  mit  der  Uberschrift  lyJ  id  ovXXoyiOfiQv 
(a.  a.  U.  S.  131).  Sie  alle  stimmen  mit  dem  L^vrt^^risu^ 
in  der  von  Garnier  nicht  erkannten  und  gewürdigten  syllo- 
gistischen  Art  und  Weise  der  BeweisHlhrung  so  genau  Uber- 
ein, dafs  sie  fast  sttmdich  in  diesem  selbst  stehen  könnten* 
Da  tritt  uns  der  echte  Apollinarios  ^  wie  Basilios  ihn  schil- 
dert, die  Bruchstücke  ihn  uns  nur  ahnen  lassen,  so  voll- 
ständig und  m  unverkürzt  vor  die  Augen,  wie  ihn  zu  sehen 
es  in  der  That  uns  bisher  nicht  vergönnt  gewesen  ist 

Mit  weiteren  Beobachtungen  sprachlicher  Art  werden 
wir  uns  kürzer  abfinden  können. 

Im  §  68  macht  Garnier  auf  den  hSufigen  Gebrauch  des 
Wortes  *>iaig  aufmerksam^  für  welches  Basilios  regehnäfsig 
und  ausr-ohliefslich  vto^^eot'a  im  Sinne  von  udoptiu  gebraucht. 
Garnier  teilt  Beispiele  iür  jenen  häutigen  Gebrauch  nicht 
mit|  ich  weise  auf  die  hauptsächlichsten  hin:  S*  279 BC^ 
281 D,  306D,  dlSB^  814  A;  er  hätte  aber  nicht  verschweigen 
sollen,  da(s  der  Verfiuser  daneben  auch  das  gleichbedeutende 
und  bei  Apollinarios  in  der  Aard  (idifog  fciavtg  *  vorkommende 

1)  Zeitschrift  fiir  Kirchengeschiebte,  Bd.  VI,  &  Ml.  543. 
9)  Leont  siIt.  fitand.  Apollimurist.  bei  Uai,  8pieileg.  Boman. 
n,  3,  S.  143ff. 

8)  In  Anhange  so  Lagarde*»  Ausgabe  des  Titus  Bostre- 


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AFOLLINARIOS  V.  LAOU.  G£Ui:JS  KUKOMiO».  45 

wogtet  ▼«•wendet:  S.  S87D,  292 297  A,  302  E.  Das 
Wort  i^tai<^  in  dieser  Bedeutiiog  (==  adoptiu)  ist  gut  Grie- 
chisch^ ich  tUhre  zum  Beleg  nur  den  Alexandriner  Appianoa 
an,  überdies  aber  wird  sein  Gebrauch  im  Eingänge  der 
Sobrift  &  279  BC  vom  Verfasser  gans  ausdrücklich  und  • 
und  iwar  TOllig  ausreicbeDd  begrUadet,  wenn  er  sagt:  A 
yfr^'Qiog  (fvüu,  7ToJtX&p  S^iau  xaXovfuiHav,  wxl  eig  rid^ 
qioti,  :toX).(nv  orouallounc'jv  i'iajv  ^toeif  zö  i^iOU  /.aia  fit- 
^ir^oiv  lov  (fron  Ltyeiai.  *}iau  yaq  ovöiv  ixv  )^y'hiii, 
nqoi^ovfiiyov  %of)  q>vau*  ü  odv  i^ftetg  vtoi  ^taei  .'>£O0, 
oMxymq  tdv  qtvaei  vidv  tiqovttcc^biv,  Dafs  wir  das  Wort 
s.  B.  in  den  Bruchstücken  von  ApoUinarios'  christo- 
kgischer  Hauptschrüt  ,y£rw«is  der  Fleiscfawerdung  nach 
dem  Bilde  des  Menschen'',  welche  Ghregorios  von  Nyssa  so 
zahlreich' uns  aufbehalten,  nicht  finden,  ist  rein  zuföllig,  wir 
haben  da  eben  immer  nur  wenig  zusammenhängende  Sätze; 
dafs  aber  das  Wort  dem  sonstigen  Sprachgebrauch  des 
ApoUinarioB  angehdrti  Migt  deutlich  das  Adiectivuin  verbale 
dn6g  in  den  Worten  dessdben:  Kai  A^&^ft&rt^  avnfqf&ii 
6  Tfleiog  reiUr^,  di?e  P^aav^  eJg  ^dv  (pöaei  vtdg  iho€, 
ih  df  O^cjug  (bei  Greg.  Nyss.  Antirrh.  c.  Apull.  Kap  42, 
S.  2ä2).  Genau  dem  entsprechend  heifst  es  im  ^^vkoq^ti- 
Tubg  xaw^  Eimfäov  S.  31  dB;  xoi  vioi  iktoi>  Kkyoviai  7röXliQi 
h  rjj  YQaq^  . .  •  i^iau  fiirtoi  xai  x^^innrij^i  wi  vtod^sToij- 
/iCMf  dn6  toü  dh/i^iPoC  t^so0,  vioi  9mi  xcri  liij  dhi&iwoL 
Hieran  möge  gleidi  die  weitere  Übereinstimmung  im  Sprach- 
gebrauch hinsichthch  des  Wortes  vioS-ereta^aL  gereiht  wer- 
den. Apuliinarios  sagt  Kard  ui^Qog  .iiatiq  (Lag.  S.  III,  33ff.): 
%Üjuov  öe  [txf^i]  ^cti  td  rcvet^a  lö  &ywv  S-wf)  di  viaß 
XOQTiyo^fUWOP  eig  tobg  v\of>etoviiivovQ,  Im  '^yrtQQtit.  vt(gt* 
Eh»  S.  309 B  heilst  es:  xoi  dcvkaytaytiTai  fii^  inirdy/ioai 
Yoig  roß  ftnöftatog  6  ^ia^a^X  abv  qfößtft  Pov^ketoiSfiwog,  tno- 
9tTUTat  S&  XffWTtttv&¥  iTatXf^ta  Öt*  aydrarig  ayia^Oftivrj. 
Ebenso  steht  das  Wort  S.  305  D  und,  wie  ebeu  mitgeteilt, 
S,  313  B. 


BUS  &  III,  soff.:       Xiyw  ,  ,  .  loyw  Udo^fitvo»  oMk  xct^* 


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46 


DBA8EKE, 


Unmittelbar  nach  ^taig  fuhrt  Garnier  das  Wort  d^eiAog 
an.  Er  mag  recht  haben,  dafs  es  nirgends  bei  fiasilioB 
vorkommt,  um  so  häufiger  tre£fon  wir  es  bei  ApoUinario«. 
Er  yerbindet  das  Adjektiv  ^€ix,6g  mit  fZQooKvviioig  (A.  /i.  fr. 

Lag.  S.  ;i8),  TtaQOvaia  (K.  ^i.  rt.  Lag.  S.  106,  6),  (fvoig 
(Lag.  S.  116,  4,  ferner  im  Briefe  an  Petrus  bei  Mai,  Script 
vet.  nov.  coli.  VII,  S.  16  a  und  S.  302  und  in  den  von 
Timotbeos  bei  Leontios  a.  a.  0.  S.  149  angeführten  Schriften), 
ßaaikUa  (Lag.  S.  118,  86)^  q^iaq  (Lag.  S.  118,  6),  %üm6~ 
(Lag.  &  119,  86),  dfW/ii$  (L^*  S.  121,  85);  daa  Ad- 
Terbtum  ^etxdfg  findet  sich  in  der  Katä  ftigog  niatig 
(S.  110,  17),  das  substantivierte  Adjektiv  in  einer  syllo- 
gibtisclicn  Schrift  (Tiinutiieos  bei  Leont.  a.  a.  O.  S.  142: 
ovzt  ovv  %d  x^ei'KÖv  dpiß^Qwnivov  xi^  öiaiqtau  Tfj  Mti:ä  vd 
9Qfia)f  ebenso  in  der  Schrift  wider  Diodoros  (bei  Leont. 
a.  a.  O.  S.  144)  und  in  sdner  chiistokigiscbeu  Hauptichrifl 
(bei  Greg.  NysB.  Eap.  27,  S.  188).  —  Genau  dem  ent- 
sprechend ist  die  Verwendung  des  Wortes  ^cirnfg  im  Wv'* 
TtQQrjii/Mg  /.ctt'  Evvofiiov.  Es  findet  sich  in  Verbindung  mit 
ivt^yua  (S.  304  D),  mvdfeta  (S.  307  C) ,  öo^a  (S.  308  D, 
309  E),  i^ovaia  (S.  316  C>  und  7iv€ßfia  [S.  31lD),  während 
ftlr  letzteres  auch  nvetfia  to  d^eiov  (S.  310  B)  vorkommt, 
wie  auch  in  Apollinarioa*  Brief  an  Dionysios:  mtit/iB^ 
%ai  ^fiäg  %oie  ^01$  iiQ^aai  (Lag.  S.  116,  4);  das  Ad^. 
^utOg  gans  den  obigen  Beispielen  entsprechend  S.  288E 
und  292 A. 

Im  §  69  hebt  Garnier  eine  licihe  von  Ausdrücken  her- 
vor, die  dem  iSprachgebraucIi  des  Basilius  kenid  seien,  so 
zunächst  tö  örr£Q-jt6afAtop  oQfia  X^iozod  S.  298  B.  Daa  Ad- 
jektiv  i/tifgxidafuog  kann  ich  swar  bei  ApolÜnarios  sonst 
nicht  nachwdsen,  es  findet  sich  aber  bei  dem  gleichseitigen 
DionysioB,  wi«)  ich  dem  von  Engelhardt  im  sweiten  Bande 
facincr  UberbeUuiig  der  Schriften  desselben  zusaiiiiiieiigesteliten 
Dionysios -Lexikon  entnehme,  wc^selLst  S.  383  und  S.  384 
eine  reiche  Sammlung  von  Zusammensetzungen  mit  ini(^  ge- 
geben ist  Auch  der  Neuplatoniker  Proklos  bietet  (Inst  theol. 
c.  116,  p.  186  ed.  Crenaer)  n.  a.  die  Zusammensetzungen 
^«i^oifaiog,  iTwiff^fog  und  txi^wovg^  Ton  denen  ^«^«MSiriog 


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APOLUKAHIOS  V.  LAOD.  GEGEN  EUNOMIOS.  47 

auch  Miist  bei  kJrcblicben  Scfariftstelleni  schon  froher  vor- 
kommt.  —  Als  dem  Sprachgebranch  des  Basälos  fremd  be- 
zeichnet Garnier  ferner  den  Ausdruck  ^eoC  naiQ  von  Jesus 
(8.  299B)  Derselbe  tritt  uns  in  den  Bruchstücken  des 
Laodiceners  freilich  nicht  entgegen,  aber  im  Xqiatbg  naaxtiiVf 
der  nach  meiner  Meinung  von  ApoUimurios  herrührt  '|  be- 
gegnen wir  ihm  wiederholt,  ohne  dafa  man  berechtigt  ist^ 
diesen  Qebranch  ftberall  anf  metrische  BeweggrOnde  sarttck- 
zufiihren.  So  V.  988:  ^eoC  te  rcaida  zoürov  dyyeiXag  ufn, 
dc>^^\.  V.  1087,  1222,  1774,  während  daneben  sich  auch 
%t£oij  vtog  findet,  so  V.  98;^,  984  und  1115:  xteo€  nuerA^ayaoi 
Tffov&g  0*  vua,  —  Zur  Bezeichnung  des  Ausgangs  des  hei- 
ligen Geistes  lesen  wir,  wie  Garnier  anmerkt,  im  Vtfm^» 
Kcrr*  Eüpofticv  das  bei  Basilios  sich  nicht  findende  SabstantiT 
i/,:io^7ti^.  Dieses  selbst  freilich  bieten  wiederum  die  son- 
stigen Schriften  des  Apoliinm  ios  nicht,  wohl  aber  dab  Verbum 
i'A7ti^iu€ai>mi  voC  Ttvevfiaiog  ix  vijs  ovo  tag  toO  fiatqbg  di' 
rioC  diduog  ivL7t€ft(p&iVTog  (K.  fi.  n.  Lag.  S.  III,  6).  — 
Auch  die  Beaeichnung  David's  ab  i>im^d^  S.  309  empfindet 
Garnier  als  eine  fremdartige.  Nun  wohl,  das  sind  Ghschmaoks- 
■aehen,  fiber  die  bekanntlich  ach  nicht  streiten  IftTst  Da» 
Wort  scheint  mir  jedenfalls  ein  sehr  angemessenes,  es  ist 
im  dichterischen  Spracii;^ebrauch  heimisch  und  gerade  au» 
liluripides  bekannt,  als  dessen  glücklichen  Nachahmer  den 
ApoUinarioo  nicht  nur  Soaomenos  preist,  sondern  wir  selbst 
nodi  8U  bewundern  imstande  sind.  Es  ist  nidit  überflOsirig^ 
darauf  binauwelsen,  wie  Apollinarios  jenes  schmfickende 
Beiwort  in  der  Schritt  iTe^t  t^iddog  (S.  375  A)  Binngemäf» 
PO  umschreibt:  Aai  rtqötog  i^fAäg  Javld  öiSaaMtut,  Y^ivov 
yaq  o^og  SIo'kXi^qov  %Fjg  'AxioBMg  avv&etg  rip  ^C(p  u.  s.  w. 
Gleichfalls  mit  Besag  auf  David  ist  eine  andere  Bezeichnung 
aber  eine  TfiDig  gleiche.  Vom  heiligen  Geiste  heiist  es  mit 
Besog  auf  Pe.  89,  6  im  U^i^.  xar'  E^.  &  806A;  8  dij 


1)  Vgl.  meiiie  Abbandlnng  ^Xübm  die  deoA  Gregofks  Thamiia» 
togos  sogesdifiebsiMiD  vier  HomiHen  und  den  X^c^rd;  näax^"  hi 
d.  Mirb.  t  prot  Theol.  X,  8.  857—704. 


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48 


während  cUuselbe  Wort  des  Ps.  32  ^  6  Ton  ApoUinarios  in 
der  Acrfd  ftd^og  mtniq  (Lag.  S.  107,  84)  ganz  ebenso  ab 
ix  TO0  7zqo(fiQTov  Jttßid  entnommen  aogeföhrt  wird.  —  Noch 

merkwürdiger  ist  die  Beaiistaudung  des  ayiog  TTaf^Xog  S.  320  A 
vooseiten  Gamier's.  Er  schützt  den  Basilios  vor  diesem 
nach  seiner,  höchst  wahrscheinlich  durch  den  katholischen 
Heiligk^tsb^priff  beeinflulaten  Meinung  sicberlidi  sehr  un- 
angemessenen Beiwort  durch  die  Bemerkung,  daia  es  an  der 
einaigen  Stelle,  wo  es  überliefert  erscheine  (De  spir.  s.  c  XVI), 
als  unechtes  Einschiebsel  zu  lilgeu  sei.  Warum  hat  (larnier 
dann  nicht  aucli  das  doch  auf  derselben  Linie  sLehende 
ehrende  Beiwort  Ncr/.aQiog  iür  Paulus  beanstandet?  Dai« 
wir  letzteres  (S.  31 7 D)  finden,  ist  hinlänglich  dadurch  er- 
klärt, dais  Eunomios  es  Belbet  gebrauchte  S  de^  treffen 
wir  es  bei  Basilioe'  Bruder  Gregorios  in  der  Schrift  wider 
Eunomios  (Buch  XII,  S.  443),  und  dem  äyiog  IlaVAog 
ißt  doch  mindestens  gleichwertig:,  wenn  nicht  überlegen  6 
ä^eiog  d7c6oto)u)g^  mit  welchem  hohen  Beiwort  Oregorios  von 
von  Nysaa  (a.  a.  0.  II,  S  192  und  8.  198),  Ba^oe  selbat 
(Epiat  46:  6  ^üog  xai  ftawi^iog  JlaOlog)  und  Tbeodoretos 
(Hist  ecel.  I,  7)  den  Paulus  auHEacfanen.  —  Endlich  ge- 
hört hierher  das  S.  SlsD  von  (Sott  gebrauchte  Adjektiv  rrory- 
u'/LOi;,  das  man  nach  Garnicr's  Versicherang  bei  Basilios 
vergeblich  suchen  würde.  Ich  will  kein  besuiideies  Gewicht 
daraut  legen,  daia  ApoUinarios  im  X(^iai6s  udaxinv  V.  2816 
sligt:  natf^  nual  /rvci^eru  ttamyiif^^  aber  das  Wort 
begegnet  uns  schon  bei  Athanasios,  sogar  auf  den  Ldb  das 
Herrn  angewendet  (Epist  ad  Adelph.  c.  7,  S.  916  ^  Tbib 
S.  656),  desgl.  in  der  höchst  wahrscheinlich  Apollinarios' 
Zeitgenossen  Dionysios  angehörigen,  iUlschlich  Hippoiytoa 
beigelegten  Schrift  gegen  Beron  (Lag.  6.  60,  2.  21;  6»,  13), 
wie  auch  die  gleichbedeutenden  Ttavapig  und  /rcrMXj^yog  bei 
Dionysios  (a.  a.  O.  S.  373)  ^  so  dafs  nicht  der  geringste 
Grund  vorhanden  ist^  es  bei  Apollinarios  etwa  aufifillig  au 
finden. 

Im  §  70  seiner  Vorrede  handelt  Garnier  von  der  ver- 


1)  Boi  Greg.  Kysa,  c  Eunom.  VI,  8.  340  Ohler. 


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APOLLtNASIOS  V.  ULOD.  OEQEN  EUNOMIOS. 


49 


tehiedenen  Scbriftaafühmngsweise  sdiieB  Unbekannten  im 
Vergleich  mit  der  des  Basilios.    Es  ist  gans  nnerheblieh, 

dala  Basilios  das  yiyQaTrrat  yaq  voranstellt  \ind  dann  die 
Schlü  te  teile  folgen  läfst^  im  ^^wiQQYiTL  /.bi;  vtar'  Evvo/iitov 
dagegen  in  treierer  Weise  das  yd/^ajcrai  nachgestellt  wird. 
Schief  geSkSst  scheint  mir  ferner  die  Erklärung  der  von 
Ctoinier  getadelten  Bedehnng  in  folgender  Stelle  (S.  806 A): 
Th  di  lud  TÖ  frv$ßfitt  tö  äywv,  dhif^iS^  Sftw  fOfe&fitt  mavä 
fd  yeyQaftfiivov  tö  ju«rd  ftatQÖg  nuxl  vtod  awdo^a'Zof.iew» 
Ich  stelle  durchaus  in  Abrede,  dafs  die  Form  der  Beziehung 
im  ali^r' meinen  eine  unangemosRene  ist,  dafs  iDsbesondere 
%b  yeyQOfifiivov  /.tLf  wie  Garnier  verstanden  wissen  will, 
wörtlich  eine  Schriflstelle  enthält  Dieselbe  wird  man  ver- 
geblich Sachen;  ich  glaube  aber,  dafs  gar  keine  Nötigung 
▼orHegly  die  Worte  so  au  übeisetaeni  wie  Gkimier  es  thut, 
sondern  es  ist  —  so  erlanbe  ich  mir  au  erklSren  —  die 
Rede  von  dem  heiligten  Geist,  der  in  Wahrheit  heiliger  Geist 
sei,  nach  dem  Scbriths  oi  t,  wdi  in  er  gleicher  Ehre  mit  dem 
Vater  und  dem  bohne  teillialtig  wird.  Welche  ^chrÜtstelle 
gemeint  ist,  wird  in  unmittelbarem  Anschlufs  an  die  aus- 
gehobenen Worte  angedeutet  durch  das  oben  schon  erwtthnta 

Jaßtd.    Es  ist  Ps.  32,  6:  jot  I6y({)  toC  nvifiov  ol  (fd^avol 

ioie()U'Jx^r^oayj  yjxl  Tqi  :cvsvLiaTi  zoD  (Ji6uciio^  ui  lov  ränct 
ij  dvvauiQ  ai  Tü^v.  Auch  Garnier  entscheidet  sich  für  diese 
Beziehung  und  verweist  mit  Recht  auf  des  Verfassers  weiter- 
hin S.  807 D  folgende  Erklärung:  inü  wi  6  Jaßid  l6fov 
Tun  mftßfta  owdof dC<tfv  xv^'ov  tatg  oö^avoög  ^^ffipiut» 

tf^v  dvva^iv  ttdr&y.    Ich  meine,  es  kann  gar  nicht  davon 

die  Rede  sein,  dai's  der  Verfasser,  wie  G^amier  wähnt,  seine 
Erklärungen  an  die  Stelle  von  Schriftworten  ^^esetzt  habe, 
um  etwas  zu  beweisen,  und  ich  leugne  das  ebenso  bestimmt 
in  dem  «weiten  von  Gbmier  angeführten  Beispiel  (8.  ao3  D) : 

^eviow  ärrmlenixiAw,  wo  der  letate  mit  tö  anhebende  Zu- 
satz in  ganz  ähnlicher  Weise  wie  auvor  im  ersten  Beispiel 

ubersetzt  und  erl^lärt  werden  muls.    Merkwürdig  iat  der 


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50 


SBiBEKEy 


Unteraehiedy  den  Garnier  allein  gehen  laaaen  will.  Bat  Ao- 
itkhruDg  weldieher  Schriftrtatter  will  er  eine  ealche  Mere 
Behandlang  der  Worte  derselben  anlassen,  verbietet  dieselbe 

aber  unbedingt  bei  Anfulirung  von  Stellen  der  heiligen  Schrift 
Was  konnte  daraus  nicht  alles  für  Unheil  erwachsen !  y,Pr(K 
iecto''  —  so  malt  sich  der  tiromme  Benediktiner  das  aus  — 
i^ai  propria  Scriptoraram  sie  immntare  semel  Üoeat^  qoidvia 
pfobare^  qnidvis  n^gare  ftetlKnumi  erit  Ebc  qao  seqnetnr, 
nt  oontroTenaia  aique  contentionibas  nee  finis  posait  imponi 
nec  modiu/'  Nun,  wir  Rircbten  nns  nicht  davor  und  müssen 
doch  bewundernd  anerkenn ei],  «hils  trotz  dieses  freieren  Ver- 
fahrens —  und  es  könnten  noch  Dutzende  von  Beispielen 
aDgefuhrt  werden  —  d^  'Awiq^riTLbg  ycor^  EvvofAiov  auch 
in  der  Schrifterklärang  nnd  Schrifikbenutaang  eine  sehr  atatk- 
licfae  nnd  beryonagende  Leistung  ist  IMea  freiere,  an* 
dentungswetae  Verfahren,  diea  Siofa*aneignen  des  Inhalts  ohne 
sklaviflches  Haften  an  der  Form  der  Schriftstellen  ist  nun 
aber  eine  besondere  Eigentümlichkeit  des  ApoUinarios.  Eu- 
nomios  selbst  will  ich  hier  gar  nicht  besonders  erwähnen  ^ ; 
ist  es  aber  nicht  aufiallig^  dafs  Apollinarios  in  der  Karä 
fii^  ftiong  gerade  dieselbe  Stelle  Air  den  heüigMi  Geist 
benutst,  die  im  l^vrtQ^atdg  mehi&cb  angeföhrt  ist,  und 
dafii  die  länftthning  derselben,  wie  i4rri^T,  S.  307  D,  eine 
freiere  ist?  Man  vergleiche  die  folgende  Stelle  (Lag.  S.  107, 
33):  zflti  TTveCfia  (baai-ciog  Ttvs^^a  ^eoß  hovtVy  ihg  yiyi^ajixai 
„ftveCfttt  d  x^edg^^.    /.ai  iano^ev  di  i%  joi)  rcqofpi/jfiov  ^aßid 

leh  übergehe  die  Stilen  der  Kutä  fii^  TtioTtg  bei  Lag. 
S.  108,  96  ft,  110;  4  ff.,  um  auf  die  Überaus  beaeiehneiide  An- 
führung Kara  lufgog  niorig  bei  Lag.  S.  113,  Uff.  besonders 
hinauweiten.    L>a  sagt  Apollinarios  nach  meiireren  Aua- 


1)  Vom  heiligeu  Geiste  redend,  aagt  er  im  'Anoloyrixixdg,  Kap.  26, 
S.  297  (Goldhorn  S.  0081:  om 

V7HjQi^'}u^0-Ti  Toiif)  fiis  iöiar  t^tav  vnoaxuaii'.  üoxuvarjg  xnt  tiqo  roitutv 


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IPOLIilNABIOS  V.  LAOD.  (I£Q£N  EUKOMIO&  5t 

Sprüchen  des  Apostels  Paulus:  'Kai  näXiv  ?Jyei  „€t  f4iv  yäq 
6  i^x<^H^^<^  mXov  ^Ir^ofh'  xriQijaoei,  dv  ovyi  eKriQij^ai^ey y  ^ 
nveüfja  f  teQov  Xa^ßövetB.,  8  ov%  iXdßetej  ^  evayyekiov  Ir^^oy, 
8  idi^aa&€,  '^aXog  eixta&9^.  Was  würde  Ckurmer 
la  solcher  fintwdhung  des  Heiligen  sagen?  Der  Worikui 
▼on  0«L  1|  8.  9  ist  das  nidtti  wohl  aber,  geDon  wie  in 
der  obigen  Stelle  aus  dem  !//m^^T£)u$^,  der  Sinn.  ApoUi-  * 
Darios  nimmt  sich  eben  die  Freiheit,  den  Ausspruch  wie 
alle  anderen  mit  Aal  naXiv  Xiyei  einzuleiten,  und  wir  sollten 
dem  grofsen  Schrifterklärer  um  dieser  seiner  freieren  Form 
Witten  sflraen^  infolge  der  Handhabung  derselben  gar 
fidir  im  Veraage  wähnen?  Das  sei  ferne.  JedenfeUs  dürfte 
aneh  hier  swisehen  den  erwähnten  Sdirifien^  nämlich  der 
Kaiä  fi€Qog  Ttiarig  und  dem  'AviiQQi]TiAb<;  Hffr'  Evvo^iovy 
die  erwünBch teste  Gleichartigkeit  sich  herausgestellt  und  die 
Behauptung,  dafs  wir  in  letzteiw  ein  echtes  Werk  des 
Apollinnrios  vor  uns  haben  ^  eine  neue  Stiitse  gewonnen 
haben. 

Za  einer  solchen  wird  sieh  auch  gestalten^  was  mit  Beiug 
auf  die  von  Ganuer  §  71  semer  Vorrede  angeführten  Beispiele 

auj»  Schritten  des  Apollinarios  beizubringen  ist  Im  ^ytviLqqt^iL- 
ytdg  XOT*  Evvofiwt  heilst  es  S.  280  C:  al  yciloua  Xlyovxig  tbv 
vi^  ovx  ^  ^  T^^v  Kfiafidvutv  kiyovai  •  dient  ytwrjfia  Xay6p- 
fttw  i^0if  (hg       i0¥  Yonnfifiata»  moCOi»,  —  S.  283  D:  sl 

yetnr^fiarog  TtQÖg  d  nalehai  dyfyyiqTog.  S.  984  C:  dqr^u 
dyiyyr^og  d  nairjQ,  (fvaei  yeyvijTdg  /mi  ö  viog'  d  de  qiaet. 
yiv¥f^(4ay  omhi  yniofja.  ovrog  ovv  toV  €pi^ei  yevviipiazog, 
iatayjiai  mai  tdv  yeytnjaavra  ehai.  —  S.  286  D:  ovdiy  ^ic^ 
nOii^Sv  lattp  vioH  nLul  TrargSg,  oidi  yiti<ng,  untQ  7toh(jim 
luÄ  od  yimifta  6  vidp.  u  yimnuAU  ö  vUgt  ^  ^  ^  *^db 
ytgvjt^iSnbtv  y  nä»  ^  finm^a  wiofia,  od  xrhfia  6  vUß* 
ovdi  yag  yiwrifia  ä)g  hium.  —  Ähnlich  ist  das  Folgenile 
S.  287  B;  $1  6  viög  ive^yrifia  ytai  od  ytirff/ja,  oiVe  6  ive^yt^cag, 
ovze  fi"^  TO  iv£Qyr]x^iv  ttmog  iatiy.  —  Gleich  darauf  S.  287  C 
die  auTor  schon  zu  anderem  Zwecke  erörterte  Stelle:  /aow^ 

4» 


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52 


EvvofiLOv  cjVf  yivvriiua  de  ^evÖMyvtuog  'KaXov^Evog.  —  S.  292 C: 
et  rrQÖ  tfjg  'atIoeiü^  b  viog  ov  ytvyiif.id  iatiVy  dXkd  ^Tia/Aa' 
7CQii)i6-KTiotog  üv  sXiyevo  nal  ov  TtQtoTÖTO'^.  —  Statt  vieler 
endlich  noch  das  eine  Beispiel  S.  3060:  mal  t6  yivp^fia  i§ 

Die  Bospiele  seigen  klar  and  deatlidbi  dafii  der  VerlaMer 

deB  *j4pTiQQijti/Mg  die  Beseichnung  yivvqfta  fttr  den  Sohn  mit 

Vorliege  gebraucht  hat  Wir  sind  Garnier  zu  Danke  ver- 
pflichtet für  den  Nachweis,  dafs  dieser  Sprachgebrauch  dem 
Baailios  völlig  fremd  ist,  ja  dafs  er  ihn  (Adv.  Eunom.  II,  6.  7) 
auf  das  bestimmteste  zurückgewiesen  und  verworfen.  Nicht 
minder  aicher  und  Bkc  meinen  Nachweis  besonders  wertvoll 
ist  nun  aber  die  Thatsache,  daft  Apollinarios  in  seinen  uns 
sonst  aufbehaltenen  Scbriftresten  den  Sohn  als  yinfnifut  be* 
zeichnet.    Hier  der  Beweis: 

Kaici  ^uQog  .  rioitg  bei  Lag.  S.  107,  9ff. :  D^ebv  itiv  tbv 
vidy  Tf/i  IditJfiati  toB  Ttaiqog  THjaloüvzeg  ug  eiy.6va  xai  ydi^^ 
vi^a,  %ÖQiov  de  löv  Tcatiqa  r(T>  toü  h'dg  nv^iav  n^^oaetyo- 
^tdoyreg  Miitm  tbg  To6rov  ä^x^  wd  yeivijvoQa,  —  S.  107, 
82:  ohog  (d.  h.  der  Sohn)  eixc^y  im  mai  yi^wifta  ro0 
TtOTQÖg  yial  ^elipdg  ctdroff.  S.  110,  32  nennt  ApoUi- 
narios  Jcbum  Christum  viöy  d^eoC  "ml  ytvvi]ua  uovoyevig  y.ai 
didiov.  —  S  109,  30:  TOvg  Si  )]  Tur  viov  ^  rö  rrvePua  vd 
&yiov  y.ila^a  kiyovtag  drai^e^ariiofiev,  —  An  den  Antio- 
chencr  Flavianus,  mit  dem  er  über  die  Vorstellungen  von 
dem  Leibe  Jesu  Chriati  verhandelt^  schreibt  er  (bei  Leontios 
a.  a.  O.  Sw  143):  mal  ^idg  wxvä  trjy  toC  ^adf  tvmaiVy 
lh(Xtft%6tf  Imiv  ff  d-eog  •  xcre  ^TtBid^  to0  natqög  ohi  Bp  ytvotxo 
OQ^a^  ov  yao  ocouaruirai  larr^Q,  y.aid  to€to  Ovk  dyiryv^tov 
^ri&elri  Jtoxif  oiie  I6i(ii  (ftoei  dyevvrjTOv,  6}<J7tsq  vidg  nai 
yivvr]ua^  %y  tdiy  y&mftöv  vibv  evdtau  qiVOiKfj  ve  yuxi 

dQxft<;-  —  So  sagt  er  femer  auf  einer  weiteren  Stufe  der 
Entwiekelung  der  Lehre  vom  KOiper  Christi»  den  tiinita- 
rischen  Verhandlungen  genau  entsprechend  (b.  Leoni  a.  a.  O. 
S.  139):  wti  odit  iSlmg  XThfta  rö  a&fia  dnetv,  dxto- 

qiatov  ov  i/Mvov  ^cdrtwg,  ov  ocTjfid  lonv ,  dXXd  tijg  toC 
d'Ktiötov  /^y.oivujvtiy.ev  t7Hüvv(.iiag  yuxi  rfjg  rod  i^fofT  /.X^astog, 
fki  /tQÖg  kvöviifa        oviijmai,  -~  Ahnlich  &ufaert  er  sich 


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AfOLLIHABIOB  V.  hkOD,  OBffiBir  BUH0MI08. 


53 


dem  DiodoTOB  gegenüber  (b.  Leoni  a.  a.  0.  S.  144):  xai 
u  dttv^d^ei  nCig  %b  Krunrdy  &q  %^  ro0  dxfiffroü  ni^oin^ 

fiOg  TO  uy.iiüiüv  rfi  nQOOfiyoQiif  tf]g  v,iioiT^i;  (mQuög  ijvwvai. 

Ganz  beiläufig  sei  liier  noch  auf  die  von  Garnier  im 
§72  seiner  Vorrede  gemachte  Beobachtung  geblickt,  wo- 
nach die  dem  Basilios  gelAufige,  auf  früher  Gesagtes  aorück- 
weifleiide  Formel  h  xotg  tun^rtiv  liyots  oder  einfach  h 
roig  nun^nip  im  l^vnQQiitivi6g  gar  nidit  Torkommt  In 
demselben  heifst  es  statt  dessen  tbg  TTqoeiqrixaL  oder  sr^o- 
eior^Tai  S.  306  C,  288  B,  302  D.  Genau  dasselbe  dtg  rrQo- 
aqritai  ünden  wir  in  Apoüinarios'  Kazä  fid^og  niaiig 
(Lag.  S.  107,  6). 

Gleichfalls  von  geringem  Gewichte  scheinen  mir  die- 
jenigen Punkte  an  sein,  welche  Qamier  in  den  S§  74  und 
75  (nach  richtiger  Zftlilong  75  und  76),  den  letaten  des 
11.  Kapitels  seiner  Vorrede,  durchgeht.  Nachdem  wir  so 
viele  Beispiele  kennen  gelernt  haben,  welche  die  Verschieden- 
heit der  Behandlung  besonders  auch  von  Bchriftstellen  von- 
seiten des  Basilios  sowohl  wie  des  Apollinarios  deutlich  er- 
kennen laaseni  halte  ich  es  in  der  That  für  überflüssig,  etwa 
nur  um  der  VoUständigkeit  willen,  ebendieselbe  Thatsache 
dnreh  die  VorfUirung  der  im  §  74  erörterten,  S.  989  B  des 
^^vn^^ji^iLAdg  behandelten  Stelle  Juh.  14,  28,  sowie  der  in 
§  75  verzeichneten  alttestamentlichen  Stellen  noch  einmal  zu 
erhärten.  Ich  lasse  dieselben  auf  sich  beruhen  und  lasse 
auch  des  Benediktiners  unbilliges  Urteil  unangefochten,  der 
achlieislich  wieder  heilfroh  war,  dals  er  es  aussprechen 
konnte,  wie  lieb  ihm  der  Ausweg  sei,  „duos  hos  in  £u- 
nomium  libros  alieri  cuiTis  seriptori  tribuere,  quam  magnum 
Basilium  insuetae  levitatis  suspectuiu  reddere". 

Nur  auf  den  §  73  (iuüfste  74  sein),  in  welchem  Garnier 
auf  die  Verschiedenheit  der  im  letzten  Teile  der  Schrift  be- 
handelten Lehre  yom  heiligen  Qeiste  in  Vergleich  au  der 
des  Basilios  zu  sprechen  kommt,  mufs  noch  ntther  eingegangen 
werden,  weil  die  angezogenen  Stellen  die  von  mir  behauptete 
Abfassung  des  ^yirtLqq'qci7L6g  durch  Apollinarios  zu  stütaen 
wohl  geeignet  erscheinen.    Im  *uiviiq(fii'ti¥,6g  wird  vom  hei- 


54 


DRÄSBKE, 


Ilgen  G«iete  o.  a.  Folgendes  gelehrt,  S.  3990:  d  %olww 

oi*dBv6<;  taiLV  drpi^vai  ajitagziagy  üoittq  od/,  tOTiv^  ei  fiij 
(jLOiov  O^eoV,  d(ph]cn  öi  tö  frvet^ina  rd  fiyiov  did  jCh'  dfto- 
evdhav'  äqa  rö  itveDfia  %ö  Hyiov,  Kai  Tf}g  adrfjg  iv€(f- 
yeiag  ttTt  ftatifi  wi  %tf  vk^,       Ferner  8.  dOOD:  u  de 

yQctfpij  ^B&rofMtog,  äftawe  votg  dmßolkfi,  n&g  od  &eög  fd 

ovarig.  —  Mii  ]:>ezug  aul'  die  Stelle  Joh.  4,  24  „Gutt  ist 
Geist"  heilst  es  S.  310 C:  looutq  yctQ  rd  jrveP^a  6  ^«o^ 
YMTd  TO  „va^  d^eo€  lave,  xai  tö  TcveCfta  Ö-eoO  oiiuu  h 
tfih^^'^  (iKor.  Bf  16)'  üHtw  nuxi  6  ^sdg  %d  m«0f4Ci,  dgfc 

nun  xä  Mfima  fiif  xw^w&at. 

Wir  dürfen  hier,  wie  in  allen  Punkten,  wo  es  sich  um 
Basilios  ijantlelt.  Garnier  unbedingt  Glauben  schenken,  wenn 
er  uns  nachweist,  dals  in  dieser  klaren  und  bündigen  Weiae^ 
wie  hier  der  heihge  Geist  Gott  gonaiuit  wird,  Jkunlios  vom 
lieiligen  Qeigte  nicht  gelehrt  hhi,  nicht  ab  ob  er  ihm  die 
Gottheit  nicht  beigelegt  hftttOj  Bondem  weil  er,  den  Zeit- 
mnständen  Rechnung  tragend,  die  BeaEcichnnng  zu  ver- 
meiden beflissen  war.  Für  mich  aber  zeugten  diese  Stellen, 
besonders  die  letzte,  deutlich  iiir  die  Abtassung  durch 
ApolÜnarioe.  Achten  wir  zunächst  auf  die  in  der  Katä 
fiiifos  mavig  sich  findende ,  der  letzten  Stelle  im  Wortlaut 
gans  ähnliche  (Lag.  S.  112^  2):  aeßdafii6$  iartv  ^  dyia 
TQiag  fjr)  xiOQiCo^lviq  /n^cf«  dUor^tov^ivri  (vgl.  auch  8.  IIS, 
30 Ö.);  oder  8.  314  0:  chQE:!:tog  /mI  äya/./jnojcog  t)  am^ 
TQtdg  oEt  vgl.  mit  Aatä  ^iqog  niatig  (Lag.  S.  105,  39): 
dvalloKorov  ftevoikn^  '^^^  ^ec^njrog.  Betreffs  der  Gottheit 
des  heiligen  Qeiates  tagt  ApoUinarioB  Kord  ineQog  Ttiaug 
(Lag.  S.  107^  9 ff.):  jtiir  rdy  vld»  xt^  idu&fiox^  xoif 

rcaxqbg  iMxXoOvtBg  d>g  dytAiHx  nutl  yiwtifia^  %^tw  di  xb» 
Tcaitqa  T(>i  toC  ero^  /.lqIüv  jrQoaayoQEiorieg  (hvaati  vüg 
xovTOv  UQXf/v  y.ctl  ytWTjToqa  —  und  S.  III,  15:  Ki'^foc  ^g 
ö  viog,  ibacnkütg  de  Y,ai  tö  TtyeOfia,  ti^v  xod  vwd  xi^^ri^ra 
StanifATcov  ug  ttjv  dyiaCo^irqv  ktIoik 

Gerade  die  Schloisworte  der  letsBten  Stdle  ana  dam 


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AP0LUKAB108  V.  LAOD.  GEOEir  EUNOMIO&  56 

./^jTiQQi^tfMQ  S.  310  C  enthalten  schon  einen  Hinweis  auf 
eine  besondere  Beziehung  innerhalb  dei'  Lehre  vom  heiligen 
Gbiste.  Ee  ist  gewifs  nicht  zufällig,  da£i  in  denelben,  wie 
•dum  S.  297Ay  auf  die  SteUe  iKor.  3,  16  Eiirttekg«gri£fai 
wird;  wir  iteSkfa  dieBeLbe  Stelle  in  deraelben  Verbindung 
find  m  demseiben  Zwecke  angeföhrt  in  ApoUinarioB'  KavSt 
tu(/OQ  7n'aii^,  Lag.  S.  112,  25  und  daselbst  in  unmittel- 
barcDQ  Anschlufs  die  Beziehung  auf  iKor.  G,  19:  xat  tt«- 
lir  „ij  am  oidaie  bti  va  aiofiava  i^pt^  vadg  toC  hv  ifiiy 
äflov  7t9€6^€tc6g  iattv  o$  tx^te  dnd  ^«oC;"  „doxd)  yit^ 
scffEc»  ftnBfia  ^900  ^fßiv**  (iKor.  7,  40).  Dieselben  An- 
idinnungen  finden  wir  in  ApoUinario»'  Schrift  tle^i 
ddog  im  5.  Kapitel,  und  swftr  in  Anlehnung  an  Epb.  2^ 
20—22.  liier  fuhrt  ApoUiuarioB  des  Apostels  Gedanken  in 
eigenartiger  Weise  so  fort  (S.  37 6  B):  ^  Oqäg  SiKog  rrp^  olm- 

«df«9r  ^erfg'S  «d  %^Ui  awtififiimg  ^ftip  avmmfyei  nf^timüt, 
X^tütbv  yctQ  nuti  S^dt^  nutl  mvOfia,  ri^v  fttop  &96Tfira,  xar- 
oiTUiy  iv  ^fiiv  xat^  Ivlgyeiav^  toTq  rfjg  ydqiiog  d^iovfitvoigf 
dtd  TfjQ  ToialjTrig  didaaxaliag  Inaidei  aev.  Wie  ich  schon 
an  andei-em  Orte  hervorhob  bezeichnen  hier  die  Worte 
Tom  Einwohnen  der  Gottheit,  besonders  des  heiligen  G^tet 
in  den  Glftnbigen^  die  der  Gnade  gewürdigt  werdenj  gerade 
eine  apoUinaristiBohe  Besonderlieit  der  Lehret  Hiennit 
•tininit  die  echt  apoUinarisliflche  SteUe  im  *j4vri^^ttif(6g 
S.  302  A:  eiy,ujv  de  vioC  rö  /rfef//«,  /mI  oi  loviov  (.itva- 
Xau.icn  orreg  viot  m'/idwoffot ,  y.aid  tö  yeyQauutrov  bti  „o8g 
Ti^oiyvoj  y.ai  rcQOwgiae  (JVfift6(iq>oi^'*  (ptfii  „»^g  ui/tj6vog  toC 
vw€  avtoCy  elg  %d  <2ya«  ct^dy  TrQüjtdtOAov  iv  TtoXXoig  ddel- 
ffw%^^  Wie  hier  von  denen,  welche  an  dem  heiligen  QeiflAe 
teil  habeni  gesagt  wird,  daft  sie  dem  Sohne  gleichgeetaltet 
werden,  so  begegnet  uns  der  gleiche  Gedanke  anch  nachher 
noch  Ö.  30&B:  viovg  drre^yd^etai  lovi^  uyt.a^u^ivovg  und 


1)  Zeitschrift  Ar  KirehengeBohichte,  Bd.  VI,  S.  518. 

2)  Vgt  Dorner»  EotwickolaDgsgescbiehte  der  Xiehre  von  der 
Psnoa  Obrittl  I»  1018. 


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56 


8.  1108 D  in  der  Form:  ßanrU^u  X^iavog  h  nveöfictri  Tui/g 

ä^iovQ  (x'/Luauui,  womit  wieder  ApollinarioB  in  der  Kaza 
iugo<;  r/Vr/c,  Lag.  S.  III,  34 ff.,  auf  das  genaueste  stimmt, 
weim  er  vom  heiligen  Geiste  sagt:  ^Qv  Aal  ^woTzoiöy,  äyiop 
%ai  ayicantutjb»  t0v  /Aetakafjißavdvcwv  adrod  .  .  .  TUet^  fiip 

do^t^ofUvoVi  wxd'^  8  iaviv  ix  nrcrr^,  q^aveQOVfUfov  h  mmö- 
fiOTi  ayi({)  zoig  äyiaCo^tvoiq.  In  dieeen  Stellmi,  denke  ich, 
ist  die  wörtliche  und  sachliche  Übcieiuätiiiimung  und  zwar 
gerade  in  einem  Lehrstiuk,  welches  in  dieser  Fassung  dem 
Apollmarios  besonders  eigentümlich  ist,  eine  so  groise,  dals 
an  der  Abfassung  des  Wm^^Ttxdg  mv*  Edvofiiov  dardb 
ApolUnarioB  dnrchAOB  nicht  geswdfeLt  werden  kann. 

GewisBermalkeii  als  ein  opus  supererogationis  füge  ich 
noch  einige  Beobaditungen  hinzn,  welche  das  gewonnene 
Ergebnis  nuch  weiter  zu  bekräftigen  geeignet  sein  dürften. 

Aus  der  Stelle  Joh.  5,  5  (Ich  bin  der  Weinbtock,  ihr 
seid  die  Heben)  ward  von  gegnerischer  »Seite  gefolgert,  daSkf 
da  der  Weinstock  nicht  gleicher  Natur  mit  dem  Weingärtner 
fm,  wir  zwar,  die  Reben,  gleicher  Natur  mit  dem  Sohne^ 
dem  Weinstock,  seien,  nicht  aber  der  Sohn  mit  dem  Vater 
(ovx  öfjKXfv^g  dt  6  vibg  rtp  Tiatgi,  dXkd  xartr  Ttdvra  dX- 
loTQtog).  IT^dg  odg  —  heifst  es  nun  S.  291 B  —  iQOfjfiev^ 
ov  Tf^g  t^t(jir(rog  avrodj  d/Mx  zfjg  aaQAÖg  elgriTcivai  fjf^äg 
nk^fLctsa,  xord  %6p  dfrdoxoXov  töv  elnövca  „  f^fjiBlg  yoQ  ioftev 
a^fia  XQiOvoß  mai  fiikiq  im,  fii(fovg^^  (iKor.  12,  27).  Tual 
ndktv  „odx  oidove  dtt,  %it  ot&fiaTa  hfiQv  iiihq  X^undO 
hni  (iKor.  6,  15);  nud  hf  Ulkoig  „olo?  ö  xoi'^Qy  TotoCm 
/Ml  Ol  xo/*)to/,  /Ml  OLog  ö  tJCOVQdriog,  loiovTOi  /.ui  oi  Liov- 
Qavioi.  ymI  YM'Jiog  iifioqtaafiev  %i)v  n/.öva  cot'  yoinoC',  (po~ 
ftioofiev  Aal  Tt)y  ei'KÖm  toC  InovQaviov''  (iKor.  lö,  48.  49). 
Abgesehen  von  dem  Inhalte  der  letzten  Stelle,  der  sich  wie- 
der auf  das  innigste  mit  dem  der  vorher  aus  S.  302  A  und 
der  Kmä  fii^  mattg  (Lag.  S.  III,  34 ff.)  angeführten  be- 
rührt, erscheint  mir  die  ausgehobene  SteUe  mit  ihren  Schrift- 
zeugnibbeu  gerade  aus  dem  15.  Kapitel  des  ersten  Korinliier- 
briefes  deswegen  so  beachtenswert,  weil  aul  die  diesem  Ka- 
pitel angehörigen  Begriffe  des  äy%^(fiipnog  x^'^^  iiiov- 

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APOUJMARIOS  V.  liAOD.  QEGKN  £UNOMiO&  57 

Qoyiog  Apollinarios  in  seiner  clinstologischen  Hauptschrift 
„Erweis  der  Fieiöch werdung  nach  dem  Bilde  des  Menschen" 
§0  groüaee  Gewicht  gelegt,  sie  zur  GeataltuDg  seiner  beson* 
deren  chriBtologischen  Lehren  in  hervorragendem  MaTse  be* 
natst  hat  Gleich  im  An&nge  seiiier  Schrift  tadelt  Apolli- 
oarioB  nach  des  Gregcxrioa  Zeugnis  (Kap.  6,  S.  185)  den 
Samosatener  Paulus,  sowie  Marcellus  und  Photinus,  welch 
letzterer  auch  im  ^irtQgr^ri'/jjg  S.  292  B  erwähnt  wird,  dafs 
sie  Chriötus  zu  einem  Menschen  machen,  in  welchem  Gott 
sei,  einen  gottbegeisterten  Menschen  {ävt^qontw  ly^€oy).  £r 
mit  ihnen  die  Frage  entgegen :  ;;Wie  kann  man  den  einen 
Menschen  Ton  der  Erde  nenneni  von  welchem  beeengt  ist^ 
dafs  er  yom  Himmel  herabkam  und  Menschensohn  genannt 
ward?"  Apollinarios  beruft  sich  im  Folgenden  (Kap.  9, 
B.  141.  142)  auf  die  Antiochenischen  Synodalbeschlüsse,  die 
des  Paulus  von  hamosata  Lehren  verworfen  haben^  und  auf 
den  Wortlftttt  des  Nicänums  i$  od^ayo0  tuttaßdvta  xat 
mg^fua&htu  wd  ^oy^^^n^oyra,  um  sodann  auf  Grund 
der  Aussprache  des  Apostels  iKor.  15^  45  (,^So  stehet  auch 
geschrieben:  Es  ward  der  erste  Mensch ^  Adam,  zur  leben- 
digen Seele,  der  letzte  Adam  zum  lebendigmachenden  Geiste") 
und  47  („Der  erste  Mensch  ist  von  der  Erde,  irdisch,  der 
andere  Mensch  vom  Himmel")  seine  eigentümliche  Lehre 
zu  entwickeln.  Jenen  ^  sagt  Gregorios  (Kap.  12,  8.  148)f 
nenne  Apollinarios  ^^Ton  der  £fde,  irdisdi'',  di&ei  %6  a&fia 
h,  toff  nlaa^i»  ii/wx«^,  letsteren  dagegen  ,,vom  Him- 
melSi6rt  td  ftvtlöfia  xb  od^iov  ^a^xcd^.  Mit  Beeng 
Ii ieraul  fährt  Apollinarios  lurt  (Kap.  13,  S.  149):  Kai  cqovtv^ 
uQ/ti  6  Hvd^QWTTog  Xqiaxdg^  ovx  wt;  ti^qov  ovtog  jrag 
avtöv  ToB  Ttv&üfiatog,  tovxiaxi  toO  ^«oO,  dkX"  (hg  toC  xvqIov 
h  Ty  taC  &toV  dv^Qthnov  q)taei  &eiw>  frvevfiuvog  otrog« 
[TaCwa  fti»  ini  Xiietog  ro0  layay^idgfoü  ^/lov«]  ver- 
sichert Qregorios  ausdrücklich.  In  derselben  Schrift  kommt 
er  auf  dieselbe  paulinische  Stdle  (iKor.  15,  45  ff.)  noch 
einmal  zu  sprechen  (Greg.  Nyss.  Antirrhet.  Kap.  37,  S.  218). 

Dafs  auf  die  Dreieinigkeit  das  Bild  vom  Lichte  von 
mehreren  rechtgläubigen  Kirchenlehrern  angewendet  worden, 
ist  eine  bekannte  Thatsache.   Aufgefallen  ist  mir  die  ge- 


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58  DBASRKf, 

naae  Uberemsthnmimg  im  Ausdracke,  wie  er  im  ^Awi^^i- 

uiid  wie  er  in  der  Schrift  TltQi  rgiudog  sich  findet.  In 
jenem  heifst  es  S.  280  E:  et  aTcavywjua  :ravtdg  (piordg  yev- 
vä%ai  fdiv  ix  tod  (purtog'  ov  jcofti  cJf,  akka  axQovotg  iMii  avv- 
a'iShiyg  hudtift  {q6  y6q  hni  x^'s  ctTrctvydafiaTog)  yuxi  6 
Mg  äftwSyaafia  tvyx'^hfowj  od  nme  ^birat,  d^iXä  awcädiwgf 

0OV  6il>6fte^a  qp(3g^S  xcrt  JtmijX  „utai  tb  fitr*  advoC 
toii^'".  Genau  dieselben  Ausdrücke  zeigt  die  Schrift  IleQi 
TQiaSog  am  Schlüsse,  w<)  das  (ilcichniR  von  ApuUiiiärioB  in 
tietaimiiger  Weise  ohristologiBch  verwertet  wird.  Ich  habe 
über  diese  Stelle  an  anderem  Orte  aasfiäbrÜch  gehandelt,  so 
dtJk  ich  mich  darauf  betohrttoken  kami,  auf  jene  Aiuf^- 
rfXDgpa  iiier  au  Terweifleii  K 

ESne  weitere  Bemerkung  dringt  eich  mir  bei  der  Be- 
obachtung gewisser  im  \4vin)qr^Tr/Mg  sich  findender  redno- 
rischer,  im  besonderen  Demostlienischer  Eigentüniliclikeiten 
auf,  die  mir  nicht  zum  wenigsten  dafür  mitzusprechen 
acheinen,  dals  ApoUinarios  die  Sclirift  yerfaftt  hat  Auch 
ttber  diese  TbatMche,  nämlidi  die  Beeinflnasang  der  Schreib- 
des  ab  Schüler  und  Freund  des  berühmten  Demo- 
sthenes-Erklärers  Libanios  bekannten  und  als  Lehrer  der  Be- 
redsamkeit mit  dem  grofsen  Gegner  des  Philippos  berufs- 
mäfsig  sich  beschäftigenden  Laodiceuers  gerade  durch  De- 
moithenes  habe  ich  bei  Gelegenheit  des  Kacbweises,  dals 
uns  in  dem  fälschlich  Juatinoe  beigelegten  rta^i^ 
ymxdg  "Elktp^g  ApoUinarioe'  berühmte  Schrift  ^F^^ 
dlfid^ag  noch  yorliegt,  eingehendere  Mitteilungen  gemacht  *. 

Schon  Garnier  (S.  LXVii)  war  es  aufgefallen,  dafs  in  der 
Schriftanftihrung  S.  316:  r/  di  6  ZoQoßdßel  vmi  t)  rov  ZoQoßdßeX 
aofpia ;  l/^qa  aoi  ftergUag  Kai  ov  aa(f(Jig  yca^iatdvai  öokeI  tt^v 
iinöcTaaiv  yMi  zt)v  Icj^v  tfjg  dki^^eiag,  bre  rpriaiv  y,7tdaa  ij 

nasX,  —  sich  ein  besonderer  Schwung  der  Darstellung  kund- 
gebe. Im  dgentlichen  Sinne  rhetorische  SteUen  finden  sich  aber 


1)  Zeitechrift  für  Klrchcnge.schiohte,  Bd.  VI,  S.  Ö20ff.;  Jahrb. 
für  prot.  Theologie,  Bd.  X,  S.  öaöff.  539. 

2)  Zeitschrift  für  KirefaengMcychte,  Bd.  VU,  S.  284— m 


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APOLLINABIOS  V.  LAOO.  QEiGtEH  EUNOMIO&  69 

Öiler,  80  die  bei  Deraosthenes  (Or.  2^31;t>,24:5  9,  23; 
9,  68)  beliebte  Form  der  Atiaphoia  auf  S.  308 C:  tö  6i 

(fgL  dl«  gtnz  ähnÜebft  dad^eveig  dcpd-aXftovg  xai  Xi^Ovwas 

^Örtij^  äftOQVtOi^  in  ApoUinarioe*  Uagl  tqM, 
&  389  D)  dnoiui^aifaiVf  uß  ti^  toO  VSmog  ddo§iow  nal 
«»fmM$n|ro  wnaßißXrixag'  ^darog,  8  Ttgdg  xotw^  X^?*'*^ 
dyeiTai  /.al  övaoeßQv'  {x^uiog^  (o  ftolLOfiui  oiof^dviov  7rdvTeg 
dnoxai/aiQOviai.  Ebenso  S.  314  A:  ,^(f{Xog  O^wi)  exAi^^" 
(Jak.  2j  23).  (pilog  ^eoQ  ö  iiayuu(^iog  Aßqaä^  %ai  etQfirai 
nuxl  ioTi,  (pilog  did  TtiatiVy  (piXog  di  tna/M^jv  d-eoC.  End- 
ImIi  die  elfiiuüige  Epsoaphom  S.  318 AB  (vgl.  Demoath.  Or. 
8^  65;  9|  66 ;  18^  48.  81.  930).  Bieielbe  rhetoriBolie  Form 
beobachtet  Apolfinarios  In  der  KarSt  ^iSQog  nUnig  (Lt^. 
S.  104,  89  —  105,  5):  idv  öt  iig  oVrug  Xiyr^  xöv  v\öv 
elvai  &edv  txtg  Trhr^qui^ivia  iy^tr^iog  vmI  avtdv^  %ai  ovx  ct>g 

aoqdWf  dntaleae  ti^if  yrOaiv  vrpf  ^«o0,  iMtrintam  tig 
wd  aißuw  nviatVf  •mvüjußt»  ^SH^tna»  daißua»,  hti  xa6t^ 
initnife^fey  f  rijv  ^lovdaUiP  driuniaif  i^ifii^aro.  Der  De* 
mostbeniker  ApoUinarioB  aber  zeigt  sich  besonders  in  der 
Handhabung  solcher  rednerischer  Kunstmittel ,  die  gerade 
dem  Demostbencs  ganz  eigentümlich  sind.  Ich  habe  in  der 
Zeitschrift  fiir  Kirchengeschichte,  Bd.  VII,  ä.  286  diese  Eigen- 
art^ beetehend  in  der  Auhiahiiie  eines  ganaen  Sataea  durch 
daa  DemonatratiTimi,  durch  lahfareiche  Beispiele  aus  Schrillten 
des  Apollinarios  belegt  und  freae  mich  feststellen  an  können, 
dafs  der  ^^vriQ^itrAdg  die  gleiche  Eigentümlichkeit  aufweist 
Ich  beschriirike  mich  darauf,  nur  zwei  Beispiele  anzuführen. 
8.  207 D  heifst  es:  Tct  de  tQv  e^co^eK  nai  tf^g  di&itwaiijfi 
fpictfog  ÖKih  irrAfi ,  xatva  p6va  TtQoottaat ,  ytiqbg  evigyeuiP 
uai  naii^i»  i^ioif*  Endlich  S.  306  D:  nun  bvt  fi^  yhnntjfttq 
^  iroCf  ftndftarog  ft^tÖodog  ht  &€oO  xhtXi^aii  Stä  roOro  toi 
rfjv  ix  CTÖfiOVOS  n^gMw  toü  nptöftarog  dmtQBig'  utal 
dtt  fi^  viög  dvo^aCerai ,  diä  roi)to  ovSe  7ivtßfjia  avrd  avd- 

SciüieisÜch  will  ich  noch  einer  Besonderheit  in  dem 
peraönlichen  Verhalten  des  Apollinarios  au  seinem  Gegner 


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60 


gedenken.  Wenn  Apollinarios  in  seiner  Schrift  Jlegi  tqi- 
6S0Q  (Kap.  14,  S.  H86B)  das  Fragen  und  Forschen  der 
Gegner  nach  dem  Wie?  des  Vorhandenseins  des  Logos  im 
All  sowohl  wie  zugleich  in  seinem  eigenen  Tempel,  dem 
Leibe^  als  einem  o£fe&baren  Beweis  dee  ÜDglaubens  beseichnet 
(aafijg  ihyxoQ  dmatlag  %b  n^Bg  hei  Ifyut^),  m»  lautet 
ee  BAchÜch  genau  damit  fibereinttimmend  im  l^wiQQrjfmitdg 
xar*  Evvoiniov  S.  31 3C:  bri  di  i^wxfjg  vdarifia  iavi  vö  xenuDg 

jcäoi  (pavtquv.  Ja  mehr  noch  als  das;  es  ist  eine  wohl- 
thuende  Erscheinung,  den  gewaltigen  Dialektiker  Apollinarios 
mit  Wärme  fUr  den  soblicbten  Glauben  eintreten  zu  sehen« 
So  sagt  er  Ibql  tguidog  betreffii  des  Fragens  nach  der  Art 
und  Weise  der  Vereinigung  (Kap.  11,  S.  882 B):  „Ich  werde 
mich  nicht  scheuen,  mein  Nichtwissen  zu  gestehen,  im  Gegen- 
teil mich  vielmehr  rühmen,  dafs  ich  au  Geheimmsse  g];iul)0 
und  in  Dinge  eingeweiht  bin,  die  völlig  zu  durchdringen 
dem  Menschengeiste  versagt  ist'^  Dem  durch  Syllogismen 
in  die  Enge  getriebenen  Gegner  ruft  er  (Kap.  16)  su:  ^^Du 
windest  dich  in  Ratlosigkeiten  und  förchtest  yieUeicht  sogar, 
es  möchte  das  Gesagte  etwa  unseres  Glaubens  Grund  er- 
schüttern. Wenn  ich  dagegen  l'orschend  ratlos  bin,  dann 
will  ich  des  christlichen  Geheimnisses  Wunder  laut  ver- 
künden, denn  unser  (ilaube  ist  höher  als  aller  Verstand, 
höher  als  alle  Vernunft,  höher  als  alle  Einsicht  Sollte  aber 
auch  dich  bei  derartigen  Forschungen  Ratlosigkeit  befaUen, 
nun  so  bringe  su  deinem  Forschen  als  bereite  L(Ssung  den 
Glanben  und  bedenke  dabei,  dafs  gerade  wo  €h>tt  ist,  auch 
wenn  etwas  von  ckiu  CJcbiigtcn  nicht  zu  vollem  Verständnis 
kommt,  sei  es  wegen  der  erhabenen  Uruisc  seiner  Natur, 
sei  es  wegen  der  Art  und  Weise  der  Fleischwerduug,  den 
Unkundigen  daraus  kein  Schade  erwächst  Genau  damit 
stimmt  im  ^AyriQ^ixdg  diejenige  Stelle,  in  welcher  nach 
Hervorhebung  der  einaehien  Stücke  der  Dreittnigkcitslehre 
von  dem  schlichten  Glauben  dnfach  gesagt  wird  (S.  306  B): 
UQ7i%aL  taCta  xat  tau  xa/lüit;,  ug  lati  y  lotg  dii£Qiiyoig 
ntaxEtovoiv  eig  d^tbv  y.ai  Idyov  Aai  7m0/4a,  filixr  oloav 


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AP0LLINAR108  V.  LAOD.  QEQEN  8UK0MI0S.  61 


Ich  bin  am  Ende  und  fürchte  durch  meine  eingehenden 
NacliwL'isung^en  die  Geduld  meiner  Leser  schou  zu  iangf  in 
Aofiprucii  genommen  zu  habea.  Bei  unbefangener  Würdigung 
meiiier  BeweiBfiihrung  wird,  so  ho£fo  ich,  niemand  sich  der 
Ubmeugang  Tmohlielsea  ktoneoi  dafe  der  toh  mir  aus 
den  Handschriften  als  «ne  soBammenhängende  Schrift  er^ 
wiesene  ^^vti^^%iy(jbg  xerr*  E^wptiov  dasjenige  Werk  des 
Apolhnai  ios  von  Laodicea  ist,  von  welchem  luiti  i^liilostorgios 
eine  so  wertvolle  Mitteilung:  hinterlassen  hat.  Mit  dieser 
Aufhellung  des  über  jenem  Anhang  zu  Basilios'  Büchern 
wider  EonomioB  seit  Jahrhunderten  schwebenden  Dunkels 
wird  nun,  so  meine  ich,  des  Ijaodiceners  Persönlichkeit  als 
Kirchenlehrer  in  ein  ganz  neues,  viel  helleres  und  klareres 
Licht  treten.  Wir  werden  jetst  Apollinarios'  Anteil  an  der 
Entwickehmo;  der  Lehre,  an  der  Fortfülining  des  Werkes 
des  Athanabioö,  inbesondere  der  Ausbildung  der  Lehre  vom 
heiligen  Qeiste  noch  vor  Basilios  und  Gregorios  von  Nazianz 
weit  höher  veranschlagen,  als  dies  früher  möglich  oder  üblich 
war,  und  wir  werden  anerkennen  müssen,  dafs  der  vorzfig- 
lich  unterrichtete  Phüostorgios  im  wesentlichen  jedenfalls  das 
Richtige  traf,  wenn  er  in  der  bekannten  Stelle,  die  von  den 
drei  Lehrern  Apolüti.u  ios,  Basilios,  Gregorios  von  Nazianz 
handelt,  bei  aller  Anerkennung  der  holieu  Begabung  und 
der  bedeutenden  Leistungen  der  beiden  Kappadocier,  doch 
dem  Apollinarios  den  ersten  Platz  unter  den  Kirchenlehrern 
)ener  Zeit  einräumte,  ihm  jedenialls  den  Ruhm  der  bei  weitem 
grGlsften  Tüchtigkeit  in  sfareng  wissenschaftlicher  Darstellung 
glaubte  zuerkennen  zu  müssen.  Eine  gründliche  Durch- 
forachung  seines  ^yivrtQQVitiy.dg  xctt*  Evvofuov  wird  —  dessen 
bin  ich  gewifs  —  dieses  Urteil  des  Geschichtschreibers,  das 
aach  in  der  Art  und  Weise,  wie  der  christliche  Philosoph 
Nemesioe  seines  grolsen  Ztttgenossen  Apollinarios  gedenkt  ^, 
eine  starke  Stütze  findet,  je  Ifinger  je  mehr  sich  be- 
stttigen. 

1)  Tgl.  meinen  AnfisUMAponiiisrios  bsiNemetios''  inHilgsa- 
feld's  Zeiticbr.  f.  wissenw^h.  Theol.  ZXIX,  S.  35.  86. 


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Die  Verwaltuüg  aDd  die  fioaDzielle  Bedeutnsg 
der  Patrinoiien  der  rftmisehen  Kirche  bis  zor 
GrüDduDg  des  Hircheostaates. 

Dr.  Karl  Schwarzlose 

ia  Berlin. 


Wer  sich  eiDgeheuder  darum  bemüht^  von  der  Ükitwicke- 
hug^gescliichte  der  rdmiacben  Kirche  und  rtm  Sm  ans  ihr 
bervorgffgaDge&en  gewaltigen  Emcheinmig  des  Papattams  m 
unfiMBendea  Bild  m  gewumeD,  dem  ditagt  sioli  aotwendiger» 
weise  ancli  emmal  die  Frage  auf;  Welches  waren  in  der 
Zeit,  wo  der  Papst  noch  nicht  weltlicher  Fi i ist  und  seine 
universale  iMachtsteiluug  ülx  rhaupt  erst  eine  werdende  war, 
die  materiellen  Stützen  der  römischen  Kirche  V  aus  welcher 
Quelle  schöpften  die  Päpste  in  den  ereton  Jahrhunderten 
die  Mittel,  deren  tie  bedarftea,  am  ihre  herwiagende  Idroh- 
liehe  nnd  poUtiache  Stellnng  dauenid  hehanpten  and  aar 
einflufsreichiten  des  Ahendlandee  nmhilden  an  ktonen? 

Mit  der  Beantwortung  dieser  Fra^e  beschäftigt  sich  die 
vorliegende  rnteröuciiung.  Sie  zei^^t,  wie  wir  für  die  ersten 
acht  Jahrhunderte  bis  zur  Gründung  des  Kirchenstaates  in 
dem  weitverzweigten  Patrimonialbeeitz  der  römischen  Kirche 
die  &st  auBsohlieisliche  and  nneiechiSpfliehe  Quelle  ihrer 
Annahmen  an  snchen  haben.  Die  Patrimonien  waren  die 
dem  Kirchenstaat  vorangehenden  und  ihn  gleichsam  vor* 
bildenden  weltlichen  Besitzungen  und  damit  zugleich  der 


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SGHWARZLOSE^  DUS  PÄPBTL.  FATBIMOMIEir. 


•3 


Gmndflock  der  BpiUeren  finmudeUen  Madit  des  Papst- 
tums. 

Ist  sciiüii  tür  die  älteste  Zeit  Grundbesitz  der  Kirche 
Jucht  gänzlich  zu  leagneD,  so  wurde  sie  doch  erst  seit  dem 
Anigaiig  des  vierten  Jahihiuiderts  Grondbesitzerin  im  gielm 
StiL  BSe  ist  bereits  an  einer  aaderan  Stelle  ^  ausflüirlieli 
juwl^gewiesen,  wie  dieee  grolsartigeii  Qütererwerbungen  toi^ 
nehmlich  doreli  das  Znsammeiiwirken  dreier  Momente  her- 
b«^flihrt  worden  sind ;  durch  den  Ubertritt  der  vornehmea 
Familien  Roms  zum  Christentum,  durch  die  gewaltige  Er- 
böluug  des  päpstlichen  Ansehens  unter  Leo  dem  Grofsen 
und  Tor  allem  duroh  die  kriegerische  und  politische  IM, 
welohe  nach  dem  UnteigaDg  des  weströmischen  Eaisemieha 
fiber  Italien  hereinbrach.  Seitdem  besafe  der  römische  StnU 
nicht  nnr  in  allen  Teilen  Italiens^  sondern  auch  in  Gallien, 
Afrika  und  fem  in  Asien  ausgedehnte  Patrimonien  *.  E» 
war  ein  weitverzweigter,  stattlicher  Besitz^  dei  seine  Erträge 
und  Einkünfte  jährlich  nach  Rom  entsandte.  Selbstverständ- 
lich lag  es  im  Interesse  der  römischen  Kirche,  durch  die 
aofinaricsamBfte  Fürsorge  die  Ertragsfiihigkeit  dmsee  Ghrand- 
beeitaes  anb  höchste  au  steigern.  Daher  gab  sie  sich  in 
eiiur  musterhaften  und  bis  ins  kleinsLe  geregeken  Verwal- 
tung die  Gewähr,  den  Patrimonien  eine  dauernde  finanzielle 
Bedeutung  au  verleihen.  Und  nur  ein  Einbhck  in  diese 
8org«ame  Verwaltung  erklärt  uns,  wie  es  möglich  war,  dafs 
ditt  Patrimonien  Jahrhonderfte  hindmpoh  ftst  eiaaig  und  aUens 
den  mataiellen  Rttekhalt  der  Kirahe  bildeten.  Mit  RAok* 
sidit  hierauf  Tersuehen  die  nachfolgenden  Zeilen  eine  Sehfl- 
denmg  der  auf  den  Patrimonien  geübten  Verwaltung  zu 
geben. 


t)  Tgl.  Schwarzlose,  Die  Patrimonien  der  lömiscben  Kirche* 
Inaug.-Diss.  (Berlin  1887),  S.  8—22. 

2)  Vgi.  Schwaraiüöe  a.  a.  0.  S.  23—32. 


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64 


SCHWAKZLOSfi, 


L 

Am  gebräuchlichsten  waren  iür  den  der  kirchlichen  Ver- 
waltung unterstehenden  Grundbesitz  die  Ausdrücke  fundus, 
massa  und  Patrimonium,  weiche  in  cLieaer  iStuieuiblge  auch 
die  Stützpunkte  fiir  die  kirchliche  Agrarverwaltung  abgaben. 
Mit  fundus  ^  beBeidmete  man  in  der  Hegel  ein  klttneree 
ChnindBtiick^  ein  kldneree  Landgat,  an  dem  die  easae  oder 
easales  der  Kolonen  mitgehörten.  Mehrere  ftmdi  Kasammen 
bilden  eine  massa,  nach  dem  heutigen  römischen  .Ausdruck 
eine  Tenuta,  und  mehrere  massae  endlich  ein  Patrimonium. 
Die  Zahl  der  massae,  welche  ein  Patrimonium  bildeten,  war 
nnbestinimt  Wir  winen  nnr  von  dem  doihachen  Patrimo- 
vammp  dafii  es  400  masaae  *  zählte. 

Ln  Sprachgebrauch  der  römischen  Kirche  war  eine  massa 
aber  nicht  blofe  eine  conglobaHo  ae  eoUecHo  quaedam  pos- 
sessionum  ac  praediorum  ^.  sondern  man  bezeichnte  mit  die- 
sem Ausdruck  zugleich  eine  lest  begrenzte  Gutsverwaltung. 
Das  möchte  vielleicht  neben  anderen  auch  der  Umstand  be- 
weiaen,  dafa  die  Söhne  der  eoMhiäares  nicht  aufaerhalb  des 
Bemrkes  ihrer  massa  heiraten  durften  ^.  —  Gehörte  alao  ein 
fundus  SU  einer  beatimmten  massa,  to  unterstand  er  damit 
zugleich  ihrer  Verwaltung,  ausgenommen  den  Fall,  dafs  er 
durch  besüiiderc  Umstände,  etwa  durch  Verpachtung  von 
derselben  eximiert  wurde  ^.  Ebeuso  war  ein  Patrimonium 
nicht  nur  ein  GUterkomplex  von  grofser  Ausdehnungi  son- 
dern sugJeich  ein  fest  begrenster  Vwiraltongsbesirk. 


1)  Cf.  DtiGsiige,  sab  voce  funäm, 

2)  Gf.  I— E.  1186.  liaur.  n,  32.  Ea  ad  hier  benerkt,  daft  die 

Urkimdeu  zur  Geschichte  des  Papsttums  durchgängig  nach  der  neuen, 
unter  Leitung  von  Prof.  Wattenbach  durch  Kalteiibrunner,  Ewakl 
und  Löwenfeld  besorgten  Ausgabe  der  Jaffd'schen  Regesten  citiert 
sind  (l—K,  I— E.  I— L),  die  BiieÜB  Gi^r'a  des  Gro£ten  daneben 
nach  der  Maurinerausgabe. 

3}  Du  Gange,  sub  voce  mcissa. 

4)  Cf.  I— E  1Ü25.    Maur.  XIT,  25. 

5)  Vgl.  den  Rest  eines  Pachtbuches  aus  dem  Pontifikat  Gregorys  II. 
1-E  2173-2228. 


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DIE  VAV&TL.  PATRIMONIEN. 


65 


Aus  den  Briefen  Gregor's  sowohl  als  t^inz  besonders  aus 
den  Uberresten  des  PachLbucliea  aus  dem  Pontifikat  Gre- 
gor's iL  geht  hervor,  dalk  zu  einem  fundus  oder  einer 
masaa  liegepBchaften  der  mftnmgfachsten  Art  gehörten  K 
Es  werden  erw&hnt  domust  harU,  vinee»e,  vineolae,  cUoäa, 
«iUeeta,  glandareta  und  9ihae  K  Ale  kl«nere  Bestandteile 
«Des  fundus  oder  einer  massa  können  wir  auch  die  mehrfach 
erwähnten  praedia,  pi  aia  und  tcnidae  ansehen.  Dagegen 
haben  die  Worte  possessio,  possessiunct4la '  und  ager  eine 
weniger  bestimmte  Begrenzung,  und  sie  werden  auch  nur 
gebmncbt,  wenn  rgn  Grundbesitz  der  römischen  Kirche  im 
allgemeinen  die  Rede  ist  —  Daneben  finden  wir  dnen 
Gfiterkomples  zuweilen  als  pairimoniclum  ^  und  einmal  so- 
gar aU  rcciilfi  ^  bezeichent.  Mag  es  auch  immerhin  sein, 
dafs  die  so  benannten  Güter  kleiner  waren  als  andere,  so 
glaube  ich  doch,  dais  sie  wohl  au  und  für  sich  nicht  unbe- 
deutend waren,  sondern  nur  den  weitÜclien  Fürsten  gegen- 
über, in  deren  Machtbereich  ue  lagen,  eo  geringfügig  be- 
idchnet  wurden.  Das  eine  Mal  war  es  der  Frankenkönig, 
das  andere  Mal  Agilulf,  der  König  der  Langobarden,  gegen 
deren  Königreiche  allerdings  ein  einzelnes  römisches  Patri- 
monium unbedeutend  erscheinen  mufste. 

Erwähnenswert  ist  an  dieser  Stelle  die  Genauigkeit,  mit 
weleher  die  geographische  Lage  eines  jeden  Grundstückes 
im  Qrundbuche  der  römiscken  Kirche  verzeichnet  war.  Die 
Lage  eines  jeden  Hauses,  Weinbergs,  fundus  u.  s.  w.  war 
gewöhnlich  näher  bestüiunt  (Iure  h  lieilUguug  der  JStrafse  oder 
der  Stadt  zu  deren  Territorium  das  betreft'ende  (irundatück 
gehörte.  Meistenteils  war  auch  der  jedesmalige  kirchliche 
Guts-  und  Verwaltungsbezirk  aufs  genaueste  beigefügt.  Wir 


1)  Oft  be/.cichnpt  als  pertinentia.    Cf.  I— E  21l*2.  21^3.  ii2l>5. 

2)  Cf  I-E  2i7:j.  21%. 

3)  Cf.  1— E  17ÜG. 

4)  Cf.  I-E  1432.  1838. 

5)  Cf.  I-K  686. 

6)  Cf.  2011:  damum  cum  hofio,  posUam  iuxta  ihermM 
DioMkmas,  2013:  eatage  ÄureUanumf  posihm  viaPortueu$L  S192$ 
imt  fundum  SaUcmum  in  itfritorio  Canenafe. 

StilMkr.  f.  K..e.  II»  1.  Ö 


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66 


SCUWAKZLOSi::, 


finden  b.  B.  die  Lage  eines  fundus  fast  immer  näher  be- 
zeichnet durch  Beifügung;  der  mu^sa  luul  des  Patrimonium^ 
in  deren  Verwaltungski  eis  er  belegen  ist  ^ 

Der  besseren  und  übersichtlicheren  Verwaltung  wegen 
waren  yerschiedene  sehr  grolfle  Patrimonien  h&ufig  in  kleinem 
Gnisyerbllnde  aerteili  So  zerfiel  das  acilieche  Patrimoniom 
in  das  paMmanium  Syraemamm  xmd  FoMfrmikmum,  neben 
denen  aber  noch  Unterabteilungen  vorkommen.  So  bestell 
Gregor  1.  im  November  598  den  Dofensor  i\(^manu8  zum 
Verwalter  des  Patrimoniums  in  partihus  Syracusanis,  Ca^ 
tinensibus,  Agrigentinis  vcl  Milensilms  *.. 

Einer  ähnlichen  Teilung  unterlag  das  kampaniaehe  *  Pa- 
trimonium, welches  wir  yenohiedentlieh  in  einen  nördlichen 
Tttl;  das  patrimoHium  Cajeianum,  und  einen  südlichen,  das 
paMmonium  NeapoUtanum ,  geschieden  finden.  Auch  da» 
Patrimonium  Tusciae  schied  man  in  ein  pafrimotUum  Tus- 
ciae  suburbanum  und  ein  eigentliches  patrtmonium  Tusciaep 


1)  Cf.  I— E  2197:  locat  fundum  Cocceianum  et  Folianutn  ex 
corpore  massae  FonUsianae  pairimonii  Appiae.  Cf.  I— £  219&.  2198. 
2200.  2201  u.  ö. 

2)  Armbrust  (die  territoriale  Politik  (ior  Päpste  von  äCK) 
bis  800,  l)i>s.  Göttingon  ISSä')  l>ringt  dieses  Mi^Lnsibuti  mit  dem  alten 
Mylä ,  dem  heutigen  Milazzo  an  dor  Nordostküste  Sieiiiens  in  Zn- 
sammeuiiaiig  (vgl.  a.  a.  0.  S.  i>{)  Anui.  6).  Du  wir  jedoch  an  keiner 
Stelle  bei  Gregor  l. ,  durch  dessen  Briefe  wir  doch  ziendich  /renaii 
über  den  Beäitis  der  Kirche  auf  Sicilieu  unterrichtet  sind,  ttwus  von 
einem  Gut  der  Kirehe  bei  Mylä  hören,  so  glaube  ich  mit  Gfrörer 
(vgl.  Gregor  VII.,  Bd.  Y»  8.  20 A)  die  Veraiataiig  aufrecht  erhalten 
sn  mGflMn,  daTs  MUmiibuB  eine  ▼erdorhene  Iietait  für  MäUmmbmt 
iat,  Demnieh  hfttte  der  rSmiiche  Stuhl  anf  der  Iiuel  Malta  Qrond- 
beaits  gehabt  Es  könnte  oni  soleher  Beiits  am  ao  woBiger  be- 
ftemden,  als  ja  Qregor  der  Grofae  selbst  römischen  Besita  auf  lasefai 
erwihnt  (ef.  I— E  1189.  Ifanr.  I,  72).  Abgesehen  daron,  dab  die 
ErwKhnniig  dieses  Inselbesities  gerade  dem  Snbdiakoa  des  aiefl. 
Patrimoniums  gegenüber  die  Vermutung  nahe  legt,  als  habe  Gregor 
zum  sicil.  Patrimonium  gekörige  Inseln  ein  Auge  gehabt,  würde  auch 
Ducheane's  Nachweis  eines  Besitztums  der  römischen  Kirehe  auf  der 
Insel  Gozzo  bei  Malta  (Tgl.  S.  54.  65.  7)  eine  Bedtsmig  anf  Malta 
selbst  nicht  befremdlich  erscheinen  lassen. 

8)  Cf.  I--£  2214.  2800.  —  2217.  2218. 


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DIE  PÄPSTL.  PATKIMONIEN. 


67 


eme  Tefltmg,  die  mch  auch  bei  dem  patrimomim  Appiae^ 
allmählich  ausgebildet  hatte. 

W'iifi  nun  das  Verhältnis  dieaes  kirchlichen  Grundbesit^s 
mm  Staat  anbetiißt^  so  war  er  keioeswegs  von  den  staat* 
liehen  Qeaetzen  eximiert  *.  Hatten  sich  auch  iUr  die  Be- 
amten der  rfimisohen  Kirche  allmählich  einige  Voxrechie 
heraoQgelnldet,  so  war  aie  dagegen  hinuelitlieh  der  Patri- 
monien eine  Qrundbeniaerin  wie  alle  anderen  des  Reidbee. 
Daher  wurde  auch  Ton  ihrem  Grund  und  Boden  alljährlich 
die  staatliciie  Grundsteuer  erhoben.  In  einem  Briefe  ^  Gre- 
gor's  wird  dieselbe  huräcUio  genannt.  Aus  diesem  Schreiben 
erhellt  zudem,  dafs  Gregor  diese  Steuer  nicht  unmittelbar 
Yon  den  Kolonen  erhoben  wiwen  will,  weil  diese  oft  hart 
▼on  den  luuBerlicbett  Sieaererhebem  bedrückt  worden,  lon- 
dem  Tom  Gntabentser  selbet  resp.  von  denen  Verwaltern. 
Diese  Staatssteuer  wurde  noch  lange  Zeit  von  den  Patri- 
monien entrichtet  Unter  Conon  ist  es  besonders  hervor- 
gehoben dals  der  Kaiser  dieselbe  iiu*  das  bruttische  und 
lacanische  Patrimonium  erHefs.  Erst  Gregor  IL  hörte  auf, 
«e  an  aahlen^  Dafe  dcb  der  kirchliche  PatrimomalbeeitB 
keiner  besonderen  Exemtionen  an  erfreaen  hatte,  möchte 
endlich  noch  daraus  erhellen,  dals  anch  die  Kolonen  der 
römischen  Patrimonien  aum  kaiserlichen  Heer  ausgehoben 
wurden  •. 


1)  Es  ser6el  in  die  beiden  Venraltengsbeiixke  Patrimonium 
Appise  robarbanum,  in  der  NIttie  von  Rom,  und  patrimooforn  Appise. 
Gf.         2S11.  2228  ood  Schwan  lose  a.  a.  0.  S.  82. 

2)  Diese  Thataaehe  beweist  sor  Genüge,  wie  weit  die  PKpste  der 
dsmsUgen  Zeit  davon  entfernt  waxen,  sieh  ab  sonveiiDe  Hemeher 
an  dänken.  EMbst  dn  Papst  wie  Gregor  der  Grofse  erkannte  den 
bjauitinischen  Kaiser  als  weltlichen  Oberen  an.  Gf.  Maar.  III,  66; 
V,  21;  VII,  46.    I-E  1266.  1352.  1451. 

8)  Cf.  I— £  1112,  Maar.  J,  44,  über  burdatio  vgl.  Wisbaum, 
Die  wichtigsten  Kichtiingen  und  Ziele  der  Thätigkeit  des  Papstes 
Qtegor'ft  des  Grofsen.  Diss.  (Bonn  1884\  S.  7. 

4^  Cf  Murat.  SS.  It  lU,  1  p.  147  C;  Tgl.  Doch.  a.  a.  0.  S.  m. 
^69  vgl.  S.  64,  a 

5)  Vgl.  Armbrust  a.  a.  0.  S.  36. 

6)  C£.  I— £  U86.  Manr.  n,  82. 


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68 


SCHWABZLOSBy 


Fragen  wir  nnn  nach  den  Beamten^  welche  diesen  rö- 
mischen GnmdheeitK  verwalteten,  so  sehen  wir  unter  diesen 
die  verschiedensten  Grade  des  fdmischen  Klerus  vertreten. 

Wir  finden  unter  ihnen  iJiukuuen,  SuLdiakuiiuii,  Duiuiiaüica 
und  Notaneu,  einmal  auch  einen  Presbyter  ^ 

Allgemein  wurden  diese  Oberverwalter  der  kirchlichen 
Guter  als  rectores  patrimmiii  ^  bezeichnet.  Da  dieselben  die 
geistliche  sowohl  als  die  weltliche  Gewalt  *  über  ihren  jedes- 
maligen Verwaltang8s^)rengel  in  ihrer  Person  vereinigten,  so 
nahmen  sie  nicht  blofs  eine  bedeutende,  sondern  auch  eine 
vuiaiitwoitliche  Stellung  ein.  Daher  hatte  sich  allmählich 
die  Sitte  herautsgebiidet,  dafs  diese  wichtigen  Kirchenbeamien 
am  Grabe  des  Aposieii'ürsten  verpÜichtet  wurden  und  ebenda 
ihre  Bestallung  empfingen  K 

Hur  ausnahmsweise  begegnen  uns  Bischöfe  ab  Verwalter 
römischen  Grundbesitzes  ^  Wie  es  sich  ans  den  wenigen 
Notizen,  die  wir  hierttber  haben,  ergiebt,  scheint  ihnen  nur 
in  dem  Falle  solcher  unterstellt  gewesen  zu  sein,  wenn  er 
im  Weichbilde  ihres  Bischofssitzes  gelegen  und  zu  unbe- 
deutend war,  um  einen  eigenen  Verwalter  dahin  zu  senden. 

Aus  dem  Umstände,  daCs  die  meisten  der  römischen  Guts- 
vorsteher aus  den  Defensoren  genommen  wurden,  hat  man 
bisweilen  den  Schlnia  gezogen  ^ ,  dala  der  Name  äefemor 
ein  Gattungsbegriff  sei  ftir  sämtliche  Verwalter  römisch- 
kirchlicher Patrimonien.    Dem  ist  aber  nicht  so.  Weder 

1)  Cf.  I-E  1386. 

2)  Gf.  I-£  1067.  ICM».  1326  n.  ö. 

3)  Cf.  I-E  1067.  1076. 

4)  Cf  I-£  1139;  Maur  I,  72.  Gxtigor  I.  schreibt  hier  an 
Petrus,  den  Subdiskon  von  Siciüen:  tt^^  tua  Experientia  sauctae 
Ecclesliiü  utUitatem  conspiciat,  metnor,  quod  ante  saoratissimttin  beata 
Petri  Apostoli  corpus  potestatem  patrimonii  cius  acceperit." 

In  den  Briefen  Oregor's  sehen  wir  nur  drei  Bischöfe  als  Guts 
rerwaittr  tunp^ieren  und  zwar  die  Bincböfe  Malchus  i^cf.  I  — E  1198. 
1226;  Maur.  il,  4(];  III,  22),  Johaimcs  i^cf.  I-E  lä4(>;  Maur.  IX,  (;2) 
und  Sabinianus  (cf.  I-E  1733;  Maur.  IX,  100).  Unter  Pehi^Mus 
(555— 5(>0)  erschien  der  iiischof  Joliaauä  von  Cingulum  ab  Verwalter 
eines  röimücheu  Ivlrchenguteg. 

6)  Vgl.  ßaxmana,  Politik  der  Päpste  I,  91.  98. 


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DIE  PÄP8TL.  PATRIMOKI£N. 


69 


Grepror  der  Grolse  noch  die  andern  Päpste  hatten  eine  be- 
sUimiite  KIns«e  von  Klerikern  zur  Verwaltung  der  römischen 
Kirchengiitei*  privilegiert;  es  konnte  also  nicht  blofs  ein 
Defensor  redor  patrimonii  werden  noch  auch  war  jederi 
welcher  diese  Stellung  eionahmy  DefeoBor,  sondern  gans  ab- 
gesehen YOn  seinem  sonstigen  kirchlichen  Rang  nnd  Stand 
konnte  jeder,  der  in  den  Angen  dos  Papstes  hiersn  geeignet 
erschien,  mit  der  Verwaltung  eines  kirchlichen  Gutasprengela 
betraut  werden.  Und  ao  erklärt  es  sich,  dais  wir  fast  alle 
Grade  des  römischen  Klerus  unterschiedslos  ^  in  der  Ver- 
waltung der  Kirchengüter  vertreten  finden. 

Die  Thatsacbe  nnn,  dafs  wir  «umeist  Defensoren  mit  der 
administrativen  Gewalt  auf  den  römischen  Gutsverbänden 
bekleidet  sehen,  mag  sich  wohl  daraus  erklären,  dafs  sich 
dieselben  am  besten  für  diese  Stellung  eigneten.  Es  wird 
sich  uns  diese  Überzeugung  autdrängen,  wenn  wir  etwas 
näher  auf  die  geschichtliche  Entwickelung  des  Defensoren- 
amtes  eingehen. 

Das  Amt  der  Defensoren  stammt  aus  der  Verfassung  der 
späteren  Kaiserzeit  Weil  das  Volk  oft  schwer  durch  die 
widerrechtliche  Bedruckung  und  Willkür  seitens  der  kaiser- 
lichen llriiinteu,  besonders  der  Steuerbeamten,  zu  leiden 
hatte,  gewährten  die  Kaiser  Valentinian  und  Valens  den 
Bürgerschaften  das  Becht,  angesehene  Männer  aus  ihrer 
Mitte  zu  wählen,  welche  über  Recht  und  Billigkeit  su 
wachen  und,  wie  ehedem  die  Volkstribunen,  das  niedere 


})  In  Giillien  tiinieu  wir  den  Presbyter  Candidu«?  cf.  I~K  1386. 
1407.  17öil;  Muur.  VI,  7;  VII,  24;  XI,  70,  dem  patrimouiuin  Tu!>ciue 
steht  der  Diakon  Eugenias  Tor,  I— £  1621 ;  Maur.  XII,  45,  als  rector 
einer  der  sicilischeii  OütennMsen  ersebeitit  der  Diakon  Cyprianos 
ef.  I-E  im  1286.  1388.  1340.  1465;  Maur.  IV,  6.  16;  Y,  8.  27; 
Vn,  82.  VorQbergebend  werden  In  ihnliehen  Stellungen  genannt  die 
Diakenen  Castorina  (I— E  1838:  Maar.  V,  88)  nnd  Martmus  (I— E 
1464 ;  Maor.  Vil,  18).  Dies  wären  die  Kleriker  aus  den  <fr4inu  ma- 
ior»,  welebe  wir  die  Funktion  der  rtctare$  patrimonii  ausüben  sehen. 
Es  folgen  nunmehr  die  Ghitsrerwalter  aas  den  ordtne»  minont,  welche 
gleichseitig  mdstenteils  der  tekeia  dtfimtorum  angehörten.  Hierher 
geboren  alle,  die  wir  m  den  Briefen  Gregor's  I.  als  Sabdiakooen  oder 
•eUeehtbin  als  Defensoren  fai  aolehsr  Stellnng  erblieken. 


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70 


8CHWARZL0SE, 


Volk  gegen  alle  Ubergriffe  zu  Bchützen  hatten.  Diese  Pa- 
trone des  Volkes,  welche  spaujr  auch  eine  gewisse  richter- 
liche Betügnis  erhielten,  nannte  man  defensores  plchis  oder 
defenscres  dvUaium  K  Zur  Verteidigung  in  äuiseren  An- 
gelegeiiheiieii  Tor  Gericht  und  gegen  Laien  bildete  «ich  die 
Eirdie  dieselbe  Beamtenklaaae  %  indem  sie  diesen  defimaares 
Ecdesiae  allerdings  noch  andere  Geschäfley  wie  namentlich 
die  Fürsorge  liir  die  Annen,  übertrug  *.  Die  Aniieuptiege 
blieb  stets  eine  Hauptaufgabe  der  Deleusoren  und  wurde 
ihnen  bei  ihrem  Amtsantritt  jedesmal  gana  besonders  warm 
ans  Herz  gel^.  Uber  ihre  £m«uiung  erhielten  die  De- 
feneoren  eine  Urkunde  K  £e  war  diee  um  so  mehr  nOtlg, 
als  es  sich  bisweilen  ereignete,  dafs  sich  Mftnner  in  be* 
trügerischer  Absicht  den  GutsuDtertiiauen  der  Kirche  geg^en- 
über  als  Detensoren  ausgaben 

Seit  dem  Pontifikate  des  G^elasius  (492 — 496)  gehörten 
die  Detensoren  dem  Klerus  an»  und  swar  traten  sie,  ebenso 
wie  die  Kotare,  in  einen  det  ordines  minores  der  Kirche 
ein^.  Sie  hatten  also  einen  der  Grade  vom  Subdiakonat 
abwirts,  und  da  es  immer  besonders  hervorgehoben  wird 
wciiu  einer  der  Detensoren  die  Würde  eines  Subdiakons  be- 
sais,  90  dürien  wir  vielleicht  annehmen,  dals  die  übrigen 

1)  Cf.  Du  Cange,  sab  voce  defensor.  Gfrörcr,  Gregor  VII, 
Bd  VIT,  S  26;  Rohrbacher«  UniTeraalgeach.  der  katboL  Kirebe, 

Bd.  IX,  S.  422. 

'^r,  Einr  kartliiigisclir  Synodr  vou  407  bittet  den  Kaiser  um  £iii> 
.setzuiig  von  defemores  ccclesuimm.    Vgl.  Mansi  III,  1164. 

3)  Vgl.  z.  B.  die  Bestalluug  des  Defeusors  Viucomalus  I— E  1342; 
Maur.  V,  29,  „ut  quidquid  pro  pauperum  comuiodis  tibi  a  nobis  in- 
ianctum  fuerit,  incorrupte  et  vivaciter  exequaris''  i— E  1622;  Maur. 
XI,  38.  Weiter  über  den  Schutz  der  Armen  gegen  Bedrücicungeii 
cf.  I— E  1102  1209.  1417.  1582.  1720.  UIO;  Maut.  1,  36;  lU,  5; 
VI,  38;  XI,  17.  19;  XII,  3. 

4)  Cf.  I-E  154Ü,  Maur.  IX,  62. 

5)  Cf.  I-E  1137. 

6)  Vgl.  Aam.  der  Haurincr  sa  Hiuir.  HI,  22,  bd  I— E  18S8. 
Unter  OeUtitti  kommen  laertt  Defeoaoiea  der  rSmitehen 
Kiiehe  vor,  of.  I-K  645.  648.  660.  741. 

7)  Cf.  I-B  1067.  1076.  IIIS.  1114  u.  ö. 


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DIE  PÄPSTl..  i'ATRlMONIEN. 


71 


OifenioreD,  was  ihren  geistüclieii  ordo  anbelangt,  Akolathen 
waren,  da  es  nicht  wohl  zu  denken  ist,  dafs  sie  Lektoren 

oder  Exorcisten  gewesen  seien. 

So  erhielten  die  Detensoren  zu  ihrer  ursprünglichen 
weltUchen  Bestimmung  auch  noch  einen  gewissen  geistlichen 
fisng.  Und  da  nnn  die  Vorstehe  der  kirchlichen  Gats* 
mbinde,  wenn  sie  ihre  Stellnng  im  yoUem  Malse  ansf&Uen 
wollten,  in  weltlichen  wie  in  geistlichen  Dingen  Bescheid 
wissen  mufsten,  so  liegL  es  aul  der  Hand,  dafs  sich  die  De- 
fensoren,  welche  eine  solche  Duppolseitigkeit  in  sich  ver- 
banden, am  besten  für  diese  Öteliung  eigneten.  Wir  können 
jeden&lls  annehmen,  dafs  Gregor  nicht  ohne  Rücksichtnahme 
anf  dieeen  Vormg  die  Verwaltung  der  Kirchengttter  asumeist 
in  die  Hände  der  Defensoren  legte.  Zur  Erreichung  seiner 
poH^chen  Ziele  liefs  ihm  sein  Scharfblick  gerade  diese 
Mariner  am  geeignetsten  erscheinen,  und  so  erwuchs  in 
ihnen  der  römischen  Kirche  ein  Personal,  geeignet,  ihre  Pläne 
für  Begründung  eines  Supremats  mit  Nachdruck  au  be- 
treiben. 

Dieser  ihrer  bedeutenden  Wirksamkeit  gemftls  suchte 
Oregor  auch  ihre  Stellung  ssn  heben.    Nicht  nur  übertrug 

cj  iiinen  viele  wichtige  und  ehrende  Aut träge  sondern  er 
Verlieh  auch  den  sieben  ersten  iiirer  Genossenschaft  den 
Ehrentitel  der  Kegionarier  ^,  welchen  die  bubdiakonen  und 
Kotare  schon  seit  länger  führten.  Der  erste  unter  diesen 
Sieben  scheint  sudem  noch  eme  besonders  bevonsugte  Stellung 
eingenommen  an  haben,  da  es  stets  henroigehoben  wird, 
wenn  einer  der  Defensoren  die  Würde  eines  prümts  <fo- 


1)  Sie  greifen  in  das  Leben  kiieiiiielier  und  kUMerliehsr  Per- 
sonal ein,  bsstiafen  im  Anftiags  des  PspttM  oder  senden  die  Bs* 
•ehnkUgten  nseh  Born,  ef.  Maar,  m,  86;  V,  28;  VI,  28;  IX,  00; 
2, 10;  Xni,  18.  98.  87.  85;  I-E  1241. 1888. 1408. 1688. 1771. 1887. 
18M.  1886.  1908,  snUehdden  SlieKttgkeilsn  swischfla  Klsrikera,  cf. 
Msnr.  Vm,  7;  DE,  S3;  X,  88;  XI.  87;  I-E  1494.  1686.  1726. 181S, 
ibenvaebea  die  Kirdisnsaeht,  ef.  Uanr.  X,  8;  XIII,  24.  26;  I-E 
1770.  1646.  1648. 

2)  Gf.  I— E  1608;  Maur.  Vni,  14.  Joh.  DSae.  Vito  Gtegovii 
n»  20.  Agpfesi  «K  DefimoHbm  honon  ttffiimmio  49eormd6§  wÜxU. 


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72 


SCHWAIUSLOSE^ 


fensor  bekleidet  ^  —  Die  amtliche  Anrede  der  Defensoren 
war  Experientia  iua*. 

Wie  Bchon  gesagt,  standeD  die  meisten  Patrimonieii  unter 
Leitung  dieser  Defensoren  K  Diejenigen,  welche  eines  der 
bedeutenderen  Patrimonien  verwalteten,  hatten  gewÖhnUdi 
den  crdo  eines  Subdiakons  *.  Seltener  tinden  wir  Notare 
mit  der  Oberleitung  eines  Patrimoniums  betraut  ^ 

Unter  diesen  Oberverwaltern  standen  gewöhnlich  wieder 
defensores^,  nokurii  (chartularü)'^^  actares  und  actionarii 
als  ihr  offieiim. 


1)  Cf.  T— E  1503.  190r, ;  Maur.  VJII,  14;  XIII,  38. 

2)  Kbeuso  wurden  (.Vu^ 'S oi&re  Experientia  tua  angeredet,  cf.  Maur. 

IV,  '.VA:  VI,  23;  1 — K  1303.  1403.  Die  Anrede  der  Diakonen  war 
bald  Uilectio  (cf.  I-E  1277.  128G.  1340.  1464;  Maur.  IV,  6.  16; 

V,  37;  VII,  18),  bald  ebenfolls  Experimtia  tua  (cf.  I— E  1338; 
Maur.  V,  28).  Die  Anrede  der  Bischöfe  war  durchweg  Fratermta» 
iua  (cf,  I^E  1378;  MaDr.  IV,  2),  die  der  Fresbjrter  war  m^atena 
DOecHo  tua  (ef.  I-E  1386.  1426.  1487;  Maur.  VI,  7.  46;  YTI,  34X 
allerdioga  finden  aich  bei  ihnen  auch  noch  andere  Anreden,  so  heifat 
a.  B.  der  Preabyter  Anaataaina  in  demaelben  Brief  (cf.  I— £  1475; 
Haar.  YU,  32)  bald  Caritai,  bald  Fratemiiat,  bald  DiieeHo  tua. 

3)  In  Saroninm  aehen  wir  a.  B.  den  Defensor  Scholasticus  aia 
Verwalter  (cf.  I-E  1507.  1721;  Maur.  VIIT,  32;  XI,  20),  ia  CaUbriea 
den  Defensor  Sergina  (cf.  I-E  1496;  Maur.  VIII,  8). 

4)  Unter  Gregor  I.  stand  dem  sicilischen  Patrimonium  lange  Zeit 
der  Subdiakou  Petrus  vor  (cf.  I-E  lOiu.  107G  1112.  1131  u.  ö), 
dem  k.impanischcn  der  Subdiükon  Authemiiis  (cf.  I  — E  lO'Jl.  1127) 
und  unter  demselben  längere  Zeit  ein  niitlerer  Subdiiikon  Petrus  (cf. 
I— E  1238),  dem  dalmatiuiscben  der  Suh  iiakou  Antonius  (cf.  I— E 
1226),  dem  appiscbcn  der  Subdiakon  Felix  (cf.  I~E199l).  Es  finden 
sich  allerdings  auch  von  dieser  liegcl  Ausnahmen ,  denn  nach  Petrus 
stand  lange  Zeit  der  Defensor  Romanus  dem  sicil.  Patrimonium  vor 
;cf.  I-E  1635). 

5)  I— E  17i)6  der  Notar  Pantaleon  als  Verwalter  des  liguriacheu 
Patrimoniums. 

6)  So  stand  z.  B.  in  Palenno  der  Defensor  Fantinua  unter  dem 
Defenaor  Bomanus,  cf.  I~£  1563;  Ifanr.  IX,  65. 

7)  In  Palemo  finden  wir  aaitweilig  den  Notar  Benenatua  der 
Oberldtong  dea  Sabdiakona  Petnia  unterateUt,  of.  I— E  1186;  Manr. 
n,  33.  „Benenatnm  vero  notarium  pariter  tianamiai,  ut  in  Panofud^ 
lana  parte  locum  tuum  in  Patrimomo,  quoaduaqae  omaipotetta  Deua 
oidiaet  qaod  ei  plaeuerit,  ipae  ooaaerret''  Spftter  finden  wir  In  dleaor 


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DIB  PlPSTL.  PATBIMONLEN. 


73 


Den  kleineren  Gutsyerbändeni  den  massae^  standen  ge- 
wöhnlich conductores  tot  \  unfreie  Erbpächter  der  römischen 
Kirche,  eine  Klasse  von  Gutsverwaltern,  welche  die  römische 
Kirche  der  kiiiserlichen  Domänenverwallung  nachgebildet 
hatte  Sie  hatten  in  dem  Umlange  ihrer  Pachtuugeu  die 
Prästationen  der  Bauern  einzutreiben  und  die  unmittelbare 
Verwaltung  zu  besorgen.  Zwischen  ihnen  und  den  Rek- 
toren standen  die  aeUcnarii.  —  Auf  den  kleineren  Höfen 
endlich  salsen  cohni,  ebenfalls  unfreie  Lente^  oder  SkUven. 

Wenn  auch  aus  den  Briefen  Gregor's  zweifellos  hervor- 
geht, daid  derselbe  persönlich  nicht  nur  iebliaites  Interesse, 
sondern  wohl  den  gröfsten  Teil  seiner  Fürsorge  ^  den  Patri- 
monien der  römischen  Kirche  zugewendet  hat^  in  denen  er 
mit  Recht  die  Basis  eines  kirchlichen  Finanswesens  und  den 
materiellen  Rückhalt  fUr  eine  gesunde  äufsere  Politik  er- 
kannte, so  liegt  es  ebenso  deuüich  auf  der  Hand,  dafs  der 
grofse  Papst  trotz  seiner  Vielseitigkeit  und  ungeheueren 
Arbeitskraft  doch  unmöglich  allein  alle  nn't  der  Verwaltung 
der  i'atrimonien  zusammenhängenden  Geschäfte  erledigen 
konnte.  Öo  hat  ihm  jedenl'alls  in  Rom  ein  mit  den  Ver- 
hältnissen und  Geschäften  der  römischen  Güter  vertrauter 
Kleriker  bei  Besorgung  der  die  Patrimonialverwaltung  be- 
treffenden Angelegenheiten  zur  Seite  gestanden.  Richtig  hat 
Wisbaum  erkannt^,  daf»  der  Diakon  Bonifatius  zeitweilig 


Stellang  den  Notar  Hsdrianiu  (cf.  I—E  1303.  1403;  Maar.  IV,  23; 
VI,  88}  und  neben  ihm  leiiweilig  noch  den  Notar  Salerins  ef.  I~E 
16G2;  Maar.  IX,  56.  —  Vgl.  Ann.  derUanriner  ra  I,  77.  I-E1144. 
Mem  Init  in  Bomana  Eceleaia  Cbartnlarli  et  Notarii  officium. 

1)  Cf.  I— £  118C.  1346:  Maar.  IT,  32;  V,  81. 

2)  Conductoru  dorntts  Mstrae  hicfscn  die  nnfreien  Erhpächtcr 
sof  den  kaiserlichen  Gütern.    Vgl.  Man|aanit>MominseD  V,  250-251. 

3  Zum  Beweise  vergleiche  man  nur  seine  zahlreichen  Briefe,  die 
tut  sämtUeh  Hioweiae  und  Vorschriften  der  Patrimonialvenraltong 
enthalten. 

4)  Vgl.  WiBbaum  S.  8.  Mttiner  Ansicht  nach  <;oht  Wisbaum 
zu  weit,  wenn  er  nn^  den  Stollen,  wo  der  Diiikt  n  llmitatiu.s  gewisBer- 
rnrtf-f'n  a!^  rrcbtr  Harnl  des  Papstes  in  der  Patrimonialverwaltung  er- 
scheint, gkich  den  Scblufs  itieht^  dafs  überhaupt  in  Kom  „ein  Diakon 
als  Chef  der  gesamten  Patrimonialverwaltung  "  gestanden  habe.  We- 


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74 


SCHWABZLOSE, 


diesen  PoBten  bekleidete^  doch  soheiiit  er  nieht  alle  hierher 
gehörigen  Geschäfte  erledigt  zu  haben,  wie  denn  b.  B.  die 

ADgclegenheiten  der  Defensoreu  verschiedentlich  durch  dia 
Hand  des  Notars  Paterius  ^  gegangen  sind.  Übrigens  be- 
gegnet es  uns  schon  in  früherer  Zeit,  dals  die  Angelegen- 
heiton der  Patrimonien  von  einem  Dritten  besorgt  werden; 
denn  bereite  unter  Papst  Petegius  im  Jahre  559  werden  die 
Emkfinfte  aus  den  picemschen  massae  an  Anasiaaiits,  den 
„argeniarius  d  arearius  Sedesiae"  eingesahlt*. 

Erst  unter  später<'ii  Päpsten,  welche  nicht  mehr  in  dem 
Mafse  wie  Gregor  perisuaüch  die  Patrimonialverwaltung  tiber- 
wachten,  erstand  das  Amt  eines  Frimicerius  der  Dei'en- 
aoreoi  in  dessen  Hand  alle  Faden  der  Patrimonialyerwal- 
tong  ausanunenliefen. 

Schon  ans  dem  bisher  Gesagten  erh^t^  dafs  die  Ver- 
waltung der  kirchlichen  Patrimonien  in  allen  Btttcken  dar» 
aui  angelegt  war,  dieselben  trotz  alier  VerschicduuLeit  in- 
beziig  aul"  Grofse  und  geographische  Lage  zu  einem  wohl 
geghcdcrten  Organisnins  zusanuuenzuschiieisen.  Von  wesent- 
lichem Einflufs  auf  die  Durchiuhrung  dieses  Bestrebens  war 
der  Umstand,  dafr  es  ganz  bestimmte  Grundsätze  waren, 
welche  die  Kirche  bei  Verwaltung  ihrer  Patrimonien  in  An- 
wendung brachte.  Zumeist  waren  auch  hier  die  Bestimmungen 
Gregors  I.  die  malkgebenden.  Kv  suchte  vor  allen  Dingen 
den  Grundsatz  zur  Geltung  zu  bringen,  daik  die  Kirche 
ihre  Güter  selbst  verwalten  müsse.  Daher  suchte 
«r  cinerseite  die  Verpachtungen  von  Eirchengut  so  viel  als 
möglich  zu  vermeiden  und  anderseito  die  Verwaltung  der^ 
selben  ausschlielslich  in  die  HSnde  von  Kkrikem  zu  l^gen. 


der  reichen  die  uns  hierüber  berichtendeD  Stellen  aus,  za  beweisen 
(cf.  1-E  1186.  1273.  Uli;  Maur.  II,  32;  IV,  2;  VI,  61),  dafs  Boni- 
fatius immer  diese  Stellung  bekleidet  habe,  noch  viel  wssiger  aber 
dazu,  dafs  der  Inhaber  derselben  stets  ein  Diakon  gewesen  sei.  Wir 
dürfen  nur  dn^;  sicher  hinstellen,  dafs  Gregor  aeitweilig  gesdlKftt- 
kundige  Kleriker  an  diesen  Posten  berufen  hat. 

1)  Über  Faterius  Tgl.  I-E  1341.  1391.  1622;  Maur.  V,  29;  VI, 
12 ;  XI,  38. 

2)  Cf.  I— K  m. 


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DIE  PÄPSTli.  PATRIMONIEN. 


75 


Wenn  wir  auch  bereits  in  der  früheren  Zeit  meistenteils 
Kleriker  und  Kirchen  beamte  mit  der  Verwaltung  der  fatri- 
MOiiieD  betraut  aehen  S  bo  scheint  vollencU  Gregor  I.  mne 
gowine  Abneigaiig  gegen  die  Verpachtimg  von  Kirchengat 
gehabt  sa  habeiii  und  er  schwiit  dieselbe  nur  dann  gewftlirt 
so  haben,  wenn  es  die  Rückseht  anf  diejenigen ,  welebe 
zur  Kirche  in  rachLverhäitnis  treten  wollten,  nicht  anders 
zuliefs  *.  —  I>ci  seinen  Nru  hlulgem  Honorius  I.  und  noch 
mehr  bei  Gregor  11.  sehen  wir  dagegen  einen  groiken  Teil 
des  kirchlichen  Grundbesitzes  in  den  Händen  von  Päch- 
ten  K  Mag  niin  aoch  immerhin  die  Möglichkeit  ofien  sein, 
dals  ans  Deiudedit  nur  snfitllig  aus  dem  Pontifikate  Qre- 
gor's  II.  mehr  Pachtbeetimmungen;  aus  dem  Pontifikat  Gre- 
gor 0  1.  dagegen  mehr  Nachrichten  über  eigene  Verwaltung  der 
Kirche  erhalten  hat^  so  glaube  ich  doch  aus  dem  Umstände, 
dais  uns  überhaupt  in  den  Briefen  der  späteren  Päpste  nicht 
mehr  die  tpesieUe  Füraofge  für  die  PatrimonialTerbältniaae 
wie  ehedem  unter  Ghregor  I.  entg^ntritt,  den  Schlufs  mehen 
SU  dürfen,  dafe  auch  unter  ihnen  weit  mehr  Verpachtungen 
stattgefunden  haben  als  unter  diesem.  Jedenfalls  waren  auch 
ihre  Pachtbedingungen  mehr  geeignet,  Pachtiustige  herbei- 
Sttführen. 

&>dann  war  es,  wie  schon  angedeutet,  das  Bestreben 
Qregor's  L«  nur  Klerikern  die  Verwaltung  kirchlichen  Ghitee 
SU  ahertmgen.  Daher  seine  Sorgsamkeit  für  Ausbildung 
«ines  kirchlichen  Verwaltungssystems;  standen  doch  die 

Laien,  auch  wenn  sie  Kirchenbeamte  waren,  nicht  in  dem- 
selben Mafse  unter  der  kirchlichen  Botmalöigkeit  und  Ge- 
walt wie  die  Kleriker.    In  einem  Brief*  an  den  Bischof 


1)  Diakonen  vgl.  I -K  633.  923,  Defensoren  1-K  741,  Actorea 
I— K  6(k;,  ein  Bischof  I— K  953. 

2)  Cf.  I— E  1139;  Maur.  I,  72  —  I—E  1651.  Hier  erscheint 
S.  B.  der  Eiprakkt  Gregor  als  Pächter  der  römischen  Kirche. 

3)  Cf.  I-E  2uil.  2UI3.  2031.  2032.  2034.  2030.  2173—2228. 

i)  Cf.  I—E  1731;  Maar.  IX,  65.  „Indicatom  nob»  est  quod 
laicis  qaibasdam  curam  restri  patrlmonii  oommitteates ,  posttnodnm 
Ib  nuticoram  TestroniQ  depraetstionilras,  atque  per  hoe  exfngstioiii« 
Irat  fiierint  dq^hend,  et  reddeie  res,  qoss  ladeeeater  retiaent  ha- 


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76 


SCIIWAiiZLOSE, 


JanuarioB  Ton  Gagliari  spricht  Gregor  rieh  über  die  Mifs- 
stände  der  LaienTerwaltung  aus.    Er  hatte  überhaupt  nur 

Kleriker  in  seiner  Umgebung:,  was  Juhannes  Diaoonus  in 
seiner  Bioprapliie  besonders  liervorhebt  K  tSogar  in  Gallien  • 
setzte  es  Gregor  durch,  dafs  ein  Kleriker  mit  der  Leitung 
des  dortigen  Kirchengutes  betraut  wurde.  Dort  war  der 
jedesmalige  frilnkische  Vorsteher  der  Provinz  Marseille,  wel- 
cher gewöhnlich  den  Titel  eines  Patricias  fthrte,  gleich- 
zeitig Verwalter  des  dort  gelegenen  römischen  Patrimoniums 
gewesen  ^.  Zur  Zeit  Grt^c^or's  war  es  Dynamius  *.  Gregor 
strebte  nun  danach,  hier  einen  eigenen  Rektor  zu  haben. 
Die  Gelegenheit;  seinen  Willen  durchzuluhren,  bot  sich  ihm, 
als  im  Jahre  594  der  Patricius  Dynamios  Tom  König  Chil* 
debert  abgesetzt  wurdet  Der  Presbyter  Candidas  wurde 
der  erste  Rektor  des  gallischen  Patrimoniums  aus  dem  Kle* 
rikerstande,  nachdem  bis  zu  seiner  Ankunft  der  Bischof 
Virgil! US  von  Arles  die  Verwaltungsgeschätte  besorgt  hatte 

Sein  Verhalten  zu  den  Gutsunterthanen  der  römischen 
Kirche  kennzeichneten  Gerechtigkeit  und  Milde,  zw(  i  Haupt- 
Züge  im  Charakter  Gregor's.  £r  wollte  nicht,  dafs  „der 
Seckei  der  Kirche  mit  schttndlichem  Gewinn  besudelt 
werde Daher  untersuchte  er  nicht  blois  aufs  strengste 
die  Rechnungen  seiner  Beamten,  sondern  er  wachte  auch 
darüber,  dafs  die  Kirche  nicht  etwa  mit  ihren  Eigeutums- 
ansprücheu  das  Recht  ihrer  Gutsuachbam  verletzte 

hitas,  qnaai  sase  ditioni,  qulppe  vestrae  non  suppositi  curationi,  post- 

ponant,  Tobtsqne  despfcisnt  aetuum  roomni  reddere  rationem  

De  cetero  eavendatn  a  Fratemftate  vestrs  est,  ne  seoalaribus 
Tiris»  atqne  non  sab  regala  Tsttra  degentibas,  res  Eeeletia- 
sticae  oommittantiir,  eed  probatis  de  Tettro  offieio  Clerieii." 

1)  Cf.  Joh.  Dtac.  II,  15;  „nemo  laieoram  qnodlibet  pslatii  miiii- 
sterium  vcl  ecclcsiasticum  Patrimonium  procurabatf  eed  OBinia  ecele- 
siEBtici  juris  muuia  ecclej^iastici  viri  »ubibant^S 

2)  Cf  I-E  1384;  Maur.  VI,  5. 

3)  Cf.  I-K  943.  947.   Patrioiiu  PUusidut. 

4)  Cf.  I-E  1237. 

5)  Vgl.  Greg.  Tur.  VI,  7,  2;  Lau,  Gregor  der  Orofse,  S.  182. 

6)  Cf.  Maur.  VI,  53;  I-E  1437. 

7)  Cf.  Maur.  I,  44;  I— E  1112. 
«)  Cf,  I-E  1102. 


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DIE  PÄPSTL.  PA  I  KIMOMEN. 


77 


Vor  aDem  aber  war  er  darauf  bedacht  ,  die  Lage  der 
aut  deii  Kirehengütern  sitzenden  Bauern  zu  heben  ^  Diese 
wurden  von  den  römischen  Beamten  oft  aufs  härteste  be- 
drückt   So  steigerten  sie  z.  B.  dea  Modius  bisweilen  von 
16  Sextaren  auf  25  Sextare  und  zwangen  die  Bauern,  von 
|e  20  Scheffeln  der  Ernte  einen  abzugeben.  Gregor  steuerte 
tolchem  willkfirlichen  Drucke.    Ehr  setzte  den  Modius  auf 
18  Sextare  fest  und  verordnete,  dafs  von  35  SchetFeln  der 
Ernte  einer  abgegeben  werden  sollte.  —  Ferner  wurden  die 
Ckiloneu  oft  im  Preis  geschmälert,  wenn  ihnen  für  den  Fall, 
dafs  das  pflichtmäfsig  abgelieferte  Getreide  nicht  ausreichte, 
solches  noch  abgekauft  wurde.    Hiergegen  verordnete  Gre- 
gor,  dafs  ihnen  für  ihr  Rom  der  staatlich  fixierte  Markt- 
preis (pretia  publica)  zu  zahlen  sei Außerdem  bestimmte 
er,  was  die  jährlichen  Getreideiieferungen  anbetrifft ^  dals 
das  iiij5iii.o  der  Uberiahrt  nicht  mehr  von  den  Colonen  ge- 
tragen, sondern  bei  einem  Unfall  der  Vorlust  der  Kirchen- 
Verwaltung  zur  Last  fallen  sollte  ^.    Damit  nach  seinem 
Tode  die  Colonen  nicht  von  neuem  bedrttckt  würden  |  lieis 
er  für  jeden  ein  R^ister  seiner  Leistungen  ^  (ItMkis  secu- 
fitaiis)  anfertigen,  auf  welches  sich  derselbe  eventuell  be- 
rufen konnte.    Zudem  stand  bei  einer  Beschwerde  jedem 
Colonen  der  Zugang  zu  ihm  selbst  offen  ^. 

In  dieser  Weise  war  Gregor  der  Grofse  sein  ganzes 
Leben  hindurch  au&  angel^ntUchste  iiir  Hebung  der  Pa- 


1)  Cf.  Gregorovius  a.  a.  0.  II,  S.  Gi^j  liohrbaclier  a.  a.  O. 
S.  440.  441. 

2)  Cf  I—E  1112:  Maur.  I,  44.  „Et  volumiis,  ut  iuxta  pretia 
publica  omni  tempore,  sive  miuus,  sive  umplius  l'rumeiitu  üiiöcaatur, 
in  eis  comparationis  mensura  teneatur."  Vgl.  Wie  bäum  a.  a.  0. 
8.  6i  6. 

3)  So  versiehe  aaoh  ich  nut  Wishanm  die  Worte  Maur.  I,  44: 
i^frtUQSnta  antem,  quae  nanftagio  pefeont,  per  oauiia  Tolomos  lepu- 
tari".  Anders  QregoroTins  a.  a.  0.  II,  S.  68;  Bohrbaeher 
a.  a.  O.  UC,  &  441. 

4)  et  Maur.  I,  72;  I-E  1189. 

5}  Cf.  I^£  1661;  Maar.  XI,  21;  I-E  1667;  Maur.  Vm,  32. 
»AioDuider  Filz,  ooloaus  Eccleiiae  nostrae,  quettns  est  nobis  fai 
dosMk*' 


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78 


BCHWARZLOSBy 


trimonien  und  flur  VerbeaBdrung  Uirer  Verwaltung  bemüht. 
Nie  wieder  bat  ibnen  ein  Papst  dieselbe  anfinerksame  Für- 
sorge zagewandt.    Sein  Verdienst  ist  es,  den  Grund besits 

der  rüiiiischen  Kirche  in  einen  festen ,  wohlorganisierten 
Verwaitungöverband  eingegliedert,  hier  Ordnung  geschaffen 
2u  haben.  Und  seine  rastlose  Mühewaltung  ist  nicht  unbe- 
lohnt  geblieben.  Durch  sie  wurde  natürlicherweise  auch  die 
ErtragsfiÜuigkeit  der  Patrimonien  sehr  erheblich  gesteigert 
so  dafs  sie  das  leisten  konnten ,  was  sie  geleistet  haben:  sie 
haben  Jahrhunderte  hindurch  den  materiellen  ßückhalt  nicht 
nur  des  Papsttums,  sondern  überhaupt  der  römischen  ELirche 
gebildet 


il. 

Gehen  wir  nun  daraul  ein,  diese  Ertrage  und  Einkünfte 
der  Patrimonien  selbst  des  näheren  zu  erörtern,  so  ist  es 
allerdings  nicht  möglich,  einen  genauen  Rechnungsbericht 
Uber  die  Einkünfte  zu  geben,  welche  die  römische  Kirche 
aus  ihrem  Grundbesitz  gesogen  hat,  da  BechnungsbOcher 
nicht  auf  uns  gekommen  sind.  Es  kann  daher  nur  die 
Aufgabe  bleiben,  die  wenigen  sicheren  Berichte  über  Ein- 
nahmen aus  den  Patriraonicu  zu  sammeln,  im  übrigen  aber 
aus  den  ungeheueren  Ausgaben  der  Kirche  einen  liück* 
schlufs  zu  ziehen  anf  ihre  Einnahmen  und  so  im  ungefähren 
ein  Bild  zu  entwerfen  von  der  finanziellen  Macht,  welche 
ihr  die  Patrimonien  zugebote  stellten. 

Die  Einkünfte,  welche  der  römische  Stuhl  aus  s^nen 
Pairiiiiüiiien  bezog,  waren  doppelter  Natur  j  teils  waren  es 
Natural-,  teils  Geldleistungen.  So  weit  sich  der  Grund- 
besitz in  kirchlicher  Verwaltung  befand,  war  diese  zwie£ache 
Leistung  eine  ausnahmslosa 

Die  Naturalleistung  bestand  in  einer  bestimmten  Quoten 
welche  die  mnzelnen  Colonen  ▼on  dem  jedesmaligen  fir* 
trage  ihrer  Höfe  abliefern  mufsten.  Bestimmt  läfst  sich 
dieses  System  allerdings  nur  auf  den  sicilischen  Patrimonien 
nachweisen,  doch  ist  es  wahrscheinlich  auch  auf  den  übrigen 


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DIB  PÄPSTL.  PATRIMONIEN. 


79 


beobachtet  wordeo.  Von  Sicilien  wurde  die  auf  diese  Art 
etngekonuneDe  Eommaeae  xweimal  in  jedem  Jalire,  im 
Frühjabr  und  im  Herbst^  nach  Rom  geecbaA  K    Wie  Wis- 

baum  *  nachgewiesen  hat,  wurde  iiir  diese  Naturalleistung 
kein  Geldäquivalent  angenommen.  Wurde  mehr  Getreide 
gebraucht  als  durch  diese  pflichtmäiaige  Abh'eferung  ein- 
kam, 80  wurde  dies  teils  yon  den  Colonen  ^,  teils  von  Frem- 
den ^  zu  der  Pachtliefernng  hiiiEugekauft  und  bis  zu  dem 
Tenoitti  an  dem  aUj&hrlich  das  Kom  nach  Rom  transportiert 
wurd^  in  Scheunra  aufbewahrt 

Die  daneben  von  den  Colonen  erhobene  Geldsteuer, 
pensio  genannt  ^,  wurde  nach  dem  jedesmaligen  Ausfall  der 
Ernte  und  überhaupt  nach  der  Leiatuugsi'ähigkeit  des  ein- 
zelnen Bauern  (prout  vires  msHconm  portaiü)  bemessen. 
In  derselben  Weise  ist  vielieicht  schon  die  pmsio  zu  ver- 
stehen, welche  unter  Pelagius^  von  den  gallischen  Besitz- 
ungen entrichtet  wird,  so  dafs  demnach  diese  Art  der  Ab- 
gaben bereits  eine  ältere  liistitutiun  der  römischen  Kirche 
wäre.  Kine  solche  pensio  wurde  auch  von  solchen  verlangt 
und  eingetrieben,  weiche  auf  dem  Grund  und  Boden  der 
Kirche  ansässig  waren,  z.  B.  von  den  Juden.  Es  geht  dies 
ans  einem  Brief  Gregorys  hervor in  dem  er  den  Befehl  giebt^ 
denjenigen  Juden,  welche  zum  Christentum  Ubertrftten,  diese 
Abgabe,  wenn  sie  jährlich  in  3 — 4  Solid!  bestände  (c 
37 — 49  M.),  um  einen  Solidus  zu  ermäisigen.    in  ähnlicher 


1)  Cf.  I— £  1139)  Maar.  I,  72;  Wisbaum  a.  a.  0.  S.  ö. 

2)  Vgl  Wisbaum  a.  a.      S.  6;  Manr.  I,  U, 
8)  Cf.  Haar,  f,  44;  I-E  1112. 

4)  Cf.  I— £  1139;  Manr.  T,  72.  „Qiiioqnaginta  vero  anri  libris 
Bova  frnmenta  ab  estianeia  oompais,  et  In  SicOia  in  locis ,  in  quibos 
noD  pereant,  repone.'* 

6)  Cf.  I— E  1112.  1188.  1280;  Msur.  I,  14;  n,  32;  HI,  58: 
„sdent,  quod  qnid  ilUc  te  providente  datnm  foerit ,  patrimonii  nostii 
peanoniboB  esse  rqiutuidttm'*.  1597;  Maar.  X,  9:  »de  pen- 
donibos  Eeelesisstid  patrimooli*'.  II,  82:  „penaiones  quoque  aooae 
et  deeimie  IndietiomB,  quw  ei^gisti*^ 

8)  OL  I-K  943. 

7)  Cf.  Maur.  V,  8;  I-E  1322. 


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80 


SCIIWARZL08E, 


Weise  erhob  die  airikanische  Kirche  von  ihrem  Grundeigen- 
tum einen  Zins  ^ 

Ebenso  wird  wohl  der  Kirche  von  den  Qrundstftcken, 
welche  ne  verpachtete,  imwohl  dne  Natural-  wie  eine  Geld- 
abgabe bisweilen  gleichzeitig  entrichtet  worden  sein.  Ein- 
mal, bei  der  Verpachtunp:  der  Insel  Capri  an  den  Konsul 
Theodor  ^,  ist  diese  doppelte  Abgabe,  bestehend  in  lu9  Gold- 
solidi  (1335/25  M.)  und  einer  bestimmten  Quantität  Wein, 
beaonden  angegeben.  Die  Vermutung,  dafs  neben  der  G^eld- 
leistung  noch  eine  gewisse  Naturalleistang  stattgefiinden  hat, 
erscheint  bei  den  uns  überlieferten  Verpachtungen  aus  dem 
Grunde  nicht  undenkbar,  als  sich  die  hier  genannten  Grund- 
stücke gerade  nicht  allzu  weit  von  Rom  befanden,  und  also 
ein  Transport  nach  der  Hauptstadt  nicht  mit  bchwierigkeiten 
verknüpft  war. 

Meistenteils  wird  allerdings  eine  blofse  Geldabgabe  bei 
den  Verpachtungen  geleistet  worden  sein.  Dafs  solche  unter 
Gregor  I.  nur  in  beschr&nktem  Malse  stattgefunden  haben, 
ist  bereits  hervorgehoben  Interessant  ist  aus  seinem  Pen- 
tiiikat  an  dieser  Stelle  nur  noch  die  einmalige  Erwähnung 
einer  Superficies  *.  Wie  bchon  erwähnt ,  kamen  Verpaeh- 
tungen  seitens  der  Kirche,  wie  die  uns  hierüber  erhaltenen 
Berichte  augeben,  erst  seit  dem  Pontitikate  Honorius  I.  ^  und 
noch  mehr  seit  dem  Gregorys  11.  in  Aufnahme  ^  Uber  die 
Dauer  der  Verpachtung,  wie  über  die  Höhe  des  Pachtgeldes 
haben  wir  nur  wenig  sichere  Angaben  ^,  die  meisten  geben 
nichts  als  da«  blofse  Faktum  der  hcaüo. 


1)  Cf.  Maur.  II,  44,  i-E  11 90. 

2)  Cf.  I-£  2216.    Vgl.  G frörer  a.  a.  0.  S.  2$. 

3)  Vgl.  S.  74. 

4)  Ein  gewiner  Adeodatns  hatte  voa  der  Kirehe  ein  Grundstück 
gepachtet,  um  auf  demaelbea  ein  GebSude  auCnihren  xu  können. 
Hierfiir  entrichtete  er  an  die  Kiiche  eine  jitbtliche  Abgabe  von  swui 
8ol.,  c£.  Maur.  XII,  9.  Die  SmperfieiM  war  dne  alte  römische  Art 
der  Verpsehtung.  Vgl.  Baron,  Pandekten,  S.  293,  g  183. 

5)  Cf,  I-E  2011.  2013. 

6)  Cf.  1-E  2173-2228. 

7)  Ein  gewisser  Giatiosus  pachtet  ein  Haus  mit  Garten  auf 


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DIE  PÄPSTL.  PATBIHONIEN. 


81 


Im  Bereich  der  einzelnen  massac  trieben  die  cmidutlores 
diese  Abgaben  ein  \  aus  deren  Händen  sie  dann  durch  die 
aogenannten  adores  den  Rektoren  der  einseinen  Patrimonien 
ftbermiilelt  wurden.  Von  diesen  wurden  sie  endlich  weiter 
naefa  Rom  befördert 

Wie  yiel  nun  die  einseinen  Patrimonien  alljshrlieh  ein-> 
brachten ;  darüber  sind  uu?>  leider  nur  p:anz  vereinzelte 
Nachrichten  erhalten.  Ans  der  Zeit  dtjs  Gela^ius  (492—496) 
lesen  wir  unbestimmt  von  einem  ,^merUum  et  proventus  quo* 
nmäam  praediorum  in  Piceni  provineia  K  £rBt  eine 
•pitere  Nachricht  ans  dem  Pontifikate  des  Pelagias  (565^560) 
meldet  un%  dal»  dieses  picenische  Patrimonium  einen  jähr- 
lichen Ertrag  von  500  Goldsolidi  (6125  M.)  abwarft.  Zur 
Zeit  üre^ör's  war  der  Ertrag  zweifelsohne  ein  noch  Iiöherer. 
Femer  hören  wir  unter  Geiasius  (492 — 496),  dafs  zwei 
fundij  deren  Lage  nicht  näher  angegeben  ist,  jährlich  je 
80  Qoldsotidi  (367,60  M.)  einbrachten  ^  Zur  Zeit  Gre- 
gorys I.  brachte  das  gallische  Patrimonium  400  gallische  So- 
Udi  *  —  Die  leteie  sichere  Nachricht,  welche  wir  über  die 
Totaleinnahme  aus  eiueui  römischen  Patrimonium  haben, 
betriflPt  die  sicilischen  und  calabrischen  GütormapRon  Nach 
einer  Nachricht  des  Theophanes^  vermehrte  deren  Ein- 


2Ö  Jahre  gegen  eine  jährliche  Abgabe  von  einem  Goidsolidus  M. 
25  Pf.\  cf.  I— E  2011.  Der  Notar  Servodcus  erhält  »-ino  Besitzung 
auf  Lebenszeit  gegen  eine  jährliche  Ab^be  von  2^  Goldsolidi,  cf. 
I — E  2013.  Ein  Presbyter  Stephau  zahlt  jährlich  3  Goldsolidi  Pacht, 
cf.  I— E  2173.  Dapepcn  erhält  das  Kloster  des  hig.  Silvester  auf 
dem  Soracte  eiuiai  fuudus  in  perpetuum  verpachtet,  cf.  I— E  22ü7, 
ebenso  dai?  Hospital  des  hlg.  Eustachius,  cf.  I— E  2213.  2221. 
1;  Ct.  1-E  VJ02. 

2)  Cf.  I-K  63». 

3)  Cf.  I-K  963. 

4)  Gf.  I— K  666.  667. 

5)  CL  I-E  1237. 

6)  Cf.  Theoph.  Chion.  ed.  Bonn,  p.  681:  Tä  lty6ftiva  navQ^ 
*f^ri  TiftotfiAmv  Tttig  tiodnßitut  IxJfcd««  t$ftiüfAttm  ;|r^itf/ov  tälavra 


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82 


SCHVVAUZLOSB^ 


Biebung  ToiMeiten  Leos  des  Isanriers  die  kaiserlichen  Ein- 

küiiiic  jährlich  um  dreieinhalb  Talente  in  Gold. 

Zuweilen  wird  uns  von  kleineren  Qeldertriigen  ^  au^  den 
Patrimonien  berichtet,  jedoch  können  auch  dicae  uns  nicht 
weiter  fordern  bei  Lösung  der  Frage,  welches  der  genaue 
oder  durchschnittliche  Ertrag  eines  jeden  Patrimoniums  ge- 
wesen so. 

Da  uns  also  bestimmte  Nachrichten  im  Stich  lassen, 
bleibt  uns,  um  uns  einigermafsen  ein  Bild  machen  su  können 

von  den  reichen  Einkünften,  welche  die  ratriinonicn  der 
Kirche  zur  Verfu^ing  stellten,  nichts  anderes  übrig  ais  aus 
den  Ausgaben  der  Kirche  einen  Eückschiuis  zu  ziehen  auf 
ihre  Einnahmen. 

Die  Ausgaben  der  Kirche  waren  Ton  der  verschieden- 
sten Art.  Schon  Gregor  der  Qroüe  giebt  uns  dne  unge- 
ilhre  Vorstellung  von  ihrer  Mannigfaltigkeit,  wenn  er  in 
einem  Briefe^  sagt:  Ilaec  Ecclesia,  quae  uno  codemque 
tempore  Clcricis,  monasteriis,  pauperihm,  populo,  afque  in- 
super  Larigobardis  tarn  muUa  indesinentcr  expendit. 

In  erster  Linie  wurden  also  die  Mittel  der  Kirche  dazu 
verwandt,  die  Ausgaben  fUr  die  eigentlichen  kirchlichen 
Angelegenheiten  zu  bestreiten.  Sie  dienten  dasu,  die 
kirchlichen  Gebäude  imstand  zu  eriialten  und  auszu- 
schmfleken  und,  wo  es  nötig  schien,  neue  Gbtteshftuser  zu 
erbauen.  Von  Gregor  I.  wissen  wir*,  dals  er  im  Verhält- 
nis zu  seiner  übrigen  vielseitigen  Sorgsamkeit  sehr  wenig 
iür  den  Wiederaufbau  der  Trümmer  lioms  und  für  die 
Ausschmückung  der  Kirchen  gethan  liat ;  sein  Interesse  war 
es,  in  Rom  ein  politisches  und  kirchliches  Zentrum  der 
ganzen  CShristenhdt  zu  schaffen.  Dagegen  glänzen  andere 
Päpste  um  so  mehr  in  der  CSuronik  der  Stadt  durch  Ihre 


1)  Qf.  I — E  Maur.  X,  9,  wo  aus  einem  der  siciL  Patri- 
monien 10  Pfd.  Gold,  eiukomoaen. 

2)  Cf.  I~E  1352;  Maur.  V,  21. 

8)  Cf.  Lib.  pottt.  Vit  Greg.  I  ed.  Dachesne,  p.  312:  „Hic  fecit 
beato  Petro  ^ostolo  cyboriiim  eom  columiiia  suis  im,  ex  s^gento 
poro'^  Weiter  berichtet  der  Lib.  poot  oiebts  In  dieser  Hiuriebt. 


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DIE  PÄPSTL.  PATKIMONIEN. 


33 


Kirchenlwtiteii.  Neben  Damasus,  Symmachus  und  Leo  dem 
Grofsen  ^  w  ar  es  vornehmlich  Honorius  I.  *,  dem  Rom  seine 
Prachtkirclien,  die  römischen  Kirchen  ihre  Verschünerungen 
verdanken.  Der  Sohn  des  Konsularen  Petronius  schonte, 
wie  Gregorovius  sagt^,  die  Eiiikünfite  der  PatrimoDien  nioht^ 
da  ee  galt,  die  Kirchen  BoniB  mit  neuem  Glanz  zn  schmfldken. 

Groike  Summen  waren  ferner  erforderlich ,  zur  präch- 
tigen Feier  der  Gottesdienste  die  nötigen  liturgischen  Ge- 
räte und  sonstigen  Mittel  zu  liefern.  Was  schon  die  Be- 
leuchtung einer  einzigen  Kirche  erforderte,  mag  beispielsweise 
daraus  erhellen,  dais  der  Ertrag  einiger  Güter  des  appischen 
Patrimoniums  einzig  dazu  bestimmt  wurde,  den  Unterhalt 
der  Lichter  in  der  Paokkirche  zu  bestreitend  Wie  Dn- 
chesne^  bemerkt;  war  es  ein  charakteristischer  Zug  der 
orientalischen  Besitzungen  der  römischen  Kirche,  dafs  sie 
aulker  den  Geldertrttgen  noch  verschiedene  seltene  und  ge* 
suchte  Naturprodukte  einbrachten,  deren  viele ,  wie  z.  B. 


1)  Cf.  Lib.  pont.  vit.  Leonis  ed.  Duchesue ,  p.  239:  „Hic  reuo- 
TEvit  post  cladem  Wandalicam  omnia  iniuisteria  sacrata  argeutea  per 
omnes  titulos  cuiitiatas  hydriaä  VI  basilicae  Constantinianae,  duas  ba- 
silicae  bcati  Tctri  apostoli,  duas  beati  Pauli  apoätoli^  quas  Cuustau- 
tiiios  Aagustus  obtolit,  qui  peiu.  liog.  lib.  ceut.,  de  quas  omiiia  vasa 
lenofafit  taexata.  Hie  lenofavit  hmiMeiun  h.  Petri  apostoli  et  h. 
PMU  pott  ignem  diriniun  renoTaTit  Fecit  vero  cameiam  in  basilica 
Copstantiniana,  Fecit  aatem  baailicam  b.  Ck^melio  episcopo  et  mar* 
tyri,  ioxta  Cymiterinm  Calizti,  ria  Appia.'*  Cf.  Leonis  Blagni  Op. 
ed.  Ballerini  n»  p.  684. 

3)  Cf.  Lib.  pont.  vit.  Hon.  ed.  Dach.,  p.  383  flber  KirebenbanteQi 
unter  Sergius  vgl  p.  374.  376,  tinter  Johann  VII.  p.  385  a.  a.  0. 

3)  Vgl.  GregoroTiae  a.  a.  0.  S.  126. 

4)  Cf.  I-E  im. 

5)  \f;\.  Duchesne  a.  a.  0,  S.  150.    Da  aufwer  den  genannten 

auch  noch  andere  Produkte,  wie  z  B.  PfeflVr,  Zinmiet,  Safran, 
Gewürznelken  u.  dgl.  aus  diesen  orieut.  Besitzungcu  nach  Kom  ge« 
.MUidt  wurden  und  man  nicht  absieht,  welchem  liturgischen  Gebrauch 
diesellj*  a  hatten  dienen  können,  hu  zieht  Duchesne  den  interessnnteu 
ÖchluiV,  dafjj  die  Kirche  diese  Produkte  im  Abeudlande  zu  Markte 
gebracht  habe  und  so  lange  Zeit  hindurch  Vermittlerin  für  dcu  Han- 
del zwificheu  dem  entfemtcu  Orieut  und  den  GrofBiitädteu  des  alten 
römischen  Beiches  gewesen  sei. 

6* 

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84  SCUWAKZLOSE, 

Weihrauch,  Myrrhen,  Narde,  Balsam,  Öl  o.  dgl.  aa  kirdi- 

liehen  Zwecken  gebraucht  wurden. 

Sodarm  wurde  der  ganze  Haushalt  der  Päpste  und  ihrer 
Umgebung ,  der  Unterhalt  vieler  Kleriker  und  Kirchen- 
beamten  von  dem  Einkünften  der  Kirche  bestritten,  ein  Aus- 
gabepoaten,  der  sich  mit  dem  WachBtom  der  Kirche  gleich- 
mäfsig  steigerte.  Die  mit  der  GüterverwaltoDg  beauftragten 
Kleriker  erhielten  ihren  Unterhalt  direkt  ane  den  EinkOnften 
der  Patrimonien.  So  empfing  der  rcctor  painiunnii  z.  B. 
einen  bestimmten  Teii  der  obenerwähnten  pensio  als  Gehalt 
An  einigen  bestimmten  Tagen  bewies  Gregor  der  Grolae 
den  Klerikern  der  römischen  Kirche  gegenilber  noch  eine 
besondere  Freigebigkeit  Viermal  nttmlich  m  jedem  Jahre^ 
Ostern,  am  Feste  der  ApostelfOrsten,  am  Tage  des  big.  An- 
dreas und  an  seinem  eigenen  Geburtstage  übersandte  er 
nicht  blofs  allen  Klöstern,  Kirchen,  Armenhäusern  und  Her- 
bergen in  und  aulserhalb  der  Stadt  eine  besondere  Gabe, 
sondern  an  denselben  Tagen  schenkte  er  auch  an  sämtliche 
Bischöfe,  Presbyter,  Diakonen  und  andere  Würdentrüger 
wertvolle  Gkildst&cke,  denen  er  am  Tage  der  Aposteliursten 
und  an  seinem  Geburtstage  noch  feine  ausländische  Ge- 
wänder beitugtc  Ebenso  stand  er  Geistlichen  und  lie- 
aniicu  der  Kirche  in  jeder  Not  bei.  Hörte  er,  dafs  einer 
derselben  sich  irgendwie  in  bedrückter  Lage  befinde,  so 
war  er  auch  scliun  bereity  ihn  aus  dem  Vermögen  der  Kirchs 
gegen  alle  Not  sicher  zu  stellen.  Als  er  a.  B.  erfahren  hatte^ 
dafs  Gaudiosusi  ein  Defensor  der  römischen  Kirche  in  Sy* 
rakus,  in  Mangel  geraten  sei,  wies  er  sogleich  den  (Ober-) 
Defen.sor  SiciHens  Rfunanus  an,  demselben  eine  jährliche 
Gabe  von  6  GoldsoUdi  (c.  73,50  M.)  zuteil  werden  au 
lassen 


1)  Cf.  I— £  1118;  Hsiir.  I,  44:  „Qnod  antan  ex  his  mintttüs  in 
asam  veetoris  aeeedebat,  volunma  ut  hoe  es  pneaeoti  jastimie  nesfaRa 
ea  summa  pensionis  ia  luom  timm  ▼eniat'*  VgL  S.  79. 

2)  Cf.  Job.  Diac.  Tit  Greg.  II,  85. 

3)  Cf.  I— E1G35.  —  Als  er  hörte,  d&Ta  es  einem  seiner  Soffrsgan* 
bisehöle  aa  dea  aStigen  Kieidiwgsftiioken  um  Sehutae  gsgsa  die 


DIB  PIpSTL.  PATEIMOinEN. 


86 


Weiter  wurden  groHse  Summen  zur  Untertt&iinng  des 
Kloster-  und  des  Mtochswesens  Terwandt  Es  mochte  diese 
Sorge  für  die  Klöster  bei  Gregor  dem  Grofsen  wolü  dsmit 

zusammeuhängeu,  dafs  er  selbst  aus  dem  Mönchssüvnde  her- 
Torgegangen  war.  Der  gewaltige  Eiiidruck,  den  das  Kioster- 
wesen  damals  in  Italien  ausübte,  hatte  auch  ihn  fortgerissen. 
Einen  auf  dem  Clivus  öcauri  belegenen  aniciscken  Palast 
wandelte  er  in  ein  Kloster  um,  welches  er  dem  Apostel  An- 
dreas weihtei  sechs  KUSster  errichtete  er  allein  auf  Sicilien  K 
Und  auch  als  Papst  hitrte  er  nicht  auf,  den  Ordensbestre* 
bnngen  rege  Förderung  zuteil  werden  zu  lassen.  Wir  hören 
verschiedentlich,  dafs  er  den  Bau  neuer  Kiustcr  mit  Jüi'er 
betreibt  *,  andere  wieder  mit  Unterstützungen  versieht  So 
Ueferte  er  oft  Unterhalt ,  Kleidung  und  Betten  für  Mönchs- 
und  Nonnenklöster  *f  ein  anderes  Mai  lieis  er  wieder  für 
aime  Mönche  Land  kaufen  ^  Wie  hohe  Summen  *  aus  dem 


Winterkulte  fehlte,  sandte  er  diesem  mehrere  wollene  Gewänder,  einem 
sadeniy  dem  Bisebi^  v«m  Closiumf  der  mhmt  Gesundheit  wegen  reiten 
sollte,  schenkte  er  ein  Pferd,  e£  Job.  Disc.  II,  27. 

1)  Cf.  Job.  Diso.  I,  6.  Eines  der  aieiliamsckea  KlSster  wer  des 
Kloster  Lncusisnum  bei  Psleroo,  cf.  Maur.  XI,  60;  1— E  1820. 

2)  Cf.  I-E  1120.  1221;  Msor.  I,  52;  HI,  17. 

8)  Cf.  I— £  1091.  1160.  1621;  Msor.  I,  24;  II,  4;  XU,  45.- 

4)  Cf.  I-£  1154.  1847.  1860.  1469;  Manr.  U,  1;  V,  82.  88» 
VII,  26. 

5)  Cf.  I-E  1630;  Maar.  X,  20. 

6)  Weitere  Beispiele  toq  Ausgaben  für  da«  Klostcrwesen  sind 
folgende:  Eicem  Kloster  in  Catana  sichert  Gregor  eine  jährliche  Unter- 
stützung von  10  Solidi  (122  M.  50  Pf,  cf  1-E  1888)  und  einigen 
Nonnen  in  Kola  eiiip  jährliche  Gabe  von  je  20  Solidi  (245  M.,  cf  1 — E 
1091),  nachden»  er  iliupn  zuvor  schon  4U  Goldsolidi  (490  M.}  geschenkt 
hatte.  Der  Abt  Eusebius  erhielt  100  Solidi  (1225  M.,  I— E  1184; 
Maur.  II,  3G),  der  Presbyter  Paulinus  und  zwei  Mönche  im  Kloster 
des  hlg.  Erafsnms  am  Borg  Soractc  je  2  Solidi  (24  M.  50  Pf,  cf  I— E 
1091;  Maur.  i,  21  \  Job.  Diao.  il.  5ä;.  Der  Abt  EliaH  in  Isanrien 
erhielt  ew  kostbare«  Eyangelicnbucb  und  72  Solidi  (882  M.  I— E 
1850;  Msor.  V,  88).  Wie  Gregor  auch  noch  in  anderer  Hinsicht  för 
den  OrdsDflstand  kein«  Mühs  vad  Kostsn  «eheate,  beweist  t.  B.  der 
Cntsttn  dafe  er  einmal  eine  Sklavin  Gateila  eioaig  ana  dem  Omnda 
ieekanllBn  lieft,  damit  aie  ihrem  Wnniehe,  in  ein  Kloeter  sa  treten» 
entqpiwben  kdnnte  (ef.  Manr.  DI,  40;  I— E  1844). 


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86 


SCHWARZLOSE, 


EirchenvennfSgeii  für  das  EJoBterwefloa  ▼«rwendei  wurden» 
dAB  zeigt  am  besten  die  UnterstfltBung  der  3000  Können, 

welche  sicli  zu  Gregor's  Zeit  in  l^ora  auiliieltcn.  Dieselben 
ernpfinjß^cn  nämlich  von  der  Kirche  zur  Beschaffung  von 
Bettzeug  allem  15  Ftund  Gold  (c.  13050  M.)  und  zudem 
noch  eine  jährliche  Summe  von  niciit  weniger  ab  80  Pfand 
Qold  (c.  71600  M.)  K 

Ebenso  wenig  ichonta  Gregor  die  Mittel  der  Kirche, 
wenn  es  galt,  die  Wohlthätigkeitaanstalien  zu  unterstützen, 
welche  die  christliche  Liebe  allenthalben  errichtete.  Nach 
Jerusalem  sandte  er  eme  grofbe  Summe  Geld  zur  Gründung 
eines  Hospitiums  ^ ,  dem  Abt  Johannes '  auf  dem  Berge 
Sinai  eine  Reihe  von  Betten  fUr  ein  Xenodochinm,  welches 
dieser  dort  eingerichtet  hatte.  In  derselben  Weise  liels  er 
Privaten  für  solche  Zwecke  die  Unterstfltzung  der  Kirche 
angedeihen  *.  Auch  in  Rom  gab  es  viele  solcher  Armen- 
häuser (diaconiae)  und  Pilgerherbergen  (XenoJochiu)  und 
zwar  standen  dieselben  zumeist  unter  der  Fürsorge  und 
Aufsicht  des  römischen  Bischofs^  welcher  daher  auch  die 
Leiter  derselben  zu  bestellen  hattet  Die  Kirche  sah  sich 
um  so  mehr  aar  Anlage  solcher  Herbeigen  veranlalst^  als 
von  Jahr  zu  Jahr  immer  mehr  Pilger  durch  die  Thore 
Roms  zogen,  um  die  heiligen  Gräber  der  Apostel  zu  be- 
suchen ^  Gregor  begünstigte  soiciie  Pilgerreisen.  Als  er 
hörte  ^,  dals  zwei  fromme  Frauen  Sardiniens,  Pompeiana  und 
Theodosia,  schon  lange  den  Wunsch  hegten ,  nach  Rom  zu 
wallfiediren ,  jedoch  ihrer  Armut  wegen  daran  verhindert 
seien,  wies  er  sofort  den  dortigen  Defensor  Sabinus  an,  ihnen 


1)  Cf.  I-E  1469;  Maar.  Vn,  86. 

fi)  Cf.  Job.  Dfau».  II,  59. 

6)  Cf.  I-E  1864;  tfaur.  Xn,  38. 

4)  Einem  ColoiMii  Aigentiua  auf  Sieiliea  lieft  er  s.  B.  snr  aas* 
gedeiinteien  Pflege  der  QastUehkeit  ein  Onmdttttek  anweisen,  welchea 
einen  jährlichen  Ertrag  m  10  SeheMa  biaehte.  Cf.  I— E  ]&61t 
Maar.  XI,  21. 

5)  Cf.  Job.  Diac.  II,  51. 

6)  CT  S.  Lranis  Op.  ed.  Ball.  I,  p.  444. 

7)  Cf.  I— E  1241)  Maar.  UI«  36. 


DIE  PiPSTL.  PATRIMOMIEK. 


87 


die  Mittel  eu  der  erwünschten  Reise  zu  gewähren.  Die 
Pilger^  welche  in  diefler  Weise  in  Rom  znaammenstrdmten, 
bewirtete  Ghregor  täglich  auf  Kosten  der  Kirche  K 

Weit  bedeutender  noch  ai8  diese  vuriibeigehenden  Ans- 
gaben,  welche  schon  Unsummen  verschlangen,  waren  aber 
sweifeliofl  diejenigen,  weiche  die  Kirche  für  die  Armenpiiege 
nachte. 

£e  ist  bekannt  and  bereits  an  anderem  Orte  mehrfiush  ans- 
geflüirt  *f  dafe  die  Armenpflege  in  den  christlichen  Gemdnden 
fiberhanpt  den  ersten  Anstofs  zu  einer  kirchlichen  VermögenB- 

bil'-luM;^:  g(;rebcii  hat,  und  dafs  nicht  die  wenigsten  der 
Schenkungen,  welche  die  Kirche  empting,  ihr  in  Ansehung 
des  woblthätigen  Gebrauchs  zuteil  geworden  waren,  den  ne 
mit  dem  JUirigen  machte.  Und  so  ist  denn  die  Fürsorge 
för  die  Armen  stets  eine  der  Haaptau%aben  der  Kirche 
gewesen.  In  der  rdmischen  Kirche  tritt  dieselbe  in  der 
alteren  Zeit  aus  dem  Grunde  mehr  hervor,  weil  ihr  Augen- 
üit  rk  damals  noch  nicht  in  dem  Mafse  wie  spätur  auf 
äulkere,  auf  politische  Ziele  gerichtet  war  und  sie  daher  für 
dieses  Gebiet  des  kirchliehen  Handelns  noch  eine  gröbere 
Snmme  ihrer  Cänkflnfle  anssetsen  konnte.  Unter  den  älteren 
Pipeten  hatte  Leo  I.'  mit  hervorragendem  Eifer  fUr  die 
Armen  der  Kirche  gesorgt,  schon  Pelagius  hatte  die  Ein- 
künfte des  galHschen  rutrimoniums,  als  die  Fluren  Italiens 
verwüstet  waren  und  keine  Frucht  trugen,  dazu  verwandt*, 
den  Mangel  und  die  Not  in  der  ätadt  Rom  zu  lindern,  doch 
steht  das^  was  sie  in  dieser  Hinsicht  gethaui  noch  weit  hinter 
den  Unsummen  zurdcki  welche  Gregor  im  Dienste  der 
Wohlthatigkeit  veransgabte. 

Bezeichnend  fUr  den  Eifer,  mit  welchem  er  der  Armen- 
pflege nachging,  ist  eine  Erzählung,  welche  uns  Johannes 

1)  Cf.  Job.  Diso.  II,  19:  ,,adYeiiia,  qoi  pro  conditioiie  tempomm 
Bomam  infliuerant,  cotidiana  stipendia  ministrabat 

2)  Vgl.  hierüber  die  Atuführungen  bei  Hatch-Harnack,  Die 
OesellAchaftsverÜMsxtng  der  christl.  Rircben  im  Altertum,  Gieliea 
1883,  fenicr  Schwarzlose  a.  a.  0.  S.  ö.  10  Anm.  3. 

3)  Cf.  ä.  Leonis  Op  ed.  Bali.  U,  p.  5M. 

4)  Cf.  I— K  943.  947. 


88 


fiCHWARZLOSEy 


Diaconus  überliefert  hat  V  Wir  ersehen  aus  derselben,  dafs 
Gregor,  in  dieser  Hinsicht  ganz  von  religiösen  Motiven  ge- 
leitet, bei  seiner  Sorge  für  die  Armen  die  wirtschaftliche 
Seite  weniger  berttokflichtigte.  Liest  man  in  dem  Register 
seiner  Briefe  die  vielen  Anweisungen,  weiche  er  snr  Unter* 
stQtsang  NoÜetdender  gab,  und  wie  sehr  er  oft  Summen  fort^ 
schenkte,  die  auch  fllr  die  damalige  Zdt  recht  hoch  waren, 
so  kanu  man  sich  des  Gedankens ^uicht  erwehren,  dais  die 
Kirche  selbst  dazu  beitrug,  sich  die  grofse  Annenmenge  zu 
erhalten,  welche ,  auf  die  Wohlthätigkeit  der  üirche  ver- 
trauend, ihre  Komyorräte  verzehrte. 

Und  wie  Ghregor  selbst  die  Übung  der  Barmhenigkeit 
ab  eine  seiner  Hauptpflichten  mohtete,  so-  hörte  er  auch 
nie  auf,  dieselbe  den  Ellerikem  und  Beamten  der  Kirche 
besonders  warm  ans  Herz  zu  legen.  So  war  in  der  Be- 
stalluugsformel  für  die  Defensoren  der  Sorge  iiir  die  Armen 
besonders  gedacht und  an  den  Subdiakon  Anthemius 
schreibt  er  sogar  einmal  ^,  dais  er  nicht  so  sehr  auf  Vorteil 
der  Kirche  als  auf  Linderung  der  Armut  sein  Augenmerk 
richten  solle.  —  Verschiedentlich  bcEeichnet  Gregor  den 
PatrimonialbeBita  schlechthin  als  res  paupemm  \  er  betrach* 
tete  somit  die  Armen  als  Subjekt  des  Kirchenvermögens. 

Bei  dieser  Anschauungsweise  werden  wir  uns  nicht  mehr 
darüber  wundern,  dafs  er  mit  vollen  Händen  spendete  und 
den  Unterhalt  vieler  aus  den  Mitteln  der  iürche  bestritt 
Seine  Briefe  sind,  wie  erwtthnt,  voll  von  Anweisungen 


1)  Joh.  Diac.  enXhIt  II,  29:  Als  Giegor  einst  hörte,  ein 
Bettler  ael  auf  enier  StiaTse  Borns  tot  au^gefnndeit  worden,  sehlois 
«r  aicli  in  dem  Wahne,  dafs  der  Tod  des  Annen  doreh  seinen 
llsagel  an  Fürsorge  herbeigeführt  sei,  einige  Tage  lang  ein  nnd 

wagte  nicht,  in  dlc-nr  Zeit  als  Priester  die  big.  Messe  zu  feiern. 

2)  Vgl.  S.  7G.  77,  a;  I-E  1341 ;  Maur.  V,  29;  I— E  1022;  Maur. 
XI,  38.  Cf.  I-£  1107.  1114.  11^.  1300. 1636;  Maur.  1,  39.  4&  67} 
IV,  28;  IX,  39. 

3)  Cf.  T  — E  1123;  Maur.  I,  55:  ,,to  sacpius  mouuisse  rne  mcniini, 
ut  illic  vier  unstrfi  non  tantam  pro  inilitatibus  KecleaiaBticis,  qaantum 
pro  Bublevaudis  pauperura  necessitatibus  fuugereris '  . 

4}  Cf.  1— E  1260.  1315,  1439  j  Maur.  III,  58}  iV,  4i>;  VI,  öö. 


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DIE  PÄPbTL.  PATUIMONIEN. 


89 


siir  Untentfttsung.    Diese  bestand  sowohl  in  Naturaliea 
als  in  Geld.    Er  selbst  lud  täglich  Arme  und  Fremde  zu 

sich  zu  Gftöte  *.  Sodann  fuhren  täglich  eigens  dazu  be- 
stimmte Wagen  mit  gekochten  Speisen  durch  alle  Strafsen 
der  ötadty  um  Kranken  und  Gebrechlichen  die  nötige  Nah- 
miig  SU  bringen.  Den  yerschämteren  Armen  aber  sandte  er» 
ehe  er  selbst  spebte^  eine  Schüssel  von  semem  Tische  unter 
dem  Kamen  einer  apostoÜBchen  Segensgabe  *.  Gewisse  Tage 
leidmete  der  mUdthfttige  Papst  dnrch  gane  besondere  Ghiben 
aus.  So  spendete  er  an  dun  Kaienden  cmcs  jeden  Monats 
den  Annen  der  Stadt  von  allem,  was  von  den  Pnti  imouien 
an  Naturalien  nach  Rom  geliefert  wurde.  Je  nach  der 
Jahreszeit  bestand  diese  Spende  in  Getreide,  Wein,  Käse, 

_  _      • « 

Gemüse,  Speck,  Wildpret,  Geflügel',  Fischen  oder  Ol.  Per- 
sonen von  gewissem  Rang  erfaidten  besonders  ansgewlüüte 
Gabens 

Wo  es  an  Kleidung  mangelte,  beschaffte  er  solche  aus 
den  Mitteln  der  Kirche.    Den  Söhnen  des  sicilischen  Ex- 


1)  Ein  Armer  blinder  Mann,  namens  Filimuth,  erhält  jährlich 
24  Scheffel  Weizen,  12  Scheffel  Bohnen  und  eine  bestimmte  Quan- 
tität Wein  (cf.  I  — E  1114),  ein  liünder,  uaui<;itB  Pastor,  jührlich  300 
Scheffel  Weizen  und  ♦•bensoviel  Bohnen  (cf.  I— E  1134),  Für  die 
Armen  seiner  Stadt  erhielt  der  Bischof  Zeno  2ÜU0  SchotlVd  Weizen 
(cf.  I— E  1383;  Maar.  VI,  4).  Ein  ins  Kloster  geschickter  Kleriker 
erhält  für  sich  nml  seinen  Diener,  was  er  an  Nahrung  und  Kleidung 
gebraucht  (cf.  1— K  108G;  Maur.  i,  18).  Bei  Eiuweiiiung  einer  Kirche 
UeA  Gregor  durch  den  Subdiakon  Petrus  (cf  I— E  1124;  Maur.  I,  5ü) 
„In  auro  Bolido«  deoem,  Tint  amphonis  triginta,  agnos  ducoitMi  olei 
oreM  duM,  berbioes  doodeeim,  gallinaa  ceotam**  an  die  Armen  ver* 
teilen. 

S)  Joh.  Diae.  II,  22.  Bkr  iet  auch  die  Legende  von  tonet  Er- 
adiemmig  des  Herrn  ersülitt. 

3)  Joh.  Diac.  11 ,  2ö.  Auch  sonst  hob  er  dicüc  iu  sciucu  An- 
weisungen speziell  hervor,  wie  er  denn  s.  B*  in  einem  Briefe  aus- 
dr8«k]idi  f&r  die  Vendkimteii  die  Snmtiie  ▼on  IM  SoUdi  (1887  M. 
60  Pf,)  besümmte.  Cf.  1811;  lianr.  XI,  84:  „homiiiibiu  bo- 
nefCie  ae  egenia,  qnoa  publice  petere  Tereenndia  aon  permittit,  solidi 
eeutam  qninqnaginta'** 

4)  er.  Jek  Diao.  n,  26.  Vgl.  &  7a 


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90 


SCHWAUZLOSE^ 


prätors  LibertiniiB  Übenuidte  ^  er  20  Kleider,  und  als  er 

hörte,  dafs  es  in  Curaica  den  Tiiut Jiugeii  au  den  nötigen 
Taufgewätideru  ieiiite,  schickte  er  dem  dortigen  Bischof 
Petrus  sofort  50  Solidi '  (c  613  M.)^  um  die  Kleiduug  zu 
beschaffen 

In  den  meuten  FftUen  spendete  er  jedoch  Geld,  und  es 
waren  cumebt  bedeutende  Sununen,  welche  er  aus  dem  Ver- 
mögen der  Kirche  fortschenkte  Besonders  bemerkenswert 
ist  dabei,  dafa  die  Spenden  Gregor'»  sehr  oft  nicht  vorüber- 
gehende waren,  eondem  gewissermafsen  in  jährlichen  Pen- 
sionen bestanden,  zu  deren  Zahlung  er  die  Kirchenkaase 
anwies;  und  wenn  wir  nur  die  uns  erhaltenen  Berichte  sol* 
eher  jährlich  auigesetsten  Untersilltaungen  susammennehmen, 
so  ergiebt  sich  schon  eine  ganz  betriichtliche  Summet 

In  derselben  ^V''ei8e  bestritt  er  aus  den  Mitteln  der  Kirche 
die  Unterstützung  von  Waisen  ^  und  den  Loskauf  von  Ge- 
fangenen ^   bpezieli  zu  dem  letzteren  Zweck  sandte  er  den 


1)  Cf  1-E  1781. 

2)  Cf.  I-E  H88;  Maur.  VIII,  1. 

3)  In  derselben  Weise  besorgte  er  für  einige  bekehrte  Juden  die 
Taufgcwändcr,  vgl.  Joh.  Diac.  II,  49.  Ebenso  wies  er  iu  Gallien  den 
Presbjrter  Candidus  an,  von  den  Krtrü^rn  des  dortigen  Patrimouiums 
nach  Bedürfen  Kleider  für  die  Ann*  ]i  aazuschatfeu,  cf.  1-K  !3Sn. 

1)  Beispielsweise  seien  hier  einige  solcher  Unterstützungen  liirch 
Geld  aufgeführt.  Drei  Juden,  welche  zum  Christentum  übergetreten 
waren,  erhielten  jährlich  je  einen  Solidus  (12  M.  25  Pf.).  Albinus, 
der  blinde  Sohn  eines  Kolonen,  empfing  jilirlieh  2  Tremissen,  ein  ge- 
wisser Johannes  jährlich  «  Solidi,  cf  I-I-  l:iü3  —  1300  —  1418; 
Maur.  VI,  3Ü.  Einer  vornehmen  Frau,  namens  Talatina,  die  in  Nut 
geraten  war,  wies  er  eine  jährliche  Qabe  von  30  Solidi  (367  M. 
60  Pf.)  an,  cf.  I— £  1127.  Noch  bedeateuder  war  die  Unter- 
■tfitsiuig,  welche  drei  Witwen  in  Oampamen  dnieh  die  Hud  des  Snb- 
diakone  Antbemiiis  erldelten:  Pateria  empfing  40  Solidi  (400  M.)  und 
400  Seheffbl  Weiaen,  Palatina  20  SoUdi  (245  Bl)  und  800  8eli«0U 
Weisen,  Vi?iaaa  ebeafUla  20  Solidi  und  BOOSefaeflbl  Weiaen,  cf.  Maar. 
I,  89;  I-£  1107.  Den  Armen  SicOiene  sehenkte  er  anf  einmal  die 
Summe  ron  80  Solidi  (3675  M.X  cf.  Maar.  U,  82;  I-E  1186. 

5)  Vgl.  S.  89.  90. 

6)  Cf.  I-E  1574.  1726;  Maar.  IX,  26.  40. 
7}  Cf.  I-E  1467;  Manr.  VII,  24. 


DIE  PÄPSTL.  PATBIMOKIEN. 


91 


Presbyter  Valeriantis  umher  ^  Und  nicht  blofs  Freien,  son- 
dern auch  Sklaven  erkaufte  er  die  Freiheit  *. 

Wir  sehen  also,  Gregor  der  Groiäc  verwendete  die  Güter 
der  Kirche  gewissenhaft  im  Sinne  der  Schenkung.  Bereits 
früher  ist  erw&hnt  worden  dass  er«  als  die  Not  in  Rom 
besonders  grofb  war,  auf  einmal  aus  Sicilien  allein  Ain&ig 
Pfund  Qold  (c  73500  M.)  Getreide  an  der  pflichtmftTsig 
dngekommeoen  Kommasse  hinaukaiifk».  „Die  rOmiBclie 
Kirche  war  in  der  That  der  allen  offenateLeiide  Kornboden" 
nnd  Gregor  konnte  zweifellos  mit  Recht  ms^en,  dafs  die 
Kirche  nicht  blofs  für  die  Kleriker  und  Armen,  nein,  iur 
das  ganze  Volk  so  unautliörlich  viel  verschwende  K 

Za  den  bisher  genannten  traten  nun  noch  die  versehie- 
densten  Ausgaben  der  Kirche  &r  äuAere  Angelegenheiten, 
fkir  Hiisionsswecke  und  für  Erhaltung  des  politischen  Frie- 
dens. 

Hierher  gehört  z.  B.  die  Unterhaltung  der  beiden  Ge- 
sandten, durch  welche  sich  die  röuiische  Kirche  aufserhalb 
vertreten  Uels.  Sowohl  in  Ravenna  beim  Exarchen  aU  in 
Konstantinopel  beim  Kaiser  hatte  sie  beständig  einen  Apo- 
krisiariua.  Verursachte  auch  die  Unterhaltung  solcher  diplo- 
matischen Agenten  der  rdmischen  Kirche  damals  noch  lange 
nicht  die  Unkosten,  welche  ihre  späteren  politischen  Be- 
strebungen notwendig  mit  sich  brachten,  so  führten  doch 
diese  Legationen  immerhin  schon  eine  bedeutende  Erhöhung 
der  Ausgaben  herbei.  Ich  erinnere  hier  nur  an  die  Reiae- 
koeten,  die  Boten,  welche  bin  und  her  die  Meldungen  be- 
sorgten, die  Begleitung,  welche  ein  Apokrisiarius  notwendiger- 
weise bei  sich  hatte,  und  an  das  Beamtenpenonal,  welches 
beim  Wachsen  der  ftufseren  Politik  In  Rom  mehr  angestellt 
werden  mulste. 


1)  Cf.  Maur.  III,  1»3;  I-E  1220. 

2)  Cf.  Maur.  VI,  3ä;  I— £  1412. 

3)  Vgl.  S.  70.  4.    I-E  1139. 

4)  Cf  Joh.  Dme.  II,  2G :  „ita  ut  nihil  aliud,  quam  communis 
quiiLilaai  horrea,  commuuia  puUrctur  Kcciesia". 

5)  Vgl.  S.  82,  2. 


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92 


8CHWARZL0£>fc;, 


Aafflerdem  sdiemen  Gaben  der  Kirche  an  das  officium 

der  kaiserlichen  Prätoren  gewohnheitsmärsig  gewesen  zu  sein. 
Wenigstens  bezeichnet  ein  nach  bicilien  gerichteter  Brief 
Gregor  s  kleine  Geschenke  au  dasaeibe  ab  eine  antiqua  con* 
9uetudo  ^ 

Auch  das  Missionswerk  in  England  beatritt  der  rdmiache 
Stuhl  einzig  aus  sdnen  Mitteln ,  indem  er  die  dorthin  ab- 
gehenden Mifleionare  mit  allem  ausstattete^  was  sur  Einrioh» 

tung  von  Kirchen  und  für  den  Kultus  nötig  war.  Schmuck- 
gegenßtiiiMi*  liir  die  Gotteshäuser,  Ge^^  iMder  lur  die  Geist- 
lichen, lieiic^uien  und  Jiücher  lieterteu  die  Päpste  wiederholt 
iür  die  neugegründeten  angelsächsischen  Gemeinden 

^  Endlich  kamen  zu  allen  diesen  Ausgaben  noch  die  Sum* 
men,  welche  die  Kirche  aufwenden  muiiite,  um  einigermalseii 
von  den  Kri^gssügen  der  Langobarden  Terschont  au  bleiben. 
Die  letzten  drei  Jahrzehnte  des  sechsten  Jahrhunderts  hatte 
sie  besonders  unter  ihn^n  Kaubzü^en  zu  leiden  gehabt.  Schou 
Gregor's  Vorgänger,  Pclagius  II.,  hatte  sich  zur  Zahlung^ 
von  30UÜ  Piund  Gold  (c.  2  610ÜUÜ  M.)  bequemen  müssen^. 
Unter  dem  Pontifikat  Gregorys  I.  war  es  König  Agilulf, 
welcher  das  wehrloee  Rom  mit  seinen  Waffen  bedrohte. 
Qregor  selbst  schreibt  darüber  im  Jahre  595  an  die  Kaiserin 
Gonstantina  ^:  „Seit  27  Jahren  leben  wir  in  dieser  Stadt 
unter  den  Schwertern  der  Langobarden,  und  wir  brauchen 
nicht  zu  sagen,  wie  viel  ihnen  täglich  von  der  Kirche  ge- 
zahlt wird,  um  unter  ihnen  leben  zu  kötiueu.  Um  es  kurz 
zu  bezeiclmen:  Wie  der  Kaiser  zu  Ravenna  bei  dem  ersten 
Heere  Italiens  einen  Schatzmeister  hat,  welcher  in  yorkommen- 
den  Umstanden  die  nötigen  Ausgaben  besorgt,  so  bin  ich  in 
solchen  Fällen  in  dieser  Stadt  sein  Zahlmeister.''  So  war 
also  dem  Seckel  der  römischen  Kirche  auch  der  Abzug  der 
Langobarduu  uud  der  politische  i'  riede  zu  vurdauken. 


1)  Cf.  Maur.  II,  32;  I-E  1186. 

2)  Cf,  Joh.  Diac  II,  37. 

3)  Vgl.  Gregorovius  a.  a.  0.  Ö.  16.  Cf.  Menander  Ezcerpt^ 
p.  126. 

4)  et  Maar.  Y,  21 ;  I-E  1862. 


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DIE  PÄPSTL.  rATKlMOMLN. 


93 


Dies  dürften  die  hauptsächlichsten  Ausgaben  sein,  welche 
wir  für  die  Zeit  Gregor's  1.  noch  heute  nachzuweisen  ver- 
mögen. Schon  ihre  ZiisammensteUung  i^.eigt,  dafs  der  Eurche 
SU  ihrer  Bestreitung  ungeheuere  Kapitaheu  zur  Verfügung 
gestanden  haben  müssen. 

Da  aber  die  Nachrichten,  welche  wir  über  die  Ausgaben 
haben,  doch  keineswegs  zu  dem  Zwecke  gegeben  sind,  der 
Nachwelt  über  die  WirtschaftsTerhftltnisse  der  römischen 
Kirche  genaue  Rechenschaft  zu  geben,  sondern  nur  gelegent- 
Lche  fiiud,  so  liep^t  auf  der  ITand,  dafa  uns  bei  weitem  nicht 
alle  Summen  überiietert  sind,  weiche  der  Schatz  der  Kirche 
damals  zu  bestreiten  hatte.  Vielmehr  wie  sich  hinsichtlich 
des  Grundbeaitses  St  Peters  bemerken  läfst  ^,  dafs  die  wirk- 
liche Ausdehnung  desselben  den  uns  überlieferten  Besitzstand 
noch  wmi  übertroffen  hat,  so  und  zweifellos  auch  die  Aus^ 
gaben  der  rfhnisehen  Kirche  damals  noch  weit  bedeutender 
gewesen^  aLs       uns  aus  unseren  (Quellen  entgep^entritt. 

Sind  uns  nun  auch  zufUllig  über  das  römische  Kirchen- 
vemiügen  aus  der  Zeit  Gregor  s  1.  zahlreichere  Nachrichten  er- 
halten als  aus  dem  Pontifikate  eines  der  nächstfolgenden  Päpste, 
io  ist  doch  sein  Pontifikat,  was  diese  Seite  anlangt  ein  Bei* 
spiel  für  alle  anderen,  und  die  Summen,  welche  die  Kirche 
in  diesem  und  dem  folgenden  Jahrhundert  zu  ihrer  Erhal- 
tung und  Förderung  gebrauchte,  werden  von  geringen  Modi- 
ükatiouen,  wie  sie  die  veränderten  Zeitumstände  mit  sich 
brachten,  abgesehen,  ziemlich  dieselben  geblieben  sein.  Mit 
mehr  Wahrscheinlichkeit  werden  wir  wohl  sogar  behaupten 
kiSnnen,  dafs  das  Wachstum  der  römischen  Kirche  und  die 
neuen  Aufgaben  und  Ziele,  welche  sie  sich  steckte,  not- 
wendigerweise dne  Vergrölserung  der  an  sie  gestellten  An- 
Ibrdemngen  im  Gefolge  gehabt  haben. 

Aber  sind  eu  denn  nun  wirklich  allein  die  ratriiiiuiiieu 
gewcbcii ,  ^\  eiche  der  Kirche  zur  Bestreitung  so  gewaltiger 
Ausgaben  die  Mittel  an  die  Hand  gegeben  haben? 

Offenbar  haben  die  Kollekten  und  ä^iwilligen  Oblagtionen, 
wie  in  den  ersten  Jahrhunderten,  so  auch  in  der  von  uns 


1)  Vgl.  a  eh  war  s  lose  a.  a.  O.  8^  81 


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94 


SCHWARZLOSBy 


behandelten  Periode  der  Kirche  fortwährend  nicht  nnbedeu- 
tende  Summen  sur  Verfügung  gestellt  und  ihr  ao  in  finan- 
zidler  Beraehfm^  manche  Erlachterung  gewährt  K  Die 

Kirche  hatte  üIm  i  haujit  im  Lauie  der  Zeit  ziemlich  l)edeu- 
tende  Kapitalien  gesammelt  und,  wie  wir  aus  verschiedeiieu 
Nachrichten  ersehen,  existierte  auch  zu  Kom  ein  Kirchen« 
schätz  %  jedoch  erlaubte  das  schon  damals  bestehende  Zins- 
yerbot  es  nichts  dieses  Kapital  nutzbar  zu  machen.  Wir 
werden  demnach  behaupten  dtirfen,  dafs  alle  freiwilligen 
Gaben,  welche  der  Kirche  zuflössen,  immer  nur  nebensäch- 
liche Bedeutung  behalten  konnten,  da  sowohl  die  Hrihe  ala 
die  Zeit  ihres  Einkommens  stets  aulser  jeder  Berechnung 
blieb. 

Von  anderen  Nebeneinnahmen  standen  der  Kirche  da- 
mals nur  wenige  und  auch  diese  nur  in  untergeordneter 
Weise  zugebote.   Die  Gaben  z.  R  ftlr  die  Ordination  und 

lUr  Verleihung  des  Palhums,  welche  in  späteren  Jalirhun- 
derten  unglaubiiilic  Suiimieu  nach  Rom  tührten'  ,  nahmen 
in  der  von  uns  betrachteten  Zeit  noch  eine  sehr  unter- 
georduete  Bedeutung  im  päpstlichen  Finanzwesen  ein.  Mögen 
diese  Einnahmequellen  schon  vor  Gregor  L  bestanden  haben 
und  nach  seuoiem  Fontifikat  aUmählich  zu  feststehenden  ge* 
worden  sein,  so  wies  doch  Gbegor  selbst  dieselben  ausdrück- 
lich von  sich.  Auf  einer  am  5.  Juli  595  zu  Kom  gehaltenen 
Synode*  verbot  er  auf  das  bestimmteste,  irgendetwas  für 
die  Ordination  oder  für  Verleihung  des  Palliums  zu  nehmen, 
auch  nicht  unter  dem  Verwände  eines   Pasteilum''  \  £benao 


1)  Bebpielsiveiae  sei  hier  nor  an  eine  Gabe  ans  den  Tagen  Gre- 
gorys des  Grofsen  erinnert,  wo  eine  reiche  Fran,  nsment  Bntticisaa» 

auf  einmal  allein  zum  Loskauf  von  Gefangenen  die  Summe  Ten 
10  Pfil.  Gold  (8700  M.)  ftberaandte»  cf.  I-£  1510.  Vgl.  Sehwars- 
lose  a.  a.  0.  S.  10. 

2)  Vgl.  GrcgorOTios  a.  a.  0.  S.  146. 

3)  Vgl.  Woker  a.  a,  0.  S.  9-25. 

4)  Cf.  Job.  Diac.  III,  5:  „pro  ordinatione  ergo,  vel  usu  Pallii, 
sea  chartis  atque  pastcüis  cumdem  qui  ordinandus  est  Tel  ordioatnr^ 
omaino  aliquid  dare  prohibco". 

5)  pasUüum  d.  i  eine  Gabe  für  das  Gastmahl. 


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DIE  PÄPSTL.  PATKIMONIiilN 


95 


nabln  er  auch  kern  €^Id  Air  Ertritge  der  rtonadien  Kirchen- 

güter,  welche  von  anderen  Kirchen  käuflicii  begehrt  wur- 
den ^ 

Für  die  Zeit  Gregorys  hätten  wir  somit  nachgewiesen, 
daü»  ihm  zur  Bestreitung  aller  der  Kirche  obliegenden  Aus* 
gaben,  abgesehen  von  den  ^ergleichswdise  kleinen  freiwiltigen 
ObJationen,  keine  anderen  Mittel  zngebote  standen  als  die 
Knkftnfte  ans  den  Patrimonien.  Hierfür  möchte  anlserdem 
noch  der  Umstand  beweisend  sein,  dafs  die  meisten  Unter- 
stützungen mit  Naturalien  oder  mit  Geld  nicht  von  Rom 
ans  verteilt  und  ausgezahlt  wurden,  sondern  fast  iinuier  von 
einem  rectm'  patrimmiii  aus  den  Mitteln  derjenigen  Guts- 
kasse  bestritten  wurden,  in  deren  Bereich  der  EmpfUnger  der 
Qabe  ansilssag  war  Die  Rektoren  der  Patrimonien  hatten 
alsdann,  was  ans  mehreren  Nachrichten  erhellt»  diese  ans- 
gesafalten  Unterstützungen  bei  ihrem  Rechenschaftsbericht 
jedesmal  mit  in  Anrechnung  zu  bringen  ^. 

Und  da  auch  andere  EiuMalunf^quellen  der  römischen 
Kirche,  wie  der  Peterspfennig  *,  die  Gebuhren  lur  Bestätigung 
Ton  Kiostergut  oder  die  jährlichen  Abgaben  eines  Klosters 
Dir  Aofiaahme  in  die  Mda  der  römischen  Kirche*,  erst 


1)  So  sandte  er  s.  B.  ao  den  Bischof  von  Aleundilsn  tiae 
Sehifiladang  Hols,  ohne  Irgendwie  Geld  daför  sa  nehmen»  ef.  Joh. 
Biae.  lU,  26. 

2)  Cf.  I-£  1091.  1114.  1124.  1184  1189. 1800. 1808. 1888. 1886. 
1661.  1599.  1663.  1781. 

8)  Cf.  Maur.  II,  1 :  „  sciturus  tuis  esse  rationibos  qoidquid  nostrs 
ptaeceptione  praeboeris  imputandum I,  24:  ^wtA  et  daobus  mo- 

naehis  in  oratcmo  binos  solidos  dare  praecipimtifl ,  qui  et  ipsi 

tuis  rationibus  impntentur''.  IX,  39:  „et  tu  quod  dederis,  tnis  sine 
dubio  noTcris  rationibus  imputandum ".    C'f.  ITI,  58. 

4'  Ofnvolil  eine  genaue  UntorsiK-liung  des  Peterspfennigs  einer 
weiten  n  Arbeit  vorbehalten  bleiben  mula,  so  «ei  doch  hier  gesagt, 
dafs  wir  (jt?n  Poterspf'^imip  frühestens  iu  das  Jahr  728  in  die  Regie- 
rung 1»  s  Königs  Ina  von  Wesscx  setzen  können;  sicher  ist  er  erst 
Bfcit  Kunig  Offa  (f  796)  nach  Kom  ge/iahii.  \  gl.  Spittler,  Die 
Ziusbarkeit  der  nordischen  Keiche  an  den  päpstlichen  Stuhl,  S.  145 
bis  147. 

5)  Die  eiste  sotefaer  OQtsrkonfirmstionen  daes  Klostsn  für  Geld 


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SCUWAUmjSE, 


mehr  als  ein  Jahrhundert  nach  Gregor  L  nch  aofthsten,  bo 

bleibt  uns  nichts  übrip^^  als  in  den  Patrimonien  bis  zur 
Gründung  des  Kiiciicustaates  die  Haupteiunahmequeile  der 
römiflchen  Kirche  zvl  suchen. 

lU. 

Erscheint  die  Aufgabe  dieser  Abhandlung  hiermit  im 
grofsen  als  abgeschlossen,  so  kann  ich  es  doch,  um  ein  Ge- 

Faiutbild  von  der  Geschichte  und  von  dem  Werte  der  Patri- 
monien zw  geben,  nicht  unterlassen,  noch  einige  abschliefsende 
Bemerkungen  über  iiire  weiteren  Schicksale  hinzuzuliigeni 
zumal  ihre  finanzielle  Bedeutung  wesentlich  durch  dieselben 
beeinfluist  und  verändert  wurde.  Und  swar  habe  ich  hier 
einmal  die  Verftndemngen  im  Auge,  welche  der  Patrimonial- 
besils  der  römischen  Kirche  vor  Bildung  des  Kirchenstaates 
erfuhr,  zum  andern  einige  neue  Erwerbungiu,  die  zwar  der 
Zeit  nnch  nicht  in  den  Rahmen  der  von  mir  behandelten 
Periode  hincinp;eiir)ren,  jedoch  in  einer  Erörterung  über  die 
römischen  Patrimonien  lun  so  weniger  fehlen  dtirt'en,  als  sie 
in  einer  Geschichte  des  Kirchenstaates  —  wiewohl  an  sich 
interessant  —  kaum  genügend  erwidmt  und  gewertet  wer- 
den könnten.  Bereits  Mher  ist  es  berührt  worden  S  daia 
sich  der  römische  Stuhl  nicht  ungestört  seines  Grundbesitses 
erfreut  hat,  und  manches  Patrimonium  zählte  nicht  mehr 
zum  Besitzstände  der  römischen  Kirche,  als  es  zur  Bildung 


liegt  uns  vor  aus  dem  Pontifikat  Paula  I.  (767—767) ,  cf.  I— E  2544. 
Seit  dem  zelmtcn  Jahrhundert  werden  die  Gebühren  fiir  diese  K<mr 
firmationen  schon  eine  wictitigerc  Einnahmequelle  des  röm.  Stuhle», 
cf.  I— E  8588.  3589.    Etwas  später  und  noch  ergiebiger  sind 

die  Einnahmen,  wrtchp  (Ipih  nun.  Stuhl  ilarniis  erwiich^PTi ,  dafs  er 
KUister  gegen  eine  be.stinjmt»' jährliche  Abf::il»('  unter  seitien  spi.-zielleu 
Schutz  stellte.  Begegnet  uns  diefH*  Aufnahnje  eines  Klosters  in  die 
tuteia  oder  fwotectio  des  röm.  Stuhles  auch  sclion  im  neunten  Jahr- 
hundert (cf.  1~E  iilHlj  aus  dem  Jahre  878),  so  wird  sie  doch  erst 
seit  dem  Pontifikat  Urbans  11.  (IUb8— 1UÜ9)  und  noch  mehr  seit  Pa- 
sshtlis  IL  (1099—1118)  au  eiiier  HsapteumahmequcUo  des  Stahles 
Ptotd,  ef.  I-E  6782.  6766.  6917.  6960.  6969  u.  ö. 
1)  Vgl.  8.  81,  6. 


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DIE  rÄPSTL.  PATRIMONIEN. 


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des  KirehenstaateB  kam.  Abgesehen  von  kldneren  Verliwtai 

an  Grund  und  Boden,  welche  zweifellos  die  fortwährenden 
Eroberun^szüge  der  Langobarden,  die  sich  bis  in  das  Herz 
Italiens  hiu«'iu  Bahn  brachen,  mit  sich  brachten,  gingen  auch 
gaoae  Patrimonien  mit  einemmale  der  römiscben  Kirche  Ter- 
loran. 

Der  scfamendichBla  Verlust  war  för  die  römische  Kirche 
die  Einriehnng  der  ddUachen  und  calabiiBchen  Patrimomeii 
durch  Leo  den  Imurier  (717—741)  *  im  Laufe  der  Büder- 

atrcitigkeiteu.  Der  Kaiser  vei mehrte  dadurch ,  wie  schon 
oben  berichtet,  s  iue  jährlichen  Einkünlte  um  dreieinhalb 
Talente  K  Zu  gleicher  Zeit  gingen  auch  die  in  Illyrien  und 
Dalmatien  gdegenen  Patrimonien  dem  römischen  Stuhl  ver- 
loren ^  und  zwar  infolge  der  Losreilaang  der  Metropolitan* 
besirke  Illyrien ^  Achaja,  Epirus  und  Thessalien,  durch 
welche  Leo  den  römischen  Patriarchen  bestrafte'. 

Da  wir  in  der  späteren  Zeit  nie  wieder  etwas  von  Jen 
orientalischen ,  den  afrikanischen  und  den  südgallischen  Be- 
sitzungen der  römischen  Kirche  hören,  so  dürteu  wir  wohl 
vermuten,  dafs  sie  ihr  ebenfalls  entrissen  worden  sind. 
Ihr  Verlust  wird  mit  den  Eroberungen  der  arabischen  Mo- 
hammedaner susammenhttngen.  Seit  Mitte  des  siebenten  Jahr- 
hunderts begannen  ihre  grofsartigen  Eroherungszüge  unter 
der  glänzenden  Herrschaft  der  Ommaijaden.  Sie  besetzten 
fast  ganz  Kleinasien,  unterwarfen  sich  gegen  70ü  unter  Musa 
das  byzantinische  Afrika  und  drangen  am  Anfang  des  achten 
Jahrhunderts  durch  «Spanien  bis  in  das  südliche  Qallien  vor. 
Vielleicht  gingen  durch  ihren  Ansturm  nicht  nur  die  drei 
genannten  y  sondern  auch  das  sardinische  und  coraische 
Patrimonium  der  Kirche  verloren. 

Inzwischen  hatten  aber  die  Besitaungen  des  römischen 
Stuhles  in  iulieii  selbst  einige  Erweiterungen  erfahren.  Frei- 
lich gegen  jene  Verluste  mochten  die  ersten  neuen  Erwer- 


1)  Vgl.  S.  82. 

2)  Vgl.  S.  70.  71,  3.  Gregorüviua  a.  a.  ü.  S.  25i.  255;  Arm- 
brust a.  a.  0.  S.  36. 

8}  Vgl.  Gfrörer,  KhcbengMehiebte  III»  180. 
Xdtoekr.  L  K.-0.  XL  1. 

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98 


SCUWAKZLOSE^ 


bimgcn  gering  encheiiieo.  Was  war  Satri  \  nach  Born  die 
erste  Stadt  dee  sich  bOdenden  Kircheiutaates,  g^en  das 

alrikauische,  wab  war  Gallese*  gegen  das  siciliöche  Patri- 
monium !  Und  doch  trugen  gerade  diese  neuen  Erwerbungen 
zur  Bildung  des  Kirchenstaates  bei.  überhaupt  konnte  ea 
bei  den  politischen  VerhäLtnisBen  Italiens  nnd  bei  dem  wach- 
senden Ansahen  des  römischen  Stahles  nicht  ausbleiben^  dafii 
der  wohlorganisierte  Verband  der  römischen  Patrimonien 
allmählich  nach  einer  festeren  Form  verlangte.  Die  Patri- 
monien trugen  den  Keim  des  Staates  in  sich;  es  fehlte  nur 
noch  der  äufsere  Austofs,  und  aus  den  Patrimonien 
wurde  das  Patrimonium  SiPetrL  Wie  bekannt,  gab 
den  Anlafii  sur  Begründung  des  Kirchenstaates  die  Verbin- 
dung des  Papsttums  mit  den  frttnkischen  Pippiniden.  Mit 
dem  Jahre  766,  wo  durch  Pippin  Exarohat,  Pentapolis  und 
mehi'ere  Städte  der  Aemilia  an  Papst  Stephan  III,  geschenkt 
wurden,  besannt  eine  neue  Periode  des  Papstturas. 

Mit  der  üründung  des  Kirchenstaates  hatte  das  Papst- 
tum eine  neue  materielle  Grundlage  erhalten ;  die  Patrimonien 
hörten  auf,  eine  selbstllodige  BoUe  au  spieleui  sie  gingen  auf 
im  Kirchenstaat 

Das  Interesse  des  römischen  Stuhles  wandte  sich  nun- 
mehr der  Befestigung  und  Erweiterung  dieses  seines  Staates 
zu.  Dennoch  finden  wir  auch  nach  Gründung  des  Kirchen- 
staates noch  manche  Erwerbungen  von  der  Natur  der 
früheren  Patrimonien^  und  diese  werden  wohl  überhaupt  nie 
aufgehört  haben.  Von  höchstem  Interesse  ist  es  au  kon- 
statieren, dafii  Petri  Stuhl  aeitweilig  nicht  nur  in  Burgund  ^ 
Grundbesitz  besafs,  sondern  im  neunten  Jahrhundert  unter 


1)  Dieie  Stadt  scheiikte  der  Lsngobardeaköiug  Utttpiand  kiaft 
dst  Bsehtes  der  Erobening  sn  Papst  Oiegor  II.  Vgl  GregoroTtna 
a.  a.  0.  S.  265. 

2)  Gregor  IIL  gewann  die  Burg  Qallese  vom  Hosog  Thnusaiaad 
von  Spoleto  gsgsa  eme  Abstandsmiiiiiie.  Vgl.  GregorOTiua  a.a.O. 

8.  277. 

3)  Of.  U.  O.  SS.  XXIV.  £x  bist.  S.  Arn.  Mett  p.529  heilst  es 
voa  DrogO)  archiepiaQopiia  et  Meri  palatii  capellanos  „obiit  6  Idas 
Deeembria  in  Bargnndla»  predio  S.  Petri  Numeriaoo  dieto^. 


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DIE  PÄPSTL.  PATJEUMO^iEN. 


dem  Ponttfikate  IKkolaiu  1.  (858 — 867)  auch  in  Äleman- 

nien  und  Bayern  einige  Patrimomen  liegen  hattet  Letz- 
tere waren  wahrscheinlich  ein  Geschenk  der  bayerischen 
Herzogsfamilie  der  Agilolfinger,  welche  nach  Annahme  des 
Christentums  mehrfach  mit  dem  römiBcbea  Stahl  BesiehuDg 
anknüpften  K 

Dafii  aueh  in  ipäierer  Zeit  solche  Schenkungen  nicht 
anfhdrten^  bewttat  z.  B.  die  bedeutende  Schenknng,  welche 

Wilhelm,  der  Sohn  des  Herzogs  Roger  von  Apulien,  dem 
Papst  Honorius  II.  (1124 — 1130)  machte.  Alles,  was  er  an 
bewegliclier  und  unbeweglicher  Habe  in  Apuiien  besafs,  wies 
er  testamentarisch  dem  Apostel  Petras  and  seinem  Stell* 
Tertreter  zum  beständigen  Besitz  an 

Und  niemals  haben  die  Päpste  aofgehttrt,  auf  ihren  Gbnnd- 
beeitz  den  grölsten  Wert  zu  legen.  Das  Mittelalter  ist  tcU 
▼on  Veriumdlungen  zwischen  Papst  und  Kaiser  über  die 
Frage  nach  „Dciu  und  Mein"*.  Gelten  dies(3  Verhand- 
lune^en  auch  meistenteils  dem  Patrimonium  St.  Petri  als 
Ganzem,  dem  Kirchenstaat,  so  finden  sich  doch  auch  in  dieser 
Zeit  noch  Bestimmungen,  welche  die  Fürsorge  der  P&pste 
ftr  die  einzelnen  Patrimonien  an  den  Tag  legen.  Ich  Ter* 
weise  nur  auf  die  Synodalbestiminung  Ghregor's  VH.  yom 
19*  Noyember  1078  ^ 


1)  Cf.  Htncm.  ia  M.  G.  SS.  I,  p.  4ßB,  Hier  hdlkt  es  von  Ax^ 
seniusi  dem  AbgeBudten  des  Papstss  Nikolaus  I.  „iode  per  AJamim^ 
niem  et  BaioairiBm  pro  reoipiendis  esdense  h,  Pelri  in  eisdem  regioiil- 

bas  coniacentiboa  Bomam  redit'S 

2)  Cf.  Lib.  pont.  vit.  Greg.  II.  ed.  Duch.  p.  398:  „Theodo  qn^ppe 
duz  geotis  Baioarionun  ad  apostoU  b.  Petri  luaina  primos  de  genta 

eadem  occnrrit  orationis  voto". 

3)  Cf.  Gcoeal.  comit.  Flaudr.  in  M.  G.  SS.  IX,  p.  321. 

4;  Cf  Cour,  de  Fab.  in  M  G.  SS.  II,  p.  170;  Anselm.  Cont.  in 
M.  G.  SS.  VI,  p-  378:,  Kichcri  Gcsta  Sen.  Eccl.  i.  M.  a  XXV, 
p.  291 — 293  ist  es  iatereaaaut,  das  Patrimonium  der  römischen 
Kirche  nicht  blofs  als  „Patrimonium  b.  Petri  apostoli'*,  sondern 
ab  „putrtmomuin  Jhesu  Chrhii"  bezeichnet  zu  finden.  Cf.  Ex  "WiL 
Britt.  Gest.  i.  M.  G.  SS.  XXVI,  p.  362.  304. 

5)  Ct.  liügoiiib  Uhr.  i.  M.  G.  SS.  VIU,  p.  424:  „Si  qiüs  praedia 
b.  Petri  apostolomm  principis  ubicimque  poaita  in  proprietate  raa 

7* 


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100  8CH\V  AEZI^S£|  DIE  PÄPSTL.  PATBIMOiilEN. 

ErkeniiMi  wir  auch  aus  solohen  Kadirichten,  dalSi  die 

Patrimonien  der  römischen  Kirche  niemals  ihre  Bedeu- 
tung verloren,  bundern  stets  einen  hauptsächlichen  Faktor 
im  Besitzstände  des  apostolischen  Stuhles  gebildet  haben,  so 
hatte  doch  ihre  eigentliche  Geschichte  mit  der  Gründung 
des  Kirchenstaates  ihren  Äbschlufs  gefunden.  Auch  ihre 
finanzielle  Bedentnng  wnrde  durch  diese  Wandlung  der  Dinge 
erheblich  gemindert:  die  Ejiiräge  der  Patrimonien,  welche 
einst  die  ganze  Kirche  erhalten  hatten,  bildeten  bei  den 
erweiterten  Bedürinissen  und  Einnahmen  derselben  allmählich 
nur  einen  einzigen  Posten  in  dem  grolsen  Budget  der  rö- 
mischen Knrie. 


ii8uri)avcrit,  Tel  sciens  occultuta  uon  propalavcrit,  recognoscat  se  iram 
Dei  et  sanctorum  apostolorum  velut  sarrilog^us  incurrere.  Quicunquc 
autem  iu  hoc  deprehensus  fuerit,  enn  h m  In  rLditatem  legitime  resti- 
tuat,  et  pcnam  quadrupliciter  de  propriis  boms  solvat*'.  Cf.  I — L» 
p.  627.   Jaff^,  Bibi.  II,  660. 


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Kritiscbe  firdrteryD|;ei 

zur  neuen  Lutiier-Ausgabe. 

Von 

Theodor  Brieger. 


So  •faiig^o  BaMtaagM  Xuake'«  In  I.,  II«  mad 

VI.  Baade. 

Als  Max  Lenz  und  ich  im  VII.  Bande  dieser  Zcit- 
achrift^  mit  einer  Unteraucbiiog  yon  Lutfaer's  Schrift:  ^Ad 
Bialogom  ^rettri  FrieriatiB'  ,,Kriti0die  ErOrterangen  mr 
neuen  Lntfaeraiiflgabe''  eröffneten,  da  hegten  wir  die  Hoff- 
nung, dieser  ersten  gemeinsamen  Arbeit  biild  weitere  gemein- 
same kritische  Studien  folgen  lassen  zu  können.  Indegsen 
mein  bald  daraui'  ertblgender  Fortgang  von  Marburg  ver- 
eitelte dies,  und  andere  Aufgaben  zogen  uns  beide  von  der 
littenuritchen  BeechflftigaDg  mit  der  Weimarer  Aiugabe  ab. 
So  können  wir  die  etwaigen  Fortsetsungen  jener  kritiacben 
EirOrteruDgen  ein  jeder  nur  in  eigenem  Namen  geben. 

Ich  behandle  in  diesar  zweiten  Untersuchung  einen 
Gegenstand^  welchen  wir  schon  damals  ins  Auge  geiafiit 

Vor  allem  kam  es  uns  darauf  an,  an  dner  eingeben 
Sehxift  das  Verfiduren  Knaako'B  bei  der  Herstellung  des  Tex- 
tes au  beleuchten  und  zugleich  Vorschläge  iQr  die  Fort- 
setzung des  grofsen  Werkes  zu  machen. 


1)  a  577—618. 


102 


BRIEQERy 


Aber  neben  dem  Textkritiker  ist  aucb  der  Historiker 

SU  würdigen,  welcher  in  den  Einleitungen  zu  den  einzelnen 
Sclirilten  eine  oft  Bchwierige,  aber  auch  lohnende  Aufgabe 
zu  luöea  hat. 

Den  Umfang  der  Aufgabe  dieaer  Eiaieitungou  überhaupt 
scheint  uns  Knaake  fireilich  zu  eng  bestimmt  zu  haben. 
Wenn  die  £inleitangen  wirklich  in  die  Schriften  einführen 
8oUeii|  so  haben  sie  dort^  wo  es  nötig  iflt|  also  namentlich 
bei  einseinen  Schriften  Luthers  ans  seiner  ersten  Zeit,  welche 
zum  Teil  durch  einen  schweren  scholastischen  Gedankengang 
dem  Leser  Schwierigkeiten  bereiten,  durch  Eingehen  auf 
den  Inhalt  der  Öckiift^  durch  Darlegung  des  Gedanken- 

_  ■  • 

fortschrittes^  der  Diiq»OBition  nnd  Ähnliches  das  Verständnis 
an  erleichtem. 

Knaake  bat  sich  aber  auf  litierarhistorisehe  £ui> 
leitungen  beschritnkt,  d.  h.  er  giebt  aufser  den  bibliogra- 
phischen Nachweisen  in  der  Regel  nur  die  Entstehungs* 

geschichte  der  Schriften. 

Dieöe  litterargeschichtlichen  Eiiili  itniii^i  n  sind  es,  zu  deren 
Kritik  diese  zweite  Studie  einen  Beiti'ag  lieieru  will  ^ 

Auch  auf  diesem  Gebiete  sieht  sich  der  Beurteiler  in 
der  erfreulichen  Lage,  mit  seiner  Anerkennung  nicht  kaigen 
xa  dttrien.  Er  darf  yiele  dieser  Einleitungen  als  treffliche 
beseichnen,  darf  die  mannigfache  Förderung  rUhmen,  welche 
sie  uns  gebracht  liaben.  in  der  That,  die  vielleicht  einzig 
dastehende  Ausrüstung  Knaake's  fUr  seine  Auii;abe,  seine 
umfassende  Kenntnis  der  Quellen,  seine  Belescnheit  in  der 
Litteratur^  sein  Spürsinn  und  sein  Scharisinn  haben  manche 
scheine  Frucht  geseitigt  Und  &8t  konnte  den  Schein  der 
Undankbarkeit  und  der  Unbescheidenheit  auf  sich  laden, 
wer  es  wagt,  andere  dieser  Einleitungen  als  mehr  oder  nun» 
der  verfehlte  in  Anspruch  zu  nehmen. 

Aber  ein  grofses  Werk  wie  dieses,  welches  der  heute 
lebenden  Generation  die  Aussicht  aui  ein  anderes,  noch  voli- 


1)  Die  Ergebnisse  der  kleinen  Lutfaerstudien,  die  ich  hier  gebe, 
dnd  meist  schon  vor  Jahren  gewonnen ;  aber  ieh  fuA  eist  jetsft  If uCbe 
sie  sdulftUdi  sn  fiiisrai. 


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DIE  NEUE  LüTHEK-AüSGABE.  U. 


103 


kommenms  eotzielii^  bat  nch  das  höchste  Zid  ni  stecken. 
Es  niiirs  darauf  ausgehen,  ftberall  das  sn  leisten\  was  mit 

deii  heutigen  Hilfsmitteln  und  unter  Anwendung  einer 
sicheren  Methode  der  Korscluuig  iiberfiaupt  erreichbar  ist;' 
und  sicher  daii'  man  von  einem  Herausgeber  der  Werke 
Luther's,  welcher  schon  für  die  Gestaltung  des  Textes  sie 
Wort  für  Wort  auf  das  sorgsamste  an  erwägen  hat,  wäh* 
rend  die  sonstigen  Lntherforscher  sie  meist  unter  diesem 
oder  jenem  bestimmten  Gerichtspnnkte  lesen,  —  sicher  darf 
man  von  dem  Herausgeber  verlangen,  dais  er  sich  in  seiner 
Untersuchung  der  Entstehung  der  Schriften  nicht  beruhigt 
bei  dem  heutigen  Stande  der  Forschung,  wie  wir  ihn  etwa 
den  Lutberbiographen  verdanken,  sondern  er  mufs  als  Spe- 
aialist  überall  da,  wo  dies  möglich  ist,  über  me  hinaus- 
führen. 

Das  hat  Knaake^  wie  schon  angedeutet|  an  einer  Reihe 

von  Punkten  gethan.  Aber  doch  nicht  Oberall,  wo  eine 
umsichtige,  metbudische  Forschung  dazu  iuiätande  gewesen 
wäre. 

Es  bnden  sich  trotz  all  des  von  ihm  aufgebotencu  Scharf- 
sinns und  trotz  seiner  Sorgsamkeit  Abschnitte,  die  deswegen 
unbefiriedigend  ausge&Uen  sind,  weil  seine  Kritik  eine  on- 
sichere  wird,  seine  Beobachtungsgabe  ihn  Terlassen  hat 


1. 

Lather's  augeblicher  Traktat  über  duä  kirchliche  Asyl- 
recht« 

Einen  sehr  au£bllenden  Mangel  an  Kritik  zeigt  gleich 
die  Einleitung  zu  derjenigen  Schrift,  welche  die  „kritische 
Gesamtausgabe"  eröffnet,  zu  einer  Schrift,  welche,  erst  von 
Knaake  aufgefunden,  hier  zum  erstenmal  Luther  zugeschrie- 
ben wird.  Eb  hi  eine  kirchenrechtliche  Abhandlung,  der 
,Tractatulus  de  bis,  qui  ad  ecelesias  confagiunt% 
welcher,  suerst  1617  anonym  von  Johann  Weiflsenburger 
in  Lsadshnl  gedruckt,  am  13.  August  1590  dieselbe  Presse 


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104 


BRtCGEE, 


ab  TractatuluB  Doctoris  M&rtiui  Lutberij  Ordi«> 
nariuB  [aic]  Yniventtatui  WittenbeiigenBis"  yeriiefii  ^ 

In  der  That  eine  Aufteilen  emgende  Entdeckangl  Eine 
ganz  juristisclie  Erdrterong,  anfangs  ohne  Namen  des  Ver- 
fkssers  in  die  Welt  geschickt,  entpuppt  sich  drei  Jahre  spä- 
ter als  eine  Schrift  des  inzwistlien  zu  litterarischer  Berühmt- 
heit gelangten  grofsen  Wittenberger  Theologen. 

Gewirs  keine  üble  buclihändleiische  Spekulation! 

Wie  beweist  nun  Knaake,  dafs  es  sich  um  mehr  als  eine 
flokhe  gehandelt  hat? 

fyZa  einem  Zweifel  an  der  Echtheit  haben  wir  keinen 
Grund.  Ein  äufseres  Zeugnis  tur  sie  bietet  der  Titei  und 
die  Uberschrift  in  der  zweiten  Autlage/' 

Aber  wem  nun  dieses  nicht  genügt? 
Bestätigt  wird  es  durch  eine  Andeutung  gegen  den 
Schlafs,  wo  sich  der  Verfuser  ab  Augustber  kondgiebt'^ 
Ctemeint  ist  die  Wendung  seeundum  pairem  nasimm 
Augastinutn,  deren  sich  z.  B.  auch  jeder  Augustiner-Chor- 
herr, nicht  minder  jeder  Prämonstr atenser  bedienen  konnte  — 
und  die  Mitglieder  wie  vieler  Orden  sonst  noch?  Hat  maa 
doch  mehr  als  vierzig  Orden  gesählt|  welche  die  a  g. 
Bega!  des  hdligen  Aogustinas  angenommen  habm. 

i^Daau  kommt  die  Anfllhrang  solcher  rechtlichen  Aato- 
ritäten^  denen  wir  auch  sonst  in  Lather^s  Sehriflen  be- 
gegnen." Gewils,  sowohl  mit  der  Lex  Motaica  als  auch 
mit  dem  Jus  canonicum  hat  auch  der  Theologe  Luther  sich 
beschäftigt  und  auch  Kanouisten  wie  den  Panorniitanus  und 
Heinrich  von  Ostia  versteht  er  au  eitleren.  Aber  was  be- 
weist das  hier?  Der  Verfasser  des  Traktates  geht  auch 
auf  die  kaiserlichen  Rechte  zurück ,  auf  Bestimmungen  des 
Cod.  Theodos.  wie  des  Cod.  Justin  ^    Ich  entsinne 


1)  Knaako  nntcrlüfst  es  auch  bei  seltener  vorkotnmendeii 
Drucken  den  Fundort  anzugeben.  Dur  Druck  von  1517  ist  inir  nir- 
gends begegnet;  den  voa  1520  habe  ich  auf  mancher  Bibliothek  ge- 
aebcu. 

2)  Da  Knaake  t  s  vtrsclmiäht  hat,  die  massenhaften  ja- 
ristischea  Citate  dieaer  Abhandlung  su  Tezifisieren  oder  auch  nur 


DIE  ÜEVK  LUTH£R-AUS6AB£.  11. 


106 


mich  im  Augi  ii blick  nicht,  auch  bei  Luther  auf  Citate  aus 
diesen  gestofscn  zu  sein.  Aber  auch  sie  wären  allein  iur 
och  nicht  beweiskräftig. 

Doch  weiter:  |>Die  Gedanken  sind  zwar  noch  nicht  die 
des  Bpftteren  Befoimaton^  aber  ia  dem  leisten  Satze  blickt 
etwas  von  dem  Geiste  durch,  der  ihn  nachmak  beseite.^' 
Eine  AusfGÜbningy  dafs  das  kirchliehe  Asylrecht  unter  ge- 
wissen Bedingungen  auf  Geistliche  und  ^lönche  keine  An- 
wendung finde,  schliefst  niiniüch  der  Verfasser  mit  der  Auf- 
forderung: Refugiani  igitur  ipsi  clerici  et  religiasi  ad  do- 
minum, in  cujus  soriem  assumpiisunt,  acclamando  dicentes: 
Dem  noster  r^ugium  ei  virtus,  9»»  est  jugiier  benedidus 
in  seeula,  Amen.  Konnte  «>  nicht  jeder  Mönch  oder  Kle- 
riker schreiben? 

^^Dafs  Luthem  der  Gegenstand,  welcher  hier  behandelt 
wird,  fern  gelegen  habe,  kann  man  nicht  behaupten."  .  .  . 
„  Wir  habon  alfsu  in  unserer  Schrift  eine  Nachfi-ucht  seiner 
Beschäftigung  mit  der  iiechts Wissenschaft  zu  erblicken."  .  .  . 

Wir  werden  schwerlich  irren,  wenn  wir  unsere  Schrill 
entstanden  sein  iaaseni  ehe  Luther  sich  ganz  der  Theologie 
zuwandte''  K 

Man  sieht,  kein  einziger  dieser  Gründe  ist  durchschlagend. 

Es  berührt  peinücii,  liier  anstatt  einer  Icsten,  zuverlässigen 
Beweisfuhrunjsr  haltlosen  Gründen  und  vagen  Vermutungen 
zu  begegaeoi  einem  Verfahren,  weiches  nur  allzu  stark  an 
die  Zeit  v^or  dem  Auftreten  unserer  grofsen  Meister  histo- 
rischer Kritik  erinnert 


durch  eine  Andeutung  Tcrständlich  zu  machen  (wie  er  denu  aaeh 
den  ,Rab.  SaV  ,Car.*  [fin  L'k.  1  de  pe.  et  re.*J  nicht  auflöst) ,  so 
ist  die  groise  Menge  der  nicht  juristisch  gebildeten  Leser  freilich 
nicht  imstande,  diese  Citate  zu  bemerken.  Denn  nicht  einmal  dies 
wird  verraten,  dafs  de  his  qui  ad  ecclesias  confugiuM  eine  Titelüber* 
•ebrift  des  Cod.  Theo  dos.  ist  (IX,  40). 

1)  Weira.  Ausg.  T,  If.  —  Die  weiteren  Vermutungeu  Knjiake's 
können  hier  überKungen  werden.  Die  künstliche  Konstruktion,  durch 
Ttelcbe  Luther  mii  .J uU  Wi  ifflen burger  in  Landshat  in  Beziehung  ge* 
hraciit  wini}  schwebt  iü  der  Luft. 


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106 


BRIEaEB, 


2. 

Der  ySeriuo  praescriptuä  praejKMito  in  Litaka^. 

Auf  festerem  Boden  bewegt  sich  Enaake  bei  der  zwei- 
ten Schrift,  dem  ,Serrao  praescriptus  praeposito  in  Litzka^ 
Er  hat  sich  hier  das  Verdienst  erworben,  inbetreff  der  Be- 
stimmung des  iSermons  einen  schlimmen  Irrtum  zerstört  zu 
baben.  Nahm  man  bis  dahin  an,  daili  die  Bredigt  für  du 
allgemeines  Konzil  bestinmit  gewesen  sei  —  man  batte  nsr 
mentlicfa  an  das  Laterankonzü  gedacbt  und  sie  dabei  ans 
inneren  Ghilnden  dem  Jabre  1616  zugewiesen  — ,  so  weist 
Knaake  nach,  dafs  verschiedene  Wendungen  mit  Bestimmt- 
heit auf  eine  „  Bezirkssynode "  hinweisend  Aber  er  ver- 
liert sich  auch  hier  in  eine  ungegriindete  Vermutung,  wenn 
er  es  unternimmt^  diese  Synode  noch  näher  zu  bestimmeo, 
und  sie  mit  derjenigen  identifiziert,  welche  der  Bischof  von 
Brandenburg  am  32.  Juni  1512  auf  seinem  Schlosse  zu 
Ziesar  abhielt ,  und  auf  welcher,  wie  urkundlich  feststeht, 
auch  der  Propst  von  Leitzkau,  Georg  Mascov,  anwesend 
war.  Der  Bischoi  iiefs  hier,  bevor  die  Versammlung  sich 
an  ihre  Aufgabe,  die  Bewilligung  einer  aufserordentlicben 
Beisteuer,  machte^  cdiqualem  exhioiriaiwnm  ad  elerum  prae' 
senkm  de  et  euper  emendoHene  vUae  et  defeetmm  ad  yro- 
tkm  mtam  deUdorum  richten.  Wenn  diese  Angabe  zutreflfond 
ist,  darf  man  den  vorliegenden  Sermo  bestimmt  nicht  mit 
Knaake  fiir  jene  erhortatio  halten.  Zwar,  das  de  emen- 
cLatione  viiac  würde  in  dem  reformatorischeu  Inhalt  seine 
Bestätigung  finden,  aber  nach  einer  Erwähnung  der  defec^ 
hrnrn  ad  graüam  suam  delaiorum,  wonach  jene  Sjnodal- 
rede  einen  ganz  konkret«!  Inhalt  gehabt  hat,  sehen  wir 
uns  vergeblich  um;  vielmehr  lehnt  es  der  Redner  ausdrCUsk- 


1)  Die  fon  Knaake  gegen  die  Bestivimung  des  Senmons  fSr 
^  sUgemeittss  Koiiail  betgebrsekten  Qrflnde  lasssn  sieh  veratiike& 
durch  den  Hinweis  dscauf ,  dafs  diese  meist  mfhoäm  gonanats  Ver- 
■ammluDg  (s.  S.  18,  25;  S.  15»  SO.  80.  85.  88;  8.  16,  1)  etasMl 
|^.:12,  5)  als  eow/mim  faeseiehiiet  wiid:  Quod  mim  oimvenim  kac 
'  nimirunt  raHone  $U  iMBHMm,  ut  soomfefat  sonseitiaiif  u.  s.  w. 


DIB  NEUE  LUTHER-AUSGABE,  n. 


107 


licb  ab,  auf  einzelne  Mifsstiinde  einzußfeben ,  indem  er  die 
^Notwendigkeit  einer  innerlichen  Bcssermig  betont  Dazu 
kommt  die  auffallende  Thatsache ,  daf»  der  Redner  nicht 
Terrftty  dad  er  im  Auftrage  des  Bischofs  redet^  ja»  daia  des- 
selben überhaupt  keine  Erwähnung  geschieht^  obgleich  doch 
seine  bischöfliche  Gnaden  auf  der  Synode  su  Ziesar  an- 
wesend war  K 

So  spricht  gegen  die  Idenütizierung  mit  dieser  Synode 
des  Jahres  1512  manches,  Rir  dieselbe,  so  viel  ich  sehe, 
nichts. 

Die  Predigt  kann  mindestens  ebenso  gut  für  eine  andere, 
drei  Jahre  spttter  fallende  Synode,  von  der  wir  BnüÜlig 
wissen,  bestimmt  gewesen  sein.  Es  war  der  Sl.  Mai  1516, 
auf  den  der  Bischof  von  Brandenburg  abermals  eine  Sy- 
node berufen  hatte ;  wohl  nicht  gerade  aus  reformatorischem 
Eiier;  denn  auch  diesmal  war  es  ihm  um  die  Bewilligung 
von  Subsidien  zu  thun  ^. 

Aber  besteht  denn  überhaupt  die  Notwendiickeit  für  uns, 
den  Sermon  mit  einer  Diöcesansynode  in  Verbindung 
SU  bringen? 

Die  Nichterwähnung  des  Bischofs  (vielleicht  auch  die 

beiläufige  Bezeichnung  der  Synode  als  conventus)  läfst  die 
Ältiglichkeit  offen,  dafs  es  sich  hier  nur  um  eine  Archi- 
diakonatssynode  handelt,  wo  die  Pfarrer  unter  Vorsitz  des 
ArchidiakonuB  über  örtliche  Verhältnisse  berieten  und  be- 
schlossen 

1)  8.  dieUrknnde  bei  Gereken,  Stiflihistoiie  ▼im  Brandenburg 

(ITüti),  9.  676fF.,  hietaus  abgedruckt  in  SiedeTs  Cod.  diplom. 
Bnmdenburg.  I,  VUl,  469  ff.  Die  BaupCstelle,  welebe  den  dgenV 
liehen  Zweek  der  Synode  genSgend  klar  stellt,  lautet:  üererencf.  Dn, 
J^piteopu»  .  .  .  ad  nektm  »nodakm  proeedemmm  äwcU  atgtue  pnh 
catU,  et  inprimii  ituDocato  antxiUo  divino  per  decMUaUoitm  ioUmik 
rnUif^um  Veni  Sandt.  S^iritm  et  aUqualem  exhortationem  ad  dtnm 
pntmtem  de  et  euper  einend atione  rite  et  defeetwm  ad  gratiam 
8Ham  delatcrum  promMtiari  et  puMieari,  nec  non  et  »ua»  et  ee* 
clenie  8ue  Brandenburg.  neceBaitatee  et  onera  exponi 
fecit  8uh  verhis  snhsequentibue. 

2)  Gercken  S. 

8)  VgL  Richter,  Kircheorecht,  Ö.  AuH.  TonDo^e  und  Kahl, 
S.  4%. 


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108 


BKIEGKK; 


Sollte  hier  wirklich  die  Predigt  einer  solchen  Archi- 

diakonatflsynode  vorliegen,  so  würde  es  leicht  erklärlich, 

dal»  gerade  der  Propst  von  Leitzkau  die  Predigt  zu  halten 
hatte. 

JUan  hat  überhaupt  nicht  geiragt,  in  welcher  Kigenschai't 
der  Propst  in  die  Lage  gekommen  sei,  diese  Synodalrede 
zu  halten.  Die  Antwort  lag  sonst  nahe  genug.  Mit  der 
Propste!  des  Prämonstratenserklosters  Leitskau 
war  fast  von  Anfang  an  ^  die  Würde  eines  bischöf- 
lich -  L  r  a  n  d  e  ii  b  u  i  g  i  s  c  h  e  u  A  r  c  h  i  d  i  a  k  ü  11  II  s  verbun- 
den. Anfangs  (seit  1139)^  alleiniger  Archidiakonus  des 
äprengels,  hatte  der  Propst  von  Leitzkau  zwar  bald  (1161) 
dieses  Amt  mit  dem  Propste  des  inswischen  su  Brandenburg 
gegründeten  Domstifles  teilen  müssen^  und  diesem  war  der 
bei  weitem  gröfste  Teil  der  Diöoese  zugefallen  ^  Dem 
Propst  von  Leitzkau  war  nur  der  südwesdiche  Teil  dea 
Sprengeis  verblieben,  namentlich  die  Burgbezirke  Coswig, 


1)  Über  die  Zeit  der  Grandniig,  die  Tielleiclit  noeh  auf  Norbert 
selbst  sarfickBofubren  ist,  vgl.  Frans  Winter,  Die  Prämonstratemer 
des  12.  Jahrhunderts  und  ihre  Bedeutung  für  das  noidöttUcbe  Oeutseh- 
Isod  (Berlin  186&),  S.  309. 

S.  die  Urkunde  im  €3od.  dipl.  Brsndenboig.  I,  X,  70:  Biaebof 
Wigger  TOQ  Bnuideoburg  übertragt  d&i  Arebidiskonat  seiner  DiÖccse 
an  den  Propet  von  Leitskan:  1139. 

3)  S.  des  Bisehois  Wilmar  von  Bxandenbmg  Grandangsarkmide 
für  das  Domkapitel  Brandenburg  von  1161  im  Cod.  dipL  Biasdenb. 
VIIT,  104,  desgl.  die  Bestätigung  dnrofa  dmi  Ersbischof  Wichmann  von 
Magdeburg',  ebenda  S.  lOof,  Der  Propst  von  Leitzkau  nahm  jetzt 
nnter  den  Prälaten  der  Diöcese  den  zweiten  Hang  ein  (vgl.  X,  77). 
So  wird  er  auch  noch  in  der  oben  erwähnten  Urkunde  von  1512  un- 
mittelbar nach  dem  Brandenburger  Dompropst  genannt;  dann  erst 
tV  l;.!  n  die  Pröpste  von  Berlin,  Bernau,  Angermünde,  Tpmplin  und 
autiere  Prälaten  (Gercken  S.  677).  —  Von  der  Gründung  und  der 
Teilnng  des  Loitzkaucr  Arcbidiakonates  handelt  Riedel  im  Cod. 
dipl.  Brand  VIII,  38 f.  und  X,  65 f.,  desgleichen  in  der  Kürze 
Winter  a.  a.  0.  S.  12«} f.  —  Von  den  weiteren  Archidiakoneu  des 
Bistums,  welche  in  ihren  neuen  Landcstcilcu  die  Markgrafen  bestellten, 
darf  ich  hier  absebeo  (vgl.  Riedel  VIII,  89 f.  und  die  Urkunde  von 
1288:  Vin,  152). 


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DIE  HEVE  LUTHER- AUSGABE.  II. 


109 


Dobien,  Wittenberg,  Zafana  und  Ektermünde  K   Mag  auch 

in  späterer  Zeit  dieiser  Bezirk  üuch  eine  gerinisre  Einbafse 
erlitten,  auch  die  Summe  der  dem  Leitzkauer  Archidiakonua 
Kustehendeu  Rechte  eine   Beschränkung  erfahren  haben 
immer  hat  dieser  Archidiakonat  an  dem  Kloster 
bis  SU  der  Säkularisierung  desBelben  gehaftet*. 


1)  Vgl.  die  nähere  BeBtiinmiiiig  dei  AroUdialuKMttbeiirkes  ton 
UdtOoM  durah  Biachof  BaUeiMii  1187:  Ood.  dipL  Bieiid.  X,  77.  — 
P!r9|wCe  von  Leitskau  abd  urkondlieh  ala  Arehidiakonen  uaebsaweiMn: 
1311 :  Johannea  J^npasihtB  ei  erdbidiaeoiHi«  .  .  .  eeefane  X^ftaiiMt, 

Cod.  dipL  Bland.  X,  87. 
188S :  Propst  Heinrieh  nennt  sieh  ort^ydiaeoima  .  .  .  eedmae  Xylr* 
kensis,  Cod.  dfploiB.  Anhalt  toh  y.  Heine  mann  in  (1877), 
S.  437. 

1341 :  In  der  die  Ptanrlürche  zu  Lolmrg  betreffianden  Urkunde  des 
Bischofs  Ludwig  von  Brandenburg  wird  der  prepositm  litxkensia 
genannt  Archidijaconus  dicti  loci,  Cod.  dipl.  Brand.  XXIY,  363. 
13^:  Her  Propst  Theodoricus  Tieuut  sich  (irdtydiucotms  .  .  .  eccfe« 

Hiae  Lytzlcensis,  Coi.  dipl.  Anhalt.  III,  44.5. 
1392:  Der  Propst  Nicolaus  nfMint  sich  archidiacunus  terre  Lics- 
ken  in  ccciesia  Brand  enburgemi  ordinariuSf  Cod. 
di]ilo!ii.  Auhalt.  V  (1881),  S.  160. 
Noch   zu  Anfang  des   IG.  Jahrhuiiderta  iiattu  der  l'ropst  von 
Leitzkau  seinen  eigenen  Official,  wie  uns  die  Wittenberger  Ma- 
trikel som  JalifB  1508  wea^t  BairkiiUmmä  Zwmtn  dt  huyßm  OffiekOk 
preponiun  lieilen. 

2)  Vgl.  Riedel,  God.  dipl.  Bnuid.  YHI,  89.  40.  In  Jahre  1265 
kam  die  bis  dahin  aticitige  lürehliehe  Juriad&Etion  tther  Jessen  vom 
Pkepate  von  LeitilMn  an  den  Dompropat;  a.  die  Urkunde  Cod.  dipL 
Brand.  X,  89.  —  Genanevaa  äher  die  spltteren  Grenien  daa  Leita- 
Icauer  ArehidiakoDatabesirkea  ist  meinea  Wiaaens  hiaher  nieht  er- 
mittelt. 

3)  In  dem  Schreiben  an  den  Papst,  in  welehem  [im  Jahre  ir>34] 
der  BisclMif  wou  Brandenburg,  Matthias  von  Jagow,  die  Kurie  um  die 
Inkorporierung  des  Klosters  Leitzkau  in  das  Bistum  Brandenburg  bat, 
findet  sich  daher  iuch  dio  Bitte,  ''zugleich  mit  der  Aufhebung  des 
Klosters)  onincs  et  quascunquc  dnjnitates  et  üfficia  claustralia  etiam 
preposituram  eimdem  inonasteni ,  que  inihi  di  q  nitaa  maior 
et  archidia  conatus  dicte  eccleüie  h  r  andcn  b  urgensi  s  exi- 
giere  consueuit ,  pe^iitu»  et  omnino  aupj/rimtre,  exting^ure,  casmrc 
ei  annullare  (Cod.  dipl.  Brand.  XXIV,  48*.<);  und  gegen  £u»ie  ist 
noch  einmal  die  Hede  von  der  mppressio  et  ejctinctio  ac  preponture 
et  arekidiaconatm  (3.  490). 


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110 


BKIEOEK, 


Jedenfiüls  liat  noch  zur  Zeit  Lnther'B  zu  dem  Archi- 
diakonatsbesirk  des  Propstes  von  Leitzkan  auch  Wittenberg  * 
gehört,  so  dafs  auf  einer  etwaigen  Synode,  welche  Georg 

Maacov  zusummenbericf,  aucli  die  Wittenberger  Geistlichkeit 
vertreten  sein  muiste  *. 


1)  Beachtenswert  lat  die  Uxknnde  von  1402  Cod.  dipL  Bnnd. 
X,  87f.,  Sn  welcher  Propst,  Prior  foHrnque  capituium  eedeaU  sonfite 

Marie  Liizkensis  eine  Bestimmung  trifit  ühcr  das  Kathedratienm  der 
Pfarrkirche  zu  Witteoboig  als  einer  eedttia  parrodtiaH9  ,in  noatra 

jurisdictione'. 

2)  Aufgefidlen  ist  mir  das  gespannte  Verhäl tnis,  welches 
in  diesen  Jahren  zwischen  dem  Bischof  von  Branden- 
burg und  der  \V  i  1 1  e n  b e rgc r  G  e i s t Ii chkei t  bp^tand.  Ich 
weifs  nicht ,  ob  d'ut  Lutherbiograj)heu  von  demsclbcu  Kenntuis  f^e- 
Duuimeii  haben.  Hier  (hirf  icli  wohl  deswegen  mit  einigen  Worten 
darauf  eingehen ,  weil  die  Spannung  sich  auf  den  gesamten 
A  r  c  hi  d  i  akonatsbezir  k  von  Leitzkaii  ausgedehnt  hat  — 
eine  Erscheinung,  welche  allerlei  Kombinationen  nahe  legt. 

Jene  Spannung  zwischen  dem  Bischof  und  Wittenberg  tritt  seit 
dem  Jahre  1518  In  vendiiedeaea  Hükhelligkeiten  sntage. 

Die  Wittenberger  Gebiliehkeit  hatte  es  nnteriasaeo,  sich  auf  der 
Synode  sn  Ziesar  im  Jwü  1518  in  ordnungBmäfsiger  Welse  Tertieten 
TO  lassen  (davon  handelt  die  Urfcnnde  hei  Gereken  S.  676 £,  wel- 
cher wir  überhaupt  unsere  Eeontois  dieser  Sjnode  yerdanlcen).  Sie 
war  auch  nieht  gewillt,  die  auf  dieser  Synode  dem  Bisehof  bewilligte 
Bewtener  zu  leisten.  Auch  als  letsterer  den  widerspenstigen  Geis^ 
liehen  mit  Exkommunikation  drohte,  verweigerte  der  Klerus  hart- 
näckig diese  I^istung  und  wandte  sich  mit  einer  Appellation  nach 
Bom.  Die  Kurie  scheint  in  dieser  Sache,  welche  vielleicht  selbst 
noch  nicht  beigelegt  gewesen  ist,  gegen  den  Clfruf^  rehellis  et 
inohedien'^  entschieden  zu  haben  vgl,  Gereken  S.  251' f).  Zu  glei- 
cher Z»'it  f^nriet  der  Bischof  in  Strf>it  Tiiit  dem  Kate  von  Wittenberg, 
Den  AnlalM  bot  der  Handel  eines  (Tcibtiiehen,  welchen  der  liat,  nach- 
dem er  aus  seinem  Kerker  entflohen  und  Zuflucht  in  einem  Kloster 
gesucht  hatti^,  der  kirchlichen  Iniumnitiit  zum  Trotz  aufs  neue  ein- 
kerkerte. Es  ist  bczeiclmend  lür  das  Verliältnis  der  Wittenbergnr 
Geistlichkeit  zu  ihrem  Bischof,  dafs  sie  sich  in  dieser  Sache  auf  die 
Seite  des  Bales  stellte,  obgleich  der  Bischof  sich  eines  von  der  welt- 
liehen ISehörde  vergewaltigten  Oeisdiehen,  eiees  von  Laien  verletsteo 
kirchlichen  Vorrechtes  annahm.  Als  nSmlieh  der  Bisehof  am  81.  Ka- 
vember  1518  der  Wittenheiger  Geistlichkeit  bei  Strslb  der  Eikom* 
monikation  bdahl,  für  den  FeU,  dals  der  emgesogene  GeistUehe  nicht 
hinnen  swansig  Standen  vom  Bäte  freigegehen  werde,  in  allen  Kirchen» 


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DIE  NEUE  LUTHEH-AÜSGABE.  IL 


III 


Aber  mit  der  KoiutatieriiBg  der  Möglidikeit,  daTs  es 
nch  bier  um  eine  ArchidiakonatBeynode  handelt^  sind  wir 


Klöstern  und  Ka{>f  llen  der  Stadt  das  hiermit  verhängte  Interdikt 
durchimführeu  (s.  diu  .Schreiben  des  Bischofs  bei  Gere keu  S.  G80ff., 
auch  abgedruckt  ia  Cod.  dipl.  Brand.  I,  VIII,  471  f.),  da  kam  der 
Klerus  diesem  Befehle  keineswegs  nach  (Die  Schlofskircbe  rühmte 
neh  llbrigeat  der  Ezemptiou  Toa  der  hitebdf liehen  Gewalt;  s.  Faber, 
Hielor.  KadiiieU  roa  der  Sehlortkirehe  in  Witteabeig,  imttenbeig 
1780,  8.43-46).  Über  den  Fortgang  des  Zwiitee  beriehtetGereken 
8.  260  (auf  Gnmd  von  Urkunden,  die  er  leider  nioht  mitgeteilt  hat; 
aaeh  Biedel  Im  Cod.  dlfiL  Biend.  I,  VHI,  S.  85  folgt  atusehliefalieh 
Gereken) :  „Der  Wittenbeigische  Bat  wandte  sich  an  den  Efxbisehof 
m  Hagdebnig  and  brachte  es  dahin,  dafs  sie  von  dem  Interdikt 
ndaziret  wurden.  Indessen  schärfte  unser  Bischof  seine  Exkommuni- 
katien  und  befahl,  dafs  das  Interdikt  auch  per  totum  districtnm  Artid' 
diaeanatm  Litzkensis  observiret  werden  sollte.  Die  Geistliche  su 
Wittenberg  aber  leisteten  keine  Paiition,  sondern  verrichteten  nach 
wie  vor  ihre  sncrn ,  unter  dem  Vorwand,  dafs  der  Erzbischof  das 
Interdikt  wieder  aufgehoben,  da  doch  dieses  nur  ad  tempus  geschehen 
war.  Die  Sache  ging  nach  Korn,  und  eudhch  that  der  Kat  A.  1515 
onserm  Bischof  Satisfnktiuu  und  Abbitte)  worauf  er  am  5.  April  h.  a. 
das  Interdikt  aufgeh  üben". 

Besonders  auffallend  ist  die  Ausdehnung  des  Interdikts  auf  den 
ganzen  Arcbidiakonatsbezirk  von  Leitzkau.  Fast  scheint  es,  als  ob 
die  Geistlichkeit  desselben  (und  somit  ancb  woU  ihr  Haupt,  der 
Propst)  die  Partei  der  Wittenberger  gegen  den  Bisehof  ergriffim 
habe.  Es  wSie  wflnsehenswert,  dafe  die  Sache  durch  arcbiTalisehe 
Foisebnng  klar  gestellt  wfirde. 

Von  »der  irrigw  Sachen  des  bischofis  ran  Braodenbnig  nnd  des 
latbes  handelnag**  wissen  aueb  die  Wittonbeiger  K&nmereirechnnagen 
som  Jahre  1514;  hiemach  schdnt  es,  als  habe  Georg  Slbutos,  der 
bekannte  Poeta  laureatus  und  Professor  der  Artistenfiüraltät,  es  mit 
dem  Bischof  gehalten  (s.  Förste  mann  in  den  Neuen  Hitteilangea 
des  thüring -sächsischen  Vereins"  III,  1  [1837],  S.  109). 

Der  Bischof  Hieronymus  Schultz  scheint  übrigens  mit  der  Ver- 
bäugung  des  Interdikts  leicht  bei  der  Hand  gewesen  zu  sein.  Es 
war  5  5 15  nirht  daa  erste  Mal,  dafs  die  Stadt  Wittenberg  sich  von 
dieser  RirchLiistrafe  zu  lösen  hatte.  Erst  in  der  zweiteu  Hallte  des 
Jahres  15u7  zum  Regiment  langt.  ,,  fulmiuierte'*  der  Bischof  schon 
im  Frühjahr  15Ub  da»  Interdikt  über  die  UuiversitStsstadt  —  ob  ge- 
ringfügiger Ursache :  etliche  Studenten  hatten  „au  seyner  gnaden 
d/uem''  (bei  der  Anweseubeit  dcsöclbeu  im  Marz)  Frevel  begaugou 
(s.  die  Kammereirechnungen  a.  a.  0.  S.  105  und  107  nnd  dazu 
Scbearrs  Brief  an  Slaupiu,  Brief  hoch  I,  51  f.). 


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112 


BRIEOERy 


der  Fe&tateUiiiig  des  Thataicliliclien  niclit  näher  gekommeo. 
Wir  werden  überhaupt,  falls  nicht  die  weitere  archivallBche 
Fonchnng  neue  Anhaitapunkte  findet ,  darauf  vensichten 

müssen,  den  Sermon  einem  be.stinimten  Jahn^  zuzuweisen. 
Denn  auch  innere  Gründe  mchen  dazu  nicht  aus.  Obwohl 
ea  fraglich  erscheint,  ob  Luther  bereits  im  Jahre  1512  ao 
klar  und  bestimmt  die  reformatorische  Aufgabe  ergriffen 
hat^  sa  wissen  wir  doch  von  seiner  ßntwickclung  in  diesen 
Jahren  viel  an  wenig,  als  dafs  wir  dieselbe  gegen  das  von 
Knaake  angenommene  Jahr  ins  Feld  führen  könnten.  Aber 
freilich  hat  dieses,  nachdem  es  seinen  äuf&eren  Anlialt  ver- 
loren hat,  wenig  Wahrscheinlichkeit  ^,  und  man  wird  eher 
geneigt  seiui  die  Rede  etwas  apftter  anzusetzen. 

3. 

J>er  Sermon  von  Ablaf^  und  Bnade* 

Die  alte  iStreitlrage,  ob  dieses  Schriftchen  dem  Jahre 
1517  oder  1518  angehört,  wird  von  Knaake  (I,  239)  mit 
einem  Kompromils  entschieden,  indem  er  mit  Köstlin  (I*, 
174.  181  f.)  annimmt,  der  Sermon  enthalte  die  Ghnind- 
gedanken  einer  Predigt,  „die  Luther,  wahrscheiniich  noch 
niu  Tiiiia  des  Thesen anschlags,  in  der  Kapelle  des  Augustiner- 
kl )  rs  zu  Wittenberg  gehalten",  und  sei  gleich  damals 
dem  Krzbiachot'  Albrecht  von  Luther  überschickt,  doch  erst 
im  Febroar  1518,  nach  nachtrüglicher  HinaulUgong  des 
letzten  Absatzes,  gedruckt  worden.  Aus  Rückucht  auf  seine 
Entstehung  und  seinen  Zusammenhang  mit  den  96  Thesen 
hat  daher  der  Sermon  seine  Stelle  unmittelbar  nach  diesen 


1)  Auch  das  ist  Araglicb,  ob  Luther  schon  1512  Tön  Witte&befg 

aus  mit  dem  Propst  von  Lfclfzkau  in  Berührung  gekommen  ist.  Dab 
letzterer  hin  und  wieder  nach  Wittanbeig  kam,  bei  welcher  Gelegen- 
heit er  vom  Rate  eine  Weinverchmog  empfing,  zeigen  die  KXmmerei- 
rcchnungen;  8.  a.  a.  U.  8.  106  zum  28.  Oktober  1508:  rj  g.  rüj  p 
vor  %j  iStubichen  tcein  dem  prohsf  von  Liskaw  vorehret ^  and  S  108 
zum  SO.  April  1510:  r  g.  vor  drei  Shibidim  franekmwt^  vorekrtt 
dem  probist  von  L\ßkow. 


DIE  NEUE  LÜTHER-AUSQABÜ.   11,  113 

eilialtaD;  ja  Enaake  tiigt  k«iii  Bedeakeiii  ihn  In  der  Über- 
lehrift  mit  der  JahreBaaU  1517  sii  versehen. 

Prüfen  wir,  was  für  und  gegen  1517  spricht. 

Zunächst  wird  Kuaake  selber  in  der  von  ihm  ange- 
Ifihrten  Aufserung  Luther's  aus  seiner  Vorrede  zu  den  Opera 
Tom  ö.  März  1545:  Ego  eotUmpius  edidi  tUsputcUionis 
seheduUm  simul  ei  germankam  etmdonem  de  indulgmUiis, 
paulo  pasi  etiam  BeseMianes  \  bei  genauerer  Überlegung 
•ofaweilieh  ein  Zeugnis  fUr  1617  erblicken.  Fftr  die  Her- 
ausgabe des  Sermons  ist  sie  schon  jetzt  in  seinen  Augen 
nicht  beweiskräftig  (denn  diese  ist  ja  nach  Knaake  erst 
lölö  eriolgt),  obgleich  der  Satz  Luthers,  weun  er  überhaupt 
för  unsere  Frage  Wert  hätte,  gerade  die  schon  1517  er- 
Iblgte  Veröffentlichung  des  Sermons  beseligen  würde:  ent- 
weder, man  darf  das  eimul  ei  pressen,  und  dann  sind 
Thesen  und  Sermon  glmchsmtig  ausgegangen,  oder,  diese 
Erzählung  aus  später  Zeit  ist  mit  dem  ernud  et  nngenan, 
und  dann  beweibt  bie  überhaupt  uichts.  Die  Ungenauigkeit 
aber  liegt  klar  zutage:  sechzehn  Monate  nach  dem  Er- 
eignis vom  dl.  Oktober  1517  weifs  Luther  die  einzehieu 
Akte  seines  Voigebens  noch  bestimmt  auseinander  an  halten; 
im  Februar  1619  schreibt  er  an  Spalatin:  Sds,  guod  nisi 
CftrMis  me  eimeaagereif  jamdwprimum  diapukUifme  in^ 
dtdgenHanm,  deinde  vulgari  aermone,  tandem  Be- 
soluttonibtiS  et  Responsione  mea  ad  Silvestrum,  novissime 
Actis  meis  me  perdideram 

Trotzdem  soll  die  Aufserung  von  1545  einen  in- 
direkten Beweis  für  die  Abfassung  des  Sermons  schon 
im  Jahre  1617  enthalten;  denn  anders  kann  ich  ü^n^lr^ 
nicfat  verstehen,  wenn  er  aignmentiert:  „Nicht  sofort  gab 
Luther  den  Sermon  in  Druck:  er  wartete  des  Be- 


1)  E.  A.  Op.  V.  a.  I,  17.  Lnther  erwähnt  hier  unmittdb.ir  vor- 
her die  beiden  Briefe  (voia  j1.  Oktober  1517),  welche  er  au  den  Erz- 
bi:iebi>t  Albrecht  und  au  deu  Bischof  von  BraDdenburg  geschriebeoi 
rogans,  ut  competotmU  quae$t€Tum  imp^dmliam  ei  hkupkemiem,  aed 
paupereukm  FrtAer  coKttwmtbatw. 

X)  Eodert  H,  1. 


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BBIEGEBy 


•cheidefl  auf  Beinen  Brief  an  den  ErsbiBohofi  vie* 
wohl  vergebens.   JEgo  contcmptm  eäiäi  dispuiaiumis  schS' 

dulam  simiil  et  Oermanicatn  concionem  de  induJ^jmtiis ,  er- 
khirt  er  später:  es  war  also  seit  dem  31.  Oktober  1517 
schon  eiuc  geraume  Zeit  verflossen/'  Also  mufs  auch  schon 
geraume  Zeit  verflossen  gewesen  sein^  als  Luther  seine 
Thesen  dem  Druck  übergab^  demnach  werden  wohl  auch 
diese  erst  1518  erschienen  sdn.  Doch  die  ,^genmme  Zeit^ 
bi  Ton  Knaake  eingetragen;  wie  lange  Luther  mit  derVei> 
Öffentlichung  seiner  beiden  ersten  Schriften  wider  den  Ab- 
lafs  p-ewartet,  sagt  er  in  seiner  Vorrede  nicht  —  eines  chro- 
nologischen Verstofses  inbetreff  der  VeröffentUchuug  der 
Thesen  macht  er  sich  folglich  nicht  schuldig,  sondern  nur 
einer  Ungenauigkeit  der  Ansdracksweifle  \  indem  er  Thesen 
und  Sermon  mit  jenem  sinml  et  ansammenfalst  \ 

Kieht  besser  steht  es  mit  dem  zweiten  Beweisgründe 
Knaake's  für  die  Abfassung  des  Sennons  schon  im  Jahre 
1517.  Luther  soll  ihn  (so  nimmt  er  mit  Könllin  an)  ,,wohl 
schon  zusammen  mit  den  Thesen'^  *)  dem  Erzbischoi  Al- 
brecht angeschickt  haben,  wie  man  das  aus  einem  Bri^e 
Albrechts  an  seine  Rftte  entnehmen  kOnne 


1^  Das  Richtige  hat  schon  1721  Joli.  Erhard  Kupp,  Sainm- 
long  einiger  zum  Päbstlichcn  Ablafs  gehörigen  Schriften,  S.  310,  klar 
erkannt 

S)  Wo  er  sonst  —  im  Iisafe  dos  Jshres  1518  —  davon  ledst» 
daft  er  sich  vor  seiDeBi  Sflfentlichen  Anihvten  gegen  den  Ablsis  «a 
einige  Prälaten  gewendet  bebe»  ds  spricht  er  auch  nur  von  dem 
Hinaassehieben  der  YeidffisntUcfaiing  der  Thesen;  s.  Luther  •& 
Kurf.  FHedrieh,  19.  November  1518:  er  habe  den  ErsUsdiof  von 
Msgdeburp  und  den  Bischof  von  Biaadenbnrg  brieflieh  sar  Ahslsl- 
long  des  Argemisees  gemahnt,  anttquam  diBpuiaiionem  täerem 
(End.  I,  298).  Ähnlich  in  seinem  Briefe  an  den  Papst,  [80.  IfsiJ  1518 
(End.  I,  201  f.). 

8)  Köstlin  1',  174. 

4)  Sonderbarerweise  bezieht  sich  Knaalce  hier  nicht  auf  einen 
Druck,  sondern  sagt  in  den  Belegen  bei  Besognahme  auf  Köstlin: 
„wo  auch  schon  {I]  bemitjtt  ProTinsialarchiY  su  Magdeburg  (Ersstift 

Magdebnrrr.  ]f  Acta  4i»8)**.  Köstlin  dagegen  bezieht  sich  auf 
Ferdiu.  Korinr,  Tozrl,  drr  Ablafsprediger  (Fraukenherg  i.  S.  1880), 
8.  14&{,  Hier  ist  „aus  dem  Staatsarchive  au  Magdeburg,  Acta  des 


.  Kj       by  Google 


Dl£  N£U£  LUTH£B-AUSGAB£  II. 


115 


Der  Brief,  welcher,  abgesehen  von  der  Nachschrift,  aui- 
schliefslicli  das  Ablafsgeschäft  betrifft,  ist  zum  Teil  durch 
Luther's  Vorgehen  gegen  dasselbe  veraniafst  Es  ist 
ndtig,  die  ihn  betreffenden  S&tae  heranssuheben.  »»Wir 
haben  ewr  8chre]rben  mit  zwgesandten  traotat  vnd  con- 
elueion  eins  ▼emMuen  Monichs  zw  Wittenberg  das  heilig 
negotium  Indnlgendarum  vnd  ynsem  Snbeommissarien  be- 
treffend Inhalts  hören  leßen."  „Mit  den  ,Konkluaiüiieii' 
sind  unzweifelhaft  Luther's  95  Sätze  wider  den  AblafH 
meint.  Unter  dem  , Traktat'  aber  werden  wir  mit  Kostün 
seinen  , Sermon  von  Abiais  und  Gnade'  verstehen  müssen^ 
der  seiner  Form  nach  sehr  wohl  ein  Traktat  genannt  wqk^ 
den  kann/'  So  Knaake.  £s  ist  anaogeben,  dais  der  ans 
swanaig  thesenartigen  SAtzen  bestehende  Sermon  allenlUls 
anch  als  Traktat  beeelchnet  werden  kann.  All^  hören 
wir  den  Erzbischof  weiter.  „Fügen  euch  dorauiT  zu  wissen, 
wie  wo!  vns  borurts  M< Vilichs  trotzig!:  furnemen  vnscr  per- 
Bon  halben  wenig  ani'echtet,  haben  wir  doch  tast  vngeme 
erlharen,  das  arme  ynuorstendig  volck  der  gestalt  sali  ge- 
eigert  vnnd  inn  beschwerlichen  Lrtumb  gefnrt  werden. 
Doromb  ynd  demselben  anll  gnthem  gnmde  zcw  Widder- 
slehen, haben  wir  angezceigte  tractai»  conelnsiones 
vnd  andere  schriefte  den  hochgelertten  der  heyligen 
schrieft  vnd  rechte  vnnser  Vniuersitet  zcw  Meintz  mit 
aceitigem  bedeueken  fieissig  zcw  obirseben  vnd  zcw  Erwegen 
ohirschickty  Auch  selbst  beneben  vngem  gelertten  hoferethen 
▼nd  andern  yorstendigen  statlich  beratslagt|  bedeohtiglieh 


EmttfUMsgdebnrg  II,  XXHI,  110.6"  abgedrnekt  der  Brief  Albtesliti 

an  seine  Räte  (zu  Halle)  dat.  Aschafflmboig  t,am  tage  Lucia  anno 
X  XVTI*"  (13.  Dezember).  Trotz  der  verMhiedenen  Signatar  kann 
Knaake  nichts  anderes  meinoi.  Dieses  Schreiben  war  aber  längst 
•ttt  dem  Magdeburger  Archiv  yeroffentlicht,  nämlich  von  Frhard, 
Üherlicfenmgcn  zur  Tatcrländischen  GcBchichte  III  i'Mn^cburg  1828), 
S.  22~"i?5,  und  daraus  (mit  Auslassung  pnnz  weniger  Sätze)  Ton 
Heimes,  Albrecht  von  Brandenburg,  Erzbischof  von  Mainz  und  von 
Mafrd(  bnrg  (Mainz  1858),  S.  59  —  62,  nnd  Vicderum  aus  Hennes)  von 
Jak.  May,  Der  Kurfürst,  Kardinal  und  iürzbiscbof  Albrecht,  I  (Mün- 
chen 1865),  Beilagen  S.  50—52. 

8* 


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116 


BKiEüEU, 


erwogen  vnd  anff  denelben  aller  eynmutigen  raik  diesen 
beigelegten  erstlich  in  Irem  beywesen  verleeen  proeessam 
Inhibitorium  widder  ehrgemelten  Monich  angestdt,  auch  do 
benebin  den  handel  sampt  ar  tick  ein,  position  vnd 
tractat  Bepstlicher  heyligkeit  ylends  zcwgefertigt^^  ^ 

Von  Schriften  Luther^Sy  welche  der  ErsbiBchof  hat  prü- 
fen Uunen  und  als  Anklagemateiiat  gogpa  den  M(fnch  Ter> 
wendet,  ist  demnach  an  drei  Stellen  die  Rede:  suent  von 
dem  tractai  vnd  cmclusion,  dann  von  tractatf  condusiones 
vnd  anderen  schrieftenf  endlich  von  ariickeln,  ]}osition  vnd 
tractai.  Wir  hören  von  den  Conclusiones^  einem  Traktat 
nnd  Yon  anderen  Schriilen,  von  denen,  wenn  die  poaitiones 
mit  den  condusiones  identifiKiert  weiden  dürfen,  die  Artikel 
namhaft  gemacht  werden.  Was  das  anlser  den  Thesen  für 
Schriften  Lnther^s  gewesen  nnd,  Termögen  wir  nicht  an 
sagen  Die  Buliauptung ,  unter  dem  Traktat  sei  unser 
Sermon  zu  verstehen ,  ist  daher  mindestens  gewagt  Die 
Magdeburg^schen  £äte  Albrechts  können  di^m  noch  ganz 
andere  Schriften  von  Luther  überscliickt  haben,  wie  seine 
BotspsalmeDi  die  sehr  wohl  als  Traktat  beoeichnet  werden 
können,  seine  Thesen  ,  contra  soholasticam  theologiam von 
denen  auch  Rnaake  annimmt,  dafs  sie  im  Druck  erschienen 
sind  *,  seine  kuize  Auslegung  der  zehn  Gebote,  welche  la- 
teinisch und  deutsch  schon  im  Sommer  1617  ausgegangen 
sein  mofs'  —  kurz  alle  die  Schriften  des  aoftttssigen 


1)  Körner  S.  148. 

2}  Vgl.  Kolde,  Luther  I  (1884),  a  875,  der  mit  toftigen  GrOn- 
den  die  Annahme  KöstHn*t  luid  Knaake*«  bekämpft. 

8)  Wenn  der  Senium  hier  flbeihanpt  in  Betiaefai  kommen  kömita, 
eo  würden  wir  nach  dem  damaligen  Sprachgebraneh  ebenso  gut  wie 
dea  Traktat  die  Artikel  auf  ihn  bestehen  können;  eo  nennt  Tetiel 
den  Sermon  „eine  predigetfa  Ton  tswentmgjrrjgen  artlekeln"  ^ö  scher 
1,484).  Aberder  Anadmek  „Artikel*' ist  10  vieidentig^  da&sadeimvo 
aack  die  Theten  eo  genannt  werden.  So  sind  In  der  Veidentiehnng  der 
,,yita  Luthßri"  von  Melanthon  (Witt.  Ausg.  Bd.  XIl  [1660],  S.  464) 
die  95  Thesen  bezeichnet  als  „etUehe  Artikel  Ton  dem  AbUe**. 

4)  W.  A.  I,  221. 

5)  S.  Luther  an  li^ng,  4.  September  1517,  £nd.  I,  107  nnd  dasa 
unten  S.  148  £ 


DIE,  ^£U£  LCTHKH-AUSGABE.  IL 


117 


Mönolifl^  deren  eie  habhaft  werden  konnten.  Bas  eoll  an»- 
drOddich  als  blolke  Möglichkeit  hingeetellt  werden.  Aber 

sie  darf  jedenfalls  eher  auf  Walirscheinliclikeit  Aiispruch 
machen  als  die  Annahme,  Luther  Belbst  habe  seinen  Sermon 
an  den  Erzbischoi  gesendet.  Es  ist  nämlich  auffallend,  dafs 
in  dem  Antwortschreiben  Albrechts  an  seine  Räte,  während 
des  Briefes  Lather^a  an  ihn  vem  31.  Oktober  keine  £r- 
wSlmiiDg  gesdueh^  auf  venehiedene  Schriften  Ton  ihm  Be- 
sag genommen  wird.  Wenn  es  mit  dem  Original  dieses 
Briefes  in  Stockholm  seine  Richtigkeit  hat,  so  würde  das 
Iiulorsnt  bezeugen,  dafs  der  Brief  Luthers  von  den  Räten 
Aibrechta  am  17.  November  in  Kalbe  ^eöflnet  worden  ist*. 
Dem  Brief  haben  natürlich  die  Thesen  beigelegen,  und  es 
kann  kein  Zweifel  sein,  dais  die  Räte  beides  an  Albrecht 
weiter  geschickt  haben.  Aus  dem  Briefe  des  Ersbischofi^ 
wel<dier  die  Antwort  aof  diese  Sendung  sein  wird gebt 
aber  hervor,  dals  rie  sich  nicht  aof  die  Übermittelang  dieser 
beiden  Stücke  beschränkt,  vielmehr  geglaubt  haben,  gleich 
selbstthätig  der  Sache  sich  anneliraen  zu  müssen.  Denn  sie 
haben  mehr  übersendet  als  den  Brief  und  die  Beilage,  auf 
welche  Luther  selbst  in  der  Nachschrift  *  hinweist  £s  liegt 
daher  die  Vematong  nahe,  dafs  de  es  ftlr  ihre  Aulgabe 
gehalten  haben,  ihren  Herrn  durch  die  Einsendimg  aller 
bisherigen  VerÖflentlichangen  Lnther^s,  untw  welchen  aerne 


1)  Enders  T,  118. 

2)  Denn  ein  früheres  Schreiben  der  Räte,  mit  weldbAm  sie  zn- 
nächBt  Lttthor's  Brief  nebst  Thesen  überschickt,  darf  nso  nach  den 

Eingangsworten  des  Sclireibens  Albrechts  nicht  Termuten.  Eher 
könnte  man  sich  wegen  der  Nichterwähnung  des  Briefe*!  Lnther's 
zu  der  Annahme  virsucht  fühlen,  die  Räte  hätten  es  nicht  für  ge- 
raten gplüilten,  ihrem  Herrn  einen  Brief,  welcher  ihm  so  derb  ins 
Gewissen  redet,  mitzuteilen,  sondern  hätten  nur  über  den  Angriff 
selbst  ihn  unterrichtet.  Allein  eine  solche  Eigenmächtigkeit  ist  doch 
liicht  wohl  denkbar,  und  es  ist  wahrscheinlicher,  dafs  Albrecht  voll 
•oaTeräner  Verachtung  des  impertinenten  Briefes  des  „vermessenen" 
Mfln^Ot  sbaichtlich  nicht  erat  gedenkt,  auf  den  ihm  persönlich  wider- 
fUmosB  Angriff  nsr  satpidsnd  (vgl.  „wie  wol  m»  benirts  llsnicfa» 
trotilg  fornttoen  ynter  psrson  halben  wenig  anlbelitet'O' 
8)  End.  I,  117. 


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118 


denteche,  fUr  die  l4uenwelt  bestmiinto  Auslegung  der  sieben 
Bulspsalmeii  die  mnfiuigraicliste^  tm  kühner  Angriff  auf  die 
Bcholestische  Theologie  nächst  den  Theien  über  den  Ablalk 

die  bemerkenswerteste  war,  in  den  Stand  m  setsen,  sich 
über  den  Münch  ein  Urteil  zu  bilden  und  jenachdem  mit 
genügender  Kenntnis  gegen  ihn  vorzugelien 

Doch  wie  dem  sein  mag,  das  eine  steht  fest:  ein  auch 
war  halbwegs  sicheres  Avgiunent  fUr  das  Vorhandensein  des 
Sermons  von  Ablals  und  Gnade  bietet  der  Brief  Albrechl^s 
▼om  18.  Deaember  1517  nicht. 

Weitere  BewLiHjL^Luiide  liir  seine  Entstehung  im  Jahre 
1617  hat  man  aber  nicht  vurgebracht. 

Desto  reichlicher  strömen  dem  Forscher  die  Gründe 
gegen  dieses  Jnhr  zu. 

Zwar  der  Umstand,  dafii  wir  keinen  Druck  des  Sermons 
ans  dem  Jahre  1617  nachweisen  könneni  würde  allein  für 
sich  noch  kein  Beweis  gegen  Entstehung  und  Verbreitang 

düiiöcibeii  in  dem  genannten  Jahre  sein.  Denn  nachweislich 
ist  mehr  als  ein  Druck  einer  Lutherschrift  aus  dieser  Zeit 
verloren  gegangen. 

Gegen  die  Abfassung  1617  spricht  auch  nicht  die 
von  Kolde  '  mit  gutem  Fug  angestellte  Verig^chung  dessen, 
was  Luther  am  16.  Februar  1618  an  Spalsün  schreibt  ^ 
mit  dem  Sermon  selbst      Denn  nur  dieses  geht  aus  dem 


1}  Doudben  Eindmck  bat  aoeli  Kolde  a.  a.  O.  empfiuigen: 
„Nseh  dem  Eingange  dss  SehraibeBt  Albreebt*0  sa  sobliefiMn,  bat  es 
sich  in  dem  Bebreiben  seiner  BSte  sneb  gar  nicbt  mn  eine  eioftehe 
Weiterbefördenmg  Ton  Lnther'i  Sendmig  an  Albreeht  gehaadelt,  son- 
dern um  einen  selbstSndigen  denuniiereaden  Berioht  der  Bftte  vnter 
Beifügung  des  Anklagematerials.'^ 

2)  I,  375.  VgL  Plilt,  £inleitang  in  die  Angustana  I  (firlaqgea 
1867),  S.  97. 

3)  Secundo  de  viiiute  indulgefUiarum,  quantum  vakant  Haec 
res  in  dubio  adhuc  pendU,  et  mea  disputatio  inter  calumnias  fiuctuat 
Duo  tarnen  dicam,  primum  tibi  soli  et  amicis  'nostris,  doncc  res 
publice  tur :  mihi  itt  indulgeniiis  hodie  vidcri  n()}^  rs<^e  nisi  animarum 
iliusioncin,  et  nihti  prorsm  tUiUs  ease  »i»  eUrttntibut  et  pigrie  m 
via  ChriMi  (Eud.  I,  155). 

4)  Satz  14:  ,|Abla(4  wird  tzugelassen  umb  der  onvoUkomen  und 


DIE  MEUE  LUTI[BB*Aü80ABE.  n. 


119 


Briefe  hervor,  dals  der  Sermon  damals  noch  mcht  ver- 
öiientiicht  gewesen  sein  kann  ^ 

Dagegen  bildet  eine  schwer  wiegende  Timbrny.  gegen  1517 
Lttther's  ficief  an  Scheorl  vom  &.  Min  1518  und  ne 
wird  eohwerlicli  entkräftet  werden  kdnneni  obglddi  ee  ueh 
hier  nnr  um  ein  argumentum  e  Bilentio  handelt 

Indem  man  nicht  ohne  Grund  das  Datum  dieacs  Briefes 
als  termiiius  a  quo  für  die  Entstehung  des  Sermons  an- 
nahm, hat  man  sich  auf  die  Aufserung  berui'en:  Imo  si 
4^tum  dederU  Dominus,  cupio  UbeUum  vemaculum  edere  de 
virtuU  indtUgetUiarum,  ut  opprimam  Posiiumea  iUaa  Vagant' 
Hsaimas,  Die  Absicht  Lntheri^  bot  Verdriliignng  der  Theeen 
«ine  deutsche  Schrift  au  yer&sseni  welche  er  im  Chgensati 
XU  den  im  vorangehenden  Satze  erwtthnten  auBfÜhrlicheren 
Resolutionen  als  , Büchlein'  bezeichnet,  scheint  ja  zui-  Aus- 
fuhrung gekdJniiiea  zu  sein  (und  ist  es  in  gewisser  Weise 
in  der  Tbat)  durch  Abfassung  des  Sermons  ^  und  so  hat 
man  geglaubt  sagen  zu  dürfen:  yiam  5.  März  beabsich- 
tigte Luther  noch  den  Sermon  an  schreiben"*.  TCna^h» 
hat  die  Kraft  der  unbequemen  £inrede  durch  die  ErklJtmng 
gebrochen,  unser  Sermon  sei  hier  schweriich  gemeint,  „son- 
dern Luther  hatte  wohl  die  Absicht,  ein  umfangreicheres 
deutsches  Werk,  ähnlich  seinen  Resolutiones,  abzufassen,  um 
dadurch  das  Volk  über  den  Wert  des  Ablasses  zu  be- 
lehren/' Diese  Ausdeutung  ist  bei  ihm  zwar  nur  ein  Pro- 
dukt der  Verlegenheiti  aber  dennoch  ist  an  ihr  so  viel 
richtig,  dais  Luther  als  er  dieses  schrieb  nicht  gerade 
an  diesen  Sermon  gedacht  haben  wird;  das  beweiBt 
die  Wendung  9%  cHum  äederU  dammm:  er  spricht  den  Qe- 


ftabn  GhriMi  willen**  (W.  A.  I,  245)  mid  Sets  16:  »Ulk  die  frnlsa 
und  acIileffBrigen  duktea  ablas  lolsen"  (1,  246). 

1)  Wem  Knaake  und  Röstlin  den  Drack  „in  dcu  Februar 

1518''  verlegen,  so  bliebe  hiernach  nur  daa  ietste  Drittel  Februar 
4sför  frei.  Übrigens  bat  Luther  mit  dem  donec  res  publicetur  sicher 
an  seine  „Resolutiones"  gedacht,  deren  er  in  diesem  Briefe  sem 

ersten  Mal  gedenkt  (End.  I,  256), 

2'  End.  I,  \m. 

d}  PUtt  i,  dö.  Ebenso  Koldo  I,  875. 

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130 


BRUBOEBf 


danken  aus,  eine  kleine  deutsche  Schrift  zu  yerfassen,  die 
aber  doch  umfanp^-eicher  gedacht  sein  raufs  als  der  nach- 
mala  erschienene  !Sermo%  weicher  an  Luther'B  Zeit  nur  eine 
sehr  geringe  Anforderung  gestellt  haben  kann. 

Ist  ee  hiemach  nicht  korrekt  zu  sagen,  liother  habe  aidi 
damals  mit  der  Abaickt  eben  nnsern  Sennon  su  scbieiben 
getragen,  so  macht  es  trotsdem  der  Brief  imaweifelbafity  dals 
der  Sermon  damals  iiücli  nicht  vorhanden  war.  Wenn  er 
wirklich  bereits  existierte,  ja  gedruckt  vorlag,  so  bliebe  es 
unverständlich,  dafs  Luther  nicht  auf  ihn  Scheurl  ver- 
weist,  vielmehr  auf  die  noch  in  Arbeit  befindlichen  Reso* 
Intionen  und  auf  eine  erst  geplante  kleinere  deatache  Schrifl 
ttber  den  Qegenstand  TertrMei  Er  khgt  nämlich,  dafii 
seine  Theem  fdr  den  gemeinen  Mann  ungeeignet  seien  \  Er 
hat  später  seinen  Sermon  dahin  beurteilt,  dafs  er  durch 
gröfsere  Klarheit  jenem  Mangel  der  Thesen  wirksam  ab- 
heile Wie  hätte  er  also  in  diesem  Zusammenbange  von 
ihm  abschen  können?  £0  ist  keine  Frag^  als  Luther  die- 
sen Brief  schrieb,  da  Jag  sein  Sermon  noch  nicht  tot,  ja 
Lnther  dachte  noch  gar  nicht  einmal  daran,  das,  was  «r 
rorBdehrong  des  Volkes  schreiben  wollte,  in  dieser 
zu  geben. 

Der  Anlafs,  sie  zu  wählen,  kann  ihm  ako  erst  später 
gekommen  seiD,  und  wli  dürften  in  der  Lage  sein,  ihn  zu 
bestimmen.  £s  waren  die  Gegenthesen  Tetzel's,  welche 
ihm  —  in  der  aweiten  Hälfte  des  Mäns  —  den  Anstois 
gaben,  mit  diesem  Schriitchen  henrorsntreten.!.   Demi  der 


1)  Um  rem  ihre  weite  YeilneitaDg,  gjuoä  iUe  modm  mm  ttt 
iäomm,  quo  9ulgu$  emdwtutr.  8miU  mim  nommUa  mihi  ^m» 
dubia,  l0ng€qu€  aliter  ti  ceriiuB  guaoämn  9B9erui8Bem  «el 

omisissem,  d  id  futurum  sperassem. 

2)  Er  lehrelbt  am  9.  Mai  1518  an  Thitfetter,  End.  I,  188f.  ;  De 
aSiä  tmUm  Positionibus  htdutgentianm  priua  tUn  seripti,  mihi  nm 
plaeere  eanim  tarn  vastam  invulgationem.  Nus^pum  enim  id  auditum 

est  fieri,  nec  potui  sperare  futurum,  quod  in  iatis  solis  contigit; 
alioqui  clarius  eas  po^u  i  "^sem ,  f^icut  feci  in  termonc  vul' 
gari,  q>a  tibi        iis:  ommbui  ditpUcct* 

3)  So  bereits  üolde  I,  100. 


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DIB  SEDE  LDTHEB-AU80ABE.  II. 


Sermon  zeigt  unverkennbare  Anspielungen  auf  die  erste 
Theaemeibe  Tetsels^^  eo  dtJk  die  Vennutong  sieht  ab  »i 


1)  Darauf  hat  Kol  de  aufmerksam  gemacht  (I,  375):  „Die  deut- 
liehate  Bezugnahme  aof  TetzeU  Thesen  verrät  a.  a.  Lather's  9.  Sats 
mit  seincT  Erwähnung  der  poena  medicativa  und  aatisfactoria  (von 

der  er  vorher  nicht  g^esprochen  hatte);  vgl.  Tetzer»  14.  \ind  71.  These'*. 
Hierzu  ist  noch  These  13  und  IG  hiuzuzunehmen  und  im  Anhang  der 
ersten  Thesenreihe  bei  Löscher  I,  517  die  drei  letzten  äätse.  Da& 
Luther  bei  den  „eÜUch  der  newen  predi^er",  welche  „sweyerley  peyne 
erfunden,  Medicativas ,  Satxsfactorxm"  ^  gerade  auf  Tetzel  Bezug 
nimmt,  wäre  an  sich  nicht  notwendig,  da  Tetzel  (oder  nein  Hinter- 
mann Wimpiaa)  nicht  der  Krfindt;r  dieser  scholHätiachen  Unterschei- 
dung ist  (sie  findet  sich  schon  bei  Thomas  von  Aquino  und  Bona- 
Tentm  mid  aneh  Gmbriei  Bid  hat  de  Qodi  tettietea:  ptmiümMm 

fttOka).  Aber  Luther  hMle  ohne  Teteel  gtr  kflüie  TenuüasBqng, 
hier  aof  diese  UntenebaidaDg  einmigeheiL  Wenn  noch  ein  Zweiftl 
fbifg  bliebe^  se  wOrde  er  dereh  «inen  BUek  in  die  Besolntionen  mt- 
eMit  weiden:  in  der  EriSntemng  snr  7.  Ttiese  eitiert  er  dieeea  Eia- 
wozf  Tetid'e  In  seinen  Gegeatbeseo  (ae  amüna  «Ha  cpnuionMm  aUam 
äi$tmgmt  poenam  fatiafaeHvam  et  vindieatimm ,  aliam  mediccUivam 
€t  emmtmm)  and  thnt  ihn  £ut  mit  denselben  Werten  ab  wie  im 
Seraion:  quasi  necesse  tit,  haec  vel  iomniantibui  crederef  W.  A. 
T,  544  'Jm  Sermon  T,  245  spricht  er  von  Plauderei  und  Erdichtung^  — 
Es  finden  sich  aber  im  Sermon  noch  weitere  Beziehungen  auf  die 
Thesen  'i'ftzei's.  So  wendet  .sich  die  Bekäm})fnii^-  der  von  der  gött- 
lichen Gerechtigkeit  begehrten  pocnae  mf^sfactonae  in  Satz  5,  ß  u.  7 
gegen  die  Thesen  6,  12,  '53  (auch  auf  (licsc  Sätze  seiner  „Leonte" 
nimmt  Luther  in  den  iicäolationen  Rücksicht,  zu  These  5:  I,  536V 
Auch  S:itz  10:  ,,Das  ist  nichts  gered,  das  der  peyn  uund  werck  tzu 
viii  se^^nn,  dasa  der  mensch  sie  uit  mag  volnbrengen  der  Kurtz  halben 
s^ns  lebens,  darumb  yhm  nott  sey  dor  Ablas**  dürfte  mit  Besag  aof 
These  düt  geschneben  sein:  Sei  fuoMdo  ob  im^pOfi§  defieimfiam 
potHt^  lehltr  Morfaei  fnieiilMljiilMae  iiofMiMfi^iHWi  wwejMaaliirjf 
faae  «ml  pkmmmi»  vmm§  cderiUr  rdaMmdm§,  tlutte  faeiunt  lafcf 
heminu  a  redieiawdw  OimfmUmttlilm  tMiorttmUs,  Deians,  dafs  sich 
Sets  It  inhaltfieh  mit  Tinse  6  and  88f.  berGlirfe,  ist  ehie  Besognehme 
aaf  Telael  nieht  m  erwdsen.  WoU  aber  iriid  ebe  eolebe  in  Sats  16 
fetSegen,  dieser  sieh  gegen  These  7&— 79  liehtan  (?on  der  eaeUiehen 
Bebimpfimg  abgesehen,  verrit  sie  sieh  in  einer  epeaiellen  Wendung: 
hatte  Tetzel  Thnsr  75  gesagt:  Qui  aiU&r  popuhm  docet,  eundtm 
•mUwU  and  in  These  79  noch  einmel  pepulum  seducU,  so  antwortet 
LotlMr!  „und  halt  deifar  fiej,  wer  dyr  snders  segt»  der  Torfnrt 


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132 


BBIBQBBy 


gewagt  erscheint,  Luther  habe  infolge  deä  Aufsehens,  wel- 
ches dio  Thesen  des  Ketzerrichters  und  vielleicht  noch  mehr 
ihre  Verbrennung  durch  die  Studenten  in  Wittenberg  er- 
regtcn^  die  Ransel  bestiegen  und  die  Predigt  gleich  darauf 
in  diesen  knizen  Aussog  ^  gebracht,  womit  er  ingleich  seine 


dich  adder  sucht  ye  deyn  seel  yn  deyoem  Beuteil").  Vgl.  auch  in 
dem  Anhang'  zu  der  ersten  Thesenreihe  Tetzel'«  den  fünften  Ab- 
Bchnitt,  Lüschcr  i,  515  ^Aa  dem  Tetzerschen  Urspruüg  diesem  Au- 
haugea,  der  leichteu  Auflösung  der  „Laienargumente",  kann  man 
nicht  zweifeln,  wenn  auch  die  Jenen^  Ausgabe  ifaii  [wie  snoh  die 
Erlanger]  fbrtgsUmen  bei.  Er  bat  jed«ii£ü]s  in  dem  Dmek  der 
Thesen  gestanden.  Sehen  fai  der  Übenehrift  derselben  friid  auf  ihn 
Besug  genomineB;  aneh  finden  sieh  BerSbrongen  out  Tetsel's  „Ver> 
legnng") 

1)  DaA  es  steh  hier  um  die  Wledsq;abs  der  Hanptaltis  einer 
wirklieh  gehaltenen  Predigt  handelt,  ist  unzweifelhaft. 
1)  würde  Luther  sonst  einen  anderen  Titel  gewählt  haben;  2)  bat  er 
ein  ganz  ähnliches  Verfahren  einige  Hcmate  später  bei  der  nachweis- 
Uch  gehaltenen  Predigt  ,de  vlrtute  exoommunicationis'  (W.  I,  6S4ff.) 
eingeschlagen;  3)  bei  dem  etwas  weiter  ausgeführten  IG.  Satze  (1, 245 
blickt  noch  etwas  von  dem  ursprünglichen  Predigtcharakter  durch. 
Ob  aber  Liuther  die  Predigt  vor  dem  Volke  gehalten  hat  oder  blofs 
in  der  Augustinerkapello ,  welches  letztere  Myconius  (Historia 
Reforinat.  ed.  E.  S.  Cyprian,  Leipzig  1718)  S.  24—26  in  seiner  an- 
mutigen Erzählung  von  dem  „arm  unansehnlich  Capellichen"  berichtet, 
ist  nicht  mit  Sicherheit  zu  entscheiden.  Kuaake  ist  Myconius  ohne 
weiteres  gefolgt  (nur  duis  er  das  von  Myconius  in  diesem  Zusammen- 
hange angegebene  Jahr  1518  verwirft).  Aber  das  späte  Zeugnis 
eines  Msanes,  der  jedenialls  nicht  als  Ohrenzeoge  von  der  Predigt 
berichtet  (Luther  In  seinem  enten  Briefe  an  Um  vom  8.  Msi  1586: 
ad  U  ignoh»  ignotmm  sert5e,  deW.  n,  668),  Ist  ohne  dordhseUsgsnp 
des  Gewicht;  lAftt  er  deeh  ancfa  die  »Rrelheit  des  Sennoos*'  eine 
Prsdigt  snn,  so  Lnther  getan.  F&r  ehie  Piedigt  vor  dem  Volke 
würde  der  ganse  Ton  des  Bsrmons  stechen;  doch  möglicherweise  bat 
erst  bei  der  Hecriehteng  Ittr  den  Dmek  dsr  Benno  das  volkstümlishe 
Gepräge  erhalten.  Für  die  ElosterkapsUe  spricht  folgende  Erwägung. 
In  der  bald  nach  dem  Dmek  unseres  Sennons  gehaltenen  Predigt 
,de  poenitcntia*  beiist  es  am  Schlaft  iren  den  Indulgenzen:  de  his 
hahetis  vulgarem  sermonem  nuper  impressumf  ideo  ad  praesens  omitto: 
lege  ibidem  (W.  I,  324).  Wären  beide  Predigten  vor  denselben 
Hörern  gehalten,  so  sollte  man  hier  eine  Bezugnahme  auf  die  vor  der 
Gemeinde  gehaltene  Predigt  vom  Ablafs  anstatt  auf  den  Druck 
derselben  erwarten ,  und  ebenso  2U  Anfang  der  Predigt  (i>e  wdul- 


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DI£  NEUE  LUTfi£B-AüSGAB£.  IL 


123 


Absicht,  die  lür  das  \'olk  unv  eratäudlichen  Thesen  durch 
eine  klare  ^,  jxjsit  ive^  Darlegung  seiner  Auffassuug  des 
Ablafi&eft  zu.  yerdräugeoi  ftuaiuhrte.   Doch,  wie  e»  Bich  da* 


gentiis  saepe  iocutus  man  rohis ^  donec  id  meruerim,  ut  haere*inis 
€icai<crf  1,  319)  eiue  Beziehuug  auf  die  erst  ganz  vor  kurzem  ge- 
haltene letzte  PrtHÜgt  über  diesen  Gegeustand.  Die  Predi^rt  .de 
pcM  iiiti  iiti:i '  uiufs  aber  nach  der  Eingangsbemerkung  vor  dem  Volke 
gcLalteu  äeiu,  da  die  früheren  Predigteu  Luther 's  über  den  Ablafs 
auf  dieses  Publikum  wdäeu. 

1)  Vgl.  die  schon  erwähnten  Briefe  an  Scheurl  und  Trutfetter 
End.  I,  166  und  189. 

3)  Den  Hanptnntonehied  des  Sermoot  von  tiBibam  Theten  bat 
Lather  im  19.  flataeamgeBproeheii:  ^la  disaen  pnncten  bab  ieb 
Ott  tswejffelt  und  eiad  gaagutm  yn  dec sebrifit gegnmd^'  n,B.w^ 
wibiend  er  von  den  Thesen  sagen  mulste:  hUw  tptae  smU  de  qmbm 
dubito,  fumtmUa  ignoro,  oligiMiet  »«po  (End. 1, 160).  So  urteilte 
er  Ton  den  Sermoiien  dieses  Jahres  überhaupt:  Qw»,  tebieSbt  er  am 
19.  November,  9go  fneUma  defendam  (Deo  propitio)  q%usm  ip$a$ 
ditptUaU(me$.  Nam  hie  muUa  dubitavi  et  ignoravi,  iUic  heutua  mm 
ex  certa  scientia  et  non  er  opinionüme  (End.  I,  294).  —  Eiuen  er- 
beblichen  Fortschritt  Luther's  in  seiner  Beurteilung  des  Ablasses, 
•wie  ihn  Kolflp      ,  l.'O.  375)  annimmt,  bedeutet  meines  Ernchtena 
■der  Seimoii        hüIk  i  den  Aktenstücken  des  Hl.  Oktober  nicht.  Auch 
Äus  dem  üriefe  Luther's  an  Spalatin  vom  15.  fV-brnar  (mit  dem  sich 
ja  der  Sermon  berührt,  s.  oben  S.  Iis,  Ainu.  oj  laist  sich  ein  bulcher 
Fortschritt  nicht  erweisen.  End.  1,  lö'):  Uaec  res  [die  rirtm  induJqen- 
tiarmn]  in  dubio  adhuc  pendct.  .  .    Uno  tarnen  dicam,  pninmn 
tibi  9oli  et  amicis  twstris,  donec  res  publicetur:  mihi  in  indulgentiis 
hodie  vidtri  non  esse  nisi  anitnarum  tUusümem  et  nihil  prorsm 
«Übe  me  M  $UrieMl»bu$  et  pigria  m  via  ChirieU,  Die  ißiMie  trar 
flmi  tcots  det  hodie  niebti  Neues;  dena  wir  lesen  gleieb  danmf,  dab 
eie  iiir  am  den  Anlaft  an  seiaea  Tbesea  abgegeben  bat:  hn^  ilhh 
mome  mutoümdae  graHa  ego  veritatie  amore  m  eum  diaptUaHimi» 
penmUteum  labgrimikim  deäi  wte  ipwm*  Aach  die  Erkenntnis,  da(a 
dar  AblaA  aar  fiir  Iknle  Cbristea  Wert  babe»  ist  keine  aeoe,  soa:* 
dem  impUcite  m  dea  Thesen  enthalten  (vgl.  die  Tbesea  86  f  89f.). 
Weiter  heilst  es:  Seeundum,  in  quo  non  est  diibiwm,  .  .  .  qitod 
ele&mtgma  et  subventio  proximi  incompar  rf  iUtcr  meUar  ett  (MOM 
mdulgemti4u.    Auch  dies  ist  sehmi  in  den  Thesen  (41—46)  ausge- 
sprochen, desgleichen,  und  zwar  mit  derselben  Schärfe  wie  in  dem 
Briefe  an  Spaktin,  in  Luther's  Brief  an  Erzbi.sehof  Albrecht  vom 
31.  Oktober  (End.  I,  11 G):  opera  piekUie  et  charUati»  tunt  in  infim- 
Um  meüora  indulgentiia. 


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124 


BRIEGEB, 


mit  verhalten  mag,  das  steht  fest,  dafs  die  Schrift  erst  ver- 
fafst  ist,  nachdem  Luther  die  Tetzerschen  Thesen  erhalten 
hatte.  Wir  können  daher  den  teiminuti  a  quo  noch  ge- 
nauer bestimmen  y  als  vorhin  mit  Hille  des  Briefes  vom 
5.  M&rs  geschehen  ist:  die  Schrift  kann  in  der  vorliegenden 
Qestolt  erst  nach  dem  17.  Märs  entstanden  sein  K  Uber 
den  terminas  ad  quem  ist  man  heute  einig,  da  der  bierber 
gehörige  früher  ftlscblieh  in  den  Noyember  1517  verlegte 
Brief  an  iSpalatin  *  jetzt  aügemein  Ende  März ,  Anfang 
April  angesetzt  wird 


1)  In  seiiier  IWrteapiedigt  vom  IVeitsg  nseh  lAetsie  (19.  Min) 
bat  sich  Luther  fiber  die  Yerbcemumg  der  Tetscü'iebsn  Thosen  daieb 

die  Studenten  beschwert  (W.  A.  I,  377) ;  in  seiner  swei  Tage  soror, 
Mittwoch  den  17.  Mfin  (W.  A.  I,  267  C)  gehalteoen  Predigt  kommt 
noch  nichts  davon  m.  Diese  zwei  Tage  umgrenzen  also  die  Zeit,  in 
welcher  die  Thesen,  von  denen  Luther  zuerst  am  21.  März  an  Lang- 
schreibt (Knd  I,  170  f.),  nach  Wittenberg  gelangt  und  von  den  Stu- 
denten verbrannt  sind.  Falls  Ltithnr  die  dnm  Sermon  zugrunde 
Hegende  Predigt,  wio  wir  oben  anuaiiinen,  er^t  infolge  des  Ein- 
trefiena  der  Tetzelschen  Theseu  gehalten  hat,  so  würde  sie  noch 
einige  Tage  später  anzusetzen  sein:  nach  dem  19.  Märr.  (wenn  nicht 
etwa  Luther,  ^v:ls  nicht  unmöglich  wäre,  am  19.  März  zweitnal  die 
Kanzel  bestiegen  hat).  Geht  der  Sermon  auf  eine  schon  früher  ge- 
haltene  Predigt  zurück  (zu  dieser  Annahme  liegt  aber  nicht  der  min- 
deite  GfVQd  vor),  le  wQxde  dieie  immer  erst  jetzt  n  der  Dvn^i^ttffc 
umgearbeitet  sein.  Noch  ein  paar  Tage  weiter  müTsten  wir  herab- 
gehen,  wenn  man  aus  der  Thatsache,  da&  Lntlier  in  seinem  Briefe 
an  Lang  trotz  der  eingehenden  EnShInng  tob  der  Verbrennong  der 
Tetzel*8clien  Thesen,  Ton  denen  er  ein  Exemplar  dem  Briefe  beilegt, 
doeh  zeinee  Senmoos  nieht  gedenkt,  den  Sdünlz  aehen  düxfte,  daft 
er  am  21.  diese  Wideriegmig  noch  nicht  beabsiehtigt  hebe.  Wie 
vorsichtig  wir  aber  mit  derat  tiVon  argumentis  e  ailentio  lein  mOsMiii 
•eigt  gleich  der  nSclirtfolgende  Brief,  der  an  Egranns  vom  24.  Mira» 
in  welchem  Luther  zwar  des  Angriffes  von  Eck  gedenkt,  aufMlen- 
derweisG  aber  von  dem  Tetzelschen  schweigt  Immer  geht  aber  aus 
dem  Briefe  au  Lang  vom  21.  hervor,  dafs  an  diesem  Tage  der  Ser- 
mon noch  nicht  gedruckt  vorlag:;  denn  sonst  würde  ihn  Luther  sicher 
neben  den  Thesen  dem  Freunde  überschiokt  hRben.  Doch  wird  die 
Schrift  noch  in  derselben  Woche  die  VVittenberger  Presse  verlassen 
haben. 

2)  de  Wette  I,  70  f.  =  Knders  I,  177  f. 

3;  Küstlin  I',  787  (zu  S.  1Ö2):  „Der  Brief  ist  —  ebenso  nach 


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DIE  NEUE  LUTHEfi-AUSOABE.  U.  125 

Hm  darf  daher  annehmen,  daA  der  Sermon  von  Ab- 
lafs  und  Qnade  in  den  leisten  acht  Tagen  des  Mftrs 

aui^gcgeben  ist  \ 

Es  wiiie  ihm  somit  seine  Stelle  hinter  den  zwei  deutschen 
Fasteopredigten  von  1518  anzuweisen  gewesen. 

4. 

jylQiie  kme  ErUftruniir       2^  Oebote^^  und  die 
„Instnietlo  pro  eonftsslone  peciMitoniiii^^ 

Unter  diesen  Ubenchriften  bringt  Knaake  unmittelbar 
nach  dem  Sermon  Ton  Ablala  und  Gnade  als  erste 
Schriften  des  Jahres  1518  Luthers  älteste  ErkUürnng 
der  adln  Gebote  lateinisch  und  deutsch. 

Dss  Dimkely  welches  über  diesen  kleinen  Schiiflen 
lagert;  i&t  auch  von  Kuaake  nicht  gehchtet. 


Knaake  —  in  Ende  Bfin  oder  Anfang  April  sn  setsen.'*  So  auch 
Kolde  (vgl.  I,  375  nH  I,  150  —  das  »Anfang  Min**  a  160  nmla 
aidi  dem  Znismnieiilisng  Druckfehler  für  „Ende  Min**  Bein)  and 
Enders  I,  179.  Ffir  die  Datierung  iat  auch  beachteniwert  die 
Adzeaaex-Aio  Spalatmo  in  aree  Wiiienhergemi,  wie  aie  sich 
elwiMW  in  dem  undatierten»  von  Enders  mit  Beeht  in  die  Oitenfocbs 
Yolegtai  BiDal  End.  1*  180f  findet  (auch  die  Briefe  sa  %islalin  ans 
Coburg  vom  15.,  ans  Wfirshorg  vom  19.  April  [End.  I,  183.  185]  dnd 
nach  Wittenberg  adressiert).  Die  Anwesenheit  des  Kurfürsten 
in  Wittenberg  können  wir  urkundlich  für  „Freitag  in  der  heiligen 
Osterwoche"  (9.  April)  nachweisen  (s.  Kolde,  Die  deutsche  Au- 
gustinerkongregation S.  3141;  er  mufs  aber  schon  zur  Zeit  der  Ver- 
brennung der  TitzeTschen  Thesen  in  Wittenberg  anwesend  gewesen 
sein,  denn  eunst  hätte  die  Bemerkung  Lutlu  r 's  in  seiTif^m  Briefe  an 
Long  vom  21.  Marz,  die  Verbrennung  habe  kI angefunden  tuscio 
Principe,  ScmUu ,  Hectore ,  demquc  u^nubus  v nlns  (End.  I,  170), 
keinen  Sinn.  Am  11.  März  dagegen  wai-  SpalaLin  noch  nicht  in 
Wittenberg  (s.  den  Brief  Luther*s  von  diesem  Tage  End.  I,  IGÖ). 

1)  Mit  diesem  Ergebnis  stimmt  die  Angabe  Tetsel's  in  seber 
»Torlegmig (Löseher  1, 484f.)f  der  flermim  sei  „yn  der  festen  [17  Fs- 
bniar  bis  8.  AprilJ  iuugät  vorsehienen  gedraekt  snsgsgsogen**.  Et- 
was  sn  splt  hat  Plitt  I,  96  ihn  sageietst:  Mirs  oder  AprIL 
Biebtig  silsin  Kolde  1,  160s  MNoeh  hi  den  ietetea  Tugsa  des  Mini 
iriid  ssin  kUhMS  SefariAehsn  . .  saKhieDSn  isin.'' 


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1S6 


mm 


1.  Der  Titel.  Die  lateiniBche  Schrift  ist  in  swei  etwas 
Yon  einander  abweichenden  Fasetingen  auf  uns  gekommen, 
Ton  denen  die  eine  uns  dnsig  in  der  Wittenberger  Aosgabe 

der  Opera  von  1545  aufbewahrt  ist,  die  andere  noch  in 
einem  Augsburger  Drucke  von  1520  vorliegt  ^  Jene  ist 
betitelt:  ,,Instructio  pro  conieesione  peccatorum 
abbrevianda  secundum  Decalogum^'y  diese:  ,yCompendio8a 
decem  praeceptorum  explanatio,  eorom  transgrae» 
sionee,  impletiones,  literam  occideniem  et  sptritom  vivifican"- 
tem  comprehendens'^  Knaake  ist  bei  Feststelliing  des  Ti« 
tels  der  Wittenberger  Ausgabe  gefolgt 

Die  deutbehe  Schrift,  von  Casp.  Güttel,  welcher  sie 
seinem  1518  erschienenen  Büchlein  von  Adams  ^AVrken 
und  Gottes  Gnade'' '  einverleibt  hat',  als  „Ein  Beicbt- 
Bettel^'^  beaeichnet,  führt  in  den  Sonderdmcken,  unter 


1^  R  Knaake  T,  257.  Der  Augsburger  Druck,  auch  schon  yon 
Irmi scher  E.  A.  36,  146  verzeichnet,  lag  mir  in  einem  Exemplar 
der  Göttinger  Univ.-Bibliothek  vor.  Von  ilt  ii  von  Knaake  I,  247 
und  248 f.  verzeichneten  Drucken  der  deutschen  Schrift  waren  mir 
zur  Hand  (und  zwar  aus  der  hiesigen  Univer^  Hihliothck)  1)  Güttel, 
2)  Druck  A,  3)  Druck  G  in  einer  lithographischen  Nachbiidang 
„Leipzig  [18G4j,  Verlag  von  Adolph  Werl". 

2)  Dem  Sebxiftchen  liegen  dem  Titel  zufolge  seine  1518  im  Au- 
gUBtinerkloster  m  Sdeben  gehaltenen  Kutenpredlgten  zugrunde  (a. 
den  Titel  bei  Knaake  I,  247).  Über  die  Selnift  eelbrt  let  m  «ar- 
gMehen  Koldei  Die  deatsche  AngastineikoDgrcgation,  8.  810—819, 
aneb  Kaweran,  Kasper  Güttel  (Halle  a./S.  1882),  8.  27t  77. 

8)  Bl.  C  8»-D  2  k. 

4)  Seine  EinfShttuig  „der  nefan  Gebote'*  mub  im  Zosammenbang 
mitgeteilt  werden,  Bl.  C  2^ f.:  „Solche  ▼nderricbt  tsa  Christi  vod 
güttes  gnaden  neben  seines  selbst  waren  eikentbnns  tra  leehter 
belebt,  buefs  vnd  also  nachmals  des  bocbwiicltgsten  Sacraments  se- 
liger entpfahung  bringt  einem  vleissigot  aasdiawer  viid  bchertzer  die 
beschreibung  in  deutscher  Septen  [genauer  bat  Guttel  den  Titel  Ton 
Luthcr's  Bufspsalmen  BL  C  1*  angegeben]  des  Vorgängen  ihane 
durch  den  Mansfeldischen,  ytzt  Wittenber^schen  Augustiner  sampt 
einer  beicht  tzettcl  von  Adam's  werckenn,  cygenen  krefftenn, 
flelichem  ToptaTnont  vnus  angebom  eynfs  tluylcs,  vud  gotlicher  gna- 
den (h  r  wurckn^ip;  C'hristi  df»s  andern,  in  vortragung  der  trehcn 
gebothc  hiermit  eingelegt,  fast  gruntlich  vnnd  wol  vortzey- 
obendt."  Das  „Ton  Adams  werckenn  .  .  vnd  gotlicher  gnaden 


.  Kj       by  Google 


DIE  NEUE  LtmrER-AUSQABE.  IL 


127 


d€Den  nch  jedoch  (nach  Knftake)  kein  Wittanberger  be> 
findet,  aoBnahmrfoe  den  Titel:  ,>Die  sehen  Gebote  Got- 
tes mit  einer  knroen  Anslegung  ihrer  Erföllnng  und  Uber- 

treluiig".  Der  von  Knaake  beliebte  Titel  ist  ein  willkür- 
licher. Entweder  hatte  er  sich  au  den  Titel  der  feuader- 
dmcke  zu  halten  —  und  dies  wäre  das  sichcröte  ge- 
wesen *  — ;  oder  falls  er  nachweisen  konnte ,  dafs  die  von 
Gftttel  gebrauchte  Beseichnung  der  Schritt  yon  Lutiier  her- 
■tammey  eo  wire  rie  als  ^^Ein  Beichtaettel''  au  betiteln  ge> 
wesen.  Dann  hatte  der  Titel  ganz  fthnlich  gelautet  wie  in 
der  lateinischen  Bearbeitung  des  Schriftchens  nach  der 
Wittenberger  Ausgabe.  Auf  einen  Titel ,  welcher  Luther's 
Behandlung  der  zebn  Gebote  in  Beziehung  zur  Beichte 
setzt,  deutet  hin,  was  er  zum  9.  und  10.  Gebote  sagt*. 
Enaake's  Einwand  gegen  den  Titel  ,,Beic}itzettel''  (anter 
diesem  Ausdruck  ventehe  man  gewöhnlich  das  Zeugnis  eines 
Priesters  fiber  abgelegte  Beichte)  '  ist  schon  deswegen  ohne 
Belang,  weil  Caspar  Guttel  den  damaligen  Sprachgebrauch 
auch  —  und  zwar  besser  als  Knaake  —  gekannt  haben 
wird.  Auch  das  entsprechende  lateinische  Wort  ,Con- 
fessionale'  wurde  in  verschiedenem  Sinne  gebraucht:  nicht 
blofs  als  Ablafsbrief  (Beichtbrief,  Beich^rivilegium),  sondern 
auch  Ton  den  Anleitungen  zur  Beichte,  an  denen  das  aus- 
gehende Mittelalter  so  ungemein  reich  war^    Luther  be* 


»cbeiut  Güttel  mit  Besiehoag  anf  den  Titel  seiner  Schrift  singe- 
schaltet  zu  haben. 

1)  Es  ist  ohnehin  nicht  wahr<;rheinlich ,  dafs  di^"  Xachdruckcr 
eigen iiKirhtip  von  der  Wittenbergor  Vorlnj^P  abgewichen  sind.  Viel- 
leicht haben  verschit  Ic  nc  Originalausgaben  existiert,  in  denen  Luther 
selbst  den  Titel  ^ersc  hieden  gestaltet  iiat. 

2)  „Dyse  tzwey  letzte  gcboth  gohörn  nicht  in  die  beicht"  (W. 
A.  I,  253);  ebenso  im  Latein.;  Iluec  diw  praecepta  exponunt  praece- 
dentia  ncc  pertinetU  ad  coufessionem  (I|  262). 

3)  I,  247. 

4)  Dis  Bemerkung  Heinr.  SebsBldVs  In  der  Bil.  Auag.  Op. 
T.  a.  II,  884  seftelis  wteanmi  OmfuBkmälia  $enpta  oe  UbeOoi, 
«MOMt  eonfitmtdi  fofwuu  et  «oaiM  comdmÜM  eompnhmdtbanhMr)  ist 
dvehsns  rotiefleiwL  Ich  nemis  aar  Engelhard  Kanhof  er 's  ,Goa* 
ÜMrionale  eontinens  Trsetstnm  dseem  pfseoeptofuih*  etc.  (KBmberg 


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BBISOEB, 


zieht  sich  Bpäter  (in  meiner  ,Confitendi  ratio'  von  1520) 
auf  diese  beiden  »Schnitexi  zurück  als  auf  seine  ^Sche- 
dalae  decalogonim'  K  Die  Bezeichnung  Zettel war 
ftUerdings  mn  so  aDgebrachter,  üXU,  wie  Knaake  annimmt 
der  Uidruck  nidit  in  Buchform,  BODdem  in  Plakatfonn 
(als  ein  nur  «nieitig  bedruckter  groiaer  Bogen)  encbie* 
nen  ist  ^. 

Aber,  ^vio  es  sich  damit  auch  verlialten  mag,  jedenfalls 
hatte  Knaake  kein  Recht,  der  Schnü  einen  bisher  unge- 
bräuchlichen Titel  zu  geben  *. 

Doch  das  iai  eine  Kleinigkeit.  Nicht  ohne  prinzipieUe 
Bedeutung  aber  ist  die  Frage,  ob  em  Henuugeber  der 
Werke  Lniher^e  befogt  ist,  eine  Schrift  des  Relonnaton^  um 
die  mutmafsliche  Form  des  Uidmckes  wiedo^enusteUen, 
in  einer  Fassung  zu  geben,  welche  von  sämt- 
lichen gleichzeitigen  Drucken  abweicht 


1502).  Weitere  Titel  s.  bei  Geffcken,  Der  Bilderkatechismus  des 
16.  Jahrhimderts  I  (Leipzig  1855),  S.  35.  Vgl.  auch  Elasak,  Luther 
und  die  leligidse  Litterator  seiner  Zeit  (R^geosbiug  1831),  S.  215. 
S20.  244. 

1)  W.  A.  VI,  1^T^4.  Aber  am  4.  ^^cptcmber  1517  (\n  seinem 
Briefe  an  Lang)  spricht  er  von  seinen  ,  1' r  a  c  c  (  p  t  a*,  welche  er  dem 
Freund  uircique  lingua  übersendet  habe    Ku  l   I,  lOG.  107). 

2)  Er  sagt  das  freilich  nicht  aus(h  ücklich ,  aber  anders  ist  doch 
die  Aufstellung  der  „Tabelle**  S.  24Ö  samt  den  aus  ihr  gezogenen 
Folgerungen  nicht  zu  verstehen. 

3)  Ich  verweise  anf  den  „Wallfahrtszettel"  bei  Weiler, 
Bepertor.  typogr ,  Supplem.  (Nordlingen  1874),  S.  7.  —  EinUattdrucke 
der  sehn  Gebote  teheben  niehta  Seitenet  geweieii  m  ae&n.  loh  er- 
innere  an  die  Mflneheaer  Beichttafel  von  1481  (Geffeken  a.a.O., 
Beilagen  3.  119£)  und  an  den  Zfiricher  WandkateehUmoi  von 
1525  (ebenda  S.  208ff.);  desgl.  an  das  GioTslbUoblitt  ,die  s«o  tafei 
jnoitiS  Dmek  des  Thomas  Anshelm  wa  Pfintsheim  1S05  (Weiler, 
Bepert  tjpogr.,  N5rdliiigea  1864,  n.  844).  —  Vgl  aaeh  Weller 
n.  562. 

4)  S.  seine  Begründung  3.  246 f.:  „ Luther  selbst  hat  sie  bei 
qtSterer  Umarbehang  als  ,eine  kurze  Form  der  zehn  Gebote'  ht- 
zeichnet  und  sie  so  mit  , einer  kurzen  Form  des  Glaubens'  und  , einer 
knr^on  Form  des  Vaterunsers*  verbunden  1520  berantgClgebea,  Hier- 
nach  ist  unser  Titel  gebildet" 


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DIE  K£U£  LUTBBR-AU80ABE.  O. 


129 


2.  Knaake's  Wiedergabe  der  beiden  Schriften. 
Die  deutsche  Schrift  licp^t  uns  in  drei  teils  der  Anordnung, 
teils  auch  dem  Umfange  nach  abweichenden  Ausgaben  vor. 
1)  bei  Caspar  Gtittel  in  der  oben  erwähnten  Schrift  von 
1518.  Dieser  Drack|  beetimmt  der  älteste  der  auf  uns 
gekommen,  ist  vor  Knaake  noch  yon  keinem  Herausgeber  be- 
nntatworden  K  2)  and  3)  m  einer  kllraem  and  «ner  ISngeren 
Resension,  welche,  bereits  frflheren  Herausgebern  bekannt'^ 
von  Kna;ike  zuerst  m  einer  gröfseren  Anzahl  von  Urdrucken 
nacligij  wiesen  sind  \ 

G  Uttel  giebt  die  zehn  Gebote  in  der  Weise,  daTs 
auf  den  Text  eines  jeden  Gebote  ^  1)  eine  Erklärung 
(diese  ist  aber  in  allen  Ausgaben  nur  bei  den  sieben  ersten 
▼orfaanden)|  8)  die  Übertretung,  3)  die  Erfüllung  folgt, 
worauf  den  Schlufs  des  Ganzen  der  „kurse  Beschlufs 
der  zehn  Gebote**  („Spricht  Christus  selber"  u.  s.  w. 
[Matth.  7,  12])  bildut  samt  der  abschliefsenden  Formel: 
Alöu  leljren  die  gebotf.  Bei  dem  ersten  Oclxit  lesen  wir 
nach  der Übertretung ,,Al80  thut  die  natur  yhr  selb  ge* 
lassen  durch  Adams  erste  sunde'',  und  nach  der  „Erfüllung'': 
,,Also  tbnt  die  gnade  gotes  dnrch  CAuistum  vnsem  heni'^ 


1)  Hingewiesen  bat  auf  das  Vbrkoiamea  der  Schrift  bei  Güttel 
anerst  Kolde  (1879)  a.  a.  0.  a  812. 

2)  S.  WaUb  m  Vorrede  §  vm  und  Irmiseber  in  der  Erl. 
Ausg.  d^,  145. 

8)  Von  der  Idirseren,  die  Irmiseher  nur  in  swei  Drucken  be- 
kannt war,  fiUurt  Knaake  fünf  (A-^B)  auf;  yon  der  längeren,  welche, 
zuerst  In  die  EislebeDer  Tomi  aufgenommen,  von  Walch  nach  einem 
Drucke  von  1522  (vermutlich  Druck  I  bei  Knaake)  gebracht  war, 
verzeichnet  Knaake  vier  Urdnicke  (F-I).  Die  Zugehörigkeit  von 
E  zur  ersten  Gruppe,  von  II  nnd  I  zur  zweiten  ist  blofsc  Vcniintung 
Knaak  da  \hm  diese  Drucke  nur  nus  Weller  bekuuut  waron. 
Es  bleibt  unvpr«*tändlich ,  weshalb  nnterla«sen  bat,  sich  von  der 
Richtigkeit  seiner  Vermutung  durch  Autopsie  zu  überzeugeu,  da  ihm 
die  Drucke  unschwer  zugänglich  waren.  E  ist  nach  Weiler  in 
Zwickau  v^orhanden,  H  in  Augsburg,  I  in  Stuttgart. 

4»  Nur  das  9.  und  10.  ist  hier  wie  auch  in  den  anderen  Rezea* 
sionen  in  der  die  |, Übertretung''  vertretenden  Bemerkung  (s.  oben 
B,  127,  AnoL  2)  wie  In  der  ^ErAUnng"  nsammeogelafirt. 


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BRIEOEB, 


1)1680  swei  Sifate  flamt  dm  ^^kaneDBefleUiifr^  und  der 

absohliersenden  Formel  fehlen  in  den  Dmcken  der  Gruppe 
A,  welche  überhaupt  die  Schrift  in  der  knappsten  Form 
bietet,  im  übrigen  stimmt  Gruppe  A  mit  Güttel  inhalt- 
lich überein,  und  nur  die  Anordnung  ist  eine  ab- 
weichende, indem  hier  1)  die  ceha  Gebote  samt  £rkiäniiig 
hintereinander  ges^ben  werden,  dann  2)  ihre  Übertretaogoi 
und  8)  ihre  EfUdloDgen. 

Dieselbe  Anordnung  wie  bei  A  finden  wir  aaeh  in  der 
Ghruppe  F,  in  der  jedoch  unsere  Schrift  eme  beträchtliche 
Bereicherung  erfahren  hat,  indem  neben  den  von  A  fort- 
gelassenen Stücken  aus  Güttel  bedeutende  Zuaätie  bemerk- 
lioh  sind. 

Was  die  der  Gruppe  F  nnr  mit  Güttel  gemefaasamen  StOeke 
wbelaDg^  Bo  steht  Idar  1)  die  Sehnlkfofmel:  „Ah»  laevea 
die  gebot^  offenbar  richtiger  am  Scblnls  der  Gebote  selbst 
nicht  am  SeUnfii  des  Garnen ,  wahrend  der  „kurze  Be- 

schluTs^'  seine  Stelle  am  Ende  (d.  h.  nach  den  „^r- 
fUUungen")  behalten  hat;  2)  der  Satz:  „Also  thut  die 
nator'^  vl  s.  w.  sieht  nicht  bei  dem  ersten  Gebot ,  sondern 
—  was  ebenfalls  angemessener  ist  -  am  Öchlais  der  über- 
tretongeni  und  dem  ent^reehend  der  Sata:  i^Also  Üiut  dio 
gnad  gottes'^  u.  s.  w.  am  SgUuIb  der  ErlUlungen. 

Die  Zuafttie  der  Gruppe  F  sind  folgende:  l)  der  Ab- 
schnitt,  in  welchem  die  fönf  Sinne ,  die  sechs  Werke  der 
Barmherzigkeit,  (lit>  Todsimden  u.  s.  w.  in  Beziehung  ge- 
setzt werden  zu  den  einzelnen  Geboten;  eingeschoben  nach 
der  1^  Übertretung  des  9.  und  10.  Gebotes  und  vor  dem 
Satze:  ,,Also  thut  die  Natur ^'  \  2)  die  beiden  dreifacb 
g^gliederlen  SAtae  ron  der  Eigenliebe  und  der  Liebe  Goltoa 
und  des  Kttcfasten*  —  nach  dem  |>kuraen  Beschlufs''  un* 
mittelbar  anttnandergeiügt ;  und  3)  hierauf  folgend  als 
Schluls  des  Ganzen  die  ofieubar  nui^  einen  Anhang  ^  (eine 


1)  W.  A.  I,  254,  Z.  B*-9. 

9  W.  A.  I,  2&i,  Z.  10—18  «Mi  &  966»  Z.  19—29. 
S)  AU  aoklMr  beieits  mWaleh  a.a.O.  «fcsnat  «ad  sehsif  be» 
tont  üad  nH  Beeht;  s.  unten  8.  Itfft 


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DIE  ÄEÜE  LUTHKK-AÜSGABB.  IL 


181 


Beigabe)  bUdende  AbeadmalilmrmaliBaDg:  „Hmk  w  ist 
g;rofter  irtinun  \ 

Werfen  wir  gleich  an  dieser  Stelle  einen  Blick  auf  die 
beiden  Rezensionen  der  lateinischen  Bearbeitung  der  Schrift 

m  ■ 

(denn  um  eine  solche  und  nicht  um  eine  Ubersetzung  handelt 
ee  Bich  bei  aUer  Übereinstimmung  der  betdaaSduiftaa}  und 

Beide,  die  ^laeiructio'*  ind  die  iGompendioi» 
explasatio'  stinmeii  dem  reidiludtigea  Inhalte  nieh' 

mit  der  Gruppe  F,  in  der  Anordnung,  in  welcher  beide 
unter  sich  verßchieden  sind,  im  allgemeinen  mit  den  Ghruppen 
A  lind  F  tiberein,  so  dafs  also  erst  die  Gebote  samt 
Erkläning^  dann  die  Ubertretttogen,  endlich  die  £r- 
iüUinigen  bringen^. 

Die  Abweichopgen  der  Anofdiniiig  m  dar  ,Jaa(r/  «nd 
der  .Bnlen.'  Tim  P  und  von  ffiiiAndflr  siad  dieiei 

1)  Wae  in  F  über  des  9.  nnd  10.  Gebot  nnter  den 
„Übertretungen'^  bemerkt  wird  ^,  das  ist  in  beiden  latei- 
nischen Rezensionen  gleich  nach  den  zehn  Qeboten  selbft 
geeetzt  ^. 

2)  Der  ^  kurze  BeschlulB  der  zehn  Gebote 'S  welcher  in 
F  aeme  SteUe  ala  wukHeher  Sehln&naohdfln  ,,£iiiiUiing» 


1)  W.  A  I,  866£ 

2)  Da  noMie  Bibliothek  die  editio  princeps  tqh  Wittenb.  I 
nidit  besitzt,  benutze  ich  Jenens.  I  in  der  «dit  princ. 

B)  £in  Mehr  haben  sie  (abgesehen  von  der  weiteren  Ausfüh* 
mag  TOD  efai  paar  Abschnitten)  nur  in  dem  LiUra  oeeidens  (ror 
den  »Transgressiones'V,  Spiritus  riinficans  (nach  den  ,Plen!tadme8*), 
aafserdem  die  ,£zplanatio*  noch  m  ilcni  DecHna  a  malo  (vor  der 
eratea  /rrajisgressio*)  und  Et  fac  honutn  (vor  der  ersten  ,Impietio'). 
Dagegen  »iud  die  Sätze:  „Also  tbut  die  Natur**,  »Also  that  die 
Gnade  ^'  in  den  latein.  Ansgaben  fortgefallen. 

4)  Giitters  Anorduiig  steht  denmach  ganz  ▼ereinzelt  da. 

5)  W.  A.  i,  2G2,  Z.  ^löj  Knaake  hat  dam  Stück  dieselbe 
Stelle  angewieseoy  die  es  in  F  hat 

6)  Die  ilurtroedö*  taieht  daber  mit  der  ,Praefiiiealio*  doi  acktn 
Ckbotee  ab;  die  ,£splaiiaftlo'  aber  hat  d«r  ÜbMetuüg  dea  aebtea 
Clgbetea  dia  napassande  Übenahrift  gegebens  IVanaaKoeita  tämi 
w&fd  af  dooitd  pni§ciijfkifwiik 

9* 


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18a 


BEIEaBBy 


liaty  nimiiit  diasdbe  Steile  in  der  ,ExpUuiatio'  ein,  wogegen 
er  in  der  ,Instructio'  unpassenderweise  an  den  Schluüi  der 
Übertretungen  gestellt  ist  ^ 

8)  Der  Abschnitt  von  den  „fünf  Sinnen"  u.  s.  w.,  wel- 
eher  in  F  sich  an  die  „Übertretungen"  anschEeikt,  findet 
iich  in  der  ^luBtr.'  an  deneüben  St^^  in  der  ,EzpL'  aber 
am  Schlafs  nach  dem  ,Oompendiam  decem  praec^torom' 
and  vor  der  Sakramentsyermahnong 

4)  endlich  sind  die  Sätze  von  der  Selbstliebe  und  der 
Liebe  zu  Gott,  welche  in  F  zwischen  dem  „kurzen  Be- 
schlufs"  der  Gebote  uud  der  AbendmahUvermahnung  stehen, 
in  der  ,  Instructio  ^  als  Beiechriften  quer  am  Bande  gedruckt 
der  erste  in  drei  Absütsen  bei  den  yTraaBgreseaioiiee'y  der 
zwdte  ebenfolk  in  drei  AbeSAien  bei  den  ^Impletionea'. 
Die  jExplanatio'  dagegen  hat  jeden  Sats  in  drei  Abafttaen 
zu  dem  1. — 4.,  5. — 7.,  8. — 10.  Gebot  ubcrschriftartig  ge- 
setzt doch  ohne  dafs  die  einzelnen  Stücke  gerade  in  dieser 
Weise  den  hier  gebildeten  Gruppen  von  Geboten  zuan- 
weisen  gewesen  wSreiiy  überdies  ist  bei  beiden  Sätzen  die 
fieihenfolge  der  einzeben  Glieder  verkehrt  (2 — 1 — 8)  *  — 
bttde  Versehen  ein  denflicher  Beweis,  dalz  (^vanuB  Otmar, 
der  Drucker  der  vorliegenden  yExphinatio'y  «nen  Druck 
benutzt  hat,  wo  diese  Sätze  ebenfalls  quer  gedruckte  Rand- 
glossen bildeten. 


1)  Kiiaake  hat  ihm  S.  259  gegen  beide  Vorlagcu  seiue  Stelle 
&m  Schlofii  der  zehn  Gebote  selbst  gegeben. 

2)  Knaake  S.  263  ist  hier  der  »Iiuttr/  gefolgt 

8)  Knaake  hat  de  am  SeUni«  des  Ahtohnittee  von  den  ,TkaBip 
giessloiies*  (S.  862,  Z.  88-34)  nod  steh  d«D  ,Plenitiidliies*  (S.  864, 
Z.  6^)  gebfacht;  die  dfel  eisten  Beiscbriften  (nach  der  ed.  Jenens. 
m  nrtdlea)  entoehieden  an  nnrichtiger  Statte  (troiB  der  Be- 
merknng^  die  er  an  Z.  82—84  maohl);  sie  hitten  &  868  vor  Z.  14 
stehen  mOaien:  denn  mit  dem  ganxen  Abachnitto  von  den  fünf  Sinnen 
a.  a.  w.  (S.  862,  Z.  14— 8t)  haben  sie  nichts  an  schaffn.  Knaake 
hat  sich  hier  wie  aonat  an  die  „Kane  Form''  von  1680  gelialtaa 
(a.  £.  A.  22,  12). 

4)  Diese  Verwimmg  (2  —  1 — 3)  findet  sich  auch  in  der  ed.  Jenens.; 
desgleichen  in  dem  Tom.  I  Witeb.  von  lööO;  wie  es  mit  dem  Tom.  I 
Witeb,  von  1545  steht,  kann  ich  nicht  aagen  (a.  o.  S.  181,  AnnL  8). 


X>I£  NEUE  LUTHEK-AU86ABE.  IL 


183 


In  dieser  Weise  also  nnd  uns  die  beiden  Schriften  über- 
liefert wurden. 

Wir  sehen,  es  ist  ein  Thatbestand,  welcher  dem  Heraus- 
geber einige  Unbequemlichkeit  bereitet,  doob  keine  nennens- 
werte Schwierigkeit. 

Wie  hat  nm  der  itoneste  Henra^ber  seiiie  Aufgabe 
gelM? 

ZunSchst  bd  der  deatschen  Schrifl? 

Knaake  hat,  um  die  Abweichungen  in  der  Anordnung 
bei  Güttel  einerseits,  bei  A  und  F  anderseits  zu  erklären 
und  um  damit  zugleich  die  Rekonstruktion  der  Lutherischen 
Urschrift  ansudeuten,  eine  Tabelle  aii%ef(eUt,  die  hier 
beschrieben  werden  mols  K 

Sie  besteht  aas  einem  grölseren  Ober-  und  dnem  kttr- 
Bereu  Unterteil^  deren  jeder  in  drei  KoliunneD  swfillli 

Der  Oberteil  bringt  in  der  ersten  Kolumne  untereinander 
die  zehn  Gebote,  in  der  zweiten  die  Übertretung,  in  der 
dritten  die  Erliiliung  derselben.  Dazu  hat  jede  Columne 
von  unten  nach  oben  gedruckte  Beischriiten j  die  erste: 
II  Also  lehren  die  Gebote'';  die  zweite  a)  den  Satz:  „Also 
tiiat  die  Katur'^  u.  s.  w.,  b)  den  Satz  von  der  Selbstliebe; 
die  dritte  a)  den  Sats:  j^AIso  thut  die  Gnade''  u.  s.  w.| 
b)  den  Sats  von  der  Liebe  zu  Gott*. 

Der  Uiitorteil  der  Tabelle  hat  zunächst  die  (die  Ko- 
lumnen durchbrechende)  Lberschrift:  „Kurzer  Boso  Iii  ufs 
der  zehn  Gebote"  —  und  dieser  expliziert  sich  in  den 
drei  Kolumnen  in  der  Weise  ^  dafs  in  der  ersten  steht: 
„Spricht  Christus  selber''  xl  s.  w.     in  der  «weiten:  ^^Die 

1)  S.  248. 

2)  Die  unter  b)  genannten  Sätze  sind,  wie  wir  soeben  sahen,  in 
der  einen  Rezension  der  lateinischen  Schrift  (der  , Instrae tio*)  in 
der  Tbat  als  Beischriften  quer  am  Rande  gedruckt. 

S)  D.  h  der  ganze  Abschnitt,  welchen  Güttel  und  die  Gruppe  F 
eben  unter  der  Uberschrift  Kurzer  Bcschlr  fs  der  zehn  Gebote" 
bringen.  Was  Knaake  untvr  dieser  übcrsclii ift  in  der  zwclti'u  und 
dritten  Kolumne  liiotet,  findet  sich  in  dt  r  Gruppe  F,  die  allein  iu 
Betracht  koininou  kann  (deua  Güttel  uml  (-ruppe  A  enthalteu  diesen 
Stoß'  überhaupt  nicht'),  nicht  mit  unter  diese  Überschrift  begriffen. 
Doch  8.  die  ,i:4iplauatio'. 

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134 


BKIEQEB, 


fünf  Sinne  werden  eingeschlomeii^  v.  s.  w.,  in  der  drHieii: 

„Merk,  es  ist  ein  groröer  LrÜium"  u.  a.  w.  (d.  h.  die 
S«krament8yermahnung). 

Diese  Tabelle  ist  nicht  ohne  Scharfsinn  erdacht 
Aber  Knaake  rOhmt  ihr  za  viel  nach,  wenn  er  be- 
luH^le^  ans  ihr  orUirton  sich  „alle  EigentBmliehkftitflii  der 
Bmeke  in  der  Verwendnng  des  yerloren  gegangenen  Ur- 
textes" ^  Das  obere  Stück  der  Tabelle  erklärt  die  Ab- 
weichung in  der  Anorrlnung  des  Stoffes  bei  Giittel,  der  quer 
gelesen  bat^  und  den  Sonderausgaben,  welche  die  einzelnen 
Kolumnen  bringen.  Und  wenn  wirklich ,  was  auch  mir 
kemeeweg»  nnwahncheinlieh  ist*,  Ladber  selbst  diese  Aue* 
legung  der  sehn  Gebote  als  Einblatldrttck  hat  ans^pehen 
lassen  y  so  werden  die  Gebote  mit  Erklärung  ^  die  Ubeiv 
tretuiigeu,  die  EriUliuDgen  in  der  von  Knaake  aügegebeuen 
Weise  geordnet  gewesen  sein  *. 

Aber  eine  schwache  Erfindung  ist  der  untere  Teil  der 
Tabelle,  wenn  hier  der  kurze  Beschlufs^'  au  einer  General- 
ttbersduift  gestempelt  wird,  welche  1)  den  wirklichen  „kor- 


1)  S.  249.   Knaake  erläutert  dieses  Urteil  in  folgender  Weise: 

„Güttcl  giebt  den  Text  querüber  gelesen,  also  erst  das  Gebot  mit  Er- 
klärung, dann  die  Übertretung,  zuletzt  die  Erfüllung;  aber  hf^\  «lern 
ersten  Gebot  hat  er  au  die  Übertretung  sowohl  ■^rie  an  die  Krtullimg 
die  Beiscbrift  fiir  alle  heran gezogcu;  am  Knde  ))ringt  er  den  ,  kurzen  Be- 
schlufs'  mit  dem,  was  iu  der  ersten  Kolonne  davon  steht,  und  schliefst 
mit  den  Worten:  ,Also  lehren  die  Gebote'.  Gruppe  A  lüfst  alle 
Seitenschriften  weg,  auch  den  kurzen  jHeschlufs*,  und  giebt  dann  den 
Teit  jeder  Kolonne  von  oben  nach  unten.  Ahnlich  veifaliit  Gruppe 
F,  hat  aber,  wenngleich  in  euiiger  Verwirrung,  den  gesamten  Text 
aufgenommen*^  (S.  249 f.). 

2)  8.  oben  a  126^ 

8)  Daia  die  dreiSitse:  „Aho  lehren  die  Gebote**,  ,,Alio  thnt  die 
Katnr**  n.  t.  w.,  „Also  thnt  die  Gnade**  n.  s.  w.,  smlatt  au  Ende 
der  drei  Keloinnfit,  vielmehr  an  der  Seite  entlang  gedruckt  gewesen 
liod,  Ist  nieht  sn  enteiaea  und  iin«ihiacheinlieh  Ar  di^ieoigen  Ans» 
gsbexi}  wo  bei  den  Überlretungea  imd  den  ErfBUnagen  die  SKtse  von 
der  Selbstliebe  und  Liebe  nt  Gott  als  Beieeluiften  gedraekt  waren. 
I>ie  Grappe  F  hat  die  drd  SCtae  mit  „Also**  offimbar  an  der  rieh* 
tlgen  Stelle,  während  bei  Güttel  eine  Verwirrong^  liemeht,  welelM 
aaeh  doreh  Knaake*e  Annahme  keine  genfigende  Erikttmng  findet. 


DIE  NEUE  LUTHER-AUSGABE.  U. 


135 


soD  BeBcUolft^  (MatÜL  7,  IS  nebflt  Liilli«»  Eriiatenuig), 
den  Abtdmitt  j,  Die  ftnf  Sinne''  n.  t.  w.,  8)  die  Aboid- 

mahls vermahn uijg  umfassen  soll.  Denn  l)  ist  letztere,  wie 
ich  unten  nacli weisen  werde,  ein  s])ateier  A nbang,  den  die 
frühesten  Drucke  unmöglich  euthaltcu  haben  können;  und 
2)  ist  6B  dne  nngegründete  Behauptmig,  dafs  die  Gbruppe 
F  den  gosamtoi  Text  ^  den  nur  eie  nns  bielel^  nur 
f,m  einiger  Verwifnuig''  anfgenommen  hat  Denn  bier  ut 
alle«  d  a  8 j  e  n  i  g  e,  wm  das  Unterattlek  der  Tal>eDe  Enaake^s 
iiiniarst,  wohlgeordnet*:  der  „Kurze  BeacLliiis''  steht 
da,  wo  ilm  auch  GUttel  hat,  am  Schlul«  des  Ganzen  und 
der  Abschnitt  „Die  fünf  Sinne''  hat  dort  seine  stelle,  wo 
er  hingehdrt^  am  Schlois  der  Übertretungen^  und  wo  Knaake 
aeiber  ihn  bringt  ^ 


1)  Abgesehen  von  den  bei(l<»n  lateiuisclien  Rezensioru  n  ,  -^velclic 
äIk'i  w i  1 1  k  ü  r  1  i  c he  U  m  s  1 0 11  u  II  ('  II  liioten,  zu  deren  dorcbgängiger 
jLrkiäruug  die  Tabelle  Kuaake  uutaugUch  ist. 

2)  Von  Verwirrung  kana  man  bei  P,  weun  man  will,  reden  in- 
bctreff  der  ursprünglick  als  Beiscbriftcu  gedruckten  Sätze  von  der 
Selbstliebe  und  Gotteslicbe,  die  ¥  nicht  nm  Schlufs  der  Übertretungen 
nad  der  EifUUangen  bringt,  sondern  ala  abschlieftende  Nutamwenduiig 
am  Sehluf«  des  Gänsen  nach  dem  „Konen  BeieUnlli*  and  for 
ötßk  Anhaog  der  BsfaenmitiTetiBshtnuig. 

3)  Libetreff  der  SteUong  dieses  »»BeMhlosses"  giebt  es  also 
keine  Dlfl^rens  in  den  Draeken  der  deattebea  8ehrift.  Eine  Eigen- 
tfinliebkelt,  sa  deren  Erklärnng  es  dieser  Fortsetsong  derIVilielle 
kedorflte,  liflgfc  denaaidi  ibeibsapt  nielit  vor.  Dieselbe  Stalle  hat  der 
BeschlufB  in  einer  der  beiden  Rezensionen  der  lateinischen  Schrift 
(der  ,Explanatio*),  während  die  andere  ihn  an  munreifelhaft  unrich!> 
Üger  Stelle  bietet  (nach  den  Ü^bertretongen).  Die  Stelle,  welche 
Knaake  ihm  angewiesen  hat  (I,  251):  am  Schlafs  der  Gebote  selbst 
ist,  nach  den  Vorlagen  beurteilt,  eine  eitel  willkürliche. 

4)  An  unnchtic:f*r  Sti^lle  bringt  ihn  n'iizi^  und  allein  die  ,Ex- 
pl  :i  n  .1  ti  0*,  nämlich  nach  dorn  , Compcu  liuia  decem  praeccptorum ' 
am  S'  liliifs,  und  vor  dem  Anbang,  d»^r  i  niulmong.  Die  Reihenfolge 
dient  r  drei  Stücke  als  Schlufs  der  ,  E  x  ji  1  ;iuiit io'  ist  es  vermutlich 
gewesen,  wodurch  Knaake  zur  Aulsttlluug  des  unteren  Teiles  seiner 
Tabelle  sich  hat  verleiten  lassen,  indem  er  sie  rerglichea  haben  wird 
mit  der  andersartigen  Stellung  der  zwei  ersten  Stfieke  In  der  |,KQfa8tt 
Form*'  von  1520,  wo  sich  das  dritte  ttberbai^t  nieht  findet  (s.  E.  A. 
^  7.  IS). 


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136 


IndeBMO^  trotz  ihrer  Fdbkrliafdgkeh  ist  der  TaboUe  ihr 
Wert  für  eine  Eiokttung  in  unsere  Schrift  nicht  absusprechen. 
Denn  es  ist  jeäeti£dki  die  Aufgabe  des  Herausgebers ,  wenn 

er  das  Original  einer  Scbiift  für  verloren  hält,  zu  unter- 
suchen, wie  beschaffen  dasselbe  gewesen  sein  mufs.  Und 
als  ein  solcher  Versuch  zur  Wiederherstellung  der  Ur- 
Schrift  ist  die  Tabelle  mit  Dank  zu  begrüfsen. 

Allein  Enaake  scheint  sie  für  mehr  als  einen  Versach  su 
halten,  scheint  für  die  M^Uchkeit  ^  oder  Wahrscheinlichkeit^ 
dals  Lnther^s  Urschrift  diese  tabellarische  Form  gehabt  hat, 
nnmittelbar  die  Wirklichkeit  zu  setzen.  Zwar  hat  er  seine 
Tabelle  nicht  zum  Schema  des  Abdruckes  der  Schritt  ge- 
macht (^das  wilre  bei  dem  Format  der  Weimarer  Ausgabe 
auch  wohl  kaum  durchiührbar  gewesen);  aber  er  hat  ihr 
doch  einen  so  weit  gehenden  Eintiufs  auf  die  Gestaltung 
der  Schrift  eingeräumt',  dafs  hier  letztlich  den  drei 
abweichenden  Formen  eine  rierte  hinzugefügt 
erscheint ^ 


1)  Denn  es  bleibt  doeb  auch  die  andere  Möglichkeit  bestehen, 
dafii  Güttel,  anch  ohne  dsA  Lather's  „Beichtsettel"  ob  Einblattdraek 
mit  tsheUariacher  Foim  enehieiieii  wftiei  die  an  und  for  rieh  gering- 
iSgige  UmsteUoDg  (m  emem  Punkte  nicht  eben  mit  Geschick)  vofge- 

nommen  hat. 

2)  Es  könnte  swsr  scheinen,  als  ob  Kaaake  —  ohne  Bficksicbt 
auf  seine  Tabelle  —  einfach  der  „Kursen  Form**  tou  1520 
gefolgt  sei.  Die  Ubereinstimimmg  seiner  Rezension  mit  dieser 
späteren  Umiirbeitung  der  Schrift  durch  Luther  selbst  würde  man 
auch  ohne  Knaake's  ausdrücklichen  Hinweis  darnuf  (s.  unten) 
sofort  bemerken.  Allein  ich  glaube  mit  der  Ai  iialime  nicht  irre 
zu  gehen,  dals  die  „Kurze  Form"  schon  nul  die  Eutstehung  der 
Kuaake 'sehen  Tabelle  ehjgewirkt  liut.  —  Kuaukc  selbst  beschreibt 
und  begründet  sein  \'eitahrcn  in  folgender  Weise  (8.  250):  „Bei  der 
souderbarcQ  Bcschaifcuheit  der  Ausgaben  mü&äcu  wir  von  einer  Mit- 
teilung der  Abweichungen  im  Eiozeiuen  absehen;  wir  haben  sie  ivr 
nnMien  Text  ao  weit  wie  möglich  beechtet,  berücksichtigt  auch 
einen  Wittenberger  Drnek  der  ,karsen  Form  der  sehn 
Gebete'  von  1630  und  den  Stoff  so  su  ordnen  gesacht, 
dafs  er  mehr  als  bisher  der  oben  entworfenen  Tabelle 
entspricht** 

8)  Und  dabei  wird  der  Leser  nicht  ehmial  durch  Bemeikuageu 


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DIE  NEUE  LUTHER-AUSGABE.  II. 


137 


Dieses  Vtt&hren  ricfatel  nch  lelbst  K 

Es  laute  F  als  der  mchludti^te  Druck  zugrunde  gelegt 

werden  sollen,  Belbbtvei  ötändlich  unter  Berücksichtigung  der 
beiden  amlern  Rezensionen:  die  Anmeikiuig  der  Abweich- 
ungen Yon  A  iiels  sich  mühelos  durchtuhren;  aber  auch  die 
Bücksichtnahme  auf  den  Text  Guttels  war  nicht  schwierige 
sobald  auf  die  durchgängige  Vencbiedenbeit  der  Aiierdnung 
in  der  ESideitiiiig  anfmerkaaiii  geouMsht  war. 

Und  lag  denn  unter  den  aofgeseigten  Umetiteiden  die 
gerill ;^'ste  Nötigung  vor,  von  der  Angabe  der  Varianten  ab- 
zusehen ^  ?  Der  Leser  ist  nun  in  i' allen,  in  denen  ihm  eine 
der  Knaake'schen  Lesarten  verdächtig  erscheint,  aufserstaode 
m  beurteilen,  ob  die  betretende  Lesart  sich  auf  eine  Vor- 
lage Btütst  oder  vat  Vermatung  beruht  oder  etwa  nur  Druck« 
fehler  ifli    So  wird  jedennann  S.  252,  7  in  dem  Salse: 


UDter  dem  Text  vou  den  Umstollungen,  die  Knaake  vorgenommen 
hat,  unterriclitet!  Daft  ca  nur  w<  nige  sind,  macht  tlio  Sache  im 
Prinzip  nicht  besser.  Wer  k(  iucn  Druck  der  Gruppe  F  zur  Vergleichung 
heranzieheu  kann,  bleibt  in  gitiiziicher  Uukeiiutuia.  Andere  ist  es 
bei  der  lateinischen  Schrift,  wo  man  mit  Hilfe  der  Noten  den  Aude- 
nmgen  Knaake's  (wennaohon  nicht  ohne  HQhe)  nachgeben  kann. 

1)  Uaa  kSnnte  Tecsneht  sein,  in  der  ^Kunen  Form**  von  1590 
die  Piobe  tat  die  Bkhtigkeit  der  Knaake'schen  Anordnung  sn 
sehen,  da  Lother  doch  ohne  Zweifel  dieser  OberarbeStong  seines 
j^Beiebtsettels*'  einen  von  ihm  selbst  aosgegangenen  Dmek  desselbeii 
sagrande  gelegt  haben  wiid.  Aber  wir  wissen  ja  nicht,  oh  Lother 
nicht  gersde  die  Anordnung  der  früheren  Schrilt  Terttndert  hat.  Die 
Schrififc  hat  im  gaoien  eine  ziemlich  weitgdiende  Umgestaltung  er- 
fishren:  der  ganze  erste  Teil,  die  £rklärang  der  Gebote,  ist  neu  ge- 
arbeitet und  hier  an  den  SchluTs  derselben  der  „Kurze  Beschlufs" 
aas  der  früheren  Ausarbeitung  gestellt;  Teil  2  und  3  sind,  von 
einigen  Zusätzen  abgesehen,  dioselben  geblieben  r  bier  fiiu^pi!  sich 
auch  die  Sätze  von  den  ,,fuiif  Sinnen''  u.  s.  w.  wie  i^etwas  verändert) 
die  SStze  von  der  Eigenliebe  und  der  Liebe  zu  Gott;  der  Anbang  der 
ersten  Schrift,  die  Vermahnung  zum  Sakrament,  ist  hier  natürlich 
fortgefallen.  —  Nur  die  Möglichkeit,  daf.s  die  Anordnung  der 
Urscbriit  dieselbe  gewesen  ist  wie  in  der  „Kui/.eu  Form",  ist  in 
der  Einleitung  ausdrücklich  offen  zu  huitcu. 

2)  Vgl.  Knaake  S.  2&0:  „Bei  der  sonderbaren  Beschaffenheit 
der  Ausgaben  müssen  wir  ron  einer  MitteÜnng  der  Ahveiehnngen  im 
£ineeln«ft  ehsehen.**  (Bd  der  lateinfsehen  Sohrift  sind  sie  angegeben.) 


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138 


BREBOER; 


„Wer  sich  selb,  um  achy  h$nh,  kuider  vnd  aUeriflgr  gut 
ym  wolffen»  mbua,  ÜBfwor»  wmmTi  iditden  mit  erCicliteii  ge- 

bethen  segenet  und  beschwert''  Air  ,89m  sieh'  fSem  fich*  ver- 
muten und  Knaake  8  oflenbar  falsche  Lesart  f  iä'  einen  bloiken 
Druckfehler  halten.  Eine  Vergleichung  zei^t  aber ,  dafs 
Knaake  GOttei  geiblgt  ist;  A  Jieet  dagegen  ncbtig:  sein 
vihe,  ebenso  G:  mmi  fike  V  — 

Nicht  beiaer  steht  es  mit  der  Wiedeigibe  der  iMmiiriiifhiin 
Sdirift:  auch  ata  iet  mich  emcm  bestimmten  Sefaeimi  m- 
reohtgemacht  anch  hier  ist  la  den  eohon  ▼arhandanen  Ra* 
aensionen  eine  neue  getreten  — 

In  beiden  Fällen  ist  die  Sache  an  sich  so  ge- 
ringfügig wie  möglich.  £s  kommt  in  der  That 
wenig  oder  nichts  darauf  an,  ob  man  die  einzel* 
nan  ihrem  Standorte  nach  yariierenden  Sätae  La<* 
iher's  an  dieser  oder  jener  Stelle  liest  Immer 
aber  haben  wir  ein  Beoht  au  der  Forderung,  daft  in  FsUan 
wi<*  die  Yorliegenden  die  Gestaltung  einer  Schrift  sich  auf 
das  strengste  an  die  Vorlagen  hält,  dafs  nicht  auf  Grund 
gewisser  Kombinationen  Umstellungen  vorgenomnien  werden, 
welche  sich  auf  keinen  der  Urdrucke  zu  stützen  verminen. 
Vermutungen  über  die  Art  und  Weise  j  wie  eine  etwa  ver* 
loren  gegangene  ^  Urschrift  etwa  au  rekonstraieren  sei,  haben 

1)  So  «neh  die  „Kurze  Fonn*'  Ton  1520  lOucth  der  Erl  Atug. 
(82,  8).  Rnaske  hal  sieh  hier  also  sn  den  Drookfehkr  emer  Yot* 
Uige  gehalten. 

2)  Gan2  naiv  sagt  Knaake  S.  257:  „Wir  geben  den  Text  naeh 
A  [der  ,  Instnictio*],  berücksichtigen  B  [die  ,Explaiiatio*]  mit  Vcr- 
merlt  dor  Losarton,  ordnen  aber  den  Stoff  der  deutschen  ,  Er- 
klärung; der  zehu  Tfobote'  j^cmül??",  d.  )i.  nach  der  von 
Knanko  beliobten  Ordnung  der  dcutöchen  Sehritt!  Es  hätte  A  auch 
für  die  Anordnung  zug^runde  gelegt  werden  sollen  (unter  Angabe  der 
Abweichungen  von  B),  so  jedoch  dafs  auf  die  verkehrte  Stellung, 
welche  ein  paar  Sätze  mutmalslich  erhalten  haben,  unter  dem  Texte 
hingewiesen  wurde. 

8)  Die  Abwetehongen  Knaake*«  von  den  beiden  Vorlagen  dnd 
Beben  oben  in  den  Anmerkungen  mitgeteilt  wonbn  (s.  8.  ISl, 
Anro.  6;  8.  18S»  Anm.  1  und  8). 

4)  Und  in  dieiem  FeUe  wissen  wir  nooh  gnr  niebt  einmal,  eh 
niofat  die  von  der  Witlenbeiger  Ansgabe  gebinobte  ,Instraetio'  txots 


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DIE  HEVE  LUTHE&-AUSQABB.  IL 


189 


sich  auf  ilire  Erörterung  in  der  j^nleitung  zu  beschränken, 
anstatt  gleich  praktisch  durciigefuhri  zu  werden.  Hier 
hei  Tat  es:  principiis  obsta.  'Wenii  schon  in  ver- 
häUniamäil'aig  so  einfach  liegender  Sache  von 
dem  geraden  Wege  abgewichen  wird,  welchen 
Überraecliangen  mögen  wir  da  wohl  anageeetat 
•ein,  we  die  Dinge  wirklich  schwierig  liegen, 
wie  bei  grofaen  Parlieen  der  Predigten  Ln- 
ther's  1? 

3.  Die  Entstehungszeit  der  Schriften  Knaake 
hat  geglaubt  beide  Schriiten  in  den  Beginn  des  Jahres  1518 
legen  zu  sollen,  Wieder  stand  die  österliche  Zeit  mit 
ihrem  fiekfatewang  bevorj  Lather,  der  in  dem  erslen  seiner 
96  Silbe  erklirt  hatte,  das  ganae  Leben  der  Glftubigen 
müsse  Boise  sein,  fttblte  sieb  nm  so  mehr  veranlafst; 
eine  Anleitung  zu  ernster  Selbstprüfung  an  Gottes  Geseti 
zu  geben  und  dadurch  auf  Verinnerlicbung  der  Beichte  hin- 
zuwirken, je  mehr  infolge  des  Ablafshandels  sich  der  Sinn 
des  Volkes  aui'  äufscrc  Werkgerechtigkeit  gerichtet  hatte. 
So  verialste  er  nach  Art  frühmr  Beichtspiegel  eme  knne 
Erklirong  der  aebn  Gebote  ond  gab  ue  spätestens  an 
den  Fasten  1518  deatach  und  lateimsch  heraus'^  K  Diese 
MotiTiening  lä^  sieh  hdrso,  wenn  die  Zeit  der  Herausgabe 
bereits  auderweitig  feststeht 

Wie  steht  es  nun  damit  V 

Knaake  bemerkt  weiter,  wir  könnten  zwar  keine  Sonder- 
ausgäbe  aus  dem  Jahre  1518  selbst  mehr  nachweisen,  aber 
der  Abdruck  innerhalb  der  Sohrifi  von  Oftttel  beweise,  dais 
sie  „In  den  Fasten  1518  sdion  gedruckt  rorgel^n''  hat 
Eme  Bestätigung  der  Ton  ihm  angenommenen  Abfassungs- 
zeit erbUckt  Knaake  in  dem  Umstände^  dafs  die  lateinische 


ihrer  Fo^ilor  die  getreue  Wiedergabe  eines  Wittenberger  [von  Luther 
selbst  veranstalteten)  Druckes  ist,  ob  nicht  von  den  Machdruoken  der 
deutschen  Schrift  dasselbe  gilt. 

1)  Vgl.  meine  IJemerkungen  Uber  die  hier  drohende  Gefahr  in 
der  „Deutschen  Litteraturzeitung^*  1807,  Nr.  30. 

2)  S  247. 

3)  Ebenda. 


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140 


BRIEGEB, 


Schrift  A  anadrackUch  in  da»  Jahr  1618  geieCit'^ 
wird  *. 

Auf  wie  schwachen  Füfsen  steht  dieser  Bewdsl 
Schon  jener  ScLluib  aus  dem  ^^)^koliulle^  der  Schrift 
bei  G  Uttel  ist  nichts  weniger  als  zwingend.  Denn  1)  liegt 
die  MiSgUchkeit  vor^  dafe  GUttel  Luther'a  „Beichtzeitel'V 
den  er  wohl  kaum  von  der  K&xizeL  verieeea  haben  wird, 
erst  bei  der  Bearbeitung  seiner  FaetenpredigteDi  deren  Am- 
gabetermin  wir  nicht  genau  anaugeben  Tenntfgen  an  be- 
nntsen  in  der  Lage  war,  80  dafii  derselbe  nicht  notwendig 
öcliüii  in  den  iahten  gedruckt  vorzuliegen  brauchte;  und 
2)  ist  es  nicht  schlechthin  notwendig,  dafs  Güttel  überhaupt 
einen  Di-uck  in  Händen  gehabt  hat:  er  kann  diese  Aus- 
l^gong  der  zehn  Gebote  ja  auch  handschriftlich  von  Luther 
mp&ngen  haben.  Doch  das  ist  fireilioh  nach  der  Art  und 
WeisCi  wie  er  den  „Beichtaettel^  einfuhrt^  nicht  gerade 
wahrsdieinlicb.  Auch  ich  nehme  an,  dals  GH&ttel  einen  Dmck 
benutzt  hat,  und  glaube  dieses  sogar  mit  voller  Bestimmt- 
heit beliaupt»  11  zu  diuicn,  weil  die  Schrift  lateinisch 
und  deutsch  nachweislich  schon  im  Jahre  X517 
erschienen  ist 

Der  aUgemeinen  £rwigung;  welche  Knaake  zugunsten 
der  Fastenaeit  151B  angestellt  bat,  läCit  sich  eine  andere 
entgegenstellen,  die  mindestens  mit  gleichem  Gewichte  ftlr 
die  Ab&ssung  der  Schrift  im  Jahre  1517  spricht.  Am 
24.  Februar^,  am  Tage  vor  Fastenanfang  1517;  hatte  Lu- 
ther seine  Predigten  über  die  zehn  Gebote,  welche  er  vom 
Souiniei'  1516  ab  vor  dem  Volke  in  der  Piarrkirche  gehalten 
hatte,  zu  Ende  gebracht  und  noch  die  beiden  letzten  Pre- 
digten dazu  benutzt  I  auf  das  Verderbliche  der  berkönun- 
lichen  scfaematischen  Beichte  (den  hmuUus  eottfeasumum  mit 
allen  den  Distinktionen  der  genera  peccatonm)  aufmerksam 


1)  S.  S57. 

8)  Nor  das  Enelieiasn  im  Jahre  1518  stellt  fiast  und  das  ,4im 
hsSiiifsU  fatUn  gepredigt*  im  Titel  maeht  es  «slineheuüich,  dalk  die 
Selirift  bald  nach  den  Fasten  ausgegangen  ist 

8)  S.  Knaake  I,  18.  m. 


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DIE  K£U£  LUTHER-AUSQABE.  IL  141 

ZU  macheo  und  auf  die  rechte  B^hle,  welehe  hrenis  H 

aperta  sein  soll,  hinzuweisen  ^.  Da  lag  es  ihm  jedenfalls  be- 
sonders nahe,  bevor  seine  in  den  Predigten  geg'ebene  aus- 
iuhriiche  Erklärung  etwa  im  Druck  erschien,  eine  auch  iiir 
die  V(^bereitiing  zur  Beichte  dienliche;  kurze  Auslegung  des 
Dekalogs  warn  Gebrauoh  dee  Volkes  wie  der  Beiektiger  her- 
anmigebeii* 

Doeh  das  ist  eine  Vemratung,  welche  ab  soksfae  keinen 

gröfseren  Wert  hat  als  die  von  Knaake  vorgetragene. 

Aber  wir  sind  für  das  Jahr  1517  nicht  ausschliefslich 
auf  Vermutungen  angewiesen ,  da  sich  in  Luther's  Briefen 
deutliche  ^^puren  dcff  damaligen  Kxistena  unserer  Schrift  er- 
halten haben. 

Am  31.  Deaember  1517  *  schreibt  Luther  an  Spabtin: 
PeHs  e»  me  quiänam  mihi  visum  fiierU,  ut  inposHimp- 
hfis  qmhfsdam  vmeraiionem  Sanchrwn  pro  carporalihus 

necessitatihua  iclut  supcrstitionem  judicaverim.  Der  Aua- 
druck  , Poöitiones  der  freilich  nur  ganz  allgemein  .'^ätze 
bedeutet,  läfst  uns  gleichwohl  zunächst  an  Thesen  Luther's 
denken.  Sehen  wir  uns  in  diesen  um,  so  finden  wir  in  der 
fQuaestio  de  viribus  et  voluntate  hominis  sine  gratia' 
▼on  1516^  welehe  samt  ihrer  AnslÜhrang  nach  Enaake  „we* 
nigstens  inhaltfich''  anf  Luther  aurttckgeht  \  den  Sais:  Ckm 
credenti  omnia  sini  tmiare  Christo  possihilia,  superstUiosum 
est  htimano  arhitrio  aliis  Sanciis  alia  cUputari  auxilia  *. 
Allein  dieser  Satz  dürlte  deshalb  nicht  der  von  Spalatin  ge- 
mainte sein,  weil  in  ihm  nicht  ausdrücklich  die  Anrufung 
der  Heiligen  pro  corporalibus  necessitatihus  als 
abergiftubiscfa  hingestellt  ist^;  auch  hätte  Spahitm  etwas 


1^  W  A.  I,  51  Off.  (eine  gute  Ziisammenfassung  b^i  Jürp^ens 
III,  2Uötf.).  Ypl  den  ^ccbst(»n  \mA  achten  Satz  in  Luther's  Kurzer 
Unterweisung,  wie  inau  beichl(  n  s  iU"  von  1619,  W.  A.  II,  60. 

2)  En<l  I,  13Ö.  Dttfs  Endt  i  s  deu  Brief  mit  Recht  dem  Jahre 
1518  eutnommra  und  1517  zugewiesen  bat,  bedarf  keines  weiteren 
Beweises. 

8)  I,  143. 

i)  W.  A.  I,  160. 

5)  Aueh  hl  der  AnMauag  hnäht  ei  mz  patH  tnj^mHUomm 


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US  BUOKIBB, 

wgüJt,  etira  füa^iertal  Jalir  naoh  der  Vcri»ficintKehiing  dieier 
Ttate  tkk  danach  erknndl^,  was  Ltttber  noh  bei  ihr  ge- 
dacht habe.   Viü  passender  edheiiit  die  Anfinge  auf  den 

Satz  bezogen  zu  werden:  Qui  eiiam  Sandorum  qiiorundam 
mperdidosam  cuUuram,  mglecta  saluie  animae,  pro  sola 
temporali  securiicUe  exerceni.  Dieser  Satz  findet  sich  in  der 
lateinischen  Bearbeitung  unserer  Schrift  ^  Auf  eie  dttxfte 
daher  Spalaün  sich  besdeheui  es  sei  deni^  dafii  wir  verloren 
gegangene  Thoaon  von  Ende  1617*  annmebmen  haben,  in 
denen  $kltk  die  in  Frage  stehende  Behauptung  aoch  be- 
&nden  hai 

MuIb  man  daher  bei  dieser  Brief&teile  noch  die  Müglich- 


•  esse,  huic  sancto  imc,  alii  aliud  noatro  arbUrto  (ieputare  atixilium, 
und  das  Annifen  der  Heiligen  für  körperliche  Nöte  wird  auch  hier 
nicht  ausdrücklich  beküuipft.  Was  Luther  mit  dieser  These  im 
Sinne  hatte,  ersieht  man  aus  seiner  Polemik  in  den  ,Decem  jprae- 
cepta*:  8cio  novam  iOmm  opimmm  mrmn,  qtwd  simt  in  9Üa  iswatf ' 
4keni9  iom  spirUtm  €rmU  äakOi,  Ua  §t  mme  t»  csMto  eotdm  hm» 
here  di^hmOts  gn*iM  amiKmdi  t.  w.  W.  A.  I,  418,  TgL8.417, 
5~7.  ~  Die  VermuidtMliall  switehen  dm  beiden  Gedanken,  daft  die 
Heiligen  pro  necessikOe  corporaU  ansamfen  «den  und  dab  ein  jeder 
TOD  ttmen  sein  eigenes  Gebiet  der  Hflfrkiitang  liabe,  Terkenne  ich 
sieht  Wie  von  Gegnern  Lotber^s  der  iweHe  Sali  als  fitStee  flr  den 
«ateien  verwendet  worden  ltt|  enidil  nutti  aas  den  tDeeem  prae* 
cepta*  W.  A.  I,  416f. 

1)  W.  A.  I,  260;  vgl.  m  der  deutechen  Ausgabe  S.  252:  „Wer 
got  und  die  heiligen  mit  vorgessen  der  sehelen  noth  nuhr  nmb  tzeit- 
lich  nutz  willen  ehret."  —  Mnn  rerp^leiche  mit  der  Erläuterung  Lu- 
ther's  in  seinem  Briefe  an  Spalatin  End.  I,  135 — 137  die  ausfithrUche 
Darlegung  in  den  ,Dt  eem  prae cepta'  W.  A.  I,  411  ft' 

2)  Dafs  Luther  schon  früher  diesen  Gegenstand  üiTentlich  be- 
handelt hat  und  dabei  auf  eine  scharfe  Gegnerschaft  gestolsen  ist, 
verraten  und  die  ,Dcccm  prae cepta'  1,  4 IG:  <SV<i  oygannitmt  htc 
tiUqui  contencumf  me  i^meraHum  esse,  qui  pro  necessitate  corporali 
MMflCof  imoeati  pnMum  a.  s.  w«  So  qpsaeh  Lothar  in  eeber  Pre< 
digfc  TOBB  26.  Jnll  161S.  Oder  neiiea  die  ,Deeem  praecepta' 
aneh  hier  and  da  Zoiitw  aas  der  Zeit»  wo  Ms  dmektetig  gemaslit 
müden»  aaf?  Auf  einen  denwCigen  eplteren  Zosata  weist  Knaake 
&  496  hin  (fgL  aaeh  a  4S8^  Aam.  1).  ^  Cbsr  den  Aasis&b  wdsben 
Oldekop  an  LoChsr^e  Pkedlgten  Uber  die  HeQlgeDfaNhinqg  gsaennnen» 
B.  Jftrgens  m»  m 


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DIE  NEUE  LUTHEI^AUSaAB£.  U. 


143 


kflü  offin  liMOPy  dals  rie  neh  auf  etwas  anderes  als  auf  die 

uns  bescilüitigenden  iSciirüten  bezieht,  so  liegt  diese  Bezie- 
hmig  uDzweifelhatt  In  einer  noch  etwas  früheren  brieÜiohea 
Auisenmg  Luther's  vor. 

Man  hftt  ganz  allgemcan  (so  viel  ich  sehe,  naish  dem 
YotgMige  Ton  de  Wette  1,  60)  unter  den  ,Praecepi*V 
ireldbe  Lntiier  nach  sebem  Brisifo  vom  4.  Septombsr  1517 
an  Johann  Lang  ^  ssal  Minen  Thesen  .contra  seholasii- 
oam  theologiam'  dem  Erfurter  Freunde  durch  Beck- 
mann (wohl  Ende  Au^Bt)  übersmidet  hat,  die  erst  1518  im 
Druck  erschienenen  ,Decem  praecepta  Wittenber- 
gensi  praedicata  populo^  yerstanden,  deren  hand- 
schriftliche MiAteiliing  an  Lang  hier  somit  beaengt  würde. 
Allein  der  Sals,  mit  weUsliem  Luther  im  weiteren  Verianfii 
dieses  Boeles  auf  die  »Praecepta'  aorttckkommt,  bestätigt 
diese  Annahme  nicht  nnr  nicht,  sondeni  scUielBt  sie  ge- 
raclezu  aus;  Fraecepta  icleo  tibi  uiraqiw  llngua  misi,  lä,  si 
quando  volueris  ad  populum  de  iis  lyraedicarc  (sie  cmm 
ego  iüa  docui,  ut  mihi  videar:  ad  evangeUcum  moremj,  hO" 
heres. 

Schon  das  uka^  Un(fm  hätte  von  der  Beaiehnng  auf 
die  >Decem  praeoepta'  abhalten  sotteni  da  es  im  hSch- 
sten  Qrade  miwalixsGlMinlich  ist,  dab  der  gerade  nm  diese 

Zeit  mit  Ghschäften  Überhäufte '  Luther  Mufse  gefunden 
hat,  seine  Predigten  nicht  nur  lateinisch,  sondern  auch  deutsch 
zu  Papier  zu  bringen.  Auch  das  niufsto  anstöfsig  erscheinen, 
dais  nach  dieser  Auslegung  Luther  dem  ihm  ungeiahr  gieich- 
alftengen  Erfurter  Prior,  der  jüngst  auf  Befehl  seines  Ordens- 
oberen  sich  die  Wttide  eines  Lioentialen  der  Theologie 
erworben  hatte »  seine  Predigten  Über  die  sehn  Gebote 
mit  der  Absteht  überschickt  hätte,  dafs  Lang  sich  ihrer  für 
geino  etwaigen  Piedii^teii  bediene.    Und  wozu  BoUte  Luther 


1)  End.  I,  106  f 

2)  Die  Klage  darüber  in  seinem  Briefe  an  Lang  vom  26.  Oktober 
1516  {End.  I,  ü7)  faUt  j&  iu  die  Zeit,  wo  er  in  der  Pfarrkirche  übtr 
die  lehn  Gebote  predigte  (detideror  gjuatidie  et  pturottMk  jwtMdK- 


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144 


BBISaBBy 


die  ,Pra6oepia'  für  dieaen  Zweck  gktcb  kieiniBoh  und 
deutadk  ttbmendet  haben?  Em  Eacemjto  genttgte  ja,  ao 
dalk  er  neb  nnnStigerwdee  wines  deutachen  wie  latdnifleben 

MaDuskriptes  beraubt  hätte.  Doch  gesetzt,  das  gegenseitige 
Verhältnis  drr  beiden  Ordensbruder  habe  es  erlaubt,  dals 
Luther  dein  Freunde  Musteq)rQdigt6a  überBendete,  warum 
macht  er  ihm  dann  inbetreff  des  vor  kurzem  durch  Beck* 
manii  ttbermittelten  latoniachen  und  deutschen  Manuskriptes 
seiner  Predigten  Über  die  sehn  Gebote  in  diesem  Briefe 
erst  die  ErSffnang:  ,,er  selber  habe  nimlich  über  dieselben 
vor  dem  Volke  gepredigt'*?  Dieses  ,stc  enim  ego  iUa  cUh 
cui '  *  schliefst  somit  jede  Möglichkeit  aus,  daf«  die  lateinisch 
und  deutsch  übersendeten  ,Praecepta^  die  Fredigten  Lu- 
thers waren.  Dann  aber  können  es  nur  unsere  beiden 
Schriften  gewesen  sein,  welche  Luther  (selbstverständlich 
druckt')  dem  nach  Erfurt  reisenden  Beckmann  für  Lang 
mitgegeben  hatte,  damit  derselbe  an  dieser  kurzen  und  bfin- 
(lig  u  Auslegung  der  zehn  Gebote  einen  Leitladen  hätte  für 
seine  etwaigen  i^redigten  über  den  Dekalog  ^ 


1)  Das  heifst  nach  dem  Vorhergehcii(?pn  «o  vjol  wie:  ad  popu' 
In  tu  enim  ego  de  iis  ffraedicavi.  Wenn  Luther  hinzufügt:  ,,'und 
zwar]  wie  ich  glaube,  in  evangelischer  Weise",  so  wird  nieinuitd 
dieses  ,  ut  mihi  videor :  ad  evangelicuin  i/iorm '  auf  das  Toraufgegangeue 
,8ic'  zurück  beziehen  wollen. 

2)  An  ein  Manuskript  zu  denken,  haben  wir  ja  gar  keinen  nnind. 
Dafs  wir  keinen  Druck  au»  dem  Jahre  1517  naehweineT!  können,  ver- 
Bchlägt  nichts.    Es  hat  sich  ja  nicht  einmal  HU»  dem  Jahre  1Ö18  ein 

(datierter;  Druck  uihalten. 

3)  Das  richtige  Verständnis  des  Briefes  macht  es  begi-eif lieh, 
dafs  wir  von  der  (angeblichen)  deutschen  Bearbeitung  Luther'«,  wie 
Knaake  I,  3Ui  liervorheht,  „keine  Spur  mehr"  haben.  Auch 
Kolde  I|  371  nimmt  noch  an,  dafs  Luther  die  ,Decem  praecepta* 
»aueti  deutsch  niedergeschrieben  hatte,  um  sie  zum  Gebrauch  hei 
Plredigten  Terwendbarer  »i  machen",  und  erblickt  in  diesem  Umstände 
sogar  ein  Aaielcbe»  dafür,  daft  Luther  die  (lateliiiaehe)  Schrift  nicht 
aelbet  bemn^E^beB  babe  (gegen  dieae  Annabine  mit  Recht  Knaake 
1, 897).  —  Hinaillg  wifd  ancb  die  fkeiiicb  c^Un  kfibneVemutmig 
Knaake*a  iabetieff  der  Sermooe  an«  den  Jahren  1514  bla 
1617,  ivdobe  daa  L5Boher*scbe  Uaonakript  BOBainmen  mit  den 


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DIE  KBUB  LUtHBR-AUBQABB.  O. 


145 


Nach  alle  dem  stammt  die  deutsche  und  lateiniacbe  Aua- 
leguug  der  zehn  Gebote  aus  dem  Jahre  1517  ^,  und  ihrer 
damabgeo  FonD,  Toxwi^geeetzt;  daSk  aie  eich  mit  Sioberiiait 
cnnittdn  Ueb,  wire  in  der  Geaamttntflgiftbe  ihre  Stelle  an- 
siireieen  gewesen  unmittelbar  nach  den  Bofepealmen  und 
▼er  der  jDisputatio  contra  scholasticam  tlieolugiam'. 

Wie  gesagt,  nur  ihrer  ursprün  jp^l ich en  Form  gebührte 
diese  Stelle,  keineswegs  aber  dei-jeuigen  Fassung,  in  welcher 
uns  die  deutsche  Schrift  in  der  Gruppe  F,  die  lateiniscliB 
ausschliefiilieh  (sowohl  in  der  ^Instmetio'  wie  in  der  |i2z* 
planatioO  vorli^  Diese  Beaensionen  hat  Enaake  vielniehr 
m  früh  angesetst;  ihre  SteUe  an  der  Spitro  der  Schriften 

des  Jahres  1518  kommt  ihnen  nicht  zu.  Wenigstens  nicht, 
wenn  wir  die  deutsclie  wie  die  lateiniaclie  Scin-ift  als  ein 
,  Ganzea,  d.  h,  den  iSchluDsabschnitt  in  beiden ,  die  bakra- 
meotsrermahnung,  als  ihren  integrierenden  Beetandteil  be- 
bmchten. 

Dieser  Abschnitt  zeigt  nämlich,  was  dem  neuesten  Her^ 
ansgeber  befinemdlicherwdse  entgangen  ist,  eine  auffallende 
Berührung  mit  einer  anderen  ScLiüt  Luther's  aus  dem  Jahre 
1518,  seinem  ,Sermo  de  digna  praeparatione  cordis 
pro  suscipiendo  sacramento  eucharistiae'  K  Wir  vergleichen 
am  besten  den  lateinischen  Text.  Die  ersten  Sätae  der 
flnstmetia'  stimmen  fast  wGrtlieh  mit  dem  ^Sermo' 
aherein* 


digten  ftber  deoDekslog  enthielt,  1, 19:  nWir  wagen  es  m  behaupten, 
dab  es  Johann  Lang  in  Erfort  war,  der  sie  uns  erhalten.**  Ehi  „ent- 
«eheidsndea  Zeugnis**  dafür  soU  eben  unser  Brief  aeinl 

1)  Hieniaeh  ist  es  aueh  nnaweiftihall,  dafs  in  dem  Brieis  Sehearl's 
SB  Lmher  Tum  80.  September  1617  das  achon  Tom  Burekhardt 
(Letherts  Biiefweehsel  8.  7)  und  you  Knaake  (Seheurrs  Briefbueh 
n,  84)  statt  eaUUogim  venautete  ätoaUogum  sn  lesen  ist,  dasEnders 
I,  119  aoeh  ia  den  Text  aufgenommen  bat,  MUeh  Tsrlegea  mit  der 
Bcnertnug:  „SelUe  die  Lesart  ,decalogum*  richtig  sein,  so  wSren 
demnarh  die  Predigten  Luther's  über  die  sehn  Gebote  damals  wohl 
sAou  handaefalütlieh  In  Nürnberg  bekaaat  gewesea"! 

9)  W.  A.  I,  S85£ 


BRIKOJSB, 


Inttmetio  W.  A.  I,  264^ 

Z.  9—19: 

AdwrU,  guod  magnua  «U 
errar  eamm,  qui  aä  Sacra- 
metihm  EmiharisHae  we^ 
dmU  anmdim  tüi  wmwi, 
quoä  tmfessi  mnt,  quod  nm 
sibi  comcii  sinf  pcccafi  mar- 
talis  vel  praeiniserint  ora- 
tumes  suas  et  praeparatoria. 
Omnes  UU  sibi  itulicium  man- 
äueani  et  bthmii,  quia  kis 
ammhus  n<m  fiunt  äigm  ei 
puri,  imo  per  eam  fiäueiam 
puritatis  peius  polluurUur. 

Sed  si  crecUmi  et  confidant 
sese  gratiam  ibi  conscqnufuros, 
kaec  sola  fiäee  eoe  facti  p^ 
roe  et  dignoe,  guae  nm 
Mhar  operUnu  üUe,  aed 
rieemOf  püsamo  firmieaimih 
tferho  ChrisH  dieenHe: 
Venite  ad  me  ottnies,  t^ut 
laboratis  ek. 


In  praeem^ione,  mguam, 
istorumverhanm  aecedendum 

est,  ä  sk  accedenies  non  can- 
fundeniur. 

ünde  aü  Aposiolus  ICor, 
11:  Frobet  autem  ee  ipsim 
hmo  e$  ek  de  pame  «flb  edaL 

DÜBM  Sätse  macbeD  den 
mODitlo  ans.    Im  wuteren 


Sermo  W.  A.  I,  saof.; 

Magnus  et  perniciosus  errer 
est,  si  guis  aeeedat  ad  aoera- 
menimn  em  nisua  fidneta^ 
quod  eonfeseua  eit,  quod  non 
sU  sibi  eoneeius  mortalis  pec- 
catif  quod  orafiones  et  jtre^ 
paratoria  sua  premiscriL 
Omnes  hü  ivdicium  sibi  man- 
ducant  et  bibunt,  quin  hiis 
omnibue  non  fimd  digni  »e- 
que  puri,  immo  per  eam  fiäU' 
dam  purikdis  peius  poUmm- 
tur. 

Fiunt  autem  puri  per 
fidem  .  .  .  accedas  certissime 
eonfidens  tete  gratiam  eonse^ 
guuturum,  .  .  Haee  iiague 
fides,  sola  et  summa  ae 
prosnma  disposiHo,  faeit  vere 
pures  ei  dignos,  quia  non 
nilitur  in  operilms  aid  viri' 
biis  nof^tris,  sed  in  purissimo, 
piissimo  firmissimoque  verbo 
Christi  dieentis:  Venite  ad 
me  omnes,  qui  laboratis. . . 

• . .  iUuä  maxime  siude,  ui 
in  presumptione  istorum  «er- 
horum  Christi  accedas,  et  sie 
ücced^ixs  illumtnaberis  ti  fa- 
des tua  non  confundetur.  .  . 

Sed  hic  tractandum  illud 
ApostoU  iCor.  11:  Frobei 
autem  ae  ipsmn  homo  sie, 

▼ierton  Teil  der  gtoaen  Ad* 
ITeriaiife  iit  dieie  snm  Teil 


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JÜiJb  aHLÜ.  LUTBKR-AUSGABK.  IL 


147 


adbittadig  ^  (obwohl  sie  in  den  GedankMi  tauk  Uer  tUk 
mit  der  Predigt  bertthrt),  teils  ftnfsert  «di  die  Übereinidm- 

mung  in  mehr  oder  minder  gtaiken  Aaklängen  an  den 
jSenno* 

Eine  noch  nähere  Verwandtschaft  besteht  zwischen  der 
Predigt  und  dem  etwas  kürzeren  deutschen  Texte  der  fir» 
nuJinung:  £ut  eftnitliche  Sätse  und  Wendungen  der  letetem 
inden  iich  in  jener  K 

Die  BerOhmng  der  beiden  Sobriflen  mitLnther's  »Sermo' 
ist  80  itark,  daft  auf  einer  von  beiden  Seiten  ein  Abhängig- 
keitsverhältuib  beötehctu  muDs.    Daia  Luther  die  kur2^  Ver- 


1)  So  d«  AbMbDitfc  S.  864,  Z.  S0->28  und  der  Bchktüi  &  866^ 

Z,  2-n 


2)  Instruotio  ä.  264, 
Z.  28—34: 
Nam  8%iuima  et  optima 
dmpositio  ad  Sacrameft' 
tum  est  illa:  St  homo  sese 
probam  inv enit  te  »itire  gra^ 
timm  «e  ereäere  illam  com« 

•Iffit  tft9«rff«i  üiijifdt^ali- 


dermo  8.  a88: 

Fera  ei  solida  prohatio 
e$t,  si  te  inveneria  inanem 
quidem  et  sine  pottdere  salutis  et 
imiicief  onustum  vero  ac  lubo- 
rantem  m»  muUii  maH»gu9 
cupidiMihuSf  quibmim§fiiS» 
anhdes,  9itia$  graiiam  et  «i» 
mHcordimm,  §a$que  non  d«ifr<- 
tM  Me  «o «•«§««» Itir «IM. 

Serao  S.  880: 
ttl  rede  dispotitm,  quia,  CporUt  «(  amimam  vacuam  il 
iteundmm  B,  Äuguatinum,  esurieniim  cßSarat.  .  .  Nam,  nt 
itU  cibu$  Sacramenti  nihil  iia  B.  Äugu»t%nu9  ait,  itte  eibui 
odtf  neut  fastidierUem  et  satu-  nihil  eque  odit  ac  Batwrum  fatH- 
rvm,  nihü  ita  requirit  aicut  esu-  dientemqtte  Btomnchum ,  nihil  i(a 
rientavi  et  sitientem,  Qm  Ha  ßtcii,  qutrü  naU  anmam  etwr^tUewt. 
Tecl€  S€  probat. 

Vgl.  XU  Instructio  a  2U,  Z.  34  hin  8.  266,  2  den  8ermo 
&  332,  Z.  12Ü  . 

3)  Man  vergleich«  die  Knnalinung  mit  der  deutsch^u  Ubersetsung 
der  Predigt  Erl.  Au»^.  li>',  ^lil.  Es  stimmt  die  Ermahnnng  (W.  A.) 
ä.  2i)5,  Z.  24-28  mit  der  Predigt  S.  24;  S.  9Gfi^  Z.  88—88  MÜ  äm 
Predigt  S.  25;  8.  856,  Z,  88—88  mit  der  PMigt  8.  88;  &  888^ 
%  8-8  mit  der  Fredigt  3.  88;  8.  868,  &  8-18  nH  der  M^fe 
8.  88.  (Vgl  «Mk  I»  8.  868,  1-8  K.  A.  a  88  «id  87 
&  868,  Z.  8f  S.  A.  8.  87). 

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148 


BRIEGBBy 


■B^Kniing  in  ^  Pk:edigt  weiter  auflgefdbrt  und  g;uiie  Sitse 
jener  wdrtlieh  in  diese  lierübergenommen  babet,  ist  sehr  nn- 

wahrscheinlich.  So  wird  die  Predigt  die  Grundlage  ftür  die 
Sakramentsvermahnung  bilden  und  letztere  ist  eiue  freie 
Kompilation I  die  nur  von  Luther  selbst  herrühren  kann; 
denn  ein  anderer  würde  sich  enger  an  die  Vorlage  aqge- 
iohloeeen^  keine  selbetibidigen  Zuslttie  gemacht  haben. 

Wenn  diese  ErUirung  der  Berührung  unserer  Schrift 
mit  dem  ,Sermo'  richtig  ist,  kann  die  in  F  wie  in  der 
jinstructio'  und  ,Explanatio'  vorliegende  Form  der  ,Prae— 
cepta'  trühestenB  gleichzeitig*  mit  dem  ,Serino  de  digna 
praeparatione'  entstanden  sein  ^  Daher  iuum  die  in 
der  Editio  Witeberg.  fUr  die  ^Instructio'  angegebene  Jahres- 
nhl 1618  sehr  wohl  richtig  sein.  Und  auch  die  entsprechende 
deutsche  Form,  wie  sie  in  der  Gruppe  F  auf  uns  gekommen 
ist,  wird  dem  Jahre  1618  EUEuweisen  sdn,  obgleich  die 
frühesten  datierten  Nachdrucke  erst  auä  dem  Jahre  1520 
stammen 

Uber  die  ursprüngliche  Form  der  lateinischen  Schrüt 
läfiit  sich  nichts  Sicheres  aussagen.  Und  auch  inbetreff  der 
deutschen  Schrift  werden  wir  es  unentschieden  lassen  müsseo, 
ob  ihre  ursprüngliche  Form,  wie  sie  beraits  im  Smnmer 

1517   im  Druck   erschienen   ist,   uns  inhaltlich  von 

G  Uttel  oder  in  den  Drucken  der  Giu|)pe  A  oder  endlich, 
wenn  wir  die  Sakramentsvennahnung  als  nachträglichen 
Zusatz  in  Absug  bringen,  in  F  aufbewahrt  ist  Als 


1)  MSgüohsnpeiae  nKmUoh  Ist  die  Verwandtschaft  mit  dsm  ,8er» 
mo'  daraus  entstaadeo,  dafr  Latber  dW  «Admomitio*  und  den  ,Ser- 
mo*  SU  gleicher  Zdt  konsjnert  hat 

8)  OsDau  kSonen  wir  den  Tennia  dendbep  nielit  nah  SieheriMH 

bettimmen ;  doch  ist  es  sehr  wahrscheinlich,  dafs  Luther  die  Predigt 
in  dar  Karwoche  1518  gehalten  hat;  s.  Knaake  I,  835. 

3)  Von  den  Tier  Ton  Knaake  der  Gruppe  F  angewiesenen  Druckea 
sind  drei  datiert:  F  ging  am  7.  Mai  1520  aus  der  Druckerei  des 
SiW.  Otmar  henror,  welcher  noch  in  demselben  Monat  (deu  19.  Mai 
1520)  auch  die  ,EipIanfttio*  druckte  mid  die  deutsche  Schrift  noch 
im  Jahro  lb2'2  neu  ausgeben  liefs  (Druck  I).  Ji  i«t  in  Jahre  1590 
bei  Job.  Froachauec  in  Augsburg  erachienen. 


DIE  HEVE  LCJTU£H-AUSGAB£.  U. 


149 


Güttel  1518  sein  Büchlein  von  Adams  Werken  und  Qottet 
Qnade''  erscheinen  liefB,  da  war  möglicherweise  bereite  ein 
zweiter,  reichhaltigerer  Druck  erschieuen,  während  A  ein 
Kachdruck  der  erstea  Auagabe  sein  mag;  wenigstens  ist 
kon  Gnuid  abzusehen ,  warum  A  dea  SckloDs  der  Gebot» 
forigeUMen  haben  aoU  K  Und  eine  Erwägtmg  gleicher  Art 
legt  die  Annahme  iah»,  dalk  dasjenigoi  wae  F  mehr  bietet 
«le  €Kltld,  all  abermaliger  Zusatz  b^  einer  dritten  Anagabe 
hiuzugctreteii  iat  Aber  das  sind  nur  Möglichkeiten.  Mög- 
lich ist  auch,  dafs  mit  Ausnahme  des  Anhanges  Luther'a 
Schrificben  gleich  in  der  ersten  Ausgabe  den  gesamten  In- 
halt TOn  F  um&fst  bat,  dafs  dem  ersten  Drucker  der  kurzen 
FaMong  (A)  eben  nur  diew  handeehriftlieh  «na  Wittenberg 
angegangen  ist,  während  Gfltlel  abnchtlioh  nnr  einen  Ana* 
sog  gegeben  hat 

Die  umfassende  Untersuchung,  wie  ich  sie  hier  gegeben, 
steht  freilich  in  keinem  Yerhältois  zu  dem  Umfange  der 
Schriften,  mit  denen  ne  es  an  thun  hat.  Aber  für  den 
Zweek  der  Hetnnigabe  wnr  aie  doeh  mit  deraelben  Qrlind- 
Ikshkeit  ansnatellen,  welche  die  grOiaeren  Schriften  erheischen» 
Nicht  dafii  ich  der  Meinmig  wire,  dafs  in  der  Wefananr 
Ausgabe  eine  so  ausiuhrliche  Erörterung  der  einschlagenden 


1)  Die  diei  kuMD  Sfttae,  welche  Olltlel  aafterdem  noch  nMhr 
hat  ab  A,  kSnnten  immeifahi  ab  nnhedentaDd  fortgelaasen  bsIil 

9)  Von  des  Anf  Draeken  der  Gmppe  A  dnd  flar  andatiert,  and 
dbie  stünmcn  almllieh  ans  gfiddevSschbad  (wie  die  Ton  7,  dis  süs 
Tier  Aogsbnrgiiehe  sind):  A  ist  von  Jobst  Ontknecht  in  Ndrnbeig^ 
nach  Koaake  stammt  ans  derselben  Druckerei  B,  C  dagegen  tob 
Adam  Petri  in  Baiei;  B  ist  nach  Weller  von  Otmar  in  Aogsboig 
gedruckt,  der  also,  was  beachtenswert,  die  kone  Form  spSter  mit 
der  awsfUhrlicheren  rertausclit  bat  Datiert  ist  einzig  E:  ..Getnickt 
za  Lf'vpfzgk  durch  Wolßgang  Stockei  .  .  lülir-  fso  imclj  Weiler). 
Es  wäre  übrigens  voreilig  daraus,  d&ü  Stockei  iioc)t  If^TJ  die  kurze 
Fomn  nachgctiriickt  bat,  BcbHcfsen  zu  wollen,  dafs  die  ausführlichere 
darnak  noch  Dicht  vorhanden  war.  Aber  uimK'iglicli  wäre  die«  iiicbt.  — 
Ich  erinnere  daran,  dafs  die  Zngcbürigkeit  von  £  zur  Gruppe  A.  blofse 
VermutuDg  ist  (s.  oben  b.  i'^Üf  Anm.  3). 


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160 


BRIEQER, 


Fragen  am  Piatwi  gewesen  wäre.  Nur  auf  die  Mitteilung 
der  Ergebnisse  und  ihre  andeutende  Begründung  konnte  ea 
ankommen:  und  gerade  Kaaake  yersteht  es  ja,  mit  muster- 
gültiger Knappheit  die  £i|;ebiiiMe  ebenso  eindriDgender  wie 
aimitiOeer  Uniemtehiiiigeii  «i  gelieii. 


6. 

„illne  kurze  Unterweisung,  wie  mau  beichten  soll, 
1519 (W.  A.  n,  57  ff.)  und  die  ..Confltendi  raUo.  15^0 

(W.  A.  VI,  iö4ff.). 

Knaake  erwäbnt  heitku^g,  dafe  Luther  die  deutsche  Aue« 

legong  des  Dekalogs  1520  zu  der  „Kurzen  Form  der  zehn 
Gtebote*'  umgearbeitet  hat.  Keine  Beachtung  dagegen  hat 
er  einer  Tbataache  geschenkt,  welche  seiner  Umsicht  un« 
möglich  verborgen  geblieben  sein  kaoii|  dafs  nämlich  schon 
1619  die  i, Gebote''  au  einer  anderen  unter  Luther's  Kamen 
erschienenen  Schrift  benntst  worden  sind. 

,;Eino  kurae  Unterweisung;  wie  man  beichten 

ßoll,  aus  Düctür  Slartiu  Luther  Augustiners  Wohl- 
mein unj;^  gezogen"  lautete  der  Titel  der  Sciiriit,  weiche 
im  Laufe  des  Jahres  1519  die  Presse  I^Ielchior  Lotther's  in 
Leipzig  TeriieOi  und  awar  mit  dem  auffallenden  Vermerk: 
„GedruM  ßuLejfpttg  aufß  vordrung  Mdehicr  LaUhen**. 
Soll  damit  der  Drucker  der  Sduift  augleiek  als  Veran* 
italter  derselben,  d.  h.  als  derjenige,  auf  dessen  Initiative 
hin  die  Unterweisung"  „aus  Luthers  Wohlmeinung  ge- 
sogen'', hingestellt  werden?  Knaake  spricht  sich  darüber 
Mmso  wenig  aus,  wie  über  den  Sinn  des  Titel  vermerke: 
f,am  LiUhen  WaMmeinmg  sfuogm**.  SoU  er  etwa  besagen^ 
die  Schrift  sei  Aussqg  aus  onem  GhitachienLuther^s?  Oder 
soll  damit  angedeutet  werden,  dals  sie  aua  verschiedenen 
AufBerungen  Luther's  über  diesen  Gegenstand  gezogen  ist? 

Knaake  bringt  mit  Recht  *  die  „Unterweisung"  in  Ver- 
bindung mit  jener  ^Forma  confes8ionis%  mit  der  aicii 


1)  mt  K8itlliL  I*,  896. 

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DIB  NEOE  LÜTHmt-AUBOABB.  IL 


Lvlliflr  auf  SfMÜaiin'B  Dttngeii  hin  DMh  eineni  Briefe  an 
iHmn  yvok  14.  Jaaiuar  1519  besdiäfligld  ^  und  wdcfae  «r 
dem  Fraando  bereitB  sehn  Tage  tpiter  übenandte^  und 

die  dann  Luther  sp&ter  (in  den  Fasten  1590)  zu  der  ,Oon- 
fitendi  ratio'  umgearbeitet  hat.  Die  Unterweisung" 
hält  Knaake  tiir  einen  Auszug  aus  ihtf  der  yieiieicht  von 
Spaiatin  selbst  veranstaltet  sei 

Letzteres  ist  wenig  wahrsohmnlieh;  aber  em  Ansang  aw 
der  (QrniidBehrift  der)  ^Oonfitendi  ratio'  ist  die  „Unter* 
wmmng*^  sweiftUea  imoleni,  ala  die  anifitkriidiere  Bar» 
kgang  der  ,Ratk>'  fttr  die  meisten  Abschnitte  der  ,  Unter- 
weisung' die  deutlicii  darchschimmemde  Unterlage  bietet  *. 

Nur  fragt  sich,  ob  der  Bearbeiter  der  ,  Forma  ^  nicht  noch 
eine  andere  Schriit  LuÜier'S  benutzt  hat  ThatBächlich  geht 
die  ToUe  Hälfte  der  Schrift  nicht  auf  jene  aorUcki  ich  meine 
die  lange  Anleitong  aar  Beichte  nach  den  aehn  Gebotm 
im  8.  Pmikt  nnd  die  Bemerkung  Uber  das  9.  wnd  10.  6h»> 
bot,  welche  den  9.  Punkt  ausmacht  Die  klaters  ist  wörfr> 
Kch  aus  der  lateinischen  Bearbeitung  der  „Zehn  Gebote"^ 
herübergenommen,  und  ebenso  ist  die  Beichttafel  des  8.  Ab- 
schnittes eine  meist  wörtliche,  nur  hie  und  da  durch  kleine 
Zosfttae  erweiterte  Wiedergabe  der  „  Übertretungen  aus 
jener  Schrift:  auch  hier  hat  nicht  die  deutsohe^  sondern  die 
(etwas  rsiobere)  lateinische  Ausgabe  die  Yoriage  abgaben. 


1)  Eod.  I,  353. 

2)  Ead.  I,  371:  Mitto  quod  vohUttif  imo  quod  poiui  ntQl  roO 

f^oitohh/roiv  üi'tndnnfiv.  Tu  mderts,  quid  effecerim.  Äddo  ff  di«tpn- 
tutiuncAilam,  S}(]>rr  qua  ht  fftlovixoöuiv,  8cd  quam  r  ot  unde  ve- 
ram  arbiträr.  Vtdebis  in  hi^  omnib^is ,  quo  res  eccksiasticae  re- 
dadne  itint.  (So  ißt  zu  leseu  und  nicht  mit  Enders,  dem  das 
Origioal  vorlag;  iftXovtxoOfAiv.  8ed  quam  rotunde  venm  orMirer, 
piddns  eto.) 
3^  n,  57. 

4)  lian  Tcigleiehe  C  I  and  U  mit  U  1;  C  m— V  mit  U  2 
«ad  8;  G  Vl-Vm  ndt  U  4  and  5$  CIX  adt  ü  6;  C  &  mit  U  7. 
€  XI— Xm  HAH  in  U,  dagegen  ftUt  fai  0  der  hmge  AbMbnm  U 
S-9  (srft  der  BeiehUsfel) ,  desgl.  U  10  (deeh  berlhrt  sieh  dhier 
Axtikd  mit  C  XI).  Qemeinism  ist  beiden  aaeh  der  Anhang,  dsa- 
Met  Meneises,  -    '  * 


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159  BBUWBB, 

Die  ,  Ratio  coii£teiidi'  von  1520  bebandelt  nur  (bei- 
tpielsweiie)  kun  das  6.  Gebot  und  verweist  im  übrigen  auf 
dM  ^Prfteceptorium'  und  die  ^Scbedalae  decalo- 
gorum'  des  Ver£uNn  \  Aber  «acfa  die  uraigttngliche 
; Forma  eonfeeiionisS  deren  CJmarbeiiiiiig  die  yBaiio' 
ist,  bat  Bchwertidi  die  Beichttafel  des  8.  und  9.  Absatzes 
der  „Unterweisung"  enthalten.  Deim  l)  sagt  Luther  in 
dem  Vorwort^  dem  Widmungsbriete  an  Alexius  CrosneFj 
nichts  von  einer  Verkürzung  derselben;  e»  beüat  nur,  er 
habe  dcb  gendtigt  gesehen ,  das  Büchlein  guamguam  ftä/^ 
HOM«  Miag^  ocoiipa^iukmtB  ipumet  r&sognaacere  et  paueis 
immuiaii*  ei  addiiie  aHantm  ediiUmem  praevemreK 
Und  9)  ist  ee  hSehst  nnwahrseheinlieh ,  daß  Lnthor  fllr 
Spalaün,  der  den  Beiclitzettel von  15  17  kannte,  in  seinen 
handschriftlichen  Entwurf  ^  jene  J^eielitarileitung  auijgenommen 
hat,  vielmehr  wird  der  Entwurt  denselben  Hinweis  auf  die 
^yDecem  praecepta'  und  die  ^Schedulae'  enthalten  haben, 
welchen  die  ^Batie'  aofweist  Und  eben  dieser  wird  &ac 
den  Bearbeite  den  Anstois  bot  Au&ahme  jener  Einschaltung 
gegeben  haben. 

Nach  alle  dem  ist  die  „Unterweisung'*  eine  Kompilation 
aus  zwei  verschiedenen  Schriften  Luthers,  von  denen  die 
eine  bis  dahin  nur  handöchrit^ich  verbreitet  gewesen  ist  *. 

Auf  das  Verhältnis  der  Unterweisung ssur  , Ratio'  ist 
Knaake  anch  in  seiner  Einleitung  zu  letsterer^  nicht  ein- 
gegangen; er  hat  anch  nicht  die  auf  den  ersten  Blick  auf* 


1)  W.  A.  VI,  164. 

2)  VI,  167.  TgL  Luther  an  SpaUtin,  la  Januar  1590,  End. 
n,  S96,  und  85k  Mifs      M:  MiUo  Jfliipassi  wifiimii  ,  .  panm 

panm  mmmdaU  sohaint  auf  dsn  nacbliwigea  Druck  Ori&nebeigs  aa 
geban.  VgL  von  DemBser,  Lathefdniaka  (Leipaig  1888),  S.  65  aa 
N.  181. 

3)  Er  besdefanet  Oia  als  «fai«  pmgia  ifkUiki  (Wvf  iMliif>, 

W.  A.  VI,  157. 

4)  Möglicberweisa  hat  der  Kompilator  auch  den  ,Sermo  de 
'poenitentia'  an  eia  paar  SteUaa  benutat;  doah  lüsft  aiah  daa  niakk 

a^er  entscbeidea, 

5)  VI,  154. 


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DIE  KEUE  LUTH£R-ALääABE.  U. 


168 


frUeDdo  BnwhftiniiTig  berOhrt  ,  dtA  Luther  die  „ÜDter^ 
wrärang^  in  den  betreffenden  AufBerongen  Tdllig  ignonert  \ 
obgleich  doch  nach  Knaake  in  ihr  ein  Auszug  aus  dem 
„flüchtigen  KDtwurfc"  *  der  , Ratio*  erschienen  war  und 
weite  Verbreitung  gefunden  hatte.  Knaake  hat  nicht  we- 
nigar  aU  acht  Nachdmcke  des  Lotther' sehen  Urdrucket  nach- 
gewieien^  von  d«D«ii  äie  datierteo  die  JahrenahleD  1519 
und  1520  tragen.  Dali  «na  so  wttt  Terbreitote  Schrift 
Luther  entgangen  sei  ist  nieht  denkbar.  Die  Schmer^ 
keit  löst  sich  durch  die  Erwägung,  da  Ts  Luther  hier  immer 
nur  von  seinem  früher  Spalatin  überschickten  , Modus  con- 
fitendi'  redet,  der,  soweit  er  auch  handsciiriftlich  verbreitet 
tein  moobte,  biaher  noch  nicht  mm  Dmck  befördert  war: 


1)  Midit  bk>A  hiätni  er  am  18.  Januar  1590  den  firOlwr  für 
Spalathi  f«fertigtca  jModiu  eonfiiandi*  tun  dieMm  mit  der  Begifbi- 
doog  mrfiek:  ptod  m^tuQ  id  fmc^md  ttt  §xcudi,  timt  tenbü 
Adß9Kumm$  moOtr,  gm  optaoit,  ut  mmdaUm  «ml  wmMmm  ad  m 
miUtnm  (Ead.  Hi  296),  aondeni  in  dem  Widmnngahrief  an  Craeaer 
aehvelbt  er:  id  UbeOi  aivt  epUtola$,  cum  ÜU  [Spalatmaa]  edm- 
wmmieoitet  uni  et  aUeri  .  .  .  tttndem  ptricliiari  eoepit  et  typii 
fuogtu  dtMiderari,  Hie  wutm»,  quam  toleani  ernte»  m<»  tlUam 
mfUäbtu  meot  itbmvam,  coaetug  tum  tagäbundwm  rwocart  et  .  . 
iftsemet  reooffnotctrt  €t  .  •  aliotum  ediiiontm  pruevtnire  (W. 
A.  II,  157). 

2)  Übrigens  ipiiebt  gegen  diese  Annahme  Knaake 's,  Luther  habe 
den  „nur  flüchtigen  Entwurf**  zu  diesem  „Büchlein**,  der  „Ratio 

eonfitendi «mpcarbeitet,  schon  das  pauci^  emendatin  et  additis  (s.  o. 
8.  152);  de8gleic)i(Mi  die  Beinorkunf»-  der  Vorrede,  dafs  seine  guten 
Freunde  ihm  auf  die  Worte  zu  ßc  hen  ptlcii^ten ;  denn  sie  zeipt,  dafs 
die  polemischen  Ergüsse  der  ,liatio*  schon  in  dem  ,  Modus  coutitendi* 
nieht  ganz  gefehlt  haben  können. 

3)  Knaake  II,  164  („Wider  Luthers  Willen  und  Wissen 
Terbreitet,  war  letztere  Schrift  [die  ,UnterweiHiiii;j;*j  auch  dem  ihm 
befreundeten  Domherrn  Bemluurd  Adelmanu  in  Au^^sburg  bekauat 
geworden,  der  nun  an  ihn  die  Bitte  richtete,  sie  umzuarbeiten") 
scheint  das  selber  nicht  aiizunehmeu.  Doch  ist  diese  Anslegung  der 
Stelle  aus  dem  Briefe  vom  18.  Januar  schwerlich  richtig.  Adelmann 
irird  den  ,  Modus  eonfitendi*  handschrifUlch  erhalten  haben  und  La- 
iber TOD  der  AbiEeht  einea  Augsbinger  Dmekifiy  das  Maaeakilpt  aa 


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154  BRI£6£B,  Dl£  N£U£  LUTHKB-AUSGABE. 

YWk  jener  Kmapflition,  weldie  mil  einflm  Uofteo  AoMg 
•HB  dfloi  y  Modus '  8  tilck  einer  andeni  Selirift  Terlmfipfte, 

konnte  Luther  dabei  iu  der  That  abseilen  —  freilich  nicht, 
okoe  ftifi  damit  zugleich  stillschweigend  zu  Terleugneo. 

fBVirtssiiuiig  fol^] 


r 


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ANALEKTEN. 


1. 

Der  grieehiMha  Irenäos  uDd  der  gaDze  Uege- 

sippus  iin  17.  JahrbuDdert* 

Von 
Ph.  Meyer, 

Pastor  in  Binnen  bei  Nienborg  a.  d.  Weser. 


Unter  gleu  licr  Überschrift  hat  Zahn  im  iweiten  Bande  dieser 
Zeitschrift,  S.  268 ff. ,  einon  IKirhorkatalog  veröffentlicht,  der 
•ich  in  einem  der  Klosterbiblioihek  zu  Tatmod  geiiurigen  Exemplar 
der  ed  princ.  det  Finder  Ton  1515  findet  und  in  dem  von 
tteologiscben  Werken  1)  Etgrivalw  *Ejumtlnov  ji^^nmv^ 
mta  tu^wf  ^ißXla  E\  2)  ^H^tjafmfav  i^Sffüg  emotncXiMaS 
fiißUm  B\  3)  AftftXoxiov  immtonov  X6yoi  Stufogot  genannt 
werden. 

Im  Jahre  1887»  als  ieh  in  den  AthoaklOstern  die  Hanpi- 
mknnden  inr  Oesehichte  derselben  sanunelte»  habe  ieh  im  Vorbei* 
geben  einen  Katalog  abgeschrieben,  der  unter  anderen  tbeo- 
legieeben  Werken  auch  die  des  patmischen  Yorzeichnisses  entbftli. 

Dieser  Katalog  ist  enthalten  im  Codex  1280  der  Bibliothek 
Ton  Iwiron,  chart.  saec.  XVII,  8®.  Der  Hauptinhalt  der  Hand- 
echrifl  besteht  ans  Noten  mit  den  dum  gehSrigeu  kirrhlicben 
Texten,  Die  letzten  acht  Blätter  enthalten  jedoch  nicht  mehr 
Musik,  BOüdern  an  erdter  Stelle:  QtofpavovQ  (.loyayov  jov  uf- 
yakov  Qrjjopog  Ttjg  uylag  rov  /maTOv  itfyctXyjg  iK^Xr^nlug  nQ<><;  joy 
nayixfytyfüTuiov  xtgioy  rttOQytoy  luy  /Wä  ,  unotfaXnvTit  loy 
naf.i(flXxuTOy  viov  avrov  Wli/at]K  fUJu  iQUuy  ixyoyun'  uliov. 
Über  diesen  Theophanes,  der  um  1460  blühte,  hat  neuerdings 
und  am  ausführlichsten    gehüudelt  F^padopulos    KerameCs  in 


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156  ANALEKIEA. 

BifllMt&fjni  MavifayoifSajttog  Heft  1.  DiesiiD  Briif  miii  folgt 
imd  nrar  Yon  BlatI  5^—6*  nftdistebtnder  Xatslog,  doD  kli  in 

seiner  orsprflnglichin  Orthographie  wiedergebe,  da  diee  eTentnell 
f&r  weitere  Verfolgung  der  Spur  wichtig  sein  kaiui,  indem  ieh 
sogleich  durch  ein  nachgesetztes  Fragezeichen  anzeige,  wenn  dae 
Torhergehende  Wort  durch  WurmfraTs  oder  durch  die  sehr  un- 
deutliche Schreibweise  für  mich  nicht  lesbar  war.  Auch  habe 
ich  dio  Einteilung  des  Originals  in  den  gemachten  Absätzen  bei- 
behalten. Dem  Katalog  folgt  keine  Schrift  mehr,  sondern  sinn- 
lose Xritzel  und  Schnörkeleien.    Der  Text  lautet,  wie  folgt: 

rjyr,alnnov  %Qv  inl  joTg  jj^^voig  rtar  unoazoXwy  äxfÄUaayfog 
vnOfiyTjiK^iior  f  . 

tt^rjyaiov  tTttanonov  kovydatyov  koyog  xuiu  ul^iiaiüjy. 

tovarirov  ^^oao<pov  xtü  iAa(^ivQog  ß/ßXog  vniQ  XQ*^^^^ 
jr  avpekvrm  So&tTaüu  rr/pa  wto^irog  xal  rt^g  avrev  itadoxoig» 
t^iTijt  iy  71  mg)  zrg  qv^r/gif)  TfSfr  totiSaüar  fioi^  itakfynm* 
rmgif^t  rjy  iniygaxlßty  Ulyxoyt  xai  fnpa* 

T9V  ayiov  «meJloTO«  Xhy^i  ^tuqogot  mti  kuotthä 

ftt^oiiov  fltßXfa  xuTu  ^le^^ev.  ^  jov  at-Tov  avfinoatay 
iiim  naQ$^f9r,    Tov  avTW  n^/i  ayamaatmg»    rmv  ^vrov  nm/k 

tov  avTOv  vnoftp^fmia  üg  lo  uofia  xäp  wtftmmy, 

tvmßiov  irig  xtaoQflag  ßißXog  mgi  Tt,g  ttuy  tvctyytXi'm^ 
Siaq^a.  .?  tig  ror  ngoqrjTfjy  roaiuv  Xoyoi  t.  xo^ra.  noQfpvQhv 
Xoyot  X'/  jontxoy  Xoyog  u  .  unoXoyia  vttw  (ooiylrovc:.  m^l 
ßtov  TiafttpiXev  rov  ^ictpivgog  Xoyoi  y'.  7>f^  fco^rv^ov  (?)  fig 
%nvg  gy    ypaXuovQ  vnouvr ftaru. 

tvaiud iov  iJiiaxtinov  üyiio/fi'ug  Xoyot  ntg]  ^pv^t^g, 

UftqiXo/Jov  tntaxonov  fxon'ov  luyoi  dui(fOgoi. 

TOV  ayiov  qkufiiuyot  uftiktu  ^ig  xoy  ivayyiXiOJt^y  Xovxüy  xal 
ifg  TCt  d-toqaylu, 

tvmfliov  ifiiüfyov  ofiiXim  noXXai  üg  tu  QijTa  ^ilag 
yQa<pf,g.  ,  ,        ,  , 

lipriav  IntOMono»  rtanoktwg  cwoAe^/ai  vnig  /piarMmSi^  «»} 
mta  UtvStUWf  aml  nf^}  dkonar  twp  uyi»y» 

ampiinf  (f)  immmtw  ofioatiag  fyiuifuop  <f(  Ufvftiup  t^r 

imfttPÜkv  intOMmov  atßvßg/mg  Xoyot  uma  Ttür  dxopon . .  ? 
Xiay  wpiXifiog. 

^fluatXtiov  TOV  fttyaXw  vnofuftfiofu  ^g  Tor  imtktimiun^Pf 
TOV  UV  TOV  ttg  T^  ao(p(ay, 

oaßipov  t^g  r,fittkXiütg  immonov  avpoiyofyf^  tufimif)  avro- 


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M£Y£B^  IHENÄUS  UND  HfiGESlPP. 


157 


IHi  BtdfotDDg  di«M  Katakgs  taum  ich  wio'Zalm  bai  dm 
maam  mir  dttin  adMii»  daA  d«r  8ehreib«r  deBBelben  rieli  di« 
BOdtor  lehnftlidi  iMilmi  wollte,  dM  «r  in  seiB«  figmim  odir 
«BOT  Um  a]ig«b«Bd«ii  BibliollMk  wnltte.  Der  Annihne,  dab  dia 
YtttridiDto  ua  «mem  älterem  Codex  abgveebrioboii,  widenpriolit 
daa  Wesen  des  ohne  die  Bllcher  ganz  wertloeon  Yeneicbnisati 
und  der  Plati  desselben  in  niiMiir  Haadscbiift  Bei  einer  Meng« 
Ton  Codices  benotsien  die  Besitzer  die  ersten  oder  letzten  leeren 
Blätter  derselben  za  Notizen  persönlicher  Art.  Ähnliche  BQcher- 
Terzeichnisse  aber  mihm  man  auf  dem  Athng  häufiger  anf,  sowohl 
in  den  Klöstern,  wenn  einem  neuen  Igumenos  das  Inventar  über- 
geben wurde,  als  beöoQders  häofig,  wenn  das  Kl(^ter  die  Häuser 
seiner  Skiti  oder  ein  Kellion  einem  neuen  Pächter  fibergab. 
i>erarti^o  Bücherverzeichnisse  führt  an  Jedeon»  o  y#^a»c,  S.  389. 
Doch  .stammt  das  von  1143,  das  den  ganzen  Böcherbesitz  des 
früheren  Klosters  BvXovQyov  scheinbar  enthalt,  kaum  aus  diesem 
Jahre,  wie  aus  deu  bpäten  Ausdrücken  desselben  {ai*'dotiu  z.  B., 
daa  doch  türkisch  ist)  herforgehl  Der  ganze  Text  in  i7<^ 
Tov  ^fjjrfiaxog  rtjg  Icfog  fior^g  jov  äfimt  nd^nl*^ 

fMntQ  olo.,  Konatantinopel  1874i  8.  90it  Neuere  Bfleherkata- 
loge  derart  habe  ieh  mehrere  gesehen  In  den  aogenannten  'O^^ 
lofn»  den  Faehfkentnkten  der  Shitioten  und  KelUoten  mit  ihrem 
Kleeter.  Nun  iet  der  Torliegende  Katalog  hein  IhTentariata» 
TeneiehBie,  was  sieh  ans  dem  gänzüchen  FeUen  der  Kamen  ?on 
ptaktischen  Werken  ergieht  Indeeeen  war  von  altersher  das 
Katalogisieren  nichts  Unbekanntes,  so  ist  es  auch  nicht  befremd* 
lieh,  dals  im  17.  Jahrhundert  ein  Mönch  sich  einen  Katalog  Yon 
ausgewählten  Werken  einer  ihm  naheetehenden  Bibliothek  an- 
legte. 

Nun  denkt  man  bei  der  Bibliothek  unwillkürlich  an  die  von 
Iwiron.  Aber  Irenaus  und  llcgesipp  sind  nicht  darin  enthalten, 
wenigsteos  Bieken  sie  uicltt  in  dem,  bo  viel  ich  erprobt  habe, 
zuverlässigen  Handächriftenkataloge  von  Lambros,  den  ich  hand- 
schriftlich duTchgeaeben,  ehe  ich  iiach  dem  Athos  mich  aufmachto. 
Auch  des  Ignatius  Bnefe  äuoht  man  dort  vergebens,  aber  einige 
Schriften  des  Jostinus  findet  man  in  einer  Foliohandschrift  dea 
16.  Jahrhvndertay  die  der  Sidfi  rov  Ugodgofiov  eheriialb  Iniren 
gehört  Hier  iai  Lamhroe  niebt  geweeen.  Ton  den  ftbrigan 
Werken  Termag  ieb  niebt  an  aagen,  ob  aie  in  Iwiron  oder  tlber- 
banpt  auf  dem  Athoa  geAinden  werden,  da  ieb,  wie  geaagtt  den 
Kateleg  Ton  Lambroa  Tor  meiner  Beiee  dnrcbaalL 

Be  liegt  nicht  fem,  da  nun  doch  einmal  die  Hundschriften 
von  IrenioB  und  Hegeaipp  aneh  in  Jener  Zeit  niebt  ao  blnflg 


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1^8  AXrALBKTBV. 

gfWiBMi  Bind  UM  BvaBg^en,  ansiBiJuM,  dalli  d«r  Bflohtr- 
katilog  Tom  Athos  und  der  von  Patmos  dieselben  Exemplixt 
der  genaimten  beiden  Vftter  und  des  Ampliilochios  im  Äugt 
iiaben.  Genaue  Kenntnis  Tom  Lebenslauf  des  yon  Zahn  a.  a.  0. 
genannten  Nikiphoros,  des  einstigen  Be&itiers  der  Pindarausgabe, 
könnte  vielleicht  darOber  Auüscblnfs  g-ebcn.  Möge  bald  ein  neues 
Datuui  bekannt  werden,  die  Spor  der  Terlerenen  Bücher  weiter 
SB  Terfolgen. 


2. 

Zwei  Akteastfleke  zur  Gesrhicbte  des  Landes* 

kirchentoms  ii  JUick 

Mitgeteat 


G.  T.  Below, 


Von  den  beiden  Akteii.stucken,  welche  hior  zum  Abdruck  go- 
langen,  liefert  das  erstere  eiueii  Beleg"  für  die  weite  Verbreituug 
des  Konkubinats  nnt^r  der  Geistlichkeit  des  ausgehenden  Mittel- 
alters. D^is  zweite  schildert  das  geistliche  Proletariat  jener  Zeit 
aud  gewährt  einen  Blick  lu  die  Ursachen,  auä  welchen  Uaä  geiut* 
Hohe  Proletariat  entstand  (vgl.  hierzu  L.  y.  Eanke,  Sämtliche 
Werk«  I,  170  nnd  F.  v.  Beiold,  Geschichte  der  deutschen  fie- 
fonnation  l,  78).  BMt  Aktenatfteke  itiehneii  lieh  geaMlnaaai 
dadurch  ans,  dab  sie  orkennea  laiaen,  wie  diu  laiidwhirrliBba 
Gewalt  sieh  der  Ordnung  der  ktrefaKehfii  YorhiltniMe  aanahm 
(vgl.  hierzo  tfaurenbrecher,  JCatholisebe  Bafoimalion  I,.  97; 
Varr«ntrapp,  Hennann  von  Wied  II,  ^lit  mid  Joseph 
Hansen,  Westfalen  and  Bheinland  im  16«  Jahrhnaderli  If 
Jünleitnng  a  2  ff.  nnd  8.  1388:). 


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BSLOW,  ZUR  GE8GH.  D.  LA1ID£8K1SCH£MTUM8  IN  JÜUCU.  169 


1478  Aae^ust  2. 

Berzog  Wilhelm  an  JohAsa  Ton  PaUuit. 

Um  g«tniwe.  Wir  hau  dir  hjaboToir  adifim  doin,  die 
faffmmede  in  niisni  anipt  taii  Wilhamsteiii  lud  oaeh  lo  Picra 
ip  M  dorn  bmiieii  oC  n  in  goliinoknias  so  «etMO,  so  wir  dos 
ngotiictei  ind  napriorterliehsn  httidols,  d«i  dio  psftn  so  si« 

boeren  bi  sioh  hilden  sollen,  in  unsen  Indon  nit  g^hengem 
willen.  Yeretaen  wir ,  dat  du  dich  nit  rü  nn  imsem  sobriftlielMii 
bevel  dsait  gericht  en  bais,  so  wir  boeren,  dat  so  Pirre  ind  an 
anderen  enden  dergelicben  bandele  si.    Dat  uns  befrempt  ind 

emstlifh  Tan  dir  zo  undarick  is.  BeßekH  deshalb  norhmaU 
ernstlich,  dat  dn  van  stont  verfueges,  dat  dio  paffenmede,  die  in 
lulcber  wise  sitzen,  upbrechen  ind  nit  langer  in  dem  Yurs.  unsem 
ampt  cf  anderen  dorferen,  da  du  vfm  unsen  wegen  bevel  bais, 
•n  bliven.  Ind  wer  einch  dain  wreveiich  of  ungeboirsam,  die 
Wils  van  Rtont  gefencklich  dorn  sotten ,  bis  wir  dich  anders 
laissen  wLsson.  — 

Gegeven  zo  üea&bar  uf  dem  bondäch  na  s.  Peterä  dach  ad 
vineidA  ao.  78. 

Düsseldorf.  Staatsarchiv,    Litteralien  wm 
JtUich'Berg,  Qmcept. 


IVm  Mit  21.1  1 
Oataohten  des  Sanptf^erioht«  JllUoli« 

Van  den  schefFen  zu  Ouilg  antreffen  de  gemeine  priestere,  im 
iMido  goino  geistlige  loben  faaTon  etc  Yan  Joban  Palant  uf 
den  noiston  gudestach  na  dorn  sondsgo  Cantato  albi  ta  Dussol* 
doff  oevergeven  ao.  22  *. 

So  dan  binnen  minscben  gedenken  bisher  der  gemüino  huiss- 
maa  ■  me  geneigt  ist  jjeweest,  irre  kinder  ein  prieöter  zo  machen, 
dan  in  vurziden  ind  niet  alle  R^eistüche  beneücien  haven,  daruf 
si  ordineirt  ind  gewiet  mögen  werden,  baven  darumb  erdacht  ind 
fonden,  dnt  die  alderen  mit  willen  irre  andere  kinder  eime  sone 
Tan  iren  gliederen  ao  vil  geren  ind  Tersehriven,  zo  25  goult- 
gulden  zo,  an  jairlicber  renten  ind  des  van  den  geiichten,  dae 


IMtom  des  praes.   Daa  Gutachten  «elbet  trägt  kein  Datom. 
IMos  forstoMado  L 
8)  D.  h.  Banse. 


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▲VALBKTSir. 


dieselTe  gaeder  ander  geleegen  sint,  einen  riebttichen  aebine  so 
Collen  an  die  geistliche  preliiten  brengen;  daemit  werden  diee- 
selTon  also  nf  ire  Patrimonium  zogelabeen  ind  priester  gewiei. 
80  iet»  dat  dagelichs  daiinne  mirlilicbe  gebrechen  komen. 

1)  Zorn  irsten,  dat  etlichen  van  denaelven  priesteren,  wanneir 
dat  si  priester  gewiet  sint,  asdan  geven  ßi  iren  alderen  sulche 
gift  weder  oever,  so  en  ha?en  ei  weder  beneficium  noch  renten, 
darnf  si  leeven  mögen,  so  dat  dardurch  dat  furstendompt  Guilge 
Toi  armer  priebter  ist.  Ind  moissen  kircben  ind  eiteren  bedienen 
ind  nenwelich  dat  broit  darvan  baven,  des  die  rechte  past^aire 
ind  Ticanen  gewar  werden  md  ire  kircben  ind  elter  den  armen 
priesteren  hoger  verpecbten  ind  die  absencien  in  den  Steeden 
Terzcren.  Der  oirsacben  halven  wenich  rechter  pastoire  ind  vi- 
c^rien  durch  dat  gantze  furstendompt  vnrs.  uf  iren  kircben  reöi- 
deren,  dan  allit  mit  burlingen  ind  armen  priesteren  besetzen  ind 
l»edienen  laiesen»  dardordi  dnt  gemeine  TOnlk  mit  nngeleirden, 
aimpelen  prieeteien  regieri  wirt,  dat  waü  10  enneaaen  iai,  wit 
nnti  den  aimpaton  luden  dmisa  nnteteit  ete. 

3)  Zorn  andeien  iat  mir,  dat  iecklicher  hpieamann  ind  InUIni  ^ 
einen  prieater  bam  wüt>  ind  etUcben  aieb  dardmrdi  Ttidefren, 
die  alderen  oncb  die  ander  kinder  darao  brengen»  die  giften  mit 
bewilligen.  Ind  ala  die  alderen  venfeerven,  so  deit  der  prieator 
die  hende  so  ind  bebelt  die  gegoren  goeder  sin  leeren  lankt 
dardnreh  die  ander  kinder  etlichen  gebrech  liden  ind  umb  broit 
gnin  moiaaen.  Ind  als  die  ander  kinder  aadan  irre  alderan 
naegelaissen  gneder  mit  lantrecht  erforderen  willen  van  irem 
broider  deme  pnester,  so  halden  wir  it  in  deme  lantrechten  alao^ 
want  die  ander  kinder  snlcbe  gift,  der  ?ader  sime  sone  deme 
priester  ^'cdain,  bclicft  haven,  wison  wir  die  gift  van  werde,  dat 
der  priester  die  gueder  sin  leeven  Lir.k  gebruichün  möge,  dar- 
durch die  ander  kinder  alle  irre  alderen  gueder  berouft  werden, 
so  lange  der  priester  leeft,  wilcher  geliche  Sachen  zo  tÜ  ziden 
Yur  dat  lieuftgcricht  zo  recht  komen,  dat  barmlich  ist 

Ikduclit  uns  darumb  guet,  dat  n.  g.  h.  daruf  veitiieae  wnlde 
ind  allen  amptluden  schriftlich  beveel  geschegc,  dat  die  gerichten 
iecklicbn  ainptz  der  overgiften  vurbass  ujet  gescbiene  [!)  noch  zo 
en  laissen  noch  geine  g(  richtsschiue  van  sich  derbalven  en  geTen. 
Wauueir  sulchs  verboeden  wurde,  so  en  wurden  diesselven  ouch 
zo  Collen  niet  zogelaissen.  Wilcher  dan  van  den  hnisluden  einen 
prieater  baren  wolde,  mocht  gedenken,  dat  hie  aime  eone  ein 
benefleinm  beatelt    8nlden  aieb  oneb  aadan  die  kinder  ferder 


1)  D.  h.  der  Pächter,  welcher  die  Hälfte  des  Robertniges  als 
Pacht  »khlt.  Vgl.  Koscher,  Sjstem  der  Voikawirtschaitt  Ii,  §  5d 
und  llor.  Bitter  in  der  Zdtaehr.  des  beig.  G.V.  ZZ,  8w  7. 


UST£BI,  ZU  ZWmau'S  EUSNCHUd. 


161 


vlisigen,  herren  ind  jonlceren  zo  dienen,  ind  also  durch  iro  ge- 
truwe  diensten  mit  geistlichen  liehnen  versiene  werden.  Sulde 
u.  g.  1.  h.  biemit  deme  almechtigen  goede  gefelligen  lad  bebage- 
liehen  dienst  ind  den  gemeinen  nndersaieeen  lil  gaetz  doin. 

J}ü$8ddorf,  Staatsarchiv.  Landtagskommissionsverhandhmgen 
von  Jülich-Jierg.    Caps.  3.    Nr,  3,  Orig, 


3. 

Zu  Zvviogli's  Elenehus. 

Von 

Dr.  theo].  J*  H,  üsterl. 


A.  Baur  hat  in  seiner  Aliliau  Unng  in  dieser  Zeitschrift,  Bd.  X, 
8.  330ff. :  „Zur  Einleitung  iii  Zwin^li's  Schrift:  ,In  catabapti- 
starum  btrophas  olenchus'"  es  uateruuuiiiiou ,  über  die  von  mir 
als  etwas  dankel  bezeichnete  litterarische  Veranlassung  dieser 
Z«iiigli*aoh«n  Sobrift  Ucbt  ni  ?erbreiteii  und  glaabt  Moh,  ee  eei 
ihm  dies  eo  weit  gelungen,  dafe  Jelat  mit  AosoBhiiie  einee  ein- 
ligmi  Pmilctes  Iket  völlige  Klarheit  an  die  Stelle  des  biaherigiii 
Dnnkele  trete.  Die  Polemik  gegen  mich  heneht  sieh  haoptsfteh- 
lich  auf  den  Antor  der  Schmfthsehrift,  gegen  die  sieh  ZwingU 
im  enten  Teil  eeinei  „elenehns"  kehrt  Ich  habe  die  Ver- 
mutung ausgesprochen,  derselbe  möohte  Orebel  oder  Manz,  jeden- 
&lla  niebt  der  sohon  von  den  Herausgebern  Ton  2«ringU*s  Wer- 
ken angenommene  Balthasar  Hobmeier  sein;  Baur  hingegen  tritt 
entschieden  für  den  letzteren  ein,  den  er  als  den  von  Zwin^li 
weni^'stens  vermnteton  Vcrfanspr  oder  intplloktnüllen  Urheber  der 
Schritt  betrachtet,  ohne  „ahsolnt  behaupten"  zu  wollen,  „dafs 
Zwingli*8  Verdacht  woblbegründet  sei"  (S.  338 f.).  Baur's  Be- 
weisführung hat  raich  indessen  nicht  Überzeugt,  und  ich  sehe 
keinen  Grund,  warum  ich  von  meiner  früheren  Vormutong  ab- 
geben sollte,  die,  wenn  sie  auch  blofse  Vermntnn^;  bleibt,  doch 
wenicrstens  zwei  Namen  nennt,  auf  Uie  Zwiugh'«  Verdachtsgrfmde 
piiääeo,  während  sie  auf  Hubmeier  entschieden  nicht  passen.  Und 
eine  bestimmte  anonyme  Schrift  des  letzteren,  deren  Inhalt  den 
m  Zwingli  gegebenen  Avsiflgen  entsprechen  würde,  wtifa  meh 

ZAiUchr.  t  K.-O.  XI.  1.  11 


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162 


AMALEKTfiN. 


Baur  nicht  zu  nenoea.  Ob  die  in  Frage  8Uh«3ude  Schrift  über- 
haupt je  gedraclct  war? 

Auf  Baofs  fiiaweBdtmgeii  gegen  meine  Grfinde,  mit  deneo 
ich  die  Autonchaft  Hiibm6ier*8  beatritten,  habe  ich  nun  folgen- 
des la  ervidern: 

1)  Dafs  Zwiogli  im  ersten  Ts  11  seiner  Schrift,  wo  doch 
eben  die  Änisenmgen  Aber  den  „CTiiidra"  vorkommen»  den  ,,|ier- 
fidu»  apostata  JBaUkasar**  wiederholt  mit  Namon  nennt»  seheint 
mir  noch  immer  fOr  Unterscheidung  des  ,,ümbra"  «a  sprechen. 
Doch  will  ich  darauf  kein  entscheidendes  Gewicht  legen. 

Hingegen  mufs  ich  2)  gegen  li.mr  erinnern,  dufs  die  erste 
sichere  Spur  dafür,  djifs  der  ,,elenchus"  erschienen  sein  könnte, 
nicht  in  dem  Briefe  Capito's  an  Zwingli  aus  der  zweiten  Iliilfte 
des  September  lf)27,  sondern  schon  in  demjenigen  Ökoiampad's 
an  Zwingli  vom  31.  Ai]gut>t  d.  J.  zu  finden  ist  (Opp.  VTII,  89). 
Dafb  am  18.  August  Cii]tito  in  Straf:»burg:  den  „Elenrlms*'  noch 
nicht  hatte  (ibid  p.  84),  ist  begreiflicii,  da  auch  Ükniiimpad  in 
jenem  Brief  die  Schrift  lu  kurzem  zu  sehen  erst  als  Wunsch 
äufsert,  aber  gkichwohl  weifö  auch  Capitu  von  der  bevorstehen- 
den Herausgabe.  Hithin  wftre  die  Nachricht  von  Hubmeier's 
Tod  dem  Zwingli  doch  etwas  spät  zugekommen,  sofern  er  nicht 
—  wse  ja  allwdiDgs  wohl  mOglioh  ist  —  das  (falsche)  Qerflcht 
Ton  anderer  Seite  schon  frOher  vernommen. 

3)  Was  aber  Banr  Qber  die  Art»  wie  Zwingli  den  Tod  dse 
Verfassers  der  „ctmftäoiio"  berichte,  bemerkt,  mnfs  ich  entschie- 
den beanstanden.  Nicht  aof  den  schon  erfolgten  Tod  selbst  be- 
zieht sich  olTenbar  das  arhilror  und  indubie^  sodab  dieser  doch 
als  nicht  absolut  gewifä  betrachtet  und  beieiohnet  würde,  son- 
dern auf  die  Taute  im  Phlegethon  and  auf  die  Yerzehrong  von 
der  Feuerglut  in  der  Unterwelt.  Mit  Bezug  hierauf  war  aller- 
dings die  Milderung  des  Urteils  durch  arbitror  mehr  als  am 
Platz!  Baur  hat  die  Stelle  S.  381  ganz,  über^^ehen,  die  den 
Tod  .selbst  als  unbezweitelt  Innstellt:  Quid  Wittcmbergcmis  isU 
t6Cion  0  umhra,  qtmm  in  humdfus  esses,  cyerit,  omitto. 

4)  Am  entschiödeusteu  gegen  Ilubmeier  spric-ht  indessen  das 
von  Zwingli  über  die  Schreibart  Gesagte:  ,,f/u  amv  i  s  mujnno 
argumento  est  Iwgua  Helvetica,  qua  sie  est  scripta,  ut  cjtcruum 
et  percyrinum  vcrbum  nullum  habmt ".  Buur's  Exegese  des 
qiumviSt  das  ich  Qhersehen  haben  soU,  ist  mir  ganz  unverständ- 
lich. Wenn  ich  ihn  nicht  gans  mUh?entehef  so  mfliste  ee  doch 
etwa  heUben:  gmmm$  magni  mmmiH  sU»  oder  das  argmnmkm 
nflbte  gendsmi  als  eatärarium  beieiehnet  sein.  Wie  soll  denn 
das  in  den  Wortea  liegen  können,  t,d»b  trott  der  Abibssang 
in  helvetisohsr  Hnndari  Zwingli  den  Urheber  der  Schrift  am 
Inhalt  erkenne^  also  ans  diesem  enehliefse,  dafii  derselbe  gend» 


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USTKUI,  ZU  ZWIKQLl'S  KLBNCHUS. 


koiTi  ^(>borouer  Schweizer,  sonflern  ein  Ausländer  soi"?  Nach 
meinem  uiiuiarsgoblichen  Verat.lndnis  besfip:en  die  Worte  klar  das 
Gegenteil,  h'h  hubo  mir  das  Urteil  des  hinf>it:htlich  des  Sprach- 
lichen gewifö  kompetentesten  Facljmaimes,  des  Herrn  Dr.  Pr.  Staub, 
Ked:iktürs  des  schweizerischen  Idioticum ,  eritetcn.  Ihm  scliomt 
üua  (iür  Stelle  klar  bei-vorzugehen:  „1)  daXa  die  botr.  Scbnlt  in 
Phonetik,  Flexion  und  Wortvorrat  aich  dnrcbans  in  den  Schran- 
lunk  d«r  SehfreiMrspraclie  halte,  nichts  sposiflflch  Transrhenanisebes 
darin  Torkomme;  2)  dafs  Zwingli  den  Yerfasaer  dnrehaos  Ar 
einen  Schweiler  hielt.*'  Dr.  Staub  fDgt  noch  bei:  „Das  Urteil 
dee  Befbrmatora  iat  gewiJa  nicht  leicht  an  nehmen,  denn  lür  die 
Theologie  nnd  den  Stil  der  seitgenöseiechen  Theolegen  beeab  er 
ein  feines  Gefühl»  ...  fftr  den  sprachlichen  Unterschied  swischen 
Dentfichland  nnd  der  Schweiz  aber  hatte  die  damalige  Zeit  ein 
fiel  schärferes  (lefDhl  als  die  unserigo;  auch  glaube  ich  nichti 
da£s  ein  Bayer  iswtande  gewesen  wäre,  die  Schweiaersprache 
—  ich  meine  nur  die  schweizerische  Schriftspiache  —  so  nach- 
zuubniQu,  dafs  er  sich  nicht  verraten  hätte,  so  wenig  als  die 
Schweizer  sich  anmafbten,  deö  kaiserlichen  Dout-cli  märhtig  zu 
sein."  Ich  glaube  übrigens,  aus  den  noch  vttrhandenen  Schriften 
Hnbrnoiei  s  lasse  sich  deutlich  genug  erkennen,  dafs  sein  Idiom 
wirkihh  von  dem  Kchweizeriijcheü  abwich.  Vor  mir  liegt  ein 
Samüielljand  der  Zuriciier  Stadtbibliothok,  der  die  Schrift  enthält: 
„Ein  üiiibtliche  Chri>tenliche  erbietuiig  an  einen  Ersamen  Rate 
SU  Schaffhusen  durch  Duktur  ßaldazar  llubmur  von  Fridberg, 
Pfarrern  ze  Waldshut  beächehen,  1524."  Wenn  ich  den  sprach- 
lichen Charakter  derselben  vergleiche  mit  dengenigen  in  der  dem 
gleichen  Sammelbnnd  angehOrigen  Schrift:  „Ein  knrtse  nnd 
Ghiistenliehe  inleitong,  die  ein  eisamer  Bat  der  statt  Zfirich, 
den  Seeboigem  etc.  sogesant  haben  etc.  nfiigangen  nff  d.  17.  tag 
Nofembris  1623*',  so  springt  der  Unterschied  anf  Jeden  Blatt 
an  uhlreichen  Stellen  in  die  Angen.  Bei  Hubmeier  hei£Bt  es 
dnrchweg:  „mein,  dein,  sein,  enwer",  in  der  zfiricherischen  Schrift 
aber:  „min,  diu,  sin,  üwer'*.  Auch  S&tze  wie:  „on  den  das 
nachgOltlgest  vögelin  nit  feilet  uff  die  erden**,  Worte  wie  „uff- 
rierig*',  „freyden**  u.  b.  w.  scheinen  mir  gar  nicht  anf  einen 
Schriftsteller  hinzudenten,  der  sich  das  schwei/crische  Idiom  an- 
geeignet Damit  stimmen  auch  meine  Keminisienxen  von  der 
Schrift;  „Vom  christlichen  Tauf  der  Gläubigen**. 

5)  Wenn  ich  bezweifelt  habe,  dafs  Hubmeier  .  sich  so  weit 
vergessen,  einen  zu  Wesen  geschehenen  Ehebruch  eines  Wieder- 
täufers zu  verteiUigüD,  ao  will  ich  zwar  daraus  nicht  einen  ent- 
scheidenden Gegengrund  mat  her,  cilaubo  mir  aber  doch  auf  die 
in  meiner  Abhandlung  S.  214,  Anm.  2  gegebeneu  Kxcerpte  ana 
Hnbmeier's  Hauptschrift  an  verweisen. 

11» 


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164 


ANALBKTEK. 


6)  Das  Prftdikat:  furiosus  onager  pafst  auf  Grebel  minde- 
Btens  ebenso  gut,  vgl.  Egll,  Wiedertäufer,  S.  31;  wamm  nieht 
aacli  die  selbstverständlich  ironisch  gemeinte  Bezeichnung  ma- 
gister  noster?  Denn  Grebel  war  nicht  ohne  gelehrte  Bildang 
und  fühlte  sich  als  theol^ii^isrhon  r  isputiitor,  trug  sich  anch  fort 
und  fort  mit  dorn  Gedanken  ans  Schreiben,  wie  Egli  mit .:(' teilt 
hat.  Der  Schrift  Meister  wollte  Grebel  ja  sein  und  mit  der 
Schrift  Zwinirli  widerlegen,  so  iiut  als  llubmeier. 

Baur  vermutet  übrigens  seihst,  Hnbmeier  luihe  vielleicht  die 
gut  schweizerdeatsche  Schrift  nicht  geschrieben,  werde  dafür  aber 
um  so  sicherer  von  Zwincrli  aus  dem  Inhalt  als  der  intellektuelle 
Urheber  derselben  erkanut.  Dafs  er  dies  letztere  sein  könnte, 
bestreite  ich  nicht;  dann  aber  v.ar  Zwingli,  der  nach  jener  von 
Baur  meiues  Krachtens  falsch  ausgelegten  Stelle  gewifs  nicht  an 
ihn  dachte,  auf  falscher  Fährte.  Es  könnte  also  Baur  materiell 
recht  haben,  nur  nicht  als  Interpret  Zwjngli*s.  Wenn  Baur  sieh 
n.  a.  auch  dantof  beruft «  dab  die  argumenta  der  „confuiaHo'* 
teilweiae  genau  den  tob  Hubineier  in  aeinem  Taufbuch  Toige- 
brachten  entsprechen,  so  will  das  freilich  wenig  beeagen,  da 
natOrlieh  schon  von  jeuer  eisten  Disputation  nii  den  T&nfeni 
an  (im  Januar  1525)  immer  dieeelben  Schriftetellen  gegen  die 
Kindertaufe  ins  Feld  geführt  wurden,  und  da  aelbstTeratftndlich 
nachher  die  schweiserisehen  An-ibapTiaten  den  Sohrifibeweia  das 
Hnbmeier*8chen  Buches  eifrig  studierten  (et  Zw.  opp.  Vn, 
p.  441). 

Da  endlich  Zwingli  mit  Ökolampad  so  oft  Ober  Hubmeier 
korrespondierte  und  gerade  zur  Zeit,  da  er  den  „fiaenehaa'' 
schrieb,  sieh  nach  neuen  Schriften  desselben  erkundigte  —  napa- 

doHarar«  BaKhasari  mit  christologischen  IrrtOmern  (Opp.  "VTII, 
p.  80,  rf.  79)  —  so  wäre  doch  zu  erwarten,  dafs  er  auch  ein- 
mal seineu  Verdacht  betr.  den  Verfnpser  dor  ,,rr>nfi{(atio**  seinem 
Freund  mitgeteilt  hätte  und  zwar  eben  bei  Gelegenheit  der  Er- 
wähnung Balthasar's  und  seiner  Schriften,  zumal  er  die  wohl 
mit  qrmf'ihnn  in  te  scripta  (YIIl,  p.  4b)  gemeinte  „confutalw** 
von  Ökolampad  empfangen. 

Kann  ich  alt^o  Baur  in  dem  einen  Punkt  durchaus  nicht 
böiatiinmon,  so  anerkenne  ich  um  so  dankbarer  die  betreffend 
den  übrigen  Teil  des  Klenchus  gegebenen  Anfschlüssi  nnd  fÄge 
nur  als  kleine  Ergänzung  noch  bei,  dalä  wohl  auch  die  bei  der 
Hausdurchsuchung  in  Bern  im  Frühling  1527  aufgefundene  und 
am  95.  April  Ton  Heller  an  Zwingli  flbersendete  täuferiscbe 
Schrift  eben  die  sieben  Schleitheimor  Artikel  sind  (vgl.  meine 
Anm.  2,  Stad.  n.  Kr.  1889,  8.  617). 


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UBTBRI^  2U  SWINaU'S  ELEEMCHIJ& 


165 


Naobsohrlfl. 

Dafb  Zwingli  nicht  den  Hubmoier  für  den  Verfasser  odei  in- 
tellektuellen Urheber  der  ,,confutatio"  gehalten  haben  kann, 
wird  vollends  deutlich,  wenn  mau  eben  jene  Stelle,  wo  Zwingli 
•Jes  rein  achweizeribclieu  Idiums  Erwähnung  tliut  (III,  37iib(i.)i 
im  Znsammenhang  vergleicht  Die  „confutatio'*  bat  gegen  den 
Bsfomifttor  ein  Argnaimt  wiedtT  anl^twirmt,  das  ^«sem  Ton 
frflheroB  Vorbandjungen  her  wohl  erinnerlich  iat»  nnd  behauptet, 
er  wolle  dasselbe  perAderweise  totschweigen.  Kon  entgegnet 
Zwingli,  anch  hier,  wie  an  vielen  andeven  Stellen,  verrate  sich 
der  Verfasseri  selbst  wenn  nicht  die  Ungua  Hdoeiiea  der  stfirksts 
Beweis  wAre.  Warom  denn  gerade  hier?  Eben  weil  jenes  Ar- 
goment  schon  einmal  zur  Sprache  gekommen,  als  es  nämlich  bei 
den  „ersten  zwei  Verhandlungen**  von  Hetser  aufgebracht  und 
TOn  Zwingli,  wie  dem  Vertaer  wohl  bekannt  sei,  beantwortet 
worden.  Nur  unter  der  Voraussetzung  nämlich,  dafs  der  letztere 
diesen  Verhandlungen  beigewohnt,  erklären  sich  Zwingli's  Worte: 
Qnnc  ergo  hacc  est  impudentia  o  tm^ra,  quum  adseris  nos 
hüte  Pauli  verha  nolui^se  {volnhse  ist  natürlich  Druckfehler) 
ugnoscerc^  Nonfie  primis  congrcssionihus  ilmilms  haec  verba 
sunt  ab  Iletzero  producta?  Nonne  ad  imnc  modum  respondi- 
mus  etc.?  Offenbar  will  Zwingli  den  Gegner  an  einst  Gehörtes 
erinnern.  Unter  den  primae  congressiones  duae  sind  aber  nicht 
die  Olfentiichen  Disputationen  vom  Januar  und  November  1525 
zn  verstehen,  denen  übrigens  Hubmeier  auch  nicht  beiwohnt^ 
sondern  die  Toransgebenden  Verhandlungen  vor  Batsyerordneten 
(s.  Egli,  Wiedertäufer,  8.  20).  Bei  der  sweiten  Dispntation  war 
anch  Uetier  nicht  mehr  zugegen,  sondern  schon  nach  der  ersten 
des  Landes  lerwiesen  worden  (Egli,  Aktens.,  Kr.  624).  Dals 
Hnbmeier  nicht  bei  den  allein  in  Frage  hemmenden  Yerhand- 
Inngen  war,  bedarf  nun  aber  keines  Beweises;  damals  widersprachen 
Zwingli  neben  Hetser  haoptsAcblich  Grebel,  Manz,  auch  Blaorock^ 
nnd  der  Verfasser  der  ,,confutatio'\  der  damals  Hetzer  unter- 
stfikst  haben  wird  (weshalb  ihn  Zwingli  eben  hier  wiedererkennt) 
ist  wohl  sicher  unter  diesen  zu  suchen.  Auch  Manz  so  gut 
als  Grebel  dachte  ans  Schreiben  öfters  (Egli,  Aktens.,  Nr.  r>75 
Scblufs).  Dafs  Blaurock  im  Sommer  1527  für  tot  gehalten 
wurde,  läfst  sich  nicht  nachweisen,  iinraüu'lich  wäre  es  natürlich 
nicht:  am  5.  Januar  1527  wurde  er  von  Zürich  neuerdings  aus- 
gewiesen. Hiermit  dürfte  denn  der  Streit  erledigt  sein.  Was 
das  Sprachliche  betrifft,  so  mnfs  ich  allerdings  zugeben,  dafs  sich 
in  dem  von  Egli,  Nr.  940  mitgeteilten  Brief  Hobmeier's  im  den 
Bat  von  Zürich  eine  Annäherung  an  die  Schweizer  Mundart  kund^ieUt» 


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166 


ANAL.BKTEN. 


4. 

Miscellen. 


L  So  •Imb  Briefe  WimpMIag'ft  vom  Jafare  1506. 

Im  FiobentcTi  Jahrgang  (1885)  S.  IM  dieser  Z-^itsrhrift  hat 
Erost  Martin  einen  der  WimpfelitJL'^  -  1  hmdschrirt  des  Pastore 
D.  Mönckeberg  in  Hamburg  entnommenen  Brief  Wimpfeling's 
vom  17.  Oktober  1505  veröffentlicht,  in  welchem  derselbe  dem 
Kektor  der  gelehrten  Schule  zu  Deveuter  einen  jungen  Menscl)(»n 
empfiehlt.  Den  Hauptinhalt  bildet  jedoch  ein  iteltiger  Ausfall 
auf  das  Kurtisanenwesen.  Das  Konzept  dieses  Schreibens  befindet 
eich  in  dem  Wimpfelinj^  -  Codex  der  UniversiUltsbibliothek  zu 
Upsala,  Cod.  hist.  8,  lol.  246^— 248\  doch  ohne  den  Schlufs 
von  Et  Pius  papa  secundus  an  (S.  14U,  Z  21),  und  es  iat 
merkwürdig,  dafd  dieser  Schlofd  nach  Martin'«  Bemerkung  in  der 
genannten  Hamburger  Handschrift  von  Wimpfeling's  eigener  Hand 
gemacht  sein  soll.  Das  Konzept  enthftlt  so  viel  Änderangeiiy 
dals  es  oft  schwor  bftlt,  den  Text  festsnstellen.  Man  kann  be- 
obachten» wie  sehr  der  BHefscbreiber  bemflht  war,  seinen  Gegen- 
stand  genau  und  eingehend  zu  behandeln,  nnd  wie  ee  ihm  dar- 
auf ankam,  die  Sache  nach  allen  Seiten  hin  zu  erOrtem.  Der 
von  Martin  nii^t  nachgewiesene  Rektor  zu  Deventer,  an  welchen 
Wimpfeling  sein  Schreiben  richtete,  war  Mag.  Johannes  Osten- 
dorp, genannt  Heilert,  der  Nachfolger  des  im  Jahre  1498  ver- 
storbenen Rektors  Alexander  Hegius,  der  noch  1508  im  Amte  \rar 

Im  Folgenden  gebe  ich  die  Abweichungen  der  beiden  Texte, 
sowie  Erg&nznngen  des  Martin'schen  Druckes,  besonders  zu  zwei 
Stellen,  welche  als  unleserlich  bezeichnet  sind. 

S.  145,  Z.  7:  aduc  in  adolescencta.  -  Z.  13:  adolescet^ 
tum.  —  Z.  20:  defoeeerunt  ingenioqm  non  ad  docendum  K  — 
Z.  25:  pauperem,  jwt.  —  Z.  27  fehlt  curnfa  quam  hnhpf. 

S.  146,  Z.  2:  guoniam  (statt  gui  cum,  das  Martin  durch 


Vi  Drlprat,  Die  Brüder  des  gemeinsamen  L«'hens,  S.  26; 
Kraft  und  Crecelius,  Beitrüge  /.ur  Gesch.  den  Humanismus  am 
MlederrheiD  und  in  WestfUeo,  Heft  1  (Elberfeld  1870),  3.  88. 

2)  Die  beiden  im  Druck  durch  Punkt  getrennten  Sätze  siud  eng 
miteinander  zu  verbinden  und  statt  quia  ist  gw<  sn  setien.  JNur  ao 
wird  der  Text  verständlich. 


167 


qid  emm  ersetzen  will).  —  Z.  3:  eoepUamU.  —  Z.  4  Itelilft 
jfi.  —  Z.  6:  wdUudinem.  —  Z.  8  ftblt  &om)5.  ^  Z*  18  fehlt 
Et  qtHmiam  hone  eurtisanonm  materiam  mcidi,  cogor  epistoU 
Umite$  excedere.  —  Z.  29:  cond^na^.  —  Z.  41  fehlt 

«MN.  —  Z.  43:  Äcc  (statt  „Äa")- 

S.  117,  Z.  8:  Der  prsto  Vors  des  Citats  aus  don  Calamitate» 
des  Baptisia  Mantuanii.s  lautet:  Tempora  Martigene  (~  Mnr" 
iifjcnae)  quid  idonea  pi^rditis  '^  ite,  also  unter  veränderter  Inter- 
punktion. —  '/.  23:  ExtoUit  nmgnosque  facit  paciencia  turpis,  — 
Z.  29:  phame.   —  Z.  30 :  ascmdat? 

S.  148,  Z.  2:  consequi  nisi  Home?  —  Z.  4:  inconvenientis 
(statt  inconventis).  —  Z.  5:  possint.  —  Z.  25:  Chrislo  (statt 
caste).  —  Z.  31 :  deceriabant  gloriosique  et  uenerabiles  in  vUa 
sua  videri  cupiebant,  —  Z.  43:  didicit? 

8.  149»  Z.  9  fehlt  at^  pietori09is9imi. 

Wilheimaiiaven.  Prof.  Dr.  Holstein. 


SvperlatendeBteii  zu  Weißfenfels,  und  seinen  gleioh- 

namigen  Soha  (1569).  ' 

Der  frOhore  Superintendent  Mag.  Johann  Pollicarius 
7n  Weirsenfels  war  1569  ^  in  üntersuchnng  wegen  begang-puen 
Khebruchs  u.  dgl.  Sein  gleichnamiger  Sohn  Johann  schrieb  um 
jene  Zeit  (Datum  fehlt)  einen  im  Originale  benu  K.  S.  Haupt- 
staritsarchive  (III,  76,  fol.  169,  Nr.  16,  Bll.  b^tf.)  bpfindlichen 
Brief  an  die  Kurfürstin  y.u  Saclisen,  Anna*,  aus  weichem  ich 
einige  beiK  litenswerte  Stellen  hier  mitteile: 

„Ich  uruier  gesell  biu  ungeferlich  vor  vier  jbaren  von  mei- 
nem lieben  vater  ....  abgereiset  und  mich  nach  ßosthoch  erst- 
lich anf  die  nnifersitet  tzum  studio  begeben,  henuMshmals  aber 
TOn  Bosthooh  k«gen  Coppenbagen  getzogen  und,  nsch  dem  ieh 
da  aneh  eine  tieitlanff  dem  studio  obgelegen,  hiib  ieh  midi  dnreh 
oidentliehe  foeation  kegen  Yemern,  eine  ineel  imder  der  kren 


1)  Man  vergleiche  über  ihn  meinen  Aufsatz  in  v.  Weber's  „Archiv 
für  die  sächsische  Geschichte*',  N.  F.  VI,  114  uod  das  demnächst 
erteheineDde  Heft  der  Zeitschrift  fiir  die  geiarate  8tfafireeht*wiesen- 
•diaft. 

2^  Damals  stand  er  im  49.  Lebensjahre  (ebenda  Bi.  26). 

8)  Ähnliche  rührende  Schreiben  von  ihm  —  alle  undatiert  —  an 
den  Knrfttnten  August  in  Sachsen  befinden  deh  im  Originale  ebenda 
Bl.  87,  BU.  92  ff.  (latehuMh),  an  die  TheokMk  der  Uniwitlien 
Wittenbelg  nnd  Letpsig  BU.  88.  84. 


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168 


AVALSKTSK. 


D«imeiiarek  gelegen,  gewendet  and  alda  der  sehaelen  ond 

kirchen  gedienet.  Als  i8[t]  iittiilicher  mil  mein  bnider,  welcher 
ein  kleiner  knabe,  lin  mir  an  denselben  fenieii  ort  über  meer 

kommen,  der  tzuTersicht,  als  wolte  er  (wie  ein  arm  eleodt  vor- 
laasens  kind)  atifenthaltung  seines  lebens  auch  hulf  und  trost  bej 
mir  suchen  und,  da  ich  ihnen  gefraget,  wie  er  mich  hette  in  so 
fernen  orten  erfragen  und  linden  können  nnd  was  die  Ursache 
wer,  das  er  an  solche  ferne  orter  tzn  mir  sej  kommen,  hat  er 
angefangen,  mir  emo  solche  scbmertzliche  nnd  betrObte  botscbafb 
Ton  meinen  [siel]  hertzlieben  vatem  tzn  ?ormeiden  . . . .,  das  er  in 
einem  tlinrin  vormaurett,  an  eino  ketten  geschlosaon  und  den 
dag  nicht  sehen  kan,  ihm  üucli  nicht  mehr  des  dagea,  den  auf 
einmal  ein  wenig  trucken  brod  nnd  eine  kandel  wassers  tzur 
speise  und  tranck  gereichet  wurde  Der  junge  Jobaim  iit 
Bofort  nach  Weibenfels  nnfisebrochen  nnd  hat  ^e  Lege  ewnee 
Taten  noch  eohlinuner  daheim  gefonden,  aU  ne  ihm  gemeldet 
worden  war.  Sein  „anner,  Yormatteter  nnd  dorrer  Tator"  (an 
einer  anderen  Stelle  nennt  er  ihn  aim,  krank,  elend,  betrflbt) 
wnrde  „aleo  hart  rorwart^  das  ich  ein  einigee  wort  ...  mit  ihm 
tzn  reden  nicht  habe  erlangen  können,  welchee  doch  ja  iiaerbar« 
man",  daCs  er  „das  brod,  welches  im  tzu  aufenthaltnng  seinen 
armen  elenden  lebena  gereichet  wirt,  mehres  theile  den  schlangen, 
kröten  nnd  ratten  Ton  sieb  abtznweisen  gebea  mns,  mit  welchen 
er  ane  nnderlaß  des  dages  und  des  nachtes  sich  schlagen  nnd 
erer  wohren  mus  imd  wer  übernatürlich,  da  ihn  irott,  der  ai- 
met  htige,  nicht  sonderlich  speiseto  nnd  erhielte,  wie  er  den  allen 
den  seinen,  die  enen  lieben  und  vortraweti,  thnt  und  auch  den 
lieben  propiieten  Dauieli,  Helm  und  ander  mehr  gedan,  das  er 
acht  tage  über  in  so  schwerer  gefengnus  und  bey  solcher  speis 
und  trank  leben  konte  ....  auch  wir  seine  arme  vorloüsene 
kiuder  werden  an  hab  und  gut  von  wegen  seiner  langwirigeu 
gefengnus  in  das  euserste  Torderben  gesetzet,  den  mau  hat  ihm 
eeine  bocher,  die  er  mit  eeiner  eehweren  nnd  eanren  mnh  nnd 
arbeit  erworbM,  genommen  nnd  an  die  orter  gebracht,  da  sie 
taom  fbell  Teifaolet  nnd  die  menae  tanbieasen  haben  nnd  noch 
tanbeeoTgen,  aie  werden  also  Tollent  alle  Torterben,  den  man 
mir  sie  niclit  hat  willen  folgen  lassen,  der  ich  atndiret,  das  ich 
sie  tan  meinem  nnti  konte  gebranchen,  das  mir  TOrwar  ein  groft 
creutz  bekommemua  anch  is.  Dartzu  bat  man  ihm  sein  gel^ 
welchee  er  von  seinen  Torkaoften  gntem  txngewartten,  Torknm* 

mert  nnd  annectiret    Den  er,  mein  ....  Tater  gants 

kmm  ineinander  gewachaen,  is  &8t  gar  wasaerauehüg  ^  .  •  • .  nnd 


1)  Dies  konstatierte  auch  Dr.  art.  et  med.  Ambr.  Pcfsfeoifor  am 
e.  Apni  1670  (ebenda  BU.  b6.  57  —  Original). 


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is  an  im  ntokt  mebr,  dao  haut  imd  bein  tsn  sehen,  wie  mich 
die  leuU  beriehtat^  die  Ihnen  gesehen»  dm  er  sein  conÜMsionea 
oder  hekentnns  gedan  .  • .  •  Den,  eo  er  so  solle  im  tnrme  ater- 
betti  wurde  es  uns  seine  Torlassene  hinder  helliger,  ja  bis  in  den 
M  betrnben  • . . .  ndd  da  es  auch  mngliob,  so  will  ioh  sei  best 
ttn  erledignag  meines  armen  Taters,  da  er  es  Tor- 
wkket  haben  solle,  mein  leben  lassen  und  so  er  keine  gnade 
erlangen  mag,  mieh  an  seine  Stadt,  darmit  er  entlediget, 

stellen  '*  Diese  Schlnüiworte  sind  Anfserangen  eines  tiefen, 

aufopfernden  Gemütes,  wie  man  sie  im  seehaehnten  Jahrhunderte 
nur  selten  finden  dürfte. 

Dresden.  Tfmäur  IHM, 


3.  IMelanohthon'a  Abaohrift  eines  eig^eaen  Briefes 
M  doB  Kiynis  won  Dänemark  (Z5.  Januar  1558)  im 
K.  S.  HanptatMtaaroliiTe. 

Sine  Ton  Hol  an  cht  hon  selbst  henrflhrende  Abechrift  —  Ar 
den  Kuiftrsleo  Angost  sn  Saehsen  —  seines  bei  B retsehne i« 
der:  Phüippl  Melanthonis  opsra  ete.,  Yol.  IX  1842  — , 
Hr.  6i46,  Spp.  48S/3,  naeh  Sehnmacher:  Briefe  an  die  E5« 
■ige  in  Dänemark,  Vol.  n,  p.  86,  ep.  81,  im  einzelnen  nicht 
gans  genau  gedruckten  Sehreibens  an  AugnsVs  Schwiegervater, 
Ktaig  Ghiielian  IIL  von  Dfinemark,  vom  25  Januar  15&8,  in 
wulehem  auf  das  1557  zu  Worms  stattgehabte  Kolloquium  Be- 
zug genommen  wird  und  der  müde  Melanobthon  sich  selbst  also 
charakterisiert : 

„So  ist  nicht  mein  gemnt,  geienk  anzurichten,  will  auch 
nicht  anjfoer  unser  confession  schreiten** 

habe  ich  kürzlich  im  K.  S.  Hauptstaatsarchive  (III,  51*,  foL  12, 
Nr.  3,  Bll.  79/80)  aufgefunden,  dazu  auch  ein  Schreiben  des  ge- 
nannten Christian  an  den  erwähnten  Schwiegersohn  vom  15.  Februar 
1558  (ebenda  III,  51%  fol.  26^  Nr.  10,  Bll.  35fF.),  welrbes 
auf  das  „zerschlaj^ene"  Kolloquium  nnd  die  Erklärungen  eines 
MelaachUion  and  eines  Mi^or  Bezug  nimmt. 

Dresden.  TkeadM'  JHsld, 


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170 


akalkktem: 


4b  Nette  ipattlMba  Utleralor  nr  OeeobMUe  der 

Jesttilett. 

Boachtenswert  für  die  Geschichte  der  Gesellschaft  Jesu  über- 
haupt sind  aufser  der  auf  Originalmannslcripten  ruhenden  Aus- 
grabe der  Cartas  de  San  Ignacio  de  Loyola,  fundador  de  ia  Cum- 
pauid  de  Jesus,  T.  V  (Madrid  1889),  p.  611.  4: 

J.  A.  Bermejo,  Oonflictos  y  tribulaeiones  de  I&  Compania, 
de  JeaoBp  desde  to  fimdiden  haeta  naeetroi  diu  (Madrid  1887X 
T.  I,  p.  ZT.  376;  T.  II,  p.  305.  8. 

Oaleria  de  Jeaoitafl  iloetree  per  el  P.  F.  Fito  y  Colome,  ia^ 
dindno  de  nnmero  de  la  Beal  Aeademia  de  la  ffiaioria  (Itadrid 
1880),  p.  S84.  8. 

Taronea  ilnatres  de  la  Compafiia  de  Jeena.  Segnnda  edieion 
I.  Mision  del  Japon  (Bilbao  1887),  p.  670.  4.  II.  Mi^ionos  de 
la  China,  Goa,  Etiopia,  Malabar  (1889),  p.  066.  4.  III  Mi- 
eionee  de  Filipinas,  Mejico,  Canada,  Bnisil.  (1889),  p.  G50.  4« 

Vida  del  P.  Gabriel  Malagrida  de  la  Compaüia  de  Jesns, 
quemado  como  liereje  por  el  Marques  de  Pombal ,  eecrita  por  el 
P,  Francisco  Butiiia  (Madrid  188G),  p.  520.  8. 

Vida  de  San  Pedro  Claver,  npostol  de  loa  neeros,  de  la  Com- 
pafiia de  Jesus,  por  el  F.  Jose  Fernandez  de  la  misma  Com- 
pania,  sacada  de  los  procesos  juridico8  hechos  ante  el  ordinario 
de  Cartapena  de  Indias  (1657  — 1660)  refundida  y  acrecentada 
por  el  l\  Juan  Maria  Sola  de  la  dicha  Compaüia  (Madrid  1888) 
p.  621.  8. 

Vida  del  P.  Bernardo  F.  de  Hoyoa  de  la  Compafiia  de  Jesus, 
arreglada  y  amnentada  oomo  la  eseribio  j  d^  inedtta  el  P.  Joaa 
de  Ii<^o]ai  por  el  P.  Jose  Eugenio  de  üriarte  de  la  miania  com- 
pania  (Bilbao  1888),  p.  xzz.  475.  8. 

Hemorial  en  nombre  de  laa  cnatro  pmineiaa  de  Eopafia  de 
la  CompaSia  de  Jeena,  deetenradoe  del  Bejno,  a  8.  H.  el  Bey 
Carlos  III  por  el  P.  Jose  Frandeco  de  Isla  de  la  miama  Com- 
pania  (Madrid  1882),  p.  232.  8. 

£1  padre  Jnan  de  Mariana  j  las  eseoelaa  liberales.  Estudio 
comparativo  por  P.  F.  de  Panla  Ganon  de  la  Compafiia  de 
Jesus  (Madrid  1889),  p.  664.  8. 

Kaikflbnrg.  WOieena, 


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NACHRICHTEN 


1.    Hilgenfeld  hat  trotz  der  Arbeiten  yon  Link 

(1888)  und  Baumgärtner  (1889)  seine  Hypothese  von  der 
Isichteiiiiieitlichkeit  des  Pastor  Hermae  nicht  att%^eben  (vgl. 
Zeitachr.  f.  wiseensch.  TheoL  XXXII,  3). 

t.  P.  Wolff  behandelt  in  dem  An&atze:  Die  n^ö- 
ed^oi  aut  der  Synode  zu  Nieäa  (Zeitachr.  f.  kirchl. 

Wiasensch.  u  kirchl.  Leben  18öy,  S.  137—151)  die  «alte 
Frap^e,  wer  dem  ersten  allgemeinen  Konzil  der  Kirche  prä- 
sidiert habe.  Nach  Ablebnung  der  noch  nicht  verschollenen 
Behauptong,  dafa  ea  Hosius  von  Corduba  ala  Legat  dea 
Papetea  und  die  römischen  Presbyter  gewesen  aden,  führt 
er  die  Ansicht  aus,  dafa  man  anter  den  Vorsitzenden  die 
beiden  Biadidie  rechts  und  links  vom  Kaiser  zn  verstehen 
Ijabe.  Das  aber  seien  Ens  tat  hin  s  von  Antiochien 
(vgl.  Tlieodor.  bist.  eccl.  I,  7)  und  Alexander  von  Ale- 
xandrien (vgL  Soor.      9)  geweaen. 

t.  H.  Haupt  hat  «ich  (Korre6p.-Blatt  d.  Westdeutschen 
Zeiteehr.  £  Gesch.  u.  Kunst,  1889,  Nr.  4,  April)  in  Ansohlufs 

an  die  Ausgabe  der  Priscillianischen  Traktate  durch  Schepfa 
über  „P  r  i  8 c i  1 1  i  a  n ,  Seine  Schriften  und  s  e i  n  P r  o  z  ef s" 
geäuisert  iSein  Resultat:  der  Vorwurf  mauichäischer  Ketzerei 
hat  lange  unverdient  auf  dem  orthodoxen  und  aaketiachen 
£il(Brer  gelastet;  was  ihm  den  Unteigang  brachtei  hat  wohl 


172 


NACHRICHTEN. 


der  Panegyrikus  des  Drepanius  PacatuB  (c.  XXIX,  p.  297) 
am  richtigsten  in  den  Worten  susammeng^bfst:  nimia  religio 

et  dUigentius  culta  divioitas. 

4«    Eine  kritische  Ausgabe  der  Etymologiae  des  Isidoras 

von  Sevillii  ist  unmöglich,  so  lange  die  Untersucliuiig  über 
den  Wert  der  einzelnen  Fiaudtcliriften  dieses  Werkes  und 
ihr  Verhältnis  zu  einander  nicht  zum  Abscblui's  gebracht 
ist  Dies  versucht  die  Abhandlung  von  R.  Gropius,  Isi- 
dor. Hispal.  EtymoL  XIII,  13  (de  diversitate 
aquarum)  als  Handhabe  zur  Beurteilung  von  Isi* 
dorus-Handschriften  (Weilburger  Qymnasialprogramm). 
Da  mehr  als  sechzig  Codices  in  Betracht  kommen,  so  ist 
eine  Vergleichung  des  ganzen  Werkes  dem  einzelnen  fast 
unmöglich.  Gropius  hat  daher  zunächst  ein  besonders  da^ 
geeignetes  Kapitel  ausgesucht,  für  welches  er  einundzwanzig 
Codices,  darunter  zwölf  aus  dem  9.  und  10.  Jahrhundert 
entweder  sdbst  eingesehen  hat  oder  durch  andere  hat  an> 
sehen  lassen.  Er  erläfst  die  Bitte  au  alle,  denen  Hand- 
schriften des  AVcrkes  zugänglich  sind,  ihn  mit  Kollationen 
zu  unterstützen. 

5.  Die  Frage  nach  der  Entstehungszeit  der  konstan- 
tinischen bchenkung  ist  in  letzter  Zeit  vielfach  erörtert 
worden  (vgl.  diese  Zeitschrift,  Bd.  X,  a  484.  485).  Der 
Aufsatz  von  Scheffer-Boichorst  (Mitteilungen  d.  Instit 
f.  asterreich.  Geschichtsforschung,  Bd.  X,  9,  S.  302—395) 
setzt  sich  mit  den  voraufgegangenen  Arbeiten  auseinander 
und  begründet  auf  Grund  sprachhcher  Vergleich ungen  zwi- 
schen der  Donatio  und  päpstlichen  Schriftstücken  der  Zeit 
Stephan's  II.  und  Paul's  I.  die  Ansicht,  dafs  die  Fälschung 
ans  der  Kanzlet  Paul's  L  hervorgegangen  sei.  —  Interosianty 
aber  unmöglich  ist  Friedrich' s  (Die  konstantinisehe  Sehen» 
kung.  Kördlingen,  Beck,  1889)  Versuch,  das  Machwerk 
zwei  Fälschern  aus  verschiedenen  Jahrhundei  Icn  zuzusprechen, 
so  dafs  der  ältere  Teil  um  ca.  640,  der  jüngere  zur  Zeit 
Stephan'a  II.  von  dessen  Bruder  Paul  als  Diakon  (ihoÜcbe 


NACHIUCHTEK. 


in 


I'iitcräuc  hungen  wie  die  von  H«iuck  und  Scheffer-Boi- 
c  hör  st;  abg^falst  wurden  wäre,  vgl.  hierzu  meiue  Anzeige 
in  TheoL  Litt.>Ztg.  Nr.  17  und  18. 

6.  J.  D  r  ä  s  e  k  e ,  der  es  sich  in  verdienstlicher  Weise 
zur  Auigabe  macht,  wenig  bekannten,  aber  bedeutenden 
Theologen  der  späteren  byzantinischen  Jahrhunderte  zu 
grdlserer  Beachtuiig  su  verheUeOi  teilt  (Zeiteohr.  f.  wisseiuGli. 
TbeoL  XXXU,  S.  $03—330)  manches  InteraMante  zvl 
Michael  P seil  ob  (blühte  sur  Zeit  des  Kaisers  Romanos  III 

Arg>'roi>ulüs  1028—1034)  mit.  Was  Gaiii  (UE.  XII,  S.  340) 
über  PscUob  sagt,  genügt  durchaus  nicht,  da  ihm  sogar  die 
Auagabe  der  geschichtlich  wichtigen  Werke  des  Psellus  durch 
Konstantinos  Sathas  {MeaauoviAi)  ßißXto^i'j/.i}f  Bd.  IV,  Paris 
1374;  Bd.  V,  Paris  1876)  unbekannt  geblieben  ist  Leider 
sind  die  tfaedogiBch  wertvollen  Sduriften  des  Ptollos  noch 
mchi  ediert  Drftseke  verdankt  seine  Kenntnis  der  theo- 
logischen SteUun^^  des  Psellos  den  Auszügen,  die  Sathas 
mitgeteilt  hat.  6a\n  wichtig  erschf  int  ihm  die  in  erster 
Linie  von  Psellos  herbeigeiührte  begeisterte  Erneuerung  des 
Plsctonismus  nnd  seine  heftige  Bekämpfung  des  Neaplatonis- 
mns.  Psellos  war  ferner  ein  lebhafter  G^er  Horns  in  der 
lotsten  Phase  des  Kampfes ,  der  die  endgültige  Trennung 
der  ooddentalischen  und  orientalisdiett  Kirdie  sur  Folge 
hatte  (Lobrede  auf  Michael  Kerullarios.  PersönUche  Be- 
teiligung). 

QUßen,  Qutt.  Krüger. 

7.  Die  überraschend  einfache  Lösung  l'unlc  ji  (vgl. 
Zeitschr.  1.  K.-G.  X,  623,  Nr.  81)  habe  ich  schon  1884  in 
der  Zeitschr.  für  Kirchenrecht  XTX ,  85  in  einem  kleinen 
Aoftatae:  »Das  angebliche  Wahldekret  des  Papstes  Ste- 
phan IV.^'  Toigetragen.  Dafs  derselbe  Funk  entgehen  konnte^ 
mnls  fttglich  Wunder  nehmen. 

Götiingm,  L.  WeOanä. 

8»   In  der   Deutschen  ZeitBohrift  ftr  Gesdnchtswinen- 

Schaft''  herausgegeben  von  Quidde  I;  2,  S.  285  ff.  hat  Her- 
mann Haupt  in  »ehr  sorgfältiger  Weise  die  Naciirichteu 


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174 


NACHltJCHTKN. 


Uber  die  Inquisition  gegen  die  Waldenser  im  Büd- 
58tlichen  Deutschland  bis  2ur  Mitte  des  14.  Jahr- 
hunderts gesammelt. 

9,  W.  Wattenbach  giebt  in  den  Abhandlungen  der 
königl.  preufsiachen  Akademie  der  Wissen^rliaiten  zu  Berlin 
(Sitzungsberichte  der  phüos.-hi8t  Kl  St  XVil,  42öff.)  Nach- 
richt aber  »Das  Handbuch  eines  Inquisitors  in 
der  Kirchenbibliothek  St.  Nikolai  in  Greifswald'^, 
das  von  Ende  14.  und  Anfimg  15.  Jahrhunderts  stammend 
■wesentlich  auf  Grund  des  Direkt (ni um  inquisitionid  von 
Nik.  Ejmericii  gearbeitet  ist,  aber  auch  einige  andere  iStücke 
enthält 

Gießm.  Karl  MOhr. 

!#•   Wichtig  für  die  Lutherforschung,  sowie  ftir 

die  niederdeutsche  Litteraturgeschichte  und 
Sprachwissenschaft  ist  die  Schritt  von  Dr.  K.  W. 

•  •  •  • 

Sohaub:  „Uber  die  niederdeutschen  Übertragun- 
gen des  Lutherschen  Neuen  Testamentes,  welche 
im  16.  Jahrhundert  im  Drucke  erschienen''  (Halle,  Nie- 
meyer,  1889).  Der  Verfiuner  hat  Uber  manche  Fragen,  die 
man  bis  dahin  noch  nicht  au  lösen  gesucht  hatte>  helle  Auf- 
klärung gegeben.  Wir  finden  hier  eine  streng  kriliBehey 
klnvi'  und  übersichtliche  Darstellung  der  niederdeutschen 
Biijeliibersetzuij^  und  eine  genaue  Erörterung  der  inter- 
essanten Bugcnhageni'rage.  In  eingehender  Weise  sind  im 
Anlmng  die  Verdienste  fiugenhagen's  um  die  niederdeutsche 
BibelübersetEung  iestgestellt  Am  Schluis  stehen  noch  Text- 
proben  aus  der  vorlutheriscben  niederdeutBchen  Halberstftdter 
Bibel  (16S9),  sowie  aus  den  naefalutheriscben  niederdeut- 
schen Neuen  Testamenten:  Hamburg  Wittenberg 
(1523),  Wittenberg  (lö24). 

Morst,  Th,  Unruh. 

11«  1888  wurde  Juan  de  Mariana  als  dem  Qe- 
■ehiofatechreiber  Spaniens  sin  Denkmal  eniohtet  Bei  diesem 
Anlasse  reklamisrlen  und  annektierteH  ihn  libefale,  Radi- 


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NACHBICHTEM. 


176 


kale  und  Protestanten  als  den  ihrigen.  Man  priefs  den 
Vorl&ufer  Rousseaus,  BobeBpierres  und  Marats  in  der  Ver« 
teidignng  der  VolkaaoayerftDität,  der  Eepublik,  des  Königs- 
mordesy  den  Bekämpfer  der  Monarchie,  der  Inquisition,  des 
Jesuitenordens,  den  Patron  der  Reformation.  DaTs  diese 
Elogen  sich  sehr  über  historische  Wahrheit  und  Kritik  hin- 
wegsetzen ist  selbstverständlicli.  L>ir;  kleine  Schritt  von 
F.  Fi  y  Margaii  „Juan  de  Mariana,  breves  apuntos  sobre  au 
▼ida  7  sas  esbritos  Madrid  1888*'  brachte  keine  Rettung  vor 
den  Freonden.  Sachkundig  und  scharfiainnig  hat  sie  der 
Jesuit  Fr.  de  Paula  Garson  Tersucfat  in  dem  Buche 
,yjuan  de  Mariana  j  las  escucles  liberales.  Estudio  com- 
parativo.  Madrid  1889"  (664  S.  8).  Clarzou  will  emen 
der  bedeutendsten  Schriftsteller,  der  tietainnigsten  und  uni- 
yersalsten  Geister  Spaniens  der  Reinheit  des  Qlaubens,  der 
ehristUchen  Philosophie,  der  katholischen  Politik  revinduderen, 
der  revolutionlren  Unwissenheit  und  Unyersehttmtheit  die 
▼enneintliche  Beute  entreifsen,  die  immer  erneuten  Verlenm- 
duDgen  endgültig  zum  Schweigen  bringen,  der  Wahrheit  die 
Ehre  und  jedem  das  Seine  geben.  Ein  Jesuit  für  einen  Je- 
suiieiiy  das  mahnt  zur  Vorsieht  selbst  einer  Arbeit  gegenüber, 
die  cum  erstenmal  das  Thema  nach  allen  Seiten  behandelt 
haty  und  schon  deshalb  nicht  ttbersehen  werden  darf. 


Dnek  vob  JhMr.  Aadr.  P«rtkM  bi  Gotha. 


^  uj     _  1  y  Google 


17.  September  starb  pldtailifih,  abne  yaraof- 

gegangene  Krankheit  Hermann  Kenter,  der  Mit- 
begründer dieser  Zeitscbrift  Nur  ein  Mal  noob  hat 
nach  dem  Hinsciieidea  Ton  Gaii>  und  Eitsohl  sein 
Käme  ihren  Titel  sehmQoken  dürfen. 

Wie  Eeuter  den  entscheidenden  Anstois  zu  dem 
Üntemebmen  gegeben,  so  hat  er  während  der  Tor^ 
bereitung  desselben  unermüdlich  mit  Bat  und  That  mir 
zur  Seite  gestanden  nnd  bis  zuletst  die  Zeitsehrift  mit 
seiner  wärmsten  Teilnahme  begleitet.  Wie  oft  hat 
mich  sein  Znspntoh  ermuntert,  ein  Wort,  in  dem  er 
seine  Zuliiedenheit  aussprach,  angefeuert  Ks  war  ihm 
eine  besondere  BVende,  unsere  Zeitsdirift  andi  dnroh 
eigene  Mitarbeit  zu,  fördern.  Bei  seiner  Art,  die  Er- 
gebnisse seiner  Forsohnngen  —  wenn  er  nicht  eme 
groÜBe,  mit  dem  Aufwand  jahrelangen  Studiums  bo- 


triebene  Arbeit  rntter  der  Feder  batte  —  nur  in  den 
Heften  seiner  Yorleeungen  niederzulegen»  trat  dieser 
Fall  niobt  eben  bäufig  ein.  Doeb  meldete  er  mir  nocb 
vor  wenigen  Monaten,  daOs  er  demnächst  auch  als 
Mitarbeiter  von  nenem  auftreten  werde,  indem  er  mir 
für  den  Frühling  nächsten  Jahres  eine  neue  Studie 
Ober  Abftlard  in  Aussiebt  stellte,  in  weleber  er  die  in 
seiner  „Geschichte  der  religiösen  Aufklärung  im  Mittel- 
alter** Torgetragene  Au£ßusung  einer  Revision  zu 
unterziehen  gedachte. 

Diese  Zeitsobrift  darf  sieb  aber  nicht  damit  be* 
gnügen,  dem  Entschlafenen  den  Dank  nachzurufen  für 
das,  was  er  an  ihr  getban.  Als  die  derzeitige  einzige 
Yertreterin  der  kirchengeschichtlichen  Wissenschaft  in 
Deutscbland  bat  sie  Pflicht  und  Bemf,  Tor  allem  dessen 
zu  gedenken,  was  eben  diese  Wissenschaft  ihm  ver- 
^  dankt. 

Nach  dem  Hintritt  der  Männer,  welche  wir  als 
die  grrdfsten  Beförderer  der  kircblioben  Gescbiebt- 
schreibung  in  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahriiunderts 
feiern,  hat  Reuter  ein  halbes  Mensdtenalter  bindureb 
unter  den  Kirchenhistorikem  des  Protestantismus  die 
FQhmng  gehabt. 

Kein  Freund  von  kühnen,  luftigen  Kombinationen, 
mtßisam  auf  rauhem,  domigem  Pfode  nach  Wahrheit 
ringend,  hat  er  sich  Jahrzehnte  hindurch  vor  den 


tiieologteehen  Arbeitsgenossen  lierrorgetliaii  dareli  die 
Strenge  seiner  Methode  (und  sie  allein  schon  hob  ihn 
weit  liinaiis  Ober  die  übrigen  Sohttler  seines  Terehrten 
Lehrers  Neander);  nicht  minder  freilich  durch  den  Blick, 
welchen  er  fftr  die  seiner  Oberseugung  nach  stark  rer» 
naohlÄssigte  politische  Partie  der  Kirehengeschichte 
hatte.  Er  war  nicht  gemeint,  die  Kirehengeschiebte 
„in  die  Grenzen  einzoschüefsen,  welche  Neander  inne 
gehalten**.  „Das  hiefse  nichts  Anderes  als  die  Be- 
trachtung der  grofsartigen  welthistorischen  Bewegung 
der  Eirobe  der  mitstrebenden  Genossenschaft  der  po- 
litisdien  Historiker  zu  überlassen,  denen  wir  doch 
Tielmehr  die  Ül>erzeugung  lichten  müssen,  dafs  die 
dogmatische  Bildung  allein  die  rechten  Kriterien  an 
die  Hand  giebt,  an  denen  die  kirchenhistorischen  Fakta 
richtig  sn  schiUsen  sind.**  So  sprach  er,  als  er  seinen 
,  Alexander  IQ.',  diese  Schöpfung  eines  mehr  als  swanzig- 
jUirigen  FLeiüses,  lum  zweiten  Mal  ausgehen  liefe.  £s 
ist  daher  erklärlich,  dafs  dieses  Werk  seit  lauger  Zeit 
wieder  mm  ersten  Mal  der  kirchenhistorischen  Wissen- 
schaft die  Tolle  und  uneingeschräDkte  Auerkennong 
?on  Vertretern  der  poMtiBchen  Geschichte  erzwang: 
in  Reuter's  eigenen  Augen  konnte  es  nicht  höher  ge- 
ehrt werden  als  durch  das  Urteil  Leopold  Baakens, 
man  merke  gar  nicht,  dafs  das  ein  Kirchen historiker 
ges4^rieben  habe. 


Und  doch  wftT  es  in  aoderer  Hinsiebt  sa  merken. 
Denn  er  kannte  eben  etwas  Höheres  als  das,  was  ei 
wohl  „litterarisohe  Quellenkritik''  nannte.  „Die  Akribie 
in  der  Ausmitltjiung  der  einzelnen  historischen  Data'',  so 
schrieb  er  1876  in  dem  ersten  Entwerfe  des  Programms 
dieser  Zeitschrift,  „gilt  uns  nur  als  das  unbedingt 
notwendige,  urerste  Fundament  alles  weiteren,  als  das 
freilich  elementare,  aber  mit  aller  Strenge  der  Me- 
thode zu  handhabende  Mittel,  ein  höheres  historisches 
und  theologisches  Verständnis  zu  gewinnen.  Dieses 
letstere  zu  f5rdem  wird  denmach  unsere  zweite  Haupt- 
aufgabe sein''. 

So  hat  ihn  seine  Methode,  Ar  ihn  das  natftriiche 
Werkzeug  eines  aufsergewohniich  ernsten  Wahrheits- 
sinnes, im  Verein  mit  seiner  flammenden  religiösen  Be- 
geisterung, mit  seiner  umlassenden  theologischenüüdung 
und  seiner  nicht  minder  umfossenden  Quellenkenntnis 
zu  einem  der  seltenen  Meister  seines  Faches  gemacht, 
zu  einem  Kirohenhistoriker  von  umTcrsaler  Betrach- 
tungsweise. Denn  was  schon  sein  erstes  Hauptwerk 
Terriet,  dafs  sem  Interesse  und  Verständnis  sich  durch- 
aus nicht  auf  die  politischen  Vorgänge  beschränkte, 
das  haben  seine  späteren  Arbeiten  auf  das  gläasendste 
herrortreten  lassen. 

Und  nachhalüg  war  seine  Wirkung.  Weit  über 
den  Kreis  seiner  Schüler  hinaus  läfst  sich  ihre  Spur 


verfolgeo.  Mit  seiner  grolsen  Monographie  zur  Ge- 
sdiiebte  des  Mittelaltera  war  der  Unsiclierlidt  der 
Methode  auch  bei  den  Kirohenhistoiikem  ein  Damm 
entgegengeworfen ;  mehr  und  mehr  wurde  in  der 
jüngeren  Gtoeration  der  Fachgenossen  die  Über- 
zeagimg  Gemeingut,  dafs  es  nur  eine  historische 
Methode  gebe,  dafs  in  ihr  kein  Unterschied  sein 
dürfe  zwischen  dem  kirchlichen  and  dem  politischen 
Historiker.  — 

Wenn  es  endlich  auch  dem  Schüler  an  dieser 
Stelle  verstattet  ist,  ein  Wort  des  Dankes  zu  sagen, 
so  weils  ich,  ich  rede  im  Namen  aUer  derer,  welche 
ihm  aDÜuigs  als  JQnger,  dann  als  Freunde  nahe  ge- 
treten sind,  indem  ich  als  die  hervorstechendsten  Züge, 
welche  uns  im  Verkehr  mit  ihm  entgegenlenchteten, 
rfitame:  seine  selbstlose  Sachlichkeit  und  stets  bethätigte 
üpferwüligkeit,  seinen  mitunter  rauhen,  doch  niemals 
Terletzenden  Freimut,  den  Emst  der  Arbeit  an  sieh 
selbst  —  wann  wäre  ihm  seine  schonungslose  Selbst- 
kritik strenge  genug  ersdiienen?  — ,  und  endllGh  eine 
mit  ihr  in  Verbmdung  stehende  oft  geradezu  be- 
schämende Bescheidenheit  und  die  stete  BereitsohaA 
zu  lernen,  selbst  noch  umzulernen  auch  in  wichtigeren 
Dmgen. 

So  stand  er  unter  uns  in  jugendlicher  Kraft  und 
Frische  bis  zum  letzten  seiner  Tage;  und  Msch  and 


kräftig  wird  allezeit  lu  uns  fortleben  das  Andenken  des 
echtMi,  treuen  deatechen  Mannes  und  Christen,  der 
was  er  uns  lehrte  lebte. 

Leipzig,  den  81.  Oktober  i8Bd. 


Theodor  Biieger. 


AotoDiiis  von  Padua. 

Von 

Eduard  Leiupp. 

PfftrrM  in  ObvrifUsgM,  Wftrtitmberg. 


T. 

Eb  soU  liier  eine  kritische  Bespreohong  der  wiGhtigeren 
Quellen  und  Hilfonittel  zum  Leben  des  b.  Antonius  von 

Padua  gegeben  werden,  da  eine  solche,  wenn  man  die  noch 
eehr  unzureichende  Abhandlung  Papebroch's  in  den  Acta 
Sauctorum  ^  und  die  kaum  kritisch  zu  nennenden  Bemer* 
kungen  Azevedo's  ^  und  Salvagnini's  '  ausnimmt ,  überhaupt 
noch  nicht  stattgefunden  hat^.  Die  Werke,  die  ich  selbst 
nicht  einsehen  konnte^  sondern  nur  aus  zweiter  Hand  kenne^ 
sind  mit  einem  Stern  (*)  bezeichnet.  iSn  Übrigens  auch 
gar  nicht  vollständiges  Verzeichnis  der  Werke  Uber  An- 
tonius, besonders  der  späteren,  s.  Horoy,  Medii  aevi  Biblio- 
tbeca  Patristica  etc.,  Paris  lÖÖÜ  (eme  Fortsetzung  von  Migue^, 
Ser.     T.  VI,  p.  555  sqq. 


1)  Aeta  SS.  Joni  T.  II,  p.  TOSsqq.  (1698  hoiaiisgekomiiMii). 

2)  Emmanuele  de  Asevedo,  Vita  del  glorioM»  taumaturgo 
Pertoghete,  8.  Antonie  di  Padova,  3.  Aufl.,  Bologna  1790,  JXm,  TS. 

8)  Earico  SaWagnioi,  S.  Ant  di  Päd.  e  1  raoi  tempi,  Toriii 
1887,  Vonr.  x. 

4)  H.  Denifle  verspricht  eine  solche  im  Archiv  f.  Litt,  n.  K.> 
QoMbiohte  d.  Mittehilters  I,  Anm.  2,  hat  rie  aber,  soviel  mir 
bekamit,  bie  jetst  nicht  gegeben. 


atiiMkr.  r.  I.-0.  n»  t. 


12 


178 


UäMPP, 


1. 

Lo|;eiidea  und  damit  zasammeuhän^eade  Aulkeiolw 

Gtenatt  genommen  kann  man  nicht  yon  liegenden  in  der 
Mehraahl  sprechen,  wie  man  das  z.  B.  bei  den  FransiBkue- 
landen  kann  und  mub,  sondern  es  giebt  nur  eine  An- 

lüniuslegünde  und  d-n-en  Beai'beitungeri.  Darüber  ist  kein 
Zweifel  möglich,  \\vnn  man  die  verschiedenen  Antonius- 
legenden vergleicht.  Es  ist  überall  derselbe  StoÜ,  dieselbe 
Ordnung  des  Stoffs,  nur  mit  der  Zeit  eine  wachsende  wun- 
derbare AusBchmackung  des  Lebens,  ja  mehr  noch|  auch 
die  Form  ist  dieselbe,  die  charakteristischen  Flirasen,  ganxe 
Sitae  kehren  wörtlich  immer  wieder,  bald  da,  bald  dort  ^ 
Die  bis  jetzt  gedruckten  Antoniuslegenden  sind: 

1)  Die  von  Laur.  Suriuj;  in  seinen  Vitae  Saucturum ,  Köln 
1018,  unter  dem  13.  Jutn  veröffentlichto  Letzende  (=  S). 

2)  Vita  auoiore  anonymo  valde  antiqua  in  den  Acta  SS. 
Juii,  T.  II,  p.  705 sqq.  B). 

3)  Liber  miraoaloruoi,  Acta  SS.  a.  a.  0.  8.  794ir. 
(as  L.  M  ). 

4)  AsKoguidi,  8.  Antonii  Ulyssiponeusis  Sermonss  in  Pssl- 
mos,  ex  autographo  nunc  primum  in  lucem  editi  ac  prasfktione» 
amiotatioDciilis  et  indicibus  locupleiati:  accedit  [etc.].  Bonoaiae 
1757,  not.  5,  inl.  XXXVIsqq.,  wieder  abgedruckt  bei  Horoy 

a.  a.  0.  S.  457  ff.  (=  A). 

5)  Vita  S.  ADtoDÜ  confessoris  iu  den  Portugaliae  monu- 
menta  historica,  Scriptores  I,  Olispone  1856,  p.  116 sqq. 

{=  M.  P.). 

r>  »  Log«  n<!a  seu  vita  et  minicula  S.  Antonii  da  Padaa  saec. 
Xlii^  coiKiüti.iUi  ex  cudice  uieujbianeo  Antoniunae  bibtiotUccae 
cum  altera  bnvi  ejusdem  .^uncti  vita  [etc.]  ed.  F.  M.  Ant, 
Mariu.  Josa,  Bunouiae  1883,  p.  Iff.  (=  P'). 

7)  Ibid.  Altera  Vit-a,  p.  75&qq.  (=  P*). 
Ich  nehme  noch  dazu  die  Stücke  aus 

8)  Yiuceutius  Belle vacensis,  Speculum  Uiätoriale,  No- 
rimb.  1483,  Lib.  XXXI,  cap.  131—135  (»  V.  t.  B.)  und 


1)  Nur  etwa  P'  unten  S.  192  f.)  ist  fonii«U  Mlbitftndi|c,  ma- 
teriell  ain  so  weniger. 


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AKTONIUB  TON  PADUA.  I. 


179 


9)  Bartholomaeus  Albizzi  aus  Pisa,  Liber  conformitatnm, 
Mailand  1510,  in  couform.  8,  fol.  8  bis  fol.  LXVUl,  4 

(=  L.  Conf.). 


A. 

1)  Daft  von  diesen  Landen  M.P.  die  ttrsprüngliclisie 
Form  der  Legende  giebt^  ist  in  die  Augen  springend^ 
und  ich  skizziere  daher  zunächst  M.  P. 

Die  Legende  beginnt  mit  einem  Vorwort,  in  welchem 
der  ungenannte  Verfasser  erklärt,  nur  aus  Geliorsam  gegen 
die  wiederholte  Auiforderung  der  Brüder  sicii  an  die  Arbeit 
gewagt  zn  iiaben,  für  welche  er,  soweit  er  nicht  selbst 
Angenzenge  sei,  das  Zeugnis  des  Bischofs  Soeiro  II.  yon 
Lissabon  nnd  anderer  katholischem  Mftnner  ebgeholt  habe. 
Er  habe  das  Buch  in  zwei  Teile  gefeilt ,  von  denen  der 
erste  den  Lebenslauf,  aber  der  Kürze  halber  nur  mit  Her- 
vorhebung^ des  Wichtifjsten,  der  zweite  die  Wunder,  die  Gott 
durch  den  Heiligen  gewirkt  habe,  enthalte. 

Demgemäfs  wird  im  er  sten  Teil  das  Leben  des  Antonius 
beschrieben.  Schon  Denifle  hat  mit  Becht  auf  die  formelle 
Ähnlichkeit  mit  der  irita  I  des  Thomas  von  Celano  hinge* 
wiesen,  die  nicht  nur  in  der  Phraseologie,  sondern  anch  in 
der  ganzen  Anlage  hervortritt.  Der  Vo^asser  verfolgt  nSra* 
lieh  das  Leben  des  Antonius  zuerst  chronologiscli  bis  dahin, 
wo  der  Heihge  in  die  Öffentlichkeit  tritt:  dagegen  aus  der 
gan^u  Zeit  seines  öffentlichen  Wirkens  bis  zum  letzten  Jahr, 
also  nngef&hr  1232 — 1230,  wird  uns  nur  eine  aligemeine 
Schiidenmg  smer  Predigtthätigkeit  vergönnt,  samt  zwei 
Anekdoten,  welche  erzählen,  wie  er  einen  Httresiarchen  be- 
kehrt habe,  und  dafs  er  vom  Papst  aroba  testamenti  ge- 
nannt worden  sei.  Dann  wendet  sich  der  Verfasser  zur 
Schilderung  des  letzten  Lebensjahres  des  Heihgen.  Cha- 


1)  Das  hat  zuerst  Denifle  gesehen.  Vgl.  die  ITniversitäten  des 
Mittelalters  bi'^  H'tO,  I  (Berlin  1885),  S.  282f.,  Anm.  240.  Gleicher 
Ansicht  ist  Ehrl e,  s.  Arch.  f.  Litt  u.  K.-Gesck  1,  881. 

12« 


180 


rakteristisch  ist,  dafs  kein  einziges  Wunder  ersäblt  wird, 
daa  Antonias  su  Lebzeiten  gewiriLt  hätte. 

Im  swmten  Teil  wiU  der  Ver&aser  nach  der  demselben 
Torangeschickten  eigenen  Vorrede  der  Beschreibung  des 

Lebens  die  ErslÜilung  der  wichtigsten  Wnnder,  die  nach 
dem  Tod  des  Heiligen  geschahen,  aut  Grund  des  Berichts 
glaubwürdiger  Männer  hinzufügun.  Trotzdem  kommt  zuerst 
die  Erzählung  des  Todes  des  Heiligen  und  eine  Schilderung 
der  Padnaner  EreSgnisse  zwischen  Tod  und  Begräbnis,  sowie 
der  Vorginge  vor  und  b«  der  Eanonisation,  und  alles  in 
einer  Breite^  mit  einer  anschauHchen  I^ebendigkeit  und  natür- 
lichen  Wahrheit  daTs  man  mit  Gewilsheit  yermnten  mdchte, 
den  Bericht  eines  Augenzeugen  selbst  vor  sich  zu  haben. 

In  diesen  Schildenmgen ,  welche  gerade  so  Raura 
einnehmen  als  der  ganze  erste  Teil  der  Legende,  ist  aber 
von  Wundem  nur  im  allgemeinen  die  Rede,  docii  immerhin 
80,  dafs  man  nach  der  Vorrede  es  begreilen  könnte,  wenn 
die  Legende  mit  der  Kanonlsaüon  sohlösse.  Allein  es  folgt 
noeh  gleichsam  ein  dritter  Teal  (mit  Becht  in  durch  be- 
sonderen Abschnitt  gekennaeicbnet) ,  welcher  wieder  mit 
einer  besonderen  Einleitung  versehen  ist,  und  erst  in  diesem 
kunimt  nun  eine  Erzählung  der  Wunder,  welche  vor  Gre- 
gor IX.  verlesen  wurde.  Dieser  letzte  Teil  macht  aller- 
dinga  den  Eindruck  nicht  sowohl  eines  Augenzeugenberichts, 
als  vielmehr  eines  Aktenstückes,  das  fUr  sich  besonders  ab- 
gefafst  ist  K  Offenbar  hat  der  Ver&sser  den  Wunderbericht^ 
der  bei  der  Kanonisation  des  Antonias  verlesen  wurde,  und 
der  auch  für  sich  aUein  umlief*,  seiner  Legende  einfach  an- 
gehängt 

1)  Das  ssgt  die  XUnlettong  selbst :  Ad  laudem  et  gleristn  onuii- 
potentis  dei  .  .  .  miiaoida,  qui  (liet)  oonun  domno  Qr^gorio  pepa 
nono»  andiente  tmioeno  popoio,  lecta  sunt,  eneeiaete,  pcenla  tarnen 

neritate,  ad  excitandum  (sict)  fiddiom  deuotionem,  dnzimns  ad- 
notanda.  M.  P.  S.  125  ^  und  ebenso  schon  die  Überschrift  über  die 
Vorrede  der  M.  P. :  Incipit  prologoa  in  uita  Baneti  Antonia  oonfessoris 

et  de  miracnh'g  ejusdem ,  que  approbata  fuerunt  per  donuMun  Ghte> 
g<nriiim  papHm  nonum  et  per  cardinnlt's  Romane  ecclcsie. 

2)  So  iu  der  iu  den  Acta  ä$.  der  B  angehäogten  „Appendix". 
Siehe  unten  S.  190. 


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ANTONIUS  TOV  PADUA*  I. 


181 


Den  Schiuis  des  Ganzen  bildet  ein  Gebet  xum  Hei- 
ligen ^ 

Die  Zeit  der  Abfassung  dor  Uri^ende  äkilt  nAoh 
JoBa's  fieweia  vor  1258  K  Da  die  Legende  aber  nnsIrdAig 
älter  ist  «k  das  Specalma  historiale  des  Vincena  von  Beaa- 
▼aisy  80  iet  ilire  Entstehung  jedenfalls  noch  etwas  froher 

anzusetzen,  wahrscheinlich  um  zehn  Jahre  Übrigens  weist 
sie  selbst  in  eine  der  Lebenszeit  des  Heiligen  noch  viel 
nähere  Zeit  hin.  Der  Bisciiot'  von  Lissabon  nämlich,  der 
als  Quelle  angegeben  ist,  ist  der  am  29.  Januar  1232  verstor- 
bene Soeiro  Viegas  II.,  der  kurz  vor  seinem  Tod  an  der 
Knrie  in  Italien  weilte  ^  Da  überdies  der  VerfMser  filr 
das  meistei  was  er  schreibt^  Angenaenge  an  sein  rersichert  % 
80  ist  nicht  au  sweifS^,  dafs  die  Abfassung  der  Legeode 
in  die  allernächste  Zeit  nach  der  Kanonisation  zu  setzen  ist. 
Vemiutlicli  ist  schon  während  der  ,  längere  Zeit  sich  hin- 
ziehenden, Verhandlungen  über  die  Kanonisation  ftir  eine 
Legende  gesorgt  worden,  und  es  mag  ein  ^linorit,  der  von 
dem  gerade  anwesenden  Lissaboner  Bischof  Erkundigungen 
Uber  das  frtthere  Leben  des  Antonius  in  Portugal  einge- 
sogen hatten  beauftragt  wor4en  seini  eine  solche  zu  schreiben. 

Daraus  eigiebt  sieh  auch  der  Wert  der  Legende.  Es 
ist  eine  Arbeit  von  einem  Zeitgenossen  und  Augenzeugen,  einem 
Mann  überdies,  der  otVtiJjur  ängstlich  bemüht  war,  bei  der 
Wahrheit  zu  bleibeuj  denn  nicht  nur  in  der  Vorrede  nennt 


1)  Dister  SeUnb  ist  aUerdings  wcnigitsns  in  dem  mir  voili^gen* 
den  l&Kemplar  der  11.  P.  nisht  sn  finden,  sondem  mnfs  ans  P'  etgSast 

mürdsiit  s.  imtoii  &  184»  189* 

2)  Jose  in  der  Vorrede  sn  P*  p.  na.  Der  Beweis  gilt  ttbHgsas 
nur  für  die  Urlflgende,  nicht  für  P*. 

3)  Nur  etwas  früher,  wenn  der  betr.  Abschnitt  zu  den  späteren 
Kinschtebseln  in  das  speculum  historiale  gehören  sollte,  die  ja  bis 
1253  herabgehen;  da  das  nicht  zu  beweisen  ist,  so  ist  wahrschein- 
licher, dafs  die  Legende  schon  1244,  dem  bekannten  Seblnisjahr  des 
•pee.  bist.,  in  Frankreieli  beknntit  war. 

4)  Deuifle,  Die  Uuiv.  rsit  4teu  d.  Mittelalters  I,  28o  Anm.  240. 
r>)  Denn  er  sagt  im  V')r\v()rt:  Deniquc  nonnulla  Rcribo,  que 

oculis  ipsc  non  aidi,  domno  tarnen  Sugcrio  secuudo  ulixboneasi 
episcopo  et  aliis  uiris  catholicis  referentibus  ipsa  cognoui. 


182 


er  beine  Quellen,  sondern  auch  das  einzige  Mal,  wo  er  eine 
halbwegs  wunderbare  Be<!;ebenheit  aus  dem  Leben  des  An- 
tonius erzählt,  b^ilt  er  aiohi  die  Quelle  anzugeben,  und 
seine  Erklärung  des  Vaigangs  von  der  Erzählung  selbst  ab- 
suhebeii  \  Er  ▼erdcbeii  wiederholt wie  es  ihm  um  die 
Wahrheit  xa  ihtm  sei,  imd  er  hfttte  diese  Versichenuig  nicht 
nStigy  demi  die  ganae  Legende  trägt  dnrehatiB  den  Stempel 
der  Wahrheit  und  ist  im  Gegensatz  zu  der  gesuchten,  süia- 
lichen ,  innerlich  unwahren  Art  vieler  späterer  Lebens- 
beschreilnuigon  in  ihrer  natürlichen  Einfachheit  eine  wirk- 
lich erbauliche  Lektüre.  Wir  müssen  daher  dieiaer  Legende 
den  aliergröfsesten  Wert  beimessen ;  es  ist  eine  Quelle  ersten 
Banges,  die  nur  leider  gerade  in  dem  fttr  une  wichtigsten 
Abschnitt  &st  ganz  ausseist 

Das  bisher  über  M.  P.  Gesagte  bedarf  einiger  Einschrän- 
kung, die  sich  ergiebt  aus  ihrer  Vergleichuug  mit  den  fol- 
genden Legenden. 

2)  Ein  ganz  wörtlicher  Auszug  aus  M.  P.  ist  die  Le- 
gende A,  von  Aazoguidi  ans  einem,  ine  er  beweist,  zwi- 
schen 1263  und  1302  geschriebenen  Brevier  des  Minoriten- 
klosten  zu  Assisi  entnommen  und  von  ihm  fUr  die  Urlegende 
angesehen.  A  ist  zum  gottesdienstlichen  Gebrauch  bestimmt 
gewesen,  daher  sind  für  die  fünf  Tage  des  Antoniusfestes 
liinf  Abüchnitte  ausgewählt,  jeder  in  sieben  bis  neun  kurze 
Lektionen  eingeteilt ;  und  da  ist  nun  immer  eine  ganze 
Lektion  Wort  fUr  Wort  aus  M.  P.  herausgehoben,  während 


1)  Es  ist  4!e  ErsiUnng  Ton  dem  Eratickuigssiifidl  des  Antonias 
und  der  HeUe»  ^e  er  dstauf  gesehea  hat  H.  P.  119^:  „Bern  narro 
wm  fictam,  sed  per  ipsum  dci  aanetam ,  dum  adhue  uicerct ,  cuidsia 
frttmm  reaelatam**  und  nachher:  „qnod  nimimm  lutncn  diuine  nir- 
tatis  auctoritate  oeOfl  illapsum  credioias,  eoius  radim  fene  non 
snstineDs  tenebrarum  cultor  recedebat  confosus". 

2)  So  in  der  Vorrede:  „Snccinctc  cnim,  preuia  tarnen  veritate 
-  .  .  loquar."  „Hortor  autem  iectorem  .  .  .  ut  cam  bec  legorit  et 
me  in  aliquo  minus  dixisse  nel  certe  incaata  Ir-quacitate  uerit&tis 
tnetaa  uspiam  excessisse  pf  r^p^^xcrit ,  non  tne  meudacii  aut  falsitatis 
arguat ,  quia  pocius  ign  l  anc  ie  auf  uhliuioni  meae  misericorditer 
ignoscat."  Ahnlich  in  dem  V  orwort  zum  zweiten  Teil  und  im  Sehlufa- 
■wort. 

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ANTONIUS  VON  PADUA.  I. 


18S 


dttnriaohen  oft  lingere  AbiclinittB  »nugdawen  and.  Nor 
Bwennat  fMt  In  A  mitten  in  einer  Lektion  ein  Sats  ans 

M.  P. :  1)  im  ersten  Abschnitt  eine  Notiz  aus  Isidor's  Uber 
ethimologiaru ni  über  Lissabon,  2)  später  ein  Wort  des 
sterbenden  Autonm»  beim  Empiang  der  letzten  üiung.  In 
beiden  Fällen  zeigt  aich's,  dafs  A  den  ursprünglichen  Text 
hat  i)  Dals  die  an  sich  bedeutungslose  Notis  ans  Isidor 
in  M.  P.  erst  spKter  eingeschoben  ist,  zeigt  nicht  nnr  die 
in  den  Monnmenta  Pcwtog.  nr  Veigleiehnng  herangezogene 
ParaUelhandschrift  (Cod.  393),  sondern  an<^  die  Legende 
P  wie  wir  sehen  werden,  in  welchen  beiden  Legenden  jene 
Notiz  fehlt.  2)  Bei  Empfanp:  der  letzten  Oliin^  sagt  Antonius 
nach  A:  Non  necesse  est,  frater,  ut  hoc  mihi  facias;  hanc 
enim  unctionem  haben  intra  me  (bei  V.  v.  B.  einfach:  Habeo 
hanc  nnctioiiem  intra  me).  M.  P.  fligt  aber  hinin:  i^Yenmi 
tarnen  bonnm  mihi  est,  et  bene  placet^  Da  nnn  A  nie» 
mals  sich  erlanH  «inen  Sats  mitten  heraus  wegsnlassen,  so 
ist  es  hSehst  unwahrscheinlich,  dafs  sie  das  gerade  hier  ge- 
than  habe  bei  einem  Wort,  das  eine  Erklärung  des  Hei- 
ligen gut  machte,  welche  von  Anfan«^^  an  als  anstöfsip^  und 
eines  Heiligen  kaum  würdig  befunden  wurde  Unzweifel- 
haft liegt  somit  hier  in  M.  P.  eine  absichtliche  Verbesserung 
des  Textes  vor  nnd  hat  A  noch  die  ältere  nrsprllngliche 
Fonn  der  Legende  vor  sich  geiiabt»  aomal  da  die  Hand- 
sehrift  der  M.  P.  nach  Ansieht  der  Herausgeber  erst  ans 
dem  Ende  des  13.  Jahrhunderts  stammt 

Haben  wir  hier  eine  kleine  Korrektur  an  M.  P.  vor- 
nehmen müssen,  so  bietet  uns  eine  wilikommeoe  Ergänzung 
von  M.  P.  die  Vergleichung  der 

3)  Legende  P^  M.  P.  ist  nämlich  unvollständig  Es 
fohlt  hier  nicht  nnr  jeder  Schlnfs^  sondern  eine  Veigletchnng 
mit  Vincena  von  Beanvais  aeigt,  dafii  noch  sww  Toten» 
erwecknngen  unter  den  nisprOnglichen  Wundem  zu  lesen 


1)  Vgl.  d!s  vietsD  Xndenrogen,  die  sn  dism  Wort  des  Slsrbai- 
dsa  TOigSBonunen  worden,  unten  8.  188  nnd  in  tpllena  Qodlsn. 

t)  Weniitteiis  in  dem  Enniplsr  der  Ifoonm.  PortQg*t  dss  mir 
soc^faiglieb  wsr. 

.  j  .  .  l  y  Google 


184 


LEMPP, 


ware&y  welche  bei  M.  P.  feUen^  Was  hier  nun  Mit, 
bietet  PS  die  G^hichte  der  beiden  Totenerweckungen  und 

den  Schlufs  der  Legeode. 

(ebenso  auch  P')  ist  eine  von  dem  Miuoriten  Ar- 
bnati'  im  yorigen  Jahrhundert  zuerst  ans  Licht  gezogene 
und  faftufig  benutzte^  von  Aieredo  *  nachdrflcklich  als  Ur- 
legende  gepriesene  und  ab  schon  druckfiwtig  angekünd%te 
Legende  aus  der  Bibliothek  S.  Antonio  zu  Padua,  die  neuer- 
dings erf^t  flurch  Josa  herausgegeben  worden  ist  *.  Die 
Handschritt,  die  dem  Druck  zugrunde  liegt,  ist  zwar  eine 
jedenfalls  mt  nach  1&46  gemachte  Abschrift  ^  Aber  die 
Voriage  derselben  ist  eine  mit  M.  P.  «im  ganzen  identische 
Kopie  der  Urlegende.  Doch  finden  wir  dnige  besmehnende 
Abweichungen.  Unter  Weglassung  der  zahlreichen,  blols 
formellen,  auf  liecbnung  des  ächreibers  zu  setzenden ,  hebe 
ich  folgende  heraus. 


1)  Vinccnz  von  Beauvais  a.  a.  0.  cap.  135  zählt  rubrikenweise 
die  am  Grab  des  Heiligen  getcheheneo,  bei  der  Kanonisation  verlesenen 
Wunder  auf,  es  und  geheilt  wenden  neoniehn  Kontmkle,  fünf  Par»- 
Ijtiker,  fonf  BnckeUge,  ssehe  Blinds,  dnl  Trabe,  diei  Stomme,  iwet 
Epileptiaohe,  zwei  Fieberkranke  and  iwei  Tote.  In  U.  P.  werdsn 
dIeM  Wunder  in  der  gldehen  BeOwofelge  nicht  nur  anfgeilhlt,  eon- 
dem  sniÜQiilioh  enählt,  und  iwar  ttinunen  die  Zshlen  genan  Iiis  aaf 
die  Zshl  der  Boekeb'gen  nad  Bünden,  wo  ein  Behieib-  oder  Dmek* 
fehler  hei  Tineeni  von  Beaovids  sehr  isicbt  sasonehnen  ist.  Ahsr 
M .  P.  hrieht  nun  mit  den  Fteberkrsaken  gans  ahmpt  ah. 

2)  Compendio  cronologico  e  critieo  dei  fiatti  e  Bcritti  della  vita 
del  glor.  taum.  S.  Antonio.  Bassano  1786.  (In  der  vor  mir  liegen- 
den  Ausgabe  anonym.  AMvedo,  der  die  IdentSsclie  Aq^he  Roma 
1776  bonnttt,  nennt  den  Kamen  des  Verfissers.)  Vorwort,  Aam.  s, 

&  T. 

3)  Azevedu  a.  a.  0.  Diss.  II  und  XLV. 

4)  Dafs  die  von  Josa  berausgegebeneQ  Legeaden  mit  den  von 
Arbusti  und  Azevcdo  erwähnten  tmd  bf^nutzten  Legenden  identisch 
sind ,  ist  unzweifelhaft ;  vgl.  die  wörtlichen  Citate  in  Azovedo  Diss. 
II,  XVII,  XXXVII  mit  Josa  S.  5.  8.  79.  Josa  selbst  erwähnt  un- 
begreifiicberweise  die  beiden  Vorgänger  nicht. 

5)  Josa,  I  codici  manoscr.  deUa  Bibllotheca  A'>^^nT^nft  di  P*> 
dova,  Fad.  1886,  p.  124.  125. 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  L 


186 


a)  Der  Anfang  tler  Vurretie  lai  ni  %er6tort,  daher  feiiien 
hier  circa  sechzehn  Zeilen. 

b)  Dto  SMto  MB  Ifidor  (vgL  obti  &  188)  feUt. 

e)  In  dem  Absehnitt:  „Qnomodo  ordinem  fr.  min.  mira?it" 
iik  den  Worten  Mdominiu  Petnu  infime^  die  feliehe  BiUftniiig 
beigegeben  „f rater  regia  Gutellae". 

d)  In  demaelben  Abeebnitt  wird  die  Benennung  die  Vor- 
standes des  Angostinerchorberrenstifts  ans  npfior**  nmgeftndeii 
in  „abb^",  was  für  Portugal  falsch  ist 

e)  Im  gleichen  Abschnitt  befindet  eich  folgende  Polenik  gegen 
IL  F.,  bsw.  die  Urlei^'ende: 

M.  P.  S.  118:  P»  S.  6: 

Yennn  qaia  irroenciam  in  Lioet  enim  beatue  Peter  An- 
te parentum  suornm  impetum    tonius  irmentium  in  se  paren- 

dei  pcnnis  formidabat,  rpqniren-  tnm  et  turbarnm  impetnm  9Jita- 
tinm  eiim  snlliritödinem  sagiicius  garet  declinare,  nequaquam 
declinaro  satagebat:  Nani  et  proptor  hoc  fratres  Bihi  An- 
mutato  uocabnlo  antonius  ipso  tonius  nomm  impoeuerunt,  sed 
sibi  nomen  imposuit  et  quamtns  quia  ecclebiü  fi^trum  illius  loci 
nerbi  dei  preco  fntnriis  esset,  tali  titulo  nomuiahatur.  Idee 
quodam  presagio  desigiiauit.  Au-  de  bimplici  frairum  voluutate 
tonins  enim  quasi  alte  tonans  et  etiam  divioo  revelante  Spiritn 
dteitor.  id  nobile  nomen,   quasi  alte 

tonatoms  sibi  eredinras  fiiisee 

impoeitnm. 
Antonios  enim  qnaei  alte 

tonane  dioitor. 

Wir  dQrÜBn  dieee  ViiTindening  nnbedenbiloh  als  eine  wirk- 
liche VeTbessening  ansehen  nnd  zwar  als  eine  schon  sehr  alte, 
da  schon  Vincenz  von  Boauvais  für  sie  eintritt*.  Ans  dem 
fernen  Portugal  konnten  derartige  Behohtignngen  nur  allmählieb 

ein  treffen. 

f)  Viel  einschneidender  ^^ind  aber  die  Veränderungen,  die  in 
detd  Abschnitt  ,,Qnomodo  uenit  Bomanioiam  et  qnaliter  ibi  uixit" 
Yorgenommen  werden. 

Nach  dem  in  beiden  Legenden  glen  i  hiiitemlen  Anfang  „Fi- 
nito  igitnr**  ...  bis  „quia  nec  cognitus*',  läbri  fort: 


1)  8.  Asofedo  Ii.  I,  aap.  9  naeh  Monnm.  Port  8er.  I,  86«. 

S)  Vineeos  von  Beanvaia  eap.  ISl  sogt  ftbcigens  niebls  von 
einer  ^eeletia  Üratram  illiiM  kd**,  aonden  ^el  richtiger:  „venit  ergo 
nbi  frmtmm  eongiegatio  metabator,  qoi  locus  ssnettM  Antonius  dioe- 
batur,  joxta  quod  nomen  Antoninm  se  deinceps  appellari  rogavit,  nt 
et  sie  reqoiieatinm  ipsnm  solUeitadinem  pia  eantela  delndexet**. 


y 

.  j     . :  y  Google 


186 


LEUPP; 


M.  P. 

Denique  uocato  in  partem 
fratre  Graciano,  qui  tiitic  in 
RomaDiola  minibtorium  fralrum 
gerebat,  supplicare  cepit  seruus 
dei  Antonios,  quatenns  susceptum 
Be  a  ministro  generali,  in  ro- 
iPMiiohmi  dueeret,  et  dedactum 
dlsdpllne  spiritualis  radinwotis 
infonnaret* 


P». 

Tantae  erat  puritatis  Pater 
Sanctos  et  tantae  simplicitatis 
utpote  novus  in  Ordine,  quia 
neque  Ministrum  aliqnem  nec 
Ministerii  aut  Coatodis  sea 
Gnardiani  officium  adbüc  cogno« 
ecebat  ünde  n  e  q  n  e  f  ratrom 
Gratrianim  ToeaTit»  nee 
rogETit,  ut se aosoiporet» 
sed  toU  die  eimtioiii  vaeana, 
aliia  reeedentibiiB,  iste  eimplex  et 
ignotoa  omnibiia  remanebat»  oohh 
mitteiia  tarn  ae  ipaiim,  quam  gres> 
8ii8»qQain  monoiProTideiitiaeSal- 
Yatorii.  Frater  antem  Gniiaaiis 
enm  eum  intenegaBset,  ai  eeaet  8a> 
oerdosy  aioe  Terbonmi  mnltipli* 
eatioiie»  nolena  ee  de  Scriptaiae 
adeolia  jactire^  hoc  tantina  lo» 
apondit  bumilHer  —  Sto  aam  — 
Qoo  audito  propter  Sacerdetam 
inatantem  tone  temporia  inopiam 
dictoe  frater  Gratiamia  a  fratre 
Elia  Generali  Ministro  sibi  daii 
Fratrem  AntomuiD,  instigante  ae 
Sancto  Spiritu  suppliciter  posta* 
lavit  et  obtinuit. 
Nachden  aodann  beide  Legenden  identisch  fortgefahren  sind, 
„NttUa  prorana  datae  bia  „in  BomaniolaiD  dedniit^  beifat 
M  weiter  bei 

M.  P.  P». 
Qno  cum  vir  dei  Antonias, 
disponente  domino,  peruenisset, 
jmpetrata  lirpnciaberemnni  mon- 
tis  Pauli  (leuotns  snbiit  et  re- 
lirtis  secularium  turbis  loca 
qoietis  conscia  penetranit. 


Com  enim  vir  dei  novus  esset 

in  Ordine  nesciebat^  quid  esset 
eremns  ant  qiialis  esset  fratram 
dispositio  in  oremitoriis,  prnpter 
qnod  nec  licentiam  i  m  - 
petravit  licet  loca  quietis 
conscia  affectaret.  Se'i  fratrea 
qni  circa  sex  erant,  in  eremi- 
torio  nulium  inter  se  Sucer- 
dotem  habentos,  attendentes  mm 
simplicem  virum  et  punim  a 
Ministro  pro  celebrandis  Di- 
vinis  cum  magna  precom  in- 


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AFTOXnUg  TON  PADUA.  1. 


187 


stuDtia  postularunt  et  obtinue- 

rnnt. 

Es  folgen  sodanu  wieder  zwei  pleichlaotende  Sätze  von  ^Fa* 
ciente  antem"  bis  „snpplex  postulavit",  dann  fäiirt  fort: 
M.  P.  P». 
Aidepto  deniqae  qoietis  loco  Nam  licet  orationis  et  de* 
Mlnto  eoti^  bm  mttotiiiali  votiouis  gntift  ad  ettUam  flliin 
oapitolo,  senras  del  Antonios  ad  quotidia  pergerat  et  maaarati 
dietam  eaUam  aaeaarit^  aaanmp-  paaiaportlmieDlaoiaaiTaaaqnaa 
taqna  modtaa  pania  porduneala  minima  daferabal,  aad  mox 
aaa  aqua  aacnm  talit.  aadiia  aampanalla  hon  coma* 

dendi  descendebat  al  aimnl  com 
lüiis  discumbebat  Interea  oam 
notitiam  tarn  Oaardiani  quam 
aliomm  fratram  ex  modica  tem- 
poris  conversatione  aliquantulam 
liRbnisset ,  cum  alios  Fratres 
praeter  orationis  Btndium  vi- 
deret  inteidnm  diTereis  utili- 
tatibua  et  officiis  orcupare,  coepit 
Ultra  se  amariö  i^^g-itaro  singul- 
tibnSy  yelut  honjuiem  iDutilem, 
et  pana  qno  vescebaiur  indi- 
gnom  sa  repatana,  ntpota  qoi 
aliorom  raflciebat  obsequia  afc 
nihil  eommonia  ntilitatia  Ikeara 
▼idahatar,  nt  sie  appararat  qnod 
non  Taotasat  miniatrara,  aad 
potiiis  ministrari.  Rx  hoc  i^itur 
hnmilia  Ghriati  servus  bumilia 
qaaarana  ob!;equia  ad  Gnardia- 
nnm  snnm  huraiiis  et  supplex 
accessit  ac  Üoxis  genibiis  po- 
poscit  ut  hivandarum  scutella- 
rnm  atque  purgandae  seu  sco- 
pandae  domus  sibi  officia  tri- 
bueret  de  gratis  speciali.  Qoi 
cum  obtiBiiisset,  mira  devotione 
ac  devota  soUicitudine  id  jugiter 
faciebat,  sicque  laborana  panem 
snnm  cnm  naliori  oonadanda 
mandocabat;  sampar  taman  par- 
actis  diligantar  oAeiia  ad  cal- 
lam  snam  at  ad  contamplationta 
atndiom  ramaabai 


188 


LEMPPy 


ßöi  diesen  Veränderungen  ialll  schon  das  Manierierte  und 
Affoktiorte  der  DarstolluDg  von  auf.  Es  wird  als  des  Hei- 
ligen nnwflrdig  angesthtn,  wann  er  sellwt  dm  Bradcr  Gntiaii 
etww  bittet,  ja  wenn  er  ancb  nur  Baeh  einem  robigen  Plati  mdk 
sehnt)  es  wird  als  ein  besonderer  Rnbni  berrorgeboben,  wenn 
er  nObne  viel  Worte  sn  macben"  blofs  mit  Mja"  antwortet» 
nicht  einmal  ein  wenig  Brot  nnd  Wasser  darf  er  um  seiner 
Heiligkeit  willen  in  seine  Zelle  nehmen.  Er  grftmt  sich,  dafii 
er»  der  Priester,  sein  Brot  nicht  wert  seit  er  bittet  knieflUlig 
nm  die  Gnade»  Scbflsseln  spflien  zu  dflrfen  n.  s.  w.  Aber  auch 
der  Inhalt  dieser  Korrektur  erscheint  mir,  wie  ich  bei  der  Dar- 
etellnng  des  Lebens  seihst  bPCTönden  werde,  als  eine  Fälschung, 
die  von  der  Vorstellung  ausging,  ein  Heiliger  hnbe  niclit  selb- 
ständig fit.was  wollen  fder  bitten  knrinen.  Hier  bemerke  ich  nur 
noch,  dafs  Yinceoz  von  Beauvais  mit  M.  P.  gebt  ond  yon  der 
Korrektur  der  P*  nichts  weifs  ^ 

g)  In  dio  gleiche  Kategorie  von  Korrekturen  gehört  endlich 
folgende,  welche  bich  wieder  auf  die  letzte  Ölung  des  Antonius 
besieht  Da  beifst  ea  in 
M.  P.  S.  121 : 
Ad  quem  com  ex  more  frater 
qnidam  nnetionem  sacram  ferena 
peroenisset,  intuena  enm  beatns 
Antonios  ait:  Non  necesse  est, 
frater,  ut  hoc  mihi  facias,  babeo 
enim  nnetionem  banc  intra  me ; 
Torumtamen  bonnm  mihi  est  et 
beno  placet,  extensisque  . .  . 

Man  sieht.  reht  Tior)i  weit  über  die  Milderung,  welche 
M.  P  BTiL^obrnrlit  l  atte  ^  binaus  und  merzt  die  ganze  anstöfsige 
Steile  geradezu  aus. 

Aus  welcher  Zeit  diese  Ver&aderuDgen  stammen, 

darüber  geben  uns  die  Bereicherungen  der  Wunder  Auf- 

schlttfe.   ZonAchat  stimmt  auch  hier      mit  M.  F.,  nur  bei 


1)  Vincens  von  BeauTais,  cap.  181.  (NnUa  ergo  de  se  litten^ 
torae  vd  ciOtttlibet  alteriot  utilitatis  babita  mentioae  ad  Dtalrem 
Gratiauum,  qui  tone  Bomaalolae  fratribns  pmeerat,  devotoa  acoeBaili 
logans  bomiliter,  ut  ipsum  a  ministro  generali  petitum  ooUigeret  ac 
disciplinia  regularibos  ipsum  inttrueret,  qnem  itte  benignus  susc^it 
et  locum  solUtodinia  reqairentein  ad  hwemom  montis  Panli  tiamk 
misit  ) 

2)  a  oben  8.  188. 


P»  8.  32: 
Qaamvia  antem  nnctione  Vir 
sanctns  invisibiU  planus  esset» 
cum  debita  tamen  reie* 
rentia  petitum  recipiena 
sacramentnm,  extensisque... 


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ANTONIÜB  VON  PADUA.  L 


189 


den  PanlytiBcfaen  ist  eia  Wunder  mehr  «nftUt,  das  sich 
als  später  eingeschoben  keonaeiohnet  doroh  Erwühnung  einer 
eodesia  S.  Antonii,  welche  Besdchnnng  vor  der  Translation 
der  Gebone  des  Antonias  1363  unmöglich  war.  Es  wer- 
den budann,  wie  schon  erwähnt,  den  Wundern  der  M.  P., 
zwei  TotcuerwL'ckungen  beipfefligt,  weiche  wir  als  noch  zur 
Urlegeude  gehörig  betrachten  dürfen,  dann  aber  worden  vor 
dem  offenbar  auch  der  Urlegende  angehörigen  SchiaTs  noch 
sine  fieihe  von  Tieraehn  Wundem  in  bunter  Beihenlolge 
eingeschoben  y  mit  denen  aUmMhlich  die  Legende  beieichert 
wurde.  Unter  diesen  Wundem  ist  eines,  das  frOhestens 
swanzig  bis  dreifsig  Jidire  nach  dem  Tod  des  Antonius  ge- 
Bchriebcn  sein  kann  ^,  eines  aus  dem  Jahr  1243  das  letzte 
aus  dem  Jahr  1 278 

Wir  sehen  also,  mit  seinen  Korrekturen  und  Be« 
reicherungen  stellt  das  Bild  des  Heiligen  dar,  wie  im 
letaten  Viertel  des  18.  Jahrhunderts  in  den  Kreisen 
der  Minoriten  au  Padua  Ywhanden  war. 

4)  Wenn  wir  nun  in  H.  P.  mit  den  kleinen  Korrektuien 
und  Ergänzungen,  welche  sich  aus  der  Vergleichung  von 
A  und  ergeben,  die  Uriegende  selicn,  ßu  ist  es  scliwierig, 
dieser  gegenüber  die  Stellung  der  Legende  B  zu  bestim- 
men. Papebrocb  hat  sie  aus  einer  etwa  1450  geschriebenen 
Handschrift  abgedruckt,  doch  lag  sie  ihm  auch  noch  in 
swei  anderen  EzempUuran  vor.  Uber  die  Abfassungsaelt 
weiih  er  nichts  su  sagen,  als  dals  sie  wohl  vor  lä63  au 
setzen  sei,  wsü  die  Translation  der  Gebeine  nicht  erwfihnt 
bei  *. 

Zunächst  sei  hervorgehoben,  dafs  diese  Lebende  in  aller- 
nächster Beziehung  zu  M.  P.  steht:  dieselbe  Anordnung  der 
ErzählungBstoffe  und  derselbe  Gehalt  an  solchen,  nur  in  zwei 
Punktsn  bietet  B  sachlich  mehr;  l)  durch  eine  leise  Hin- 
weisaqg  auf  den  baldigen  Tod  der  Eltern  des  HeUigen  ^,  und 

1)  8.  66. 

2)  P'  S.  69. 

3)  P«  S.  71. 

4)  Comment  praeT.  Aota  88.  a.  a.  O.  S.  704,  n.  6. 

5)  B  8.  706,  n.  1. 


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190 


LElIPPy 


2)  durch  Beifügung  einer  dritten  Anekdote  aus  der  Zeit  von 
1222 — 1230^  nämlich  von  der  Kracheinung  des  h.  Franz 
bei  einer  Predigt  des  Antonius^,  einer  Anekdote,  die  aus 
der  Vita  I  des  Thomaa  von  CSelano  genommen  ist  K  Daiu 
kommt  noch  die  Übereinstimmung  von  B  und  M.  P.  in  einer 
ganzen  Menge  von  Phrasen  und  Redewendungen.  Lnmerhin 
aber  stellt  B  eine  Überarbeitung  der  M.  P.  dar.  Sie  läfst 
die  etymoloerischen  Künste  der  M.  P.  weg,  ihic  Sprache  ist 
viel  gefeilter,  gewandter,  sie  hurt  mit  der  Kanonisation  auf 
und  endigt  in  einen  Epiloge  der  die  Grundlage  des  Hymnus 
,,Si  quaeris  miracula''  geworden  ist.  fane  besondere  Appen- 
dix bringt  die  Wunder  und  Ewar  dieselben,  welche  bei  der 
Kanonisation  vorgebracht  worden  wareui  jedoch  um  einige 
auch  in  P'  enthaltene  vermehrt,  auch  in  anderer  (bunter) 
Reihenfolge  und  iu  anderem  W  ortlaut  als  in  M.  P. ;  da  aber 
auch  hier  Einleitung^  und  öchluiswort  des  Wunderberichts 
dieselben  sind,  wie  in  M.  P.  (bzw.  P*),  so  erhellt  daraus 
noch  weiter  (vgl.  oben  S.  180)  die  ursprüngliche  Selbstän- 
digkeit des  Stückes.  Wann  ist  nun  diese  Bearbeitung  d«r 
Urlegende  entstanden?  Auf  Qrond  der  von  Anogoidi* 
nachgewieeenen  ThatsachCy  daCs  B  erst  xwiachen  1302  und 
1319  an  die  Stelle  von  A  in  das  Ordensbrevier  gekommen 
ist,  könnte  man  B  bis  zum  Ende  des  13.  oder  Antaiig  des 
14.  JaliJ  huuderts  hinabi  ucken  wollen.  Allein  schon  der  In- 
halt spricht  dagegen,  denn  in  diesem  Fall  wäre  sie  weder 
so  ruhig  und  nüchtern  im  Ton,  noch  so  frei  von  neuen 
i^ndarischen  Dichtungen.  Daau  kommt ,  dals  die  Sporen 
von  B  schon  weit  früher  nachzuweisen  sind :  n&mlich  a)  die 
von  einem  Augenzeugen  ver&fste  Geschichte  der  iünf  ma- 
rokkanischen Märtyrer  (f  1220),  welche  bestimmt  war,  in 
die  Antoniusloirende  eingefügt  zu  werden ,  beginnt  und 
Bchliefst  mit  A\  urteu,  die  nur  in  B,  sonst  aber  nirgends,  zu 
finden  sind^    b)  eine  Vergleichung  von  B  mit  Vincenz 


1)  B  S.  708,  n.  10. 

2)  S.  Acta  SS.  Oct.  II,  S.  696,  n  48. 

3)  AMOguidi  a.  a.  0.,  foL  XXXVI,  aot.  5. 

4t)  Uber  diese  Legende  der  füof  Märtyrer  ■.  K.  Müller,  Die 


AMTOMIUB  VOM  PADUA.  I. 


191 


von  Beauvaiß  zeigt  unwidersprechlich,  dafs  derselbe  ge- 
rade diese  Legende  B  vor  sich  gehabt  hat,  denn  man  kann 
den  ganzen,  über  Antonius  handehiden  Abachnitt  ans  dODOi 
Speculum  hiatoriale  ftai  Wort  für  Wort 

in  einer  ganien  Masse  von  Itedewendiinge% 
die  rieb  nur  in  B  (ako  aaeb  nicht  in  M.  F.)  finden;  anch 
die  von  B  ans  Thomas  von  Celano  entnommene  dritte 
Anekdote  ist  von  Vincenz  von  Beauvais  an  der  gleichen 
Stelle  eingeschoben ,  nur  die  Wunder  mufs  Vincenz  iu 
der  Gestalt  vor  sich  gehabt  haben ,  wie  sie  in  M.  P.  vor^ 
liegen ;  die  Appendix  zu  B  ist  ja  aber  jedenfalls  später.  — 
Damit  wird  nun  die  Abfsssangseeit  von  B  (oder  doch  ihrer 
wdrtlich  benutzten  y  uns  nicht  eihalianen  Vorlage)  so  weit 
hinan%erQekty  daft  sich  sogar  die  Frage  aufdrängen  kdnnte, 
ob  nicht  am  Ende  B  die  Urlegende  sei.  Was  dem  entgegen 
steht;  ist  eiLJinal  die  (in  B  fehlende)  Vorrede  von  M.  P.  und 
P*,  die  sicherlich  der  Urlegende  angehört,  dann  auch  die 
bessere  Sprache  von  B,  die  zu  jener  Vorrede  nicht  passen 
würde I  endhch  auch  die  Eanschiebung  der  Anekdote  aus 
Thomas  von  Celano.  Doch  glaube  ich,  daXs  B  one  aus  den 
firtthesten  Zelten  stammende^  vidleicht  in  SVankreich  mii* 
standene  Uberarbeituug  der  Urlegende  ist,  welche  &st  die- 
selbe Glaubwürdigkeit  beanspruchen  dai'f  wie  M.  P. 

5)  Die  Legende  S  hat  die  Uberschrift;  Vita  S.  An- 
tonii  Ulysibou.;  professione  Franciscani,  quam  vulgo  a  Padua 
vocant:  scripta  a  quodam  patre  Franciscano  graviter  et 
fideliter.  Dictionem  Fr.  Laur.  Surius  in  gratiam  Lectoris 
mutavit  omissis  plerisque  parum  ad  historiam  facientibus 
absque  tarnen  histonae  detrimento.  Demnach  hat  Surius 
die  von  ihm  vorgefundene  Schrift  sdbst  überarbeitet,  aber 
nur  isu,  dals  er  den  Stil  verbesserte  und  minder  Wichtiges 
wecj^ÜelH.  Aber  die  Handschrift  selbst,  welche  Surius  vor 
sich  hatte,  ist  schon  zusammengesetzt  ^  aus  zwei  Schichten, 
die  sich  scharf  voneinander  abheben^  nAmlich  1)  aus  einer 


Anfange  des  MinoriteQordeuü  uud  der  BuTsbruderschaftea  ^Freiburg 

1085),  S.  204  flF. 

1 ;  Das  bemerkt  schon  Papebrocb  Acta  SS.  a.  u.  0.  S.  704. 


199 


LBMPPi 


Legende,  die  sich  meist  £&6i  wörtlich  ^er  nitcn  Lcp:ende  an* 
Bchlie&t  Kap.  I— X.  XU— XVK  XXXV— XUV;  9)  aus 
«iner  grSAcren  fiahe  von  oingMchobenen  Sülokea  Kap.  XL 
XVP— XXXIV.  XLV.  Lotatere  siiid  kurze  Anekdoten, 
biiiiitlicli  Wunder  dea  Heiligen,  ohne  irgendeine  chrono- 
logiflclie,  lokale  oder  sachliche  ürduimg  ancinandcrgoreiht^ 
Wnnder,  die  Antonias  bu  Lebzeiten  gewkt  haben  boU^  von 
denen  wir  aber  aonat  aus  keiner  Qodle  des  18.  Jafaihnnderls 
etwas  wissen.  Von  diesen  Stücken  wurd  noch  sa  reden 
sein  ^  Die  Legende  selbst  ,  in  welcher  sie  elDgesclioben 
Bind,  ist  breiter  als  ihi*e  Vorlage,  doch  nur  selten  inhalt- 
reicher, getallt  sich  aber  in  erbaulicher  Ausmalung^  im 
übrigen  hat  sie  auch  einiige  Kenntnisse,  die  nicht  ans  der 
Urlegende  gesdidpft  sind 

Wann  diese  Uberarbmtang  stattgefiinden  bat,  ist  nicht 
nachzuwciäca,  vielleicht  erbt  ^ieicli^eitig  mit  Einsetzung  der 
eingeschobenen  Stücke. 

6)  Der  Verüasser  der  Legende  rühmt  sich  der 
Selbständigkeit  seiner  Eraäblong  g^genflber  seinen  Voxgia- 
gem.  Er  bat  dieselbe  lediglich  im  Ausdruck  bewiesen, 
dieser  ist  sehwttlstig,  mit  biblischen  Phrasen  und  Citaten 
gespickt,  oft  nahezu  unverbtündiich.  Sachlich  ist  seine  Ar- 
beit fast  nur  eine  Bearbeitung  von  und  zwar  in  ihrer 
schon  erweiterten  Gestalt*.    Das  sum  Schluls  gegebene 


1)  Siehe  unten  S.  1^*4. 

2)  Selbstäudige  Nachrichten  liegen  z.  Ii.  vor  in  der  [genauen  An- 
gabe von  Namen  nnd  Stund  der  Eltern  des  Antonius  (Kaj)  wie 
sie  sich  erst  im  15.  Jalirhuudert  sonst  v.  i*  der  findet  {hei  »Sicco  Po- 
lentone), ia  der,  übrigens  falschen,  Notiz  über  Don  Pedro  (Dominus 
Petrus  infanS)  serenissimi  regia  Lusitaniae  filius  primogenitus),  in  dos 
Richtigstellung  eines  Citat«  der  M.  P.  (M.  P.  hatte:  „quuujam 
Script ura  teste  non  ihcrosolymis  fuissc,  sed  ibidem  heue  uixissc 
laudabile  est".  Surius  audert:  „quoniam  teste  D.  Uieronymo  non 
Hierosolymis  fuisse"  ctcX 

3)  iSur  in  (  inigen  PuukLen  verbessert  P*  seine  Vorlage:  so  wird 
S.  78  der  Infaiit  Dun  Pedro  zum  Sohn  des  K  iniiLC^  von  Pt)rhigai  ge- 
macht, was  gegenüber  der  Angabe  von  P'  wenigistens  eine  gewisse 
Verbesserung  darstellt.  Die  Etymologie  von  Antonius  ersetzt  P* 
durch  eine  andere ,  noch  wunderlichere,  ftir  das  Erscheinen  des  An* 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  I. 


193 


Versprechen  \  Wunder  su  erzithien^  yan  denen  einige  unier 
•einen  Augen  im  Jabr  1293  in  Padua  geschehen  seien, 

wird  zwar  nicht  gehalten,  bietet  aber  den  (dchersten  Anhaita- 
punkt für  die  Datierung  der  Legende. 

Faaaen  wir  die  Untersuchung  Ober  die  Legenden  kura 
aiuanunen,  ao  ei^^iebt  «eh  fo(gendea: 

1)  Sämtliche  Legenden  des  13.  Jahrhunderta 
liehen  auf  eine  Urlcgende  aurUck,  welche  sich 

im  wesentlichen  mit  M.  P.  dockt.  Fast  gleich- 
wertig mit  ihr  ist  B. 

2)  Charakteristisches  Merkmal  derUrlegende 
ist,  dafs  sie  a)  anfangs  chronologisch  fortschrei« 
ieif  b)  ans  der  Zeit  von  1222  —  1280  nur  zwei 
Anekdoten  erafthlt,  c)  aus  der  ganzen  Lebenszeit 
des  Antonius  keinerlei  Wunder  zu  berichten 
weifs. 

3)  Diese  cliar  akter  istischen  Merkmale  finden 
eich  in  allen  Legenden  des  13.  Jahrhunderts 
wieder. 


tonias  unter  den  Ordinatianikandidatea  m  ForH  wird  8.  87  die  Er^ 
klärUDg  g^ben,  dafs  dort  ein  Proriosialkapitel  gewesen  sei.  Endlich 
finden  wir  hier  S.  90.  91  die  allerersten  Veraache,  jene  Lücke  in  der 
Legende  zwischen  1252—1230  etwas  mehr  auszufüllen,  es  wird  da 
aofser  jenen  drei  Anekdoten  erwähnt  ein  Aufenthalt  des  Antonius  in 
VcrcelH  und  in  etwas  rätselhaften  Worten  das  mannhafte  Auftreten 
des  Heiligen  ge^'on  die  „Neider''  des  Ordens.  Auch  der  Mangel  an 
Wundern  zu  T^«  li/eiten  des  Antonius  wird  jetzt  empfuudeu  und  aus- 
drücklich entschuldigt,  S.  95:  ,, Licet  enim  Sauctus  iste  uonduin 
miraculis  corporalibu»  ubifiue  coruscaret,  potiorihus  tarnen 
indiciis  clariticabat  Domini  niajestatem,''  Ahnlich  hatte  übrigens 
gcbüu  B  S.  707,  n.  9  gesagt:  f,Haec  riquidem  virtus  (d.  h.  die 
Predigtgabe)  in  ipso  clarait  in  oenlis  emniam,  quae  qoidem  mira- 
cnlie  potior,  qaibnt  plurlmi  in  vita  fallaeiter  deciplnn- 
tnr  ...  Sic  igitor  hujot  peregrinationie  iDcolatot  doctrina  et  Tita 
pneclants,  dhinam  In  Sancto  ▼oeatiooem  evidentitnine  pfobat;  quam, 
ut  io  fiae  patebit,  multiples  post  mortem  mixaeiüoram  elaritas  ne- 
eeaearia  conclatione  eonfinnat.** 
1)  8.  108. 

SeitMkr.  t  K.^  XI,  S.  13 


194 


LEUPP, 


4)  Erst  gegen  Ende  des  Jahrhunderts  fängt 
man  die  Lücken  der  Legenden  zu  empfinden 
und  auszufüllen. 

B. 

Dem  Bestreben  y  die  Lücken  der  Legende  betreib  der 
Wunder  aussuföllen^  verdanken  wir  nun  einige  weitere 
Scliriflten^  die  wir  auch  noch  au  den  Legenden  im  weiteren 
Sinn  rechnen  kömien  und  die  trots  ihrer  späten  Ab&ssung 
fUr  Erforschung  dessen,  was  während  dar  Jahre  1223  bis 
geschehen  ist,  von  Wert  sind. 

Es  Bind  das  die  eingeschobenen  ►Stücke  in  S,  dann  der 
L.  M.  und  endlich  L.  (Joni*.  Gehört  auch  der  letztere  an 
sich  in  ein  anderes  Gebiet,  als  das  der  Legenden ,  so  mufs 
er  doch  hier  besprochen  werden,  weil  diese  ganze  Gruppe 
zum  grdlsten  Teil  einen  gemeinsamen  Erzählungsstoff  auf- 
weist und  der  L.  Oonf.  für  Ermittelung  ihres  Zusammen- 
hangs von  besonderer  Bedeutung  ist;  doch  ist  die  Verwandt- 
schal  t  innerhalb  dieser  Gruppe  nicht  so  grois  wie  die  der 
liegenden. 

1)  Die  eingeschobenen  Stücke  in  Ö.  Für  die 
Feststellung  derZeity  da  diese  Einschaltungen  —  allmählich 
ohne  Zweifel  —  entstanden  und  der  Legende  hinzugefügt 
worden  sind,  fehlt  jeder  Anhaltspunkt  Nur  für  einzelne 
Erzählungen,  die  sich  nur  bei  S,  nicht  aber  bei  den  an- 
deren Quellen  finden,  wird  sich  die  Entstehungszeit  annähernd 
feststellen  lassen.  So  niuls  die  Notiz  Kap.  XVI,  welche 
Antonius  als  Urheber  der  Flagellantenbewegung  und  die 
Geüselung  als  eine  löbliche,  noch  heute  in  ganz  Italien  be- 
stehende  Übung  bezeichnet,  vor  der  greisen  Geifselfahrt  des 
Jahres  1349  geschrieben  sein,  da  diese  sehr  bald  euie 
energische  Verurteilung  vonseiten  des  Papstes  erfuhr,  sie 
mufs  aber  anderseits  geraume  Zeit  nach  1260  entstanden 
sein,  da  von  den  damals  Lebenden  die  12GU  von  Pe- 
rugia ausgehende  BewcETunir  als  etwas  durchaus  Neues,  nie 
Dagewesenes  betiachtet  wiude,  also  nicht  auf  Antonius  zu- 
rückgeführt werden  konnte.   Etwas  Weiteres  ist  erst  bei 


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ANTONIUS  \0H  PADUA.  1. 


196 


düi  VergleicLuDg  mit  den  beiden  anderen  Quellen  zu 
sagen 

2)  Von  Wadding  in  mineu  Annale n  wird  wiederholt 
citiert  eine  legenda  b.  Antonii,  sicat  de  ChroniciB  habetur, 
von  dem  BoUandieteiii  der  sie  heraiugegeben  hat^  mitBeeht 
Über  miracnloTum  genannt  Eb  irt  eine  reiche  Sanun* 
long  von  Anekdoten  y  &Bt  auBnahmalos  Wundern ,  welche 
dine  Ordnung  zaBammengeBtettt  i^d.  Es  mag  in  derselben 
EQtn  Teil  altes  Material  mit  echten  historischen  Erinnerungen 
enthalten  sein  aber  für  die  Ausaclieidung  desselben  fehlt 
jedes  Merkmal.  Was  die  Abfassungszeit  betrifft,  so  wird 
einmal  S  citiert  auch  sonst  erscheinen  die  Erzählungen  in 
S  eher  unprünglicber.  Aulserdem  werden  Begebenheitai 
erzäMt  aus  den  Jahren  1243  *,  1292  ja  anoh  1367  ^  Wie 
sehr  die  geschichtiiche  Erinnerung  getrUbt  ist,  zeigt  die  Be- 
hauptung Antonius  sei  als  Chorherr  Genosse  des  h.  Do- 
minikus gewesen.  Motten  also  auch  einzelne  Stücke  früher 
aufgezeichnet  worden  beiii,  so  ist  doch  ihre  Zusammenstel- 
lung zu  einem  Buch  jedenfalls  erst  in  der  zweiten  Hälfte 
des  14.  Jahrhunderts  erfolgt  Bestimmteres  eigiebt  erst  eine 
Veigieicbung  mit  dem 

3)  Liber  Gonformitatum.  Das  bekanntiich  1336 
geschriebene,  berühmte  Buch  enthfili  «ane  Lebensbeschreibang 
des  Antonius,  die  von  grofsem  EinHufs  auf  die  späteren 
Schriftsteller  geworden  ist.  Dieselbe  lehnt  sich  im  ganzen 
an  die  Legenden  an,  flicht  aber  eine  ganze  Menge  Wunder 


1)  Die  Behauptung  Azzoguidi*s  foL  XLU,  not.  12,  die  Erzählung 
8  Kap.  XXX  sei  aus  L.  Conf.  genommen,  entbehrt  jeden  Beweises; 
noch  viel  unhaltbarer  iiatUrlich  ist  die  Berufung  Azevedo's  Dias. 
XXXVII  auf  da.s  Urteil  Papebroch's,  dafil  S  TOT  1263  abge&bt  sei 
wegen  Nicbtcrwiihnung  der  Translation. 

2)  Z  B.  die  Erzählaug  L.  M.  S.  737,  n.  59|  oder  dem  Kern  nach 
auch  L.  M.  ä.  727,  u.  12. 

3)  L.  M.  S.  726,  n.  8  geht  auf  S  Kap.  XX. 

4)  L.  M.  8.  7.H8,  11.  ÜO. 

5)  L.  M.  S.  737,  u.  59. 

6)  L.  M.  S.  739,  n.  6$. 

7)  L.  M.  8.  788k  n.  SO. 

18» 


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196 


des  Heiligen  ein,  die  in  einer  freilich  kaum  erkennbaren 
lokalen  Ordnong  aneinandergereiht  werden.  Beziehungen 
swischen  diesen  und  den  eingeschobenen  Stücken  in  S,  so- 
wie dem  L.  M.  und  ▼orhandeui  aber  nicht  TiUlig  klar.  Ich 
bemerke  darüber  folgendes:  a)  L.  Oonf.  voUaieht  den  Uber- 
gang von  der  Legende  zu  den  Wundem  mit  den  Worten: 
„qnales  fructiis  praedicatio  b.  Antonii  faceret,  aliqua  diram, 
quae  audivi  de  quam  piuribus'^;  von  der  Predigt  unter 
dem  Gewitter  in  Bourges  weifs  er,  dafs  eine  bildliche  Dar- 
stellung derselben  an  der  dortigen  Kirche  in  Stein  gehaaen 
m  sehen  sei  „siout  ego  a  fratre  habui,  qui  yidit  et 
istud  miraculura  mihi  nai  ravit  Die  Geschichte  vom 
Notar,  dem  Antonius  das  Martyrium  voraussagt,  beginnt 
mit  den  Worten  aliud  insero,  quod  a  i'ratrc  hde  digno 
audivi''.  Die  wanderbare  Versetzung  des  Antonius  nach 
Lissabon  beginnt:  „in  Padua  existens  b.  Antonius  rem  yidit^ 
quam  narro  a  dicto  fratre  mihi  relatam^.  Alle  diese 
Erzählungen  sind  aber  zugleich  teils  in  Ö  ^,  teils  in  L.  * 
zu  lesen,  und  zwar  ist  bei  der  Erzählung  von  der  Gewitter- 
predigt eine  Verwandtschaft  zwischen  L.  M.  und  8  nicht 
verkennbar,  dagegen  zwischen  diesen  beiden  einerseits  und 
dem  L.  Conf.  anderseits  nicht  nachsuweisen.  Die  Geschichte 
vom  Notar  ist  bei  awar  Zag  um  Zug  dieselbe,  in  den 
Worten  aber  durchaus  verschieden.  Im  L.  M.  *  ist  diese 
Krzählung  ersetzt  durch  eine  entsprechende  Weissagung  an 
eine  schwangere  Frau  fiir  ihr  Kind.  Dasselbe  Verhalten 
besteht  zwischen  S  *  und  L.  Conl  auch  bei  dem  Wunder 
in  Lissabon.   Im  L.  H.  findet  sich  keine  Parallele  dazu. 

b)  Im  Stil,  in  Redewendungen  und  Wortgebx'auch  be- 
steht eine  nähere  Verwandtschaft  bald  zwischen  S  und  L. 
Con£  gegemUber  von  L.  M.     bald  zwischen  S  und  L.  M. 


1)  S  Kap.  XZn. 
8)  L.  H.  S.  787,  B.  16. 
'     8)  S  Kap.  XI. 

4)  L.  H.  S.  789,  D.  87. 

5)  8  Kap.  XXX. 

6)  So  ist  S  Kap.  XXVII  ahalleh  mit  L.  Conf.,  w$jL  dsgsgea 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  I. 


197 


gegenüber  L.  Conf.  ^  swdmal  audi  zwiMchen  allen  dreien 

niemals  aber  stehen  L.  Cord',  und  L.  M.  allein  naher  zu- 
samuieu  gegen  S.  Einige  Erzählungen  finden  sich  nur  in 
L.  Conl.  und  Ö 

c)  Jeder  der  drei  Autoren  hat  Stücke,  welche  in  keinem 
der  beiden  anderen  dch  finden,  am  wenigsten     am  meiiten 

DarauB  Ittfiit  deh  nnn  mit  Wahredieinliehkett  BchlieÜBen: 

1)  Noch  KUT  Zeit  der  Abfassung  des  L.  Conf.  d.  h.  un 

letzten  Viertel  des  14.  Jahrhunderts  war  die  Legendenbildung 
über  Antonius  in  lebendigem  Flufs,  denn  L.  Conf.  erzählt 
uns  G^eechichteU;  die  uns  sciirii'tiich  erhalten  sind,  nicht  aus 
diesen  scbrifilichen,  sondern  aus  mündlichen  Quellen. 

2)  Dennoch  waren  jene  Ersählungen  (durchaus  Wunder- 
anekdoten aus  dem  Leben  des  Heiligen)  bis  auf  einen  ge- 
wissen Gfrad  fixiert  (d.  b  wohl  eben  in  einsehien  KlQstem 
anfgeseichnet,  aber  TieUeicht  noch  nicht  gesammelt,  jeden- 
falls nicht  allgemein  bekannt),  daher  die  sonst  unerklärliche 
Verwandtschaft  zwischen  L.  Conf.  und  S  auch  in  Stücken, 
wo  Bartholomäus  von  Pisa  sich  auf  mündliche  Überlieferung 
beruft. 

3)  L.  M.  hat  aus  S  geschöpft  ^  aber  nicht  aus  L*  Conf. 
L.  Conf.  kann  aus  einer  Abschrift  des  S  gescbdpft  haben; 
aber  weder  die  ganze  Sammlung  von      noch  der  L.  M. 

lag  ihm  vor. 

4)  Bartholomäus  von  Pisa  lebte  längere  Zeit  ah  T^Iino- 
ritenlektor  in  Padua,  er  hat  das  ausgedehnteste  AFatcriai  für 
seine  wunderliche  Geschichte  vor  sich  gehabt ,  es  ist  daher 


L.  M.  S.  730,  n  2H:  B  Kap.  XXI  mit  L.  Conf.,  dagegen  L.  M. 
S.  726,  n.  7;  8  Kap.  XXIX  mit  L.  Conf.,  dagegen  L.  M.  S.  729, 
n.  26;  S  Kap  XXXII,  mit  L.  Conf.,  dagegen  L.  M.  8.  731,  n.  34. 

1)  So  ist  L.  M.  S.  725.  n.  5  Uhnlich  mit  S  Kap.  XVII.  XVIII, 
Ygl.  dagegen  L.  Conf.;  L.  M.  S.  727,  u.  16  mit  S  Kap.  XVI,  da- 
gegen L.  Conf.;  L.  M.  ü.  731,  u.  32  mit  S  Kap.  XXV,  dagegen 
L.  Conf. 

3)  L.  Conf.  SS  L.  Bl  8.  7fi4,  n.  1  8  S  Kap.  XIX;  dann  L. 
Conf.  s  L.  11  8.  7S9,  n.  25  SS  8  Ksp.  XVI. 
8)  8  Kap.  XXVIIL  XL  XXX. 


198 


LEMPP, 


sieht  wahnohflinlichi  dafs  llmi  dne  Quelle  wie  S  oder  L.  M. 
entgaageii  w&re,  venn  dieeelben  damak  8chon  Yorbuideii 

oder  bekannt  gewesen  wKren.  AndeneitB  ist  der  L.  Conf., 
der  vom  General kapitel  des  Ordens  ausdrücklich  approbiert 
wurdc;  eine  Autorität  im  Minoritenorden  geworden,  die  bald 
alle  anderen  QueUeu  an  Geltung  überragte;  es  ist  daher 
nicht  wohl  m()gÜch|  dais  S  oder  L.  M.  mit  ihren  teilweise 
starken  Abweichungen  viel  spftter  entstanden  oder  susammen- 
gestellt  worden  and. 

Nach  lüle  dem  wird  der  Schluls  erlaubt  sein,  dafs  die 
Einschaltungen  in  S  zwar  der  Mehrzahl  nach  im 
letzten  Viertel  des  14.  Jahrhunderts  vorhanden 
waren,  doch  nicht  alle,  dafs  L.  M.  etwa  gleich- 
zeitig mit  L.  Conf.  oder  eher  noch  später  zu- 
sammengestellt worden  ist,  dafs  endlich  mit  An- 
fang des  16.  Jahrhunderts  die  Anekdotensamm- 
lungen geschlossen  waren.  Sicco  Polentone,  der 
in  Padua  schrieb,  gebt  noch  ziemlich  frei  mit  diesen  Wun- 
dcrerzählungen  um,  während  er  gegenüber  dem  Legenden- 
text eine  kindliche  Abhängigkeit  zeigt  Doch  scheint  ihm 
L.  M.  vorgelogen  zu  haben. 


Es  bl^bt  noch  übrig,  mit  den  gewonnenen  Ergebnissen 
die  uns  überlieferten  Berichte  über  Abiabbuug  von 
Legenden  zu  vergleichen. 

Jordan  von  Giano,  der  1262  seine  Denkwüixligkciten 
verfalst  hat,  erwähnt  ^  einen  Bruder  Julian  von  Speier,  der 
1227  nach  Deutschland  kam  und  qpftter  ^iCine  Geschichte 
des  sei.  Frans  und  Antonius  in  edlem  Stil  und  schöner  Me- 
lodie^ TerfSftfst  habe.  Nun  mdnt  zwar  Voigt  wenigstens  in- 
betreff  der  Geschichte  FVanzens,  dafs  Julian  nur  als  Mu- 
siker die  zum  Festgoitesdieust  gehörigen  Gesänge  komponiert 


1)  Jordan  von  Giano  c  63  in  den  Abhandl.   der  pbil.  Klssse 
der  K.  säeha.  Gss.  der  l/niseateh.  Y,  S.         516  ff. 

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ANTONIUS  VON  PADUA.  I. 


199 


habe  Allein  mit  „  lustoria "  werden  doch  wahrscheinlicher 
die  Lektionen  für  das  Offidom  des  Heiligen  bezeichnet'. 
Und  80  acheint  mir  nicht  nnwiduracheinlich,  dafs  wir  in  A 
db  Arbeit  Julians  haben,  die  noh  dann  fireüieh  daraof  be> 
scbSnkte,  aus  der  vorhandenen  Legende  die  passenden  Stücke 
iierauszunehmen  und  in  Lektionen  zu  verteilen. 

Petrus  Rodulf  US  in  semer  historia  seraphica  (ge- 
schrieben im  16.  Jahrhundert)  nennt'  als  solche ,  welche 
das  Lehen  des  h.  Antonins  geschrieben  haben:  1)  Johannee 
Peckham,  Enlnschof  von  Canterbury  (f  1292),  2)  Johannes 
von  Oremona,  Franziskanerprovinzial  in  der  Provinz  des 
h  Anton;  3)  Matthäus  Pedelarius,  Lektor  in  der  Provinz 
Bologna,  4)  Raymundinus,  Lektor  in  Padua,  5)  Bartholo- 
mäus von  Trient,  Dominikaner,  von  dem  noch  zu  sprechen 
sein  wird^.  Von  den  unter  2,  3,  4  genannten  Personen 
niMen  wir  nichts,  von  dem  ersten  nichts,  was  hier  in  Be- 
tracht käme,  daiit;!'  lät  diese  Notiz  von  Kudulfus  auch  ohne 
Wert  für  uns. 

Wichtiger  ist  eine  Notiz  aus  dem  Firmamentum 
irium  ordinum^,  die  sich  auf  die  Zeit  des  Franriskaner- 
generals  Hieronymus  ab  Asculo  (1274 — 1279)  besieht:  „de 
mandato  istius  Generalis  quidam  magister  multum  iamosus 

magiiac  sufticientiae  et  virtutis  Vitara  B.  Antonii  Patavini 
miro  stylo  composuit".  Papebroch  denkt  dabei  an  S,  ohne 
einen  Qmnd  anzugeben.  Man  könnte  vielleicht  eher  an  P* 
denken,  deren  Stil  im  Geschmack  jener  Zeit  wohl  „ein 
wondenroller'^  genannt  werden  mag,  und  deren  Verfasser 
«neb  ausdrücklich  in  der  Vorrede  sagt,  dafs  er  im  Auftrag 
sclirrjlji-  allein  die  Abfa&sungszeit  dieser  Legende  ist  doch 
wieder  so  viel  später  als  das  Generalat  des  Hieronymus, 
dais  starke  Bedenken  entstehen  müssen. 


1)  Ib.  a  468ff^ 

2)  So  wenigstens  Desifle  im  Atehiv  f.  Litt  und  K.-GsMh.  des 
Mitldslten  I,  639. 

8)  Ada  SS.  a.  a.  O.  70ft,  o.  5. 

4)  &  outen  S.  208. 

6)  Acta  88.  a.  a.  O.  8.  704»  b.  7. 


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300 


LEUFF, 


Weiter  weifs  W ad  ding*  von  einer  anonymen  Lebens- 
beschreibung, welche  131 G  auf  dem  Kapitel  von  Verona 
mit  der  Anordnung  approbiert  worden  sei,  diese  Legende 
im  ganzen  Orden  zu  gebrauchen.  Aus  letzterem  Grund 
kann  eine  der  Padnaner  Legenden  nicht  gemeint  Bein;  man 
könnte  geneigt  sein  an  weldie  ja  nach  AsBogoidi  zwi- 
achen  1809  tmd  1311^  in  den  Minoriienbreneren  an  die 
SteUe  der  älteren  getreten  ist,  m  denken,  allein  dleee  Le- 
gende in  niste  dann,  da  wir  ja  ihre  Spuren  so  bald  finden, 
entweder  im  Jahr  1316  eben  nur  approbiert  worden  sein, 
nachdem  sie  schon  jahrzehntelang  im  Orden  gebraucht  wurde, 
oäer  08  mülste  in  dieaer  Zeit  nur  eine  gana  leichte  Uber- 
arbeitimg der  älteren  von  Vinoena  yon  Beawnda  gebrauchten 
TOJgenommen  worden  sein,  welche  dann  jetat  erat  iqppro- 
biert  wurde. 

Wir  sehen,  hier  ist  alles  unricher,  und  wir  thnn  am 
besten,  uns  mit  der  Erklärung  des  Nichtwissens  zu  begnügen. 


2. 

Anderweitige  Naohrlohten  ana  dem  13.  Jahrhnnderl» 

Als  Quellen  ersten  Banges  für  das  Leben  des  h.  An* 
toniua  wären  natürlich  die  Schriften  des  Heiligen 
selbst  an  nennen.    Allein  abgesehen  davon,  dafs  sie  in 

einem  solcliun  Zubtitnd  überliefert  sind,  welcher  e8  grolsen- 
teils  unsicher  macht,  was  und  wie  viel  darin  wirklich  von 
Antonius  stammt,  so  bieten  sie  uns  überhaupt  keinen  Aui- 
Bchluls  über  das  Leben  des  Verfassers,  so  dais  sie  nur  zu 
seiner  Charakteristik  und  auch  für  sie  nur  mit  Vorsicht  au 
verwerten  sind 


1)  Annales  Minorum  ad  1232,  16  (II,  S.  288). 
3)  Ober  die  Scbriftsa  des  AntOfuns  werde  ich  in  einem  be- 
sondam  Abtehnitt  reden. 


ij  ,  i.y 


Google 


ANTOMIUB  \0H  PADUA.  I. 


201 


Vou  Briefen  und  Urkunden  kommen  in  Betracht: 

1)  die  Kanonisationsbulle  Gregor's  IX.  von  1232 
in  zwei  Ausfertiguogezi  aa  Padua  und  an  den  geeamten 
Klerus  geriohtel^; 

2)  der  kune  Briei  Frans  Ton  AsBisi't  an  Antonius. 
Seine  Oberliefemog  hfingt  freÜich  nur  an  dem  L*  Mt 
der  ja  recht  spät  ist   Doch  soheint  mir  die  innere  Widir- 
scheinlichkeit  für  die  Echtheit  des  ürieichens  stark  genug 
zu  sprechen,  um  die  äuiseren  Bedenken  zu  überwinden. 

Verhältnismäfsig  selten  haben  die  Urdeusgenossen  des 
Antonius  im  18.  Jahrhundert  des  Heiligen  gedacht 

Von  Thomas  von  Celano  ist  schon  der  Anekdote 
gedacht  %  die  bald  in  die  Antonindegenden  ubei^g^  und 
die  insofern  von  Wert  ist,  als  ne  nns  den  beinahe  einzig 
flieheren  Beweis  von  dem  Aofentiialt  des  Antonius  in  Frank- 
reich giebt. 

Dagegen  gedenkt  Jordan  von  Giano  des  Antonius 
überhaupt  nicht. 

In  der  Lebensbeschreibung  des  Andreas  von  Spello 
▼on  der  Htfnd  seines  Schttiers  Thomas  von  Spello  findet 
rieh  eine  knrae,  sicherlich  falsche,  Erwfthnnng  des  An* 
tonius^. 

Salimbene  berichtet  nnr  den  Tod  des  Antonius,  sowie 

die  Translation  unter  Bonaventura  stellt  aufserdem  einmal 
den  wahren  Wunderthäter  Antonius  einem  Antonius  Pere- 
grinus  gleicht'ails  aus  Padua  gegenüber  \  Sein  Versprechen, 
an  anderem  Ort  Genaueres  von  ihm  su  ersäbien     bat  er 

1)  Beide  In  Acta  SS.  8.  723  ff.,  n.  77.  78  und  79-88. 

2)  L.  M.  S.  728,  n.  2a 

3)  S.  oben  S.  190. 

4)  |»A  D.  1231  foit  carcere  coofectus  (nämlich  Andreas)  a  fratVD 
Hella  cum  aliis  sociis  sancti  patria  et  liberatus  a  prefato  Gregorio  TX., 
instante  Snncto  Patre  Antonio  pataviuo.**   S.  Acta  Sä.  ad  b.  Juni, 

f^.  Salvagaini  a.  a.  0.  S.  187. 

.5"^  >fouumenta  bistorica  ad  provincias  Parmensem  et  Placentiam 
pertiuentia.   Chronicon  Salimbene  (Parma  lbö7),  p.  228. 

(\)  Ib.  p.  276. 

7  Ib.  p.  228:  „de  quo  iu  alio  loco  si  fuerii  vita  coinea,  abun- 
dautiua  disseremus  et  copioeins  perorabimuf.** 


202 


L£MPF, 


nicht  gehalten,  namentlich  findet  sich  nichts  Derartiges  im 
über  de  praelato^  der  Geschichte  des  Elias  vun  Cortoua. 

Der  Bericht  des  Thomas  von  Eccleston^;  wohl 
frttheatemi  aus  dem  Jetzten  Drittel  des  13.  JahrhondertSy  über 
die  Thfttigkeit  des  AntomuB  im  Jahr  1230  ist  ao  yerwiiri, 
dals  man  ohne  weiteres  den  gttnzlichen  Mangel  an  moheren 
Nachrichten  über  die  italienischen  Dinge  bei  diesem  eng- 
lichen Bruder  wahrnimmt. 

Bonaventura   hat  in  seiner  offiziellen  Franziskus- 
legende '  nur  wiederholt ,  was  Thomas  von  Celano  giebi 
Zwei  unter  seinem  Namen  gehende  Predigten  über  An- 
tonius '  sindy  abgesehen  davon,  dafs  die  Sermones  de  Sanctis, 
zu  denen  sie  gehören,  mehr  als  zweifelhafter  Eclitheit  sind  *, 
gewlTs  spätere  Machwerke  ^.    Denn  die  Predigten  verraten 
nirgends  die  geringste  durch  lebendige  Uberlieferang  ver- 
mittelte Kenntnis  des  Antonias»  sie  kennen»  mit  Ausnahme 
eines  Falles,  nur  Stoffe,  die  in  den  Legenden  gesammelt 
sind,  und  berufen  sicli  meist  ausdrücklich  auf  sie ;  und  auch 
für  jene  einzige  Ausnalime  (es  ist  das  krasse  ^lirakelstück 
über  das  Herz  des  Wucherers)  berult  sich  der  Verfasser 
aut  eine  sehrifUiche  Quelle*   In  einer  solchen  aber  findet 
es  sich  erst  sdt  dem  14.  Jahrhundert»  wie  ja  überhaupt 
nach  dem  Ergebnis  des  yorigen  Abschnittes  Wunder,  die 
der  Heili^f  zu  I^ebzeiten  verrichtet  haben  soll,  erst  seit  dem 
14.  Jahi'hundert  erwähnt  werden.    Überdies  sind  die  beiden 
Predigten  inhaltlich  für  unseren  Zweck  völlig  wertlos,  wie 
schon  ihr  Verhältnis  zu  den  Legenden  zeigt  Auch  aus  zwei 
anderen»  noch  handschrifUichen»  von  Azevedo  erwähnten 


1)  Monumenta  iVtsaciscana  in  den  „Rerum  Biitaimiesram  medii 
aevi  Bcriptoies'*  ed.  Brewer,  London  1858.  Thomas  de  Eedetton  de 
adveatu  ffatmm  mmomm  in  Angiiam.  OoU.  XU,  p.  44flqq. 

2)  Kap.  IV  der  Lsgeode. 

3)  In  der  Gessrntansgabe  der  Werke  Bonafsotina's  von  Honte, 
Jjfon  1678,  Bd.  m,  S.  260ff. 

4)  Vgl  die  prse&tio  p.  Xllliq.  des  eisten  Bandes  der  neuen 
Aufgabe  der  Werke  BonaTenliiia's,  Qoenachi  1882. 

6)  So  auch  Joea,  I  codid  manoser.  d.  BibL  Anton.,  S*  906,  wo 
die  Sennonen  unter  Nr.  4S0  bespfoehen  eind. 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  I. 


203 


Predigten  Bonaventura's  ^  scheint  sich  nichts  Keueg  zu  er- 
geben. 

Von  den  ]^r'itru;ien  der  Do m i n i k a n er  ist  der  wichtige 
Abschnitt  aus  Viuceuz  von  Beauvais  schon  bei  den 
Legenden  erwäimt  und  verwertet  worden^  deren  Eigentüm* 
IlcJikeiten  er  vSUig  teilt  und  unter  denen  er  daher  beeprochen 
werden  mufste. 

Der  Dominikaner  Barthotonftus  von  Trient  hat  in 
seinen  Gesta  Sanctorum  einen  Abrifs  des  Lebens  des  An- 
tonius gegeben*,  welcher,  uline  Zweifel  1244  gesclirieben 
trotz  seiner  grofsen  Kürze  grofsen  Wert  hat,  weil  er  nicht 
aus  der  Legende,  sondern  aus  persönlicher  Bekanntschaft 
mit  dem  Toten  *  geschöpft  ist 

In  der  übrigen  Litteratnr  des  13.  Jahrhunderts 
finden  wir  hat  gar  keine  Spuren  von  Antonius  und  seinen 
Werken,  was  aus  dem  Chaxakter  derselben  doch  nur  2um 
Teil  sich  erklärt. 

Von  Wert  ist  eine  Bemerkung  des  Abtes  Thomas  von 
Vercelii  Uber  Antonius  in  seinen  Extractiones  de  coel. 
luerarchia  ^. 

Die  zeitgenössische  allgemeine  Geschichte  kennt 
aulser  Tod  uud  Kanonisation  vom  Antonius  nur  einen  Zug, 
sein  politisches  Eingreifen  in  der  Mark  Treviso.  Neben 
einer  ganz  kurzen  Notis  in  der  Vita  Ricoiardi  Comitis 

S.  Bo  11  itazii'^  haben  wir  darüber  einen  nicht  unwichtigen 
Abschnitt  bei  dem  zeitgenössischen  Chronisten  Paduas  Ko- 


1)  Aseyedo,  Dim.  IL  Die  Piedigton  aind  besproehen  toq  Josa 

a.  a.  0. 

2)  Acta  SS.  S.  703,  n.  4. 

3)  S.  Tüb.  Quartalschrit't  LXIIT,  S.  465  ff. 

4)  Der  Abrifs  beginnt:     Antonius  quem  ipso  vidi  et  cognori**. 

5)  Die  Schrift  dos  Thomas  im  Cod.  I^ureuz.  Plut.  XVI  siehe 
Denifle,  Universitäten  I,  730  Anm.  216,  Die  Stelle  am  richtigsten 
wohl  wiedergegeben  im  Supplcmentband  der  Acta  SS.  zum  Jnni  T.  VI, 
p.  124,  ebenso  in  De  la  Ilüyc's  Opera  S.  Franc,  et  S.  Antonii.  In 
breiterer  und  überarbeiteter  Fassung  in  L.  M.  n.  19  und  bei  Wad- 
ding»  Annales  II,  49.  Yen  P*  irird  sie  tls  bskaimt  voiaiugstetit. 

6)  Maratori,  Bentm  Italicamm  Soriptoies  VIII,  p.  126. 


204 


LEMPP, 


cos*,  geboron  1200 ^  BolognMW 

Magister  der  Grammatik  und  Rhetorik,  Fortsetzer  der  go- 
Bchichtüchen  Aufzeichnungen  seines  Vaters  während  der 
Jahre  1222 — 1260,  vollendet  1262  als  Uber  cbronicorum.  Er 
«nfthlt,  was  er  selbst  erlebt  bat,  und  ist  somit  trotz  der 
weseatÜch  rhetarischen  Fonn,  die  es  tot  aUem  liebt^  die 
Helden  schöne  Reden  halten  zu  hissen ,  und  trota  der  ans- 
gesprochenen  Parteinahme  für  die  Kirche  und  die  Herren 
▼on  Este  und  gegen  Easelin  eine  im  gansen  sichere  Quelle. 


3. 

Die  Lebensbeschreibungen  des  h.  Antonios  sind  teils 

selbständicre  Schriften  rrüt  Li  «torischem,  öfters  erbaulichem 
Zweck,  teiib  sind  sie  den  Darstellungen  der  Geschichte  des 
MinoritenordcDs  einverleibt  Durch  die  Quellen  ist  ihnen 
von  selbst  die  Aa%abe  gestellt  gewesen,  die  Legende  mit 
den  WundererzKfalongen  au  verbinden,  und  es  haben  daher 
auch  alle  folgenden  Biographieen  denselben  Qang:  bis  1982 
folgen  sie  der  Legende,  dann  stopfen  sie  möglichst  viele 
Wundererzählungen,  meist  in  buntestem  Durcheinander  in 
die  Lücke  der  Legende,  um  dann  im  letzten  Jahr  wieder 
zur  Legende  zurückzukehren. 

Eine  im  ganzen  recht  gute  Lebensbeschreibung  hat 
Sicco  Polentone,  ein  litterarisch  Tsrdienter  Notar  in 
Padua^  im  Jahr  1433^  wie  er  selbst  sagt|  abgefsTst Seine 
Darstellung  schreibt  vor  allem  P>  und  P*  aus,  ergfinzt  sie 


1)  Muratori,  ib.  VIII,  p.  IGUff.,  hb.  II,  cap.  19  und  Ub.  III, 
cap.  5. 

2)  Zuerst  wkdsr  stu  liebt  gezogen  vonAsiogaidi  in  dem  8.176 
gsoanntea  Werk.  Der  erste  Teil  der  Biographie  ist,  leider  olme  die 
mtfoilen  Anmerlnugen  Aseogoidi's,  irieder  abgedroekt  von  Horoj 
a.  a.  0.  8.  469ff. 


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AKTONiUä  VON  PADUA.  1. 


20b 


aber  durch  eiiischUlgige  geschichtliehe  und  geographisdie 
Notieen,  wobei  starke  Vcrstöfse  nicht  fehlen,  l'ür  einzelne 
Notizen  über  Aütunius  habe  ich  die  Quelle  nicht  finden 
können  K  Die  Wundereraählungen ,  die  er  in  die  Lücke 
1222 — 1230  einschiebt^  bilden  eine  Aoewahl  aus  L.  K. 
Neues  bringt  er  da  nicht 

ROraer  ist  der  Abschrntt  aua  der  Summa  historialis 
des  Ersbiachofs  Antonin  von  Floren«*  (f  1459):  De 
beste  Antonio  de  Padua  ex  speculo  Vincentii  historiali  et 
cronieis  Minuriun  ,  eine  wortgetreue  Abschrift  von  Vincenz 
▼on  Bec^uvais  mit  einem  Einsäte  aus  L.  M.  n.  1.  5.  6.  7. 
8.  14.  16.  26.  23.  24.  27.  19.  20.  Ein  kuxzer  SchluDs  be- 
richtet auch  über  die  Translation  unter  Bonaventura^. 

*  Die  grofae  Ordenachronik  des  Marian« a,  ca.  1460 
entatanden,  hat  an  verMhiedenen  Orten  die  Qeacfaichte  dea 
Antoniua  behandelt  Sie  lag  mir  nicht  vor^  aet  aber  als 
«ine  Hauptquelle  Wadding^a  erwähnt 

Aus  dem  16.  Jahrhundert  stammen  etliche  Chroniken 
des  Minoritenordens,  welche  später  viel  benutzt  wurden. 

Zuerst  die  F ranziskanerchronik  des  Markus  von 
Lissabon  (f  1587  als  Bischof  von  Porto),  deren  erster 
Teil  1666  erachien^.  Im  fünften  Buch  ist  in  36  Kapiteb 
die  Geschichte  des  h.  Antonius  mit  viel  Phantasie  erxfihlt 
In  der  Vorrede  giebt  der  Verfaaaer  die  Quellen  aeioes  Wer- 
kes an,  unter  welchen  aufser  Vincenz  von  Beauvais,  An- 
tonin von  Florenz  und  einer  „L^ende  des  h.  Anionius, 
Clara  und  anderer  Heiligen''  nur  etwa  eine  i^ueiie  „Monu- 


1)  Dahin  rechne  ich  z.  B.  die  Notiz  von  der  Freundschaft  o  Lt 
Venraadtschaft  des  Priesters  au  der  Kathedrale  von  Lissabon  Horoy 
S.  472  u.  a. 

2)  S.  A  n  1 0  n  i  n  i ,  archiepiscopi  Florent  Uistoriale,  Lugdiui'  1512, 
Pars  III,  tit.  24,  cap.  ö. 

3)  Die  von  De  la  Haye  in  seinen  Elogia  (vgl.  auch  Horoy  S.  497) 
angeblich  aus  Antouiu  angeführte  Stelle,  die  wegen  ihrer  Zeitbestim« 
mung  nicht  ganz  ohne  Interesse  wäre,  habe  ich  in  der  mir  sogebote 
■tabasdap  Aasgabe  Biebt  finden  kennen. 

4)  Mir  lag  nur  die  deutaehe  Obenetaoag  von  Karl  Korta  m 
SaaAanan,  liBnohen  1690,  vor. 


206 


LEMPP, 


menta''  noch  auf  Anioniiu  steh  bedehea  kann.  Das  Buoli 
ist  kritik-  imd  wertlos^  nur  wenige  Notizen  bereiehem  das 
bisher  bekannte  Material,  worunter  die  uuf  Purtugal  sich 
beziehenden  am  ehesten  Anspruch  auf  Glaubwürdigkeit  haben 
mögen. 

*  Petrus  Rodulfufi  (Ridolfi),  Bischof  von  Sinigagiia  schrieb 
1686  eine  Historia  Serapbicae  Religionis,  die  bei  Wadding 
eine  grofse  itolle  spielt 

*  Ebenso  Q-onzaga,  De  origine  seraphicae  leligionis 
Fninciscanae,  Rom.  1587;  der  in  der  Art  des  L.  Conf.  die 
eiiizelnen  Proviiizeii  des  Ordens  durciigeht  und  otTenbar  eine 
Menge  Klostertraditionen  gesammelt  hat. 

Dem  17.  Jahrhundert  gehören  an  die  oft  citierten 
Werke : 

*  Pacheeo^  Epitome  de  la  Vida  de  S.  Antonio  de 
PadoYSy  Madrid  1646  (lateinisch  Luzem  1658). 

*  G.  Card 080  im  dritten  Band  seines  Hagiologinm 

Lusitanum,  unter  dem  13.  Juni^  herausgegeben  1666. 

*  Pietro  Saviolo,  Area  del  Santo  1672. 
Wichtiger  ist  De  la  Haye,  iS.  Fransisci  et  S.  Antonü 

Faduani  opera  oumia,  Paris  1641  S  ^^^^  Sammlung  aller 
irgend  dem  Heiligen  zugeschriebenen  Schriften.  Den  Schriften 
ist  ein  Lebenslauf  und  eine  Sammlung  von  elogia  über  den 
Heiligen  Torangestellt  Der  Lebenslauf  des  Antonius  von 
De  la  Haye  ist  ohne  Wert,  bietet  nichts  Neues,  namentlich 
ist  kein  Versuch  gemacht,  die  herausgegebenen  Schriften  des 
Antonius  für  die  Biograplne  zu  verwerten. 

W  ad  ding  in  seinen  berühmten  Annalcs  Minor  um* 
benutzt  hauptsächÜch  Marianus^  RodulfuS;  Gonzaga  und  L.  M. 
für  Antonius.  Die  Annalenform  seines  Werkes,  die  ihn  zu 
chronologischer  Verteilung  dee  ihm  Torliegenden  Materials 
zwange  ist  hauptsächlich  schuld ,  dafs  sdne  Darstellung  des 
Lebens  des  Antonins  ganz  unbranohbar  ist;  und  sein  be- 
stimmender Vorgang  war  für  die  Späteren  verhängnisvolL 


1)  Die  späteren  Augsbenlgron  1651  und  8tedtsmhof  1789  wann 
mir  nicht  sngänglieh. 

8)  Die  Annslen  Isgen  mir  in  der  sueitsa  Anfls^  Born  1788  vor. 


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AM  ONIUS  VON  PADUA.  I. 


207 


Papebroch  in  den  Act«  SS.  ahnt  den  Stand  der 
Quellen,  er  empfindet  in  der  von  ihm  sum  Abdmek  ge- 
brachten Legende  B  die  Lücke  von  — I23u  und  sucht 
sie  durch  einen  Gmbolismus  ex  Waddingo  et  Siirio"  aus- 
zutullen,  treüich  mit  völligem  Verzicht  aui'  irgendwelche 
Ordnung  in  diesem  Abschnitt. 

Im  18.  Jahrhundert  war  es  vor  allem  Italien,  das  mit 
grolsem  Fleils  die  Forschungen  auf  diesem  Gebiet  des  Mittel- 
alters  aufoahm.  Der  Au&chwung  der  GeBchichtsforschung, 
der  durch  die  Namen  Muratori,  Mansi,  Verci  u.  a.  gezeichnet 
ist,  kam  auch  den  Biographieeu  des  h.  Antonius  zugut. 

Die  erste  und  von  den  späteren  als  Autorität  ersten 
HaDges  verwertete  Arbeit  über  Antonius  in  diesem  Jahr- 
hundert war  die  von  Angelico  da  Vicenza  in  Bassano 
1748  erschienene  ^.  Als  seme  Quellen  nennt  er  awar '  fast 
nur  solehe,  die  uns  bekannt  sind,  aber  er  hat  daneben  ein 
sehr  reiches  Material  zusammengebracht,  besonders  aus  Oher- 
italien, aus  Spezialuntersuchungen,  Klostertraditionen  u.  dgL, 
so  dafs  namentlich  über  die  Jahre  1222 — 1230  eine  ganze 
Fülle  neuer  Nachrichten  geboten  wird.  Mintiestens  ebenso 
grois  ist  aber  die  Bedeutung  dieser  Arbeit  dadurch,  daü» 
hier  zuerst  ein  wissenschaftlicher  Versuch  gemacht  wird,  eine 
chronologische  und  lokale  und  sachlich  passende  £ntwicke- 
lung  der  Jahre  1222 — 1230  zu  gebeui  wobei  ein  erstaun- 
licher Scharfsmn  und  eine  noch  erstaunlichere  Phantasie  auf- 
geboten wird.  Dafs  dennocli  der  Entwurf  nicht  ganz  ge- 
lungen ist,  daran  hi  grofsenteils  Wadding  schuld,  dessen 
vei'wiiTende  Angaben  Angelico  nicht  recht  anzutasten  wagt. 

Der  nächste,  der  sich  mit  Antonius  beschäftigt  hat,  ist 
Az  zogttidi  (1757}.  £r  hat  zwar  kein  Leben  des  Antonius 
geschrieben,  aber  hat  in  den  Anmerkungen  zu  Sicco  Polen- 
tone's  Schrift  ein  überaus  schltIzenswerteB  Material  mit  kri- 
tischem Sinn  beigebracht   Er  hat  namentlioh  das  Archiv 


1)  La  Vita  di  S.  Antonio  di  Padont  colla  storia  della  siia  8e- 
pidtna,  Cnnoidssaikme,  Tnslasioiie  e  de  Miiaooli  da  kii  dopo  tnorte 
operati  [ete.]. 

2)  Lib.  IV,  eap.  85. 


208  LEIIPP; 

voa  A8aid  ausgabeutei  und  in  Mbar&tnnigen  Untersnchungen 
mchtige  Urkunden  ans  jenem  Archiv  yeroffiantlicbt  und  ver- 
arbeitet   Er  bat  als  ein  leiner  Kenner  der  ersten  Zeiten 

des  Mmoritenordens  von  jener  Zeit  richtigere  Anschanungen 

und  Le&sere  Grundlagen  als  seine  Vorgiinger.  Auch  in  der 
Chronulogie  des  Lebens  des  Antonius  macht  er  entschiedene 
Fortschritte. 

*  Das  von  Azsogoidi  herausgegebene  Material  ist  wohl 
zuerst  verarbeitet  worden  zu  einer  Biographie  des  Antonios 
von  dem  Observanten  Luigi  da  Missaglia,  Parma  1776^ 
dessen  Werk  von  Azevedo  sehr  gelobt  wird^  mir  aber  nicht 
zugänglich  war. 

Wertvoller  jedenfalls  die  treffliche,  kleine  Arbeit  des 
Konventualen  Agu8tino  Arbusti,  Ikssano  1786  *.  Ar- 
busti  hat  nicht  nur  die  von  dem  iioliandisten  und  Azzoguidi 
hmusgegebenen  Quellen,  sondern  auch  die  damals  noch' 
nicht  gedruckten  Legenden  P'  und  benutzt,  hat  auch 
neues  Material  besonders  buisichtlich  Paduas  beigebracht^ 
eine  treffliche  chronologische  Ordnung  hergestellt;  auch  die 
Untersuchung  über  die  Schriften  des  Antonius  ist  für  die 
damalige  Zeit  recht  gut. 

Nahezu  alles,  was  über  Antonius  geschrieben  und  ge- 
druckt war,  hat  endlich  zusammengel'ai'st  der  Mann,  dessen 
Arbeit  die  Hauptqnelle  für  alle  modernen  Bearbeitungen 
geworden  ist,  Emmanuel  de  Azevedo  Ein  portugie- 
sischer Edehnann,  wie  Antonius  selbst ,  bat  er  nach  seiner 
eigenen  Angabe  schon  seit  frühester  Jugend  ein  ganz  be- 
sonderes Interesse  für  seinen  heiligen  Landsniauu  gehabt. 
1713  i;«  l)oien,  wurde  er  später  Jesuit,  von  Benedikt  XIV. 
nacli  Iii  an  geruten  und  mit  gelehrteu  Arbeiten  beschältigt 
Er  besuclite  öfters  Padua,  lernte  die  dortigen  Quellen  kennen, 
durchforschte  namentlich  auch  die  Bibhothek  ö.  Marco  in 
Venedig  und  konnte  sich  rühmen,  mehr  als  hundert  Lebens- 


1)  Den  Titel  siehe  oben  S.  184  Anm.  2. 

2)  Den  Titel  s.  S.  177  Anm.  2.  Es  giebt  auch  noch  eine  ▼ierts 
Auflage,  Venedig  1818.  Die  schlechte  deutsohe  Übenetsnag,  Bosen 
1888|  arnfsTst  nur  dea  sistea  TeU  des  Werkes. 


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AKTOMUS  VON  PADUA.  L 


209 


beschnibungen  und  zwanzig  Legenden  seines  Heiligen  ge- 
lesen zu  haben.  1786  gab  er  ein  lateinisches  Gedicht  ,,fa8ti 
Antoniani"  und  1789  in  italienischer  Sprache  seine  y|Vita 
del  Tanmatiu^  Portoghese  S.  Antonio  di  Padova''  heraus. 

besteht  ans  nwei  Teilen:  im  enfen  werden  in  drei  Bü- 
chern das  Leben,  Sterben,  Eanonisationi  Reliquien  nnd  Wun- 
der des  Heiligen  beschrieben,  Im  «weiten  werden  in  sechzig 
Dissertationen  die  Behauptungen  des  ersten  Teiles  belegt. 
Materiell  bietet  übrigens  Azevedo  nichts  ^^elbständiges,  er 
ist  überall  abhängig  von  seinen  V'orgängern,  namentlich  von 
Arbosti,  nur  ist  er  unendlich  viel  breiter,  salbungsvoller. 
£•  f^lt  ihm  nicht  gerade  an  formal  kritischer  Begabung, 
die  er  E.  R  Sicco  Polentone  gegenfiber  beweist,  aber  er  ist 
absoluter  Advokat,  blindester  Bewunderer  seines  Heiligen; 
was  zu  dessen  Verberriiebung  beitragen  kann,  ist  ihm  von 
vornherein  \valir,  was  dieselbe  irgend  beeinträchtigen  kann, 
von  vornherein  falsch. 

Mit  Azevedo  ist  die  Forschung  über  das  Leben  des 
h.  Antonius  eigentlich  abgeschlossen.  Seitdem  ist  wohl  eine 
ganze  Beihe  von  Hqgraphieen  des  Antonius  erschienai,  aber 
alle  sind  ohne  selbstttndigen  Wert  ErwShnt  seien  nur  noch 
folgende: 

Guyard,  S.  Antoine  de  Padoue,  sa  Tie,  ses  Oeuvres  et 
son  temps,  2  ed.,  Paris  1868,  ein  Werk  ohne  jedes  eigene 
Urteil.  Die  Phraseologie  ist  noch  woit  leerer  und  unnatür- 
licher als  bei  Azevedo.  Die  Betrachtung  der  Zeit  besteht 
hauptsächlich  in  Oitation  einiger  Abschnitte  aus  den  be- 
kannten Werken  von  Rohrbacher  und  Duchesne.  Inbezug 
auf  die  Werke  des  Antonius  ist  ein  Auszug  der  Heiligen* 
predigten  aus  De  la  Haye  gegeben,  gerade  der  am  sicher- 
sten unechten  unter  den  Sermonen,  die  De  la  Haye  zum 
Abdiuck  bringt,  aufserdem  >imi  einige  der  von  Azzoguidi 
herausgegebenen  Psalmen  ausgezogen.  Dies  Werk  tritt  mit 
der  Prätension  eigener  Forschung  auf! 

Das  thut  nicht  das  Büchlein  des  englischen  Jesuiten  Co- 
leridge,  The  chronide  of  S.  Antony  of  Padua,  London 
1876.   Ooleridge  will  selbst  nur  eine  Bearbeitung  von  Aae- 

ZnUaehr.  1  K.-0.  XI.  S.  14 


210 


LBMPPy 


vedü  geben  und  hat  nur  in  der  Geschichte  der  fünf  Mär- 
tyrer von  Marokko  den  Markus  von  Lissabon  noch  heran- 
gezogen. 

Auch  die  Arbeit  de»  Benediktiners  Gabriel  Mcycr, 
„Der  h.  Antonius  von  Padua ^  sein  Leben,  Beine  Wunder 
und  eeine  Verehrung 'S  Einsiedeln  1881,  ist  wenig  anders 
als  eine  Bearbeitung  von  Asevedo,  obgldch  auch  noch  an- 
dere HUftmitiel  benfttat  sind.  Namentlich  fehlt  jede  Spur 
von  eigenem  Urteil. 

Die  neueste  Arbeit  über  Antonius  ist  das  piek-igekiöute 
Werk  von  balvagniniV  Der  Verfasser  safs  in  näch- 
ster Nähe  der  Quellen  und  hat  auch  noch  tüchtige  Mit- 
arbeiter gehabt aber  er  bat  es  unterlassen,  die  Quellen 
auf  ihren  Wert  au  prüfen  und  entsprechend  au  yer- 
werten^  daher  greift  er  in  kindlichster  Kaivittt»  wo  ihm 
die  Quellen  des  IB.  Jahrhunderts  ausgehen,  au  solchen  aus 
dem  14.  und  15.,  ja  recht  gerne  auch  aus  dem  18.  Jahr- 
hundert und  verleibt  die  Angaben  dieser  Quellen,  grorsen- 
teils  ohne  sie  zu  nennen ,  seiner  Geschichte  ein ,  als  wären 
sie  zeitgenössische  Nachrichten.  Für  den,  welcher  ertahren 
will,  was  wirklich  geschehen  ist,  ist  diese  Arbeit  darum  fast 
ohne  Wert,  da  der  Ver&sser  keine  Ahnung  von  Geschichts- 
wissenschaft hat 


1)  Den  Titel  8.  oben  8.  177,  Anm.  3. 

2)  S.  Vorwort  8.  zui.  Da  bedankt  sieh  Sulv.  bei  den  Herren, 
,»che  in  questo  lavoro  coadlurarono  le  mie  ricerche'^  (in  dem  Proia- 
aasschreiben  hatte  es  geheifsen,  die  Arbeit  müsse  die  Fracht  eigener 
Forschungen  Bcin!).  „E  primo  mi  corre  debito  di  nominare  il  signor 
E.  Alvisi,  bibliotecariü  dclla  Cftsanatense,  che  fece  per  mio  conto 
indagiui,  le  quaii  mi  risjjariniaroiio  fatiche  e  spesc  uon  lievi'*  '^ohue 
Zweifel  liat  dieser  diü  zahlreicheu  Auszügo  aus  deu  uugetliuckten 
Quellen  der  historia  de  scptem  tribul.  von  Augelo  de  Clariuo  und  der 
Chrouica  XXIV  generalium  geliefert),  „poi  il  mio  CÄfissimo  amico 
M.  Girardi,  bibliotecario  dcU'  UuiversitU  di  Piwiova,  li  M.  Aut. 
M.  Josa  dell*  Antonisna,  il  nobile  Camillo  So  ranz  o  della  Marciaoa, 
e  dopo  U  ooDsegoimento  del  piemio  Möns.  Jaeepo  Bernardi  e 
prof.  comm.  Qinseppe  de  Leva  (einer  der  Pkeitriohter) ,  nonebft 
i  aigg,  Carlo  Celio  Magno,  mg.  Comelli  e  profenor  A  Dali* 
Aeqiia*GiuitK 


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ANTONIUS  \0H  PADUA.  I. 


211 


Ich  werde  diese  neueren  Arbeiten  nicht  berücksichtigen, 
noch  kritisieren,  sondern  unter  ausschlieMicher  Benutzung 
der  alten  Quellen  nach  den  Forderungen  der  geschichtlichen 
WiaaeiiBchaft  die  Geschichte  des  Antonius  nen  zu  schreiben 
venachen. 


Nachtrag  zu  S.  198  ff. 

In  Giafsberger's  Chronik  (Analecta  Franciscanay  Quaracchi 
1887,  T.  II),  die  leider  erst  nach  Absendang  der  Korrektur- 

bugeij  mir  zugänglich  wird ,  findet  sich  S.  90  die  Notiz : 
„Ciaruit  eodem  tempore  fl277]  frator  Johannes  de  Peczano 
yir  magnae  suificientiae  et  virtutiä,  multum  famosus  ma- 
gister  saerae  theologiae,  qui  de  mandato  fratris  Hieron jmi, 
Qeneralia  Mimstri,  yitam  beati  Antonii  Paduani  miro  stilo 
conscripait,  quamvis  frater  Jnlianas  de  Spira  Theutonicns 
ciuitur  Piirisicnsis  et  corrector  mensae,  liistoriam,  antiphonas 
ac  legendam  compeudiosiorem  oiim  tempore  frati'is  Johannis 
Parentis,  Ministri  generalis^  digessisset."  Wenn  diese  Kotia^ 
derai  Quelle  mir  freilich  unbekannt  ist^  richtig  ist^  so  geht 
daraus  henror:  1)  dafs  Julian  von  Speier,  dsae  sowohl 
eine  Legende  als  &ne  Historie  des  b.  Antonius  verfaist  hat, 
Verfasser  der  Urlepende  und  der  Legende  A  ist 
(vgL  die  Zeitbestimmung  Generalat  des  Johannes  Parens  mit 
doD  oben  Ö.  181  Gesagten) ;  2)  da  der  im  Firmamentnm 
tr.  ord.  genannte  magister  multum  famosus  nach  Glaisberger 
Johannes  Peckham  ist,  der  1292  als  Erabischof  von  Canter^ 
bury  starb,  so  kann  die  von  ihm  verfafste  Legende  nicht 
die  Ltgciide  P'  sein,  welche  nach  1203  in  Padua  ent- 
standen ist 


14* 


* 


Ober  die  RedenluDg  der  Verträge  von  KadM 
und  Wien  (1534-1535)  für  die  deatscbeB  Pro- 

testanteo« 

Von 

Dr.  Otto  Winckelmauu 

iu  Strafsburg  i/E. 


So  sehr  wir  im  allgemeinen  Ursache  haben,  den  genialen 
Scharfblick  zu  bewundem,  mit  welchem  unser  grofser  Hi- 
«toriker  Ranke  in  seiner  Beformationflgeschichte  selbst  da, 
wo  ihm  nur  Ittckenhaftee  Material  augebote  stand,  den  Zu* 

siuiinienliaug  der  Dinge  und  die  leitenden  Bew^gründe  der 
Staatsmänner  enträtselt  hat,  so  dürfen  wir  uns  docii  nicht 
verhehlen,  dafs  die  Einzeliorschung  —  welche  hier  der  Ue- 
samtdarstellong  folgt,  anstatt  ihr  voranzugehen  —  noch  oft 
genug  Irrtfimer  der  Ranke'schen  Oeschichtschreibang  aof- 
zudecken  und  zu  berichtigen  haben  wird.  Mit  dem  Fall, 
den  ich  an  dieser  Stelle  bduuidclii  möchte,  hat  es  nun  eine 
eigene  Bewandtnis  insofern,  als  lianke  hier  zu  einem  über- 
einstimmenden, ausdrücklichen  Zeugnis  der  sonst  von  ihm 
hoch  geschätzten  Quellen,  Sieidan  und  Seckendorf ,  in  ent* 
schiedenen  Widerspruch  tritt  und  sich  dabei  auAer  auf 
innere  Wahrsdieinlichkeitsgrttnde  nur  auf  ein  Aktenstüdc 
stützt,  welche  s  i  iir  seine  Annahme  diirchans  keine  zwingende 
Beweiskraft  besitzt:  gewifs  ein  auffallendes,  bei  diesem  Hi- 
storiker nicht  leicht  zu  beobachtendes  Verfahren. 

Eh»  wir  auf  den  Fall  näher  eingeheni  muls  ich  einiges 
zur  Orientierung  vorauftchioken.  Der  sogenannte  Kttmberger 


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'WINCKELMANN,  VEKTUÄÜE  VON  KADAN  ÜKO  WIEN.  213 


ReügionBfinede  Ton  1532  war  trots  des  günstigen  EinflusBeB, 
den  er  auf  die  Entwickelang  des  Protestantismus  geübt  hat, 

doch  keineswej^  eine  Übereinkunft,  welche  eine  dauernde, 
teste  und  imauibchtbare  Grundlage  für  das  Verhältnis  der 
beiden  Keligiou^^parteien  im  Heich  abgeben  konnte;  dazu 
war  —  abgesehen  von  seiner  provisorischen  Geltung  bis 
zum  Konzil  —  aein  Inbalt  viel  za  zw^dentig,  Terachwom- 
men  und  unbestimmt   Das  kam  daher^  weil  man  sich  trots 
monatelanger  Beratung  Über  die  Regelung  der  grandlegen- 
den Fragen  nicht  hatte  einigen  können,  sondern  sich  am 
Schluls  ebenso  schroff  gegenüberstand  wie  beim  ]3eginn  der 
Verhandlungen.    Um  nun  doch  nicht  völlig  umsonst  getagt 
zu  iiaben,  hatte  man  gana  im  8inne  der  Staatskunst  des 
16.  Jahrhunderts  den  Ausweg  gewählt,  alle  jene  Fragen  zu 
umgehen  und  einfach  bis  aum  Konzil  oder  bis  zu  andsr- 
-  weitigen  Beschlüssen  eines  Reichstags  einen  Landfrieden  za 
verkünden^  des  Inhalts,  da(s  kein  Stand  der  Religion  wegen 
irgendetwas  Gewaltthätiges  durch  JBelehdung ,  Beraubung 
oder  dergleichen  unternehmen  sollte.    Hierdurch  waren  die 
l'ruteataoten  also  provisorisch   vor   bewaflfneten  Angriflfen 
Bicbergcstellt;  um  ihnen  nun  auch  Schutz  gegen  gerichtliche 
Angriffe  zu  gewähren,  versprach  der  Kaiser^  in  Sacheui 
welche  den  Glauben  belangten,  kein  Prozedieren  des  Kammer- 
gerichts gegen  sie  zu  dulden.   Diese  Bestimmungen  waren 
so  aligemein  und   schwach  umgrenzt,  dafs  jede  Partei 
sich  dieselben  zu  ihrem  Vorteil  auslegen  kuinite.  NaLaieii 
die  Protestanten  durch  Schliefsuug  von  Klöstern,  Verwen- 
dung von  Stiftsgütem  für  milde  Zwecke  u.  s.  w.  religiöse 
Veränderungen  vor,  welche  irgendeine  vermögensrechtliche 
Schftdigang  der  päpstlichen  Partei  mit  sich  brachten,  so 
klagte  letztere  alsbald  Uber  Bruch  des  Friedens  und  schickte 
den  Gegnern  doreh  das  gesinnungsverwandte  Kammergericht 
einen  IVozels  nach  dem  anderen  auf  den  Hals.  Bericteu 
sich  dann  die  Lutherischen  auf  das  kaiserliche  Verbot,  in 
Glaubenssachen  zu  prozedieren,  so  wurde  von  der  anderen 
Seite  behauptet,  dafs  es  sich  in  den  vorliegenden  Fällen  gar 
nicht  um  Glaubenssachen  handele.   So  spitzte  sich  schÜefih 
lieh  der  Streit  auf  die  Frage  zu,  was  als  Sache,  die  den 


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214 


WIKCKELMANN, 


Glauben  belange ,  zu  betrachten  sei  und  was  nicht.  Der 
Kaiser,  um  nähere  Deünition  des  Begriffs  angegangen,  ant- 
wortete ausweichend  und  überliefs  dem  Kammergericht  die 
Entacheidimg^  welche  gemäls  der  ZoBammenaetzang  des  Ge- 
richtshofes  natürlich  im  papistischen  Simie  ansfid.  Die 
Prozesse  in  den  streitigen  Sachen  dauerten  deshalb  fort  und 
weder  die  von  den  Protestatrten  vorgenommene  Rekiisation 
des  Gerichts  noch  König  erdinand's,  des  kaiserlichen  Bru- 
ders und  Stellyeryertretersy  Kadaner  Zusage,  dafs  er  den 
Stillstand  der  Prosesse  verschaffen  wolle,  konnte  eine  An- 
demng  bewirken. 

Ein  weiterer  Naehteii  des  Nürnberger  Friedens  lacr  für 
die  Anhänger  der  neuen  Lehre  darin,  dafs  jene  Konzession 
bezüglich  der  Prozesse  auf  die  bei  den  Verhandlungen  des 
Jahres  1532  beteiligten  und  ausdrücklich  benannten  Prote* 
stierenden  beschrftnkt  war.  Dadurch  entbehrten  die  zahl-  ' 
reichen  StttudCi  welche  sich  seit  1533  der  Augsburger  Kon* 
fession  angeschlossen  hatten,  jedes  rechtlichen  Schutzes  bei 
ihrem  reformatorischen  Beginnen  und  waren  dem  Vorgehen 
des  Kammergerichts  gegenüber  wehrlos.  Die  Bemühungen  der 
Evangelischen  waren  daher  bei  jeder  Gelegenheit  dahin  ge- 
richtet, diese  Schranke  des  Kfimberger  Vertrages  zum  Fall  zu 
bringen.  So  verfolgte  Johann  Friedrich  von  Sachsen  na- 
menthcli  bei  seinen  Verhandlungen  mit  Ferdinand  im  Jahre 
1535  zu  Wien  das  Ziel  einer  Erweiterung  des  Friedens  auf 
alle  seine  Glaubensgenossen ,  neue  wie  alte,  mit  grofsem 
Eifer^  allein  —  wie  wenigstens  Sleidan  und  Seckendorf  mit 
Bestimmtheit  aussagen  ^  — '  ohne  Erfolg. 

Dem  gegenüber  behauptet  nun  Ranke  * ,  der  Kurftirst 
habe  sein  Ziel  doch  erreicht;  in  der  Thatsache,  dafs  die 
namentliche  Auizäiiiuug  der  protestierenden  btände,  wie  sie 
im  Jahre  1532  geschehen,  diesmal  unterlassen  sei,  liege  die 
wichtigste  Konzession  des  Wiener  Vertrages ,  und  letzterer 
charakterisiere  sich  dadurch  als  „ein  nicht  zu  übersehender 


1)  Sleidan,  De  statu  religioiua,  ed.  Am  Ende  1,546;  Seeken- 
dorf* Oommeiitarins  de  LuthsnuiisiDO  III,  13  $  35  add. 

3)  „Deutsche  Qesehichte  Im  Zeitalter  der  Befönnatioa**  lY,  G& 


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DIE  VERTÜÄOE  VON  KADAN  UKÜ  WIEN. 


215 


Sdiritt  btt  dem  flystematischen^  BtUlen  Gange''  der  deatschen 

Angelegenheiteil. 

Von  jüngeren  Gelehrten  pflichtet  namentlich  Mauren- 
brecher  diesen  „  treffenden "  Bemerkungen  Ranke's  ausdrück- 
lich bei  während  Waitz  zunächst  einige  Zweifel  gehegt  zu 
haben  scheint,  bis  er  den  von  Ranke  noch  nicht  gekannten 
Artikel  des  Wiener  Vertrages  im  Stattgaiier  Archiv  fand  und 
im  drebehnten  Bande  der  „ForKhnngeii''  verdffsntlichte  * 
Auf  Ghnmd  dieeee  Ffmdee  kommt  er  dami  ebeoftlk  sa  dem 
Besoltat)  daft  Ranke  recht  habe,  und  dafs  och  wieder  ein- 
mal zeige^  v^^^  wohlbegründet  das  Milstrauen  sei,  welches 
man  Sleidans  Geschichte  auch  da  entgegenbringe,  wo  er 
authentische  Akten  zu  excerpieren  scheine " Man  sollte 
nun  nieinen,  dals  ein  so  hartes  Urteil  über  die  Zuverlässig- 
keit der  hervorragendeten  zeitgenössischen  Quelle  nicht  ohne 
die  triftigsten  Bewdse  ausgesprochen  sein  kdnne;  trotadem 
stellt  sich  heraus»  dafs  das  Dokument,  auf  das  sich  Walte 
heneht,  die  Frage  mindestens  ofien  UUst.  Dasselbe  besagt 
nämlich  tolgendes :  Der  Kuriiirst  habe  sich  bei  König  Fer- 
dinand beklagt,  dals  das  zu  Kadan  gegebene  Versprechen 
einer  Sistierung  der  religiösen  Prozesse  gegen  die  im 
Nürnberger  Frieden  benannten  protestierenden 
Stände  nicht  „in  gar  wirgliche  volziehung^'  gekommen 
und  also  bisher  nicht  erfüllt  sei;  deshalb  verpflichte  sich 
der  KOnig  hiermit  nochmals ,  ,,nach  Inhalt  des  Numbergi- 
schen  und  Kadanischen  vertrage''  fUr  wirklichen  Stillstand 
der  Prozesse  „gegen  den  Kurlurstc^n  und  seine  Zugewaiitlten" 
Sorge  tragen  zu  wollen.  Kann  man  nun  diese,  doch  ziem- 
lich unzweideutige  Ausdrucksweise  dahin  verstehen,  dafs  die 
Beschränkung  der  Konzession  auf  die  im  Nürnberger  Frie- 
den namhaft  gemachten  Stftnde  stülschweigend  fallen  ge- 


l)  Iffaurenbreeher,  Karl  Y.  und  die  dentschsa  Piotestaatm, 

3)  „Fdnehaagsn  sor  dentsehea  Getehlehto'*  XIII,  875. 

3)  Ein  Zweifel  an  disssr  von  Walts  beatätfgtea  Anffitssang  Ranke's 

trild  nur  von  Janfsen,  Geschichte  des  deutschen  Volkes  ITT,  820 
Aam.  geänlaart,  jedoch  ohne  irgendein  n&hefes  Eingehen  auf  die  Frage. 

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216 


WnrCKMiMAWK, 


lassen  sei?  Ich  glaabe  nicht.  Die  einzige  Veränderung  im 
Wortlaut  welche  man  bei  peinlichster  Abwägung  der  Aus- 
drücke noch  yerlangen  könnte,  um  jeden  Zweifel  über  dem 
Sinn  der  Urkunde  su  beseitigen,  wäre  die,  dnls  am  ScUni» 
noch  einmal  gesetzt  wäre:  gegen  den  KurfÜrsiea  und  «im 
im  Nürnberger  Frieden  benannte  Zugewandte", 
anstatt  blofs:  ,,c^egeti  den  Kurfürsten  und  seine  Zufrewandte*^ 
Jedem  unbelangenen  vorurteilslosen  Leser  des  Aktenstückes 
wird  es  indessen  auch  ohne  dies  einleuchten,  dalk  Walts' 
Interpretation  eine  gezwungene  ist  und  dem  Sinne  der  Ver^ 
tragsmächte  nicht  entipticht;  denn  die  jener  Stelle  Tonm- 
gehenden  Worte:  ,,naoh  inhalt  des  NumbeigiBchen  und 
Eadamschen  Vertrags"  sind  doch  wohl  dentlich  genug. 

Eine  nähere  Beti'achtung  der  Wiener  Urkunde,  ihrer 
Entötehunp:  und  ihrer  Folgen  soll  uns  nun  über  ihre  wahre 
Bedeutung  aui klären.  Nachdem  ich  im  Weimarer  Archiv 
TOgeblich  nach  einem  voll  ständigen  Exemplar  des  Ver- 
trages gesucht,  entdeckte  ich  ein  solches  ganz  unvermutet 
im  Dresdener  Hanptstaatsarchi v ,  wo  sich  ttberhanpt  an 
meiner  Überraschung  zahlreiche  ernestinische  Akten  voi^ 
fanden.  Wegen  ihrer  Wichtigkeit  habe  ich  die  Urkunde 
—  mit  Ausschlufn  jenes  schon  bekannten  Artikels  über  die 
religiösen  Prozesse  —  als  Beilage  zu  diesem  Aufsatz  in  ex- 
tenso wiedergegeben.  Auiserdem  dienen  lur  die  vorliegende 
Untersuchung  hauptsächlich  die  von  mir  im  zweiten  Bande 
der  „Politischen  Korrespondenz  Stralsbuigs''  veröffentlichten 
Aktenstücke  sowie  einige  bis  jetzt  unbekannte  Schriften  des 
Weunarer  und  Dresdener  Archivs. 

Der  natürliche  Ausgangspunkt  unserer  Darlegung  ist  der 
Kadaner  Vertiag  vom  Jahre  1534  auf  den  die  AViener 
Verabredung  sich  durchaus  gründet.  Er  hat  bekanuthch  nicht 
nur  die  Rückgabe  Württembeigs  an  Herzog  Ulrich  bewirkt, 
sondern  auch  bezüglich  der  religiösen  Verhältnisse  und  der 
römischen  Eönigswahl  wichtige  Bestimmungen  getroffan.  Da£s 
die  Bedingung  der  österreichischen  Afterlehenschaft  keine 


1>  Gedrackt  u.  a.  bei  Uortleder  I,  687,  Lünig,  Heicbaarchiv 
V,  1,  27, 


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DIE  VEBTßÄGK  VOX  KADAK  UND  WIEN.  217 

Übe  den  Landgrafeni  den  Sieger  von  Laufen^  Behr  rOlimliehe 
und  der  protestantiflclien  Partei  würdige  war,  hat  schon 

Wille  *  gebührend  hervorgehoben.  Was  nun  die  anderen 
Kadaner  Artikel  betrifft,  »u  scheinen  auch  sie  mir  für  die 
Evangelisciien  bei  weitem  nicht  bo  vorteiihatt  gewesen  zu. 
Bern,  wie  es  bisher  meistens  angenommen  wurde  K  Im  ersten 
Artikel  bekrlifiügt  König  Ferdinand  aUerdings  den  Nüm- 
bei^r  Frieden  und  yerspricht  wirkliche  ^tierong  der 
KanunergerichtsproMsae  „nach  laut  desselben  aufgerichten 
friedetands'';  allein  der  Wert  dieser  Zasage  wird  doch  gleich 
geschmälert  durch  den  höchst  bedenklichen  Anliane:,  dals 
die  Sakraiueiitierer,  Wiedertäufer,  ,,auch  alle  aiulero  iiewe 
imchnsüiche  secten'^  vom  Frieden  aosgeBchlossen  und  nicht 
geduldet  werden  sollten.  Es  mag  wohl  sein,  dals  sich  dieser 
Artikel  Torzngswdse  gegen  die  Auswüchse  der  wiedertäufe- 
riechen  Bewegung,  wie  sie  in  Münster  gerade  zutage  traten, 
richtete^  und  dafs  er  Ton  protestantischer  Seite  nur  in  dieser 
Weise  verstanden  wurde;  die  papistische  Partei  verknüpfte 
aber  unzweifelhaft  auch  die  Absicht  damit,  einen  Schlag 
gegen  die  zwinglisch  gesinnten  oberländischeii  Städte  zu 
fuhren  und  die  Fürsten  womöglich  zur  Lossagung  von  jenen 
au  veranlassen.  Die  Oberländer  durchschauten  sehr  wohl 
diesen  schlauen  Plan  und  beschwer^  sich  beim  Landgrafen 
heftig  über  die  Zulassung  der  verfänglichen  Klausel  ^  Phi- 
lipp suchte  sie  zwar  zu  beruhigen;  indessen  es  gelang  ihm 
nur  unvollkommen.  In  der  That  wird  man  dem  Kurfürsten 
Juhaun  Friedrich,  der  sich  die  Einschicbung  des  Artikels 
gefallen  lieis,  einen  Vorwurf  daraus  machen  miissen;  denn 
wir  dürien  nicht  vergessen,  welche  Müh©  es  bei  den  Ver- 
handlungen zu  Schweinfurt  und  Nürnberg  15.32  gekostet 
hatte,  einen  ganz  ähnlichen  Passus  aus  dem  Friedensinstru* 
ment  fernzuhalten*.    Was  damals  mit  äufserster  Anstren* 


1)  Wille,  Philipp  der  Oiofsnifitige  und  die  BestitntioB  Ulrich's 
Toa  Württemberg  (Tfibingen  1882),  S.  207. 

2)  Bänke  lU,  d44ff. 

3)  Fol.  KoxT.  StiarBbuigs  II,  Nr.  234  ff. 

4)  Ebenda  Nr.  ISSff.  Vgl  aneb  B61irieh,  ReformatiOD  in 
EbaTs  n,  140ff. 


218 


WINCKELMANN, 


gnng  abgewehrt  war,  das  liels  sich  der  Kuriurst  jetzt  nach- 
träglich doch  noch  aufdrängen  ^  Nur  der  Wachsainkeit 
und  den  unermüdlichen  Vermittelungsbestrebungen  Hessens 
und  StraisbuTgs  ist  es  sa  danken,  dafs  die  hinterlistige 
Klansel  nicht  zom  Bruch  zwischen  den  Fürsten  und  den 
Oberlfindem  geführt  hat.  « 

Ganz  widersprechende  Auslegung  und  Erörterung  hat 
sodann  derjenige  Artikel  des  Kadaner  Vertrages  erfahren, 
der  sich  mit  der  reUgiösen  Zukunft  Wtürttembergs  beschäf- 
tigt*. Nach  Ranke's  Darstellung  hat  es  den  Anschein ,  als 
habe  der  Vertrag  die  Beformatien  Württembergs  ausdrück- 
lich erlaubt,  während  nach  Janfsen  das  Gegenteil  der  Fall 
sein  soll.  Prüft  man  unbefaneren  den  Wortlaut  der  Urkunde, 
so  kann  man  meines  Dafürhaltens  kaum  zweifelhaft  sein, 
dals  beide  Darstellungen  imrichtig  sind.  Die  etwaige  Än- 
derung der  religiösen  Verhältnisse  des  Herzogtums  ist  im 
allgemeinen  in  Kadan  weder  ausdrücklich  gestattet  noch 
verboten ,  sondern  einfach  mit  Stillschweigen  übergangen 
worden  ' ;  nur  bezüglich  der  im  Lande  betiiidiiehen ,  aber 
nicht  unter  württembergischer  Hoheit  stehenden  geistlichen 
Stifter  werden  dem  Herzog  religiöse  Neuerungen  untefsagt 


1)  Man  begreift  dieses  VeihaHen  Johann  IVisdrieh't  nur,  wenn 
man  bedenkt,  von  welcher  tiefen  Abneigung  er  stets  gegen  die  Zwing- 
lianer  erfüllt  war;  immerlun  aber  müssen  wir  es  ab  einen  grofsen  po- 
litischen Fehler  betrachten. 

2)  Vgl.  Ranke  III,  345;  Bucholts,  Ferdinand  I.,  IV,  252; 
Janfsen,  Qeschichte  des  devtschen  Volkes  III,  272.  274  Zwiacheu 
Janfsen  nnd  Kbrard  hat  rieh  dann  ebe  writere  Polemik  eihohen, 
vgL  Janfsen,  An  meine  Kritiker,  3.146;  Ebrard,  Die ObjektivitiU 
Janfsen*s,  S.  44;  Janfsen,  Ein  zweites  Wort  an  meine  Kritiker, 
S.58ff.  ScUiefsUch  hat  Wille  in  dieser  Zeitschrift,  Bd.  VII,  S.  50ff., 
Stellung  an  der  Frage  genommen. 

8)  Ebrard  a.  a.  O.  S.  44,  der  dem  Hersog  UMch  auf  Grand 
des  Kadaner  Vertiags  ein  Recht  aar  Reformation  anschreiben  mochte, 
hat  Unrecht,  wenn  er  sich  dabei  auf  die  Meldung  des  sXchaiaeben 
Gesandten  Dölzig  an  den  Herzog  besieht,  wonach  letsterer  Gtewalt 
haben  sollte,  „christliche  Ordnung**  Torznnehmen;  denn  diese  Mel- 
dung will  auch  weiter  nicht»  besagen ,  als  dafs  der  Kadaner  Vertrag 
bezüglich  religiöser  NeneroQgen  nichts  yerbiefte. 


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DIB  VERTRÄGE  VON  KADAN  UND  WIEN. 


319 


Der  Kadaner  Vertrag  als  solcher  stand  also  Ulrich  nicht 
im  Wege,  wenn  er  bei  seinen  unmittelbaren  Unterthanen 
die  refoimatorischen  Grunds&tae  durchföhrte,  wohl  aber  der 
Kttraberger  Friede  und  der  Augsbnrger  Abidued*;  denn 
ersterer  schfitste  ja  eimdg  nnd  allein  die  1633  namhaft  ge- 
machteh  StSnde,  widurend  alle  anderen,  also  auch  Württem« 
berg,  nach  wie  vor  dem  Augsburger  Verbot  jeder  religiösen 
Neuerung  unterlagen.  Um  folglich  dem  Herzog  Ulrich  die 
rechtliche  Beiugnis  zur  Reformation  zu  verachatten,  wäre  es 
erforderlich  gewesen,  daik  die  Protestanten  bei  König  Fer- 
dinand die  Aufnahme  des  Herzoge  unter  die  Stände  des 
Nümbeiger  Vertrages  erwirkt  hätten.  Dies  haben  sie  in- 
dessen versäumt  oder  wenigstens  nicht  durchzusetsen  ver> 
mocht  Der  Kurfürst  von  Sachsen  als  Vermittler  des  Ka- 
daner Vertrages  mufste  sich  vielmehr  damit  begnügen,  dafs 
Ferdinand  das  ursprünglich  beabsichtigte,  direkte  Verbot 
aller  religiösen  Änderungen  aus  der  Friedensurkunde  fort- 
lieCs.  Viel  war  damit  nicht  erreicht!  Wenn  Ferdinand 
hernach  gegen  Ulrich's  reformatorisches  Vorgehen  Einspruch 
erhebt,  so  begeht  er  nur  insofern  einen  Fehler  oder  eine 
Ungenauigkeit;  als  er  sich  dabei  auf  den  Kadaner  Frieden 
anstatt  auf  den  Nürnberger  und  Augsburger  Abschied  be- 
ruft *.  hii  gaiizen  werden  wir  also  auch  in  diesem  Aitikel 
eher  einen  iSieg  der  Ilabsburgischen  als  der  protestantischen 
Politik  zu  erkennen  haben. 

Die  Friedensurkunde  von  Kadan  beschäftigt  sich  dann 
femer  mit  der  rdmischen  KönigswahL  Kanke  hat  die  Mei- 
nung verbreitet^  als  sei  der  seit  1531  herrschende  Streit  über 
diese  Angelegenheit  in  Kadan  beigelegt  worden;  freilich  ver- 
schwdgt  er  nicht ,  dafs  der  Kurfürst  von  Sachsen  die  An- 


1)  Jaarten,  An  meine  Kritiker,  S.  146 «  deutet  dies  au,  ohne 
aber  die  ausschlaggebende  Bedeutung  dieses  Punktes  ru  erkennen 

ond  hervorzuheben. 

2)  Es  scheint  uiir  übripens,  dafs  s'wh  Ferdinands  Vorwürfe  über- 
haupt mehr  gegen  die  gowal  t  sume  Art  und  Weise  richteten ^  mit 
der  Ulrich  vorging,  sowie  gegen  sr  inc  Duldunj^  der  Zwinglinuer.  Vgl. 
Perdinand's  Brief  vom  IB.  August  lOol  bei  Sattler,  Herzoge  von 
Württemberg  III,  Beil.  17  uud  diese  Zeitschrift  VII,  53  ff. 


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920 


WIIICE£LMANM| 


erkeiinung  der  römischen  Konigswürde  Ferdinands  an  ge- 
wisse Vorbehalte  geknupl't  habe ;  doch  scheinen  letztere  nach 
seiner  Darstellung  keine  grolse  Wichtigkeit  gehabt  und  der 
endgültigen  Billigung  der  Wahl  nicht  im  Wege  gestanden 
m  haben.  Die  Sache  verhält  sich  jedoch  thatallchlich  gans 
anders.  Der  Kurförst  und  seine  Anhänger  hatten  siöh  yor- 
liufig  nur  bis  Ostern  1535  verpflichtet,  dem  Bruder  des 
Kaisers  Titd  nnd  Ehren  eines  römischen  Königs  zuzuerkennen; 
Wül  len  bis  zu  diesem  Termin  gewisse  Fordenmgen  Joliann 
Friedrichs  nicht  ciiiilii,  üu  sv>llte  derselbe  nebst  Beinen  Zu- 
gewandten berechtigt  sein,  die  Anerkennung  der  Wahl 
Wiederum  zurückzuziehen  >.  Die  Zogeständnisse ,  wekshe 
Sachsen  innerhalb  jener  Frist  verlangte,  waren  aber  folgende: 
1)  Der  Kaiser  sollte  mit  Zustimmung  der  Kurfürsten  der 
goldenen  Bulle  ttnen  Artikel  beifügen^  welcher  bestimmte^ 
dafs  künftig,  wenn  bei  Lebzeiten  eines  Kaisers  die  Wahl 
eines  rtimischen  Königs  beantragt  wurde,  die  Kuiiilrsten  zu- 
nächst die  Frage  der  Notwendigkeit  oder  Znträglichkeit 
einer  Wahl  entscheiden  sollten;  erst  nachdem  diese  bejaht^ 
sollte  genau  nach  Vorschrüt  der  Bulle  die  Wahl  selber  aus- 
geschrieben und  vorgenommen  werden.  8)  Die  Kurförsten 
sollten  sich  über  die  Frage  einigen,  ob  ein  römischer  König, 
der  nicht  teutseher  sprach  oder  zungen  were'S  gewählt 
werden  dürfte,  tle-^lcichen,  ob  zwei,  drei  oder  mehr  Könige 
nacheinander  aus  dempolben  Hanse  genonmien  werden  dürf- 
ten. Aufser  diesen  Jicdiiiguiigeu,  von  deren  Erfüllung  die 
Anerkennung  Ferdinands  abhängig  sein  sollte,  übernahm 
letzterer  noch  die  weitere  Verpflichtung,  datür  zu  sorgen, 
dafs  der  Kaiser  dem  Kurfürsten  die  Begalien  verleihen  und 
den  Heiratsvertrag  mit  Jülich-Cleve  bestätigen  würde. 

Fassen  wir  unsere  Betrachtungen  über  den  Kadaner 


1)  Sachsens  bisherige  Verbündete  in  der  Wahlsache,  namentlich 
Bayern  uml  Hessen,  haben  tVtilicli  nach  dem  Kadaner  Frieden  nie 
wieder  Uarau  gedacht,  sich  den  erueueitcii  Protesten  des  Kurtürstea 
anzuacbUeTsen.  Der  Landgraf  versprach  allerdings  1537  seine  Hilfe^ 
&Us  der  Kturfürftt  der  Wahl  wegen  angegriflbn  werden  soUte,  ohne 
aber  deshalb  an  dem  neuen  Protest  8«ehaen>  teUsonehmen. 


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DIE  VEUTliAUE  VON  KADAH  VÜD  >MEN.  221 

JPrieden  zniainmen,  so  köimeii  wir  nur  feststellen,  dafs  die 

Protestanten  durch  denselben,  abgesehen  von  der  Wieder- 
einsetzung Ulrich's  und  der  damit  gegebenen  Möglichkeit 
zur  Reformier ung  Württembergs,  herzUch  wenig  erreichten j 
Tieimehr  mulsten  sie  sich  in  dem  Artikel  über  die  Sakra» 
mentierer  noch  eine  höchst  lästige  Verklausaliemng  des 
Nürnberger  Friedens  gefiülen  lassen.  Anderseits  war  auch 
die  Anerkennnng  der  Wahl  wegen  jener  schwer  durchsa* 
setaenden  Vorbehalte  von  sehr  zwafelhaftem  Wert.  Inwie* 
weit  scbliefslich  das  Versprechen,  den  Kammergerichtspro- 
zessen Einhalt  zu  thun|  Vertrauen  verdiente,  werden  wir 
^eich  sehen. 

Ranke  sagt  ^,  man  höre  nach  Abschlufs  des  Kadaner 
Vertrags  keine  Klagen  Uber  weitere  Schritte  des  Kammer- 
gerichts;  Ferdinand  scheine  also  seine  Zusage  gehalten  sn 
haben.  Diese  Annahme  erweist  sieh  nach  dem  mhr  Tor- 
fiegendeo  MatOTml  als  nnzntreffend;  sie  ist  es  übrigens, 
welche  Ranke's  Miisdeutung  des  Wiener  Abkommeiib  iiaupt- 
Bächlich  verschuldet  hat.  Es  ist  riciiti^,  dafs  der  König 
gleich  nach  dem  FriedensschlulB,  am  4.  Juli  1534,  dem 
richtshof  eine  Mahnung  angehen  Jiefs,  sich  dem  Nttrnbei|per 
Frieden  gemlfii  za  halten  und  keine  Prosesse  in  Glaubeito- 
sacfaen  yorsnnehmen alkin  was  solito  das  den  Protestanten 
nttien?  So  lange  eine  unaweidentige  Erklärung,  welche 
ProKease  als  reUgiöse  anzusehen  seien,  mangelte,  konnte  sich 
duH  nericht  nach  wie  vor  darauf  berufen,  dafs  die  von  ihm 
behandelten  Streitsachen  profaner  Natur  seien,  dafs  tiUo  die 
Anhänger  Sachsens  kein  Kecht  hätten  sich  zu  beklagen,  in 
der  That  blieben  denn  auch,  wie  vorauszusehen  war,  die 
EvangeKsohen  in  der  alten  Bedrlngnis;  ja  die  Ptoaesse  in 
Speier  häuften  sich  sogar  snsehends.  Allerdings  scheuten 
die  Bichter  noch  Tor  der  Verkündung  der  Bttchsacht  oder 
anderer  schwerer  Strafen  ziurück,  indem  sie  die  Dinge  mög- 
lichst in  die  Länge  zogen ;  trotzdem  war  die  Lage  der  Pro- 
testanten schon  unbehaglich  genug.  Dabei  war  es  auitailend, 


1)  nI>eatMhe  GsMldchte«*  in,  844.  845. 
8)  PöL  Konr.  II,  817  Aom. 


222 


WiKCKELÄIAKN, 


daffl  fast  nur  die  aberdüsaiacheii  Siädte  belästigt  wtirdeni  ein» 
Thatsaehe,  welche  Sturm  wohl  nicht  ohne  Berechtigung  mit 

der  Klausel  von  den  Sakramentierern  in  Zusainmeiihang 
brachte  ^  Besonders  liatteu  Lindau,  Konstanz  ^  KialiiigeQ| 
Memmingen  und  ätrafsburg  unter  den  Anfechtungen  des 
Kammergerichts  au  leiden.  Dies  ging  so  weit,  dafs  die 
Städte  Mitte  Noyember  in  Eislingen  eine  ZuBammenkunit 
veranstalteten,  um  die  Frage,  wie  man  sich  der  ProsEesse 
erweluen  boilte,  gründlich  zu  erörtern.  Sie  beschlossen  dort 
am  14.  November  die  Absendung  einer  Botschatt  au  bachsen 
und  Hessen,  um  Rat  und  Beistand  von  ihnen  au  erbitten  und 
die  baldige  Abhaltung  eines  Bundestags  au  befürworten'. 
Der  Stralsburger  Ratsschreiber  Michel  Han,  ein  sehr  ge- 
wandter Unterhändler,  und  der  Konstanzer  Syndikus,  Joachim 
Maler ,  wurden  für  die  Mission  ausersehen  *.  Als  dieselben 
auf  der  Keise  durch  Speier  kamen,  händigten  ilmen  die 
dortigen  Kammergerichtsanwälte  der  Protestierenden,  Dr. Hier- 
ter  und  Helfmann,  eine  Bittschrift  euii  welche  lebhafte  Kla- 
gen über  gehässige,  rein  persönliche  Anfeindungen  seitens 
des  Kammergerichtö  enthielt  *.  Bereitwillig  versprachen  der 
Liindgrat'  und  der  Kuriürst  den  Städten  ihre  Intervention 
und  liefsen  wirklich  alsbald  durch  Bevollmächtigte  den  König 
nachdrücklieb  an  seine  Kadaner  Zusage  erinnern.  HieErauf 
übersandte  Ferdinand  dem  Kurftürsten  aum  Zeichen,  dals 
er  seiner  Pflicht  genügt  habe,  den  am  4.  Juli  —  wie  be- 
reits erwähnt  —  ausgefetcUlLa  Jicichl  an  das  Kammergericht, 
verstand  sich  dann  aber  am  6.  Januar  1 535  zum  Krlafs 
eines  neuen  Mandats  ^;  ja  er  schickte  sogar  einen  eigenen 
Gesandten  nach  Bpeier,  welcher  Kammerrichter  und  Bei- 
sitaer  über  den  Sinn  seines  Befehls  aufklären  sollte.  Wel- 


r  Pol.  Korr  II,  Nr.  245. 
'2)  Ebenda  Nr.  250. 
a)  Kbcuda  Nr.  203. 

4)  Ebenda.  Dan  u  h  Hefs  das  Kunnucrgericht  seinen  Zorn  über 
da.^  Vorhalten  der  Protestanten  ,  uaineutiich  über  die  Rekuj^atlun  ,  au 
den  Anwälten  aaa,  indem  ea  dieselben  mit  Einkerkerung  u.  a.  w.  be- 
drohte. 

ö)  Pol.  Korr.  II,  Nr.  274. 


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DIE  V£KT£ÄG£  \0H  KADAÜ  VÜD  WIEN. 


223 


eben  Inhalts  diese  Erlau tcruüg  nun  auch  gewesen  sein  mag, 
soviel  steht  jedenfalls  fest,  dafs  auch  dieses  neue  Verbot  der 
Prozesse  seinen  Zweck  verfehlte ;  auch  daii:^  man  wohl  voraus- 
setzen, dafs  Ferdinand  insgeheim  das  Vorgehen  des  obersten 
Qerichta  doch  billigte.  Wie  der  Kurftirst  ihnen  genten^  Ter- 
■chmahten  die  Städte  auf  Gnmd  der  am  30.  Januar  1584 
▼orgenommenen  Bekusation  ^  jede  Erwiderung  auf  die  Vor^ 
ladungen  des  Kammergerichts;  doch  half  ihnen  das  sehr 
wenig,  da  die  Kichter  in  contumaciam  vorgingen  und  lur 
den  Fall  wiederholten  Ungehorsams  mit  der  Acht  drohten. 
Besonders  kamen  hierdurch  die  Städte  Efslingeni  Konstanz 
und  Lindau  in  arge  Verlegenheit  ^. 

Seine  rechte  Erklärung  findet  das  eigensinnige  Verhalten 
des  Gerichts  erst  dtirch  die  Stellungnahme  des  Kaisers. 
Karl  V.  hatte  nftmlicb  die  wiederholte  Bitte  der  Bichter  um 
nXhere  Deklaration  des  Begrifis  Religionssachen'*  auswei- 
chend  beantwortet,  indeiii  er  die  Entscheidung  dem  Gericht 
selber  anhoimsii  ütu,  das  ja  „die  eigenschaft  der  sachen  woi 
wissen "  werde  ^.  Daraufhin  war  es  nicht  zu  verwundem, 
dals  keine  Besserung  eintrat;  denn  die  Verwendung  des 
K($mge  augnnsten  der  ETangdischen  konnte  in  den  Augen 
des  Kammeigerichts  nicht  so  schwer  wiegen  wie  die  Er- 
kllrung  des  Kaisers,  welche  mit  Becht  ab  eine  Billigung 
des  bisherigen  Prosedierens  gedeutet  wurde. 

Angesiclits  solcher  Thatsaclien  war  es  natürlich,  dafs  die 
in  die  Enge  petriebenen  Städte  ihre  Hilfe  suchenden  IvR 
auf  den  mächtigen  Schmal kaidischen  Bund  richteten,  der 
ja  yerpflichtet  war,  sie  gegen  etwaige  Achtsexekutionen  in 
Schuts  au  nehmen.  Da  nun  demnächst ,  im  Februar  1687, 
das  Bündnis  seniem  Ende  entgegengingt,  so  begreift  es 
sich,  dals  die  Stfidte  eifrigst  auf  die  ,,Eratreckung''  desselben 
drangen.   Doch  damit  nicht  genug  1   Sie  wünschten  auch 


1)  Vgi.  lUnke  Iii,  Ö41.    PoL  Korr.  II,  S.  205. 

2)  Pol.  Korr.  U,  279  und  Nr.  313. 
8)  Ebenda  Nr.  Sil. 

4)  Vgl.  ebenda  Nr.  28.  Der  im  Februar  1581  gewUoMene  Bond 
war  nur  seebi  Jshre  lang  gültig. 


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224 


WIXCKELMANN', 


die  EVweitenuig  und  StBrkang  des  Bandes  durch  Aufnahme 
neuer  Mi^Iieder^  namentKch  Wtkrttembergs,  Augsburgs  und 

Frankfurts,  die  damals  infolge  reformatorischer  Mafsnalimen 
gleiclifalls  rait  dem  Kammergericht  in  Streit  lagen,  ohne  sich 
jedoch  auf  den  Nürnberger  Frieden  berufen  zu  können. 
Der  Landgi'af  war  hierin  wie  gewöhnlich  mit  den  Städten 
einige  nicht  so  der  Kurfürst  von  Sachsen,  welcher  in  seiner 
pedantischen  Qewissenhaftigkeit  allerlei  Bedenken  trog.  Die 
VerlSngerung  der  Bttndnisdaner  war  ihm  zwar  nicht  aa- 
wider;  aDdn  die  E!rweiterung  dOnkte  ihm  im  Hinbtick  auf 
den  Inlialt  des  Nürnberger  Friedens  unzulässig.  Wenigstens 
glaubte  er  die  Aufnahme  in  den  Bund  und  damit  den  »Schutz 
desselben  nur  solchen  {Ständen  gewähren  zu  dürfen,  welche 
wie  Markgraf  Georg  von  Brandenbuig  und  die  Städte  Nürn- 
berg und  Uambuigin  dem  Vertrage  von  1532  bereits  namhaft 
gemacht  waren,  ohne  augleich  der  Schmaikaldischen  Einigung 
anzugehören  Dieses  ftngstUche  Festhalten  an  dem  Bechts* 
Standpunkt  wollte  dem  Landgrafen  und  den  8tlldten  durch- 
aus nicht  einleuchten.  So  meinte  namentlich  Straisbuig  % 
dafs  es  th(iricht  sei,  die  Vorschriften  des  Nürnberger  Frie- 
dens, der  von  katholischer  Seite  so  völlig  mifsachtet  werde 
und  den  l^i  otestanten  gar  keinen  Nutzen  bringe,  mit  so  pein- 
licher Sorgfalt  SU  beobachten.  Man  solle  sich  vielmehr  einzig 
und  allein  yon  der  Erwilgung  leiten  lassen,  dafs  festes  Zu* 
Hammenhalten  aller  evangelischen  Elemente  das  sicherste 
Bollwerk  gegen  die  Fände  sei  imd  daher  jedes  neue  Bundes- 
mitglied mit  Freuden  begrüfsen. 

Ein  weiteres,  vielleicht  das  wichtigste,  Bc  d  iiken  Sachsens 
gegen  die  Erweiterung  war  religiöser  Natui*  und  erhielt  be- 
sonderen Nachdruck  durch  die  Kadaner  Klausel  von  den 
Sakramentierem.  Der  Kurierst  glaubte  nämlich  mit  der 
Siadt  Augsburg,  um  deren  Aafnahme  es  sich  in  erster  Linie 
handelte,  schon  deshalb  kein  BOndnis  schliefsen  zu  können, 
weil  die  Gemeinde  nicht  mit  Unrecht  im  Verdacht  „zwingU- 
scher  Irrlehre"  stand      Uberhaupt  traute  Johauu  Friedrich 

1)  Pol.  Korr.  11,  S99. 

2)  Ebenda  S.  311. 

3)  Neudeeker  Urk.  S.  885. 


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DIE  Y£BTRÄQ£  VON  KAOAN  UND  WIEN. 


936 


der  Rechtgläubigkeit  der  Oberländer  noch  immer  nicht  recht 
und  beabsichtigte  deshalb  vor  seiner  Einwilligung  in  die  Bun- 
desverläogerung  eine  allgemeine  Fredigerversammlung  herbei* 
soführen  ^ ;  durch  dieses  Mittel  gedachte  er  dch  volle  Elar> 
heit  über  den  Glauben  der  Stftdte  sa  yerechafien.  Da  er 
«US  seinem  Miistraaen  und  seiner  Unlust  nir  Erweiterung 
kein  Hehl  machte,  so  hatten  die  Oberlihider  eine  Zeit  lang 
emstlich  erwogen,  ob  es  nicht  besser  wäre,  den  Schmal- 
kiUdiäciieu  Bund  sich  auliosen  zu  lassen  und  statt  dessen 
mit  dem  Landgrafen,  Wiirttciiiberg,  Augsburg  u.  a.  ein 
neues  Bündnis  auf  freierer  Grundlage  aufzurichten  ^.  Jakob 
Sturm  war  ein  besonders  eifriger  Verfechter  dieaee  Gedan» 
kens  ^  wol  er  durch  Ausführung  desaeibeii  den  yon  Sachaen 
gewünschten  Theologenkonvent  2U  umgehen  hoffte ,  von 
welchem  er  statt  völliger  Beilegung  der  Torhandenen  Zwistig- 
keiten  einen  offenen  Bruch  befiirchten  zu  müssen  glaubte. 
GUicklichi  iweis»;  wurde  diese  seine  Besorgnis  gegenstandslos, 
da  nach  dem  guustigen  Ausfall  des  Kasseler  Gesprächs  zwi- 
schen Bucer  uiid  Melauchthon  (Weihnachten  1534)  der  Plan 
einer  grolsen  protestantischen  Synode  vorläufig  in  den  Hinter- 
gnmd  trat  Die  Abneigung  des  Kurfürsten  gegen  Augsbuig 
wurde  jedoch  erat  ttberwundeii|  nachdem  es  der  Betriebsam- 
keit Bnoer's  gelungen  war,  die  Augsburger  sur  Annttherung 
an  die  lutherische  Lehre  zu  bew^en  und  den  sächsischen 
Reformator  durch  ein  im  Juli  1535  übei-sandtes  Bekenntnis 
zulrieden  zu  stellen  *.  Jetzt  erst  konnten  die  ( )berländer 
einigermafsen  aui  ein  Entgegenkommen  des  Kurtürsten  in 
der  Bündnisfrage  hoffen.  Der  Landgraf,  der  sonst  einem 
neuen  oberländisohen  Bunde  nicht  abgeneigt  war,  bestärkte 
sie  in  dem  Vorhaben,  einen  lotsten,  entscheidenden  Versuch 
bei  Johann  Friedrich  au  wagen  \  und  ao  kam  noch  im  Juli 


1)  Neu>lec:ker  IJrk.  S.  262.    Pol.  Korr.  II,  Nr.  26Ö 

2)  Kb€ada  Nr.         287.  2ii»2. 

3)  Ebenda  Nr.  2Ü5.  2Ö3.  298. 

4)  Ebenda  Nr.  317  und  Beü.  IL  Vgl  Kolde*s  Artikel  „Wittsa- 
berger  Konkofdie^  BE*. 

6)  l»oL  Kon,  n,  Nr.  997. 

liilackr.  f.  K.-0.  XI,  a  15 


226 


die  Gesandtschaft  Michel  Han's  und  des  Himer  Stadtschrei- 
bers, Sebaöiiaii  Aitingers,  an  den  sächsischen  Hof  zustande  V 
Baldif^c  Abhaltung  eines  Tages  der  Einigiingsverwandtcn 
zur  Beratung  von  Malkregehi  gegen  das  KAmmergericht  so- 
wie Erstreckung  und  £rweitenmg  des  Schmalkaldischen 
Bundes  waien  die  Hauptforderungen  der  Stttdte.  Am  13.  JuÜ 
erfolgte  in  Wränar  die  Antwort  Jobann  Friedrichs  auf  die 
Werbung £r  gab  sunilcbst  der  Meinung  Ansdruck,  dala 
weitere,  mtlnd liehe  oder  schriftliche  Beschwerden  beim  Kamraer- 
gericht  oder  beim  König  nichts  nutzen  würden;  es  bleibe 
nichts  anderes  übrig,  als  das  Gericht  „seins  gefalleus  wal- 
ten^* zu  lassen  und  im  Fall  der  Exekution  und  thätliobcr 
Gewalt  von  Bundee  wegen  Widerstand  zu  leisten.  Auch 
mit  der  Berufung  eines  Bundestages  erklärte  sieb  der  Kur- 
fUrst  einverstanden;  dagegen  war  er  über  die  Hauptfrage 
der  Erstreckung  und  Erweiterung  des  Bündnisses  zu  keiner 
bestimmten  Aufserung  zu  bewegen.  Er  verschob  die  Ent- 
scheidung hierüber  auf  die  Bunde8vei*8ammlung,  ohne  aber 
zu  verfipreehen ,  dals  er  sieh  deren  Mehrheitsbe«chlufa  auch 
unterordnen  werde.  Die  Gesandten  mulkten  daher  un ver- 
richteter Sache  heimkehren.  Indessen  benutzte  der  Landgraf 
die  folgende  Zeit,  um  den  Kurfürsten  gefUgiger  au  machen  * ; 
namentlicb  malte  er  ihm  die  Ckfahren  einer  Spaltung  der 
Evangeliichen  aus.  Bezüglich  der  Prozesse  riet  er,  den 
Kaiser  uro  Ernennung  von  Kommissaren  zu  ersuchen,  welche 
die  Streitigkeiten  giulich  vergleichen  sollten.  Letzteren  Vor- 
schlag erklärte  der  Kurfürst  in  seiner  Erwiderung  tür  un- 
zweckmälsig;  im  übrigen  sagte  er,  es  liege  ihm  lern,  zur 
Auflösung  des  Bundes  Anlafs  seu  geben,  doch  habe  er  wegen 
der  Aufnahme  neuer  Milglieder  noch  allerlei  Bedenken.  Er 
beabsichtige  nun,  demnftcbst  persSnlidi  nach  Wien  au  Kdnig 
Ferdinand  au  gehen;  dort  hoff»  er  nicht  nur  den  Stillstand 
der  Prozesse  endlich  zu  erlangen,  sondern  auch  über  die 
Bündnisangelegenheit  ins  klare  zu  kommen.  Auf  einer  Ver- 


1)  Pol.  Korr.  II,  Nr.  809. 
3)  Ebenda  8.  286. 
S)  Ebenda  Nr.  834. 


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DIE  V£RTltl6£  VOM  KADAN  UKO  WUCN. 


827 


Bammlung  der  Kmigimgsverwaudien  könne  man  sich  dann 
wegen  der  Erstreckong  und  Erweiterung  entscheiden.  Den 
Bundestag  setste  er  suerst  auf  £nde  Oktober^  dann  wegen 
sräner  Beise  nach  Wien  auf  Anfang  Deaember  feet.  Man 
errieht  hieraus^  dafs  er  seine  EntadilllBM  von  der  Art  und 
Weise  seiner  Aufnahme  in  Wien  und  von  srinen  dortigen 
Erfolgen  abhiiii<;ig  machen  wollte.  Glückte  es  ihm,  bei 
Ferdinand  die  Aiühcljung  der  namentlichen  Beschränkung 
des  Nürnberger  Friedens  durchzusetzen ,  so  stand  ja  der 
Bundeserweitemng  kein  Hindernia  mehr  im  W^e.  Das 
war  jedoch  von  vornherein  ucher,  dafs  er  nur  in  die  Auf- 
nahme solcher  StSnde  willigen  wCkrde,  die  der  Augabuiger 
Konfeauon  durchaus  gemftffl  lebten  und  lehrten.  Beseichnend 
ist  es  auch,  dafs  er  die  Einladung  der  aufzunehmenden 
Stände  zur  Bundesvcrsammhmg  nicht  zugestehen  wollte,  be- 
vor nicht  die  uiidHätxliche  Frage,  ob  die  Erweiterung  über- 
haupt statthatt  sei,  bejaht  wäre. 

Johann  Friedrichs  Reise  nach  Wien  war  aber  in  erster 
Linie  noch  durch  andere  Beweggründe  veranlafst  Ebenso 
wenig  wie  der  Stilktand  der  Prosesse  war  nfimlich  bisher 
die  ErftÜlnng  der  anderen  Eadaner  Zusagen  erfolgt.  Ob- 
wohl der  Ostertermin  längst  verstrichen  war,  stand  die  Re- 
galien Verleihung  ebenso  wie  die  Bestätigung  des  Cleveschen 
Heiratsvertrages  noch  immer  aus,  und  in  der  Wahlangelegen- 
heit war  ebenfalls  noch  keine  der  von  Sachsen  gesteilten 
Bedingungen  erfüllt.  Ferdinand  hatte  awar  einige  Schritte 
in  dieser  Hinricht  gethanj  aber  umsonst  Ein  Kurfilrstentag, 
den  er  aur  Beschlufs&Bsung  über  die  sSchsische  Forderung 
auf  den  1.  Oktober  1534  su  Mains  angesetst  hatte^  blieb 
ohne  jedes  Ergebnis,  da  die  Oesandton  der  Kurftlrtten  —  wie 
gew()hnlich  in  unliebsamen  Dingen  —  nicht  mit  genügender 
\  olimacht  ausgerüstet  waren  ^    Sachsen  selbst  hatte  es  iür 


1)  IJber  dies  und  das  Folgende  ist  das  Material  im  Dresdener 
H.St.Arch.  10ß73  („ScUriftea  zw.  d.  Ersbischof  etc."  und  „Irrungen 
sw.  d  König  etc.").  Vgl.  auch  Bacholtz,  Ferdinand  der  Erste 
IV,  Aum.  Über  die  Wiener  Zuaammenkonft  berichtet  Bucholts 
auftaUenderweise  so  gut  wie  nichts. 


228 


W1^XK£LMANN, 


6111611  Vertreter  sa  eehicken,  und  die  an- 
deren Kurfürsten  hatten  an  der  Sache  viel  zu  geringe« 
Interesse.  Nicht  einmal  über  eine  Tagsatzung  zu  weiterer, 
gründlicher  Beratung  der  Sache  konnte  man  sich  einigen. 
Ab  Jobann  Friedlich  dies  doroh  den  KGmg  sowie  durch 
die  flhemiiligeii  Unterbllndler  des  Kadener  IViedene,  Mains 
«nd  Herzog  Georg,  erfahr,  war  er  mhr  ungehalten  und  wei* 
gerte  sich  entschieden,  die  erbetene  Verlängerung  der  Ka- 
daner  Frist  von  Ostern  bis  Michaelis  1535  zu  bewilligen. 
Dagegen  meinte  er,  der  angekündigte  Reichstag  solle  dazu 
benutat  werden,  eine  behiedigende  Beilegung  der  Wahlsache 
au  versuchen.  In  der  That  hatte  Ferdinand  die  Abaiehi 
gehegt,  im  Frühjahr  1535  eine  Reichsyersammlung  zu 
halten,  um  wegen  der  vielerlei  Wirren  und  Unordnungen, 
namentlich  in  Münster,  Vorkehrungen  zu  treffen  ^;  indessen 
netan  die  katholischen  Stände,  beeonders  Mainz  und  Heraog 
Georg  Ton  Saehaeii,  entschieden  davon  ab;  sie  betonten  xl  n., 
dafa  ein  Reichütag  den  FMestantan  Anla(s  geben  wfirde^ 
den  Nürnberger  Frieden  für  aufgehoben  zu  erklftren '  und 
sich  keinerlei  Schranken  in  kirchlicher  Hinsicht  mehr  auf- 
auerlegen,  femer  dals  neue,  weitläufige  religiöse  Di^utationen 
entstehen  würden,  was  nur  den  bösen  Sekten  zum  Vorteil 
gereichen  wQrda  Kurannii  eie  meinieni  dafii  ein  BetohslBg 
die  Unruhen  nicht  veniiindem,  eondem  ▼ennehren  werde^ 
namentlich  wenn  die  Wabisaohe  nicht  zuvor  verglichen  sei 
Diese  Vorstellungen  werden  ihren  Eindruck  auf  Ferdinand 
nicht  verfehlt  haben;  wenigstens  gab  er  das  Reichstags- 
pn^ekt  auf  und  beschränkte  sich  auf  eine  Berufung  der 
•verachiedenen  Kreisatinde  nach  Worma  (April  1685)  behda 
Beratung  der  Mflnsterechen  Angelegenheiten*.  Die  WaU- 
saohe  scheint  dort  gar  nicht  berührt  worden  zu  sein.  Die 
Folge  war,  dais  Johann  Friedrich  nach  Ablauf  des  Kadaner 


1)  Ghadttifiagea*s  WeriMmg  ia  BbmUbmg,  PoL  Koir.  n, 

269. 

2)  Infolg«  der  Nürnberger  Beatimmimg,  dafs  der  Friede  nur  bis 
mm  Konzil,  bzw.  bifl  zum  nächstea  Jäsichfltag  währea  soUte. 

d)  PoL  Korr.  II,  Nr.  331. 


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DIE  VBBTfilOB  VON  KAHAK  DND  WIJSN.  UM 

Termiiu^  ako  seit  Ostern  153  5,  dem  König  wiriüioh  wieder 
Ehren  und  Titel  Terwdgerte^;  doch  knüpfte  er  im  Mai 
durch  seinen  getreuen  Hans  Döing  neue  Verfaandinngai 
mit  dem  Wiener  Hofe  an  die  darauf  aibsielteny  dala  der 
König  endlich  die  Beldmung  Sachsens  ndt  den  Regalien 
ausfuhren  sollte;  dagegen  wollte  Johann  Friedrich  eine  Er- 
strecknng  des  Kadaner  Termins  zur  Erlangung  der  Wahl- 
artikei  bewilligen.  Hiermit  war  Ferdinand  durchaus  ein- 
verstandeuf  nur  konnte  man  sich  bei  dem  gegenseitigen 
Milktraiien  nicht  über  den  Wortlaut  der  Urkunde  eungeOi 
dnreh  welolie  die  Verifingemng  des  Tennina  vereinbart  wer» 
den  BoUfte.  Lasbesondere  woUte  der  Knrftlnt  BSu  den  MUf 
dafs  auch  wttlirend  der  neaen  Frist  eine  Einigung  in  der 
WahlsacLe  nicht  erfolgte,  das  urkundliche  Zugeständnis 
erlangen,  dafs  er  und  seine  Zugewandten  alsdann 
wieder  unverbunden  sem  sollten,  Ferdinand  anzuerkennen. 
Die  Worte  ^und  seine  Zugewandten"  wollte  der  König  nun 
ausscheiden,  weil  er  befiirchtete,  dafa  darauf  bin  die  ehe- 
maligen Wablverbttndeten  SacbsenS|  Heem,  Württemberg 
und  Bayern,  die  sich  ]e(st  der  Wahl  gefügt  hatten^  spttter 
ihren  knotest  erneuern  wQzden.  Da  der  Eurftrst  mit  ge- 
wohnter Zähigkeit  an  den  ^Vo^ten  festhielt,  so  scheiterte  die 
erste  Gesandtschaft  Dolzig's  und  erst  bei  einer  erneuten 
Verhandlung  desselben  mit  Hans  llolniann  im  Juli  •  kam 
man  zur  ]£inigung,  indem  Ferdinand  nachgab.  Am  4.  Au* 
gust  wurde  demnach  bestimmt  ^ ,  dala  der  Kurfürst  im 
Herbst  persönlich  naeh  Wien  kommen  solHei  um  die  Be> 
galien  su  empfangen  und  wegen  der  Wablangelcigenheit 
weiter  za  Terfaandeln.  In  der  Zwischenseit  und  wfthiend 
des  Wiener  Aufenthaltes  sollte  er  Ferdinand  als  römischen 


1)  Dresdener  H.St.Arcli.  10673  „Die  Abfertigung  und  Haad- 
liuig  etc/^  Er  nennt  Ferdioand  nieht  „ königliche  Majestät*',  wie  es 
dem  römischen  König  zukommt,  sondern  „königliche  Durchlauchtig» 

keift"  (Titel,  welcher  Ferdinand  als  König  von  Böhmen  gebührt^V 

2)  Ebenda:  Instruktion  des  Kurfürstea  für  DoUig  d.  d.  Ii).  Mai 
und  Kelatiou  des  letzteren. 

3)  Ebenda:  Instruktion  für  Dölzig  d.  d.  18.  Juli. 

4)  Ebenda  und  loc.  10674  „Handlung  zu  Wien*'. 


230 


WIMGKELMANNy 


König  anerkennen.  Letzterer  versprach  seinerBeits  dem  Kur- 
fürsten freies  Geleit  nach  Wien  und  zurUck  K 

Mitte  Oktober  wurde  die  Beise  unter  grofsem  Qeprttoge 
«Dgetreten.  Die  Herzoge  MagnuB  von  Mecklenbiug  sowie 
IVans  und  Ernst  von  LOnebuig  scbloMen  aioh  dem  Kur^ 
Ainten  an.  Anleerdem  befanden  neb  saUreiehe  Herren  vom 
hohen  Adel  in  seinem  Gefolge,  u.  a.  Wilhelm  und  Philipp 
von  Nassau,  Wilhelm  von  Neuenaar,  Philipp  von  Solms, 
Albrecht  und  Jobst  von  Mansfeld,  Johann  Heinrich  von 
Schwarzburg.  Im  ganzen  führte  der  Kurfürst  etwa  JOO  Keit- 
und  Wagenpferde  mit  sich.  In  Prag  wurde  er  vom  Bat 
nnd  der  Hoebschub  feierlicb  begrülat  und  beschenkt  ^  und 
als  er  sich  der  dsterreiohischen  Hauptstadt  nfiherte^  sog  ihm 
Ferdinand  eine  Viertehn«Ie  Weges  entgegen.  Das  äufsere 
Einvernehmen  der  Fürsten  war  überhaupt  vortreflflich.  Jo- 
hann Friedrich  liefs  unbehindert  täglich  evangelischen  Gottes- 
dienst halten,  zu  welchem  sich  auch  viele  Wiener  einstellten, 
obwohl  der  Magistrat  den  Besuch  der  aftcbsischen  „  Winkel- 
predigt''  streng  verboten  hatte  und  einige  ungehorsame  Bttr* 
ger  mit  Gefängnisstrafe  belegte. 

Die  Verhandlungen  hatten  au  Anfimg  das  befriedigende 
Ergebnis»  daCs  der  Eurförst  die  Beldinung  mit  den  Reichs- 
lehen und  Regalien  empfing;  im  übrigen  zogen  sie  sich 
aber  sehr  in  die  Länge.  In  der  Wahlsache  wurde  schliefs- 
lich  vereinbart  *,  dafs  der  König  nocli  ein  Jahr  lang,  bis 
November  1536,  Zeit  haben  sollte,  die  im  Kadaner  Vertrage 
vorgesehene  Erklärung  der  Kurfürsten  zu  erlangen.  Für 
den  Fall,  dais  ihm  dies  nicht  glückte  oder  beliebte,  sollte 
er  wenigstens  vom  Kaiser  eine  Verschreibung  erwirken,  wo- 
nach bei  künftigen  Wahlen  römischer  Könige  genau  nach 
Vorschrift  der  goldenen  Bulle  verfahren  werden  sollte;  wer 
von  den  Kurfürsten  dem  zuwider  iiandelte,  sollte  seines  Kur- 
rechts verlustig  gehen,  und  die  Wahl  sollte  ungültip^  sein. 
Eine  Urkunde  dieses  Inhalts  sollte  vom  Kaiser  —  oder  mit 
des  Kaisers  Qenehmigung  von  Sachsen  —  den  Kurförsten 


1)  Ebenda:  „Handlung  zu  Wien^'. 

2)  S.  unten  Beilage. 

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DIE  VEKTKÄÜE  VON  KADAN  UKD  WIEN.  231 

▼erkttndet  werden.  Auf  jeden  Fall  sollte  ferner  Karl  einen 
Revers  ausstellen,  dais  Ferdinand's  Wahl  den  Rechten  des 
sächsischen  Kurhauses  niclit  nachteilig  sein  Bolltc. 

Sehr  weitläufig  sind  die  Wiener  Abmachunpceii  bezüglich 
des  Jülicb-Cleveschen  Heiratsyertrages.  Karl  V.  hatte  die 
Beatätigoiig  desselben  von  emer  ganzen  Beihe  von  Bedin- 
gongen  abhfingig  gemacht;  er  verlangte  nftmlich  Folgendes: 
Unterordnung  Sachsens  unter  die  Beschlüsse  de«  m  Aussicht 
gesteDten  Konzils ,  Vermeidung  weiterer  religiöser  Neue- 
rungen, Ausrottung  der  Wiedertäufer  und  andf  ier  unchrist- 
licher Sekten ,  Unterstützung  des  Habsburgisclien  Hauses 
gegen  Frankreich,  Anerkennung  Ferdinand's,  Vermeidung 
jeder  feindseligen  oder  religiösen  Einmischung  in  die  Ver- 
hältnisse der  österreichischen  Erblande»  Neutralität  in  der 
Geldemschen  firbfolgesache.  Johann  Friedrich  wies  diese 
Bedingungen  nicht  direkt  ab,  verlangte  aber  erhebliche 
Änderungen:  Hinsichtlich  des  Kon^  wollte  er  unter  ge- 
wissen Voraussetzungen  die  Beschickung,  nicht  aber  die 
Unterordnung  zugestehen.  Die  Wiedertäufer  versprach  er 
in  seinem  Lande  niclit  zu  dulden.  Gegen  Frankreich 
wollte  er  dem  Kaiser  500  Reisige  stellen  und,  was  die  Wahl 
angingi  so  verwies  er  auf  seine  obigen  Forderungen.  Fer- 
dinand versprach  nun,  diese  verlbiderten  Artikel  dem  Kaiser 
zur  Annahme  zu  empfehlen;  sollte  B^arl  jedoch  nicht  darauf 
eingehen,  so  woUte  der  Kdnig  die  Bedingungen  ftlr  seine 
Person  annehnicu  und  dagegen  die  KüiiürmüLiun  erteilen j 
wirksam  sollte  letztere  allerdings  erst  werden,  sobald  Fer- 
dinand Kaiser  geworden. 

Schliefslich  kommen  wir  zu  den  für  uns  wichtigsten  Fest- 
setzungen Uber  den  Nürnberger  Frieden  und  die  Kammer- 
gerichtsprozesse. Whr  haben  oben  gesehen,  wie  eng  mit 
dieser  Frage  die  eventuelle  VerlJliigemng  und  Erweitenmg 
des  Sehmalkaldischen  Bundes  zusammenhing.  Der  KurAirst 
formulierte  seine  Forderungeu  iu  einer  bchrilt,  die  er  dem 
König  am  8.  November  überreichen  liefs  Er  schlug  darin 
vor,  dais  in  zweifelhaften  Fällen  die  Entscheidung,  was  Ke- 


1)  Dtssdener  Arahiv  ebenda. 

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232 


WINCK£LMANN; 


ÜgionaMdie  sei  und  was  nioht^  von  ihm  nnd  dem  Land- 
gralnn  bei  der  Pflicht,  mit  der  ne  Ealier  mid  Reich  Ter^ 

wandt  seien,  gefallt  werden  sollte.  Prozediere  das  Knmmer- 
gericht  oder  ßotweiler  Hofgericht  trotzdem  in  Au^rlegen- 
heiten  religiösen  Charakters,  so  solle  es  einer  »Strafe  von 
500  Mark  Goldes  verfallen,  und  der  Kaiser  sollte  die  ge- 
sprochenen Urleile  durch  beaonderes  Dekret  vernichten. 
Femer  Terkngte  der  KurfiM  die  Aufhebung  jener  be- 
fl^werlichen  Klausel,  wonach  der  Nürnberger  Friede  nur 
bis  BU  anderweitigeD  BeecMüsaen  auf  der  nächsten  Rdcfas- 
versammliuig  gelten  sollte,  sowie  die  Ausdehnung  des  Frie- 
dens auf  alle  Stände,  die  sich  seit  lö32  der  neuen  Lehre 
angeschioßsen  hätten  oder  künftig  anschliefsen  würden.  Er 
führte  hierbei  näher  aus  dais  die  blofae  Ankündigung  eines 
Reichstags  infolge  jener  Klausel  schon  als  eine  feindselige 
Handlung  erscbdnen  mOssei  und  erklärte  weiter ,  daCs  die 
Verbündeten  jeden  Angriff  auf  einen  Glaubensgenossen,  m^ 
letsterer  im  iVieden  benannt  sein  oder  nich^  als  gegen  sich 
gerichtet  betrachten  und  demgeniäfs  abwehren  müTsten. 

Unmöglich  konnte  nun  Feidinand  daran  denken,  so 
weitgehende  Zugeständnisse  zu  machen;  das  wäre  ein  Ab- 
weichen von  der  bisherigen  kaiserlichen  Politik  gewesen, 
welches  Karl  V.  kaum  im  äufseraten  Notfall,  der  ja  nicht 
▼oriag,  gnigeheilsen  hfttta  Der  Kdnig  erklärte  daher  ofkn, 
daft  er  ohne  Wissen  und  Gtoehmigung  des  Kaisers  an  dem 
Nürnberger  Frieden  nichts  ändern  kdnne;  nur  die  strikte 
Handhabung  desselben  könne  er  versprechen.  Hans  Hof- 
mann, einer  der  einflul'sreichsten  Räte  Ferdinand's,  gab  ubri- 
genfi  dem  Kuriiii-sten  die  Versicherung,  dafs  die  Ansetzung 
eines  Hcicbstags  so  bald  nicht  zu  gewärtigen  sei;  sollte  sie 
aber  aus  irgendeiner  dringlichen  Ursache  dennoch  erfo^en, 
so  wtirde  es  nur  im  Einverständnis  und  mit  Kat  der  pro- 
testantischen Fürsten  geschehen.  Daraufhin  glaubte  Johann 
BViedrich  auf  die  swdte  Forderung  verächten  zu  müssen. 
Er  ging  hierbei  seiner  eigenen  Erzählung  zufolge  von  dem 
Bedenken  ans,  dafs  Ferdinand  bei  zu  heltigem  Drängen  in 

1)  Pol.  Korr.  II,  dl5ff. 


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DIE  VEKTRÄGE  VON  KADAN  UND  WIEN. 


230 


dieBem  Punkt  yielleicbt  nacbgebeiiy  daftr  aber  in  der  dritten^ 
wichtigsten  Fnge  den  PtotesCanten  das  aiudrücklielie  Ver- 

eprechen  abnehmen  würde,  dafs  sie  den  künftigen  Anhän- 
gern ihrer  Konfession  nicht  beistehen  sollten.  Man  sieht 
also,  wie  weit  sich  die  bisherige  Autiassung  dieses  Ar- 
tikels der  Wiener  Abrede  von  dem  wahren  Sachverhalt  ent- 
fernt Niemals  hat  der  König  daran  gedacht ,  die  nament- 
liehe  Einschrttnknng  des  Nürnberger  FriedenBi  sei  es  ans- 
draeklieb  oder  stülsebweigend^  fallen  zu  iasaen.  Im  Gegen- 
teil! Die  Protestanten  mnlsten  froh  sein,  dafii  ihnen  nicht 
direkt  verboten  wurde ,  sich  derjenigen  ihrer  Glaubens- 
genossen  anzunehmen,  welche  in  der  Urkunde  von  1532 
nicht  benannt  waren,  i'^crdinand  erneuerte  einzig  und  allein 
sein  altes  Wort^  dals  er  alsbald  für  wirklichen  Stillstand 
der  Prozesse  Sorge  tragen  wolle  nach  inhalt  des  Nurn- 
bergischen  und  Oadavischen  Vertrags,  d.  b.  selbst- 
verständlich  nnr  ftbr  die  im  ersteren  namhaft  gemachten 
Stünde  K  Obwohl  es  sich  nach  dem  Nürnberger  Frieden 
von  selbst  verstand ,  engte  der  König  lerner  den  Stillstand 
nicht  nur  für  die  gegenwärtigen  sondern  auch  für  die  künf- 
tigen Keligionsstreitigkeiten  zu,  wogegen  sich  die  Prote- 
stierenden ihrerseits  nochmals  veipflichten  mulsten,  nieman* 
den  seiner  Oäter  wider  den  kaiserlichen  Landfrieden  nnd 
Süllstand  sa  entaetaen  oder  mit  der  That  au  veigewaltigen. 
Zun  Schinfs  folgt  dann  eni  Sata,  der  den  Wert  der  Znsage 
gana  erheblich  herabsetat.  Der  König  übernahm  nftmlich 
die  Pflicht,  für  Stillstand  zu  sorgen,  nicht  etwa  lur  die 
ganze  nächste  Zeit  bis  zum  Konzil ,  sondern  nur  bis  zum 
November  1536,  also  auf  ein  Jahr;  für  die  spätere  Zeit  ver- 
sprach er  nuTi  dafs  er  den  Kaiser  bereden  wolle,  den  Still- 
stand  weiter  zu  garantieren.   Wenn  demnach  seine  Uber» 

1)  In  eilism  Briefe  an  Hsiw  Hofinaan  vom  S.  Hin  1686  envibiit 
dar  Kaililist  v.  a.  aiMdrÜcUieh,  dals  er  in  Wien  vergeblich  vsnmehl 
habe,  den  Schnti  des  Nürnberger  Friedens  aneh  für  die  Heriöge  von 

Pcmmem  zu  erwirken.  £r  bittet  dann  weiter ,  Ilüfmanu  möge  trots* 
dem  den  König  zu  bewegen  suchen,  dafs  er  die  Einstellung  der  Pro- 
zesse gegen  Pommern  veranlaise.  Dresdener  U.StArch.  10673  ,«Dis 
Abfertigung  and  Handlung**. 

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234 


radungflkunst  ihren  Eindruck  auf  Karl  verfehit»,  so  war 

nach  Verlauf  eines  Jahres  alles  wieder  beim  alten.  Aller- 
dings nahm  für  diesen  Fall  auch  Sachsen  sein  Recht  zum 
Protest  ge<z;en  Ferdinand's  Wahl  von  neuem  in  Anspmieh. 

Fassen  wir  den  Inhalt  der  Wiener  Abmachungen  kurz 
suflammen,  so  haben  wir  in  ihnen  eine  interimistlBche  An- 
erkannung  Ferdinand'a  su  erblicken ,  deren  Endgiütigkeit 
Yen  Bedingungen  abhängig  gemacht  war,  welche  der  Saiaer 
binnen  Jahresfrist  erfUUen  sollte.  Sie  bestanden  in  gewissen 
Erklärungen  zur  goldenen  Bulle,  in  der  Bestätigung  des 
Cleveschen  Heiratskontraktes  und  in  der  Verschaffung  wirk- 
lichen Friedens  für  die  Evangelischen.  Im  Falle,  dafa  sie 
nicht  ertiilit  würden,  sollte  der  Protest  gegen  Ferdiüand's 
Wahl  wieder  aufleben  und  der  Kadaner  Frieden  die  Grundlage 
idr  die  weiteren  Benebungen  dee  Königs  und  des  Kurfürsten 
Yon  Sachsen  bleiben.  Am  20.  November  1585  kam  der 
Vertrag  in  dieser  Weise  zum  AbschluTs  K  Die  Auffassung 
desselben  als  einer  wichtigen  Errungenschaft  der  Protestanten 
wird  sich  nach  obiger  Darlegung  nicht  mehr  behaupten 
kdimen.  Eher  wird  man  in  dem  Wiener  Abkoraracu  einen 
Beweis  für  die  aulserordentliche  Zähigkeit  und  Konsequenz 
der  habsburgischen  Religionspolitik  zu  sehen  haben;  denn 
wenn  man  berdcksichtigti  wie  ungünstig  die  Lage  Karl'a 
und  Ferdinand's  besonders  in  der  ersten  Hälfte  des  Jahres 
1535  war,  so  wird  man  es  kaum  begreifen^  daia  die  Prote- 
stanten aus  diesen  Verhältnissen  nicht  mehr  Vorteile  ftbr 
sich  zu  ziehen  vermochten.  Karl  V.  war  damak  durch  den 
Zug  gegen  Tunis  in  Anspruch  genunuuen  und  an  jedem 
kräftigen  Eingreifen  in  die  deutschen  Verhältnisse  verhindert, 
Ferdinand  noch  immer  nicht  allgemein  anerkannt;  zudem 
drohte  die  Wiedertäuferbew^gung,  welche  in  Münster  su  den 


1)  Der  in  der  Pol.  Korr.  II,  SSO  veiaflbatUebte  Artiksl  des  Ver« 
tngos  hat  abweichend  davon  dos  Datum  S8.  November;  «ahisehem* 
lieh  beseichnet  dies  den  Tag  seiner  apssieUen,  abgesonderten  Fat- 
snng.  Wibiend  der  vollständigs  Vertiag  nicht  allgemsin  beimant 
gegeben  werde,  wurde  dieser  eine  Artikel  wegen  seines  Interesses  für 
die  Gesamtbeit  der  Evangeliscben  mögliohst  Terbreitet  Die  Jaiiies- 
saU  „a.  di**  in  der  PoL  Korr.  ist  natfiriieh  DmeldbUer. 

.  j     .  >  y  Google 


DIE  VERTRAGE  VON  KADAN  UND  WIEN. 


235 


gefährlichsten  Unruhen  geführt  hatte  |  immer  weitere  Kreise 
des  Reichs  zu  ei^eifen.  Die  abenieuerlichBten  QerUchte 
aber  aufrührerische  Absichten  der  evangelischen  Rmehsstädte 

waren  in  Umlauf  und  faudou,  obwohl  gänzlich  imbefjrrüiulet, 
hdm  Kaiser  und  König  Glauben  Trutzdem  wuisten  sich 
letztere  jeder  neuen  ernstlichen  Konzession  an  die  Prote- 
stanten zu  entziehen;  ja  sie  thaten  nicht  einmal  dem  feind- 
seligen Vorgehen  des  Kammergerichts  gegen  die  Schmal* 
kaldener  Einhalt  Sie  begnügten  sich  vielmehr  mit  nichts- 
eagendeu,  allgemeinen  Versprechungen  und  Beteuerungen 
ihrer  Friedfertigkeit*;  dem  Kurfürsten  und  Landgrafen 
machten  sie  unter  Vorspiegelung  freundlicher  Gesinnung 
Bandnisan^rbietangen  —  allerdings  in  sehr  allgemeineD  Aus- 
drücken '  —  und  setaten  es  dorch^  dala  sich  die  Protestanten 
an  der  Reichshilfe  gegen  Mttnster  beteiligten  Das  Wohl* 
wollen  für  die  Evangelischen,  weiches  Kanke  uui  diese  Zeit 
am  koijiglit'hen  Hofe  vorhanden  glaubt  war  in  Wirklich- 
keit nur  bei  einem  Teile  der  königlichen  Räte,  wie  bei 
Hans  HoimanUi  aufrichtige  bei  Ferdiuaud  selbst  aber  er- 
henchelt)  um  die  Protestanten  in  guter  Stimmung  zu  er- 
halten und  die  Anerkennung  der  Wahl  unter  möglichst 
leichten  Bedingungen  zu  erlangen.  Wie  nichtig  seine  Wiener 
Zugeständnisse  waren ,  wird  übrigens  der  weitere  Verlauf 
der  Dinge  am  besten  zeigen. 

Johann  Friedrich  reiste  von  Wien  aus  sofort  nach  Schmal- 
kaldeo,  wo  ihn  die  Vertreter  der  anderen  Bundssstttnde  be- 
reits erwarteten,  um  nun  endlich  über  die  Erstreckung  und 
Erweiterung  der  Schmalkaldischen  Einigung  schlüssip^  zu 
werden  ^.  Da  die  überwiegende  Mehrheit  der  Einigunga- 
verwandten  längst  auf  jeden  Fall  zur  Auüiahme  neuer  Mit- 
^^ieder  entschlosseii  war,  so  kam  es  nun  darauf  an,  ob 


r  Pol.  Koir.  II,  S.  253  Anm.  2. 

2)  Ebenda  Nr.  269.  270.  288. 

3)  Weim.  O.A.  reg.  H.  p.  97  Nr.  41.   Ranke  IV,  53. 

4)  Pol  Korr  II,  331. 

5)  Ranks  IV,  52ff. 

6)  Pol  Korr.  U,  Nr.  330. 


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236 


WINCKELMANN, 


Sachsen  trote  des  ungünstigen  Ans&Jk  der  Wiener  Ver- 

liaii dl ungen  dem  allgemeinen  \  erlangen  nachgeben  würde. 
Nach  seiner  biBiierigen  Haltung  nmlste  man  mindestens  auf 
einen  sehr  hartnäckigen  Widerstand  geMst  sein.  Um  so 
ftberraaehender  ist  es,  dals  ee  verhältniamäftlg  wenig  MOho 
koetete,  den  KniftMan  zu  Obeireden.  Über  die  8clJie&- 
H<^en  Gründe  seiner  WiOfthrigkeit  kann  man  keine  volle 
Aul  klärung  gewinnen ;  wahrscheinlich  liefs  er  sich  vor  allem 
von  der  Erkenntnis  leiten,  dafs  eine  Weigerung  ihn  nur 
gftnslich  isolieren  und  die  anderen  Protestanten  sur  Ghrftn- 
dong  eines  neuen  Bundes  mit  freieren  Qnmdsftiien  ▼eraa* 
lassen  wttrda  Ferner  trMeie  er  aieh  wohl  damit^  dalk 
Ferdinand  die  Aufiiahme  neuer  Bundesglieder  ja  nickt  eigent- 
lich verboten  hatte,  und  überhaupt  mochte  er  in  Wien  den 
Eindruck  erhalten  haben,  dals  der  König  in  dieser  Ange- 
legenheit ein  Auge  zudrücken  wolle.  Der  Abneigung  des 
Kurfürsten  gegen  jede  Verbindung  mit  zwingüsch  oder  wie- 
dertäulerisch  gesinnten  Stftnden  wurde  durdi  die  Bestimmung 
Rechnung  getragen^  dafs  jedes  aufzunehmende  Mitglied  sich 
uiiliedingi  zur  Augsburger  Konlessiun  bekennen  müsse. 
Welche  Streitsachen  küuitig  als  religiöse  von  Bundes  wegen 
zu  vertreten  und  zu  verteidigen  seien,  sollte  in  jedem  ein- 
seinen Falle  die  Bundesversammlung  bestimmen.  Aulserdem 
stellten  die  Verbündeten  den  allgemeinen  Sats  aufS  dafs 
die  im  Wiener  Vertrage  übernommene  Verpflichtung,  nie- 
manden seiner  Güter  zu  entsetzen,  das  Recht  zur  Abschal- 
fung  von  päpstlicher  Gerichtsbarkeit^  Zeremonieeu  und  Müs- 
bräuchen  nicht  ausschlielse. 

Hierin  lag  schon  wieder  der  Keim  neuer  MüsverstSad* 
nisse  und  Zwistigkeiten  awischen  der  evangelischen  und 
katholischen  Partei,  wie  sich  alsbald  zeigen  sollte.  In  sei- 
nem am  24.  November  erlassenen  Mandat  an  das  Kammer- 
gericht befahl  nämHch  der  König  die  Einstellung  aller  gegen 
die  St&nde  des  Nürnberger  Friedens  anhängigen  PhMieaBe; 
bei  künftigen  aber,  schrieb  er,  sollte  nur  in  solchen  still- 
gestanden werden,  welche  ihrem  Ursprung  nach  aus  der 

1^  PoL  Korr.  II,  321. 


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DIB  VBRTlllOE  TON  KADAN  UND  WIEN. 


937 


Zeit  vor  der  Wiener  Abrede  herrührten  \  JBiiie  derartige 
BeBchritnkimg  siuid  nun  nach  Anseht  der  Proteetieieaden 
kft  Widersprach  su  dem  Wiener  Artikel,  und  der  Kurftet 
führte  daher  hrieflioh  bei  Hans  Hofmaan  heftige  Klage*. 
Er  Hefa  sich  sogar  zu  der  Drohung  hinreiisen,  dafs  England 
und  Frankreicli  den  Evangelischen  im  Fall  eines  Angrifli 
beistehen  würden.  Hofmann  erwiderte  am  12.  Januar  1536  ^, 
er  habe  die  Beschwerde  dem  König  vorgetragen  und  darauf 
in  der  That  erlangt ,  daik  die  angefochtene  Einachrilnkung 
ans  dem  Mandat  fortUeiben  soUiei  Er  fügte  aber  hinzu, 
dafii  Ferdinand  sich  Uber  die  Beschwerde  gewundert  hfttte, 
da  ja  doch  In  dem  Wiener  Vertrage  ausdraddich  gesagt 
»ei,  dafs  künftig  niemand  mehr  durch  die  Protestanten  seiner 
Güter  entsetzt  werden  sollte.  Darauf  also  stützte  sich ,  wie 
man  sieht,  jene  Klausel  inbetreff  der  künftigen  Prozesse. 
Übrigens  war  es  in  Wirklichkeit  ziemlich  gleichgültig,  ob 
die  Einschränkung  in  dem  Befehl  stehen  blieb  oder  nicht; 
denn  der  Oerichtshof  kümmerte  steh  flberhanpt  nicht  um 
das  Mandat  Aul  die  Zusendung  desselben  schrieb  er  am 
17.  Februar*  an  Johann  Friedridi:  Sachsen  und  seine  Zu> 
gewandten  suliten  sich  vei  aichert  halten,  dafa  Kammerrichter 
und  Beisitzer  sich  wie  bisher  dem  Recht  und  den  Ord- 
nungen des  Reichs  gemäls  erzeigen  würden.  Das  hiefs  mit 
dürren  Worten:  man  werde  sich  in  keiner  Weise  in  der 
Fortführung  der  Pktmesse  beirren  lassen.  Qegenttber  dem 
aemHch  klar  ge&foten  Befehl  des  Königs  wire  dieses  Be- 
nehmen des  hödisten  Gerichtshofes  uuTerstSndlichy  wenn  wir 
nicht  wttfsten,  dafb  es  sieh  auf  Geheifs  eines  Höheren,  nibniich 
des  Kaisers  selbst,  gründete,  der  den  rrotostanten  in  einem 
Brief  vom  30.  November  1536  recht  im  Gegensatz  zu 
dem  Wiener  Vertrag  seinen  Unwillen  über  ihre  Verletzungen 


1)  Ebenda  8.  820  Anm.  1. 

2)  I>.  d.  1686  DmuBim  »  ha  Wehnaier  QJL  ng.  H.,  p.  106» 
Nr.  46. 

3)  Dread.  H.St.A.  10673  „Die  Abfertigong  «.  HsmUoi«  ste.^ 

4)  Weimarer  G.A.  reg.  H.,  p.  110,  Nr,  49. 

6)  PoL  Korr.  11,  Nr.  348.  Fer^k  XXll,  627. 


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238 


WINCKKLlfAKN, 


des  Kürnbei^ger  Friedens  and  ihren  Ungehorsam  gegen  das 
Kammergericht  kundgab  ^.  Obwohl  dieses  Zeichen  kaiser- 
licher Gesinnung  Legreif iicherweise  grofse  Enttäuschung  und 
Erbitterung  im  protestantischen  Lager  liervorrief,  so  liefsen 
sich  die  Einigungsverwandteu  doch  zu  keiner  feindseligen 
Handlung  gegen  Karl  V.  bewegen,  was  um  so  mehr  Aner- 
kennung verdient,  als  ihnen  Frankreich  im  HinbUck  auf 
die  neuen  mailttndischen  Venvickelungen  dn  Bündnis  gegen 
den  Kaiser  nahe  genug  legte  *.  Karl  selbst  fürchtete  eine 
Verständigung  der  Schmalkaldener  mit  Franz  I.  in  hohem 
Grade  und  suchte  deshalb  die  erregten  Gemüter  durch  mehr- 
£Ache  Beteuerungen  seines  WohlwoUens  wieder  au  beschwich- 
tigen. Namentlieh  in  einem  aus  Sayigliano  Tom  7.  Juli 
1536  datierten  Schreiben  an  die  Protestierenden  *  wies  er 
die  Insinuation ,  als  hege  er  kriegerische  Absichten  gegen 
die  evani^eliacLen  Stände,  mit  scheinbarer  Entrüstung:  zurück 
und  versicherte;  er  werde  den  religiösen  Zwist  nie  anders 
als  durch  friedliche  Mittel  beizul^^  suchen.  Auf  den 
Gang  der  EammeigerichtsproKesse  blieb  diese  Kundgebung, 
deren  Zweck  durchsichtig  genug  war,  ohne  jeden  ISn* 
flufs.  JJiü  blande  versuchten  nun  noch  einmal  dadurch  Ab- 
hilfe zu  schaffen ,  dai's  sie  den  Kaiser  in  aller  Unterthänig- 
keit  durch  besondere  Gesandtschaft  die  Bachtmäikigkeit 
ihres  Verhaltens  und  ihrer  Beschwerden  g^enüber  dem 
Kammeigericht  ausführlich  darlegen  liefsen.  Die  Anregung 
hiersu  ging  von  Strafsburg  aus^  dessen  Rechtsgelehrter 
Dr.  Franz  Frosch  eine  Denkschrift  ausarbeit ite,  welche  na- 
mentlich die  Kekusation  des  ubeisten  Gerichtshofes  recht- 
fertigen sollte^.  Auf  dem  Frankfurter  Tage  im  Mai  1536 
wurde  die  Absendung  der  Botschaft  endgültig  beschlosseii 
und  das  Nähere  darüber  auf  einer  Zusammenkunft  der 


1)  Kunke  a.  a.  0  ,  der  dic^s  Schreibeo  gar  Dicht  kciuil,  obwuhi 
es  auch  von  Seckendorf  und  Ölcidan  erwähnt  wird,  meint,  dafs  die 
Wiener  Zusage  erfüllt  worden  sei ,  und  cUIb  die  Protestanten  darauf 
mit  Karl  und  l'\  rdiiiand  im  besten  iuuvemehmen  gelebt  hätten. 

2)  Pol.  Korr.  II,  p, 

3)  Neudeck  er,  Urkundeu,  S.  267. 

4)  Pol.  Korr.  II,  Nr.  351  und  353. 


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DIE  VEKTKÄGfi  VOM  KADAN  UND  WIEN. 


239 


Buiideshäupter  zu  Nainiiburg  festgesetzt  ^  Joachiiu  Mar- 
BcLaik  von  Pappenheim,  Ludwig  von  liiunibach  und  Dr.  Clau- 
dius Pcutiuger  wurden  zu  Gesandten  beatimmt.  Zuerst  ver- 
bandelten sie  mit  Ränig  Ferdinand  in  Innsbruck,  wo  sich 
anfBerdem  noch  Hans  von  Dölzig  oingefiinden  hatte.  Der 
Kdntg  stellte  ihnen  auf  ihre  Bitten  am  7.  Angnst  eine  be> 
sondere  „  Fttrschrift^'  an  den  Kaiser  aas>  in  welcher  er  ihre 
Werbung  befürwortete,  und  erklärte  sieh  bereit,  seine  Ka* 
daner  und  Wiener  Versprechungen  nach  beuten  Kräiteu  zu 
erfüllen 

Sehen  wir  zunächst  zu,  was  in  letzterer  Hinsicht  in 
Deutschland  bis  zur  Küekkehr  der  Gesandtschait  vom  Kaiser 
geschah.  Ferdinand's  Parteilichkeit  und  Unzuverlässigkeit 
zeigte  sich  recht  deutlich  besonders  in  einem  FailC;  der  ihn 
persönlich  nlüier  anging.  Die  Stadt  Lindau  hatte  in  ihrem 
Frauenkloster,  das  allerdings  unter  kdniglichem  Schuts  stand, 
die  Messe  abgeschafft.  Darüber  war  der  König  sehr  erbost 
und  verlange  durch  Vermittelung  des  Kuinmergerichts  die 
Wicderheriöteiiung  des  katholischen  Ritus,  da  die  Stadt  keine 
Gewalt  über  daa  Kloster  habe.  Alle  Bitten  und  Vorstel- 
lungen Sachsens  und  Hessens  suguneten  Lindau's  blieben 
erfolglos  und  der  Prosefs  gegen  die  Stadt  gestaltete  sich 
immer  bedrohlicher*.  Mitte  September  wurde  Ferdinand's 
Gesandten  in  Torgau  eine  neue  Beschwerdesehrift  des  Kur- 

r  Pol  Korr.  II,  p  307  Anm.  2  un  7  nr.  3?5.  Vgl.  Meinardus 
in  Forsch.  XXII,  610.  Die  lustruktioo  für  die  Gesandten  d.  d.  Juli  6 
ist  im  Weimarer  Q.A.  reg.  H ,  p.  102,  nr.  45.  Sie  enthält  auch  eine 
Widerlegung  des  Vorwurfs,  dafs  sich  die  ProtostUDteu  mit  Fraiikrfiich 
unrl  Fiigland  gegen  den  Kaiser  cingelusson  liüttf^ii,  K-^  wird  zuge- 
geben, dafs  Bünduisvcrhnndlungen  mit  diesen  Mächten  geführt  seien; 
doch  wird  gesagt,  dieselben  seien  eben  deswegen  gescheitert,  weil  die 
Pkotestanten  den  Kaiser  im  Bunde  ausnehmen  wollten. 

2)  Ebenda  Nr.  M.  403  und  Weimarer  G.A.  reg.  11  ,  p.  103. 
Nr.  4ti. 

8)  Ebenda  Nr.  829.  880.  861.  408.  404.  416.  WiOiieiid  der  ganisa 
sweitSB  Hülfle  des  Jahres  1536  w  Hsai  Dolsig  am  Hofe  Fsidi- 
Hand*!  und  betrieb  neben  apssiell  siehdaefaeD  Angelegeoheiten  die 
EuMteUmig  das  Lbdauer  PirossMea.  Wehn.  G.A.  leg.  H  ,  p.  108, 
Nr.  46.  (Briefe  Ddsig't  an  den  KnrfÜnten.) 


240 


fürsten  überreicht  ^,  aus  der  hervorgeht,  dals  nicht  nur  Lin- 
dau sondern  auch  besonders  Ulm  und  Efslingen  noch  immer 
vom  Kammergericbt  bedrängt  wurden.  So  drohte  die  im 
Wiener  Vertrag  gesteilte  Frist  zu  yerstreichen^  ohne  dals 
dar  Tenprochene  StUletaiid  eintrat  Derselbe  Milaerfolg 
leigte  eick  auoh  bei  den  anderen  Zngeetttudniseen  des  Kö- 
nigs. Schuld  daran  war  weniger  seine  eigene  Nachlässig- 
keit als  der  Eigensinn  KarPs  V.,  der  weder  in  der  Wahl- 
noch  in  der  Heiratsangeiegenheit  dem  Kiurfursteu  entgegeu- 
kommen  wollte.  Auch  die  peraönlichen  Bemühungen  Jo- 
bann  Fiiedrieh's,  die  kaiaeriiche  Volhdehiing  der  Wiener 
Abrede  au  erlangen,  waren  umaonei  Znm  VemiiiÜer  swi* 
scheu  Sacliöcii  und  dem  Kaiser  liatte  sich  Wilhehn  von 
Neuenaar  herp;egGben.  Aus  seinem  vertrauten  Briei Wechsel 
mit  dem  Kurlursten  ^  ersieht  man ,  dafs  er  besonders  bei 
Kari'a  Sehweeter  Maiiai  der  Statthaiterin  der  Niederlande 
nnd  bei  dem  kaiBerlichen  Feldberren,  Heinrich  von  Naaeaiiy 
Fttrspracke  dnl^te.  Man  gab  ihm  hierauf  sn  ▼erstdien, 
dafs  der  Kaiser  zwar  nicht  al>geneigt  sei,  den  Vertrag  zu 
ratifizieren,  jedoch  den  Unwillen  des  Papstes  befürchte,  dessen 
Geneigtheit  er  wegen  seines  lüieges  mit  Frankreich  nicht 
wncheraen  durfte. 

So  war  und  blieb  denn  der  Wiener  Vertrag  ein  toter 
Buchstabe.  Um  sich  nun  wenigstens  fttr  die  n&chste  2Sdt 
die  weitere  Anerkennung  des  Kurfürsten  und  seiner  An- 
hänger zu  sichern,  ersuchte  Ferdinand  um  Verschiebung  des 
zur  Erfüllung  der  Wiener  Bedingungen  gesetzten  Termins 
Der  Kurfürst  wollte  hierauf  fUr  ein  weiteres  Jahr  eingehen, 
wenn  der  König  den  Stülstand  der  Proaeese  für  die  Ter- 
längerte  IVist  nocfamals  in  bestimmter  Weise  TOrhiefse.  Eine 
solche  Erneuerung  seines  Versprechens  verweigerte  aber 
Ferdinand  bezeichnenderweise  ganz  entschieden  ^,  da  er  wohl 
wufste,  dafs  er  keinen  Rückhalt  an  seinem  kaiserlichen 
Bruder  finden  wfirde^  und  da  er  die  alleinige  Verantwortung 


1)  Weimarer        Mg.       p.  188.  194»  Nr.  56. 

2)  Ebenda. 

a)  Ebenda  p.  lOS,  Nc.  46. 


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DIE  ^  EUTKÄÖE  \  0a  KADAN  UND  WIEN. 


241 


dafür  scheute.     IKe  Verhandlimgen  über  diesen  Punkt 

schwebten  noch,  als  der  König  die  willkommene  Nachricht 
erhielt,  dafs  Karl  demnächst  seinen  Vizekanzler  Held  nach 
Deutschland  schicken  würde,  uin  alle  bestehenden  Zweifel 
und  Zwistigkeiten  sa  beseitigen.  Froh  über  den  so  er- 
dffbeten  Aasweg  aus  seiner  Verlegenheit,  wälzte  er  alle  wei- 
teren  Erörterungen  auf  den  kaiserlichen  Bevollmttchtigten  ab. 

Held's  Sendung  stand  im  engsten  Zusammenhang  mit 
der  oben  erwähnten  Botschaft  der  Protestanten.  Karl  V. 
hatte  es  in  der  ihm  eigentümlichen  Art  und  Weise  vermie- 
den, den  Abgeordneten  auf  ihren  Vortrap^  persiinlich  klare, 
offene  Antwort  zu  erteilen,  sondern  am  31.  Oktober  in  Genua 
lakonisch  erwidert,  er  werde  seinen  Vizekanzler  mit  den 
erforderlichen  Anweisungen  nach  Deutschland  senden  K  Ob- 
schon  nun  die  Verbündeten  durch  Aulseningen ,  die  Heid 
in  Italien  gegen  die  Gesandten  gethan,  darauf  vorbemtet 
waren,  dafs  die  kaiserliehen  Erklärungen  kanm  günstig  ftkr 
sie  ausfallen  würden,  so  wurden  sie  doch  durch  die  überaus 
schroffe  Art,  mit  welcher  Held  im  Februar  1537  auf  dem 
Schmaikaldener  Tage  jede  Konzession  verweigerte,  empfind- 
lich überrascht  und  verletzi  Ein  näheres  Eingehen  aiii 
die  damaligen  Verhandlungen  liegt  aulserhalb  des  Käh- 
mens dieses  Aufsataes  K   Wir  haben  hier  nur  soTiel  fest- 


1)  Pol.  Korr.  II,  Nr.  421.  Vgl  Meinszdus  in  Forsch.  XXil, 
611  ff.  Die  protestantischen  Gesandten  wareo  nach  einem  Briefe 
Dobng'0  am  14.  August  von  Innsbruck  aus  zum  Kaiser  abgereist 
und  hatt(*n  am  23.  September,  wie  Pappenheim  dem  Kurfürsten  be- 
riebt«  f,  ihre  crate  Andienz  bei  Karl,  der  ihnen  durch  Dr  Held  eine 
„aufzügliche"  Antwort  erteilen  lief».  Pa[ipp!ih<^iiTt  <^ehrieb  schon  da- 
mal»,  er  merke  aus  „geselligen  Reden"  des  Dr.  Held,  dals  nicht  viel 
2u  hoffen  sei;  der  Kaiser  wolle  seine  Nürnberger  Zusage  bezüglich 
der  Prozesse  nur  für  reine  Religionssachen  ,,ouc  allen  auhaug  noch 
Interpretation"  gelten  lassen.  Die  Gesandten  folgten  dann  dem  kaiser> 
liehen  Hof  Uger  äber  Niua  und  Savona  naoli  GeaaSy  wo  endlidi  ilne 
Ablbrtiguug  erfolgte.  Pappenheim  eikiaakte  sehen  Todber  in  Saveaa 
nad  ftnib  in  Mailsnd.  Di«  Antwort  des  Ksissrt  rom  81.  Oktober 
traf  lant  KaasleiTennerk  sm  28.  Desember  in  Eisenseh,  sin.  Weimarer 
Q.A.  reg.  H.,  p.  102,  nr.  45  und  p.  106,  nr.  46. 

2)  Vgl.  Baake  IT,  78ft»  Meiner  das  a  a.  0.,  Pol  Korr.  II, 
giil««hr.  t  E.-e.  II,  s.  16 


242 


Kti«(e11eii|  dafs  Held's  Erklärangen^  anBtatt  den  Wiener  Ver- 

tiag  zu  bestätigen,  denselben  vollständig  über  den  Haufen 
warfen.  Von  Stillstand  der  Prozesse  war  nun  natürlich  f^^r 
keine  Kede  mehr ;  ebenso  wenig  kam  es  zur  vertragsmälsigen 
Beilegung  der  Wahlsache  oder  zur  Bestätigimg  des  Jülich- 
deveschen  Heiratsvertrages.  Held  sagte  geradezu  * :  der 
Wiener  Vertrag  gefalle  dem  Kaiser  gar  nicht;  die  Zus&tse 
am*  goldenen  Bulle  könne  Karl  nur  dann  bewilligen,  wenn 
sie  ihm  durch  die  Kurfürsten  einstimmig  vorgeschlagen  wttr- 
dcii;  nn  übrigen  könne  er  nur  einen  Revers  geben,  dais 
Ferdinand'e  Wahl  dem  Kuriürsten  \on  Sachsen  und  dessen 
Nachkommen  an  ihrem  Wahlrecht  nicht  nachteilig  sein  solle. 
£ine  weitere  Weigerung,  dem  König  Ehren  und  Titel  zu 
gewähren y  werde  den  höchsten  „Ungefallen''  Karins  nach 
sich  ziehen.  Der  Kaiser  sei  kein  Kaufmann,  um  mit  sich 
handeln  zu  lassen;  indessen  sei  zu  hoffen,  dafo  er  Sachsen» 
FOgsamkeit  in  der  Wahlsache  mit  der  Bestftti^nng  des  Hei- 
ratsvertrages  belohnen  werde,  vorausgesetzt,  dafs  der  Kur- 
fürst aueli  das  zu  Mantua  angesetzte  Konzil  anerkenne  und 
besuche.  Johann  Friedrich  wies  diese  Vorschläge  weit  von 
sich;  ja  er  lehnte  jetzt  sogar  unbedingt  die  Verlängerung 
der  Wiener  Frist  ab,  indem  er  darlegte,  dafs  nach  Held'a 
Auseinandersetzungen  doch  kein  Stillstand  der  Prozesse  zu 
erwarten  sei,  selbst  wenn  Ferdinand  wirklich  sein  bezüg- 
liches Versprechen  wiederholte. 

Somit  lagen  die  Dinge  fast  genau  ebenso  wie  vor  dem 
Kadaner  Vertrag,  soviel  wenigstens  den  religiösen  Frieden 
und  die  Wahlsache  anlangt.  Obwohl  nun  in  Kadan  und 
Wien  ausgemacht  war,  dals  im  Falle  der  Nichterfüllung  der 
gegebenen  Zusagen  die  Parteien  jedenfalls  keine  Feindselig- 
keiten beginnen,  sondern  sich  „an  gleich  und  recht  be- 


Kr.  489.  leh  «tinuDe  Meinardiis*  AmfGhrangea  hn  aUgemeiaeii  bei^ 
muiaeh  Heid  gegen  die  ksisorlicheii  Inttraktlonen  nicht  so  sehr  in 
der  Ssebe  selbst  als  durch  die  herausfordemde  Art  seiaet  Auftretas 
ventoAea  habe.  Vgl  auch  den  jSogst  erschieoeiien  Aufsats  von 
Beide  m  Hitt-poL  Bl.  102,  718C 

1)  Wehn.  QA.  reg*  H.,  p.  116,  nr.  58. 


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DIE  VBfiTRÄGE  VON  KADAN  ÜKD  WIEN.  248 

gnügcn  lassen sollten,  so  war  es  doch  natürlich ,  dafs 
der  Kurfürst  sich  in  der  WaUangelegenlieit  neuerdings  die 
Unterstütsnng  seiner  KeUgionsverwandten  zu  sichern  sachte. 
Am  28.  Februar  Itefis  er  den  Städtebotschaften  in  Schmal- 
kalden sein  Anliegen  vortragen  K  Die  StKdte  sollten  ihm 
helfen,  wenn  die  Wahlsache  zum  Vorwand  eines  Angriflfa 
gegen  ihn  benutzt  würde;  denn  im  Grunde  sei  ja  doch  die 
Keligion  die  Ursache  der  Anfeindung.  Er  gab  dabei  zu 
verstehen,  dafs  er  ohne  die  Hilie  der  Städte  gezwungen  sei, 
in  der  Wahlsaohe  irgendeinen  Ausgleich  mit  dem  K<tnig 
anzunehmen;  Wülste  er  sich  dagegen  von  den  Stildten  ge- 
stützt, so  würde  er  sich  „ohne  einen  beständigen  Frieden 
auch  in  der  Religionssaehe,  nicht  mit  Ferdinand  vertragen. 
Die  Gesandten  der  Städte  konnten  hierauf  wegen  mangeln- 
der Vollmacht  keine  bestimmte  Antwort  erteilen;  doch 
glaubten  sie  im  ganzen  einen  günstigen  Bescheid  ihrer 
Obrigkeiten  in  Aussicht  stellen  zu  dürfen.  Anders  verhielten 
sich  die  Fürsten,  von  denen  Franz  und  Emst  von  Lünebuig 
dem  Kurfürsten  ohne  Zögein  die  geforderte  Zusicherung 
ihres  Beistands  gaben  K 

Wenn  es  nun  auch  nicht  zu  offenen  Feindseligkeiten 
der  Wahl  wegen  kam,  so  hat  diese  Angelegenheit  doch  viel 
zur  VerschäriuMg  des  Gegensatzes  aswischen  dem  Hause 
Habsburg  und  den  Protestanten  beigetragen.  Auf  allen 
künftigen  Versammlungstagen  kam  die  Sache  zur  Sprache; 
ganse  Aktenbündel  des  Dresdener  Archivs  ^  l^n  Zeugnis 
ab  von  den  Bemühungen  beider  Teile^  euien  befriedigenden 
Ausgleich  herbeizuführen;  aliein  es  war  umsonst  Nur  vor- 
übergehend hat  Johann  Friedrich  den  König  anerkannt,  so 
auf  dem  Frankfurter  Tage,  ferner  im  Jahre  1542. 
Dazwischen  protestierte  er  z.  B.  bei  Gelegenheit  des  Hage- 
nauer Keligionagesprächs  1540  ausdrücklich  gegen  die  Prä- 


1)  Pol.  Korr.  II,  Nr.  439. 

2)  Dresdener  Il.St  A.  10673  „Schriften  zw.  d.  Koxf.  xa  äachiea 
u.  Herzog  Franzen  "  etc. 

3)  Ebenda  und  10674  „Handlimg  sw.  Kom.  kai.  mi^.  Ferdi- 
nando**  etc. 

16* 

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844 


WINCSELMANlf, 


Bumtion,  dafs  seine  Teilnahme  an  den  Verhandlungen,  welche 
Ton  Ferdinand  geleitet  werden  sollten ,  etwa  die  Anerken- 
nung desaelben  als  römischen  Kdmgs  in  sich  schlieise.  So- 
weit ich  das  Material  Übersehe,  scheint  die  Wahlsache  Tor 
der  Uiiterwerfui)|i^  Sachsens  im  Jahre  1547  übeiiiaiipt  nidit 
erledigt  wordun  zu  sein.  Nach  dieser  Katastrophe  ist  dann 
freilich  der  Widerspruch  gegen  Ferdinand's  Würde  unhalt- 
bar geworden. 

Toll  stehe  hiermit  am  £ndc  meiner  Ausführungen, 
fioflfenthch  ist  es  mir  gelungen,  die  Bedeutung  der  Vertrüge 
von  Kadan  nnd  Wien  ins  richtige  lacht  au  setaen  nnd  an 
leigen,  dafs  dieselben  weder  an  sich  selbst  ab  Triumphe 
der  protestantischen  Diplomatie  aufirafassen  rind  noch  auch 
in  WirkHchkeit  zur  »Stärkung  des  Protestantismus  in  her- 
vorrageiidem  ^fafse  beigetragen  haben  Ich  glaube  eher, 
dafs  die  geschilderten  Verhandlungen  Zeugnis  ablegen  iür 
die  ganz  erstaunliche  Zähigkeit  und  das  Geschick,  mit 
welchen  die  habsbuigische  Politik  auch  hier  trota  der 
schwierigsten  Zeitverhitltnisae  dem  Umsichgreifen  der  ver- 
hafsten  Neuerungen  entgegenaawirken  gesucht  hat  Wenn 
der  Protestantismus  troixdem  in  jenem  Zeitabschnitt  einen 
so  ungealiuten  Aufschwung  nahm,  so  verdankte  er  das 
aufber  der  ihm  innewohnenden  Kraft  der  Wahrheit  nur 
dem  Umstände,  dafs  der  Kaiser  durch  die  Gesamtlage  der 
europäischen  Politik  verhindert  war,  seine  feindselige  Ge- 
sinnung schon  damab  durch  gewaltsames  Vorgehen  zu  be- 
thätigen. 


DIE  VERTRÄGE  VON  KADAH  UHD  WIEN. 


246 


BeUage. 


Vertrag  swisohen  dem  rftmisohea  König  Ferdiaaad 
wmI  dem  Knrfllrsieift  Johann  Friedrich  von  Saeheen. 
D.  d.  Wiest  20.  Nebenher  1536. 

Dresdeaer  H.St  A.  loc.  10674  „iiiAü*^luug  zu  Wien  etc.".    Kopie  nach 
einer  vidimierten  Abschrift.   (Eine  andere  Kopie  ebenda  loe.  10678 
„Die  AbÜBftigang  und  Handlung  ele.".) 

Zu  wisson.  nls  auf  den  vertrag,  welcher  hievor  zu  Kadan 
in  dem  kuni^Tcich  Behaim  durch  .  .  .  hern  Albrechten  .  . .  eri- 
biächof  zu  Mainz  .  . .  uud  heru  Georgen,  herzogen  zu  Sachsen  . .  . 
in  dreien  furnemblichen  hauhtpnncien ,  als  nembltch  für  den 
erstn  die  religion,  für  deu  andern  des  ...  horn  Ferdinanden, 
liüüiiöcheu  zü  Hungaru  uud  Beham  kunigeu  .  .  .  liümischö  kunig- 
liche  wal  und  fur  den  dritten  des  fnrstentnmbs  Wiittenberg  be- 
rnrende  an^erieht  iBt,  allerlei  handlungen ,  so  derselbig  vertarag 
mit  ime  bringt»  beecbeben  sein,  aber  meht  alle  in  ir  volziehvng 
kommen  mngen»  wie  der  buebetab  deeeell-en  Tertrags  answelet» 
darans  gefolgt^  daa  suletxt  und  am  jnngsten  zwnscbn  gedachter 
Bomiscben  konigliobn  maieetet  an  einem  und  dem  . . .  hera  Jo- 
bansen  Friderichen  .  . .  chnrf.,  herzogen  an  Sachsen ,  am  andern 
taii  neu  handlong  besehen  sein,  die  daa  gewirkt  haben,  das  eieb 
gemelter  chorfatst  von  Sachsen  in  aigener  person  hieher  zu  ge- 
dachter kunig.  mat.  vorfugt  und  sich  nach  Termnc^n  der  ahred 
dorfur  zwuscli<:>n  gedachter  Romischen  kunig.  mat.  und  seinen 
chnrfurstlichen  gnaden,  den  virdeu  tag  den  monats  augusti  negst- 
vortichinon  beschlossn  und  vorbrift,  baide  tail  in  weiter  hand- 
lung  hegeben  haben,  welche  nach  gnugsamer  bowegung  aller  tail 
notturften  ferner  zu  nachfolgender  beschlislicher  Torgleichung  und 
Toraiuigung  kumeu  ist: 

Nomlich  dieweil  nach  ?ormug  obgemclts  Cadayiscben  verUags 
nber  der  gedachten  Rom.  kunig.  mat.  vleissige  handlnng  in  vil 
wege  beschehen  bei  den  churfursten  des  reiche,  die  bewilligung 
des  artiks  (sicl),  domit  die  gülden  bnl  von  dem  ...  her  Carln, 
Römischen  Kaiaer  . . ,  ordert  werden  aoU,  noch  nit  erlangt  iat» 
Bo  solle  gedachte  Bomisch  kunig.  mat.  iwnschen  dato  und  sant 
Marftinatag  scbtrstknnftig  weiter  mit  ementem  eburftarsten  som 
embsigsten  und  Tleissigsten  handeln  laeeen  auf  die  wege  und 


94$ 


WIMCKELHAMN» 


mainiuigt  wie  solcha  der  obgemelt  Cadavisch  vorirag  im  buch* 
ataben  mit  ime  bringt,  also  lautend:  „„Dorkegen  hat  die  kunig. 

mat.  bewilligt  ^  decretum  irritana  der  kai.  mat.  cassirt  sein 

solle.""  und  nachdeme  aber  vUleicht»  ao  gleicbwol  wie  obstet 
bemelte  Bomisoh  kunig.  mat.  mit  den  oorf.  weiter  handeln  leat^ 
ober  Tozbesehene  Fleiaeig  Verfolgung  dieaelbig  chnrfursten  femer 
weigemng  wie  vor  aneben  und  angezeigten  artikel  uit  bewilligen 
wolten;  im  fal,  ao  nn  aolichs  beschee  oder  der  gedachten  kunig. 
mat.  nit  gelegen  aein  weit,  obgemeltermassen  mit  den  churfurstn 
handeln  zu  lassen,  so  soll  die  gedacht  Römisch  kunig.  mat  bei 
bemelter  Bomlschn  kaiser.  mat.  in  obgemelter  zeit  geburlichs 
ansuchn  thun ,  anhalten  und  erlangen ,  das  gedacht  kai.  mat. 
nnder  irera  titol,  insigel  und  handzaichn  gnantcm  cliurfursten  ain 
iirkiiTi  1  und  8choin  zustelle,  das  mi  hiiifur  in  ewig  zeit,  so  man 
in  dem  fal  stundo,  dris  nach  inhalt  der  guMon  bullen  die  wal 
ains  Romischn  kunigs  besehen  solle,  dieselbig  kainer  ;mdorn  ge- 
stalt  furgenomen,  gebandelt  noch  in  vol/Jhunir  kommen,  dann 
wie  solcbs  der  lauter  bnchstaben  der  guldeu  bullen  mit  ir  bringt 
und  das  solcher  urkund  dise  ansdruckliche  peen  angehengt  werde: 
nemlich  wo  ain  churfur>t  ;ilso  wider  den  inhalt  der  gnldon  bullen 
handeln  wurde,  das  dorselbig  vor  beiu  person  alsbald  mit  der 
tat  sein  churgerechtikeit  verftillen,  und  dieselbig  cbur  in  sol- 
chem fal  mit  den  gaistlichen  durch  die  capitel  und  dan  der  fal 
der  weltlichen  mit  den  erben  in  andere  wege  versehen  werden, 
damit  die  chnr  von  den  stifkn  und  die  weltlichen  von  iren  erb- 
schufton  ;iTiffezaigter  chur  nit  kommen?  und  wo  aul  aiige/aigte 
mocj  iler  L^Hden  bullen  zuwider  durcli  ain  muhiors  der  chur- 
fursten  uiu  kaniL:  erweit  wurde,  dos  alsdann  dieselbiij:  wal  decreto 
irritaute  itzt  alsdann  und  dan  als  itzt  niclitig  und  unbändig  sein 
solle,  und  solle  ul>gemülte  handlung  weiter  nit  dann  auf  die  frei 
election  und  nit  die  ceremonien,  so  dorin  gehalten,  die  aich  din 
cbnrfbraten  zn  gebraucho  wissen,  verstanden  werden. 

Und  es  will  die  Römisch  kunig.  mat  bei  gedachter  kai  mst 
allea  bntderlichen  ?leia  anhalten  nnd  yorfolgen,  domifc  Ir  kaL 
mat ,  80  dieaelbig  die  obbeetimpt  nrknnd  dem  churfaralieii  Tor- 
ÜBitigt,  ^daa  aain  kai  mat^  dieaelbig  den  andern  cnrfuratn  vor- 
knnde.  wo  aber  die  gemelt  kai.  mat  au  aolcbm  Torkunden  über 
allen  foigewantan  Tleia  nit  bewegt  werden  mdeht,  alsdann  soll 
gedachtem  cbnrfttrdten  himit  zQgelaaaen  aein,  obgemeltr  kai.  mal 
forfertige  nrkund  den  andern  aeiner  chnrftintlicbn  gnaden  mit» 
«horfaratn  zn  vorknnden  nnd  anznaaigen.  so  aber  die  gedacht 
Bomiach  knnig.  mat  den  erstn  artiol  inhalt  dea  Cadaviacben  Tor- 


1)  In  der  Vorlage  steht  hier  der  bekannte  Kadaner  Artikel  toU- 


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DIE  VEKTRXGE  von  KADAN  und  WIEN. 


247 


trage  in  der  vorangwateton  xoit  bei  dem  mehrer  tail  chwftmtn 
in  künftiger  handlüng  erlangen  und  entlich  vollzogen  warde,  80 

soll  die  gedacht  Römisch  kunig.  mat.  nit  schuldig  sein,  die  eb- 
gemelt  urkund  von  der  gedachten  kai.  mat.  zu  er]aTip:pn  " 

In  jedem  Fall  soll  der  König  aufserdem  beim  Kaiser  durch- 
setzen .  dafs  dem  Knrfilrsten  von  Sachsen  eine  Verschreibnng 
ausgebteilt  werde  des  Inhalts,  dafs  die  römische  Königswahl 
Ferdinand's,  welche  ohne  Mitwirkung  Sachsens  erfolgt  sei,  dem 
Kurfürsien  und  seinen  Erben  an  ihrem  Wahlrecht  nnnachteilig 
sein  solle;  femer  sollte  der  Kaiser  dem  Kurfürsten  eine  „ge- 
nenleonfiraaüon,  wie  solche  allen  andern  chorftirstn  in  jüngster 
der  Bo.  kunig.  mt.  iral  gefertigt  und  geben  ist",  ansstellen. 

M  Gegen  dieaeoir  wie  obetet»  boU  hinwidernmb  gedachter  chnr- 
fiuBt  von  Saobaen  eambt  seinen  mitverwanten  Terpflicbt  nnd 
sobnldig  sein,  der  gedaebtn  Bom.  knnig.  mat.,  inmsesen  andere 
ebnrftustn  thun,  alle  scbnldige  gehorsam  zn  laisten  und  zu  er* 
zaigen  und  on  alles  femer  ansnemen  und  wegernng  fnr  Bomischen 
kunig  ehren  halten  und  erkennen  nnd  in  der  andern  churfurstn 
decret,  über  obgemelte  irer  Bom.  kunig.  mat.  wal  zn  Coln  be* 
schehen,  iinder  seiner  curf.  gnaden  insigel  auch  williirAn,  wie 
Sülichs  ain  copei  aus  seiner  chnrf.  g.  canzlei  under  seiner  churf. 
gn.  handzairlm  fier  kunig.  mat.  zugestalt  i^^t,  dorzu  sich  nnrh. 
mit  und  neben  lt«  d  ichter  kunig.  mat.  angezaigter  boscheheu 
election  halben  aiuer  einigung  auf  fünf  jar  lang  begeben,  wie 
man  sich  zu  baidersoitjg  zwaier  gleichlautender  copeien  mit  kunig. 
iuat.  uud  tlea  gtiiiaciiteu  churiursten  banden  underschrieben,  vor- 
glichen hat;  und  domit  soll  die  bandlung,  so  bisher  dorwider 
beecheben  ist,  gans  todt  nnd  abe  sein.   Femer  als  sieh  in  ge* 

daebtem  Cadavbeben  Tertrag  Bo.  knnig.  mat.  bewilligt  bat  ^ 

wirklicb  Terscbafft  werden  aolle. 

Femer  naohdeme  in  bemeltem  Eadaviscben  Tortrag  ain  nn- 
Torbintlicber  articnl  des  Inhalts  geetalt  ist:  es  wollen  anoh  die 
kunig.  mat.  sich  bei  der  Bom.  kaiserlichen  mat.  zum  hochstn  nnd 
treulicbstn  befleissigen,  das  der  vertrag  des  churfursten  von 
Sachsen  mit  Gulich  nnd  Cleve  durch  ir  kai.  mat.  bestetigt  werde, 
und  nu  nach  vormuge  obgcschriebens  articl  die  gedacht  Romisch 
kunig.  mat  bei  ermelter  Bomischen  kai.  mat  solcbs  vleis  ange- 


1  Iiier  folgt  in  der  Vorlage  der  schon  in  den  Forschangen 
Bd.  Xill  uud  in  der  Pol.  Korr.  II,  p.  320  gedruckte  Artikel  des 
Vertrages  bezüglich  der  Prozesse.  Der  Wortlaut  weicht  zwar  von 
jenen  Drucken  in  einigen  unbedeutenden  Kleinigkeiten  ab,  doeh  glaiibte 
ich  deswegen  hier  nicht  nochmala  den  ganzen  Artikel  wiedergeben  zu 
sollen.  Die  Abvrrrchungen  erklär'^n  sich  übrigens  inrist  aus  ilt  tn  Be- 
streben, den  aua  dem  Zusammenhang  de»  G^zen  losgelösten  Artikel 
verständlicher  zu  machen. 


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848 


halten  und  gehandelt,  das  sein  Icni.  niiit.  auf  angezeigt  der  Ro- 
mischen kuuig.  mat.  vorfolgen  dörselbu  zu  br uderlichem  gefullen 
die  gebeten  confirmation  über  den  Gulichsohen  hairatsTortrag 
gnediglichen  gefertigt  and  itiB»r  Born,  kanig.  mat.  mit  diflMm 
ausdnickUolien  besehaid  ubrnBchicki  hat»  daa  aam  knnig.  mal  g«- 
dat^tam  ohnri^isteii  lolcha  GonflrmaMoB  gagan  bawüligaa  zoflagni 
md  TOialolianmg  naehTolgaadar  artikal  and  aanat  nit  soatallan 
Boah  nberantirvrtan  aoUa:  [1]  anttidi,  das  dar  chaiforBl  Ton 
Sachsen  bewilligat  so  dia  bapstllch  haUikait  mit  bemlligung  Born« 
kaiiar,  mi.  ain  concilium  aussciireiben  wurde,  d;is  sain  churf.  g, 
•oloha  annemen,  bewilligen,  und  was  doranf  beschlossen,  volzihen 
wolle.  [2]  zum  andern  das  sein  churfurstlich  gnad  im  glauben 
über  seiner  churf.  gTiaden  confessinn  zu  Augsburg  gethan,  kaiu 
abfal  thue  noch  ainich  neuernng  fnriiciiie.  [3]  zum  dritten,  das 
sein  churf.  g.  die  widerteufer  und  ander  uncristlich  socten  nit 
leidüu  sondern  auszurotten  verhelfe.  [4]  zum  virdeu,  das  .sein 
churf.  gnad  der  Rom.  kai.  mat.  wider  den  kunig  Ton  Fraukreich 
hulf  offensive  und  dofensive  thun  wolle.  [5]  zum  fünften,  das 
sein  churf.  gnad  die  Rom.  kunig.  mt.  far  Romischen  konig  on 
alla  wegernng  erkennan  ahran  and  haltn  wolla.  [6]  tum  sechsten, 
daa  aain  ckart  g.  widar  gadaoht  kai.  and  kimig.  mt  aatar- 
mahisaha,  bvigandlaoha  and  Hidarland  nit  thon  noch  bandaln» 
flioh  aaeh  kainar  dazaalban  noch  andarar  irer  kanigraichan  and 
land  nntertba&an  daa  glaabana  sack  in  kainan  wag  anncman  nodi 
dia  an  aich  sihan  wolle.  [7]  zum  sibenden  das  sein  chnrf.  gnad 
dam  herzogen  Ton  Chtllam  nit  anhongig  sein  nnd  im  fal,  so  das- 
aalbig  land  zu  gedachter  kai.  mat.  banden  gebracht  werden  eolt^ 
daa  sein  churf.  gnad  dem  herzogen  Ton  Lotringen  oder  andern, 
80  dArtifich  stellen  wolten,  kain  hulf  rat  noch  beistand  in  nini^^lien 
weg  mt  ( rzaigen  wolle.  [8]  Zum  achten  das  gedachter  kai.  mt. 
von  ermelten  churfursten  von  Sachsen  ain  gnTitrsamo  vorschrei- 
bung  und  vorsicherung  vorfolge,  wo  ainer  oder  mer  artikel  ob- 
gemelt  nit  volzogen  oder  denen  zuwider  gehandelt  wurde,  das 
den  die  gefertigt  confirmation,  so  sie  seinen  churf.  g.  zugestelt 
wurde,  nit  wirklich  sonder  unbundig  sein  solle. 

Und  dann  die  gedacht  Born,  kunig.  mt.  zu  gehorsamer  und 
bradarlicher  Toliihnng  irea  Ton  kai  mt  antpfangen  ba?ela  obga- 
schrieben  acht  artikel  gemeltem  obarftitaten  Ton  Sachsen  iorbaltan 
nnd  mit  aainen  chnrf.  g.  dorana  handeln  hat  lassen  nnd  snletrt 
die  obgamelten  der  kai.  mt.  forgeschlagan  artikel  Ton  gedachtem 
chnrfiiraten  Ton  Sachsen  nachvolgender  geatalt  himit  in  craft 
disaer  yorfhesang  bewilligt  zugesagt  and  angenommen  sain,  dia> 
selbig  auf  nachbenannten  fal  anzanemen: 

Nemlich  das  concilium  belangende :  wan  die  bapstlich  hailikait 
Bkit  bewillignag  gedachter  Komischen  kai,  mt.  ain  conciUnm 


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DIE  VhKiiiAGE  VON  KADAN  UND  WIEN. 


249 


aUBobreibet  und  die  malttak  gegen  liantna  benennt  nnd  doreh 
ein  patticnlerhaiidliuig  nnd  nit  einen  gemeinen  xeicbeteg  duieb 
den  merer  teil  der  ebur.  und  Austen  angenommen  bewilligt  nnd 
eelebs  dem  ernanten  cburfürsten  gnngeom  auaigt  nnd  TOilnindt 
wirdeti  80  will  deraelbig  churfbrst  in  aigner  person  oder  durch 
seiner  chnrf.  gn.  gesannten  auf  demselben  coQcüi  zu  Mantua  auf 
geburliche  und  gnutrsfime  vorsicherung  erscliemen.  [2]  znm  nn- 
dern  ist  gedachte  churf.  von  Sachsen  gemut  willen  und  mainung, 
in  des  glaubens  sacben  auf  der  cristlichen  belcerintnns,  so  seiner 
ehurf.  gn.  herr  vater  und  sein  chnrf.  gnad  solbs  neben  andern 
iren  mitverwannten  jungst  zu  Augsburg  auf  gehaltenem  reichs- 
tai:  gothan  und  wie  os  in  seiner  churf.  g.  landen  bishere  ge- 
haiieii,  gelernt  und  gepredigt  Ibt,  zu  bleiben  und  dor wider  mcht 
zu  thun  noch  zu  handeln.  [3]  zum  dritten,  so  will  gedachter 
ehnrfluBt  die  widerteuferiecben  und  andere  nneristliob  nnd  tot- 
flmseb  eeeten  itM  noeb  knnftiglicb  in  aeiner  ebnrf.  gn.  ftveten* 
tomb  nnd  iand  nit  leiden,  eonder  dieeelbig  anarotten  und  eittF 
wnneln  sn  laaaen  kaina  wega  geetatten,  als  dann  aein  ebnrt 
gnad  biaber  ancb  nit  getban  bat  (4}  um  rirden,  ao  bewilligt 
aieb  gedachter  churf.  von  Sachsen  zn  enalgong  undertenigstr 
dan^barkait,  so  seinen  ebnrf.  gnaden  die  confirmation  als  obetet 
Yerfolgt,  der  gedaebten  Bom.  kaL  mat.  wider  den  kunig  von 
Frankreich  offensire  oder  defensive  ainen  reuterdinst  mit  fünf- 
hundert croruster  pferd  auf  fünf  monat  Iedl-  in  seiner  churf, 
g.  aigon  k  oton  zu  jlaisten ,  dergestalt  das  der  an  und  abzug 
obgemolter  fuiiflitindert  gcrustor  pferd  nn  der  maistat  aine  in 
den  ötöten  Coln  oder  Speier  gemeiter  kai.  mt.  güf.Ulen  nach 
besehen  solle.  und  so  nach  vorscheinuiig  angezaigter  flinf 
mooats  glaists  reiterdinsts  ernnnnto  kai.  mt.  bumelts  curf.  reuter 
der  fünfhundert  pferd  gar  odor  zum  tail  in  irem  dinst  weiter 
nottnrftig  sein  wurde,  so  sollen  dieselben  reuter,  doch  auf  Tor- 
gebende  gntlicbe  bandlnng  Torgleiebnng  nnd  TOisicberung  irer 
beaoldnng,  gedaebter  kai  mat.  vor  andern  bem  lu  dinen  aebnl-* 
dig  aeia  nnd  aneb  in  gedaebter  kai.  mt.  wolgefiillen  ateben,  alao 
die  ansal  renter  zu  gebraneben  oder  dorfor  das  gelt  zu  erfordern, 
nnd  BO  irer  kai.  mat  daa  gelt  für  die  reuter  zu  nemen  gelipt, 
aolle  auf  ides  gemat  pferd  zehen  gülden  reinisch  geraiebt 
nnd  doreb  denselben  enrt  bezalt  werden*,  doch  das  der  zng  im 
werk  sei.  so  auch  der  obgemelt  churfurst  oder  derselben  erben 
des  falls  erleben,  also  das  die  fnrstontunib  GTilirh  und  Cleve 
inhalt  des  bairat.svortrncr  an  sein  churf.  gnad  oder  derselbn  erbn 
kommen  und  dieseibige  wurkiich  in  besitznng  haben ,  so  sollen 
nnd  wollen  sein  churf.  g.  und  derselben  erben  mit  den  niJer- 
lerdischeii  und  burgundischen  landen  ainer  erbainung  inhalt  einer 
sondern  copei,  der  man  sich  mit  ainander  vergleicht  hat,  ein- 


250 


AV1>'CK£LMANN, 


gehen,  [öj  zum  fünften,  die  liomiflch  kunig.  wal  belangend,  dm- 
wail  (liOBer  artikel  hievor  in  eingang  gesialt  ist  mil  waa,  wie 
dtmlbig  tiobtig  gem'iolit  mrden  mU,  so  bat  gedidiier  obufiini 
gtaehl^  dmalben  «alter  odar  mehrar  ia  diaeam  aainar  ebufoigt 
goadan  articl  aunnfiiraii  Yon  nnn^ten  sain.  [6]  mm  aaehstan, 
80  bawiUigt  aieb  gadaobtar  ebnrt  von  Sachaan  Tor  aicb  imd 
aainar  ebnif.  g.  erben,  wider  die  oaterreiebiBcbaa,  bwgiuidiaeban 
noch  Kiderland  offensive  tatlicba  nichts  furzunemen  noch  la 
bandeln,  sich  auch  der  underthanen  in  bemelten  aach  au  dem 
kar  kai.  und  kunig.  mat.  kunigreich  und  erbland  seßhaft  des 
glanbens  halben  mit  der  tat  nit  an^nneraen ,  darzu  wider  schütz 
noch  schirm  nit  zu  gebon,  es  waren  dann  sach,  das  sich  ainer 
oder  mer  aus  obermeiten  landen  in  seiner  cbnrf,  gnaden  landen 
mit  wohnuiig  niderthun  wurden.  [7]  zum  sibeuden,  so  soll  und 
will  gedachter  churforst  dem  herzog  von  Gellern  wider  gedacht 
kai.  mt.  wider  haimlich  ruft  li  oflfent.lich  in  kainerlai  gestalt  an- 
hengig  oder  behelflicii  öüiu;  uud  im  lal,  so  daaselbige  luiid  zu 
gedachter  kai.  mat.  banden  gebracht  werden  solt,  das  sein  carf. 
gnad  dam  berzogen  an  Lotringan  odar  andern,  so  domaobstallan 
woltan»  kain  bidf  rat  noeh  bäatand  in  ai9i<dian  weg  nit  enajgan 
wolle.  [8]  zom  acbtandan,  als  dio  gadaebt  kai.  mt  über  Ire 
ansaigta  artikel  von  ernanntem  cborl  ain  gnngaama  voiaiebe- 
mng  und  Toraebraibung  begert,  bittat  sein  oboiforstliob  gnad 
diaselbig  aoleber  Yoracbreibung,  wie  oben  begert  ist,  gnedig- 
liehen  zu  erlassen;  dann  sein  churf.  gnad  wolle  das  halten  und 
Tolzihen,  das  sich  sein  churf.  gnad  in  obbomalten  artikeln  be« 
willigt  haben  und  dorwider  nit  handeln,  inmassen  sein  churf. 
gnad  in  andern  bewilligung  und  zusagen,  von  seiner  churf. 
g-naden  beacheheu,  ibe  und  allewege  gethan  hat.  so  aber  sein 
churf.  gnad  solcher  vorscbreibunc  nicht  erla8Sv5n  werden  mag, 
so  erbeut  f<ich  gedachter  churfurät  ange/.aigter  artikel  halben 
ain  gnugsame  vorschreibung  zu  vorfertigen:  wo  durch  seiner 
churf.  gnaden  ainer  oder  mer  derselben  bewilligten  artikel  nit 
Yolzügen  udor  denen  zuwider  gehandelt  wurde,  d&a  doch  zuvor 
and  ehe,  ob  solche  nichthaltung  beschehe,  mit  recht  erkannt 
werden  soll,  das  dan  die  gefertigt  oonflrmation  gar  alt  wirUieb 
aondaia  nnpnndig  sein  nnd  gedacht  m  ebutfbratan  nocb  aeman 
arban  in  alnioben  wag  kainen  bebelf  geben  aoU« 

Und  aber  xwnscban  gadaebtar  BomtBoben  kaisarlieben  mt. 
obgasebrieban  fiugaaeblagan  und  dann  emants  ehnrfiirBtan  der* 
nach  TOlgend  bewilligte  artikel  in  etslicben  derselben  nit  ain 
klainer  midancbid  befanden  ist,  nnd  gnanter  Bom.  kunig.  mt 
nit  geburen  oder  fugen  wollen,  aus  irem  Ton  kai.  mt.  entpfangen 
beschaid  und  bevel  zu  gehen ,  damit  dann  e:o(1achter  churfurst 
bemalter  £omiscben  knnig.  mat.  gnedigs  und  freuntlicbs  gemut 


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DIE  VERTRÄGE  VON  KADAN  UND  WIEN. 


351 


in  dem  werk  erkenne,  so  hat  Bich  did  Bomisch  kanig.  mat.  himit 
bewilligt,  das  dieseibig  olgesckrieben  des  churfursten  fon  Sachsen 
bewilligte  artikel  gedachter  kai.  mat.  mit  dem  ehaten  forbriDgen 
und  mit  allem  gnodigen  vleis  handeln  lassen  wollen,  ob  sein 
kai.  mat.  zu  bewegen  sein  ra">cbt  zu  bewilligen,  des  ermeltcra 
churforsteu  von  Sachsen  seiner  kai.  mat.  gefertigte  gnug.^Hiuö 
confirmation  über  den  Gulicbsclien  hnirats vertrag  gegen  itz  '  dos 
chnrfhrsten  vorgeschribn  bewilligt  und  angenomenen  arttkel  zu- 
gestalt  werden  solle. 

Und  so  üu  dit'sülbig  Komisch  kai  mat.  zwnschen  dato  und 
sant  Mertinstag  schirötkuuftig  in  obgemelte  des  churfursteu  von 
Sacbieii  artid  bewilligt  imd  der  Tergesehrieben  artikel  ainer, 
in  der  eleetioBBadi  geatalt,  vokogen  und  der  stfllstand  an  dem 
kaL  camer-  und  andern  gertchten  wirklich  Torfolgt,  auch  die 
kai.  mt  naeh  ▼oiachelnung  aant  Mertinstag  den  atfllatand  bia 
auf  das  obgemelt  conciliom  oder  ain  Tenamblnng  dee  reiebSy  als 
obstet,  wirklich  Torschafft  und  demselben  chnif.  Ton  ementr 
kunig.  mi.  die  kaiser.  confirmation  zugestalt  v^irdet,  so  soll  und 
will  der  bemelt  churfurst  die  emant  Römisch  kunig.  mat  für 
Bomischen  kunig  ehren  biilten  und  erkennen,  wie  obstet,  in 
dem  fal  aber,  das  der  geraelten  Rom.  kai.  mt.  nber  itzt  go- 
dachter  kunig.  mat.  vleissi^'e  vorfolgunL--  nit  gelegen  sein  wolle, 
gedachts  chiirf.  von  Sachsen  obgeschneben  artikel  in  ernentor 
zeit  anzunemon  und  ir  kai.  confirmation  .erbalben  demselben 
churf.  zustellen  zu  lassen,  so  ist  ferner  abgoredt  und  vorglichen, 
das  zu  gedachter  Rom.  kunig.  mat.  willen  und  gefallen  steen 
soll,  gedachten  churfursteu  ain  guugsame  cuufirmation  über  be- 
rurten  Galichschen  beoratsYertrag  under  derselben  titel,  insigel 
nad  bandiaicbn  tu  fertigen,  und  er  der  chaiAirBt  dieselbig  an- 
annemen  Terbnnden;  doch  solche  confirmation  erst  tu  der  sei^ 
80  ir  Born,  knnig.  mat  in  des  reichs  administration  wesentlich 
komme,  in  ir  craft  gehen  und  wirklich  sein  und  dorgegen  ge- 
melter  chnrforst  die  artikel,  so  sein  chnrf.  gnad,  als  obstet 
gegen  der  kai.  mt.  bewilligt  hat,  gegen  itztgedachter  knnig.  mat 
in  Tolsiben  schuldig  und  vorpflicht  sein,  doch  mit  diser  ende» 
rung:  nemlich  als  oben  gesetzt  ist,  das  sich  der  churfurst  be- 
willigt, den  reuterdinst  wider  den  kunig  von  Frankreich  zu 
laistn,  Sülle  derselbig  reuterdinst  im  fal,  ao  die  kuniglich  [mt.]  in 
wirkliche  administration  des  reichs  komme,  von  gedachtem  cbnr- 
furateu  ain  mal  aiif  irer  kunig.  mat.  ersuchen  in  das  kunigroich 
Huncrani,  wider  die  Venediger,  Franzosen  und  sonst  andere,  die 
mit  riiiHiüu  churf.  g.  nit  in  ainung  oder  voiwaimtnus  sein,  vor- 
folgen, doch  das  zu  dem  an-  und  abzug  ain  solche  maistat  be- 
nent  werde,  die  sich  mit  lerre  u.)d  weite  des  wegs  den  mal- 
Stetten  Coln  und  Speier  ungeforlich  vorgleiche.    Das  auch  sn 


35S     WIKCKELMAMK,  VERTRIGB  VOK  KADAN  DVD  WIEK. 


der  zeit,  so  bemelter  churfurst  oder  seiner  churf.  gnaden  erben 
die  furstentumb  Gulich  und  Cleve  wirklich  cinnemen ,  die  erb- 
ainung"  zwiisohen  den  nidcrlciidischen  nnd  burg-nndischen  landen 
mit  bemaltem  chiufur.stu  vtai  Sachsen  und  seiner  churf.  g.  erben, 
wie  sie  obgemelter  massen  aligeredt  ist,  aufgericbt  und  in  ir 
Tolzihung  komme,  so  aber  die  gedacht  Romisch  kunig.  mt.  der 
adininistration  des  reiche  nicht  erlepte,  das  in  ^ottos  willen  und 
gelallen  stet,  so  soll  der  kunig.  mat.  gevertigto  contirmation ,  .so 
sie  hinansereben  wurde,  nit  craft  noch  Wirkung  haben,  auch  der 
bemelt  reutcrdiiist  von  credachtom  churfursten  von  Sachsen  oder 
seiner  churt.  giwiden  erben  gedachter  kunig.  mt.  eiböu  zu  leisten 
nicht  schuldig  sein;  aber  bonct  bollen  die  andern  artikel ,  der 
sich  gedachter  churf.,  wie  obstet,  bewilligt,  gehalten  und  ires 
Inhalts  volzogen  werden,  und  es  werde  die  obgemelt  coufir- 
mation  des  Gulichschen  hairats Vertrags  durch  ermelt  kai.  oder 
kunig.  mat.  gefertigt,  so  solle  doch  dioselbig  gedachtem  herzog 
Jorgen  von  Sachsen  an  ammi  fürst,  gnadeii  görechtikait  und 
anfurdcrunj.',  s  »  sie  zu  (lulich  und  Berg  zu  haben  vormainen,  an 
Iren  rechteu  unuacbtailig  soin. 

Und  zum  beschlus  ist  für  bedinglich  gerodt  und  bewiiliut : 
so  in  bestimpter  zeit  ainer  oder  der  ander  vorbemelter  articl, 
was  die  Bomisch  kunig.  wal  betrifft,  nicht  erlangt,  die  bemelt 
kai.  mt.  anch  nit  in  gedachte  charfnraten  attikel  und  soatellung 
derselben  kaieerliclieii  oonflrmatton  des  Oidiehscben  baiFatofor- 
trage  bewilligen  oder  aaf  kai.  mat  Torwidenmg  die  kanig.  mat 
aolcbe  cosflrmfttioB  under  irem  titeU  wie  Toretet,  nit  fertigen 
wurde,  noeb  auch  die  wiridiche  absebailnng  der  gerichflieben 
procee  tmd  atiUetand  Ton  dato  bis  auf  Martini  mt  Torfolgte^ 
aoob  die  bemelt  kai.  mt.  den  ferrem  stillstand  Yon  Martini  bis 
m  bemeltem  coneill  oder  Torsamblnng  des  reiebs  nit  wirklieh 
Torordente,  so  sollen  alsdann  die  saeben  bei  dem  artiel  des  Ca- 
datisehen Tortrags  end  jongster  TOrsicberang»  so  emenntem  ehnr* 
forsten  von  Saehsen  von  der  Bomisehn  kanig.  mt  geben  isli 
bleiben  und  gedachtem  eborliirsten  and  seiner  chorforstliehea 
gnaden  mitTorwanten  an  seinen  and  iren  rechten  dordorch  niehts 
benommen  sein,  sich  anch  ain  tail  gegen  dem  andern  an  gleich 
and  recht  begnügen  lassen,  alles  trenlich  and  on  geferde.  des 
zu  urkund  sein  disser  Torainigung  und  vorgleiehong  swn  in 
gleichem  laut  gemacht  und  mit  gedachter  kunig.  mat.  und  des 
churf.  von  Sachsen  aigen  banden  nnderechrieben  und  irer  kunig. 
mat.  und  seiner  churf.  gnaden  anbangenden  insigeln  vorfertigt 
beschehen  in  der  kuniglichen  stat  Wien  den  20ten  tag  des  mo- 
nats  novembris  nach  Christi  gebart  fanfiebenhnndert  und  im 
ftmfanddreissigsten  jam.*' 


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Hamman  von  Uolzbausei. 


Von 

Artliur  KleinseluiLldt. 


Lange  Zeit  abseits  von  Frankfurt  a.  M.,  beute  durch  cUe 
Amdebnung  der  Stadt  in  enger  Berilbning  mit  ibr  li^gt^ 
von  einem  Weiher  umgeben^  der  Scblitladiublaatem  ein 
liebes  BendesvouB  bietet:  ein  altes  bequemes  Herrenbans  ebne 
«refaitektoniflebe  Zier,  die  Ode.  Seit  dem  13.  Jabrbnnderte 
gehört  sie  der  Familie  der  Freiherrn  von  Hoizhausen,  die 
eie  nach  dem  Brande  vom  18.  Juli  1552,  wo  Moritz  von 
Sachsen  bei  Jb'ranklurts  Belagerung  auch  sie  einäscherte,  neu 
aufbauten;  noch  1589  batte  Micyllus  sie  in  der  Widmung 
seines  Werkes  ,,De  re  metrica^'  an  Justinian  Ton  Holz- 
bansen als  lieblicben  Sita  des  Frobrinns  und  geistvollen 
Lebensgenusses  besungen.  Es  war  sebon  lange  ber^  s«t 
die  Familie  ihre  Burg  im  Dorfe  Holzbausen  an  der  Höhe 
verlassen  hatte  —  ich  liadü  in  einer  Urkunde  Kaiser  Fried- 
rich des  Rotbarts  aus  Regensbur^  1180  Sibot  von  Holz- 
liausen  —  und  ihren  Sitz  in  der  alten  Kcichsstadt  nahm; 
schon  1253  begegnet  uns  Heinrich  von  Holzhausen  unter 
den  Schi»ffen|  1279  Giselbert  unter  den  Grundbesitzem. 

Bald  stand  die  Familie  in  dem  legeu  Leben  und  Wirken 
der  alten  SrSnungsstadt  mitten  inne;  keine  Kirche  ^  kern 
Kloster  ftodet  sich  dort,  an  das  rie  nicht  Stiftungen  und 
Geschenke  gegeben,  und  darum  treten  uns  überall  die  drei 
silbernen  Kosen  in  schwarzem  Felde  in  den  Kirchen  ent- 
gegco;  bei  den  WeiMrauen,  bei  denen  einst  die  gebeugte 
Hobenstaufin  Margareta  vor  den  Verfolgungen  Albrechf s 


254 


XLEiNSCHMIÜT, 


des  Entarteten  von  Thüringen  Zuflucht  fand,  wnrde  1477 
die  Holzhausen-Kapelle  eingeweiht  Untrennbar  verknüpfla 
sicli  die  Geachichte  des  Geschlechts  mit  der  Frankfurts; 
eine  wurde  solidarisch  mit  der  anderen,  die  Holahauaeo 

stellten  der  neuen  Vaterstadt  6C  Bürgermeister,  sind  heute 
ihr  vornehrastes  und  ältestes  Gesrhiecht,  und  liaben  im 
Zeitalter  der  Ketorinatinn  dw  entsciieitleude  Stimme  geführt; 
Hammau  und  Justinian  von  Uolsbauscn  sind  neben  Philipp 
Ton  FttFstenberg  und  Johann  von  Glauburg  die  ersten 
Staatsmänner  Frankfurts  gewesen.  In  Hamman,  meinem 
direkten  Ahnherrn,  verehrt  Fhtnkfurt  einen  seiner  erieuch- 
tetsten  und  glänzendsten  Mitbliiger.  Er  wnrde  1467  ge> 
boren.  Sein  Vater,  der  Schöff  Johann,  war  sehr  wohlhabend, 
baute  das  staLtiiche  Haus  „Zum  Goldstein'*  mit  eigener 
Hauskapelle,  welches  an  der  südliclieü  Ecke  von  Buch-  und 
Paulsgasse  gelegen  wegen  des  Marienbildes  am  Eckpfeiler 
vom  Volke  „Marieneck''  genannt  wurde  (jetzt  Brönner'schea 
Haus);  er  heiratete  1464  in  zweiter  £he  Kathaiina  von 
Schwansenberg*^  deren  Vater  Henne  auf  der  zweiten  Pilger- 
fahrt  nach  San  Jago  di  Compostella  1483  starb ,  und  a^ 
nete  1475  das  Zeitliche;  ihn  tiberiebten  seine  Söhne  Ham- 
mau und  Gilbrecht,  von  denen  letzterer  im  Goldölein  wuimte, 
als  ein  Feind  des  Klerus  bezeichnet  wird  und  am  7.  Juni 
1&14  Btarb  Von  Hanunan's  Jugend  und  Erziehung  wissen 
wir  nichts,  doch  mufs  letztere  eine  vorzügliche  gewesen  sein; 
sonst  dürfte  Hamman  nicht  eine  solch  seltene  Geistesbildung 
eriangt  haben ,  wie  sie  ihn  gerade  aussBetchnete  * ;  wette 
Reisen  venrollständigten  das  Werk  der  Lehrer.  Er  hielt 
treu  zur  Kirche,  und  als  er,  wie  es  häufig  von  Frankfurtern 
geschah,  1491  Rom  besuchte,  erwirkten  er  und  sein  Genosse 
Karl  Kühorn  lür  sich  und  die  Ihren  einen  Ablafsbrief. 
Kach  der  Heimkehr  heiratete  Hamman  noch  1491  Margareta 
▼on  Hellf  genannt  Pfeffer,  die  älteste  Tochter  des  ala  Staata- 
mann  und  Günstling  Kaiser  Friedrich'a  Hl.  bemerkenawerten 
Doktora  Geolog  von  Hell,  genannt  Plefifer,  dar  unter  vier 


1)  Bereite  14^0  wurde  er  in  Tübingen,  der  neu  gegründeten  U&i> 
versität,  imioathkuUert. 


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UAMMAN  VON  UOLZHAUt^EN. 


2Ü5 


Eurfünten  Kanzler  von  Mainz  war,  1488  den  dem  Eribu- 
tame  Trier  gehörigen  Trierischen  oder  Alten  Mttnz-Hof  (fiuit 

der  ganze  Raum  zwischen  der  Trierischen  und  der  Stein- 
gasse, Lederhalle,  Trierisches  Plätzchen  Nr.  Ii)  in  Erbleihe 
nahm,  sich  infoige  seiner  Ehe  mit  einer  Frosch  in  die  Adels- 
geaellschaft  zum  Alten  Limpurg  aufiiehmen  liefs  und  1498 
im  Trierischen  Hofe  starb,  i  Hier  wohnten  Hamman  und 
Margaretha  aeit  4.  September  an  welchem  Tage  ihnen 
zahlreiche,  für  unseren  Begriff  h()ch8t  btsschetdene  Hans* 
Stenern,  meist  in  die  Küche,  geschenkt  wurden;  Hamman's 
Mutter  blieb  im  Goldstein ,  von  wo  sie  olt  zur  Kur  nach 
Wiesbaden  ging,  und  atarb  am  3.  Januar  1498.  H;iininan 
wurde  am  2.  Mai  1493  Katmann,  am  9.  Juli  1499  fc^clmff 
und  bekleidete  1507,  1518,  1524  und  (seit  1.  Mai)  1530 
das  Amt  des  älteren  BflrgermeiBterB.  Im  Trierischen  Hofe 
und  auf  der  Öde  dorchwehie  ein  frommer  adeliger  Sinn  die 
Häuslichkdti  alles  war  gediegen  und  wohlerprobt,  nichts 
haltlos,  schwächlich,  fahrig;  wer  diese  Schwelle  betrat,  fühlte 
sich  im  Jknno  gesunder  und  kraftvoller  Ansehauungen,  im 
Dunstkreise  einer  imponierenden  Peri^ünliciikeit,  der  freudig 
und  unwillkürlicli  Gehorsam  geleistet  ward;  die  reizende, 
seinem  Geiste  wahlvcrwandte  Hausfrau  schenkte  dem  Manne, 
SU  dem  sie  mit  Ehrfurcht  aufschaute^  vier  Trichter  und  drei 
Söhne,  doch  raffte  der  Tod  awei  Knaben  und  swei  Mädchen 
rasch  hin;  um  so  inniger  schlössen  sich  die  Eltern  an  ihren 
eamgen  Stammhalter  Justinian  (geb.  im  Oktober  1502,  gest. 
am  ü.  Sijttciiiber  1553)  und  an  die  mit  Philipp  vom  Rhein 
und  Ainoid  von  Glauburg  verheirateten  Töchter  Margarete 
und  Katharina.  Wohl  bekannt  mit  Wilibald  Pirckheimer, 
Erasmus  und  anderen  Humanisten,  vereinigte  Hamman  um 
sich  eine  Beihe  bedeutender  Köpfe,  einen  humanistischen 
Ems,  der,  von  Freisinn  erföllt,  echt  nationale  und  darum 
der  Hierarchie  felndHche  Tendeneen  hochhielt,  und  so  fand 
er  bald  Anknüpfungspunkte  mit  Ulrich  von  Hutten,  dem 
intimen  Freunde  seines  Schwiegersohns  Glauburg.  Wir  be- 
sitzen drei  eilige  Briefchen  Huttens  an  Glauburg  aus  dem 
Jahre  1619,  in  denen  er  des  vcrehrungswtirdigen  Hamman 
gedenkt;  in  ihn  hauptsächlich  setate  er  sein  Vertrauen,  als 


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KLEINSCUMIDT, 


er  am  36.  Juli  d.  X  GlanVturg  wegen  der  beabeichtigton 

Verlobung  mit  dessen  Nichte  Kunigunde  schrieb;  wollte  ihre 

Mutter,  damals  mit  SchöfF  Frosch  vermählt,  mit  der  Tochter 
gar  hücii  hinaus,  so  sollte  Hamman  mit  seinem  dipluimiti- 
Bchen  Takte  sie  ausfoiischen ,  bearbeiten  und  ihr  den  Ver- 
dacht nehmen,  Hatten  sei  ein  Reyolutionär.  Trotz  aller  Be- 
reitwilligkeit Haraman's  scheiterte  Hatten  an  den  Vorurteilen 
der  Matter,  and  die  Dame  seines  Henens  folgte  Dr.  Adolf 
Knoblauch  zum  Altäre^  Diesem  Kreise  gehörten  an  Philipp 
Ton  Fürstenberg;  neben  Hamman  der  bedeutendste  Frank- 
furter der  Zeit  und  sein  intimster  Freund,  Hamman  s  l'i  uder 
üiibrecht  und  sein  Vetter  Blasius,  die  Glauburg,  Keuliausen, 
Bromm,  Claus  Stalburg  „der  Reiche"  u.  a.,  und  hier  regte 
sich  zuerst  das  Bedürfnis  gründlicher  Reform  des  Schul- 
Unterrichts  im  G^ste  des  Humanismus.  Voll  Jammer  sahen 
diese  Patrizier  die  tiefe  Unwissenheit  des  Volkes,  das  von 
der  Kirche  nicht  etwa  belehrt,  sondern  vielmehr  in  po- 
litische  Wirren  und  in  sophistisches  Schulgezänke  hinein* 
gestoföen  wurde;  voll  Liehe  zu  dem  Idassischen  Altertume, 
in  seinen  Sehriitstellern  wohlhelesen,  fanden  sie  in  der  klas- 
sischen Bildung  und  Poesie  die  köstliche  Scbaic;  weiche  das 
Mannah  der  christlichen  Wahrheit  aufnehmen  sollte,  und  so 
ebnete  der  Humanismus  der  Reformation  die  Wege,  l^iit 
den  elenden  Schulen  nnaoMeden,  ▼emahmen  sie  yon  Ohms 
Stalboxg  viel  Gutes  über  den  Endeher  seiner  Söhne  in  Paris, 
Wilhelm  Nesen;  durch  ihn  war  Stalburg  in  vertraute  Be- 
ziehung zu  J\lelanchthon  getreten ,  die  erste  Verbindung 
Frankfurts  mit  Wittenberp^  angeknüpft  worden;  Erasmus 
hielt  grofse  Stücke  auf  den  merkwürdigen  Hessen,  der  jetzt 
in  Löwen  wirkte,  von  dem  uns  zwar  nur  wenig  überkommen 
ist,  der  aber  der  Vertrauensmann  der  Besten  seiner  Zeit 
war.  Darum  setsten  Hamman  und  seine  Freunde  im  Rate 
die  Berufung  eines  lateinischen  Ifagisters  dorch  und  so  sehr 
auch  Kurfürst  Albrecht  von  Mainz  grollte,  nahmen  sie  ihre 
Kinder  aus  dem  bisherigen  Unterrichte.  Nesen  uutcraeichnete 
am  14.  September  1520  seineu  Kestallungsbrief ;  die  Latein* 
schule  war  keineswegs  eine  Pairizierschule,  sondern  iiir  alle 
Bttrgerkinder  bestimmt,  und  Hamman  vermietete  als  Vor- 


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HAMBUN  VON  HOLZHAUSBN. 


267 


niuiid  öeines  Neflfen  Gilbrecht  an  sie  den  „Goldstein",  in 
<lcm  Nesen  Wohnung  nahm,  mit  fünfzig  Gulden  Gehalt  be- 
dacht; die  Schale  wurde  sofort  im  Herbste  eröffnet  und  er- 
freute sich  Boldien  Zulaufs,  dafs  Neaen  frühe  um  einen 
HU£ilelirer  einkaiu,  fralich  ohne  Gehör  sn  finden.  Sie  stand 
in  allgememer  Achtung  sdbet  Im  Aaslande;  galt  ak  Muster- 
anstalt,  den  Feinden  der  Aufklftrang  wie  Cochlätts,  dem 
Deohanten  des  Liebfrauenstifts,  und  anderen  Klerikern  aber 
als  „Ketzerschule",  sie  ist  die  Urmutter  des  heutigen  Gym- 
nasiums. Von  ihr  ging  eine  gewaltige  Anregung  der  Ge- 
müter aus,  die  Hamman  sorglich  nährte  f  aus  eigenen  Mit^ 
teln  unterstütate  er  die  Schule,  sein  Herzenskind;  er  gab 
Nesen  neuen  Sporn  anm  Geisteskampfe,  schulte  ihn  an  seiner 
rdchen  Lebenser&hnmg  and  sog  b^erig  aus  dem  Verkehre 
mit  ihm  frische  Lebenslnsi.  Tftglieh  hielt  der  Magister  eine 
öftentliche  Vorlesung  über  Humaniora;  zu  seineu  Füfsen 
safseu  Hamman  und  Blasius  von  Holzhausen,  Philipp  von 
Fürstenberg,  Jakob  JSeuhausen,  Arnold  von  Glaubui^  und 
andere  Leuchten  der  Reichsstadt;  sie  machten  in  dem  fUr 
Nesen  so  rohmvollen  fiüer,  sich  fortaubüden,  eine  ^iSchola 
Patricionim''  aus. 

Ak  Luther  am  14.  April  1521  auf  dem  Wege  nach 
Worms  Frankfort  passierte,  ttbemachtete  er  m  der  Hierberge 
„Zum  Straufs",  dem  „Goldstein"  gegenüber,  besuchte  Nesen's 
Schule,  legte  segnend  die  Hände  auf  den  Kopf  der  Knaben 
Hieronymus  von  Glaubui'g  und  Christoph  von  Stalburg  \md 
verbrachte  den  Abend  in  vertraulichem  Gespräche  mit  Nesen 
und  Hamman.  Die  alte  Mutter  des  Blasius^  ^'^Mhftrina  von 
Holahausen  (geb.  Frosch)^  welche  das  Haus  Spangenbeig  an 
der  Liebfraaenkirelie  bewohnte,  sandte  Luther  swei  Mals  Mal- 
vasiery  besuchte  ihn,  ktUste  seine  Hand  und  soll  gesagt  haben, 
von  ihren  Eltern  habe  sie  gehört,  es  werde  einer  kommen,  der 
des  Papstes  Privilegien  widerspreche,  und  das  sei  er.  Er 
reiste  am  15.  ab,  besuchte  aber  auf  der  Kückreise  am 
27.  April  abermals  Nesen's  Schule  imd  verbrachte  wohl  den 
Abend  im  „Straufs'<  mit  den  Holzhausen ,  Stalburg,  Glau- 
burg, Froecbi  Neabaaeen  und  Bremm  in  ernsten  QesprttoheQ 
Tim  Kiiehe  und  Reick;  tags  danraf  reiste  er  nach  IViedbei|^ 

SallMte.  t        n.  1.  17 


258 


water.   Seine  Saat  aber  blieb  «irttok|  seit  sdnem  Betuch» 

war  Nosen  aus  einem  Humanisten  em  begeisterter  Mitstreiter 
Luther's  geworden,  der  nun  der  Bchola  J 'iitriciorum  zuerst 
die  bestimmte  Grundlaj^e  einer  reli;::i'>SLn  ,  evangeli-cheii 
Überzeugung  verlieh.  Nesen  bewog  llaLiiman  und  Blasiu8> 
von  Holzhanaen,  Claua  Btalburg  und  Johann  Froecb,  obn» 
Vorwissen  des  Ratee^  dem  Hartmann  Ibach  zu  gestatten, 
dafa  er  im  Märs  nnd  April  1522  im  SLatharinenkloater  diel 
evangelische  Predigten,  die  ersten  in  Frankfurt,  halten  dürfe. 
Ibach  aber  sprach  so  heftig  gegen  die  römische  Kirche,  dafs 
es  HüTinnan  tief  verdrofs ;  denn  nichts  war  ihm  antipathischer 
als  Schroffheit  und  Excefs.  Der  Rat  kam  in  Zwist  mit 
dem  Kuriürsten  von  Mainz,  den  die  katholischen  Pfarrer 
aufhetzten ;  es  entstanden  Differenzen  mit  Hatten,  den  Herren 
von  Cronberg  und  anderen  Bittem  der  Umgegend,  die  sieh 
fUr  Ibach  und  seinen  Schüler  Brunfels  erwärmten;  in  seiner 
Furcht  gebot  der  Rat  Ibach,  die  Stadt  au  räumen,  denn 
trotz  seiner  Hinneigung  znr  Reformation  mied  er  den  Bruch 
mit  Kuni.  Nesen  führte  1622  auch  Okolampadius  bei  seinen 
Gönnern  ein,  fand  aber  immer  weniger  Ge»eliinack  an  der 
Haltung  des  Patriziats  gegenüber  Luther  s  liet'ormation.  Mit 
der  Uberwindung  Sickingen's  durch  Kurplalz,  Kurtrier  und 
Hessen  geriet  die  reformatorische  Bewegung  in  Frankfurt 
vorerst  ins  Stocken,  der  Zwist  mit  Cochläus  und  anderen 
Geistlichen  verbitterte  Nesen  das  Leben,  und  er  verliefe 
Frankfurt  Ostern  1523,  um  sich  nach  Wittenberg  zu  wen- 
den, wo  er  schon  am  u.  Juli  des  folgenden  Jahres  in  der 
Elbe  ertrank,  beweint  von  Luther,  IMelanehtiion  und  den 
gröisten  Zeitgenossen;  im  April  1521  hatte  er  noch  einmal 
mit  Melanchtbon  Frankfurt  besucht  und  ihn  zu  Holzhausen 
nnd  Stalbuig  geführt.  An  Nesen's  Stelle  an  der  Schule  trat 
Ludwig  CSarinus  aus  Luaem,  doch  nur  vorübergehend,  denn 
schon  am  14.  September  1523  unterschrieb  der  bekannte 
Humanist  Jakob  Micyllus  (Meitzer)  aus  Strafsburg  seine 
Bebtalluiigsurkunde:  für  ihn  verbürgte  sich  ilainiiiau,  in- 
dem er  die  Verhclireibun^  unterzeichnete  und  siep-elte,  was 
er  auch  1626  bei  der  iikneuerung  des  Kontraktes  that. 
Melanohthon  hatte  ihn  wann  «npfohlen,  CSarinus  blieb  im 

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HAUMAM  VON  HOLZUAUäEM. 

Aüitti,  bis  Micylius  am  27.  Oktober  1521  (hibselbe  anti'at 
1529  siedelte  die  Lateinschule  aus  dem  .^Goid^t*  in''  in  das 
eben  von  den  letzten  Mönchen  verlassene  Barlülserkloster 
über,  kehrte  zwar  1531  in  den  i^Goldstein'^  zurück,  blieb 
aber  seit  1542  dauernd  bei  den  BarfUlBem.  Micylius  wurde 
der  eigentliche  Vater  des  GymnasinTOB,  indem  er  die  Latein* 
schule  in  Tolle  Blftte  brachte;  da  die  Mittel  im  Rate  knapp 
waren,  Micylius  aber  nicht  länger  mit  fOnfzig  Ghüden  aus* 
kommen  kunute  und  wollte  —  HilfBlehrer  raufste  er  über- 
di^  selbst  bezahlen  — ,  so  scbofs  Ilamman  seit  der  Erneue- 
rung des  Kontraktes  am  14.  September  1526  ihm  jährlich 
zwanzig  Gulden  zu,  ebenso  viel  erhielt  Mic^Uos  aus  dem 
Schwanaofonds  und  stand  sich  somit  auf  neunzig  Ghüden. 
Er  lebte  im  schönsten  und  regsten  Verkehre  mit  den  Pa- 
triziemi  besonders  mit  den  Holzhauseui  ein  Verkehr,  den 
Melanchthon  stets  befestigte.  Justinian  von  Holxhausen, 
Hauiman's  Sohn,  und  sein  Vetter  Johann  von  Glauburg, 
der  Bruder  von  Hutten's  Kunigimde,  waren  die  ersten  Frank- 
lurter  Patrizier,  die  seit  Beginn  der  Ketormation  in  Witten- 
berg immatrikuliert  wurden  (19.  Dezember  1524);  sie  hörten 
Jura^  gingen  aber  besonders  bei  Melanchthon  aus  und  ein, 
pflegten  sorgfiütig  die  Beaiehung  su  ihm,  und  Justinian  blieb 
auf  ewig  sein  Freund. 

Wie  hoch  Hamman  den  Wert  von  Dialektik,  Rhetofik 
und  lateinischem  Stil  schätzte,  beweist  sein  Brief  an  Justinian 
iiacli  Wittenberg  (IG.  Juli  1525),  ebenso  wie  besorgt  er 
Luther'ö  kühnen  Bahnen  folgte;  hier  heifst  es:  „Derne  drei 
Schreiben  und  wie  der  Martinas  Luther  sich  in  die  £he  be- 
geben hat,  habe  ich  verleseUi  und  ich  besoiige^  es  wird  ihm 
nicht  wohl  nachgeredet  werden  und  mag  ihm  einen  grolsen 
Abiall  bringen.  Er  hat,  als  man  das  ihm  zulegt,  ein  Bttafa- 
lein  ausgehen  lassen  wider  die  Bauern,  darin  Doktor  M. 
hef'tiglich  anhält,  die  Bauern  zu  wUrgen.  Wo  er  das  bat 
lassen  ausgehen  (das  ich  gern  wissen  wollte),  bringt  iimi 
einen  gewissen  und  bösen  Geruch,  als  ob  er  wider  seine 
xuvor  ausgegangenen  Schritten  geschrieben  und  blutgierig 
sei.  Lafs  mich  mit  der  Nitohsteni  so  du  haben  magst,  Bot- 
■ehaft  wissen,  was  daran  sei  ...  .   Ich  werde  beriohtet^ 

17* 


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260 


KLEINSCUMIDT, 


M.  Philippus  soll  Dialecticaiii  gelesen  haben  oder  noch  in 

der  Arbeit  sein,  die  zu  lesen  j  daselbst  sollst  Du  Fleiis  an- 
wenden, dieselbige  zu  studieren,  denn  in  unserem  Auiiauf 
(s.  unten)  denselben  zu  tilgen  und  niederzudrücken |  haben 
wir  Mangel  gehabt  an  Leateiii  die  etwas  beredt  waren  and 
persuadieran  konntan.  Die  Rhetorik  macht  einen  geschiekl^ 
der  nngescluckt  von  Natur  ist,  darum  sollst  Du  Dich  darin 
alle  Tage  üben  und  latine  et  viilgaii  tiermone,  tu  desinis 
scribeie  latine,  Du  sollst  als  latine  schreiben  und  ob  ich  Dir 
deutsch  schreibe,  lafs  Dich  nicht  bekümmern  und  vale 
itemuL''  Als  Mdanchthon  1527  dr«i  lateinische  GMichta 
von  Mieyllus  herausgab  and  mit  einer  henlichen  Widmung 
an  Justinian  sandte,  legte  er  ihm  Micyllus  warm  ans  Hers 
und  schrieb  im  Hinweise  auf  den  alten  Hamman:  „Es  ist  die 
Pflicht  einsichtsvoller  Männer^  die  gelehrten  Studien  gegen 
die  ungerechten  Urteile  uner&hrener  Menschen  zu  vertreten: 
wie  das  Dein  weiser  Vater  mit  seltener  Beharrlichkeit  bis 
auf  den  heutigen  Tag  gethan  hat^  der,  wie  er  selbst  mit 
einer  nicht  gewöhnlichen  wissenschaftlichen  Bildung  die 
Staatsgeschäfte  übernahm,  von  der  Überzeugung  durchdnm- 
gen  ist;  dafs  zur  Verwaltung  des  Staates  und  der  Grerichte, 
lur  Aufirechthaltung  der  bürgerlichen  und  religiösen  Ord- 
nung, nichts  mehr  befiüugt  als  gründliche  wissenschaftliche 
Kenntnisse.  Darum  hat  er  es  sich  sur  Au%abe  gemacht,  die 
Männer  zu  beschützen,  die  sich  bei  Euch  um  Förderung 
der  Wissenscliat^en  bemühen;  was  so  rühmlich  ist,  dafs  fiir- 
wahr  uiemaadem  mit  mehr  Becht  Denkmäler  für  die  Uet- 
tung  des  Staates,  niemandem  mit  gerechterem  Qrunde  Bürger- 
kronen suerkannt  werden  können  als  denen,  die  den  Flcr 
und  die  Ausbrdtung  wissenschaftlicher  BQdung  sich  ange- 
legen sein  lassen.  So  haßt  Du  denn,  Justinian,  in  Deiner 
Familie  das  edle  Beispiel  Deines  Vaters  vor  Augen,  dem 
Du  Dich  nicht  unähnüeh  zeigen  darisf  Und  Justiniaa 
ward  ihm  ähnlich;  ohne  Schmeichelei  konnte  ihm  liicjUna 
am  6.  September  1689  schrmben  (Dedikation  Yon  ^De  re 
metriea'^;  „So  eft  Da  den  Kreis  Demer  Verwandten  nnd 

8chwiLger  um  Dich  versammelt  hast,  so  kommt  es  mir  vor, 
als  aäüsest  Du  inmitten  eines  L^ceuma  oder  einer  Akademie.*^ 


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HAIUIAK  VOM  HOLZHAUfiEM. 


261 


Allee  Wohlwollen  MelaDchthon's,  alle  Gunst  des  Patriziate 
konnten  aber  mit  der  Zeit  nicht  verhiiule]  n ,  dafs  intolge 
der  Religioiiszwiste  der  Besuch  der  Lateinschule  abnahm; 
Micyllus  sah  seine  Thätigkeit  gelähmt  und  nahm  im  Februar 
1633  eine  Frofessur  in  Heidelberg  an,  um  freilich  im  Sep- 
tember 1637  auf  Beftreibeii  Justiiuan'e  und  anderer  Gtönner 
wieder  an  die  Spitze  des  Frankfurter  Oyrnnarinme  snrflck- 
ankehren. 

Hamman  war  nicht  nur  Humanist,  nicht  nur  bestrebt, 
im  Rate  Frankiui*ts  der  besonnene  Vermittler  und  berufene 
Schlichter  alles  Haders  zu  sein,  sondern  spielte  auch  eine 
grolaartigc  Holle  bei  den  Verhandlungen  am  Reichstage 
wegen  der  Religion  nnd  nahm  an  der  Reformation  den 
innigsten  Anteil^  wenn  er  auch  noch  am  Maria-Magdalenentag 
(22.  Jnli)  1526  bei  der  Pkoseadon  den  das  Sakrament 
tragenden  Priester  feierlich  geleitete. 

Ranke  sagt  von  den  Berichten  Hamman's  über  die  Reichs- 
tage, die  er  wie  Baumgarten,  Janssen  u.  a.  eifrig  benutzte, 
sie  seien  ihm  eine  wertvolle  Quelle  zu  seiner  Reformations- 
geschichte gewesen;  denn  sie  zeugen  in  jedem  Worte  von 
hellem  Verstände,  scharfem  Urteil,  staatsm&nnischem  Blicke 
und  Scheu  vor  Uberstflraung.  Als  Hamman  am  28.  S^ 
tember  1522  auf  dem  Kttmbei^r  Reichstage  eintraf,  wokni 
ihn  Frankfurt  an  Stelle  Fttrsfenberg^s  stim  erstenmal  depu- 
tiert hatte,  war  die  Stadt  noch  leer;  allgemein  im  Reiche 
schien  man  AuJruhr  zu  befürchten,  die  Fürsten  wollten  ihre 
Lande  nicht  verlassen,  der  Kampf  gegen  Sickingen  und  die 
Acht  über  ihn  waren  im  Gange,  und  Hamman  schrieb  im 
Oktober  seinem  Vetter ,  dem  Bürgermeister  Johann  von 
Glauburg:  „Die  Stttnde  schicken  sich  Übel  am  Beichstage, 
noch  kein  Fürst  ist  angekommen;  ich  wollte ,  dafs  ich  su- 
hause  wäre/'  Er  meinte,  es  sei  trotz  der  eifrigen  Bemühungen 
des  Erzherzogs  Ferdinand  zweifclliaft,  ob  der  Reichstag  in 
Gang  komme,  und  lehnte  das  Mandat  Aachens  Anfang  Ok- 
tober ab.  Schon  im  November  besorgte  man  eine  Em- 
pörung der  Bauern,  „woraus  ein  Bundschuh  entstehen  möge''. 
Erst  am  17.  November  konnten  die  Sitzungen  beginnen; 
die  Lage  der  Dinge  war  aerfahren^  jeder  Beicbsstand  wähste 


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962 


KLBDIBGHMIDT, 


die  Schuld  auf  die  KoUegen,  und  mit  Recht  fühlten  sich  die 
Vertreter  der  fieicbsstädte  zurilckgeeetst  Am  17.  Dezember 
flehrieb  Hamman  nach  Frankfort:  i^EuzlUrateo  und  Fürsten 
and  des  Gernfttw  imd  der  Meinung ,  hinfort  den  Städten 
keinen  Stand  oder  Stimme  in  Beiehstagon  und  GeeehiUlen 
zu  vergönnen,  sondern  sie  gänzlich  auszuschliersen.  Des- 
gleichen aui'  keinem  Reichstag  nicht  mehr  gehört  oder  ver- 
nommen." Die  städtischen  Abgesandten  verlangten  in  einer 
Beschwerdeschrih  die  Beibehaltung  des  bisherigen  Brauchee^ 
wurden  aber  am  23.  Januar  1523  so  achnöde  abgewiesen^ 
dafe  Hamman  am  25.  d.  11  entrttstet  an  den  Bat  aehrieb: 
„Uber  diese  schimpfliche,  spdttiiche  und  TerftchtHche  Ant» 
wort  sind  die  Gesandten  der  Städte  fast  unlustig,  und  haben 
sich  dess  vereiniget,  auf  der  Kurfürsten,  Fürsten  und  anderer 
Stände  Beschliefsen  keine  Antwort  zu  geben  und  in  nichts 
zu  verwilligcn,  auch  den  Abschied  nicht  helfen  zu  ver- 
siegeln/' Während  der  Bischoi  von  WUrzburg,  einen  Überfall 
durch  Sickingen  befürchtend,  wegen  der  aUgemeinen  Gärung 
in  seinem  Stifte  ham  wollte,  schrieb  Hamman  am  25.  Ja- 
nuar an  Glauburg:  „Neue  Zeitung  weifs  ich  nicht  su  schrei- 
ben, denn  dab  sich  die  Sachen  und  lAxtSd  und  was  hier 
auf  dem  Reichstag  gehandelt  wird,  zu  einem  grofsen  Wider- 
willen, zu  Widerwärtigkeit  und  Aufruhr  zutracren.  Gott 
wolle  seine  Gnade  und  Barmherzigkeit  uns  mitteilen,  und 
abwenden.  Dieser  Keichstag  ist,  um  Frieden  zu  machen, 
ansgeschrieben  worden;  so  machen  wir  hier  nichts  anderes, 
denn  emen  Unfrieden  und  Widerwärtigkeit^'  Und  wenigs 
Tage  später  an  den  Rat:  „Auf  den  8.  Februar  haben  Kur» 
ilirsten,  Fürsten  und  Stände  den  Reichstag  beschlossen,  aber 
ich  versehe  mich,  der  Abschied  wird  nicht  durch  alle  Für- 
sten versiegelt  werden,  und  also  werden  die  Fürsten  und 
andere  vorreiten.  Die  gemeinen  Frei-  und  Keichsstädte  wer- 
den in  grofsen  Ungnaden  der  Fürsten  von  diesem  Reichstage 
abscheiden,  da  sie  in  nichts  bewilligt  haben  auf  diesem  Tag. 
Was  Gutes  daraus  wird,  (wird)  man  mit  der  Zeit  befinden.*' 
Jn  der  That  wurde  der  Abschied  nicht  von  allen  versiegelt 
Auch  auf  dem  am  14.  Januar  1524  eröffiieten  Nflmbeiger 
Reichstage  vertrat  der  Buigermeiöter  Hainman  die  Vater- 


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UAMMAN  VON  HOLZHACKEN. 


263 


fltadty  mn  Bchoii  am  18.  der  fießlrobtiiiig  Auadrack  bu 
g«ben:  ,,Mich  will  bedOnken,  die  Sachen  werden  übenwerg 

gehen."  Als  Venningen  im  Namen  der  Fürsten  dun  Reichs- 
regiment anprift',  lur  das  nur  Kursachsen  einzutreten  wa^te, 
echrieb  Hammau  (l.  Februar)  heim:  in  dieser  iiede  sei  das 
Reichsregiment  wahrlich  wohl  ausgebiept  und  was  dem* 
«attugen  übel  anatebt,  lauter  und  wohl  angeaeigt''  worden. 
Der  Kurförat  von  Sachsen  sog,  ohne  Geli6r  gefunden  su 
iMiben,  am  86.  Februar  davon^  und  Hammau  meldete :  Aller 
Kurftbreten,  Ftinten  und  Stünde  Meinung  ist,  kein  Regiment 
mehr  za  haben."  Mit  Mühe  verhütete  Erzherzog  Ferdinand 
die  Abschaffung,  der  Reichstag  wurde  am  18.  April  verab- 
schiedet, das  der  Auflösung  nahe  iCciciisregimeut  nach  Efs- 
Mngen  verlegt;  jedes  Verständnis  für  allgemeine  Reichsinter- 
essen war  verschwunden,  Zwietracht  der  Grundoharakter 
des  deutschen  Beiches. 

Die  Unruhen  des  Bauernkrieges  zogen  auch  Frankfurt 
in  ihren  Strudel;  lange  schon  gftrte  es  wegen  der  Religions- 
zwiste,  nun  war  von  Jena  Dr.  Gerhard  Westerburg,  der 
Schwager  des  berüchtigten  Carlstadt,  gekommen;  um  ihn 
iHldete  sich  im  stillen  aus  den  Zünttcu  eine  tcstgeschlosseoe 
Partei,  die  sowohl  nach  Verbesserung  der  kirchlichen  Zmt 
stände  wie  nach  £rleiohtamng  der  bürgerlichen  Lasisn  Ter- 
langte,  £r  organisierta  das  Kornj^ott  und  veffalste  Be- 
aebwerdeartikeli  die  er  bis  Köhk  hin  versandte;  am  17.  Aprä 
1596  rotteten  rieh  die  Keustildter  und  Saehasnlriluser  astf 
dem  öt  Petersfried  bot  zusammen,  die  Wortführer  waren  ein 
Schneider,  ein  Bender  und  ein  Schuster.  Die  Büro;ermejster 
Hamm&n  von  Holzhausen  und  Hans  Steffan  von  Cronstettea 
£orderteny  die  Beschwerden  sollten  schriftlich  übergeben  wer- 
den,  aber  die  Aufruhrer  wollten  davon  nichts  hiSrmk,  warfen 
sicli  Aber  die  Keller  der  GeistUehkdt,  die  flAchtata,  und 
wurden  nur  mit  Not  von  Bttbersien  gegen  die  Juden  abga> 
haken.  Bald  war  die  ganze  Stadt  in  der  Gewalt  der  be- 
waffneten Empörer,  der  Rat  sais  lall  los  im  R<>mer,  die  Ro- 
bellen aclitcten  nicht  aui  die  Vorstellungen  des  Rates  und 
d^  von  ihm  Abgesandten,  üefsen  sich  zwar  von  i^urston* 
karg  bewegs«!  einen  BernlutieiUMNMSohafii  von  41  au  erp^ 


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964 


KLEIK&CHMIDT, 


nennen,  in  dem  nur  Alten  Limpufg  nicht  vertreten  war, 
nnd  übergaben  dem  Bäte  am  90.  und  92.  April  46  Artikel^ 
die  zwar  grolae  Mäfmgung  atmeten,  aber  auf  Gmnd  des  Gottes- 

Worts  die  sozialen  Zustände  im  Sinne  der  Kadikaien  umzu- 
gestalten strebten.  Es  blieb  dem  geängstigten  Rate  und  der 
Geistlichkeit  keine  Wahl)  in  ihrer  Not  nahmen  sie  am 
92.  April  die  Artikel  an^  und  die  Bürgerschaft  schwur  von 
neuem  den  Bürgereid.  Der  BeTolutionsausschuls  Idste  nch 
nicht  auf,  sondern  spitzte  sich  am  95.  April  zu  einem  gans^ 
radikalen  Ausscliusäc  der  Zolin  unter  dem  Schuster  Hans 
von  Siegen  zu,  der  immer  schrotiere  Forderungen  erhob, 
wälirend  der  helle  Haufen  Metzler's  und  Berlichingen's  der 
Stadt  einen  Besuch  androhte.  Die  Stinunong  yerschärfie  sich, 
am  8.  Mai  ersdioll  die  Sturmglocke,  Fürstenbeig;  der  am 
1.  d.  Mts.  an  Hamman's  Stelle  getreten,  wurde  in  seinem 
Hause  gebrandschatzt;  zum  Glück  zog  der  helle  Haufen  von 
Frankfurt  abseits,  liier  öüuctcn  sich  vielcu  die  bisher  blinden 
Augen^  der  Rat  ermannte  sich  und  ergriff  fester  die  Zügel; 
am  17.  Mai  mufiste  Westerbuig  die  Stadt  r&umen.  Durch 
ihn  aber  war  die  Heformation  wieder  in  Flufs  gebracht 
worden,  seit  dem  24.  April  hatte  sich  unter  dem  Drucke 
des  Aufstandes  der  Rat  mit  der  Berufung  protestantischer 
Prädikanten  beschäftigt;  seit  Pfingsten  predigten  Dionysius 
Melander  und  Johann  Bernhard  Algesheimer  unter  grofsem 
Zulaufe  bei  Liebfrauen  und  St.  Leonhard  und  lehrten  den 
entschiedensten  Radikalismus,  von  Zwingli'e  Anschauungen 
abhäii^  g  Hamman  sah  ihre  Extravaganzen  mit  grofsem 
Unwillen;  er  hoffte,  durch  die  Berufung  des  hochbegabten 
Johannes  (Jeüarius  ihnen  ein  Gegengewicht  zu  geben,  aber 
ihr  TerrorismuB  nahm  derart  zu,  dals  OeUarios  sieb  nicht 
behaupten  konnte  und  Micyllus'  Schule  aerfiel  Am  26.  Mai 
1527  fand  die  erste  protestantische  Taufe  in  Frankfurt  die 
einer  Tuchter  Algesheimer  s,  statt. 

Hamman  vertrat  aui  dem  Augöburger  Reichstage  von 
1525/26  abermals  Frankfurt,  diesmal  zugleich  Wetalar;  am 
8.  Mai  1526  wfiblte  der  Rat  ihn  und  Berthold  Tom  Bhein 
zu  Vertretern  auf  dem  Spderer  Reichstage,  und  Wetikr 
erteflte  ihm  abermals  sem  Mandat  In  der  Stftdtekurie  lag 


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HAMMAN  YOIi  HOLZHAUSEN. 


265 


ZU  Spcier  der  eigentliche  Siis  des  erangeliBclieD  Frinsips, 
rie  setsie  alle  Energie  ein ;  Hamman  stellte  neb  Tersöhnungs- 

freundlich  zwischen  die  streitenden  Parteien^  muibtc  aber 
häutig  über  die  evangelisclie  Geibtiichkeit  klae^end  nachhause 
schreiben,  denn  anstatt  ihm  die  Arbeitakrait  zu  erleichtern. 
Bann  sie  auf  eigenen  Vorteil,  nicht  auf  gemeinsamen  Nutzen. 
Gestaltete  sich  auch  das  Verhältnis  der  stftdtischea  Vertreter 
sa  den  evaogelischen  FiLrsten  und  ihren  Hofirtaaten  freund« 
schafUieh  und  führte  zu  häufigen  Einladungen  und  Begeg- 
nungen, so  sahen  doch  jene  bald  mit  Ungeduld,  wie  die 
Glaubensfrage  iiintangesetzt  wurde,  und  die  Frankfurter 
schrieben  am  30.  Juli  heim:  „Neue  Zeitung  wissen  wir 
weiter  nichts,  denn  dafs  die  Kur-  und  Fürsten  Bankette 
halten  und  spielen/'  Besonders  eneiigisch  traten  die  Städte 
in  der  Eingabe  yom  4.  August  auf ,  und  die  Frankfurter 
Relation  yom  12.  August  betonte ,  die  Städte  wQrden  in 
kone  TOrkensteuer  willigen,  „es  werd'  dann  zuvor  die 
Städte  des  heiligen  Glaubens  halber  in  Frieden  gestellt  und 
die  Beschwerung  der  Geistliciien  von  ihnen  abgewandt"; 
die  Relation  vom  21.  sprach  die  Befürchtung  aus,  weder 
Tom  Reiche  noch  vom  Kaiser  noch  von  anderen  sei  Trost 
und  Hilfe  su  erhoffen,  und  der  Abschied  vom  27.  August 
encfaien  den  Vertretern  der  Mainstadt  „wie  das  alt  her- 
kommen, also  das  Einem  gefoUen  wird  und  dem  Andern 
gar  nit^'.  Sie  hielten  die  Anlehnung  an  Ftals  und  Hessen 
für  ratsam,  ein  Verständnis  der  Freunde  des  Gottesworts 
iur  erfordert;  Mamman  war  denn  auch  1527  bei  den  Ver- 
handhmgen  der  Stiidte  wegen  eines  evangelischen  Bündnisses 
sehr  thäüg.  1526  scbiols  er  sich  am  31  Mai  mit  wenigen 
Batsgenossen  von  der  Teilnahme  an  der  Fronleichnams* 
prozeaeion  aus. 

Vom  Kaiser  mm  lieben  und  getreuen  Rat  }m  dem 
Beichsregunente''  ernannt,  ging  er  15S6|  01r  diese  Amts- 
zeit des  Dienstes  daheim  entbunden,  nach  Efslingen,  sah 
aber  voll  Kummer  die  l'ruchtlosigkeit  der  Arbeiten  des 
Regiments,  bei  dem  er  noch  mehrlach  bis  zur  iVufiösung 
von  1530  amtierte.  Am  30.  Dezember  1530  nahm  Karl  V. 
in  Speier  Haroman  von  Holzhausen,    seinen  und  des  Hei- 


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266 


KLEINSCilMIDT, 


Ilgen  Rttmiacben  Bmclw  lieben  getreuen  und  Bat  bei  dem 

Reichsregiment,  und  dessen  Sohn  Justinian,  de«  Heiligen 
RömiHt  hen  Reirlm  Gerichtsschöffen  zu  Frankfurt,  in  seine  und 
des  Reichs  Bondeie  Gnade,  Versprach,  Soimtz  und  Schirm 
samt  ihrer  beider  Häuser,  Leute ^  Hab  und  Güter welche 
Huld  er  1651  auf  alle  Holahausen  ausdehnte.  Am  Abende 
leinee  Lebens  eracbien  Hammap  im  Mai  1686  in  Heidelbeig^ 
um  mit  FOrstenberg,  Jobann  Fichard  a.  (Quellen  nur 
Frankfurter  Geschichte,  Bd.  II,  S.  265)  seine  Valerstadt 
gegen  die  Anklagen  zu  verteidi^';('n ,  die  der  Kurfürst  von 
Mainz  wegen  Kirchenschändinip:  erhoben  hatte;  er  mufete  sich 
aber  überzeugen,  an  Aussöhnung  sei  nicht  mehr  zu  denken, 
Frankfurt  müsse  sich  dem  evangelischen  Bunde  ansobliefsen. 
Dies  geschah  auf  dem  Sehmalkaldener  Konvente  von  1687, 
auf  dem  Justinian  und  Weils  yon  Limpuig  den  Beitritt 
Frankfurts  unterzeichneten. 

Mit  Ruhe  durfte  Hamman  dem  nahenden  Tode  entgegen 
Bcliauen,  denn  in  Justinian  lebte  ihm  ein  Erbe  voll  Kraft 
und  Kuliin ,  der  sein  Werk ,  die  Reiorniierung  Frankfurt», 
zum  AbsclduBBc  brachte;  1528  hatte  er  Anna  von  Fürsten- 
berg  geheiratet,  die  Tochter  von  Hamman's  Herzensfreund, 
die  ihm  als  letste  des  Geschlechts  dessen  reichen  Bestta 
anbrachte;  die  Hochieit  war  die  erstCi  die  auf  Alten  Lim- 
purg  frei  ausgerichtet  wurde ,  denn  bisher  muCste  jeder 
Ghist  seine  Zeche  selbst  bezahlen.  Ein  schönes  Bild  der 
Verlobung  Justinian's  ist  in  den  Ahnensälen  der  Ode. 
Dort  aber  letjöelt  aller  Augen  ein  Meisterwerk  des  alteren 
Lukas  Cranach:  „Lasset  die  Kindlein  zu  mir  kommen.^ 
Dies  1539  gemalte  Bild  (welches  nach  Schuchardt  nur 
tsUweise  yon  Granach  herstammen  soll)  bietet  in  den  aaUr 
reichen  Eleuien  die  Portrilts  Ton  lauter  Holahansen,  der 
reichen  Desoendena  Justinian's,  unter  die  Cranach  merkwQr- 
digerweibc  Luthör  und  seine  Frau  mit  Kinderzügen  gezeichnet 
hat.  Goethe  siiricht  von  dem  Bilde,  das  uns  Verwandten 
als  Perle  der  Ode  dünkt,  als  von  „Christus,  der  die 
Mütter  und  ELinder  um  sich  her  versammelt,  merkwürdig 
durch  die  gltlcklich  gedachte  Abwechselung  der  Motive  von 
Mvtteriiebe  und  Verehrung  des  Propheten**!  und  lllgt  Insu: 


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HAMlfAN  VON  HOLeHAUSEK. 


367 


,yWolikrfa«lteD6  Familiengemälde  aus  der  älteren  Zeit  goben 
ms  erneu  Begriff  von  der  Würde  des  genannten  Qeachiediti 
und  der  Knnsdiebe  seiner  Abnherm''  (Uber  Kunst  xl  Alter- 
tum, Bd.  I,  S.  65,  1818). 

AUgemein  betrauert  war  Hamman  am  30.  Oktober  1536 
verschieden;  auf  seinen  Wunsch  wurde  er  nicht  bei  den 
Yoiiahren  in  der  katholischen  St  MicbaelskapeUe  am  Dome, 
die  unter  dem  Fainilienpatronaie  staadi  sondern  als  der  erste 
der  Familie  bei  der  protestantischen  Si  Peterekirdie  be» 
stattet,  wo  eine  einfache  Inschrift  der  Nachwelt  seinen  Namen 
verkändigte  und  ihn  der  Gnade  Gottes  empfahl.  Der  dank- 
bare ili^^Uus  aber  riet  ihm  aus  Heidelberg  in  die  Gruft 
nach: 

,,  Hamman,  der  würdige  Greis,  Holzhausen'ö  edlem  Gescblechte, 
Selbst  spin  Schmuck,  entstammt,  rnhet  m  Friedeü  allhier. 
Er,  der  der  Vaterstadt  die  Wege  der  Bildung  eruffaet 
Und  für  das  lautere  Wort  mutij^'e  Kämpfe  bestand. 
Treuer  Beschützer  and  Wächter  des  inneren  Friedens  der  Bürger, 
Hat  er  fllr*8  Wohl  des  Staats  willige  Opfer  gebracht, 
Auch  durch  klagen  Verzug  so  manche  Qe&hren  gewendet; 
Vater  dee  Yaterlanda  nannte  mit  Becht  ihn  die  Stadt** 


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ANALEKTEN 


1. 

Die  StelloDg  der  deulseben  Kaliou  des  Baseier 
KoDzib  n  der  Anssclireibng  eines  ZebBten, 
durch  welchen  die  zur  GriecheDunioD  notwen- 
digeD  Geldmittel  bescbafil  werden  sollten. 

Von 

I>r.  Wim*  Altmaan 

in  Greifmald. 


Bereits  em  11.  Februar  1435  liatttf  die  deutsohe  Nation  ver- 
Bcliiedene  FordemngeD  inberag  auf  den  AblaTs  und  die  Geld- 
sammlnngen  geltend  *  gemacht,  welche  das  Baseler  Konzil  behufs 
Gewinnung  der  Mittel  zur  ZurficIrfQbrQiig  der  Griechen  in  den 
Schofs  der  allgemeinen  Kirche  anordnen  wollte;  so  hatte  dlo 
deutsche  Nation  vor  allem  die  Verwaltung  der  in  Deutschland 
gesammelten  üeldsummen  (Art.  2)  für  sich  beansprrii-lit  und  ver- 
langt, dafs  ein  etwiiiL-^er  überschufa  zugunsten  der  Orte,  in  denen 
die  Sammlinj  ireu  st  att  in  finden  hatten,  verwendet  (Art  4)  werden 
solle.  Ein  Teil  dieser  Forderungen  (so  namentlich  die  des 
zweiten  Artikels)  war  ihr  auch  zugestanden  ^  worden,  als  im 
April  14^6  jener  Ablafs  wirklich  ausgeschrieben  worden  war. 


1)  Protestatio  facta  per  inclytam  nationem  Germanicam  inper 

matcria  indulgentiarum  in  facto  Graccorum  in  generali  congrcgatione 
die  Veneria  11.  Februarii  1435.  Mansi,  Coneiliorum  CoUectio  X^XX^ 
903.    Vgl.  He  feie,  KoazilieiigescUichte  VII,  595. 

2)  Vgl.  Fückert,  Die  knifttnfUdie  Neatialitlit  wSliieiid  dea 
Baseler  Keoiilfl,  S.  76. 


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AhTUÄUa,  ZUM  HASELEB  KONZIL. 


269 


Als  dann  das  Konzil  zu  Anfang  des  Jahren  1437  mit  der  Ab- 
heilt umging,  noch  einen  Zehnten  auexoBchieiben  ^,  um  die  70  000 
Galdiii  —  Bo  hoch  worden  die  Kosten,  welche  dndi  die  Ober-  ' 
ihhrt  and  die  Anknnft  der  Grieehen  erwteheen  Beütea»  ?eiBa«  • 
acUagt  —  aieh  sa  Tereehaffen,  nehm  die  dentoefae  Nation  aneh 
iBbeng  auf  dieee  Geldangelegenheit  wieder  eine  aelbatS&dige 
Haltung  ein:  in  den  beiden  KonzihMitraBgen  Yom  26.  Apiil  uid 
7.  Mai  1437,  von  denen  die  letitere  bekanntlich  äofserst  stflr- 
miach  verlief,  erhob  sie  einen  energiechen  Protest.  Diese  nieht 
unwichtige  Thatsache  ist  bisher,  so  viel  ich  sehe,  unbekannt  ge> 
blieben :  die  vielen  Dokumente,  welche  Ober  diese  beiden  Sitzungen 
vorliegen  (besonders  auch  bei  Cecconi),  enthalten  doch  nicht 
das  mindeste  über  diesem  Vorgeben  der  deutschen  Nation.  Wohl 
aber  lernen  wir  dasselbu  aus  einem  Xotariatsinstrument  kennen, 
dessen  Original  ge§ren  Ende  doa  vongoü  Jahrhunderts  in  der 
Bibliothek  des  Lheshiuer  Domkapitel«!  gewesen  und  damals  nebst 
den  dort  beündlichüu  für  die  Beziehungen  Schlesiens  zum  Baseler 
Konzil  in  Betracht  kommenden  Urkunden  von  dem  um  die  schlesische 
und  namenlich  Breslauer  Geschichte  so  hoch  ?erdienten  Bektor 
Kiese  abgesehrieben  worden  ist  Die  Ssmmlnng  dieaer  Ab- 
eebiiften  befindet  sieh  anf  der  Breslaner  Stadtbibliothek  (Hdas* 
Xloee  Kr.  124);  sie  bildet  den  Grondstoek  einer  grOlheren  Pnbli« 
kalion  Aber  das  YerhAltnis  Schlesiens  mm  Baseler  KonsO,  weldhe 
ich  demnächst  auf  Veranlassung  des  Vereins  für  Qesehiehte  und 
Altertumskunde  Sehleeiens  (Codex  dipl.  Silesiae  XV)  veröffentlichen 
werde.  Da  jenes  Notariatsinstrument,  dessen  Original  ich  in 
der  Bibliothek  des  Domkapitels  bisher  vergeblich  gesucht  habe, 
für  die  allgemeine  Kirchengeschichte  und  anch  ffir  die  deutsche 
Geschichte  von  Wert  ist,  schien  mir  seine  Yeröffentlichnng  *  an 
dieser  Stelle  angebracht. 

In  der  Klos  ersehen  üandschrift  nimmt  es  die  Blätter  43* 
bis  46*  ein.  Nach  der  ebendaselbst  fol.  4'  gegebenen  Beschrei- 
bung des  Originals  war  es  auf  woifaem  Pergcimont  mit  tief- 
schwarzer  Dinte  von  einer  italienischen  Hand  geächrieben  und 


1)  Geeeoni,  Stndi  storid  ml  CooeOio  di  nienie.  L  Anteeedsnti 

del  Coocflio.   Nr.  CIX. 

2)  Wunderbar  ist  es,  dafs  Johann  von  Soprovia,  welcher  als  Zea^e 
fuugiert  bat,  dieaer  Vorgaoge  mit  keinem  Worte  gedenkt.  Die  Hon- 
nung,  dals  dieser  so  überanB  wichtig  QnelleiiBehnftsteller  doch  noch 
feil  der  Wiener  Akademie  vollständig  verdflRui^cht  werden  wird,  wird 
man  doch  wolil  aufgeben  müssen,  da  dem  ersten  Bande  die  Ilälfte 
des  zweiten  erst  nach  dreizehn  Jahren  (188ti)  gefolgt  ist.  Um  so 
mehr  ist  das  Fehlen  eines  Registers,  welches  die  Benutzong  des  dick- 
leibigen FaUanten  sehr  erschwert,  m  beUagen;  disses  kranle  doch 
ma^ß^bmm  neohtdiglieh  aogefiartigt  weidoni 


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270 


ANAI.EKT£N. 


unlBürte  78  Z«fleii  4  Zeileo,  weicht  auf  die  tTnteiMhiifi 
dee  KotMs  kamea.  In  semer  AnfimrliclMn  Fvum  Int  m  Ticܫ 
ijmlichkeit  mit  den  üolmminten  Nr.  CXIX  und  CXX  Im  Ceaeoni 
Eb  lautet  folgendennaleen: 

In  nomine  domini  amen,   ex  tenore  preeentis  publici  instru- 
menti  nniversis  et  singulis  presentibns  et  futnris  pateat  ei  aii 

notum,  quod  anno  a  nativitate  ejnsdem  domini  millesimo  qua- 
driBgenteäimo  tricesimo  soptime  iudictione  quinta  derinm  et  die 
liÄlW Veneria  vicesima  se^ta  mensiä  aprilis,  pontifiratus  sanctisaimi  in 
Cristo  patris  et  dumini  nostri  domini  Ei;i^enti  ih\mi\  Providentia 
pape  quarti  anno  septimo,  —  reverendissimis  revereoiiibque  in 
Cristo  patribuB  et  domiMi'i  dominis  Juliano  titnli  sancte  Sabine 
in  Geruittma,  Johanne  tiiuii  ^aucLi  Petri  ad  vincula  sancte  sodis 
apostoUce  legatis ,  Ludoyico  titiüi  sancte  ecciesie  Arelaten^ 
sanete  Bomaae  eeeleeie  piesbjteris  oardinalibne  vulgariter  non- 
cnpatis;  Jobasne  arclü^iaoopo  Tarentino;  Johanne  Antioohene^ 
LndoTieo  Aqnilegiensi  patriuohia;  Amedeo  Logdnnen«!»  Niediao 
Panormitano,  Fnudaco  Mediolanenet  arehiepiaeopie;  Petro  D^- 
neneiy  Aliaro  Gonehenet,  Alfonse  Boigenei,  Anthonio  Portogalenel^ 
Martiali  Ebroycenet»  Msthee  Albingaoeo^  epiecopia  ae  alüs  de- 
minis  epieeopis  abbatibna  ceteriBqne  deminia  doctorlbiis  et  m»* 
gistris  in  magno  nnmero  et  mnltitndine  copiosa  saemm  BaaUienee 
Conciliom  representantibns  et  celebrantibus  in  generali  eongre- 
gatione,  videlicet  in  mnjori  pccleaia  Basiliensf,  do  raane  moro 
Eoh'to  cougrccntis,  prefatis  revorendissimin  patribus  dominis  cardi- 
naiibus  Banct«  Sabine  et  sancti  Petri  legatis  neriu  n  archiopiscopo 
Tarentino  presidentibua  in  eadem  —  in  mti  notarii  pul  lici  et 
testium  infra  scriptortim  presentia  post  iioimullos  actus  m  ipsa 
generali  congregationn  agitiitos  et  expeditos  inter  cetera  concor- 
data  dominuiuüi  ad  cuncurdaudum  deliberationea  in  sacris  depu- 
tationibns  ipaius  saeri  Goncilii  factas  et  babitas,  priasquam  in 
generali  ipaioa  congregatione  eimelndantor,  depntatornm  non- 
cupatorom  dnodecim  leota  fiaeront  eomm  coneofdata,  quo  ee* 
qnnntar: 

ttSnper  proteatationibna  inelite  nationia  Germanioe  anper 
impoeitione  dedme  aliae  et  nnper  Üaetia  coneerdaDt  omnas 
aacre  depotationeat  qnod  admitfeantnr  htjusDiodi  proteatt» 
tionee.«« 

Qnibus  qnidem  concordatie  sio  ut  premittitur  lectis  Tenera* 

ViUs  ?LC  circnmspectos  vir  dominus  Nicolaos  Sachow  decanua 
eccleäie  Lnbicen^  enper  impof-itiF!  collectis  et  colligendie  (qao 
ad  inclitam  nationem  Germanicam  in  dicto  sacro  Basilien^  Con- 
cilio  officiarius  generalis  nomine  ejusdem  inelite  nationis  Qer- 
manice  üüusque  suppositonim  quorumconqne  et  eiadem  adherea« 

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ALTMANM,  ZUM  BASEUsJi  KONZIL.  271 

tinm  snrgeas  in  medium)  postquaui  uarasset  se  habere  a  dicta 
inclita  natione  Germanica  in  mandatis,  quod  quaniumquo  noces- 
•arium  foret  qoascuDque  prot«st«tioDeB  oportonas  de  et  super 
liiQiiBmodi  collectis  et  ooUigendis  fkeeitt  et  interpoBore  posMt; 
ncnti  apparebat  ex  sota  per  magietrom  Georgium  Frey  ejnsdem 
BMii  CoBcOii  et  inclite  nationia  Germaiuee  notarinm  et  eoribem 
ibidem  tone  presentem  Jude  emnpte  et  eignete  eno  mtDiudi 
eignata;  quam  miaeiim  qnadam  alia  protesiatioiua  eedola,  quam 
in  Buis  tenebit  maaibna,  ibidem  coram  ipso  sacro  Concilio  per- 
lexit  et  tradidit  legendas;  dieens  et  faciens  dictus  dominas  de- 
canas,  nt  in  ipsa  proteetationis  cedala  continetar  (quam  ibidem 
legi)  et  ipsam  protestattonem  per  ipenm  eacnui  Gonciliom  ad« 

fflitti  potiit. 

Que  ibidem  per  venerabilem  vimm  magistrum  Petrum  Bruneti 
alterum  notariorum  ipaim  Isacri  Concilii  do  mandato  ejusdem  Con- 
cilii  ibidem  alta  et  intelligibili  voce  lecte  fueruut.  quarum  qni- 
dem  note  et  protestatiunia  cedulamm  tenorea  aeqiiuntur  et  sunt 
taleä: 

INüia  Georgii  JV^.]  Die  Kerearii  decima  septima  menaia 
aprilia  aime  domini  mlllesimo  quadringenteeimo  trieeaimo  aeptimo  Apru  17 
in  inolita  natione  Germanica  loeo  et  more  eenanetia  aolemniter  een- 
gregata  preaidente  reverendo  patre  domino  Nicoiao  epiecepo  Gnrcen«! 
placuit,  qnod  Tenerabilia  yir  decanus  Lnbieeneia  innoyet  prote- 
atationem  natioma  in  materia  indnlgentiarom  ae  deeime  in  fiusto 
reductionia  Greoortim  impoaite,  quandocunqne  necessariom  ftieritt 
et  alias  oportunaa  [prott»taci(ynes]^  de  qniboa  aibi  videbitor,  inter- 
ponat;  et  quod  cra8  cum  aliqnibus  ad  se  aasumendis  eat  in  de-j^je 
patationibtiH  ac  tandom  in  congregatione  generali  admitta  petat. 

Sic  signavii  Qeorgiua  Frey. 

[Protestatio  naiionis  Gcrmcmice]  Cum  nunc  de  decretationo 
deeime  nuper  pro  expediendo  negotio  reductionia  Greconun  con- 
cluse  agatur  ot  pro  parte  inclite  uationis  Germanice  sopposi- 
torumque  ejusdem  tunc  certo  modo  efücaciter  fuerit  protestatio 
circa  eandem  impositionem  et  conclnsionem  deeime  emissa,  apud 
aeta  bitfiis  aaeri  generalie  Baailienata  ConeilU  omn  inde  aeontia 
regiatiata»  ne  igitur  per  tadtamitatem  quicqoid  de  predieta  pre- 
taatatione  et  inde  aeonlia  pereat,  ego  Hieolana  Saehow  de^tu 
eeeleale  l<nbieenais  anper  impoaitia  bignamodi  eolleeftaa  coUigendia^ 
qne  ad  dietam  inelitam  natienem  Germanicam  in  diete  aaere 
Ceneilio  ofQciarina  genwalia  nemlne  ijnedem  inclite  nationis  Ger- 
maniee  iUinaqne  aappoaitonim  quommcunqne  dietam  preteatatio-, 
nem  et  omnia  inde  aecnta  drca  decretationem  predietam  repele 
et  innof 0  ac  in  ea  et  in  omniboa  aliia  actibna  circa  dieta 


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272 


▲KALE&TfiM. 


decimam  ejuöque  eipeditionem  q^uoniodolibet  factis  et  ia  futuium 
fiendk  pro  repetita  et  innovata  habere  Yolo.  et  nicbilouünas 
Oll  nimc  addendo  etiaii  aolennitor  protMtor  nmiünibDa  qdlms 
8Qpn»  quodi  Ueet  diote  dMima  ut  primifttitar  impoäto  et  eon- 
filofla  p«r  BMßnm  ConeUium  qaandocimqvo  deeretaretor ,  ipsa 
tarnen  leviri  in  tote  toI  in  parte  ant  ijna  preteita  execntoree 
seil  oolleetoree  per  diotun  inditam  nationem  Gennanieam  ant  in 
aliqna  4^  parte  poni  et  depntati  forsan  jam  vel  deputandi  saa 
offioia  aiTe  poteetatem  exeqni  ^ut  aliquid  eiroa  istod  disponere 
non  debent»  niai  offertoria  ex  indolgentiis  pro  dicta  rednotione 
coDcessis  provenientia  ad  ratam  in  solatione  septaaginta  milium 
florcTionim  de  camera  mufnatonim  Tel  mutuandorum  dictam  na- 
tionem tangentia  non  sulticerent;  quo  casu  usque  ad  ratam 
biyasmodi  exie^atiir  et  non  ultra,  nisi  qnousque  Greci  in  portu 
Latino  jnxta  decretum  dicti  sach  Goncilu  dosuper  factum  faorint 
personaliter  constituti.  et  tunc  etiam  ac  alias  uon  aliter  solri 
levari  aut  distriliui  debet  ipsa  decima,  nisi  sccundnm  primam 
protestationem  buperius  expressüm;  nullisque  quümodolibet  Jan 
debet  potestas  coactiva  in  partibus  Qermanie  dictam  decimam  ut 
premittitar  exigendi  ant  lerandi,  niei  liiis,  qni  per  dietem  natio- 
nem Geraanioam  ant  qjns  proyindalea  eligentor,  qnem  ad  mo- 
dnm  in  priori  eemideeinia,  indnlgentiamm  exeentione  eet  obeer- 
Tatom.  qna  prima  pioteetatione  et  etiam  preaentl  (qnod  abeitl) 
non  ealrie  nomine  diete  indite  nationie  et  enppoaitoram  cgni 
predietomm  et  omninm  adherere  Tolentiam  non  consentio  in  ali- 
qmnn  oonolneionem  impositionem  deoretationem  ant  dispositionem 
qoamennqne  hano  htgoamodi  deoimam  concementen«  inenper  repeto 
et  innoYO  qnibas  snpra  nominibns  protestationem  alias  in  focto 
indulgentiarum  pro  dicta  reductione  concessarum  etiam  dictis 
nominibus  fact^im  eamque  similiter  in  omnibus  actibuä  factis  et 
fiendis  reductionem  bujasmodi  concernentibns  volo  Labere  pro 
repetita  et  innovata  ac  ipsas  oiüüüö  et  siugulas  iterum  aut  tacite 
vel  expresse  üdmitti  snpplioo  cum  instantia  debita  et  solenni. 
et  hec  omnia  etiam  apud  dicta  acta  dicti  sacri  Concilii  registrari 
p6to  et  desaper  tot,  qaot  necessaria  fnerint,  üeri  publica  per 
reverendca  dominoe  protbonotarios  apostolice  sedis  et  honorabiles 
notarioa  diotl  neri  OoneiHi  hio  preeentee  inetrimente. 

Qgilnis  qnidem  nota  et  proteetationis  oedola  aio  nt  preftrtar 
per  dietom  magietmm  Petram  Bmnetl  nofarimn  leetia  petitoq&e 
per  Tenerabilem  Timm  magistnun  Hngonem  Banurdi  alterom  pn- 
motonm  hiyae  eaori  Cioncilii  per  prefirtos  reverendisBimoe  dominos 
presidentee  snper  higuemodi  snpra  scriptie  et  aliis  concordatis 
dominomm  dnodecim  conclndi,  preCati  reyerendissimi  domini  presi- 
dentee  per  oigaanm  reTorendiseimi  domini  oardinaiie  eanoto  8a» 


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ALI  MANN,  ZUM  BASELEß  KOl^ZIL. 


878 


bitte  1881Ü  altoiioA  ipaonim  presidoniiiini  nomine  et  aaetorittte 
fl«cri  Coneilii  juxta  deliberttionee  sncnrnm  deptttationnm  et  con- 
cordetv  dictornm  dominorom  dnodeeim  enper  bigoemodi  eoneor'* 
datiB  enperiee  insertie  (at  morU  eet)  eondoaenint  protestationeoi' 
^ne  enpn  eeriptam  nomine  et  anctoritate  cjvedem  eaeii  ConcUii 
dnxerant  admitiendam  pariter  et  admiseruni  de  et  enper  quibus 
omniboe  et  eingulis  premissu  pre&tus  dominos  deeanne  Lnbi* 
cen^  nomine  inolite  nationis  Germanica  et  omniom  sappoeitomm 
ejusdem  et  eisdem  adberere  volentium  potiit  a  me  infra  scripto 
et  aliis  ipsius  sacri  Conciüi  notarii'  tuTic  preseniibu'^  sibi  fieri 
atque  tradi  ?A  fnturam  roi  memoiiam  imom  et  piura  publicum  et 
publica  iiiatrniiu  ntum  et  mstniraenta. 

Acta  fueruiu  hec  in  dicta  generali  congregacione  sub  anno  j^^j 
indictione  die  meuse  et  pontificatii  quibus  supra  presentibus  ibi-  ^pf»i 
dem  venoraliilibus  et  circumspectis  viris  ilommis  et  magistris 
Dyoniäio  de  Sübeuiays,  Johanuo  ile  Segubia  in  sacra  pagma,  Jo- 
baune  Leouiä,  Johanne  de  Bachenstein  archidiacono  Zagrabien^i 
deoretorum  doctoriboa  et  Ouidone  de  Tereellie  magistro  in  artibus 
Pariaien^  teetibua  ad  premiesa  aetantibne  et  me  Michaele  Galten 
notario  infra  ecripto. 

Bnbeeqaenter  vero  anno  indictione  et  pontifieata  quibne  enpra 
et  die  Hartia  eeptima  menaie  mi^i,  dmn  in  dicta  mmori  eodeeia  jS^ 
Basilien^i  vicesima  quinta  b^joa  aaeri  Coneilii  Basilienete  sessio 
pabüea  solenniter  eeiebraretnr,  prefatna  dominns  deeanne  Lnbi- 
cenew  nominibne  quibne  eopra  eentiens  et  intelUgena,  quod  in 
ipsa  publica  sessione  decretari  deberet  decima  per  sacrom  Oon- 
silium  pro  unione  ♦'t  reductiono  Ürecorum  universaliter  imi>osita 
pre»criptaiu  protestatir  nem  et  ceteras  alias  hactenus  per  euudem 
dominum  docanam  et  alioa  nomine  dir.te  inclito  nationis  Ger- 
roanice  ou  üuc  imp(»6iU8  nomine  ejusdem  inclite  nationis  (Jor- 
manicc  eisdem  firmit^^r  perniHtendo  et  inherendo  repetiit  et  pro 
repetiiis  haberi  voluit  et  habuit,  petens  et  requirens  de  hujns- 
modi  repetitione  et  ceteri«  preniiabUs  a  mo  »iipra  et  lulra  fccüpto 
et  aliid  ipsiua  sacri  Coneilii  notariis  Inno  preseutibaa  sibi  üeri 
atqne  tradi  nnnm  et  plnra  ad  fatnram  rei  memoriam  inetnunen- 
tnm  et  inetraneota. 

Aeta  ftiernnt  hec  in  dicta  eeeeione  publica  et  iaterftieront  jffr 
preaentee  nobilee  et  egregii  viri  domini  Geoigioe  Vieaebel  milee 
eerenieeimi  et  invictieeimi  domini  Sigiemnndi  BomaneriMi  im- 
peraterie  in  diclo  eacro  Concilio  ambasiator,  If  anritiua  de  Bpelcbe- 
bergh  comcj  de  Spelcbebergh  canonicus  Cdonien^M  et  venera- 
bilis  vir  magister  Uenhcue  üubelini  caoearum  audientie  ejusdem 
aaeti  Coneilii  proenrator  et  quam  ploree  alii  teetee  fide  difpii. 

iMi«.  t  i.«o.  II.  i.  18 


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274 


ANALEKTEN. 


[8,  N,]  Et  ega  Miehael  Galten  dericos  Constanoien- 
inroTiDcie  Bothomagens»  poblicus  apostolica  et  impeiiali 
aoctoritatibtts  dietiqae  eacri  OonciUI  generalis  Baflilieiuir 
notarioa  et  seriba,  qni  in  premiBsis,  (dam  sie,  nt  snpni 
scripta  annt»  sneceasiTe  fierent  et  agerentor)  nnaeum  dietia 
teetiboa  presens  fai  et  de  eis  hoc  pnbliaun  instromentom 
per  alinm  seriptnm  eonfeci  mannqne  mea  propria  subscripsi 
et  signo  mee  consneto  ante  posito  signa?!,  in  testimeninni 
Teritatis  eorandem  re^nisitna  et  rogatas. 


2« 

Zar  KorrespoBdeDZ  Martin  Lolher's. 

Von 

Profeesor  D.  Paul  Tschaekert 

in  Eöuigbberg  i.  Pr. 


Das  Verhältnis  Lutliei'b  zum  iluciimeisiter  und  Heirog  Al- 
breclit  von  I^reufsen  ibt  bikcinnt.  Im  Jahre  1523  hat  Albrecht 
den  Reformator  zum  erstenmal  iu  Wittenberg  besucht  und  sich 
Ton  ihm  die  Anregung  zu  einer  evangelischen  Ketormatiun  des 
deutschen  Ordens  und  zur  Säkularibation  des  Ordenblundes  geben 
lassen.  J  uu  er  wurde  ihm  „Bischof,  Papst  und  Vater".  Bis 
zum  JaniL-  li>2b  sah  sicli  ;tber  der  Hochmeister  ans  politischen 
Gründen  gezwun^'-en,  seine  Symiiathie  lür  die  I{etbrnialii»n  zu  ver- 
bergen. Kifct  als  am  lü.  Apiil  1525  zn  Krakau  die  Säkulaii» 
sation  des  Ordenslandes  vollzogen  war,  erhielt  Albrocht  in  reli- 
giösen Dingen  freie  Hand.  Seine  Korrespondenz  mit  Lntber 
reicht  von  1623—1546. 

Die  Briefe  Lnthefs  an  Albrecbt,  welche  ana  dm 
Jahren  1524 — 1545  meist  auf  dem  Königlichen  Staatsarebi?  in 
Königsberg  (Schublade  LXIl)  im  Original  erhalten  sind,  hat  dar 
Eönigsberger  Archiyar  Faber  heransgegeben ,  ans  dessen  Samm- 
Inng  aie  in  De  Wette*8  Briefe  Lnther*s  Qbergegaugen  sind;  ihr 
Terseiobnis  steht  in  dem  Ten  8eidemann  besorgten  sechaton 
Bande  (1856)  S.  570. 

Dieser  Sammlnng  fflge  Ich  hier  die  beiden  Briafe 
Lnther*s  (Abteilung  A,  Nr.  I  und  II)  hinan. 


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TäCHACKEHT,  ZUK  LUTHER'S.  276 


Die  Briefe  AlbrechVs  an  Luther  ersclieiaea  hier  zum 
entennial  Toltotäodig  gesammelt:  A  b  t  e  i  1  n  n  g  B,  Nr.  I— XXX VIII. 

Yon  diesen  sind  bereits  xweiimdswanzig  durch  den  Unxkf  telU 
ToHstandig  teils  in  AussQgen,  an  Yerscbiedenen  Orten  bebinnt 
gomacht,  fast  alle  Ton  Faber  und  Job.  Voigt,  neaerdings  einer 
Ton  Kolde  (Analecta  1883,  187).  Fflr  fiwt  alle  gebe  ich  hier 
die  handsebriftlicben  Fundorte  an,  welche  Ton  Faber  nnd  Job. 
Yoigt  Terschwiegen  worden  sind.  Sechzehn  bisher  unbe- 
kannte handschriftliche  Briefe  des  Herzogs  an  Ln* 
ther  füge  ich  hier  hinzu  (Abteilung  B:  Nr.  I,  IT,  IV,  X, 
XVII,  XX,  XXI,  XXIH,  XXV,  XXVI,  XXVn,  XXVlil,  XXX, 
XXXTT,  XXXIir,  XXX VI).  Den  Anhang  dieser  Abteilung  bildet 
der  gleichfalls  unbekannte  Brief  Aihrecbt's  an  Katha- 
rina Luther  Nr.  XXXIX 

Abteilung  C  bringt  die  Inhaltsangabe  eines  Briefes  einer 
liebensv,  urli^en  Guuuerm  LuthorV,  der  Gräfin  Dorothea  YOn 
Mansie!  li,  an  ihn  in  öeiner  Krankheit  1543  geiulitet. 

In  Abteilung  D  wird  ein  ebenfalls  nnbelwi  unter  Brief 
des  evangeliischeu  Bischofs  uud  Liederdichteiü  Taulua  Spo- 
ratus  an  Luther,  Melanchthon  und  Jnstus  Jonas  yeröflfentlichi 
Derselbe  wirft  anf  die  religiöse  Bntwtchelang  des  Herzogs  Al- 
brecht  yon  Prenlsen  ein  neaes  Licht 

In  Abteilung  E  folgt  ein  Brief  des  Ersbischofs  Wilhelm 
Ton  Riga  an  den  Reformator. 

Im  gansen  erscheinen  hier  sweinndzwanzig  bis- 
her nnbek&nnte*  Briefe,  davon  zwei  von  Lnther, 
zwanzig  an  Luther. 

Bei  der  Ko])iemng  habe  ich  die  imnOtige  Häufung  von  Kon- 
sonanten am  Schlüsse  oder  in  der  Mitte  yon  Silben  yermieden; 
z.  B.  btatt  „inn"  habe  ich  „in"  geschrieben;  ferner  wo  y  und 
w  gleich  u  lauten,  habe  ich  u  geschrieben;  wo  n  gleich  v  lautet, 
habe  ich  v  geschrieben;  endlich  ist,  mit  Ausnahme  der  Eigen- 
nanien ,  alles  klein  geschrieben  (über  den  Brief  Luthers  Iii.  I 
eiehe  die  Anm.). 

Ein  Anhang  beschäftigt  sich  mit  einer  deutschen  Über- 
setzung einer,  bzw.  zweier  Schreiben  Luther'd  (vom  8.  April 
1540). 

1)  Einer  dieser  Briefe,  der  unter  Nr.  2  gegebene  KoUektirbrief 
Luther's,  ist,  wUhrcnd  das  MaDU&kript  bereits  in  den  Händen  der  Re- 
daktion war,  von  anderer  Seite  gedruckt  wonl^^n  Da  er  in  dieser 
Publikation  ganz  beäouders  au  seiuetn  Platze  ist,  habe  ich  geglaubt, 
der  Anffordening  Tsehaekert'f»  ihn  aotfUlen  sn  lassen,  nielit  Folge 
geben  sn  aoUen.  Biitgtr, 


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276 


ANAL£KT£K. 


A.  Briefe  LvIlMr'i. 

L 

1539.  Februar  18.  Wittenberg. 

[Martin  Luther  an  Ii  erzog'  AI  brecht  von  Preufsen, 
Fürbitte  für  den  Uauptmann  Leonhard  Bosler,  der  eine  Summe 
Geld  vom  Herzoge  sn  fordern  hat] 

G[nade]  V[nd]  ffriede].  Durchleuchtiger  hochgeborner  fürst. 
Bs  hat  mich  Lionliärd  Kodier  gobetten,  an  E.  F.  G.  zu  schreiben, 
vnd  bitten,  weil  er  nu  mit  kinder  beladen,  vnd  sonst  auch  wol 
genotißret  ist,  das  E.  F.  G.  die  schuld,  wie  er  anzeigt,  et- 
iicher  liiiiderütelliger  beöoldung ,  >'m  wolten  gnedigiichen  zu 
soliiekeD.  Dem  nach  iüt  mein  demutige  bitt  K  F.  G.  wolten 
bhn  gnediglich  befoblen  haben,  vnd  sein  nott  ehrisllieh  bedenken 
damit  er  die  seinen  deste  bas  erhalten  möge,  denn  er  hie  fn- 
Tonst  kriegt  hatt»  mit  aller  mobnldl^  das  ist  ja  war,  vnd  yhm 
doch  wehe  thnn  vnd  harrt  tn  aeteen  Hie  mit  Gott  befoUen, 
Datum  XIII  Febmary.   Zn  Witteiilrarg 

B  F  a 

williger 
Luther 

[Adresse :]  Dem  durclüenchtigen  vnd  hochgeboren  forsten  vnd 
heim,  heirn  Albreehten,  Hargrausn  an  Biaadenbutg  vnd  her* 
logen  stt  Freuaaen  etc.  Meinam  gnedigen  hemu 

Handschrift:  Original,  von  Lnther*8  Hand,  auf  Papier, 
mit  Siegel.   Etaigaberg.  K.  Staatsarchiv.   Schieblade  LXn. 

Dieaer  Brief  ist  ein  Bogleitschreiben  zu  dorn  Originalbriefe 
von  „läonaid  Bosler,  dea  Kurfürsten  su  Sachaen  Diener  und 
Hai4ȆBaun''  an  den  Heraog  Albrecht  von  Freuihen,  d.  d.  Witlen- 
beig,  Id.  Februar  1532,  worin  derselbe  bittet,  ihm  die  Geld« 
aohuld,  auf  welche  er  Anapruch  habe,  endlich  su  besahlen.  Er 
war  nladtch  im  preubiach  -  polniachen  Kriege  (1590/Sll)  im 
Dienste  dea  Ordens  ala  S^ldnerf&hrer  geworben  geweaen,  hatte 
aber  noch  auf  swei  Monate  Sold  zu  fordern*  Der  Brief  Boeler's 
liegt  ebendaselbst  im  K.  St.A.  zu  Königaberg.  —  Meine  Abachrift 
des  Briefes  Luther*s  ist  diplomatiach  genau;  nur  habe  ich  alle 
Worte,  mit  Ausnahme  der  Eigennamen  und  der  Anrede,  klein 
geschrieben. 


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T6GHAGKERT,  ZUR  KOBBESPONDENZ  LUTHER'S.  977 


IL 

1543.  Oktobers.  Wittenberg  ^ 

[Hartin  Lntber,  Johannes  Bugenhagen,  Joachim 

Camorariiis  und  Philipp  Melanthon  an  Herzog  Al- 
brecht von  Fronf^en,  Fürbitte  für  Andreas  Aurifabor,  den 
sie  in  Wittenberg  zurückgehalten  finben,  während  der  Herzog  ihm 
befohlen  hatte ,  sich  nach  Italien  zu  begeben ,  um  sich  in  der 
medizinischen  Kunst  zu  vervollkommnen.] 

Gottis  gnad  durch  Minen  emgebomen  sobn  Jlieram  Obristom 
nnMm  beyland  zuvor.  Durchlenchtigster  bochgebomer  gnedigster 
fbrst  und  herr.  E.  F.  G.  bitten  wir  m  undertiienigkeit,  diese 
unser  scbriffe  und  vorbitt  gnediglich  zuvomehmen.  Nemlieb,  wie- 

wol  wir  von  magistro  Andrea  Aurifabro  von  Preßla,  der  von 
EL  P.  G.  Unterhaltung  hat,  vernnmen,  das  ehr  E.  F.  G.  zugesagt 
ein  zeyt  liir^g  in  Italia  zu  sein,  und  yhm  E.  F.  G.  dazu  ein 
geldt  gnediglich  verordent,  dorauf  ehr  sich  auch  gerust,  und  je« 
zundt  hat  wollen  aufsein,  und  ist  an  ihme  kein  mariL'^el,  so  haben 
doch  wier  alle  vier,  gutter  wolmeynnnge,  ohne  allen  argen  list 
UD  l  uhue  jemanda  unterbauung,  für  unfs  selb  bedacht,  das  es 
aufs  vielen  Ursachen  besser  und  nutzlicher  sey,  sonderlich  diese 
ztit,  des  maf^ister  Andreas  nicht  in  Italiam  ziheu ,  sondern  bej 
seiner  hausfrauen  uud  kindren  bleiben  solt,  den  sie  sindt  beide 
jnng,  und  wie  die  eitten  in  Itatia  eiodt,  ist  nnferborgeo.  So 
eindt  dnrch  Gottes  gnad  in  diesen  uro  uniTereiteten  Leiptzk  nnd 
Witeberg  etlicb  doctoree,  bej  welchen  so  wol  in  lernen  als  b^ 
den  Italiaaetn,  nnd  sind  etiieh  anch  lang  in  Italia  gewesen* 
Dmmb  bitten  wier  in  undertenigkeit,  K  F.  G.  welle  gnediglich 
nns  in  gath  balden,  das  wier  magistrnm  Andream  nfbalden,  nnd 
diese  reyse  widerraten  haben,  wolle  auch  derhalben  nicht  wider 
magistrum  Andream  zu  Ungnaden  bewegt  werden,  sonder  sein 
gnedigster  herr  sein  und  bleiben,  denn  ehr  sich  zu  allem  ge- 
horsam in  nndertenigkeit  erbeut  und  was  E.  F.  G.  nachmals  be- 
vchlen  werden,  dasselbig  wil  ehr  ohne  Verzug  fiirnehmen.  So 
hat  rhr  ein  guth«n  vcrstandt  in  der  philosophia  und  beiden 
sprachen  latiniscli  und  grekisch,  uttI  studiret  mit  vleys  in  me- 
dicina,  das  zu  hofTeo,  E.  F.  G.  werden  ein  wolgelarten  vleys- 
sigen  treuen  diener  an  ihm  haben  und  bitten  in  undertenigkeii 
nmb  gnedige  antwurt,  ob  K.  F.  G.  yiir  gnediglich  unser  bedeucken 


1)  Inzwischen  auch  von  O.  Vogty  Briefwechsel  Bngeahagen'a, 
Nr.  127  gedruckt. 


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378 


ANALERTEN. 


gefallen  lassm    Der  ewige  Gott  vater  onsera  heylands  Jbesn 
Christi  bewar  and  schütze  E.  F.  G.  allezeit. 
Datam  Witeberg  8  Octobria  Anno  1543. 
£.  F.  G. 

willige  und  untbertenige 
Martinus  Luther  D. 
Johannes  Bugenhagen  Pomer.  D. 
Joachimus  CamerarinB 
Philippos  Melantbon. 

[Adresse:]  Dem  dmcUencfattsten  [sie]  hochgebomea  farsten  und 
herrn,  berm  Albert  iiuurggra?ett  zn  Bnudenbarg ,  henogea  wa 
Prenssen  etc.  nad  bnrggraTen  zu  Nflmberg,  nnserm  gnedigsten 
herm. 

Handschrift:  Original,  von  Sclireiberhand ,  aber  mit 
eigenhändigen  Unterschriften  der  vier  Absender,  auf  Papier  mit 
Siegel.    Königsberg,  K.  Staatsarchiv,  Schieblade  LXII. 

Die  Antwort  auf  diesen  Brief  folgt  unten  B,  Nr.  XXXUI.  — 
Andreas  Aiirifalier  Goldschmied  aus  iireslau  kam  1545  nach 
Könicr  herL',  v.ur  lc  Ivciborzt  und  Rat  des  Herzogs  wie  auch  Pro- 
fessor an  der  Universität  und  starb  1550.  Vsrl.  Herzog  und 
Plitt,  Keri^cnryklopadie,  2.  Änfl.,  II  (1878),  S.  7.  Das 
SioLfl  auf  dem  Briefe  zeigt  eine  Frauengestalt,  welche  stehend 
schreibt  [?]. 


B«  Die  Briefe  des  Herzogs  Albreoht  Ten  PreoTsea 

M  Dr.  Marlia  Lnthor. 

1. 

1523.  Juni  14.  Kürnberg. 

[Albreeht,  Hoehmeieter  des  deutseheo  Ordens,  an 
Dr.  Martin  Lnther^  Kredenzbrief  tOn  seinen  Gesandten, 
Magister  Johann  Oedeni  aber  ohne  üntetschriA  und  ohne  Ken* 


1)  DlescQ  Brief  und  die  nachfolgende  Instruktion  hat  bereita 
Job.  Voigt  in  seiner  Geßchichte  Preufscns,  Bd.  IX,  S.  687.  (>P«  ge- 
kannt, woselbst  sich  anch  die  historische  Situation,  in  -welcher  sie 
abgefafst  wurden,  geschildert  liiidct.  —  Die  Auffindung  den  haud* 
schiiftUchen  Folianten  auf  dem  K.  St-ArcbiT  zu  KSoiffsberg  verdaiike 
ich  der  unermüdlichen  Güte  des  Herrn  Archivars  Dr.^oblmann.  Ich 
spreche  dies  hier  mit  um  so  gröfserer  DankbRrkcit  aus,  trei!  in  den 
letzten  vierzig  Jahren  auf  dem  Königsberger  ätaataarchiv  die  band- 


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TSCHACKEKT,  ZUR  KOKREi>PUNÜENZ  LUTHEß'S.  279 


oong  des  NamaiiB  des  ICiigitten,  da  der  Brief  geheim  bleiben 
(und  Ton  Lntber  ▼erbrannt  werden)  eollte.] 

,,Ad   doctor  MaiÜDUs  Luthor.    Dutis  I^uruiberg,  souUgä  nach 

Octavas  Corporis  Christi. 

Liber  liprr  doctor  tintl  in  Christo  geliebter  hruder.  Ich  hah 
des  briefs  zcig^ern,  den  wulgelarten  unsern  rat  und  lieben  ge- 
treuen mit  otzlichen  muntlichen  Werbungen  und  credeutzen  an 
euch  gefertiget,  bmderlicb  begerendt»  demselben  nf  dißmal  gleieb 
nne  selbet  glauben  geben  und  encb  hirin  ebristlich  nad  uns 
fnm  besten  in  geheym  gotwillig  erfieigen.  Seint  wir  zu  Tor« 
dienen  willig." 

Handschrift:  Kopie  in  einem  (üriulichen)  Ilegistranten 
(friilier  Foliant  Nr.  22,  jetzt)  A.  184  im  K.  Staatsarchiv  zu 
Königsberg.  —  Der  Brief  steht  in  einer  Abteilung  dieses  Begi- 
etrentm  ftber  das  Jahr  1523,  folio  16^. 

II. 

15  2  3.   Juni  14.  Nürnberg. 

[M  ü  n  d  1  !  b  0  Werbung'-  des  II  o  c  Ii  m  e  i  ?  t  e  r  ^;  A  1  b  r  e  c  h  t'  s 
an  Dr.  Martin  Luther,  z't  fiberbringen  durch  Ma- 
gister Johann  Oeden*.  .ioiiann  O^nien  soll  Martin  Luther 
bitten,  1)  dafs  er  über  den  Inhalt  l'i  hm  zu  machenden  Er- 
oünungen  „bis  in  sein  Grab  schweigen  wollte",  dafs  er  2)  den 
Kredenzbrief  Oeden's  zu  verbrennen  zusage,  3)  Vorschläge  zur  Ke- 
foruiation  des  Deutüchen  Ordens  und  4)  des  ivlerus  im  Ordens- 
gebiete mache;  dazn  5)  dafs  er  dem  Hochmeister  auf  alle  seine 
Znscbriften  „dorch  Gott'*  Bat  erteile.] 

„An  magister  Johan  Oeden.    Datis  Nürnberg  ut  supra. 

Liber  getreuer.  Wir  uberscbicken  euch  biemit  eins  utirpts 
Ordens  buch  alischrift,  mit  einer  credentz  copien  hirinnen  vor- 
pcbbissen,  ;*n  doctor  Martin  Luter  lautendt,  und  bogorn  an  eacb 
guedtgs  vleii6,  ir  wolt  zu  jm  gehen  und  inen  bitten,  er  wolle 


schriftlichen  Folianten  andere  Nununcru  crbaltcn  haben,  olm«-^  dafs 
man  jetzt  wcifs,  welche  Signaturen  sie  friilier  gehabt  haben,  rnziih- 
lifipe  handschriftliche  Citate,  z.  B.  die  meisten  aus  Yoigt'ö  ßd.  iX, 
bfeiben  beute  für  den  Forselier  —  onkontrolUerbar.  Naeb  dem  obisen 
Briefe  z.  B.  hatte  ich  etwa  zwei  Jahre  vergeblich  geforscht,  als  Herr 
Dr.  Kohlmann,  der  stets  gütigst  für  mich  sachte |  in  dem  Folianten 
A  184  den  Voigt'schen  „Nr.  22"  fand. 

1)  Über  die  Ferton  dieses  Jobann  Oeden  weib  icb  nnr  mitsn- 
teilen,  dafs  er  aus  Heilbronn  stammte  und  in  den  Jaluren  15S8  nnd 
1584  als  Bat  des  Hochmeisters  Albiecbt  thätig  war. 


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980 


AKALBKTRN. 


umb  ehmttioher  lieb  willen  euch  zusagen,  da^yenige,  fto  ir  aa 
in  tragen  werdet»  des  er  solcbs  bift  in  eein  grab  ecbweigen  wolt. 

Zam  andern,  fto  Aolche  geeeheen,  woUet  anieigen»  das  ir 
einen  sehein  euer  Werbung«  der  eins  loblielien  ibrsten  faandt* 
sehrift»  aaseigen  weitet,  mit  bit,  encb  mnsagen,  das  er  den- 
selben, Ao  erst  er  in  Torleeen,  Torbrennen  wolt;  nicht  danunb 
das  im  einiger  mißtranen  nftsolegen,  sondeni  das  wir  alle  sterp- 
lieh,  nnd  seit  dift  anß  yerlegen,  Torgeasen  ader  absterben  ge- 
fiinden  werden,  das  solchs  denn  naehteil  der  personen  emfiuren, 
das  nicht  anders,  dan  mit  beftanderm  gotlicLsm  gewalt  nnd  in 
kein  ander  weift  mocht  wyder  bracht  werden.  Und  fto  er  soldia 
zusagt,  solt  ir  jm  nichtes  entdecken,  ßondem  in  cum  generaliboa 
contra  persuadiren,  domit  er  solchs  einginge,  wie  gesagt.  Wo 
nit»  solt  ir  ym  nichtes  eroffen  oder  unser  credenti  ubergeben. 

Zum  dritten,  wo  er  solchs  alles  einreompt,  alftdaa  solt  ir 
ym  eroffen,  wie  wir  entpfinden,  das  unser  orden  einer  refonnation 
nottorftig,  tarn  in  capite  quam  in  membris,  dem  wir  auch  mit 
hilf  Gottes  nachantrachten  willens.  Got  Yon  hymel  wol  sein  got- 
lich  gnad  dortsu  vorleihen.  Derwegen  wir  im  die  ausaataung 
unsera  ordena  und  desselben  unseia  ordens  buch '  undergeben 
theten,  mit  bit  durch  Got,  dasselbige  zu  emendiren  und,  wie  er 
vorstundt,  das  christlich  wer,  auftisusetsen  und  seine  gemuia 
maynung  schriftlich  bey  euch  in  seiner  ader  euer  hantschrifl^ 
durch  euer  person  in  unser  eygen  haadt  in  uberantworten,  an- 
tautseigen.  8ao  weiten  wir  chriatlioh  dorin  und  uf  die  refor* 
mation  mit  seinem  radt  handeln,  domit  dieselb,  au  ere  Gottes 
iren  forgang  an  ergemus  ader  emporung  eräugen  mocht 

Zum  Vierden,  dieweil  wir  etlich  bischof  prälaten  und  pfaff- 
schaft regulirt,  also  zu  sagen  ist,  und  audi  etUeh  an  regei  als 
frey  als  ander  bischof,  prälaten  und  pMiicbafl,  uuder  uns  unsera 
Ordens  gebiet  seftbaft  ader  wonen  betten,  beten  wir  nicht  weniger 
SU  ehr  Gottes  uns  su  berichten,  wie  wir  dieselben  auch  in  ein 
wlioh  christlich  Tomemen  und  ubung  bringen  solten.  Daran, 
wie  im  negsten  artikel  gesagt,  auch  unsem  vleis  thun  weiten. 

Zum  fünften,  uns  uf  alle  unser  zuscbrift  durch  Qot  zu  raten. 

Handschrift:  Kopie  in  amtlichen  Begistranten  Foliant 
(frflher  Nr.  22,  Jetat)  A.  184  (folio  16^—17^  in  der  vorhin 
beseichneten  Abteilung  des  Jahres  1523).  K.  Staatsarchiv 
Königsberg. 


1)  Uber  Gesetze  und  Gesetzbuch  des  Ordens  vgl.  Job.  Voigt, 
Geschichte  PreofMDs  IV,  623.  62&;  VI,  467.  517»  VUI,  49£;  auch 
Vil,  607ff. 


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TSCHACRERTy  2UR  KORRSSPONDBKZ  LVTBSR'S.  381 


m. 

1526.  Frühjahr.  Königsberg. 

[Henog  Albrecht  ladet  Luther  zu  seiner  Hochzeitsfeier  nach 
Königsberg"  auf  den  24.  Juni  1526  eiu,  damit  er  durch  ihn  ge- 
tröstet werde,  falls  ihm    irgendein  trübes  Wetter  unter  die  Augen 

wehen  tbäte".] 

Ton  Gottes  goaden  Albrecht,  marggraf  sa  Brandenburg,  in 

Preußen  herzog.  Unsem  gnädigen  grua  zuvor.  Ehrwürdiger 
hochgelahrter  über  besonder.  Wir  setzen  in  keinen  zweifei,  eneh 
Mj  kundig  and  nnverborgen,  daß  wir  etlich  zeit  mit  gesetsen 
menschen  bestrickt,  gefangen  und  umbgeben  gewesen,  ans 
welcher  Ihtstcrnus  wir  yermittelst  der  hülfe  Gottes  und  eurem 
xuthun  zum  licht  der  wahren  erhenntnuß  kommen ,  also  daß  wir 
uns  des  zeichen  des  kreutses  verziehen,  dasselbig  abgelegt  und 
den  weltlichen  standt  angenommen.  Die  weil  wir  dann  den- 
seibigen,  wie  ihr  und  andere  chriBten  gethan,  gern  mehren  woll- 
ten, hat  uns  Gott  der  allmächtige  diese  gnad  yerliehen,  daß  wir 
den  orden,  den  Gott  eingesetzt,  auch  anzugehen  in  willens. 
Haben  uns  derohalb  mit  der  jtzigen  königlichen  majstät  von 
Dennemarck  elesten  tochter,  fraulein  Dorothea,  in  Gott  ehelich 
vormehlet,  beschlossen  unser  fürstlich  beylager  auf  schierst  künf- 
tigen tag  Johannis  zu  Königsberg  in  Preufson  fürzunehmen. 
Weichs  wir  euch  als  unserm  geliebton  nicht  haben  wissen  zu 
beigen,  sondern  thun  euch  gantz  gütlich  bitten ,  ihr  wollet  euch 
üf  ernante  zeit  uf  solch  unser  bejlager  verfflL'en,  dasselbig  helfen 
mit  freuden  mehren  und  sterken,  oh  uns  iri;on<U  ein  trülts  wotter 
unter  angen  wehen  thet ,  dnß  wir  zum  wirderstund  enres  trosts 
ptiegen  möchten.  Doch  so  wollen  wir  :ille  unser  sacfi  Gott  dem 
allmüchtiiTen  orgeben,  der  wird  diI5  und  andors  n;;ch  st-ineui  i^  ttt- 
hcbeu  wiiicr  mit  uns  woiil  wiy.veu  zu  ordnen.  Das  sein  wier 
umb  euer  pcraon  in  sondern  gnaden  tc.  Königsberg.  Auno 
1626  K 


1)  Da  eiue  liaDd>»chritt  dieses  merkwürdigeu  Briefes  weder  auf 
dem  KgL  ^taataarchiv  zu  Königsberg  noch  sonst  irgendwo  meinee 
Wissel»  Torhfuiden  ist,  so  shid  wir  au?  den  ersten  Draclt  angewiesen. 
Ein  Exemplar  dieses  ftnlserst  seltenen  fvielleicht  überhaupt  utir  ein- 
irnl  vorbandenen)  Druckes  befindet  sicn  auf  der  Stadtbibliothek  zu 
Küuigsberg  iu  dem  Sammelbande  „Od.  200,  Vllil  (Quart),  Stück  5**, 
hl  dtt  klemen  (sonst  gänzlich  unbedeutenden)  SclutFt  „Dav  erste 
PfireiUche  Ehliche  Be^rlager,  Weichet  Ihre  Fürstl. 
Dnrchl.  Albrecht  Marggraf  zu  Brandenburg  etc  aUliie 
»n  Königsberg  gehalten  etc.  Königsberg  1646"  1  Blatter 
in  Quart).   Obiger  Brief  steht  auf  Blatt  3,  ohne  Angabe  dor  Quelle, 


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282 


ANALEKT£N. 


IV. 

1531.  Oktober  23.  Corthin  (bei  Ortokbarg  im  sQdliebeii 

Preii&en.) 

[Der  Herzog  bittet  anfii  neue,  für  seinen  Bnider,  Markgraf  WU« 
beim  TOD  Brandenburg,  Koa4jutor  des  Ertstifte  Biga,  einen  Ter« 
stftndigen  gelebrten  Mann  sn  senden.] 

Uusern  guostigen  griis  und  gnedigen  willen  zuvor.  Wirdiger 
und  hochgelerter  besonder  lieber.  Nachdem  wir  euch  vorschiener 
zejt  aigener  handt  gefichriebeii  mit  venneldunir  nud  pith,  uoserm 
freuntlichen  lieben  bruder,  dem  coadjutor  in  Lejfflandt,  vor  seiner 
lieb  eynen  vorstendigen  gelerten  inan  zuzefertigeii  etc.  Uns  ist 
aber  von  euch  bißhere  noch  kein  autwort  zukuuimen,  welchs  nca 
nit  wenig  Verwunderung  thut.  Darumb  wir  nit  wisbeu,  ob  euch 
solche  unser  bchrift,  die  wir  euch  docli  bey  gewisser  potschafl 
zugescbigkt,  behendigt  worden  oder  nit  Ist  derhiilben  an  euch 
abermals  unser  gütliche  pit,  ir  wollet  uns  zu  sonderlicher  wil- 
farung  euch  nit  beschweren  und  unserm  lieben  bruder  obgedacht. 


aus  welcher  er  geflossen  Ist.  Da  aber  Albrecht  im  MSrz  1526  die 
übrigen  Einladungsschreiben  an  säne  Verwandten  etc.  zur  Hochsett 
auf  Johanuis  desselben  Jahre.s  hat  ausgehen  lassen,  so  wird  wohl  auch 
der  Brief  an  Luther  gleichzeitig  geschrieben  sein  Kr  ist  abgedruckt 
in  Bock  s  Leben  des  Herzogs  Aibrccht  (Königsberg  174d.  Ausgabe 
Ton  1750,  S.  206)  nnd  excerpiert  von  J.  Voigt,  „Mitteilung  etc.** 
in  PreoTs.  Prov.-Kirchenblatt  1840,  S  20  und  in  Neue  Preur.>.  I*rov.- 
Blätter  XII  (1851),  S.  20.  Krwälmt  in  Burkhardt,  Luthers  Rrief- 
wech'-d  (18GÖ),  S.  10!».  Eine  sicliere  Orthographie  dieses  Briefes  läfst 
»ich  nicht  herstellen,  da  schon  der  erste  Druck  (dem  ich  folge)  einen 
modemisierteD  Text  hat.  Von  einer  Antwort  Lnther*8  auf  diesen 
Brief,  die  gewifs  nicht  ausgeblieben,  ist  nichts  bekannt. 

1)  Dieser  Brief  Albreclit's  iin  Luther  ist  verloren  geganp^en.  Der- 
selbe kann  nicht  identisch  mit  dem  gewesen  sein,  welchen  Luther 
am  24.  Auguöt  1631  bei  De  Wette  IV,  290— beantwortet  hat. 
Denn  in  diesem  Briefe  bandelt  es  sieb  um  einen  Ersati  ffir  Briefs - 
mann,  der  Stadtprediger  in  lUgn  gewesen  und  von  dort  1531 
nach  Königsberg  zurückgekehrt  wnr;  hier  aber  wünscht  Albrecht 
aufs  neue  eiin'n  i-rfiihrenen  Gekehrten  für  den  Koadjutor  Wil- 
helm, Wühl  iiia  Hausgeistlicheu  und  Sckretür  für  den  religiös  und 
mmliscb  sn  leitenden  jungen  Harkg^rafisn.  —  Albrecbt  hatte  also 
awei  WUnsche  für  Riga  an  Luther  vorgetragen.  —  Das  ergiebt  sieh 
auob  nocli  deutlich  aus  einem  handschriftlichen  Briefe  des  Hfrzogs 
an  Peter  Well  er,  der  in  Wittenberg  studierte.  An  ihn  »i-lirieb 
der  Herzog  J532,  April  6:  Peter  Weller  möge  bei  Martin  Luther  an- 
halten, dus  ,fein  gesebickter  vertrauter  Mann  gen  Riga  bestem 
mochte  werden.  ...  Desgleichen  ni<^t  in  Vergessen  stellen,  vq. 
semi  Rrnder  Markgraf  Wilhelm  Coadjutor  auch  einen  tüchtigen  Mann 
zu  bekommen^*.  (Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  26,  p.  364. 
K.  StA.  Königbberg.) 


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TSCHACK£RT^  ZUR  K0KB£SP01«D£N2  LUTH£EÜ.  283 

ejnen  erfarnen  gelerten  und  geschiglften  gesellen  mit  dorn  ersten 
zufertigen,  wie  wir  uns  des  uns  [sicj  alles  guts  zu  euch  vor- 
sehen, und  Philippum  sampt  andern,  unsern  gunstigen  und 
genedigeo  willen,  und  den  almechtigen  Got  vor  uns  zu  bitten, 
voimel'ien.  Das  wollen  wir  sampt  unsern  [sicj  lieben  brader 
umb  euch  mit  sondern  gnaden  zu  beschulden  geneigt  erfunden 
werdeu.    Datum  Corthin  ut  s.  ^ 

Elan  dscli  1 1  ft:  Kopie  im  Kopieenbuch  i  oliaut  Xr.  26  (1  i>2ö 
bis  l')32),  p.  337  aul  dem  Königlichen  StaatsarchiT  zu  K5- 
nigaberg. 


V. 

1532.  April  6. 

Antwort  aaf  Lvtber's  Brief  Tom  24.  August  1531  (bei 
De  Wette  IV,  290).  Albrecht»  der  jQngst  ta  Q^otg  von  Branden- 
bng  und  Het»^  Friedrich  »|Zar  Liegniti"  verreist  war»  dankt 
ftr  seine  Batsehlftge  und  seine  bisherigen  Bemühungen  um  einen 
gelebrten  Prediger  fftr  Riga,  die  er  fortsnsetsen  bittet  Aueh 
ersnebt  er  Luther  um  seinen  Bat  inbezug  auf  die  Acht,  die  über 
ihn  verh&ngt  sei;  versichert  ihn  des  Wohlwollens  gegen  seinen 
Schwager  (Jobann  von  Bora),  bittet  ihn  um  die  Auslegung  des 
Evangeliums  Johannis  und  lobt  seine  Prediger,  von  Königsberg 
„bevorab  Poliander,  die  die  Sachen  also  treiben,  dafs  bei  uns 
kein  Irrtum  obwaltet" 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  26  (1526—1532), 
p.  368.  K.  St-Arcbiv  Königsberg.  —  fixcerpt  von  J.  Voigt 
in  Prenfs.  Prov.  Kirchenblatt  1840,  S.  203  und  separat  in 
„Mitteilung  aus  der  Korrespondenz  des  Herzogs  Albrecbt  mit 
Lnther^  Königsberg  1841,  S.  3.  Daraus  bei  Kolde,  Analecta 
Lntherana  (1883),  p.  175. 


1)  Dieser  und  alle  folgendeu  Briefe  sind  leider  an  vielen  Stellea 
deich  Schuld  der  herzoglichen  Kopisten  mit  Sohreihfehlem  belastet. 

2)  Die  Bitte  nm  die  ErkliniDg  de«  sechsten  Kapitels  Johannis 
ksi  Oiten  Gnmd  in  den  Vorgiingen  auf  dem  Bastenburgcr  Rcligions* 

g^räi-Ti  vom  30.  und  31.  Dezember  15;J1,  wo  sich  der  Schwenck- 
feldiauer  irabiau  Eckel  aus  Liegnitz  auf  dieses  Kapitel  berief,  um  die 
lotheri&che  Abendmahisichrc  zu  bekämpfeu.  Der  lierzog,  der  dies 
KoDoqoimn  anhefohlea  hatte,  wohnte  den  Yerhandlnngen  hiei. 


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384 


ANALERTliN. 


VL 

1532.   April  12. 

Aibieciit  bittet,  den  Solm  meines  llauplmaiincö  zu  J>::biau, 
Georg  von  BenJt  rf",  Niimens  Quirin,  der  in  Wittenber^^  bluaiören 
soll,  gegen  VergüLung  lu  meinem  Hause  aulzuneiimeu  oder  sonst 
einem  geeigneten  Präceptor  zu  übergeben. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  26  (1526—1532), 
p.  371.  K.  St. -Archiv  Königsberg*.  Excerpt  bei  Voigt,  im 
Preufa.  Prov.  Kirchenblatt  1840,  S.  204  und  separat  in  Mit- 
teilang  etc.  (1841)»  S.  4.  Daraus  bei  Kol  de,  Analecta,  p.  175. 

vn. 

1  533.    Jnni  12. 

Albrecht  dankt  für  Lutber's  Schreiben  (yon  1532,  ohne  Mo- 
natsdatum, bei  De  Wette  IV,  348 — 365)  *  nnd  bedauert  dessen 
Kr&nkliclikeit^  die  Gott  zum  beeten  wenden  wolle.   £8  sei  aller- 


1)  Das  Schreiben,  an  mich  gethan",  welches  Albrecht  beant- 
wortet, ist  das  von  Lntbcr  selbst  durch  den  Druck  bekannt  gemachtej 
„wider  etliche  Rottengeister"  (Wittenberg  1532,  gedruckt  bei  Ni<^e 
Schirlenz),  worin  Luther  den  Herzog  auffordert,  die  Zwinglische  Lehre 
bk  leiDem  Lande  nicht  zu  dulden.  Der  Brief  Luther*«  hat  kein  Mo- 
natsdatum, und  Kolde  hat  in  den  Analecta  p.  187  gearteilt,  dafs 
derselbe  ,, erheblich  später"  als  April  1532  anzusetzen  sei.  Indes 
da  die  Züricher  Geibtiichkeit  bereits  am  17.  Juni  1532  einen 
gegen  Lailier*8  Schreiben  gerichteten  „Sendbrief**  an  den  Hersog 
Albrecht  geschickt  hat,  so  wild  die  Datierung  bei  De  Wette  dod^ 
richtig  sein.  (Die  Zürcher  Gegenschrift  fuhrt  den  Titel  „Ein  send« 
brietf  vnd  vor-  "  red  der  dienern  des  wort  Got-  !l  es  zu  Zürich*'  etc. 
„Gedruckt  zu  Zürich  by  Christoffel  Froschouer  1532.^^  Der  Brief 
aber  ist  datiert  „nf  den  17.  tag  Braehmonats*'.  Ein  Exemplar  be- 
findet sich  iu  der  l^iil  liuthck  des  Königl.  Haasarchivs  in  Beriin, 
Nr.  If  Herr  Archivrat  Dr.  f^rorsniimu  bat  mir  dasselbe  gilt  igst 

zur  Verfügung  gestellt.)  —  Dafs  der  Herzog  auf  Luthers  .Send- 
schreiben so  lange  geschwiegen  hat,  ist  mir  nicht  Huftallig.  Kr  be- 
find eieh  im  Janre  1582  in  starker  Abhlngi^keit  ron  dem  Sehwenk- 
feldianer  Friedrich  von  Ileideck,  Herrn  aar  Johannisbarg,  der  die 
Seele  der  ganzen  SchwcTikfcldschen  Bewogimir  in  Preufscn  wnr  Wie 
dieser  ehemalige  Ordensritter,  der  dem  Markgrafen  Albrf'cbt  l^i  der 
Säkularisation  die  wichtigsten  Dienste  gelebtet  hatte,  zum  Patron 
aller  Schwenkfeldianer  in  Preafsen  hat  werden  können,  Ittfst  sieb-Us 
jetzt  urkundlich  nicht  feststellen.  —  Erst  im  Jahre  1535,  nach  dem 
Münsterscbon  Aufruhr,  erliefs  der  Herzog  am  2<>.  Oktober  ein  lulikt 
zur  Atistreibuug  der  Wiedertäufer  aus  Preufsen.  (Vgl.  Jacobson, 
Geschichte  der  Quellen  etc.  II,  Anhang  Nr.  VI.) 


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TSCUACK£ET,  ZUB  KURB£äFOKD£NZ  LUTHES'üi.  286 


diogs  richtig,  daCs  „zam  teil  die  Sftcramentierer  ins  Land  ge- 
Mblidieii'';  UiBen  ktane  man  b«l  dw  Weite  d«  Landie  nioht 
welirtD;  wardini  nt  loßgcja^t,  so  rnttCrto  maa  Arohten,  dafs  das 
Land  noch  wOator  worde.  Dar  Hanog  daaka  Ctofct^  daA  ar  aais 
Work  hier  ao  Toichlioh  geben  lasae.  Beaondera  Brieaamann  und 
Poliander  tiiahan  ihr  Amt  mii  Warnen  ond  Lehren  tapfer.  Dan 
Kenaren  sei  das  Lehren  oder  Predigen  verboten;  aber  weil  dem 
Henoge  nicht  liemen  wolle,  ^in  die  Lente  den  Olanben  an 
dringen",  so  werde  „einem  jedan  sogelaaBen,  Ar  sich  zu  glaa« 
ben  und  seine  Belohnung  am  jangsten  Tage  zu  erwarten".  Luther 
wolle  anch  für  Prediger  nach  Eiga  sortren  und  ihm  seine  Aus- 
legung vom  sechsten  Kapitel  Johannis  zoschickeu.  (Vgl.  Nr.  V 
Anm.) 

Handaohrift:  Original  in  dar  WoUTadben  Sanunlang  der 
Hambugar  StadthibliotheL  Cod.  I,  65  t  —  Qedmckt  bei 
JColde»  Analecta»  p,  187 sqq. 

vm. 

153  4.    Juni  2  8. 

Albrecht  bestätigt  den  Empfang  eines  (verloren  gegangenen) 
Empfehlnng-sschreibens  Luthor'H  für  den  gelehrten  hoffnungsvollen 
jungen  l'etor  vtn  Molfsdorf  genannt  Peter  Weller,  das  dieser 
überbracht;  Albrecht  erklärt  sich  bereit,  dieaeu  auf  eigene  Kosten 
zwei  Jahre  in  Welöchland  reisen  zu  lassen,  „weil  wir  selbst 
nicht  gelehrt  sind,  aber  gelehrte  Leute  doch  allwege  gerne  bei 
uns  gewufit  und  wissen  wollen'*. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  27  (1533—1536)» 
p.  132.  K.  St.-Arch.  Königsberg.  —  Excerpt  bei  J.  Voigt 
im  Prenfs.  Pro v. -  Kirchenblatt  1840,  S.  205  und  separat  in 
„Mitteilung  etc.**  (1841)»  8.  5.  Daraus  bei  Kol  de,  Analecta, 
p.  199. 

n. 

1537.    Januar  30. 

Hana  Ton  Kreutz,  den  Albrecht  an  Luther  gesandt,  um 
diesen  Ton  der  beabsichtigten  heftigen  Schrift  gegen  Albrecht 
fon  Haina  abcnbringen,  habe  ihm  Luther'a  Antwort  überbraoht: 

Dafs  er  dies  nicht  ?or  Oott  TOrantworten  könne»  weil 
der  Bischof  von  Mainz  den  Evangelischen  nicht  nur  nach 
den  Gatom,  eondam  nach  Leib  ond  Leben  tiaohto;  daft 


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286 


AKäLEKTKN. 


er  sieh  ab«r  gebflhrlich  halten  wolle,  falle  der  Henog  und 
andere  solehem  Treiben  wehren  wollten. 

Darauf  ersucht  ihn  Albreeht»  die  Sache  nicht  su  übereilen, 
und  den  Kardinal  vorher  im  geheimen  chriatlich  ta  Termabuen. 

HandscLrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  28  (1537—1540), 
p.  13.  K.  St.-Arcb.  Königsberg.  —  Excerpt  bei  J.  Voigt  im 
PreuXs.  Pro?.-KirchenblaU  1840,  S.  206  and  separat  in  „Mit- 
teilung etc."  (1841),  8.  6.  Daraus  bei  Kol  de,  Analecta» 
p.  296. 

X. 

1587.    Marz  31. 

Herxog  Albrecht  flbersenclet  Luther  drei  Kompositionen  seines 
Hofkapellmeistera  Hans  Kngelmann,  nbnlich  ein  Lied  des  Bischoft 

Paul  Speratas  ,,Tom  Concilio"  und  zwei  Psalmen,  den  121., 
welchen  der  Herzog  selbst,  und  den  39. i  den  Kagelmiuin  ge- 
dichtet hatte.  Albrecht  bittet  Luther:  „Ihr  wollet  dies  alles 
euerm  hohen  von  Gott  verliehenen  Verstände  und  eurer  Geschick- 
lichkeit nach  korrig-iereu,  bessern  und  mehren  und  uns  dergleichen 
auch  bisweilen  zuschicken  und  mitteilen''  K 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  28  (1637—1540), 
p.  56.  K.  St-Arcb.  in  Königsberg.  Der  Text  erschien  jQngst 
im  Druck  in  meinem  Aufsätze  „Kleine  Beiträge  zum  Leben 
Lnther's''  in  den  „Theo!.  Stud.  und  Kritiken**  1889,  Heft  2. 


XI. 

1(38.    Mai  34.    Kcuenhaus  [d.  i.  Neuhansen,  Schlols  bei 

Königsberg  in  Pr.j. 

Herzog  Albreeht  an  Martin  Luther  und  dessen  Schwager  Johann 

?on  Bora. 

(Zur  Erliuternng  sei  folgendes  eingeschaltet.  Johann  Ton 
Bora,  der  frflher  in  Prenfsen  bedienstet  gewesen  war,  hatte  sich 


1)  Diese  Kompositioneu  und  die  dazu  gehürigeu  Texte  Bcheinen 
verloren  zu  sein.  Von  der  Dichtung  des  Bischofs  Paulus  Spe- 
ratas „vom  Conciliam*'  (zu  Mantua?)  habe  ich  nirgends  dne 
Spur  gefunden,  und  in  den  gedruckten  Kugohnann'schen  Kompo- 
sitionen „Concentus  novi  trium  vuciim"  Augsburg  1540  (Exemplar 
in  vier  Stimmbüchem  in  München,  Huf-  uud  Staatabibliothek.  Mos. 
pract.  45.  Qaer-Oktav)  finden  sieh  die  beiden  genannten  Psalmen 
auch  nicht.  -  -  Auf  dem  Königsbeiger  AichiT  sind  diese  Texte  und 
Kompositionen  nicht  vorlianden. 


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TSCliACKKliT,  Zm  KORKm'OJSDEMZ  LUTUE&'S.  287 


in  einem  Briefe  aus  ».Wittenberg,  MontagH  nach  Quüsimudogeniti", 
.  d.  i.  den  2^.  April,  1538  bei  Herze  Albrecht  wegen  seiner 
mehrj^Uiauen  Abwesenheit  aus  Frenfseii  entschuldigt  und  sich 
erboten,  mit  seiner  Familie  nach  Preufsen  zurückzukoliren ,  falls 
der  Uerzüg  ihn  wiodor.  in  seine  Dienste  nehmen  wolle.  (Das 
Urjginul:  Schioblade  LXll  K.  8t. -Aich.  Künij^sberg.  Vgl.  das 
Excerpt  aus  diesem  Briefe  bt  i  Faber,  liUÜior's  Briefe  etc., 
S.  1-4.)  In  dt'ms<?ll)on  Sinne  hat  Luther  selb.st,  „Monta^^ü  nach 
Philippi  und  Jacobi**,  d.  i.  den  (3.  Mai,  1538  ;in  den  Herzog 
gefiChrieboD.  Vgl.  De  Wetto  V,  lüGff.  Auf  die^e  beiden  Briefe 
äniwortet  jetzt  Herzog  Albrecht:) 

Das  Amt,  welches  Johann  von  Bora  in  Merael  bekleidet  habe, 
sei  vom  Herzoge  bereits  mit  einer  anderen  Person  besetzt,  und 
eine  vakante  Stelle  könne  er  ihm  jetzt  nicht  anbieten.  Doch 
Tersichert  er  ihn,  fftr  sein  Fortkommen  zu  sorgen,  wenn  er  sich 
mit  seiner  Familie  nach  Preufsen  begeben  wolle.  Gleichzeitig 
sendet  er  ftkr  Luther  einige  Stflcke  Bernstein  als  Geschenk  ^ 

Handschrift:  Kupie  im  Fuliuiit  Nr.  28  (ir)37— 1540), 
p.  193  und  l'j?.  K.  St.-Arch.  Königsberg.  —  Exccrpt  in  Fa- 
ber, Luther's  Briefe,  S.  14  und  15  und  bei  Burkhardt,  Lu- 
thers Briefwechsel  (1866),  S.  303. 


153  8.    J  u Ii  2 4.    Holland  [Stadl  lu  Preufsen]. 

Herzog  Aibrecht  erklärt  Martin  Luther,  dafs  er  in  seiner 
Gegenschrift  gegen  die  fipigrsmmata  des  ^Vittenberger  Magisters 
Simon  Lemnios  gegen  den  Ersbiecbof  yon  Miiins  zn  beftig  aof* 
gekreten  sei  K 


V  Olf 1)7, 'tig  l  in  demselben  Folianten  p.  IflP  srliripb  Albrecht 
jenen  für  Luther  so  zartgesiiinten  Brief  an  Melancbthon,  worin  er 
auf  dessen  Bitte  die  you  Peter  Weiler  hinterlaaseueu  Bücher,  die  der 
Herzog  die  in  Wittenberff  Btudierenden  preornseben  Studenten 
ttiKesäa£ft  batte,  den  Sobncu  Luther*B  als  Geacbenk  überlaCat  Ex- 
cerpt  ans  Faber  im  Corp.  Ref.  III,  519  ff. 

2)  Lemuius  hatte  in  Wittenberg  g'^wu^t,  in  seinen  Epigrammata 
mehrere  achtbare  Personen  zu  beschimpieu,  deu  Erzbit^chof  von 
Hains  aber  sn  loben.  Lntber  ricbtete  eine  zornige  Gegensebxift 
eegen  diesen  Skribenten  (bei  Walcb  XIV,  1334).  Ein  Origiaal- 
druck  dieses  Plakats,  worin  besonders  der  Erzbischof  Aibrecht  mit 
den  Terächtlich«<ten  Ausdrücken  tnikticrt  wird,  findet  sieh  z.  B.  im 
KgL  Rreisarchiv  zu  Nürnberg,  Kcligioiiäacta  T.  XVH  (vorletztes 
Stick). 


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288 


AKALEETEN. 


Handsohrift:  Koniept  (od«r  Kopie).   Müsblade  Uli  auf 
dem  K.  St-Areh.  in  Königsberg;  Excerpt  bei  Faber,  Prenia.  . 
ArobiT  I,  S  lOOf.  (De  WeUe  V,  128);  bei  J.  Teigt  im  Previ^. 
ProT.-Kircbenblatl  1840, 8.  207—209;  bei  Barkbar  dt,  Lnibefa 
BrIefWecbeel  (1866)»  B.  305. 

(Lutber  antwertote  am  16.  August  d.  J.,  dafo  „der  Ter> 
sweifelte  Pfaffe"  Albreebt  Ton  Hains  niebte  beeseree  Ter  dient 
babe.    De  Wette  V,  122  sqq.) 

XIU. 

1538.    Oktober  8.  Königsberg. 

Autwort  auf  Luther's  Brief  vom  15.  Aagust  d.  J.  (De  Wette 
y,  122).  Es  8ei  nicht  zu  lengneu,  dafs  an  allen  Orten  xer- 
brochene  Töpfe  gefunden  werden  (Anspielung  auf  das  ungeratene 
Kind  aus  dem  Hause  Brandenburg',  den  Erzbischof  von  Maini). 
Docb  ermahnt  der  Herzog  Luther  aufs  neue  zur  Müde. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  28  (1537  —  1540), 
p.  257.  K.  St.-Arch.  Königsberg.  Excerpt  in  Faber,  Luther^s 
Briefe  etc.,  S.  20;  bei  J.  Voigt  in  Freufs.  Pro?.- Kirchenblatt 
1540,  S.  210  und  in  Burkhardt,  Luther's  Briefwechsel  (18^)6), 
S.  312. 

XIV. 

1538.   Nofember  7.  Kuuigaherg. 

Herzog  Albreebt  an  Martin  Lother  nnd  PbOipp  Melantbon  anter- 

schiedlich. 

Der  Herzog-  bittet,  bei  dem  Kiiiiuiöleü  Jobann  Friedrich  von 
Sachsen  dafür  zu  sorgen,  dafs  aucb  er  in  die  angeblich  bevor- 
stehende Religionsvorgloichung-  der  protestierenden  Stände  mit 
Kaiser  Karl  V.  auigenominen  werde,  l  ernei  enlluiit  div-s  Schrei- 
ben noch  eioü  Anfrai:e  dos  Herzoge  m  iieziehung  üuf  die  Ver- 
waudUchaftsgrade  iu  Ehüäachen. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Kr.  28  (1537— -1540)1 
p.  276->280.  J.  Voigt  bat  dies  Schreiben  als  blolä  an 
Melanthon  gerichtet  excerpiert  in  seinen  Hitteilnngen  im  PnoCa 
ProT.-Kirehenblatt  1841,  S.  6.  7.  —  Melanthon  antwortete  dar- 
auf am  24.  November  d.  J.  (im  Corp.  Eef.  III,  611)  und  Luther 
legte  einen  Zettel  Tom  25.  November  bei,  abgedruckt  in 
De  Wotte-Seidemann,  Lnther's  Briefe  VI  (1856),  217. 


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T8CUACKERT,  ZUK  KORBE8P0NDENZ  LUTBER'S.  389 


XV. 

153  9.   Februar  16. 

AUnreelii  beievflri  Luther  auf  die  Kunde  Toa  aeiner  Krtnk«' 
liehkeit  eeiue  TeUnaluDe. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  28  (1537—1540), 
p.  31Ü.  Excerpt  bei  J.  Voigt  im  Preufs.  Pro?.  -  Kirchenblatt 
1840,  S.  211  uud  separat  in  „MitteUnng  etc."  (1841),  S.  10. 
Daraus  bei  Kolde  a.  a.  O.  8.  388. 


XVL 

1  53  9.    Juli  2 '4.     If  oll  and  ^im  llerzoLctum  Preufdan]. 

Neue  Bitte  an  Luthor  zur  T<indin'keit  l'o^'oii  den  Erzbiao]M>f 
Ton  Mains.   Das  £Tangelittm  mödite  sonst  Schaden  leiden. 

Uandscbrift  unbekannt,  aber  wabrscheinlieb  imC  St.-Arch. 
zu  Königsberg,  worans  Excerpt  bei  Faber,  Preufs.  Archiv  I, 
100 ff.  und  bei  Burkhardt^  Luther'e  Briefwechsel  (1866), 
8.  327. 

im 

153  9.    August  14.  KüDigsberg. 

[Antwort  auf  Luther's  Brief  ?om  98.  Juni  1639,  bei  De  Wette 
V,  190.    Dank  fOr  neue  Zeitungen.] 

Euer  schreyben,  ausgangen  am  Sant  Johannis  abend  des 
teufers,  haben  wir  mit  empfuigen  nnd  darauB  euer  dioatliehe  und 

geneigte  gutwilligkeit  gegen  unser  person  mit  sonderer  gnedigen 
danckbarkeit  nnd  frenden  yormerclct,  nnd  wehr  nns  hochlieb, 
wenn  ir  euch  sampt  andern  cristliclien  gliedern  in  guter  tresnndt- 
heit  (wie  wir  dann  an  göttlicher  vorleyhnnr  und  i^^iadeii  nicht 
zweyfeln,  sonder  vleissig  darumb  bithen  sollen  uud  wollen)  selig- 
lieh  verhalten  tiiet. 

Von  wegen  der  neuen  Zeitungen  sagen  wir  euch  auch  hohen 
danck,  und  ist  uns  seher  lieb  und  erfreulich,  das  Gott  der  al- 
moclitig  zu  erhaltung  uud  furderung  seines  heilsamen  seligmachcn- 
den  Worts,  auch  abwendung  Yieles  unraths  solche  enderung  ge- 
aehieht  [geschtekt?],  sweifeln  auch  an  «einer  almechtigkeit  gar 
nieht,  er  werde  die  seinen  hinflirder  mit  gnaden  wol  mrhalten, 
nnd  dagegen  die  widerwertigen  dennaseen  sn  bekheren  oder  ir 
kose  beging  ▼ombeiDen  dahin  auiiebten  wyaen,  damit  im  eristen- 
tnnb  rhu,  firied,  lieb  nnd  eynigkajt  erfolge  nnd  enraehie  etc.» 

MtMhr.  f.  I.-0.  ZI.  t.  19 


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290 


ANAJUBKTEN. 


gutlich  bittend,  ir  wollet  euch  jhe  nicht  beschweren  lassen  uns 
bisweylon  mit  eynem  briefiein  l>esuchen  und  eueren  zustand  zu- 
Yormolden,  dannhen  wes  von  -/oitungen  an  euch  gelan^'et,  sovil 
zimiich  und  schj  iitnirdig  mit  zutheilen*  Das  seint  wir  •tc 
Datom  KoDigsbergk  ut  s. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  28  (1537—1540), 
p.  418.    K.  Bt.»Arcb.  Königsberg. 

xvm. 

1  539  [nach:  Oktober  13]. 

Albrecht  dankt  aufs  innigste  für  Lnther*8  Brief  vom  13.  Ok- 
tober d.  J.  (bei  De  Wette  209  sqq.).  Luttier  ist  ihm  „Bischof, 
Papst  und  Vater".  Grufs  an  I\IelantboD,  über  welchen  sich  Al- 
brecht jetzt  besonders  erfreut  äufsert,  weil  durch  ihn  Qottea 
Wort  ,9 in  der  Mark  weiter  ausgebreitet  ist". 

Handschrift;  Schieblade  LXII>  Hr.  8  im  K.  8t,-Aieh.  an 
KOnigsbetg,  worans  die  Mitteilung  in  „Boitrfige  inr  Kunde  Pren- 
ÜBens''  TI  (1824),  8.  436->4d8. 

1540.    März  21. 

Albrecht  empfiehlt  die  nach  Wittenberg  ziehenden  Söhn» 
Georgs  von  Eunheim  und  Christophs  ?on  Portugal,  seiner  Bäte, 
Lnther's  Obhut  und  Anüsicht. 

Handschrift:  Kopie  in  Foliant  Nr.  28  (1637—1540), 
p.  595.  Excerpt  bei  J.  Voigt  in  Preufs.  Pro?. •  Eirchenblatt 
1840,  S.  211  und  separat  in  „Mitteilung  etc.''  (1841),  S.  11. 
Daraus  bei  Kol  de  a.  a.  0.  S.  347. 

XX. 

1640.   Juni  12.  Königsberg. 

[Empfeblungssohreiben  Ahr  einen  gewissen  Johannes  Siebter,  weU 
eher  ein§  Zeit  lang  in  Königsborg  als  Lehrer  thätig  gewesen 
ist  und  sich  jetzt  nach  Wittenberg  zum  Stu^um  begiebt] 

ünsern  gunstitren  i'vub  und  gnedigen  willen  zu?om.  Acht- 
bar und  hochgt'lait*^!  besonder  geliopter.  Wir  wollen  euch  l'tiö- 
diger  moinung  nicht  bergen,  das  uns  der  eisara  Johannes  Uichter 
in  aller  undertlieiiigkeit  zu  uikeuuen  gegeben.  iSachdom  ehr  ein 


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Zeitlang  alhie  in  unser  schulen  zu  Koni^'spergk  der  jugendt  go- 
dienet  uud  diüstlb  uuderwiesen ,  aber  sich  nu  mehr  widernrnb 
und  ferner  zum  studio,  auf  das  er  etwas  luohr,  domit  er  nach- 
mals Ittndffi  und  leuthen  dinstUob  su  sein  verhofft,  lernen  und 
ecftren  moebt,  sa  wenden  bedacht;  wo»  diucanf  nmb  unsere  ^edige 
fbrderniuedurielR,  an  ench  tu  thnn,  nnderiheniga  dinsttiebs  Tleia 
angelanj^t  und  gebethen.  Blewefl  wir  dann  aoleh  sein  bitten 
nicht  fiir  nntsimblich  achten  können,  doneben  anch  einen  iden, 
welcher  zum  stodiren  lost  hat»  gern  gefliidert  sehen,  so  haben 
wir  ime  solch  sein  bitten  fttglichen  nicht  ahtsuschlahen  gewust. 
Ist  derhalben  an  euch  unser  gnedigs  sinnen  nnd  begem,  ir 
wollet  gemeltem  Hansenu  Eichter  lu  solchem  seinem  studio 
fordern  helfen  und  euch  dormassen  gegen  ime  ertzeigen,  damit 
er  Ti.T<"bm;ils'  inis  und  euch  danckbar  sein  mogo.  Das  seiudt  wir 
in  allen  gnaden  zu  crkennfn  und  abtzunemon  urpnttig  [=  er- 
bötig].  Dann  euch  viel  gTiotliirs  willens  zu  ertzeigen  soindt  wir 
urbuttig,    Datum  Konisporg  ut  &. 

(In  simili  forma  mutatis  mutandis  an  Philippum.) 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  28  (1637^1540)i 
p.  694.   £.  St.-Aroh.  Königsberg. 

m. 

1540.   Juni  15.  Königsberg. 

[Albrecht  wünscht  Luther  gute  Gesundheit  und  bittet  um  Nach- 
richten Ober  den  boforstehenden  Bdchstag  zu  Spei  er.] 
ünsem  grus  und  gantz  gnedigen  willen  /nvoni.  Wirdiger 
achtbar  und  hochgelarter  besonder  geliepter.  Nachdem  uns  diese 
botschaft  furgefallen,  haben  wir  aus  gnediger  Zuneigung,  so  wir 
zu  eur  person  in  Sonderheit  tragen,  euch  mit  unsern  Schriften 
zu  besuchen  nicht  underlnssen  können.  Weren  demnach  hertz- 
lich orfreuet,  wann  es  euch  durch  Verleihung  Gottes  an  leib- 
licher gesuntheit  und  sonst  nllenthalbon  glückselig  zustünde,  do- 
mit ir  forderst  Got  zu  lobe  und  seiner  armen  cristenheit  zu  trost 
sein  heilsames  wort  langwirig  bis  zum  seligen  end  threiben  mugt; 
mit  gnaden  begoreude,  dieweil  uns  beikommen,  diu»  ein  reichatag 
zu  Speier  ausgeschrieben  sej,  do  ungetzweifelt  allerlej  furlaufen 
nnd  an  encb  gelangen  wirt»  ir  wollet  nns  bisweilen  mit  einem 
deinen  brieflein ,  wes  aldo  nnd  sonsten  sich  ereugen,  anch  an 
ench  gelangen  thnt»  so  fem  es  ench  an  enrar  arbeit  nnd  ench 
sonsten  unbeschwerlich,  besnchen  nnd  mitteilen.  Des  sein  wir 
nmb  enr  person  sampt  die  enm  mit  gnaden  sn  bescbnlden  ge- 
wogen; angeheften  gnedigen  einnen»  ir  wollet  nns,  nicht 

19» 


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292 


ANAL£iLT£N. 


[«BBjschrciboiis  halben  eigner  handt,  entschuldigt  wifisen.  Dann 
es  durch  andere  gescheft,  und  dieweil  wir  eben  auf  dismal 
eilentz  von  bjnen  zu  reisen  verursacht,  undcrblieben.  Eimit 
thun  wir  euch  dem  almeehtigen  ewigen  guthigen  Got  zn  lang- 
wiriger  gesandflieii  imd  allem  gutben,  aaeh  xm  in  enr  inniges 
gebet  treatichen  bevelen.   Datum  Konigspergk  at  e. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  28  (1537— 1540^ 
p.  705.    K.  St-Arch.  Königsberg. 

[XXP:  1540.  Angnat  13,  bei  Barkhardt,  Lntbei^s 
Briefwechsel  (1866),  S.  358  >  ist  kein  Schreiben  AlbrechVa  an 
Luther  und  Helanthon,  aondem  eine  „Instruktion**  Ar  Chri- 
stoph Jonas  [auch  Jban  geschrieben].  Die  Handschrift  nnd 
den  Inhalt  s.  in  der  folgenden  Nr.  XXU,  Anm.] 

XXII. 

1540.   HoTember  21. 

Albrecbt  meldet  iliTn.  dafs  das  Kapitel,  die  Kreuzherren  und 
die  gauze  Landschaft  iu  Lifland  hart  darauf  dringen,  dafs  sein 
Bmdor,  Marl^irraf  Wilhelm  von  Brandenburg,  Knadjiitor  zn  Ki?a, 
diü  Weihe  nehme,  und  vr  niclit  wisöo,  wo  das  hinaus  solle  etc. 
Doch  hofft  Albrecht,  dals,  wenn  er  die  Mnmmerei  annehmen 
müüäe,  dies  d<  ch  (dine  Schaden  für  sein  Oewisä@u  al)laufe,  „so- 
fern es  deshalb  geschieht,  damit  man  dem  heiligen  göttlichen 
Worte  dadurch  dient  und  dasselbe  verbreitet" 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Kr.  28  (1637—1540), 
p.  8CG.  Excerpt  bei  J.  ?oigt  im  Prenfs.  Prov.>Eirchenblatt 
1840,  S.  211  nnd  separat  in  „Mitteüimg  etc.'<  (1841),  8.  11. 
Darans  in  Kol  de  a.  a.  0.  S.  369. 


1)  Der  Herzog  batto  bereits  am  13.  August  d.  J.  dem  in 
Wittenberg  lebenden  Magister  Christoph  Jhan  d.  i.  Jonas  eine  „In- 
struktion" zakommen  jaMOn,  des  InhaltSi  dab  dieser  Lntlier*«  und 
Blelsnthon*s  Rat  in  Saehoi  des  Koadjutors  Wilhelm  von  Bisa  ein- 
holen solle,  da  derselbe  von  dem  Orden  und  den  Ständen  in  Livland 
gedrängt  werde,  Weihe,  Habit  und  Orden  anzunehmen.  Konzept 
(oder  Kopie)  fn  K.  Sft.-Aroh.  KSiHgsberg.  Sehieblade  LXH.  Ez- 
cerpt  in  Faber  s  Briefsammlung  S.  33;  bei  De  Wette  V,  308  und 
bei  Burkbardt,  Luthers  Briefwechsel  (186(i),  S.  358.  Uttber  ant- 
wortete am  10.  Oktober  1540  bei  De  Wette  V,  üOÖ,  indem  er  ab- 
riet» die  pfipstiiehe  Bestätigung  für  Wilhelm  nachsnaachen.  Ob%er 
Brief  Tom  81.  November  ist  die  Antwort  Albreekt*s  daianf. 

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TSCHACKERT,  ZCR  KOBRE8P019DENZ  LCTBCB'S.  29i 


XXIIL 

1641.   Febrtttr  10.  Königsberg. 

[fimpfeblungsschreiben  fDr  Balthasar  Cannacher,  Sohn  des  o beraten 
Borggrafen  Martin  Cannacher  in  Königeberg.] 

Vnsem  gnnetigen  gms  nnd  gnedigen  wiUen  mToni.  Sr- 
wirdiger,  achtbar  nnd  hocbgelerter  besonder  geliepter.  Nachdem 
der  ereuYeet  nnser  oberster  burggraf  zn  Konigapergk,  rath  nnd 
lieber  getreuer,  Merten  Cannacher,  seinen  eoen  Balthasanun, 
saigern  dieses  briefs,  gegen  Wittenbergk  zum  studio  zDschicken 
bedacht  und  inen  itzundt  derhalben  abgefertigt;  als  haben  wir 
aus  sonderer  crnediger  Zuneigung,  die  wir  zu  euer  person  tragen, 
euch  mit  dieser  schrift  zu  besuchen,  nicht  underlassen  können, 
und  wünschen  tniclj  von  dem  almechtigen  alle  der  seelen  und 
leibes  wolfart,  denselben  biltcndt,  ehr  wolle  euch  durch  beiue 
vaterliche  gnade  zu  preis  seines  heiligeu  nahmens  und  gemeiner 
Christenheit  zu  trost  lanpwirich  fristen,  auch  erhalten.  l>iewcil 
uns  daun  bemelter  iiuscr  burggraf  geduchteii  bcineu  soea  ahu 
euch  zuYorschreiben  in  underthenigkeit  gepethea,  haben  wir  ime 
solcbs  in  smnerckung  seiner  getreuen  dinet,  dorab  wir  ime  und 
den  seinen  mit  gnaden  gewogen,  nichts  minder  das  wir  wissen, 
das  ir  die  junge  jogent  sn  sllen  gatben  tagenden  und  erbam 
sitteni  aneh  kmuten  an  fordern  geneigt»  nicht  abschlahen  mögen. 
Ist  darauf  nnser  gnedigs  sinnen,  ir  wollet  enoh  obgedachten 
jnagen  gesellen  nmb  nnsert  willen  trenlioben  lassen  bcTolhen 
sein,  neben  andern  ein  aog  anf  inen  geben  und  TOrfnrdem 
helfen,  damit  ehr  zn  dem  erbarn  und  wolgelerieo,  unserm  lieben 
getreuen  magiätro  Christoftero  Jhanen  [d.  i.  Jonas],  ondter  sein 
zucht  und  dißciplin  gebracht  und  zu  Gothes  ehre,  forcht,  guthen 
togenden  und  sithen  boy  ime  in  seiner  wouung  und  knst  (so  63 
möglich)  oder  sonst  bey  erbaren  und  frommen  leutheu  aufei  zogen, 
auch  harth  zu  studirn  gehalten  werden  moege;  daneben  uns 
biiüweiU'ii ,  wo  es  jhe  vor  gescheften  zulangen  will,  mit  einem 
deinen  britfiein,  dardurch  wir  vormereVen  können,  das  ir  Ton 
uns  euer  gewogen  gemuth  nicht  vorwaudelt,  besuchen;  wie  wir 
dann  alm  dem  allen  keinen  zweifei  tragen  und  uns  des  also  zun 
euch  gnediglich  versehen.  Das  seiut  wir  mit  allen  gnaden  hin- 
irider  nmb  euch  und  die  euren  zu  beschulden  geneigt.  Datnm 
Konigspergk  etc. 

Handschrift:  iCopie  im  Foliant  Kr.  29  (1541—1543), 
p.  28.   K,  8t.-Arch.  Königsberg. 


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294  ANALKKT£N. 

XXIV, 

1541.   Jnui  18. 

Empfehlungsschreiben  für  „unsern  lieben  getreuen"  Magister 
JdCub  Metius,  der  sich  lucli  Wuteuberg  begiobt,  um  dort  zwei 
Jahre  Theologie  zu  studieren. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  29  (1541—1543), 
p.  93.  Excerpt  bei  J.  Voigt  im  Proufs.  Pro  v.  -  Kirchenblatt 
1840,  8.  212  und  separat  in  „Mitteüung  etc."  (1841),  S.  12. 
Darans  bei  Kolde  a.  a.  0.  S.  376. 

XXV, 

1641.   Juli  30.  Königsberg. 

[EmpfebloDgäschreiben  für  Albrecbt  von  Qattenholen ,  Sohn  des 
TeratOTbenen  hertogUoben  Kammeimiaiers  Christoph  ?on  Gatten- 
bofen  (oder  „Gattenbofto'O»  ^  seiner  Abreise  anf  die  üni?er- 

sitat  Wittenberg.] 

ünsem  gunstigen  gros  und  gnedigen  willen  za?om.  Er- 
wirdiger  achtbar  nnd  boehgelerter,  besonder  geliepter.  Wir 
fnegen  encb  biemit  in  gnaden  saTememenv  das  nns  der  erbar 
unser  nth  nnd  lieber  getreuer  Caspar  Kostis  in  nnderthenigkeit 
m  erkennen  gegeben,  wie  ehr  seines  vorfaren  weilnnt  des  erbam 
nnseis  eammermeisters  ratbs  nnd  gar  lieben  getreuen  dienere 
Cristoffenn  Gattenhoffers  seligen  sbeen,  gegenwertigen  zeiger 
Albrechtcn  Gattenhofer,  nach  Wittenbergk  zum  studio  abgefertigt; 
uns  dorauf  umb  unsere  gnedige  fordernng  an  euch,  welche  wir 
ime  in  anmerckung,  das  wir  wissen,  ir  die  jugendt  zn  solchem 
christlichen  loblichen  vorhaben  mit  willen  gern  furdert,  deß- 
gleirfioM  geniclts  iinsors  eammermeisters  seligen  vilfeltigon  uns 
s-eleston  [sicj  getreuen  dinst  halben,  nicht  abschlagen  wollen, 
sondern  vilmber,  weil  der  knab  auch  unser  taufbot  ist,  zu  nllen 
guten  nnd  erbaren  tagenden  gezogen  sehen  und  find  cm.  Dem- 
nach sinneu  wir  ahn  euch  ganz  gnediglichen ,  ir  wuUet  euch 
inen  umb  nnsernt  und  bemelter  Ursachen  willen,  bovolhen  sein 
und  ein  aufmercken  auf  ineu  geben  lassen.  Donoben  gunstig- 
lichen  yorfurdern  helfen,  wo  es  bei  euch  nnd  andern  im  rath 
befbnden,  nnoh  erbeblieh  sein  wolt,  damit  der  knabe,  dieweü 
diraelbige  seine  mdimenta  grammatices  also  fertig  (wie  wol  die 
nottorft  erftirderi)  nit  knun,  dem  erbam  nnd  volgelerten  unserm 
lieben  getreuen  msgistro  Christofiforo  Jhonn  [d.  i.  Jonas]  als 
«einem  verwanten  freundt  in  seine  sucht  und  disciplin  unter- 


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T8CHJLCKERT,  ZUR  KORRBSFONDEirZ  LUTHER'S. 


395 


gtbeo.  Im  ihaX  aber,  da  es  ime  ungelegen»  das  ehr  iigendte 
einem  andern  fromen  gelerten  gotforcfatigen  man  beYoIhen,  der 

inen  mit  besten  vleis  zn  Gots  ehre,  ^ucbt,  sitten  nnd  ktinsten 
nach  Hcinps  alters  gelegeubeit  und  aller  erbarkeit  lti;ilten  und 
undürnchteii  thett.  In  alle  weire  alter,  das  dem  knaben  kein 
geldt,  (  Ime  was  seine  nottui  ft  tuf  rdort ,  iü  seiner  Verwaltung 
gelassen  und  imo  sein  eisten  er  wille  nicht  gestattet.  Was  nun 
für  unkost  allenthalben  drauf  lauft,  werden  die  eidern  ^  des 
knaben  zu  beqnemer  züit  ulme  Süumen  und  mit  dankbarkeit  hin- 
aus bestellen  und  erlegen  lassen.  Das  seindt  wir  umb  euch  in 
gnaden  abtzcuie[m]en  urpattigk.  So  wird  es  obbestimbter  unser 
ntb  Gtaper  Ton  Nostiii  eanpi  anderer  des  knaben  ehrlidien 
frenntediaft  ebne  zweifei  gern  rerdlenen.  —  Datnm  Kenigspergk 
den  35.  Joiy  anno  1641teii. 

Handschrift:  Kojmo  im  Foliant  Nr.  29  (1541 — 1543), 
p.  101.    K.  St-Arch.  Königsberg. 

XXVI. 

1541.    September  21.  Königsberg. 

Empfehlungsschreiben  fflr  Magister  Petrus  Hegemon,  der  eine 
Zeit  lang  als  Lehrer  in  der  Stadt  Kueiphof- Königsberg  treue 
T)icTi'^to  golpib'tet  habe  und  sioli  jetzt  aum  Stadium  der  Tbeologie 
nach  Wittenberg  begebe. 

Handachrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  39  (1541—1548), 
p.  138.  E.  St-Areb.  EOnigabeig.  —  Hegemon  bielb  eigenflieb 
Henog. 

XXYIL 

1543.    Jannarll.  Königeberg. 

Empfiehlt  den  in  Wittenberg  stndiorenden  Felix  Finck,  Sobn 
seines  Unterthanen  und  lieben  getreuen  Albrecht  f  incL 

Handaebrifi:  Kopie  im  Foliant  Nr«  89  (1541  —  1648) 
1^  193.   K.  Si-Arcb.  KItaiigabeig.  * 

(Mutatis  mutandis  in  simili  forma  an  Phil.  Melau tbon. 
Ibid.  p.  193.) 


1)  Fehler  des  Konzipienten,  statt  „Vonnünder". 


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2d6 


ANALIKT£N. 


XX  vm. 

1542.   Mai  18.  Königsberg. 

Albmht  sendet  seinen  Sekretär  Hieronjmiu  Sditatab  mit 
geheimen  Anltrigen  en  Luther.  Dieser  mOge  ihm  Tertnuieo 
schenken. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  29  (1541  —  1543), 
p.  242.   K.  St-Areh.  Königsberg. 


XXIX. 

1542.    Dezember  15.  Königsberg. 

[Heneg  Albzecht  sa  Lnther  nnd  Melanthon.] 

Der  Herzog  ersaeht  sie  mn  ihr  Qntachtsii  inbezug  auf  die 
Ton  ihm  geplante  Dotierung  der  FriUaten  nnd  P&rrer.  Er 
ftagt  m,  ob  1600  Golden  rheinisch  für  einen  Frfilaten  genug 
seien  \ 

Handschrift:  Kopie  im  Folumt  Nr.  29  (1541 — 1543), 
p.  342.  K.  St.-Arch.  Königsberg.  Kxcerpt  in  Faber's  Samm- 
lung der  Briefe  Melanchthon's  S.  62  und  bei  J.  Voigt  im 
Breuls.  PrDT.-Eirchenblstt  1840,  S.  213  nnd  separat  in  „Mit- 
teOnng  etc.*'  (1841X  S.  13.  Daraus  bei  Kolde  a.  a.  0.  8.  387. 
Aneh  hn  Corp.  fief.  Y,  44  nnd  hei  Burkhard t,  Luther** 
BrietWeehsel  1866,  8.  420. 

XXX. 

1543.    Juli  16.  Königsberg. 

[Antwort  auf  Luther's  Brief  vom  7.  Mai  1543,  bei  De  Wette 
Y,  557  sqq.   Glückwunsch  sur  Beise  des  Mag.  Christoph  Jonas 
nach  Italien  nnd  Melanthon's  nach  KOla] 

Dnsem  gms  suvorn.  Erwirdiger  achtbar  und  hochgelerter 
besonder  geliebter.  Wir  haben  ener  schreiben,  Montag  nach 
Aifiwiiftk"»ff  dits  43ten  jhem  ausgangen,  bekhommen  und  dar- 
aus, wea  ir  Tor  Tleis,  muhe  und  arbeit  in  der  nnderhsndlung 
mit  dem  erbam  und  wolgelertben  nnserm  lieben  getreuen  ma- 
gistro  Cristoffero  Jona  Torgewendet,  sampt  femerm  iahalt  lesende 


1)  Melanthon's  Antwort  ;von  1543  Febr.  18  im  Corp.  Ref.  V,  41) 
lautete  ausweichend:  er  henne  die  Oneia  der  BisehfilB  nicht 


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TSCHACKJiiii,  ZLK  KUiiliüSrOKDEIiZ  LUiiiKit'S.  297 

•nigvDommen  und  ventandeo.  Kan  tbim  wir  uns  eares  dkfhab 
Torgewandten  vleisses  gnediglichen  bedaaeken.  Dieweü  aber  be- 
melther  magister  ChriatoibniB,  seiner  gelegenheit  naoh,  ittmals 
m  Italiam  rorreiaet,  darob  ehr  in  Preoasen  aa  trieben  Terhindert, 
wollen  wira  dem  lieben  Goth  bOTbelen,  aeine  Teterltcbe  almech- 
tigfcat  aamfende  und  btthende,  ebr  wölle  ime  aeine  gotlicbe 
gnade  gebeo;  und  Terleiben»  daa  ehr  aeine  Torgenommene  rei& 
bftldi  mit  geanndtheit  volenden  und  sich  alsdan  aeinem  erbiethen 
naeb  aUiere  in  Preoaaen  begeben,  eratliehen  Qoth  xu  lobe,  er- 
breitening  amnea  beiligen  worta  nnd  auifening  [sie]  aeiner  kireben« 
Toigenta  dem  Yaterlande  nnd  gemeiner  jagent  nntaliehen  dienen 
mOge.  GleichaiUa  wnnachen  wir  dem  acbtbam  und  hochgelerthen 
nnaenn  beeondem  geliebten  ebm  Philippe  Melanchtoni  au  aeiner 
▼orgenommenen  reift  nach  KMlen  Qottea  aegen,  gluek,  heil,  nnd 
das  ehr  der  orfh  vtl  nntt  nnd  frommen  achaiFe,  den  barmhertzigen 
Geth  bithende,  ehr  wolle  aein  gotliehe  warbeit  Ton  tag  an  tag 
bei  denen,  die  oie  biahero  nidit  erkent^  mehren  nnd  dorob  aeinen 
hefligen  geiat  nnd  apoateln  eibreithem,  anoh  die,  so  das  heilige 
erangelivm  angenommen,  bestendiglioben  dabei  erhalten.  Die 
«ageeohriebenen  zeitnngen  gereichen  uns  von  euch  au  gnedigem 
gefallen,  in  gnaden  bogerendt,  ir  wollet  nna  nach  eurer  beqnemig« 
keit  hinfhrder  oftmala  achreiben  nnd,  wea  allenthalben  furfelt^ 
iOTil  ximlichen,  mitsutheilen  euch  nicht  beschweren.  Desgleichen 
wollet  uns  dilamala  nnsers  nicht  Schreibens  mit  eigener  handt 
entaehnldigt  nnd  nna,  auch  die  hochgebome  ftuatin,  unsere  herta» 
geliebte  gemahel,  nnd  junge  tochter  in  euer  gebeth  empfolen 
haben.  Daa  aeint  wir  gnediglichen  abzunemen  gewogen,  und 
wolten  eneh  dia  nf  euer  achreiben  xnr  antwnrth  nicht  Torhalten. 
Dalum  Ktaigaperg  ete.  nt  a. 

Handsclir  it  t:  Kopie  im  Foliant  Nr.  2l>  (1541  — 1543), 
p.  409.    K.  St-Arcii.  Königäberg. 

XXXI. 

1543.   Oktober  6. 

Gnädige  Antwort  auf  die  beiden  Briefe  Luther's  Tom  14.  An> 
gnat  d.  J.  (bei  De  Wette  V,  581  und  582). 

Der  Herzog  wolle  sich,  um  Lutlier's  Willen,  den  Dr.  med. 
BietUcliueider  gnädiglicb  empfohlen  sein  lassen. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  29  (1541  —  1543), 
p^  434.  Gedruckt  in  Faber,  Lutherbnefe,  8.  65  und  darana 
in  De  Wette  Y,  582. 


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298 


ANALEKILN. 


xxxn. 

1543.  November  16.  „Datum  Polsnaw''  [d.  L  Po&eaJ. 

Albredil  empfleblt  dtn  Stadimns  baibar  nach  Witfeenbaig 
gebenden  Cbrktopb  Storta  (aneb  Stnrta  geacbrieben),  Kanxler  und 
Batb  dea  Enbiaebofe  Wübelm  von  Kiga,  dea  BrodeiB  dea 
Herzoga. 

Handschrift:  Kopie  im  FoliauL  Nr.  2^  (1541  —  1543% 
p.  482.    K.  St.-Arcb.  Königsberg. 


XXXIII. 

1543.   November  30.  Königsberg« 

(Henog  Albreebt  „an  Htttin  Lutber,  Doetor  Pomezanna,  Joaebim 
Camerarina  nnd  PbUipp  jfelanebton  aemptUob  und  aonderliob^.] 

Antwort  auf  ihr  gemeinsames  Schreiben»  betreffend  Andreas 
Aorifaber,  d.  d.  Wittenberg,  den  8.  Oktober  1543  (oben  mit- 
geteilt unter  Abtl.  A,  Nr.  II).  Sie  haben  ihn  abgehalten,  jetzt 
nach  Italien  zu  ziehen.  Der  Herzog  wflnecht  aber,  dafs  der- 
selbe wenigstens  ein  Jabr  in  Welschland  die  anatomiscbe  Praxis 
studiere,  wozu  er  in  Dentscbland  keine  so  gute  Gelegenheit  habe. 
Denn  er  solle  ihm  und  seinem  Hofe  hier  als  Mediens  dienen. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  29  (1541  —  1543), 
p.  458.    K.  St.-Axcb.  Königsberg. 

leb  fttga  dazn  die  bandsebriffUcbe  Nacbriebt,  Mi  am  23.  Jnli 
1542  der  Magister  Andreas  Anri&ber  Terpfliebtet  wurde»  aof 
benogliebe  Kesten  drei  Jabre  Medisin  zu  studieren  nnd  darauf 
dem  Herzoge  zehn  Jabre  als  Leibant  an  dienen.  Die  Urknude^ 
„Beatallnng  M.  Andreas  Anrifober*s  d.  d.  Ktaigaberg»  den 
23.  Jnli  1542^  ist  amtliehe  Kopie  im  Folianten  „Tecaebret- 
boogen  1538— 1642 ^  folio  414. 

XXXIV. 

154  3.    Dezember  b. 

Der  Hersog  sebreibt  Aber  den  Mangel  an  geeigneten  Kiroben» 
dienern. 

Handschrift  unbekannt,  aber  wahrscheinlich  auf  dem 
K.  St.*Areb.  Königsberg,  wober  daa  kaue  Regest  bei  J.  Toigt, 
„Mitteilnng  ete.^  (1841),  8.  15,  mid  darmia  bei  Kolde  a.a.O. 
8.  392. 


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TSCHAGKEftT,  ZVS  K0BBB8P0NDSNK  LDTBBB'S.  299 


XXXY. 

1544.    Hai  8.    Holland  Prdufseii]. 

Antwort  auf  einen  feLlemien  Brief  Lutiier's  an  Albrecht. 
Albrecht  äufsort  seine  Teilnahme  an  Lnther's  Lei  Ion  und  über- 
sendet als  Heilmittel  etliche  Kömer  weifsen  Bernstein. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  30  (1544  —  1549), 
p.  139.  Oedruckt  in  f  aber  a.  a.  0.  S.  57  und  daraus  in 
De  Wette  V,  647. 

XXXVI. 

1544.   Oktober  24.  Königsberg. 

[Bittet  mn  Luther*«  Urteil  über  ein  Buch  Laski^s.] 

Wir  geben  euch  in  genaden  zu  eikennen,  d;ts  wir  dem  acht- 
twm  und  hochgelerten  orn  Philippo  Melunchtoni  ein  buch  in  ?er- 
tranen  mit  euch  zu  überlesen  zugeferüget  Begem  darauf  ganti 
gnediglieben,  ir  wollet  eneli  oidit  be^eii  ^  laaseo,  daaiwlb  boob 
neben  gedachtem  «hm  Philippo  ubeneben  und  uns,  wes  atroflioh 
darinnen  befonden,  neben  eurem  bedengken  erOffiien.  DisfUa 
anoh  ibe  dennaBsen  (wie  unser  gnedige  ?ertranen  sn  enob  stehet) 
gebaren,  das  es  nicht  weyt  gelange  ader  in  viler  mnndtpermng 
kbomme.  Daran  that  ir  uns  sn  sondenn  gfnedigen]  geiUlen.  In 
gnaden  widderomb  zu  erkfaennen  *. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Kr.  30  (1544—1549), 
p.  350. 

XXXVU. 

1544.    November  23.  Königsberg. 

Hersog  Albrecbt  an  Melaatbon  und  Lnther. 
Albrecbt  ersncht  beidsb  den  Feter  Hegemon  sn  bewegen,  daCi 
«r  seinem  Tersprechen  gemftb  nach  Preulsen  komme'. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Kr.  30  (1544—1549), 


1)  =  yerdriefseii 

2)  £a  handelte  sich  um  ein  Bach  des  Johannes  Laski  (aLasco)i 
nnd  swmr  um  sebe  „Epitome  doetrinae  ecelesianim  Friiiae  oflen- 
tsli»" 

3)  Peter  Hcp^emon  kam  aber  erst  1545  nach  Königebelg  und 
wurde  1546  Brieämann's  Nachfolger  am  Dom  hierselbst. 


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300 


p.  259.  Excerpt  d;ir;nis  In  Voigl'ü  Mittöiiuügen,  im  rieiib. 
Prov.-Kircheublatt  S.  21. 


XXXVllI. 

1545.   Mai  2  3.    Neu h aus  [d.  i.  Schlols  Neohaasen  bei 

Königsberg]. 

ABtwoit  auf  Luther*B  Brief  vom  3.  Hai  1545  (bei  De  Wette 
732).   Albrecbt  dankt  für  Lvther's  fortdauernde  ▼ftteriiclie 

Qewogeiibeü  und  eatecholdtgt  eich,  dab  er  BegierangBgeechftfte 

balber  nicht  eigenhändig  eohreiben  könne. 

Handschrift:  Kopie  im  Foliant  Nr.  30  (15U  —  1549), 
p.  331.  K.  St.-Arch.  iu  Königsberg,  liegest  bei  J.  Voigt 
im  Preufs.  Prov.  -  Kirchenblatt  1840,  S.  215  und  separat  in 
»^Mitteilung  etc."  (1841),  S.  15.  Daraas  bei  Kolde  a.  a.  0. 
S,  415. 


Mit  Lnther*8  Briefe  vom  2.  Mai  ond  Albrecbts  vom  23.  Mai 
1545  endet  die  gegenseitige  Korrespondent  beider  Männer,  aber 
im  Dezember  1545  bat  Albrecht  noch  einmal  persOalicb  Lnther 
in  Wittenberg  besucht. 


XUIX. 

1551.   Jnli  13.  Kdnigaberg. 

Herzog  Aibrecbt   „an  D.  Martini  Lutheri  seligen 

Haus  frau". 

[Der  Herzog'  weigert  sieh,  ihren  Sohn  Johannes  auf  seine  Konten 
nach  Italien  oder  Frank rei'^h  lu  srliirken;  erhietet  sich  aber,  ;hn 
noch  weiter  in  Königsberg-  zu  unterhalten,  obgleirh  er  sich  hier 
in  „ü&ndel,  dero  er  wol  müssig  gehen  konnte'*,  eingelassen  habe.] 

Wir  haben  eni  echreyben  xn  Wittenberg  nf  Qeoigii  jonget^ 
▼oraehjenen  datnm,  bekhomen  und  daranat  weft  ir  wegen  em 
aohnee  fernem  nnderhalta  nnd  aonderiicben  der  fordemng  halben 
nach  Italia  ader  Franckreich  bittet»  nnd  [sie]  teratanden.  Wor- 
anf  fhgen  wir  ench  wyesen,  daft  nicht  olui,  wir  können  nns  wd 


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TSCBACKEBTy  2UB  XOBBB8POHDEN2  LtTTHER'S.  301 


ennnern,  weß  gnädiger  lorderung  wir  uns  ge^en  euch  und  euern 
sol:ne  Liobevorn  erboten.  Darauf  wir  mirh  inon  eine  zeit  hero 
ailüe  zu  Konig-sberp^k  giieJigistcn  imdorhalteii.  Wir  l»efinden 
aber,  daß  solch  unser  gnedifji^r  wyllo  bcy  luio  dcrm:i.-^yeii  nicht, 
wie  wir  wol  gehofft,  anpesvcndot.  Dan  alU  wir  berichtet,  solle 
ehr  seiner  Studien  zur  gcbur  nit  abwarten.  So  wissen  wir  auch 
gewisse,  daß  er  pich  etzlich  ^  hendpl,  dero  er  wol  mussig  gehen 
konde,  teylh;tftig  machet.  Derwegen  ir  zu  bedencken,  daß  uns 
war!icij»jn  othwas  beschwerlich,  unsere  pnedige  gewogorihcM't  so 
wenig  boy  ime  bedaclit  werdet.  Docii  unangesehen  desselben, 
seiut  wir  euch  und  eurem  sone  zu  pnadeu  (bevorab  umb  euers 
in  6ot  ruhenden  lieben  hems  wyllcn)  gewjlligt,  do  er  alhie  vor 
gut  nehmen  wil,  inen  mit  gnedigem  underhalt  zu  vorsehen.  In 
Italia  adcr  Frankreich  aber  ime  verlag  zu  thun,  können  wir  uns 
nicht  einlassen,  nnd  wolten  euch  solchs  gnedigen,  darnach  hapt 
zu  richten,  of  euer  schreiben  niobt  verhalden.  Datnm  Konigs- 
hexg  ut  8. 

Hanasehrlft:  Kope  Im  Foliant  Nr.  31,  p.  227.  E.  St* 
inhiv  Ki^nlgiberg. 


€.  QrAfia  Dorothea  wou  Maufeld  M  MartiB  Lvttior. 

1543.    Angnst  26.  Msnsfeld. 

Die  Giifln  achiokt  liUtbem,  von  desami  Krankheit  sie  gehört 
hai,  ein  Niesepulver,  auch  weiOsen  nnd  gelben  Aquafetta  [d.  i. 
Aqaafita]  und  teilt  ihm  ihre  AnsicUt  über  die  Fontanelle  mit» 
welche  am  Fuls  «ich  legen  an  lassen  ihm  geraten  sei. 


1)  Am  Rande  steht,  offenbar  zur  Befichwichtigunf::  ,j:iittrn" 
Die  Iländcl  sind  alao  keine  Bchlimmwi,  sondern  wohl  nur  Studenten* 
streiche  gewesen. 

2)  Der  Brief  Katharina's  an  Albreeht  d.  d.  Wittenberg 
uf  Georgii  1651,  Original  von  Sohwlber-Hand ,  Papier  mit  Siegel 
K-V.  B.  befiiidot  sieb  im  K.  Staat'^arr^iiv  zn  Köiiir;^l>org ,  Sebicbladc 
LXII.  —  Ebendaselbst  ;i\ich  der  frühere  Brief  Kathnrina's  an 
Aibrecht,  ebenfalhi  Original  von  Schreiber -Uaud,  Papier  mit  Sieg^ 
K.V.B.,  d.  d.  Wittenberg  1549,  Hai  29,  welehen  sie  snr  Eni» 
ptthhng  ihre8  Sohnes  geschrieben  hatte,  als  dorsolbe  nach  Könige* 
berg  f\uf  die  Universität  aog.  Über  beide  Briefe  Katharina's  hat  be- 
reit«« Faber  da»  Nötige  mitgeteilt.  Abgedruckt  im  Corp.  Hef.  YU, 
410  Anm. 


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302 


Handseitrift:  Oiiginal  im  K.  St-Arehiv  zu  Kdnigsbeigt 
nnngistriext.  Bneliien  im  Draok  in  meinem  AnfiwiBo  ^^^iiw 
BeitEftgo  warn  Leben  Lntber'e"  in  den  Tbeol.  8tad.  und  Eni 
Jnhtg,  1889. 

Dieser  Brief  bildet  die  VoraussetzoDg  za  dem  von  Kolde  in 
den  Analecta  p.  391  mitgeteilten»  d.  d.  1648,  September  14. 
Daselbst  p.  892  aaeh  Nachrichten  Aber  die  Orftfin. 


D.  Paul  Speraius  an  Martin  Luther,  Pliilipp  Me- 
iMthoa  und  Jvntiis  Jonas« 

1684.   Angttst  81.  Marienwerder. 

[Bittet  um  ihr  Urteil  über  eiu   beifolgendes  Schwenkfeldsclios 
Bach  (Crautwaldfl?)  und  Qbersendet  tOrldscbe  Gegenstände,  die 
er  selbst  als  Geschenke  erhalten  hat.) 

Gratiam  et  pacem  lu  Christo.  Domini  et  fratres  charissimi. 
Gravatim  vos  prauseutibus  obruo ;  obrno  tarnen,  et  culpam  deprecor. 
Per  püssimum  autem  Deum  perque  filium  eins  unicum  vos  ob- 
testor,  ut  tantisper  jactuiam  bauclioium  istudioriim  vestrorum 
feratis ,  donec  Slesiticum  istod  commentum  ^  perlegetis ,  quod 
nobifi  pro  saa  saliva  quidam  Sebastiaans  Schnbart',  dommi  Ha- 
deckii*  apnd  nos  a  condonibns,  vendidit,  com  nihil  rit  mtnns 
qnam  ipsios  artiflcinm;  redolet  antem  Oiantwaldom^  anthorem 
potins.  Nolni  etiam  tos  praeteiire,  qnid  hic  sgator  nobiscun, 
romores  de  vobis  hic  spaigantor.  Nemo  Jndido  minns 
Talet  nisi  Philippos;  nollins  s^tns  adeo  laagaet  atque  liartini; 


1)  Slesiticum,  Schlcsisch,  d.  i.  Scliwenckfoldiscli.  Zwischen  lo.'JO 
und  1535  gab  ob  iin  südlichen  Preulscn  eine  .starke  Schwcnkfeldscbe 
Bewegung,  die  ihre  Nabruiig  aus  Sühlesieu  Belbst  erbielt.  Scbweuk* 
feld,  aber  aneh  die  beideo  Liegnitser  Prediger  (^ntwald  und  E^Bel 
waren  die  Agitatoren 

2)  Geistlicher  zu  Johaunisburg.  Gegner  der  Luther'schen  Abend- 
mahlslehre, zu  der  er  sich  aber,  wie  eiu  eigcahäudiger  Brief  Ton 
1642  im  R.  St.-Arch.  Königsberg  sagt,  später  bekannte. 

3")  Friedrich  von  Heideck,  Herr  auf  Joliannisburg,  vertrauter 
Freund  des  Herzogs  Albrecht  und  Patron  aller  Schwcnkfeldiauer  in 
PreulÄeu.  Sowohl  tSperatus  als  auch  Apel  fürchteten,  dafs  er  den 
Heraog  seihet  noch  auf  seine  Seite  odien  werde.   Er  starb  1536. 

4)  Valentin  Krautwald,  Prediger  in  Liegnitz.  Vgl.  Luther*« 
Brief  an  ihn  bei  De  Wette  lU,  1;^:^  (vom  14.  Aprü  1526). 


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T8CHACKERT,  ZUB  KOBR] 


MDENZ  LUTBBB'S. 


303 


Jonas  simplicitor  simplcx  errat*.  Triumphant  in  omnihns  soli 
septies  spirituosi  sacrameiitarii ,  quibus  jam  tandcra  diceremus 
Vale;  sed  ratio  principis  babeiula  est,  qui  nondum  vult  c.^so 
sednctus.  Tiraemus  autetn.  KrL;o  laborandum,  ut  restituatur 
nobis  o]\m,  si  sit  sedncttis  lUur  ego  respondere  mpo  et,  ni 
fallor,  in  tridno  isti  negocid  ultimam  manum  impen^iam ,  propter 
fftnatit  os  illos  iie  rg"?  [?]  "^quideui  reeponsurus.  Yidens  autem 
quam  multi  peudeut  ex  principe,  nihil  magis  necesse  judico,  qnam 
nt  respondeatur.  Feto  autem,  ut  quam  breTissimo  aliquid  ad 
me  de  hoc  ipso  comiiiento  rescribatis.  Mitto  vobiß  hic  nescio 
quae  Torcica,  nianubiaa  cuiusdam,  qui  m  exercitu  contra  inimicos 
craciB  militavit  et  haec  mihi  dono  dedit.  Llonc  valete  et  rescri- 
bit©  sicat  peto.  Quod  ubi  impetravüru,  bone  Dous,  qnanti  mihi 
hoc  eritl    £U  lusuia  Mariana,  ultima  Augusti  Anno  XXXIIII. 

Paulus  Speratns, 
SpiacopoB  PomezaoieiisiB. 

8«mB  Jeaa  Chmti»  Tins  Bei,  Eartiiio  Lnthero,  PhiUppo  Ue- 
la&ehihoiii  «t  Jiuto  J«ii&e»  eharisBimis  fratribns  bqIs. 

T[  a  n  d  s  c  h  r  i  f  t :  T\  nnzept ,  von  Sporatus'  ll;iiid,  aber  sehr 
undeutlich  geschrieben;  unregisthert  im  K.  St-Axchi7  zu  ILönigs- 
hetg. 

B.  ErsbU«liof  WillialBi  von  Btga,  Markgraf  n 
Braadanlwrgi  mn  Harlla  Iislhar. 

1540.    Juni  17.  Boniieiibnrg. 

[Bestätigt  den  Empfang"  eines  Schreibens  Luther's  an  ihn,  ent- 
haltend eine  Empfehlüiig  eines  gewissen  Georg  Nitleiluutli  zum 
Dienste  lu  der  Kanzlei.   Der  Krzbischof  bittet,  Luther  wolle  ihm 


1)  D&A  äiud  die  Urteile  der  Schweukleldiauer  in  Freuiseu  über 
die  Wittenbeiger.  * 

2)  Danaen  haben  also  die  Lutheraner  in  Preufsen,  deren  Haupt 
8p^rritn<  war,  noch  im  Jahre  15 gefdrchtTt,  dafs  der  Herzog 
Albrccht  selbst  dem  Schwonkfcldianismus  zufallen  dürfte.  Erst  im 
Jahre  1635,  ohue  Zweifel  unter  dein  Eiutluf»  des  Müuäter'acheu  Auf- 
etandee,  dringt  er  im  Herzogtum  auf  Beinheit  der  Lehre.  —  Coeaek 
hat  m  eeiiiem  „Paulus  Speratns  1861**  von  diesem  VerhiütiUBie  dei  > 
Henoga  zum  Schwenkfeldiauinmu«^  noch  nichts  gcwnfst. 

3)  Ob        ^  rgn  =  rugitu  ist?  Im  Sinne  von:  ich  würde  nicht 
eixunal  mit  eiuem  Kuurreu  imtworten? 


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304 


mehr  gelehrte  Männer  und  zwar  zum  Kirchendienst  zusenden. 
Segenswunsch  fflr  Lafher  irad  s«in«  getrenen  Mitarbeiter.] 

Von  Gots  gnaden  Wilhelm,  der  heiligen  kirchen  zu  Biga  ertc» 
bischof,  marggraf  sa  Brandenborg  etc. 

Uiueni  gonaügvn  gnis  soTor,  erwirdigw,  hochgelerter,  lUffm, 
aadechtiger  und  besonder  lieber.  Wir  haben  enr  sohreiben  ?or 
[tic  statt  Ton?J  einem  Geoige  Kiderlanth  genannth,  entpfangen» 
und  wiewol  soioJi  8ehr«tb«n  grata  Irazta  und  eilents  von  enrer 
bant  abgangen,  wir  auch  ane  des  namens  mit  euch  keine  sonder- 
liche kuntschaft  gehübt,  sn  ist  es  uns  doch  gant/  angenehem 
und  lieb  gewest;  warumb  wir  iiuch  den  jenen,  so  ir  an  uns  vor- 
schrieben, ob  wol  ane  das  unser  cantzley  mit  s'esellen  geniicrsam 
versehen,  dennoch  euch  zugefallen  in  unseren  dinst  gern  genohm- 
men.  Dann  wixd  euch  auch  in  nu  rerm  mit  gonst  zu  entpfhaen 
in  alhvogen  geneigt,  genedigklich  begerende,  ir  woUeth  uns  öfter 
und  meher  schreiben  und  uns  in  eur  ^ndechtiges  gebeth  zu 
Gothe  bevolen  haben,  uns  auch,  weil  ^vir  diser  orte  uud  do, 
wie  man  sagt,  das  paternoster  ein  ende  hat,  noch  dem  willen 
Gottes  mit  aehwerer  last  te  salflnsorge  baladan«  mit  einem  oder 
meber  gelerten  mennem,  die  unser  last  tragen  helfen  imd  nnaer 
kirchen  mit  christlidien  leben  nnd  lere  Tor  jMistorn  möchten 
besserlich  sein,  nf  ein  gepnrliche  statliche  Tersehung,  snlronftigk 
lu  bedencken,  ob  ir  konnth,  wolleth  Terdacht  sein.  Das  wollen 
wir  wideromb  in  aller  gonst  gegen  euch  zu  erkennen  nnd  ab- 
snnehmen  nicht  unterlassen,  ench  sampt  anch  euren  getreuen 
mitarbeitern,  die  wir  begeren  gonstig  zu  grussen,  domit  dem  &U 
mechtigon  in  vormeruncr  verlegener  gnaden  genedigk  entpfehlende. 
Datum  fionnenbnrg^c  den  XVU  Junü  Anno  etc.  XL. 

Qoi  «npra  mann  propria  subscripsit. 

[Adresse:]  Dem  erwirdigen  hoehgelerten  nnaerem  lieben  an- 
dechtigen  nnd  bosondein  lieben,  em  Martino  Lntter,  der  heiligen 
Schrift  doctor  etc. 

Handschrift:  Original,  l'apiei ,  Siegel j  Schreiberhand; 
eigenbändige  Unterschiift  des  Erzbischofs  „Qui  etc."  E.  Staats- 
arohir  Königsberg,  ünregistriert  üngedmckt  Bisher  das 
einzige  Denkmal  des  BriefrerkehTS  Lntber's  Vnit  Markgraf  Wfl- 
helm.  —  Man  wird  annehmen  mflssen,  dafs  dieser  Brief  anf  dem 
Wege  ans  dem  Enbistom  Biga  nach  Wittenberg  in  Königsberg 
liegen  geblieben  nnd  dem  Adressaten  nie  m  Gesiebt  gekommen 
ist.  —  Markgraf  Wilhelm  (geb.  1498,  gesi  1563),  jüngerer 
Bmder  des  Herzogs  Albrecht  Ton  Preuisen,  war  durch  dessen 
Vermittelung  Koa^jutor  des  Erzbischofs  Yon  Biga  geworden  und 
als  solcher  (vor  April  4)  1531  in  Biga  eingetogen.    Ober  die 


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TSCUACK£ftT|  ZtJB  KOKKEBPOliDENZ  LUTH£E'&  305 

tüT  KoadjutüT  fahrenden  Verhandlungen  död  Herzogs  Albrecht 
mit  dem  Erzbischofe  Thomas  Scböningh  seit  1529  siehe  die 
Briefe  in  Monumenta  Livoniae  antiqna  Y  (1847),  143  (d.  a. 
1529,  September  7),  144  and  146  (d.  a.  1529,  September  15). 
Der  erste  Brief  Wil  hei  m' s  alö  Koadjutor  in  Monnmenta 
Livoniae  autiqua  V,  239 sqq.  (d.  d.  1531,  April  4  „üf  unsorm 
hauße  Ronnenburg"  :in  Herzog  Albrecht).  —  Im  Jahre  1539 
wurde  Wilhelm  Erzbischof.  Die  über  ihn  durch  Luther  und 
Herzog  Albrecht  geführte  briefliche  Verhandlong  siehe  in  Lu- 
ther's  Briefe,  bearbeitet  von  De  Wette  V,  308  (Luther  an 
Albrecht  d.  d.  1540,  Oktober  iO). 


Anhang* 


tar  Fvm§ß  Mob  der  Betohaffbaliell  4m  BHafiM 

[April  8]    in    iiliUtlier'fl  Briefe''   bearbeitet  ▼oa 

De  Welte  V,  275-277. 

Wortlaut  und  Adresse  des  genannten  Briefes  mflssen  in  der 
M  De  Wette  entgegentretenden  Form  Zweifel  erregen.  —  1)  Sind 
die  bei  De  Wette  gedruckten  Stücke  die  Teile  einea  einzigen 
Briefes  oder  ]iat  Lather  an  demselben  Tage  twei  Briefe  aa 
dieselbe  Adresse  gerichtet?  —  3)  Ist  der  Adressat  Me- 
Isntbon  oder  stmtücbe  in  Scbmalkaldeo  Tersanunelte  Wittenberger 
Tbeologcn? 

Zur  Beantwortnng  dieser  fragen  berichte  ich»  dab  sich  auf 
dem  Königlichen  StaatsarchiT  sa  Königsberg  eine  bisher  nnbe- 
kunte,  von  Bngenhagen  eingeschickte  (und  gewift  anch  an- 
gefertigte) Übersetinng  des  fraglichen  Schreibens  befindet 
Dieselbe  besteht  aber  ans  swei  separaten  Bogen  mit  Je 
einer  besonderen  Begistratnrnotis,  nnd  der  Inhalt  der 
beiden  Bogen  entspricht  den  beiden  bei  De  Wette  gedruckten 
Teilen.  Ich  nehme  also  an,  dafs  die  beiden  Bogen  «ne  Über- 
sefernng  von  swei  Briefen  (desselben  Datums)  sind.  — 
D»  femer  Bngenhagen  anf  Jedem  der  beiden  Bogen  bemerkt  hat; 
der  Bri^  Lnther*8  ist  „an  nns  gethan",  so  ist  der  Brie( 
nsp.  die  Briefe,  wenn  anch  nnr  an  Helaathon  adressiert,  doch 

2»iKki.  t  K.-0.  XI,  t.  20 


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306 


A>'AL£KT£N. 


sogleioli  tüa  an  Jonas,  Baganhagen  und  Crneiger  ga- 
sehrialMii  gedacht 

Ich  giba  im  folgendan  naeb  baidan  Handadmften  Anfiuig 
und  Sohlnfii  dar  Briafa  und  dia  Bagiatntnrraxmarka  Bngan- 
hagan'a  an. 

[Dia  aina  Handaehrift:] 

,,Aaß  das  berren  doctoria  Martim  briaf  gebn  Schmalabaldann  ga- 

acbriaban  1540ten/< 

(Anfang:)  „Wvt  biiAan  nnd  baltan  gawialiob,  das  wir  ar* 
bort  worden  etc.** 

(Scblnfa:)  •  .  ao  wir  abn  dan  berren  Cbristnm  glanben, 
der  den  tanfal  nberwandan  nnd  widdanimb  gakraaciiget  bat** 

(Anf  der  Anfaenaeite:)  „Jobann  Boganbagan  doctor,  dia 
vi  ein  stock  anß  eynem  brioTe  docioris  Martini  ahn  nna  m 
Sdunalckaldann  gescbdeben.   Ist  sebr  trostlicbs.** 

Handacbrifb  Ein  Bogen  folio.  Kopie.  E.  Staataarcbir 
EGnigaberg.   Scbrank  m,  F.  43. 

Diese  Handaehrift  entspricht  dem  bei  De  Wette  Y,  277  in 
der  Anmarknng  gedruckten  Stücke  von  „Nos  oramns  et  nos  exaadiri 
certo  credimna'*  bis  „si  credimiis  in  emcifixorem  cracifizoria  ani 
diaboli.*' 

[Die  andere  Handschrift:] 

(Anfang:)  „Gottes  gnade.   Daa  dn  acbreibest,  der  kayaar 

wolt  gern  eyn  particnlar  baimliche  handUmg  ftomement  wundert 
mich  selb,  wie  solchs  gemeynet  sei  etc." 

(Scblnfs:)  „Ja  wir  hassen  die  blnthnndc  tmd  ibre  treiber. 
Dieses  habe  ich  geschrieben,  das  ir  wiesset,  das  icb  enw  acbriaften 
empbangen  and  hoffe  ihr  seit  auf  dem  wege. 

Miiithinus  Luther.'* 

(Auf  der  A u f 8 e n s c i t e :)  „ Johann  Bugenhagren  doctor, 
dieß  ist  ein  .  tü  k  auß  einem  briefe  doctoria  Martini  an  uns  zu 
Schmalckaldenn  geschrieben.    M.  D.  XL:  sehr  troatlichs." 

}Tand Schrift:  Ein  Bogen  folio.  Kopie.  E.  Staatsarcbi? 
Königsberg.    Schrank  III,  F.  43. 

Diese  Handschrift  entspricbt  dem  bei  De  Wette  V,  276  ge- 
druckten Stficke:  „G.  e.  P.  Quod  scribis,  mi  Philippe,  Cae- 
ßarem  polliceri  coUoquium  privatum  etc."  bis  „  denique  spero  vos 
in  itinere  accepturos  alias  Uteras  esse". 

Die  Übersetnng  ist  frei  gebalten  nnd  wabrscbainlicb  dem 
Herzoge  Albrecbt  eingeacbickt  worden. 


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FÄbTüK,  KtLiüIONSMAÄDATJ:,  riULIPP'S  VON  BADEN.  307 


3. 

Die  ReligioDsmaadate  des  Markgrafen  Philipp 

von  Baden  1522—1533. 

VOD 

Blehanl  Fester 

in  BUulanilie. 


Bei  der  BearbeituDg  der  Akleu  zur  Geschichte  der  ersten 
bayerischen  VomimdBehaft  in  der  Markgrafdchaft  Baden -Baden 
(seit  1686)  empfhnd  ich  es  sKrend,  dafe  Aber  die  Stellung  dee 
Marhgrafen  Philipp  zur  Befonnation  so  wenig  ZuTerlässigee  be- 
kannt ist  Ale  die  beiden  Yomflnder  der  nnmltaidigen  SOhne 
Harhgraf  Bernharde  III.,  Henog  WOhelm  Ton  Bayern  nnd  Pfals- 
graf  Johann  Ton  Simmem,  am  4.  Hfin  1589  ihr  entee  Beügione- 
mandal  erlieben  \  erneuerten  sie  lediglich  die  letzten  swei  unter 
Philipp  aiugekommenen  Edikte.  Denn  dn  Nachfolger  desselben 
in  Baden  nnd  den  Herrichaften  Lahr  und  Mahlberg,  Bernhard  HL, 
hatte  kein  weiteres  Dekret  ausgehen  lassen  ^.  Zwar  hat  der  yer- 
dienstvolle  Bearbeiter  der  badi.schen  Reform ationsgeschicbte,  Vier- 
ordt,  drei  Mandate  gebracht,  eines  (Nr.  5)  nach  Pforzheimer 
Akten  ^,  zwei  (Nr.  8  und  9)  aus  dem  Strafsburger  Thomas- 
archiv *.  Wenn  er  jedoch  g^laubto,  dafs  diese  wie  die  übrigen 
Mandate  badisciierseits  später  vernichtet  worden  seien,  so  bat 
sich  diese  Vermutung  nicht  bewahrheitet.  Ich  fand  sie  mit  Aus- 
liülime  eines  bei  Vierordt  gedruckten  (Nr.  8)  sämtlich  im  General- 
laudeÄarchiy  unter  der  Kul nk  Kirchenordnung,  wo  sie  Vierordt 
wohl  nur  entgangen  sind,  weil  der  Umschlag  die  Jahreesahl  dee 
letzten  Erlaesee  1588  trfigt.   Sie  sind  mit  Anenalime  der  Ton 


1)  Bayer.  BeiehsaTchiT,  Baden  a.  Nr.  26.  fol.  39-50. 

2)  In  einem  von  den  bayor.  Vonnundscbaftsriiten  entworfenen 
aber  nicht  aasgefertigten  Mandate  (Beilage  eu  einem  Schreiben  des 
Hans  von  SandJaell  an  Herzog  Wilhehn  d.  d.  1687  Januar  80)  be- 
zieben sich  die  Vonnttsder  namentlich  auf  die  naeh  dem  Angsbarger 
Reichstag  von  1530  ausgegangenen  ^fandntc  „welchen  mandaten  und 
bevelhen  von  .  .  .  marggrave  Bernharteu,  unserer  pflegsonen  vater, 
kein  andemng  bescheen      Bayer.  ReichsarchiT  a.  a.  O.  fol.  20—20. 

3)  De  J  Ungero,  Karisn  Lyc.  P^.  1844,  17,  28  n.  18»  84. 

4)  £bend.  85-88,  76. 

20* 


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30Ö 


ANALUKTEN. 


anderer  Hand  herrührenden  Überschriften  von  derselben  Hand 
in  ciu  Papierheft  in  fol.  eingetragen»  wahrscheinlich  zwischen 
dem  12.  Januar  und  7.  März  1533,  da  der  letzte  Erlals  (Nr.  10) 
vom  12.  Januar  datiert,  am  7.  Män  aber  noch  ein  Yon  mir  den 
bayerischen  Akten  entnommenes  Mandat  von  Landhofmeister  und 
Bäten  au8gegangen  ist  (Nr.  1 1).  Die  vorliegende  Ausgabe,  welche 
bezüglich  der  Vereinfachung  der  Orthographie  den  in  der  Strafs- 
burger  politischen  Korrespondenz  aufgestellten  Grundsätzen  folgt, 
bringt  auch  die  drei  schon  gedruckten  Mandate,  weil  das  Pro- 
gramm Yierordt's  nicht  fibemll  zugänglich  ist,  nnd  ftr  Kr.  5 
und  9  wenigstens  eine  boasere  Yorlage  vorhanden  war^  Der 
Inhalt  der  Mandate  wird  ihm  ToUfltindigen  Abdraek  recht- 
fertigen. Dis  EnmcliaftqgDbiet  das  Markgnini  —  die  Amter 
Pfonh«im,  Dnrlaoh,  Mflblbnig  n.  a.  w.  auf  dem  leehten,  Badeiit 
Raatatt,  BtOiiigeii  n.  s.  w.  a«f  dem  linkan  0ftr  dar  Alb  md 
dia  Heirsehaften  Labr  nnd  Mablberg  —  war  ja  nar  ain  ba- 
aofaiinkfeaBi  abar  ala  Statkbaltar  im  JMebsregimaiit  aaü  ApA 
1524  bat  er  docb  aaeb  in  dar  Balcbagascbicbta  aina  Solla  ga- 
•pialt 

Iba  wie  seinen  Sjanilar«  den  babanntan  Hiaronymna  Yabaai 
hat  num  biaber  viel  in  aabr  ala  Fraaada  dar  raforaiato- 
liacban  Bewegung  angeseben.  Yahaa  wird  swar  in  ainan  Ba* 
richte  dar  bayeriaoban  Qeeandten  ?om  Speiarar  Batchatair  1526  * 
ala  Cksinnangsgdnoasa  des  ganz  Intbariaob  geetantan  Zwatbradd- 
acban  Abgaaandtan  genaiint,  wAhrand  ibn  acbon  1528  8a|i- 
tamber  13  Bnoar  in  einem  Brialb  an  Ambroaina  Blanrar*  aaban 
Fabar  ala  den  Urheber  dar  naoan  antirafoimatoriaaban  Biebtaiig 
aainae  Herraa  anfbhit  Und  doch  nabm  Yahna  noab  in  Aoga* 
bnrg,  wo  ibn  dar  Kaiaar  nftahat  Dr.  Eck  am  maiatan  baachankla  \ 
dieaalba  vannittalnda  Stallnng  ain,  wia  nann  Jahra  invor  in 
Worms,  nnd  bebialt  dieselbe  aaeb  in  den  Zeiten  dar  Yormnn^ 
aebalt  bei.  Zn  Abstellung  dar  Milbbiiaoha  aaigta  aioh  dar 
Markgraf  früh  geneigt^  Indaningan  in  dar  Labia  dagegan  aolltan 
ainam  allgamainan  Konsil  verbabalian  blaiban.  Sehen  froh  dol« 
data  ar  daher  dia  Priastaraba»  aogar  bei  aainam  Hoi^radigar  am 
Bits  des  Beicbaregimenta  snm  Ärganua  dea  päpstlichen  Legaten 


1)  Wefler  von  Nr.  b  noch  Nr.  9  kooute  im  Thomasarchiv  Vle-r- 
ordt's  Vorlage  gefunden  werden ,  sondern  nur  zwei  verstiimiüelte, 
schlechte  Kopiecu,  die  Herr  Dr.  Bemajs  in  StraTaburg  für  mich  zu 
kdUationieren  die  Qüte  hatte. 

2)  Citiert  bei  Friedanebnrg,  Der  Beiebstag  an  Speier  (Berib 
1887),  S.  243. 

3)  Yierordt,  De  Un^ro,  S.  38. 

^^^Yierordt,  Geschichte  der  eTaogellBchen  Kirche  in  Baden 


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F£äT£Ry  R£UGIONdMAllDAT£  PUILIPP'S  VOM  BAD£N,  30^ 


Campeggi  ^  Am  14.  Oktober  1524  konnte  Capito  triumphierend 
m  Nie.  Prng^Tier  schreiben :  Procedit  Christi  negotinm  apnd  mar- 
cbionem  Badöiisom Aber  die  ausdrückliche  Gutheifsong'  der 
Priestereho  vermochte  dorn  Markgrafen  erst  der  Bauerii:uifstand 
zu  entreüsen.  Das  Edikt  vom  29.  April  1525  (Nr.  3),  mitten 
in  den  Wirren  der  Bewegung  und  vor  dem  Renchener  Vertrag 
vom  25.  Mai  erlassen,  bestätigt  die  Ari,<ra]je  des  Cochläus  über 
Intherische  Zugeständnisse  Philipps  ^  nod  giebt  zum  erstenmal 
Auskunft  über  die  kirchlichen  Fordeningen  der  markgrafiichen 
Baueru ,  deren  von  denjenigen  anderer  Bauernhanfen  wenig  ver- 
schiedene Kxcesse  bis  dahin  allein  eine  unverdiente  ßoachtung 
gefimden  haben.  Dafs  es  Philip])  mit  boineu  Mandaten  ernst 
Dahm,  beweist  sein  Eil.dü  vom  25.  Juni  1526  an  ßafen  von 
Giltlingen,  seinen  Vogt  zu  Pforzheim,  der  in  öemäfsheit  des 
Mandats  vom  10.  August  1525  (Nr.  4)  einem  gewisson  Jakob 
SeheiiKinn  die  Nutzung  einer  Frühmesse  in  der  Altstadt  Piorz- 
höiiü  entzieht,  da  dieser  sie  zwar  „genossen,  doch  daruif  nit 
residiert"  babo  ^.  Aucii  sagte  der  Adminlstnitor  dos  Kloaters 
Eint-iedoln  Diebold  von  Geroldseck  nicht  zuviel,  wenn  er  am 
2.  Oktober  1525  an  Zwingli  ichiieb  „Marchio  de  Baden. 
Christum  diligenter  promovot  ot  iiulliim  ;i  ]  docondum  admittit, 
nisi  eiacte  perscmtatns,  im  idcmciis  sit  vel  non.  Permittit  etiam 
pastoribus  contiaiierö  niatriroonium."  Abor  die  ])orsönlicho 
tüDg  Philipp's  fiiidt'rte  sirh  auch  in  jenen  Jabreii  nicht.  Nach 
ßpeier  bringt  er  zwar  1526  den  verheirateten  Franz  Irenicus 
mit,  aber  obendort  stellt  ihm  Herzog  Wilhelms  Vertreter 
Schwarzenberg  am  12,  Juli  das  Zeugnis  aus,  dafs  er  die  Messe 
fleifsig  besuche  und  sich  „durchaus  christlich"  halte  ^. 

Ein  Ausdrnck  dieser  Gesinnung  ist  auch  die  prächtige  Ca- 
sula,  die  der  Markgraf  1529  dem  Kloster  Lichtenthai  stiftete 


1)  Friedensburg  a.  a.  0.  106,  l. 

2)  Vierordt,  Gmehichte  der  evangellsehen  Kircbe  in  Baden 
I,  160,  1. 

'y   Rnnmann,   Quellen  zur  Geschichte  des  BaaemkriegB  in 

Oberschwaben  (Stuttg.  Littor.  Verein),  B.  129,  <84. 
A)  Vierordt,  de  Uugero,  i>.  16. 

5^  Zwingiii  opera  VII,  416  bei  Vierordt,  Qesehiehte  der  evia* 

gelischen  Kirche  in  Baden  I,  242,  1;  de  Ungero  S.  15  unrichtig 
1.  Oktober:  berichtigt  von  Friedensbiirg  a.  a.  O.  S.  106. 

Ü)  Friedens  bürg  a.  a.  0.  S  ö6ti,  1.  Dem  wider»pricht  durch- 
9MA  nicht  der  Bericht  liongius,  Sekretärs  des  venetianischen  Gesandten 
bä  Endieraog  Ferdinand,  an  Venedig  Tom  SO.  Mai  1526  ans  Spder, 
citirrt  ebenda  107,  8.  Denn  die  Notwendigkeit  einer  Kircbenreform 
hat  Philipp  nie  geleugnet,  nur  behielt  er  sie  einem  Konzil  vor. 

7)  S.  Katalog  der  Bad.  Kunst-  und  Kunstgewerbe  -  Ausstellung 
(Karlsruhe  1881),  Abtl.  11.  Nr.  388.  Unter  dem  goldgestickten  Kreoae 


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310 


ANALEKTEK. 


Noch  auf  dem  Speierer  Reichstage  von  1529  als  Vermittler 
thätig*,  trat  er  in  genauem  Anschlufs  an  die  reformatioD8feind-> 
liehen  Keichsabscliie-io  energischer  für  die  alte  Lehre  ein,  so 
dafe  seit  lö26  eine  ganze  Anzahl  Predikanten  aus  seinem  Ge- 
biet trröfstenteils  nnch  Strafshnry  auswanderten.  Dafs  er,  wie 
Sebaijiian  Frank  schreibt  ,  ,,fciii  ^'omacU  wieder  zum  Papstthum 
abgefallen'*  sei,  ist  zwar  nicht  nchtisr,  zeigt  aber  deutlich  die 
getäuschten  Erwartungen  der  fieformataren.  Auch  in  seinen 
letzten  Jahren  hat  der  Markgral  die  früheren  Zugeständnisse 
nicht  ausdrücklich  angehoben  ^  Noch  1529  veranlafste  er  den 
Druck  einer  deotaebin  Bibel  und  In  den  Ootfceadienst  fthrte  er 
die  Paalmen  „de  profondie'*  in  Lather'a  und  „Miserere  mei*  in 
HegewBld's  Yerdeatachmig  ein  K 

Wir  sehen,  des  bisher  meist  ans  Briefen  der  Be£»nnatoren 
Aber  Philipp*s  Kirebenpolitik  Bekaanie  läfst  sieb  darehwegr  mit 
der  nengewonnenea  Erkenntnis  Tereinigen.  Das  merkwürdigste 
an  den  Brlassen  scheint  mir,  wie  auch  schon  Yierordt  bemerkt 
bat,  der  von  Philipp  bereits  1522  (cf.  Nr.  2)  zugestandene  und 
gerechtfertigte  Eingriff  in  die  Kirchenhoheit  der  geistlichen  Obrig- 
keit. Schon  aus  diesem  Grunde  wäre  es  wünschenswert,  dafs 
diese  Publikation  auch  hinsiebtUch  anderer  Beicbsstände  Nach- 
folge ^de  ^. 


ist  dor  Mark^'raf  kitieend  dargestellt,  übnr  iinn  auf  einem  Spruchband 
die  Worte:  Jesu  üli  dei  miserere  nie.  Auf  der  anderen  Seite  das 
badische  Wappen  mit  F.{hilipp)  M  {airk§raf}  Z.(«)  B.(a<len)  \5\nd) 

V]  Zu  welchen  Kollisionen  es  jetzt  jedoch  Öfters  kam,  zi  igen 
u.  a.  Wieland's  beide  Briefe  an  den  Pforzheimer  Magistrat  und  dos 
letaleren  Sehretben  an  Philipp  (Vierordt,  de  Ungero  40,  80if.).  die 
sich  auf  das  letzte  Mandat  beziehen,  also  zwischen  dtn  7.  Mftrx  und 
deu  17.  September  1533,  wo  der  Markpraf  starb,  falltMi. 

2)  Darüber  heifst  es  in  dem  Mandatentwurf  von  1."j37  (s.  o.  S.  307 
Anm. 2) im  bayer. BeiehmrebiT Baden,  a.  Nr. 36,  fol.  25b:  „auch  sollen 
unsere  stathalter  und  rethe  für  euch  selbs  und  iedes  orts  die  arapt- 
leut  und  denen  ir  sölichs  bevelhen  werden  geflisscns  nfsehen  babou, 
das  in  den  kircben  von  teutschcn  psaimen  nit  mer  noch  andere  ge- 
sungen werden,  ditn  diejenen  tod  oft  gemeltem  marggrave  Philipsen 
seligen  zugelassen  sind  (am  Rande  steht:  Miserere,  ps.  de  profundis. 
dous  misprp;ifur.  X  f^f'pottl,  dieweil  kuntlich  und  offenbare,  das  vil 
derselben  psalmeu  zu  unrechtem  crgerlichen  verstand  ;scwider  ge- 
meiner cbristÜchen  kircben  Ordnung  und  haltung  Tertolnetscnet 
sind." 

3)  Von  SfraHsburg  sind  mir  vier  bekannt,  Einzelbiattdrucke  der 
Strafsb.  Universitätsbibliothek:  1)  1523  Dezember  I  (gedruckt  bei 
R5brich  I,  455)  wider  SchmShreden,  2)  1524  September  12  Verbot 
der  Schmähschriften,  3)  152«  Januar  5  gegen  Schmähre  len ,  \>,  1527 
Juli  27  <;egen  die  Wiedertäufer.  Vgl.  unten  Nr.  6,  weitere  Mandate 
vgl.  Anm.  zu  Nr.  3;  femer  Baum,  Hagistrat  und  Reformation  in 


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FESTKU,  K£L1GI0NSMANDAT£  PHILIPPUS  VON  BiJDCN.  311 


L 

1522.    August  30.  Baden. 

D«r  pfiurer  predigen  belangen. 

Philips  etc.  lieber  getreuer,  nachdem  sich  jetzo  allenthalben 
nnder  der  prieateraehaft  und  in  Sonderheit  den  pftrrem  und 
predigem  widerwertig  und  parthjseb  melnung  halten,  betreifeii 
etlich  Sachen  nnaen  heiligen  glaubens»  der  heiligen  sacramenten, 
ceremonien  und  gottsdienst  halben,  die  ettlicher  mas  in  ciist- 
Uebem  volch  und  gemeinem  mann  auch  an&hen  In  red  und 
parthilicheit  zu  wachsen,  das  wider  gott  und  oristlich  lieb  und 
einigkeit  ist,  auch  uns  nit  gcmeynt  den  unsern  zu  gestatten: 
haben  daruf  den  pfarrern  allenthalben  thun  schriben,  wie  du 
sehen  wurdest;  die  wollest  den  pfarrein  deins  ampts  selbs  uber- 
antworten und  inen  dabi  sagen,  das  wir  sie  ^ediglichen  ver- 
warnen, sich  doiPii  iühalt  zu  beflissen,  uud  so  habest  du  bevelcb, 
dest  getreulicher  ob  inen  und  andern  geistlichen  zu  halten,  als 
du  aucli  thun  solt,  mit  anzeig,  wo  sie  solichs  nit  theten,  wer 
allerhand  be^cbwerJ  irenthalbeo  zu  besorgen,  darbi  wollest  bi 
diner  amptspflicht  daran  sin,  empc>ig8  nnd  flissigs  nfsehcn  hon 
in  dinem  ampt,  wo  die  geiotlichen  oder  unser  nnterthoneu  sich 
obgodachter  jetz  schwebender  zwitracht  in  berurten  Sachen  par- 
thieu  oder  teilen  und  sonderlich  samblung,  wiuckelpredigen,  der- 
halben  effentlidi  geeprech  hon  oder  Buwerung  fiimemen  weiten, 
das  dir  solichs  an  jedem  end,  wes  du  f&r  dieh  selbe  Bit  erfuen 
hontest  angezeigt  werd,  dieselbigen  beschichen  und  warnen  in 
fbmemens  abiusteen,  und  wo  du  die  hendel  so  ernstlich  und 
beschwerlich  findest,  das  die  strafbar  sui  mochten,  an  uns  oder 
in  unserm  abwessn  in  unser  canzli  gein  Baden  langen  lassest 
mit  erzalung  ge&talt  ergangner  handlung,  es  betreff  geistUoh 
oder  weltlich,  frembd  oder  heimisch,  damit  wir  jeder  lit  unseis 
willens  und  ge&llens  bescheid  geben  mögen,  und  hieran  wollest 
nit  seumig  sein,  wollen  wir  uns  genzlich  zu  dir  yerlassen.  dat. 
Baden  uf  sampstag  post  Bartholome!  appli  anno  etc.  22. 


Strafsburg,  S.  95;  107,  2;  148,  2  uud  4;  1G2;  v^,'!.  auch  ebeuda 
S.  ]i)3f.  die  mit  Nr.  9>-ll  rtelfuh  fibeieiiistiinmeude  luttraktion 
de»  Bischofs  Ton  Stiulsbitig  für  leuie  eventoeUen  Qoiaadten,  Anfing 
Hai  1526. 


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31S 


IL 

1  522.    August  30.  Badend 

Pfarrern  gesohriben  wie  sie  sieb  in  iren  predigen  baiten  sollen. 

Pbilipe  ete.  nnsem  gros,  ensmer»  lieber,  udeebUger.  naeb* 
dem  in  etüicben  veisebinen  jaren  in  geistUcben  stondem  nnder 
de^jenen»  so  dem  cbristlieben  Tolek  das  gottes  wort  so  Ter- 
kunden  uid  die  seelsorg  satragon  Terordnet  geweat,  in  iren  jira» 
digoD  Qf  den  cantzeln  nnd  daneben  ?Uerlei  widerwertigor  leren 
nnd  nnderweisnngen  fbrgebalten,  die  ander  inen  ancb  soTer  ge- 
waebsen,  daa  sie  eüaander  als  verftirisch  und  kelieriscb  offeot- 
lioben  nennen,  nnd  Jeder  sin  lere  die  gewisser  nnd  ebiistlicber 
lobt,  nnd  des  andern  mit  tU  sebmehworten  yorwurft  und  ?er« 
dampt,  danis  leider  entstanden,  das  im  gemeinen  cbristUeben 
Tolek  ergemns,  trennung  und  absondemngen  oder  seeten  äuge» 
fangeOi  nod  nennen  aicb  vil  diser  oder  jener  anbangs  nnd  par» 
theien  so  wit,  das  es  nit  allein  zu  serstorung  christenliober 
brüderlicher  lieb  und  einigkeit,  daran  wur  alle  glieb  in  got  ver- 
pflicbt  sind,  sonder  «neb  bi  Tüen  aigs  gemnets  und  willens 
wider  oberkeiten  anreizung  geboren  mücbt,  wo  nit  insebens  be» 
scbebe:  wiewol  na  wir  als  weltlicher  fürst  uns  ungern  under- 
winden  weiten  der  ding,  so  geistlicber  oberkeit  zustend:  so  bo- 
iinden  wir  doch  in  erfarung  nacb  geetalt  gegenwärtiger  leuf,  das 
es  den  geistlichen  allein  nit  zu  erheben,  sonder  merckÜob  not- 
turft  errordert,  das  die  weltUcb  obeihand  gott  zu  lob,  ere  und 
handhabung  cbristlichs  glaabens  und  Stands  bi  den  geistlichen 
dorch  flissig  nnd  emsUicb  aomanen  nnd  Vorwarnung  and  den 
weltlichen  Ton  oberkeit  wegen  handeln,  ta  Terhutung  gottessom 
nnd  straf,  aaob  nacbteils  und  abfals  unsers  heiligen  glaubens 
nnd  an  pflanzung  und  bebaltang  cbristenlicher  lieb  und  einigkeil^ 
dann  wir  in  nachvolgung  nnseror  Toreltem  löblicher  gedecbtnos^ 
die  als  oristlich  fursten  irs  Torrnngens  sollcbs  zu  handhaben  ge» 
pflegen,  sam  boobsten  begirig  nnd  geneigt,  in  unserm  fursten« 
tfanmb  nnd  gepieten  der  Toren^ten  beschwerden  insebens  m 
tbmi.  dwi!  nu  diso  ding  von  predigem  fast  iren  Ursprung  und 
anfimg  gehabt,  so  wil  von  nöten  sin,  das  ir  und  ander,  die  das 
gottswort  dem  Tolck  ?erkunden  sollen,  im  selben  solicb  beeobei- 
denbeit  sprechen,  damit  dasjen,  so  christlichem  yoick  yerkundet 
nnd  gesagt  wurdet,  dermas  si  g^nrundt  in  der  heiligen  geschrift» 
das  niemand  fug  bab,  noch  nrsaob  scbepfen  mdg,  darwider  m 


1)  Wobl  Identiseb  mit  dem  TonVierordt,  Oesohiefate  der  eran- 
geliscbea  Knpehe  in  Baden  I,  156  sam  6.  Beptember  aqgeM!tsteQAot> 
tcbreibea  an  die  P£urrer. 


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FESTES,  RKLIOiOM8MAM>Ai£  THIUPP'S  VON  BADKN.  813 

reden  und  trennung  oder  parthyscb  anheng  zu  machen;  das  wir 
luwli  diwr  leuf  gelegenbeit  besonder  dem  gmeinen  chrisülcben 
▼olek  nit  noilieber  bevoiab  aucb  gott  gofelliger  zu  geeebebea 
aohtan,  daa  das  ir  und  aodar  prodigw  neh  mm  höchsten  bo- 
fliflMD»  in  dem  geordneten  liten  dia  text  der  heiligmi  eebrfft 
ud  beeendtr  dar  hailigan  eTangalion  nnd  die  ovangeliBeh  lar 
dem  Tolok  an  sagen  mit  ehiiatenliehar  ardenmg  und  ndegong 
danalbigen ,  und  das  damabaa,  was  diapatierlieber  pnnctan 
weren,  darin  die  gierten  atrttig,  underliessen  und  scbmebende 
partyseb  nidisebe  soxnieden  von  widorwertigs  strits  wegen  der- 
selben pnncten  (jezo  under  den  gierten  allenthalben  in  irmng 
und  uTifrlichem   verstand  schwebend)  vermitpn   bliben.    dan  wir 
befinden  gwislich ,  das  aolichs  inehr  zu  ergernns  und  anreizung 
der  menschen,  die  vor  nicht  darumb  gewiszt,  dau  zu  nsrcntung 
dienen,  liessend  dieselbigen  uf  witer  handlnng  und  beschlus  zu 
siner  zeit  und  da  es  sich  goburt  berugen,  und   eruanten  das 
Tolck  in  allen  eaern  predigen,  gott  demutiglich  und  herzlich  zu 
bitten,  die  cbristenlich  vereamlung  siner  cristglaubigen  menschen 
in  banptem  nnd  glideru  gnediglich  und  barmherziglicb  zu  er- 
leaebten  dnrcb  sin  gottlieben  inspruch,  weg  nnd  mittel,  daa 
aolieh  awttraeht  hingelegt,  nnd  alle  cristglanbige  menschen  an 
«nhelligem,  oristenlichem  rechten  glauben,  lieb  nnd  lere  gebracht^ 
nnd  die  glori  nnd  ehr  gottes  nnd  seiner  heiligen  schrill  in  aller 
cristenheit  erscheinte.   so  sind  wir  Je  der  tröstlichen  hoffkiong 
sn  gott,  so  man  sich  beflis,  den  nnwidersprflcblichen  text  der 
heiligen  e?angelien  und  lere  der  gottlieben  schrill  mit  gebnr- 
lieher  nsiegnng  an  die  band  zu  nemen,  nnderlies  unnötig  gedieht 
der  menseben  schalt  und  zomreden  us  parthyscben  nid,  ennant 
nnd  erinnert  das  volck  zu  guten  loblichen  cristenlichen  Ordnungen 
mehr  mit  errelunp  der  christlichen  guten  Ursachen  ir*-!  nnfimga 
und   ufsaznng ,    den   mit   ungestimen    genzliclien    geboten  und 
traiiwiinL'fn  der  pcnon,  und  thet  daneben  das  vorgemelt  demutig 
anruefeii  zu  gctt:  es  word  gütt  gnodigs  gefallen  darin  hon,  gnad 
Yerlihen  zu  besberung  des  volcks,  abstelhmg  der  partbylicben 
erscbrockenlicben   zweinng  in   cristli(diera   volck.     dan  unsere 
ansehens  so  will  es  mehr  durch  viifaitigs  anruefen  gottes  erlangt 
und  dahin  gebracht  werden,  dan  durch  vil  Scheltwort  mnwn 
nnd  ricbygc  ^  bandlang,    darbi  ist  aber  nnsor  gemnet  nnd  mei- 
nnng  nit,  das  man  dem  Tolck  sin  gnbiaehen  nnd  Isstsr,  die 
widar  die  gebot  gottes  sind,  nit  arcffiieii  nnd  ssgen  soll,  mit  ga> 
dnltiger,  beacheidealichar  seoftmfltiger  1er  nnd  nnderwisnng.  so« 
tU  nnd  wss  nns  anch  als  waltlicham  Arsten  sn  strafen  geburt, 
wollen  wir  nit  nnderlassen,  und  sonderlich  damit  geistlich  nnd 


1)  tie  »  (an)rfieh]ge? 


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814 


welüicii  jeder  in  siuiuii  stand,  der  vvul  und  röcht  lebt,  bi  ehr, 
gut  and  fridlichem  wesen  blibeu  mog.  unser  gemut  ist  auch 
nit,  nnsern  undertbonen  oder  auch,  wo  ettlich  geistlich  des 
willenö  weren,  zu  geatiitten,  der  herbrachten  cristlichen  ubung, 
des  amptti  der  heiligen  messen,  der  gewonlichen  cristlichen  gots- 
dienst  und  der  heiligen  sacramenteu  uawening  furzenemen,  wie 
wir  des  allen  unsern  amptluten  bevelh  thnu  wollen  ^  bis 
80  lang  vuu  christlicher  ver^^amiung  wie  und  wo  sicbs  gebart 
derhalben  andrung  beschicht.  demnach  i^t  an  uch  unser  gnedig 
gütig  bitt  und  begeren,  ir  wollen  dis  unser  gneditrs  vorwarnen 
und  ermanen  zu  herzen  nemen,  dem  flissiglichen  leben  und  uack- 
komon,  so  zwifcin  wir  nit,  ir  thun  darmit  gott  gefallen,  und 
diene  criätlichem  volck,  uch  selbs  und  allen  geistlichen  zu  dest 
besserm  friden  und  rüg  auch  Verhütung  vil  nacbteils  vorgemelt, 
so  kompt  oa  uns  auch  von  uch  zu  sonderm  gefallen,  wollen  de^t 
gneigler  sin,  uch  gnad  uud  guuot  zu  beweisen,  dat.  Baden  uf 
Sampstag  nach  Bartholome!  appli  anno  etc.  22. 


Iii. 

1525.    April  29.  Badend 

Den  amptleuteD  ist  bevolben  worden,  die  priesterBohaft  la  borger 

ofiteaeoien. 

Philips  etc.  lieber  getreuer,  nachdem  wir  von  den  ?ersamb- 
Inngen  gemeiner  gebursami,  so  bi,  neben  und  umb  uns  allent- 
halben in  vil  grossen  hufen  vor  äugen  und  bieinander,  deren  ein 
merckliche  anzal,  sovil  verstendigt,  das  ir  endlich  furnemen  und 
meinung  ist,  der  geistlichen  halben  und  irer  gueter  endrung  le 
thon,  uns  auch  entlich  zu  embotten,  wo  solichs  durch  nns  in 
vnaerer  marggrafschalt  nit  forgenomen  werden,  sie  nit  under- 
laeeen,  die  sach  selbs  anzugriien:  so  wir  nun  bedenoken,  daa 
soUeh  andrang  fuglicher  nnd  lidlicher  durch  nns  dan  die  frenlK 
den  oder  auch  die  unsern  ? on  inen  one  unser  wissen  beeehehen 
ffl^e :  ao  haben  wir  demnach  bedacht»  aller  geistlieheii  htlb  gut, 
Ihiohtbarlioh  und  in  mehrer  fride  nnd  einigkeit  twneehen  inen 
und  den  leien  dienlidi  sin,  wie  auch  darnf  rnrner  «fastUeh  mm^ 
nnng  und  beTeloh»  andere  beaehwenmgen,  naohteil  nnd  schadea, 


1)  In  ätratsburg  war  ein  Erials  über  Annahme  des  Bürgemchts 
schon  am  22«  Januar  1525  promulgiert  worden;  rgl.  A.  Baum,  Ma- 
gistrat und  Beformetion  in  Straisborg  (ebenda  1887),  Sw  72. 


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F£ST£B^  UELIGIUNSMAHDATE  FHILIPP'S  VON  BADEN.  315 


80  joa,  inon  und  gemeiner  uuer  landsebait  ?enier  enraoheeii 
BKMshte,  sofiirkommea:  das  ein  jeder  gepfmiidter»  er  ei  pfiunrer, 
caplon  oder  frumeeaer,  in  unser  marggraftchaft  borgerreciit  an 
iedem  ende,  so  lang  er  da  bepfraont  ai,  an  sieh  nemen  und 
burger  werden  nnd  also  alle  bnrgerliehe  beechwerden  und  burdi 
useerbAlb  rei^ms  mit  eigner  perscboa  an  jedem  ort  und  ende, 
da  er  gepCrundt,  nacb  desselben  flecken  gepmeh  belfen  zu  tragen 
und  ze  thon  in  allermassen  wie  ein  ander  unser  weltlicher  bur- 
ger oder  imderthoB.  als  du  auch  zum  furderlichsten  alle  g(^~ 
pfrunden  pnestcr  dins  ampts  berurtermassen  burger  zu  werden 
und  püicbt  zo  tbuud  anhalten,  ufnemen  \md  von  unserntwegen 
amptshalbea  wie  andere  darli  scbuzen,  scbirmen  und  banthaben, 
du  solt  auch  ineu,  wiü  wir  das  hiemit  gnediglicii  veimuge  hei- 
liger und  gottlicher  bcbriffc  zulassen,  bewilligen  und  gestatten, 
welchem  es  gelegen  sich  mögen  in  ehelichen  stant  zu  ver- 
hirateu,  zu  vermideu  doä  schanilich  uoerlich  leben  und  weseu, 
ei  bisber  mit  iren  megden  gefiert  nit  zu  deiner  ergernus  des 
necbaten. 

nnaer  emstlich  meinnn«  nnd  boTeleh  ist  ancb,  so  einich  oder 
mehr  pfarrer  oder  pfirnndt  in  dinem  ampt,  deren  sehend  gefel 
den  atiften  oder  dostem  incorporirt  wereni  soltn  solich  sehend- 
gefeil  in  verbot  legen  nnd  nit  volgen  lassen.  dar?on  wir  Yor- 
haben,  den  pfarrern  und  Terkflndem  des  wort  gottes  ire  zimb- 
liche  narung  und  competens  ze  ordnen,  dardurch  andere  neben- 
schinderi  und  beschwerden,  so  bisher  ns  solchen  incorporierungen 
uf  den  gemeinen  mann  unpUlicher  wis  gelegt,  abgeschnitten  wer- 
den mögen,  des  alles  verlassen  wir  uns  zu  dir.  dat.  Baden  . 
sampstags  naob  quasimodogeniti  anno  etc.  25. 


IV. 

1525.    Angnst  10.  Baden. 

Competentz  der  pfarrer  belangend,  absentz. 

Philips  etc.  naehdem  wir  des  fkizaemene  nnd  in  nbnng  aeind, 
allen  pfiunreni  in  onserm  fnrstenthumb  eonpetenzen  schöpfen  nnd 
verordnen  sn  lassen,  davon  sie  ir  zimblich  nskommen  und  lib- 
sncht  gehaben  mögen,  dagegen  wir  hinwider  auch  gehapt  han 

woTIen,  das  unsere  angeherigen  von  den  bi  nnd  neben  nuznngen, 
die  pfarrer  bis  alsher  von  der  stell  genossen,  anch  enthaben 
und  erlichtert  werden,  nemlich  von  bicbtgelt,  von  reiehung  des 
hoehwurdigen  sacraments  das  aitars,  von  der  heiligen  ölong,  von 


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316 


ANALEKT£N. 


kindtanfen,  yon  miwttkm  ^  der  kind,  m  iaaegiMn  der  kind- 
petteriD,  begrebde,  seeigperedt,  hoebsiteii  imd  andern  dergfidim: 
darm  ifoUen  ivir  niemaBd  wlnndra  in  den  vier  opfern,  dan 
80  tU  ein  Jeder  ein  gewiaaea  wiaetr  oder  daa  jemand  wider  aem 
goten  willoi  getmngen  irarde,  einieh  begengmuBen  halten  la 
laaaen,  welche  aber  daaaelh  na  gutem  willen  anatellen  nnd  ga- 
hapt  ban  wollen,  denen  wellen  wirs  nit  wehren,  dammb  mögen 
aie  den  pfarrem  anch  geporlichen  willen  machen:  wir  wollen 
aneb,  das  hinfar  zu  keiner  zeit  im  jare  jemand,  eo  in  ehelichen 
stand  grifb,  yerhindert  oder  ime  abgestrickt  werde,  ine  nach  Ord- 
nung der  kirchen  inznfioren,  wie  dari  hisher  der  gebruch  irewpst, 
das  zu  ettlichen  ziteo  von  iinsern  armen  Juten,  so  in  gefurt 
wollen  sin,  g'elt  oder  schwarz  Leu  neu  ircn*  uimen  worden,  doch 
dpu  mesznem,  so  sunst  kein  beli  nuüg  iietten  an  iren  herbrachten 
belonungon  ine  znstendig  nnabbruchlich.  solichs  wollest  unsem 
angehorigen  dins  ampta  anzcngen.  dao  unser  gemnt  ist,  das  dio 
pfarrer  sich  an  iron  geordneten  competenzen,  die  wir  in  zimb- 
licber  masz  werden  thon  versebaffen,  settigen  lassen,  du  seit 
anch  allen  p&rrem  nnd  caplonen  dins  ampts  sagen  nnd  inen 
Ton  nnaemtwegen  verpieten,  daa  ir  keiner  kein  abeens  mehr 
weder  Ton  iren  pforren  und  caplonien  geben,  nnd  daa  aie  hin- 
wider  anch,  ob  einer  mehr  dan  ein  pfrnnde  in  nnaerm  fhraten* 
thnmb  bette,  davon  emich  abaens  nemen  bi  Tenneidnng  nnaer 
achweren  nngnaden,  wo  wir  dee  gewar  aolten  werden,  nasgeachei» 
den  die  incorpoxierten  pfrunden  in  atift  nnd  cloatetn. 

So  langt  mis  an,  das  über  nnaem  necbei  nagangnen  berelch  * 
die  priester  anzuhalten,  die  argwenigen  perachonen  Ton  inen  zn 
thnn  oder  dieselbigen  zn  ehelichen,  das  demselben  von  ettlichen 
unsem  amptinten  nit  nnchkomein.  ?nnder  das  ettlich  prister  ire 
wgwenige  ino^^d  dem  Ln>memen  mann  zu  erirernus  noch  also  nn- 
geehehcht  bi  uien  Laben  und  ettlicli  ire  inegd  tags  us  den 
husern  thnen  und  diü  bi  nächtlicher  wile  darin  haben,  uf 
solichs  ist  abermals  unser  ernstlicher  bevelch,  das  du  nf  die 
ding  ein  empsigs  nfsehen  han  lassest,  ilannt  unserm  usgangen 
bevelch  gelebt,  dann  selten  wir  dich  in  dem  farleasig  befinden, 
wurd  uns  von  dir  zn  mercklichem  misfallen  sin.  wolten  wir 
dannocbi  dir  gnädiger  meinung  nnangezeugt  nit  laaaen.  dal. 
Baden  nf  aant  Lomrenrientag  anno  etc»  25* 


1>  Vgl.  Schmcller,  Bayer.  VVb  ,  2.  AnH.,  II,  l(H3f.  die 
Wester  „das  Cbriäatnheind,  weiches  dem  Tautiiug  bey  der  Cere- 
tnonie  aogethan  wird*'.  För  das  Zeitwort  kenne  ich  keine  wei* 
tereii  Belege. 

2)  Oben  nr.  IIL 


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FESTEK,  U£UQi014hMAMDAT£  J:*iilJLU'p'S  VOK  BA1>£K.  317 


V. 

1527.   M&rt  36.  Bftden. 

Als  des  hör h würdigen  aacraments  halben  in  alle  ampt  geschriben 
worden,  emem  jeden  begerenden  iu  sterbenden  nOten  dasselb 
nnder  beiden  gestalten  mitzeteilen. 

Philips  von  gottes  guaden 
marggruve  zu  Baden. 
Lieber  gotrewer.  una  hat  vilfaltiglich  angelangt,  das  vil 
unser  uuderthonen  begird  *  haben  des  hochwurdigst  aacrament 
des  waren  liba  und  blats  Christi  under  beider  gestalten  zu  em- 
pfahen,  der  Ursachen,  das  solichs  der  gebtait  zn  reich on  und  zu 
nemen  von  unserm  seligmacher  Christo  ufgesatzt,  und  daneben 
ettlich,  80  es  inen  der  massen  oder*  ufsatzung  Christi  gemea 
nit  gereicht,  beschwerd  haben,  des  uuder  einer  ge^talt  zu  em- 
pfahen,  und  ettUch  in  sterbenden  nöten,  ehe  dan  sie  es  uuder 
«Der  gestalt  und  iadAis,  dan  es  von  Christo  geordnet,  mesaen, 
«lie  irollen  sie  des  *  gensUcb  estnften.  Naehdeoi  wir  mui  sl« 
dir  laadsfortt  vnser  imderthoiieD  seelenlieU  migeni  Terbindem» 
sonder  sovil  an  uns  se  ftirdren^  geneigt,  nnd  wir  al»er  an  be- 
zieht gnmdlicher  sduiften  bednden,  das  Christas»  nnser  gett  nnd 
erloser,  zn  dt  einsatznng  dises  hoehwnrdigen  sacraments  kein 
gehet  sn  einer  oder  beider  gestalt,  auch  kein  benantlichen  zeit^ 
wan  des  zn  empfahen,  gesetzt,  sonder  boTolhen  ^  so  oft  nnd  wan 
dises  gehandelt,  das  es  in  seiner  gedeehtnus  bescbeben  soll,  und 
die  reichung  und  empfahnng  nnder  einer  gestalt  usserhaib  dem 
messhaltün  usser  ®  ettliclien  bewedicben  Ursachen  nochmals  von 
Tersamlung-en  der  Christen  angesehen  und  von  '  ettwan  vil  jaron 
ns  einem  gobruch  uf  uns  erwachsen;  demnach  ist  unser  meinnng, 
du  wollest  alle  piarrer  deines  ampts  für  dich  beschirken ,  inen 
anzeigen,  das  wir  ns  allerhand  Ursachen  der  meinuntr  seient, 
bierinnen  kein  nuweruiig  oder  anderung-  iu  nnsem  gebieten  noch 
zur  zeit  furzunemen  zu  gestatten,  sondern  das  denjenon,  so  zu 
disen  österlichen  zeiten  öffentlich  in  der  kirchen  di&oü  hoch- 
wnrdig  sserament  empfahen  woUen,  das  inen  soliehs,  wie  bisher 


Vierordt:  begert. 
2)  Ib.:  der. 
3,  es. 
4"^  fürderuDg. 
5}  fehU. 

6)  um. 

7)  etwan  vor. 


31Ö 


ANALEKTÜIN. 


etwas  langer  leit  gewcnüidien,  geobt»  aftder  einer  gestalt  gereicht 
und  geben  werd  bis  nf  gemeine  ^  andrang  gemeiner  oder  der 
tateehen  nation  '  oder  anderer  anetellnng»  dmmb  anch  die  pfiunrer 
nneer  nnderthonen  ermanen  sollen,  gott  so  bitten  nmb  nx^ 
libnng  gnad  und  erkantnie,  das  bierinnen  *  nnd  in  andern  strei- 
tigen pnncten  einigkeit  nnd  sein*  gGttlieh  wolgeiallen  gepflanst 
werde,  ob  aber  jemand  unser  underthonen,  wer  der  were,  der 
in  krankheit  and  geverlicheit  des  tods  reichang  dises  sacraments 
nnder  beider  gestalten  begeret,  und  des  undcr  einer  gestalt  zu 
empfaben  beschwcrnng  seiner  gewissen  hette  nnd  nit  empfahen 
wolle,  mögren  wir  leiden,  i'^t  iitt^  nurh  nit  zuwider,  dds  die' 
pfarrer,  uinl  wim  pin  pfarrcr  solhs  nit  thon  wolt  oder  ze  thon 
heschwpi  iiiiL^  lictte,  ein  anderer  bekantor  priester  solichs  dem 
gciiielieu  begoreuden  kranken  under  beider  gestalten  des  brots 
nnd  wins  den  heiligen  lib  und  blüt  Christi  geben  und  reichen, 
und  L-io  des  auch  also  preben  und  empfahen  mögen,  daneben 
solt  du  deu  pfarrcrn  sagen,  das  sie  un^jcre  uuderthonen  christ- 
lich ermanen  auch  darzn  wisen  das  sie  sich  zu  empfahung 
des  bochwnrdigen  saeraments  mit  gebnrlicber  Yorgender  bekaat- 
nis  irer  sonden  jedenit,  wie  sie  dam  auch  die  heilig  geschrift 
ermanet,  nnd  einem  Jeden  reohten  Christen  msteet,  nnd  damit 
an  ehristlichem  erbem  wesen»  wandel  nnd  bandel  schicken,  des 
wöUen  wir  also  nns  m  deinem  Tlies  Torsehen.  datnm  Baden 
zinstag  post^  ocoli  anno  27. 

VI. 

1527.   Dezember  15.  Iflühlbnrg^ 

Widertauter  belangende. 

Philips  von  golte:^  g-nadon  marggraf  zu  Baden,  lieber  ge- 
treuer, uns  ist  furkoniiMi.  wie  bich  bei  ettlichen  nnsem  nachpur- 
schaften  ein  neue  sect  ui'vvorfen  und  erhaben  soll,  die  sich  wider- 
tanfen  lassen  und  andere  derglichen  thun  underweisen  sollen, 
nnd  daneben  auch  lue  eiilich  artickel  lainemeu,  die  unserm  hei- 


1)  feML 

2)  Nation  oder  des  reicba  Samblaag. 

3)  gott  —  hierinnes  fM. 

4l  ein. 
5)  eiü. 
fML 

7)  auch  —  wiscn  fehU. 

8)  nach  dem  Sontag. 

9)  Ein  kürzeres  Straisburger  Mandat  gegen  die  Wiedertäufer  vom 
27.  Juli  1527  liegt  mir  gedroekt  vor.  {Aw  der  StfaTtbniger  Uni- 
Tenitfitsbibliothek.) 


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FESIEU^  K£L1GI0NSMAMDAT£  PiULIPP'S  VOM  BADEN.  319 

Ilgen  glaalwn  mwider  vnd  inm  theil  der  oberkeit  QDd  gemeinem 
nnz  m  naohtofl  reichen,  und  bei  naobflichen  imd  andern  nng- 
wonlidien  Seiten  und  pletwn  sieb  meammen  rotten,  ir  irrig  bee 
ftumemen  mid  wie  sa  besorgen  allerband  nebenprsticben  nssn- 
richten,  deshslb  uns  gepnren  nnd  die  nottorft  erfordren,  in  das 
bi  Seiten  in  nsem  (sie)  gebieten  insehens  sn  tbon,  mid  die 
nnsem,  damit  sie  vor  solicbem  Torhutet,  gnediglieh  sn?or  Ter- 
murnet  seient:  beyelhen  dir  demnach  mit  sonderm  ernst,  das  dn 
unverzüglich  in  der  statte  auch  den  dorfen  dins  ampts  ein  oflfen 
gebot  uf  nachvolgende  mas7  osgreen  lassest  nnd  verkündest,  nem- 
lich  das  sich  niemands  wiilertaufens  imderziehe  mit  taufung  oder 
taufen  lassen,  auch  keins  andern  punkten  dem  widerteufen  an- 
hoiiL'iL'  oder  den  diejcn,  oder  den  widertanf  halten,  in  Iren  ftir- 
geiiomon  artickel  usgeben,  undern*'ine  auch  nichts  davon  weder 
heimlich  oder  offenlich  lere  oder  predige,  das  auch  niemand  die^ 
selben  enthalte,  hause,  herber^e  oder  nnderschleufe,  alles  bei 
straf  leibs,  lebens  und  guts,  da  nach  gebtalt  ninea  jeden  uber- 
tretera  dis  gebots,  damit  das  bese  irrig  freveulicü  lüniemeu  des 
viderteufeus  mit  seinen  anhangen  getilgt  und  abgestelt,  straf 
fbfgenonunen  aoUen  werden« 

unser  verrer  meinung  und  beTeich  ist  auch,  das  diejcnen,  so 
sijBb  widertenfens  nndememen,  sieh  selbe  oder  ire  Idnder  wider- 
teufen  lassen  y  oder  sonst  obgemelter  mas  daTon  bandlnng  oder 
olfontlieh  1er  oder  predigen,  Ton  dir,  davon  dn  din  kondsebaft 
beben  nnd  anstellen  solt,  fonglich  angenomen  sollen  werden,  da 
dn  nns  oder  nnsem  landhofmeister  und  rethen  desselben  aonemen 
fhrderlich  anzeigen  solt,  dir  bescheid  zu  geben  wissen,  wie  du 
gegen  ein  jeden  mit  straf  volnfaren  solt  und  hierin  wellest  nit 
seumig  noch  farlessig  erpcfieineTi  wollen  wir  uns  m  dinem  guten 
vlis  entlieh  versehen,  dat  Mulberg  uf  sontag  nach  sant  Lncien- 
tag  anno  etc.  27. 

VII. 

1528.   Oktober  2  0.  Baden. 
Der  prieeterBcbaflen  ergerlieben  bisits  betrelfen. 

Philips  etc.  lieber  getrener,  wiewol  wir  im  25.  jare  der 
mindern  sale  an  alle  unsere  amptlute  emslliehe  betelchbriefe 
haben  nsgeen  lassen',  das  ein  jeder  der  priestenehaft  eins 
ampts  sn  Termeidnng  dee  sehantliehsn,  nnsriieben  lebens  nnd 
Wesens,  sie  bisher  mit  iren  megden  nit  sn  deiner  ergemns  dea 


1)  oder  —  tmdenieme.  Die  ganie  Stelle  olSanbar  vcfderbt 

2)  Vgl.  Nr.  4. 


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320 


▼olcks  gefiert,  dieselben  ar^onigen  persehoneii  ron  inen  m 
thon,  80  langt  nns  doch  an«  das  etUioh  priester  dins  ampts  ob- 
gedidifc  unser  gepot  nnd  betelch  in  venchtang  steilen  nnd  noek 
mit  eonenbinen  nnd  argwouigea  wüwpersebimen  hnshalten,  das 
VIS  Ten  denselben  nit  n  oMnem  nüsiUlen  ist.  befelhen  dir 
biemf  mit  sonderm  ernst,  das  dn  obgedaehten  nnsera  berelcb 
bei  den  prieetem  dins  ampto  fluderlieh  wider  faenmwmt  nnd 
dieh  erkundigst,  welcher  mit  einer  eonenbinen  oder  aigwonigen 
perschonen  hnsbalte,  dem  wellest  bei  pen  nnd  straf  10  Ib.  dn, 
die  dn  dem  Terpreehenden  nnablesdieben  abnemen  eolt,  gepietes, 
dieselb  ?on  stand  an  von  ime  mtbnn;  mid  ob  einige  priester  in 
Stetten  oder  dorfbm  dins  ampts  argwenige  persehonen  in  eonden 
beboBnng  sitm,  die  doeh  bei  tage  oder  nachtlieher  wile  iien 
sagang  in  der  priester  hnser  betten,  denselblgen  prieetem  bei 
obgedacbter  pen  boTSlhen,  sich  desselbigen  tn  mnessen  nnd  ent- 
halten»  nnd  den  ugwenigen  persehonen  glicherwiee  sagen,  wo 
sie  sich  gemelter  ding  nit  mtaigen,  das  da  inen  daa  anser  ststl^ 
▼lecken  oder  dorfer  verpieten  werdest ,  ala  dn  aseh  tbon  soll 
dan  nns  nit  gemeint  sin,  den  priestem  hiate  solch  nneerlieh 
beisits  an  goetatlen.  datam  Baden  sinstsg  nach  aaat  Lnxtag 
anno  etc.  28. 


vni. 

1531.   Jnni  13.  Badend 

Philips  etc.  lieber  getreoer.  nns  huagt  an,  wie  eltliehe 
plbrrer  nnsres  flirstentbnmbs  in  nftohstTerechineii  oster  und  pilagst 
abent  den  tonf  in  iren  Pfarrkirchen  nit  nach  herkcmimea  imd 
gebrach  gemeiner  kirehen  ge weihet  oder  geeegnet,  ondh  etliche 
keinen  erisam  in  den  kiiehen  haben  oder  anm  tonf  der  kinder 
keinen  geprnchen;  ettliche  w<(llen  die  kinder  nit  änderst  oder  in 
anderer  sit  dann  nf  die  Sonnentag  tenibn ;  ettliche  sollen  in  vor* 
gaagener  Tasten  ire  ptkrkinder  nit  Jeden  insonderheit ,  wie  her- 
kameni  betcht  gehöret,  nnd  sie  mit  dem  hoohwirdigen  sacrament 
nngebeichtet  Tersehen,  und  ire  predigen  nnd  leren  dahin  ge» 
richtet  haben,  dass  wenig  personen  mm  sacrament  gaagea;  et- 
liche sollen  in  iren  ktrcben  kein  saenment  haben  oder  halten, 
ettliche  sollen  das  beimlidi  ia  den  eimein  ns  dem  saciameaV> 
hOalin  an  den  kranken  trsgen;  ettliche  pfiurxtr  nad  caplen  soUea 
an  den  Sonnentagen  nnd  iSBiertag«n  in  gnter  nit  kein  mem  ge- 


1)  Nach  Vierordt,  de  Ungero,  S.  35.  75.  Die  Leaarteu  der 
▼OB  Dr.  Bemaya  koUatiofuerten  feniimmeHen  des  Tbomia- 

archivB  sind  nicht  erwähnenswert. 


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FBSTERy  SBUaiONSICAllDATB  PHILIPP'S  VON  BADBN.  891 


halten,  und  den  fandationen  irer  pfründen  nb^>r  nnd  wider  die 
presentatzeD,  die  sie  von  uns  und  andern  ompfangen  und  ange- 
Dummen  habeo,  eigenes  fiirnemeiis  ml  gelebea  uod  nacbkommen. 
©ttliche  sollen  in  ▼erjrangener  kar Wochen,  ostern,  uffartsta^  und 
püngateu  die  herprochten  ceremonien  in  der  Icirche  nit  g'ehalton, 
anch  sich  in  iren  predigen  in  streitige,  irrige,  dispiitirliche  ma- 
terien  zu  Torirrang  oder  verfUrang  des  gemeinen  onTerstendigen 
laien,  bIIm  wider  nnser  vorige  naschreiben  und  beveloh,  inge- 
kasen  baben.  Ini  demsaob  misre  «niBtiich  meimuig  imd  bmlch, 
du  wöUoet  dicb  bei  den  pfiureni,  priesteni  and  caplenen,  oneli 
bei  den  geriebten  nnd  bei  den  mdsenern  deines  ampts»  in  Jeder 
pfbr  ineonderbeit,  wie  es  jeder  pftrber  mit  obgemelten  stncben 
und  jedem  insonderbeit  gehalten  und  noch  halte,  erkunden  nnd 
dee  nnterschidlich  nnd  eigentlich  in  echriften  veiseiehnet,  in 
nnser  canzlei  gein  Baden  scliicken.  versehen  wir  uns  zu  dir 
nnd  schioken  dir  hiemit  zn  ennnenmg  unserer  vorigen  usschreiben 
und  wessen  hierinnen  \inser  meinung  ist  in  beiliegender  schrift 
verzeichnet,  nach  deren  inbalt  du  dich  zu  deinem  ampt  hRlteu 
und  daroS  sein  solt,  dass  dem  geiel)t  iin(J  nachkomen  werde* 
datum  Baden  uf  zinstag  post  corporis  Cristi  anno  31« 


IX. 

1531.   Jnni  18.  Badend 

Ceremonien  in  der  kirchen  etc. 
Phüips. 

Lieber  getrewer.  wiewol  wir  vergangner  jaren  sa  mebr- 
malen  dir  nnd  andern  nnsem  amptlnten  scbriben  lassen  nnser 
meinnng  und  bevelob,  was  sieb  die  pfarrer  nnd  predicanten  in 
nnsenn  fnrstenthnmb  nnd  gebieten  in  verknndnng  göttlich  werte, 
ampt  der  messen,  reiebung  der  heiligen  sacrainenta,  biebtheren, 
den  herprachten'  gemeinlichen  gehalten  frien  und  offnem  erger- 
lichem  fleischflpisen  znn  fasttagen  und  '  den  loblichen  chriRtlichen 
ceremonien,  so  in  den  Virchen  zu  erinnerung  des  lehens,  lidens, 
Sterbens,  uferst e'fit ins  und  wercken  Christi  unser*^  splicmachers 
bisher  geübt,  gehalten  *  nnd  darinnen  vor  entschidung  eins  ge- 


1)  V  =  Lesarten  bei  Vierordt  a.  a.  0.  S.  36ff.;  H  Bayer. 
Beicbsarchiv  Baden  A,  T.  XXVI,  fol.  41—44. 

2)  V:  berprocbten  gewoonbelten,  gebotenen  Ferren  von  oflb- 
aem  etc. 

8)  V :  in  den  etc. 
4)  V:  halteu. 

Zeucht,  f.  E  -O  XU  t.  31 


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322 


meiuen  christlichon  concilii  ond  unsere  ferrem  bevelchs  kein 
andrung  oder  newening  furuemeu  sollen,  alles  nach  inhult  der- 
selben unserer  gemeinen  usschriben  jederzit  unsem  umplentea 
zugeschickt:  lanirt  uns  doch  vilfaltig  an,  wie  denselben  unsem 
bevelhen  an  ettlicbcn  orten  varlessig  nacbicommen  und  darinnen 
allerhand  nenwemngeu  in  und  nsscrhalb  der  *  kircheu  furge- 
nommon  und  zum  tbeil  vcn  dir  und  andern  unsem  amptluten 
znge.^olion  und  geduldet  werden  s«!! ,  des  uns  nit  zu  wenigem 
misfatlen  ist.  und  demna*'h  imser  ernstlich  meinunir  und  be- 
volch,  das  sich  die  jtfarrer  und  predicanteu  in  iren  j>redigen, 
wie  wir  inen  hiev«»r  auch  anzeuiren  ]u-?en,  haitun:  nämlich  das 
heilig  evangelium  und  gottlich  woit  nii  nach  eins  joden  eignen 
willen,  nutz,  nid,  hoffart  odor  zu  verluning  d*^^  unverstenditren 
leien,  sonder  nach  uslegung  d^r  lieilig-en  schrilt  und  leren  von 
der  <:enieiuca  heiligen  christlicLeu  kircüen  approbiit  und  ang'i- 
n<  iDuicn  predigen  und  leren  uud  was  disputierlicli  naclien  sind, 
und  .sonderlich  daa  volck  von  borung  der  messen  abwisen  ^,  item 
was  zu  bewegung  des  gemeineu  maus  wider  die  oberkeit  oder 
die  Christon  in  irrung  zu  fureu,  trennung  und  secten  zwuschen 
iu  zu  machen  und  L'et^M'neiuander  zu  verhetzen,  dienen  mag, 
dasselb  zu  predigen  und  m  leron  *  sich  enthalten  und  dar- 
innen dea  ^  gemeinen  ciiristiichen  concilii  entsciieidö  erwarten 
sollen. 

verrer  ist  unser  lueiuune-.  das  von  den  pfarrern  und  predi- 
canteu an  den  bontagen  uuder  oder  *  nach  iren  prediL^'u  -A- 
wegüu  dio  gewonlich  lieriirachto  gehaltne  fiertag  in  christlichen 
kirchen,  so  durch  die  wocheu  goiallen,  anch  d^m  gemeiueu  vokk 
verkündet  und  augezeigt  werden,  das  auch  die  ]  f-nrer  uf  die- 
selben fiertag  durch  sich  pelbs  oder  andre  das  heilig  gottswi^rt 
dem  v(dck  morgen  verkünden  und  ire  pfarrmeasen  halten  oder 
vergehen  lassen. 

es  sollen  auch  alle  uud  jede  pfarrer  unserer  gepietcn  oder 
an  orten,  da  die  pfarrer  nit  sell).s  predigen,  die  predicanteu  des 
gmein  volck  zu  bequemer  zeit  mit  fleis  christlich  und  embsig" 
lieh  ormanen  zu  der  Idclit  und  bekantnus  irer  sunden  mit  er- 
innerung,  was  heilsamen  "*  nutz,  trost,  rats  und  befriduug  der 
menächeu  gewissen  dardurch  erlangen,    anch  sollen  die  ptarrer 


1)  V:  d.  ii 

2)  V:  Ui. 

3)  V:  abzuweysscQ. 
4^  V:  lernen. 

5)  Unsere  Vorlage  und  M  haben:  das. 

G)  V:  feiat. 
7)  V:  beilsam. 


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FEÜTEß,  KELIGIU^SMANÜATE  PHiLlPF  S  VON  BADEN.  323 


kfinem^  der  nit  «nvor  Mchtet*  und  erkaiiiiiiu*  dner  tonden 
mem  priester  getfaon»  das  hochwnrdier  -saciament  mitliefl«D,  wie 
wir  dftim  dises  in  anno  etc.  27  neehat  Yenohinen  nf  rinstag 
nach  oonli  in  nnserm  gemeinen  tunehriben  auch  gemeldel 
haben 

biebi  ist  auch  unsor  ernatlioh  meining  und  bevelch,  das  in  ^ 
stiften,  elostern  und  pfarren  unserer  gepietend'  die  etlichen  ' 

loblichen  ceremonien  und  gebrouch,  so  zn  erinnerung  des  lebens, 
lidens,  Sterbens,  uforstehnrcr  r.ni  wercken  Christi  iinsf^r*'  erlp^^org, 
damit  dises  in  ge'iochtnns  erbuiteu  und  dem  unvorsteudig'on  ieien 
und  jungen  kinden  in  ^'obildet,  dertrlichen  auch  was  und  wie 
bi  und  mit  reichung  und  wihung  des  taufä  und  mit  gebrauch  des 
crisams  und  sonst  bis  alher  in  t^emeiner  kirchen  geübt  worden, 
auch  also  binfnr  mit  gewonlichein  gsaiig  der*  gebeten  in  ubnng 
bliben  uud  bis  zu  künftigem  concilio  erhalten  werden,  und  das 
dauebtiQ  dem  gmeinen  voick  mit  christlicher  nnderwisnng  an- 
zeugt werde,  was  neserlich  in  solchen  ceremoniis  gehandelt  oder  * 
bedntet,  damit  sie  nit  ixen  glanben  und  Tertianen  nf  nsserliche 
bedentliche  nbnng,  sonder  nf  Christum  nnsem  seligmacher  allein 
setMn  nnd  demselben  sn  lob  nnd  dancksagnng  durch  diso  VB- 
wendige  aasengnng  gereist  nnd  ennant  werden. 

daneben  ist  auch  nnser  ernstlich  meinong  nnd  gebot  das 
in  selten  der  Yieisig  teglicben  fasten,  auch  nf  die  fritag**, 
■ampstag  und  gewonliche  herbnu^hte  fastabent  in  nnsem  gepieten 
weder  in  den  wurzheusem  oder  andern  gemeinen  oder  offnen 
zechen ,  geselschaften ,  gastungen  oder  simst  ofr<>ntlich  oder  zn 
ergernus  usserhalb  der  not  oder  libsblodickeiten  kein  fleisch  ge* 
Sinset  werde  bis  zu  andrang  obgemelts  gerne iiion  concilii. 

biemit  ist  unser  bovelrh  das  da  die  K*'i^'^'ichen,  es  siend 
Ordens  iöut  oder  wöiLiicho  pne.ster  dins  amptö  erngtlichen  ver- 
wanuv-t  das  sie  sich  unehrlichs  lebens  und  sonderlich  bi  nn- 
ehrlichen  unzüchtigen  wibern  zu  wonen  oder  die  bei  in  zu  baben, 
auch  unerberer,  unpriesterlicher ,  lichtvertiger  kleidung,  wesens» 


1)  V:  kl  iiiou. 


4)  Vgl.  Nr.  5. 

5)  V:  die. 

6)  V:  gepietten. 

7)  V:  cristUehe. 

8)  V:  oder. 

9)  V:  und. 
10)  V:  gepott. 


12)  V:  fermaiieit. 


21* 


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384 


wandelB  und  haltung  *  genslich  eotluilten,  Bondir  mii  frbm 
W68«ii  mid  mmM,  wi«  kern  Btaat  naoh  iii«n  vor  andern  lutn^ 
dem  genMinen  man  gnt  exempel  Torlrageii;  du  wir  dee  endin 
Yen  inen  In  unaern  gepiefeen  keinswegs  geetaftten  oder  gednldea 
werden. 

dise  obgeeehribne  '  unsere  bevelcli  nnd  memnng*  solta  den 
geieilichen  und  auch  unsern  undertbonen  und  aDgehorigen  dioe 
ampts  furderlich  verkünden,  damit  ir  jeder  80?il  und  was  ioe 
belangt,  eich  darnach  tu  richten  wiesen,  daraf  du  anoh,  die 
dem  also  gelebt  nnd  nachkommen  werde,  dein  goflissena  nMiea 
nnd  aebtung  haben  solt.  dn  seit  aneh  von  jedem  pfurer  dina 
ampta  achrifUich  antwort  emplkben,  ob  er  disem  nnserm  eebiiben 
geleben  und  nachkommen  wolle  ^  oder  nit,  und  die^eib  zu  nneer 
cansli  schicken  ^,  uns  damaeh  in  richten  wiasen*  dat.  in  unwr 
alai  Baden  efco.  linatag  nach  eorporia  Chriati,  anno  etc.  31. 


X. 

1538.    Januar  12.  Mflblberg. 

Ceremonien  in  der  kircheUi  eaorament  empfaheup  predigen. 

Philipe  etc.  Uber  getreuer  als  wir  Yergaagner  leü  in  aUe 
nnaera  ampt  und  gepiet  usechriben  lassen,  wie  und  waa  nnaar 
aieinnng  nnd  bevelch  si,  das  ee  mit  verknndung  gottUcba  weite 
den  ptoim  nnd  predicanten  auch  mit  haltong  der  meaimiv 

reichung  uud  empfahung  der  heiligen  Baoramenten,  bichten  und 
bekantnus  der  sfinden,  der  vierzigteglichen  und  andern  in  christ- 
licher gemeyner  kircben  hergeprachten  fastagen,  sampt  den  fii* 
tagen  und  sampstagen  mit  Unterlassung  des  fleischessens,  usser* 
halb  der  not  oder  libsblodigkeit,  derglicben  mit  haltung  der 
sontag  und  andern  gepotten  festen  oder  fiertagen  und  den  her- 
prachten  ceremoniis  in  gemeiner  kircben  zu  erinnerung  des 
lebens,  lidens,  Sterbens  und  uffarens  zu  den  himeln  Christi  unsers 
erlösers  und  seligumcbers  gehalten  werden  soll,  alles  nach  us- 
wisung  und  inhalt  desselben  unsers  gemeinen  uszschribens  am 
dato  uff  zinstag  post  corporiK  Christi  anno  etc.  31  ^,  langt  uns 
doch  glaublich  au,  das  demselben  unserm  beTeich  und  gebott 
an  ettUchen  orten  unsers  furstenthumba  und  gepieten«  weder  von 


1)  V:  Handlungen. 

2)  V:  bieg»  .schriebene. 

3)  V:  Meyuuixgeii. 

4)  V:  will. 

5)  V:  off  das«  wir  ona  etc. 

6)  Vgl.  Mr.  9. 


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¥E&1E&t  K£L1GI0KSMAM>AT£  PUILIPF  S  VO^  BAD£N.  325 

predicanien ,  pfarrern,  pneBtenehftften  oder  vndertbonen  gelept, 
auch  von  etüichen  uaam  aoiptlaten  mit  keinem  ernst  darob 
gehalten;  dams  erwaohsen,  das  gemeinlich  bi  fÜen  gottafoxdit^ 
gottsehre,  liebe,  andacht,  gepet  und  gnr  nachhend  alle  ehrisi- 
liehe  nhongen  nnd  gottselig  leben  in  abgang  nnd  bi  ettlioheii 
in  gansen  ab&l  kommen  nnd  erloecben,  nnd  gesunderte  Tenrorfiie 
leeten  nnd  trennnogen  sn  TenditoDg  gotUieher  gepott,  gemeiner 
cbriellidier  ordnnng»  inpflanmg  licbtvertigs  gottloaen  weeene, 
lebenn  nnd  TÜer  nngeboiBiiiii  aleh  ingnriaeen  nnd  nberhend  ge- 
nommen, allee  nrle  wir  de«  an  ieglieber  Mteong  befinden,  in 
mdorben»  wo  nil  besserang  Tolgen,  der  seien»  libSt  eren,  hab 
lad  gnatar.  wiawnl  wir  nnn  um  glauben,  der  aliein  in  dee 
nensciian  benen  ist,  niemand  (wie  anah  nit  mngUch)  tringen 
oder  zwingen,  so  wfl  nna  aber  daneben  als  christlichem  lands- 
faratan  kdnawogs  gelegen  sin,  gemeine  diriatliehe  ordnnogen, 
die  in  gnmeinar  nbnng  der  kirehen  loblich  berbracht,  in  erbal* 
tang  nnd  pflaasong  (sonderlioh  bi  dem  gemeinen  man)  ehnatUeha 
glanbeaa  nnd  guttseligs  labens,  also  in  eigenwillige  aermttong 
and  abfid  kommen  an  laaaen«  wie  wir  aacb  nas  oberkeit  nnd 
saTordaiat  in  ere  gott  nnseim  wMsfyx  nnd  tu  gut  nnaem  nnder- 
tbanan  bülich  thnn  aollen  nnd  sn  tbnn  geneigt  aind  nnd  dem« 
naeb  nnaer  mainnng  nnd  emstUcher  beTeleb,  dn  welleal  noehmala 
ebgamalt  nnaer  nssefariben  mit  aampt  ancb  disem  nnserm  bot eleh 
allen  nnd  jeden  fhm,  predieanten,  pneataEaehaftan  nnd  nnaaxn 
andartbonen  dina  ampta  offentHch  widemmb  Jetannd  nnd  alle  jar 
sn  den  jaigericbten  Terleeen,  Terknndan»  nnd  damf  mit  emat  an 
anaer  atatt  bevelben  nnd  gepieten,  daa  ir  Jeder  aoTQ  nnd  was 
jeden  belaagti  demselben  geleb  nnd  naebkomme.  dn  seit  ancb 
mit  flaia  darob  nnd  daran  ein,  daa  dem  alao  von  geiaUioben  nnd 
anaam  nndarthonan  gelept  nnd  naobkommen  ward,  nnd  welebar  ^ 
dawider  bandeln,  denaelben  alwegan  nach  gelegeabait  dar  penon 
nnd  gaatalt  der  aaoben  gapnre,  dammb  atrafen.  nnd  aonderlieh 
di^aaeo,  ao  lireTenlich  oder  ? eraebtlieh  oder  ene  redlieb  nraaeb 
oder  iB  eigemna  andern  nnd  oSbntlieb  dawider  bandlan,  aolt 
dn  nit  nngeaftnft  bin  gen  laaaen;  nnd  ob  dn  sweübl  bettest, 
welebeimaasen  dn  dieh  In  fuzlbllender  nbertretang  halten,  aolt 
da  jedenit  selieha  mit  anaeig  aller  galeganbeit  nnd  nmbatenden  ancb 
gaatalter  aaoben  an  unsere  landboflaeister  und  rat  gein  Baden 
langen  laasen,  daiaelben  beeebeida  dambar  an  gewartan.  dn  aolt 
ancb  anaam  nndartbonen  dina  ampta  varpiatan,  daa  keiner  nl 
die  aoanentag  nnd  gemaina  llertag  nnd  der  aiti  damnder  in  der 
kimben  gepradigat  nnd  die  plkrmeai  gehalten  wnrd,  nC  dem 
marckt  oder  vor  der  kirehen  nf  den  kirähefen  aiaan  oder  atandsn 
oder  in  wnnhaaaem  an  seehen  sient,  sonder  welcher  je  nit 
pradig  oder  die  plbrmeea  bAcen  nnd  bi  andern  ebriatglanbigeii  in 


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a26 


ANALEKTliN. 


dflr  Uxehon  lu  solieb«!  nt«ii  sin  woUo,  das  sieh  demlb  der  nt 
in  smet  wommg  enthalten  ond  nit  andern  sn  ergernie  oder 
besem  eiempel  an  offen  marekten,  plazen  oder  wunheoaem  oder 
lechatoben  sei,  allee  und  jedes  bi  pen  eins  sohUling  pfonntngs 
unser  landawemng,  den  du  jedem  aberfarenden,  so  oft  er  solicha 
übertreten  wnrt»  abnemen  solt»  oder  in  darumb  denselben  fiertag 
bis  za  angender  nacht  im  tharn  oder  keficht  strafen,  nnd  von 
solcliem  Schilling  pfetining"  solt  du  die  dri  pfenuing"  an  jedem 
ort  den  bittoln,  Hchuzen  oder  dorfs  knecliten  (di*»  hieraf  ir  ge- 
flissen  ufselien  haben  sollen)  und  die  übrigen  nun  pfenning  under 
die  hutiarmen  lout  jedes  orts  usteilen  las^ien.  doch  die  uslen- 
disclie  und  frembde  persouen,  und  diejenen  so  über  laud  der  zit 
wandeln  muessen,  wollen  wir  hierinnen  nit  begriffen  hüben,  du 
solt  auch  zu  unser  canzli  schriftlich  zu  widöeü  thon,  ob  und  zu 
was  ziten  du  dises  unser  usschriben  verkündet  habest,  uns  dar- 
nach zn  richten  wiesen,  nnd  ob  da  obgemelis  nnsers  nsschribens 
in  anno  eto.  81  tioetage  nach  eorporu  ehrieti  nsgangen  kein 
achrift  oder  die  Terlegt  bettest^  das  wollest  an  nnser  eansli  ver- 
knnden.  wird  dir  ein  ander  eopi  geben  werden,  des  wollen 
wir  nns  alles  an  dinem  flis  verlassen,  dat  Hnlnbeig  nf  domsiag 
naefa  dem  nnwen  jarstag  anno  etc.  83. 


XL 

1533.    Hftrz  7.  Baden. 

Beilage  B  (Kopte)  mu  dem  Ausschreiben  der  Vormünder  der 
Marlegra^en  IhUibert  und  Chrisiof,  d.  d,  1539,  MärM  4.  KgU 
Bayer,  Bßii^isarchiv  Baden  Ä,  T*       f(d.  45 — 50. 

Als  sich  in  gemeinem  uüächriben  von  lueiuem  guedigen  fursten 
nnd  herren  hie  vor  zn  mehrmalen  in  crisüiche  religion  belangend 
elwaa  mÜirrerstands  bei  ettlicdien  pikrreni  nnd  priesteni  antragen, 
ist  denselben  naebYolgende  Intemng  YOn  sanier  fontlioben  goa» 
den  landhofkneisteni  nnd  retben  m  Baden  beut  dato  gegeben. 

nanüleb  snm  ersten  die  pfbmnessen  belangend  soll  ein  Jeder 
pfimrar,  wann  er  daran  von  reiohnng' wegen  der  heiligen  oaom- 
menteo,  bichtberen  oder  andern  zufallenden  p&rrlichen  gescbeften 
oder  leibspledigkeit  oder  derglichen  billichen  ehehaften  halben 
nit  verhindert  sein,  pfiurmefs  nf  alle  und  jede  Sonnentag  hooht* 
zitliche  nnd  andere  gepotne  fest  selbsaigner  person  lesen  oder 
singen  nach  jedes  orts  Gelegenheit,  sover  aber  ein  pfarrer  ob- 
grrnolter  gaohen  halb  ehafte  Verhinderung  hat,  alsdann  goll  sein 
helfor  caplon  oder  fhimesser  oder  an  lrror  gepfrundter  in  der 
pÜarrkircheD  soUiciie  p&rrmessen  derselben  zeit  vergehen ;  doch 


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FEÖTEB,  KLLIÜlüKSMAKDATE  PHlUri'  S  VON  UADÜ^N.  327 

dM  in  allwog  Ton  4en  pfiumm  bfeiiiuieii  kein  goverlicheit  ge- 
anebt  od«r  gepinehi  werde. 

snofit  sollen  die  andern  priester,  es  eient  eanonlci,  Tioari, 
frameeaer,  caplon  ödere  andere  beplrnndten,  ire  mesaen  Int  und 
inhalt  der  fhndAtioa  iret  pfrnnden,  deren  gefoll  sie  nieaaen  nnd 
tniiehen,  singen  oder  leaen,  und  deren  one  recbtmeaaige,  gepur- 
liche  Terhindeniog  oder  gtrerlieh  wia  keine  nf  die  tag  und 
Wochen,  wie  die  Stiftungen  newisen,  nnderlassen:  darof  auch 
jedes  orts  die  stift  und  rural  dechan  und  p&rrer  aampt  den 
messnern  ir  geflissens  ufsohens  haben  nnd  unsors  gnedig-on  henf»n 
amptloiit  ;'uch  darob  halten  sollen,  damit  solichem  gelept  and 
uachkommou  werde. 

und  nachdem  uns  anlangt,  wie  über  alle  hocligemelts  unsers 
gnedigen  herren  usschriben  und  sonderlich  inerhalb  drien  jaren 
dem  nechsWn  Vorscheinen  us^^nigeu  ettliche  priester  etwas  son- 
deror  uuwbr  inunire  oder  mafs  eigens  willens  in  amptem  der 
heiligen  messen  l'uruemeu  oder  geprucben,  ettliche  underlassen 
kleinen  nnd  grossen  canonen  genzlich,  ettUch  zum  theil,  ettliohe 
nnderlaaaen  darinnen  erliehe  gedechtnaa  der  heiligen  gottea  nnd 
daa  ir  furbitt  nna  bei  gott  furdere,  wie  dann  darinnen  gemeldet 
wordet,  ettliche  haben  kein  gedechtnaa  nnd  fbrbit  für  die  abge- 
atorbne  cbriatglanbigen,  ettliohe  yerandem  oder  nnderlaaaen  etwaa 
wort  in  canone,  namlieh  die  wort  aaerifloium  nnd  oblatio,  ettllebe 
nnderlasaen  furpitt  fbr  die  oberkeiton  geistlich  nnd  weltlichs 
ataada  nnd  gepruchen  sich  doch  eins  aaaerlichen  Scheins  mit 
weisen  und  geperden,  ala  ob  sie  alles  hievor  gemeldet  naoh  her^ 
prarhter  Ordnung  gemeiner  cristlichen  kirchen  boren  und  band- 
leten,  das  nicbt^  andors  dan  ein  eigenwillige,  gesundert,  unge- 
grundt  furnemcn  zn  trennnng  cristlicher  ainigkeit  in  gemeinor 
kirchen  und  iinstu'm  g,  fursten  und  herren  also  zu  ^'•edulden  "der 
2U  geritalteu  keins  wegs  gem«jiiit.  und  sollen  desbalben  alle  und 
jede  priesterscbnften  in  ößiner  f.  gnaden  furbtenthnmb  und  ge- 
pieten  sieb  binluio  sollichs  messigen  und  genzlich  enthalten, 
sunder  ein  jeder  priester  die  messen  mit,  gowonlicbeu  berprachten 
ceremoniis»  gepetou,  singen,  lesen  mitsampt  den  beiden  oanonibna 
allermaaaen,  wie  das  in  gemeiner  criatlleben  kirehen  von  altem 
nnd  biaher  bia  nf  dise  iwiapaltang  in  nbnng  gewesen,  btnftiro 
ancb  alao  Tolnbringen  nnd  halten,  nnd  darinnen  kein  nnwemng 
oder  annder  wia  tonemen  iHa  auf  gemeine  andemng  eins  ge- 
meinen ebriatliehen  conoüii  oder  Teatseher  nation  Teraamlnng, 
wie  aoeb  one  iwlTel  der  abgeatorben  Aindatom  nnd  atjftem  der 
Pfründen,  so  die  priestenchafteiL  Jetzund  beaiiaen,  nntm  nnd 
niefsen,  will  nnd  meinung  gewesen.  weUioher  priester  aber  sol- 
lichs nit  thnn  nnd  obgemeitem  also  nachkomen  will,  der  mag 
daa  bei  nnaera  g.  herren  eantdi  an  Baden,  dooh  mit  realngnation 


32Ö 


und  ofk^bimg  mn  pfrnndeii,  Mmvgtn^  dMH  aoU  de«  wttB  nach 
beadichoiier  rwigiiatioii  fliner  pfinmdea  witar  bosohud  luicli  ge- 
vtalt  der  sacbea  gesagt  worden. 

luebei  iafc  die  meina&g  gar  nit,  das  man  die  miläpreiich ,  so 
bei  tnniftmg  der  beiligeii  und  gepet  für  die  abgestorbDen  oder 
Bimst  in  baltung  der  messen  nit  umb  der  ere  gottes  oder  liebe 
dee  nechsten,  sonder  zu  zeiten  mit  aberglauben  und  zu  aignem 
nutz  von  vüen  bisher  geübt,  die  auch  von  alten  beyligen  cridt- 
licben  lerern  verworfen  sind,  be^stettigeu ,  suiider  will  man.  das 
soUicbe  din^^'^  als  cnntHch  und  woU  angesehen  und  in  der  ge- 
schrift  und  lobiiciiün  gepruch  gemeiner  kircben  gegrundt,  auch 
cristiicber  und  rechterraafs  zn  erbaltuni?  gottes  ehre,  lob,  ddück- 
bdguug,  gehel,  audücht  und  guUlurcLt  hi^i  dem  gemeinen  mann 
in  cristiicber  ubung  unabgenglich  bis  zu  gemeiner  andrung  pleibeii 
und  gehalten  werdeE  aollen.  und  damit  der  gemein  mann  dteee 
ein  reebten  erieOicben  ? entaod  bab  nnd  an  gottea  ebre*  ibrebt» 
aadaebt  und  empeigem  gepet ,  die  leider  gemeinlieb  erloeeben 
iat»  geieitst  werde,  aollen  die  pfimrer  in  im  predigen  an  be- 
qaemlicben  aeiten  daa  dem  Tolek»  wie  nnd  waa  in  der  melk  nnd 
ancb  amut  mit  andern  eriatUcben  ceremonien  gebändelt  und  be* 
tntet  werde,  zu  rechtem  verstand  uslegen  und  verkünden,  nnd 
in  Bonderheit,  wie  die  wort  opfer  in  der  meaaen  ventanden  wer- 
den, nämlichen  wie  Christus  unser  seligmacher  im  osterlamb  in 
dem  alten  testament  iMideutlicher  wis  geopfert  und  nachmals 
dorselb  Cliri*>tus  in  sinem  liden  und  sterben  am  stammpn  des 
heiligen  rreuz  sich  soWm  gott  dem  vater  ein  ewig,  warlich  Kbendig 
Opfer  für  unsere  sunde  ufgeoptert,  iilso  werde  dasselbi*:  vung 
warhaft  ewig  Opfer  in  der  mess  wider  bedechtlicher  und  bacra- 
mentlicher  wis  zu  einer  dancksagung  geopfert,  geübt  uod  ge- 
Laiidült  und  dadurch  kein  nuwopfer  gemacbet,  auch  Christus  mt 
,  von  nuwem  geopfert  oder  gemartert  oder  gemetzget,  wie  etUicbe 
Terfnrisebe  prediger  und  piiurrer,  damit  sie  die  leat  von  messen 
nnd  gepet  abwiaen  mocbten,  one  allen  giond  acbantlicb  nnd  er- 
dicbtiidi  furgeben  beben,  dea  ancb  der  alten  bdligen  lerer  nnd 
gemeiner  kireben  bia  nf  beutigen  tag  meinnng  nie  geweaen  iat 

reicbnng  dea  aaerament  dee  beüigen  tanft  aoU  von  den 
pfarrem  nach  nswisung  und  inhalt  der  alten  agenda,  wie  man 
die  in  den  pfarrkireben  bat,  mit  reicbnng  dea  erisama  beeebeion, 
aneb  der  tauf  an  ordenlicben  zeiten  wie  berkomen  emawert  und 
geaegnet  werden,  und  darinnen  kein  andemng  fargenomen  wer- 
den, wie  des  die  Torige  usschriben  auch  anzeigen,  allein  das  des 
heilige  efangelium  so  darzu  gelesen  auch  ver^precbens  des 
glanbens  imd  das  absagea  der  gefattem  in  Teutschex  sprach 
beschehe. 

es  sollen  die  pfarrer  wie  in  Tohgem  osschnben  auch  guug- 


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hiLÜlElij  likAjlillOaSiAAiiDAL E  i'illLli>i''b  VON  BAiJüN.  329 

sam  lutriiddicli  g^moldst»  das  Tolck  sa  der  bieht  und  bekantnus 
irer  Sonden  mit  trawen  ILdfs  ermanea  und  «n  Jaden  in  snnder- 
heit  wie  von  altem  in  gemeiner  Idrclien  gepreucblieh  herkomen 
bicbtheren,  auch  ]^einem  daa  boehwnrdig  aacrament  dos  altaca 
laichen  oder  geben»  er  habe  dann  infor  einem  ]»neater  sein  ge* 
annderte  bicht  and  bekantnus  aeiner  sonden  gethon. 

das  mit  reichung  des  hochwnrdigen  sacraments  zu  08terlicLea 
Zeiten  in  der  kircben  kein  nuwernng  furgenommen  werde,  das 
auch  das  volck  des  mit  andacht  m  empfahen  vleissig  von  den 
pfarrern  soll  dazu  ermanet  werden ,  das  auch  solUch  «Rcrament 
mit  gepurendeu  eren,  mit  vorgeudem  licht  und  schelleo  umb 
oder  nber  die  gasaen  getragen  werden  soll,  ist  im  vor  igen  nnserB 
g.  berren  assciiribeu  luter  giiug  angezeugt,  dabei  man  Q6  pleibeu 
lasst. 

die  ceremonien,  so  in  der  karwochen,  ostertag  nnd  andern 
featen  Ciieti  biaber  an  erinnemng  des  lidma,  lebmis,  aferbena, 
nüNntehnng  nnd  nflkrt  Cbristi  gemeinlioben  geabt  worden,  sollen 
binfnro  ancb  also  bis  uf  gemeine  anderong  von  pfiurer  uid 
eapplonen  jedes  orta  inbalt  jangatem  nsschribens,  doch  mit  Tor- 
kuidung  gotlicba  worta  daneben  nnd  aoieignng  wee  die  oeremonte 
bedaten,  gehalten  werden. 

mit  aegnnng  nnd  nssprengong  des  wihwasseia  soll  es  von 
pfiuiern  oder  eapplonen  wie  Ton  altem  herkomen  an  Sonnentagen 
gehalten  werden  mit  erinnerung  nnd  anseng,  was  solliebs  betate 
nnd  warnmb  dos  in  gemeiner  kircben  angesehen  sie. 

aber  mit  segnung  des  wachs,  eschen,  palmen ,  kntt,  Üoiscb 
nnd  aier  am  ostert^ig'  und  deiKleicben  laff^t  man  es  pleiben  dis- 
mals,  wie  das  an  jedem  ort  jetzuod  in  ubung  und  gepruch  ist 
bis  uf  witeru  bescbei  i  ^ 

mit  infurung  und  benedihung  der  hoch^eiten  luf^t  man  es 
plciben,  wie  von  altem  jedes  urtö  herkomen,  doch  djks  die  pfarrer 
em  kurze  l'eubche  ermanung  und  uuiiei  wi^uiig  thuent  alwey  nach 
gelegenheit  der  zeit  und  personen,  damit  die  eeleut  wie  und  was 
der  eelentatand  sie  nnderriehtnng  haben. 

snnst  mit  singen,  lessn  nnd  beten  der  sieben  gezeiten  soll 
es  lant  der  Stiftungen  jedes  orts  nnd  sonderlieh  mit  haltong  der 
Tssper  nnd  sal?e,  an  denen  orten,  da  dea  salve  geatift  ist,  an 
den  Üsirkagen  in  den  ptokircben  wie  ?on  altem  herkomen  ge* 
halten  werden,   ad.  Baden  nf  fritag  post  InTocafit  anno  ete.  93. 


1)  Vierordt,  Geschichte  der  eyangelischen  Kirche  in  Baden 
1 ,  330  gfebt  an  dieeer  Stelle  den  Inhalt  des  Maadals  nicht  liehtig 
wieder. 


aso 


▲MALBKTBN. 


4. 

M  i  8  €  e  1 1 


Bohreiben  Itlndeiaan's  an  KnrfUrsi  August  zuSaohseay 
rUoiiis  betreffend  (1567). 

In  der  Wolflf  von  Schönburgischen  Sache  *  schrieb  Kurfüist 
August  zu  Saclisen  untorm  19.  Mai  1567  fOrg.-Konz.  im  K.  S. 
Hauptstaatsarchive:  HI,  24,  fol.  43,  Nr.  1,  Bll.  343/4)  an 
seinen  Rat,  Dr.  Laurentius  Liudeman.  Die  von  leblerem  darauf 
zu  des  Kurfürsten  eigenen  Händen  aus  Erfurt  unterm  21.  Mai 
genannten  Jahres  eigenhändig  erteilte  Antwort  welche  drei 
Tage  spater  in  Dresden  umiief,  iRt  für  den  Flacianerhafs  Acgust's 
zu  t  liaiakteribtißch  und  orgänzi  dio  i'retfer'üche  Monographie  über 
Flacius  Illyricus  (cf.  II,  305)  so  wesentlich,  dafs  ich  dieselbe 
hier  mitteile.   Sie  lAotet  alao: 

„  wejB  ....  nicht  zaTorhalten,  da&  ich  vor  B  tagen 

jbm  ampt  Domburg  erftren,  daü^  Illjricos  zn  Weimar  nnd  Jhena 
gewesen  und  domit  ich  diese  dii^  gnmtlich  erforschet^  habe  ich 
mich  Jungst  ybm  durch  reysen  von  den  professom  allerley  seyner 
persohn  und  des  znstandes  halben  yhn  relligionsachen  erkundet* 
Dieweyl  sich  dan  auch  gleych  aoff  den  pfingstsonnabent '  snga- 
tragen,  dals  wir  nhae  bey  Weymar  gewesen  nnd  gegen  dem 
pfingstii^'  hieneyn  gemcket,  habe  ich  mich  mit  herzog  Johann 
Wilhelm  *  alleyn  derentwegen  nach  der  lenge  unterredet,  s.  f.  g. 
die  zusage,  so  sie  mir  in  specie  lUirici  perschons  halben,  den- 
solbigen  yhn  deren  landen  nicht  zu  dulden  und  auch  snnst  der 
relligion  wogen  gethan ,  zu  gemut  gofuret,  auch  erynnert,  was 
für  bpaltung  daraus  erfolgen  mocht.  Und  nachdem  s.  f.  g.  sich 
gegen  mir  etzlich  mhal  erkleret,  dafs  8.  f.  g.  diese  vorgangene 
woche  zu  Coburg  gewesen  und  davon  gautz  keyne  Wissenschaft 
bette,  auch  nicht  gesinuet  und  gemeynet  where,  Illiricum  yhn 
deren  landen  zu  dalden,  habe  ich  nnterdenigüch  gerathen  nnd 
angehalten,  das  s.  f.  g.  eyn  schreiben  mit  eygener  handt  ahn 
e.  chnrf.  g.  thnn  solten,  daiynnen  sich  s.  f.  g.  derer  wissen« 
Bchaft  halben  entschnldigten  mit  knrtser  erklemng,  was  8.  f.  g. 


1}  Mau  vgL  Tb.  Distel,  Der  Fiacianismus  u.  s.  w.  (1879). 
9)  In  den  anges.  Akt  Bll.  345^347. 

3)  17.  Mai. 

4)  Der  Stüter  der  Linie  Weimar  (geb.  11.  Mira  1580,  geet. 
2.  März  1573). 


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MISCELLE. 


381 


gemiit  whore  Illirici  persclion  bolangent  u.  s.  w.,  sjutomhal  diese 
iiiiig  anhö  zwejffel  aiutuej'L  aLn  o.  cburf  g.  gelanget  und  anhe 
dafs  zu  nachdenken  ursach  gebeu  kouteu.  Sulchä  Labeu  sich 
a.  f.  g.  zQthun  orboithen  und  mir  sng«sagt  Und  domit  es  ge- 
schehe, habe  ich  bey  D.  Tangel  und  dem  eantder^  aUerlej 
QDterbanet»  Torhoffe,  ee  sey  erfolget,  doch  bin  ich  es  nicht  ge* 
iris Ich  habe  aber  solcbs  derentwegen  geratben  nnd  getribeo, 
domit  e.  churt  g.  aber  die  mundtiiche  znsage  eyne  gewisse 
schrillt  hatten,  daranff  sich  mher  zn  Torlassen  nnd  die  yhm 
gegenfhal  desto  besser  zu  gebrauchen  etc.  Als  wir  nhnn  fol- 
gents  den  pfingstmontag  ^  anhero  gegen  Erfurt  kommen,  werde 
ich  yhm  höchsten  vortrauen  bericht,  dals  Illiricus  Tor  wenig 
tagen  alhie  gewesen  und  villeycht  noch  seyn  solt,  daraulT  unter- 
redo  ich  diese  Sachen  mit  den  andenv  e.  churf.  g.  rethen,  Ger- 
marn ^  uiul  Bornstoyn  ^,  und  «fhliosseu  dahin,  dafs  wir  bey  dnm 
rath  such  n  wollen,  llllrirum  gefenglichen  eynzuziehen.  Ata  wir 
auüh  diiiäfd  ding  ahn  den  rath  durch  yhren  gehejmpten  sindicnin 
Johan  Thymen  bringen  lassen,  orbeuthe  sich  eyn  rath  dar/u  gantz 
willig  mit  vormoldung,  dafs  er  aufs  yhren  bildiothereu  bucher 
gestulien,  sie  yhm  auch  sunsteu  als  eyueui  lürbatori  pnblicae 
pacis  feyudt  wheren.  Daraufif  hat  mhan  die  vorgaugenu  nacht 
heymliche  nachforschung  gehabt  nnd  haossnchung  gethan,  es  ist 
aber  eya  rath  für  gewis  berichtet,  daCs  Illiricus  fhr  8  tagen 
etwan  2  stunden  lang  alhie  gewesen  und  aoff  eynem  pfert,  so 
yhm  eyn  both  yhn  des  Anrilabri  *  etwan  hoflt>rediger8  sa  Wey« 
mar  bebaosung  anbracht»  desselbigen  tages  widdemmb  abgeritten 
nnd  es  soll  des  morgents  omb  7  Uhr  der  Superintendent  sn 
Gotha  ^  mit  yhm  biereyn  yhn  die  sthat  gangen  und  kommen 
seyn.  Nachdem  er  dan  dismhals  nicht  antreffen,  er  sich  aber 
itzc  umli  das  landt  zu  Duringen  Tiel  drehet,  haben  wir  mit  dem 
rath  vorlassen,  daf«  sie  yhm  fleyiiug  nachtrachten,  gefenglioh  eyn> 


1)  Der  Hat  Dr.  Lucas  l'angel  und  der  Statthalter  Kberhard  von 
der  Thann;  man  vgl.  Dietel  cit.  S.  84.  Über  L.  Tangers  Schmäh- 
rcdeu  gegeu  Kurfürat  August  zu  Saclisen  haudelt  ein  Faacikel  des 
R.  S.  HauptsfmttsiirihivA  vom  Jahre  lötiS:  III,  76,  fol.  23,  Nr.  34; 
1571  war  er  bestrickt 

2)  Die  bezügliche  Korrespondeui  swiscben  August  und  Johann 
Wilhelm  b(  n.Hlet  sich  b.  d.  augeg.  Akten  (vgl.  BU.  dS9— 831.  885. 
886.  :{44b  -.m.  350.  äöö.  367/Ö). 

3)  19  Mai. 

4)  Hans  Ton  G. 
5}  Hans  von  B. 

Johann  A.;  man  vgl.  über  ihn:  Allgem.  deutsche  Biographie 

1,  691. 

7)  M.  Job.-  Hessenehmidt;  man  Tgl.  Galleti,  Geach  

Gotha  II  (1779),  S.  117. 


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332 


▲NALEKTEN. 


ziehen  und  o.  charf.  g.  aiedau  davon  berichten  sollen.  Also  vipl 
bat  sich  mit  des  UUrici  perschon  zugetragen  und  wie  ich  gleych 
ftugehabt»  solefas  ckvrf.  g.  luiudirejbeD,  tanunet  mir  o.  churf. 
g.  brieff  »nboro  so.  Ob  ab«r  nbmi  dtr  bertiog  omb  Blurici  an* 
koiiffb  wiBSflnsobafk  adder  daTon  ^on  bejmlicbaii  Tontandt  ga- 
babty  daa  kau  ieb  grontlich  nicbt  aehlieaaan»  snndern  sweyffel 
bey  mir  aalbot.  Ob  aaeb  daa  aebrajban  Ton  a.  t  g.  aba  a. 
abart  g.  gaaebeban,  sokba  warden  nbomer  a.  ohnrf.  g.  wiwaii, 
wban  es  nicht  erfolget,  so  wbara  mayn  antardanigat  badancken, 
a.  churf.  g.  betten  forderlich  eyn  schreyben  ahn  a.  f.  g.  gethan 
nnd  kurtzlich  erzelet,  dafs  e.  churf.  g.  yorkommen,  als  solte  sich 
Tllirirug  villeycht  hcymlich  yhn  s.  f.  g.  landon  enthalten«  davon 
8.  f.  g.  anbe  zweyffel  keyne  wissers  *hnfft  betten  nnd  bothen  e. 
churf.  g.,  8.  f.  i-T  wolten  yhm  nachtrucliten  und  zu  haffteii  brin- 
gen lassen.  Ihm  ■,]om\t  wurde  s.  f.  g.  erklernng  und  erbietheu 
rausy«'l  M  ket,  so  konte  es  snnst  auch  znr  fnrcht,  item  ad  ira- 
pediendu  consilia  Illiriciana,  item  ad  (ugHudum  Illiricum  wo  11 
di'»nen,  doch  stelle  ich  es  zu  e.  churf.  gnediirst  und  hocb- 
Yorstendiiir  bedonckou.  So  viel  dan  ferner  über  Illirici  perschon 
die  relligionsvorgleycbnng  anlanget,  derenthalben  habe  ich  mit 
dam  bertzog  Üeyssige  antarradnng  gehabt  und  die  mittel,  davon 
a.  cbnrt  g,  icb  nnterdenigst  tn  6oltba«b  beriebtet  ^  mit  lleya 
getrieben,  aaeb  die  ding  mit  dem  bertaog  aalbet  auff  guete  weg 
gebracht.  Iii  bat  aber  Bberbart  Ton  der  Tban  *  balde  widder 
etwas  dreyn  gaworifini,  daniber  icb  mieb  mit  yhm  alleyn  ybn 
harte  und  emate  rede  eyagelasaen  and  er  soll  anff  got  will  niebt 
viel  schaffen.  Die  andern  reihe  aeynt  alle  widder  ybnen.  Dia 
nniversitet  zu  Jhena  helt  sich  ganz  woll.  Der  herr  wancket  nnd 
hat  ein  anffsehen  nnd  furcht  auff  e.  churf.  g.  Ich  habe  auch 
nhnmpr  t'ot  lob  das  fuTidr?mf>nt  ybn  diesen  Sachen  erfaren,  will 
e.  cburl.  g.  davon  Kf'iii^'ich  bericht  thun  ^,  auch  norh  ph«  ich 
abrf»yse,  ailerloy  vorbuchen,  unterbauen  und  es  alin  kevnt'm  fleys 
maugeln  lassen  und  vormittels  goUicher  gnaden  und  hulff  etwas 

ausrichten  

Dresden.  Theodor  Distel, 


1)  Dies  ist  mündlieb  geseliefaen. 

2)  Vgl.  S.  331  Anm.  1. 

3;  Nämlieb  nach  der  Heimkebr  naob  Dresden. 


DiMk  voft  Ffi«dr.  4s4r.  PMm  la  Gvtk«. 


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Kaiser  Naiinio  IL  ab  Ghristnvcrfol^er« 


Von 

Dr.  pbil.  Franz  Mm» 

ni  DSaeeldoif  . 


Einige  um  die  GeBcbiehte  der  römiaelien  Kaiieneit  Ter^ 
diente  Foncher  rttcken  den  Lnperator  Mudmin  II.  Ihjm 

(reg.  1.  Mai  306  bis  Sommer  313)  in  ein  zu  günstiges  Licht: 
Hunziker^  und  im  Anschlurs  an  diesen  Hermann 
Schiller  ^  überschätzen,  wie  den  Charakter,  so  lut^besondere 
die  Keügionspolitik  jenes  Fürsten.  Jlksterer  nennt  ihn  einen 
^yVorläufer  Julians^'  (&  249),  und  über  sein  lilatiuell 
urteilt  er  (S.  233  f.)  unter  Berufting  anf  Victor  im  epii.. 
c  40 f  ne.  18  (eine  weiter  unten  au  würdigende  Stelle) ,  der 
Kaiaer  sei  zwar  gleich  seinem  Verwandten  Galerins  nnge- 
bildet  und  roh  gewesen,  „aber  eine  kräftige  Natur,  deren 
Scharlsinn  und  Talente  selbst  der  Taumel  der  Leidenschaften 
nicht  abstumpfte "  ^.  Noch  mehr  überschätzt  Schiller  Maxi- 
min's  natürlichen  Verstand  und  Thatkratt:  ,,£r  gleicht  den 
beiden  alten  Emsem  Diocietian  und  Maximian  in  manchen 
Stacken  y  ist  viel  klüger  als  seine  Mitregenten,  Konstantin 


1"^  „Zur  Regierung  und  Christenvorfolpung  des  K.  Diocletiauus 
und  seiner  Naclifol^or  303 — 313"  in  Büdiu^'cr's  Untersuchungen  zur 
romiticbeu  Kaiaergeschiclitc  II  (Leipzig  18GH),  S.  232  f.  248f. 

2)  „Geschichte  der  römischen  Kaiöerzeit",  Bd.  II  (Gotha  1887), 

s.  iu2f.  aaa. 

3)  „Unter  allen  Mitkaisem  imd  Kaehlbigefii  Dieetetiaas  Tsnlt' 
der  Kopf  dss  Maiiminnt  aof  den  Mflnsen  sm  meisten  IntellektDeUe 
BflgaboDg/^ 

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334 


GÖHBESy 


ftuBgeDomiiieii,  aber  roh  und  leidenscfaaftUch  gleich  Herkulias 
und  strenger  Anhfioger'des  alten  Glaubens. Uber  die  Anlagen 
des  Herrschers  urteilt  auch  Bu.rekhardt^  m  gOnstig:  ,,Aiis- 

Rcli weifend ,  abere^Iaubig  über  die  Mafson,  besafs  er  doch 
jene  kühne  EntBcLloseiiheit,  welche  den  Herrscher  so  wesent- 
lich ziert,  und  welche  wohl  dcQ  Gaiehus  zu  seiner  Adoption 
bewogen  hatte.''  Ich  halte  nach  wie  vor*  daran  fest,  dals 
er  eine  der  unt^mpathischsten  Erscheinungen  in  der  ganzen 
JDtaarenreihe  von  nur  mittdmftfsiger  Begabung^  der  blut- 
gierigste und  raffinierteste  aDer  römischen  Christenverfolger 
gewesen  ist,  einen  Decius,  Valerian,  Diocletian,  ja  selbst  den 
Galerius,  zuletzt  wenigstens,  überbietend.  Sehr  richtig  urteilt 
aber  Burckhardt  über  Maxiniin's  Christenverfolgung:  „Wahr- 
scheinlich demoralisierten  sich  die  Veriblger  erst  dann  völlig, 
als  Diocletian  und  sein  Mitherrscher  ihre  Wttrde  niederlegten 
(S0&),  Galerins  neben  Eonstantius  zum  Augustustitel  vor- 
rftckte  und  Severus  und  II aximus  Daja  als  Gftsaren  an  Ihre 
Stelle  traten.  Von  da  an  verwildert  der  Kampf  namentiich 
in  den  Gebieten  des  letzteren  —  dem  Südosten  dos  Reiches  — 
zu  einem  wahren  Vertil^rim^sl^riege,  dessen  iiber  die  Maiden 
scheufsliche  Henkersceneu  dem  Leser  erspart  bleiben  mögen'' 
(S.  304).  Sonst  erscheint  seine  (Maximin's  II.)  Regierung, 
wie  aus  dem  Benehmen  g^gen  die  Christen  hervoigeht,  heralos 
und  tückisch"  (S.  325  f.)  Ich  beabsichtige,  im  Nachfolgen- 
den gegen  Hunziker  zu  zeigen,  dafs  der  Kaiser  Maximin  U. 
kein  Vorlftufer  Jufian's,  vielmehr  der  brutalste  aller  römischen 
Christen  Verfolger  gewesen  ist. 

1)  „Die  Zeit  Kongtuitm's  des  Groiseii'S  2.  Aufl.  (Leipzig  1880), 
S.  325. 

2)  Vgl  meine  Artikel  „CbriBtenverfolgimgeD**,  F,  X.  Kraus 'sehe 
Real-En^klopidie  der  ehristl.  AltertSmer,  Bd.  I,  S.  215—288,  bss. 
S.  282-255  und  „Toleranaedikte**,  ebenda  Bd.  H,  S.  885-901,  bes. 

8.  896-901. 

3i  Mit  bestem  Fug  verwirft  aach  Eck  bei,  D.  N.,  P.  U, 

y^A,  Vni,  p.  53  Maximin's  Charakter:  „Maximinus  poenas  acer- 

bas  sanc,  sod  justas  dcdif  non  solum  vitae  turpissimae,  sed  etiam  in- 
auditae  erudelitatii,  qua  Christianos  atrocius,  qoam  qni  piaeeeMece 
persecutas  eat'* 


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MAX1M12(  Ii.  ALS  CHIUST£NYl::fiFOLQ£R. 


335 


Im  All^emalttar  Charakter  dar  CluistaBvarral^aai; 

Maadmia'fl. 

Infolge  der  Thronentsagung  Diocietian's  und  des  Maxi-  • 
miauus  Hercolitts  (1.  Hai  305)  ward  der  erste  Cäsar  Konstaa* 
tius  erster  AagiistuB,  während  Oalerioa^  der  zweite  G^ftsar,  in  die 
Stelle  (unes  zweiten  Auguetueinrftckte;  zum  ersten  Oäsar  wnrde 
Seyems  ernannt  und  dem  Eonetantine  unterstellt;  zweiter 
Cäsar  wurde  ein  Neffe  des  Galerius,  Maximinus  Daja  oder 
Daza,  welcher  seinem  Oheim  als  Gehilfe  beigegeben  wurde. 
Zum  unmittelbaren  Verwaltungbbezirke  wurde  ihm  die 
orientalische  Diöcese  im  Sinne  der  Provinzialeinteilung 
▼en  c.  297  ühprlassen,  d.  h.  Cilicien,  Syrien,  Ägypten,  Arabia 
Petraea  und  Mesopotamien  K  Diese  Wahl  des  zweiten  Cttsars 
war  entschieden  eine  unglilckliche.  Wie  sein  Oheim  war 
er  dn  Hirtensohn  ans  dem  sogen,  illyrischen  Dreiecke,  ge- 
nauer aus  Neudacien,  ohne  Erziehung  und  BildunL';  uulge- 
wachsen,  aber  es  tehlten  ihm  gänzlich  die  militänödu  n  Ver- 
dienste, welche  bei  so  manchen  der  sogen,  illyrischen  bol- 
dateukaiser,  so  z.  B.  bei  einem  Aurelian  und  Lieinius,  eine 
Art  von  Ersatz  boten  für  die  mangelnde  Bildung;  nreilieh  war 
er  noch  in  jungen  Jahren ;  kein  Wunder  also,  daTs  er,  ehe  man 
ihn  zum  Cäsar  beförderte,  tumultuariscb  die  erforderlichen 
höheren  militärischen  Grade  durchlaufen  mufste Einem 
zügellosen  Sinnengcnusse  huldigend  —  Lactanz  (e.  38)  brand- 
markt ihn  gar  als  „in  omnibas  nuptüs  praegustator'^  — ,  war 


1)  Vgl  ChronacMMi  Kusebii,  ad  a.  Chr.  304,  Fasti  Idatii,  ed. 
Gallandiaa,  T.  X,  ad  a.  Chr.  305,  Eiueb.,  Martyrea  Palacwtinse  e.  18, 
Lactant.,  Mortes  c.  18.  19. 

2)  Vgl.  Aur.  Victor  1.  p  :    ortu  quidem  atque  instituto 

pastorali    und  die  drastischen  Worte  des  Lactanz,  Mortes 

c.  VJ:  Daja  vero  sublatus  nuper  a  pccoribua  et  silvis,  statänri  seutarius 
(-^  gregarius  miles],  contiuuo  protector  [=  stipator  imperatoris',  mox 
tribunus,  postridie  Caesar,  acccpit  orieutem  calcandum  . .  .  quippe  qui 
neque  militiam,  neque  rem  pubUcam  sciret,  jaia  uon  pecorum,  sed  mili- 
tum  pastor".   Wir  können  es  dem  Lactanz  („Mortes"  c.  18.  19) 

22* 


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336 


er  noch  mehr  ein  SUave  semes  knasen  Aherglanbens: 

vom  glühendsten  Fanatismus  für  die  alten  01)^npie^  beseelt, 
betrachtete  er  die  Vernichtung  des  Christentums  als  die 
wichtigste  Au%abe  seiner  Regierung.  In  diesem  wider- 
sinnigen^  weil  unzeitgemäPsen  und  aussichtslosen,  VertilgimgB- 
krieg  vergeudete  er  die  (Kräite  des  Reiches  and  was  er 
selbst  an  natürlichem  Verstsjid  und  Thatkraft  besaft 

Der  allgemeine  Charakter  der  ChristenYerfolgung  Maxi- 
min's  II.  crheUt  am  Anschaulichsten  aus  folgenden  Thesen: 

l)  Der  ungeheure  von  dem  Tyrannen  aulgebotene  Ver- 
folgoDgsapparat  steht  zu  den  Ergebnissen  in  gar  keinem 
Verhältnis.  Die  Ursache  dieser  auf  den  ersten  Blick  auf- 
fallenden Thatsache  liegt  in  dem  Umstand,  dafs  Maximin 
mit  sslnen  blutigen  Christenhetsen  selbst  innerhalb  der 
heidnischen  Welt  &st  gaos  yereinsamt  dastand.  Wie  &ber- 
hanpt  im  Zeitalter  der  systematischen  Ohristenverfol- 
gungen  (249  bis  313)  der  Staat  jiach  0  verbc  c  k's  treffen- 
dem Ausdruck  die  Volkswut  nicht  mehr  zu  darapteii ,  sun- 
dem  zu  schüren  hatte,  so  fand  insbesondere  Maximin's 
Befehdung  der  Kirche  an  der  Gleichgültigkeit  der  heidnischen 
Massen y  auch  der  Gebildeten^  die  sogar  Sympathie  fUr  die 
beklagenswerten  Opfer  empfanden  und  bethfttigten,  einen 
müchtigen  pasdyen  Widerstand;  nur  die  eigennUtsige  heid- 
nische Priesterschaft  und  das  Häuflein  fanatischer  Neupia- 
toniker  vom  Schlage  eines  Hieroldes  scharte  sich  um  das 
Banner  des  brutalen  riutektors  der  Staatsreligion  ^.  Dafs 
der  Maximin-jStairm  aberbaupt  einigen  Erfolg  endeite,  hängt 

wohl  glauben,  dar><  lor  rorignierende  Diocletian  nur  ungern  aaiae 
Zustimmung  zur  Wahl  eines  solchen  Casars  erteilte. 

1)  Vgl  meine  Ausführungen  im  „Philologa«*'  (Bd.  XXXVl, 
S.  filO— 613)  „  Zur  Kritik  der  von  den  beldeu  christlichen  Autoren 

(Lactüntius  und  Ensobius)  entworfenen  Cliarakteristik  des  Kaiser« 
Mfiximiu  IL".  Münzen  dieses  Fürsten  mit  dein  Rever«  ,,Bono  geuio 
imperatoris"  vel  „pii  imperatoris",  „Ilerculi  i:omiti  Caess.  noatr.", 
ffHercali  Victori",  „Jovi  vd  Marti  c<inscrvat  >ri",  ^Soli  invicto  co- 
miti"  bei  Eckhel  (P.  II,  vol.  VIIT,  p.  -rJ  .\ 

2)  Vgl.  meinen  Aufsatz  „Die  angebliclie  Chriateuvcrfoigung  unter 
ClMdhu  U.'S  Zeitschrift  f.  wiss.  Theologie  XXVII  (1834),  S.  37-B4, 
hei*  8*  68~*7B« 


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MAXIMUM  Ii.  AL8  CaUiäTL2<  V£UFOLO£K. 


337 


iediglidi  dmmt  znaaiiimeii,  dab  der  Kaiser  intelligeDt  genug 
war,  trotz  seines  eigenen  Mangels  an  Bildung  die  Neuplato- 
niker  gleich  anfangs  als  BundesgeuosBen  heranzuziehen, 
liieraul  ist  das  Lob,  das  Aureliuä  Victor  dem  Fürsten 
wegen  seiner  Begünstigung  der  gebildeten  Kreise  spendety 
im  wesentlichen  znrückzufllbren  In  diesem  Punkte  war 
MaTimin  glücklicher  als  später  |LidniTM^  der  \m  eeiner  Ualb- 
verfolguiig  der  Eiiehe  dk  BeOiilfe  der  gebÜdeCen  Heiden 
und  zmnal  der  Platoniker  sehmi  aus  dem  €himde  vertehrntthte, 
weü  er  ein  Feind  aller  ;::L.istigcii  BcotrebungLn  war,  und 
erst  im  Jahre  323,  imuiittelbar  vor  dem  entscheidenden 
Feidzug  gegen  Konstantin ,  als  es  bereits  zu  spät  war,  die 
chriatenieiDdlichen  Monotheisten  za  seiner  Verteidigung  auf- 
bot 

2)  Kein  Wunder  also,  dak  die  von  den  heidnischen 
Hassen  nicht  ontersttttate;  ja  indirekt  bekimplle  Haximin- 

Verfolgung  nur  ein  künstliches  Dasein  fristete,  zuweilen  von 
selbst  einschlief  und  nur  mit  Mühe  vom  Tyrannen  und  seinen 
tSohergen  angefacht  wurde. 

3)  Der  Verlaut  der  Maximin- Vertolgung  hat  einen  em- 
pörend brutalen  Charakter;  statt  qualvoller  Hinrichtungen 
tritt  in  den  splUeren  Jahren  häufig  abeohenliehe  Verstümme- 
lung nebst  Verbannung  ui  die  Bergwerke  ein. 

4)  Abgesehen  von  einer  eänragen  unbedeutenden,  ja 
kindischen  Mafsregel,  dciu  Gebot  der  Speisen  weihung,  sind 
für  die  Jahre  305  bis  311  nur  blutige  Veriolgungsakte 
zu  konstatieren;  kein  einziger  erinnert  an  Julian,  den  un> 
blutigen  Bekftmp^sr  der  Kirche  wenigstens  der  Intention 
nach*. 

ö)  Nicht  einmal  in  den  Jahren  811 — 313 1  in  der  Aera 
der  Toleranzedicte,  kann  sieh  Maximin's  Cbiistenhals  be- 


l*)  .  .  .  MnMiniuu-^  oitu  quidein  atque  iustituto  pHätoraii,  Teram 
aap  ie  ii  i  i  8  h  1  nii  (  luus^ue  ac  litteratorum  cuitor. 

2)  Vgl.  Eu».  vitu  Coast  II,  4.  11;  Sozoin.  1,  7;  Aur.  Victor  Caess. 
c.  41,  110.  4,  iuii.  epit.  c.  41,  oo.  ö.  ü  und  meiueu  Artikel  „Cbristen- 
verfolt,'UDgou",  S.  2öO. 

3)  Vgl.  Amm.  Marc.  XXU,  5.  10;  Socrat  bist.  eccl.  III,  12; 
SoBQin.  secl.  Ust  V»  e.  5.  7.  11.  17;  Tbeodorst  HI,  15. 


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338 


OÖRBESi 


ruhigen.  Erst  jetzt,  im  Qedrängc  zwisclieii  den  mächtigen 
verbündeten  Herrschern  Konstantin  und  Licinius,  die  von 
ihm  deu  Beitiitt  zu  ihier  christenireundiicheu  Politik  heificheo, 
und  aeinom  sügeilosen  Fanatignms,  der  den  Anhängern  JeBa 
kdne  onTerkUrzte  Duldung  su  gönnen  Tennagy  versteig^  er 
sich  zu  einigen  ehiiBtenfdndlicben  Akten,  die  etwas  an  die 
Art  Julians  erinnern,  daneben  auch  jetzt  noch  nicht  ganz 
Blatscenen  verschmähend. 

Diese  Thesen  sollen  durch  die  jetzt  folgende  Darstellung 
nur  erhärtet  und  näher  hegriindet  werden. 


2m  Masimitt  II.  als  swellar  Ciaar  waMmt  dmm  BMur 
prlaata  d«i  Xmätaall««  md  dl«  ChrislMk 

(1.  Mai  305  bis  25.  Juli  ;i06.) 

1)  Der  edle  Konstantius,  der  schon  in  seiuer  immerhin 
abhängigeu  Stellung  als  erster  Cäsar  seine  christlichen  Unter- 
thanen  in  QalUen  und  Britannien  thunlichst  vor  den  Blut* 
edikten  der  August!  heschütat  hatte ,  trat  im  Besita  dtf 
Beichsregiments  als  der  Beschützer  der  gesamten  Christenheit 
auf.  Er  Hefa  im  ganzen  Abendland  (nicht  etwa  blofs  in 
den  ihm  persönlich  unterstellten  Provinzen  Britauuien,  Graliien 
und  Spanien)  I  sondern  auch  in  ItaUen  und  Atrika,  die  dio* 
cletianischen  Verfolgungsreskripte  im  Verwaltungswege  gäuC- 
lieh  aulser  Kraft  treten  \  Übrigens  wurde  die  Verfolgung 
aucli  nach  dem  baldigen  Tode  des  vortreft liehen  Fürsten  im 
gesamten  Abendlande  nicht  mehr  aufgenommen. 

2)  Minder  erfolgreich  waren  Konstantins'  aui  Tolerana 
gerichtete  Bestrebungen  im  Orient  Oalerius,  der  auf  seine 
Augustuswftrde  pochte  ^  liefe  gar  keine  Milderung  eintreten^ 
^tzte  vielmehr  die  Verfolgung  mit  vc3r doppeltem  Eifer  Ibrt  -. 

Maximin  dagegen  trug  trotz  seines  Fanatismus  in  seiner 
abhängigen  Stellung  als  swetter  Cäsar  den  menschenlreund- 


1)  £u8  mart.  Pal.  c.  13;  Uunziker  S.  207  f. 

2)  S.  i^t.  Mortes  c  21. 


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tf  AXUtUi  U.  AU»  CUE1STEN\*£RF0LQ£K. 


339 


liehen  Wünschen  des  ersten  Augustus  wenigstens  bo  weit 
Rechnung,  dai's  er  das  schneidige  vierte  Edikt  von  304, 
welches  den  unmittelbaren  Opferzwaog  über  alle 
Cluifttexi  verhängte,  suspendierte  ^ 

Dm  war  freilich  ein  geringes  Zugeständnia;  denn 
die  noch  su  Recht  beeteheoden  froheren  Edikte,  welche 
über  alle  ÜbeneugungBlreuen  GfarieteDi  auch  die  Laaeo,  den 
bürgerlichen  Tod*,  also  mittelbaren  Opferzwang,  verfUgten 
Luid  den  direkten  Opierzwaug  gegen  die  ücibtliciien,  BLiciiöle 
Bowold  wie  Priester,  aussprachen,  garantierten  die  Fortdauer 
einer  noch  immer  lurchtbaren  aystematisclien  Verfolgung. 
Aber  kaum  ein  volles  Jahr  später,  noch  bei  Lebzeiten  des 
Konstantiiu^  iin  f'rühjabr  306|  wahracbeinlich  im  Min,  im- 
mittelbar  vw  dem  Martyiiitm  dea  Apphianua,  weLchea  am 
3.  April  Btattfimdy  efneoerte  M^^imw  daa  Qebot  aUgemeinea 
direkten  Oplerzwanges 

Dafs  es  wäiireiid  der  c.  10  Monate  der  Suspension  des 
Blutediktes  (Sommer  305  bis  März  306)  trotz  des  Fortbestehens 
der  Dekrete  von  303  nach  Eusebius  last  zu  gar  keinem 
Martyrium  im  Reichsgebiete  des  Maximin  gekommen  ist  —  im 
palärtiiienaieehen  Glaarea  gab  es  damals  gar  kein  Martyrium, 
anderswo,  in  Ägypten  nnd  PbiSniiien,  kam  es  nur  au  ver* 
einaeiten  Glaubenskämpfen  —  erklttrt  sich  nur  aus  dem 


1)  S.  Ens.  mart.  P$i,  c.  4  nad  Himsiken  im  neaeatUebea  rieh* 
tige  DeiBtong,  S.  906f. 

S)  leb  kaiiD  btf  disMr  Qelegaiheit  nieht  antaiaMen,  au  be- 
oierkan,  dafs  ich  diese  Annahme  über  den  Inhalt  des  ersten  Ediktes, 
walehe  in  dieser  oder  jener  Fassung  freiUch  alle  Forscher  teilen,  Ar 
unrichtig  halte.  Es  ist  Dioclctian  nicht  in  den  Sinn  gekommen,  in 
abenteuerlicher  Weise  über  alle  Chiisten  „den  bürgerlichen  Tod^'  zu 
Terbängen.  Das  erste  Edikt  hat  es,  abgesehen  von  dem  R^'fehl,  die 
Elirchen  zu  zerstören,  die  heilif^en  Bücher  dor  Christen  zu  Terbrenuen, 
und  dem  etwaigen  Verbot  ihnr  \'»  rsamiiilutii^Mjn,  überhaupt  nicht  mit 
der  Christenheit  insgesamt  zu  thun,  sondern  uuäschlieralicb  mit  zwei 
RlsAseu  von  Christen:  den  christUchen  Staatsbeamten  und  den  christ- 
lichen Hofleuten.  Hierfür  lälst  sich  ein  zwingender  Beweis  erbringen. 

Brieger. 

3)  Etts.  mart.  PiU.  c.  4. 


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340 


QUERES, 


pOMivn  Widmtuid  der  heWniacJKin  Mmnh  gegen  die  Fort* 


Der  kuMrliebe  Fanatiker,  der  sich  aehoii  bei  Lebaeüea 

des  Konstantiiis  in  seinem  Verhalten  gegen  die  Christen 
jeder  Rucksii  lit  auf  den  ersten  Augustus  entschlug,  behan- 
delte die  Anhänger  Jef>ü  nach  dem  zu  frühen  Tode  des 
wackeren  Herrechere  (36.  Juli  306)  und  voilends  seit  der 
Steigerung  seiner  eigenen  Autoritftt  —  noch  306,  wahreehem- 
lieh  lu  finde  des  Jähret,  ernannte  ihn  Qalerina  aom  enten 
OBaar,  und  epftter,  wahrMÜmüich  308,  jeden&lla  nach  der 
im  Kovembor  907  erfolgten  B^rdenixig  des  Lieimiis  aar 
AugUötuswüixle,  ertrutzte  er  von  seinem  Oheim  die  Erueanung 
zum  Imperator  und  Anc^nstns  *  —  immer  brutaler  und  rück- 
sichtaloaer.  UnmiUeibar  nach  der  Erneuerung  des  Blut- 
odikts  von  304  erlitt^  wie  schon  erwähnt  wurde;  ein  gewisser 
Apphianns  am  8.  Apni  806  au  CÜaarea  in  PalftstinA  daa 
Martyrium.  Dieter  jogendliche^  kaom  20)ilhrige  ESftrer  hat 
ttbrigens  seine  qualvolle  Hinrichtung  durch  unvorsichtiget 
Demonstrieren  und  ö£fentliche  Beleidigung  des  Statthalters 


1)  Hunziker  S.  20H  meint,  Maximiii  hätte  erst  nach  dem 
Tode  des  Konstantius  das  famose  vierte  Edikt  wieder  aufleben  lassen, 
so  dafs  Agapins,  der  am  20.  November  806  hin^icbtet  wurde,  so 
ziemlich  das  erste  Opfer  dieser  gesteigerten  Verfolgung  gewonieu  sei 
(Tgl.  V.m  M  P.  (V  (1),  und  ich  selbst  habe  diwer  Ch]X)uolog:ie  an- 
fänglich zugestimmt  (s.  meinen  Aufsatz  „Die  KeligionspoHtik  des 
K.  Konstantius  I.'*,  Zeitschrift  für  Wissenschaft!.  Theologie  XXXI 
{1888],  S.  72—93).  Aber  ein  erneutes  sorgfaltiges  Studium  von  Kus. 
M.  P.  c.  4  zwingt  mich,  die  iiestitution  des  vierten  Ediktes  für  den 
Orient  schon  luif  das  Frühjahr        zu  datieren. 

S)  S.  LACt  Hortes  c.  82  [Hauptstelle:  sUtt  „Maxentius**  ift 
„UaximiBus**  SU  lewn!]  und  alles  Nihste  bei  Sekhel,  O. 
P.  n»  vol.  YUI,  p.  62f.  und  Hunsiker  8.  288  und  Amn.  2  da- 
selbst 


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UAXIMil«  II.  ALS  CiUUtiTJs^VEKFOLQ£U. 


341 


LrbaiiUbj  deii  er  Leim  Opferakt  störte,  provoziert  ^;  es  stand 
eben  im  Orient  den  fanatischen  Herrschern  (Galerius  und 
Maximin  II.)  eine  vieliacb  gleich  tauatiache  cbhfitUche  Be* 
vdikerung  gegenüber. 

Eiam  der  mton  Opfer  von  Maaumm'd  VerfolgaiigiWBt 
Dach  KoDBtMitiiifl^  Ableben  war  der  gletdi&lls  aobon  genamite 
Agapiusy  der  am  80.  November  306  im  palletmennaofaeni 
Cäsarea  das  Martyrium  erlitt  Das  Schicksal  dieses  Blut- 
zeugen zeigt  deutlich  den  brutalen  l'ünaübmub  des  Baiiem- 
suhiieb.  Anläfslich  seineö  Geburtäta^es  veranstÄltet«-  der 
Kaiser  iestliche  Spiele  im  Amphitheater  ^.  Einem  heidnischen 
Sklaven,  der  seinen  Herrn  ermordet  hatte  und  deshalb  sum 
Tode  im  Amphitheater  Terorteilt  war^  gewährte  er  unbedingte 
Begnadigung.  Dam  abemngongafiBaten  Christen  Agapiua 
dagegen ;  dessen  einziges  Verbrechen  sein  Glaube  war,  ver^ 
weigerte  er  bedingungslose  Amnestie  uucl  zwaiig  ihn,  in  seinor 
Gegenwart  mit  den  Bestien  zu  „kämpfen"^! 

Zwei  Jahi^e  lang  hatte  diese  gesteigerte  Verfolgung 
einen  wahrhaft  fnrohtbaren  Charakter,  zahlreiche  Christa 
wurden  auf  graoiame  Weise  hingerichtet  \  Seit  308  fristete 
aber  die  Maximin-Verf  olgung  nur  noch  künstlich  ihr  Dasein. 
Alle  Welt  war  des  sweekksen  Gemetsela  satt;  anch  die 
heidnische  Bevölkerung  murrte  laut  Uber  die,  gegen  eine 
zahlreiche  Klasse  von  iiiitbürgeru  verübten,  Brutalitäten  es 
ist  also  nicht  autfalleud,  dals  die  Vertolgung,  wenn  auch 
vom  Tyrannen  und  seinen  Schergen  auis  eitrigste  angetiacht 
und  unterhalten,  von  Zeit  su  Zeit  immer  wieder  von  selbst 
einschlief';  ja  das  gesetdiche  Morden  war  auch  im  Orient 

1)  8.  Ens.  M.  P.  c.  4. 

2)  Gewöhnlich  feierten  die  föimachen  Kaiser,  wsnigstsiui  der 
Bpäteren  Zeit,  uk-ht  ihren  Geburtstag,  sondern  ihren  togsn.  „dies  na- 
talis  iraperii^,  d.  b.  den  Jahrestag  ihrer  Befördemng  zur  Kaiser- 

würde  ;vgl.  z.  B.  deu  „Genethliacus  Claudii  Mamertini  Maximiano 
Aug.  dictus*^  {Id  Kapitel,  Panegyrici  veteres,  edit  Bipont.,  vol.  II, 
p.  249-280). 

3)  S.  Eus.  M.  P.  c.  6. 

4)  Vgl.  Eus  hist.  eca  VUI,  14;  M.  P.  c.  4-0;  v.  C.  I,  58. 

5)  Eus.  M.  P.  c.  9. 

6)  Eus.  M.  P.  c.  9.  la. 


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342 


sehon  leit  805  yöltig  unpopuUir  K   SellMt  Maximin  fing  an, 

ßich  der  zahlreichen  Hinrichtungen,  die  das  Reich  zu  ent- 
völkern drohten,  zu  scliiiinen;  statt  aber  das  Beispiel  seiner 
abendländischen  Kollegen  nachzualinieu,  ersah  er  sich  einen 
Ausweg,  der  des  brutalen  Herrschiers  würdig  war.  Seit 
d08  untenagte  er  die  HiDrichtuiigeQ  der  Chriateik,  dagegen 
▼entrteüte  er  ab  sa  einem  äulaerBt  qnahroUen  Daaein.  In 
den  Jahren  308 — dll  wurden  auf  Befehl  MazImin'B  Hunderte 
von  Chriaten  des  rechten  Aoges  beraubt  und  an  den  FüAen 
verstümmelt;  in  ditsem  elenden  Zaatande  murüten  sie  daim 
in  den  Bt  i  Lnverken  Cilicieub,  Cyperns,  Syriens  und  Ägyptens 
schwere  iTrondienste  leisten^  und  diese  empörenden  Grau- 
eamkeiten,  deren  Opfer  sogar  Frauen  und  Kinder  wurden, 
wagte  der  Tyrann  als  Ausflufe  kaiserlicher  Milde  und 
Cbade  au  beaeichnen'.  Das  VentttmmeluDgsedikt  achlols 
aber  ein  gelegentliches  Zurückgicifoi  auf  förmliche  Hin- 
richtungen nicht  aus.  Noch  im  Jahre  310  raffte  sich  der 
Tyrann  zu  einem  besonders  wuchtigen  Schlage  gegen  die 
ihm  so  verhafsten  Anh&nger  Jesu  aui';  damals  liefs  er  näm- 
lich zu  Gaza  in  Palästina  den  Bischof  Silvanas  nebst  38 
Gefährten  auf  einmal  enthaupten*. 

Nach  £nB.  M.  P.  c  8  hat  MaTimiti  etwa  gleichseitig 
mit  dem  VerstUnunelungsedikt  das  allgemeine  Gebot  der 
Speisenwdhung  erfassen,  d.  h.  auf  die  HSrkte  sollten  nur 
solche  Speisen  gebracht  werden,  die  irgendwie  mit  den 
heidnischen  Opfern  ui  Berührung  gebracht  waren,  z.  B. 
LibationBwein,  mit  Opferwein  besprengtes  Fleisch  u.  s.  w.  IIuu- 
aiker  ^  äusfert  dieser  Naolyicht  gegenüber  keinerlei  kritische 
Bedenken,  viehnehr  nimmt  er,  gestütat  auf  die  acta  s.  Theo- 
doti  Ancyrani  marlyris,  an,  Galerins  hätte  für  seinen  Reicha- 
anteil  daa  gleiche  Reskript  erlassen.  Nun  verbietet  uns 
Maximin^s  zügelloser  Fanatismus  freilich,  ein  derartiges  wider- 


1)  Eu8.  M.  P.  c.  4, 

2)  S.  Lact.  c.  36;  Eus.  Ii.  e.  VIII,  12;  M.  P.  c.  8— U.  13; 
Sosom.  hist  eccl.  I,  10. 

3)  Vgl.  Eofl.  h.  e.  Vm,  IS;  K.  P.  c  U. 

4)  S.  S88f. 


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MAXIMUM  U*  ALS  CHHlÖTEMVEUFOLGEft. 


343 


ßuiiiigco,  ja  kindisches  Edikt  von  vuinherein  als  ungeschicht- 
lich aufzufassen.  Ich  möchte  indes  anneiimen,  Eusebius  habe 
da»  Lact,  mortes  c.  37  erwähnte  partielle,  d.  h.  auf  die 
Insassen  des  kaiserlichen  Palastes  bezw.  auf  die  kaiserlicheil 
GSste  im  syiischea  Antiochia  beschriUikte^  Qebot  der  Speise- 
wohe  ^  aafgebausclit;  Euseb  hat  ja  unzweifelhaft  die, ,  Mor- 
les'' benutzt  und  naehweislieh  wenigstens  in  der  „Kirchen- 
geschichte" luehrlucli  eiiizeiiiü  Notizen  daraus  rheturisch  er- 
weitert, mit  überti'eibenden  Zusätzen  versehen*. 


4.  IH«»lMiB  «ad  das  ChHaio&tam  wlhrMid  dor  Aar» 
dar  Toloraassasataai  la  daa  Jaluraa  3U*-313. 

Der  Kaiser  Ualerius  hatte  lauge  Zeit  mit  seinem  Letten 
in  blutiger  Befehdimg  der  Kirche  gewetteifert  —  sowohl 
das  partieUe  £dikt  der  Speisenweihe  als  auch  das  grausame 
VefstfUnmelungsreskript  hat  man  wohl  mit  Hunaiker '  auf 
gemeinsame  Initiative  beider  Herrseher  zurQckzufÜhren  — , 
aber  später  wird  der  Oheim  vom  Neffen  in  christenfeind- 
lichen Akten  ü bei  boten.  In  dem  Reichöanteil  des  Oalerius  läfst 
sich  in  der  That  schon  einige  Zeit  vor  dem  ersten  Toleranz- 
edikt von  811,  zum  mindesten  seit  310,  ein  Ermatten  des 
Kampfes  konstatieren.  Dies  folgt  nicht  nur,  wie  schon 
Th.  Keim*  richtig  gesehen  hat,  aus  Lact  c.  36,  sondern 


1)  „Et hoc primiis  iovenent,  ut  aoinialia  omnia»  quibos  vmcebator, 
non  a  eoquis,  sed  a  tsieerdotibas  sd  aiai  uninolaieDtnr,  nihOque 
pronna  mensae  appoueretur,  aisi  ant  delibatiun,  ant  aaecificatom  aut 
perfasnm  mero ;  at  qoisqob  sd  ooenam  vocatus  snet,  iaqubiatos  inde 
atqne  imparns  esiret.^ 

3)  Sw  Antoniades*  übersengende  Aigumentation,  Kaiser  Lioiniiis 
(Hüncben  4884),  |  l.  Lsetsntint  nod  Eiuebiiu,  S.  6^13. 

3)  S.  233f. 

4)  Rom.  Toleranzedikte,  Tl»eol.  Jahrb.  Xi  ^^52),  S.  2ü»f. 


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344 


auch  aus  dem  Uniitandy  ddk  das  aohreoUiohe  SiechtaiDy  dem 

Galeiius  schliefalich  erlag,  ein  Tolles  Jahr  dauerte  ^ 

Endlich  nach  aclitjahrigem  heifsein  lÜDgeii  erhielt  die 
Christenheit  von  der  Staatsgewalt  und  dem  morahsciieii  Ur- 
beber des  ganzen  blutigen  ELrieges  selber  die  glänzende,  aber 
wohlverdiente  Anerkennang,  daie  das  biaberige  Morden  ein 
aweddoeee,  ja  sogar  sweekwidngea  war.  Qaierias  hob  auf 
dem  Todbette  durch  dae  Toleranaedikt  vom  Frfthjahr  311 
die  Verfolgung  auf  and  bewilligte  der  Kirche  die  Rechte 
einer  religio  licitn ;  er  gestattete  den  Christen,  „  wieder  Christen 
zu  beiu"  und  sich  kirchliche  Versamnihnii^sliciuser  zu  bauen. 
Diese  Toleranz  wurde  aber  an  lästige  Bedingungen  2!:eknüpft ; 
sie  sind  im  allgemeinen  angedeutet  durch  die  Worte,  die 
Anbftnger  Jesu  eoliian  nichts  wider  die  öffentliche  Ordnung 
unternehmen  (y^ita  nt  ne  quid  contra  disctplinam  agant'^  und 
waren  jedenfalls  im  einaeben  namhaft  gemacht  in  der  in 
nnaerem  Religiunsgesetz  selber  verbeifBenen  Instruktion  an 
die  Richter  Die  Motive  dieses  spaten  kaiserlichen  Wider- 
rufes, den  man  ohne  Grund  häutig  als  einen  Akt  der  Reue 
eines  von  Gottes  Hand  schwer  getroäBenen  sterbenden  Sünders 
an^efafst  hat,  sind  nicht  recht  klar,  wahrscheinlich  wollte 
er  auf  den  bevorstehenden  Regiemngswechflel  das  Reich 
schon  jetst  beruhigen ''^ 

GaleriuB  starb  bald  nachher ^  aber  Konstantin,  der  Be- 
herrscher von  Gallien^  Spanien  und  ijiitannien,  und  Liciniuö, 


1)  S.  Lact.  c.  33. 

2)  Vgl.  Lact.,  Mortes  c.  34.  35,  der  den  latdmaeben  Originaltext 
des  ToIeranzedikteB  giebt,  mit  der  nicht  ganz  genauen  griechischen 
Übertragung  bei  Euseb.  h.  e.  VIII,  17;  s.  auch  Ens.  M.  P.  c.  13, 
vita  Const.  I ,  T)!,  Auon.  Valcs.  §  8  ad  calcem  Amin.  Marc.  vol.  II, 
ed.  Garilt  hausen.  —  Auf  dus  ifn  Galerius'selicn  Dokrote  von  311 
vcrheifscnc  (.sj)ätt'r  verloren  gcgaugene)  private  kaiserlielie  Rund- 
BchroibtMi  mi  die  Richter  b^chriinkt  sich  das  anf^ebliche  (zweite) 
Toltr.iiizt'dikt  von  üiJ  s.  Anton  iaii  es,  Kaiser  Liciuiuü,  S.  79—81 
nebüt  Adolf  Hilgeufeld'»  Krgäwxuugeii ,  Anzeige  dieser  Schrift 
in  Zeitschrift  filr  wissenschaftliche  Theologie  XXVIII  [188f)J ,  S.  508 
bis  612).  Sehr  förderlieb  bandelt  Ad.  Hilgcufeld  a.  a.  0.  S.  509f. 
Uber  das  Toleisiiaedikt  von  811. 

8)  Haniiker,  8.  S87. 


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HAXIHIN  IL  ALS  CBRIflTKNVBHFOLGBB.  345 


dar  jetet  über  lU^en  im  weitesten  Siime^  über  alle  Lander 
swiBchen  der  Adria  und  dem  AgäSachen  Meere  gebot  \  die 
M itontetzeichner  des  DekreteB,  bewiesen  sich  ak  loyale  Erben 

dea  Galerius'schen  Testamentes  in  Ansehung  der  Christen. 
Während  also  die  beiden  occidentalischen  Monarchen  das 
Duidungsdekret  von  Sardica-Js ikoniedien  vollstreckten,  konnte 
sich  Maximin  II.  noch  immer  nicht  eotschliefsen,  offen  und 
ehrlich;  wie  es  die  gänzlich  veränderte  Zeitströmung  ge- 
bieterisch erheischte,  mit  dem  bisher  so  bitter  bekämpften 
Ghristontom  Frieden  su  machen.  Da  anch  er  es,  an&ngs 
wenigstens,  jfHr  bedenklich  hielt,  das  Dreikaiseredikt  yoU- 
ständig  zu  ignorieren,  aber  doch  anderseits  sich  freie  Hand 
ftlr  die  Zukuntl  behalten  wollte,  so  erteilte  er  seinem  Pra- 
toriaiprätckten  Sabinus  den  blols  mündlichen  Auitrag,  das 
Aufhören  der  Verfolgung  zu  veranlassen,  übrigens  stimmte 
diese  Instruktion  vollständig  mit  jenem  Edikt  überein.  Es 
ediien  jetst  ein  Zeitpunkt  der  Rohe  für  die  schwer  geprüfte 
orientalische  Kirche  einautreten.  Zahlrdche  Christen  worden 
aus  den  Gefangnissen  und  den  Bergwerken  entlassen  und 
ihrem  Benife  wiedergegeben.  Aber  nac  li  l<;uun  sechs  Monaten 
Wulste  der  alte  Christcnteind;  der  seit  deai  Tode  des  Galerius 
auch  über  ganz  Kleinasien  gebot  ^|  die  Verfolgung,  wenn 
auch  in  anderer  FonUi  zu  erneuern.  Von  ihm  selbst  heim- 
lich angestiftete  Gesandtschaften  einiger  treoheidmscher 
Städte,  namentlich  der  Bestdenzen  Nikomedien  und  Anti* 
ochien,  ersnchten  den  Kaiser  um  die  Erlaubnis,  den  Bau 
christiiclier  Gotteshauser  zu  verhindern ,  ja  die  Anhänger 
Jesu  selber  auszuweisen.  Gern  bewilligte  der  Imperator  den 
guten  Leuten  seinen  eigenen  Herzenswunsch.  Daneben  aber 
war  er  jetzt  bemüht,  vom  Gegner  zu  lernen;  um  die  heid- 
nisdie  Pnesterschafi  durch  Machahmung  christlicher  Ein- 
fiditnngen  zu  heben  und  eine  hierarchische  Ordnung  zu  be- 
gründen,  ernannte  er  in  jeder  Froyinz,  ja  in  jeder  Stadt  an- 
gesehene Männer  zu  Oberpriestem  und  bewilligte  ihnen  Ab- 
zeichen ihres  Hanges.    Ferner  veranlafste  Maximin,  da& 


1)  8.  Leet  c.  85.  86;  Zodm.  II,  11. 

2)  Laet.  e.  86.  36;  Zosim.  II,  11. 


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346 


QÖBRESy 


apokryphe  Schmähschriiten  auf  Christus,  die  tsogen.  acta 
Jesa  et  Pilati»  in  den  Schulen  verbreitet  wurden.  £ndlich 
wurden  auf  kaiaerliche  Koeten  in  den  erwähnten  treuheid- 
nischen  Städten  eherne  Gedenktafehi  enichtet^  welche  die 
Einwohner  oh  ihrer  Frömmigkeit  helohten  Diese  Ver- 
lülgungsakte  haben  allerdings  eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit 
Julian's  Mafsnahmen  gegen  die  (^hris^tenhcit  dürfen  aber 
nicht  überscliätzt  werden.  Denn  emmai  entschloia  sich  Maxi- 
min  zu  einem  derartigen  Vorgehen  erst,  als  es  zu  spät  war, 
teilweise  im  Widerspruch  mit  der  Ton  ihm  selbst  bewilUgten 
Duldung,  und  dann  wurden  diese  unblutigen  Verfolgnngsakte 
begleitet  von  brutalen  Gewaltmafsregeln.  Er  untersagte  die 
Zusammenkünfte  der  Christen  in  den  Cömeterien  ^,  griff  auf 
sein  berüchtigtes  Verstinnraelungsgebot  zurück,  ja  verschurite 
es  sogar:  die  ('hristen  bollten  nicht  mehr  hingerichtet,  aber 
grausam  verBtümmelt  werden  K 


1)  Vgl.  Laet.  c.  36;  Ens.  h.  e.  IX,  e.  9,  1.  2.  5—9  und  Hud- 
siker,  S.  248f. 

2)  Julian  der  Apostat  machte  bekanntlich  den  gänzlich  verfehlten 
Versuch,  den  mehr  und  mehr  absterbenden  Baum  des  Heidentums 
durch  Aufpfropfen  der  diesem  heterogenen,  spezifisch  christlichen  In- 
stitute der  Bufsdisziplin ,  dos  regelmäfsigen  Gebetes,  des  Kloster- 
wesens, der  Annen-  uikI  Kiaakeupflege  zu  verjüngen;  s.  z.  B.  Julian's 
Schreiben  au  den  galatischen  Götzenpriestcr  Arsacios  bei  Sozom. 
V,  15.  16  und  das  Nähere  bei  Schiller  U,  332ff. 

3)  Eus.  h.  e.  L  IX,  c.  9. 

4)  Lact.,  Morles  c.  3G:  „Nam  cum  clemeniiam  »pecie  tenus  pro- 
fiteretur,occidi  servosDd  vetait,  debilitari  iussit  Ita  confessoribus 
effbdiebantar  oenli,  amputahantnr  mums,  p^les  detnmcabBntar,  nares 
▼el  anricolae  dMeeabaatar.*'  Nach  Ens.  b.  e.  IX,  c.  9,  6  ist  m 
gleichwohl  in  dieser  Terfolgungsepoebe  im  Betefae  Mazimin*»  so  ver- 
einaelten  MJartyrlen  gekommeo.  Honsiker  (S.348)  und  Schiller 
(II,  198)  acoeptieren  unbedeoUich  dieee  Nctis  des  Biechoft  von  Cft- 
larea.  Ich  möchte  aber  den  Berieht  der  „Morlet'^  voniehen,  der 
nur  tod  grausamen  Ventümmehingea  »pricht.  Mau  daxf  der  Der» 
steUong  des  Lactanz  um  so  eher  folgen,  als  auch  hiernach  die 
Lege  der  orientalischen  Christen  damals  schrecklich  genug  war;  ent- 
scheidend ist  hier  vor  allem  der  Umstand,  dafs  Lactanz  (ygl.  s.  B. 
c.  37.  38.  49.  50)  gegen  Maximin  genau  denselben  glähenden  Hab 
hegt,  wie  Ettsebios. 


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MAXIMIN  II.  ALS  CIIiUSTENYEKFOLGER. 


347 


Die  verbündeten  Kaiser  Konstantin  nnd  Liemins  äber- 
sandten  hn  Sommer  313  dem  orientalischen  Tyrannen  das 

Edikt  von  Jll  mit  dem  gemessenen  Ersuchen,  demselben 
endlich  mit  seiner  Unterschrift  beizutreten.  Da  Maximin  es 
niclit  wagte,  den  Unwillen  der  verbündeten  Imperatoren 
ZOT  Unzeit  zu  reuseii|  so  veretand  er  sich  wider ^\'illig  znr 
Veröfientlichnng  eines  mit  dem  Galerius'schen  Heiigicmsge- 
sets  im  wesentlichen  übereinstimmenden  Reskriptes,  worin 
er  jede  Bellstigung  der  Anhänger  Jesn  verbot,  ohne  ihnen 
indes  die  Erlaubnis  zu  erteilen,  Kirchen  zu  bauen  oder 
auch  nur  irgendwie  ihren  (iutttödienst  feierlich  zu  begehen 

Wenn  wir  dem  Lactanz  (c.  37)  glauben  dürfen,  so  hätte 
der  ÜMoatische  Fürst  auch  dieses  Mal,  d.  b.  in  der  Zeit  vom 
Sommer  312  bisFr&hjahr  313;  sich  den  Christen  gegenüber 
wortbrQohig  geneigt  und  manche  derselben,  die  znftUig  in 
seine  Gewalt  gerieten,  heimlich  ins  Meer  werfen  lassend 
Allein  diese  Notia  läTst  sich  nicht  ganz  historisch  verwerten. 
Denn  einmal  scheint  hier  der  religiöse  Fanatismus  des.  Auturs 
wieder  einmal  den  Sieg  über  seine  Wahrheitsliebe  davon- 
getragen zu  haben.  An  derselben  Stelle  macht  er  in  mafs- 
loeer  Erbitterung  dem  Heiden  Maximin  sogar  den  Vorwurf, 
er  habe  nach  wie  vor  tSglich  in  seinem  Palaste  den  GNitcen 
geopfert  ^  Der  Kaiser  war  doch  gewifs  berechtigt,  persön- 
lich seine  Religion  ansaaflben;  em  solcher  Privatgötzendienst 
hatte  doch  mit  der  den  Christen  bewilligten  Toleranz  gar 


1)  Mit  Fug  betont  Hilgenfeld  ;i.  a.  0.  S.  510 ff.  gegenüber 
Antoniades,  daTs  die  beiden  Religionsedikte  Maximin's  II.  mit 
ihrer  kümmerlichen  Toleranz  inhaltlich  vollständig   mit   dem  Ga- 

lerins'sehon  Dekret  von  311  nnd  der  damit  zusammenhäugenden  In- 
struktion an  die  Richter  sich  decken,  und  dafs  beide  Maximin-Dekrete 
deu  Jaliren  311  und  :>12,  nicht  erst,  wie  der  neuheUeuischc  Forscher 
im  Widerspruch  mit  dem  historischen  Kontext  meint,  dem  Jahre  313 
an^,'e)ioren.  —  Vgl  Eo».  h.  e.  IX,  c.  9,  12.  16;  IX,  c  10;  Lact 
c.  37. 

2)  „Haec  ille  (Maximiuuä)  molieus  Coustautini  litteria  deterretur. 
DissimulaTit  ergo.  £t  tarnen  si  quis  inciderat,  man  ooeoHe 
mergebator.^ 

3)  „Consoetadinem  quoquc  niam  oon  iotemiiriti  nt  in  palaHo  per 
smgnkM  dies  •aeiificaretiir.*' 


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348 


GÖBRE8, 


oicbtii  m.  ÜkxaL  Sodami  W€ifs  Sosebrasi  der  es  docb  walir- 

licb  im  grimmigen  Hafib  gegen  den  Christenlemd 

mit  Lactopg  aninelmien  kann  und  die     Hortes gelesen 

bezw.  benutzt  hat,  für  312/313  nichts  über  Verletzungen  des 
Tolcranzedikts  von  311  durch  den  orientalischen  T;)Tannen 
zu  berichten.  Er  beschwert  sich  ^  blofs  darüber  ,  dais 
Maximin's  Edikt  den  Christen  so  wenig  bot;  aufserdem  teilt 
Euiebins  mitt  die  Gbristen  hätten  ee  in  Anbetraeht  der  frülier 
bewiesenen  Perfidie  des  Kaisers  nicht  recht  gewagt,  von 
der  erhaltenen  Vergünstigung  ausgiebigen  Gebraoch  zu 
machen Was  Eusebius  sonst  für  312/318  an  dem  Impe- 
rator aiiszasetzen  hat,  ist  rein  politischer  Natur  Diese  An- 
klai:;en  beziehen  sich  aut  Maxiniin's  übermütiges  Gebahren 
gegen  die  ^fgottg:eliebten^^  Reichsgenosseu  Konstautin  und 
Licinius  und  auf  die  frevelhaüe  Art  und  Weise,  mit  der  er 
spftter  die  Staaten  des  letateren  mitten  im  Frieden  mit  be- 
wafiheter  Macht  tiberfiel 

Während  die  streng  kirchlich  gesinnten  Scfariftstdler 
Baronius^  und  Tillemont^  dem  letzten  Regierungsjahre 
Maxiniin \s  keine  Märtyrer  zuweisen,  verficht  der  vorurteils- 
freie Kritiker  Samuel  B  a  s  n  a  g  e  ^  auts  lebhafteste  die 
Behauptung;  dals  jener  Moiuurch  sich  auch  damals  mit 
Ciiristenblut  befleckt  hat  Basnage  beruft  sich  aunttcbst 
auf  Lact  c  87,  also  auf  «ne  Stelle,  der,  wie  ich  soeben 
gezeigt  habe,  kerne  Tolle  Beweiskraft  innewohnt  Sodann 
meint  er,  die  erlauchten  Blutseugen,  Bischof  Süvanus  von 
(jaza  nebst  seinen  38  Gefährten,  ferner  die  beiden  ägyp- 
tischen Bischöfe  Peleus  und  Nilus,  ein  Presbyter  Unge- 
wissen Namens,  endlich  ein  gewisser  Patermuthius  seieu  im 


1)  Eus.  h.  e.  1.  LX,  c.  l',  13. 

\l)iva flatus  aifwoO  yvotf^rjg  &nMi"  ttrX. 

8)  Eos.  h.  e.  IZ,  e.  10. 

4)  Ann.  eoel.  T.  m  (Venetüs  1707),  p.  84. 

5}  HuL  des  emperenis  tomakti,  T*  IV,  p.  140.  115. 

6)  Aiuud.  Ipoliüeo'eeelss.,  T.  II,  p.  689,  §  ZXVI;  p.  648, 
§IX. 


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IIAZIMIN  U.  ALS  OHBIfiTBNVBRFOLOBR.  849 


Jahre  313  der  «weiten  Wortbrüchigkeit  Maximin's  gegen 
die  GliriateD  snm  Opier  geÜBÜfliL  Alleiii  diese  Annahme  ist 
nnhaltlMur;  Beenage  geht  nftmlich  von  der  irrigen  Voratu- 

Setzung  aus,  als  zähle  Kueebius  die  Jahre  der  diocletiauiBchen 
Verfolgung  nicht  aciiou  von  303  an,  sondern  rechne  erst 
das  Jahr  306 1  in  welchem  Maximin  zum  Cftear  befördert 
wwde,  aie  erstes  Verfolgnngsjahr.  Wemi  er  also  die  in 
Rede  steheDden  Martyrien  im  Jahre  813  als  im  achten 
Verfolgungsjahre  stattfinden  läfst,  so  müssen  wir  dieselben 
bereits  dem  Jahre  310  zuweisen,  also  der  Zeit  vor  dem 
Qaleriua'schen  Toleranzedikt,  wo  Maximin  noch  nicht  ge- 
nöt^  war,  seiner  hafserfüllten  Gtesinnong  gegen  die  Christen 
Zwang  an&ulegen  ^. 

Ein  gewisser  historischer  Kern  liegt  aber  gleichwohl  der 
Notiz  des  Lactauz  (c.  37  )  zug^runde  auch  im  Jahre  31*2/13 
fehlte  es  im  Keiche  des  orientalischen  Tyrannen  nicht  ganz 
«a  Märtjrreni;  dies  beweist  xum  Mindesten  das  tragisehe 
Schicksal  dea  Be8idenabischo&  Anthimus  yon  Nicomedia. 
Zwar  nennt  ihn  Eusebius*  unter  den  ersten,  dem  Jahre 
303  anf^ehörenden  Diocletian  -  Blutzeugen ,  aber  Hunziker 
hat  überzeugend  dargethan,  dals  jener  Heilige  erst  am 
3.  September  812  das  Martyrium  erlitten  hat^  Auch  die 
antiochemschen  MSrtyrer,  der  Presbyter  Lncianusi  der  Lehrer 
des  Arius,  und  PetmSy  wurden  wahrscheinlidi  im  Spätherbst 
312  hinereri eiltet  \ 

iSach  Beendigung  des  Maxentius-Feldzuges  erschien  zu 
Aniang  313  das  von  den  kaiserlichen  Schwägern  Konstantin, 
der  nunmehr  auch  über  Italien  und  Afrika  gebot»  und 
lidniuB  untemeiehnete  Tolerana-  und  Freiheitsedikt  von 


1)  8.  wegm  der  Detsik  oben  8.  840-343  und  meiae  Aasfitti- 
TUBgai  im  PhiloiogiM,  Bd.  XZXYl,  Heft  4,  8.  608f. 

S)  VgL  sa  den  jetst  folgenden  Untenoekniigea  Th.  Brieger, 
Z«  £iMefaiiiB  Hirt.  eed.  VIU,  Zeittehxift  für  Klnshengewkiehte  lU, 
anitl  8.  686fl  689£ 

3)  b.  0.  YHI,  6.  18. 

4}  Eikiazs  IV,  &  SSl-'SSS;  ehronol.  TsbeUe,  8.  284. 
5)  8.  Ens.  h.  e.  IZ,  e.  6*  8  and  Hansiker  a.  a.  0.,  sumal 
8.  383. 

Miähr.  1  E,-e.  II»  t.  38 


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350 


GÖRKES, 


Mailandy  durch  welches  die  staatliche  Anerkennung  des 
ChristeotuniB  aU  religio  licita  bis  zur   völligen  Gleich- 
berechtigung mit  dem  Heidentum,  der  bisherigen  Staats* 
religion,  erweitert  wurde       Selbstverständlich  trat  das  Mai- 
länder Reli^^ions£i^eRetz  sofort  in  den  ausf^cdehnton  Gebieten 
der  beiden  Impcratoreu,  d.  h.  in  den  weiten  Ländern  zwisciiea 
dem  Atlantischen  Ozean  und  dem  Agäischen  Meer,  in  Wirk- 
aamkeit.  Zwar  unternahm  Maximin  noch  den  Versuch,  durch 
Besiegung  des  Licinus  weni<;stcn8  fUr  den  gesamten  Orient 
eine   Reaktion  des  Heidentums  und   die  Emeuernng  der 
blutigen  Christen  Verfolgung  zu  erzwingen;  aber  der  Engel 
des  Lidbuns^  dessen  politisches  Interesse  es  damals  noch  er- 
heischte, die  Holle  einee  Christas-  und  christenfrenndlicfaen 
Monotheisten  zu  spielen,  siegte  Aber  die  Olympier  des  orien- 
talischen Despoten. 

„In  dem  Traume  des  Licniiu:?  und  dem  Gelübde  des 
Maximinns  *  giebt  uns  Lactantius  ein  in  konkrete  Gestalt  ge> 
brachtes  Bild  der  von  beiden  HeeriUhrera  repriaentterten  Be* 
ligionaprinzipien^'  *.  Nachdem  nftmtich  der  Neflfe  des  ChJerius 
im  Frühjahr  313  in  schamloser  Verletzung  der  Verti  ii^  * 
das  Gebiet  seines  ^Sachbars  Licinius  mit  bcwaflfneter  Macht 
überiallen  hatte,  wurde  er  am  30.  April  von  dem  rasch  zur 
Verteidigung  herbeigeeilten  Gegner  zwischen  Adrianopel  und 
Perinih  (Heradea)  im  südlichen  Thrakien  besiegt  und  zur 
Flucht  in  das  Innere  seines  Reiches,  nach  Kappadocien,  ge- 
zwungen ^.    Bald  nachher  hielt  Licinius  seinen  Einzug  in 


1)  Lact  c.  48  und  Eos.  b.  e.  X,  e.  5  geben  den  Wortlaut  dkm 
Dekretes. 

2)  Lact.  c.  46:  „Tum  (d.  u  vor  der  entacheidflDden  Schlacht  ge- 
gen Liein!]  Maxhntons  ejnamodi  votom  Jori  Tovit»  ut  n  ▼ictorisBi 
eepisset«  christianorain  oomen  eitugueret,  fonditnaque  dderet** 

3)  Honziker,  S.  2ö0,  Anin.  1. 

4)  dU  hatten  Mazimin  und  Licin  anläMeh  des  Galeiiaa*scb8a 
Beiehagebietes  sich  anfangs  feindlich  gegenfiber  gestanden,  dann  aber 
FViode  und  Freundschaft  geschlossen  (Lact.  c.  36.  37;  Zosim.  U,  11). 

5)  S  Lact.  c.  46-48;  Eas.  h.  e.  UC,  c  10,  2—4;  t.  C.  I,  58; 
Zoi.  II,  17;  Eutrop.  X,  4  [3];  Victor  seo.,  Gasas.  41,  Kr.  1;  Aooo.  VaL 
e.  6^  S  13i  Gros.  adv.  pag.  VU,  28. 


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HAXIMIN  II.  ALS  CURl&TKNV£BFOLG£K. 


351 


Nicomedien  und  liefs  dort  sofort,  schon  am  13.  Juni,  das 
Mailänder  Freiheitaedikt  auch  itir  die  iStaaten  Maximm's 
pubiisieren  K 

Der  Schwager  Koiwtantm'e  aetste  nanmehr  seinen  Sieges^ 

lauf  fort,  und  bald  sah  sich  der  be-u  rrte  orientalische  Au^u.stus 
genötigt,  auch  Kappadocien  zu  räumen  und  sich  nach  1  arsus 
in  Ciiicien  zurückzuzieiien.  Der  gedemütigte  Fürst  hoSie, 
▼OD  Ägypten  ans  mit  neuen  Streitkräften  den  mehr  als 
sweüelhafien  Kampf  wieder  aufnehmen  zu  können.  Darum 
suchte  er  vor  allem  in  den  noch  unter  seiner  Botmäfsigkeit 
stehenden  Provinzen ,  Syrien ,  Ägypten  und  Mesopotamien, 
die  zalilreichen  Christen  zu  versöhnen  und  erlieliä,  der  bitteren 
Notwendigkeit  nachgebend^  ein  umfassendes  unzweideutiges 
Tolsranz'  und  Freiheitsedikt,  dessen  Inhalt  vollkommen  den 
Bestimmungen  des  ReUgionsgesetzes  von  Mailand-Nicomedien 
entsprach.  Aber  diese  späte  Fürsorge  liir  die  so  lanc^c  mifa- 
bandeiten  Anhänger  Jesu  vermochte  den  gänzlichen  bturz 
seiner  Herrschailt  nicht  mehr  aufsuhalten.  Schon  bereitete 
nch  eine  neue  Schlacht  zwischen  seinen  rasch  zusammen- 
gewürfelten Truppen  und  dem  siegreichen  Heere  des  Gegners 
vor.  Da  erlag  Maxnuin  ganz  kurze  Zeit  nach  VcrötYcnt- 
lichuDg  seines  Toieranzediktes  einer  plötzlichen  ELrankheit  *. 
Eine  seltsame  Ironie  des  Schicksals  liegt  in  dem  Umstand, 
dals  dieser  raffinierteste  ailw  Christenverfdger,  dessen  folge- 
richtigem Fanatismus  es  allein  zuzuschreihen  ist,  da(s  man 
von  einem  z  e  h  uJiülrj^en  Dio(  Irtian-lSturm  sprechen  darf  ^,  da- 
mit endigen  murste,  in  knuscheuder  ohnmächtiger  Wut  das 
Freiheitsedikt  von  Mailand  einfach  zu  kopieren!  Sein 
Tod  gab  den  gesamten  römischen  Orient,  Kleinaaien,  Syrien, 
Mssopotamien  und  Ägypten,  in  die  Gewalt  des  Idcinius,  und 
das  Mailänder  Keligionsgesetz  galt  jetzt,  auf  einige  Jahre 


1)  Vgl.  Lact.  c.  48. 

2)  Vgl.  Lact.  c.  49;  Ens.  h.  e.  IX,  c.  10,  2—4;  v.  C.  I,  58.  59; 
Rafin.  h.  e.  IX,  c.  10,  Hieron.  Chron.,  ed.  Migne,  p.  585 f.;  Oro«., 
Zoflim.,  Eutrop.  1.  c,  Victor  sen.  c.  41,  1;  Victor  iun.  c.  40,  8. 

ä)  S.  Lact.  c.  48;  £iu.  h.  e.  VIII,  o.  15;  Sulp.  Sev.  chnmie.  II, 
c.d2,  4. 

.    23  ♦ 


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352        GOKKEä,  MAXmm  II  ALS  CHIUbXivK  VEHi>  OI^EK. 


wenigstens  S  in  der  gesamten  römischen  Welt,  in  dem  un- 
geheuren Gebiete  vom  Atlantischen  Ozean  bis  zum  Tigris, 
unverkürzt.  I^eider  entehrte  der  nunmehrip:e  Allemhen-scher 
des  römischen  (Jätens  seinen  Sieg  durch  blutige  Akte  des 
gemeinsten  Willkürregimentes;  er  rottete  die  Djmaatieen 
Maximin'By  Severus  und  selbst  seiner  Wohithftter  Diedetian  und 
Galerias  Tollstindig  aus  und  verschonte  weder  Frauen  noch 
unschuldige  Kinder ohne  au  bedenken,  daft  er  durch 
solche  Greuelscenen  nur  einem  Gewaltigeren  die  Wege  ebnete 
zur  Aiicinherrschaft  und  vollständigen  Emanzipation  Jes 
Chri.stentuma.  Ein  Jahrzehnt  später  „unterlaj^,  mit  Voltaire 
zu  sprechen,  der  Engel  des  Licinius  dem  Kreuze  Konstaniin's.** 


1)  Bis  zum  Bogina  der  L i  c i  u  i  a n  i sc  hen  Halbverfolguüg:  „Die 
ersten  Spuren  (derselbeu  zeigen  sich  IH^i,  der  volle  Ausbruch  erat 
321"  (,H.  Ad.  Ililgeufeld,  Auzcii^e  meiner  Schrift  „Liciuiao. 
Christiiuvcrfolgung *\  Jena  1875,  ia  der  Zeitschrift  für  Wissenschaft!. 
Theologie  XIX  [187i>j,  [S.  159 — 167j,  S.  lül;  Anzeige  de»  ueugriechi- 
Bchen  Licinius,  a.  a.  0.  S.  512). 

3}  S.  Em.  b.  e.  IX,  c.  11,  7.  8;  Leet.  e.  50.  51. 


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Tertttllian  Voo  ii«ui  KraDze\ 

Von 

£•  Noeldeehen. 

Seit  Mosheim  die  „Parther''  und  Ähnliches  zur  ßestim- 
innng  der  Hchutzschrift  verwandt  hat,  i>t  die  Synopse  von 
Daten  der  Welti^eschichte  fortschreitend  geübt  worden.  Auch 
jetzt  liegt  darin  das  Heil   Die  blofse  Operation  mit  den 


1)  Die  bislicrige  Untieherlittt  über  das  Datum  der  Rranasehrjft 
iit  eme  sehr  erbebUcbe.  Am  frfibesten  setst  sie  wohl  unter  den 
Neueren  Keim  an  (Kleine  Scbriften  S.  195),  weleber,  die  Kranz- 
verweigermig  in  den  Orient  naeb  Ktetipbon  verlegend  (!)»  in  den 
eiironologiieben  IVagen,  die  TertnlUnn  betreffen,  ttberbanpt  wenig 
gß^eb  geweeen  itt  Kesselt  (TertnlL  ed.  Oebler  III,  670)  geht 
bis20Lbemiter,  GSrrea  —  annSebst  mttderdnrehaasYersebwistertea 
Flnebtechiift  —  Ytk  gegen  das  Ende  Serer's,  Kellner  (s.  Bon- 
wetseb,  Die  Sebriften  TertnUian's,  S.  67)  gelangt  bis  211,  wfthiend 
Tillemont  vor  Zeiten,  vielldebft  wegen  gewisser  sehr  eigenartiger 
Zage  (scriptnras  eoiigrare),  gar  bis  236  bemnterging.  Diese  Arbeit 
trifft  in  ihrem  Ergebnis  mit  Kellner  susammen,  gebt  aber  inbesng 
anf  die  BegrOndeng  gans  ihre  «dgenen  Wege.  —  Das  soriptiiras 
emigrare  anlangend,  was  schlechterdings  bedeutet :  die  b.  Schriften 
in  Sieherbeit  bringen,  sei  hier  gleich  noch  bemerkt,  dab  allerdings 
dieser  gans  eigentOmVche  Zug  der  Sitnation  des  „Kraases**  auch 
seinerseits  weit  von  der  Sehntasebrift  hhiwegweist.  Vgl.  apeleg.  31 
iJL*  235)  literaa  nostras,  qnaa  neque  ipsi  siqpprlmfmos  et  pleriqne 
easas  ad  eatraneol  transfernnt.  Damit  TgL  de  eor.  1  (l,  418)  nee 
dnbito  qaosdam  scriptoras  emigrare«  sarcina«  expedire,  fngae  accingi 
de  eintate  in  civitatem.  Din  von  Oebler  (Note)  gegebene  Erlftute- 
rang  »  andere  haben  nichts  Besseres  —  Ist  dem  Znsammenhange 
gegenfiber  einfach  nngehenerlich. 


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d54 


HOELDEßBEK, 


Thatsaciien  des  maercn  Werdens  des  Autors  k&nn  bei  der 
flüssigen  Art  solchen  Innenlebens  nicht  ausreichen.  Eine 
Menge  ron  Fragen  tttnnen  aioh  ohne  entscheidende  Antvrort. 
hi  die  Entmckelung  folgerecht  oder  giebt  es  Sprünge  beim 
Autor V  Sc h wogler  sah  „wilde  Widersprüche*'  bei  dem  Clin- 
sten  des  Südens.  Münter  u.  a.  klagten  über  seinen  Mangel 
an  Urteil;  den  Uberschufs  von  GMächtnis  gegenüber  der  klaren 
JSrwügimg.  Wären  diese  Klagen  im  Hecht ,  wie  soll  man 
aus  gährendem  Meer  den  Kotnpals  selber  herausfischen,  der 
von  Ufer  zu  Ufer  geleitet,  von  den  Anfängen  inneren  Wer- 
dens zu  dessen  iotztcin  Ergebnis?  ilaii  wird  jenen  Kompais 
am  besten  schon  vor  der  Ausfahrt  besorgen.  Ja  auch  vor- 
ausgesetzt selber:  jene  nüchterne  späte  Kritik,  von  modernen 
Standpunkten  ausgehend^  und  namentlich  ratlos  zunächst 
über  das  wirkliche  Werden  des  AJten,  und  mehr  oder  min- 
der geneigt,  den  Mann  en  gros  zu  bebandeln,  hat  die  W^ild- 
heit  des  Widerspruchs  aufgebauscht,  in  einem  Atem  ihn 
gleichsam  Ja  und  Nein  sagen  hörend,  statt  Ja  und  Nein  za 
verteilen  auf  die  Jahre,  denen  es  zukommt:  vorausgeeetii^ 
dafs  man's  zu  Üiun  hat  mit  dnem  begreiflichen  Fort* 
schritt,  mit  konsequenter  Entwickelung:  waren  die  ein- 
zelneu Fragen  \  die  ihm  die  Zeitläufte  auidrängten,  immer 

I)  Dafs  es  sieh  hier  nicht  um  die  Ahiehnnng  solcher  inneren  K^itü^ 
son<icni  wm  deren  notwendige  Ergänzung  handelt,  wird  alsbald  danm 
erbf  Heu,  dafs  wir  (S.  3(i2ff.)  diese  den  Autor  bewegenden  „Fragen*' 
auch  <  lironologisch  EU  verwerten  suchen.  Man  könnte  in  der  Ueibe 
der  daselbst  erörterten  Gesichtspunkte  den  des  tertuUian.  Schrift- 
gebrauchs verminst  n  Tu  der  RUrze  behandele  ich  dcnsclbt  n  in 
Tf  rtullian  und  Sankt  Paul",  Zeitschrift  für  Wissenschaft  1.  llieologie 
XXIX,  4,  S.  47t<ti'.  Kine  Geschichte  diofecs  .Schriftgebniuchs ,  die 
alleio  unseren  chronologischen  Zweck  fordom  könnte,  ist  insofent 
schwer  thualicb,  als  Schwcgler's  Behauptung  Tom  Widerspruch  hier, 
wenn  irgendwo,  recht  Ijohält.  In  einem  Atem  verlangt  er  den  FtJus 
für  wirkliche  Bräuche  ohne  jegliches  Schriftgeheifs  (bekanntlich  der 
sogenannte  korrektive  Schriftgebrmuch)  (de  oorooa  ö.  3)  and  zieht  den 
Schriftzügel  straffest:  At  enim  scriptum  est,  ut  corouemnr?  . . .  Immo 
prohibetur  quod  non  ultro  est  pennissum  (c.  2).  Dennoch  ist  selbst 
hier  wahrzunehmen,  dafs  ad  ux.  [I,  3  (1,672):  quod  permittitur  bonum 
non  est],  und  ezhorUt.  cast.  [c.  3  (I,  740.  742)  ex  indnlgaitia  est 


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TEBTULLIAK  VOK  DKH  KRANZE. 


355 


gleichmftfidg  iauglicbi  cUb  iimefe  Werden  des  Mannes  als 
ein  Gansee  zu  spiegeln,  konnte  nicht  die  Tagesaufgabe  Ge- 
danken und  Leidensehaft  stauen,  ihnen  seitweise  Ruhe  ge- 
bieten^ und  etwa  dem  icrtigcii  i'hryger  irenische  l\)ne  ein- 
geben, zumal  er  im  Kampf  mit  der  Gnosis  der  Gruisen 
Kirche  verwandt  blieb?  Dazu  kommen  die  mancherlei 
Zweifel  über  die  Geschichte  des  Phiygertoms,  die  hier  als 
ehronohigischer  Faden  die  SchrülenfbJge  erschheisen  soll 
Erst  gans  am  Schlois,  das  ist  sicher,  der  Lehenstsge  des 
Schriftstellers,  ertönt  das  grobe  Anathema  über  die  iana- 
üsehen  Phryger,  ihre  monoframische  Strenge,  über  ihr  „teuf- 
lisches" FaaLeii,  bebciiiiuibi  man  lerne  in  Asia  auch  die 
Triuitarier - Phryger  so  von  der  Groiskirche  abzutrennen, 
dai's  auch  ihre  Taufe  nicht  gelten  soll,  ihnen  das  Abc  des 
Christentums  damit  absprechend.  Was  war  der  modos  vi- 
vendi «wischen  Kirche  und  Sekte  vor  diesem  späten  Er- 
eignis, vor  dieser  entscheidenden  Kündigung?  Tertollian 
steht  im  Verkehr,  als  jQnger  des  Parakleten,  mit  Mitgtiedem 
der  Grofskirche,  und  kann,  ohne  gerade  die  „  W'eissajrimg " 
dem  Bruder  Fabius  aufzudrängen,  iim  zu  einem  praktiachen 

*  * 

Kbenniais  mit  seinen  Phrygem  bestimmen  wollen.  „Uber- 
tritt zu  den  Phrygem  mufs  wohl  einen  verschiedenen  Sinn 
haben  vor  und  nach  jener  KOndigong.  Die  Frage  ist 
mindestens  offen,  ob  vor  derselben  das  Phrygertom,  und 
namentlich  jenes  des  Westens,  nicht  mehr  eine  bekämpfte 
„Richtung''  als  getrennte  Sekte  gewesen  ist.  Jene  letzte 
Entledigung  nämlich,  die  im  dritten  Jaiirzuiinte  erst  ^  statt- 
findet, würde  des  Sinnes  crmangeln,  wenn  schon  längst  das 
laute  Anathema,  Deceunieu  irüher,  ergangen  wäre.  So  giebt 
es  erweisHch  £ntwiokelung  innerhalb  des  phrygischen  Stand* 
orts  des  afrikanischen  Lehrers,  und  ehe  diese  erkannt  itt, 
wird  das  blofse*  Schema  von  Schriften  orthodoxer  und 


qnodennque  permittitar  ....  non  tsm  bo&wn  est  quam  genus  sasli 
iaferioris]  sich  gleichsam  um  die  KransBehrift  henrndageni,  die  wie-, 
denim  selbst  gwritiert  naeh  dem  formell  noch  stiaffiBTSn:  nflgst 
leriptura  quod  non  Dotat.  de  monog.  4  (ly  766). 

1)  Nämlich  der  -1.  Jahrhunderts. 

2)  Wenn  ich  im  foigcoden  von  diesem  Schssoa  mSglichst  absehe 


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366 


KOSLDBCBBKy 


phrygiaeber  Färbung  um  bo  weniger  auaUmgeo^  die  Schrifkeih 
settfolge  auasumaohen.    Mit  Becht  neht  man  weiter  ndi 

um  nach  festen  einzelnen  Daten,  die,  zeitgeschicbtiieh  ge* 
sichert,  uns  erst  in  den  Stand  setzen  können,  die  gesamte 
wirkliche  Qeneais  des  Schi'iitenkoinplexes  festzustellen. 

Von  grofser  Wichtigkeit  ist  die  richtige  Legung  de» 
Endpunktes  der  fragtichen  SchrifUtellerarbeit  DdlÜnger  nb 
wohl  zuerst,  dafe  sonSobst  die  Sdirift  von  der  Einehe  ent 
nach  220  (Süt  Andere  haben  den  „Praxeas"  von  jenem 
Irrtume  losgemacht,  aU  gehöre  er  schon  in  die  Anlange; 
ich  flelber  rückte  ihn  weiter  an  das  Ende  des  sweiten  Jahr- 
zehnts, in  die  Käbe  des  „Scbwanengesanges^'i  und  sdiob 
auch  die  Schrift  von  der  Kenschbdt  in  dieee  sp&teste  Qmppe. 
Das  irrige  Geizen  mit  Jaliren,  eine  Engbrüstigkeit  der  Ent- 
wickelung  ohne  jeden  Anlais  erdichtend,  ist  hoffentlich  dä- 
mit  abgethan,  und  melur  als  swei  volle  Jahrzehnte  sind  den 
„wilden  Widerspruch ausgemacht  befaufs  seiner  vollen  Eit- 
&]tung.  Vom  rechtgläubigen  Wider  die  Juden*',  vom 
ortliüdoxen  „Gebet'"'  und  TauiC  bis  zu  den  asketischen 
Orgien  der  letzten  Schrift  von  dem  Fasten  öffnet  sich  nun 
eine  Laufbahn,  die  von  Mitte  der  neunziger  Jahre  des 
endenden  2.  Jahrhunderts  bis  cur  Mitte  des  3.  Jahrzehnts 
des  3.  Jahrhunderts  sieb  ausdebni 

Hier  gilt  es  die  Kranzschrift.  Sie  lehnt  sich  aufs  deut- 
hchste  iin  an  ein  Donativ  mehrerer  Kaiser  und  rückt  damit 
ireiüch  zuvörderst  unter  198  herunter.    Eine  ganze  Keihe 


und  konkreter  su  vetiUifeii  suche,  die  Einselftsgen  der  tertaMlsnisehea 
Eatwiekeliuig  dturohgehend,  to  wird  dsnit  lüekt  geleugnet,  daft  der 
MHoataaiimiis"  trotz  gemwer  noch  austteheader  letster  Sehrolfheiteii 
(phryefaiei  ete.)  bereit«  in  ishr  wichtigen  Nttaneea  aicli  kondgidit. 
Widitig,  wenn  auch  immer  aoeh  die  sektenmärsige  Ausseheidimg 
des  Sdueibenden  bewoiiend,  sind  s.  B.  durehsas  die  .»pasloies 
eorum**  c.  1.  Wichtig  ist  anch  jene  echt  „montsniitisehe**  Frage: 
sa  noD  pntas  omni  6deli  üoere  eoneipers  et  constitoere«  domteiat 
qaod  deo  eongniat,  qaod  diseiplinse  condncat,  quod  ssluti  profidat? 
c.  4  (I,  485).  Vgl.  das  Spätere:  sed  ubi  tres,  eeeleita  est,  licet  Isid 
(de  exhcrt  esst  7  I,  748  oben;  nnd  damit  de  fuga  14:  eit  tibi  et  ia 
tribas  eeclesia). 


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TEfiTULUAN  VON  DEM  KRA2<ZJ£. 


357 


Yon  Jahren,  in  denen  solche  Oeldverwilligungen  an  die 
Trappen  erfolgt  sind,  kann  an  sich  in  Betracht  kommen 
ein  unverkennbarer  UbelstHud,  die  Fülle  stört  statt  zu 
fördern.  Um  zur  Sicherheit  zu  geLingen,  wird  die  Zeit  jenes 
DonativB  zunächst  in  den  Hintergrund  treten.  Statt  desaes 
wird  sich  empfehlen,  die  Zeit-  mit  der  Ortsfrage  hier  kom- 
biniert  zu  behaoddn. 

Der  Ort  ist  yerachieden  bestinunt  worden.  Der  Orient 
Rom  und  Karthago  sind  als  Ort  oder  Gegend  bezeichnet 
wo  nicht  sowohl  die  Schritt  von  dem  Kranze  als  vielmehr 
die  Scheiikuog  der  Kaiser  an  die  Truppen  bewirkt  ward, 
und  jener  störrige  Christ  die  Lorbeer  kröne  verweigerte. 
Sämtliches  ist  unmöglich.  Der  Osten  scheidet  von  selbst  awL 
Wäre  ans  der  Feme  die  Konde  nach  Afrikas  Korden  ge- 
dnmgeD;  so  wire  in  der  Thai  nnbegreiflidiy  wie  so  kohn  gesagt 
werden  konnte:  der  Tapfere  erwarte  nunmehr  die  Schen- 
kung Christi  im  Kerker  Ehe  eine  Nachricht  vom  Osten 
zum  feiTien  Karthago  gedrungen  war,  konnte  der  Krieger 
wohl  tausendmal  aus  seinem  Kerker  entlassen  oder  mit  dem 
Tode  bestraft  sein.  Aber  auch  gegen  Rom  erl^ebt  sich  ein 
entocheidender  Einwand.  Würde  bei  dem  regen  Verkehr, 
der  Norden  und  Sttden  verband,  allenfalls  jener  vorige  Ein- 
sprach hier  snm  Schweigen  m  bringen  sein,  so  aeugt  da> 
wider  nnzweifelhaft  die  ESrregnng  der  Gemttter  ^  in  Afrika, 
die  sicli  soturt  dieses  V^orialls  als  eines  nahen  bemächtigte  ^. 


1)  208,       204,  906»  211.  8.  Bonwetseh,  Die  Sehriften  Ter- 

toUian'B  S.  67. 

2)  Gibboa:  Born  oder  Karthago.  Keim  gsr:  der  Orient. 

3)  Bon  watsch  S.  68  macht  dies  gegen  Rom  geltend. 

4)  In  Bezog  auf  die  SolennitUt  des  Vorgangs  und  nur  in- 
bezug  auf  diese  läfst  sich  im  allgemeinen  vergleichen  das  Schauspiel 
des  sein  Pf»^rd  nnd  danach  sich  sflhcr  trii«  nden  einzi^^en  Prätorianers 
(nach  der  erniedrigenden  Entwaffnung  der  Truppe  im  Jahre  193) 
Dio  74,  I. 

b)  Man  kann  mit  ziemlicher  Sicherheit  das  Gerede  im  Lager, 
von  dem  der  Schriftsteller  nur  durch  Berichte  verständigt  ist  (c.  1, 
namentlich  his  zu  den  Worten  plane  snperest  Oehl.  I,  417)  von  den 
in  Karthago  sich  fortsetzenden  Debatten  (e.  2.  OiU.  I,  419:  qnale 
est  autem  etc.)  nnterscbeidea. 


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358 


MOBLDBCHEN, 


Auch  dab  der  Vorfall  „im  Lager'',  in  i^einem  Lager''  sich 
sntrog,  weiil  mu  deutlich  von  Born  weg;  denn  ob  auch 
^daa  Lager''  scUechthm  daa  praetoriBche  Lager  beaeielmet^ 
ao  doch  eben  nur  da,  wo  der  Staadpiinkt  des  Schreibenden 

selber  die  Vieldeutigkeit  ausschlofa,  d.  i.  wenn  li  in  liura 
»eine  Feder  rührt  dafs  der  „  Kranz *^  in  Karthai^o  geschrie- 
ben ward,  ist  aber  von  niemand  bezweifelt  wurden.  End- 
lich ein  karthagiBches  Lagei*  kann  unm(igiich  gemeint  sein; 
denn  hier  existierte  kein  Lager';  gams  an  geachweigen  dea 
anderen,  daia  die  malende  Schilderung  desaen,  waa  loeben 
geechehen,  eine  gewisse  Feme  des  Vorgangs  von  dem  Ort 
des  Schreibenden  anzeigt. 

Immerhin  in  Afrika  sind  wir.  Der  „hUföliche  Späher- 
atiefel"  ^  wird  nur  hier  einen  Sinn  haben.  Auch  welches 
Lager  gemeint  sei,  iBt  nicht  wohl  zu  bezweifeln.  Wenngieich 
die  Stationen  der  Römer  in  langem  Gürtel  sich  hinaogeo, 
om  im  Süden  des  Aures  der  Barbaren  sich  an  erwehren  ^ 
ao  ist  doch  ..daa Laser'^  ein  Tmninnsi  der  in  AMka  l^l^^wo 
haty  und  Lamhaesis  ist  au  verstehen;  wo  die  Legio  tertia 
lag.  Hatte  schon  Mark  Aurel  die  hier  angesiedelten  rö- 
mischen Bürger  (161^ — 166)  zu  einer  Gemeinde  vereinigt,  so 
erlüeit  das  Dorf  erst  Stadtrecht  im  Jahre  207.  Scptizonium, 
Thermen  und  Tempel  hatten  die  Legionäre  dort  aufgeführt. 
Eine  forumartige  Anlage  vor  dem  hauptsächlichsten  Tempel 
aeigte  die  gltoaenden  Standbilder  vieler  X^egionslegaten.  208 

1)  VgL  die  Stellen  bei  Oeorgea  i.  t.  eistia. 

2)  In  Ksrthsgp  stand  nur  eine  In  jülirliehsm  Weohaei  dem  Pio- 
koDsnl  zur  YeifSgang  goHtdlte  Rohorte.  Vgl  den  TagesbefoU  Hadnaa*s 
in  der  Inaehiift  von  LambacBis  Renier  n.  5  B.  cohon  abeet,  qnod 
emoibus  annls  pervices  in  officium  pr(ocon)Buli8  mittittir.  S.  auch  Mar- 
qvardt,  Staatsrerwalt.  I,  309.  Uber  die  mit  Lambaesii  identischen 
Oaatra,  von  denen  die  Milliarien  die  Entfernungen  in  Afrika  niafiseo, 
s.  Jung,  Die  roman.  Laudschaftcu  dr-s  römischen  Reichs,  S.  il8. 

3)  Speeulatoriam  morosiiwimam  de  p^dibu»  ub»olvit  e.  1  (1«  416)  i 
m  den  speculatores  vgl.  Spanbem.  Num.  S.  233  ff. 

4)  Vgl.  das  borgum  speotilatorum  Anto(ni]iianorum)  aus  der  Zeit 
dcH  Caracalla  in  einer  der  Oasen  siidwirts  von  Lsmbaesis  bei  Benier 
1647}  Tgl.  Jung  &,  97. 


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TKE'i  ULLiAK  VOÜ  i>l!;M  ILKAHZE. 


359 


eriiielt  Lambaesis  sein  Kapituiium  ^,  das  wohl  wie  in  Kom 
usd  anderwärts  mit  deu  Tempelu  von  Jupiter ^  Juno  und 
Minerva  geecbm&ckt  war*. 

Der  guiae  GMohtskreb  der  Kranmchrift  ist,  «ucb  den 
Späher''*  beiseite,  durch  und  durch  afnkaniscL  Nicht 
dafö  nicht  hier  wie  sonst  das  theoretische  Au^  nach  Rom, 
DAch  KtrurieD,  Argos  *  und  wohin  sonst  nocli  Liuüberschielty 
aber  9  wo  dies  geschieht ,  geschieht  es  mit  Vermerk  dieBer 
Ortlichkeiten.  Wo  dieeer  Hinweis  gebrieht,  da  ruht  auch 
das  Auge  auf  Afinka.  Er  kommt  auf  die  Jahresgelflbde^ 
die  am  1.  und  8.  des  Januar  dem  Staat  und  dem  Kaiser 
zu  leisten  sind  xxm  zu  zeigen  ^  auch  dabei  wie  sonst  gelte 
es  heidnischen  GötEendienst  Man  schwöre  dem  Staate  ,,im 
Haaptquartier"  am  ersten  Tage  des  Jinner,  auf  dem  Ka- 
pitel dem  Kaiser  am  dritten,  den  dies  ne&stus  vorbei* 
lassend.  —  Auch  dabei  sind  wir  in  Afrika.  Man  könnte  an 
liom  denken  wollen,  an  jene  majestätischen  Bauten,  die  neben 
der  Arx  sich  erhoben,  und  könnte  den  Plural  der  Kranz- 
Schrift  ant  die  vielfachen  Baomüben  deuten,  deren  Kaiser 
und  Könige  hier  nacheinander  gewaltetet  hatten.  Schon  die 
tarquinischen  Fürsten  erbauten  einen  kapitoliniscfaen  Tempel 
Ein  cUideres  Kapilol,  das  der  Flavi(;r.  in  der  Keibentolge 
das  dritte,  war  höher  als  seme  Vorgänger,  das  vierte  von 
Domitian,  nach  demselben  Qrundplan  gebaut,  prangte  mit 
koiintfaischen  Säulen  aus  pentelisebem  Marmor  und  strahlte 


1)  Friedlftnder,  Sittengeschichte  III,  156f.  Der  Legat  Ma- 
midieni  häÜKi  das  einsige  Blal,  wo  er  von  Tertulliao  ausdracklieh  er- 
wiliBt  inrd,  praeies  Legionis.  Ad  Scap.  4  (I,  549). 

90  FriedUnder  lU,  169. 

3)  Ibidem  gravissimss  pennlas  posoit,  releTsri  snspioatos,  specu* 
Istotiam  moiosisüniam  de  pedibus  absolvit,  c.  1  (I,  416). 

4)  Athen,  Rom,  Etmrien  c.  18  (I,  449),  Argo«  c.  7  (I,  432). 

5)  Ecce  aunua  votorum  iiuDcapatio  quid  vidctar?  Prima  in 
prindpiis,  secunda  in  CaiHlolii»,  c.  12  (1,  44710-  Über  die  solcmnis 
votorum  liuncupatio  am  i.  uud  3.  Jauuar  (der  2.  ist  dios  atcr;  siehe 
Becker- Marquardt,  Handbuch  der  röm.  Altert.  IV,  219.  Der 
Fontiftx  sagt  die  Formel  vor  (praeit  vcrba), 

6)  K.  0.  MuUer,  Archäologie  der  Kunat,  ä.  181. 


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360 


NOKLDfcCUEN, 


innen  von  Goldschmnck  ^  Aber  der  Plural  der  Kranz* 
■chrift  widenrteht  offenbar  Boleher  Deutung  und  hat  durdi- 

aus  nichts  gemein  mit  einer  zeitlicben  Folge  von  Bauten; 
die  Gejsrenwart  ist  hier  in  Frac:^.  Jene  Melirzahi  von  Ka- 
pitolien  gilt  der  allgemeinen  Gewöhn lieit,  Kapitole  zu  türmen^ 
wo  Rom  Eolonieen  begründete.  Atrikaniacb  ist  aucb  die 
9, Leibgarde''»  die  |,Hofiruppe''  der  Kranssebrift',  so  sehr 
8ie  aus  Wttstennähe  sum  Tiberstrande  zu  führen  Bcheint 
Zunächst  ncd  jene  ,,ca8trenBee'^  aehr  weithin  im  Reiche  zu 
finden.  Sie  spielen  eine  Rolle  im  Nilland,  wo,  ehe  ein 
Ägypter  erkoren  wird,  „magistratum  popuü  Romani^^  aiis- 
nahmBweis  zu  bekleiden,  er  als  fnl  nrgaro-ctdov  d.  i.  als 
castrensis  bezeichnet  wird  ^.  In  Rom  heilst  die  Hälfte  der 
Wasserleute y  welche  im  Solde  des  fiofes  steht,  ebenfalls 
Hannschaft  des  Hofes  K  Das  Heer  von  Palastbedienten  fährt 
die  Bezeichnung  caatrensea.  Doch  hat  man  längst  auch  in 
Afrika,  und  gana  speziell  in  Lambaems  diese  Leute  gefunden. 
Was  aber  sollten  Hoflakaien  an  der  Grenze  des  ewigen 
Sandes?  Man  mutmafste:  Kaiser  Sever  war  203  in  Lam- 
baesis  ^;  bekannt  ist,  Falastbediente  püegtcn  dem  Hole  zu 
folgen.   Allein  die  Inschriften  mehrten  sich,  welche  inLam- 


1)  Eekhel  doetr.  aumm.  IV»  8S7.  377;  HftUer,  8.  8». 
8)  Est  et  alia  fluoHia  ngiamm  ftmiUamm,  nsm  et  eaitrsoies 
appellantor,  mnmfiesa  et  ipne  aolemniiim  CAStariaoofam,  e.  12 

(I,  449}. 

3)  Isidor.  Peius.  I,  483.  Vgl  Kuhn,  Bdtrfigo  zur  Vez£Msitag 

des  röm.  lieichs,  S.  148. 

4)  Das  gesamte  Geaindc  der  römrschen  Wasserleitungen  «ählt  für 
die  14  Regionen  der  Haupt.stadt  7UÜ  Köpfe.  240  bildeten  die  familia 
publica ,  die  familin  r:ipsjiri<i  -w-nr  4tiU  Köpfe  stark.  Die  tamilia 
publica  fit  1  (Irrn  Aer arium  Saturui  zur  I^aat,  die  familia  Caesaris  im 
Unterschie^d  davon  den  KHisern.  Ich  führe  dies  hier  mit  au  wegen 
des  tertulUanischen  Ausdrucks,  s  die  vorige  Anm.  Mit  der  Sache, 
die  der  Autor  meint,  hat  dies  ja  nichts  zu  schafifen,  wie  freiUch 
ebesso  wenig  die  caatreuaes  vom  Nil.  —  Uber  die  genannte  familia 
Caetaiis  s.  Uirschfcld,  Rom.  Verwaltungsgesch.,  S.  163. 

5)  Cenleneer  SMrs  188.  Vgl.  über  die  fkmifia  fationis 
eastrsotu  Renisr,  Inteript  de  TAIgerie,  p.  69;  Daremherg, 
Dtet  Antiq.,  p.  960. 


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TERTULUAN  VON  D£II  KttAMSSS, 


361 


b&esis  castrenses doch  für  die  Dauer  erwiesen  ^.  So  ent- 
stand denn  die  Annahme ,  da&  die  l^o  tertia  damals  ak 
Leibregiment  zu  betrachten  seL   Die  Caatrenaen  von  Lam- 

baesis  Bind  sicher. 

Die  Kapitüie  und  die  ^^castrenses^^  sind  gerade  die  bei- 
den Punkte y  weiche  geeignet  erscheinen  konnten,  unseren 
Satz  zu  erBehüttem:  der  Horizont  aei  afrikaniach  im  „Krana''; 
wir  sahen,  dafs  die  Einwände  fallen.  Kommen  wir  nun- 
mehr zurück  auf  das  Kapitol  von  Lambaesis,  das  in  „den 
Kapitolicn"  mit  liegt,  welcher  die  Kranzschrift  Erwähnung 
thut  Es  mag  iiiglich  erbaut  sein,  um  jenen  allgemeinen 
Brauch,  den  de  eorona  gekennzeichnet,  auch  an  der  Grense 
der  Wüate,  neuerdings  zu  ermöglichen:  wo,  mehr  als  im 
Lager,  gebührte  dem  Kaiser  die  Ehre  und  zwar  am  ge- 
hörigen Ort.  Tertulli.Tn,  dessen  Sciiriftchen  sonst  nichts 
mit  Kapitolen  zu  thun  hat,  mochte  durch  diesen  Neubau 
selbet  gerade  bewogen  sein,  an  „die  Kapitole*'  zu  denken 
wo  die  kri^eriache  Feier  am  St»,  nun  nicht  mehr  im 
„Hauptquarder^S  statthatte;  eine  spätere  Erwägung  der 
Jahreszeit  wird  diese  Vermutung  bekräftigen.  Sicher  aber 
ist  iolgendes:  er  konnte  des  Kapiiois  nicht  gedenken,  ehe 

1)  Über  diese  gsnse Frage  TgLHirsehfeld,  B5ai.  Verwaltnngs- 
gnebiehte,  S.  197 ff.  Gastia  kaiserliches  Hoflager;  auch  der  Kaiser- 
palsst  heifst  Caslra  als  Sita  dss  obersten  Krisgshenn.  —  „Allerdings 
aehehit  in  Lambaesis,  naeh  einer  TerstÜBsmelten  Hsndsebrift  au  urteilsn, 
auch  eia  oBilitärisches  tahttlarium  castrense  bestaodeo  an  haben. 
Mte  viUeieht  Sereras  der  Legion  eine  ezimierce  Stellung  Terliehen, 
sis  in  seiDem  Leibr^menl  gemacht  haben?'* 

2)  Ähnlieh  wie  bd  der  Juno  von  Arges  (vgl.  meinen  Aubata 
»TertnIliaD  m  GiiecheDland**  in  der  Zeitsehr.  f.  wisseosehaftl.  Theo- 
kgis  XXX,  8.  40&  ff.  ef.  419)  ninunt  man  emen  gewiaien  Eieeis  wahr 
ia  dsm:  prima  in  prineipiis,  Beconda  in  OapitolÜs.  Aeeipe  post  loea 
st  veiha,  e.  19  (I,  Ü7).  Die  Örtltehkeiten  ab  solehe  wann  ja  wo- 
MBtlich  gleiehgttltig,  anmal  aueh  die  „prineipla**,  die  ja  das  natttriiche 
flaim  siMBS  der  Maansehslten  waren.  In  solehsa  FKUen  ist  man  be* 
msbiigt  auf  beaandare,  waoa  aoeh  verMbwisgen  wirkende  Motive  dar 
DantsUnag  au  fthndea.  Übrigens  legt  auch  die  Hervorhebong  der 
prindpia  den  GManken  nahe,  dafii  der  betrafitode  speenlater  einem 
wbaigDm**  angalMirte.  Vgl  8.  868,  Anm.  4.  Kur  dann  hatte  er 
lieb  in  das  Haoptqnartiar  au  verffigen. 


1 

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368 


llOKLD£CH£Ny 


dies  Relber  erbaut  \s'ar.  Der  Bau  tallt  208.  \'ün  den  sämt- 
lichen Liberalitäten  wird  dann  eine  solche  gemeint  sein,  die 
jenaeits  208^  Mt.  Die  erste  tälit  211.  Und  da  für  ein 
DonailT  nun  „swei  Kaiser sonst  nicht  sugebote  sind^  ao  lange 
der  Karthager  gelebt  liat^  so  iet  eben  211  ab  Jabr  dieser 
Schenkung  erwiesen ,  zugleich  als  das  Jahr  jener  Thai  des 
kranzfeiadlichen  Kriegers,  und  endlich  zugleich  als  das  Jahr 
dieser  aufregenden  Kranzschriit. 

Bündig  wie  dieser  ^SchluTs  ist  %  dürfen  wir  schwerlich  ver- 
säumen, die  Sache  auch  sonst  zu  erhärten.  Sei  211  uns  ein 
Zentrum^  das  tertulüanisches  Schrifttam  peripherisch  umlagert: 
wir  wollen  die  Radien  aufimchen,  die  su  dem  Mittelpunkt 
flUiren.  Laufen  sie  regelrecht  nach  jenem  Punkte  lusammen, 
wird  jene  Erhärtung  bewirkt  sein.  Es  eiupHehlt  sich  me- 
thodisch, den  Stoff  zu  gruppieren  nach  Fragen,  die  den 
karthagischen  Mann  zeit  seines  Lebens  beschäftigten,  den 
Durchgang  dieser  emselnen  Fragen  durch  seine  Schriften 
SU  prüfen. 

Die  Frage  vom  Kranz  des  Soldaten  ist  selber  das  Thema 

des  Schriftchens:  alles  andere  dient  nur,  diesen  Punkt  zu 
beleuchten.  Freilich  greift  er  weit  aus,  beptjift  alle  „Kränz- 
ler'' mit  ein,  militärische  wie  zivilistische,  redet  von  den 
Kränzen  der  Götter  und  auch  von  den  Kränzen  der  Schman- 
ser,  spricht  von  Kranz  und  Chiirlande,  die  das  Haus  beim 
Kaaserfest  sohmttcken,  erörtert  die  £ichenlaubkränze,  den 
Pappel-,  Epheu-  und  Weinkranz  \  auch  den  von  Olive  und 


1)  Man  kömrte  aUenfsUs,  da  wir  weder  die  VoUendung  des  Ks- 
pitols  von  Lsmbaens  noeb  anoh  die  Libefallt&t  von  206  naeh  tSatem 
Monatsdatum  bestimmea  können,  annehmen  wollen»  der  Fall  habe 
■ich  unmittelbar  nach  Vollendung  des  Kapitels  ingetragen  im 
Jahie  208^  Aber  dagegen  ^rieht  die  Chvondogie  des  PaUnims 
(209).  Über  die  »nriedensBeit*'  von  206—211  s.  aueh  Bonwetseh, 
S.  69. 

2)  VgL  übifgens  hiennit  ein  anderes  chronokgiselies  Aigmneut 
ans  der  politisehen  Geschiehte  Afrihss  8.  867,  Anm.  4. 

3)  Vgl.  die  Ubeialeht  ftber  die  „  Atttibute«"  der  Götter  bei  K.  0. 
Möller  S.  fiOl. 


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T£KTULLIAK  VON  DKM  KRANZE. 


363 


Lorbeer,  bei  aiie  dem  nicht  TergeBeeod  der  Roeen,  Veilchen 
und  litlien. 

Die  Lebendi^D  und  die  Toten  gehören  ihm,  wenn  sie 

bekränzt  sind.  Sein  Revier  ist,  was  duftet  und  grünt  und 
blüht  iu  Gärten  und  Feldern  und  Wäidem,  doch  zugleich 
such  die  Goldschmiedewerkstatt ,  die  das  Gleichnis  des 
Blattes  und  der  Blume  für  die  Stime  der  Qrofaen  snrecbt- 
macht 

Es  gab  eine  heidnische  Rranzwut,  eine  Leidenschaft  für 
die  Coronae  K    Sie  wird  '.wich  von  Heiden  gegeifselt,  Heid- 

•  •   

nische  Arzte  zum  wenigsten  hatten  gegen  die  Kränze  ge* 
•cbrieben«  den  aanitfiren  Qesichtspimkt  hervorkehrend  War 
das  Altertom  arm  an  Arten  der  verwendeten  Blumen^  die 

ungeheueren  Mengen  waren  desto  bezdchnender Dafs 
hieran  der  Widerspruch  anknüpfte,  den  die  christliche  Ein- 
tachheit  aussprach ,  gehört  zu  den  begreiilichen  Dingen: 
,y  Wir  haben  eine  alte  Gewohnheit^  uns  nicht  mit  Kränzen 
stt  schmücken^'  Wann  der  Widersprach  anhob,  ist  dunkel 
Iii  Rom  hat  vor  Tertullian^  Minudus  Felix  geschrieben^ 
nicht  ohne  Ironie  bemerkend:  verzeiht;  dafs  wir  den  Kopf 


1)  Ifittelalter  uod  Neuzeit  kennt  diese  Weise  kaum  mehr,  als 
—  laut  Clemens  —  die  „alten  Griecbeo'*  sie  kannten.  Doch  rgL 
X,  B.  die  Schüdening  Ton  Alezander  Farnese*«  triumphierendem  Eiu' 
sog  in  Aotweipen  (1585)  The  soldiefs  tbemselves,  attbed  in  verdorons 
gannents  of  foliage  and  flower-work,  liiair  amurt  ihoes  adofMd  with 
raes  and  UUes  paradod  the  bridgc  and  the  dyke....  Aftemaids»  a 
magnifieent  banqnet  was  aerved  to  the  soldiers  upoo  tlie  biidge. . .  * 
Here  tat  that  host  of  war-bronaed  figores  ....  thcir  heada  cmwned 
intfa  flowert.  Motlej,  Hist  of  tlie  United  Netheriaads  I,  369f. 

2)  Et  apud  Graecos  qnidem  de  corouis  privatim  ecripber«  et 
Mnesitheus  et  Callimachus  raodici,  quae  uocerent  capiti,  quouiam  et 
in  hoc  est  aliqua  valctudiulö  portio,  in  potu  atque  hilnrit  ite  praecipue 
odorum  vi  subrepcnte.  Pliniun,  H.  N.  XXI,  3,  H  ed  S  iiiig  3,  362. 
Vielleicht  meint  ClemenB  —  «.  das  folgende  diose 

3*^  Vpl.  V.  Hehn,  Kulturpflnnzen  uud  Haustiere  in  ihrem  Über- 
gafig  aoB  Asien  nach  Griechenland,  S.  2U4. 

4)  Habentes  obserfatiooeni  iavetentam,  quae  piaatenlendo  sta- 

ttn  feeit,  e.  8  (I,  490). 

6)  Vgl.  audi  Juatin  Apal.  I,  34. 


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364 


nicht  heki äiiztü  K  In  Alexandrien  behandelte  Clemens  diese 
längst  vorhandene  Gewohnheit,  vermutlich  zum  Teil  nach  dem 
Vorgang  der  erwähnten  griechischen  Arzte  Sicher  er- 
örtert auch  er  die  Schädlichkeit  dieser  KrioM:  der  kalte 
und  feuchte  Kranz  bringe  dem  kalten  Gehirn  einen  achid* 
liehen  Zuwachs  von  Kälte.  Er  erörtert  die  Sache  dann 
mannigiach.  Der  Duft,  der  vom  Haupte  nach  oben  steigt, 
betrüge  den  Geruch  um  sein  Recht  Aul  den  rationalisti- 
flchen  Einwurf  folgt  ein  geschichtlichee  Schlaglicht:  den 
alten  Hellenen  war,  sagt  er,  der  Gebrauch  der  Krftnze  g^ 
unbekannt.  Auch  der  religiöse  Gesichtspunkt  wird  su  Worts 
veretattet:  man  brincre  die  Kränze  den  Göttern.  Hier  gilt 
aufser  irischer  Kriahiung  das  Zeugnis  der  heiienischen 
Dichter:  die  Musen  wie  die  Olympier  sind  geschmückt  mit 
Karcissen  und  Rosen,  die  Jone  ist  Lilien  hold,  myrtenfioli 
die  Diana.  Dafs  man  Verstorbene  kränzt,  mnfs  Kapital 
achlagen  helfen,  ^voliei  der  euhemerisiische  Ausfall  auf  die 
„toten  Götter nicht  mangelt.  Dazu  kommt  die  Dornen- 
krone,  welche  der  Herr  einst  getragen,  und  welche  spöttisch 
verachte,  wer  irgend  sein  eigenes  Haupt  mit  fröhlichen  Bla- 
men  verziere.  Er  wählt  einen  mystischen  Schlufs:  die  Krone 
des  Herrn  sind  wir,  einst  ohne  Frucht  guter  Werke,  nun 
aber  endlich  gesegnet,  ihm  nahe,  der  unser  Haupt  ist'. 
Hatte  er  gar  gdesen,  was,  wenige  Jahrzehnte  zurück,  die 
Gemeinden  von  Lyon  und  Vienne  den  Brüdern  in  Ana 
«chrieben  ^?  Sicher  ging  Clemens  hinaus  über  das,  was  lu- 


1^  >ane  quod  caput  uon  coronamus,  ignoscite.  Auraui  boni  tions 
nasibuä  duccrc,  nan  occipitio  capiUisvp  soU  mus  baunre.  Nec  naor- 
ta08  corouainus.    Octav.  38  (od.  CcUariu.s  p.  141\ 

2)  fuxl'vyti  /a{rt]v  «i'/lAwsT  ö    orfrfnros    ntnixfiufvog ,   xal  <St 
vy(y6tr)T(c  it  xai  «Tta  i}>i/ QuTTjja,  ravrrj  xat  ot  lainoi  x^ii-yniif  ttrai  'p*- 

Paedag  II,  8  (K,  A.  180A).  Über  die  Theorie  vou  ^vxn  und  V<^Z^ 
^Plsto  und  Hiceaius)  v^l  Tert  de  an  25  (II,  597^. 

3)  6  fXiV  yccf)  Tov  xrptov  axiifavoi  rjun^  vvtTTfro  n no(ftjj ixO;  lov; 
noT(  ttxaQTiovi,  rot'i,-  ntfJtMfifiivovs  avT^  6ta  i^g  Ixxkijaias,  ^  ivu^ 
MHpal^.    K.  A.  p.  182A. 


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T£ETULUA>i  VON  DEM  KBAMZE 


366 


mt  B6tn  Prognmam  «ebieii:  mmp^ofm  Si  fyu¥  %ai  fiv^ 
X^fjoig  ovK  dray/Mta  ^.  Nicht  nur  nicht  noüg  sind  Kränse, 
«ondem  sie  sind  vom  Übel- 

TertiiUian  kennt  Ciemons  auch  hier.  £r8t  recht  ein 
Bataonalitt^  mekdei  er  das  fieoht  des  Qoraohiiiiiiit  \  kommt 
«af  die  Krone  von  Bonieii,  in  frwer  Berttlining*  mit  C9e> 
bringt  die  euhemeristiscbe  Bitterkdt  ^  tlber  tote  Gdtier 
wie  Clemens.  Er  beleuchtet,  nur  unendlich  viol  stärker, 
mit  Inmdert  einzelnen  Daten  die  religiöse  Verwendung  der 
Kränze.  Im  ganzen  ist  seine  I'cder  hier  freier  yqxl  dem 
fiinflufs  des  Griechen,  als  snr  Zeit  seines  „Frauenschmucks^ 
<d03).  £r  W»t  dem  aemens  die  „Schädlichkeit  ^  liüst  ihm 
die  „alten  Hellenen'',  Ifiist  ibm  den  matteren  Einwand,  die 
Kränze  seien  nicht  nötig*':  ganz  als  ob  ^^der  Erzieher" 
ein  längst  gelesenes  Buch  sei,  detiäen  einzelne  Daten  er 
früher  eklektisch  sich  zugeeignet.  Argumente  seiner  eigenen 
Werkstatt  stehen  neben  den  fremden,  die  er  dem  „Flücht- 
ling'' Terdankte.  £r  Terweist  auf  die  korintliisclie  Vorseit; 
ecbeinbar  seine  Geleiae  verlasiend,  in  Wahrheit  prinzipiell 
and  scharf  dieselben  verfolgend:  ,,wenn  jemand  sagt,  es 
ist  Güttei-fleisch,  sollt  ihr  nimmermehr  eÄßen"*.  Werden 


mdfavov  n^^ytu»       ntngt»  Ens.  H.  £.  V,  1  ed.  Seh  wegler 

Ä  ir'>,  Z.  6 

n  Alles  PM.ln-  II,  8.   K.  A.  S.  175 ff, 

2)  Dins  ''pol  1'  4*2  (T,  074'^:  nos  coronam  naxibui  noTimuai  vi- 

deriut  qui  per  ca]Mllurn  odoraotur. 

3^  Sic  pt  tu  coronaro,  licitum  est.  Tarnen  nee  ilUm  impictatis 
contuineliüsac  coi-onani  populna  cotisclvit.  Romanornm  militum  fuit 
commcntiim ,  ex  usu  rei  saecularis,  (|uem  populus  dei  ncc  publicae 
unquam  laetitiae  nec  iogeoitae  iuxuriae  nomine  admisit.  de  cor.  9 

4)  Itidignimi  ciiim,  ut  imago  Uei  vivi  imago  idoli  et  mortui  üm^ 
c.  10  a,  441). 

5)  c.  10  (I,  440).  Unnuttelbar  roodem  und  darum  uasordcheiid 
trürdi/^t  H a u  c  k ,  Tertnll.,  &  915  die  Krstiifrsge.  Trais  der  Kfiholielt 
uod  Grorisriigkeit  eeiner  Gcdsaken  stelle  Tertalliaa  im  Dienit  einer 
kl^en  Ssehe,  der  £iiraeilielisle&  QeteCdliehkeit.  MieM  nngaatialt 
Montsnisti  gteiehe  er  einem  Msane,  der  eifrig  Kinderspiel  treibe.  — 
Ab  ob  —  Tgl.  Clemens  nnd  Minndiu  Felix  —  die  StelluQg  snr 
Krsnifrage  fiberiisapt  fperifiseiieii  ,,Hoiitsaiimiu**  Tcnatet 

Zuibclir.  e  K.-0.  ZI,  a  84 


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366 


nicht  cliristlicbe  y^Krinslor*'  ähnlich  die  Heiden  henuw- 

fordern  zu  abfälligstem  Urteil,  wenn  sie  Christen  in  heid- 
nischem behnmck  sehen^  den  kein  Levit  und  keiTi  Prie^ter^ 
kein  Bekenner  Jesu  sonst  trog;  werden  die  üeiden  nicht 
Bftgen:  leht  dieee  weltacbeuen  Leute;  wenn  es  gilt  ihren 
Ernst  BU  Terfafilleni  nnd  Erftnse  als  Mäntelehen  gnt;  im 
Onmde  nnd  nie  wie  untereine. 

Im  ganzen  hat  diese  Kranzfrage  in  Karthago  keine 
Geftchichte,  während  doch  der  ,. Kriegsdienst",  der  „Schleier", 
die  „Flucht"  ihre  Geschichte  haben.  Weder  hat  TertuUian 
in  der  ersteren  Phasen  durchlaufeni  noch  finden  »ich  in  der 
Gemeinde  fr&here  Spuren  der  Anbequemnng  >.  Den  Schrift- 
tteller  ralangend,  zeigen  ihn  die  Schauspiele'  so  wie  die 
SehntsBchrift,  diese  letztere  so  wie  die  Kranzsehtift.  IMe 
Durch schnittsprnxiH  der  Christen ,  insbesondere  auch  der 
Soldaten  mag  etwas  schwi^rer  erhellen,  üb  KranzTcrwt'ii:::t>rer 
früher  auch  im  lieere  zu  linden  waren,  könnte  zweiicihait 
scheinen.  Unwalirscheinlich  will  dünkeni  dafs  bei  den  Libe- 
ralitäten von  früher  das  Legionskommando  so  dn&ch  die 
Angen  frenndlich  geschlossen',  die  Reverenz  gegen  deo 
Kaiser  nnd  den  Heeresbranch  schädigen  lassend.  Als  Aus- 
kunft kann  sich  empfehlen :  die  Füllö  von  Deserteuren, 
deren  die  Kranzschriit  gedacht  hat,  habe  woid  starke  l'ro- 
zente  von  Weigerern  des  Kranzes  mit  einbegriffen.  Die 
Fahnenflucht  dieser  Sekte  ronfste  dann  freilich  erbittern; 
aber  die  offene  Weigerang,  der  helle  Aufmhr  gebrach  doch; 
auch  der  Grund  selber  blieb  dunkel;  man  wufste  ja  nicht, 
wer  ein  Christ  war.    Jetzt  ci'scheint  als  ein  Novum  „der 


J)  Si  cnim  iiou  duliquit,  hüdie  susccpta  Corona,  deliquit  aliqunndo 
rccusata,  c.  2  (I,  419).  Das  Argument  erinnert  formell  an  Galat. 
II,  18. 

2^  Quid  mimin,  «i  et  spparatat  agoniiin  idololatria  conapnrcat  de 
eoronls  profimis  de  spcot  II  (I.  40). 

3)  Auch  bei  der  solemois  Totorom  Duneupstio  worden  slQShrlicb 
Krftase  getrogen:  etiamti  tacet  iUie  Chtifüsnos  ofe,  eorouatus  capite 
respoodit  c.  12  (I«448).  De  Corona  sl«  Gaaies  ecbeiat  antznscUieriea 
(Tgl.  aamentlich  aoch  dio  drSogonden  Erdrtenmgen  in  o.  11  [I,  445)% 
•dafs  eine  fihnliehe  Weigenmg  bemts  früher  nck  sugeliagen. 


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TKRTULLUK  VON  DEM  KRANZE. 


367 


nfiange  Kranz  in  der  Haad'^  \  ein  Zeichen  offener  Bevolte^ 
in  dem  die  Pifliekten  *  namnehr  nicht  «n&ch  Torbeigehen 
lumnteD. 

Jene  Geschichtslosigkeit  der  Kninzirage  ist  vielsagend. 
Hätte  der  Fall  von  Larabaesis  sich  bereits  £0  irUhe  ereignet^ 
wie  die  gemeine  Annahme  lautet,  so  wftre  es  kanm  zu  Ter* 
stehen,  wie  snnfiehst  dieser  VorfoU  so  spurlos  in  dem  reich- 
lieben  SehrüHnm  yerklingen  sollte ,  das  seither  noch  gefolgt 
wäre.  Diese  christliche  Feder,  die  alle»  iu  aiicd  iiineinzicht 
sollte  in  einer  Menge  von  Scliril'ten  an  dem  „einzigen 
Christen'^  vorbeigehen,  der  eie  doch  einmal  begeiatert? 
Liegt  dagegen  der  VorfUi  in  der  Mitte  der  SchriftsteUer- 
lanfbahn  nnd  damit  gegen  Ende  des  Lebens,  so  wird 
schon  eher  be*?reifHch,  dais  ganz  ausdrückliche  Nachklänge 
der  ta])leren  ünthaitung  vermifst  werden.  Ganz,  meinen 
wir,  iehlt  es  zudem  nicht  an  solchen.  In  der  Schrift  an 
Seafmla  heifst  es:  der  Prüees  von  Mauretanien  and  der 
Prises  Nnmidiens  bekSropfen  freilich  die  Sekte,  aber  ;,nur 
mit  dem  Schwerte"  die  summa  ignium  poeoa  jenem  Pro- 
konsul belassend  Da  „Sciipula"  '212  tallt^  in  die  Zeit  der 
firüderregierang,%80  wird  der  Gedanke  wohl  autreffen,  dals 


1)  Sota«  Ubcfo  capite,  eoronameoto  io  mann  otiOBO,  c  1. 

2)  Sufiragia  doiade,  et  res  am{»liata|  et  reaa  ad  praefeetoa, 
e  1  (I,  416).  „Die  böchate  Centurionenatelle,  daa  Primipilat  mit  dem 
Koimnando  der  Ijrgiou  (?)  (praefeeti  eaatroram.  ajiäter  legioaia) 
«mde  daan  von  aoleheo  im  60.  Jahre  emicbt."*  Frledlftnder 
1,834. 

a)  Man  Tergleiche  den  gcsAratcn  Tenor  dea  folgenden  über  den 
„DorchgaDg'*  der  einseben  Fragim  dnrehScluiften  aelir  Teraehiedeoen 
Inhalts. 

4)  Nam  et  nunc  a  praeaide  Legionia  et  a  praeaide  Bfanretaniae 
Texatnr  boe  nomea,  aed  gladio  tenaa,  aiout  et  a  primordk»  mandatnm 
eat  aDimadTerti  In  hajnamodi,  c.  4  (I,  549).  Die  beiden  Mauretanien, 
dordi  den  FlnTa  Malneha  getrennt,  worden  nnr  anweilen  von  einem 
Prokofaler  regiert,  wie  nntsr  Galba,  dann  unter  Sererna,  Caracalhi 
and  Gete  (209-211)  Ton  Gn.  Haina  Diadnmenianna  nnd,  wenig  apäter, 
tfm  Q  Salln^itina  Maerinianna.  Marquardt,  Köm.  Staataverwalt. 
I,  324;  vgl.  Renier  8891.  Bull,  dell*  laat.  1860.  S.  49»  Aach  diea 
»t  TOD  ehronologischer  Wichtigkeit  Der  Verfolger  in  Manretanien 
wird  der  eritgcnanote  aein. 

21» 


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368  MOELUBCHENy 

anter  den  Op&m  des  Schwertes  in  Numidien  auch  jener 
Mann  war,  der  als  der  „emsige  CSirul^  den  Lorbeericnoi 
in  der  Hand  trug,  den  SpifaeradefSd  dann  annog  nnd,  wie 

Moses^  auf  beiliges  Land  trat 

Im  Zusammenhan«»  mit   der  Kianzscheu   stehen  zwei 
Daten  der  Kranzschritt:  die  behördlichen  Kränze  Athens^ 
und  die  Palmentoga  der  Spiele,  die  xugleiQh  mit  goldenen 
Krinien  bei  den  Megalenaien  prangten.   £a  scheint  Bich  in 
beiden  Fällen  um  Irrtum  des  Autors  su  liand^.    Am  Idar- 
sten  durite  das  sein  inbetreff  der  toga  palmata,  die  er  statt 
der   tunica   cinschwän&t     folgte   die  Kranzschriit  dem 
,,Blantel'<  (202),  so  konnte  allenfalls  das  Terhalste  Staats* 
klmd  ihm  „in  der  Feder'^  sdn.  Nfther  liegt  etwa  dies:  der 
Mann  stand  den  Dingen  jetzt  ftmer.   Er  hat  die  Pomps 
des  Zirkus  in  früheren  Jakreu  gesehen,  nicht  nur  en  mi- 
niature  in  seiner  karthagischen  Heimat,  sondern  auch  in 
Toller  Enthaltung  an  den  Wassern  des  Tiber'.    Jetet  be- 
ginnen im  Alter  die  Eindrücke  ihm  sa  yerbleichen  *y  so 
daTs,  wie  die  Ansdiaaung  blals  wird,  aneh  der  Tenninus 
fehl  geht.    Minder  gewifs  ist  der  Irrtum  inbezug  auf  die 
athenischen  Kränze.    £r  sagt:  die  Archonien  Athens  tragen 
(noch)  goldene  SÜnae^  wie  er  denn  von  ,,Athenercicadon^ 
etwas  Ähnliches  aussagt     Clemeu^  in  griechischeii  Dingen 


1)  CofonsDt  et  pablioos  oidinei  lanrela  piibliese  eannei  megpilA- 
tos  Ysro  inniiMr  aordt,  nt  Athenis,  at  Bomaei  e.  18.  Die 
togse  ibid.  Über  die  pompa  bd  den  lud!  tolennct,  foo  dar  Ter- 
toUisn  hier  redet ,  vgl.  Beeker- Marquardt,  Handbuch  der  rihn. 
Altert  lY,  498 £  Die  Prittoreo  fahren  auf  einer  big«,  in  der  Puipor- 
togk  und  der  tunica  palmata,  das  ElfeobeiDsoepter  mit  den  Adkr  la 
dnr  Hand.  ,,DeD  Kraam  beschreibt  Tertnll.  de  eor.  18;  er  war,  wie 
das  gaaae  fon  Jupiter  entlebute  Kostttm,  etruikiMiL  TeIt^dliaa 
schreibt  irrtOmUch  tou  einer  toga  palmata" 

S)  YgL  seine  UnterMbeidung  you  Rom  und  den  Proriaaen  in> 
beseg  auf  die  pompa  etroeads  de  speet  7  (1,  80):  ea  si  minoie  eo» 
per  profindas  pio  minoribus  viribus  administraiitur  ete. 

8}  SeliOB  de  spset  18  (I,  51)  sagt  er:  quaoiquam  nemo  haes 
omuia  plenius  eipriniere  potest,  nisi  qui  adhue  speetaL 

4^  De  viig.  Tel.  10  (I,  897);  vgl.  Clem.  Paed.  II,  10.  X.  A 
1990. 


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TEKTÜl«UAK  von  DKK  KRAKZE. 


d69 


doch  wohl  die  bessere  Quelle,  erwähnt,  dskü  die  alten  Ar- 
chouten,  die  die  städtische  Verwaltung  »ch  Mimaiaten,  den 
wflibifchen  Goidtchmnck  (eiDat)  «nlqgten  K  Die  mllgliclie 
Autopaie  dw  Karthager»  in  athMUMsheii  Dingio  habe  ich 
anderweit  dargethan  und  swar  me  Reifle  Termutet  Im  An- 
fang der  neunziger  Jahre  *.  Wie  man  sich  auch  enUcheide: 
der  Afrikaner  Bei  in  Sachen  der  Kränze  liier  ganz  dem  Cle- 
mens Terhaftet  oder  sonst  nicht  ohne  Kunde  von  frischer 
alheniaeher  Qegeawart:  Min  wahraeheinheher  Irrtum  in 
Kraniaachen  würde  erklirlich:  lowehl  «sine  demenatektllre 
«b  seine  grieddsehe  Reise  liegen  ihm  In  der  Vergangenheit 

Die  vcrschwisterte  Frage  vom  Kriegsdienät  hat  nuu  eine 
Geschiciite,  nämlich  im  Leben  dos  Autors.  Er  hat  sich 
über  dieselbe  zu  verschiedenen  Maien  geäuisert:  im  Götzen- 
dienstin  der  |,Schuts8chritit'^i  und  eben  drittens  im 
i^Xraaae''.  Seine  Äniserangeii  im  nKrana'^  bekunden  an 
▼oller  Genüge,  daia  wirktich  eine  lingere  Zeit  seit  „Schutz^ 
Schrift und  „Götzendienst  ablief. 

Er  hat  ein  Kapitel  im  „  Grützendienst"  über  den  Kriegs- 
dienst der  Christen.  Die  i^'rage  spaltet  sich  ihm:  kann  ein 
Gläubiger  Kriegsdienst  annehmen  nnd  ein  Soldat  zur  Ge- 
meinde iiinaiitreten  ^  speaiell  der  gemeine  Soldat^  der  keinerlei 
Opfer  yeniiditet  noch  Todeiaiieile  aussprichi  Es  ist  der 
Beachtung  wohl  wert,  dafs  die  Alternative  im  folgenden 
einlach  vergessen  wird^     Wie  die  Christen  der  celsischen 


£•  ist  bemarksDsweit,  dab  TertuUlan  beide  Mab  (CSesden  und 
Ooldkr&nse)  aus  dem  Prseteritam  des  Ctoaeoi  ins  Praesens  über- 
trlEgt. 

2)  S.  meinen  AnfiMts  in  der  Zdtaehnft  fiir  wisteaseh.  Theologie 

XXX,  4,  3.  m. 

3)  At  nunc  de  isto  quaexitor,  an  fidelis  ad  niilitiain  eonvorti 
poetit,  et  an  xnilitia  ad  fidem  admitti  etc,  c.  19  (1^  101). 

4)  Dies  geschieht  eben  sicher  mit  Absicht.   Er  will  hier  eben 

nichts  wissen  von  einem  christh'chen  Krieger.  Uber  diesen  schon 
unter  Marku«'  von  CbrrstPn  vertreteneu  Standpunkt  v<^].  Keim,  Cclsus 
Wahres  Wort,  S  ll'Ü  (vgl  S.  139)  Aucli  das  Argument  ist  das- 
selbe :  man  kann  nicht  zweien  Herren  dienen.  £s  ist  diea  von  Wichtig- 


370 


Tage  hat  er  dm  iLiitscheidun«^  brr(üt:  die  Lager  des  Lichu 
und  der  Finsternis  haben  nichts  miteinander  zu  schaffen: 
sweieii  Herren  kanu  man  nicht  dionen,  niclit  zugleich  Gott 
und  <Um  Caeear.  Die  Kntfichiedftnheit  ist  eine  starke:  abcv 
rie  ist  ihm  nioht  speafiaeh;  der  y^OOteendieiiat''  tritt  in  die 
Sporen  einer  alten  Qewohnheit  Et  geht  die  Einwinde 
durch,  die  freilich  bei  Christen  im  Schwang  sind.  Äloses 
trug  eine  Kute,  wie  die  Hauptleute  die  ^Veinrebe.  Der 
Täufer  trug  einen  Kiemen ^  dem  Schwertgurte  vergleichbar. 
JoBoa  sieht  in  den  Kri^^  und  das  Volk  der  Juden  mit 
ihiiL  Solche  Einreden  d&nken  ihn  „Bfäüe***  Weder  im 
Krieg  noch  im  Frieden  kann  ein  Christ  MilitSr  iein.  Gingen 
aneh  Soldaten  enm  Täufer,  nm  dessen  W^nngen  ansnhd^en^ 
wurde  ein  Centurio  gläubig,  hat  Jesus  doch  jeden  Soldaten 
„in  seinem  Peti'us"  entwaffnet  K 

In  dem  Bchlufsergebnis  identisch  -~  wenigstens  beinah 
identisch  —  in  den  Gründen  yiel£Mih  verschieden  stellt  sich 
daneben  die  Kransschrift.  Wenn  weniges  frei  wiederholt 
wird,  wie  des  Herrn  Drohung  an  Petras^  der  Eid  fiir 
Christus  und  Cä^ai",  slKw  eigen  hier  Moses  und  Josua, 
die  er  ja  iruher  beseitigt,  um  nun  einem  Sturm  von  Grün- 
den neuen  Gepräges  das  Wort  zu  geben.  Gewisse  furcht- 
bare Foimelo,  mit  denen  dem  Kaiser  gehuldigt  wird  ^,  die 
Pflich^  das  Proaessieren  an  lassen,  geschweige  das  Schlachten 
im  Kriege,  das  Verhot  sich  selber  an  riehen,  geschweige  in 
den  Kerker  an  schicken,  die  Schildwachtpflichten  am  Sonn- 


keit  auch  für  die  Chronologie  von  de  idololatria.  la  dieser  Frag«  ist 
Tertulliau  von  gröfserer  Schroffheit  zu  einer  (Jiiroli  die  Umstäiiide  be- 
dingten gröfseicn  Nachgiebij^keit  fortgeschritten. 

1)  Omiiem  postea  luiiitem  dominus  iu  Petro  cxarinaudo  disciuxit 
c.  19  (I,  102).  lubezug  auf  diese  Beseitigung  der  Täufrrinstanz,  die 
ihm  s]  iiter  ~-  de  Corona  —  wieder  gültig  wird,  stimmt  de  idolo- 
latria uiit  der  generellen  Anscbuaung  in  dem  gleichiaiU  frühen  adv. 
Jod.  (c.  8  baptizato  eniui  Christo  etc.),  wo  p^leichfiills  von  einer  Ab- 
rogation de«  Täufeniusehens,  iVcilicU  iui  ßiick  auf  die  Visionen  die 
Rede  ist.  Die  Sabbat  kämpfe  der  Maccabiior  (adv.  Jud.  c.  4  iu  f.)  sind 
ein  Trumpf,  in  der  äabbatfragc  aiugcapielt,  und  sollen  mit  der  Frage 
nach  einem  Kriegsdieufit  der  Christen  natürlich  nichts  zu  thtrn  haben. 

2)  Etliches  hat  Oarüber  Ohl  1,  443  Note  d. 


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TERTULLUN  VO»  DEH  KRANZE. 


371 


tag,  wo  der  Herr  gar  den  Postendienst  nachläßt,  das 
Wachehalten  vor  Tempeln,  denen  man  doch  selber  entsagt 
hat,  daa  Schmauaen  im  Eidoleion^  das  der  Apostel  verboten 
hat,  die  Besefafitzung  der  Dftmonen  bei  Kachtaeit,  die  man 

tags  exorcißtiscli  verscheucht  hat,  das  tiicLIehneu  auf  jenen 
Speer,  mit  welchem  Christus  durchbohrt  ^  ward,  das  Tragen 
von  Fahnen  und  Feldzeichen  alB  feindlicher  fiivalen  des 
Heilandes,  das  Fjnpfangen  der  Parole  vom  Fürsten,  nach- 
dem man  von  Oott  sie  emp&ngen  hat,  im  Tode  die  Blech- 
mniik  fadieni  wo  die  Engelsposaone  erwartet  wird,  nach 
Lagergebraueh  verbrannt  werden,  während  Jesus  vom  Feuer 
errettet:  das  wäre  dab  stiiimiscLe  Schnellfeuer,  das  von  dem 
Elri^sdieDst  verscheuchen  soll.  Wenigstens  soll  es  abschrecken, 
als  Ohrist  an  den  Fahnen  zu  gehen:  denn  wie  er  die  Alter- 
native^ die  er  einst  gestellt  und  vergessen,  hier  ausdrficklieh 
bebandelt,  wird  sogleich  noch  an  aeigen  sein.  Zan8ofast 
aber  mnfs  der  „Schutnohrift''  mit  einigen  Worten  gedacht 
werden. 

Kurze  Zeit  nach  dem  „Götzendienst"  hat  er  „olÜ^eU*' 
fdch  vernehmen  lassen,  auch  in  «Sachen  des  Kriegsdienstes. 
Sein  „mihtamus  vobiscum'' '  sprach  eine  Thatsache  aus, 
freilich  in  einer  Weise,  die  nicht  ohne  Bedenken  war.  Die 
Frage,  ob  ein  Soldat  zur  Qemeinde  hinautreten  kfinne{^  war 
freilich  aufgeworien,  aber  mit  nichten  beantwortet:  so  weit 
sie  beantwortet  war,  war  dies  verneinend  geschehen.  Jenes 
militamus  vobiscum,  so  kurz  imd  trocken  es  lautet,  konnte 
dem  Schreiber  nicht  leicht  fallen:  sehr  möglich,  dals  er  mit 
Beirat,  nicht  onbeeinflufsty  geschrieben  hat  Die  drängende 
Kot  der  Zeit,  die  Thatsache  aahlreicher  Christen  in  den 
Heeren  der  Ejus«r,  diese  Zahl  verm^urt  dnreh  die  Vorteile^ 
die  Severus  jetzt  bot,  vielleicht  auch  das  wirksame  An- 
denken der  „  Blitzlegion in  dem  Quadenkrieg,  alles  das 
übte  hier  fünflnfs  und  schwächte  jene  ältere  Schroffheit, 
die  seit  dem  „Wahren  Wort''  and  Markus'  Ende  im 


1)  IneuBibeiis  et  requiesoeoa  su|»er  pilom  quo  perfoMum  latus 
est  Christi. 

2)  apol  42  CI,  273). 


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872 


NOSLDKCBEKi 


Schwang  war  imd  der  der  firtthere  Autor  einÜMsh  Folge  ge- 

Zumal  in  der  Schrift  von  dem  Kranze,  trotz  ihrer 
Argumeuteniüiie,  vollzog  sich  nun  eine  Synthesis  jene» 
miiitamus  vobiscum  mit  jener  strafteeten  Ablehnung,  welche 
der  „Götaendienet''  aaeBpraoh,  wobei  wohl  der  «yehnige 
Christ^'  aach  mit  Stimmiuig  gemacht  hat  £s  darf  Mlidi 
Soldat  Bein,  wer  erst  als  Christ  zu  dem  Herrn  kommt K 
Hier  müssen  ihm  nun  Johannes  und  die  trexieii  Hauptleute 
dienen,  die  in  ganz  anderer  Weise  dereinst  im  Götzendienst 
anütrateii:  aie  zeigoD,  dala  Christ  und  Sohiat  aetn  denn  doeh 
nicht  yOllig  nmaiSglich  ut  Frailichy  ala  hege  er  Fardbl^ 
er  könne  falscher  Milde  verfallen,  folgen  hier  noch  Eaa* 
telen:  man  soll  sofort  dosertieren ,  wenn  irgend  der  Glaube 
gefährdet  wird;  wenn  man  im  Dienste  verharrt,  in  jedem 
Betracht  auf  der  Hat  sein  wenn  die  Lage  ea  fordert  snm 
Martyrium  stets  bereit  stehen.  Christ  und  Christ  ist  stets 
eins;  man  soU,  wie  Zivilisten,  den  Tod  leiden.  Wie  fem 
die  Schrift  von  der  Schutzscfirift,  erhärtet  namentlich  dies, 
dafs  vieie  bereits  desertiert  sind,  ein  Faktum,  das  die 
letstere  ansechlie&i  Mit  welcher  Stirn  kdnnte  man  schreiben: 


1)  Plane  si  quo«  militia  praerentos  fides  potterior  invenit,  tüa 
eooditio  est,  ut  illorum  qnos  Johannes  admittebat  ad  lavaemm,  el 
centorionam  fidelissimonmi ,  quem  Christus  probat  et  qinem  Petras 
oateehisat,  o.  11  (I,  444).  Auch  diese  gans  neue  Venrendong  der 
JohanneasoMateo  and  Hauptleate  Ist  in  Dfiheier  Naohbsnehsft  irii 
dem  „Gdtsendienat'*  nicht  so  denken.  Die  Fannet  mStitia  pfiefeatoe 
sebenit  Ihm  beinahe  der  sonst  schon  bemSngelte  CtaneBi  m  Uelea; 
▼gl.  mdnen  An&atz  „Am  NU  und  am  Bagradas**  In  TheeL  Slad. 
1886,  S.  566,  Note  4.  Die  BationaEtät  der  Entscheidung  (doeh  ver- 
gleich auch  iKor.  7  über  einiugehende  und  eingegangene  MIsebehwi) 
kdaate  man  in  Anspmch  nehmen,  wie  die  Aber  das  Schule  halten'* 
and  „Schale  betnehen'*  im  „Götsendienst**.  Doch  gilt  Über  Kom^ 
pfomieee  hIerÄhnliefaee  wie  das  von  Maeaalay,  History  of  England, 
aber  poUtiseha  oad  parlsmentsrieohe  Kompromleee  AnegefBhrta. 

2)  Eigentlich:  AnsflQehte  Sachen:  omnlbns  modle  caTillandom* 
Ober  die  ofcjdLtire  UoiaOtät  (oder  Immoialität)  eoleher  AnweisimgeB 
gilt  Äbnliehei  wie  das  Ton  Bdhrlager,  TertnlUaa,  S.  ISS  an  de 
idokilttria  eap.  28Beflierkte:  »Dse  heUIrt:  Iffiekeo  seigen  und  Kamelt 
Tcnchlucken.*' 


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T£BTULUAM  VON  DEM  KBaKZE. 


373 


wir  sind  ja  Soldaten  wie  ihr,  wenn  wirklich  Christen  in 
Massen  die  Fahne  mit  dem  Rücken  besehen  hatten. 

Im  Lichte  der  Zeit  betrachtet  und  von  dem  Standpunkt 
des  Staates  mulste  dies  Desertieren,  gekrönt  durch  ofien^ 
Wideratondi  eine  höehsl  ernatbafle  Seche  sem:  eine  £r* 
wignng,  fiir  daa  Veriiilltnis  des  p,KnaaM^  tn  anderan 
Schriften  ^  bedentsam.  Ist  Rriegszucht  notwendig  strenge, 
so  wuide  kier  Strenge  gepredigt  noch  durch  besondere  Ur- 
sachen. Man  wird  Herodian  kaum  sehr  mifstrauen,  wenn 
derselbe  kritisch  bemerkt  hat,  durch  daa  Aecbt  der  Hinge 
und  Heirat,  daa  Serer  den  X^egioiieD  gegeben,  sei  die  Zucht 
der  Trappen  geschidigt  wetden>.  Namentlich  wird  sein 
Urleil  TielfiMh  Ton  anderen  geteüt  sein.  Dam  kamen  jene 
häufigen  Schenkungen,  weiche,  seit  Claudius  ühiich  ^,  unter 
dem  airikanischen  Kaiser  eine  schreckhafte  Höhe  erreicht 
ond,  nach  neuerem  kundigen  Urteil^,  den  gleichen  schlim- 
men £rfoIg  hatten.  Beetimmle  Thatsachen  aengten.  Sever 
hatte  Erfahmng  Ton  nnbotmiAigen  Trappen,  ab  der  Stonn 
anf  das  eherne  Hatra  yon  seinen  Eniopiem  geweigert  ward. 
Den  späteren  britischen  Feldzug  hatte  er  in  der  Absicht 
brennen,  die  wankende  Mannszucht  des  Heeres  durch  Krieg 
und  Schlacht  2u  beiestigen  K    Wenn  unter  solchen  Verhäli- 


1)  Nämlich  DamsntUeli  so  de  fuga  und  ad  Scspnlam  (aocb  Soof^ 
piace).  Es  war  kaum  anders  möglich  [TgL  de  fuga  c.  1 :  com  neteio 
quid  «nnantiaretnr],  als  dafs  scharfe  Mafsnahmen  iblgteo,  welche  wie* 
dsrnrn  AcIaTs  jener  genannten  Schriften  wurden. 

2)  Herodian  HI,  8.  5.  Auch  der  erhöhte  Sold  wiid  ab  der 
Diixiplm  nachtpilig  bezeichnet. 

8)  Dem  von  Soldaten  erhobenen  Kaiser.  Er  gab  quina  cieua 
120  Pf.  dem  Manu  Sui  toQ  Üiaud.  10.  Marcus  und  Verus  gaben  je- 
dem von  der  Leibwache  vicena  1B0  Pf  Dio  73,  p.  1231.  Hadrian 
klagt,  was  ihm  die  Erhebung  ei  ups  Casars  (24  Millionen  Pfund  Ster- 
ling) gekostet  habe,  Gibbon-Wonck  I,  221.  —  Die  Coogiarien 
Serer'g  beliefen  sich  auf  IIUU  Denare  =  770  Mark.  UhlhorOi 
Uebeäthätigkeit,  S.  12. 

4)  Ceuleneer  S^ftrc,  p.  153. 

5)  Hatra  s.  Hertz b er g  (Oncken'eche  Sammlung)  S.  502.  (JHo 
78,  36.  Spart.  Pesc.  Nig.  c,  3.)  Zum  biit.  Feldzug  Lilie  Septim- 
Severus  Progr.  der  Realschule  zu  Magdeburg  1868,  S.  28:  ,»wenig- 


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374 


NOELD£CH£Ky 


iitflMn  gleich  naob  dem  Tode  SeTer^s  bei 

Truppe  ofiener  Widerstand  ansbrtcli,   so  war  das  von 

schlimmster  Bedeutung.  Das  Geschick  jenes  einzigen  Chri- 
sten^', dessen  Ende  wie  das  eines  Paulus  in  Strömen  von 
Biat  sich  versteckt  häit^  konnte  gewifs  nur  der  Tod  sein  K 
Das  nesck)  quid  in  der  n  Flucht auf  die  Thatssche  im 
Xiager  yOUig  riehtig  bengeni  drohte  mit  Masienverfelgiuigen; 
68  bedurfte  keines  Propheten,  diese  Wirkung  yoraasmaeben. 

Auch  die  Theorie  von  der  Flucht  hat  ihre  Qesohichte 
in  Afrika;  sie  bekräftigt  das  Datum  der  Kranzschrift. 

Wiederum  hatte  der  Autor  in  älteren  Traditionen  ge- 
ataadeadi  welche  ausgehend  von  Smyrna,  jene  Leolo  nioht 
rllhmteiiy  „welche  sich  selbst  pieisgebeii  im  Widerq[»rech  mit 
der  BotBchaft^'.  Er  steht  noch  308  auf  diesem  müderoa 
Standpimki  Seit  koraem  yon  Rom  mrüek',  nidit  ohne 
maociie  Verötimmaug,  doch  Geduld  sich  zu  predigen  aui- 
gelegt,  im  Sturm  jener  zweiten  V^irtoigung,  der  offiziellen" 
Sever's,  erwägt  er,  wie  die  Geduld  in  heifsen  Drangsalen 
heLb;  onter  anderem,  wemi  die  Flacht  drängt,  stählt  sie 
das  Bchwaohe  Fleiseb|,  das  Elend  denelben  sa  tragaa^ 
Etwas  anders  gestimmt  aeigt  ihn  schon  die  Schrift  an  die 
Gbkttin,  in  der  er  nun  nicht  mehr  selber,  sondern  seinem 
Hause  den  Text  liest.  Er  hat  den  Apostel  in  Arbeit,  sein 
melius  est  uubere.  Das  Bessere  'sei  nicht  das  Gute.  Aller- 
dings, auch  die  Verfolgungen  anlangend,  ist  es  besser, 
mit  Erlaubnis  au  fliehen,  von  Stadt  au  Stadt  sich  begebend, 


steiis  uuleriialiui  er  den  Krieg  gegen  die  Kaledoaier,  um  die  ge- 
lockerte Diaziplin  im  Felde  wieder  zu  befestigen''. 

1)  Der  römische  Soldat,  der  sich  zum  Schauspieler  hergab, 
wQids  out  dem  Tode  bsstiift.  Friedländer  II,  4S8.  IHas  Ufai- 
slriert,  wie  die  Vetaektwig  derMImeD,  so  anek  die  sUgensins  Strsags 
dtBt  idniwliea  HesrsMaoht 

2)  YgL  meiiiea  AufrsU  „Dss  Kitssheohold  in  Born  and  Tei^ 
tnllisa  nsch  dem  Partherkiisg**  la  der  Zeitsohrift  ftbr  «ns.  Thselogis 
1887  und  meia  Auftats  „Dte  Sitaation  vor  Tertnlliaa's  Sehrifit  Ober 
die  Oednld**  In  Zeltseiirift  Ar  kirehttclie  VHaieoschsIt  and  kiiehUchfls 
Lefaso  188&,  S.  577  ft 

8)  De  pat  13  (1, 610):  Si  foga  aigest,  sd  inoommeda  logae  osio 
mOitat 


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375 


als  ergriflfen  und  gefoltert  verleugnen.  Aber  wie  viel  seliger 
sind,  die,  das  gute  Zeugnis  ablegend,  aus  dem  Leben  zu 
flcheiden  vermögen  ^  Wie  viel  audera  erscheint  dies  iTlucht* 
recht  im  fi^nn  des  2.  Jahrsehntes.  Jetzt  hat  er  ausgemacht, 
dafii  jemi  iiii£Uiobe  Hermworfc  nur  der  Zeit  der  Apoetel  ge- 
griten  b*t,  und  die  es  jeist  noch  Terweiideiiy  der  Fdiglieil 
ein  Pflftsterchen  suclien  *.  Ist  es  die  Schrift  von  der  Flucht, 
in  der  er  so  breit  sich  auslegt^  gdiiz.  in  dem  nämlichen 
Ton  geht  doch  auch  daä  Buch  von  dem  Kranze.  Als  er- 
innere er  sich  Tatian's,  der  einst  |,kein  Hirschenherz'" 
haben  iroUte,  geÜMlt  er  die  Beine  der  |,Hirache''|  der  flaoht- 
eifrigen  Hirten,  die  doch  in  Zeiten  de»  Friedens  so  game 
den  L9wen  gespielt  haben.  Fliehet  von  Stadt  sn  Stadt^' 
mi  der  ganze  inliait  der  Botschalt  ,  die  sie  von  Jesus  em- 
pfangen haben  ^.  Es  bedurite  mancher  Jahre,  um  von  der 
^Geduld''  und  der  |,£^u^  sn  dieeer  Fintnohiedenhflit  mi£- 

Eine  weieatfieh  klare  Geechiidite  hat  auch  die  Fxag^ 

vom  Sehleler;  anch  de  fördert  den  Zweelc,  dem  ;,Krani^' 

6eiüe  Stelle  zu.  sichern.  Im  Gebet'',  also  schon  vor  der 
Schutzscliriit,  hat  er  die  Ansicht  verteidigt:  allerdings  auch 
die  Junglrauen  seien  zum  Tragen  des  Schleiers  verpflichtet 
Er  begegnete  lebhaftem  Widerspruch,  auch  Tonseiten  des 
Bischo&  Es  ist  damals  m  einem  Pakte  gekommen,  da(s 


1)  Sed  etiam  in  perseentioBibas  meUtit  est  es  penniasu  (donuni) 
ftagne  de  oppido  in  oppidmn  quim  compreboosiun  et  distortum  ne- 
gare.  Atqee  isto  beatiores  qoi  Talent  beata  tettimo&U  confessione 
ezcedere    Poisiim  dseeie:  Qnöd  penniUitnr,  bonusi  noB  est.  ad  ox. 

I,  3  (1,  672). 

2)  Hoc  (fugite  de  civitate  in  civitatem)  iu  pcrsonas  proprie  aposto- 
^orum  et  in  tempora  et  iu  causaa  eorum  pfrtinerc  iltfendimu«.  de 
faga  6  (I.  472V  Vgl.  meinen  Aufsatz  „Tertulüan  und  Sankt  Paul" 
in  der  Zeitschritt  für  wIbs,  Tbculoi^io  XXIX,*  4,  S.  477. 

3)  iyut  ^iv  oix  fj^üj  xuQdi'uv  h.wfov.    ^ivya;  n^b^  'Ell..  C.  43. 

4)  Nec  dnbito  quosdam  8criptura.s  emignir*'  aktiv  gebraucht  vgL 
Vulgata  Ps.  51,  5,  was  überall  verkanut  wii  Jy  sarcinaa  expedire, 
fugae  acciugi  de  oiTitate  in  civitatem.  Nullam  enjn\  aliam  evangclio 
memoriain  curant  Novi  ei  paatores  eorum  iu  pace  icuues,  iu  proelio 
cerros,  c.  1. 


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376 


MO£LD£CH£N, 


man  rieb  beiderMito  dulde.  ^^Oianbe  niobt  ffim  und  Kmis^, 

80  ermalint  er  seine  eigenen  Leute,  „die  Autorität  des  Bischofs 
hierin  erechüttern  zu  können.  Man  folgt  einer  Gewohniieit 
von  Miswärto  und  beruft  sich  auf  deren  Alter/'  Ihm  ge- 
ndgt,  WM  dar  Biaehof  gewihrti  die  gegoiweitig|0  Dolduiig: 
war  im  ScUaier  niiiiiiiti  darf  ihn  bakalteii;  die  tbn  niebl 
wolkoy  eoU  maxk  meht  dbrftngen  K  Später,  ana  Rom  anrttdE, 
ßti'eiit  er  die  nämliche  Frage,  den  früheren  iStandpimkt  be- 
hauptend: »ein  besonderer  Htoff  legt  ihm  nahe,  die  bache 
satirisch  zu  wenden:  damit  man  die  Wulste  nicht  sehe,  die 
aiob  auf  einem  Weiberhaupi  türmen ,  beftble  der  Herr  dia 
YerMhlaieniiig  So  redet  imd  aobraibt  er  aagenebta  der 
aweiten  Verfolgung.  Ea  kamen  die  Tage  dea  FHedena  %  anf 
welche  die  Kranzschrift  aurttckblickt,  und  damit  die  leidige 
Muise  zu  innerkirchlichem  Hader.  Es  droht  jene  Gewalt- 
that,  dais  man  den  Schleier  vom  Haupt  reilsty  was  dann, 
die  gehamiaohte  Schrift  Uber  den  Jungfranenachleier  ver- 
anlagst i^B^a  Privileg'' aoU  nicht  Mala  geben.  Hier  voU- 
deht  rieh  die  Sehwenkung  gegenftber  frltheren  Orondaltaenr 
die  bloAe  Gewohnheit  ala  Bolebe  kann  nidita  gegen  di» 
Wahiheit  ^    Endlich  die  Schrift  von  dem  Kranze.    In  drei- 


1)  Si  naptas  alieoas  telari  jabet,  suas  utique  magis.   Sed  noik 

putct  institutionem  oDusqnisque  antecessüris  commovendam.  Molti 
alienac  consnctudini  prudputiam  nunm  vi  conatantiaTn  ejus  addicunt- 
(letzteres  wahrscheinlich  etwan  verderbt:  die  cöiistantia  ejus  sclicint 
die  eonstantia  consuctudinis  zu  sein).  Ne  compellantur  velari ,  certe 
▼oloDtarias  prohiberc  nou  oportet,  de  orat.  22  (I,  öiTsq.).  Zu;  de 
illiB  tarnen,  quae  sponais  dicantur  etc.,  vgl.  de  y'ng.  vel.  11  (I,  899'': 
nisi  quad  eliam  Rebeccam  (d.  i.  die  Braut)  quidam  adhuc  vel«int. 
Bei  dieiea  wirkt  aiso  seine  einstmala  kundgegebene  Ansicht  nooh 
nach. 

2)  ])eu9  vos  velari  jubet.  Credo  ne  quar\;ndam  capita  videautur. 
de  cuitu  fuu.  II,  7  (I,  725).    Zur  Verfolgung  vgl.  ib.  c.  13  (I,  734). 

8)  Die  bona  et  longa  pax  de  cor.  1  ^^J,  417).  Vgl.  Buuwetsch, 
Di«  S^iiften  Tertullian's,  8.  68f.  Seine  Widerlu^uiig  von  Kellner, 
dar  richtig,  wenn  auch  noch  mit  nnznrelchenden  Gründen  211  als 
das  Jalur  dea„Knaa6i**  hinftellte,  ist  äuTserst  schwach  und  hinfällig, 
a  Ibid.  p.  70. 

4)  Hoe  erigeie  veritatem  (virgine»  vriari  oportere)  cui  nemo  prae- 


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TEKTULLUN  VON  DEM  KRANZE. 


377 


nudigem  RttekbÜck;  grOndUelier  «U  Sm  i^FmnoDpuis'',  kommt 
er  Uer  auf  den  Schleier  ^,  mn  Geclftohtnis  der  Kampfediitee 

der  Vorjahre  erhärtend.  Mit  bemerkbarer  Absicht  zerrt  er 
diese  Frage  hervor,  dieselbe  künstlich  beschneidend  und  für 
seinen  Zusammeniiang  stutzend.  Es  gilt  ihm  die  „Tn^ 
ditkm'',  die  er  in  der  Kranzsaohe  anruft;  aber  er  hatte  im 
Schleier  die  Traditioii  ja  halb  preiigegeben.  Qeau  TeriatUei 
Genie  weift  aber  einen  Weg  nch  an  hanen,  der  ihn  aism 
Alten  Bunde  hinführt,  da  der  Neue  Bund  ihm  nicht  dienen 
kann  ^  Wnv  doch  die  Schleierfrage  ihm  hier  durch  Schrift- 
Gründe  abgetban.  Der  Alte  Bund  ist  m,  der  klar  den 
Schleier auf  Tradition  stellt.  Diese  verschleierten  Jü- 
dinnen, deren  Mengen  die  StraXben  ihm  laigeni  belogen  kein 
jttdiflches  Schriftwort:  wo  Terlaagte  das  Oeaeti  doch  ein 
▼elum?  Oäet  will  man  Rebekka  hier  anführen ,  von  der 
die  Thorah  erzählt?  die,  von  ferne  den  Bräutigam  schauendi 
sich  schamhaftig  verhüllte? 

Aber  die  Scham  dieser  einen  konnte  nimmer  gesetzgebend 

  • «  _ 

wirken*.  £b  bleibt  also  bei  „ Uberlieferang Brachte  er 
weiter  Bebckka  eohon  ngnifikant  in  dem   Schleier ^  und 


scribere  potcst ,  non  i^pnthim  tcni]>orum,  non  patrociaia  personanua, 
DOn  privileii^iuin  riT^ionum.    de  virg.  vcl.  1  (1,  883). 

1)  c.  4.  G   I  i  a,  424.  428.  454\ 

2)  Quaero  legem,  Apostolum  (lillno.  I,  4*24  DIftVrre  heifst  bei 
Tertullian  freilich  auch  „aufacbiebeu'*,  sich  etwas  für  die  Zukunft 
Torbehahen ;  jedoch  keiuesweg.H  immer.  Vgl.  dilati  ab  omni  fnige 
viLac  apolog.  40  (=  rcmoti:  Oehler  Ind.  verbO-  In  diesem  Falle 
halt«  er  schon  sehr  früh  (de  orat.)  den  Apüütülui.  geltend  gemacht. 
Zudem  zwingt  der  Kontext  hier  zu  der  Ubersetzung:  den  Apostel 
lasse  ich  beiseite. 

8)  ffi  Rebeoea  eonspecte  proenl  apomn  Yelamen  Invsdt,  prifatna 
INidor  legem  fixere  n/m  potoit.  e.  4  ^I,  ^4).  Vgl.  de  eret  S9 
(I,  579).  8atiM|iie  BoU»  eiemplo  Rebeeea  est,  quae  sponso  demoii* 
tCiato  tantum  notitia  ejus  nabendo  veiata  est.  Aneh  dies  leigt  die 
weite  Itene  ton  de  oiatione.  Er  sagt  wirklieh  das  Gegenttfl  too 
dem  lUberen.  Daa  eiemplo  eme  ist  gloich  dem  legem  fiMseie 

4)  Et  desponaatae  qvidem  habeat  exemplum  Bebeceae  ....  0 
rnnÜcrem  jam  de  Cliristi  dJseipUaal  Aneh  hierbei  bebanptet  der 
^SeUeier''  (206)  awisehen  de  oral  vad  de  eoroiia  (211)  die  nuttlere 


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378 


^'OKLDECUEN, 


nimmt  er  hier  kürzer  nur  auf,  was  er  früher  ausfuhrlicher 
vortrug,  80  entdeckt  er  hier  noch  die  Susanna,  die  ähnliches 
Licht  EU  verheifsen  scheint.  £ine  gewisse  spielende  Art  ist 
bei  ftUedem  nicht  za  Terkeniieii.  £s  ist  em  £pilog  zu  der 
Frage,  die  er  einst  mit  Leidenschaft  'anfiiTste,  die  aber  grd- 
fseren  Dingen  jetzt  in  seiner  Seele  gewichen  ist.  Er  macht 
den  ironischen  Vorschlag,  dieses  Zankapteis  iniide,  um 
Rebekka's  willen,  der  Braut ,  nur  die  Virgines  sa  yer- 
schleiem,  und  witaelt  überSasannay  die  im  fianmgarten  des 
dkktten  schwerlich  verschleiert  spanert  sei  Die  Gereiathmt 
des  Schleiers  klingt  nach;  aber  die  Trösterin  Zeit  hat  diese 
Wellen  gebändigt 

Die  Askese  hat  ihre  Geschichte,  insbesondere  die 
,iTrockenkost'^  und  die  Flacht  vor  dem  Beda  i^Zwei  Wo- 
chen des  Jahres,  nach  Abang  von  Sabbat  nnd  Sonntag^, 
hören  wir  von  dem  Greise,  weihen  wir  —  PJiryger  —  dem 
Herrn  *,  dem  Fleisch  und  den  Brühen  entsagend  und  zu- 
gleich allem  8aib*eichen  Obst,  auch  des  Bades  uns  enthal- 
tend, ,;wie  das  solcher  Kost  ja  gemäfs  ist'^  Dies  die  Praxis 
des  Mannes,  hart  an  dem  Rande  des  Todes  oder  jenes  end- 
lichen Stunipisiiins,  den  Hieronymus  meldet.  Es  tragt  sich: 
war  diese  l^raxis  von  Haus  aus  Erbe  der  Phryger,  wie  ge- 
legentlich die  Meinung  verlautet^  eine  Entwickelung  im 
Montanismus  sei  nicht  füglich  zn  denken.  Wir  denken 
darüber  anders,  überzeugt,  dafs  die  findige  Selbstqnal  aller- 
diri^s  einem  Fortschritt  gehuldigt  und  aus  dem  Borne  der 
Weissagung  stets  neue  Einfalle  trank,  wie  dem  Herrn  noch 
besser  zu  dienen  sei.  „Disciplina  novitatem  oorrectionis 
admittit/'    Wie  nach  augustinischer  Nachricht  der  greise 


\)  Tegantur  Tirginefl  solae,  et  hoc  nuptnin  yeDiratet»  nee  aste 
quam  cognoYerint  sponso«. . . .  Von  SuMBiia:  cetemm  in  stadio  marili 
non  putem  Telatam  deambulane  qaae  plaenit,  I,  434.  Alles  das  ist 
teils  Sarkaamos  t^Is  ironiaeiies  Spiel. 

2)  Dum  in  anno  liebdomadss  xeropliagiamm,  nee  totas,  exceptit 
aeiHcn  sabbstis  et  domimeia,  offerimus  deo.  de  j^.  16  (I,  874).  Ar- 
gunnt  nos  ...  qnod  etiam  xerophagias  obflerrenras,  oieeaotes  cibnis 
ab  omni  eame  et  omni  jumlentia  et  nvidiorihns  qnibnsqQe  pomis  . , 
lATacrl  qnoqne  abstinentiam.  congmentem  arido  Tictiii.  e  1.  (I»  8GS). 


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TEUTULUAN  \Oii  DEU  RUAÜZE. 


619 


TertttUkn  mit  den  anderen  Pfaiygern  zerfiel^  wie  es  das 

Phrygertum  fertij:^  bringt,  Beinen  alten  Moii:u  cliianismus  zum 
Trinitarismus  zu  modeln,  wie  wiederum  Tertuüian  die  Pe- 
pnzasch wärmer  beiseite  schiebt  ^ ,  so  war  snmal  ja  die 
Zucht'*  ein  irnchtlMaer  Boden  der  Neuerung,  ein  finitbett 
vieler  ProgroBse.  IKe  Ktanzscfarifl  nun  noch  liendHcb 
in  den  Anfingen  dieser  „  VenroUkommnungen wie  eine 
Liste  der  „schriftlosen"  Bräuche  ergiebt  im  Vergleich  mit 
dem  Späteren  Eine  Badeenthaltung  wird  autL!:rliihrt :  sie 
erstreckt  sich  aoi  eine  Woche  nach  eben  vollzogener  Taufe  ^. 
Später  steht  es  ganz  anders.  Wie  wir  sahen  |  eine  Dekade 
TOD  Tageui  swei  Wochen  während  des  Jahres,  mit  Absng 
Ton  Sabbat  nnd  Sonntag  sind  bestunmt  der  £«nthaitang  yom 
Bade.  Anch  dies  ist  ,,8chrifUoBer'' Kirchenbrauch,  also  war 
er  nicht  woIjI  zu  verschweigen  in  jener  Liste  von  früher :  es 
war  aber  ein  Fortschritt,  der  ausstand.  Das  Trocken- 
essen''  betreffend,  so  macht  ja  der  Spätere  Anspruch,  die 
SchriflmlUsigkeit  dieser  Keuerang  mit  DanielBtellen  an  siohem. 
Immerhin  aber  muls  er  versichten,  die  „ Dekade^'  biblisch 
an  eichen,  nnd  so  möchte  man  meinen,  anch  dies  gebOrta 
mr  Liste,  die  er  im  Kranze  entworfen  hat.  Eher  liefse  sich 
sagen,  dais  ja  auch  die  Schrift  von  der  Seele,  dem  Kranze 
viel  näher  benachbart,  sanitäre  Klagen  enthalte  über  die 
saftreichen  Früchte,  die  die  spätere  Trockenkost  bannte. 
Doch  obgleich  hier  schon  Daniel  redet*,  wird  nicht  nur 


1)  Sed  uec  ulH  oimiiao  tcrnic  salus  repromittitur,  quam  oportet 
cum  tcttius  inundi  luihitu  prartcrirc  de  res.  camis  2')  fll,  frOP.  — 
Anch  der  von  JjitTonymus  bcieu^^te  Progrdö  d<T  siiütereu  l'hryger 
JEU  drei  Woclicn  der  Trückenkost  (s.  Oehlcr's  'So{>i  zu  de  jej.  15» 
I,  874)  gehint  in  dieses  Kapitel.  Auch  TertulUaii  (de  nuima  48, 
Oeld.  IT,  634} ,  wüliicud  er  freilich  noch  gar  uiclit  nusdriicklich  der 
eigen«  ij  Xerophagien  denkt,  scheint  ciue  solche  Dreiathl  von  Wochen 
als  ein  biblisches  Ideal  vorzuschweben:  quia  et  Daniel  rursus  trium 
hebdomadum  statione  aruit  victii.  Waren  die  eiDgefuhrten  swei 
Woeben  eine  vorläufige  Abschlagszahlung? 

2)  Eiqne  es  die  (dem  TaaftAg)  kvscro  quotidlono  per  totmn  heb- 
domadem  abetinemae  de  cor.  8  (I,  421).  Das  ist  also  eine  Woche 
lud  swar  einmal  im  Loben. 

3)  S.  die  oben  angefOhHe  Stelle  de  aaima  48. 


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380 


NOELDECH£N; 


noeh  Y(d]ig  gwhwiegen  von  der  Bpitoren  WiHkttrattkew, 
auch  der  Kontext  jener  Stdle  begründet  kaum  die  Ver- 
mutung, die  Askese  sei  jetzt  schon  im  Scli^\'ange.  Dem 
Quellpimkt  geateigeiter  Strenge  werden  wir  freilich  recht 
nahe  sein.  Es  brauchte  nur  eine  Schwester  die  Doktrinen 
der  ifSeele"  reoht  einsaflangeni  lie  dann  in  einein  Orakel 
als  gOttHche  Weisimgen  kund  m.  geben  \  und  dar  Book  in 
weiterer  Heiligung  war  eben  damit  ▼oUendei 

Die  Traditiünatheoric  ist  von  uns  vorher  gestreift  wor- 
den; aucli  sie  hat  ihre  Geschichte,  instruktiv  für  unsere 
Frage.  Früh,  hereits  vor  der  öchutsachriit  machte  das 
Bedürfnis  sich  fühlbar,  in  der  Frage  vom  Schauspiel  den 
8oliriftfelse&  su  finden.  £infiütig6r  Gkubcy  oder  wie  jelit 
▼ersöbnend  gesagt  wird,  gewiaeenhaft  peinliohe  Soi^gfidt* 
fragt:  wo  steht  in  der  Schrift:  du  sollst  die  Schauspiele 
meiden.  Der  „  Lehrer"  findet  die  Antwort  Freilich :  nicht 
töten,  nicht  ehebrechen  scheine  ausdrückUcher  dazustehen. 
Von  Cirkus,  Theater,  Arena  scheine  Bestimmtes  nicht  auf* 
geschrieben.  Dennoch  findet  er  Scbriftgrond,  die  Spar 
dem  Clemens  verdankend  *.  Der  erste  Psalm  wird  dienst- 
bar mit  seinen  „Wegen  nnd  Sitaen"^  die  anf  Gänge  nnd 
Plätze  der  römischen  Schauhäuser  deuten  sollen.  Der  all- 
gemeine Auödruck  vertrage  die  besondere  Bez.ieliung-.  Wir 
sehen:  die  spätere  Losung,  das  „Herkommen''^  ist  noch 
nicht  fertig,  die  im  II  Kranze''  so  laut  tönL  Die  lange  Zeit 
seit  den  „SchaoBpielen'^  redet  hier  aiomlich  beredt  »Wie 


1)  Forte  neflcio  quid  de  anitna  diBsentenunua,  eam  ea  sotor  ia 
spiritu  esset  etc.«  de  anima  9  (U,  668). 

2)  Quorundsm  «um  fides  aut  simplicior  aut  scnipatosSor  ad 
hanc  abdicationem  spectaculorum  de  scripturis  auctoritatem  expoa- 
eit  etc.  de  spect.  8  (I,  22).  Beilänfig  sei  hier  bemerkt,  dafs  in  den 
spStertti  Schriften  die  simplicitas  immer  mehr  in  dem  bitteren  Sinae 
^er  dummen  Einfalt  genommen  wird. 

3)  Vgl.  mciiicn  Aufsatz  TcrtuUiun's  VerhSltois  sa  Clemens  TOn 
AlexsndrieD,  Jabrbb.  für  prot.  Theoh  Xll,  289. 

4)  AUeidtags  unteneheidet  er  bc^iflnieh  traditio  and  consnetade. 
8.  S.  381  Anm. 


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TEBTULLIAN  VON  DEM  KRANZE. 


381 


lange  boUgu  wir  zerren  an  dieser  ewigen  Säf^e"  wenn 
man  immerfort  ScLriftBchutz  verlangt  fiir  die  einzelnen 
Bräuche  der  Kirche.  Fragt  man:  wo  steht  denn  geschriebea: 
ihr  BoUi  euch  der  Krttnae  enthalteD,  so  erheben  wir  billig 
die  Ckgenfrage;  wo  steht  gescfaiieben:  bekrHiist  eachl' 
Indem  er  es  frdlich  sich  ^rbehiüt,  später  im  „Knam"  m 
erörtern :  kern  Priester,  Levit  oder  Archen,  ja  kein  Schläger 
von  Pauken  und  Cymbeln  ^  zeige  im  Alten  Bund  Kränze, 
vorfahrt  er  zunächst  radikaler  mit  den  schriftdurätigen  Seelen. 
„Wir  hnhm  einen  alten  Brauch'^:  das  lafist  euch  genügeOi 
da  die  „Tradition"  seine  Quelle  ist 

Nie  hat  er  die  „ Tradition''  ^  vorher  so  entschieden  ver* 
herrKoht*,  die  hier  mit  „Gkwohnheif  tind  Glaube''  zu 
einer  Triab  sich  einigt.  Eine  verwandte  —  methodische  —  Trias 
hatte  er  vorher  im  „  Schieier  Schrift ,  Natur ,  Disziplin  ^ 
waren  da  ihm  die  Sterne  der  Wahrheit,  welche  den  Chri> 


1)  Et  quam  diu  per  haue  lineam  MRam  ieoi]in)cafafaDiia  ete.  c.  8 
Ä480). 

2)  Et  fkeile  est  statim  exigere,  nbi  ■eriptimi  lit,  ne  eofonemiir. 
At  enim  seRptaiii  est  ut  coronemur?  e.  2  (I,  420). 

S)  C.  9  (I,  488).  Bei  seiner  guten  Bekanntsebaft  nüt  Clement 

ist  auch  hier  so  Tmnaten,  dafs  Jesaja  5,  12,  das  in  wesentlich  ähn- 
lichem Zusammenhang  auch  bei  Clemens  auftritt  (Paed.  II,  4.  K.  A. 
164.  D.)t  ihm  duieh  feine  Clemeaslektore  wenigstens  geläufiger 
wurde. 

4)  „Ist  gleich  der  Montanismus  als  neue  Offonbarun^stufc  anti- 
traditionell, so  begünstigt  er  auch  wieder  dio  Autorität  kirchlicher 
Tradition  durch  Negierung  der  Absolutheit  der  neutestamentlichen 
Oöf'n!mrung."  Boiiwetsch,  MoiitanisTnus ,  S.  103.  Diese  letztere 
Negieruüg  freiticii  Iv.:^:^  I  n'i  T<  rtulliau  zur  Zeit  des  Kranzes  noch  in 
den  Windeln.  Vgl.  meiucn  Aufsatz  Tertullian  und  Sankt  Paul,  Zeit- 
«chrift  für  wissensch.  Theologie. 

5)  Man  vergleiche  die  Indice»  bei  Dehler.  In  dem  frühen  de 
poenitentia  (204)  giiul  es  perversae  tradilituies ,  die  erwiilint  werden 
c.  7  (I,  657).  Bekauutlich  citiert  er  nie,  im  Unterschiede  von  Clemens, 
auCserkanonischü  Evangelien. 

6)  In  bis  conaittit  defensio  noetrse  opmionis  secundum  scripta' 
nun,  secnndiun  natiuam,  seenndnm  disotpluiam. . . .  Dei  eat  scriptum, 
de!  est  natwm,  dei  est  dfadplina,  c.  IG  (I,  'Ml).  Seriptnia  legem 
eondit,  natma  eoiitsstsliirf  disoiplina  erigit.  Ibid. 

Ssttsehr.  t  t.-0.  lU  9,  25 


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382 


no£:ld£<;h£M, 


sten  ihr  Licht  geben.  „Die  Sclirift  giLindct  die  Satzung, 
die  Natur  leistet  ihr  Zeugnis,  die  Disziplin  treibt  sie  ein." 
Die  besondere  Art  seiner  Kranztrage  bedixigte  eine  gewisse 
Veränderung,  denn  die  Schrift^';  abseits  von  dem  Schweigen^ 
konnte  hier  nichiB  mehr  entscheiden :  jene  Sterne  rücken  ein 
wenig,  ja  einer  scheint  su  yerbldchen.  Fragst  da  nach 
einem  Schriftgnind  \  du  wirst  ihn  vergebens  dir  suchen 
Die  neue  Trias  ist  diese;  Tradition^  Gewohnheit  und  Glaube. 
„Die  Tradition  ist  der  Urheber  und  die  Gewohnheit  Be- 
seuger  und  der  Glaube  Be wahrer''  —  auch  dieser  Enthal- 
tung vom  Kranse.  Nachträglich  macht  sich  auch  hier  die 
Wirkung  des  ^ Schleiers^*  bemerklich:  die  „älteste  Bis- 
raplini  die  Natnr^'  *  moTs  Bchliefslich  mit  auf  den  Kain})iplatz. 
Eine  gewisse  Jiikünbe<|uenz  scheint,  nach  vorwärts  und  riick- 
wärts  hier  vorzuliegen:  wenn  der  Bann  eines  alten  Brauches 
im  f/Schleier''  grundsätzlich  niederhel  und  verrottete  alte 
Gewohnheit ''  gegenüber  der  Wahrheit'^  das  Banner  senkt^ 
während  „Einreden'^  wie  „Kranz''  das  gefestigte  Herkom- 
men hochhalten.  So  entschieden,  wie  es  äolseriich  schmt, 
wird  er  doch  nicht  sein  eigener  Gegner.  Der  Grundsatz 
der  Einreden  gilt  ja  rein  theoretischen  Dingen,  während  hier 
eine  Praxis  in  Frage  ist  Dazu  kommt,  dafs  auch  selbst 
im  „Schleier"  —  also  auch  einer  praktischen  Frage  —  das 
„Herkommen''  und  die  „Wahrheit*'  nur  teilweise  sich  Trotz 
bieten,  insofern  als  das  erste  gespalten  ist,  Tertullian  gde- 
ohisehen  Brauch,  die  andern  römischen  wollten.  Bas  Wich- 
tigste ist  hier  liir  uub  der  neue  und  entschiedene  Vorstofs 
Beiner  Uberheierungslehre ,  der  auch  seinerseits  die  Kranz- 
Schrift  von  den  früheren  Büchern  fem  rückt. 

Auch  die  „Komanität"^  hat  endlich  eine  gewisse  Ge- 


1)  Wie  er  in  den  „Einreden"  einst  den  Schriftgrund  den  ]v<  t/.em 
verweigert  hatte,  so  verzichtet  er  hier  selber  darauf,  näuiUch  iu  ge- 
wiseeu  Fragen  der  „Zucht". 

2)  Harum  et  aliarum  ejusmodi  disciplinanun  ai  legem  expostoles 
scrlpturarum,  nullam  leges  de  cor.  4  (I,  424).  Traditio  tibi  pitelen- 
detur  auctrix,  consuetudo  confirmatriz,  et  fidsi  obssmtrix  ibid. 

8)  Natura,  qoae  prima  omnhim  disdpliiia  est,  e.  5  (I,  426). 

4)  Quid  nauc,  ti  stt  Bomsnitas  omni  ■slns  de  psll.  4  (I,  989). 


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T£KTUIXUN  VOK  DEM.  KRAHZE. 


383 


schichte,  und  ihre  Phase  im  „  Kranze bekräftigt  dessen  Da- 
tierung. Diese  „Romanit&t"  ist  zwiespältig,  insoiern  sie  die 
lümische  Weltmacht  und  ihr  italisches  Zentrum  oder  swei- 
iem  die  Gemeiiide  in  Born  und  ihren  Bischof  betreffen  mag. 
Aber  wundem  darf  man  sich  nicht ,  wenn  beiden  audi  in 
«inander  flielst  Bei  dem  eich  steigernden  Grimm  gegen  das 
christliche  Rom  lag  das  nahe.  Ist  die  Front  gegen  Kum 
als  Weltmacht  ihm  so  alt  als  sein  rlnistiiches  Autortum,  so 
giebt  es  docli  Nuancen  selbst  hierin.  ;|Die  Chi*isten  ein 
Staat  im  Staate"  mit  der  Anwartschaft  auf  die  Herrschaft^ 
Ist  freUich  schon  Lehre  des  ,,Fablikams'^  \  aber  der  Kaiser 
hat  seine  Achtung',  die  üch  erst  allmShlich  yonnindert 
Ein  besonderer  SchdbBck  auf  „Stadtrom"  ist  schon  dem 
„Frauenputz"  cic;«  n,  der,  wie  mit  dem  „Durst"  seiner  Hei- 
mat, so  mit  trüben  gemeindlichen  Eindrücken,  in  Rom  em- 
piangen,  zusammenhängt Plautian's  wüste  Ermordung  und 
dee  Kaisers  scbw&chUche  Stellung  vennindert  dann  jenen 
Bespekt^  den  der  mächtige  Leptitaner  in  seinen  Augen  ge- 
nossen. Speriiischer  Afrikanismus  spricht  aus  der  Schrift 
Von  dem  Mantel,  die  alte  l^arlliagische  Glorien  —  bis  auf 
Sturmbock  und  Klcidertracht  —  hochhebt  *.  Nicht  unähn- 
lich ist  auch  einiges  in  der  Schrift  Von  dem  Ivianze.  Die 
l>omenkrone|  bemerkt  er^  erianden  römische  Söldner:  wie 
kann  man,  was  Kränze  anlangt^  auf  dieses  Quartier  sich 
berufen  ^   Und  sumal  der  perorierende  Scblufii  kann  recht 


Hier,  wo  der  Ausdruck  Romanität  allein  vorkommt ,  wird  er  ja  im 
weltlichen  Sinne  genommen.  Ich  (asBe  geflissealhch  die  beiden  Ge- 
sichtspunkte zusammen. 

1)  Vgl.  namentlich  den  Schlufs  von  ad  nnit.  II. 

2)  Severus,  constantissinms  priucipum  apol.  4  (I,  128). 

3)  lila  civitaa  valida,  quae  super  montea  septem  et  plurimaa 
aquas  praesidet  de  cuitu  fem.  II,  12  (I,  732).  Vgl.  meinen  Aufsatz 
Tertullian  und  die  Kaiser  in  Maurenbrecher'B  lli^t  'r;ii,cheuL»uch 
1888.  Über  Piautian  und  Tertuiliau  s  Stellunguiiimic  zur  Mordthat 
ebendaselbst. 

4)  S.  meinen  AufsaU  Tertullian  „Von  dem  Mantel**  in  denjshrbb. 
für  prot.  Theol.  XII,  615ff. 

5)  Bomanomm  miUtnm  fnit  eominentimi,  ex  usu  vd  aaeeidaxis» 


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884 


N0ELDBCB8N, 


an  den  Mantel''  gemahnen:  Schämt  euch,  ihr  römbcben 
Waflfenbrüder  —  die  Brüder  jenes  i^emzigen  Christen  "  ^  nnd 
laCbt  euch  nieht  aowobl  richten  yon  diesem  kabnea  BekemMTf 
ab  von  den  „Kriegern'*  des  Ifitiirasy  die  gemftfs  dem  Kitotl 

seiner  Höhleu  den  KiLinz  von  dem  Haupte  herabi  Innen 
und  sagen:  »I^cr  Kianz  gehört  Mithras''.  Kur  noch  sai- 
riger  schmeckt  hier  die  ^iBomanifftt'^  als  Im  Pallium.  Aus- 
tischer  Aberig^be  —  den  ja  Rom  so  begierig  getrunken 

rnuft  diese  willigen  Krfinsler  der  groben  Roma  besdiSmeD. 
Nichts  im  Kranz"  wie  im  „Mantel"  reiclit  aher  ander- 
seits irgend  heran  an  die  voUe  Verzweiflung  am  k^la^Uc,  wie 
sie  im  Anfang  der  nEeuschheit"  sich  ausspricht  ^  Die 
Mittellage  des  „ECranaes''  wird  sich  auch  hierin  bewährea 

Ähnliches  gilt  nun  durdiaus  gegenüber  dem  christficheo 
llom.  Einst  in  der  Schrift  von  den  Einretleu  klangen  Töne  zärt- 
licher Liebe  und  bewundernder  Beugung'*,  einDecennium  spät« 
erhob  er  Protest  gegen  das  „Vorrecht  der  Gegend",  jetst  in 
erkennbaiem  Rttdkblick  auf  in  Rom  erlebte  Zerwüifiiiaae 
folgt  Deutung  der  Apokalypse,  der  enfblge  ein  Christ  über- 
haupt kaum  in  „Babylon"  wohnen  clarl.  Aber  bis  zu  dem 
letzten  Sturmlauf,  der  nun  gar  nicht  mehr  dem  heidnischen 
Babely  sondern  dem  Bischof  von  Rom  gilt,  der  als Seiltänzer 
der  Keuschheit"  Fleisch  und  Geist  bahmcieren  will*,  bis 
sur  unverhüDten  Bekämpfung  der  rdmiscfaen  Petmskircfae^ 
der    die  Ciu'iötubkircLe   entgegen    steht  ^|    ist    doch  die 


quem  popnloi  Dd  nec  pnbliese  irnquam  faietitise  nee  iogenHae  lozoiise 
aoalne  admisit  Er  entlastet  gerne  die  Jodeiii  den  ^populiit  IM* 
aneh  bei  dem  Anogsog  von  Golgatha,  e,  9  (I,  488). 
1)  De  pndic.  e.  1. 

8)  Ista  quam  feliz  ecdesia  de  prseser.  88  (ü,  84). 

8)  Privil^glam  Ngioomn  de  riig.  nL  1;  Rom  vnbetsn  sie  Asf- 
enthslt  de  cor.  18  (I,  450);  der  finambnliis  pudidtiae.  de  podie.  10 
(I,  818). 

4)  Qealis  es,  etertsos  atqne  eommnts&s  mamfettam  doadni  in- 
tentiopem  personaliter  hoc  Pelm  eonÜwenBftsai  ds  podie.  81 
(If  848). 

6)  Ut  etism  Petio  ea  ntk>  depulsada  sit|  ti  statioBs  «imc  teietai 
est  •  .  Hoe  sl  msgis  ad  rsügionem  aapit  GfaiMBaam,  dna  ssigii 
Cbristi  glorism  eslebist  ete.  de      10  (I,  888). 


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TEKTULUAN  \0a  DEM.  KRAKZfi. 


385 


Reise  noch  weit;  auch  hier  steht  der  „Kranz''  in  der 
Mitte. 

BegriÜlich  ein  anderer  Gesichtspunkt  iat  der  Keflex 
seines  Ansehens  als  Autor  und  des  ihm  entsprechenden 
SolbstgefÜhb;  doch  auch  dieaer  bat  aaine  Geeohichte,  die 
für  uns  mmsa  lehrhaften  Wert  bat  Spriofat  ongetaefate  Be- 
scbeidenheit  aus  den  älteren  Bttchem  des  Mannes,  der,  wenn 
kein  Jüngling  au  Jahren,  ald  CLrist  und  als  Scbriftsteller 
jung  ist,  so  wächst  er  zu  notorischer  Gröfse,  wird  Autorität 
der  Gemcindcu.  Quantola  fide  sumus,  tantuio  inteUeotu  — 
mediocritae  noetra  —  bomo  noUiiis  loci  —  TertoUianiii  peocaior 
—  peocator  omnium  notarom  —  ntinam  nuMminas  €^  ^  — 
dies  ist  die  Demntageberde  leiner  frttberen  B&cher.  Zu  den 
Märtyrern,  meint  er,  ist  er  nicht  würdig  zu  reden.  Spricht 
er  luin  auch  noch  spät  —  mit  heute  verblüffender  Deutlich- 
keit^ —  von  seinem  einstigen  Wandel  als  Heide,  so  ge- 
wahren wir  doch  im  Durcbsohuitt,  wie  solche  Töne  ver- 
klingen, wie  aiunal  sein  wachsendes  Ansehen  als  Führer 
und  Scbriftsteller  dnrcblencbtei  Nicht  nur  wird  er  ge- 
wohnt^ rieb  als  Antor  selbst  an  eitleren  —  er  wird  ofi^bar 
häufig  befragt  ~\  wie  er  auch  unuuigciurdürt  sein  Gutachten 
abgiebt.  Bereits  die  Einreden  zeigen  ibii  als  (hm,  der  „  Er- 
innerung'' spendet  I)ie  späteren  Öchritten  zwami  sprechen 
von  gewissen  Gewohnheiten,  so  oder  so  sich  zu  äulsem. 
^  Meine  Wuse,  die  Parabeht  an  deuten,  darf  ich  ak  bekannt 
betrachten      „  Ich  pflege  bei  Bekämpfung  der  Haereeb^'  *  — 

1)  Die  Steilen  der  Reihe  nach:  de  bapt  10  (I,  628 f.);  de  orat. 
20  (I,  573);  de  bapt.  20  (I,  640);  de  paenit.  12  (T,  eßh)  -  de  culta 
fem.  7  (I,  725).  Dazu  de  paen.  4  (I,  649):  Tu  peccatoi,  nici  eirnilia, 
immo  me  imüur,  ego  enioi  pruebtantiam  in  delictis  meam  a^uOiiCO. 

2)  Ego  me  scio  neqiie  alia  carue  aduUeria  commisisse  etc.  de 
res.  caru.  50  (II,  b-UV}.  Doch  ist  diese  Bemerkung  keusch  im  Ver- 
gleich mit  dem  futucre,  iuiie,  dare  Martials  n.  a. 

3)  Qoaesiflti  proxime,  Fsbi  frater  de  fbga  1.  Unan^efmdert 
schmbt  er  de  CKhott  eatt  1.  Vgl  den  filDgaog  der  Pkiakripdoosa. 

4)  FMbolantm  congruentianB  abique  leeognosGor  eilgsra.  sdv. 
Mar«.  IV,  80  (U,  241). 

5)  Bolso  in  pneserijptiooe  sdienaa  heersifls  eflnea  sdv.  Man. 


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386 


MOELDECHEN, 


80  und  80  zu  vertkhren.  Sein  autoritatives  BewufstseiD,  das 
ihm  seinen  Einflufs  verbürgt  auch  auf"  nicht  montanistische 
Kreise,  mit  denen  er  Fiihlung  behält,  trotz  seines  ^^aparten 
Gewährsmaim'a'^  *i  ist  ihm  auch  da  nicht  geschwunden,  wo 
Bchon  der  Kampf  gegen  Horn  za  namhaflier  HHxe  gediehen 
ist  Er  kann  sieh  seinett  Freunden  in  Rom  Dir  die  Zoknnftda- 
fftr  verbürgen,  dafs  yyPraxeaniseher  HafSsr''  wenigstens  im  S&- 
den  nicht  hlühen  soli  Auf  solcher  Höhe  des  Einiiusscs,  als 
einen  Manu,  den  man  fragt,  zeigt  ihn  denn  auch  schon 
die  Kranzschrift:  „boicheriei  Fragen  hegegne  ich  ühersil 
mit  der  Antwort^'  K  Einstmals  war  er  der  Frager  %  er  ist  nun 
längst  der  Befragte. 

Noch  ist  eine  Angabe  übrig,  den  „Krans^  an  sdne 
Nachbarn  zu  kitten  durch  den  Nachweis  stilistischer  Ähn- 
lichkeit. Es  beruht  dies  auf  dem  Gcdauken,  dafs  auch  die 
eriindsaine  Feder  in  gewissen  umschriebenen  Epochen  zu 
verwandten  Ausdrücken  greift,  welche  die  behemchende 
Stimmung  in  besonderer  Weise  aur  Geltang  bringen. 

Wir  beginnen  mit  dem  Worte  dedaetor  s=  xa^h^/i^yg  =s 
doctor.  Er  bezog  diesen  Ansdrack  dereinst  in  der  Schnts- 
schritf  auf  den  Erlöser,  d  r  der  „Lehrer  des  Menschenge- 
schlechts     heifst    Sein  Brauch  wird  später  gemodelt  In 


y,  19  (II,  ä30).  Allerdiuga  auch  schon  in  dem  vor  202  geschriebenen 
sdv.  ITermog. :  solomus  hacreticis  compeodii  gratia  de  posteritate 

praescribcre.  SoUle  der  früher  gebrauchte  Phiral  ein  „Bescheiden- 
heitfiphiral"  sein?  Vgl  de  praescr.  1:  a'lmonitionom  provocat  nostiani. 
Viel  läfst  sich  freilich  mit  solchon  Niimcra  nicht  au8m;icheii. 

1)  Secedat  nunc  mentio  paracleti  ut  nostri  alic^jos  auctoris  de 
monog.  4  (I,  765). 

2)  Sed  et  denwo  eradicnhitur ,  bi  voluerit  dominus,  in  i»to  c  un 
meatu.    Dann  folgt  allcrdingä,  der  Natur  der  S>ache  gemäfs,  ein:  si 
quo  minus,    adv.  Prax.  1. 

3)  Hujuamodi  quaestioui  sie  ubique  respondeo  de  cor.  ö  (I, 
43Gf ). 

4)  Id  cum  scrupulosius  percontarer  et  rationem  requirerem,  com- 
peri  etc.   de  orat.  13  (l,  5(>5). 

5)  Hvyus  igitur  gratia«  diteiplinaeqiifi  Arbiter  et  magister,  inhmii- 
nstor  stqne  dsdnetor  goaeris  bamam  filios  dsi  aanimtiabatar  apoL  91 


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TERTULUAN  VON  DEM  KUANZE.  387 

der  „Flucht",  wie  im  ff  E^Tftiiz ,  wie  im  „  Praxeos  ist  der 
Paraklet  der  deductor  Man  könnte  diese  Gruppe  von 
Schriften  als  „  Dcductorschriften "  bes^ichnen,  denn  weder 
die  ürüheren  Bücher  noch  die  späteren  zeigen  den  Auadruck  *. 
Dagegen  steht  non  noch  ans  ein  Trumpf  seiner  spttesten 
Bttcher,  die  man  |,Pflyehikerbücher"  benennen  kann^  wenn  der 
Name  der  Bekimpften  und  Feinde  den  Bflehem  des  Kämpfers 
zu  gebeu  ist.  Diese  Gruppe  bilden  die  „Keuschheit",  die 
„Einehe",  das  „Fasten",  das  vierte  Buch  gegen  Marcion*. 
Sogar  die  bchnit  gegen  Praxeas  enthält  sich  noch  dieses 
Unglimpfs. 

Mit  der  ^^Flneht^'  verbindet  den  ,,Erana''  abseits  von 
einem  doppelten  Hinweis  *  und  yölliger  Gleichheit  der  Lage 

die  Geifselung  der  „fliehenden  Hirten"  wozu  bei  der  nahen 
Verwandtschaft    der    Kränzler-    und  Flüchtlerverzagtheit 


1)  PsnuiL  deductor  onmium  veritatum  de  fbga  14  (I,  498)  ipiri- 
tum  dednetoieni  cmimi  ▼eritstii  de  oor.  4  (1, 485)  psnusL  dsdnetofsm 
sdUcet  onmls  Tsritatit  sdy.  Prix.  2  (H,  654). 

9)  Allerdings  hat  auch  de  j^.  10  (I,  866)  psxsd.  duce  unlversae 

veritatis. 

3)  De  pnd.  1  (I,  792);  de  jej.  3  (I,  855);  de  jej.  1  (I,  851);  de 
jej.  11  (I,  869);  de  monog.  1  (1,  762);  adv.  Marc.  IV,  22  (II,  216). 
Die  letzte  Stelle  dOifte  den  frühesten  G^iaaoh  des  Wortes  bieten. 
Den  lateinischen  Ausdruck  animalis  fides  =  psjchicorum  fides  hat 
er  nur  einmal  de  jej  1  (I,  851).  In  den  „  Valentinianem "  (anno 
200)  sollen  die  animales  natürlich  (im  Sinne  Valentin's  die  Recht- 
gläubigen) den  Hochmut  der  Gnostikcr  spiegeln:  Nihil  animale  in 
Pleromatis  palatium  admittittir  rtWi  spiritale  examcn  Valeutini.  Seit- 
her ist  «las  Wort  völlig  umgeprägt.  Dafa  ubrigfiis  Tertullian  den 
Ausdruck  psychici  (für  die  Grofskirche)  nicbt  ertindet,  ergiebt  sich 
aas  Strom.  IV  und  Yl  (K.  A.  511.  647)  firi  miwi'  i^vxtxoig  iv  6vfi'- 
dovi  ^i^i  Xf}'ovT(ov  ^fAÜg  ol  TiQOfinr]uivot,,  aXk«  y-itl  ol  fpQvytg  '  ij^t} 

loCat.  Nach  Keinkens  De  Clem.  presb.  Alex.  p.  85  fallen  die  Stro- 
mata  Ibd    203,  woriu  ihm  wohl  recht  zu  gebüu  ist. 

4)  Das  alibi  docebimus  de  cor.  c.  1  (I,  418)  weist  (so  auch 
Bonwetäch  S.  67)  auf  de  fuga;  das  nesdo  quid  de  fuga  1  (auch 
Bonwetsoh  so)  auf  das  Fsktaui  im  Lsger. 

5)  M  enm  ipsi  soeloras  id  est  Ipsi  disecoi  st  pissbjlsii  st 
episoopi  fagioot  de  fiiga  11  (I,  480)  aerl  sidm  st  psstofss  semm  la 
pace  kooes,  in  proelio  ssrfos  de  eor.  1  (I,  418). 


Digitizt 


388 


«iiiA  bititte  Fk«egiiaiiB  der  VerliObniiiig  nch  ba^dchneBd 

hinsu  findet.  ,|Der  Erätuder  idiweigt  mit  dem  Munde, 
aber  redet  mit  seinem  Kranze."  „Der  Flilchtler  steht  mit 
den  Beinen,  aber  er  läiüt  mit  dem  Uelde ^  Die  gesamte 
Idee  dieses  Fluchtbuchs  —  was  freilich  über  den  Stil  ans 
luturaafllliit  ^  itaht  schon  mit  anter  Einflols  des  y,6insigen 
Ghiuten''  im  Ligesri  der  eben  nicht  detertiert  ist*. 

DuSb  ,|Scorpiace^  vorwftrts  and  nicht  rflckwttrts  sa  Sachen 
ist,  ergiebt  die  Doppeler wüguj ig  eines  iiueh  iiiclit  vurLimdenen 
„Sangloims'*  und  der  noch  nicht  tuiiendcii  Klage  über  die 
EreuzÜucht  der  Gnosis.  Mit  seiur  env* unechter  Bestimmt- 
heit äufserte  er  in  dem  „Krame'':  er  habe  alle  Ursachen 
awfgfisählt^  am  derentwillen  man  Vt#"«*^  * ;  das  Aigoment  ans 
dem  Schweigen  wird  hier  einmal  kraftvoll  and  laat  reden. 
Es  fehlt  ihm  nämlich  ein  Kranz,  der  im  Pythischen  Agon 
errungen  wird  und  den  er  erst  später  erwälnieu  wird.  Da 
er  „Scorpiace"  schreibt  unter  dem  Eindruck  der  Verleihung 
des  Agons,  und  es  schlechthin  nicht  denkbar  erscheint^  dals 
der  neneste  Kranz  ganz  Tergessen  sei,  so  gesellt  sich  auch 
diese  Instanz  za  zahlreichen  anderen  Instanzen  ^|  die  die 
Scorpiace  abwtrts  vom  Doppelkaisertum  rOcken.  Das  gleiche 
Ergebnis  liefert  da»  Schweigen  über  die  Giiosiö.  „Dies 
gerade  fehlte  noch",  so  kla<;le  er  am  Kin^aiig  des  „Ivranzes" 
^ida^  sich  noch  des  Martyriums  weigern,  die  den  Parakleten 
▼erachten^  ^   Bedenkt  man,  wie  hoch  in  „Scoipiace''  die 

1)  Etiamsi  tacet  illic  Cbristiaiius  ore,  coronatuf*  cai  ite  respondit 
de  cor.  12  (I,  448)  pedibus  stetisti,  cucurriaü  immmis  de  fuga  12 
(I,  482). 

2)  Vgl.  aach  die  Betonung  der  „Vernunft"  de  cor.  4:  rationem 
traditioni  etc.  ex  interpretatione  rationia,  an  ratkne  eonaistat,  ratio 
oommendat  Cl|  424  f.),  mit  ds  fiiga  4  (I,  469)  quid  enim  difimiai  aoa 
latfonale.  AlKenlmgs  such  I,  614:  latio  m  dei  II,  98:  mHooe 
et  bonitate. 

8)  üaiyswss ,  nt  SfUtrar,  esnsas  SDOiiMaviiiii»  de  eor.  18 
(I,4M). 

4)  Vgl.  nMfiiMB  AnÜMrti  „IhM  Odson  Sarthsgos'*  ete.  in  der 
Zcttsefaiüt  Ar  UieUlehe  WiMeuehaft  «nd  UieUicbet  Leben  1886. 
Die  eenoa  Im  pyÜisdMi  Agon  s.  Seoip.  6  (I»  Ul  obsn). 

5)  e.  I  (1,  417). 


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TEUTULUAN  VON  DEkk  KRANZE. 


389 


Wellen  des  Zornes  sich  türmen  gegen  die  schädliche  Gnosia, 
die  Feige  raacht,  wie  sie  fei^  ist,  gegen  die  pfiffigen 
KniiSe  dieser  sonst  nur  befichaulichen  lläupter,  so  erscheint 
60  als  völlig  undenkbar,  dais  diese  frische  Erfahrung  hinter 
dem  Sduriflstoller  liege^  der  mit  keinem  Worte  sie  andeatei  K 
Die  antivalentmiache  Streitechrift,  in  Rom  nach  dem  Parther- 
krieg  ausgehend  venüt  ja  fi^ch  die  Kunde,  dafs  theo- 
rctiäch  die  Gnosio  nichts  von  dem  Zcugentum  hält  *,  wie 
denn  die  geschlossenen  Ansichten  eben  dieser  Gnosis  dies 
nahe  legten.  Von  der  hellen  Glut  der  Entrüstung  über  die 
Propaganda  der  Feigheit  findet  sich  dort  keine  Spur. 
Die  Ph>paganda  wie  ihre  Bekämpfung  fiült  ehen  Tiel  i^ter: 
etat  naoh  dem  Tode  des  Oetsy  wie  ich  anderweit  darlegte. 

Fruchtbringend  ist  der  Vergleich  der  Schrift  von  dem 
Elranz  mit  dem  „Mantel".  Der  Mantel  atmet  den  Frieden, 
die  bona  et  longa  pax  *  bis  auf  den  Tag  von  Lambaesis. 
Nicht  nur  ist  Frieden  nach  aulBen,  nicht  nur  ein  gutes  Ge- 
traide|ahry  auch  die  Verfolgongen  rohen;  der  Aator  im  S&den 
bat  HuCm,  Undebd  und  harmloe  iiomach  jetst  seinen  ^  Man- 
tel" au  rechtfertigen.  Auf  den  Sonnensdiein  folgen  die 
öich  türiaeiiden  Wolken  des  „Kranzes".  6u  grundverscliie- 
dcu  der  Ton  —  die  Ironie  in  dem  „Mantel"  und  das  i'athus 
im  „Kranze"  —  fehlt  doch  einaelnes  nicht,  das  die  Nähe  der 
Schriften  bekrilftigi  Nicht  nur  verwdit  er  in  beiden  bei 
den  Anftngen  menschlicher  Bildung*  —  auch  dne  heid- 
nische Dreisahi:  Merkur,  Minerva,  Osiris  tritt  uns  bemerkens* 
wert  *i;U  ichmäfsig  in  den  beiden  Schriitcheu  entgegen.  Der 
Eosengarten  des  Midas*'  steht  bei  den  i^CentifoIien  Midae''  ^. 

1)  Der  ebeu  nur  über  die  Grofskirche  Klage  führt. 

2)  Vgl.  meineu  Aufsatz  ,,Das  Kütscbenhotel  ia  Karthago'^  ete. 
in  der  Zeitacbrift  fiir  wisÄenscbaftlichc  Tbeologie  IHiil. 

3)  Martyrii  qnoqne  eludentes  iiecessitatera.    c.  3<)  (II,  413). 

4)  Diese  bona  et  longa  pax  Je  cor,  1  (I,  417)  ist  iui  Unterschiede 
von  ßonwetüch  (S.  (>7  -71)  nicht  »wischen  1U7  und  2Ü2  (208)  »on- 
dem  swiftchen  204  und  211  zu  suchen.  Vgl.  S.  876  Änm.  8. 

5)  De  oor.  8  C^,  436);  de  pall.  3  (I,  929);  Meieiir,  Hinerrm, 
Oriiis  ibidon. 

6)  Midse  roselam  de  pslL  2  (I,  925).  Oeatenariii  quoque  rads 
de  harte  lüdse  leetfs  de  cor.  U  (I,  454). 


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390 


NO£LD£CBEN, 


Selbst  Eva,  die  Menschenmutter,  taucht  beidemal  sin  Hon* 
zont  niif  unter  wesentlich  p^Ieichem  Gesichtspunkt:  als  die 
Scham  bedeckend  mit  Feigenlaub  ^. 

An  den  Schlufs  jener  Friedensepoche,  die  der  Fall  von 
Lambaeais  beendigt,  gehört  auch  der  Abschluis  dee  uMar- 
cion'^  \  imd  auch  mit  diesem  behauptet  unser  „Kttaa*^  seine 
FQhlung.  Bei  TöIIiger  Inhaltmrflehiedenheit  sind  es  Anfsen- 
posten  und  Schnörkel,  die  bei  der  Vcrgicicliuii^  uns  an- 
gehen: so  der  fremde  Sklave"  z.  H. ,  „den  nicht  einmal 
Galba  hat  fireigelassen "  und  der  „fremde  Sklave^'  im 
Kranze y  „den  die  Welt  nicht  freigeben''  könne.  „Bnar 
gini^'i  sagt  der  „Knm%  „veritas  respondere  debebit''. 
Msn  vergleiche  den  anderen  Sats:  Habet  shuilitiido  cum 
veritate  honoris  consortium. 

Es  bleibt  noch  eine  Erwägung,  die,  teilweis  über  das 
Schrifttum  des  Afrikaners  hinausführend,  vielleicht  gar  den 
Namen  des  Mannes  von  Lambaesis  vermuten  lälst 

Cyprian  erwähnt  aiemlich  oft  emes  geitgenSssischen 
Lektors^  Oelerinns  mit  Kamen,  der  nach  dem  Tod  Fabian's 
in  Rom  in  den  Kerker  geworfen,  danach  beim  Nachlafs  der 
Feindschaft  nach  Afrika  heimgekehrt,  und  dann,  obwohl 
widerstrebend,  von  ihm  zum  Lektor  geweiht  sei.  Cyprian 
sieht  sich  gemUssigt^  die  ij'amiUengesohiohte  des  Mannes  fiir 


1)  Nobis  vorn  Moyses  .  .  principcm  feminam  Kviun  facilius  pu- 
denda  foliis  qu;im  tempom  floribus  incinctÄtn  dcscribit  de  cor.  7  I, 
A30).  Ibidem  quod  in  novo  corpore  indebitum  adhuc  pudori  erat 
protegere  fesiinans  ficulneis  foliis  Interim  circumdat.  de  palL  3 
(I,  928). 

2)  Im  Unterschiede  von  Hauck  hat  Boehringer  (TertuU  S.  511) 
richtig  geurteilt,  wenn  anch  nicht  weiter  bewiesen,  dafa  die  fünf  Bücher 
adr.  ^Larc.  nicht  hinter  einander  weg  d.  h.  uno  tcnorc  g-eschrieben  sind. 
Hauck  stellt  diesen  Gedanken  eigeutlich  als  Hbaiirti  hin.  Dagegen 
ist  überall  klar,  dafs  starke  Interralle  vorhanden  sind.  Vgl.  na- 
mentUch  das  Schlufskapitel  (V,  21)  und  das  OUm  (V,  11  CMO.  II, 
807)  im  EBfikblick  auf  da«  iwelte  Buch.  «  IKs  im  Tert  vaiglieliMn 
SteDsB  giiid:  AUeoos  enim  serfos  nee  Oslba  maatmiisit  sdr.  Mne.  Yi  4 
(II,  284)  mid:  Semmi  slieawn  quomodo  issenlom  msmonUtal?  ds 
eor.  18  (I,  451).  Dan  kommt  §äw,  Ifsre.  Y,  16  (II«  329)  de  eor.  9 
ih  488). 


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TEUTULUAN  VOK  DSM  KRANZE. 


391 


Klerus  und  Plebs  zu  beleuchten.  Er  sei  ein  „Patricier" 
Gottes:  seine  Grofsmutter  Cclerina  sei  Ainiftpml*!  gewürdigt 
des  Zeugentums ;  sein  Vaterbruder  Laurentitu^  seiner  Mutter 
Bruder  Ignatinsi  einet  in  dem  rönuschen  Lager  ihren  Sol- 
dalendienst  thuend,  hätten  gkiehfidle^  Chiutne  bdEennend» 
den  Teufel  niedeiyiworfep,  von  dem  Herrn  Palmen  und 
Kränze  tür  ihr  herrliches  Leiden  davontrac^eiid  Klerus 
und  Plebs  von  Karthago  wüi&ten  ja  ohnedies,  dafs  man  für 
diese  M&rtyrer  opfere^  so  oft  wie  der  Jafareegedenktag  ihrer 
Leiden  hemn&iehe. 

Dieser  Brief  Oyprian'e  ist  hinreichend  datierbar.  Er 
flült  in  den  eeeeeenB  des  Bischof«  (348 — 261)  K  Latnentios 
wie  Ignatius,  die  Oheime  Celcrin's,  gehören  der  Generation 
zu,  die  der  des  Lambaesischen  Christen  unmittelbar  vorauf- 
ging.  Beide  sind  sie;  Soldaten ,  höchst  wahrscheinlich  in 
Airika,  wo  man  jäbrlick  ihren  Todestag  feiert  Wenn  anch 
die  Palmen  und  Kränse,  die  natürlich  figOrtich  zu  nehmen 
sind^  eine  sichere  Beaiehung  nicht  haben  auf  jenen  verwa- 
gerten  Lorbeer,  so  ist  doch  selbst  im  Sinne  des  Bischofs 
diese  Beziehung  nicht  auspreschlossen.  Cyprian  redet  weiter 
ausdrücklich  von  einem  „  berühmten  Leiden,  und  der  irag- 
liche  einzige  Christ^'  erschien  uns  deutlich  ab  Bahnbrt  c  her, 
der  statt  von  der  Fahne  zu  ^ehen,  den  pasnven  Wider* 
stand  einweihte,  Tertullian's  Axiom  bewahrend,  MilitSr  und 
Zivil  gelte  gleich,  so  weit  es  auf  Zeugenpflicht  ankomme  *. 


1)  Avis  ejiu  Cderina  jam  pridem  martTrio  coronats  est,  item 
patniu<^  f^jat  et  avuooulus  Lanrentius  et  Ignatius,  in  castris  et  ipsi 
4)iiO]idain  saecularibus  militantes,  sed  reri  et  spiritiles  Dei  milites, 
dum  diabolum  Christi  conft^uiione  prostemunt,  pahnas  a  Domino  et 
Coronas  illustri  passione  mernenint.  Sacrificia  pro  eis  semper  ut  me- 
ministis  afferimus,  quotics  nmrtyrum  pasflionea  et  dies  anniversaria 
commrmorntinne  celebramua.  Nec  degener  ct^o  esse  nec  minor  pntrmt, 
quem  sie  donipsticis  PTempü«;  virttitis  ac  fidei  provocaliat  f;iriiili;\(? 
dignitÄs  et  fj;eiicro»a  iiobilitas.  t^u  nl  in  familia  snecuUiri  iinie  iic^- 
tionis  et  laudis  est,  esse  patriclimi  etc.  Epistola  XXXIV.  ed.  Paris. 
1607,  p.  67. 

2)  „In  secessa  scripta**  a.  a.  O.  Vgl.  Hase,  Kirchengeschicbte, 
S.  88f 

3)  Apad  buQC  (Jesum)  tarn  mile«  est  pagaous  fidelis,  quam  pa- 


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392 


HOELDEßBKS, 


Wir  dnrftmi  «s  fbr  gewilB  nehmen ,  dftfii  jener  Krieger  ent- 
hauptet ward  und  können  daim  schwerlich  uns  denken,  dafs 
sein  „  berülimtes ^*  Leiden  dem  Gedäclitiiis  der  Nachkuni- 
meu  hinschwand.  In  die  Nähe  von  211  durch  Cjprianiid 
geführt,  erbUoken  wir  Lauiens* Ignatius  als  Krieger  und 
als  Afirikanar,  als  Cliritten,  endlich  ak  Mflrtjmr  ge- 
rade um  dieeelbige  Zelt,  wo  der  Mann  von  TiamhuMi 
den  Kranz  weigert.  Es  fragt  sich:  ist  einer  von  b^dea, 
und  dann  wohl  der  erste  der  beiden,  mit  dem  Manne  von 
Lambaesis  identisch?  Der  eitle  Kranz  in  der  lland*', 
verlangte  Initiative.  Stand  auch  Laurentiue  schon  im  „  Fa- 
tnoiat''  eines  LeidenS|  auf  seine  nahe  Verwandte,  die  Ce- 
lerina  surlickblickend,  so  konnte  dies  Patriciat  die  Initiative 
nur  stürken  K 

Freilich  zur  Sicherheit  hüHt  sich  der  Name  des  Kriegers 
nicht  bringen.  Dahingegen  luhut  noch  ein  Schhiiswurt  über 
Monat  oder  doch  Jabreaaei^  in  der  der  Fall  von  Laiubaesis 
wie  die  Schrift  vom  Kranze  sich  zutrug.  Sever  starb  in 
York  am  4.  Februar  211 K  Das  Donativ  seiner  Söhne, 
denen  der  gewaltige  Alte  die  Bereicherung  ihrer  Soldaten 


gaiiuä  est  milcs  MtViu  .  .  .  nec  enixn  delictorum  impunitatein  aut 
martyriorum  imaiuüitatem  militia  promittit.  de  cor.  11  (I,  445).  — 
Inbezug  auf  das  „tarn  miles  est  paganua  fidelis"  gilt  es  den  wahr- 
scheinlich in  Rom  originiereiideii  Gedanken:  jeder  Christ  ein  Sol- 
dat Christi  (vgl.  auch  „staüü")  im  Auge  zu  behalten.  Im  ^Kranz*' 
bt  dieser  Gedanke  Tert.  bereits  völlig  geläufig,  vgl.  quidam  iUis  msgU 
dd  miles  e.  1  (I,  415).  In  der  frühen  Sehrift  vom  Gebet  wird  er  aii»> 
drüeklieh  eingeführt  nun  et  militia  de!  sumne  o.  19  (I,  572^ 

1)  Beiläufig  vgl.  über  die  '^ethnisiertcu)  Überreste  dcü  alLta 
luuiiächtiu  Cliriutentunis  im  Aurea  (^d.  i.  in  der  Nachbarschaft  von 
Lambessa- Lambaesis)  Ree  las  NouTcUe  gt^graphie  universelle  XI, 
MO:  La  orolx  dont  ae  tatoueut  quelques  habitante  de  rAoris  mait 
HB  rotte  de  Pancieane  foi,  e£  fimitaii  slgnacolo  terimaa  de  eor.  8 
(I,  423).  8.  aneh  ebendaaelbBt  8w  842:  „La  eieiz  est  pour  lee  Imohagh 
na  ijmliole  Merd  et  let  g^et  da  elel  lont  appel4s  par  eaz  les  Aad- 
gdlon»*'. 

S)  Dio  Oudna  76,  15.  Vgl  Clinton,  Futi  Bomaai  VeL  I» 
p.  S18;  Schiller»  GeMhiehte  d.  r6aÜMfaen  Kelieneit»  Bd.  I,  Aht  % 

a  7S». 


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TERTUIX.IAN  VOK  DEM  ERANZE. 


393 


an  die  Spitw  ihrds  Progranmu  sdiriebi  wird  aofbii  mit  dem 

Antritt  der  Herrschaft  von  den  jungen  Kaisem  verfüp-t  sein. 

Die  Kaiserpost  dieser  Tage  war  in  guter  VerfRssimg^  *. 
Mit  wahrhaft  Üiegeader  Eile,  ab  Sinnbild  derselben  die  Fe- 
der oder  der  Lorbeerzweig  auf  dem  Haupte,  erst  nach  Ab- 
fieferong  ihrer  Botachaften  absfteigeDd  Tom  Pferde,  etürmten 
die  Kuriere  daldn  auf  den  heirlicheii  römiecheii  LandatratoL 
Sechs  hiB  acht  Pferderelais  auf  jede  einsehie  Tagereise ,  der 
schonungslose  Verbrauch  der  immer  erneuten  Koase,  ciia 
hochgesteigeiie  Zucht  der  Renner  im  Interesse  der  Cirken 
wie  Posten,  die  helle  Verzweiflung,  die  öfters  die  Postpflich- 
tigen anfällt,  die  frischen  Reformen  Sever's  inbeaug  auf  den 
wichtigen  Poatdienst,  die  Klage  ttber  „schlftfinge'^  Poa^ 
wenn  rieben  Tage  darauf  geben  Ton  Sirmium  bis  an  den 
Tiber  *,  die  Schnellsegler  (dromones)  im  Postdienst,  die  be- 
rüchtigte Rücksichtslosigkeit  gerade  des  Militärs  bei  den 
Postlabrteu:  alles  dies  macht  es  glaublich,  dafs  kaum  zwei 
Wochen  vergmgen,  bis  vom  fernen  Eboiaeum  die  Kunde  an 
den  Aurea  gelangte. 

Ana  alledem  lälst  sich  folgern,  daft  Tertnilian  seine 
Schrift  schrieb  in  der  zweiten  HKlfte  des  Februar',  unter 


1}  Zum  folgenden  vgl.  E.  Hu  de  mann,  Daa  Po^twesen  der  römi- 
Bcbcn  Kaiserzeit.  Programm  der  Ploener  Oeiehrteuschole  1866,  S.  5. 
11—13.  17.  18.  22.  24. 

2)  Tertull.  apol.  25  (I,  221). 

3^  Es  ist  anzunehmen,  (hi  ad  Scapulam  212  füllt  in  die  Zeit  der 
BrüderLerrscbaft  „tiuoa  putaa  tibi  magistros  horaines  sunt**  und 
„Severus,  Antonini  pat«r"),  dafs  Scapola  bereits  zur  Zeit  Ton  de  Co- 
rona procos.  Africae  wsr.  Wann  er  dies  Amt  angetreten,  ist  nnr 
m  mMBüoL  Er  wer  Konntl  195  (Waddington,  AtstSi  856, 
fgL  Ceuleneer,  SMie,  8.  S99)  und  die  darelueliiiitlllchft  Frist  swi- 
sehen  Konsdhi  o.  Prokoiundat  betrog  13  Jshrs  (Marquardt,  Stasti- 
▼ervsltnng  I,  405).  Dsaseli  würde  er  806  angetreten  seb.  Mit  der 
AnnsiMne  einer  bereits  Ungeren  Yenfattneg  stisunt  die  TertoUiaaisehe 
ChsnklsristOc  des  wegen  der  ron  ihm  veriiingten  snnuna  Igniom 
poena  doeh  sehen  scbHmm  beraftnen  Msnnsi.  Quant!  antsoi  prse- 
sidss  et  eonstantiores  et  emdelioies  ad  Soap.  4  (I,  546).  Gkgeaflher 
seinem  früheren  Verhalten  war  ein  jäher  Umschlag  eingetreten,  auch 
dies  anf  eine  gani  beeonders  ernste  Provokation  —  den  militärischen 


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iriflchaifam  Emdmck  der  Kacbnoht^  die  am  Tiftmba<fwi8  go- 
bracht  war,  nocb  nicht  yon  dem  Tode,  nur  von  der  Ver> 

Laltun^^  des  Kriegers.  In  der  Tliat  scheint  auch  damit  zu 
Btimineii  ein  soust  nicht  uniuiigänglidier  Itückblick  ^  auf 
jene  Vota  im  Hauptlager  und  die  iolgendeu  im  Kapitoi  in 
den  enten  Tagen  des  Januar^  eine  ROrd^flchau,  die  leichter 
am  An&ng  alt  mitten  im  Jahie  eich  Öffiiete'. 

Ungehonun  —  hindeatend.  Em  TerläageartM  Imperium  war  bekaant- 
Ueh  nieht  ielteo. 

1)  Dies  beadeht  rieh  nameotlieh  anf  die  „loca**  (e.  12.  I,  448 
oben);  denn  die  Ceremonie:  das  „eofonatam  capite  tespoadeie** 
gihfirte  allerdings  unmittelfaar  TOr  sein  Forum.  Allerdings  ist  ihm 
aoB  der  Iliuwels  auf  Örtlich keiteu  des  heidnischen  KuHs  aneh 
•onit  geläufig.  Vgl.  de  spectac.  11  f(I,  40):  ut  de  loco  suppleam. 
Das  Kapitoi  zumal  ist  ihm  omnlum  daemonum  templum  de  spect.  11 
(I,  42).  Indessen  hat  doch  die  Stelle  de  cor.  12  etwas  Eigenartiges 
und  namentlich  gegen  die  „principia",  das  Hauptquartier  konnte  er 
bei  dem  Soldaten  dort  unmöf::lich  etwas  eiuweudeu  wolleu.  Es  scheint, 
daTs  er  wirklich  an  das  vor  kurzen  gebaute  „Capitolium''  deukt. 

2)  Dieser  Aufsatz  ist  im  Juni  1887  geschrieben  wor<l*'n.  Wo 
de  cultu  fcmlnarum  und  namcutiicli  de  virg'inibus  Teiandis  iu  Be- 
tracht kommt,  mufs  ich  zur  Richtigätelluiig  auf  meine  Schrift  „Die 
Abfassungszeit  der  Schriften  Tertulliau'B",  Leipzig  1888 
(Texte  und  Untersuchungen  von  t.  Gebhardt  und  llarnack  V,  2) 
verweiseo. 


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Mtfk^e  Eor  KcDitnis  der  Miier«ii  ficMhichte 
ud  des  f ^«aw&rtigeD  Zustandes  der  Atbos- 

klösler. 

Von 

Pliilipp  Meyer, 

Faittor  in  Biiuien  bei  Nienburg  a».  d.  Weeer. 


Unter  den  Quellen  für  den  nachiolgendeu  Aufsatz^  der 
die  äuteraii  und  inneren  Verbältniaae  der  Atliosklöftter  in 
den  letEten  Jahrhunderten  anter  verschiedenen  Gesichta- 
punkten  darstellen  will,  nenne  ich  raerst  die  ausgebreitete 

neugriechische  Litteratur,  wie  eich  dieselbe  etwa  seit  1650 
entwickelt  hat  Sie  enthält  in  mannigfachster  Weise ,  z.  B. 
auch  in  den  kaum  beachteten  Verzeichnissen  von  Subskri- 
benten ans  der  Zahl  der  Ajioriten  Stoff  isor  neueren  Athos- 
geidiiehte.  Viele  bedeatraide  Quellenwerke  f(ta  unseren 
GegeuäUnd  haben  Athosmönche  zu  Verfassern  ^  Während 


1)  Als  die  bfejteu  Führer  in  dieser  Litteratur  sind  zu  nennen: 
rni'yoyio:;  Zu,-^üi«<:  ,, AYre  EkXus  rj  IXXipnxöv  ^^(cinot  ",  herausgegeben 
yoü  ÄQifios ,  Athen  187*2,  Sawira.4  gest.  1604.  Ferner:  fTttnaSo- 
novXog  Bofidg  „  I\:toi-Ji/.r,vixr^  'tn/  oloyiu**  etc.,  Athen  1H54,  T.  I. 
Beide  Werke,  das  des  »Sawiraa  noch  als  Handschrift,  sind  benutzt  in 
der  ausgezeichneten  „A'fofA/.Tjvtiti^  ^iH/.o).(yy(a"  des  KuwamitTvin;  i^d^aq, 
Athen  1868.  Das  erste  imd  das  letzte  enthält  kurze  liio^raphieen 
der  Griechen,  die  sich  Ton  1453  bis  1821  in  den  Wissenschaf teu  aus- 
gezeichnet haben.  Das  des  Wretos  ist  ein  Katalog  aller  vua  Grie- 
chen iti  derselben  Zeit  gedruckten  Werke  aus  dem  Bereiche  der 
kiichUchen  Litteratur.   Zu  dem  Werk  von  Szathas  bat  A,  Ji^rfiQa- 


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396 


METBBy 


elneB  Bwdmaügeii  Aufenthalts  auf  dem  Ajion  om  Im  Juli 

und  August  1886  und  im  Jufi,  August,  September  des  fol- 
genden Jahres  habe  ich  selbst  auch  eine  ziemliche  Anzalu 
von  Originalurkunden  und  Abachriiten  von  aulcheu  aus 
bandflchriftUchaii  Codioee  kopiert.  Diese  Schiifistttcke  sind 
demnach  ebenfidls  Quellen  eraten^Banges.  EndHch  habe  ich 
bei  nahem  Verkdbr  mit  den  Mönchen  durch  vielfitche  Er- 
kundigungen lind  Beobachtungen  das  aus  den  Rchriitliclieü 
Quellen  Gelernte  zu  ergänzen  gesucht,  doch  vertraue  ich 
den  mündlichen  Mitteilungen  der  Mönche,  belehrt  durch  die 
Miisverständnissei  die  inbeaug  auf  diese  bei  andern  Reisenden, 
Fallmerayer  ^  nicht  ausgenommen ,  sich  nachweisen  kssen, 
nicht  80  sehr,  dafs  ich  dieselben  den  anderen  Quellen  gleich- 
stellen möchte.  Eigenes.  Miterleben  macht  natiirUch  dss 
schriftlich  Uberlieferte  erst  lebendig  und  verständlich.  Da- 
her werde  ich  mich  auch  mit  der  abendländischen  Littecator, 
die  ich  aum  gröfsten  T&le  eingesehen,  nicht  überall  aus- 
einandersetzen, da  diescllji^  ehenfalls  meist  auf  Reiseemdrücken 
beruht,  also  auf  unsichereren  <^ueiien,  als  die  meinigen^  schhü- 
liehen  sind  ^. 

Die  Veröffentlichung  in  einer  Zmtschrift  legt  notwendiger- 


»dnovlo','  i^üächuQbeu  „  t [{loaO^^at.  xai  ifioQ&<aa€^i",  Leipzig  1871. 
Über  die  berühmten  Ajioriten  vgl.  ItiitUi»^  „o  "A^wg"  (Konstaatinopel 
1885),  S,  198  ff. 

1)  Fi-agniente  aus  dem  Orient  (lS4r)\  Bd.  II. 

2)  Das  vollkoininenste  Litteraturverzeichnis  bei  Langtois  „Le 
mont  Atlios"  etc.,  Paris  18(>7.  In  diesem  besteht  der  Ilauptwert 
des  Buches.  Das  Aure^ndste  hat  Fallmerayer,  das  Umfasseudstc  und 
darum  Zuyerlafsigste  Gafs  geschrieben  'De  claustris  in  monte  Atho 
etc.  Gissae  186r>).  Treffliche  lieobaclitungen  bringt  der  wenig  be- 
achtete Zachariae  (Heise  in  den  Orient  iu  deu  Jahren  1837  u.  1838, 
Heidelberg  1840).  Pisclion's  Aufsatz  ^liaumer^s  historisches  Taschen- 
buch 1860)  ISfst  die  nötip»'  Kenntnis  der  neagriechischen  Latteratur 
vermissen.  Das  neueste  Werk  über  deu  Athos,  Iiiley,  „The  Athos 
or  the  Mountain  etc.  1887"  vergifst  sich  leider  nu  lufat  1j  bi^  zu  un- 
würdigen Scherzen  über  die  Mönche  und  hat  darum  auf  Ajion  oros 
grofaen  Unwillen  erregt  und  das  Mifstrauen  gegen  Fi-erade  mit  Gruüd 
vermehrt..  Für  den  Nachweis  der  Urkunden  benutzte  ich  J.  MüUer 
in  „Slavische  Bibliothek  etc.*',  Wien  1851. 


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DI£  ATH0SKLÖ8TBR.  L 


397 


weise  Beschränkung  im  Stoff  auf.  Ich  hab«  daher  die  ge- 
Bfiiiiteu  politischen  Verhäitüisae  des  Ajion  orw,  die  SteUung 
desselben  zu  der  Regierung  und  die  Rtuaenfiage  aulaer  Be- 
tracht gebflflen.  Auch  ohne  BfickaichtDaliiDe  hieniif  ist  dae 
Leben  der  heSsgen  Beigbewohner  dnrchaiis  verstiUidlich. 
Endlich  habe  ich  auch  namentlich  die  Rech  ta Verhältnisse  der 
Skiten  und  Kellicn  nicht  berührt,  obwohl  auch  hierfür  mir 
sichere  Quellen  zugebote  stehen. 


1. 

Zw  VerfiMiaiUig  der  heiligen  BerK«meinde  und 

ihr  or  Klöster. 

Die  Namen  der  swansig  ^  Klöster  nnd  zwar  in  der  offi- 
aiellen  Reihenfolge  und  diese:  1)  ^  ^aiga  T<^*Aylm> 
vaatQV  oder  fMC/Htarrj^iov  Tfjg  ^leyakrig  ^av^ag  oder  i)  ^a^/qa^ 
Lawra.  2)  /lov.  not  Banj.LUK^iov  oder  tö  BatOTtaiötov  (in 
beiden  Formen  auch  e  für  ai)  oder  selten  i)  Bavortidri^ 
A\  atopedi.  3)  ^lov,  %6jv  Ißijqwv,  selten  iro0  ^Iß/jQov,  Iwiron. 
4)  /iOF.  ToC  XekonrgaQiov  oder  XtlaifVUQioü  oder  XtXumof^toit 
(in  allen  Formen  anch  d  für  meist  tb  XtkuM^o^^ 
Cbilandari.  5)  /«oy«  to0  Jicmfoitw,  DionysBia.  6)  fiov,  rolf 
KovrXmjfiovaiov  oder  vd  KcwXovfio^iov  oder  Kovckw^ovotov^ 


1)  Nicht  21,  wie  Gafs  „nach  anderer  Zählung"  noch  erlauben 
will  (RE',  I,  754),  denn  Protaton  war  nie  und  ist  auch  y^ir.i  koin 
selbständiges  Kloster.  In  den  Zeiten  des  Protos  besafs  der  ^liz  des- 
selben, das  Protaton  allerdings  eigene  Kellien  in  Karzes  (Ausschr. 
d.  Patr.  Antonios  v.  bei  Jedeon  a.  a.  O.,  8.  126),  doch  wurden 

die  12  (xxli\atttf(nxfi(  seiner  Kirche  Ton  den  Kl<>stern  gestellt  und 
durch  Naturalabgaben  erhalten ,  wie  denu  auch  der  Protos  solche 
Steuern  von  den  Klösteru  bezog.  Eine  selbständige  Brüderacbaft  liat 
es  in  Protaton  nie  gegeben.  Vgl.  die  Bestimmungen  des  Typikou  von 
1894,  dss  sum  erstenmele»  leider  In  einem  durch  yerSnderungeu  und 
Droekfebler  eotatellten  Teste  aligedniekt  ist  in  der  „U4hmds"  des 
Siophronios  Kalligas,  frfiheren  Igomenos  von  Ajin  Piiwlu,  1863,  S.  III  ff* 
UMMbx.  r.  1.-0.  XI«  s.  26 


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398 


METER, 


KutiomussL     7)  fior.  %oG  ilavrox^o^,  Fantokratoro& 

8)  ftotf,  «00  SiiQonoviiftav  oder     St^KOfmdfiWt  XiiopotUL 

9)  fior.  ZtoyQdqm,  Sographa.  10)  /iw,  roP  ^hjaua^w 
oder  ^oxiageiov,  Dochiariu.  11)  fiov.  roV)  KoQonuStlXov  oder 
Äö^axffAoi^  Karakallu.  12)  itov.  roi)  Oiloxhfov  j  Philotheu. 
13)  /iOi'.  T^g  J^ifAOivog  77£T^ag  oder  2U(iiJü!yo7tiiQag  oder  ^/uyo- 
fghifas  oder  SifMünhffoq  oder  2i(/«^<r^y  Snmopetr^  14)  ^of. 
ro0  l^//ot»  JTmUov  oder  6  *l^/io$  Xfoflos,  Ajiu  PewIiL 
15)  juov.  TO0  ^rcrv^ovixi^ra,  Stawronikit».  16)  piw.  to0  BrwH 
(pChnog^  vulgär  toC  Bevdq^m^  oder  ,  Xenophotitof. 
17)  lAOif*  toO  FiftffOQiov,  Grigoriu.  18)  fioy.  Yoi;  *£ag>iyfAtm!f 
Stpifiiiwii  oder  Talg.  Sifiiwovy  Sfigmeou.  19)  ^or.  fifli» 
fl&09aW|  TO0  jR^ov  oder  Baaaiwo/B  oder  J^MHfwh  (in 
«nen  Formen  auch  für  ct>  ov)y  ancli  ine>e  l^ylov  ilomiU^- 
/noyogt  RnBsiko.    20)  ^oy.  to€  Awvova^oviTOVf  vulg.  Kaattt" 

Kastamomtu  ^ 

I)ieeeK2dster  büdendiexofi<tfrqffTO0!^)^/ou'1Otot^  Dieseo 
Kamen  finde  ich  aaerst  fUr  das  Jahr  1780  *.  Der  Sache 
nach  besteht  die  Gemeinediafl  mindeetens  seit  der  Zeü  des 

Kaisers  Joanrns  TzirniRchis,  da  in  dessen  dem  Ajion  oros 
gegebenen  Typikon  mit  dem  Protos  bereits  die  ndvv^g  iiyo^ 
liw»  als  Vertreter  derselben  genannt  werden*.  Komninoa 


1)  Diese  Namen,  «elebe  die  ndet  whoooiMBden  sU,  werdea 
genonnien  ans  dem  UfoaMvtnifid^Mm  toO  *JyUi»  "Ogovg  des  JTo/iyip^ 
Aasgsbe  tob  1745  imd  deo  Sohskfibeiiteiivenelduiitssn  folgcBdcr 
Bfleher:  UißdXw»  ponifit  Nriög  ete.,  Leipzig  1800»  aas  desMa 
■weiter  Auflage  von  1841,  Athea.  Aas  Kifnot  Xm^iimt ...  ir«e4 
NtMo^ifAov  '^yiogiirov  ...  Vea.  1819.  Ans  dem  Xm{«^0rif;  dss- 
sdben  Verteefs,  Tol  1819.  Aas  'JSo^o^^cnr ...  Vea*  1886  Toa 
deniselben  YeffSMisr.  Dasa  mudea  die  hente  gebtladiUeiieB  Fonnea 
gefugt,  die  sieh  dareh  kMne  Spielarten  aoeb  venaelnen  liebea. 

2)  Zt^ioü  MoMifttiov  ^oftihl/ittr»  hid.  hrtoQ.  (1760^1800)  in 
X.  Xd9^  „MHMum^  ßißXio^",  Bd.  HI  (Yen.  1872),  S.  886 ff, 
TgL  aaeh  8.  881  £  Ifskrles  stndierle  aaf  der  Atbosakadsmie  nater 
Ev^eaioe  Wulgaris  nad  war  hemach  flehaldirsktor  in  KoostaalinopcL 
Vgl.  XäSmf,  NfalL  4hL  8.  639ir.  Seine  leider  hfiufig  nar  in  Aa- 
deatangen  geschriebenen  imofAvijfxaTu  sind  eine  wiebtige  QacUe  ftr 
nns. 

8)  jt$mH^  8.  60. 


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DIE  ATH08KLÖ8TEK.  I. 


899 


aber  nennt  für  die  Zeiteu  nach  dem  Protos  als  solche  die 
^jfiföfieifOi  y.ai  ytQOvtts  ^  cw6^mg  ^  Die  Verfassung  der 
bentigea  Kinotis  beruht  namentlieh  auf  dem  Typikon  des 
Patr.  Gawiiü  IV  von  1783 

Die  Kmotie  ist  in  Karyes  vertreten  durch  die  Versamm- 
lung ihrer  Vertreter,  für  die  ich  erst  seit  1857  den  Namen 
drciuQdatartoi  nachweisen  kann  ^.  Sonst  findet  sich  nur 
nffoüfvdfitpoi  oder  n^^o&nCizBg  oder  yiQonpsg  u.  deigl.  Die 
Venammluag  dieser  Vertreter  führt  den  TiteL  „(nßaefila 

SWfig"  oder  „leifd  wtr^  e^aBig  rljg  xofS  äyimnjftov^OQOvg 
KoivoiriiOi;"  Die  Szynaxia  ist  die  oberste  verwaltende 
und  richterliche  Behörde  auf  dem  heiligen  Berge.  Von  ihr 
giebt  es  nur  noch  den  Appell  an  die  Meydki^  haüiiqaia  in 
Eonstantinopel  ^.  Den  Umfang  ihrer  Macht  zu  seigen  nenne 
ich  folgende  abnchtlich  recht  yenchieden  gewiUta  Daten 
Die  Saynaxis  legt  die  Stenern  anf  vnd  yerleilt  de^  Sie 
bestimmt  die  Marktpreise,  was  früher  zuweilen  sogar  die 
Patriarchen  p^cthan  zu  haben  scheinen  Sie  kann  den 
Klöstern  angebönge  Mönche  in  ^otiMen  für  auswärtigen 
Dienat  bestimmen.  So  sandte  sie  den  Jeromonachoe  Chri- 
atophoroe  von  Xiropotam  im  Jahre  1865  als  anlserordent* 
liehen  Seeisorger  an  das  Choleralaaarett  der  Griechen  in 
Ssalonik*.     Im  'Jahre  1821  oiganisierto  de  den  Auf* 


1)  PMMkjnit  8.  77. 

9)  HtUler  a.  a.  0«,  8.  m  Es  besteht  ans  18  kensn  Kapitda. 
leh  habe  davon  sine  Absehrift  ans  CBneni  Cod.  Iben!  gemacht. 

3)  Piadion  i.  a.  0.,  8.  84.  Antipmopi  natBilidi  fai  heivorragea- 
dem  Sinne  wie  Omer  „Abgeotdoeto'*. 

4)  *OfÄoXoy{a  ntartttg  . . .  \ixn^}]uov  toO  läytofitrov  (Yen.  1619), 
S.  46  nod  ZvyaSu^ijs  (1819),  Bd.  1,  S.  «. 

b)  Typ.  des  Gawrill,  Kap.  4 

6)  Ebendaeelbet  Kap.  5  in  Verbindaag  mit  Komnisoe  a.  a.  O. 

a  77. 

7)  Es  that  wpnigstnns  Jorcmias  Tl.  in  ö einem  Typ.  von  1574, 
das  ich  nuH  dem  Original  abgeschrieben.    Müller  r  r  O.  S.  177 

8)  Xiuoioffoooi  fiova%6^  'yiyioQffrrji  ,,  To  hodr  ^iotfiox(t9u^ 
TJjQiov  etc.  (Athen  1BC6),  S.  143:  7/  h^n  oi-v  Aonor???  ...  Mx{uvtv 
Snms  inoarcd^  avajijfi^vos  nag*  tls  ^taauiovfxrjv  xtd  6  iv  ig 

2G* 


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400 


M£Y£B, 


stand  K  Die  Stratgewalt  der  Szy  naxis  hat  als  Mittel  den  Verweis 
und  die  Entfernung  vom  heilifiren  Berj^  zai  ihrer  Verfugung. 
Scharie  Verweise  werden  üüentiich  in  der  Kirche  von  Pro- 
taton  verleaeQ  *.  Verbannt  vom  heiligen  Berge  wurde  vor 
mnigen  Jahren  ein  inttdacher  Nihilist^  der  eicli  ab  M5nch 
dn^McUicben.  Die  immerhin  yielgliedrige  Ettrperaehaft  der 
<fiVa|t^  bedtzt  wiederum  einen  gescbftftafUlirenden  Antechnft 
an  den  vier  f7rtatutai.  Dieser  besteht  nach  und  seit  dem 
Typikon  des  Gawriil  Die  iiicr  genannten  Pentaden  scheinen 
in  sich  gleichberechtigt  gewesen  sa  sein.  Diese  Einteilung 
ist  jedoch  zugunsten  der  sogenannten  fünf  gro&en  Kläetar 
dahin  geindert^  daTs  statt  der  4  Pentaden  fünf  Tetraden 
gesählt  werden^.  IMe  fUnf  grolsen  Klteter,  Lawra,  Wato- 
pedi|  Iwiron,  Chiliandari  und  Dionyssiu  fuhren  je  deren  eine 
an.  Die  Epistaten  werden  nun  nicht  mehr  jälirJich  f^ewählt, 
wie  es  das  Typikon  wollte  ^ ,  sondern  deren  Würde  geht 
jährlich  von  Tetrade  auf  Tetrade  über.   Doch  nie  werden 


■ehxdbt  die  Kinotis,  wie  man  kun  hfittfig  für  die  S^nsxis  sagt«  sa 
den  Vontand  von  Xiropotam. 

1)  IlfQi^^ts  lar.  xdi  flioy^(f4a  ^ioyva£ov  ITö^v  etc.  (Athen 
1848),  S.  101:  „T6rt  ij  Kotvdrm  roH  "Oqovc  f»k  n^oordCft,  vA  »ä/im 

Wr^oi'  rnA  noß  ^tw".  Fyrrhos  war  Arst. 

2)  Brief  der  Ssynazis  von  1809  in  'OftoXoy,  nior,  S.  89:  . . .  ^« 
(tdiifov  nmitv&^  udarij^Or  ....  AXlä  MtA  Mc»  UoQto&g  r<- 
liit§t  Anö  tA»  toQto»  rdnov, 

3)  Kap.  1:  .  .  .  Haatt^ag  nQoiat&Tag  xtä  intar^tts  tH(  xotv^nf 
ras  TOÜ  ö^u(  tKlii.(yfiivoue  lir  t&v  ruraä^uv  ntvräätop  tOv  nit69t 
fiWttar^QCwv ,  o^l  fiivroi  t&ti&ras  «al  Anatdulkovff  All*  8at$e  Af  j 

4)  Die  Ordnung  der  Tetiaden  bei  Jedeon,  a.  a.  0.  S.  58.  Dar- 
ana,  dafs  die  hier  ala  vierte  Tetxade  genannte,  nfimlich  Chitiaadari, 
Xiropotam,  Afiu  Pawlu  and  Chrigorin  im  Sabakribantenveneieluiia 
dea  *ßofTo&^top  von  1836  in  diesem  Jahte  die  Epistaten  stellte,  ist 
wohl  mit  Beeht  zu  scbUelsen,  daJa  die  TetradeaeinteUQttg  im  Jahre 
1888  achon  bestand.  VermntUch  ist  sie  nach  den  Winen  des  Auf- 
ataada  von  den  greisen  Klöstern  eiogeriehtet. 

h)  Kap.  1. 


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DIE  ATUOSKLÖSTm  I. 


401 


die  iniazdrai  aus  der  Zahl  der  dyit7tQ6a(onoL  geDOmmen 
Die  Pflichten  der  Epistaten  bestiinrnt  imn  das  Typikon  des 
Qawrüi  dahin,  daSä  sie  die  laulenden  liegierungsgeachälte 
in  EaryeB  leiten  BoUen.  Sie  flind  für  ProtokollieruDg  aller 
■bno^ianq  Tt^  t%  wuv6/tn(K0Q  nud  ftovaan^dop  yerantwort- 
Hefa.  DaHbr  steht  ihnen  ein  Schreiber  (jetzt  deren  zwei)  zur 
Verfügung*.  Sie  sollen  die  Ausgabe-  nnd  Einnahmebilcher 
der  Kinotis  führen  und  am  Ende  des  Jahres  nach  Kon  stau- 
tinopei  senden  ^.  Sie  haben  das  neu  herzustellende  vierteilige 
Siegel  2U  führen;  dessen  Umschrift  in  ygaftfiaat  ^ußfiaiiiuus 
7ud  xovqjuMHg  verlaftt  ist  \  Ihnen  haben  die  Verwaltungen 
der  iOn&ehn  kleinen  Kl5eter  jtthrlieh  ihre  Bechnnngaablagen 
voranlegen  ^  Ohne  ihre  schrifUiche  Erlaubnis  darf  kein  Ajiorit 
den  heiUgen  Berg  verlassen  Die  Epistaten  entscheiden  in 
erster  Instanz  alle  Streitiorkeiten  der  Mönche  ^.  Der  Vor- 
sitzende dieses  Viererausächuases  iulirt  den  Namen  Protepi- 
statts.  Wenn  ich  nicht  irre,  stellt  diesen  stets  das  erste 
Elostar  der  betrefilmden  TetradCi  d.  h.  eines  der  fünf  grolsen 
Kldster.  Das  änlsere  2Seidien  ^eser  Wflrde  ist  ein  Hirten- 
steb  mit  dlbemem  Knopf;  (/^oxnj^/or,  volg.  rnnt^lraa).  Der 
Protepistatis  führt  den  Vorsitz  bei  den  Versammln iii^en  der 
dvTiTtQÖmaTtoi  und  der  hiLOTaiai.  Im  übrigen  ist  er,  wie 
Jedeon  treffend  sagt  ,tleiipttvov  dxivdwov  tfjg  dqxaiaq  d(fxfj9 
toB  ftf^wi*^  \  Sämtliche  Vertreter  der  Klöster  bis  auf 
den  Ton  KnÜumusd,  nnd  die  Epistaten  wohnen  in  Kaiyes^ 
wo  jedes  Kloster  aulser  Knflumussi,  denn  dieses  liegt  dicht 
bei  dem  Ilauptort,  für  seine  Leute  je  nach  deu  Verhältnissen 


1)  Gegen  JedeoD  a.  O.  S.  od.  Im  allgemeinen  verkehrt : 
Langlois  a.  a.  O.  S.  14:  les  vingt  d^put^s  oq  ^pistates  etc.,  auch 
Zachariae  a.  a.  0.  S.        und  Fischen  a.  a.  0.  S.  39tF. 

2)  Typ.  Kap.  1. 

3)  Ebendaselbat. 

4)  Kap.  2.  Über  das  Siegel  der  Kinotis:  "Exxltis,  UX.  (1887), 
8.  409fi 

6)  Ksp.  12. 

6)  Ksp.  8. 

7)  Kap.  4. 

8)  «.  s.  0.  a  68 


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402 


M£Y£B, 


des  Klosters  dn  mehr  oder  weniger  reichet  Qebäode,  den 

sogen.  Konak  besitzt  K 

Bei  besonderen  Gelegenheiten  arbeitet  die  ovva^ig  nicht 
durch  die  Kpistaten,  sondern  durch  eine  jedeamal  einge- 
setzte Kommission  (iTtttfffnt^)^  namentlich  wenn  es  sich  um 
Agfnahme  dnes  Thatbestandes  von  anfaeriialb  Kaiyes  handelt 
So  untersuchte  eine  sechsgliedrige  Kommission  im  Jahre  1796 
an  Ort  und  Stelle  das  bei  einer  Grenzstreitigkeit  zwischen 
Russiko  und  Xenophoutos  fragliche  Terrain,  und  im  Jahre 
1874  besuchte  zuerst  eine  FTvzafieh^g  und  dann  eine  twm- 
fielfjg  iTciTQorr/]  das  liussenkloster,  am  hei  der  damals  schwe- 
benden Streitigkeit  awischen  den  russischen  and  griechischen 
Mönchen  dieses  Kloetors  sich  von  der  Sachlage  selbst  sa 
aberseugen  ^ 

Die  Eütwickeiung  dieser  soeben  in  ihren  Grundzügen 
dargelegten  Verfassung  läfst  sich  seit  1662  einigermafsen 
veriolgen.  In  diesem  Jahre  nämlich  fiel  die  Protoswürde, 
wie  man  mir  von  yerschiedener  äeite  gesagt  hat  Die  letats 
mir  bekannte  UrkandOi  die  den  Protos  in  seiner  Existena 
bezeugt,  stammt  aus  dem  Jahre  1611  K  Der  Qrundi  warum 
man  keinen  Protos  mehr  wählte,  war  in  erster  Linie  die 
Herrschsucht  der  Klöster,  namentlich  der  grofsen,  der  letzte 
AnlaTs  soll  der  Bankerott  der  Kellien  des  Protos  in  Karyes 


1)  Das  Wort  Konak  oder  wie  die  Gricchon  schreiben,  xot  üxty  ist 
vorsfümmelt  aus  otxo-v-dxiov.  Im  Griechischen  heifst  es  „Herberge, 
Station",  z.  B.  ttoö  txavn;  xot  ccxi?  (Xfov  ^inutinüoioi',  2.  Aufl.  [Athen 
1873],  S.  104).  Im  Türkischen  „Ilaua  eines  Voruehmeü*'  oder  ,,Re- 
gieruogsgebäude".  Vgl.  W.  Heintzei  Türk.  Sprachführer ,  Leipzig 
1882. 

2)  /Jfp)  roP  ^TirrjuaTOi  Ttji;  fv  'A9^i  Uq.  /hov.  toO  iiy.  IJuntJUrf' 
fiok()<:  (Konslautmopel  1874),  S.  138  und 

3)  Es  ist  da.s  ein  Ausschreibeu  des  Patr,  Timothcos,  abgedruckt 
in  TountCa  Ttvivfiai ixrj  KaiauQiou  JanovTt  etc.  (Ven.  1778).  DiSflSt 
Buch  enthält  auch  bereit«  die  BoUe  dea  Bomsnos  Leks^nos  und 
dea  Haiti •■eherif  de«  Selim  I  (bei  Hailer  a.  a.  O.  S.  201iF.  und 
247  fr.).  Beide  dürften  geföbcht  aein.  Vgl.  über  dsa  Scbrdbea  de« 
Bomanoa  Jedeon  a.  a.  O.  S.  86.  Scbiiftlicbe«  aber  den  Wegfidl 
der  Protosw&rde  zu  erlangen  i«t  mir  nicht  gelungen.  Vielleicht  ist 
e«  wahr,  dsf«  e«  nieht«  SehriftUebe«  dsrGber  giebt. 


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DIE  ATHOäKL()äT£K.  I. 


403 


gewefeuo  sein.  JJie  grofscD  Klüäter,  ilie  viel  Geld  auf  die- 
selben geliehen,  nahmen  aie  1662  als  Ersatz  für  die  aus- 
bleibenden Rückzahiuiigoii  in  fifieito.  Dadurch  verlor  der 
Proioe  die  Bedingnngen  einer  seibettndigen  Ezisiemii  and 
Mine  StelluBg:  ging  ein.   Die  Hemchaft  führten  sodann  die 

fUni  gruiscn  Klöster,  öü  sagto  man  mir.  Bestätigt  tindo  ich 
diese  Nachricht  durch  eine  Urkunde  von  1678,  in  der  die 
Vorsteher  der  fünf  genannten  Klöster  die  heilige  Bergge- 
meinde  vertreten  K  Ricaui  traf  um  dieselbe  Zeit  etwa  in 
Karyee  ebenfiJls  nnr  die  „  Faktoren  dieser  Klöster  und  den 
von  KutlmiiLUssi.  Das  letztere  ist  Gütweder  eiu  Mifsver- 
ständniSy  denn  dieseb  Kloster  Üegt  fast  mit  Karyes  verbunden, 
oder  Kailamassi  hat  whrklich  als  daa  sechste  der  Klöster 
damala  noch  an  der  Herrsohafl  teil  genommen Die  Re- 
gierung der  fOnf  meint  auch  MakrSos,  wenn  er  schreibt^ 
dai's  die&cibe  nach  dem  Fall  ile.s  lüiumäerreieLö  Bich  voll- 
zogen habe  diä  ipikoü  tod  iif  uQOv  Kai  Tsaadquiv  InLXQdumf 

ugOtf  fuwttniiQianf  K 

ha  7.  Jahnsehnt  des  vorigen  Jahrhunderts  setste  nun 

Patr.  Szamuil  I.  t^eine  Reformation  dcis  Palriarchata  durch  *. 
Diese  Erneuerung  am  Haupt  der  Kirche  machte  sich  auch 
auf  dem  heiligen  Berge  bemerkbar.  Im  Jahre  1780|  so  er- 
aShli  Makrioe  S  ^0^4  rm,  ti^  d^atoy  dnofml^aa^M  t^tr 
lud  %äp  ffQ&TQp  aid'tg  dnonunaarljacti  ötA  ve  n^uxuQi^aewg 


1)  IliQi  Toü  CtjTqfjittTOi  etc.  S.  128. 

2)  Wahrhafte  und  eigentlice  Beschreibung  de«  gegenwärtigeD 
Zustandes  etc.  durch  Herrn  von  Kicaut  in  englischer  Sprach  ge- 
setzet etc.  in  die  Hoch-Teutacbe  Sprache  überbracht  (Franckfurt  und 
Leipzig  ohne  Jahreszahl),  S.  53.  y^Vor  Zeiten  hat  zwar  ein  jedes  Kloster 
einen  Factor  in  gemeldter  Stadt  (Karyes)  gehalten ;  anitzo  aber  seynd 
deren  nicht  mehr  dann  sechs  da,  die  auch  zugleich  der  übrigen 
Klöster  ihre  Sachen  verrichten:  nemlich  einer  von  St.  Laura,  einer 
von  Ibexo,  einer  von  Batopedi,  einer  von  ChiliadsTi  einer  von  Dio- 
njuus,  und  einer  von  ContlomiiMs.*' 

3)  a.  a.  0.  S.  320. 

4)  P  i  c  h  1  e  r ,  Geschichte  der  kirchliehen  Trennong  swiaohen  dem 
OnMkt  und  Occident,  Bd.  I,  S.  441. 

6)  a.  a.  O.  & 


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404 


MKY£Ry 


naxQiaQx^'^^Q  ßctaiXeiov  ÖQtxjfioC,  indem  sie  als  Kandi- 
daten für  die  zu  erneuernde  Würde  den  Skewophylax 
Ignatios  toi)  rtxioxoij  fiov.  rof^  'Eog>iyfdiyov  aufstellteiL  Der 
PalriaMh  QawriU  billigte  die  Wahl,  die  dueb  Intiigaeii 
oder  heimfich  ^  in  der  KinotiB  eolieint  dnrohgeaetel  aa  «ein. 
Aber  die  Vonttnde  von  Lawra  und  Iwircm,  denen  mit  den 
andern  grofsen  Klöstern  am  wenigsten  an  der  Abhäng^keit 
▼om  Patriarchat  und  der  Pforte  liegen  konnte,  brachten  ea 
mit  Hilfe  emfliilmicber  Laien  in  der  Hauptrtadt  dafam, 
daffl  dem  neuen  FMoa  aeine  Wttzde  wieder  genommen 
wurde  K 

Nicht  abgeschreckt  duroh  diesen  Mifserfolg  beabsichtigte 
scheinbar  dieselbe  Partei  in  Konstantinopel  bald  darauf  da- 
durch die  Hemchafi  über  den  heiligen  Bevg  sn  gewinnen, 
dnla  man  der  tnit^OTtii  toß  wmß  in  Konaianttnopel,  wohl  der 
yeQOvala  \  die  Leitung  des  Ajion  oroa  in  die  H&nde  su  apiekn 
versuchte.  Auch  dies  mifslang.  Und  nicht  mehr  Erfolg 
hatte  der  sich  daran  schlieisende  Versuch  einiger  dvy€n0¥r 
die  Stellung  der  irtizQOTti^  des  heiligen  Beiges  von  der  dnes 
gesehiftiAhrenden  Aussehuases  in  die  einer  regierenden  Be^ 
hMo  lu  Terwandefak*. 


1)  Biakräos  schreibt:  fiad'övrtg  ow  ol  ngofinot  rff  §uydk^ 
AutL'^ag  etc.,  n&mlich  die  Wahl  des  Ignatios. 

2)  Makräos:  xmtnoKfAtiaav  rdv  nQOrov,  äxQH  ol  mW^larrnv 
airtoD  triv  ^dßSov  xal  nfQi/arftXap  rö  xovxovXtov.  Der  llaupthelfer 
in  KoDstantiDopcl  war  für  die  grofseu  Klöster  diesmal  Nutölnot 
Xvgaxaüg,  der  /u/y«s-  Jtfp^i/v^tmjf  bei  der  Pforte. 

3)  Pichler  a.  a.  0.  B.  I,  S.  441. 

4)  Makräos  a.  a.  0.  S.  3dl  f.  Über  den  leUtan  Versach  heifit 
es:  .  .  .  ngoayayiiv  xal  ri/v  intXQonuajv  roO  *Aytov  "OQOvf  xaxtanov' 
00^6v  Tivfg  rfiJv  KearffT,  äwatSh',  xal  nolXä  inoCow,  Start  fitru- 
yayeTv  ivtuO&a  »Ä<F«f  Hovaiav  xal  ivvaiiiv  —  xal  ^iw^  olxwff 
fittv  tä  xoira  Tßv  liQ.  fiovaarti^mv.  Dagegen  schreiben  die  Ajioriteo, 
wahrscheinlich  ans  Patriarchat:  ntql  dk  rOv  ^tv  xad^övtw  Sut- 
tdrreiv  xal  xar*  ifovatav  noKiv  ri  ^  ygätfav  xal  ivTilUa9^a*y  rovrotf 
(den  Epitropen)  oö  i^Sotai,,  oii  dl  av^(f^Qei  SXttn  ^fAij^gtf  xott^rtirt 
i^m&fv  Sioumic^m  xal  taOra  nagä  xoafiutShf,  fttju  rotvoßfrirv  ymmac 
/*iJt«  ra'feK  ixwaaxriQiw  ttddjiov.  Wer  die  letzteren  waren,  denen 
die  Epitropen  des  hdUg»  Beiges  wieder  unlerthan  sein  s(^tea,  ist 


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DIE  ATHOSKLÖ^EU.  1. 


405 


Als  AbschluTs  dieser  Kämpfe  ist  das  Typikon  des  G^w- 
riil  anmaebePi  das  ^regeben  wurde  itoivr^  yvta^ji  fyiOiy  re  xo» 

y-a^'  ^fjdg  toC  XQiatod  fteyuArig  incxkijaiag  xat  zfjg  vMLvd- 

YÄfOvg  äfta  di  %al  tß  &iQfi^  ^u&au  %Qf9  1^  ht 

ßaatXmfoüfg   duni^iß6mm  iautvirm  ftaiwmifftawQr 

ftoti&wv  K 

Wenn  wir  uns  mm  zur  X'erfassung  der  einzelnen  Klöster 
wenden,  so  treffen  wir  gleich  auf  den  Unterschied  der  ftova- 
ovi^ia  Idid^^v^^a  und  der  7UMf6ßuu  £&  scheint,  dals  be- 
nili  bei  Zachariae  und  Fallmeitjier,  die  wolil  soent  eine 
Erktoroiig  dieiM  UntendiMdes  gegeben  baben,  eine  Unklar- 
hat  in  der  Begriffsbestimmung  untergelaufen  ist  Schon 
diese  nämlich  geben  als  vorzugsweise  unterscheidendes  Merk- 
mal an,  dals  die  ^ov,  id,  demokratlach,  die  xoiy.  monarchisob 
legiert  werden  £ret  in  swetter  Linie  itellen  aie  die  den 
Untenclued  begründende  Thataacfae,  dafii  In  den  not»,  daa 
Privateigentam  dem  Mönch  verboten,  in  den  iSio^^.  dagegen 
erlaubt  und  zur  freien  Verfügung  steht.  Bei  Pischon  tritt 
diese  HauptdiÖerenz  dann  ganz  zurück,  indem  hier  idio^ 
nMcb  leUMt  regierend**  überaetit  wird  *.  Fiaehon  bat  dem- 
nach aua  der  granunaüachen  Siettung  dea  Eigenscbaftawortea 
auf  dessen  logische  Beziehung  g^hlofsen,  während  in  der 
That  nicht  das  fiovaOTi^QcoVf  sondern  seine  Mönche  idiorrhyth- 
miscb  aind  und  ,|Buo  arbitrio  vivunt^'  K  Qaas  folgt  den 
Angeraeogien,  bemerkt  aber  bei  der  Beepreofanng  einer  Stelle 
Tom  Auasebreiben  dea  Patr.  Aniooiea  von  1S94|  in  dem  der 
Unterschied  von  idio^,  und  xotv.  ^fjv  zuerst  erwähnt  wird. 


■Mit  gm  klar.  Das  LaieMlement  ipielta  damals  aber  sobon  eine 
giofte  BoHe  am  fkuinetuseben  Patriarehat 

1)  SchluTs  dea  Typikou. 

2)  Fallmerajer  a.  a.  0.  II,  37  und  7ö;  Zaohariae  a.  a.  O. 
8.  285. 

9)  Pisehoa  a.  a.  O.  a  47. 

4)  94t6Hv»ftcs  «  qoi  sno  arbftifo  vifit  Hesjeb»  bei  Stepbaaoa. 


406 


dafs  die  Warnung  des  Patr.  sich  hier  zunächBt  aui  Eigen- 
tumsverhältoisse  bezieht  ^ 

Der  Privatbesitz  der  Mönche  erklärt  allein  alle  Eligen- 
tttmliehkeiten  der  idiofrhythmiiiehen  Kli)0tor.  Ein  KkMler 
mit  benteenden  München  macht  dem  IgiimeiiOB  das  ate 
absolute  Itegiment  unmöglich,  denn  die  empfindlichsten  Strafen, 
um  seinen  Willen  durchzusetzen ,  fehlten  ihm.  Was  dem 
iMiwoßtdn^  von  eeineni  Igumenos  zur  Strafe  verweigert 
werden  kamii  neue  Kieidang,  £B8ea,  Clriaabiua  das.  £ioiter 
«1  Terlaasen,  das  beutet  der  Uiö^Qi&fiog  von  lelbeli  dMUi 
ihm  kann  auch  der  Urlaub  nicht  versagt  werden,  wenn  die 
Verwaltung  seines  Vermö^ns  ihn  nach  aufsen  ruft.  Darum 
ist  bei  den  /uov.  idiö^^.  des  Athos  wenigstens  die  monarchische 
fiegiening  alimihlich  in  W^glall  gekommen,  nnd  es  ist 
dorcliaas  nicht  aufiUlig,  dafo  in  dem  Tjpikon  des  Kaisen 
Manuil  von  140G,  in  dem,  wie  wir  sehen  werden,  zuerst 
das  idiorriiylhm.  System  wenn  auch  nicht  erlaubt  wiiii,  so 
doch  eine  vorläufige  Duldung  eriährt,  den  igumenen  ange- 
raten wird,  sich  eine  bemtende  nnd  miticitende  Jemsia  sn 
die  Seite  au  stellen*.  Wie  wenig  aber  die  demokratttehe 
Kegierungsfonn  wesentHch  mit  dem  idiorr.  System  zusammen- 
hängt, sieht  man  daraus,  dala  das  JoaDniskloster  auf  Patmo^ 
das  nicht  kinowiatisch  ist,  doch  einen  Igumenos  besitzt  So 
auch  noch  Watopedi  im  Jahre  1819  ^  Ans  dem  Unter- 
schied der  EigentamsverhAltnisse  erklärt  sich  ftnier  dis 


1)  Gass  a.  a.  O.  S.  50 ff. 

2)  Ich  habe  von  dem  Original  dieses  Typikoos,  das  Müller 
a.  a.  0.  S.  169  erwähnt,  eine  Abschrift  genommeiL  Die  Stalle |  die 
hier  in  Betracht  kommt*  lautet :  40imo¥  &v  am,  fir^^lv  rOy  toO  fumf 

«T*       oirot       igii&fii^  u'  xaxa  lijv  iitorvigtHtt»  T09  äyiov,  ol  xa\ 
^fVÖ/Aarpf  MarayQdifovjM  iv  i^  ^gh  toO  fAovaatr^ov.  .  .    To  awi^i^c 
4f0t»  roÜTovs  iv      awä^n,  tl  oiov  jt  xa9'  ixtiaTtjv  rjfiigtn^,  Axti^nx^ 
twc      xad'*  ixdojifv  ^n  T^()i(v,  xal  ßovXf  via&M  fAtrm  JO0  iia9^yovfi6tw 
nt^  rOv  TtQctxi^tov  xai  i^tJiiCftv  rag  itxaias  töO  fiovaoti^o»  xtL 

3)  Vgl.  die  SabskribeateaveneichniBse  vou  'M  fidan^  etc. 
Erannpolis  1877.  das  h  n  oben  genannten  Christophoros  som  Vei&tier 
bat  and  vom  Kipos  eharitoa  (Yen.  1819). 


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407 


gänzlkli  verriclucdeue  liiia^Üche  Leben  der  Kinowiateri  und 
Idiorrhytbiniker,  wenn  ich  den  Namen  gebrauchen  darf. 
UnUbertreü'iich  hat  darüber  Faümerayer  geBprochen  betont 
aber  hat  er  nich^  dafs  mit  dem  Privatbesits  auch  die  Familie 
ihren  Einsug  in  das  Kloster  gehalten  ha^  denn  der  yi^ovvag 
idi^Q,  lebt  mit  seinen  IfmwtTinud^  die  ihn  als  nmi^  nvtv- 
ftatiTi^g  verehren  und  sich  nagadei^oi  nennen,  in  der  That 
wie  ein  Vater  mit  seinen  Söhnen.  Mit  der  auf  dem  Eigen- 
besitz beruhenden  Selbständigkeit  hängt  auch  die  Lockerung 
der  Askese  und  des  Kultosbetriebs  snsammen,  wie  me  sich 
in  den  idiorrhythm.  ElGstem  mehr  oder  weniger  findet  Der 
besitzende  M5nch  kann  sich  adser  demi  was  ihm  das  Kloster 
liefert  ^  mit  sonem  Geld  kanfen,  was  ihm  beBeb^  der  Kino- 
wiat  ist  auf  jenes  beacliränkt.  Uber  den  Unterschied  in 
der  Ausübung  des  Kultus  werden  wir  unten  sprechen. 

Die  Gteschichte  der  idiorrhythmiachen  Klöster  iit  folglich 
die  Geschichte  des  Kampfes  wn  Berechtigong  des  ISgen- 
besitzes  in  den  Klöstern,  die  der  Regel  des  Waasilios  folgen. 
Der  Kampfplats  ist  daher  auch  nicht  der  AÜom  aUeisy  und 
ich  Lalto  den  Sclilul»  nicht  lür  gewamst,  dafs  wir  es  liier 
nicht  mit  einer  lokalen  Erscheinung,  sundern  mit  einer 
allgemeinen  Phase  in  der  neueren  Geschichte  des  Mönch- 
toms  in  der  anatoliach-griechischen  Kirche  zu  thon  haben 
In  der  nachfolgenden  geechiehtÜchen  Überucht  werden  wir 
daher  uniem  Blick  nicht  allein  auf  die  AÜioeklOster  richten, 
um  der  Geschichte  dieser  gt;recht  zu  werden. 


1)  a.  a.  0.  S.  37  f. 

2)  Was  das  uov.  fitioon  rßr  '/ßilftotv  geiuen  Jeront( n  lii'fYrt,  ist 
folgendes:  Brot  uud  getrockueler  Fisch  je  nach  Bedarf.  Ul  j«'ien 
Mouat  dem  (i,T>löc  uoiuxo^  1  Okka  (=s  1,28  kg),  dem  ft^aift^yog 
IJ  Okka,  den  7ia<nGi(~>Tt^  deren  8.  An  Getränk  jedem  Jerontas  täg- 
lich etwa  1 V  Ukka  gemischteu  Wein.  Dem  Wein  aber  wird  in  drei- 
facher Abstufung  Waasijr  zugesetzt,  am  wenigsten  für  dio  /i(<o^<irturi», 
mehr  für  die  übrigen  y^ftovit;,  am  meisten  für  die  Klosterarbeitcr. 
Im  W'iuur  tu li.ilten  die  Jeroutes  so  viel  Butter,  als  die  Metocbicen 
liefern,  zu  Ostern  jeder  ein  Osterlamm. 

3)  Anders  und  zu  beschränkt  Fallmerayer  a.  a.  O.  S.  88  und 
Jedeon  a.  a.  O.  3.  41  in  altgemeis. 


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408 


METBB, 


Streben  naoh  Ei^^tum  und  unerlaubter  Bemts  ist  achon 
in  allen  Zeiten  des  MiSnciitaitta  ein  Veigefaen  gewesen,  auf 
das  man  in  Kinowien  gelklst  sein  mnisie.  Schon  der  Eweije» 

tinos  führt  in  einem  besonderen  Kapitel  zur  Warnung  vor 

■  •  _ 

dieser  Übertretung  der  iiegeln  Erzählungen  des  Grigorios 
von  Eom  und  des  Kaeaianus  an  K  Atbanaasios  der  Gründer 
der  Lawra  bekämpft  in  seinem  Typikon  und  in  der  Diaty- 
pOM«  energisch  alle  beaitalnatigen  Begungen  seiner  firOder*. 
Ewstaduos  Ton  Thessalonich  tadelt  eben&llfl^  dals  die  Aföncbe 
nieht  anf  den  Eigenbesitz  verzichten  wollen  Aber  es  findet 
iich  in  diesen  Zeiten  nicht  einmal  der  Gedanke,  dalä  Jurcli 
eine  Kloster  Verfassung  der  Eigenbesitz  thatsächlich  erkuib: 
sein  könna  Das  verhängnisvolle  Wort  idoi^^v^fio^*  ündet 
sich  in  dieser  Beaiehung  auerst  in  dem  schon  von  Gass  an- 
geeogenen  Brief  dee  Palr.  Antonius  von  1894  K  Derselbe 
erinnert  die  H?$nche  von  Pantokratoros,  dafs  von  den  Wohl- 
thätern  des  Klosters  dieseiii  die  Jjesitzungen  nur  unter  der 
Bedingimji:  gegeben  seien,  dafs  die  Mönche  yLuivoßiaTfjßiq  lebten, 
litfiiva  aber  %Qv  ^lovai/Siv  iftadüag  ixß^v  idi^kv^cb^  xoi 


1)  Der  genaue  Titel  des  nnter  den  Griechen  unter  diesem  Namen 

bekannteu  Buches   iat:   2iry((y(oyr]    rOv   &ho^( x^r/yan'  (<riU{iiüjp   xc.l  Ji- 

fgPtiSatov  awa&QOta&tiaa  napä  Iluvkov  toO  dotwjuroi'  Movh^oC,  xci 

ri»OP  intMUlöUfiiwou'  Irnf^itaa  Ix  rijs  ßtßXio^ijxrji  rij,-  ir 

UymiföfA^  "Off«  IfQäs  ßaaiXix^s  t§  auA  nuTQiaQx^»^s  Movi^  roß 
XovfUtvfioiSon  inovofiaCoftivfjs  mtL  (Vfln.  1783),  foL  1098  SsHmi. 
Das  Werk  mnb  vor  dem  14.  isee.  aasanmiengertellt  aebi;  hjs  da 
rsiehea  die  HandtchiiAen  roa  Ajioo  oros.  Heraiugeber  war  Miko- 
dunos  AJioritäi.  Eia  fistiges  Material  aus  den  ntmffttid,  yigovrmd  Mwk 
ist  hineb^gesrheitst  Die  fiagliehe  Stolle  ist  im  sueitea  Baeh,  hi  dte 

2)  Das  T^pikoQ  itt  hsi  Jedeon  ahgedniekt  Yen  heiden  bssitas 
ieh  sichere  Texte.  Im  efstaiett  heUst  es:  noQmpuJiditH  ndtws  Ht 

f^fqof  toü  iw»*  MMaawn»  §h  i^v9Mna$v  fify^  mI  ft^ot.  Jedeon 

S.  2G0f. 

3)  Betrachtongen  fiber  den  MSnehMtaad.  Überaetst  Ten  Tafel 

(Berlio  1847),  S.  68  ff. 

4)  Müller  a.  a.  0.  &  241. 


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DIE  AXUOS&LÖ&TER.  1 


409 


na^  hidatov  diaTtQondfieifa,  Wie  weh  die  Sache  aber 
flchon  auf  Ajion  oroe  damals  gekornmen  war»  wie  man  schon 
Eigenes  hesafs  imd  au  eigener  VerfOgang  erwarb,  aeigt  das 

schon  genannte  Typikoii  des  Manuil  von  1406,  das  die  ersten 
MaCur^eln  gegen  das  idiorrhythmische  System  ergreit^  und 
es  deimodi  schon  so  ziemlich  anerkennen  moTs.  Der  Kaiser 
wendet  sich  zwar  direkt  nur  an  die  Lawra^  das  Verhalten 
dieses  als  des  ersten  Slosters  aber  ist  ftr  die  andern  stets 
Toi  ljildiich  gewesen.  In  dem  hierher  gehörenden  Stück  wird 
zunächst  streng  verboten,  dafs  diejenigen,  die  ihrem  Kloster 
irgendetwas  zugebracht  hätten,  deshalb  Anspruch  auf  be- 
sondere Verpflegung  oder  Ansaeichnnng  etheben  dürften. 
Dann  aber  wird  doch  fortge&hren:  „^dv  di  ^  rf^g  fiovfjg 

fätof  danaadfierog ,  t6wB  odde  ti  ättö  tfjq  fiorljg  dtpeilu 
laßuw*U  so  wird  also  dennoch  ob  swar  unter  ungQnst^en 
Bedingungen  die  iSiogvd^^ila  erlaubt.  Und  gans  deulÜch  wird 

diese  Konzession  weiterhin  gemacht,  wo  es  heifat:  ,J:rei  Si 

odow  fu^%^  adrcHg  hmow^Ofn  %tu  diä  toOro  od  i^udia» 
tjjma  vipf  dftoßakiljpy  tCfÖTior  §iiv  Xü^l^  f%iwaav  ofroi 
nit^  Eli)^  adv&»  Hjv  ttorpf  Ttxf^a  y<?  xaqrtitdiitvoi**.  Nach  dem 
Tode  soll  dieses  Eigentum  dem  Kloster  zufallen  und  ein 
derartiger  Besitz  überhaupt  keinem  Mönch  wieder  gestattet 
werden.  Aber  eoUte  das  gelungen  sein  in  der  Zukunft,  was 
in  der  Gegenwart  nicht  gelang?  Saymeon  von  Thessalonich, 
der  Jeremias  des  fallenden  RhomAerreichs,  klagt  daher  ge- 
wifs  mit  Recht  ganz  allgemein  über  doü  idion  h}  thinischen 
Verfall  des  Mönchtums:  Tig  i^evg  rd  %ffi  UQOJOvvrig  q>v- 
Imu  dXofßtira;  zig  fiovaxdg  zä  to€  fiovax9^;  od  ndm^ 
^i^^^^illit»^  %lg  otv  iiifa  dmjptdau  tdhf  ytpofiivw 
Tipf  x^9^v ;  diorre  awdavrjaav  ol  vaoi;  dcore  al  fioyai;  oi% 
ha  Iqyaotr^oia  Oioiv^qiag  wGi;  vCy  (hg  l'ff  ti  X'Qiaiog,  zoig 
^etovg  oYxovg  avrof)  OTttjhxia  7toiot'^iv  h]acQv.  ä^naCofi^ 
%ä  Uqa  Ol  iwa^oi  ts  ULai  u^tHg^  imd^aQttag  Cäifimf,  idio^t^- 


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410 


dHxXiaxofMev  V  Der  Doppelamn  von  ldt6^^fiog  wird  hier 
fein  verwendet  Dem  oiAaS^dqzujq  beigeordnet  «teilt  es  die 
neue  Lehre  vom  berechtigten  Eigenbesitz  in  dea  Klöstern, 
die  derLeter  aus  dem  Worte  hörte,  unter  das  vernichtende 
Urtail  einer  Theoiie  Tom  Baabe  am  Heiligen.  Dem.  ilm* 
Ech  eebrabt  EiOlinilu»  der  Patriansl^  «b  er  1808  des  Bnae» 
kloeter  refonmerte  „diaßtothfwig  ^m^^typaiHog  yuxi  lSto(f6&- 
fitag"  *.  Die  näc liste  Nachricht  fahrt  uns  schon  in  das  I 
16,  Jahrhundert.  In  diesem  scheint  eine  wirksame  Keaküoü 
sugunsten  der  vLOivößta  st&ttgeiunden  zu  haben.  Watopedi 
wurde  1667  noiydßiovK  Im  Jahre  1574  wurde  auf  Befehl 
des  Fetr.  Jeremia»  II  dnroh  den  Patr,  S^r^weitroe  die  Lawra 
mm  icate^  Tunvdßiw  mngelnidel  ^  Um  dieselbe  Zeit  etwa 
wurde  im  Szinaikloster  der  gleiche  Elampf  gekämpft.  Dort 
war  unter  der  Igumenie  des  weltlich  gesinnten  Makarios 
ebentalls  die  gemeinsame  LiebenBordnung  abhanden  gekommen. 
Doch  haben  die  Patr.  von  Alexandrien,  Jerusalem  und  An- 
üoefaien  die  Nenemngen  bald  nnterdrüekt  K  fiierber  gebSrt 


1)  Szymeon  gest  1429.    Seine  Werke,  im  Urtext  ber^usgcgcben 

Ton  Dossithpos  t.  J(^ru«!.  in  Jassy  1683,  wurden  neugriechisch  über- 
setzt und  erscliionou  ruorst  in  Lci})zi^'  1791.  Diese  AusjjiTibe  ist 
mebrfacli  in  \  enedig  nachgedruckt.  Eine  verbesserte  Version  erschien 
etwa  IböO  in  Atheo.  Ich  eitlere  nach  dem  Urtext.  Uosere  Stelle 
steht  S  332. 

2)  Ih{ti  ToO  ^ijTifiuaTog  xrX.  S.  141, 

3)  So  berichtet  Jcdeon  nach  der  Bemerkung  eines  bei  Mont- 
faucou,  Biblioth.  Coisl.,  p.  39  angeführten  Cod.    a.  a.  0.  S.  167. 

4)  So  erzählt  Jeremias  in  seinem  Typikon  von  1574  (Müller 
a.  a.  O.  S.  177),  daa  ich  nach  dem  Original  abgeschrieben:  äjio- 
nmtwniiatts  xnl  rd  ^et^ratw  ftüt^tar^^Mf  r^  U^s  iftv^s  raO  6a(ov 

in  mUMv  XQ*^"^  UtÖQv^fiOif  od  naUte  ^u^mdtmr.  Hilf  #i  mGUr 
iwPo^Kjrtlc  ^Mynv  iKni^intr.  .  . .  Denn  undm  Midi  alle  KUMar 

6)  NtKrdqtost  narg  *ftQoa^  Imroyu^  tlfg  ItQoxoafimlfs  tctonime  ete. 
AwgalM  TOD  1768,  8.  917.  "O&tif  üvt4fin  I«  toik^v,  9ä  jpdUtooM» 

das  daa  aurfOhriielie  GeMiiielite  dm  Sdsai-Klotlen  eathllt,  er- 
lehien  Mnt  In  Jaln«  1077.  Die  Zdt  det  geaeaataa  Makaiiw 


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DIE  ATH08KLÖST£H.  I, 


411 


auch  die  Konstitution  eines  seinem  politischen  Namen  nach 
unbekannten  Klosters  aus  dem  Jahre  1592,  die  von  der 
Rück  Wandlung  dieses  Klosters  in  ein  VL0iv6ßiW  handelt  ^ 
Wie  heftig  daniftb  im  aUgenMUMD  der  Kampf  der  beideo 
Lebenaordmmgen  geiUirt  wurde^  sehen  wir  ans  einer  Sclirift. 
des  Ajioritea  Padiomioa,  ana  der  ieh  nach  einem  Cod.  in 
Iwiron  einige  Auszüge  gemacht  habe.  Da  schreibt  der 
Verfesser    g^en   die    Idiorrhythmiker :    lolc.  idio^vi^f^ov^ 

%9iaq  %at  na^ßdrag  t0¥  aw9ipiUi^  idvQv,  ü  di  %ig  dvri- 

fytvxiq  dnr«r4$rincTo/  daiir^  tarn  9ri  61  wnpoßtärai  Sm^ 
PxovatVy  od»  Wiag  fyjvaiv,  dJiXd  wn9ßg  utal  ftutavag  SrreQ  l'x^t, 
To€  ädthpüfS  cwTo€  iartVy  oij  mir  off,  Intid^  otic  l^ovoid^tt 
Ttg  avtdi^v  T<,  ftdviMg  aATTjuiay  earty.    ov  öi  yd^  jiexcuitvT'o« 

po^id  obx  ifun6mHii9%ui  Tin,  Si6wi  h  i^q^/^  oök 
IgiüNWCF,  dtf  hftotay^atmau  Keben  dien  inid  aaden  Ana- 
fUntmgen  laufen  bitlere  Klagen  Uber  den  LfUniay  der  da- 
mals in  den  Klöstern  getrieben  wurde  *.  Auch  über  den 
Verial]  der  griechischen  Klöster  in  Unteritalien  lassen  sich 
aus  der  Zeit  Stimmen  vernehmen  Obwohl  nun  mit  einigem 
£rf(^y  namentUoh  von  oben  lierab  lugonsten  des  Eono- 
wiabTstema  gearbeitet  wordei  eo.  bat  dieees  doch  durcban» 
nieht  die  Henedbaft  wieder  genommen.  Daa  lifrt  neb  ichon 
ana  mdnen  q[ftKilicfaen  Quellen  erkennen.  Ln  Jabre  1644 


giebt  sich  aas  der  seiner  Alwetsmig,  die  nach  l<iektario«  ins  Jahr 
1557  mit   a.  a  0  S  218. 

1)  Von  mir  abgeschrieben  aus  einem  Cod.  Iber,  Das  Kloster 
wird  genannt  iiotn^  roO  fteydlov  9toO  xal  omr^QO(  ^/^©^  trj<ynO  ^Q^otoO 
T^f  fitrafioiit^maftai.  Hier  wird  iu  &ehr  heftigem  Tone  daa  kinowialo 
System  wieder  geltend  gemacht.  Am  Endo  werden  die  furchtbarsten 
Strafandrohungen  ausgesprochen,  fK  <fOQa&f(tf  ijyow  ifuwn^- 
^^anai  lötoQi^^^ri^ütv  (sie)  fi  xiintotv  rd  roO  ttotpofiiov  xal  rj  rdfu 

2)  Der  Codes  stMiimt  ans  dm  Jahie  IHO.  Ptohowdos  lebte 
16.  Jabttaadett.  TgL  Jedeoa,  &  9ia 

8)  Piebler  a.  a.  0.  8.  619. 


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413 


war  Kloster  tf^Q  OtuTu/jjv  auf  (_ler  Insel  Clmlki,  also 
dicht  bei  der  Hauptstadt,  idion hytbmisch  ^  Nektarioft  be- 
liebtet |  daüa  sa  aemer  Zeit  kein  fwifoxi^  iSto^v^fto^  wm 
IgammoB  dee  8«naiklo»ter»  gewäUt  werden  durfle  Etwa 
in  diese  Zeit  0Ült  die  Umwandltmg  der  Nia  Mar^  auf  CInM 
in  ein  fiov.  tdi6(}(}vthtov.  Die  Türken,  so  heifst  es,  hätten 
nacli  der  l^annahine  der  luael^  das  Kloster  seiner  Besitauu^ 
beraubt,  so  dala  es  seine  Möncbe  niobt  mehr  babeii  e^ 
albren  können.  Daber  sei  die  gemeinsame  Lebenaoidniuig 
abgekommen.  VerdSohtig  ist  hier  ecbon,  da&  den  TQrkw 
die  Sebald  auigebürdet  wird  und  im  W  iderspruch  mit  dem 
Bericht  von  der  Armut  wird  gleich  hernach  enähl^  da£s  luaa 
die  alten  Zellen  in  die  (bequemen)  Wohnungen  der  Mm 
Möncbe  umgebaut*.  Es  darf  daber  beaweifelt  werden ,  ob 
die  Begründung  des  Nikipboros  eme  ricbtige  iet  Knrs  nach 
dem  Jahre  1735j  in  dem  griechische  Mönche  das  u&lIl  döQ 


1}  Li  dieMm  Kloster,  das  ja  in  der  tbedogbohen  Akadecnie  um- 
gewandelt  wtirde,  findet  «iob  nümlieh  ein  Codei  mit  fotgeodor  An- 
gabe. ^/kT'»  *fovpiov  xC'  —  *EyQnff(n  iv  rj  h^q  aea^  ßaailutj  Monj 
Tilg  *Ynt^y(as  Biotdttov,      iv  r§  «^«ry  Xifibt^,  6tä  X^*^  vo^  xomut 

^twtgyiq  ToO  nwoatmtdtw  HqoifyovfUvov  Xvfdov  FkfiQi^v  «ri 
Juuniov  ätfwoe  dytae  MMft^s  rat^ijc. . .  Vgl  die  GeMhkhte  dleMi 
Klotten  von  Bartholooifioc  KatlumuiiaiMM  8.  46.  (Mein  Exem^ 
hat  kein  Titelblatt,  das  Bttcb  stammt  etwa  aus  dem  Jahre  1850.) 
Hier  wird  also  ein  Proigumenos  genannt,  der  damals  die  Wörde  des 
Dikäos  hatte.  Einen  DikSos  aber  gab  es  in  älterer  Zeit  nor  in 
idiorrhythm.  Klöstern,  jetzt  aocb  nur  in  Kinowira,  wenn  dieselben 
modernisiert  sind.  Aulserdem  würde  in  einem  Kinowion  kein  Pni- 
gumenoB ,  d.  h.  ein  gewesener  Igiuneuos  den  Titel  ITavooHiifmns 
führen.  Dafs  der  oberste  Beamte  der  Skiten  auch  I^kftoa  beifia,  g^ 
bSrt  sieht  hierher. 
2)  a.  a.  O.  S.  188. 

d)  'U  Mtk  it^  dm4evM»  rüv  6aimß  »al  9€9^6Qm  mmi^ 
tlfe  iMtXtyofiit^  ßUag     nu^  Nttoi^^tgou  JUov  (Ven.  180A).  S.  85: 

naXmä  txttv«  dmr^ruti^  mXXia  tmim        ira^OOM»  tmxdnuottf  fun- 


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DI£  ATHOSKLÖSTSH.  I. 


413 


Kriegen  der  Russen  mit  den  J  tu  ken  in  jener  Zeit  verödete 
Kloster  Kussiko  übernahmen  und  besiedelten ,  fiel  auch  hier 
die  kinowiale  Lebensform  ^.  Beide  Systeme  als  gleichbe^ 
rechtigt  schdnt  Tonraaniflelieii  das  Nomikon  von  I763|  dessen 
Verfitfsor  dem  angQlienden  Mönch  folgende  BatBcUige  erteilt 
£2  %tti  AfHn  ftwaavff^top  impdßtw  (in  das  der  Neuling 
eintreten  will),  slvat  xqBia  va  7Eap<i()(ooi^  8lov  rov  rd  rrgßy/uaj 
xat  vä  ¥xf}  Ty)y  tWoiav  blriv  fiövog  ö  'Hyo^fievogy  Ljoäv  Jiavi- 

%ai  ft6vov  Hjv  ^yt^oiav  toC  voög  tovQf  nuxi  %&¥  dfferöp  ravg 
. .  •  £l  6i  wd  ^rsdyg  ug  ntmimv  Momuxö»  fi^ftma  ldf6ffv^ 
fiC»,  Ij  dg  !/#(nci}Ti^,  ataxaod^  noXkä  rtald,  ^ifjTtiag  tum 
Ttfxs  oddyufAog  6  yi^ovrag  huuvogy  %al  ödr^yog  tvflog . . .  Kai 
Stet  tipf  TdvßiQVTfatv  rfjg  ^(ofjg  tois  ^  rtginu  vä  fidi^  «Z»^^»', 
vä  evyavrj  tö  ipuf^l  tov^  ^  Äv  tx^i  itartQu  . . 

Auf  dem  Ajion  oros  waren  damals  ÜEtst  alle  Klöster  idior- 
yliythinwtli.  Und  SS  moiSi  in  ihnen  damals  aiemlioh  aig  an- 
gegangen sein.  Ein  ansdunüieheQ  Bild  der  damaligen  inneren 
Zustande  giebt  uns  der  Brief  eines  Ajioriten  Dionyssiosy  der 
von  der  Kinotis  um  Rat  gefragt  war,  wie  man  sich  aus  der 
allgemeinen  Not  retten  könne,  und  in  dem  f;eiiaunten  Schi  eil)en 
rücksichtslos  die  (jbrUnde  des  aligemeinen  üuins  der  Klöster 
aufdeckt  ^  Allgemein  fürchtete  man  danach,  dals  der 
heiHge  Berg  Ton  Hänchen  bald  verlassen  sein  werde.  Es 
hensohie  nftmHoh  starker  Lnxas  anter  den  Mdnchen.  Mt&vw,. 
so  sagt  D.y  T^rs  tuma  nlvtr^t  hMm&M  ^^/iOfg^  &ad»  Nvfi" 


1)  TTfol  ToD  Crff^uttTo;  xrA.,  S.  34  ff. 

2)  2ri;voi//K  y{tt  ßißXlov  vouixoC  xui  rrfpl  i^ouoloyTjrrntn:  *»tc.  (Vcn. 
1753),  S.  1K3.  Vgl.  auch  über  dii  sea  Buch  den  AufsÄta  von  Jedeon 
in  *EMMlriniaartxTi  'j4kij&ua,  frag  t]  ,  uqiOu.  2,  S.  16. 

3)  Ich  habe  den  Brief  au»  einem  Codex  in  einem  Kellioa  ober- 
halb Karyes  abgeschrieben.  Wer  jener  Dionyssios  ist,  kann  ich  nur 
▼emiaten.    Kr  biigt  von  sich  selbst  iu  dem  liriefe:  fif  vyaStv&ipf  iv  tj 

xal  iauünijau  töaovg  )[q6vov(.  Nun  lebte  Ende  rorigen  Jahr- 
honderts  der  höchst  SQgSMhcHDd  Ajiorit  DiooTitios  aus  Zsgora  auf  dem 
AskHenasyl  der  kMasa  Issd  Piperi ,  gegenttbsr  dsr  AtbodwIbiiiMl. 
Diswr  fibefMtsto  soeli  die  Wsika  Sxymeons  „des  nsiMD  Tikeologen<* 
(Ysii.  1790).  Vgl  Ssathas,  NtaX,  M.,  8.  616.  Wsknehsinlleb  ist 
4er  Vsitesr  des  BrieÜBs  dlseer  Dionyslos. 

SallMir.  C  E.MI.  XI,  I.  S7 


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414 


HEY£Ky 


xoAcric;,  ^ov'Aazeqivä  LWvuQia  Mar»  trug  gaaa,  deren 
eines  500  Aspra  kostete.  Durch  solohes  Lebea  waren  die 
Klöster  tief  ▼encholdei  und  zwar  an  Juden,  wahncheinlich 
in  Sealoniky  denen  die  Zinsen  mit  den  Kostbarkeiten  der 
Kl((8ter  besablt  wurden.  Itiqrjaafit^  «dv  nu&aitc»  nuti  ^l^a- 
fiel  ug  t  t)v  tQmov  nai  tyivafiev  ftovaxoi ,  vct  eV^wfim^  ilev- 
d-egiavy  y.ai  f;^i€ig  eyiva^ev  dotkoi  iQv  eßgaiiov.  )'f}  Y.ai 
^ku  wd  ov^ayil  iäy  txex€  cuaihiaiy,  dxarere!  ^%]fjiddia 
A%at%  noXXä  %Qv  ßaaiXtiav  wi  dev  rd  iTaak^an,  äfii  xct 
iSi&iunB  dg  toi>g  ißffaiovg  nai  hUffdij/aa»  ii6ißw  &iä  rdr 
%6miw.  *  Das  Kaiutai  blieb  man  also  schuldige  wfibrend  doeli 
die  idierrhTihmischen  M($nche  gans  nettes  eigenes  Vermögen 
bcsafsen.  lügia/.oyrai  viai  y^oovrty  u  cov  txoin>  dnb  rrtvrt 
Xtkiddeg  äoTiQa  /.ai  zd  y.Qaiihe  (Cod.:  Kgan]iai)  eig  tov 
KLÖlnoy  aag  nuxi  iaetg  tqtxexi  ndkiv  ug  fovg  iß^aiovc.  Der 
Buisprediger  empfiehlt  daher  nur  erst  eiDmal  die  Schulden 
SU  besahlen.  Jeder  i&t6^d'fiog  solle  beisteuenii  der  eine 
mit  600,  der  andere  mit  lOOO  Aspra.  Und  wenn  das  baare 
GMd  nicht  reiche,  solle  man  die  Kostbarkdten  der  KUMer 
verkaufen.  Dafs  Dionyssios  die  La^  nicht  zu  Bchwai*z 
zeichnet,  kann  man  auch  bei  Makräus  lernen.  Auch  dieeer 
erwähnt  mehrfach  die  Verschuldung  der  Klöster  und  nennt 
als  Gläubiger  dklötpvlot  und  i^iwd  in  Saalonik^  Auch 
in  dem  l^ikon  des  Qawrül  wird  der  traurigen  Lage  ähn- 
lich Erwähnung  gelfaan  und  der  Befürchtung  Baum  gegeben» 
das  Ajion  oros  möchte  veröden. 

Es  kann  uns  daniia  nicht  wurnlern,  dafs  die  Patriarcheu 
am  Ende  des  lö.  Jahrhunderts  eine  starke  Keaktion  gegen 
das  idiorrhythmische  System  einleiteten.  Den  Anfang  machte 
Qawrül,  indem  er  Xenophontos  in  ein  7toi»6fiiOP  umwandelte  ^ 
Dem  folgte  Esfigmenu>  wie  ich  aus  einem  Bittgesuch  des 
Klosters  von  1805,  das  die  leiste  Vergangenheit  des  Klostars 


1)  rgmn  vulg.  Ar  t^fu,  »afitdmtik»  kk  lette,  Mioym^  dss 
Pfoid,  ff/A«t  Sattel,  fiowartQtifä  ist  mir  unbeksimt 
S)  a.  a.  O.  S.  afiO  mid  foost. 
8)  MuUer  a.  a.  O.  S.  190. 


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DIE  ATBOSKLÖSTER.  I. 


416 


berührt,  abgeschrieben  habe.  Die  Umwandlung  geschah 
1796  auf  Anregung  des  Erzbischofs  Dauiü  von  ThesBalonich  \ 
Der  Ignmenoe  Theodoriim,  der  dM  BHlgesiicli  geschnabeOf 
entwirft  in  einer  trefflichen  Elosterdironik  die  hendeclirift- 
lich  im  Kloeter  anibewahrt  wird,  ein  sehr  iniereeMmtes  Büd 
vüii  dem  damaligen  strengen  Leben  in  Ksti;L;rjiL'rm  ,  das  sich 
bis  heute  erhalten.  Na  ßkirtfi  ir^v  yt/^Quoir,  so  beschreibt 
er  das  Auflaehen  der  MöDche,  iv  voig  ^^iv  Is^ig  aihßv  ouh- 
fioaiv  Itcayqaffiafiiwiv^  vä  tivag  fdtobg  9%Mip  dfd^a- 

poQf  di6ti  «g  Mim  ßUnu  n^tam»  i^v^^,  ^  <^^jva 
oiidinina  ßXinoi  yHmffog.^f  ßXirtu  fiiar  yal/^yriv 
ug  fd  nf^tata  axrttäv  %ai  draQa^iety,  ßlinii  oxfjfta  xat 
TrQÖOio.iüv  Ylaobv  vxti  evn  ouoiToy  ^  /mI  fii  fiiav  iaofisvqtav 
dg  uavia  (peQOftevoy  rd  MVijfiCtwa . .  ,  oidelg  d'/.oiJ€i  tctg 
ßagßaQi'Accg  xai  Taqaxfodeig  (putvag,  firtqi*,  Vj  frrr,  fohßa 
IfyWf  9  f*^*  Vom  Deaember  1801  ist  das  Sigill  des  Patr. 
KaUinikoB  datier^  das  Ssimopetra  an  ebem  xmv^u»  macht  f 
Am  9.  August  1808  wird  durch  ein  Sigill  glichen  Inhalls 
Russiko  betroffen  ^.  Zwischen  1807  und  li<Od  schreibt 
Nikodimos  Ajioritis,  dafs  Dionyssiu  und  Kastaraonitu  neue 
l^mowien  seien  ®.  Karakallu  bekommt  16  Vd  seine  gemein- 
tarne  Lebensweise  zurück  Diese  Klöster  weiden  1819 
als  die  Kinowien  des  lieiligen  Berges  mehrfach  genannt  ^ 

1)  Jedeon  S.  817  und  192,  wo  aber  ab  Jahr  1705  sage- 
geben  wird. 

2)  Jcdcou's  Mitteiluugen  ans  einer  aoleben,  a.  a.  O.  S.  812 ff. 
kSnnen  höchstens  ein  Auszug  sein. 

3)  fdni/  ist  ein  sehr  ▼olgärer  Animf^  wie  unser  „  Holla  oder 
ein  Anruf,  wie  unser  „Sie  da**.  Ausgesprochen  bre!  Die  yalijprj  und 
iraQuittt,  ja  auch  das  Ha^op  nn<>(i(>irtoi'  kann  ich  bei  den  Esfigmoniten 
aus  Er&hrung  bezeugen,  äie  erfüllen  in  der  That  das  Gebot  des 
Herru  Matth.  0,  17.  18. 

4)  Müller  a  n  0.  8.  192. 

5)  Müller  a.  a  O.  S.  192.  Abgedrnckt  in  Ht^i  toO  CnhjfA«- 
rq;  xrl.,  S.  140  flf. 

6)  'Ofioloyfa  nftm^ffK  S  2^:  t»|,  Ifnüg  uovfj<:  toC  'it.mvaiov,  tov 
vOv  xotvoßiov.    S.  69:  h>  r(p  tdn  xonofiitj)  juC  hunotauovitov. 

7)  Das  Sipill  des  Patr.  Kyrillos  bei  Müller  a.  a.  0.  S.  192. 

8)  Vgl.  die  Subskribentenverzejchnisse  des  Kipos  Chariton  nnd 
des  Szynazaristis  von  1819. 

27* 


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416 


UEYEK, 


Während  des  Aiifstandcs  und  der  türkischen  Invasion  ruhen 
alle  diese  Fragen.  In  Russiko  wurde  I8H3  durch  den  Ije- 
rühmten  Patr.  KonsUntios  1^  nachdem  die  Ruhe  auf  Ajion 
{fTW  wieder  eingekehrt  war^  mit  emw  Sigül  die  gemein- 
aame  Lebensordnung  beetfttigt^  Ajia  Pawlu  gesellte  acb 
1839  den  Kinowien  bd,  wie  man  mir  im  Booster  sagte. 
Nach  1841  sind  dann  noch  Grigoriu,  Sographu  nnd  Kut- 
lumuesi  *  zu  den  Klöstern  mit  gemeinsamem  Leben  tiberge- 
treten. Nur  iubezug  aui  das  letzte  ist  mir  ftir  diesen  Schritt 
das  Jahr  bekannt,  nämlich  1857  ^.  Demnach  sind  jetzt  die 
KUMer  Dienjniit,  Kutlmniuwi^  Sographu,  Karakallu,  Saimo- 
petns  Pawlosy  SfigmenUf  Xenopbonioi^  Gngorin,  Rnnike 
vanä  Kastamonita  Kinowien.  Es  steht  anch  sa  erwarteD, 
dafs  die  Zalil  der  idiorrhythmischen  Klöster  noch  sich  ver- 
mindern wird,  denn  diese  haben  die  allgemeine  Meinung 
gegen  sich.  Der  schon  genannte  XQiOTotpÖQog  spricht  wohl 
mit  den  Worten:  zä  wkuc^  ästm  dU^etQOi^  xai  duup^" 
(fovtfi  anavdaiwg  zotg  (i<m>XP^9  avyntnipalcuoBi^m  dg  rd 
dt^  roffra.  ^\  dg  tdv  Idt^ffv^fiop  ßiw  xat  JB^,  dg  %^ 
sXaa&op  yvpofKi&if  rolg  fAOfyaimiQioig  ^  die  allgemmiie  und 
bereciiti^te  Stimmung  der  griechischen  Kreise  aus.  Der 
letzte  Vurwuri  palst  bekanntlich  auf  die  Klöster  von  Ajion 
oros  nicht 

£s  mag  noch  bemerkt  werden,  data  durch  den  E^flols 
der  Slawen  auch  kinowiatisehe  Skiten*  sich  gebildet  babeoi 
offenbar  tun  bei  passender  Oel^genheit  in  seLbstKndige  KlMer 
umgewandelt  aa  werden. 


1)  Abgedruckt  iu:  J/^q)  tov  CnTi^uaroq  xjL,  S.  169 ff. 

2)  1B41  sind  die.se  noch  idiorr)  thmiBch  nach  dem  Subakribeoten* 
Terzeicbnis  der  zweiten  Ausgabe  des  Pidalion  von  1B41. 

8)  Die  ▼on  PischoQ  (e.  a.  0.  S.  27)  erzählte  Geschichte  von  dsm 
Brande  des  Klosters,  der  am  Tage  jener  Seformation  den  Kloster- 
flllgsl  Tonelirte,  bebe  ich  aneb  Teraoomien.  Doch  hat  Piaeboii  <Bs 
Farlslea  fertsnicbt 

4)  *H  Mm  (idan^,  S.  907. 

5)  Die  Nunen  bei  Jedeon  a.  a.  0.  8.  67.  Uatar  diesen  Skitee 
ist  die  bedeaftsndste  die  ros  läyiov  iM^ov,  meist  t6  ^gdytoif,  dss 
Ssersi  gensmit 


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BIK  ATH08KL58T£IL  I. 


417 


Waa  nun  die  Regierung  der  Klöster  durch  ihre  Beamten 
beftiifft,  so  scheint  nur  der  Untanchied  awiicben  der  Be- 
ntK  erlaabenden  und  verbietenden  VerfiMningaform  in  diem 

Hinsicht  gar  nicht  so  stark  hervorzutreten,  wie  man  meist 
augiebt.  In  den  kinowiatischen  Klöstera^  wie  in  den  idior- 
rbjthmischen  liegt  die  regierende  Macht  bei  der  Brüder- 
lehaft.  Diese  ist  in  den  letsteren  ständig  yertreten  durch 
die  aiha^ig  t<9v  nijomdkmvj  die  meist  bis  zu  fün&efan  Mit- 
gliedern zählt  ^  Diese  Versammlung  setzt  sich  zusammen 
aut»  den  die  eine  Zeit  lang  im  Auslände  als  oixo- 

nl/iOi  der  Metochien  sich  bewährt  haben,  und  aus  den  reichsten 
und  begabtesten  änhn  ftovaxoL  Alle  diese  führen  den 
Titel  TCQoriyoijftevot  und  werden  als  solche  mit  der  alten 
ta§ig  ETti  TZQO'/BiQi'aei  ijyovulvov  eingeführt  In  den  Kino- 
wien ist  die  Macht  der  Bi  iiderschaft  ständig  vertreten  durch 
die  drei  ii^pitropi;  die  gegeneinander  gleichberechtigt ^  dem 
Igumenes  als  avfißai^Xiw  zur  Seite  stehen.  Hinter  diesem 
aber  wartet  stets  die  Gesamthat  der  das  cxfjfia  tragenden 
Mönche,  die^  mit  einfacher  Majorität  den  Igumenos  absetzen 
können,  wenn  sie  nur  der  Zustinmiung  der  Mehrzahl  der 
Antiprosopi  in  Karyes  sicher  sind,  mag  wohl  mein  Ge- 
wihxsmann  Üür  die  letzten  Nachrichten,  ein  alter  erfahrener 
A)iority  recht  haben,  wenn  er  sagt,  die  Macht  des  Igumenos 
erstrecke  sich  nur  auf  h^Xr^aia  und  TqdiceZa,  die  Ver- 
waltung läge  in  den  liiinden  der  Bniderschait  Das  meiste 
wird  hier  aber  auf  die  Persönlichkeit  des  Igumenos  an- 
kommen. Die  VerwaltuDgsbeamtMi  in  den  idiorrhythmischen 
Klöstern  die  etwa  dem  Igumenos  der  Einowien  entsprechen, 
sind  bekanntlich  die  beiden  trcicqonoi ,  die  stets  auf  ein 
Jahr  Ton  der  avvahg  gewählt  werden.  Im  Kloster  des 
Özinai  ist  auf  höchst  lehrreiche  Weise  das  eine  Verwaltungs- 
system mit  dem  anderen  verschmolzen  und  so  vielleicht  die 


1}  Die  Zshl  wahrsehdnUch  nach  der  S.  406,  Amn.  2  angeführten 
Stdle  aus  dem  lypikon  des  h.  Athanaflaios. 

2)  EixoX&^'w»  th  fiiyu  (Yen.  1861). 

3}  So  schon  Ar  die  Lawia  1779.  Vgl  das  Proakynitarion  der 
Iawib  TOD  1780,  8.  83. 


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418 


M£Y£K, 


Kloaterverfassung  der  Zukunft  vorgebildet.  Das  Kloster  ist 
Kinowiou  und  ernährt  daher  seine  Mönche  ganz.  An  der 
Spitse  steht  ein  IgameiUM.  Ihm  zur  Seite  ab  av^ßovkim 
die  a6vaitg  xOv  ntniqm*  AniBerdem  aber  ezittiert  noch 
ein  VerwaltungflaaeaehaTs,  wie  das  avfißciökiw  der  Athoe- 
kUSeter.  Dasselbe  wird  gebildet  Tom  iauuog^  dem  miMVO- 
q>i;ka^  und  dem  oliMvo^ug 


IL 

Dm  LebOBtaM  dar  Altorlton        ihre  Wllcl  das- 

£»  berichteo  awar  Fallmerayer  und  auch  Pischon  viele 
fSneelheiten  von  dem  askitiBchen  Leben  der  AthoBmöncbe^ 
flie  wiesen  auch  von  einem  Rest  des  Hesychaemna  ans  dem 
14.  Jahrhandertl  der  im  gdimmen  rieh  auf  dem  bmligen 

Berge  fortpflauze,  Joch  vermögen  sie  einmal  über  das  letztere 
nur  ungenügende  Auskunft  zu  geben,  vor  allem  verbinden 
sie  nicht  die  Mystik  und  Askisis  durch  Angabe  eines  Lebens- 
zielea^  das  au  erreidien  diese  beiden  Bestrebungen  als  Mittd 
begriffen  werden  könnten,  iäne  einkeitiiche  Lebensaaschau- 
ung  wird  man  aber  doch  bei  der  heiligen  Berggemeinde^ 
die  auf  eine  so  lauge  ungestörte  Eiuiwickelung  zurückblickt, 


1)  IhiHxk^g  rnr^yof)tu&T}i  ,/lf  IfQti  ftovi)  toO  2iivd"  etC.  (Je- 
ruBalcm  1875) ,  S.  1Ü3  flf.  Ein  neuerer  Kftuonismos ,  wie  ein  solcher 
scheint  als  Wahlkapitulation  von  jedem  neuen  Igumenos  konzedi^ 
werden  zu  müssen,  findet  eich  zum  Teil  abgedruckt  'm^YTiouir^ua  roO 
uQxt(n.  ToO  Oto^  }'.(>.  ^ivä  (Konstant.  1807),  S.  54  ff.  Da  heifst  es 
f..  B  gerade  iulx  zu;^  auf  unsere  Frage:  T6  avftßovUov  rotio  flim 
^  amm^t^  iQv  llarfnuiv,  noof(f(}(i'<et  6  \-ioj(K!itaxö7iog.  AI  unui^aatii 
jiffn  j(7}v  xotfOv  Ttnc.yutaviv,  6ia  vu  f/omiv  iff/t'f,  nQ^nfi  va  y!i(<wTM 
h'  ni  if-i.tvffn  y.ai  xuiu  n).fto\priff'lttv  va  xaiaoTutüiTtti.  oMtmui  Sf 
tj(fi  fa/iv  änö'f  ((Ol ;  yiroutni  rjuou    uovnr   joC  A^t^itnuniun  (>}■    ij  iß»* 

7niit()0J^-  T/;,-  at  pilitüj^.  .  .  Der  Jgumeuos  des  Klost(»i*s  hat  bekannt- 
lieh  den  Titel  .in/itniaxono;  roß  Ziyä.  Uber  die  übrigen  Beamten 
der  Klöster  vgl.  den  Anhaog  I. 


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DIE  ATHOaKLÖSTEB.  I. 


419 


erwarten  dürfen  ^  Um  hierüber  aber  die  richtipreu  Kennt- 
nisse zu  erlialtcii,  genixgt  es  nicht ,  nach  mündlichen  Mit- 
toiliiiigea  tu  haacheo.  Bei  dieeen  Dmgoiiy  die  der  Natur 
der  Sache  nach  ein  Mensch  dem  andern  und  nun  gar  einem 
Fremden  nieht  am  «nten  Tage  nnd  sMÜt  gar  nicht  mit- 
teilt; müssen  wir  tms  ganz  besonders  an  die  Litteratur  von 
Ajion  uroö  wenden.  Nun  kennen  wir  einen  Klassiker  der 
ajioritischen  Neuzeit,  dessen  Schriiten  sich  weit  über  den 
Athoa  hinana  in  der  griechischen  Kirche  hsi  eines  normativen 
Aiwehfflie  erfreuen.  £a  ist  der  schon  mehr&ch  erwähnte 
Nikodimo»  Ajioritis^  der  in  Terschiedenen  Schriften  auch  von 
dem  Lebenssiel  der  M5nche  handelt  nnd  dem  Weg,  auf  dem 
man  zu  jenem  geiaii^^en  kann 

Das  Ziel  alles  menbciilichen  Lebens,  so  sagt  Nikodiinua, 
uAmcntlich  aber  des  mönchischen  ist  die  Vereinigung  mit 
Gott  Td  fieyakizBQOv  xot  tBkeiöreQOv  utatö^f^futf  ^eoO 
^ftfto^  ^  vä  avlkoyto&j  6  IMigamogf  änu  td  vä 

nh^t4iaj^  ti»äg  töv  ^sdr  wd  hfOkSij  fte  0^6»  Drei 
Theerieen  nun  bestehen  auf  Ajion  oros  über  den  Weg,  bot 
Vereinigung  mit  Gott  zu  gelangen.  Die  einen  bet(;nen  die 
vqareiagf  dyQvrtvtag  u.  s.  w.,  also  die  Askisis  im  engeren 
Sinne,  andere  rcolXdg  ngoasvxäg  xai  fian^^g  oKolovd-iag, 
also  den  Kuhns.   Wieder  andere  l^gen  den  Naohdrook  «tg 


1)  Es  ist  nun  einmal  nicht  so,  wie  DeVogQ^  in  seinem  „8yiiS| 
Pftlasstine,  Mont  Athot**  etc.,  dss  1887  in  der  dritten  Auflage  er- 
schienen  ist,  aas  der  roreingenommenen  Blasiertheit  eines  alternden 
Kalturvolkes  sagt:  Eeligieux  on  laique,  le  Grec  trouve  la  vio  doace, 
le  soleU  chaiid;  l  elan  dcsespert',  qui  empörte  au  ciel  Ic  mjstiquc 
lui  r>»t  aussi  dtranger,  que  Ic  spieen  etc.  .  .  ü  resto  sur  la  terre, 
<ia'il  tieut  pour  bouiio,  p.  'MO. 

2^  Im  iweiteu  Anhang  zu  diesem  Aufsatz  habe  ich  verbucht, 
eine  kurze  CharaktcrlBtik  dieses  Mannes  zu  geben,  soweit  dieselbe 
für  uns  hier  Ton  Eutzen  sein  kann.  Dort  auch  Auskunft  über  das 
Werk,  auf  das  wir  uns  hier  namentiich  stützen,  sein  ZvußovltvTixu^' 
TtfQi  (tfviwt^i  T&y  mvMt  aiQitt'iatiüv  xtL  (1801).    Neu  auigdegt  Athen 

3)  *A6Qatoq  n6l(fioi  xrL  (Yen.  1796),  S.  1.  Auch  S.  197.  Qaiia 
ähnliche  Stellen  im  £vfAß.  &  127.  160.  161. 


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420 


zfpf  ütWTn^y  Big  Tt]i'  /.avum'A^  yv^tvaaiv  ^,  also  auf  die  My- 
stik, die  die  Einsamkeit  vorauösetzt.  Nikodimuö  will  nun 
alle  drei  Mittel  verbinden,  tun  zum  Ziel  zu  gelangen,  und 
wenn  er  gerade  in  den  uns  hier  leitenden  Büchern  den 
Kaltas  nicht  beaonderB  herrorhebt,  ao  braiieht  maa  nur  die 
vielen  Akoluthieen  von  HeUigeUi  die  er  ver&fiit  hal,  «i  be- 
denken,  mn  gewifs  m  werden ,  daCs  Nikodimoe  anch  dem 
Kultus  sein  Recht  widerfahren  läfst.  Seine  Meinung  läiat 
sich  dabin  bestimmen.  JJie  Eiiiig:ung  mit  Grutt  wird  erreicht 
durch  das  negative  Mittel  der  AskiaiB  und  das  positive  der 
^^oaatJxi^»  deren  Sptie  und  Krone  aber  die  itfjpa- 
ist 

Der  Mensch  besteht  aus  ü&fia  und  votg^  so  UUst  sich 

Nikodimus  üljLi  seine  Anthropologie  vernehmen,  die  für 
seine  reli^^nn^cn  Aiiöchauungen  grundlegend  ist.  Der  rof^* 
hat  drei  Krätte,  die  dvva^i^  voaqd,  /Moyiatiiuj  und  ö-eletixi^ 
Der  Ilaupteita  des  poOg,  wo  seine  o^la  gefunden  wird,  ist 
das  Hers.  Damm  wohnt  auch  hier  das  loytamtiötf  nnd  das 
M^ttimöv,  Im  Gehirn  wohnt  nur  eine  Mgyua  TOn  ihni| 
das  voBQÖvK  Der  1*00^«  diSvafiig,  oder  kurz  dem  voeQ6v 
weiden  durch  die  tiinf  Sinne  mit  den  Nerven,  die  im  Ge- 
hirn ihre  Wurzel  haben ,  die  Einwirkungen  der  Auß^enwelt 
überbracbt,  und  die  Thätigkeit  des  vo€q6v  ist  es,  diese  als 
Bmpfindungen  Tonrastelien  K  Daa  Beaiehen  und  Verbinden 
der  Empfindungen  und  Vorstellungen  besorgt  das  ilo/^m- 
Das  Gefühl  und  der  Willen  ^dlich,  samt  ihren  "Bit- 
Zeugnissen  gehören  zum  Bereich  des  Hi/.ti  i  /.uy.  Die  Phan- 
tasie, die  dem  Menschen  die  alten  Fini])tinduiig-en  aulbewalirt 
und  beliebig  verändert,  ist  erst  durch  die  Sünde  in  die 
Welt  gekommen  ^   Sie  ist  ein  Werksseug  des  Teufels. 


1)  \46QttTos  Tjöuuoq,  S.  2.  Vpl.  hierzu  Harnack,  Das  Möuch- 
tuoi  u.  s.  w.  (GieXscu  I8ÖI),  S.  24. 

2)  SvfAß.  S.  27  ff. 
8)  Ebenda  S.  löOff. 

4)  Ebenda  S.  81  flP. 

5)  Vgl.  oamentlieh  Zvfiß.  8.  187—148  und  ji6^.  n6L  Kap.  25, 
die  furebtbsr  dsutUdi  Ton  den  Vertnehiingeii  enihleB,  in  die  d« 
Einsamen  die  Phnatsne  fflhTt. 


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421 


£8  ist  nun  die  eigentliche  Natur  des  pot'g  nach  dem 
QmUgsa,  d.  h.  nach  dem  wahrhaft  Guten  zu  streben ,  daa 
iUBfta  aber  tehni  nch  immerfort  nach  dem  Materielkn  (^hvd)f 
d.  h.  nach  dem,  was  nicht  gut  ist  K   Das  gottgewollte  Ver- 

hiütuis  zwischen  voVg  und  utufja  ist  natürlich,  dals  dieses 
von  jenem  beherrscht  werde  In  Wirklichkeit  aber  tindet 
das  umgekehrte  VerbäitmB  zwischen  beiden  statt.  Der  voCg 
iit  vom  0&fta  geknechtet»  er  liebt  mit  dieeon  die  aia&qrd 
wid  ^iUx<(,  denn  mindeetfflui  die  ersten  fibi&ehn  Jahre  dea 
Lebetiä  kann  der  voi\:  seine  lierrscbalt  nicht  ausüben  und 
in  der  roi^/;  t]6oyrj  seine  Nahrung  finden  ^.  Demnach  er- 
scheint der  voi>g  ihadv  l'vag  dTtovtvctQ'AMfUvog ,  ^  fiälloy 
9muv  Mtfiiifog  dnb  tdg  rcirre  tiUf^^ug,  c5ffdy  drtö  atdiiQä 

DicöC  höchst  verderbliche  Entwickclang  im  Leben  des 
Menschen  muls  rückgängig  gemacht  werden,  wenn  das  Ziel,, 
die  Vereinigung  mit  Gott;  erreicht  werden  soll.  Der  Geist 
mub  gelöst  werden  yon  den  sinnlichen  Verbindungen!  die 

er  eingegangen  ist  ^OXog  ö  dywv^  utat  ff  aTfW&if  mal  ^ 

teX£i6Tt]>;  LLui'  önüiduLüJv  '/ML  tvaQtTiov  etyai ,  tu  ya  s^aXel- 
ipovv  ixkv  djto  zdv  vo€y  rovg  xad-e  oxflf^ctf  xai  elöog  'Kai 

äuhfhf,  dmdewiff  daxilfidtiarap  %ai  äfi0(fqfw  xat  ofocti  diä 
vfjq  TOfin^fi^  ^Xövr^Tog  %at  jui  tinv  9tib»  vä  hmSij/fhß^  %al 

Diese  Reinigungadisaiplin  des  voOg  kann  sich  folgerichtig' 
nur  darauf  lichteni  dem  voffg  durch  die  fünf  Sinne  keine 
mmlichen  oder  genauer  sinnlich -sohädiichen  Empfindungen 

nieiii-  zuzuiiiliren.    Die  Sinne  miijsäen  demnach  einer  gam^ 
genauen  Zucht  unterwoi^en  werden.    (Negative  Askisis). 
Die  grölflte  Gefahr^  die  dem  Auge  droht^  entspringt  aua 


1)  Ebenda  8.  39. 
%)  Ebenda  8.  80. 
8)  Ebenda  8.  87.  89ff. 

4)  Ebenda  8.  89. 

5)  Ebenda  8.  127,  SbnUeb  8.  41. 


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422 


dem  Anblick  des  Weibes.  Man  vermeidet  es  daliei  am 
besten  ganz  mit  Frauen  zu  verkeiiren,  oder  solche  anza- 
sehen.  Auch  soll  man  nicht  in  Spiegel  sehen ,  und  deshalb 
4Uif  diese  gefthrlichen  Mdbei  lieber  Yernohten,  denn  VUhac- 
Üehe  Selbstliebe  erweckt  du  Siehbesehaaen  im  SpiegiL 
Man  sehe  dafür  die  herrliche  Natur  an  oder  die  schönen 
Malereien  dei'  Kirchen.  Auch  das  geschlossene  Auge  (den 
•Schlaf)  gilt  ee  sa  bebtiten.  Langes  Schlafen  wwki  die  Phan- 

Die  Dissiplinienuig  des  Gebttrs  mufii  namentlicfa  des 

veriiiiideiu,  daib  mau  l'^riiuenstiraraen  und  weltliche  Lieder 
hört.  Auch  Suigvögel  und  kleine  kl&ffende  Hunde  thut 
man  besser  nicht  zu  hahen 

Bei  der  Bewahrung  des  Gemehssinnee  soll  man  sich  ja 
inaoht  ror  Woblgerttohen  nehmen ,  unter  kdnen  Umständen 
sich  der  acluipdlicheu  Gewohnheit  des  Tabakrauchen^  hin- 
^ben 

Will  man  die  Zunge  recht  erziehen;  soll  man  vor  aUam 
im  ISfi^CTt  sehr  mafiiToll  sein  trnd  die  MwrMiffhffl  fWton 
genau  inne  halten.    Das  Lachen  gewöhnt  man  sich  am 

besten  ganz  ab,  höchstens  darf  man's  biö  zu  einem  fiu- 
diaofia  kommen  lassen.  Zungenaiinden,  Fluchen  u.  dgL 
aind  natürlich  nicht  erlaubt^. 

Um  endlich  den  Tastsinn  in  rechte  Zucht  au  nefameo» 
▼ermeide  man  die  Bertthrung  des  Leibes  anderer  Menschen, 
namentHcIi  junger  Leute,  man  trage  keine  kostbaren  Ge- 
wänder und  verzichte  aui'  allen  äuTseren  Schmuck,  ^laa 
schlaie  nicht  auf  weichem  Lager.  Man  spiele  nicht  Dame 
IL  s.  w.  Endlich  nehme  man  nicht  unnötigerweise  Kap^ 
und  Fufsbttder,  denn  diese  verweichlichen  den  Ldb 

Die  veri Uhrenden  Gebilde  der  Phantasie  bekäm^jit  mau 


1)  Ebcuda  S.  48-G2. 

2)  Ebenda  S.  63-68. 

3)  Ebenda  S.  69—76.  Über  das  Baoohen  sehr  ansfilhrlieh  und 

mit  Humor  S.  74. 

4   Ebenda  S.  76-95. 
6)  £bfloda  S.  96—120. 


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DIB  ATHOSKLÖSTBB.  I. 


433 


recbty  wenn  mau  dieselben  nut  AbBicht  nicht  beachtet  uod 
■eine  Gedanken  auf  andere«,  etwa  auf  die  letaten  Dinge^ 
das  Leiden  Christi  u.  s.  w.  richtet  K 

In  dem  Mafse  nun^  wie  diese  Disziplin  der  Sinne  geübt 
wird,  wird  die  yoe(jd  dvvauic  im  Gehiru,  die  durch  die 
suuüichen  Vorstellungen  iestgehaiten  war,  irei  und  muis  sich 
mm  mit  den  anderen  Erftfien  im  Henen  su  verbinden 
streben.  Denn  im  Heraen  ist  ja  die  oAf/ck  des  ifoVg  und 
das  Herz  ist  das  OQyavov  desselben.  Damit  der  voVg  also 
handeln  kann,  um  sich  mit  Gott  zu  einen,  mufs  er  im 
Herzen  gesammelt  werden  *.  Besonders  gilt  aber  noch  in 
imseran  Falle:  inttdij  di  6  ^eög  Avai  xni         nuu  Iwx, 

t^tt  Tuti  ^vOj  did  va  öpioitiiCrj  ue  id  nqoivdtvjtdv  tov^  nai 

Diese  Vereinigung  der  drei  Tbätigkeiten  des  voOg  im 
Heraen  geschieht  non  nach  Anweisung  der  Väter  duroh  die 
909^  n^tvx!^.  Man  wähle  dasa  einen  stillen  Ort,  siehe 

sich  dahin  am  besten  des  Abends  wenigstens  eine  Stunde 
zurück^.  Dann  beuge  man,  oder  jedenfalls  der  Anlanger, 
das  üaupt  nach  vom,  so  dafs  das  Kinn  die  Brust  erreicht  ^ 
Durch  diese  8teUang  wird  ein  Kreis  dargestellt  und  der 
fol^,  der  sich  in  einer  solchen  Bichtnng  bewegt,  mols  sich 


1)  Ebenda  S.  137—148. 

2)  .  .  Tai()«  (ivai  uxökov&w,  pa  inMlQiif^  aviip'  (sc.  d.  votQÜ  (ft- 
vafHf)  xui  iif  rrji'  lötxi'iv  toi  oifffav  .  .  .  va  yi'Qiarj  tuv  voCf  rijg 
ftiaa  tf;  Tf^u  xofjdiav  lov,  ovaav  äQyavo»  rijs  xoO  voog  ovaiag. 
Ebeock  S.  15& 

8)  jiÖQiaoe  n6L  S.  197. 

&  165.  Doch  Ist  dieses  geringe  Zeitmab  mir  I8r  WeUseistliehkeit 

5)  il  inunQoifij      aüni  toO  po6i  awu^Ct^  vi  yiyttvu  tis  rode 

Ebenda  8.  158.  htovfAßiafiu  wobl  vom  üt  aconmbo. 


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424 


M£Y£By 


sicher  treffen  und  yereinigen  ^  Kommt  der  vot-g  mm  im 
Herzen  an  ,  soll  er  sich  des  ?,oyi(JTty.6v  bemächtigen  und 
dieses  zwingen,  dafs  es  nichts  anderes  denkt  oder  innerlich 
spricht  als  die  sogenannte  pwvoXdyiavov  et'x^v:  „AiSi^ie  jh^ 
aoO  Xqmi^  ^YU  %oö  BwH,  iXii^6y  fie.*'  Dabu  0OU  das  vot^ 
auch  das  ^eli}r«x((r  in  Bewegung  mtasoL,  damit  dieses  dss 
Qebei  mit  allem  &iXrina,  dvva^iQ  tmd  iLyarrvi  begleitet*. 
Dcil)L'i  soll  der  Betende  aber  nicht  zusamiuciihäugcüd  atmen, 
sondern  jedesmal  den  Atem  aiiliaiten,  bis  er  einmal  du 
Worte  des  Gebetes  heiausgestofsen  ^.  Dadui'ch  wird  die 
Thätigkeit  des  wiüi  hoetdiljg,  öiavyijg  und  imtijöuoni^  f/c 
tijv  tmai»  ttj$  ^inqivaiX^  iXldfitfmfg  fo0  SeoBK  Durch 
das  QktchmiÜsige  des  Atmens  wenden  sich  alle  Kiille  der 
Seele  mehr  sum  vodg  hin  und  dadurch  zu  Gbtt  So  gerftt 
deaii  der  Geist  i-'^oj  gcdvtiov  Tdjy  öt  ctov  ala&ritöv  xat  voij- 
tOVj  d.  h.  in  die  Sphäre,  wo  Gott  ist  Daher  eint  das 
Gebet  mit  Gott  ^ 

Das  neue  und  vollkommene  Leben  nun,  das  durch  die 
momentane  Einigung  mit  Gott  in  dem  Gebet  in  Erschei- 
nung getreten  und  sich  in  brennender  Jesusliebe  und  in 
starken  sittlichen  Antrieben  äulk  i  t  '  ,  mufs,  nachdem  die 
nec^ative  Zucht  der  Sinne  das  Ihrige  gethau  hat  und  noch 
immer  thut,  jetzt  in  positiver  Weise  geiordert  werden.  Der 
yaßg  muTs  mit  dem,  was  ihm  gleichartig  ist,  gespeist  werdeo. 
Er  muXs  su  den  rcvevfutrt'Mtl  Ttal  oixHoi  to6  voöc  ^dwai 
geAlhrt  werden*   Deren  giebt  es  nun  sechs. 

Der  ^ifitag  r6jt(tg  t0p  frystyiarix^  ^ovOv  ist  das  Thun 


aC'Tovi'  tli  iavTÖv  fntaTQ^tfH  xal  ivoOrai,         cfm  r^^  roiaCuj^  xtA  4 
ifO(tg  airrd?  ftg  iavthp  intOTQit^tt  xal  yivttm  iv.   Ebenda  S.  158 £. 
Ebenda  S.  160. 

3)  Ebenda  8.  161. 

4)  Ebcada  ä.  16a. 
&)  Ebenda  S.  166. 
6)  Ebenda  S.  175  ff. 


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DIE  ATH08KLÖ6TEB.  1.  426 


aller  guttiichea  Gebote,  die  im  Gesetz  und  Evangelium  ent- 
halten sind  K 

AIb  Mwe^  TAf€og  güt  die  Erwerbung  aller  Togeodeii  K 
Die  lieilige  Schrift  ist  der  rgkog  %6nag  der  geistlioheii 

Freuden  3. 

Ol  X6yoi  xCiv  xTiofiavijjy  bieten  die  vierte  Gelegenbeii^ 
ttch  geistlich  sa  erfreuend 

Zum  fünften  kann  der  völlig  ncfa  an  den  Uyoi  tljg  iw- 
adifyunf  chtoroftlag  ergötaen  K  Hier  hört  man  mmstens  von 
der  Menschwerdung  des  rtQoaic'mog  löyog. 

Die  höchsten  Freudeu  aber  bietet  der  sechste  z^nog^ 
nämlich  die  ^«o^a  %oC  ^eoC  irgoadiTtav  \  Um  zu 
diesem  Sehanen  an  gelangen,  nmft  der  Geist  sich  über  die 
gesamte  irdisohe  und  geistige  Welt  erheben,  dann  sieht  er 
Tijy  davyxf*Toy  (.luidda  /xu  ddiaiQetov  rgiuda,  lo  ^rQQiuv  /.ai 

^ov  TÖif  ^ioy,  cf  tWACtg  di  yuxi  ovaiMug  dKtivag  dno^ 
n^Hopraf  vStg  mmüdiovg  a^oC  telBidnjirag  ,  •  •  nai  äwnava 
tdroß  frQoa6vta  %ai  ^wcrixd  iSidfftma  ^.  Die  höchste  dieser 
göttlichen  Eigenschaften  ist  das  ,'>£7o>'  (ftug.  Das  Schauen 
des  göttlichen  Lichts  dient  erst  dazu,  alle  anderen  Eigen* 
Schäften  GK>ttes  au  erkennen  ^. 

Wenn  der  vqOq  nun  die  herrlichen  ESgenschaftsn  oder 
Vdlkommenheiten  Qottes  schaat,  gerät  er  in  einen  inJaißw 
dyaXXidaetog.  Diese  Seligkeit  unterscheidet  sich  nicht  von 
der  des  ewigen  Lebens  ^.  Der  voiJg  beruhigt  sich  aber  nicht 
dabei;  sondern  er  strebt  vom  Begreifbaren  Gottes  weiter 
com  Unbegreifbaren.    Indessen  kann  er  nicht  Uber  seine 


1)  Ebenda  S.  188. 
9)  Ebenda  a  188-206. 

8)  Ebenfla  &  M9-*S85.   Mstig  und  geistUdi  flUlt  hier  sa- 

4)  EtModa  S.  »6-S48. 

5)  Ebenda  8.  M8-S&8. 
8)  Ebenda  8.  S59-377. 

7)  Ebenda  &  960£ 

8)  Ebenda  S.  272—378. 

9)  Ebenda  8.  281f. 


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426 


ME7BR, 


Schimkea  binaus.  Eine  heftige  Liebe  aber  'M  dae  fie- 
iuliat  dieses  erfolglosea  Bingeiuk  Durch  die  Liebe  mm 
neht  er  Gott  su  aeh  herab:  «etoffror  nuu  6  i^tofiii^  Mg 

avyxataßaivei  dnd  rö  ijipog  tov  rtqbq  vbv  i^am^  vclUw  xm 
kvoirrai  yiat  O^eot  xal  yagtrdvH  ai-im'  ^ 

Das  sind  die  Grundlinien  der  Gedanken  des  iNikudimos. 
Es  ist  SU  bemerkeD,  dafs  die  beiden  Hauptbegrifii^üge,  der 
von  der  negativen  und  der  von  der  positiven  Dissipliny  in 
schwere  Formen  von  Mystik  anslanletty  die  nnr  dem  System 
KU  Liebe  getrennt  sind.  Die  vo9QSt  ttffWBvxiq  gehört  mit  dem 
Schauen  der  göttlichen  Eigenschaften  zusammen.  Die  voeoä 
nQOoeüxrj  ist  es  ja,  die  über  die  gesamte  irdische  und  gei- 
stige Welt  sich  erhebt  und  eben  in  diesem  auieerweltiichea 
Zustand  {e-Ainigaig)  schaut  der  Geist  die  Eigenschaften  Qotlea 
Doeh  wollen  auch  diese  swei  Wirkungen  der  ftqoo- 
mjjifiy  die  sittlich  umwandelnde  und  erneuernde  und  die  rar 
Vision  fUhrende,  ausdnandergdmUen  sein,  wie  wir  «udi  untsn 
bestätigt  finden  werden. 

Es  ist  nun  hier  nicht  der  Ort  nachzuweisen,  wie  ab- 
hängig NikodimOB  von  den  grofsen  Hesychasten  des  14.  Jahr> 
hunderts  '  ist^  auch  moht,  wie  weit  abendländische 
auf  ihn  eingewirkt  haben.  Wollten  wir  aber  vollsWndjg 
sein,  so  mlUsten  wir  hier,  um  das  Lebensaiei  der  Ajioiiton 
und  ihre  Mittel,  dasselbe  zu  erreichen,  vollends  nachzu- 
weisen, aus  der  Ei-fahrung  und  Betrachtung  diejenjfren  That- 
sachcu  zusammenstellen,  die  das  Schema  des  Kikodimos  in 
Wirklichkeit  ausfüllten.  Das  müssen  wir  uns  yersagen,  da 
wir  dabei  viel&ch  längst  Bekanntes  wiederholen  miUstsDy 


1)  Ebenda  S.  867. 

2)  Die  7on  ihm  am  meisten  in  Minen  Werken  eDgegsagenen  «od 

Grigorios  Palamas,  nameDtUch  desaen:  nQocti'x^  »rX.,  PbOo- 
kaliai  S.  962 ff.,  dann  des  Nun^tfSQov  /novdCovrog  X6yot  n*^  w^i^us 
JMil  ^ukwefjs  xnqdttti,  cbendn  S.  867  ff. ,  femer  t(5v  ftmrtqgoig  Kai- 
XtOTov  xnl  ^lyvatiov  j(äv  Sctv&nnot'lojv  fx^f^o^ni  xn)  xrtviin'  axQißr^; 
nn>)  Tßi'  (tJnnvttfvon'  r,av/(b:  rr/,  ebenda  S.  1017 ff.  Belehrend  ist 
auch  ein  Bruchstück  aus  der  Schrift  eines  sonst  wohl  unbekannten 
Hesychast^n,  des  /o)aij<f  ÄuloO^^rrji ,  der  sieh  über  das  Aufleuchten 
des  göttliehen  Ijichtes  verbreitet.   Ji^aof  3* 


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DIE  ATHOSKLÜbT£&  I.  427 

wir  verweisen  uaatentiieii  aut  Fallmerayer,  desson  Angaben 
sich  nun  ohne  Mühe  im  ZiuammcTihaug  der  ajiohtiBcheii 
Gedankenkreise  bereifen  laaaeiL  Wir  begnügen  uns,  auf 
einige  Thataaohen  binaaweiBen,  die,  noch  weniger  aoige- 
tprocben,  sur  weiteren  Illnsiriening  der  CManken  dea  Ki- 
kudimuf»  dienen. 

Wenn  der  tunite  tönogy  wo  der  voCg  sein  geistiichea 
Vergnfigen  finden  soll,  das  Gebiet  der  löyoi  Tljg  hrodfgMv 
ohun^oftiag  nt,  so  haben  wir  ohne  Zweifel  recht  anaonehmen^ 
da6  der  roüg  diese  Freuden  am  meisten  in  den  kirchlichen 
Gottesdiensten  geniefscn  wird  Auf  dem  Gebiet  des  Kultus- 
betriebs scheinen  die  letzten  Jahrhunderte  bedeutende  Ände- 
rungen herbeigeAlhrt  la  haben.  Die  aieben  Gbbetsstanden^ 
die  imä  atviaug  Tfjg  haüaqaioq  heilaen  zur  Zeit  des  Saymeoa 
VQO  Saalonik  ftmfovvxTmi^Vy  o^dqog  oder  Tt^t&rq,  Tqixi],  ^yivri, 
hyair^y  tOTieQivog,  ujcüÖu/tvov  ^.  Alle  diese  wurden  dainals 
noch  in  Szalouik  kirchlich  gefeiert,  als  selbst  schon  in  Kon- 
stantinopel die  öffentliche  Feier  derselben  bis  auf  die  de» 
imd  des  hfUi^ivög  abgekommen  war^  Zur  Zeit 
des  Nikolaos  Wulgaris  haben  sich  die  Namen  dahin  ge- 
ändert, dälö  die  TTQihcr]  vom  ('>(j0^og  geschieden,  dagegen  die 
fQitri  und  y-KTf^  in  eine,  die  r^<T6xri^  zusammengesogen  Wehr- 
den *,  Dieser  Unterschied  deutet  jedoch  kaum  auf  Unier* 
ichiede  im  litnigiscben  Material ,  sondern  wohl  mehr  auf 
die  Zeit  der  Feiern,  über  diese  schweigt  jedoch  der  Ver- 
lafiser. 

Auf  Ajion  oros  sind  bis  nicht  vor  langer  Zeit  die  Ge- 
betastanden,  jede  zu  ihrer  Zeit  getrennt  abgehalten  ^  wenig- 
stens in  den  strengen  ELlösteni.  Der  heilige  Sawwaa  schreibt 


1)  Hinweisungen  darauf  £vftfi.  8.  2&2. 

2)  a.  a.  0.  S  213. 

3)  Ebenda  S.  214  f 

i)  Kari^Ott  IfQfi.  .  (Ven.  1681),  S.  21.  Diese  Ausgabe  ißt  die 
ed.  princ.  des  in  der  Kirche  geschätzten  Baches.  Verkehrt  giebt 
Fabriciu»,  Bibl.  giaeca  X,  494  das  Jahr  1581  dafür  an.  1799 
und  1819  folgten  neue)  jedoch  verstümmelte  Ausgaben.  Einen  Ab- 
druck  der  ed.  princ.  veranstaltete  Mawromatia  in  Corfa  1863.  Übri* 
gcnt  Tgl  Sxatbas,  NtoL  *tL,  842fi. 


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428 


MEYEKy 


in  B«niem  Typikon  um  1199:  &^  tfidHonm 

Xtoqiatit  x(39^tind  4}  nux&tftfa'*  K  In  Ubernnsämniimg  damit 
berichtet  der  schon  genannte  Theodoritos  tlir  den  Anfang 
dieses  Jahrhunderts  von  Esügmenu:  6  o^O^Qog  avayivuHjyuizat 
^Ttxa  ßa&üoPf  al  &qai  eig  thi¥  xaii^  a^öv,  6  kmeQu^ 
xijl¥  iivdifp'f  dg  tifr  iB'  dHtyiynoOKerai  drtddumwK 
IKese  Besefambong  palst  auf  kein  Kloster  de«  heiligem  Ber- 
ges mehr.  Doch  ist  ein  immerhin  bedeutender  Unterecdued 
in  dieser  Hinsicht  zwischen  den  idiorrhythmischen  and 
kiii  twiati sehen  Khistern.  Diese  feiern  zwar  nicht  jede 
^^tunde  zu  ihrer  Zeit,  aber  doch  in  vier  Abschnitten  ihre 
Gottesdienste.  Bald  nach  Mittemacht  beginnt  das 
nxäuf»  In  diesem  wird  geieseiif  was  das  Ordojion  dafür 
Yorsohreibt  An  das  (iWO'inMfixAp  scUielst  sich  ohne  Pause 
der  ^^Qog  ^,  an  diesen  die  TrQdttrj  ^.  Damit  ist  meistens 
6  Uhr  morgens  erreicht.  Nach  einer  dreiviertelstündigen 
Pause  folgt  die  Liturgie,  die  mindestens  eine  Stunde  dauert 
Dieser  geht  als  Einleitung  die  T^eirij  voran,  den  Schluls 
macht  die  ^xn^  ^.  Damit  sind  für  die  gewöhnlichen  Zeiten 
des  Kirchen|ahres  die  Morgengottesdienste  Torbei.  Um  3  Uhr 
nachmittags  wird  die  imfoi}  geJeeen^   Ihr  folgt  nnmittelr 


1)  Dieses  Typikon  (vgl.  MflUer  s.  a.  0.  8.  198}  Uegt  fan  Ori- 
ginal im  Kelliaii  des  heil.  Sawwas  in  Kaiyes.  Neben  dem  Oiigmil, 
das  aatOrlieh  sUviach  gesehrieben  ist,  zeigt  man  sneh  die  iiea> 
grieehitebe  ÜbeisetBang.  Naeh  dieser  dtiere  ieh. 

2)  In  der  schon  genannten  Gtosehiehte  seines  Klosters,  haud- 
«ebrifHich  in  Esfigmenn.  Die  Standen  hier  naliQrlieh  tSiUeeh  goiUt 
Wenn  die  Sonne  ontei^ht,  ist  es  swolf  Ukr. 

3)  'üooloyiov  /i*fyn,  Ausgabe  von  1760,  S.  1—23.  Um  alle  Brü- 
der zu  sammeln  geht  in  den  Rinowien  ein  Bmder  mnd  and  klopft 
an  jede  Thür  mit  den  Worten:  d*a  tOv  fi>xOv  rmp  äyimt^  nmwjfm 
i/iOif  Xi5^  *rriaoO  XqkjU,  Ctk  ro0  ^ioö,  Uitjaw  fias.  Beim  Igomenos 
Sndert  er  die  Formel  dahin,  daft  er  sagt  „  roo  äylov  nnr^  ij^iOr**. 
Der  Geweelite  giebt  ab  Antwort  das  ^H». 

4)  Orolog  S.  36—74.   Eucholojion,  Ausgabe  von  1851,  S.  35£ 

5)  Orolog.  S.  75-83. 

6)  Orolog.  S.  84—100  fiur  tf((tn  und  «xrij. 

7)  Orolog.  S.  100  £f. 


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DI£  ATH0SKL08T£B.  I. 


429 


bai"  der  lorreQivog  ^  Kurz  vor  Sonnenuntergang  liest  man 
das  drTodEirfvov.  Die  idiorrhythraischeu  Klöster  ziehen  die 
beiden  gottesdienstüchexi  Zeiten  des  Morgens  in  eine  und 
die  des  Abends  in  eine  zoflammen,  so  dafs  die  t^ti}  sieh 
gleidi  an  die  flr^c&nj  schliefst  und  das  dttSdunm  an  den 
effmotvög*  Aniserdem  kurzen  sie  wohl  dies  nnd  das*.  Die 
Skitioten  folgen  in  der  Gk>tteBdien8tordnang  den  Emowien, 
meist  auch  die  Kellioten.  Doch  halten  diese  nur  Sonntags 
wnd  Festtags  Liturgie  und  kürzen  die  übrigen  Akoiuthieen 
je  nach  Zeitbedürfnis  K  An  allen  Festtagen  und  namentlich 
in  den  Fasten  yerUbigem  nnd  Temel^Mihen  sich  die  Gottes* 
dienste.  Unter  diesen  anfserordentlichen  Gottesdiensten  neh- 
men die  erste  Stelle  die  GebetsnSchte,  die  dyqvftnaiy  ein. 
Diese  stellen  sich  dar  als  ein  uimuterbrocheiier  GoLteödienat, 
dessen  Aiitanp^  der  lo.itqivog  des  Festes,  dessen  Ende  die 
Liturgie  des  Festtages  ist  Eine  Dauer  von  tünlzehn  bis 
sechzehn  Stunden  ist  fUr  «nen  solchen  nichts  Ungewöhn- 
liches. Solche  Gebetswachen  finden  am  Vorabend  aller 
Herren-  und  Panajienfeste  statt,  auch  sn  Ehren  der  be* 
deatend^ren  Heiligen.  Die  prächtigste  dyQvnvla  für  das 
Klostor  bis  zum  Kellion  herab  findet  am  Vorabend  der 
navifjyvqig  statt ,  unserer  ,,Kirchweih'^  Die  berühmteste 
Panijins  ist  die  von  Iwiron,  die  auf  den  15.  August ,  die 
Koipif^tq  zljg  namyiag  fidlt^*  Die  Zahl  der  dy^fwaUtu 
sdiwankt  in  den  ▼ersdiiedeoen  Klosteigemeinschaflen  iwi- 
schen  95  und  70.  Die  erste  Zahl  ist  die  der  idiorrhyth- 
mischen  Klöster,  die  zweite  die  der  Skiten.  In  diesen  hält 
man  viele  Agrypnien  auf  Bezahlung  iiir  das  Seelenheil  an- 
derer.   Die  Gebetsnächte  sind  zugleich  i^  astenzeit,  doch  ist 


1)  Orolog.  S.  ISiff.  fiuGboloj.  S.  Idfi. 

2)  Wie  In  dm  Idlonh.  KlSstini  eehebt  es  auch  lo  des  Nektaries 
Zeit  auf  dem  Ssinai  gehalten  sn  aelo.  a.  a.  O.  8«  176f. 

8}  Ich  habe  acht  Tage  in  einem  KeUlon  sogebndit. 

4)  Eine  solehs  habe  ieh  1887  mitgefeiert  £■  war  ein  leb'giötw 
Sehanapiel  reu  mmderiiaier  Piaeht  byzantlniseher  Heirliehheit  Was 
der  Athos  an  ▼omebmen  und  frommen  Mteebeu  »teilen  konnte,  war 
geladen  und  iransmmell. 

stSMte.  1 1.-0.  ZI»  a.  38 


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430 


es  den  Feiernden  geetottet,  ab  und  bu  die  Eirehe  ma  Ter- 

lassen  und  sich  mit  Kaffee  u.  dgl.  zu  stärken. 

Aufser  den  öffentlichen  Gottesdiensten  ist  jeder  Mönch 
verpflichtet,  seinen  %avwv  abzubetea  und  zwar  in  «winftm 
Zimmer  \  Dieser  Kanon  enthält  die  Verpflichtung  je  nach 
dem  ox^iiu  der  Mfinehe  häufiger  oder  Mltmer  das  bnndaErl- 
knöpfige  Mifißoaxidvtow  oder  nöfifioX^uiv  abzabeten  und  ein« 
gröbere  oder  geringere  Amsahl  von  natdcvoim  ar^vm  oder 
yow'Kltatai  zu  inachen.  Zum  Abbeten  des  y.v/.tßol6yioi 
schlägt  man  bei  jedem  Knopf  über  sich  ein  Kreuz,  indem 
mau  mit  an  den  Daumen  gelegtem  Mittelfinger  von  der 
Stim  bia  an  den  Fttiaen  und  v<m  der  reeblen  Schulter  faia 
mr  linken  Lufttinian  aieht  und  jedeemal  die  bekannte  Fttt- 
mel  spricht:  Ki^qu  hi^olf  Xifiori,  toC>  ^«o0  iliifia6p  fu 
%uv  ä^aqimXSv,  Die  yow/Xiata  oder  uetdvoia  ist  ein  Sich- 
nieder-werfen  auf  den  Boden  vor  dem  HeiligeubikL  Die 
dabei  gesprochene  Formel  ist  dieselbe  ^. 

Was  das  Fasten  anlangt,  das  ja  Kikodimos  aur  Dis- 
aiplinierung  des  Gfreechmacka  besonders  empfiehlt,  so  beob- 
achten  die  Ajioriten  im  allgemeinen  keine  anderen  Fasten* 
Seiten  als  die  in  der  griechischen  Kirche  üblichen  Nur  ist 
das  ^loiitagbiiiätca  wohl  eine  Spezialität  der  Athoniten,  aber 
auch  hier  nur  der  strengen  Mönche.  Als  Begründung  hört 
man  meistens  hiertür  das  Wort  des  Herrn  Matth.  5,  20  an- 
führen.  Das  dreimalige  Fasten  in  der  Woche  soll  eben  die 
Gerechtigkeit  darstellen,  welche  besser  ist  als  die  der  Phari- 
säer. Denn  diese  fasteten  nur  aweimal  in  der  Woche*. 
Die  älteäte  allgemeine  Faätenordnung  liu*  den  heiligen  Berg 


1)  Das  Zimmer  heifst  selteu  mehr  xtlUov,  meistens  ^omnTtov, 
xdfikQa  oder  xtißia.    Das  letzte  Wort  ohne  Zweifel  vom  Ut,  cavea. 
3)  Die  Bsdeatang  der  ftträvoutt  ist  folgende:  rd  /iiv  »Uaifiov  tOy 

in^tifUif»  ...   Ot  *AidfiU¥€H  toO  J^ä^fivwf  ton  Xmatättnos  Jw- 
mdMt  (Afhea  1866),  &  291.  DetMlbe  atettt  als  andsn  Foraisl  sar 
Wahl  dSf      Mg  ndffSnti  fiot  dtia^ntH4^'U 
8)  Lok.  18,  112. 


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OIS  ATHOfiKLÖSTBR.  I. 


481 


igt  die  in  der  diariinmaig  des  h.  Athanasios  enthaltene.  Ich 
gebe  aus  derselben  folgende  Probe  die  von  den  Oster- 
fasten  handelt:  *Bp  di  %ff  fttydlQ  %ma^g€awrt^  fjumtattoCfm 
nkipf  caßß6xQV  wl  xvQiayS^g^  hf^U^fit»  de  z)]  ^rqüi^  tuu 
%^  fjtar}  eßdofiadt  iiovoTgöntag  ]]yovv  fpdßoy  ^  BQeßivO^ovg 
i'ALWTOvg^  tattv  amI  aXf^alav  x^Q^^  ilalov  })  Aaaxava  }rj 
hd(^  %ivdg  dnufnas  ht^wtog.    tf]  de  SevreQ^  kßdofAadi  xat 

wi  fcai^aOHMü^  i»  ttsikiug  yctq  xä  tffi  nqiinrig  eßSoftddog 
iff&lofiey  ßQw^ara,  ndüap  Se  tf^v  ayLav  tmtaaffomat^  ohw 

dir  TTtvojLiev,  dytu  auß^iaiuv  ymi  AVQia%f/g  XM^ig  Td)y  da&e- 
vojjvfwv  yjxi  ye^vrwv, . .  xqtjfied'a  öi  tfjt  re  oaßßaT(i)  -Kai 
wjj  xv^mt^  Mktuw  Tßm  olvov  xal  avä  övo  yLQoaeiov  ug  x6 
äquitw  %oti  n^bg  fiiay  dtpi  FUr  die  groEse  Woohe 

idgen  dann  noch  besondere  Bestunmongen.  Diese  Fasten- 
Ordnung  gilt  noch  in  der  Lawia  nnd  in  den  Einowien. 
Eine  kurze  Speiseordnung  für  Askiien  (die  ja  immer  fasten), 
aus  dem  17.  Jaiirhundert,  die  auch  jetzt  noch  von  vielen 
inne  gehalten  wird,  verordnet  loigendes  iur  alle  Zeiten  des 
Kirchenjahres:  la^ie  di  bki^v  rt)y  kßdofidda  fi6vov  mal 
fSloBfi  ftnä  diSffiy  ]}iUWy  wu  oMt  fynt^aw&g  ^yovp  pä  %it 
XOqtaivr^g  (cod.:  jEO^aijg}  TMtM,  ^iaytQevfio  de  utai  Ht/Qooi 
fi6vw  %ata  odßßtttüp  xal  xv^mx^v,  xai  erdrd  ndhp  wd 
fit)i'  TU  xoQ^atyt^g  y-ctXd.  i'va  fnoui^i  /.oivoßiaiiAO  vä  iQdig 
ftayiQevfictj  Kai  ööo  lij  jqia  novi^^Qia  ui/.{)u  vä  TtlvQg  x^offf/,  iuv 
^ae  yiqun'  ^  dexiaiiv6gy  d  öi  rjae  viog  Vj  dwatög  ^  l'xeig  'Kai 
n6X$fiOv  üaQTtög^  &g  XuTSfi  (cod.:  honu)  naifVÜJtäi  %b  x^ocriy 

u  di  fQ^jjg  Big  dxa^noif&inqv  fuydXriVy  tqöyB  %b  fiayiQevfta 
'Kai  xö  "Kqaai       %d  fitiQoy,  Ka&<bg  una^ev 


1)  Die  Abschrift  von  dieser  Schrift,  die  ich  besitze,  ist  nach  dem 
Original  korrigiert  durch  inein<^ti  Freund ,  Herrn  Xrysostomos ,  Di- 
rektor der  Schule  in  Kaiyes,  Mitglied  der  lAwriotisehen  BröderKbaft 
vnd  UfOfiüyaxoe. 

2)  Leider  kann  ich  aoch  nicht  angeben,  wie  viel  eiu  Missouri  in 
des  Kiuowica  hielt   Yielkicht  ist  damit  |^  kein  Ma£i  gem«iDi, 

28* 


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4^2 


HEYER, 


IndeiBeii  wird  die  Strenge  aller  Fasten  wenlgsieiis  da- 
durch etwaa  gemildert,  dafa  vom  Fisch  der  Caviar',  der 

Bchwarze  und  der  rote,  und  einige  andere  Präparate  erlaubt 
sind,  das  häufig  verbotene  üi  aber  die  Olive  in  ihrer  natür- 
liehen  Form  etnigermalaen  eraetsi  Uber  den  aUerding» 
hierin  liegenden  Widerspruch  spottet  schon  Korais:  dntju^ 

dicb  TO  tkttiov  ug  ULaigdv  bzav  t^yt^g  i)fiiO€tav  d'Aav  IkcuChf 

Unter  den  frvevitauxal  ^wal  erscheint  bei  Nikodimos 
auch  das  Hören  auf  die  Stimmen  der  Schöpfung.  In  der 
That  ist  die  Freude  an  der  Natur  und  das  Terstftndnisvolle 

Leben  in  ihr  ein  sympathischer  Zug  an  den  Athosmöncben, 
den  sie  vor  vielen  ihrer  Brüder  voraus  haben,  die  die  grofste 
Einöde  fUr  den  angemessensten  Ort  halten  zum  heiligen 
Leben.  Da  ist  auch  smn  guten  Teil  die  geistige  Qesond* 
heit  der  Ajioriten  begründet,  die  bei  den  vielen  askitiscfaeo 
Sonderbarkeiten  leicht  Schaden  leiden  könnte.  Eine  aus- 
gezeichnete Naturseiiilderung  findet  Bich  in  dem  l^rief  des 
Ewjenios  Wulgaris  an  den  liehrer  Kjprianos.  I>er  Biief 
wurde  von  smnem  berühmten  Ver^Mser  vom  Athos  aas 
etwa  1765  gesohrieben  \  Hit  Recht  legt  auch  der  nationsle 
Dichter  Griechenlands,  Panajiotis  Szutsos,  in  seinem  Trano^ 
spiel  6  'OdoivroQog  dem  gleicimaniigen  Helden  eine  herrliche 
Anrede  an  den  mi&chtigen  Athoskegei  in  den  Mond^ 


BOndpm  es  heifst  nur  „Hälfte*',  so  diifs  dem  Askitoii  die  Hälfte 
einer  kiiiowifitischen  Kation  f'rlaubt  ^var.  I']in  bfuti^es  rt  o  fCoi  inov 
odfr  niiÜKKtv  enthSlt  20  Kilogramm,  kann  demnach  hier  nicht  ge- 
meint sein.  jodSc  für  loaty^g,  xqkoC  vuig.  fiir  nh'oq  y  v.>m(j.(  TvXg.  ftr 
&QtO£t  Tiat  für  j^a«*,  vtQov  fiir  i  tfojo,  fod^ri-  vulg.  für  ^X^r^;. 

1)  Der  Caviar  Rchon  bei  Ewsthfitios  vod  Szaionik  a.  a.  0.  S.  98. 

2)  'A^ajjiai'ilov  Äoiudj  hiinTOÄrü  nnni;  rov  ^lui  avt]^  nQOrrni'  filnfi^ 
(*Kv  TTnnttTfotg  1838),  S.  46.  Paris  ist  hier  nur  Deckname  für  SmjlU^ 
Des  Korais  Werke  pehören  in  der  Türkoi  7ai  den  verbotenen. 

8)  Der  Brief  bei  ^iaytiJrig  ^,  flnnuXi  r^m    <f dnaoffia;  xa\  jf^rMt- 

vMfioO.  .  **  (Konst.  1830),  S.  82flP ;  zweite  Auflage  Js^npolat  ISfiÖ. 
Die  Stelle  ist  abgedruckt  bei  Jedeon  S  19. 

4^  *0  oSoinnoog  erschien  1827.  Ich  kenne  nur  die  Ausübe  von 
188f),  Atlien.  Die  Stelle  findet  sich  in  der  zweiten  Scene  de;*  ersten 
Aktes.   Öie  ist  nach  eiaem  etwas  abweiobendMi  Text  abgedruckt  tos 


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DI£  ATHüBKLÖfiTER.  L 


48a 


Eine  andere  geisiliche  CVende  80II  f&r  die  Ajioriten  das 
Lesen  der  hdligen  Schriften  sein.   Die  Madit  der  Litteratnr 

ist  ja  in  der  Einsamkeit  eine  noch  viel  gröfeere  Seit 
Fallmerayer  ist  es  nun  hergebracht,  die  Apokalypse  des 
Neuen  Testaiuents  als  das  LiebÜQgsbuch  der  Ajioriten  zu 
beaeicbnen  K  Es  ist  allerdings  gewifs,  dafs  die  Griechen 
namentlicb  im  18.  Kapitel  dieses  Baches  die  Türken  he- 
aeichnet  finden*.  Dennoch  ist  die  Apokalypse  nicht  das 
„gelesenste''  Bach  auf  dem  Adioe  und  war  es  auch  nicht 
zu  Kallinerayer's  Zeiten.  JJcnu  ISikoiliiiiOB,  der  gcwii'd  üincu 
Zug  zum  Gelieimnisvollen  hatte,  schätzte  in  der  Bibel  am 
höchsten  die  Evangelien  und  unter  diesen  das  vierte  und  in 
ihm  die  Abschiedsreden  des  Herrn,  die  er  die  dia%^)U)  des 
Herrn  nennt Sieht  man  sich  aber  die  Bücher  an,  die  die 
Mtoche  an  ihrer  tKgUchen  Lektüre  in  ihren  Zimmern 
haben  *,  so  findet  man  seltener  die  heilige  Schrift ,  sondern 
meist  die  eigentümliche  Mönch slitteratur,  die  ßtßUa  vmXo- 
ytQi'/M,  deren  wir  schon  manche  erwähnt.  Da  giebt  es 
eine  neugriechische  Ubersetsung  der  Historia  Lausiaca  des 
Falladios.   Das  AavaaMif  wurde  in  dieser  Gestalt  auerst 


Jedeou  a.  a.  0.  S.  2*2.  Auch  sonst  ist  die  Tragödie  lehrreich  fiir 
die  Kenntuis  ajiontiscbt'u  Lebens,  nur  hat  der  Dichter  sich  die  Frei- 
heit geuommen,  auch  die  Gellebte  des  Ueldeu  auf  dem  heüiguu  Berge 
erscheinen  zu  lassen. 

1 ;  a.  iL  U.  Bd.  II,  ö.  Üb  ff. 

2)  Nicht  XfMarotfÖQog  "^yytlog  allein,  den  Fallmerajer  citiert, 
sondern  am  Ende  vorigen  Jahrhunderts  nach  JlavtaCili  AuQiaatuoi  in 
•ebteni  Kommentar  mr  Apokalypse,  aas  dem  gerade  die  Erklinmgea 
snm  13.  Kapitel  abgedrackt  tind  in  der  „Zvlkoyri  Jnnfoitütv  nno^ 
gnatw,  voD  IT,  ^.  2:uifut^TCne  ^tvMddios  (Atben  1888),  S.  8--S6. 
In  diesem  Buch  aoeh  Tiele  andiae  intereMsate  Wetnagoogen.  Ober 
Xetotoif6(fos  UyytXos  aod  JJinT«C4(  Ssathat,  NioL  4hX,,  8.S94 
imd  8.  614. 

8)  £vfifl»  S.  214 

4)  DeVogi4  hat  das  jedeoMe  nieht  gethaa,  sonst  konnte  er 
nieht  iohreibea:  Iis  ne  liseat  rlea  eo  dehon  de  la  litor^,  doos 
n*avoiis  Jamals  aper^u  un  Tolnme  eatre  les  maias  des  pnq;>ridtairea 
de  ces  splendides  biblioth^ques ;  une  seole  fois  —  o*4t«it  le  tahleaa 
de  Paris  avec  les  litogiapbies  des  lionnes  de  1840  par  QiaadTiUe. 
a.  a.  0.  S.  809. 


484 


METER, 


heraiugegeben  1758,  dann  1807,  1869  und  1870.  Alles 
Dnioke  toq  Venedig.   *E(p^ift  6  l^^rpfätog,  der  die  erste 

Auflafre  bezahlte  und  mit  einer  Vorrede  versah,  empfahl 
die  Lektüre  dieser  Mönchshistorien  seinen  Mitasketen  auiser- 
ordentlich  darin  *.  Auch  die  TtaTe^tma  billigt  Epliraem  bei 
der  Gelegenbeit  als  gute  Möiudislitteratiir,  doch  bemerict  er 
dabd,  dafs  in  diesen  Büchern  sich  anch  h&ofig  ketserische 
Krziihlungen  fänden.  Der  schun  nielirlach  erwähnte  Ewer- 
jetinos  darf  als  eine  korrekte  Sammlung  aus  den  rraziqi/ji  * 
angesehen  werden.  Diesen  liest  man  gern  aui  Ajion  oroe, 
nicht  weniger  die  Philokalia.  Mehr  noch  als  diese  bdden 
altgrieohiflch  gesehriebenen  Werke  liebt  man  die  im  Volks* 
griechisch  herausgegebenen  Heiligenlegenden,  /  B.  das  Nlov 
hXoyiov  Ven.  1803,  das  viele  Heiligenieben  aus  der  Hesj- 
chastenzeit  enthält,  das  Niov  fiaQWQoXöyioy  Ven.  1799,  wel- 
ches das  Leben  modemer  Heiligen  beschreibt,  die  Kal(h 
TtaiQivf^y  me  Sammlung  yon  Heiligengeschichten  ans  dem 
Sommerhalbjahr  u.  a.  m.  Beliebte  Bücher  auf  Ajion  oros 
sind  auch  die  Homilien  des  Makarios,  Ven.  1801,  die  Klimax 
des  Szinaiten  Joannis,  nengriecbisch  Ven.  1774,  und  die 
Werke  Szymeons  „des  Neuen  Theologen'*,  Ven.  1790.  Von 
den  beiden  letzten  Werken  sind  in  den  letssten  Jahren  in 
Athen  neue  Aul  lagen  erschienen.  Eines  der  gel(^D8ten 
Bücher  ist  der  Szynaxaristis  des  Nikodimos,  Ven.  1819, 
Konstant  1842  in  13  Bänden,  in  Sakynthos  1868  ,  3  Bde. 
Überhaupt  alle  Werke  des  Kikodimos  gehören  cur  ajiori- 
tisohen  Litteratur.    Auch  die  Wissenschaft  der  Mönche 


1)  Aiisgft>>o  von  1870  S.  8.    "Oaot  ^^loi'v  vä  urffh&oOv,  ti^ 

3ta)  (üti&tmatov.  Ephracm  gest.  als  Patr.  toq  Jerusalem.  Sxatbai 
a.  a.  0.  S.  508. 

2)  Die  nanoixä  em[)tiehlt  das  schon  ^nannte  ^oiuxöv  uDeinge- 
schränkt:  tri  utiv  kfinrji  aiTÖf  unö  tb  vn  diit^ü^ij  mcrtoixu  y.u\  (rrvcc 
(ttQta,  S.  1S3.  Ahnlich  heifst  es  von  den  Askiten  in  dem  Proskyoi- 
tarion  der  Lawra  von  17<*^,  8.  75 f.  (ta/oloCiTct  tls  rö  foyo/n^ov, 
viiartiti  (sicX  aynvnviii,  TUfoaivj^i)  xai  t/J  tOj'  ynatfrn-  uf).(rr^,  udllOTtt 

(tg  Ttt  yfQovrixn  ßi,i).((t.  .  .  Der  Eweijetini»  ist  in  Konstantioopel  in 
4ea  &Oer  Jahren  neu  gedruckt. 


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DIE  ATHO&KLÖSTEIL  I. 


435 


schöpft  meist  ans  besonderen  Quellen.  Für  die  Exegese 
gelten  als  Autoritäten  Theophylaktos  und  Sygadinos  in  neu- 
griechischen  Uberaetzungeiii  die  ^^al  %av  nariqoiv  z.  B. 
stur  'OuLvdzevxog  nuu  %0v  ßaaÜM&if  und  vom  ^ItStß  ^  In 
der  Elicbengeachidite  ist  noch  inuner  mafagebend  das  Biesen- 
werk  des  DossiÜieos  von  JenualeiD,  die  sogen.  Dod^awiw- 
los*,  die  auch  wohl  die  gröfste  polemische  Schrift  der  Neu- 
zeit gegen  die  Katholiken  ist,  die  die  griechische  Kirche 
hervorgebracht  bat.  Polemifichea  Zwecken  dienen  ebenfalle 
die  tdfiot  X€t^^  dydm^  und  ttavaHayfjg  von  1705^  1699 
und  1693  desselbcoi  Verfassers.  Groise  Autorität  geniefat 
auch  die  yierbündige  Kirchengeschiohte  des  Meletios  Ton 
Athen,  Ven.  1783—1784.  Der  vierte  Teil  1795  3.  Als 
praktischer  Theolop:  erfreut  sich  der  edle  Szymeon  von 
Thessalonich  gerechten  Ansehens.  Übrigens  ist  nüt  diesen 
Angaben  die  hierhergehörende  Litteratur  längst  nicht  er- 
flchöpft.  Wenn  auch  nicht  die  handschriftlichen  Bibliotheken, 
flo  bieten  doch  die  der  gedruckten  Bttcher  den  strebsamen 
Mönchen^  und  solcher  giebt  es  viele  namentlich  unter  denen, 
die  in  Chaiki  und  Athen  Theologie  studiert  haben,  eine 
Menge  profaner  klassischer  und  kirchlicher  Litteratur.  £s- 
£gmenu  und  Xiropotam  besitzen  die  griechische  Patrologie 
Ton  Migne.  Diese  bestellte  sich,  gerade  als  ich  da  war^  ein 
8kiüot  von  der  Nia  Siia/jTfi.  Wer  aber  die  herrlichen  sel- 
tenen Drucke  von  Bukarest  und  Jassy  und  llberhaupt  die 
bei  uns  so  wenig  bekannte  neuj^riechischci  kiichiiche  Litte- 
ratur sehen  und  kennen  lernen  will,  der  gehe  nach  solchen 
Klöstern  wie  Iwiron,  Watopedi  oder  Lawra,  die  einen  sehr 
sorgfältigen  Katalog  der  Drucke  besitst,  verfertigt  yon  der 
kundigen  Hand  des  oben  genannten  Herrn  ChiyBoetomos. 

1)  Leipsig  1772  tud  1778,  2  Binde  nur  OctsteachM,  cum  Hieb 
Ten.  1792. 

2)  Qenaner:  'laro^a  tti^  tO»  h  'itgoaoJiö/io$s  jfargtaQxfvattvrup, 
diTiQfifi^vri  fjiiv  iv  ^«it&M  fttfiUots,  ,  .  Bukarest  1715.  Das  Bodi 
seheint  Pichler  entgangen  2a  sein. 

3)  Über  Meletiot  (gest  1714)  vgl«  Ssathas  a.  a.  0.  S.  390ff. 


ANALEKTEN 


1. 

Bin  ^Brief  Christi''. 

MitgeteiU 
von 

Beinhold  BSliiieht. 


Fabridns  Bpricbt  in  Mmvm  Cote  apoerjpb»  Kovi  Testam. 
(Hamb.  1719),  lU,  303—314  von  „Briefen  Christi",  druckt 
auch  (309 — 318)  einen  solchen  ab;  wir  sind  imstande  eeine 
Angaben  darüber  in  mehrfacher  Beziehung  zu  ergänzen. 

Wir  kennen  folgende  Handschriften  eines  Briefes 
Christi''.  A.  äthiopische  (in  Berlin,  London  [Brit.  Mus.], 
und  TQbingen),  woraus  Fr.  Praetor!  os:  Mazhafa  Tomär.  Das 
Äthiopische  Brietbuch.  Leipzig  1869  herausgab.  —  B.  syrische 
in  Berlin,  Cod.  Sachau  131,  §  8  und  221,  ^  2  (vgl.  Baeth- 
gen,  Zeitsolirift  für  alttestamontlicho  Wissenschaft  1886  VI, 
210),  London  (Wright,  Cataloguo  Nr.  879)  und  Eom  (Asse- 
mani,  Bibl.  Orient.  III,  A,  282,  §  11:  vgl.  Praetorius,  Ein- 
leitung 2 — 3)  —  C.  arabische  in  iioudon  (Catalog.  codd. 
Orient  Una.  Brit  I,  p.  110)  und  Rom  (Angclo  Mai,  Scriptt 
vett  collect.  IV,  263.  312.  542;  Aesemani  III  A,  Nr.  18).  — 
D.  eine  griechische  in  Carpentras  (Laukbert,  Catalogue  des 
manuscrits  de  ia  bibl.  de  Carpentras  [Carpentraii  1862]  I,  56, 
Nr.  120).  —  E,  lateinische  in  Hamborg,  London  (Addition 
G716,  fol.  72),  Paris  (Bibl.  nation.  fonds  lat  5302,  saec.  XIII), 
Todi,  Toulouse  (III,  135  saeo.  Xm  nach  Les  archives  de  l'Orient 
latin  I,  714)  nnd  Venedig  (Catalog.  codic.  S.  Morci  ed.  Velen* 
tinelli  IL  165:  dassia  VI,  30,  saec.  XIV)  K  An  Dmeken  kennen 

1)  Incipit:  ,Qnin  nu'listi«',  filii  hmninnin'';  darnach  aber  VOO  den 
uns  »oiut  bekünutejQ  lateiuischcn  Kedaktiouea  vertchiedoi. 


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KOUUICUT^  Ein  BRIEF  CUÜISTI. 


437 


wir  die  Ausgabe  in  Boger  de  Hovedeoe»  Chronica  ed.  Stabbs 
IT,  167^169,  Wonne  Beger  de  Wendower»  Floren  ]iiet<mmm 
ed.  Coxe  m,  148 — 150,  in  d«r  nenen  Ausgabe  Ton  Henxy 
O.  HewIeU  (London  1886)  I,  291^297,  und  MaftUinemi  Pirii, 
Chronicn  mi^en  ed.  Lnnrd  H,  463-^64  wOrfUeh  abeefariebeiis 
die  Oodieeo  ton  Hamborg  nnd  Todi  eind  in  StnpbonBt^  Hambuf» 
Xinhengeeeliielite  (Hunbnig  1727),  Bd.  I,  ^1.  3»  345—847 
nnd  Amadotine,  Aneedota  Uttenria  (Borna«  1773)  I,  69*-74 
nbgedmekt  —  F,  spaniaeh  in  Paiie»  BiU.  netimi.  fonda  ee- 
pagnol  486  (Libri  110),  fol.  307—309,  eaee.  XIU.  —  0.  deatseh 
nur  bekannt  ana  einem  fliegenden  Blatte,  Köln,  Clemens  Arnold, 
1604  nnd  daraus  neu  abgedruckt  iu  Scheible,  Das  Schal^ahr 
17,  594^596.  Der  Titel  ist:  Wabrhaile  Abschrift  des  Himmels- 
briefiB,  so  QoU  selbst  geschrieben  nnd  auf  St  Michaelsberg  in 
Bethania  yor  Si  MichaoUs  Bild  hanget...  Incipit:  „Ich  ge- 
biete Euch,  dafs  ihr  .  .  Es  mögen,  da  die  Redaktionen  des 
}?ricffis  selbst  recht  verschieden  sind ,  hier  der  oben  genannte 
griechische  Text  und  die  lateinischen  aus  dem  Hamburger 
nnd  Todiächen  Codex,  sowie  aus  der  englischen  Chronik  dee 
Eo^er  do  HoTedene  folgen,  da  sie  bisher  unbekannt  ge» 
blieben  sind. 

EmatoXr-j  rov  xvq/ov  Tiftfoy'jTjfTOvXgtaiov  uvtt;  t]  ImaioXr;  fntoty 
Ii  oiQUh'ot  h  (.ir^vl  aniikftßoii^  ö  .  —  UpoXoyog  xal  dtt^yi^aig 
TOV  ^oßtoov  xal  qgixrov  &at  f.iaxog  tov  ytfo/n^yov  (V  tw  Xu(^ 
Trjg  hgovaaXtjt.  ^1(0  og  Intatv  fiixgng  ly  Bv&Xtfft  (sie)  ir; 
noXi  xui  u  Xi6>ü(,  ^ux^jog  r^y^  lo  dt  ßugog  tfo,ifo<>y  ordf  yug  la^vi 
jovioy  xvXhai  Tif,  */  ftl  (sie)  o  nuzgiu^j/ji  (oic)  hgovauXvfdUiy» 
Svxu'iiy  notr;aag  /mru  «p/ffp/wK  xai  ifgtwy  xai  ygufi^tuTafwr 
r^f.iigag  J  '  xai  xtxiug  i  xai  luif  ^^r^Xi^t  (f  wyr]  tx  tov  otguyov 
XJyovau :  ^iaßi,  nuzgtug/Uy  Tay  XJäoy  fuiu  /tigojy  aov  xui 
xvXiaoy  aviox.  Kai  Xaßwx  o  nuT^tagxig  tox  XJ&ox  xal  xv- 
X/aug,  tv^iwg  r^yv/ßf]  o  Xl^og  «ai  a^x  ttnta  ^gafi^vra* 
*iSma  (eie),  «fr^pfsiiet,  tSaroi  (sie),  ort  fyi  inoh^a  %w  (wguxow 
1»)  Tt^x  ytixf  Ttjx  9^Mooap  mu}  nowra  ra  h  ot^roTc*  mm  v^iTg 
MaTafQox^m  o  iS^Xwaa  v^Xp  dm  Jttp  7tQ0(prjT(vy  fiov  xsd 
anooriXatp  fiw*  xal  JPAwm  vfitw  MawtaXovf  tov  Mfj^tp  titg 
a^ccpr/ac  t/ieiK  htl  tTjg  yr^i  xaj  ovdf  oStH  ifiaopor^aaTut  (sie) 
9vSi  TOV  JSvii^fl/ov  ftw  ja  Xifm  ^tutvaarui  (sk).  O  iti^ta^of 
Kttt  ff  nagtinatTm  ol  di  Xiyoi  ftov  et  ^fj  naQ^XdwaiP  *U  tov 
aliSya.     Kai   naXtp  inioToX^r  arfXha  laug  (sie)  tov; 

UP^ffumovg  TtTUQxji^  ort  aag  (sie)  l'a%ftXa  xrv  ngdutipß  iniaroXtjr 
Xtt}  Of^d^  erroc  ifttivpoffWiOi  (sic)  evd^  intatwoaxai  (sie)  jm) 
9ia  Torro  aninniXa  /jifuui'ug  nXi/aiovg  xal  nuyiTolg,  nugaX^ 
XayfiOtg  xal  Ttvg  xal  j^ala^ax  uai  «x^do;  xai  ßffovxov^  M  no«- 
Ta/<ot^  araxrov(  


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486 


ANALEKTKN. 


Ovx  iygcupri  ^  iniaToXfj  vno  /ttgog  ar&mvnov  ^  aAX*  tüxat 
<kXoyguq4ag  vno  tov  uoguiov  rrarooc.   f^i  ng  d(  tvotS^r  q-Xiapo^ 

ilytv/itajOftaxoQ  ugov,  agoy,  aigwooy  avioy  xat  /aiu- 

<nga(frja(Ttu  o  o/xoc  avrovj  o)^  ra  ^vdofia  na\  %a  fofioga  xtu 
So9T,aeJ€U    10    nytCf-iu    avTov    ayytXotg    noyfjgotg  Iv 

xgiatwg   Diese  Auszüge  giebt  Lambert  I,  56  und  bemerki 

dafs  der  ganze  IJrief  zohn  Seiten  betragt  und  wie  in  (\'mm 
Zeilen  ufter  AngritTe  auf  die  rneumatomachen  enthält,  wuraui 
die  Zeit  nm  381  für  die  Eatstebang  des  Textes  sich  ergeben 
müfste. 

Ein  lateinischer  Text  begegnet  uns  in  der  Chronik  des 
Roger  de  Hovedene;  er  ward  durch  den  Abt  Eustachius  von 
Flai  in  der  Normandie  nach  England  mitgebracht  (c.  1201)  und 
^ort  verbreitet  Derselbe  Chronist  meldet,  dafa  es  seitieD  durch 
Wunder  l  ukrnftigten  Predigten  gelungen  sei ,  eine  ernste  Sonn- 
tagsheiligunLT  (lurch/usetzen,  dafb  aber  der  König  und  die  Grofsen 
ihm  opponierten  uml  -schliefst  (IV,  172)  mit  der  Klage:  „(populüs) 
plus  timens  regiam  et  humauam  pote^tatem  quam  <iivmaLii  —  ut 
canin  ad  vomitnm  reverniiH  est  ad  fornm  remm  Teualium  eiei- 
cendum  in  diebus  Dominiciü". 

(p.  167.)  „  iioc  est  mandatum  Dei  de  ubsei  vatione  diei  I)i> 
miuicae,  quod  dominus  Eustaciun  abbas  de  Flay  testatur  \eaiöc?fl 
de  coelo.  —  Mandatum  sanctum  Dominicae  diei,  qu(id  de  coelo 
?enit  in  Jerusalem  et  inventmn  est  super  altare  S.  Symeonis, 
quod  est  in  Golgatha,  ubi  Christus  crucitixus  ^t  pro  peccatii 
mnndi.  Et  mandavit  Dominus  banc  episfcolam,  qnae  apprebensa 
super  altare  S.  Simeonis;  quam  per  tren  die<  et  tres  rmctcs  ho- 
mines  aspicientes  comierimt  in  teiT:ini  rnL,\iiitos  Dei  miseri- 
cordiam;  et  post  horam  lerliam  erexit  se  patriar«  ba  et  Akarias 
arcliH'pisc<ij)Tis  et  espanderunt  infulam  et  sanctam  arreperuat 
epist«)laui  Dei,  Quam  cum  accepissent  iiuenenint  i-stud.  Ego 
Dominus,  k^mi  praecepi  vobis,  ut  observaretis  diem  sanclum  Do- 
miniciim  et  nou  cu^^telistis  eum  et  de  peccatis  vestris  non 
poenituiBtis,  sicut  dixi  per  Evangelium  Marcum  (13,  31):  Coelom 
ot  terra  transibunt,  verba  autem  Mea  non  trausieiit.  Feri  auten 
praedicaro  vobis  poenitentiam  vitae  et  non  creduiistit^  et  mia 
super  voa  paganon  irentes,  qui  eftuderunt  sangmnem  vestrum  in 
terra,  nec  tarnen  credidistis  et  quia  (p.  168)  sanctum  diem  De- 


1)  WahrscheiuHch  ist  der  Text  durch  irgendeinen  orientalischen 
Bischof  nach  dem  Abcndlande  mitgebracht  worden  So  kommt  der 
Bischof  von  Djabala  nach  Rom  mit  der  Er^uihiuiig  vom  Priester- 
könif  Johannes  (Röhricht,  Beitr.  II,  93),  1225  imd  1228  brinra 
derEnbisehof  Ton  NiniTeh  (Chron.  Turonense  bd  Bouquet  XViII, 
311)  und  ein  armenischer  Bischof  (Rog.  de  Wendower  Iv,  iTf)— 17^ 
die  Enähluog  vom  ewigen  Joden  nach  Frankreieh  und  England. 


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RÖiliUUUT,  Ein  B&IEF  CmiSTL 


nuDiciini  non  costodistis,  per  paucos  dies  liabuistis  famem;  sed 
dto  d«di  Yolna  Bataritotem  et  postoa  pcyos  fMistts.  Yolo  itsrani, 
vt  nemo  ab  hora  nona  Sabbati  nsqne  ad  aolam  mugwieiii  dkl 
Itonao  aliquid  operetor  Bist  qnod  bonnm  ait  Qnod  ai  qnia 
faeerit»  com  poenitaDtia  emendet;  ai  li  hmo  maadalo  non  obe» 
dieritia,  Aman  dioo  vobia  at  jnro  vobia  par  aadam  Kaam  et 
thronnm  Malim  ei  Cberabin»  qni  cnatodinnt  aaaetam  gedem  Meaant 
q[nia  non  mandabo  vobia  aliqnid  per  aliam  epiatolanit  aed  apeiiam 
eoetoB  et  pro  plnvUa  plnam  anper  Yoe  lapidea  et  ligna  et  aquaai 
«alidam  per  noctea,  vt  nemo  praeca?«re  posBÜ,  qnin  deatmam 
omnea  malus  bominea.  Hoc  dico  vobis,  Morte  moriemini  propter 
diem  OomiDicum  sanctom  et  alias  festiyitates  saactomm  Meormn» 
quaa  non  custodietia;  mittam  vobis  bestias  habentea  capita  leonoaiy 
eapUloa  moUemm,  candas  oamelorom,  et  ita  erimt  famelieao,  qaod 
carnes  vestras  de?orabunt,  et  yos  desiderabitis  fngere  ad  sepul- 
CTnm  mortnornm  et  abscondere  yos  propter  metam  bestiarnm 
et  tollam  lumen  solis  ab  oculis  vestriR  et  mittam  super  vos 
tenebras,  ut  ocridatis  vos  invicem  non  videntes  et  auferam  a 
Tobiö  faciem  Meam  et  non  faciam  vobiscum  misericordiam.  Tn- 
cendam  enim  corpora  Yostra  et  corda  illoiuiij.  qui  non  custodiunt 
diem  sanctum  Dominiciim.  Audito  vocem  Meam,  ne  pereatis  m 
terra  propter  dipm  D  iniinii-nra  sanctom.  Recedite  a  male  et 
poenitentiam  agite  do  mali»  vestris.  Qnod  si  non  feceritia,  quasi 
Sodoma  et  Gomorra  peribitia.  Nunc  scitote,  quod  salvi  eetis  per 
orationes  sanctissimae  Genetricis  Meae  Mariae  et  sanctorum 
angolorum  Meorum,  qui  oiant  pro  vobis  quotidiü.  Düdi  vobiä 
triticum  et  vinum  abundautcü  et  iiuiü  uon  obedistis  Mihi.  Nam 
Tiduae  et  orpbani  clamant  ad  vos  quotidie,  quibus  unllam  focitis 
misericordiam.  Pagani  babent  misericordiam,  Toa  antem  non  ha- 
betia.  Arbores,  quae  froetifloant»  akeari  laoiain  pro  peccatis, 
IhuniBa  et  fontea  non  dabnnt  aqnam.  Dedl  vobia  legen  in 
monte  S^ai,  quam  non  onetodiatla.  Dedi  per  Me  legem,  quam 
non  obserraetia.  Pro  Tobia  natoa  ftii  in  mando  et  featiTitalem 
lleam  neadYiatia.  Pran  hominea  diem  Dominien»  resunreetionia 
Meae  non  cuatodiatla.  Jnro  Yobia  per  dextram  Meam,  niei  Do- 
minienm  diem  et  feativitatee  aanetomm  Meorom  eoalodieritiai 
mittam  Tobia  pagaaaa  gentea,  nt  ooetdant  voe.  Tollitia  tameii 
res  alterina  et  de  boo  nallam  eonaiderationem  babetk.  Propter 
boc  mittam  anper  (p.  169)  yos  bestias  pejores,  qnae  devoreat 
mulierum  veetranuD  mamillas.  Maledicam  illis,  qni  in  die  Do- 
minica aliqnid  mali  operati  foerint.  Maledicam  illis,  qni  in« 
joate  agimt  TerauB  fratree  snoa.  Maledieam  illis,  qui  male  pan- 
peres  et  orpbanos  judtcant,  quos  terra  portat  Me  autem  de- 
relinqnitis  et  principem  hujns  seculi  sequimini.  Andite  vocom 
Meam  et  babebitia  mieericordiam  bonam.   Toa  autem  non  cea* 


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440 


ANALBKTBir. 


•Iii»  ab  opttibvs  niaUs  nee  ab  opwiboa  diaboli;  qnia  fiwitis  pv'- 
jiixu,  adnltarift  ideo  ciionnidabiiiit  j<m  gentes,  «t  deTonbnni  nl 
beatiM/* 

£üie  Mdm  lateinische  Bedaktion  liegt  in  den  Tazt«  dm 

oben  schon  genannten  Hambniger  Codex  ?or,  den  Stapborat, 
Hamb.  Kirchengeschichte  (Hamburg  1727),  Bd.  I,  Tl.  3,  S.  345 
bis  347  veröffentlicht  hat  und  der  uns  ancb  in  dem  Todischen 

Codex  erhalten  ist;  leider  ist  der  letzterd  jedoch  entweder  bei* 

spiollos  verderbt,  oder  der  Herausgeber  Amadutti,  AnpcdotA 
litteraria  (ßomae  177'J)  II,  69 — 7  1  hat  ihn  luclit  lesen  kuiiiien. 
Jedenfalls  wimmelt  er  von  Fehlern,  und  es  ist  unnütze  Mühe 
die  nnzäliligeu  K.orruptelen  aniahron  su  wollen.  Der  Hamburger 
Text  lautet: 

(p.  345.)  „Christi,  Filii  Dei,  Epistola  de  coelo  mmaa.  pro 
meiiori  observatioae  diei  Dominicae  et  Yeneris  et  de  decimiä 
dandis.  Incipit  Feria  (lies  Epistola)  de  Christo  de  Duminico  et 
de  die  Veneria.  Quin  nescitis  diem  Dominicum  et  Veneris  obser- 
vare,  pruptor  hoc  venit  ira  Dei  super  vos  et  thij^^ella,  m  laboribus 
et  ....  in  pecudibns  vestris,  quae  posaidetis,  et  veniet  gens  pere- 
grina,  que  alios  occidit,  alios  in  captivitatem  seducit;  pro  eo  quod 
son  obeerTaetU  diem  sanctum  Dominicum  et  diem  Teneria  ia 
abatiMBkia,  ideo  vUiilaiit  aapar  Toa  Itipi  rapacea  et  aedacnnt,  qoi 
Toa  in  proAudam  maria  demaignat,  et  averte  fiusiem  meam  a 
Tobia  et  tabemaeolo»  qaod  feeenmt  manne  mee,  et  qaeeunqoe 
■alefNeritia  in  aaera  eedeBia  mea,  ego  judieabo  et  tradam  Toe 
et  anbmefgam  Toe,  aiend  dlmerai  Sodomam  et  Gomonam,  qne 
tena  abaorboit,  et  qoi  ambnlat  ad  aliom  loenm,  et  qoi  equta- 
▼erit  in  die  aaneto  Dominioe  non  ad  eceleaiam  meam  aat  ia- 
firmoa  Tiaitare  aat  diaeoxdee  ad  ooncordiam  vecam  reFocare*  Til 
ei  aliud  fteietia,  flageUo  dnrla  flagellia  et  mittam  in  Toa  et  in 
domos  vestroa  plagham  et  tnrbationem  malam.  8i  qnia  negotiam 
feoerit  in  die  aaneto  Dominico,  exterminabo  eum,  ant  si  aliud  io 
dorne  ano  eperaturi  aut  capiÜoe  tondet  aut  vestimenta  layerit 
ant  panem  eoxerit  aut  qoieqnam  inolite  operis  fecerit  in  die 
Sancto  Dominico,  exterminabo  enm,  nt  non  inveniat  benodictionem 
neqoe  in  die  neque  iu  nocte»  sed  maledictionem ,  et  mittam 
(p.  346)  in  domos  ejus  omnes  infirmitates  super  (eos)  et  super 
filios  eoium,  si  quis  can^averit  in  die  sancto  Dominiro  aut 
tractationem  aut  contentKinem  aut  illicitum  visum  commiserit, 
immittani  in  eum  inalum,  (a)ut  deficiut  aut  dispergatur.  Audi 
popuie  mens  iucredulas  et  generntio  prava  et  perversa,  quia  non 
Yultis  ciedt'ie;  pauci  sunt  enim  diL^  vistri,  cottidie  appropinqoat 
finis  vester,  ego  sum  patiens,  jatiens  super  vos  et  exspecto 
peccatores,  ut  convertatis  ad  poenitentiam.  Audite  omnes  populi 
et  videte,  ue  quis  juraiit  in  die  sancto  Dominicol    Ego  ipäo 


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1 


RÖHßICUT,  EIN  BUIEF  CHBI8TL  441 

Christus  resurrexi  a  mortuis  tertia  die,  hoc  est,  in  die  sancto 
Dominico,  die  Teneris,  qua  debetis  jejanare,  ad  qaam  ordi- 
iia?i(t)  hsrbam  tt  oltatn  comadm  et  ebeemie  featram  fitmit 
pro  qua  paeeiis  fui,  pro  Testn  ipsa  aalnte  et  in  ipeo  die 
lesoxreetionis  mee  eripvi  tos  de  infeno  et  de  peteetate  diaboU 
onrne  genne  qnamlibet  (!)  proTeeatm.  Notnm  est  Tobis,  qaod  In 
sex  diebna  feci  coelum  et  tenam,  mm  et  omnia,  qne  in  eis 
tmi,  septimo  requieri  ab  omni  opere,  ita  et  tos  requieseite  ab 
omnibns  Tsstris  tarn  serri  quam  liberit  si  Tiütis  vitam  ant  le- 
qniem  babere  meenm!  Amen.  Dieo  Tobis,  m  non  eostodieritis 
diem  sanetam  Dominienm  de  hora  nona  Sabbati  nsqae  ad  horam 
primam  secaude  ferie  et  diem  Veneris  in  abetinentia  dominico 
die,  anatisabo  (lies;  anatbematiiabo)  tos  evm  patre  meo,  et  non 
babebitis  partem  meetun  neqne  com  angelis  meis  in  seenla  se- 
cnloraml  Amen.  Iternm  dieo  Yobis  in  Yeritate,  si  non  ensto* 
dieritis  diem  sanctmn  Dominicum,  in  totam  (lies:  effundam)  super 
▼OS  iracundiam  et  ignem  et  fulgura  et  (a)ccoriiscationes  et  tem- 
pestetes,  ut  pereant  labores  vestri,  et  delebo  muros  vcstros  et 
non  dabo  vobis  pliiviam  et  ita  auferam  Yohh  fnictum  terre. 
Itenim  monen  et  praecipio  vobis,  ut  jiistas  tlecimiis  uiichi  red- 
datis  et  sacordotibus  meis  decimas  meas  tideiiter  auferte  Qics: 
offeratis),  quod  qui  in  decima  frandaverit  sive  in  anima  sive  in 
tempore,  non  videhit  vitam  eternara  et  in  dum«»  vestra  infantes 
nascontur  non  audipntos  neque  ambulantes.  Amen  dieo  vobis, 
si  castodieritis  difira  Dominienm  et  diem  Veneris,  aperiam  vobis 
caracteres  (lies:  catarractas)  celi  et  in  omni  bono  et  multipli- 
cabo  vobis  frurtns  terre  et  dabo  vobis  pascem  (pacem)  et  elon- 
gübo  dies  animarum  vestrarum,  stabo  in  vobis  et  vos  in  mo  et 
scietis,  qaod  ego  snm  Dominns  et  pater  non  est  alins.  Amen 
dieo  Tobis,  servi,  (lies:  si)  obserfatis  diem  Dominienm  et  diem 
Veneria,  omnia  mala  anfesram  a  vobis.  Preeipio  toMs  saeerdoti* 
bus,  uik  mmsqnisqne  vestram  epistolam  et  qneret  (lies:  ex- 
pofiat)  ei  popnlo  meo  ostendat  sanetis  Dominieis  diebns,  nt 
eredat  fliam  dirine  cum  missa  sit  (lies:  diTinitns  missam  esse), 
qnod  si  non  eredideritis,  snatematisabo  tos  nsqne  in  Seenlorom 
Seenla. 

ISgo  Petras  Episoopns  indignns  Jnro  per  Oei  mijestatem ,  qni 
liisit  eelnm  et  tsrram,  mars  st  omnia,  qne  in  eis  snnt,  et  per 
Cbristnm  Jesnm  fllinm  i(fna  et  per  Spiritnm  flanetnm  et  per 
sonetissimam  Tirginem  Mariam  et  per  omnes  sanctos  angelos  Dei 
et  per  omnes  sanctos  patriarchas  et  propbetas  et  dnodeoim  Apo- 
stolos  (p.  347)  et  omnes  Sanctos  Martjrres  et  confessores  rir- 
ginss  et  per  omnia  Sanotorom  corpora  et  per  reliqnias  Sanoto- 
mm,  qnod  ista  epistola  non  est  formata  mann  hominis  neque 
seriptSi  ssd  est  digitts  Dei  et  Domini  nosiri  Jbesn  (%risti  et  est 


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4i2 


fammmlMa  d«  septimo  celo  et  de  trono  Dei  in  Um,  qualiter 
diem  Baiietiim  Dondiiieviii  et  diem  Yeneris  obsemxe  et  enstodiie 
debetia.'« 


2. 

Di«  syrtecbe  Handschrift  ,,8Mhae  302""  aof  der 
Kgl.  BiblioM  zu  Berlio. 

Von 

ProL  Dr.  Friedr.  Baethgen 
in  Greifiiwald. 


In  dem  konen  Yeneioimis  der  SMban'aehen  Sunmlimg  syrischer 
Handaohriften  (Berlin  1885)  finden  sich  m  der  Kr.  302  fei- 
gende Angaben:  MSanunlnng  ven  Schriften  hertthmter  Kirehsn- 
lehter  (Ifaroua,  I^atinSt  Bphrsem>  ETSgrins  n*  a.)  o.  A.  n.  B. 
(angebrannt).  Peig^  alt** 

Der  Name  Ignatias  lieb  es  mir  wnnschensivert  enebeinen» 
diese  Handschrift  genauer  kennen  in  lernen«  Bin  Bliek  in  das 
mir  von  der  KgL  Bibliothek  mit  grOlster  Bereitwilligkeit  sur  Yer* 
iDgnng  gestellte  Mannskript  genügte  jedoch,  mich  davon  sn  liber* 
sengen»  dafo  in  ihm  von  lylgnatins"  nichts  enthalten  ut^  nnd 
dalb  dieser  Name  in  8achan*s  knnem  Yeneichnis  ans  ^An  ton  ins** 
Tardniekt  oder  verMbrieben  )ak  (In  sTrischer  Schrift  sehen  dia 
beiden  Namen  recht  ähnlich  ans.)  Um  nnn  andern  eine  ihn» 
liehe  Bnttänsehnng  in  erspsren  nnd  sogleich  nm  der  Yerwsltnng 
der  kSnitfiehen  Bibliothek  meinen  Dank  für  die  Bereitwilligkdt» 
mit  welcher  sie  mir  aach  diese  Handschrift  sur  Yerfttgnng  ge- 
stellt hat,  dnrch  die  That  sn  beieogen,  gebe  ich  im  folgenden 
eine  eingehendere  Beschreibnng  der  Handschrift»  als  aie  in 
Saehan*s  knisem  Yeraeichnb  gegeben  werden  konnta. 

HAhe  25  Centimeter»  Breite  17  Oentimeter.  Bin  Binband 
ist  nicht  ?orhanden.  54  mm  Teil  loee  PergamentUitter»  Ton 
denen  das  leiste  nnr  noch  halb  TorhandeD  ist^  die  lotsten  10  bin 
15  dnrch  Fener  siemlich  stark  besdAdigt  sind.  Die  Handschrift 
ist  niaprftnglich  Tiel  nmfiuigreieher  gewesen»  wie  sieh  ans  fid- 
gender  Berechnnng  ergiebt    Wo  din  Handschrift  einen  ftcW 


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BAETUGEN,  EINE  gyHläCHE  UANDSCüKl]<^.  i43> 

Iftofesden  durch  Lücken  nicht  nntorbrochenen  Text  bietet,  zeigt 
66  sieb»  di£B  imoi«r  sahn  Blatter  zu  einer  Boehlage  (syr.  Korr&s) 
soBsnuneogeiUbt  eind.  Diese  dsgeii  aSnd  »nf  der  je  entea  and 
letzten  Seite  ?om  Schreiber  selbst  mit  Bachstsben  benfferi  Nnn 
trägt  fol.  10  der  jeteigen  Handschrift^  mit  welchem  eine  nene- 
Lage  beginnt,  die  Ziffer  s  14;  es  gingen  also  13  Bogel» 
10  Blatt  130  Blatt  Yorber.  Von  diesen  130  Blatt  sind 
m  der  Jetsigen  Handschrift  nur  nenn  erhalten,  so  dab  rane  ini 
Ganten  131  Blatt  verloren  gegangen  sind,  und  swar  AUen  Ton 
der  dreizehnten  Lage  das  erste  nnd  dsa  lotete  Blatt;  Ton  der 
zwölften  ist  nur  ein  Blatt  erhalten.  Aber  anch  in  der  Mitte 
nnd  am  Soblnfs  hat  die  Handschrift  Lücken.  Bie  Lage,  welche- 
die  ZüTl  f  V  (=  16)  fOhren  sollte,  feiilt  gans  (hinter  dem  jetzigen 
fol.  29.).  Die  letzte  der  vorhandenen  Lsgen  iat  auf  fol.  60  r 
als  die  neunzehnte  (ca*^)  bezeichnet;  es  sind  nur  4|  Blatt  von 
dieser  erhalten  und  zwar  fehlen  hinter  fol.  63  drei  Blatt,  das 
fünfte,  sechste  imtl  siebente  der  nennzehnten  Lage.  Fol.  54  ist 
das  achte  Blatt  diosor  Lage.  Aus  dem  Falz  ist  zn  ersehen, 
dafs  auch  das  neunte  und  zehnte  ursprünglich  vorhanden  war. 
Hieraus  ergiebt  sich,  dafs  die  ursprüngliche  Handachrift  statt  der 
jetzigen  54  Blatt  mindestens  190  Hlatt  zahlte.  Sie  kann  aber 
auch  noch  umfungrei'  lier  goweseu  amu,  da  sich  nicht  auamachea 
iäüit,  wieviel  am  Schiuis  verloren  gegangen  ist 

Die  Seite  zählt  durchgängig  40  Zeilen.  Geschrieben  auf 
Pergaoient  in  .scUüner  und  deutlicher  nicht  allzu  grofser  nesto- 
rianischer  Schrift;  Vokalpunkte  sind  sehr  selten,  etwas  häufiger 
die  übiigeu  Loüezeichen.  Da  Aufaug  und  Ende  der  Handschrift 
verloren  gegangen  sind»  so  erfahren  wir  nichte  Aber  ihren 
Schreiber  nnd  ihre  engere  Heimat.  Über  beides  pflegt  in  aj- 
riseben  Handsebriften  am  Sehlafs  in  dem  sogenannten  Oolophon 
genaue  Ansknsft  erteilt  tn  werden.  Aus  paläographisehsn  Ortttden 
bin  ich  geneigt,  sie  dem  8.  oder  9.  Jahrbondert  n.  Obr.  sun« 
weisen;  die  Sehriftaflge  leigen  nngefibr  den  Typvi  neeto- 
riaaisehen  Manuskripte  Tem  Jabre  768  n.  Chr.»  von  welebem 
sieb  em  Faeaimile  bei  W.  Wrigbt,  Catakgne  of  8jfrjao  Mann- 
seripte  in  tbe  Britub  Mnsenm  T.  m,  PL  Xn  findet 

Den  Inhalt  der  Handschrift  bilden  Ahbandlnngen  ▼eiscbtediBT 
Kirchenlehrer,  welche  sich  aosnabmslos  auf  die  Tite  contemplstiv» 
besiehen;  das  Buch  war  offenbar  gass  qpeBoU  Ar  die  MEtftr» 
Ton  Mönchen  hiwtimint. 

1)  Ans  Marcus  Eremita.  Fol.  Ir  beginnt  mitten  im 
Zusammenhang  y^y  yian  iX^^b  .  V"»!^  ^^DSi  vbni  bn5 
.0'«05  «D*««  llttfiir«  =  iz^Tü)  ravta  ovitog '  tu<;  ad/xovc 
nt^fu  aav  fiifjtffftig  nov  ^^ofur;  bei  äaUandi  BibL  Vet  Fat^ 


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444 


ANALSiLT£N. 


VIII  Öü  C  ans  der  Iti'TtßoXrj  n^g  oxokannxöy  V  Der  Wechsel 
der  redenden  rersoaen  ist  durch  Rubra  angedeutet.  —  Fol.  1  t 
endet  .  .  .  .  rT'ODn  et^T«  Nbn  NnicDa  T'a  =  ad^hf 
€vXaß(tn  intxaXvxpTig  *  fl,..  G&\\.  81  E. 

Nun  fehlen  ,  wie  sich  aus  der  Yergleichung  mit  dem  grie- 
chibclien  Text  beroclineii  läfst^  in  der  syrischen  Handschrift  zwei 
Blatter.  Auf  dem  jetzigen  fol.  2  r.  beginnt  der  Text  wieder 
«ri-inn  by  MTii^  »n^ui  «nb«  «in  =  o  itiig  o  inifftQwy  rPr 
opyf)»'  Toig  natdwoptivoiq  Gall.  85  A.  —  fol.  3  Mitte  brin^ 
den  Schlufs  des  Traktats,  welcher  hier  nm  einige  Zeilen  umfang- 
reicher   ist  als  der  griechische  Toxi  bei  Öallandi.  Rubrnm: 

JK'^T'n"'  Dip'i^  KTD^ipi  n'vn  —  „Zn  Ende  ist  der  siebente 
Traktat.  Achter  Traktat,  welcher  g-egen  die  Melchizedekianer 
[gerichtet  ist],  von  demselhen  heiligen  Markus  dem  Einsiedler." 
Die  bei  Gallandi  auf  die  yiyniioXt]  ngog  a/oXuoxixuy  folgenden 
awei  Traktate  ^v^ßovXiu  nQoq  ir^i'  HtvTnv  tpv/rjy  und  Jh^  rr^ 
milaq  (Gall.  87  A  —  92  finden  sich  bei  dem  Syrer  nicht 
Der  Traktat  gegen  die  Melchizedekianer  beginnt  fol.  3'  Mitte: 
»niTTOb  :  "«m  «bpna  nbs  ya  wzhyh  td  .  Knvc573  yrc^  -,^3 

TO  öf  vre  aXTjd-tfag  xrQvyua  njioofo  nuQfixafrag  XTk.  Gallandi 
92  B.  Dieser  Traktat  ist  bei  dem  Syrer  vollstJlndig  erhalten. 
Da  für  den  griechischen  Text  nur  eine  Handschrift  bekannt  ist, 
80  ist  die  Übersetzung  unseres  Syrers  nicht  ganz  nnwirhti?. 
Ende  fol.  9 '(==  Gallandi  100  D)  mit  der  Unterschrift  iors 
:!<^*2X^3  N-^:^:n  "i-^irt-t:  .y^T^n^  o^p-'-:  Nd^npi  =  „Zn  Ende  ist  das 
Buch  des  heiligen  Einsiedlers  Markus,  welches  aus  acht  Trak- 
taten besteht."  Unmittelbar  daran  schliefst  sich  folgendes  Rub- 
rum N^pr'^n  [N"'T»n"»  u;:«  bC27i]«n^n'^oip*"7:N'd^ip"r-:b'^-?Nr-^rdrmn 
:  c^^V:  ^?■^r^  =  „Weiter  Erzählung  von  demselben  heiligen 
Einsiedler  Markus  [betreffend  einen  Einsiedler]  *  mit  i^amen  Mal- 
chus."    Anfang:  xnn  Nr^-p  n■^^^  •  p  pb*':  yr^p 

«"•33 .  Gi5b^  rr?3d-i  Nno  n^^^i       K^n  n"««  wina  .  «-^rns)  iripn^ 

=  „Dreifsig  Meilen  vom  syrischen  Antiochia  ist  ein  Dorf  mit 
Namen  Maronia;  in  diesem  lebte  ein  alter  M(^nch  mit  Namen 
Malchus,  ein  Wunderthftter  und  Heiliger.  Ich  aber  hatte  mich 
um  jene  Zeit  von  meinen  Eltern  entfernt  o.  8.  w."  Die  Er- 
zählung ist  nicht  gans  TolUtAndig  erhalten;  ee  fehlt  ein  Blatt 

1)  Die  syrische  Übersetzung  dieses  Traktats  findet  sich  auch  bei 
Wright,  Catologue  DCCCXIXg. 

2)  Wie  sich  ans  der  Erzähfnng  selbst  erffiebt,  «nd  die  einfS- 
klfinnmerten  Worte  vom  Schreiber  —  infolge  dee  HomoiioteleaCoa  * 
Tersehentlich  aoigelassen. 


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fiABTH4^BN,  EIKB  STBISCHB  HANDSCHBtFT. 


446 


nach  fül.  9.  Ende  fol.  11'.  Einen  g^riechischen  Text  zu  dieser  Er- 
ifthlong  oder  ein  zweites  syrisches  Exemplar  habe  ich  Dicht  gefunden. 

2)  Brief  dos  Antonius  fol.  11^  N^-^n^  c^:i:::n  t<n*ni?<  rnn 
nr?«  ^-^zi  «""i^n"  n^n  nbi  «•'i^n-n  i<d^T  =  „ferner  ein  Brief 

des  Herru  Antonius  des  Einsiedlers  und  Hauptes  der  Einsiedler 
an  die  Brüder  Einsiedler,  welche  aller  Orten  wohnen."  Am 
Bande:  cra:«!.  Anfang:  iiDmm  rtTabü  »r^»^  Dl»  bD  trrp  p 

Dieser  syrische  Text  des  Briefes  entspricht  dem  bei  Gallandi  IV, 
659  A  als  epist.  T  abg-edi  uktnn  latoinischen ,  welcher  folgender- 
mafsen  begmut:  „  rnmum  siilutri  vus  lu  Domino  Existimo  au- 
tem  animas  quascunque  apprelienderit  gratia  Dei  vocauiis  ad 
praedicationcm  snam  per  yerbnm  proprium,  habere  tres  modos, 
sen  masculos  sen  feminai."  Ende  fol.  13^  s  Call.  660 D. 
Zwei  wflitere  ^yrisobe  Bxemplue  dieaes  Briefes  befinden  sieh  in  der 
Bibliothek  dea  British  Ifneenni  Tgl.  Wrigh^  Catalogue  DCGXXVn, 
8'  nnd  DOCLXXIX,  5;  desgleichen  eins  auf  der  Katlonalbibliothek 
m  Paris»  vgl.  Zotenberg,  Catalogae  des  numiisorits  sjriaqnes  261,6. 
Zotenberg  Terweist  anf  swei  lateinisehe  Übenetinngen,  von  denen . 
die  eine  ans  dorn  Orieebischen,  die  andere  ans  dem  Arabieehen 
gemacht  ist,  bei  Uignot  Pairol.  cors.  compl.  8er.  gr.  T.  XL 
p,  978  nnd  p.  999.  Der  betreffende  Band  Ton  lOgne  ist  mir 
hier  [in  Kiel  1887]  nicht  sngfinglich. 

8)  Brief  des  Johannes  von  Theben.  foL  18*  Mrmt  am 
iratm^piTT»  An&ng:  mHsun  mranran  txr»  N'-'^.s-r  Nm^"»?23  . 
«t;""Er.:3  NnrT* p  M373  K'»b73n«ia  =  „Die  volle  Wahrheit,  welche 
durch  die  Erkenntnis  der  Qottheit  erfüllt  wird,  ist  Ton  der  fir- 
kenntois  selbst  verschieden.*'  Ende  fol.  16'.  Ober  Johuraes 
?on  Theben,  auch  Johannes  der  Einsiedler  und  Johannes  der 
Seher  ans  der  Thebais  genannt,  vgl.  Wright  Catalogne  im  Index 
und  Cureton,  Corpus  Ignatianiiin  1H19  p.  351  f.  Er  war  ein 
Zeitgenosse  dea  Evagrins,  dessen  Schrifteu  die  Handschrift  weiter- 
bin enthält.  Ein  griechisches  Oii|,nnal  zu  «nserm  Briefe  scheint 
nicht  vorhanden  zu  sein;  dagegen  riiuloii  sich  zwei  weitere  Exem- 
plare der  syrischen  Übersetzuner  bei  Wright  DCGLXXXIII,  2^  und 
DCCXCVII,  1.   Vgl  auch  Zoteuberg  239,  10. 

4)  Brief  Jakob  des  Sehers,  fol.  16'.  «"»Tn  aipyn  «n-a«  mn 
Anfang:  nb  yiTi  fiüSD  ^isn  NTabrr  w:*':»*:  Tn^icn  t<':;E5  fi<T>n«-i  hu 
=  „Wenn  die  Seele  von  den  schädlichen  Ereignissen  der 
Welt  gefaniren  gehalten  wird,  so  gereichen  ihr  diese  Ereig- 
nitiüQ  zu.  liüücli werden."  Kude  fol.  19\  —  Diciür  iirief  wird 
in  einer  Handschrift  des  British  Museum  (Wright  DCCXCVII,  3) 
dem  Jakob  von  Bakiae  (Samg)  beigelegt;  desgleichen  bei  Asse» 
mani  BibL  Or.,  T.  I,  p.  304,  no.  6.  Dab  Jakob  Ton  Sarng 

Z«ikichr.  t  K.-0.  XI.  S.  29 


44e 


den  Beinamen  „der  Seher"  g-eftüirt  hätte,  ist  nicht  bekannt 
Vielleicht  liegt  nur  ein  Fehler  des  Schreibera  der  Handschrift 
Tor,  der  die^  Prädikat  dem  Jakub  erteilte,  während  es  dem  Tor- 
hergenanDten  Johannes  zukam. 

b)  Eine  Homilio  des  Chrysostomus  über  die  Bufse,  fol. 
Kma-'n  bn  0''b:c«:-::;:.c--,"i  .s^-pcLwS  c'.\^t»  "^^121  n^^z»-^  An- 
fang: r.'«n"n^  V^n^nTab"»  inirr-oh  i:r     piT  =  uWii  Jüu^sötjü  hiei 
gewaltig  ächzen  und  senden.*'    Ende  fol.  21^ 

6)  Ans  dem  Traktat  Ephtum  gegen  Bardin&es,  fol.  21^ 
cmc»  ^  tßxSmpi  lii-n^a  bapiVr  turtamm  pa.  Anfluig:  swt«  m  m 
nttvSb  ttn^iv}  pm  ti^iD  1^  ^3  Mvn  im  sn^  Hb  1^  ^=  »S^o 
Wesen  ist's»  das  er  kennt  und  er  sieht;  in  ihm  wohnt  er  und 
Ten  ihm  geht  er  ans.  Preis  sei  seinem  Namen.''  finde 
fol.  22 ^  —  Teischieden  ?on  dem  bei  Overbeck,  8.fiphneflu 
Sjri  etc.  opera  selecta,  p.  132  abgedruckten  Stttclr. 

7)  YetBchiedene  Schriften  des  Evagrios  [Ponticns]. 

a)  foL  22»:  Mm»bn  anoiab  ipmoa  wrm  Tn^  ym  nVti  bor 
jno'TOan  turwp  mn  mbn  •  •  o-'^st«  "»n?:  «rns^^i  ^  »In 
der  Kraft  nnseres  Herrn  Jesus  Christus  beginnen  wir  zu  schrei- 
ben die  Belehrung  und  Ermahnung  des  seligen  Herrn  Evagrios 
an  die  Ein^icdlerbrüder  in  der  TVOste."  Es  sind  dies  die  Ca* 
pita  practica  ad  Anatolinm  bei  Gallandi  TU,  553 ff.  Die  Vor« 
rede  an  Anatolius  fehlt  bei  dem  Syrer;  sie  findet  sich  aber  an 
einer  anderen  Stelle  der  Hand^rltrift;  siehe  weiter  unten.  Der 
Text  be^'innt:  .  -^^ttz  »rpd/i-i  n\-**5<  [Nr]^rrr'"r  •  n  . 

•  Mt^bxb  Npm  —  XQiüiiuytouui;  tau  duyfia  lov  owirgog  T,fx(äy 
^h]aov  XgiOJOVy  ix  nQUXTixt'^Q  xa<  (fVüixtjg  xui  d-ioXoytxtjg  criT- 
taiu<.  Gall.  Vn,  554  B.  Die  syrische  Übersetzung  entspricht 
dem  griecliiöchen  Text  bis  fol.  28^'  =  Gall.  566  xa\  xa  zwr 
ayQuoy  O^r^giwy  duyftuiu  ^igamtoyTtg.  Die  bei  Gallandi  nun 
folgende  Schlufsanrede  an  Anatolius  fehlt  wieder  bei  dem  Syrer; 
dafür  folgen  bei  letzterem  noch  weitere  Sentenzen  bis  fol.  29' 
Ende.  Aber  auch  hiermit  war  die  syrische  liezonsion  noch  nicht 
zu  Ende  gefülirt.  Die  jetzige  letzte  (126.)  Sentenz  nämlich 
bricht  am  Schlnüs  der  Seite  (fol.  29^  mitten  im  Satt  ab.  Hinter 
fol.  29  fehlt  in  der  Handschrift  ein  ganzer  Enrrfls  (s  10  Blatt). 
Dies  jetst  verloren  gegangene  8tQck  hat  wohl  lanter  Schriften 
Ton  BTagrins  enthalten;  denn  foL  30'  (also  dasjenige  Blatt»  wel* 
Ohes  anf  die  Lflcfce  folgt)  trigt  die  Eolnmnenftberschnft  'mal 
lynv»  =»  „jom  Herrn  fiTagrios". 

b)  Dies  anf  fol.  30'  mitten  im  Sali  beginnende  Stück  ist 
der  gewöhnlich  nnter  den  Schriften  des  Klliis  an%enhrte  Trao- 
tattts  ad  Eologium  monacham,  welcher  steh  in  lateiniscber  Über» 
setzang  in  der  Bibliotheca  patrum  maiima»    XXVII,  fol.  246Fsqq. 


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BA£THOKM^  EIKE  SYB1SCH£  UAKDSCUKIFT. 


447 


findet  *.  Der  syrische  Text  beginnt  mit  den  Worten:  ywhy 
irtD  y^iiror  Aus  der  Vergleichung  mit  einem  anderen  Exem- 
plar der  byrischen  Übersetzung  im  British  Muauum  bei  Wrigbt 
DLXVII,  3  er^pebt  sich,  dafs  in  dem  Berliner  Exemplar  vurn 
zwOlf  Worte  fehlen.  Weitere  Exemplare  des  Syrers  s.  bei  VVright 
DLXX;  DCCXXXIV,  7 ;  DCCXXXV,  2 ;  DCCLXII,  1 ;  DCCLXXII,  3. 
Wrigbt  verweist  auf  Nili  opuscula  ed.  1G73,  p.  480.  Migne 
T.  79,  col.  1096,  Z.  5.  —  Ende  des  Traktats  in  der  Berliner 
Handschrift  fol.  41\ 

c)  fol.  41'.  0''"a"!5<  ^"^jzi  ■)T'ü''PDK  ^-in  =  „Weiter 
2^itrfiHüy  (?)  *  d66  seligen  Herrn  Evagriu;»**,    Anfang:  bütt 

uno  70V  uyt'ov  OQOvg  ty  ifj  ^xira  xad^t^ofiiyi^ ,  nod^dvoxuTt 
Lii}t/.ifi  .AyaioXa  xxi  bei  Giillaudi  VII,  553  A.  Dieä  un  Ana- 
t<jiius  gerichtete  Schreiben  ist  dasjenige,  welches  bei  Orallandi 
die  Capita  practica  einleitet.  Ende  fol.  42*'  =  Gall.  554 B. 
Andere  Exemplare  des  Syrers  bei  Wright  DLXVII,  40;  DLXIX,  2. 

d)  fol.  42*.  Eine  im  griechischen  Original  nicht  eriiaiteue 
Schrift  des  Evagrius;  sehr  lückeuhaft.    Rubrum:       nb"""!  ain 

p  =  «Von  eben  dem^selben  Heiligen.  Beweisstellen  und  Aut- 
«orteu  aus  den  heiligen  Schriften  gegen  die  Dämonen,  weiche 
VDB  versuchen".     Anfang:  pinr  n^xi  nV^ts  s:"»d  p 

„Von  der  vernunftii^en  Natur,  weiche  unter  dem  Himmel  ist". 
Von  dieser  Soluiit  liiulrt  sich  ein  vollständig  erhaltenes  syrisches 
Exemplar  bei  VVright  DLXVII,  4  unter  dem  Titel  „Über  die 
acht  busen  Gedanken",  l^ach  dem  Londoner  Exemplar  besteht 
sie  aus  einer  loiiiliMtiing  und  acht  Abhaiulluiv:jen,  von  denen  jede 
aus  vergchieilciien  Ötelleu  der  heiiiyen  Sclinft  zus;uniüL'ni,^estellt 
lüt,  welche  sich  aut  die  in  Frage  stehende  LcideTischaft  beziehen. 
In  dem  Berliner  ivxempku  ist  die  Einleitung  volislaudig  erhalten; 
lerner  die  erste  Abh.iiulluni;,  welche  bis  fol.  47  r,  und  die  zweite, 
welche  bis  fol.  bO^  reicht.  Über  die  nun  folgenden  Lücken  der 
Handschrift  in  ihrem  leUteu  Teile  ist  im  Anfang  dieses  Auf- 
satzes berichtet  worden. 


1)  Der  ^echische  Text  iat  auf  hieaiger  [der  Kieler]  Üibiiothek 
weder  in  der  Aiugabe  des  Soarez  noch  der  Ton  Migne  whandfin; 
1.  aber  weiter  unten. 

2)  Dies  sonderbare  Wort,  welches  das  Original  für  das  syrische 
irr:**p3»  sein  nmfs,  scheint  bedeuten  sa  sollen:  „ein  ans  der  Skete- 
Wüste  geschriebener  BneV^, 


2ü* 

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AllALEKTKN. 


3. 

Witteaberger  Dispii(ations(hesea  aus  den  Jahrea 

1M6— m 

mitgeteilt 
Yon 

D.  Th.  Kolde  in  Srlangeo. 


Ee  ist  eine  bekannte  Thatsache,  dafs  die  Wittonberger  Dis- 
putationen, teils  die  jeden  Freitag  statutenm&fisig  abzuhaltenden 
Disputationstibungen  ^  teils  die  znr  Erlangung  der  mancherlei  theo- 
logischen Grade  erforderlichen,  für  die  Verbreitang-  der  nooen  theo- 
logischoii  Erkenntnisse  von  grofser  Bedeutung  waren.  Nicht  die 
Studierenden  oder  die  Promovenden  stellten  die  Sät/e  auf,  son- 
dern die  Lehrer  resp.  die  Promot<:»ren  liefsen  über  vuri  ihnea  selbet 
anfgestellt«  Thesen  ihre  Schüler  disputieren  und  hatten  dadnrch 
Geleg-onheit,  die  (Jegeusätze  in  prägnanter  Schärfe  zu  bestimmen 
und  das  Für  und  Wider  nach  allen  Seiton  hin  erörtern  zu  lassen, 
und  allem  Anscheine  nach  sind  fast  alle  wichtigen  Punkte  der 
neuen  Theologie  vonseiten  Luther's  und  seiner  Kollegen  auf  diese 
Weise  der  öüeiitlichen  Verhandlung  untei-btellt  worden.  Nament- 
lich bedientü  sich  Carlstadt  dieses  Mittüld,  um  aeine  Gedanken 
in  weitere  Kreise  zu  bringen.  Wenn  wir  eine  Tollstäudige  Samm- 
lung der  Wittenberger  Disputationsthesen  besäCsen,  so  wflrden 
wir  foraoaetehtlieh  in  der  Lage  sein,  tob  Monat  lo  Monat,  ja 
Tiilliklit  Yen  Woobe  sii  Woetae  die  theologiaehe  £ntinokeliiiig  oder 
wvnigBteiis  das  jeweiligt  tbeologisebe  latoreeed-  der  Witteabaiger 
Lebxer  ivMgw  m  können,  denn  es  lilbt  eieh,  namentliek  im 
Jahre  1521,  «aeliweiflen»  wie  man  Aber  eine  a«l|ieworlbne  Fragfe 
alsbald  auf  dem  Wege  der  Diepatation  darflber  rar  darbeit  n 
kommen  anohte.  Aber  ebwobl  man  sebr  flrflb  Wittenberfer  Tfaem- 
reihen  in  aammeln  begonnen  hal  nnd  bis  smn  Jahre  15SS  be- 


1)  Vgl.  Libcr  decanorum  ed.  FÖrstemann  p.  148:  Circula riter 
aut^m  Diaputt  nt  Mag^istri  ornnea  secundum  eomm  Ordinem  Singulia 
sextis  ferijs,  Ejiceptia  vacajitijä  gcneralibus,  In  quibus  diaDuteut  liftc- 
Ctlanrej  ab  hora  ..Prima  usque  ad  hoiam  teraam.  —  imemaeb  ec^ 
klärt  sich  die  als  l'berücfarift  von  Thesenreihen  Yorkoaiiiieiidtt  Beaeieb- 
nung  disputatio  ciiculana  oder  themata  circularia. 


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KOLDE,  WITTILNIiüUÜüit  ÜISPU TATION STiliiSEN.  449 


niti  di«i  solcher  SammliiBgeii  getackt  torlagen  ^  let^  wie  fiele 
eineliie  Aidkeidmiuigen  oder  Draeke  «ach  im  Lwifii  der  Zelt  be- 
kennt geworden;  die  Zahl  der  noe  bekannten  namentlich  ans  der 
Anfimgeieit  eine  TerhAltniamft&ig  aebr  beschrSnkte.  Eine  nicht 
unwichtige  Brglnaiuig  su  dem  Torliegenden  Material  dtkifte  die 
ÜBlgende  Sammlung  bieten,  snmal  ^  darin  mitgeteilteD  Thesen* 
reihen  in  den  meisten  Fällen  datiert  werden  können.  Sie  Ahrt 
uns  durch  eine  doppelte  Thesenreihe  Carlatadt'a  in  dem  aUerersten 
Anfiuige  der  refonnatoriscben  Theologie  nnd  gewfthrt  sodann  einen 
nenen  Einblick  in  das  bewegte  Leben  des  Jahres  1621,  Als 
besonders  erfirenlieh  mOchte  ich  es  beseicbnen,  daTs  man  aniser 
von  Joh.  Briesmann  und  anderen  von  der  Tbätigkeit  des  Joh. 
T)<'^lsch  *  etwas  mehr  erfahrt.  Wufste  man  auch ,  dafs  er  durch 
seine  ParteiTiabme  für  Luther  sich  schon  früh  den  Zorn  Eck's 
zugozog'oii  uüd  von  diesem  iu  der  Bulle  g'egen  Luther  als  dessen 
Anhiinjjor  namhaft  gemacht  worden  war,  so  war  es  doch  bisher 
iinbekunnt,  dafs  er  allem  Anscheint^  n;ich  in  Luther's  Abwesen- 
heit neben  Carlstadt  eine  nicht  unbetleutende  Bolle  gespielt  hat. 
Die  Thesen  sind  dem  Cod.  Ms.  theol.  lat  Oct.  Iii  der  Beilmer 
Bibli  itliek  entnommen,  den  ich  bereits  in  meiner  Neuausgabe  von 
Ajo]anrhth(m  s  L  ici  coramunes  ^  kurz  beschrieben  habe.  Derselbe 
eiith;ilt  zuerst  die  seltene  Druckschrift:  Lutheri,  Moiancb.  Carl- 
stadii  etc.  etc.  propositiones,  Wittemliortjae  uiua  uoce  tractatue 
etc.  Basiliae  1522,  laut  Aufschrift  des  Eigentümers  auf  dum  Titel- 
blütt  (Donante  Ilanero)  ein  Geächeuk  vuu  Joh.  llaiiGr  ^  in  Nürn- 
berg an  Joh.  Hess,  den  Breslauer  Reformator.  Yen  Haners  Hand 
rührt  auch  wahrscheinlich  das  anf  der  BQckseite  des  Titelblattes 
an  lesende  Begleitsohreiben  desselben  her.  Dann  folgen  ange- 
bunden anf  Bl.  66 — 77  Ton  einer  mir  unbekannten  Hand,  die 
doher  lüoht  die  des  Job.  Helb  Uli,  eine  Znaammenstellmig  von  Witten- 
berger Disputationsthesen  ^  Ine  ich  nichts  so  sollten  sie  als  Er- 


1)  Vgl.  Biederer,  Nachrichten,  Bd.  lY,  S.  51  ff.  181  ff. 

2)  Einige  Tbpspn  von  ihm  sind  auch  hf*\  Rioderer  a.  a.  0.  be- 
sprochen und  nachgewiesen.  £8  wäre  sehr  wünschenswerti  wenn  ein- 
mal alle  die  an  deo  venohSedABtfteo  Orten,  namentlich  aneh  in  den 
„Unseh.  Naohriehten*'  piabliaierten  Wittenberger  Theien  amammwi» 

geiteUt  wCrfien. 

3)  Die  Loci  coiiununes  Pliilip]»  Mclanclithcai'H  in  ihrer  Urgestalt 
nach  G.  L.  Pütt  iu  zweiter  Auiiage  vuu  ueueui  bcrau^gegcbeu  und 
erläutert  Ton  Tb.  Kolde  (Erhüben  und  Leipzig  1890)  S.  260. 

4)  Vgl.  über  denselben  den  Artikel  der  deutsch.  Allg.  Biogiaphie 
Yon  Keusch.   Dazu  A.  Banr,  Zwingli's  Thcol.  II,  418fl^ 

5)  Des  weiteren  folgen  l^re  Blätter  und  hierauf  von  Heis'  Uand 
Abeehriftea  ftm  Briefen  Lother'i  an  Heft  (Bl.  96—104),  die,  «meH 
aie  bei  De  Wette  sich  nicht  fanden,  von  C.  KraSt  in  Elberfeld  ohne 
genaue  Beieiehnnng  der  QaeUe  in  den  Theologiiohen  Arbeiten  ans 


450 


ANALEKTEN. 


gänzung  zu  den  in  <ier  Drnckschrift  zu  losenden  dienen,  denn 
mehrere  derselbcu,  die  sich  zugleicU  in  dem  bczeiclmeteii  Drucke 
6nden,  8iud  später  durchgestrichen  woidtiu.  Der  Abschreiber  be- 
dient sich  sehr  vieler  zum  Teil  ungewölinlicher  Abkürzungen, 
nicht  selten  begcguon  wir  auch  Flüchtigkeiten  und  Lesefehlem.  Im 
Folgenden  kommen  sie  in  der  vorliegenden  Eeiheufulge  zum  Ab- 
druck, doch  so,  dafs  bei  den  bereits  bekannten  nur  auf  den  Druck- 
ort verwiesen  wird.  Die  Thesen  sind  lui  Manuskript  überall  num- 
mericrt,  dagegen  rührt  die  Kummerieruug  der  einzelnen  Beiben 
von  mir  her. 


Bartholomens  bernluirt  feltkyrehen. 
theologiM.  baccalaa:  snh  d.  Andree  CazoUtaten:  theologio  doeto: 

(25.  September  1516)  K 

1.  Dilta  Banctonun  patrum  non  sunt  neganda, 

2.  Nisi  essent  correcta  Tel  retractata. 

3.  Si  fncriut  diuersa  non  secondiun  nndom  placitom  smit 
fiUgenda.    Contra  mnltos. 

4.  Sed  ea  quac  diuinis  testimonÜB  magis  Tel  xadone  inuantor. 

5.  Inter  sufifulta  teatimonijfl  praefenmior  qnae  enidenoioribos 
nitantur  anthoiitatibu. 


dem  rheisüachen  wisseuschaftlicheu  Predigerrereioei  Bd.  11  (Elberfeld 
1874),  8.  92ff.  ahgedniekt  ivoiden  abd;  ftner  wiedemm  nach  «iner 
Beihe  leerer  Blätter  auf  BL  111—135  Absei  rift tu  v«  n  Briefen  Me- 
Ianchthoa*8  an  de&selboi,  mm  SchlulSi  ein  Brief  Mfilanchthon'a  aa 

Moib&nuA. 

1^  Diese  Thesen  (BL  56),  von  denen  Kiodcrcr,  Nachrichten 
IV,  65  die  ereten  fünf  mitteilt,  sind  in  einer  Termutlich  1520  heraui- 
ge^bensD  UefaieB  Siinmlnngt  Inägninm  theologonim  etc.  eoadwnonm 
varie  etc.  (vgl.  Biederer  lY,  58)  gedmelEt  erschienen.  Erst  oach- 
dem  diese  Thesen  bereits  gesetzt  waren,  erfuhr  ich,  dafs  Th.  Briepr'^r 
(vgl.  dessen  Mitteiluug  weiter  unten)  einen  andoron  l^ruck  der  seit 
Biederer  (vgL  Luther's  Werke  Weim.  A.  I,  223)  verscholleneu  Samm- 
lung wieder  anigefonden.  Die  mir  gütigst  mitgeteilten  VatieaitaB 
konnten  als  solche  oieht  überall  markiert  werden,  aind  aber,  eoweH 
sie  oßcubare  Korrekturen  des  Mauuskriptes  boten,  ohne  weiteres  auf- 
genommen worden,  ebenso  die  nur  im  Druck  sich  findenden 
Bemerkungen  „contra  etc.".  Der  Druck  beginnt  nach  je 
iwanstg  Thesen  eine  nene  Zählung.  —  Riedeier  (a.  a.  0.  S.  54  ff.)  mM 
andere  (z.  B.  Jäger,  Carlstadt,  S.  6£)  haben  fOr  GaileCadl'e  am 
26.  April  1517  verofientlichten  Thesen  gehalten  (Tgl.  Loscher,  Be- 
fozmationaakfeen,  S.  846  und  £nder«,  liuther's  Briefwecbeel  I,  97)l 


I 


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KOLUE,  WiTTENUEKGEK  DÜsFUTATIOKbTIlESEN.  451 


6.  8i  Tarieias  inier  dieta  ttiiiu  doototis  absqiie  eonoordb  n- 
periiur  posteriori  standoiii  «et 

7.  8entenciabeatiAi]giiBtiiu!niDOxaUbiiaiiiillioedii  Contra  oan. 
8*  Homo  exterior  aut  pioiecta  ant  defecta  intoriorie  hominis 

oomimpitor. 

9.  Homo  exfterior  potest  fieri  templom  dei* 

10.  Homo  intorior  eztoriorem  mpicK  et  in  sui  compaiadone 
foednm  Tidet. 

11.  Homo  interior  in  ipso  animo  consistit* 

12.  Canaa  exereendi  ingenii  eusttnebitor  qnod  homo  interior 
est  exterior  sed  non  eeontm. 

13.  Per  aaonunentnm  tegenmtlonia  solnitor  reatos  aed  manet 
lex  peccati. 

14.  Spectale  estinpeccato  bereditario  qaod  reatn  aoluto  oon- 

cnpiscentia  rn.inot. 

15.  Per  idein  sarnimontum  Üt  p]en:L  rcmissio  pcfcntonrnt. 

16.  Market  tameu  peccatum  in  membxis  tamquam  superatum 
et  peromptum. 

17.  Item  mortaum,  sed  nondnm  aepultum  et  adhuc  sepe- 

liendum. 

lö.  Et  donec  sepelietur,  trahit  ad  mala  et  peccata. 

19.  Et  reiiiuiscit  per  illicitas  conaensioDes  et  in  regn um  pro- 
prium dominaciüTiem(|iie  rouocatnr. 

20.  Sicut  duui  (juiö  delectatur  in  bono  opere  quasi  perfecto 
fiuperbia  erigit  caput  dicens  Ego  vino  ^  quia  tu  tnumpbafi. 

21.  Yoluntas  nou  übertäte  consequitur  gratiam  sed  econtra. 


Contra  communem. 

22.  Yt  bene  Yolimos  soUns  dei  est   Contm  eommnnem. 

23.  Et  qnod  Tolnmna,  nt  fiMsiaaras  bene  del  est 

84.  Hnilk  bona  merita  praeeednni  graoiam.    Contra  eom- 


25.  Immo  seriptmnt  doost  nednm  mala  merita.  Sed  et  scelera 
praeoessisse  iostifieadonem. 

26.  Feeimos  mala  et  Tenemnt  bona. 

27*  Bens  est  qni  pnlsat  liberom  arbitrianu 

28.  Qni  Operator  in  cordibns  bominnm  qnae  Tolnnrit 


Die  Ühersclirift  rrfriclit  aber,  dafs  sio  bei  der  Promotion  des  Barth. 
Berubai  t  /mn  iSententiarius  rerteidigt  worden  sind.  Diese  fand  aber 
Bchoa  am  25.  September  1516  statt:  Lib.  dec.  p.  19:  Eodem  anno 


Bartholomeus  Bernnardj  feldtkirchen  etc.  .  .  .  videlicet  do- 
minus bartholomeus  promotionem  ad  sententias.  Damit  wUre 
wohl  die  erste  reformatorisch  gerichtete  Knadgebung 
Carlttadt's  wieder  auf  gefanden.  Sie  aeigt  fibriKons  tchon 
«Uenthalben  die  Ansätze  der  späteren  Entwickelnng. 
1)  Im  Druck:  viao  et  ideo  riuo. 


munem. 


453 


ANlUEKTEZr. 


39.  Qni  Tolimtates  hominis  qaoconqiie  folawü  Inelinai 

80.  Qni  anfert  cor  lapideum  et  dat  cainenm. 

81.  Qni  ntiliir  eordituB  mdontm  ad  landam  bononiiii. 

83.  Telia  et  noUe  sie  est  in  Tolentia  potaatate  nt  dei  Tolaa* 
tatem  non  impediat   Contra  oommiinem. 

38.  Dens  magia  habet  in  potealate  fdnntatea  hominam  qaam 
ipai  anaa. 

84.  Homo  ante  gratlam  poteat  fiuere  actmn  non  legiUimanL 
35.  Non  poteat  renonari  abaque  intereeealene  mediatoila. 

86.  Dona  non  praetendit  ioaticiam  aoam  hominiboa  qnia  lecä 
annt  corde»  aed  nt  reoti  aint  corde. 

87.  Sine  dao  opeiante  nt  Telimns  et  eoopeinnta  enm  ▼danras 
nt  faoiamna  ad  bona  opera  nihil  Talemna.   Contra  Soholaatieoa. 

38.  Gratia  fiieit  nt  inTOoetnr  dena.   Contra  eommnneni. 
89.  In  nnllo  bono  opere  nos  Indpimaa.   Conti»  eandim. 

40.  HereÜcnm  eet  eonflrmare,  qnod  dena  in  donia  ania  ät 
poaterior  et  noa  priorea. 

41.  Hon  debemna  nobis  capnt  ad  bene  fMiendam  fioete. 
43.  Nemo  conAigit  ad  dominnm,  nisi  Tiam  daa  volet  Contra 

conunnnom» 

43.  Deaidetare  anxilinm  giatie  eat  inietam  graüa«.  Contra 
omnea  qnaai  acholaatiooa. 

44.  Jnatifteatas  niai  dimnitoa  adinnetor  reete  Tinere  non  poteiL 

45.  In  bono  fteiondo  Uber  eaae  nnllns  poteat  niai  Ubetatoi 
fiierit  per  Chrietnm. 

46.  Diapoaitionea  de  eongrno  ez  parte  honünla  magia  aont 
ridende  qoam  ponende.   Contra  omnea  qnaai  aeholaaticoa. 

47.  Poaaant  antem  ex  parte  dei  aliqno  modo  poni 

48.  Omnis  canaa  de  congnio  ei  est  eaoaaiia  eat  canaa. 

49.  Kertta  mortifloata  non  aant  diapoeielenea  ad  inaliflea» 
cionem.   Contra  Seholaat  Gab. 

50.  Feeeatoiea  non  aont  monendi  ad  fiudendnm  bona  epeia 
in  genere.  Contra  quasi  omnes  seholaatlooa. 

51«  Nee  ad  opera  nt  dispoaitionea  de  oongrao  ad  giatiam. 
Contra  eosdem.   nurabüe  sed  vemm. 

53.  Sed  ad  opera  proprio  diota  bona.   Contra  eoadem. 

53.  Bonitas  meritoria  (nt  aiunt)  non  presupponit  monlem 
bonitatem. 

54.  Conflnnare  qnod  peccator  qal  mortaliter  peccaidt  debsl 
fjicere  bona  opera  ex  genere  ut  facüios  sanetor  est  peniertsre 
scripturas.   Contra  eosdem. 

55.  Blandiri  liberam  arbitriom  est  ipsum  praecipitare. 

56.  Conuersos  dens  ianat,  adnersos  deserii 

57.  Sed  nt  conuertamnr  deus  adinnat.    Contra  sch.  Tb. 

58.  Ad  iusticiam  nemo  conuertitur  nisi  operante  gratia  sanetor. 


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KOhDE,  WlXT£Nfi£aa£&  DIAPUTATIOMSTHIUH.  46S 


59.  Nec  ideo  soiiä  fotis  a^^endum  est,  qui&  adiutor  noster 
deus  est. 

60.  Cormit  hoc,  qaod  Angoätinus  contra  hereUcos  loquilor 
•xeessWe      Contrit  modernos. 

61.  Aliud  est  nihil  mali  fttcere  aliüd  facere  bonum. 

62.  Qd  HGC  quid  boni,  nec  mali  fecerunt,  condemnautor. 

63.  Guins  sint  illi  serui  ignoro. 

64.  In  malü  fiicieudo  tarn  iusticie  quam  peccatt  semus  Uber  est. 

65.  Praecepta  dei  inaniter  darentur  bominibus,  si  liberum 
Toluntatis  arbitrium  mm  haberent 

66.  Freceptis  diuinia  admonetar  liberum  arbitriumj  ut  graciam 

^aerat. 

67.  Lex  inciitit  nobis  dolorem  quem  non  eauat  sed  admonet 
ut  medicum  qucramus. 

68.  Lex  demonstrat  vicia. 

69.  Lei  oatendit  nobis  noBtram  inflimitatem. 

70.  Vt  supplicoiniirf  rcfürmatori  iio  in  illa  remaneamus  foeditate. 

71.  Vt  sencientes  acuieum  correpcionis  ezcitemur  ia  maiorem 

affectum  oracionis. 

72.  StrepituB  correpciouifi  foriufiecus  per  mandata  insonat  et 
fiageilat. 

78.  Deus  autem  iutrinsecus  occiiltn  inspiracione  opcratur  volle. 
74.  Sicut  cognicio  g-encium   quae  doum  coguitum  non  siout 

deum  irloriiicauenint  non  profuit  eis  ad  talutem. 
76.  Nec  ad  opera  bona. 

76.  Ita  non  lustiticat  eo8  qoi  per  logim  dei  oognoscunty  quem- 

admodtun  sit  viueodum. 

77.  Tta  cofi^iciü  leiris  et  volnntas  ei  se  confonOABS  non  est 
dibposicio  praeuia  ad  gratiam.    Contra  Scotnm. 

7ö.  Ita  nec  attricio  perfectissime  circnmstancionata  in  genert 
momm  est  disposicio  sufücieiis  ad  iustiticacioiiem.  Contra  eandem. 

79.  Bi  contncio  yel  attricio  rcquiiitor  ad  iofltificaciooem  tunc 
Tt  actus  concomitans  non  preuius  '\ 

80.  Vt  actus  formatus  non  formabilis. 

81.  Percator  sine  omni  disposiciono  sufficienti  de  COOgmo  ex 
parte  eins  icstificatur.    Coutra  quasi  omnes. 

82.  Facilo  tarnen  est  saluare qood  spud  deum  non  est 
acceptio  personarum. 

83.  lustificacio  factores  legis  praecedit  non  sequitur. 

84.  Lex  sine  gratia  est  littera  oceidens»  in  gxatia  spiritiis 
Tilüficans. 

1^  Vgl  Lnther's  Thesen.   Weim.  A.  I,  224. 

2)  im  Dniek:  pnerias  mnltot  jedenfiüls  ffir:  pfaeriiis.  Cool» 
mvltos. 

3)  Im  Dniek  fehlt  sahraie. 


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454 


AKALBKTlSir. 


86.  aiaftift  Mi  hob  kgis  dUeotom  0I  flwtoiw. 

86.  Cöndeleotari  legi  dei  trt  donum  spiriti»  non  littara. 

87.  Lex  sine  grida  fiuit  praarioatoM. 

88.  Non  iustifteator  bomo  precaptis  bone  vUe. 

89.  Non  lege  opemm  nec  liiftara  nec  factonun  meritis. 

90.  Sed  per  Hiera  Christi  epiritom^  lege  fidei  et  gratia. 

91.  Homo  tan»  gratia  nnlla  pnMoapta  l«gi»  polaet  in^lera 
eciam  imperfeote.    Contra  eommnnem. 

92.  Implere  imperfecte  non  est  implera  qnaatam  ad  aabstaB« 
tiam  operis.    Contra  Capreolum. 

93.  Implere  perfecte  non  c?t  implere  qiiantum  ad  substantiam 
operis  et  raodiiai  atrendi  qui  est  ex  cbanlate.  Contra  Capreolum. 

94.  Modus  ageudi  non  est  sepaiatos  a  sobstantia  operis. 
Contra  eundem. 

95.  ObÜL'-atus  ad  faciendum  ex  charitate  non  peccat  morta- 
liter,  si  neu  ex  omni  parte  implet.    Contra  Scotum. 

96.  Peccat  autem  si  nulla  ox  pm  lo  implet.    Contra  enndem, 

97.  Obseroacio  praecepti  üim  charitate  seu  gratia  nednm  est 
invtilis  ad  \' itain  aeternam  sed  occideng.    Contra  Capreolum. 

98.  Per  auxilium  sen  adiutorinm  speciale  nnllum  praeceptom 
in  aliqua  parte  potest  irapleri.    Contra  enndem. 

99.  Supposito  quod  uon  pertinot  ad  gratiam  iufitiücantem. 
Secandam  euudem. 

100.  Auxilium  dei  praevenientia  non  est  diatinctam  a  dono 
ioatifleamta.   Contra  enndem. 


1.  DecaloguB  excepta  sabbati  ubseroacione  a  Christiano  est 

obsemandus. 

Ad  litteram  tarnen  obseniatiis  äuget  concnpiscenciam  ac  ini- 
qnitatem  et  facit  super  moduni  peccatores. 

2.  Piueceptum  luaAiinuin  de  diliguiido  douiu  et  piuiimimi  se- 
cundnm  litteram  occidit  non  viuificat 

3.  Omnis  lex  attramento  scripta  est  ministracio  mortis  et 
dampnacionis.    Contra  Sanetnm  Tbomam. 

4.  Scripta  antem  digito  dei  est  ministracio  IibertatiB  Spiritus 
et  grakiae  *. 

5.  Lex  lldei  in  tabnlis  cordiB  camalibna  aciipta  est  ipsa  cbi^ 
ritaa  difhia  in  eordibna  noitiia  per  apiritom  aanotum. 


1)  Tm  Msk.  per  Hdcin  Iliesu  Christi  fpiritlL 
3)  Spiritus  et  gxatiae  feblt  im  Msk. 


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KOLDE^  WiTTENBEKGEii  DiäPUTATiOMSTH£8£M.  455 

6.  Op«n  cliaxttitis  in  cbaitli  soilpta  l«x  «ifc  opmiii  «( ttt- 

7.  Eadem  gnd»  in  v«tai  testaiMto  liütelMit  qiie  in  Clirieti 
enaofdio  diipensata  est 

8.  Lex  ToloB  talia  oonttsebat  ptaeoepta  inailde  qnaUn  ntinc 
qnoqiie  obamare  preetplmiir. 

9.  Lex  enaogelii  scripta  est  Tetm  K 

10.  IndigemiiB  deo  doetove  et  adiatm  ne  deoUnetor  in  noble 
anmiB'  iniquitas. 

11.  Tolnntati  dei  nemo  resistit 

Beus  ex  mlsericordie  qmbudam  donet  penam  peeeati,  n 
qnibnsdam  inste  exigit  penam. 

12.  Praescientia  dei  est  immvtabüis. 

13.  Figmentom  nihil  potest  opponere  aao  figolo. 

14.  Vocacio  '  est  principiam  bonorum  opemm. 

15.  Vocati  atqne  illuminati  mandata  dei  cognoecentee  Tel 
lilHMTO  elignnt  vel  relinqnnnt  arbitrin. 

16.  Non  omuee  Tocontar»  neo  omnes  vocati  sequimtor  to- 
cantom. 

17.  Anxilium  gratlae  eciam  specialis  mocionia,  vt  aiimt  qui- 

dam,  multis  decst.    Contra  Capreolnm. 

18.  Soluin  illis  non  deest  qnibus  deosso  nuliierit  deus. 

19.  Perseuerancia  in  dilecciune  pertinet  ad  gratiam  dei. 

20.  Et  ideo  oratio  Christi  pro  petro  uon  erat  inaais  ne  soa 
fides  deficeret. 

21.  Filij  perdicioniim  licet  iüci])iaiit  aliqüando  bcno  vinere  ac 
iuste  ambulare  de  hac  vit.i  tarnen  non  uufüiuntiLi-  nisi  cooiderint. 

22.  Attamea  talui  peiopeculatores  sunt  corripiendi. 

23.  £lecti  secundnm  propositum  interdum  labnntur. 

24.  Tenetor  velle  suam  dampnacionem  cni  est  revelata. 

35«  leta  aatberiiaa  dena  vult  omnes  *  salnoa  ^eri,  minus  bene 
exponitoT  de  TOhmtate  anteeedente.  Contra  See.  Tbeo. 

26.  Pntamna  neo  in  deo  nee  in  bomlne  anfeeoedentem  Tolvn- 
tatem  eeae.   Contra  eoedem. 

27.  Dona  natoralia  et  legea  ceoto  non  aont  de  Tohmtete 
anteeedente.   Contra  See.  et  aUoa. 

28.  Kec  iDa  adiotoria  eonunnnia  qoae  ponantnr. 

29.  Ad  praedictam  avtoritatem  antiqnna  lieet  non  nmltom 
freqnentataa,  attamtn  venia  daibifcnr  inteUectoa^ 


1)  DicHO  Thcsp  fclilt  im  Drook. 

"2)  Oninia  nar  im  Druck. 

ö)  Mak.  und  Druck:  Yacacio. 


5)  So  Msk.  Im  Dmck  antiqniu  —  inttUeetns  In  Klamnieni  md 
faieiaof  Adverte  wo  aooet  oontia  etc. 


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456 


ANALEKTEN. 


90*  CoadnsiiM  eniu  Tvli  niaarotoi^  et  qwak  ndt  kiinL 

31.  Dana  vocatis  onwa  atadiiim  ad  apiritalia  mtMm 
femübaa  at  TineantUnia  aaronaa  bofiftar  ataxnaa. 

32.  Tita  atama  noB  dabatur  inala  aparaati  cm  gratia  ii 
aondigna.   Cantra  Gapraolom« 

33.  ^ta  atarna  aat  gratia  data  pro  gratia  ex  nuMiieoidii 
at  mlaantiana. 

34.  K<m  aal  ioatoa  in  terra  qni  aaraat  p^coato  in  aam. 

35.  Non  est  iostus  in  terra  qai  non  habeat  peceatoA  ia 
apiritn. 

36.  Non  aat  ioatna  in  terra  qui  per  iostam  actum  qao  bau 
A«it  non  peccet. 

37.  Per  hoc  tarnen  peccatum  deus  non  ?ult  iostos  esse 
dampnabiles  sed  hnmiles. 

38.  lufitos  ergo  simul  est  bonufi  et  malos,  filius  dei  et 
aaenli. 

39.  Exceptis  Christo  et  eias  matre  non  fuit  nee  est  nec 
erit  iustns  in  terra  sine  peccato. 

40.  Kon  potest  iniustus  habere  actum  deo  adeo  placenten 
quantam  displicnit  ?eiiiaio.    Contra  (jiabri(?lem. 

41.  Deus  iion  procipit  homini  impo:=sibilo. 

42.  Lex  dei  imperat  multa  impossibllia  homini. 

43.  Doctrinä  Aristoteliä  in  scolis  tbeoiugoium  lacxt  mal  am 
muturam. 

44.  Sillogismus  ex  motha])hisir;ili  et  credita  raixtus  iusoreiis 
pro  credita  non  concludit  pro  dobiliuri  premiscsa  ^    Contra  Scu. 

45.  Habere  peccatum  in  corpore  non  est  poccare. 

46.  Iliud  peccatum  concipit  partus  et  parit  peccata. 

47.  Propter  quos  partus  dicimub  dimitte  uobis  debita. 

48.  Qaod  nequeunt  nisi  ßlij  dei  dicere. 

49.  Peccatum  veniale  proprio  est  peccatum. 

50.  Kec  contempnendura  sed  timondiim. 

51.  Foecunda  veritatis  auotuntaä  ^  ac])iu8  discussa  melius  cogno- 
scitur.  et  veram  couuenienciam  parit  quam  mamfeetis  sermom- 
butt  abscondit. 


1)  Msk. :  inferens  —  concludet  —  debiliura. 

2]  Dniek:  awstoritatii.  Diese  fnr  Carlstadt  ehttakterisfisete 
SeUnuthese,  die  Tielleieht  die  vorangegangenen  Paradoxien  entschul- 
digen 8oU ,  will  wohl  mfion ,  p'mf  öftere  Diskussion  über  die  n*iche 
Wahrheits^utlb'  (foecunda  veritatis  aucturitas,,  die  heilip;»'  Sciirift, 
führt  eher  zu  Klarheit,  zu  wahrer  Harmouic  uud  Übereiustimiimüg, 
als  bestimmte  Anssagcn,  die  sie  vialmehr  Terdiinkehk. 


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KOLDEy  WITTBNBBROIR  DlfiPOTATIONSTHEaBN.  4I»7 


IL 

Magister  Fnuieiseiis  ßfinthems  sab  rererendo  jNitre 

Mar.  Inder  ^ 


m. 

£x  TheologU  *. 


I?. 

Thomas  NoTidagius*  sub  domino  doctore  Johanne 

Boelsch. 
(4.  Oktober  1521.) 

1.  Keno  aiii  qii  eooiiems  et  hiimUis  foerit  ft  panmliia» 
quem  dMuans  ia  nedio  dtadpnlonua  statnit^  regnam  eelmm 
intrabit»  qaoa  et  domiaas  beatoe  dklti  qaia  eos  paapeiie  epirita 
tidit. 

9.  Maioritas  i|[ifar  ia  Mgao  eelonua  haaiilitate  aietitttr,  teete 
ergo  freqaeatiiie  miaisteriam  quam  potestas  toeatnr. 

8.  Hiae  emre  tarn  hy  eoaaidoatar»  qal  eedeeiaatieiDi  pxae- 


1)  Abgedruckt  zuletst  in  d.  Weim.  A.  I,  224  f.  Im  Toriiegendea 
Manuskript  beginnt  naeh  These  24  eine  neue  bis  25  reichende  Zih- 
Inn^,  wobei  die  W.  A.  I,  225  als  96.  geMhltc  These  sicher  fiebtk^  in 

zwei  gftrilt  wird.  Dann  weiter  immf^r  nrxc.h  25  T'hosnn  eine  neue  Zäh' 
long,  iibcr  These  55  wird  wiederum  in  zwei  geteilt,  ao  dai's  der  Codex 
99  Theseu  g^eu  97  der  W.  A.  zählt.  Die  Zusätze  coatra  Schol., 
contra  Gabr.  nhlen  überall,  hier  und  da  aind  Worte  IbrtgefidleB. 
THe  Varianten  sind  belanglos.  Die  Protestation  am  SchluTs:  In  his 
▼eile  etc.,  die  aicherlich  im  Uidmck  gestanden  bat«  fehlt  im  Ifta- 
nuskript. 

2)  Es  folgen  die  Heidelberger  DisputatioBsfhesen ,  ygl.  W.  A.  I, 
354  mit  der  Zweiteiltuig  Ex  theologia  und  Ex  Philosophia  mit  neuer 
Zahlung.  Am  Scblufs  der  ersten  Abteilung;  Leonardus  Bayer  arcium 
magiiter  sub  reuerendo  Biagistro  S.  T.  Mwtino  I«athero.  In  These  22 
fehlt  ex  vor  o^eribns. 

a^  VgL  Liber  decanoram  p.  25:  D.  Thomas  Nooidagios  D.  Joanne 
Dolscn  preside  die  4  Octobris  respondit  pro  Baeanliwteahi  Biblieo^ 
quem  ad  Bibliam  rocaat  et  promotus  est. 


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468 


fBetoram  diuitijs  prompta  pompa  etc.  constare  pntant  titolis  plus 
quam  rebus  gaadentest  qjam.  iati  qui  aliom  &  Ciixisto  pnmam 
qaerunt. 

4.  Cum  igitur  illi,  (qui  scandalisanerint  ynum  de  pusillis  istis, 
qui  in  Christum  cretlunt)  expetJiat  ut  mohi  azinari:!  suspondatnr 
in  Collum  et  in  profundum  mariä  dimergatur  mimm  quod  cliri- 
stiana  pacieucia  tot  scaudaloflai  tot  inania  ventris  animalia  iioa 
dadum  eieoit. 

5.  ^am  Don  tantnm  manns  aut  pedes  scandalizaates  ab- 
acidenda  praem  nuit  sed  et  ocnlum. 

6.  £  quibus  Christi  milos  facilo  discet.  qnani  nihil  mortois 
capitibus  cornalibus  symeiä  debeat  nisi  ah  i  lua  iermeuto  cauero 
borrendamquo  meutis  eornm  cecitatem  ^  detestaii. 

7.  Quomadmodum  ergo  fitötuosa  altaque  phuribconim  super- 
cUia  caueiida  docuit,  ita  bumiles  abiectos  parunloa  in  nomine 
suo  recipiendos  voluit. 

8.  Tum  ideo  quia  ipse  est,  qni  in  talibus  requieacit,  tum 
eciam  qaia  angeli  eorum  fuciem  Uoi  vident. 

9.  ündü  iiuu  lüiprobabilitcr  qui  dam  sancti  collogerunt  hominis 
btudia  angelicis  miniöterijs  nun  carere.  quare  et  vniuersorum  do- 
mino  de  tantis  bicut  et  di)  umnibuo  mua  böuelioijo  mu>er  homo 
dübeat  iuges  gratiad  agere. 

10.  Nec  tarnen  ideo  scquitur  quod  angelis  sicut  nec  sanctis 
alijs  templa  sint  constraenda,  aut  alia  sacrificia  exhibenda,  qnot 
et  Augustinus  volt  plus  charitate  quam  aernitate  Tenenri 
oportere. 


Joannes  Tnestermannns.  F. 
Bacoa:  sub  d«  Johä.  DoeLsdi^. 
(3.  «Taauar  1622.) 

1.  Cbristiani  hominis  vnica  lex  est  nuUam  habere  legem. 

2.  Ac  periude  hoc  vmcum  illi  esto  Votum  Semper  et  ubique 
liberum  esse. 


1)  0.  cecitatatem. 

2)  Bl.  Vg:l.  Libpr  decauorum  p.  27 :  Tercia  Jauunrij  Aimu  22. 
Kespoudit  rüiii^uauä  putür  Johamicä  Vuuatermaiinua  lippiaiius.  prae- 
lidft  Jobaane  Daiiieli  ^ritfcirfthio  pro  fdbnalvm.  fbeitqve  fiwieaaa  et 
admisrae  est. 


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KOLDEy  WlTTBMBEBaBIt  OIBPOTATIONaraBBBK.  45d 


3.  Cnm  enim  ex  deo  L     apixiftii  Chriiti  (qui  peocan  aaqtiit) 

Sit  natus  Cbxistianus. 

4.  Qnomodo  legem  enstiiiebitt  qiue  peceatoribns  ponit&r  anl 
TOtum  qnod  epiiitos  rnrnqnam  mm  deiogai  libeitatL 

5.  Neqae  enim  minus  quam  legis  eeniitiu  Totoram  remaiiei* 
patio  repugnat  SUerom  libertati. 

6.  Vota  te  oonaeotant  operiboe  s  qnibue  nisi  ftwrie  per 
spiritum  Bolatus, 

7.  Inter  ftlios  dei  recenseri  non  potee  qoi  ioge  eabbaiom 
celebrantes  spiritu  dei  agtintur. 

8.  Siuo  ergo  ex  necessit^ite  quis  votierit  iucredulus  fuerit  deo 
qoi  omnes  cupillos  credeucium  numero  signauit. 

9.  Siuu  ex  deuütione  (ut  aimitj  impiiis  fueht  in  eum,  qoi 
Gontento  Facritn  lo  aures  audieudi  postulat  tantom, 

10.  Siuo  ex  spo  perfectiorid  vite  vanus  foerit  et  mendax  ex 
simulachiiä  operuin  mctienä  imino  menciens  pietatem. 

11.  Hoc  tarnen  quod  vltiiiio  ])Osul  sicut  maxima  vestitur 
specie  pietaiis,  ita  pluriiaam  iiabet  et  omnibos  mandatis  dei 
pugnautem  iiupititatem. 

12.  Christianus  vni  fidit  deo,  votarius  autem  (prae  cot^ris 
statum  perfeccionia  professos)  pantbeo  fidit  iiiüuitaram  cere* 
moQiarum. 

13.  Christian  US  giorilicat  nomen  dei,  quod  soluui  Tiudicat  ab 
iaiuiijs  laiiiiariorum. 

14.  Votarius  liunnrom  ordinis  et  uumeu  msÜLutuik»  buiio 
ilüüS  (luot  pü.6üibua  prüiüittit. 

10.  Ohristianus  sabbatum  nanctificat,  votarias  aoruit  d^ä 
alienis,  qui  nou  dant  Uli  requiom  die  ac  nocte. 

16.  Christianus  morem  geht  parentibus,  votarius  per  calcatum 
in  limine  tnmsit  patrem,  contempnit  Tbera  matris  et  ad  talia 
sei.  erncifld  TvxÜla  ten^ii  Avtlioie  Hliroidmo.  sed  male  in» 
tellecto. 

17.  Sgeat  eigo  Tel  flune  pereat  parens»  eaeins  est  fotis  et 
eellnla  conelndi,  quam  diraptis  illis  parentom  neceisititibQa  sfib- 
iNoue* 

18.  Christianiis  sicnt  non  ooddit  ant  fturator»  ita  qnicqiiid 
«t,  qoicqmd  babet»  quicquid  potast  molta  cbaritata  Ikitribw 
jmpaitit  ^ 

20.  Qusadeqnidem  eztia  secnlnm  est  et  mundom  et  panper 
non  liabens  quod  tribnat  neceantatem  paoieatL 

21«  Sod  nt  aeoipaat  et  alisna  conrodat  ac  macita  tocios  or- 
dinis celeetem  sex.  mereedem  pro  temporalibos  commntat. 


1)  Nr.  19  fehlt 


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23.  OlinttiAiiitt  na  iH  mecliiif  eistamm  inq^tüunm  indicMte 
spixita  ramedinm  aooeptftt. 

28.  Toittins  (ut  nesdo  qnol  ftmoltt  im  alüs  aMratlu) 
BQptimB  meoDBiiIlo  sptrika  abiuni 

84.  ClllivtUuliiB  (qui  ym  ftierit)  pro  deo  pro  enaagilio  pi« 
fra.tr«  stat  iertis  «t  mtzpngnilMlis  nraros. 

26,  Yotaiii  pro  pi^pUo  ordai  et  fragmiae  pania.  hoa  quin 
eoEnmnt  paluilloB  et  oeraicaUa  anb  oauii  cabito  maaaa. 

26.  ChnatiuiQB  ehiritato  qaaa  babet  in  fiatma  ooaeapii- 
oeatya  snia  pMsiniis  freno  ponit 

27.  Yotaiy  aatem  quam  concapisoentyB  donuaentor»  piobai 
aharilaa  lUa  qaao  indpit  a  aamat  ipaa  sad  noa  axtanditar  fltm. 

Sanuaa. 

Yota  mooaatieonim  at  naaa  flant  onaam  Edam  at  chiri- 
taftam  aaaaaant. 

Kaa  aat  poaatbfla  vt  aam  talibaa  tUo  mada  atat  Chii- 
ffünuniaa. 


YI. 

fiotaehAicuA  Crop  ^  äub  Andree  Caroioadie  Doetare. 

(28.  NoTember  1622.) 

1.  Dcplici  natura  spintüali  bcz.  et  corporali  coDfiiare  ho- 
minem,  paulina  ad  Corin:  2.  o-^^tendit  epistola. 

2.  Cum  Li]ä  qai  foris  sit  homo  Tetos  c&rualis  et  corporalis 
corrumpatur  (?). 

3.  Spirituidis  tarnen  iuterior  uoaus  homo  et  da  die  in  diem 
renouAtar. 


1)  Bl.  67>».  Diese  Thesen  wurtkn  am  28.  November  1521  rer- 
teidjgt.  Vgl.  Lib.  dec.  p.  27:  Eximius  trater  Gotacbalcus  Crop  Uer- 
Tordiaiiiis  «e  28  NoTembna  retpondit  pro  lieenck  ei  itatiiB  promolai 
«Bt  praesidente  Carolostadio.   Die  bei  der  leaponsio  ad  BibUam  lA 

15.  Oktober  1521  verteidigten  Thesen  (cf.  Lib.  dec.  26)  sind  un§ 
aucb  noch  erhalten  in  der  oben  erwähnten  Baseler  Sntnmlnni;  <i<?r 
Propositioues  rom  Jahre  1521.  Dort  werdeu  sie  eiugeluhrt  mit 
den  Worten:  Andrea  Bo.  Candostade  (sie)  Ptaeilde  religioei  patiet 
Godaotlcat  Crop  Heruordianna  sacrae  llwologiae  lector  et  Ck>d8CAleiii 
Cnuxe,  respondebunt  ad  infra  scriptoe  articulos  Postridic  GaUi  sab 
horam  septimain  Anno  ^!DXXT  Sie  begi  nnen  mit  dom  Satze :  Solii 
canonicis  literis  absque  coutradictiuue  cediwus.  Vgl.  auch  Hie  derer 
a.  a.  0.  S.  183. 


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KOLDJ^  WITT£NBE&G£H  DiaPUTATIOKSTüESEN.  461 


4.  Immü  interioris  regeneratio  est  eiterioriä  mortificatio. 

5.  Quando  ne  vllus  hic  nascatur  nisi  prius  occumbat. 

6.  äeabi  spiritos  cid  regnat  ibi  nimirnm  humanas  homo 
moritor*  • 

7*  flaychieus  liomo  ex  Tolnntate  canus  et  im  emie  üniä 
adferi  et  talea  qaales  inobedienda  Ade  Mt. 

8.  Spiritoalis  «otem  homo  ex  deo  ao  dei  Tolnntate  immatabOi 
Buas  pote&eiae  zeeiint 

9.  Qoemadmodiim  pgyebieoa  homo  anhuun  oor  ocolos  «niee 
et  xeliqnas  Tirtates  a  paxeatibua  snecepii 

10.  Sic  eplritaaüs  cor  mm^  ocolos»  aane  et  eeteta  fiima- 
meata  e  eapenüB  capit 

11.  Homo  p^chicos  non  agaoecii  qvae  de!  euit»  qaia  ex 
deo  non  est. 

12.  Homo  spiritaalis  cogaoicit  qaia  ex  deo  est  et  onis  Christi. 

13.  Neqnaqmuft  pajchici  honünis  ocnlos  vidit  Tel  aoris  an- 
dinit  aat  in  cor  eins  ascendenmt  qne  prepstanit  dens  dUlgenti- 
hus  se. 

14.  In  cor  entern  spiritoalis  hominis  possont  asoendece. 

15.  Alia  praaparat  deus  dülgentibiia  se,  alia  IIa  qoi  deo 

deorsnm  et  scapolas  Tertont 

16.  Forro  si  easdem  diuicias  vtrisque  praeparasset»  nihilo- 
seeius  dioicie  alie  forent  deo  adherentibiis  aliae  alienatis. 

17.  Veluti  cnix  Christi  aliter  xepit  in  oculos  indaeoram  elitär 
gentium,  aliter  credulormn  ^ 

18.  Dabimu3  tarnen  pecoliaxes  esse  dinicias  solis  deom  aman- 
tibus  comparatas. 

19.  Consummacio  abbreuiata  inundat  (?)  iusticiam  et  cognoscot 
qae  nullus  hominis  oculus  psychici  et  cor  unquam  assequitur. 

20.  Nam  eciam  si  Christus  omnes  homines  iUuminat  sicot 
soll  (sie)  ülustrat  omiiia. 

21.  Stmt  tarnen  qni  agnitaia  Toritatem  eipnimt,  nt  sunt  qoi 
BOlia  respiiunt  radios. 

22.  Deus  est  dominus  et  deus  apnd  inferos  et  snperos  col- 
Uom  et  moncinm  deus  omniB  terra  creatureque. 

23.  Tarnen  sole  reli(iuie  (sie)  ad  praesontem  vbiqae  deiun 
convertnntur.    atquo  eiusmodi  conueraione  aanct«  fiunt. 

24.  Ergo  in  cor  houiinia  non  ascondit  quiiuilibet  accntissimi 
et  raciouaiissimi  qaod  est  sini^nlariter  praeparatum  düectori- 
bus  dei. 

25.  In  cur  autem  plus  quam  hominis  vt  puta  spiritualis  et 
fil^  dei  opea  ille  ascendnnt,  seuüuutur  ac  in  fontem  snom 
probe  cordatos  rapinnt 


1)  Mäk.  crudelorum. 
SMtMhr.  t  K..0.  XI.  t.  30 


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462 


36.  Yiteia  etonftm  ooiio  ]iib«iit,  qni  laairfnwmt  ei  liibiuit 
flnngnmwB  Chzistl.   sed  sao  gradu^  hie  alqii«  infimo. 

37.  Qimiiis  et  diserimhia  aint  Inflmi  gradna,  fnkqoam  tamea 
eteme  yite  taatnm  asseqnitiir  qnaiitam  Ali  datnr  yt  cndat. 

38.  Begeneratas  per  Christmn  nen  prottatts  adt  omniai  nee 
omnia  fuai,  aed  diadt  et  peigit  paulatun»  aient  natu  infiiatiiliia 
Bos  llieo  gtadttor. 

39.  PetroB  Ten  Mt  etema  vita  beatoa  Tt  eognemt  CfbaMm, 
quiaqiiaiii  mnltoa  Chriati  sermonea  tnm  ignonurii. 

80.  Proinde  spiritualis  indicat  enuüa  eeiam  profimdilatea  dei 
et  abyssos  piedestinacionis  super  omnia  conaolantis. 

31.  Yerom  tenni  admodam  radioio  neue  apiiitnalia  fiMstaa 
eBtimat  omnia. 

32.  Qui  primos  adhuc  fractna  saperne  cene  inoipit  maadacare, 
ia  magia  trepidat  et  mlrator,  eapit  et  deeideiait  quam  pronimeiat 
eertam  Bentendain. 

33.  Bxerdtati  Teio  in  iodicüs  yeria  et  per  ae  iaatificatia  in* 

eredibilem  eonsoladonem  ex  profonditatibus  dei  accipiunt. 

34.  Immo  sie  inoenduntur  dei  ardentissimo  amore,  ut  molto 
ploB  malint  decem  cmentianmaa  mortea  emori,  quam  non  aeqni 
agnom  quo  vadit: 

Hec  non  ascendorunt  in  cor  nnimalig  iiominia,  qui  nec  fuit 
neo  potest  noBse  dioiciaa  aaper  coelestes. 


VII. 

Mngiater  Jonnnes  Caelsamer  ^  mh  D.  Andree  Cftrolr- 

ntadio  (eio). 

1.  Orationem  defectuum  noatromm  cognicioncin  eonindemque 
coram  deo  optimo  maximo  oitTiqiiestionem  auiilijijuc  Jöprecacionem 
deinde  liberatib  gratianim  accioncs  esse  dobere  non  dubitamus. 

2,  yniaersaC?)  aiia  caima  orautes  incuuäideruta  a\mt  mento 


1)  BL  68^.  Biese  Dispntatioii  wurde  vndmcheiiilich  am  13.  Mai 

1521  pro  baccalaiircatii  aentcntiamm  gehalten,  da  in  dem  betreffenden 
Eintrag  im  Dek;uiatäbuch  Cnolsamer  ebenfalls  als  ma^'ister  bezeichnet 
wird,  nicht  aber  bei  den  späteren  Akten.  Ct.  Lih.  dec.  2ü.  Anno 
MDZXI  nib  aeillvo  Deeaoata  Andiee  CSueloetady  Doniirai  Magister 
Joaimea  KuelBamer  pro  baccalanieata  quem  Yocant  Mnifteiicianiiii 
rpppondit  et  promotus  ^*st.  actnm  <Vw  Lnnaf  post  Ascensionem  do- 
mioi  praesidente  Carolüstadio.  Am  22.  Juli  wurde  er  bereits  seut«n* 
tiaritts  formatus  ebenda. 


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KOU>E,  WITTBliBBBGSB  DISPOl'A'nOKSTBBS&V.  46S 


MHt 


aut  pliarisaic.^  iusticia  inflati»  deum  uon  placantes,  sed  magis  ad 
iracuud  1  am  ] i r o ii o c ai 1 1 es . 

3.  iDBignis  ob  id  populi  orror  est  ex  cleri  cecitate  proueniens 
qno  crimina  commissa  satisfaccionis  iure  aola  oracionibus  nititor 
expiare. 

'  4.  Errant  non  minus  monachi  et  sacerdutea  suanim  horarum 
canonicanun  mormure  pro  acceptis  a  deo  beneficgs  salisfieh 
arbitrantes. 

5.  Erraut  tarnen  grauissime  sacerdotes  monachi  sivö  ociam 
quicunq^ue  plebei  deo  suifl  oratiumbus  obse^uium  prestare  yo- 
lentes. 

G.  iloriLS  canoiücas  nomino  orationis  indignas  censoo ,  cum 
contra  Christi  institucioueiii,  Apostolorum  morem  aique  contra 
oraüonis  VHum  siiit  introducte. 

7.  Pontiticcs  nomiuem  ad  ülas  sub  praecepto  peccati  (parinde 
ac  ad  quaäcunque  tradiciones  snas')  astringi  habent  pote^tatem. 

5.  Orationem  non  prolhitas  non  verbonim  mnltitndo  nec 
Tehemens  labiomm  strepitus,  sed  fla^antis  animi  desiderinm  deo 
xsdfli  aoceptuB. 


Be  Sacramento  panis. 

ü.  Siicramentum  euchariütie  nun  in  pixide  seruaiidum  .sed 
quociescunque  opus  fuorit  eciam  quocunque  tempore  consecraiidum 
atqne  in  cnpientes  est  frangendam. 

10.  Iniqoiesime  Boma:  ponti:  infidelium  cetibos  ad  dominici 
corporis  8umptioii«m  congregandis ,  saltem  ehisdem  ordinaoit 
m^bnättom  oontra  Jesu  Gkristi  !iistltiitIoii«m  apostoliceqne  eedlesie 
obeenuMtonem. 

11.  Saeerdotes  feneiftbili  saeniiMiiiko  participantes  Tna  oma 
plsb«  diuidere  nmitaui  BegUgani  nec  eonumoie  l«igaliim  imqiie 
(adnemis  testatoris  or^ünaeionem)  slbi  soUs  mipue  m^nain 
pnasamBnt 

12.  Sient  Obrisü  gleriese  lirgliiis  et  aliomm  sanoftomm  üna- 
gines  in  Chnstalonim  templis  sabnartondas,  ita  «eiam  Bdemnes 
pempM  qiiibiis  ^enmbile  sammentiim  hmc  inde  eixemnlBrtar» 
abregantea  arMtvor. 


80* 


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AjSAtSKVmH. 


vm. 

NI«o1aiib  Coel  rab  J>*  Jiisto  Jona  P. 
D«  spirita  et  Utm  ^ 
(18.  Hofember  1532.) 


io«  Jonas  in  eap.  1  eptotola 

ad  Borna'. 


X. 

PliUippoa  Melau: 
1.  Jiutificaeioii»  priooij^iiiii  est  per  fiden  *. 


XT. 

IMs:  S.  Llbri  4:  Mar;  Lothe«: 
(1620.) 

1.  Non  plaoani  aaerameiita  noae  legis  üc  distingoi  ut  alk 
rmedia  taatn  aiat  eontn  peeoatniii  alia  «tiam  g^ntiam  confera«! 
adinIrioeiB- 


1)  BL  70.  Die  27  Thesen  bereits  unter  1522  bei  Kaweraa, 
Der  Brtefireehiel  des  Jnstns  Jonas  Hslle  I  (1884),  a  84.  Aber  wir 

arfiJinni  erst  aus  der  im  Codeoc  be&idlicheii  Überschrift  watet  Vor» 
gldchuDg  mit  dem  Lib.  dec.  den  Tag  der  Disputation,  l^.  Norembcr 
1522.  Vgl.  I>ib.  decanorurn  p.  27ff. :  F.  Nicoln^is  Coci  'rangliimnoiisis 
die  XVili  i^ovembris  prausi deute  D.  preposito  prw  ieltkkchiü 
promoCns  est  sacie  theologiae  formatns  et  senlsnolarias. 

^  BL  70^  eben&Us  bei  Kaweraa  I,  85.  Es  ist  au  lOND  in 
These  7:  Resurrectionig  articulum.    These  16:  pimirL 

3)  Bl.  71.  Im  Codex  dorcbstricboii,  weil  in  der  Baseler  Saouu- 
long  gedruckt,  und  swar  als  Themata  circularia. 

4)  Diese  Thesenreijie  (BI.  71 1>)  Lather's  ist  meinOB  Wissens  hU- 
her  unbekannt  Die  Übersehrili  möchte  kh  vermatangsweise  dahin 


• 


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KOI«DI^  WITTENBBlUiEB  DISPCTATIONfilTHESEli.  465 


2.  Omnia  ptmoB  saoramenta  tum  nmedia  sunt  peoGati  tnm 
adinuant  per  gratiam  n  fide  ansoipKMiftiir. 

3.  Nos  arbitramor  sacramenta  noiie  legis  oonatara  ez  pro* 
missione  dei  ei  aigno  viaibili. 

4.  Tot  samneiita  Hone  legia  ennt  qaot  pronuaea  et  adimcta 

Signa. 

5.  Baptismiia  Enohaxistia  et  pomitentia  tria  proprio  so&t 
saraamenta  neue  legis. 

6.  Ceteia  Tidentar  ab  ecdesia  et  fsa  primnn  Institata  et 
appellata  sacramenta  noae  legis. 

7.  Nihil  obstat  qnominas  tot  sacramenta  qaot  articali  Bimt 
lldei  dici  possint,  si  signum  visibilo  tollag. 

8.  Immo  qnot  sunt  yerba  dei  tot  üero  sunt  sacrameiiiaf  quo 
fidem  excitaat  etiam  si  signuia  dssit. 


xn. 

Plillippiis  Melau:  sub  B.  B.  Petro  Font  ^ 
(9.  September  1519.) 


Blgpntatlo  Ctrenlsiis  *  Jo«:  Jonas, 

1.  Tametsi  instis  et  in  Christo  liberis  noa  sit  lex  posita: 

2.  Tamon  potestatibus  parentlum  est. 

3.  Non  est  enim  pi>i«sta3  nisi  a  deo. 

4  .  Ceterum,  si  contra  deom  praecipiant  quid  (sie)  magistrutua 
audiendi  non  aunt 


erklären,  dalii  es  eine  zweite  auf  das  vierte  Boeh  der  Lombarden 
■ich  begehende  Disputation  Lather*s  ist.  ffie  wird  ins  Jahr  1690  Tor 
die  Ausgabe  der  Selurift  ^Von  der  babylonischen  Gtefangenscbaft " 
geliürcn  und  wimle  dann  in  die  in  der  Weim.  Aoagabe  VI|  d70ff. 
nutgfrteilte  Gruppe  von  Thesen  einzureihen  sein. 

1)  Meluichthon's  unter  Petrus  Fontanus  am  d.  September  1519 
▼ertddigten  Bacealaureatstheeen.  Aus  dIeMm  Oodez  BL  72  abgedruekt 
bei  C  und  W.  Krafft,  BriefiB  und  Dokomente,  8.  6  und  in  den 
Ix)ci  Commiines  Philipp  Mclnnchthon's  in  ihrer  T'^'rj^estaH  OtCi  2.Anfl. 
ed.  Th.  K(.l<lf  iErlangcij  uiifl  Leipzig  18*J0),  S.  260ff. 

2)  Bi.  72.  Zu  der  Überschrift  diaputatio  circularis  vgl.  oben 
8.       Anm.  1. 


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466 


AKALEKTEN. 


5.  Quare  et  principes  Uli  euangeliiim  immo  oppognautot 

cerrime  obiurgandi  sunt. 

6.  Modestiam  ibi  reqnirero  eanüs  prndencia  est 

7.  Porro  ex  hoc  poteatatom  iure  tum  est»  yt  papa  bomb  Uigm 

obseruari  postulet. 

8.  Neque  enim  ullam  legem  condere  licet  Episcopis. 

9.  Sed  aemel  adempta  est  eis  potestas  damnandi  yerbo  Cluridti: 

•   ¥00  Bon  sie. 

10.  Oeconomi  enim  sunt  et  ministri  meri. 

11.  Eatenos  yero  audiendi  quatenus  domini  sni  Terbam  pie- 

tlicant. 

12.  Ki  CO  portiuet  hoc  qui  vos  audit,  me  audit: 

Quo  verbo  miro  ad  suam  tjraüuideni  finnandam  migno 
orbiä  malö  abuäi  äunt. 


UV. 

All«:  JeUU  DoellfiQ  K 

1.  Dens  in  plenitodine  temporis  miait  filinm  mim  factum 
6x  mnliere ,  factum  mb  lege»  H  eoa  *  qni  snb  lege  enai  ledi- 
meret.   vt  adoptionem  fiUonim  redpmittas: 

2.  Cuiiza  inetieia  per  fidem  Jesu  CShiuti  non  taatom  ad 
indeos  (qui  sub  lege  erant,  sed  in  «mnee  est  et  n^ir  omnes) 
se  eitendit,  qui  eredimt  in  emn,  eo  ^aod  emnes  peeeamni  et 
0gent  gloria  dei. 

3.  Nam  ipse  est  expectado  genciimiy  in  euiiia  Imnii»  gentes 
ambiilanuik  An  iadeonnii  deiui  tantum,  nonne  et  goncium,  inuso 
et  geneinm  qiiaadoqiiidein  yma  est  deua,  qui  inatificit  tatmr 
ciaionem  ex  fide  et  pTaepadmn  per  fidem. 

4.  CnioB  tei  non  leue  documentnin  est  magonun  ab  erMili 
Yeniencium  supplez  ontio^  qui  »  etella  ad  locoiDt  Tbi  piier  nili 
ftienint  ducti. 

5.  Cum  qoibiis  et  nos  cubile  cordis  intremüs  dominum  adora- 
turi  graeiasqiie  Mtnri  qiiia  TisitMiit  ei  ftoit  redempcioiMi 

plebis  sne. 

6.  Non  enim  ex  eperibue  inatioie  quae  fecimna  nos,  eed  ai- 
eondiini  misericordiam  miam  saluos  nos  fecit.  Ideoque  deo  noa 
gimus  ingrati,  qui  noa  potenter  in  faraobio  ano  de  teaebnraa 
poteatatibns  Ubenuiü 


1)  Es  folgGQ  Zlrkulartbesen  von  Joh.  Dölaob  fon  rnUHrchan. 
deasen  Naii^(^  sehr  Terschiedea  wiedergegeben  ist. 

2)  Cod.:  CK). 


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KOtDE^  WITTBHBBUGBR  DlflPUTATIOMSTHESBN.  467 


Äli^  i  Joliau:  Doclye^» 

1.  8piriiiis  Baaetiia»  qoi  fidelts  bom  mm  qnae  Milutia  aont 
do€0ft»  ideo  puadjios  dioitiir  toI»  qiii&  pro  nolns  bieDanabOUnis 
gimitiinii  postaüii  Tel  qidA  alKUtttM  iimoieiitiaB  triatidft  mentis 

2.  Qni  qnaonus  iniiiaibflii  inooiporeiiaqae  ni  dem  fial- 
MKS^tis  temen  eoxpoidiqiit  slgius  piita  igne  lingnlt  «I  eolumbe 
ipMie.   waBiMltter  hob  aiiie  nuBlerio  vppBxm  Tolnit 

8.  sicat  ipse  ignis  est,  per  quem  peeeiilonim  ntbigo ' 
ömanaikar,  ieireniiiii  eor  eelestt  anore  iDeeditnr  maleqae  frlgidi- 
tetti  tepor  ab  eleekis  ftgaftur. 

4.  Ita  edm  ipaa  soh»  est  qoi  intns  loqmtar»  emdift^  fecnn- 
<lai^  finifloaife  alqne  eUngnee  dinuus  laudibne  dieertiBsmLOB  veddit 
et  ediuiliiiia  simplieitete  pnroa  ab  omni  atrabili  libem  *  fiuai 

5.  Qni  nbd  intns  dooMl^  frostra  seimo  extemns  sonst  nec 
ineendinm,  recti  amoiis  praebere  ralet  lel  si  angelicis  lingnis 
doeeos  snadeai 


XVI. 

Alls  Johi.  BoelleU* 

(28.  Hte  1523.) 

1.  Quod  dens  superbiö  resistat  hnmilibaäque  det  gratiam  ¥el ' 
correntis  duminice  factum  ©st  nobis  documento. 

2.  Nam  cum  euaugolicua  mutiis  a  domino  mirabiliter  curatur, 
tarbe  admirantur  feminaque  in  domini  laudem  vocem  ex  toll  it. 

3.  Sola  pliarisaica  sanctiUs  innidia  tabescens  impaciens  veri 
recta  facta  quae  negare  non  potuit,  blasphemijs  lacerare  studuit, 
com  domino  improperaado  dicit  in  Beelzabob  principe  demonia 
<Öicii 


1)  Msk,  nibibigo. 

2)  Cod.:  libeberos. 

3)  Der  Text  bietet  deutlieli  dio  Abkürzung  für  vcl,  es  mufs  aber 
eine  Abkürzuug  für  evangclium  dageätandeu  haben  |  deni  ofifenbar 
flinuBt  05Mi  das  BTangdiom  des  Tergaugenen  Sonntag  (Oculi) 
zum  AuBgatigsptuikt  aeiner  Aniilaeeiingen.  I«  nun  der  Tag  der  Zir- 
kularthpRcn  Frcitap:  war,  «o  wird  man  mit  ziemlicher  Be  '^immtbeit 
Freitag  nacb  OcuU  den  28.  März  1522  als  Disputationstag  umehmen 
dürfen. 


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468 


ANAIiBKTEir. 


4.  Abscondita  enim  hec  sunt  ad  (sie)  huius  secoli  sapienti- 
bus  et  reuolala  paruulis.  ita  pater  quoniam  aio  j^laoitam  foü 
ante  te. 

5.  Itaque  noli  altum  eapere  sed  time.  ad  nullum  enim  aliam 
respicit  Tiiei  ad  paapercnlom  et  couthtum  apihtom  et  treoieii- 
tem  sermones  suos. 

6.  Sic  hnmilis  et  mitis  Christus  non  maledictis  sed  pulchro 
paradigmate  alta  calompniancium  snporcilia  frangit  docens  se  noa 
in  Beelzebub  sed  dei  digito  demones  eicere. 

7.  Si  enim  eorum  apostoli  non  in  demone  sed  in  spiritu 
sancto  demonia  eiciunt,  non  immonto  oornm  iudices  erunt.  q^uod 
idem  factum  cciam  Christo  non  ad8cri])son:nt. 

8.  Cum  eciam  inferior  superiurcm  non  ejiciat.  Christus  autem 
demonia  oirit.  ideo  uon  eorum  seruuä,  non  eorum  socius,  sed 
eiü  äüperiur  fuit. 

9.  Insuper  et  conatu  et  opere  prorsus  dissidentes  ob^ei^dijä 
se  non  honorani  Christas  autem  a  Beelzebnb  longius  quam  lux  a 
Tenebris  distat,  qaomodo  ergo  societate  et  obseqoio  se  rnntoo 
honorani 


xvn. 

AIIa  Johan:  BrlMmannl  \ 

1.  Penitencio  crui  corruptionis  nostrae  est  immnt^icio  et 
aasidua  mentis  renouacio.    mortiücacio  camis  odinmque  eni. 

2.  Hanc  cmcem  natura  öine  gratia  non  potest  non  odire. 

3.  Siquidcm  crux  ipsa  oanii  didt:  non  sis  caro  et  con- 
onpiBcentiae  non  concupisces» 

4.  Ad  (ric)  hoc  natore  non  modo  vehementer  contrahnm  sed 
eciam  mors  est. 

5.  ideo  ipsa  fugit  et  odit  penitenciam  nec  crucem  sufTort, 
niti  Spiritus  qui  eam  ipsam  dnlcem  suaTom  amabüem  faciat, 
afltaerit. 

6.  Hanc  penitencie  crucem  Christas  omnibns  ex  equo  prae- 
dicaait,  dicens,  poonitentiam  agite  Matth.  4. 

7.  Hoc  nihil  est  aliud  quam  motare  vitam  quod  fides  facit 
eipurgauä  peccatom. 


1)  Bl.  74^.  Joh.  ßriesmaun  wurde  am  31.  Oktober  1521  Lic, 
am  21.  Jauuür  1522  Dr.  thcol. ,  Lib.  dec  26  f.  Tgl  83.  I>i6  Tbesea, 
die  dnteh  die  Bei^liinmg  „Jßm**  idienftUs  •b^rknlmteeB  ^ 
ralLteflderl  weideii,  weiden  also  aaeli  dem  Jaiiiier  1688  ta  selMi  sein. 


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KOLDB^  WITTENBEROEB  DISPUTATIONSTIIESEN.  469 

&  Kon  igiliir  piteduari  doett  poeaileiiliam  iUain  fletam 
sophistaumm  pspIttammqQe,  qua»  ad  honua  dntai 

9*  QiiaaBdiu  enim  Tialtiir,  po«]iit«idim  et  aonaDdom  aet  vi 
paooaloiii  expeDaiior. 

10«  Idao  todaa  Apoatoliui  «ihoilato  vi  enioiligaiiMia  eaniam 
am  oancupiscandiia. 

11*  Hoa  digBoa  poanitaiieia  frneloa  mal  lohaimaa  ai  poc- 
catam  expnrgeliiir  tl  iion  opem  «xtana  aimnlMto. 


xvm. 

AM»  Johaiu  BrlaanuamL 

1.  Hominum  voluntatibus  plene  dominatur. 

2.  AU^m  hinc  malorum  eciam  cordibos  ?titar  ad  iaadem 
Saarn. 

3.  Sic  puuiendo  infligit  peocata,  sicut  eciam  iratus  morbos 
infligit. 

4.  Proiinle  mala  at^ue  peccata,  quae  sunt  piaecedenciam  vi- 
doruru  poenae  qou  solom  permissiue  (at  aiunt)  ?eram  eciam  po- 
tenter deus  in  malis  operatur. 

5.  Nec  tamen  ideo  male  facit  oöc  peccare  dicitnr, 

6.  Immo  eodem  operö  quantum  ad  se  pertinet  bonum  facit 

7.  Agit  itaque  tremendo  qoidem  iadicio  deus  in  yasis  eciam 
iia  qnicqnid  vult. 

8.  Igitur  instrumenta  dei  öunt  eciam  mali. 

9.  Fortiter  idciroo  omnia  compreliensa  8Uiit  arbitrio  ?ere 
omnipotentis  dei. 


AU»:  Johl.  BrleBniranl« 

1.  In  nobis  nihil  est  periculobius  raiiouo  uoötra  ot  vohmtate. 

2.  Firma  Ildes  abstraliit  ab  omnioin  creatorarum  fiducia  quae 
in  celo  et  in  terra  snnt,  trahiturque  ad  solum  deum. 

3.  ßnrsns  quantum  abest  fidel  in  homine,  tantum  adest  tene- 
bramm  et  impietatia  auersionis  a  deo  conaeraionisque  ad  crea- 
turam. 

4.  Auersio  dielt  deo  non  esso  curam  de  bomltilbos,  sed  n- 
itadnm  esee  eecandam  aordium  noätrorum  consilia., 

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470 


▲NILEKTEN. 


6.  Hinc  ex  dei  ij.niorancia  ot  impietate.  sicut  lüuunuii  reniffl 
ita  quoqne  venoratioiiis  sanctorum  ortufl  est  Libasus. 

6.  Qui  a  sanctis  praeoantar  expectant^ae  anTilinm  idoktn 
6\mtf  ociam  si  piitant  sese  colore  denin. 

7.  Signa  tarnen  el  portenta  aumiire  sinit  deas  at  temptet 
HOB  an  credoinus. 

8.  Sic  RiJ  eodüc^ndos  homines  pReudoohrigü  et  psendopro- 
pbete,  ßigna  magna  et  prodigia  dntun  praedicantur  a  Christo. 

9.  Vt  a  spiritu  serpentis  euei  a  iloßö  facti  landatur  con- 
fraccio,  itidem  et  exeelsomm  (in  quibns  eciam  deo  immolabantor) 
destrnotio. 

10.  Ita  hodie  in  domibufl  nostris,  quaa  vi  riimus  ecclcsias 
arularum  adeo  muUiplicatarum  euersio  gratissimum  deo  opus 
foret  factum  in  fide. 

11.  Atqiio  :sic  forte  deploranda  miseraquo  prinatarum  (yt 
vocaiit)  miss^irum  uumüioöiUs  abrogaretur,  in  ^uibu^  peccatar 
adeo  liornbiiiter. 


XX. 

Alfa  Johan:  Dolsex  ^# 

1.  Christus  vniaersonim  dominus,  solus  omnium  tribolacionnm 
penas  importuno  *  tempore  abit'it. 

2.  Qaod  cum  chananea  illa  fide  integra'  didicisset  eum  ot 
ot  86  et  fiUam  liberaret^. 

3.  Et  qoia  fide  et  oratione  constans  Mi  ideoqiM  nuMii- 
corditer,  quicquid  yoldt  hnpetranit 

4.  Sancti  ergo,  et  si  a  donmino  se  moz  auditoa  non  Benoniili 
penenenuit  tarnen  in  sanoto  proposito  oertinimi  qnod  a  dombio 
eint  optaia  reeeptori* 

5.  Oiodonis  (sie)  tut  ac  saaeti  prupüsitt  oonstantiam  nihil 
adeo  fiimat  quam  pronuBnonis  ▼erbnm.  quod  fidolis  gandeos 
ampleetitiur  fblnraque  doi  dona  pacienter  expectat  quamnis  fiuloiii 
ioam  ad  tempus  a  mm  ahocondat  donüniis. 


t)  Vielleicht  liegt  auch  hier  eine  Beziehung  auf  das  ETangclittm 
dea  vorhergeheuden  SoimtA^s  vor  uud  dürfte  daim  diese  Disputation 
auf  den  Fratag  nach  Bem&ieere  81.  Bfirs  1682  aiuroBelM&  eein. 

2)  Von  Hella  mit  roter  Tinte  verbessert  in  oportono. 

3)  Cod.  nigra  mit  einem  Abkürzungszeichen. 

4j  Im  Cod.  fi  dann  mit  roter  Tinte  eigänzt  „1.  liberaret". 


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XOLDE^  WlTTBNBBBCnB  DISPDTATlOiraTHBBBIff.  471 


XXL 

Iiis  posieio  Cbenlaiis. 

1.  Sicüt  yiduiis  reijcimus  iunioitts  BIG  monaclxos  0l  iuTones 
bnBbjtoroB  (sie)  ceUbds  etc.  K 


TTff- 

Alla  Fositlo  Cireularis  (Jo.  Boelsch?). 

1.  Lex  factorum  non  in  solo  iudaismo  oxistit. 

2.  Nisi  quiflpiam  vellet  equiparare  cliristianismuin  iudaismo. 

3.  Lex  Ikotomm  omiua  lex  est  a  deo  tndita,  sed  coxdi  non 
inBcripta. 

4.  Lex  factomm  dicitnr  sicnt  lucns  a  non  locendo. 

ö.  Factomm  lex  propter  spiritalem  *  aduersatur  homini. 

6.  Contra  fidei  lex  spiiiia  focnndat  carnem  et  eam  epiiitali 
fiictoram  legi  concordant. 

7.  Lex  fidei  bonorum  operum  et  factomm  est  genetrix.  non 
taami  dicitur  üMtonnn  lieet  «iaaniodi  oenseri  poesit. 


Alla  Jo*  Jone, 

1.  Cmx  Semper  comitator  enaageliam. 

2.  Sola  crace  autem  emdimnr  quam  Innotom  robur  sit  fldes. 

3.  Tribolaeio  eniin  opentor  padenoiam,  padenoia  Ttro  pro- 
bidonem. 

4.  Ezpertt  aniein  aeiael  misericordiani  dei  forcios  tonfidimiiB 
2.  Corin.  1. 

5.  Cmcem  T«ro  non  sei  nt  eligas  ant  quaeräs. 

6.  Vera  enim  cmx  ett  quam  deoa  imponii  £1  eo  pertinet 
bee.  Mathei  9.  Non  possunt  filg  sponst  lagere  qnamdin  cum 
ipeis  est  sponaw  ete» 


1)  Diese  wahrscheinlich  Carbtadt  ungehörige  Thesenreihe  im 
Codex  wieder  ani^ieitrieliea,  weil  sie  in  der  fiasefir  Sammlung  abge- 
druckt ist. 

8)  WoU  m  eiginsen  lagern. 


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479 


AVAUESTEN. 


4. 

Zor  GhroDolo^ie  Inlherscher  ScbrifteD  in 

Abetdfflabbstreit. 

Von 

D.  Hu  Kolde  in  ErLuigwi. 


Obwohl  der  Abendmahlsstreit  so  oft  ö^genstand  der  Unter- 
suchung und  Darstellung  gewesen  ist*  herrscht  über  die  Clir  no- 
logie  der  einschlägigen  Schriften  sogar  der  Führer  im  Streit, 
nm  ?on  der  Menge  anderer  heute  kaum  beachteter  Flugschriften 
zu  schweigen,  noch  eme  sehr  groüse  Unklarheit.  Es  lohnte  sieb 
der  !ilühe,  eine  Spezialarboit  über  diesen  Gegenstand  vorzunehmen, 
die  jedoch  nicbt  obno  sehr  bedeutende  bibliographische  Hilfe- 
mittel, die  mir  leider  nicht  zugoboto  stehen,  zum  Ziele  fuhren 
würde.  Indessen  genügt  doch  das  aiigemein  zugangliche  Materiii, 
um  in  bestimmterer  Weise,  als  dies  bisher  geschehen,  die  Chrono- 
iogio  der  Schriften  Luther's,  Zwingli's  und  Ökolampad's  fpstza- 
ßtolleii,  wie  dies  im  Folgenden  für  die  Anfänge  von  Luther's 
Eintreten  in  den  eigentlichen  Stroit,  an  der  Vorrode  Lum 
schwäbischen  Syngramni^  und  dem  Sermon  wider  die 
Schwarmgeister'  gezeigt  werden  30IL 

Wann  ist  die  Vorrede  zum  schwäbischen  Syngramm  er- 
schienen? Plitt*  setzt  sie  in  den  Febniar  1526.  Er  bemft 
sich  dabei  auf  drei  Briefstellen  nus  liuther,  die  mir  aber  nur  zu 
beweisen  sclioinon,  dafs  Luther  damals  die  Vorrede  noch  nicht 
geschneljou  liat.  Wenn  er  dem  Agrictda  meldet  (De  Wette 
IT,  93):  in  Üecolanipadium  et  Zwinglhim  egregie  scriptum  est  a 
Sueviae  doctissimis  viris,  qui  liber  hic  editur  denuo,  —  so  ist  klar, 
dafs  jener  Neudruck  sich  nur  auf  den  ursprünglichen  Text  be- 
liehen kann  und,  wie  namentlich  der  Zusatz  —  illi  Tcro  et 
copiose  et  erudite  —  ergiebt,  Luther  den  Agrikola  auf  eine 
Schxift  aufmerksam  machen  will,  die  ihm  fieUeichi  noch  unhe- 


1)  E.  A.  65,  179  flE. 

2)  £.  A.  29,  328. 

3)  G.  Plitt,  Einleitong  in  die  Augustana  I  (1^67),  479;  Ka- 
wer  au,  Joh.  Agricola  (Berlin  1881),  S.  87  giebt  nichts  Aber  die 
Zeit  der  AliüHiiing  an. 


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KOU)£,  £QB  CHBONOIiOCUS  LOTHfeE'SGHmt  SGHBirCBN.  470 


kannt  ist'.  Von  einer  Übersetzung  des  Agrikola  ist  auch  ia 
zwei  anderen  Stellen,  dio  Plitt  heranzieht,  nicht  die  Eede.  Sie 
sind  nur  ein  Beweis  dafür,  wie  spät  man  in  Wittenborg  von  dem 
SciirifUtück  Kenntnis  gehabt  liat ,  denn  mau  wird  mit  einiger 
Wahrscheinlichkeit  echliefson  künnon,  dafs  wenn  J^uthor  schon 
davon  Kenntnis  gehabt  hätte,  or  in  seinem  I-!riofe  an  die  Keiit- 
linger  vom  5.  Januar  16 1^6  ^  sie  oinst\7eile2i  auf  die  £rklAning 
ihrer  Landsleute  verwief^on  haben  werde. 

J.  Köstlin,  der  dieselben  Stellen  wie  Plitt  citiort,  giebt 
keine  bestimmte  Zeitangabe  und  weist  uur  darauf  hin,  dafs  in 
Lüther's  Vorrede  (E.  A.  65,  S.  185)  bereits  auf  Zmngli's  Sub- 
sidium  und  ökolampad's  AntiajBgramm  Bezug  genommen  werde, 
und  läfst  darüber  keinen  Zweifel,  dafs  er  den  Sermon  wider  die 
Schwarmgeister,  Luther*s  „erste  eigene  Gegenschrift  gegen  Öko- 
lampad's und  Zwingli's  Lehre fär  später  erschienen  halt 
Ohne  Belegstellen  zu  geben,  setzt  A.  Baur  in  seinem  an  Ma- 
terial sehr  reichen  und  durch  treffliche  Auszüge  aus  den  ein- 
schlagenden Schriften  ausgezeichneten  Werke  Zwingli*s  Theologie 
(Halle  1885—1889:  Bd.  IE,  S.  44)  die  Vorrede  zum  Syngramm 
ia  das  Frühjahr  1526  und  giebt  dabei  an,  dalüs  der  „ Sermon 
«ider  die  Schwarmgeister**  bald  darauf  erschienen  sei,  während 
er  auf  S.  474  ü  desselben  Buches  mitteilt,  dala  derselbe  gegen 
Ende  des  Jahres  1526  erschienen  wäre. 

Wie  yerhielt  es  sich  nun  damit?  Die  Wittenberger  Quellen 
luMn  uns  vollständig  im  Stich.  Nur  aus  dem  Briefwechsri 
Zwingirs  ^  kann  man  zu  einem  annähernd  genauen  Resultate  kom- 
Ben.   Am  9.  April  schreibt  ökolampsd  an  Zwingli:  Fernnt  Ii  qui 


1)  Vgl.  De  Wette  III,  95  an  Amsdorf  :  Jkluntur  apad  n08  duo 
UbdH  in  Zwinglium  et  Oecolampadium,  uuus  Theobald!  Hillicaiii,  alter 
14  miuistronim  verbi  in  Saevia  eruditiBsimi  et  siocerissimi,  qui  sauam 
fidem  egregie  tuentnr  in  Sacramento :  fidebis  gandena,  ai  nondum  vi* 
dM;  und  an  Spalatin  am  97.111»  1686:  Pom  erodilisaimM  ideBtiae 
vtro«  contra  Oecolampadium  Bcribentes  le^ue  te  puto:  mirum  quam 
placeat  libellus,  ebrada  III,  98.  Der  Witt«nberger  Neudruck  ist 
kdenfalls  der  von  Strobel,  Miscellaueen  litt  Inhalts  III,  158  citierte: 
Syugramma  clarissimomm  qui  Halae  Sneuorum  connenenuit  vfatnnim 
super  verbls  Ooenae  Dominicae,  et  pium  et  eruditum  ad  Johannem 
Oecolampadium.  Baaillensem  Eccleaiasten.  Wittemb.  1526.  8".  5  Bog. 

2;  De  Wette  III,  79 ff.  Das  Schreiben  erschien  auch  im  Druck: 
Allen  lieben  Cbriäten  8U  |  Reutlingen  meinen  lieben  (  hem  freundgi 
brue- 1  dem  in  Christo  |  Martinua  |  Luther  |  Wittemberg  |  Anno  HiDXXvl. 
Basdlflirte.  5  Bl.   Letzte  Seite  leer.   Erl.  U.-BibL   Vgl.  w.  imtaa. 

3}  Köstlin,  Martin  Luther',  S.  86ff.  642. 

4)  Zwin^'H  oj>p.  VIT.  VIII.  Ich  kann  bei  dieser  Gelegenheit 
nicht  mein  Bedauern  darüber  unterdrücken,  dafs  wir  noch  immer 
nicht  eine  brauchbare  Ausgabe  von  ZwingU^s  Bricfwechael  besitxen. 
Die  m  der  voftiegenden  Ausgabe  sieh  findenden  ErUlningen  sind 
iket  alle  fidseh  oder  irre  fillireiid. 


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474 


a  Wittenberga  hnc  yeniant,  Sae?onun  Syngramma  in  Yernacolo 
aemoM  denao  ilUo  ezoudi  ona  eom  expositione  Lntheri  m 
6.  Oi^  Joh  K  Bim  habm  wir  dk  «i«te  aichm  Kunde.  Da* 
iiadi  flUtt  iLbUMKimg  wd  Diwk  in  te  Mldahr  1586.  Im 
Juni  weilk  man  bereits  in  ^tnAbnig  tob  dem  Inhalt»  hat  aber 
noch  kiitt  Bi«mplar,  mal  dar  Hagmonr  Droflkir  Soearins  dae 
Bnoh  bia  nr  Maaie  nrfleUialtfln  woUte.  Mübui  hofft  Capito, 
dem  Zwingli  sobald  ala  miO^oh  dn  Eiem^  Temshaflini  n 
kuoBMi  An<dK  Ökolampad  hat  am  28.  Joni  ent  eine  ditnUe 
Kunde  Ton  Lntbeifs  Vorredet  Bald  daxanf  ward»  dann  die 
Meaee  m  Staa&bozg  abgehalten«  denn  nm  dleae^  nieht  die  Fiank- 
ftirter.  handelt  es  sieh  ^»  und  am  8.  Juli  kennte  endlieh  Boeer 
dem  Oholaai^ad  ein  Bzemplar  an  öbolanqnd  aohleken*. 

Hiantaeh  wir«  also  daa  dantaehe  Sjngramm  mit  Lothar*« 
Vorrede  Anfang  Jnli  rar  Amigaha  gelangt 

Wann  ist  aber  der  Sermon  wider  dia  Sehwarmgeiatar 
araohienan?  Wader  in  den  Briete  LnthaE^a  nnd  HehuMhtfaon'a 
noch  dea  Jonaa  oder  Bngenbagcn  wird  derselba  arwihnt»  und 
wiederum  sind  wir  auf  die  Schriften  der  Gegner  angewieeen* 
Aua  einer  Stelle  in  einem  Briefe  des  ökolampad  an  Zwingli  Tom 
23.  Juni,  indem  der  erstere  eines  dnroh  Zwingli  erludtenen 
libaUus  Lutheri  Brw&bnung  that«  könnte  man  aohUefsen,  er  sei 
TOr  der  Vorreda  sum  Syngramm  erschienen,  wenn  nicht  dar  Zo- 
eammenhang  es  wahrscheinlicher  machte,  dafo  mit  jenem  libellos 
Tielmahr  Lnther*a  Brief  an  die  BantUagnr  gamaint  iat^  Dia 


1)  Zwfaigli  opp.  VH,  490. 

8)  Ebenda.  Capito  an  ZwingU  11.  Juni  1626.  &  617.  Lnfhenu 

Buevomin  syngrainmn  in  Gfrnmnicnm  vertit  et  commendaTit  magni- 
fica  praefatione,  iu  qua  Tu  et  Oecoiampadius  perstrieti  estls,  ctii  veilm 
responderi.  —  Nondum  nobis  copia  ^ta  eat:  uam  imprüääor 
fiaiMiniiw  ad  nundinae  uBque  vult  eelaie.  Adomavi  ioatdiaa  et  speio 
me  propediom  naotnrum  eopiam.  Tom  mos  habebls:  nam  leqpoomn* 
dum  ent. 

3)  Fama  enim  est  quod  XYI  Chartas  praefatus  sit  (Luthanis)  in 
libnuB  Sueforom,  c^uae  um  leoeperimua,  Heebit  et  ionooentiam  noatraai 
et  Seripturae  doctrmam  diluddam  orbi  declarare.   ibid.  p.  619. 

4)  Bucer  ad  Zwinglinm  p.  521  :  in  bis  nostris  nnndinis.  Vgl 
hierzu  Gerhelius  in  (jineni  noch   iiji[;*jdniekten  ]>rief  an  MelauchthOQ 
vom  10.  Juli  lo2b;  Et  quia  uuitc  apud  uos  nundinae  sunt,  concioiie 
heetema  nihil  aliud  motiebatur  (Buoerus)  quam  peregrinoe  m  aenten- 
tiam  8uam  ut  traheret. 

5)  Habes  hic  prolo^um  illum  galcatum  (praefixiim)  Syngrammati 
Snevorum.  523.  Anmerkung.  Dieser  wichtige  Brief,  iu  dem  l^ucer 
Mine  Batschläee  über  die  weitere  Behandlung  der  Sache  giebt,  hat 
Idder  bisher  nusht  die  radiente  Beachtung  gefunden. 

(i^  Kpiptnla  tua  cum  libello  Lutheri  reddita  fuit  post  abitio* 
nem  ministri  inei ;  et  quia  mouuit  tabellio,  ut  scriberem,  relinebo 
epistolam  Lutheri.    a.  a.  O.  S.  VgL  Ökolampad  an  Zwingli 


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KOLDB,  ZUE  CHKONOiiOGIE  LUTH£E'SGa£U  äCQ&lFTEN.   47  5 


erste  sichere  Erwähnung:  des  Sermons  finde  ich  in  einem  Briefe 
Capitos  an  Zwingli  vom  17.  Oktober  1526:  Luthori  Sormonos 
m  nustro  Conventu  legimns  in  conürmationem  dubitautium  fratium, 
quos  evanidis  iUis  rationibns  abs  se  absterrot  prorsu^  ^.  Hiemach 
wird  man  die  Ausgabe  desselben  c.  Michaelis  1526  anzusetzen  haben. 

Aber  was  hat  es  Biit  diesem  Sermon  fQr  eine  Bewandtnis? 
Darf  man  daiia  wizUieh  mii  Ktetlin,  Lnther's  „erste  eigene 
O^nsehxift  gegen  Okö]amp«d*0  mid  Zwingli's  Lehre*'  sehen, 
nnd  ist  er  «iiUieh  y/on  ihm  snr  BekSrnpfimg  der  Gegner  ge- 
schrieben worden? 

Die  Sehrift'  ist  das»  woftr  sie  sieh  ansgiebt,  ein  Sermonf 
eine  Predigt,  oder  vielmehr  sie  besteht,  wie  bekannt,  ans  drei 
Predigten,  von  denen  die  beiden  ersten  Wesen  nnd  Zweck  dee 
Abendmahls  l<ehandeln  nnd  die  dritte  die  Beichte.  Ihre 
ganze  Anlage  l&lht  mit  Sicherheit  annehmen,  da&  sie  gehalten 
worden  sind:  nnd  Zwingli  spricht  darum  mit  Beoht  schon  im 
Titel  seiner  Gegenschrift  „Frandlich  Ycri^impfling  und  abl«- 
nsng"  Ton  der  „Predigt  an  Wittenberg  getfasn***.  Wir  sind 
anch  in  der  Lage  nachzuweisen,  wann  sie  gehalten  worden  sind. 
In  den  Ihdices  des  Andreas  Posch  ^  zu  dem  leider  Tcrloran  ge- 
gangenen TeU  seiner  Predigtsaramlnng  findet  mjtä  die  Notiz,  dalb 
Luther  am  Tage  Tor  GrOndonnerstag  1526  mid  zweimal  an 
diesem  Tage  selbst  Aber  das  Abendmahl  und  Aber  die  Beichte 
gepredigt  hat.  Da  der  Sermon  im  Herbst  1526»  wie  wir  ge- 
sehen haben,  erschienen  ist^  nnd  die  darin  enthaltenen  Predigten 


12.  Juli  1526.   a.  a.  0.  S.  524.   Epistola  eiiui  ad  Hutliugeuses  cum 


Luther  vom  5.  Juni :  Potuisset  iionnihil  horum  conatom  morari  epistola 
tua:  81  per  Secerimn  extemplo  fuisset  evnlgata  (Th.  Kol  de,  Anal. 
Lutheraoa,  S.  81),  wohl  eher  auf  Luther's  Brief  an  die  Stiafsburger 
gehen ,  der  unter  folgendem  Titel  enehien:  Eyn  Qoittealidhe  I  wax^ 
nung:  ausi  dem  gejst  vud  |  wort  gottes:  sich  vor  den  oflb&t-  \  licheD 
irmiit2:en  ,  so  yctzo  des  leybs  vud  pluts  Christi  halben  |  zu  verhütten. 
Marüuiis  Luther.  |  MDXXVT.  |  4  Bl.  Letzte  Seite  leer.  (Krl.  U.- 
Dibl.  Münib.  Stadtbibl.)  Diese  Schrift  weicht,  worauf  achün  Pütt 
s.  a.  0.  8.  478  aufaerkeam  gemacht  hat,  bedeutend  ron  dem  bd 
De  Wette  HI)  46  mitgeteilten  Auszüge  ab. 

n  fi   a.  0.  Xn,  552,  ferner  \ail,..14.  2^    ViellHcht  hpz\eU 
sich  darauf  auch  schon  eine  Stelle  bei  Ökolampod  au  ZvringU  vom 
13.  Oktober.  Vn,  547:  Lutberi  puerilem  Hbellum. 
2)  £.  A.  29.  328  £ 
85  Opp.  n,  2,  1. 

4)  Andreas  Poach's  handachriftlicbe  Sammlung  ungedrucktcr  Pre- 
digten D.  Martin  Luther's  aus  deu  Jabreu  1528  bis  154C  heraus- 
gegeben von  G.  Buchwald  (I^ipzig  1881)  I,  1,  S.  XXIV:  bd.  L 
A  puandio:  firuetna  qni  feruutur  in  bis  qui  digne  saaamentum  ac- 
cepemnt.  Iterum  de  confess.  M.  —  Ind.  Ii:  In  vigilia  coeimo  Donuni 
(2b.  Jdftrs),  Ipsa  die  coenae  Domioi  (29.  März),  A  prandio  coufessio. 


nuntio  Argentinensi  perlit.  Di 


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476 


dm  Inhalte  nadi  nioht  in  eaum  fxfünmia  Jabra  gehaltm  w«»- 
deu  sein  kAnnen»  ao  wird  die  Annalnne  gareehtfextigfc  aein,  dab 
wir  in  den  ha  Sennon  inaanunengesteUten  Predigten  Jene  fke> 
digien  Tom  28.  und  29.  Min  1626  beaitaL  bt  dieae  An- 
nihme,  die  «neh  allein  die  aonal  nnveretindliohe  Yerbindiuig  mit 
der  Bekhlpredigt  erUtrt,  richtig,  dann  wird  man  aie  aUerdigiga 
haam  ala  eine  Oegenschrift  gegen  ökolampad  nnd  Zwingli  1m> 
aeiehneii  dürfen,  wenigstens  nieht  als  eine  solche,  die  etwa  ¥or- 
Unfig  zur  Bekfimpfong  der  Gegner  und  Berohigong  der  Freunde 
dienen  sollte.  Wir  sehen  nur,  wie  Luther  seine  Gemeinde  Aber 
die  Streitpunkte  belehrte »  nnd  ich  besweifle,  dals  er  die  Pre- 
digten selbst  herausgegeben  hal  Dagegen  spricht  mir  eraleiia 
das  Fehlen  Jeder  Einführung:  nachdem  der  Streit  bereite  se 
akat  geworden  war«  Luther  sich  so  deutlich  in  der  Vorrede  im 
schwäbischen  Programm  ausgelassen  hatte,  würde  er  in  einer  Ar 
die  Öffentlichkeit  bestimmten  Schrift,  um  welche  die  Freunde  eo 
dringend  baten,  sich  ganz  anders  ausgesprochen  haben.  Zwei- 
tens spricht  dagegen  die  Beifügung  der  Beichtpredigt.  Drittens 
würde  Luther,  wenn  er  selbst  die  Herausgabe  veranlaCst  hätte, 
auch  die  Freunde  einstweilen  darauf  hingewie.'sen  haben.  Statt 
(iößöcu  boren  wir  nur  das  ganze  Jahr  über  von  .seiner  Absicht, 
gegen  die  Sektierer  zu  schreiben.  Die  Schrift  wird  weder  von 
ihm  noch  von  seinem  Jb'reundeskreiso  erwähnt,  ja  sie  scheint  für 
Lnther  gar  nicht  zu  eiiötieren,  wenn  er  in  seinem  (Uro Isen) 
Bekenntnis  vom  Abeiidmubl  Christi  schreibt:  „Und  wiewohl 
ich  durch  die  zwei  BQclilein,  eins  wider  die  bimmIii<cLei: 
Propheten,  das  ander  wider  die  Schwärmer  \  allen  YerständiL'eii 
Christen  genug  gethan  habe",  E.  A.  30,  153.  Aus  alle  dem 
scheint  mir  hervorzugohen ,  dafs  wir  in  jenem  Sermon  nichts 
weiter  zu  sehen  iiaben  als  drei  Gcmeindepredigten  Luthür's  und 
zwar  Tom  28.  und  29.  Män  1526,  die  ohne  Luther's  Zuthun 
verOÜentiicht  sein  werden. 


1)  Das  iit  aatüriieli  dio  Sefarift:  ,.Dals  dieoe  W<»te  Christi  »dss 
ist  mein  Leib  etc.*",  Eli  A.  BO^  14.  Aooh  in  dieser  flehtift  ignoriert 

Luther  den  ,,  Sermon  wider  d:o  Scbwarmg-eiater",  wenn  er  S.  20 
schreibt:  „leb  lüibc  2,war  wider  den  Carls  ladt  die  Sachen  mit  Fleils 
elt  und  aiäOj  duTs  wer  nicht  Luät  hatte  zu  irren,  sollt  sich 
wobl  behdfen  wider  soleh  Tenfelgespenst.  Ab»  melii  Uebeo 
Sehw&rmer  Temcliten  mich  so  herrlich  etc/*  und  weiter  imteu:  „Und 
ißt  aucli  dies  der  Ursach  eine,  dafs  ich  bisher  verzogen  habe, 
weiter  wider  sie  zu  schreiben  etc/'.  Und  kouätaut  beseichnet 
er  das  grofse Bekenntnis  als  zweite  Schrift  segeu  die Salcramentierer. 
Vgl.  De  Wette  III,  287:  alt  er  am  contra  SaersmeiitBrios  et  ipsam 
novissimam  coufutationem.  p.  250:  cgo  quoque  iam  secundo  in  illos 
vehor.  p.  252:  Ego  in  Schweriuerios  sacrameuturio?  scciindn  et 
uovisäiiiie  t^cribo.  p.  253;  Ego  secuudo  et  ultimo  in  «dacramuit^urios 
vaniloquOB  sciibo.   


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XAWERAUy  THESKH  LIJTHEB'8  DB  KXOOMinnnCATIOIIB.  477 


5. 

Thesen  Lutber's  de  exrommonieatioDe.  i51& 

Von 


I.  BxcoBmnnieAtioQW  pontifieia  non  ponunt  liomiiitiii  oztrm 
giaeiim. 

3.  Kee  mIt»  pattteipatloaem  bonorum  Chtviti  eodeslo  K 

3.  Kee  tollmit  oratlonem  ecelesie  eed  magis  augent^ 

4.  Tmmo  preeoppoiiniit  hominem  extra  gradam  et  hi  peeeato 
mortali. 

6.  Kee  in  qaolibet  sed  publioo  et  scandaloeo  '  peecato  ^ 

6.  Eieommimicatioiiea  pontifids  rant  solnmmodo  pene  externe. 

7.  Shnillter  recondliationea  sunt  aokmmodo  externe  lieentie. 

8.  Ye  hifl  qni  exeomnranicationem  pape  plnsqvam  peccatom 
mortale  avt  etiam  veniale  ttmeot 

9.  Bmni  aacerdotes  predicHOtea  excommunlcatos  non  gandere 
lM>ni8  ecelesie  ^ 

10«  Impii  eiuit  Episeopi  et  eorum  Offidalee,  propter  pe- 
euniam  chriatiaiioi*  exoommanieatit 

II.  Doceadi  eimt  ehnstiaiii  fllnd  Hatfaei  »Toltenti  toatcam  ete/ 
[Katth.  5,  40]. 

12.  Etai  OflIoialiB  teneatur  Jus  ministrare  actori  pertinaeiter» 
tameB  magia  tenetnr  enm  indoeere  prina  ad  obedlendnni  dei 
nandato. 

13«  Qood  dieaiur  eonailram  esse»  non  mandatom,  dimittendi 
pallinni  aieut  virginitaa  et  Tenditto  [ICattti.  19,  11  n.  81],  est 
error  ^. 

14.  8i  etiam  constet  conajliom  esse,  tarnen  caens  Semper 
eeenrrit  in  Jndidis,  sientß]  pct[?]  ...ptionem^ 

H.  Lnthema  diapntabit. 
Hee  qneatlo  ante  annnm  dispntata  est  Yel  snpra. 


1)  Hcc  decla[rajtur  in  4^''*  [conclulsione. 

2^  Falsum  est  nisi  intelligutur  de  excom[ixiuiiicatiouej  iniuäta. 
9S  „•eandidoflo*'  Maer. 

4)  Recte  sentit  [?J  contra  abusoin  ....  cuin  ecciesiastiooraoi* 

5)  Fal^um  [?|  o^f  dp.  . [tuste?J  ezeommunicatit. 

6)  clirist jaüä''  Mscr. 

7^  Dubito  de  eius  veritate. 

8)  Dnreh  Beschneiden  des  Blattes  vcntOBimslt 


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AKALSKTEN, 


Das  sind  die  Thesen,  die  als  Auszug  aus  einer  Predigt,  welche 
Lother  nach  der  Heimkehr  von  Heidelberg  Exaudi  (16.  Mai) 
1518  in  Wittenber^^  ^'ehalten  hatte,  von  ge^erischer  Seite  ge- 
flissentlich kolportieiL  worden  waren.  Diese  Sätze  hatte  wohl 
Kaiser  Maximilian  im  Sinn,  wenn  er  am  15.  Au^nist  1518  dem 
Papste  schrieb,  Luther  habe  in  Konklusionen  und  Predigten  auch 
^de  vi  apostolicarum  Excommunicationum viel  gelehrt,  „in 
qnibns  danmosa  et  haeretiea  pleraqne  videantur"  (Erlanger  Aus- 
gabe Opp.  m.  arg.  II,  349).  Ton  denseHieii  meldet  Luther 
am  1.  September  an  Staupitz ,  dab  i^obeenratores  atroees  nimia 
xaptiim  ex  oie  mee  [eennonemj  in  artionlos  odioeiseuoe  compositoe 
tum  xed«genuit  et  ubiqne  epaieenrnt  et  spargunt  enm  insigni 
nomiBis  mei  persecntione:  deniqne  Angnstae  inter  magnates  Telat 
et  irritat  Jaultoe:  in  Dresden  [35.  Jali]  mihi  ipsi  in  ftdem  ob- 
ieetoe  Mt«  aUatia  aliqnot  eioadem  artieolia**  (Enden  I»  284). 
Anf  dieeelben  Thesen  besieht  sich  Spalatin's  Klage  im  Biisfi» 
▼om  5.  September  an  Lnther  ans  Angsbnrg  (ebendas.  I,  232): 
f^Dieeie  non  possnm,  qnantom  tibi  mali»  qnantmn  invidiae  eon- 
flasse  Tideantor  positionee  de  ezcommnnieatione.  Isthinc  hne 
qnidem  satis  ndrari  neqneo  missas,  eoqne  magis,  qaod  ent^nnetam 
habebant  (ezpertns  enim  scribo)  epigramma  amarnlentiasimnm  in 
Bomanam  avaritiam.^'  Diese  Thesen,  die  dem  Reformator  so  TteL 
Yerdrufs  bereiteten  und  ilm  dazu  yeranlafsteo,  Bnde  August  1518 
seinen  Sermon  Yom  16.  Mai  noch  nachträglich,  so  gut  es 
lieh  war,  ans  dem  Gedächtnis  niedersnsi^hreiben  und  als  Sermo 
de  virtnte  excommunicationis  ^  zu  verOffentUoheo ,  sind  meines 
Wissens  bisher  nirgend  aufgefunden  worden.  Sic  haben  sieh 
aber  handschriftlich  auf  der  Stadtbiblioihek  in  Lübeck  erhalten, 
scheinen  also  damals  ihren  Weg  auch  nach  Norddeutschland  ge- 
funden zu  haben  Der  Unterschrift  nach  zu  schliefsen  ist  die 
Niederschrift  derselben  a.  1519  erfolgt;  das  epigramma,  von 
dem  SpalatiT]  meldet,  ist  ni«  lit  dabei  Das  „M.  Lutherus  disj.iU- 
tabit"  entspricht  cnnz  der  Situation  im  Sommer  1518;  er 
wollto  in  der  That  emo  derarti^'e  Disputation  lialteu ,  unterlief» 
dieselbe  jedoch  auf  Begehren  dos  Brandenburger  Bischofs  (En- 
ders I,  212).  Wenn  der  Schreiber  dt-r  Lübecker  Kopie  bei- 
fügt „haec  quacstio  ante  annum  disputata  est  vel  supra", 
80  wird  man  natürlich  darin  nur  der  Zeitangabe  Wert  bei- 
legen dürfen,  um  das  Alter  der  Abschrift  danach  zu  bestim- 
men, nicht  aber  schlieÜBen  dürfen,  dais  die  fragliche  Dispotation 


1)  Zu  den  Titelworten  „a  lingnis  tereiis  tandem  everberatus 

•ei  (neben  Sir  2H,  If"  VulpO  auch  an  eine  Stelle  in  Joh.  Bus'  ,,Scr- 
monom  ad  populuin  Tomus  tertius"  Bl  Eij  erinnert,  wo  wir  der  Auf* 
jKshiift  b^;^gnen:  „De  iingaa  tertia  et  malo  deiraotionis 


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BRIBGERy  THB8EN  KABLSTADT'S.  479 


«irldieli  evfblgt  sei;  Di«  BaDdbfliiLerkiiii90&,  die  Ich  ala  Anmef 
kaDgen  gegeben  liabe,  die  aber  leider  tobi  Badibinder  teihrelae 
weggeacbnitten  aind,  atammen  von  einem  andern  ala  dem  Ver- 
feitiger  der  Abacbrift;  aie  Terraten  einen  den  kflbnmi  Oedanken 
LuihBc'a  nur  lOgemd  folgenden  Fremd.  (Vgl.  KOetUn*  I,  211  iL 
and  beeenders  Weimarer  Ausgabe  I,  634  ff) 

Zugleich  sei  bier  bemerkt,  dala  die  Lttbeeker  Stadttribliofhek 
von  den  ftnfmg  Theaen  Liitber*s  Ober  remiaaio  poenae  et  enlpae 
Ton  1518  (KOstlin*  I,  195»  Weimarer  Anagabe  I»  629ff.)  mnen 
Plakaldrnck  besitzt,  in  dem  wir  daa  Wittenberger  Origtoal 
Tor  nns  haben  and  an  dem  sich  der  von  Knaake  benotrte  (Mp- 
siger)  Drnck  A  als  ein  mehrere  Fehler  des  Originals  korrigieien- 
der  Nachdruck  verbtlt   Der  Kopf  des  Folioblattea  lautet  hier: 

pK0  Pcritatc  inquircnöa  et  tinioiatis  coTtfcicntijs 
confoläbis.  i^ec  fub  H.  p.  ||  ^.UacUno  tut\}tt  Zlu^uftiniano 
^isputabunhir  p  oices  Circulares  ||  pro  noftro  motc  (5  IIS.  || 

Die  Einrichtong  des  Druckes  entspricht  sonst  ganz  der  von 
A  (Weim.  Ausg.  I,  629).  Der  Drucker  ist  meines  Erachtens 
Job.  Grunenberg. 

YariaDten:  S.  631,  28  mendacem,  sed  [ß]  veracem;  S.  632,  8 
culpa,  34  accidit,  38  pmittentiä  [also  praemittentis  statt  pro- 
outtentis];  S.  633,  2  mortatalla,  3  eneretur  [statt  teneretnr], 
8  (id  est  crimina),  12  Ko:  1  [statt  So:  1]. 


6. 

Tbesen  Karistadt'fl. 

Mitgete'dt 

von 

Tlu  Brieger« 


Zu  den  in  diesem  Hefte  TerMfonfüehten  Wittanbeiger  Theaen 
kann  aneh  ieh  einen  Utinen  Beitrag  lieftm. 

Job.  Barth.  Biederer  hat  bekanntlich  im  Tierten  Bande 
aeinor  „Nachrichten  snr  Kirchen-»  Qelehrten-  ond  Bllcher- 
Geaehicbke'*  (Altdorf  1768)  die  ältesten  ihm  bekannten  Sanm- 
lang»  Wittenbefger  Diepntationatt  beaproehen.  Die  eiate  SteDe 

ai« 


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480 


▲HALEKTSN. 


weiöt  er  einem  aus  zwölf  Blättern  behtehenden  Quartdruck  an, 
den  PF  vermutiingöweise  dem  Jahre  1520  zuweist  (S.  53.  56) 
und  dessen  Inhalt  er  8.  57 — 73  eiDirehend  bebpiicht 

Dieser  Druck  ist  bis  jetzt  nicht  wieder  aufgetancht,  vermut- 
lich, weil  man  nicht  nach  ihm  gesucht  hat  Doch  fand  ich  jüngst 
auf  der  herzogliehen  Bibliothek  zu  Wolfeuhüttel  einen  völlig 
gleich  betitelten  Druck,  welcher  sich  bei  einer  Vergleichung  mit 
den  Angaben  Biederor's  als  Nachdruck  der  ¥on  diesem  be- 
schriebenen Schrift  herauxititeilt. 

Der  Titel  lautet: 

TN8IGNIVM  THEOLOOORVM  |  Domini  Martini 
Lutheri,  domini  Andrec  |  Ii  ar  o  1  oftadij  [sie],  Philippi 
melan|thonis  &  aliorum  |  conclu*  |  fiones  vari^, 
pro  diuinae  gratiae  defenfione  |  ac  commoudatione, 
contra  fco  |  lafticos  €(  pelagianos  {  disputate  in 
praes  |  clara  arademia,  ||  Vvitembor^re  nfi.  ||  Lege 
loctor  ^  afiicieris  verfufacie  catalogum  |  inuenies. 

8.  1.  e.  a.  —  18  BI.  in  Q  »  Signataren  A^.,  BJ.,  Bq.,  Cj., 
Cij. ,  Ciij.,  Dj.,  D.ij,  D.iij  —  Der  Titel  ohne  Einfassung.  Auf 
der  Bückseite  des  Titels  das  InbaltsfMieichiiia;  der  Text  beginnt 
.  A  2*  mit  der  Überschrift:  „Sequuntur  centom  ooncltiaionfB » 
gratia  et  natura  |  domini  Martini  Lutheri"  nnd  BCUie£il  elva 
Mitte  von  Bl.  18*;  die  letzte  Seite  leer. 

Der  Druck  wird  schwerlich  sp&ter  als  1520  anzusetzen  sein. 

An  8.,  9.  und  10.  Stelle  finden  sich  hier  Thesen  KarlstadVs. 
Von  diesoTi  hat  Biederer  S.  67  f.  nnr  die  dritte  Thesenreihe  mit- 
geteilt, bei  deo  beiden  ersten  sich  mit  der  Wiedergubo  weniger 
Sätze  begnügend.  So  sind  diese  wichtigen  Tiiesen  bisher  nn* 
bekannt  geblieben. 

Es  sind  1)  die  oben  (S.  450 — 456)  von  Kolde  aus  einer 
Berliner  Handschrift  ani^^edruckten  ,,Centnm  quinquaginta  nnum 
[sie]  conclusiones  de  natura,  lege  et  gratia:  contra  scholasticos 
et  u^jum  communom"  (Bl.  Cl*—  Dl^)  ^  —  und  2)  BL  Dl*  bis 
D  3*  die  hier  nachstehend  zmu  Abdruck  gebrachten  *. 

Ihre  Zeit  Termag  ich  nicht  näher  zu  bestinimeD.  Doch  liegt 
^tage,  dafs  sie  ans  ziemlich  früher  Zeit  stammen. 


r  Vgl.  Biederer,  S.  n3-66.  —  Ich  konnte  Kr-lde  leider  erst 
während  des  Druckes  die  zum  Teil  für  die  Richtigstellung  des  Texte« 
recht  belangreichen  Abweichnugen  zur  \^erfüguiig  stefleo.  —  Die 
Zahlvng  ist  hier  ao,  wie  bereits  Biederer  augegeben  hat:  die  Thesen 
werden  stets  von  1—20»  Koktst  won  l^tO  gei^hlt,  die  151.  mit  ,U1* 
tima*  eio^eführt. 

S)  Biederer  hat  S.  C6  die  sechs  ersten  gedruckt 


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BRIKGEB,  TU£fiEN  lkA&LäXAm'& 


481 


Triginta  tres  eonelasiones:  de  tribuUtionis  et  prae- 

desünatioiiis  materi». 
D.  A.  C. 

j.  Caro  tribuiatioiiid  afflicto  spiritui  nihil  prodest. 
y.  Afüictionc.  vclut  certo  et  evidenti  testimonio,  cognosci« 

niDs,  an  quispiam  sit  ülius  dei. 
üj.  AnL^iistia  spintua  ebt  multo  certior  index  gratiae  divinae 
ndeique  quam  externa  bona  upera  quimtumcunque  sancta, 
quae  vulgus  tlieulogoruin  opera  fidei  existimat. 
i^j.  Baptisftti  spiritu  et  aqua  tribuiatiouiä  vere  sunt  bapti- 
sati. 

V.  Verbum  Chriati  »Nisi  quis  renatus  faerit  ex  aqua  et 
spiritu  sancto*  ubertim  et  |)lene  debet  intelligi,  ut  non 
Bolom  elementarem  aquum,  aed  etiam  allegoricam,  lioc 
est  tribulaiionem,  quam  multae  scriptorae  aquam  vocant, 
accipias. 

vj.  Tribulatio  spiritualis  sacramentum  est  V 

¥ij.  Sancti  afflictionibus  atteimati,  licet  interim  ^.e  alieuatoB 
a  dei  gratia  putent  diraTittiue,  non  tarnen  sunt  omnino 
a  deo  derelicti,  sed  dominum  est  cum  eis. 

viij.  Dolor  et  sensus  alienati  a  äanctis  dei  aut  abecini  spiritus 
a  deo  consistit  in  magnificationid  divinae  carentia  Inqne 
defectu  sacrificii  laudis  gandiique  matuüni,  in  conscientia 
infirmitatis  et  peccatormn  recurdatione. 
ix.  rtile  et  necessariiiui  est  praedestinationem  Rciie. 
X  Primo,  quia  in  praedestmatioBia  abisso  monuntur  opera 

et  fides  suspirat. 
jj.  Secimdo:  nohilisRima  abnegationis  nostri  ?irtus  nascitur. 

xg.  Tertio,  qiiod  judicii  frivoli  et  temerarii,  quo  nonnulli 
temere  pronuntiant  inmc  esse  filium  promisaionis»  iUnm 
vero  perditionis,  extunditur  acumen. 

xüj.  Qnarto  praedestinatianis  perpensatio  correptorea  placat 
et  mitigat  faritque  eos  tranqnille  et  placlde  abjectos 
reducere,  contractoa  aiiigare,  inürmos  com>olidare  et 
fürtes  cnstodire. 
zilQ.  Qnintd:  prapdestinationis  notio  in  divinae  Toluntatis  pro- 
fan litatem  diK  it  atqne  in  ea  rebeUem  hominom  Yolnn- 
tatem  absorbet 


1)  Vgl.  m  diesen  SStMii  die  BemakiiD^  VOQ  Jäger,  CbriitadC 
^SiiHtgart  1856),  &  17. 


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488 


XT.  Homines  pnedestinationis  scientia  fonnati  qaae  bona  in 

divinis  ocalis  saut  repiig:nante  carne  voluntario  spiritn 
subenat,  etiamsi  amara  ^  sunt  in  hnmano  conspectn. 
x^.  Augustinus  hanc  autnritatem  Juan.  VI  .Omnc  quod  <ledit 
mihi  pater  nou  perdam  ex  eo*  *  pro  certitu  iuio  prae- 
destinaturum  permanentium  forte  et  petulantor  traxit 
qaanqiKim  aliae  aant  authoritatoa  augustiniauum  senaum 
roborantes. 

xvij.  Nisi  rlrcnmstantia  scripturarum  *■  asseratur  Augaatinus. 
x?iij.  Deus  ub  futura  opera  non  praedestinat. 
xix«  Si  Ecclesia  sciret  vaaa  pardiüoiüfi  in  contnmeliam  facta, 

non  oraret  pro  eis. 
XX.  Oraüones  justorum  tantnm  praedestinatis  sunt  salabrea 

ad  Titam  aeternam. 
xxj.  Animae  üdelinin  defonctoram  sunt  in  praedeatinatorum 

Kcclesia. 

xxg.  Praelati,  pastorBb  uvium,  ad  ^^cripturarum  mterprüLitionem 

publiciä  officiis  astringuntur. 
xxiij.  Omnes  quoque  paticisfcimiliaä  ud  praedicandum  famiiiari- 

bus   snis   dei   Yorbum  sunt  obnoxii ,  privato  tarnen 

officio. 

zxUy.  Melius  est  onre  unom  psalmom  mente  et  cum  intellecta 
qwun  eenliim  In  spiiita  et  plaosa  voeis  absque  intelli- 

gÜltUL 

xxT.  Uefiae  eigo  vaeare  intelleetai  sacraram  litterantm  qmm 

in  eeeloeia  caotare  et  lengoe  aoetornos  deatiam^dera 

et  sibilo  labioram  legere. 
xxTj.  Beethtt  eigo  ÜU  regnmn  dei  qnaamty  qoi  verbam  dei 

piime  diUganti  leefeioae  serataiitar,  quam  Uli  qai  maae 

orattonea  legimt  et  nihil  intellignnt. 
xxTy.  fieipabUeae  dniatiasae  tntereat  eonsecntionis  verba  in 

aiata  a  eirsoastantibaB  aadiri  atqae  intelligi. 


1)  Der  Druck  liest:  amata. 

2)  Joh.  6,  39. 

3)  Au  gast.,  Contra  Juliauum  V,  14,  Opera  (editio  tertia  Ve- 
neta)  XIII,  787a  (in  dem  Verzeichnis  der  ,Loca  Scripturae  quae  ex- 
plleantur  in  opeiibns  8.  AugostiniS  T.  XVIII,  ist  diese  Stelle  ftber^ 
fangen) . 

4)  Man  vergleicbf^  die  von  Löscher.  Kof. -Acüi  TT  (Leipzig 
1723),  8.  79flF.  wieder  ab  ^("druckten  Thesen  Karlstadt's  aus  dera  Jahre 
1518,  Sau  24  ff.  S.  81,  273  S.  93.  Za  den  die  Prädestination  be- 
trsAsndea  Tlissea  sind  Idsr  an  vendeiebea  die  SfttM  895iE  8.  94ft. 
desgleichen  die  fen  Jiger  8.  (M^t.  bssmoehsnoi  Thessn  ans  dem 
Jakie  1519. 

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MläCELLBir. 


483 


iXTig.  Utile  forel  ti  missarom  Terba  ubiqne  locoruxn  materna 
Haga»  oanerentnr»  scilieet  apnd  tJngaros  angariee,  apad 
Alemmos  alenmioe,  apud  PoIoiiob  poloniee  etc.,  et 
onml»  elm  et  sonon  toiw  legvivator. 
xtix.  Dens  peeoata,  qaae  poeoae  sunt  praeoedeotiini  pecca- 
torum,  wm  aolnni  pennlseiTe  et  patienter»  sed  etUua 
antboritaliT«  et  potenter  &6Ü 
XIX.  Staliom  est  qiimipiain  dnbitare  de  fide  ava. 
ixxj.  Opera  infideUnm  saut  peeeata  K 
xxxg.  Sani  qni  dieont  Indnlgentiaa  noa  prodeM»  aoe  aaten 
miraonir»  cur  id  dioece  andeant»  quoniam  eenitos  eam- 
panamm  (quibiis  ad  eeeleeiam  Toeatur  popnlu)  proaii 
xxxiy.  Niel  qnod  in  altero  miaue  enpentitionis  oflTenditQr^ 


7. 

H  i  s  e  e  1 1  e  D. 


1.  da  Sohralbea  der  Wllw«  BagMhagm'i  0568). 

Tm  K.  S.  UauptdtaiitsarchiTü  kam  ich  bei  Studien  Über  Jagd- 
frevler des  16.  Jalirliunderts  aaf  ein  Oi  iginalscbreiben  der  ^Vltwe 
Bugeuhagen's,  d.  d.  Wittenberg,  5.  Dezember  1663  (Locat  8083, 
Bd.  XV,  S.  41/42).  Selbst  Vogt  kann  in  seinem  „Bugenhagen** 
(1867)  nichts  Genaneree  über  die  Abkunft  dieser  Frau  angeben 
(v^l.  S.  58).  Auch  der  mir  vorliegende  Brief  ist  nicht  einmal 
mit  dem  Vornamen  (Et»),  sondern  nur  „des  ©hrwirditren  hem 
doctor  Johan  Bu^'oubagens  nachgola^sen  witwe"  untorzciclinet. 
Gerichtet  ist  er  an  die  Kurfürstin  Anna  zu  Sachsen  und  enthalt 
ein  Bittgesuch  wegen  Mertten  Schwewelers,  Bürgers  zu  Jossen, 
der  eine  Tochter  des  Bruders  Evens  zur  Frau  hatte  und  Flei« 
eeher  war.    Derselbe  hatte  sich  an  einem  sich  aoflg^espielsten 


1)  Vgl.  die  405.  Tbesc  a.  a.  0.  vS.  104. 

2)  Zu  dieser  ÄuTserung  über  den  Ablafs  Terffleiche  man  Karl- 
fttadt's  gegen  Tetxel  gerichtete  Sätse  (vom  9.  lui  1518)  a.  a.  0. 
88B  aad  848  a  96  wTeeiBe  Sebiift  ttber  den  AUafli  ton  1080. 


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464 


Hirsche  Yergriflfeo,  nnd  harte  Strafe  stand  ihm  be?or.  £?a  wählt 
die  Kürfürstin  als  Fürsprecherin  bei  deren  Gemahle,  KorfOrat 
Au£^  zn  Sachsen,  nnd  bemerkt:  „Das  mein  lieber  herr,  der 
ebrwirdig  doctor  Pomeranos  sehelicher  nnd  loblicher  gedechtnnt 
diesen  landen,  auch  e.  chorf.  g.  geliebtem  vatorlandt,  dem  konig- 
xeieh  Dennemarck,  mit  ausbreitnng  gottliches  worttSy  seinem  banif 
Baeb,  mitt  YoUem  treuen  flei6  gedionet"  habe. 

Diwden.  neodor  Distd. 


B.  Pw  (1676—1735) 

nnd  deasen  Briefwechsel  enthält  der  XXXU.  Jahresbericht  des 
k.  k.  Obttgpnnasinms  der  Benediktiner  za  Melk  1669.  S.  5 — 106 
eine  anziehende,  kirohenhistoriscbo  Arbeit  ans  der  Feder  des 
8tiftsarchi?ars  Professor  £.  Katscbthaler.  In  die  gelnngenet  bie- 
graphische  Skine  ist  der  interessante  Conspectos  epistolamm  en^ 
gefügt,  reieh  ausgestattet  mit  litterarischen  Nach  Weisungen  Ober 
die  Kerveepondenten ,  Schriften,  gelehrten  Fehden  des  mutigeSt 
etwas  empfindlichen,  eigensinnigen  Pez  mit  gelehrten,  poltemdea, 
pöbelhaften  Jesuiten,  phantasierenden  Genealogen,  mit  dem  nei- 
dischen, eifersüchtigen,  kaiserlichen  Bibliothekar  Gentilotti,  dem 
späteren  Bischof  von  Trient.  Zalilreicbe  Kachrichten  erläutern  die 
Oeschichte  eines  Mannes,  dem  Dom  Ursin  die  Fähigkeit  zutraats^ 
die  Wissenschaft  in  den  Beoediktinerkll^m  Deutschlands  sar 
Blüte  zu  bringen.  Begeistert  von  den  franzüsischen  Vorbildm 
hatte  sich  Pez  durch  Mabillons  Acta  und  Annales  für  die  Ordens* 
geaehiebte  gewinnen  lassen.  Einsam,  ohne  Vor-  und  Mitarbeiter, 
ohne  imiftasende  Hilfsmittel,  —  in  dem  reichen  Melk  fehlten  die 
HaapImclDe  der  Mauriner  —  beschlols  er  eme  Bibliotheca  Benedictina 
Generalis  zu  schreiben.  Sie  sollte  alle  Ordeoaaatoren  Deutschlands, 
Frankreichs,  Italiens,  Spaniens,  Engluids  vom  5. — 18.  Jahrhundert 
biegiaphisch  urd  bibliograpliisch  bebandela»  mit  Heranziehung 
aller  handadiriftlichen  nnd  gedruckten  Opera.  Für  jede  Centane 
war  eine  einleitende  Abhandlung  über  den  Znstand  des  wissen* 
achaftlichen  nnd  geiatlicben  Lebeng  im  Orden  wftbiend  des  Jahi^ 
himderta  geplant.  Daa  grolbarfige  üntemehmen  Ttranlalste  eine 
Kerreapondeni,  von  dar  daa  HeUcer  StiftaarchiT  noch  740Briei^ 
bewabrt  Sie  kommen  ans  Rom»  Fanna»  Tene%,  Maihmd,  Padna» 
Bayenna»  Montecaeinot  Paria,  Toiixs,  EheimSv  Tool,  Kancy,  Poltiin» 
8oiaaon%  Wien,  Prag»  K61n»  Begenabnig»  Bambeigi  Baaal»  Has- 


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MiSCELLEK 


466 


borg ,  JenH,  Leipzig,  Hannover,  Giefsen.  Gotha,  Paderborn.  Unter 

den  Schreibern  ümlen  sich  Fürbtäbte,  Abte,  Prioren,  Mönche  in 
St.  Blasien,  S.  Gailen,  S.  Emmeran,  Göttweih,  Banz,  Fulda, 
Weifsenburg,  Wessobrunn,  Corvey,  Tegernsee,  Niedoraltaicii,  Zwie- 
falten, Corbie,  S.  üeimain  des  Pr^s.  Man  trifft  auf  die  Namen 
Armellini,  Bacchini,  Bessel,  Calmet,  Durand,  Murtene,  Massuet, 
Quiriai,  Passionei,  Schannat,  ThuiUier,  Uffenbach  und  andere.  Es 
handelte  bicli  um  Invontare  <}er  in  den  Klüstern  Kuropas  vor- 
handenen M;iniiskri{tt6,  die  Benediktiner  zu  Verfassern  sfehabt, 
um  Kopieen,  Hiographieen ,  Urkunden.  Mitarbeiter  mufsLen  ge- 
worben, verbort^'one  Pfleger  der  Stüdes  mona^stiques  iicrangezügen 
werden,  in  den  deutschen  Klöstern  war  jedes  gelehrte  Inter- 
esse  erstorben.  Frommer  und  unfrommer  Müfsiggang  herrschten. 
An  dummgewv»rdenem  Sal/.e  fohlte  es  nicht.  Die  Manuskripte, 
laniet  eine  KhiLre  aus  Ottubeiiern,  ^verden  hier  meist  so  wenisf 
beachtet,  dais  mau,  weit  entfernt  sie  zu  lesen,  Scheu  und  Kkel 
bei  ihrem  Anblick  empündet.  Ja,  wir  unterstützen  nicht  einmal 
Forscher  ,  die  tich  diesen  Studien  zuwenden.  Drei  Gelehrte  aus 
Hannover  hätten  in  bairischen  und  schwäbischen  Konventen  nach- 
gesucht und  zu  verwundern  sei  es,  dafs  die  Akatholilien  solche 
Beschwerden  auf  sich  nAhraen,  um  Schriften  zu  sammeln ,  mehr 
zur  Empfehlung  fQr  unsere  als  für  ihre  Keiigion.  \on  Fulda 
kommt  der  Boscheid,  es  ermangeln  so  viele  wiclitii^o  Schriften 
non  eijguü  reipubücae  littcrariae  damno,  z.  B.  Bonifacii  de  hi- 
storia  et  missionis  suae  laboribus,  das  nuch  U>10  im  Stifte  vor- 
banden gewesen.  Vielen  derartigen,  niederschlagenden  Erfah- 
rungen waren  Pez*  Liebe  zur  Sache  und  eiserne  Zähigkeit  ge- 
wachsen. Unermfldet  warf  er  seine  Netze  aus  und  spmn  seine 
Fädea.  Das  solamen  miseris  fehlte  nicht  Arnielluii  m-^inte,  in 
Italien  koste  es  mehr  i^Iühe,  ein  Buch  drucken  zu  lassen  iihs  tu 
schreiben.  Gegen  einige  Freiexemplare  wallte  er  «eine  Bibli  othek 
der  Kongregation  von  Montecasino  Pez  zur  lluniuisgabe  über- 
lassen. S.  Germain  des  Pres  half,  treu  seiner  2:elehrt€n  Tra- 
dition, mit  Rat  nnd  Tliat,  klagend  Uber  die  Gleichgültigkeit  gegen 
hiBtorische  ForHchim^'en  pelbst  bei  fnmzösisclieu  Benediktinern. 
Massuet  beg-Kitete  l'ez'  Bemühungen  mit  liebevoller  Teilnahme 
und  sandte  Kollektaneen  nu^  Mabillony  Nachlasse.  Die  schrift- 
lichen Antworten  auf  Fragezottel  waren  meist  uiijrenüf^end.  Daher 
visitierte  Pez  mit  seinem  Bruder,  dein  Bearbeiter  der  drei  Fo- 
lianten Scnptores  rerum  Austriiicarum,  die  österreichischen,  Imye- 
rischcn  und  schwäbischen  Klöster.  Das  Notizbuch  Itineraiium 
fratrura  i'eziorum,  ein  dicker  Foliant,  ist  erhalten.  Prälaten  und 
Mönche  waren  durch  Bernhards  Liebenswürdigkeit  z;i  Patronen 
und  Gehilfen  gernaclit.  Einen  Teil  des  neu  Entdeckten  brachte 
der  TtiMaaroi  Anecdotorom  in  drei  foliobftaden  1721 — 1729. 


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4B6 


ANALEKTEN. 


Die  trefflichen,  historisch-kritischen  Einleitungen  entsprechen  der 
Wichtigkeit  des  InluUts  in  diplomatischer,  monastisoher,  kircben-, 
lud«-  und  knltnhistoriMhw  B«iebiuig.  Eb  wfdlgte  ein  Angriff 
wigen  solcher,  der  heiligeo  Kirche  imgftiutigmi  Stücke,  die  nach 
alter  Kirehendisziplin  daa  i^aer  Terdienten.   Der  Jtager  Ma- 
bülona  erwiderte,  Objektifitftt  und  Wahrheitsliebe  seien  Ar  den 
Geschichtsforscher  ersise  Ctesets.   Kiefat,  mit  welcher  Beiedi» 
tignng  die  alten  Antoren  ihre  Ansichten  Yertralso,  sondem  nnr 
was  sie  glaubten,  soll  der  Hisfeoxiker  olfen,  wie  er  es  in  den 
Sdiriftsn  findet,  ohne  Verschweigen  und  BAcksiebteD,  darlegen. 
Weshalb  die  EatboHhen  von  dieser  Forderong  fni  sein  aoilts^ 
ist  nicht  eminsehen.   Hit  Secht  konnten  sie  sonst  ^teetanten 
der  Parteilichkeit  und  des  Betruges  beschnldigen.   Die  Bitte  mn 
Codices  oder  Kopieen  in  der  Torrede  des  Thesanros  blieb  niciil 
nnerh6it.   Aber  was  gesendet  wurde,  Tereohwand  fast  gegen  den 
ungeheueren  Vorrat,  den  Pez  in  8.  Germain  des  Pr^s  fand,  wo 
er,  betreibt  nicht  hundert  Augeu,  Köpfe  und  Hände  zn  haben, 
drei  Monate  arbeitete.    Kardinal  de  Bissj  der  Kommendatarabt, 
—  ut  ista  Pestis  Tulgo  T«catur  —  Franzoson  aller  Stände 
ehrten  den  Verfasser  der  Bibliotheca  Benedictina  Maurinrnna. 
Mit  protestantischen  Gelehrten  verkehrte  der  Möncb,  unbeschadet 
der  kirchlichen  Treue^  ohne  jede  Voreingenommenheit,  nahm  gern 
ihre  Hilfo  an  und  Torgalt  sie,  wenn  er  auch  Uffenbach,  Straten 
MencVe,  Cyprian,  Mascor,  Lfinig,  Buder  nicht  wie  Schannat  und 
Eckart  in  seine  KlSstersorgen  und  litterarischen  l'rübgale  ein- 
weihte.    Eine   nnglückliche   Publikation   in   der    zwölfban  lii'en 
Bibliotheca  ascetica  1723 — 1740,  diesem  Thesaurus  in  nuce  für 
Mönche,  braclite  Ve?,  den  Georg  T    von  England  durch  eine 
goldene,  fünfzig  Ducaten  schwere  Modaüie  ausg-ezeicbiiöt  batt^>, 
Tadel   von  Kaiser,  Erzbischof  und  Abt    Die  Fol^ro  der  Sup- 
preesion  der  skandalösen  Visionen  der  Blambekin  —  die  doch 
Yon  ornditis  Ijiitljeranis  im  Reiche  ohne  Anstois  gelesen  wur- 
den —  und  der  üigerlii-hen  Schrift  Pothos  von  Priefling  über 
die  Wunder  der  Mutter  Gottes,  traf  Pez  emptindlich.   Er  k.umte, 
wie  er  Sr.  Excollenz  dem  Abte  schrieb,  nichts  weiter  i.um  Drucke 
fournieren,  deun  sein  Kredit  beim  Verleprer  fuuditus  rumieri  war, 
und  auch  die  wenige  Cassa  apud  Supeiiores  in  grOfster  crisi  lag. 
Sein  Hauptwerk  brachte  er  nicht  zustande.    Sterbend  bat  er  die 
lirüdcr,  allo  Papiere  nach  S.  Germain  zn  senden,  da  sie  in  JMelk 
niemand  bearbeiten  kuime.    Bekanntlich  haben  Ziegel bauur  und 
Legipont  das  Material  in  mangelhafter  Weise  verwertet  Katsch- 
thaler  beabsichtigt  weitere  Publikationen  aus  der  ßriefsammlnng. 
Kaeh  den  mitgeteilten  Proben  steht  damit  ein  willkommener 
Bdtng  nr  Qeeddohte  der  kirchlichen  Gelehieemkeit  in  AnaMt 
Mia  Mn  folgende  Pkemotien.    Der  Beaefiktiner  Igger  in 


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MläCELUSH, 


487 


Peter^hausen  überreichte  dem  Nuntius  P^ssionei  eine  seiner 
Schriften.  Was  Licentiut  hcdrutc,  clon  Titel  kenne  m:m  in 
Italien  nicht;  er  möge  sicii  Doktor  Dönnen.  —  Das  ist  mir  nicht 
erlaubt.  —  Was  brancht'b  viele  Worte?  Ich  ernenne  dich  zum 
D<drtor  der  keiligen  Theoiog^ie,  kraft  der  mir  vom  Papste  ver- 
liebma  Yolhnacht,  im  Namen  des  V.  d.  S.  u.  d.  h.  Geistes.  — 
Haeeooti  Ijmm  societatis  reue,  hielt  sieb  in  semer  persönlichen 
Sieherheit  bedroht,  weil  er,  wie  die  meisten  Mauiiner,  seinem 
Ebsbiscbof  KoaiUee  die  Treue  bewahrte  nnd  die  Xonstitntkon  üni- 
geoitus  bekämpfte,  die  den  ctarisl^ehen  Ghuiben  bedrohe.  Dieses 
Verbrechen  sei  Grund  genug  ftir  die  MoUnisten.  auch  Gereohte 
snm  tie&ten  Kerker  in  Terurteilen.  In  Bentsehland  ist  wohl 
manches  darflber  bekannt,  aber  niemals  so  viel,  als  der  Wirk- 
lichkeit entspricht  Ihr  seht  in  der  Feme  nur  den  Bauch,  wir 
^e  weithinlehrende  Flamme.  —  ttartene,  der  jkpologet  der  Mo- 
ralis  Gallicana,  lelgt,  dab  sie  mch  nicht  Ton  der  christlichen 
Horal  in  Deutschland  nntttseheide.    Mochten  «oh  doch  die 

Deutschen  nicht  von  fidscheu  Gelehrten  täuschen  lassen!  

Man  erfahrt,  dalh  Bartenstein,  der  spütere,  einflaüsreiche  Bat- 
geber Marin  Theresias,  fOr  Montfancon  und  de  la  Rue,  in  ao- 
natelanger,  sechsstündiger  Tagesarbeit,  griechische  Codices  der 
Hofbibliothek  kopieren  mufdie,  denn ,  hodie  saltandi,  bibendi 
indendiqae  (nolo  reliqua  addere)  scientia,  qui  se  non  commendat, 
nnnqnam  is  ad  magna  natus  existimabitur ;  die  grO&ten  Nullen 
occnpierten  die  wichtigsten  Ämter.  Ober  Hardouins  WillkOrlich- 
keiten  bei  der  Edition  der  Konzilien  kann  er  sich  nicht  wundem, 
da  der  Jesuit  Benediktinern  die  Werke  des  Cicero,  Tibull  und 
Petronius  zuschreibe.  Mufs  das  nicht  ein  sehr  ausgelassener 
Mönch  gewesen  sein  der  Dom  Petrs^nius  und  iJom  Tibull.  Von 
d«  la  Kue  ciflhrt  er,  welclie  Aufnahme  Pfaff  fand,  als  er  mit 
einem  Prin/en  von  Württemberg,  der  den  Keg'cnten  besiicbün 
wollte,  naiii  l^uis  t'ercist  war,  und  sich  einfallen  liefs,  Hardouifl 
zu  besuchen.  Ob  er  Katholik  oder  Protestant  spi,  war  die  erste 
Frage.  Der  Tübinger  Professor  erwiderte,  er  sei  nicht  gekom- 
men, um  Ivethenschuft  über  seine  Keiiginu  abzulegen,  sondern 
nm  mit  eiuem  gelehrten  Manne,  wie  Hardouin  sei,  zu  sprechoa; 
dafs  er  aber  nicht  erröte,  zu  gesteben,  dafs  er  Lutheraner  sei. 
„Weg  von  hier,  du  unreiner  Mensch!  weg  von  hier,  dn  Ketzer!" 
rief  der  Jesuit  und  schlug  die  Thür  der  Bibliothek  zu.  Pfaff 
klagte  Serenissimo  diese  Conrtoisie.  Der  Prinz  beschwerte  sich 
bei  dem  Regenten,  Hcirdouin  sollte  Satisfaktion  leisten.  Wie 
tolerant  Terkelirtcn  Mabillon  mit  Schüler  und  Leibniz,  Montfaucon 
mit  BüDgel,  Quirini  mit  Sohelhorn.  Ganz  a  la  Hardoam  wurde 
Pez  vom  Pseudonymen  Jesuiten  Modestus  Taubengall  apostrophiert: 
parce,  si  dixero  de  tomis  tuis  qnod  multi,  atramen  domi,  granum 


488 


foris.  Si  quid  bunum  in  tomis  tnis  non  tuo  tarnen  Datum  in 
agro;  clitellas  eruditi  aiipcllant,  quod  non  capitc  et  ingenio,  sed 
dorso  comportaristi.  Salve  mi  Xomifex,  gake  Mabillionaster 
ridicule,  cni  tomi  par  unam  noctem  nascnntur,  ut  fangi.  Der 
Verhöhnte  hielt  kluges  Schweigen  nnd  sittliche  Veraehtnng  f&r 
die  beste  Antwort  anf  ungelehrte  nnd  ungerechte  Angriffe. 

Kalksburg  bei  Wien.  Wükem. 


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NACHRICHTEN 


lt.  Hilgen feld  wendet  sich  in  einem  Aufisatze  ^^Der 
Onetäciflinas''  (ZeitBchrifl  für  wiMenschaflliche  Theologie 

XXJUII;  S.  1 — 63)  namentlich  gegen  die  Ausführungen 
Harnacks  in  der  D.  G.  Die  gegebene  Darstellung 
ist  im  weBentiichen  eine  Kekapitulation  der  von  Hilgen- 
feid  in  seinw  9;  Ketzergeschichte yorgetragenen  Auf£u8iiiig 
des  GnoBtictsmus.  In  drei  Kapiteln  wenden  unter  den  Über- 
schriften: I.  Gnostisches  Christentum,  II.  Der  christliche 
Gnosticisraus,  III.  Die  abschliefsenden  Gnostiker,  die  einzelnen 
Gnofitikery  zu  denen  Hilgenield  auch  Marcion  rechnet,  abge- 
liandelt  In  dnem  vierten  Kapitel  lyDer  Gnoeticismna  ab 
Hlresie^  skizziert  Hilgenfeld  den  Kampf  des  GbristentomB 
gegen  die  Gnosis. 

lt.    Die  von  einem  Herrn  August  Thenn  in  der 

2jeit8chrift  lur  wissenschaftl.  Theok)gie  XXXII,  4  gemachten 
Bemerkungen  zu  Euseb.  Hist  Eccl  IV,  13,  3.  4;  IX, 
If  6  würden  an  dieser  Steile  nicht  erwähnt  werden,  wenn 
sie  nicht  in  einem  so  gespreizten  Ton  und  mit  solchem  Hoch- 
mut geschrieben  wftren,  dafs  ein  Hinweis  auf  sie  wohl  am 

Platze  i&L 

14«   O.  Seeck  G,Die  Verwandtenraorde  Konslantin'a 

des  Grofaen"  in  deiselben  Zeitschrift,  XXXUI,  S.  63 — 7?) 


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490 


NAGBUCHTfiN, 


richtet  sieh  gegen  den  Aulsatz  von  Görres  (Zeitschrift  ftkr 
wiaaenschAitl.  Theol.  XXX,  343  f. in  welchem  dieser  nach- 
saweisen  suchte,  dafs  Konstantin  1)  an  dem  Morde  aeuwr 
zweiten  Ctemahlin  Fausta  unschuldig;  2)  dafs  die  Ermordung 
seines  Schwiegei-yaters  Heraclius  und  Schwagers  Bassian 
ein  Akt  der  Notwehr  gewesen  sei ,  aber  Jalb  ilm  die  im- 
parteilicbe  GeschiclUc  doch  we^en  der  Ermordung  des  Li- 
cinius,  Licinianus  und  Crispus  als  den  Schlächter  sein^ 
Familie  su  brandmarken  haba  Dem  gegenüber  behauptet 
Seeck  die  Schuld  an  dem  Tode  der  Fausta;  dieselbe  sei 
auf  Grund  der  Ehegesetiee  getötet  worden;  Konstantin 
habe  ferner  einen  Akt  der  politischen  Notwendigkeit  be- 
guugen,  indem  er  Schwiegervatei',  Schwäger,  Neffen  ermor- 
det habe,  weil  er  den  Bestand  der  neu  zu  gründenden  Dy- 
nastie damit  gesichert  habe.  Diesen  Resultaten  pflichtet 
auch  V.  Scbultae  (Theologisches  litteraturblatt  1890, 
Nr.  2)  bei. 

15.  Dräseke  setzt  in  emeui  Aulsatz  (Apollinarioa' 
Dialoge  y^Uber  die  heilige  Dreieinigkeit''  in  TbeoL 
Studien  und  Kritiken  1690,  S.  131 E)  seuoie  EntdeckuAgs- 
reisen  auf  verborgene  ApoUinariana  fort  Dafs  sich  Apolli- 
narios  der  IMalogform  bedient  habe,  wird  aus  Justinian  und 
Leontius  bewiesen.  Dafs  bich  weitere  Schriften  des  Apolli- 
narios  unter  dem  Namen  des  Athanasius  erhalten  haben,  ist 
Driiseke  a  priori  wahrscheinlicL  So  richtet  er  denn  seine 
Aufmerksamkeit  diesmal  auf  sieben  Dialoge,  welche  unter 
dem  Namen  des  Athanasius  oder  Mazimus  Konfessor  aber- 
liefert sind,  und  von  denen  sich  die  drei  ersten  nach  Form 
und  Inhalt  von  den  vier  übrigen  abheben.  Er  findet  an 
der  Hand  der  Athanasiusausgaben,  dals  die  drei  ersten  die 
gemeinsame  TIberschrifl  7it^i  tf^g  ayiag  iQiddog  getragen 
haben,  obgleich  die  von  den  Handschriften  gebotenen  tJber> 
Schriften  von  diesen  Worten  nichts  enthalten.  Aus  dem 
ersten  Dialog  schliefst  Dräseke  auf  Benutzung  des  alexan- 
drinischeu  Schriftkanons  (7  katholische  Briefe^  14  Paulinen, 
Apokalypse:  wie  Atiuiuasius  im  39.  Festbriel).  Auf  Grund 
des  awBeüen  und  dritten  Diakgee  bestinnit  er  di»  Zeil  wd 


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NAGHBICBTJBN. 


491 


die  erste  Hälfte  der  sechziger  Jahre  des  vierten  Jahr- 
hunderts. Die  Vennatimg,  dafs  wir  es  mit  einem  Werk 
des  Apollinaris  m  thon  haben^  besKUigt  etoh  nun  Dräeeke^ 
l)  dnxch  den  allgemeinen  Eindruck,  2)  durch  eine  Reihe 

Ton  Einzelheiten:  yiw^^a  für  den  Sohn,  Behandlung  der 
Lehre  vom  heiligen  Geist ;  Aristoteiismus  der  Dialoge;  rhe- 
torischer btü. 

Ii.    In  Lnthardt's  Zeitschrift  für  kuehliche  Wissen« 

Schaft  und  kirchliches  Leben  (1889,  S.  335  ff.  361  ff.)  be- 
handelt derselbe  Verfasser  „Phöbadius  von  Agennuni 
und  seine  Schritt  gegen  die  Arlaner^^  Zunächst 
zeichnet  er  die  kirchliche  Lage  des  Westens  sur  Zeit  des 
KoDstantiiis  bis  «ir  Anfstellupg  der  sogen,  zweiten  lirmischen 
Glaubensformel  und  deren  Anerkennung  durch  Hosius,  so- 
wie den  Widerstand  des  verbannten  Hilarius  in  seiner  Schrift 
„Von  den  Synoden'*  bis  zum  Eingreifen  des  Phöbadiuß  von 
Agcnnum.  I>en  zweiten  Teil  füllt  fast  ganz  eine  Inhalts- 
Übersicht  der  ächrift  des  Phöbadius  itgegen  die  Arianer''. 
Den  fieschluls  macht  eine  Darstellung  des  Verhaltens  dieses 
Bschofs  auf  der  Synode  von  Ariminum  859.  In  einem  wei- 
tereu Aufsatz  (Zeitschritt  für  wissenschaftliche  Theologie 
XXXIII,  S.  78 — 1>8)  warnt  Dräseke  vor  der  letzten  selb- 
ständigen Ausgabe  de»  Phöbadius  von  Kaspar  Barth  1623 
und  knüpft  daran  den  Hinweis  auf  die  Notwendigkeit  einer 
neuen  Ausgabe. 

!#•  Da  die  reichhaltigen  Arbeiten  des  Archivs  für 
Kirchen*  und  LitteraturgeschichtCi  Bd.  IVj  in  den 
„Nachrichten^  der  letzten  Hefte  durch  ein  Versehen  über- 
gangen worden  sind,  erwähne  ich  sie  hier  zusammen  mit 

denen  von  V,  1.  2.  S.  1  — 2U0.  iOhrlc,  Diu  :Spiri- 
tualeu,  ihr  V^erhältnis  zum  Franziskanerorden 
und  zu  den  Fraticellen  (Schiuis  der  ganzen  lieihe). 
2.  Die  yersehiedenen  Gruppen  der  Spiritualen  und  ihre 


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49S 


IfACmUCIlTBK. 


iSchickBale,  a)  Oruppe  des  Angelus  de  Clareno,  b)  di« 
Spiritaalen  Yon  TiucieOi  c)  die  Spiritualen  der  Provence. 
3.  Veriijdtms  der  Spiritnaleii  sa  den  FntioeUeii.  Z«  dem 
wichtigen  Punkt  Nr.  8  bemerke  ich:  Ehrle  hat  dorch  «eine 

neuen  Quellen  ineliiea  Erachtens  zur  Gewifsheit  erhoben, 
was  pich  mir  z.  B.  scliun  aus  dem  bisherigen  Material  teib 
als  wahrscheinlich  teils  als  ziemlich  oder  ganz  sicher  ergeben 
hatte  1)  dafs  Fraticellen  —  der  Name  kommt  erst  im 
14.  Jahrhundert  vor  —  nrepittnglich  die  Anhänger  Angeloa 
Ton  Olareno  sowie  die  Heinrich«  von  Ceva  hieben.  Das 
war  anf  Grund  des  bisherigen  I^Iaterials  nur  unsicher  zu 
vermuten,  weil  man  über  Angelo  fast  nichts  Gewisses  wulste; 
*2)  dafs  die  Träger  des  Widerstands  gegen  die  Kommunität 
in  Sadfrankreich  (seit  1817  Spiritoalen  und  vor  allem  ihr» 
Beghinen •  Tertiarier)  nicht  Fratiodlen  heifflen  können; 
3)  ebenso  wenig  die  Apostoliker  SegareOis  mid  Dolcinoe; 
auch  mit  der  scharfen  Abgrenzung:  beider  Gruppen  bin  ich 
ganz  einverstanden.  4)  Dagegen  heifsen  Fraticellen  seit  den 
zwanzin^f  i'  Jahren  des  14.  Jahrhtmderts  auch  die  aus  Toacien 
nach  Sioiiien  gefluchteten  nnd  ans  dem  Orden  ausgeschie- 
denen Spiritualen,  die  dort  offenbar  mit  den  ^eichftlb 
flüchtigen  Anhängern  Angeloe  und  Gera'«  [wie  e«  «cheint 
auch  einzelner  südti  anzrisischer  vom  Orden  abprefallener 
Spiritualen]  zu  einer  Gcnosseuschat^  zusammenschmolzen, 
dann  ihren  eigenen  Nachwuchs  erhielten ,  steh  bald  weiter 
ausbreiteten  und  eine  heimliche  aber  regelmäfsige  Seei* 
sorge  im  Stil  der  Waidenser  trieben.  Diese  Frati* 
cellen  haben  hauptsächlich  den  Namen  bekannt 
gemacht  und  sich  noch  lange  erhalten.  5)  Fraticellen 
heifsen  in  Italien  auch  Leute,  die  in  verschiedenen  Ab- 
stufungen asketischer  Zurückziehung  vom  Weltleben,  meist 
ab  £iinsiedler|  einaeln  oder  in  Qenossensckaften  ohne  beson^ 
dere  Regel,  aber  Kunäehst  unter  khrchlicher  ^igung  und  von 
Hause  aus  rechtgläubig  lebten,  also  ganz  wie  die  Beghinen 
und  Begharden.  Daher  kummt  dann  offenbar  auch  die 
Übertragung  des  Fraticellennamens  aus  Italien  aut  ähnliche 
Erscheinungen  in  Deutschland,  welche  mit  dem  Beghinen- 
wesen  ausammenhängen.  In  beiden  Ländern  findet  sich  auch 


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NACHRICHTEN. 


493 


die  Aufnahme  von  Tendenzen  des  freien  GeUtee  in  eben 
diesen  Kreisen. 

Ehrle's  weiterer  Beitrag:  i^Ein  Brachst ttck  ans 

den  Akttn  des  Konzils  von  Vienne"  (IV,  361 — 470) 
ist  von  frrolser  Bedeutung  für  dieses  Konzil ,  dessen  Akten 
biBher  in  so  aufserordcntlich  geringem  Umfang  erhalten 
waren.  Aus  einer  Pariser  Handschrift  (Bibl  nat  f.  lat  1460) 
wird  hier  ein  ziemlich  langes  Stück  bekannt  gemacht^  welches 
Attszfige  aus  einem  d^  Oravamina  der  Prälaten  gegen 
die  weltlirhon  Herren  aufzählt  und  das  Gutachten  enthält, 
welches  die  päpstliche,  wahrscheinlich  von  Clemens  selbst 
geleitete  Kommission  Uber  sie  erstattete.  Daraus,  sowie 
ans  anderen  von  Ehrle  entdeckten  Quellen  eigiebt-  sich 
nenes  Licht  über  die  Geeehfifisordnung  des  Konuls  (Grup- 
pierung der  Mitglieder  nach  Nationen  nnd  innerhalb  dieser 
nach  Kirchenprovinzen),  über  die  Entstehung  des  Liber 
aeptimus  decretorum,  der  Clemeutineu  (Verwerfung  des  Be- 
richts Johann  Andreäs),  über  die  auf  dem  Konzil  selbst  ver- 
abschiedeten Dekrete.  —  In  V,  1^  S.  1 — 166  ▼erdflfentlicht 
Ehrle  Qaelien  und  Untersuchungen  über  den  ,,Kachiafs 
Clemens'  V.  und  den  inbetreff  desselben  von  Johann  XXII. 
1328  geführten  Prozefs".    Mitgeteilt  ist  u.a. 

das  Testament  Clemens'  V.  und  zahlreiches  Aktenmaterial 
aus  der  Untersuchung.  £s  ergiebt  sich»  dafs  die  Erzählung 
Yon  der  Plünderung  des  Schatzes  durch  den  Nepoten  Ber> 
trand  de  Got  nicht  zu  halten  ist,  dafs  aber  das  Testament 
Clemens'  V.  über  den  päpstlichtju  Schatz  in  einer  geradezu 
unerhörten  Weise  zugunsten  der  Familie  de  Got  verfugt  hat. 
Sehr  interessante  iStreilUchter  fallen  dabei  auch  aui  den  in 
der  Verwaltung  der  Kirche  zugunsten  dieser  Verwandten 
geistlichen  und  weltlichen  Standes  geübten  Nepotismus,  ins* 
besondere  die  Verschleuderung  der  Einkünfte  des  Kirchen- 
staates an  sie  (S.  139 — 144),  auf  das  Gesamtbudget  der 
päpstlichen  Kurie  (S.  144 — 149),  sowie  den  Stammbaum  der 
Familie  de  Got  (S.  149  —  157).  —  Eine  damit  im  Zu- 
sammenhang stehende  „Mitteilung''  (S.  169^166)  über  die 
angeblichen  25  Millionen  im  Schatz  Johannis  XXTT.  re- 

Scitod».  f.  I.-O  XI«  s.  ä2 


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494  NACHRIGHXiiai. 

duziert  diese  von  Viilani  angegebene  Summe  um  ein  Be> 
trichtliches  auf  Grund  der  aTignonenBischen  Rechnungsbücher: 
nicht  mit  Millionen  hätten  die  päpstiicben  Schatsmeiater  dei 
14.  JahrhnndertB  gerechnet,  Mmdem  nur  mit  Himdert- 

tausenden. 

Weiter  enthält  Bd.  IV  an  gröfseren  Arbeiten  S.  201  bis 
238:  Denifle,  Die  älteste  Taxroiie  der  apoato* 
Iis  che  n  Ponitentiarie  ans  der  Zeit  Benedikfs  XII. 

1338.  Den  Versuchen  seiner  Glaubensgenossen,  das  bisher 
älteste  Taxenbuch  für  eine  spätere  Fälschung  zu  erklären, 
tritt  hier  auch  DeniHc  mit  neuem  einschlagendem  Material 
entgegen.  Der  Abdruck  der  TazroUe  wird  nach  zwei  Hand- 
schnften  (Vatic.  und  Turon.)  gegeben. 

Deniflu,  Urkuiidcn  z  u  r  G  esc  h  ic  h  le  der  mittel- 
alterlichen Universitäten  (S.  239 — 262  für  Bologna, 
Avignon,  Graj  und  Lerida)  V,  167^348:  Salamanka  und 
Paris:  Registmm  der  Prokuratoren  der  dortigen  enghscheo 
Nation  aus  den  Jahren  1333.  1338 — 1348;  dies  nur  der 
älteste  Teil.  Das  Ganze  eracheint  später  selbständig.  iKi 
in  der  englischen  Nation  die  Deutschen  überwiegen ,  so 
spielen  sie  in  diesen  von  den  wechselnden  Prokurstoren 
geführten  Au&eichnungen  eine  grofse  Rolle.  Vieles  erfiüut 
man  über  Konrad  von  Megenberg;  über  Nikolaus  von 
Autricourt;  S.  324.  Zum  Schlufs  noch  ein  Pariser  Hotulus 
aus  derselben  Zeit. 

Denifie,  Die  Handschriften  der  Bibel-Korrek- 
torien  des  13.  Jahrhunderts  (S.  263— >311.  471 — 601; 
Schlufs  steht  noch  aus).  Sehr  reichhaltige  Forschungen  und 
Quellen mitteilungen  zur  Geschichte  des  Vuigatatextes  und 
der  Revisionsarbeiten  des  13.  Jahrhunderts 

Über  Nikolaus  von  Strafsburg  handelt  IV,  $U 
bis  329  Denifle.  Von  seiner  Schrift  De  adventu  Chriiti 
ist  1870  die  einzige  bekannte  Handschritl  in  Strai^borg 
verbrannt   Man  war  also  auf  die  Auszüge  Schmidt's  und 


1)  Bei  dieser  Gelegenheit  sei  auch  anf  die  sehr  lehrrcicho  An- 
trittsrede ?oü  S.  Borger  verwiesen:  De  ihistoire  de  la  VulgaU  ca 
France.   Paris  18Ö7.   Siehe  auch  Nr.  20. 


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KACHBICUTBK. 


495 


das,  was  Pfeifier  herauBgegeben  hatte,  angewiesen.  Jetst 
hat  Denifle  zwei  Handschi^n  neu  gefunden  (Berlin  und 

Erfurt )  vind  wciüt  nach ,  düis  zwei  Drittel  der  Schrift 
ein  wörtliches  Plagiat  aus  zwei  Öchriiten  Johannes  von 
Paiia  ist 

In  der  Abhandlung  Ursprung  der  historia  dea 
Nemo''  S.  330 — 346  weist  Denifle  aus  einer  vatika- 
nischen Handschrift  die  älteste  Fassung  dieser  Geschichte 
nach.  Seiner  Ansicht  nach  hat  der  Yeriasser,  ein  gewisser 
fiadnlfua  ca.  1290|  sie  urqpttnglich  ernstlich  gemeint  und 
Ist  dadorch  auf  all  aeinen  Unsinn'  gekommen,  daCs  er 
die  Stellen  der  heiligen  Schrift,  in  welchen  das  Wort  nemo 
vorkam ,  zusanmientrug  und  daraus  einen  der  zweiten 
trinitarischen  Person  weseni^Ieichen  Nemo  ableitete,  dessen 
EigenachaHen  und  Thaten  nun  gesammelt  wnideo.  £i& 
gewisser  Stefim  de  S.  Gteorgio  schrieb  dann  eine  nach 
Deniüe  gleichfalls  ernstlich  gemeinte  Widerlegung  (von  De- 
nude  mitgeteilt)  und  lieferte  durch  neue  Steilen  den  Nach- 
wds,  da&  dieser  Nemo  yiehnehr  dn  gans  TerwoifeneB  Sub- 
jekt gewesen  sei.  Erst  dann  bemächtigt  sich  nach  Denifle 
der  Witz  dieser  Qesehichte. 

18.  R-  Röhricht,  Deutsche  Pilgerreisen  nach 
dem  Heiligen  Land  (Gotha  1889)  ist  eine  kleinere  Aus- 
gabe des  von  ihm  und  Meisner  zusammen  1880  heraus- 
gegebenen Werkes,  Deutsche  Pilgerxeisen  nach  dem  Heiligen 
Land,  Die  an  letsterem  Ort  mitgeteilten  Texte  sind  in 
der  neuen  Ausgabe  wuggeiuliun.  Gcbliubcu  bczw.  über- 
aj  Leitet,  ist  die  kuituigeschichtliche  Einleitung  und  Übersicht 
über  BedürMsse,  Kosten^  Erlebnisse  u.  s.  w.  der  Pilger, 
samt  den  reichhaltigen  Nachweisen  dafUr,  ebenso  das  „Pilger- 
yerzeichnb  1300 — 1699",  eine  Übersicht  Uber  alle  Pilger- 
lahrteu,  von  denen  wir  nähere  Nachrichten  haben. 

19«    F.  H.  lieusch  untersucht  die  Fälschungen  in 

dem  Traktat  des  Thomas  von  Aquin  gegen  die 

Griechen  (Opascalum  contra  errores  Graecorum 

82» 


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496 


NACHBICHTKN. 


ad  UrbanumlV)  (Abhandlungen  der  kgl.  bajer.  Aka- 
demie d.  Wissenachal'ten,  3.  Ki.,  XVllI,  2,  1889)  and  woit 
nach,  daOi  jene  gefölsehten  Citate  ^^rlechiacher  KW.  nieht, 
wie  man  bisher  gemeint,  aus  Bunacursius_,  liics.  verit.  fid. 
stammen,  sondern  aus  einem  bisiier  i'&si  unbekannten  Li- 
bellas  aus  den  Jahren  1261 — 1264.  Vielmehr  hat  Bona- 
earsiua  aus  Thomas  und  dem  Tractatua  adv.  errores  Grae- 
corum  geschöpft  Der  LibeUus  von  1261 — 1264  ist  aber 
auch  die  Quelle  für  die  srefiiiscbten  Citate  in  TTrbau's  IV. 
Schreibea  an  Kaiser  Micbaei  Faiaeologus  1263,  öowie  in  dem 
an  diesen  1274  gesandten  Symbol  Durch  die  Aafdecknng 
dee  wirklichen  QueUenyerliftliniBBes  ist  der  Nachweis  der 
Ftischung  noch  sicherer  mögtieh  als  bisher.  Keusch  föhrt 
ihn  bis  ins  einzelne  hinein,  zunächst  jedoch  fast  nur  für  die 
Partieen  des  Libellus,  welche  den  Primat  des  Papstes  be- 
handeln. Zugleich  teilt  er  von  den  bisher  gans  oder  £ut 
gans  unbekannten  Schtifien,  dem  Idhellus  und  Bonaciu>> 
sius,  die  Abschnitte  über  den  Primat  nach  den  Hand- 
schriften mit. 

ISO«  Sam.  Borger^  Les  Bibles  proTen9aIes  et 
vaudoises  (,,Romania'S  T.  XVIII,  p.  353—458;  Psm 

1889)  giebt  ausgezeichnete  Untersuchungen  über  sämtliche 
provenyaJische  und  waldensische  Bibelübereety.uugeD,  die  zum 
Teil  durch  sprachUche  Erörterungen  Paul  Meyer's  eigüDSt 
werden.  Das  (katharische)  Neue  Testament  von  L  jon  er* 
kliirt  er  für  die  Abschrift  einer  proven^alischen  Inteirlinea^ 
Übersetzung;  als  seine  Heimat  bestimmt  P.  Meyer  fast  ganz 
genau  wie  Förster  (vgl.  diese  Zeitschritt  X,  490)  die  De- 
partements Tarn  und  Aude  und  zwar  wahrscheinlich  die 
westKcfae  Hälfb  des  letzteren.  Die  Handschrift  von  Paris 
ist,  wie  Berger  zeigt ,  der  Lyoner  nahe  verwandt,  aber 
doch  von  ihr  auch  recht  verschieden.  Sie  miifs  im  Besiu 
von  Waldensern  gewesen  sein  und  stammt  nach  P.  Meyer 
aus  dem  Süden  oder  Südwesten  der  Provence.  Die  f^' 
waidensischen  Handschriften  (zum  erstenmal  wird  hier 
auch  die  von  Carpentras  herangezogen  und  nälier  untersucht) 
enthalten  alle  eine  und  dieselbe  Ubersetzung.    Den  walden- 


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497 


risclieii  Gebrauch  weist  nun  Berger  auch  iiir  die  Hand- 
achriften  von  Cupentras  ttnd  Grenoble  nach,  iUr  die  von 
Grenoble  speziell  durch  das  in  ihr  enthaltene  Lektionar, 

welches  böhmischen^  näher  Prager  Ui*sprung8  ist.  Beide 
Gruppen,  die  proveuyaiischen  und  waidensisclieu,  sind  nicht 
nur  durch  die  Gemeinsamkeit  des  sugrunde  liegenden  Vul- 
gatateztes  (filtere  Languedoc-Vulgata),  sondern  auch  durch 
gemeinsame  lägentümlichkeiten  der  Übersetzung  als  ver- 
wandt zu  erweisen.  Auch  die  waldensischen  scheinen  zu- 
letzt auf  die  proven^aHsche  Interlinearübersetzung  zurück- 
zugehen. Zwischen  beiden  Gruppen  nSher  jedoch  bei 
der  Handschrift  von  Lyon  —  steht  der  CJodez  Teplensis.  — 
Im  Anhang  veröffentlicht  Paul  Meyer  Bruchstücke  einer 
provengalischen  Übersetzung,  die  von  den  anderen  abweicht 
und  etwa  der  ersten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  und  der 
südlichen  Provence  anzuweisen  ist 

tu  In  der  Historischen  Zeitschrift^  Bd.  LXil^  K  F. 
XXVl,      S.  266ff.  bespricht  Loser th  die  neuere  Wielif- 

litteratur  seit  1885  (Anschlufs  an  X.  F.  XVll,  43—62).  — 
Von  den  Werken  Wiciifs  hat  die  W iclif-Society  zwei 
neue  Bände  veröffentlicht:  den  dritten  Band  der  P re- 
digt en^  herausgegeben  von  Loserth  (Efkistelpredigten),  IX 
und  533  S.,  und  äea  Tractaius  de  officio  regis  ed. 
Pollard  und  Sayle  1889  (1887  auf  dem  Titelblatt  muTs 
Druckteblei*  sein)»  XXX  und  296  S.  gr. 

29*  In  einer  sehr  eingehenden  Besprechung  tiitt  Lo- 
serth (GGA.  18$9f  Kr.  12)  der  Abhandlung  Progeria 
über  Taboriten  und  Waldenser  entgegen  und  weist  für  eine 

ganze  Reihe  solcher  Sätze  der  Taboriten,  welche  Preger  von 
den  Waldeusem  herleitet,  nach,  dafa  sie  —  zum  Teil  wört- 
lich —  aus  den  Schriften  Wiclif's  entnommen  sind.  „Nur 
wenn  man  taboritische  Lehren  fiinde,  die  in  Wiclif 's  Schriften 
körne  Begründung  finden,  wird  man  nach  weiteren  Quellen 
suchen  müssen.  Bis  dahin  wird  man  den  Einflufs,  den 
etwa  waldensische  Lehren  auf  die  Ausbildung  des  Taboriten- 


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498  VACTBIGBTKN. 

tums  gehabt  ktben  mögen,  wenn  ein  solcher  überhaupt  vor- 
handen war,  auf  sein  rechtaB,  aiemUch  geringfkigigea  Mala 
zurttckzuführen  haben/'   (Vgl.  meine  Bemerkong  in  dieser 

Zeitschrift  X,  491  f.) 

tS*  Ii-  Finke  hat  in  seinen  Forschungen  und  Quellen 
aur  Geechichte  des  Konstanzer  Konzils  (Paderborn  1889, 
VI  und  347  S.  gr.  8)  seine  zahlreichen  kleineren  Arbdten 
ftlr  diese  Epoche  (s.  Zeitschrift  filr  Kirchengesduchte  Vm, 

224,  Nr.  Jü;  IX,  602ff. ,  Nr.  19— äl)  neu  bearbeitet  und 
durch  weitere  ÜeiU'äge  vermeiirt  ZaIilreicLe  Einzellragen 
werden  erörtert.  Neu  sind  namentlich  einzelne  Teile  von 
Kap.  1  Zur  Voigeschichte  des  Kodzüs  und  Kap.  2  Ver- 
faesungsfragen :  insbesondere  über  die  Aofioahme  des  Stimmens 
nach  Nationen  (S.  31),  Kap.  7.  Zur  litterarischen  Thfitigkeit 
des  ICardinals  von  Cambrai  (Aillis).  Das  Kapitel  giebt  Er- 
gänzungen zu  den  Oapita  (bzw.  Tractatus)  agendorum,  nach 
einer  eine  andere  Bedaktion  enthaltenden  vatikanischen  Hand* 
Schrift  sowie  Materialien  fUr  deren  Vorgeschichte  (VorscU^ge 
der  Pariser  Universität^  nach  Finke  von  1411,  die  in  den 
Capita  stai'k  benutzt  sind);  neues  Material  zur  Geschichte 
und  Ordnung  der  Dezcinberauträge  von  1414,  durch  welches 
Aillis  Anteil  an  den  ersten  Zeiten  des  Konzils  verstärkt 
werde.  In  Kap.  8  ist  Dietrich's  von  Niem  Urheberschaft 
an  den  ihm  von  Lenz  zuerkannten  Schriften  abermala  geg0n 
Erler  festgestellt  Den  Schlurs  des  Traktates  Saper  refbr- 
matione  ecclepiae  veröflfentlicbt  er  S.  2C7fF.  —  Vun  den 
neuen  (Quellen,  welche  der  Anhang  bekannt  macht,  ist  das 
Tagebuch  des  Kardinals  Fillastre,  von  dem  Finke 
schon  früher  ein  Stück  veröffentlicht  hatte,  der  wichtigste 
Beitiag.  Es  ist  thatsSchHoh  von  grolsem  Wert  Auch  io 
dem  Stuck  „Aus  oifiziellen  Konzilsakten''  steckt  manches. 
Es  folgen  ferner  eine  Anzahl  Flug-  bzw.  btreitsebriften, 
Gutachten  und  Anträge,  Urkunden  und  Briefe,  namentlich 
Johann's  XXIU.,  auch  Givgor's  XIU.  und  Benediktas  XIIL, 
die  von  letzterem  nur  als  eine  Auswahl  aus  sieben  Bänden 
der  Barberina,  die  aus  der  Kanzlei  Benediktas  stammen. 
Finke  stellt  eine  gröfsere  Sammlung  ,,Acta  iuedita  concüii 


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KACHBICBTSBr. 


499 


Constanciensis''  und  eine  neue  Qeschicbte  des  Konzils  in 
AuBflicht  Zu  wünschen  ist  dann  nur^  dafs  jene  Acta  in 
zugänglicherer  tmd  übersichtlieherer  Weise  verdfientlicht 

werden,  als  es  dem  Quolienmaterial  dieses  Bandes  wider- 
fahren ist. 

■ 

84.   Im  49.  Bericht  über  Bestand  und  Wirken 

4 

des  historischen  Vereins  zu  Bamberg  1886  und 
1687  wird  von  Prof.  H.  Weber  eme  Handschrift  der  kgl. 

Bamberger  Bibliothek  boschrieben,  welche  ein  Verzeich- 
nis der  Terniineien  des  Bamberger  Karmeiiter- 
konvents  enthält.  An  der  Spitze  jeder  Abteilung  steht 
das  Verzeichnis  der  Ortschaflten ;  dann  folgt  das  der  Ein- 
wohner in  ihren  yerschiedenen  Klassen.  Die  Mitglieder  des 
dritten  Ordens  der  Earmditer^  ebenso  ihre  Wohlthäter  sind 
besonders  bezeichnet.  Das  Verzeichnis  stammt  aus  dem 
Jahre  152Ü,  geht  aber  viel  weiter  zurück.  Verfasser  hat 
die  Handschrift  nur  im  Dienst  der  Namenforschung  ver- 
wertet Dafs  es  noch  ganz  anderen  Zwecken  dienen  kann^ 
sagt  er  selbst 

35*  Im  Freiburger  Diöcesan  -  Archiv  188  7 
(Bd.  XIX,  S.  1—191)  veröflentUcht  A.  Schilling  die 

Aufzeichnungen  eines  Biberacher  Kaplans  über  die  reli- 
giösen uud  kirchlichen  Zustünde  Biberachs  vor 
der  Reformation  aus  der  Zeit  awischen  1531  und 
1640. 

Gießen,  Kari  MäUer. 

Ein  aufserordentfich  nützliches  Werk  ist  in  der 

Druckerei  der  Propaganda  erschienen  unter  dem  Titel: 
„Storia  dei  Cardinali  di  santa  Romana  chieaa". 
Verfaseer  ist  der  Grat  Francesco  Cristofori,  Rechtsritter 
des  souveränen  Jobanniterordens,  Geheimkämmerer  Sr.  Heil, 
des  Papstesw  Die  unter  der  Flagge  Geschichte  der  Kar- 
dinäle'' in  die  Welt  geschickte  Arbeit  ist  glücklicherweise 
nicht|  was  der  Titel  verkündet,  sondern  ein  mit  grofsem 


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500 


HAC&KIGErTm'. 


Fleilse  ausgearbeitetes  Verzeichnis  sämtlicher  Kardinäle,  ge- 
ordnet nach  Terechiedenen  Gemchtspunkten.  Bis  jelst  vii 
der  erste  Band  erschienen  \  in  ihm  sind  die  BesetzuDgen  der 
einzelnen  TiteUdrcheO;  dann  die  Reihenfolge  der  Emennnngra 

nach  Pontifikaten  geordnet  aufgezählt,  in  einem  folgenden 
Baude  soll  die  Beteiligung  der  einzelnen  Nationen,  Familien 
sowie  der  religiösen  Orden,  dann  die  verschiedenen  Lebens- 
alter nachgewiesen  werden. 

Es  ist  also  eine  mehr  statistische  ab  historische  Arbeit 
welche  wir  erhalten,  und  man  muls  dem  Verfasser  Dank 
wissen  für  seinen  grolsen  Floifa.  Er  hat  Besseres  sreleisiti 
als  Ciacconius  und  Coronelli,  obgleich  es  natürlich  im  ein- 
schien  noch  immer  manche  Aussteilungen  zu  machen  giebt 
und  die  JUSenng  von  zweifelhaflben  Fällen  beau^ch  der 
späteren  Jahrhunderte  durch  das  wiederholte  Olieren  der 
Atti  consistüriali  elicnsu  wenig  erleichtert  wird,  als  wenn  er 
iür  die  streitigen  Papst-  und  Kardinaisreihen  der  iruheren 
Zeit  auf  Game,  T^^^helli  und  Baronius  verweist. 

Papst  Leo  XiU.  hat  sich  das  Manuskript,  dessen  Her- 
ausgabe er  bestritten  und  dessen  Widmung  er  angenommen 
hat,  wie  es  in  der  Vorrede  empfehlend  heUkt,  durch  den 
Kardinal  Parocchi  vorlegen  la.ot.en  und  lans^e  Zeit  bei  sich 
behalten.  Ob  er  dasselbe  indessen  angesehen,  ist  mir  doch 
zweifelhaü  Das  Verzeichnis  der  römischen  Päpste  „Crono- 
tassi  dei  pontifici  Romani''  beginnt  nttmlich  folgender- 
malsen: 


dal 
1 

Qerus(a]emma)  35 

Ant(iochia)  38 
Roma  44,  lö  G. 


al 

33 

88 

44 

67  (6b; (69) 
29  G(iugno}. 


Nome 

Gesa  Oristo,  Pastore 
Eteruo 

S.  Pietro  Principe  degÜ 
Apostoli 


es  folgen  dann  Linus,  Kletus  etc. 

Es  wäre  doch  interessant  au  wissen ,  ob  der  regierende 
Papst  davon  Kenntnis  hat 


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KACHBICHTEN.  601 

27*  Von  den  Cartas  de  S.  Ignacio  de  Loyola 
aind  nach  langer  Pause  neuerdings  zwei  Bände  erschienen, 
welche  bis  zum  30.  September  1566  reichen.  Ein  sechster 
fiand  8oU  du  leiste  Lebensjahr  und  einen  Nachtrag  vm* 
fassen,  hoffimtlidi  mach  grttndUiche  Bi^gistor. 

München.  von  JDruffel. 


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OrMk  ?«m  Friedr.  Andr.  Pertliet  Im  €k>tk*. 


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Antonius  von  Padua. 

Von 

Eduard  Lempp, 

Pfl»r«r  ia  Ob«rifliiig«ii  (Ob.-FnodeoBtsdi],  WArtUmb«cf. 


II. 

Sehr  If  teil  \ 

Nach  den  historadieii  Quetten  waren  die  tclirÜUieheD 

Arbeiten ,  welche  Antonius  von  l*adua  hinterlassen  hat, 
zweierlei:  l)  Bücher  -  ohne  Zweifel  theolugibciien  In- 
liahs  — f  2)  Predigten  ^  Hinsichtlich  der  Bücher  ist  uai 
niir  eine  Andeutung  in  «iner  späten  Quelle  erhalten,  welche 
ein  glossiertes  Psalterbuch  von  grolsein  Wert  faetrifll^ 
das  Antonius  eu  seinen  Vorlesungen  in  Montpellier  benutzt 
habe  Von  den  Predigten  wissen  wir,  dais  Antoiiiuü  bei 
aeinem  ersten  Aulenthalt  in  Padua  nach  dem  Wunsch  seiner 
Freunde  Sonntagspredigten ^  und  nach  dem  General- 


1)  S.  oben  S.  mff. 

2)  Barthokmiaeua  toh  Trient  (vgl.  oben  S.  208)  tsgt  tou  An- 
tonius: „Ubros  et  scrmnncs  compilavit 

3)  L.  M.  n.  21.  Das  Buch  wird  Ton  einer  Norize  gcstoblen,  aber 
anf  da«  Gebet  des  Heiligen  hin,  erscheint  der  TenSA  (I)  dem  Dieb 
vnd  Ewingt  ihn,  den  Raub  zurückzugeben. 

4)  „Sennones  dominicales"  t.  M.  P.  in  dem  Abschnitt :  Quomodo 
Paduam  uenit  et  qoaliter  ibidem  predicanit.  In  der  legende  S. 
c.  XIÜ  heifsen  sie  „Sermones  quas  de  tempore  vocant".  In  der 
Vorrede  zu  diesen  Sonntagspredigten,  aus  welchpr  ia  dem  Vor- 
wort zu  seinen  Sermones  S.  Antonii  5n  laudem  Gloriosae  Virginia 
Mariae,  Päd.  1885,  p.  8  ein  Stück  erstmab  sum  Abdruck  bringt,  sagt 

IsitMhr.  t         XI.  4.  33 


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504 


LEMPP, 


kapitel  Ton  1380  auf  AiifiTordemiig  des  Eardiiialprotekton 

Festtagspredigten  niedergesdirieben  hatV 

Gedruckt  ist  von  angeblichen  Werken  des  Antoniu» 
folgendes : 

1)  In  der  Gesamtauagabe  der  Werke  des  Antomua  von 
De  la  Haje 

a)  Sermonee  dcmiüucale»  adyentiu  el  de  tempore  (s  H.  D.): 
swölf  Predigten  auf  die  Sonntage  swischen  Adventsfeet  und 

Fastenzeit  (mit  Ausschluls  der  Festtage). 

L)  Sermones  quadragesimales  (=  H.  Q.):  zweiundsechzig 
Predigten ;  drei  Serien  von  Fastenpredigten^  xueret  eine  toU- 
Btilndige  für  jeden  Tag  dar  Fastenaeit,  dann  eine  zweite  iür 
die  Sonntage  der  Faetenaeit,  dasu  Ortem,  und  endlich  eine 
dritte  Serie:  vier  Faetentage  teilwdse  in  doppelter  und  drei- 
facher Ausiülirun^. 

c)  Sermones  de  tempore  (=  H.  T.):  einunddreiisig  Pre- 
digten, nämlich  Predigten  für  sechs  Sonntage  nach  Ottern, 
Ffingstfest  und  viernndawansig  Trinitatifleonntage. 

d)  Sermone«  de  Sanctis  (=  H.  S.}:  f&nfunddreilaig 
digten,  beginnend  mit  einer  de  coena  domini,  dann  neun 
Predigten  über  Apostel,  drei  iiber  Kvangelisten ,  f^echs  über 
Märtyrer,  iünf  über  alle  Heiligen,  drei  über  Bekenner,  sieben 
über  Jungfrauen  und  endlich  eine  de  commemoratione  fide- 
linm  animarum. 

e)  eine  groiee  Ezpoeitio  myetica  in  aaoram  aeriplnram^ 
fiMt  200  Folioseiten  iilUend. 

f)  Concordantiae  morales,  eine  biblische  Kuukordanz. 

2)  Von  A  Pagi  sind  in  Florenz  entdeckt  und  au 
ATignon  1684  veröffentlicht  worden  S.  Antonii  Pata\nni 
Sermonea  de  Sanctis  et  de  di venia  (=  P.  S.):  uebsehny 
wenn  man  die  allegoriichen  und  moraliachen  ab  besondere 
sihlty  einundfUnizig  Predigten  auf  die  Festtage  vom  Christ- 


Antonius,  er  schreibe  „tanto  et  importabill  oneri  insufficien»,  led 
precibns  et  caritate  fratrum,  qui  me  ad  hoc  coiiii>t'llebKnt .  derictui**. 

1)  Vgl.  M.  P.  a.  a.  O  :  „Sennoues  in  fesütiitatibas  saactorum''  in 
8.:  f,8ermone8  de  sanctb". 

2)  S.  oben  S.  206. 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  II, 


605 


fmfk  bis  Hnmirailalirt;  die  letzte  Predigt  ist  onToOttilDdi^y  d* 

hier  in  dem  ]\Iauuskript  einige  Blätter  herausgerisäen  waren. 
Dann  iolgen  Fragmente  und  kleinere  Öermonen  unter  dem 
Titel  „de  diversis",  im  ganzen  zwanzig  Kammern. 

3)  Sodann  bat  Assoguidi  in  seinem  oben  angeführten 
Werke  ^  verdfeitUebt  eine  von  ibm  m  Bologna  entdeckte 
£3cporitio  S.  Antonii  Patavini  in  psabnos  ipstos  etiam  manu 
exarata.    278  Abhandlungen  über  den  davidischen  Psalter. 

4)  Weiter  hat  Josa  im  Anhang  zu  seinen  oben  be- 
Bprochenen  '  Antoniusiegenden  das^  was  in  P.  »S.  infolge  der 
Verletsong  des  Manaskripts  febl^  ans  einer  Padoaner  Hand- 
achiift  ergänzt  (ss  J.  &):  (Ünf  (bsw.  viersebn)  Predigten 
auf  HimmeUkbrt,  Pfingsten,  Johannet  den  Täuferj  Peter  und 
Paul  und  l'auli  Gedächtnis. 

5)  Zuletzt  sind  von  Josa  aus  des  Antonius  ISonntags- 
predigten  Ainf  Marienpredigten  auagewählt  und  herausgegeben 
worden :  Serraonea  S.  Antonii  de  Padua  in  laadem  Glorioeae 
Virginia  Mariae,  Päd.  1886       J.  H.). 

A. 

Wisae&flohaftliohe  Werke. 

Solebe  wilren  die  Ikpoeitio  mjstica  in  sacram  icriptaram, 
die  Concordantiae  moralee  und  die  Ezpontio  in  psahnoa 

Nun  bind  aber  von  vornherein  die  beiden  ersteren  Werke 
ganz  aufser  Betracht  zu  lassen  ]  denn  es  fehlt  jeder  Anhalte- 
punkty  äufsere  wie  innere  Bezeugung,  äufsere  oder  innere 
VerwandtBchah  mit  anderen  Schrillen  des  Antoniua,  wae 
irgend       die  Autonchaft  des  Heiligen  sprechen  könnte*, 


1)  S.  oben  S.  178. 

2)  S.  oben  S.  178. 

3}  Es  ist  gerarlczu  unbogrciflicb ,  wie  Salvagnini,  obgleich  von 
iCinen  Kritikern  darauf  hin^^'wiesen,  deich  S.  "222 flp.,  ohne  den  gering- 
sten Beweis  zu  vorsucheu,  die  PxbtJieil  der  CoDCordautiae  behaupten 
mag,  obgleich  er  selbst  auf  die  Steile  in  Salimbene  hinweist:  Anno 
Domini  MCCXLTIl  Iiis  temporibuB  flornit  vita  et  scientia  venerabilia 
dcKniniu  Ugo ,  Cardiioalig  frater  praedicatorom  ordinis ,  qui  diM^tor 

33* 


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606 


hEHVP, 


uud  äü  sind  sie  denn  auch  von  Azsoguidi,  Arbasti,  Acevedo 
ohne  weiteres  als  unecht  verworfen  worden. 

Es  bleibt  alflo  nur  das  Psalm  werk,  das  Azzoguidi  im 
ReUquieniiefaraui  Ton  S.  Francesco  zu  Bologna  gefunden  hat 
Attoguidi  varodMfi,  dalk  daa  Wetk  echt,  ja  daCs  das 
Exemplar  mn  Autograph  des  Heiligen  sei;  et  sei  dies  das 
im  Uber  niiraculorum  erwähnte  glossierte  Psalterbuch ^  das 
AntoniuB  bei  seinem  zweiten  Auienthalt  in  Bologna  122Ö 
dort  gelassen  habe.  So  sei  das  Buch  dort  aul  bewahrt  wor> 
den  und  in  VergmeolMit  gentaiL  (Freilich  ist  aber  dieser 
aweite  Avfenihalt  in  Bologna  nnr  ein  PhantaaieiHrodiikt  olme 
Halt  m  den  Qudlen.)  Das  Manuskript,  dem  lÜHrigens  die 
erstüu  Blätter  fehlen,  trägt,  wie  Azzoguidi  versichert,  den 
Charakter  der  Pergamente  des  13.  Jabrfiunderts  Die  Echt- 
heit zu  beweisen,  macht  der  Herausgeber  daraui  aaftuerk- 
aam,  dala  diese  Sduift  noch  Cäuurakter,  Metbode,  Stil  und 
Inhalt  gana  fiberdnetimme  mit  den  andern  echten  Wericen 
dee  Antonias,  dafs  nanenttieh  anch  hier  en  bewundem  aei 

eiiierseits  die  Menge  der  Citate,  andorscits  die  gruise  Frei- 
niüti)[:^keit  und  Strenge,  mit  welcher  der  Verfasser  die  Sün- 
den der  Grolaen,  besonders  der  Prälaten  rüge. 

Azaoguidi  bat  aber  den  Veigletch  mit  den  echten^ 
Werken  des  Antonine  nicht  beigesetat,  und  das  hat  aoch 
•eine  Schwierigkeit,  da  selbst  heute  noch  nnr  wenig  von  den 
unter  dem  Namen  des  Antonius  gedruckten  \Vcrken  als 
wirklich  von  Antonius  herrührend,  mit  Sicherheit  nachge- 
wiesen werden  kann.  Dafs  das  Manuskript  Autograph  sei, 
beweist  Aasoguidi  mit  der  Tradition^  denn  von  jeher  aei 
dieeeo  Buch  unter  äm  BeÜqmen  dea  Heiligen  in  koetbver 
Hftlle  in  der  Kirdie  nfbewahrt  worden,  und  mit  dem 


tiieologiu  doetrina  lana  et  perlneida  totsm  Biblism  postillayit,  eoa* 
cordantiariiiii  in  bibliotheca  primus  aactor  fuit;  sed  proccssu 
tsrnporifl  £sctae  sunt  eoncordantiae  meliores."  Es  ist  natürUch  wohl 
möglich,  dab  Salimbene  nicht  genau  wuIste,  ob  überhaupt  jemals 
früher  eine  Konkordanz  verfafst  worden  war,  aher  sollte  er  Yon  dem 
grofeen  Werk  seines  berühmten  Ordcnsheiligen  nichts  gewuTet  haben? 
Wie  eicb  die  vorliegeade  fiLookoidaas  SU  dfii  dss  Hogo  fOi&  S»  Osio 
TerhAit,  weiXs  ioh  nicht 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  IL 


607 


ausspreclilich  süisen  Genich  (!)  tleb  Manuskripts,  der  dem 
am  Grab  des  iieiligen  zu  Padua  auisteigeudeii  völlig  eut- 
vpreche. 

£0  ist  demnach  eme  eigene  Untennichnng  nötig.  Ante 
4»  Gesdnchie  im  Uber  miracdonmiy  die  man  etwa  aof  daa 

▼erliegende  Wmk  bezielien  kann^  habe  Ich  mieh  Tergeblieh  b»- 

miiiit,  irgendwo  in  der  theulogischen  Litteratiir  der  folgen  den 
Z^t  eine  Erwähnnng  dieses  Psahnwerkea  uder  ein  Citat  aus 
demselben  zu  finden;  namentlich  ist  zweifellos,  dafs  Bona- 
T«ntnra  bei  Abiasmmg  seiner  ^^Expositio  in  pealmos"  nnsere 
«■positio  nicht  gekannt  hat  Indes  dflifle  danof  doch  nicht 
SU  viel  Gewicht  gelegt  werden ,  denn  Antomns  irt  sa  jung 
gestorben,  als  dafs  seine  l^cdeutnng  auf  wissenschaftlichem 
Gebiet  in  weitere  Kreise  hätte  dringen  können,  und  dann 
hat  seine  Bedeutung  als  Wonderthäter  namentlich  iu  den 
Kreisen  seiner  Oidensgenossen  so  bald  allee  andera  über- 
wBcIierty  dafs  man  sich  nicht  bemOlsigt  ftthlt,  nach  seinen 
wissenschaftlichen  Werken  viel  su  fragen  oder  sie  m  stu- 
dieren; genug,  wenn  sie  Reliquien  waren! 

Aus  der  ächhft  selbst  aber  ist  ein  sicherer  Schluls  auf 
den  Verfasser  oder  seine  Zaat  darum  schwer  zu  ziehen,  weil 
es  in  derselben  ▼ollstlUidig  an  jeder  genaueren  Zeitbeaiehnng 
fehlt   Ich  weüs  nur  folgende  Bemerküngen  an  maohenr 

Da  nnter  anderen  des  h.  Bernhard  Schriften  citiert  wer- 
den *  ,  so  ist  damit  eine  freilich  recht  entfernt  liegende 
Grenze  gegeben^  von  der  an  die  Abfassungszeit  der 
Schrift  an  rechnen  ist  Etwas  näher  läist  sich  der  terminus 
ad  quem  bestimmen.  Es  weiden  nfimlich  sweimal  *  deutlich 
mar  die  Ordeneregehi  Augustinus  und  Benediktas  als  sur  Zeit 
bestehend  vorausgesetzt,  d.  h.  es  gab,  alt  die  Schrift  ge- 
schrieben wurde,  nur  Aui^^ustiner  Chorherren  und  Benedik- 
tiner ( Oluniacenser,  CistercieuaeTi  Prämonstratenaer  etc.),  aber 
noch  keine  Bettelorden^  oder,  sagen  wir  lieber,  die  Mendi* 


1)  In  Seniio  IV  und  CCLVllI.  Ob  mit  dem  „Magi«ter'S  der 
in  Benno  LXXXIX  citiert  wiid,  Petras  Lombaidas  gtmai&i  ist,  ist 
mir  zweifelhaft. 

2)  Sermo  GXUX  und  CCXVU. 


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508 


kanten  eraehlengn  Im  BewoftlMin  der  Zeit  noch  nicht  nie 

Mönche  wie  die  anderen.  Wenn  dabei  in  einer  jener  Stellen 
angedeutet  ist,  dafs  die  Beobachtung  der  Heg^eln  Jk'nedikt's 
und  Augustin  s  nicht  genüge,  sondern  da£s  die  Mönche  mehr 
tfaim  ioUen  S  so  kann  das  wohl  paaem  in  den  Mund  eines 
Minoriteii  ans  der  ersten  Zeit,  der  nch  bewniat  ist,  dafii  in 
seinem  Orden  Höheres  gefordert  und  gelMstot  wird,  als  in 
den  alten  Mönchsorden.  Weniger  Gewicht  möchte  ich  dar- 
aui  legen ^  daU  wiederholt  von  den  „Armen  Christi"  und 
von  „minores  praedicatores "  die  Hede  ist  Die  Beziehung 
auf  die  Minoriten  liegt  ja  nahe»  ist  aber  im  Tent  selbst 
nicht  weiter  verfolgt 

Uber  den  Ort  der  Abfassung  giebt  eine  cinBge  Stelle 
eine  Andeutung,  in  welcher  ein  französischer  Satz  angefiihrt 
wird  Das  weist  am  natürlichsten  auf  Frankreich  aia  das 
Land  der  Entstehung.  Wohl  hat  man  ja  damals  auch  in 
Italien  in  den  höheren  GeseUschaftskreisen  provenyaliach  ge- 
dichtet und  gesprochen,  allein  das  Buch  findet  sich  doch 
einmal  in  den  Htnden  der  Minoriten,  und  diese  rekrutierten 
sich  damals  nicht  aus  den  höheren  Gesellschaftskreisen  und 
hatten  auch  ihren  Wirkun^kreis  nicht  dort. 

Uher  den  Verfasser  selbst  endlich  steht  in  dem  Buch 
gar  nichtig  als  dafii  er  sich  selbst  wohl  au  den  Mönchen 
rechnet  \  doch,  wie  es  scheint,  nicht  an  den  Benediktinern 
oder  Augustinern. 

Eü  ibt  also  nach  diesen  änläeren  Merkmalen  die  Abfas- 
sung dieses  Psaimbucim  durch  Antonius  (etwa  in  Montpellier), 
die  durch  die  Aufbewahrung  als  Antoniusreliquie  und  durch 
jene  Erafthlnng  des  Wnnderbuches  nahe  gel^  wird,  nkaht 
gerade  nnmflglich  gemacht,  aber  bewiesen  ist  sie  nicht  ent- 


1)  Scrmo  CCXVII:  Norma  mensurae  est  repnla  ,  (\\v\n\  tradidit 
eis  beatus  Benedictu«?  vel  beatus  An^nstiuus.  Fines  hos  debent  6X- 
cederc  claustrales  faciendo  sniKireroi^ationc?  " 

2)  Sermo  XXXT:  „ Uude  de  talibus  potest  dici  gallice:  Taot 
sunt  recuäutri,  custure  non  poiat  t*»ner."  Wenn  Azzogilidi 
recht  gelesen  hat,  so  ist  das  Frauzösische  jedenfalls  verderbt 

S)  Sermo  CCLVIll:  „Sic  et  nos  debenius  facere,  ut,  quocumque 
isUgiosiu  mittatur,  intra  claustrum  se  esse  existimat 


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ANTONIUS  VOM  PADUA.  U. 


60» 


fernt,  ja  es  liegt  fast  näher,  die  Abfassong  in  die  Zeit  TOT 
den  Bettelordeu  zu  rUcken. 

Wir  müflsen  darom  auf  CliaraiLier  und  Inlialt  des 
Baches  niher  eiwgehftn  und  nach  etwaigen  inneren  Merk- 
malen suchen,  welche  itlr  oder  gegen  die  Ab&asung  durch 
Aiitöuius  i^prechen. 

Azzoguidi  hat  entschieden  recht;  wenn  er  als  das  Cha- 
rakteristische an  demselben  iormell  die  Fülle  der  Citate^ 
materiell  die  Freimütigkeit  gegen  die  Pittlaten  beaeiehnet 

Bas  Buch  besieht  aus  278  Abhandlungen  ttber  einielne 
Vene  aus  den  160  biblischen  Psahnen,  kune  Entwttriis, 

Gerippe,  die  Vurrat  und  kStuff  zu  V' orlcsuii^i^en  gebeu  kuunten. 
Entwürle  liir  Predigten  künneu  bie  kaum  sein,  dazu  ei^et 
sich  weder  der  selir  groiae  gelehrte  Apparat,  noch  die  über- 
aus scharfe  Polemik  gegen  die  Geistlichkeit,  die  sich  darin 
finden.  Die  Durchfthnmg  des  gansen  Psalmbuchs  weist 
am  einfachsten  auf  rein  wiBsepsehafUiche  Zwecke  hin,  denen 
daä  Buch  dienen  sollte. 

Aus  jedem  Psalm  der  Keihe  nach  wird  ein  Vers  oder 
mehrere  mehr  als  Motto,  denn  als  Thema  für  die  Abhand- 
lung an  die  Spitae  gestellt;  dann  wird  sofort  aut  Grund 
aUflgcrisoher  0eatung  irgend^n  Gegenstand  der  Bm|hpw^u^ 
aofgegriffiMi  und  weiter  verfolgt  Oft  begegnet  es  dem  Ver- 
fasser, diüs  er  durch  ijgeudein  Wort  des  an  die  Spitze  ge- 
stellten Verses  auf  irgendeine  andere  Stelle  der  heiligen  Schrift 
geführt  wird  und  dafs  dann  eigentlich  nur  noch  Uber  die 
«itierte  Stelle  geredet  wird. 

Die  Ffiile  der  Citate  aus  der  heiligen  Schrift 
ist  dabei  eine  überaus  greise.  Niemals  scheint  der  Ver- 
fasser um  eine  brauchbare  Schriftstelle  verlegen  zu  sein, 
besonders  das  Hohelied,  die  kleinen  Propheten  und  Sirach 
werden  hftnfig  benutzt  Freilich  ist  auch  die  allegwische 
Auslegung»  wie  sie  hier  angewendet  wird,  höchst  merkwürdig. 
Es  giebt  keine  noch  so  unpassende  Stdle^  die  nicht  als  Be* 
weis  für  alles  Mögliche  gebraucht  werden  könnte;  wir  be- 
kommen den  Eindruck,  als  wäre  die  heilige  Schrift  für  deu 
Verfasser  wie  eine  grolse  Urne,  gefüllt  mit  lauter  einzelnen 
Brüchen,  in  die  er  nach  Beliehen  ohne  Wahl  hineingreif^ 


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510 


LEMPP, 


und  jed«r  IrarMUgenonnDene  Sprach  pakt  und  nrafB  pasMo 

für  Beinen  Zweck.  Eioe  andere  als  die  allegoriscbe  oder, 
wie  fiie  hier  genaimt  wird^  moralische^'  Auslegung  ^  scheint 
der  Yeriutt»  gar  nicht  zu  kennen ,  jedenfalls  kfimniMt  er 
aich  um  ema  andm  nichi  Nach  dem  Gesagten  wettet 
wir  dem  Verfiuser  genane  Bibelkenntnis  nnd  dn  llbenw 
glückliches  Gedächtnis  zuöclu'eiben  dürfen^  und  wenn  das 
Buch  Yon  Antonius  ist,  so  begreifen  wir,  wenn  die  Legende 
▼on  seinem  Gedächtnis  rühmt,  dals  ea  ihm  Bücher  ereetat 
habe  Demi  ans  Konkordanaen  oder  derartigen  HiMmrittahi 
lieften  sieh  solche  C^te  nicht  finden,  daan  sind  rie  stets 
viel  zu  fernliegend,  diese  konnte  nur  eine  enorme  Phanüisie 
in  einem  enormen  Gedächtnis  hnden.  Sehr  gut  wiirde  auch 
an  dieaem  Buch  der  Name  paaeen,  den  der  Papst  dem  An* 
tonina  g^ben  hat,  ak  er  ihn  predigen  hMe,  „Arche  dea 
Teeiaments^y  denn  eine  ganae  Sammlung  von  Bibelstelka 
kann  diese  Schrift  genannt  werden. 

Die  bchriitcitate  stimmen  zum  groÜsen  Teil  nicht  wört» 
Hch  mit  der  jetzigen  Vulgata  überein,  die  Abweichniigen 
mögen  a.  T.  als  Me  Ciiaie  an  erklttien  sein  \  a.  T.  rühren 
sie  von  den  an&erordenllich  Terscfaiedenen  latttmeehen  Ver- 
sioneu  her;  Azzoguidi  ist  allen  diesen  abweichenden  Citaten 
nachgegangen  und  liat  gefunden,  dals  dieselben  teils  dem 
griechiachen  und  hebrttiseben  Uriesti  teils  arahisoben,  s^- 
riabhen,  chaldäiachen  Versionen  entsprechen,  nnd  er  schEelat 
nmt  daraus,  da&  der  Verfiwser  aOe  ^Bese  Spradieo  Ter- 
standen  habe,  was  offenbar  weit  gefehlt  ist.  Man  darf  sich 
dafür  auch  nicht  auf  die  überaus  zahlreichen  Übersetzungen 
nnd  Dentnngen  der  ▼orkommenden  fremdsprachlichen  Namen 
bemfen,  dafür  gab  ea  }a  die  Gloaaarien,  daa  Vocabolariam 
Huggucdo's,  das  Glossarium  Ansileubi,  das  Über  etymolo- 
giarum  Isidoras,  in  welchem  all  der  Flitter  zu  finden  war. 


1)  Sermo  LIUV:  „Vel  etiim  ad  ülteram  vem  siat,  tanea  aiora* 
liter  exponi  poBsant." 

2)  M.  P.:  „Com  talis  esset  induttrle  at  nemoiia  pro  libiia 
Qteretnr/* 

8)  So  s.  B.  ia  Brno  CCX^^Yll. 


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AKT0NIU8  TON  PADUA.  U. 


511 


der  damals  weitiicLen  und  geistiicheu  tichriitsteilern  unent- 
behrÜob  schien.  Überdies  wird  in  dem  Buch  aalbst  die 
(j^oaa*  Ofdinanft  und  interlineanB  oft  dtierty  das  waren  ana* 
giebige  Hütedttel,  «na  denen  auoh  Oiiate  aller  Art,  iiameiit> 
Hch  der  Eirehenvätor ,  geschöpft  werden  konnten.  V<m 
ELirchenvätem  werden  besonders  häufig  angeführt  Augustin, 
Gregor^  Hieronymus  and  Beda,  aber  auch  Faschasiue,  Isidor 
u.  a.  ^cht  citiert  werden  rlle  neaeren  Kirchenlehrer  aniier 
Bernhard,  mcbt  erwihnt  wird  Petme  Lombardi»  nodi  irgend- 
ein Vertreter  der  Schule  Ton  St  Viktor;  iigeadwelche  Philo* 
Sophie  kennt  der  Verfasser  nicht 

Es  sei  hier  noch  gestattet,  einen  Bück  aut  das  Verhält- 
nis des  Psaimbucbes  zur  Mystik  der  Viktoriner 
au  werfen.  Falls  Antonius  der  Verfasser  würei  wäre  das« 
selbe  Ton  Bedeutung,  da  es  eine  Behauptung  Ist,  die  man 
in  den  Handbttehem  der  Kirohengesehielite  findet,  da(s  An* 
tonius  die  Mystik  der  Viktorinor  in  den  Franziskauerorden 
eingeführt  habe. 

Dais  nie  ein  Werk  der  Viktoriner  angetührt  wird,  ist 
schon  gesagt;  allein  es  könnte  sich  ja  am  Ende  die  Methode 
und  Mystik  der  Sehule  in  der  Schrift  finden,  ohne  dafs  die 
Meislsr  citiert  wären. 

Walter  von  St.  Viktor,  der  letzte  gröfsere  Vertreter 
jener  Schule,  wird  dabei  ault^rT  Betracht  bleiben  müssen, 
da  seine  Schriften  sich  vornehmlich  in  der  Polemik  gegen 
die  Philosophie  bewegen,  also  mit  unserem  Psalmwerk 
keinerlei  Berührungspunkte  haben. 

Dagegen  reizen  unter  den  Schriften  Riehard's  ron 
St  Viktor  die  mysticae  adnotationes  in  Psalmos  ^  von 
seihst  zur  Vergleichung.  Nnn  belehrt  ein  flüchtiger  Blick 
schon,  dafs  der  Verfasser  unseres  Psaimwerkes  jene  ISciirifl 
Bichai'd's  weder  benutzt,  noch  auch  nur  gekannt  hat  Die 
tomeUe  Behandlung  des  StoffiBS  hat  manehe  Ähnlichkeit  in 
bmden  Schriften,  doch  sind  Biehaid's  Bemerkungen  nicht  so 


1)  liignsi  Pitvoksis,  T.  CXCVI,  p.  ddfitqq. 
9)  Vgl.  a  &  Ridisid't  adn.  in  pt.  GXXI,  Migns  p.  368  mit 
flsnao  CCXLEV  m  derselben  Stelle. 

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513 


LBMPPy 


skizzenhaft;  aoadem  mehr  ausgeführt ,  auch  wo  sio  küner 
■nd.  Die  Oitaie  and  bei  Bichaid  viel  ■pmuiMr  und  d« 
aflegoriaelie  Aiudegung  wird  gnindrittdich  nur  mit  Mkfii  ai- 

gewendet;  da  Richard  diese  Auslegungsart  hauptsächlich  aIi 
Notbehelf  für  die  Stellen  der  heiligen  Schrift  gebraucht 
wiaien  will,  welche  dem  Wortlaut  nach  anstöfaig  oder  wert- 
los encheinen  K  Unter  Paalmwerk  dagegen  kftanmert  wuk 
um  den  Wortainn  ja  gar  nicht  und  bedient  iieh  anncUielt- 
lich  der  Mllegurischen  Auslegung.  Was  die  Mystik  betrifil, 
80  hat  Richard  von  St.  Viktor  bekanntlich  die  Lehre  von 
dem  mystischen  Aufsteigen  des  Denkens  zur  Erkenntnis  dm 
ÜbematOriichen  höchat  sinnreich  dnrebgebtldet  und  die  gam 
Beerbeitnng  der  Theologie  ist  bei  ihm  dnreh  die  payeho« 
logische  Grundlegung  beherrscht«.  Auch  in  der  Psahnen- 
ausleguüg  Richard  s  wird  immer  wieder  auf  diesen  Weg  der 
Erkenntnis  durch  lectio;  meditatio,  oratio,  opermtio,  contem- 
platio  hingewieaen  and  inabeaondere  die  Contemplatio  ab 
die  höchate  Stufe,  die  contemplatiyi  als  die  HdcfaetibegnadiglaB 
unter  den  Menschen  dargestellt  ^.  Aber  «gerade  von  dieeer 
Mystik  findet  sich  in  unserem  Psalm  werk  gar  nichts 
Nach  diesem  kommt  man  zum  Heii  dnrch  Predigt,  durch 
Nachahmong  der  Armati  der  Entaagnng  Ohriati,  doich  m 
Leben  der  Bniae,  dnreh  gute  Werke.  Von  jenem  Anftteigai 
durch  Kontemplation  ündet  gieh  kaum  eine  Spur  *.  Uod 


1)  Die  wörtliche  Exegese  hesdchaet  Biebard  als  (fie  aotwendige 
Basis  Ar  die  aHegorisehe  Auslegung  s.  ^«.AnsfOhniiig  in  derSekrift 
„In  visiooem  EseehieIis*S  Migoe  a.  a.  O.  S.  527. 

2)  S.  beiondan  im  „Beajamin  major",  Migue  a.  a.  O.  8.  6$£ 

3)  Z.  B.  adn.  ad  ps.  118  HigM  S.  837  werdso  misenefaiedai 
aetivi,  specidatiTi  und  „oontemplatiTi,  quibns  datnm  eat  freie  id 
fiieiem  Yidfiia^  qui  gloriuii  domini  imrelata  fiwia  eontempland«,  veri- 
talsm  sine  isftäaeto  ^dsnt  in  sna  sin^ilieitate  sine  specolo'*  «od 
Weilar  8.  841:  „soprenae  itaqoe  hierarsliiaa  ofdhies  enm  sapfaiMt 
ipsos  oontsaiplatiODa  aaeendnnt,  nOiil  aliud,  quam  ereatrieem  flkn 
onmimii  sabatantiamm  snbstaiitiam  invemont**.  S.  342:  „per  noalei 
iatelligimos  vfioa  eontemplativos,  per  ooUes  vixos  speculatiTos**. 

4)  Einflud  bi  Sanno  CXXIX  heilst  es  rou  den  Predigen,  ae 
masMD  gleich  den  Adlern  in  die  Höhe  fliegea  durch  KontempiiliM 
dar  blmmlisehan  Dbige  aber  in  ilner  Tölligen  VereinzehiDg  badaaHt 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  U. 


513 


telbat  da,  wo  man  einen  Ansatz  zur  Mystik  za  finden  gUubiy 
Ist  gerade  die  Gedankenreihe  der  Viktoriner  nicht  einge- 
•ehlagen.   So  wird  einmal  ^  Ohrifltos  der  Balsam  genannt, 

in  welchen  die  Gläubigen  Herz  und  Sinn  eiuUuchen  müssen, 
aber  dieses  Eintauchen  geschieht  nun  nicht  durch  Kontern- 
phÜon,  sondern  durch  Nachahmung  seiner  Leiden,  durch 
gute  Wwkd,  dnrdi  Nächstenliebe.  Das  ist  ja  Mystik,  aber 
▼onriktorinische. 

Wir  sind  daher  zu  dem  doppelten  Scklufs  berechtigt: 

1)  wenn  das  Psalmbuch  von  Antonius  ist,  so 
ist  unmöglich,  dafs  Antonius,  ehe  er  Lektor 
wurde,  in  Vercelli  die  Mystik  der  Viktoriner  in 
•ich  aufgenommen  hat 

2)  wenn  das  Psalm  buch  von  Antonius  ist,  so 
hat  Antonius  wenigstens  in  seiner  wissenschaft- 
liehen Thätigkeit,  durch  seine  theologischen  Vor- 
leaungen  nicht  die  Mystik  der  Viktoriner  in  den 
Fransiskanerorden  eingeführt 

Das  Wichtigste  freilich  wäre  in  dieser  Hinsicht  eine  Ver- 
gieichimg  mit  den  Werken  des  Vikturiners  Tiiomas 
▼on  Vercelli,  mit  welchem  Antonius  in  längerem  Vec^ 
hehr  gestanden  hat  Da  aber  dessen  Werke  nicht  gedruckt 
sind,  so  war  mir  dieser  Vergleich  unrndgUch. 

Bona  Ventura' 3  expositio  in  psalmos,  von  der  schon 
die  JÜede  war^  zeigt  formell  auch  reichliche,  aber  doch  nicht, 
wie  unser  Psalmwerk,  ausschliefsliche  Anwendung  der  alle- 
gorischen Auslegung;  viel  mehr  wissenschaftliche,  weniger 
unmittelbar  praktische  Haltung  als  unsere  Psalmen.  In  der 
Mvritik  tritt  er  ja  unzweifelhaft  in  die  Fufstapfen  der  V^ikto- 
riner,  dafs  er  dabei  irgendwie,  wenn  auch  nur  mittelbar, 
durch  Antonius  oder  durch  eine  von  diesem  etwa  ausgehende 
Schule  bednflulst  worden  wäre,  davon  habe  ich  nichts 
finden  können.  Wir  sind  Überhaupt  nicht  in  der  Lage, 
einen  leitenden   Einflufs  des  Antonius  auf  irgendwelche 


diese  ja  nur  auf  die  Prediger  sich  beziehende  SteUe  etwas  ganz  aa- 
deres  aXa  jene  Auärühriuigeo  der  Viktoriner. 
1)  Sermo  CCXX. 


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514  LENPP, 

theologische  Eiclitaxig  anter  den  Minoriten  nachweisen  n 
können. 

Wie  das  FeUen  der  vikiofruuschen  Mystik  snffidlend  kk 

unter  der  Voraassetzung  der  Ablassimg  unseres  Psalm werkei 
durch  Antonius,  so  auch  das  Fehlen  jeder  direkten 
Polemik  gegen  die  Ketzer.  Freilich  werden  in  on- 
lähligen  Eedewendiingen  die  Oottioaen  und  Baaen  besehnB» 
ben,  aber  das  BOd  derselben  ist  nie  auf  die  bestimmten 
Häretiker  jener  Zeit  angepafst  oder  auch  nur  anwendbar. 
Die  Einheit  der  Kirche  wird  wohl  hervorgehoben  und  mit 
Beziehung  auf  Zeph.  2,  1.  2  mm  Beitntt  an  derselben  ein- 
geladen \  aber  die  Emladnng  richtet  sich  nur  an  die  Sttndv 
im  allgemeinen.  Elm  andennal '  wird  die  EHnheit  der  Kirdis 
als  notwendig  dargesiellt,  aber  eben  nur  im  Gegensatz  zu 
der  Mannigfaltigkeit  der  Sünde.  Es  wird  gewarnt  '  vor  den 
Bösewichten!,  welche  der  Mutterkirche  fluchen,  andere  mit 
ihrem  Beispiel  verführen  und  die  Kirche  ihrer  Kinder  be- 
rauben, aber  es  sind  nach  dem  Zusammenhang  wieder  nur 
gitthch  schlechte  i\len sehen  gemeint,  keinesweers  j^eracle  Ketfcr. 
So  wird  auch  geredet  *  von  solchen,  die  sich  von  der  Kirche 
trennen,  aber  es  sind  „die  Beichen  dieser  Welt''.  Ja  die 
Strenge  der  Lebensanschauung,  der  asketischen  FordemngeOi 
der  Kritik  gegen  den  Klerus  scheinen  oft  eher  katharisebea 
Anschauungen  zu  entsprecbeU|  als  ihnen  entgegengesetzt  2a 
sein  ^. 


1)  Sermo  CXXVII. 

2)  Sermo  LXXVIH. 

3)  Sermo  CLXXXV. 

4)  Sermo  CCL. 

5)  Ja  elmnal  6ndet  sich  sogar  eine  Stelle,  wo  man  die  Beelil' 
giäubigkeit  des  Verfassers  in  Zweifel  ziehen  kann,  da  er  die  katharische 
Behauptmig  zu  teilen  scheint,  dafs  Maria  durchs  Ohr  empfangen  hab«. 
8eimo  GXXII.  Zwar  kommt  diese  Anschauung  auch  Tereinadt  bk 
dsr  Urtbe  vor,  vgl.  die  Belege  in  Azzoguidi's  Anmerkung  zu  dkMr 
Stelle  und  in  C.  Schmidt,  Histoire  et  doctrine  des  Catbares,  Psrii 
1848,  T.  II,  p.  41.  Allein  bei  den  Autoren  der  Kirche  ist's  ebn 
eine  %ürUcbe  Bedeoaart:  da  die  Jungfrau  empfangen  hat,  nachdws 
sie  die  Worte  des  Engels  gehört  hatte,  so  stellte  man  das  figärliei 
10  dsr:  das  Wort  des  Engels  sei  durch  das  Gehör  eingedrongea 


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AHTOmUS  YOir  PADCA.  IL 


615 


Jedenfallt  «Iio  könnten  dkte  Vorlesungen  nieht  dem 
gedient  li»ben^  die  Ifinoriten  zum  Disputationskampf  gegen 

die  Ketzer  auszurüsten. 

Gehen  wir  noch  auf  den  positiven  Iniialt  des 
Ptalmwerkes  nfther  ein,  so  amd  et  zwei  Gedanken, 
xa  denen  der  Verfaaeer  immer  wieder  und  wieder  «urSck* 

kehrt,  die  ihm  offenbar  vor  allem  am  Herzen  liegen:  der 
eine,  der  von  der  Bufse,  ihrer  Notwendigkeit,  iluem  8e- 
gen,  ihrer  richtigen  Vollziehung ,  ihrer  Dauer ,  und  der  an- 
dere der  von  den  Predigern,  ihxer  Angabe,  Verant» 
Wartung,  üuren  Ven&anmiiaett,  Sünden.  Der  alldnige  Weg 
zum  Heil  föhrt  durch  die  Bufse,  und  die  Prediger  haben 
die  Auigabe^  die  Menschen  auf  diesen  Weg  zu  leiten.  Es 
ist  ja  von  Bulbät  einleuchtend,  wie  dieser  Grundgedanken 
iieh  mit  der  Grandidee  decken,  von  der  Fnuu  von  Aann 
ansgegangen  ist,  aber  es  nnd  doch  cfaarakteristiscbe  Unter- 
schiede  nicht  zu  verkennen. 

Die  Lebensanschauung,  von  der  das  Psalrawerk 
aoageht;  ist  dui'chaus  die  pessimistische  des  Mittelalters.  Die 
ganze  Weit  nnd  das  ganase  nur  von 

Sünde  nnd  Elend.  Der  K(»per  ist  der  Kerker  des  Geistes  \ 
von  dem  man  nur  durch  völlige  Abtötnng  der  Sinne  des 
Körpers  frei  werden  kann*;  und  doch  mufs  mau  am  Ende 
noch  üoh  sein^  dafs  wir  diesen  irdischen  Leib  haben,  denn 
elme  dieses  Gbwicht  würde  nnser  Geist  so  übermütig,  wie 
die  enten  Engel  *  Avch  das  irdische  Glück  ist  eitel  Un- 
.  glück,  denn  es  verschHefst  die  Thüre  der  göttlichen  Gnade 
und  macht  den  Menschen  unbrauchbar,  weil  er  daun  durch 
kein  gutes  Werk  mehr  das  ewige  Leben  verdient  ^,  selbst 


in  den  Leib  der  Maria.  Aber  in  unserer  Stelle  ist  diese  bildliche 
Deutung  trotz  Azzo^niidrs  Bcinühun^^en  eigentlich  ausgeschlossen,  da 
auB  dieser  Art  der  Empfängnis  die  Joogfräolichkeit  der  Maria  abge- 
leitet wird. 

1}  Öermo  CXXXI  und  CCLXVI. 

2)  Sermo  LXXXVIU,  CCXXXTX  n.  oft. 

3)  Sermo  CXXXI V:  „fecit  cüim  deiis  animae  pondlU  COlpOrale, 
as  tanqarim  angeli  primi  per  superbiam  efferretur". 

4)  Sermo  LXXYL 


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die  Ztmeigiiiig  sa  den  Eltern  ist  elwae^  was  wir  nach  Gottes 
Willen  abadmeiden  müssen  K  Ja  andv  ohne  dais  WUT  ii]geiid* 
etwas  Böses  thun,  darch  die  bloÜM  Erbsünde  sind  wir  der 

Verdammnis  verfallen  Aul'  der  Welt  herrschen  alle  Laster, 
insbesondere  die  drei  Hauptlaster:  Hochmut ^  Geldgier  und 
Wollust^  von  denen  der  Hochmut  Vater  aller  Laster  ist*. 
Die  Ckddgier  beherrscht  fut  alle,  grois  nnd  klein*;  man 
inll  nicht  einmal  mehr  Theologie  stadieren,  weil  flie  keinen 
Gewinn  bringt  ^;  namentlich  aber  wird  der  Stand  der  Re- 
ligiösen durch  den  Reichtum  geradezu  der  Auflösung  nahe 
gebracht,  so  dafs  sie,  wenn  ihnen  Keichtum  zufällt,  iiirchten 
müssen,  das  sei  ein  Zeichen  des  Zornes  Gottes  ^.  Das  AUer> 
sohlimmste  ist  der  Wucher ,  worunter  der  Ver&aser,  der 
kirchlichen  Ansehanung  entsprechend,  alles  b^eift,  was 
einer  mehr  zurücknimmt,  als  er  ausgegeben  hat,  auch  wenn's 
unter  dem  Titel  eleemosyiia  oder  Caritas  geschähe  Der 
Wucher  ist  Diebstahl,  ist  Mord,  ja  schlimmer  als  die  HöUe 
selbst;  der  Wucherer  mufs  daher,  wenn  nicht  förmlich  ge- 
steinjgt,  so  doch  mit  den  Steinen  der  Verflochong  und  fix* 
kommnnikation  überschüttet  werden,  er  soll  hinansgestolsen 
sein  aus  dem  Schofs  der  Barmherzigkeit  Gk>ttes^  und  der 
Teufel  hat  seine  Seele  •  —  So  sieht  es  in  der  Welt  aus. 
Für  die  aber,  weiche  in  der  Welt  leben,  ist  das  Holienieuer 
bereitet,  dessen  Brennmaterial  die  Gottlosen  sind  Gott 
und  Christus  haben  Geduld  genug  bewiesen  sadunr,  aber  im 
Gericht  verlangt  Gott  Vollkommenheit  der  Werke  und  Ge- 
danken     da  wird  er  schrecklich  und  unbarmherzig  sein,  . 


1)  Sermo  CCXXXII. 

2  S.  rino  XXVII:  „Caruales  nascimoi,  conteiDptibUes  morimur, 
■ine  actuaii  pcccato  damnamur. 

8)  Sermo  CLIX,  CXUI,  LIV  n.  oft. 

4)  Sermo  CCXXXIX. 

5)  Sermo  XXV, 

6)  Sermo  CXLLX. 

7)  Sermo  XCIX. 

8)  IWd.   

9)  Sflnno  GG3QDQI* 

10)  Sermo  CZLO. 

11)  Sermo  CZVIH 


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AHTONIÜS  YOa  PADUA.  11. 


517 


nur  d«r  Gedanke  «n  Maria  kann  den  Sohn  Eum  Mitleid 

bewegen  \  Die  Jungirau  Maria  ist  überhaupt  fast  der  ein- 
zige SonneDöciiein  in  diesen  Sermonen,  bobaid  der  Ver- 
fasser auf  sie  zu  sprechen  kommt  ^  wird  die  lonst  so  dttrre 
Rede  tebwungvoU^  er  kann  eich  nicht  genug  darin  tfanui 
ihr  Verdienst  nm  ans  sn  prnaen.  Sie  erwirbt  uns  das  Mit- 
leid nnd  die  Gnade  Gottes ans  ihrer  Vollkommenheit 
küinmt  die  Voilkunimenheit  der  Kirche^,  was  wir  Gutes 
haben,  haben  wir  ihr  zu  danken,  die  unsere  wahre  Sonne  ist 
sie  ist  der  Thron  der  Herrlichkeit,  wogegen  Christus  selbst 
der  Schemel  ist,  ein  Aasdmcky  von  dem  der  Verfasser  seihst 
flÜil^  dafs  er  weit  geht  und  einer  Erklfimng  bedarf  ^  Doch 
ist  von  einer  unbefleckten  Empftngnis  der  Maria  noch  keine 
Rede,  und  selbst  ihre  Siindiosigkeit  von  Geburt  an  scheint 
nicht  behauptet  werden  zu  wollen  ®.  Wie  kann  man  nun 
in  dieser  argen  Welt  zum  Frieden  kommen  und  dem  Zorn 
Geltes  entrinnen?  Die  Kirche  reicht  uns  swar  das  Sakra- 
ment der  Taufe,  durch  das  wir  Yon  allen  SOnden  rein  wer> 
den,  aber  das  ist  eme  sehr  ungenügende  HiUe,  da  wir  durch 
eine  einzige  Todsiintk;  d(:r  Taulgnade  verhiatip  gehen  ^;  ja 
durch  das  Beispiel  schlechter  Priester  werden  die  Unter- 
gebenen so  leicht  zur  Sünde  verleitet,  wie  wenn  die  Taufe 
gar  keinen  Wert  hätte*.  GHtaialiche  Rettung  ist  daher  nur 
au  finden  in  der  Bufse.  Auch  Frans  von  Assisi  ist  ja 
ausgezogen,  um  Bufte  au  predigen;  bei  ihm  war  BuAe 
hauptsächlit'Ii  iu  dem  neutestamentlichen  Sinn  der  ^iBidvoia 
gemeint,  so  predigte  er  und  die  Seinen  seit  120i^  Buise  als 


1)  Senno  CLXIX. 

2)  Sermo  CXV. 

3)  Sermo  CLV. 

4)  Sermo  CLXIX. 

5)  Ibid. 

ß'^  n»!<J.  ,,S:inp!iuem  BtriDgit ,  quia  ip^^a  maledictirmeni ,  quac 
primär  rnuli«  ri  f.icta  t.st,  abstulit  et  immunis  ab  ea  fait,  quod  factum 
est,  quäudu  lictuTii  est  ei:  Benedicta  tu  in  nraUsribui'i  et  tic  re- 
•  tricta  euDt  peccata.** 

7)  Sermo  CXLIV. 

d)  Sermo  CXlüülL 


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616 


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Beaserung  dea  Labeni^  Rene  über  die  Sfinden,  Beobacbtnsg 
dar  g^tttUohea  Oebote  K  Die  Bafi»  aber,  von  welcher  uvum 
Sohrifl  redete  ut  fast  aiutelilierBlioh  das  kircbliche  8akra> 

ment  der  Bufse;   schon   die  überaus  häufige  Zerleeung 
der  Bufae  in  ihre  drei  Teüe,  Zerknü*8chung,  lieiciite,  Genug- 
thuung,  und  namentlich  die  sehr  starke  Hervorhebung  der 
Kotwendigkflit  des  Bekenntniflses  jeder  eiiiaehie&  Sünde  aeigt 
diese  andere  Anflassung     Die  Beichte  nwla  immer  wieder- 
holt und  auf  jede  einaelne  Sttnde  ausgedehnt  werden ,  sonst 
nützt  sie  nichts.    Zu  den  Satisfaktioiiawerkeu  geliören  be- 
sonders die  Almosen,  auf  welche  grolaer  Wert  gelegt  wird 
Muster  ist  der  heilige  Laiurentias,  der  alles  den  Armen  Ter> 
schenkte'.    Ein  Beicher  kann  nichts  Besseres  thmi|  als 
sdnen  ungerechten  Mammon  den  Armen  geben,  dam  durch 
nidits  wird  der  Teufel  so  besiegt;  wie  durch  Almosen*; 
und  erst  wenn  vollständig  aller  Besitz  aufgehoben  ist,  glänzt 
ein  Christ  wie  ein  ikielstein      Der,  welcher  seine  irdischen 
Qüter  den  Armen  giebt|  giebt  nur  Zeitliches,  Wertloses  her, 
aber  er  empfibigt  von  dem  Armen  viel  gri^ÜMre  geistliche 
Güter^  nämlich  eben  das  Verdienst,  das  er  sich  durch  die 
Almosen  erwirbt  ^  insbesondere  ist  es  Aufgabe  der  reichen 
Büfsenden,  durch  ihre  zeitlichen  Gaben  „die  armen  Pre- 
diger^' zu  unterstützen,  damit  die  Frucht,  die  jene  durch 
ihre  Predigt  erwerben,  ihnen  au  gut  kommt,  sie  sollen  gleich- 
sam die  Ulmen  seini  welche  awar  an  steh  unfruchtbar  sind, 
aber  doch  der  tranbentiagenden  Bebe  inr  Stütze  dienen:  so 
TermÖgen  rie  durdi  Almosen  ihre  Sünden  au  tilgen  doch 
ist  Mitleid  ini  Herzen  uocii  wichtiger  als  die  äul'sere  Gube  ^. 


1)  S.  Müller,  Anfänge  des  MiiioriteoordeDt,  Freibarg  lbö5, 
S.  31. 

2)  Vgl.  bes.  Scrmo  XLV,  LXVII,  LX2^XVI,  Clli,  CXYll, 
CLXXIV,  CLXXXIIi,  CXXXVIU  u.  oft. 

3)  Sermo  XXIY. 

4)  Senno  XXX. 

5)  Senno   

6)  Sfltmo  GXLl,  CLXX2CVIII,  GXCT. 

7)  Senno  CZVn,  CUCZXVIII. 

8)  Ssmio  XX2L 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  U. 


519 


Für  diejenigen  nun,  weiche  auf  solche  Weise  Buise  gethan 
haben,  ist  das  Sakrament  der  Eucharistie  von  gro(aem  Wert, 
aber  auch  nur  fiir  sie;  wer  noch  in  einer  Todsünde  sich 

befindet  und  sie  nicht  durch  das  Bufssakrament  vorher  ge- 
tilgt hat,  der  ifst  und  tiinki  c^ich  selbst  das  Gericht 

Die  Rettung,  die  durch  den  Weg  der  Bufse  möglich  iat, 
kann  nun  den  Menschen  aliein  angeboten  werden  durch  die 
Predigt  Darum  ist  die  richtige  Beschaffenheit  der  Pre- 
diger von  äufserster  Wichtigkeit.  Greises  wird  verlang  von 
den  Predigern,  von  deren  Predigt  und  Wandel  die  Bekeh- 
rung der  Menschen  abiiäogt  Die  Prediger  werden  BUtae 
genannt  I  weiche  blitzen  sollen  mit  Zeichen  und  Wundem, 
schrecken  mit  dem  Donner  ihrer  Drohworte,  entsttnden  mit 
ziLiidenden  Worten  zur  Liebe  Gottes  *.  Sie  werden  Pfeilen 
vcrgLicheu,  sie  müssen  Kenntnis  des  Alten  und  Neuen  Testa- 
ments haben,  müssen  sich  auszeichnen  durch  lichtvoiiee 
Wissen  und  gaten  Wandel;  üir  Wort  soll  gerade  sein  und 
scharf  gegen  die  Sünder'.  Insbesondere  hat  der  Prediger 
durch  das  Schwert  seiner  ricdi^^t  die  Sünder  zum  Beichten 
zu  bringen  *  und  reuig  zu  machen  über  ihre  Sünden  ^.  Für 
sich  selbst  soll  er  die  Sclbstprüfung  nicht  uuterlassea  ^  und 
wie  ein  Adler  sich  in  die  Höhe  sdiwingen,  sein  Auge  auf 
Christus,  die  wahre  Sonne,  gerichtet^. 

Das  Predigen  wäre  nun  freilich  vor  allem  Ptiicht  der 
Priester,  und  die  Sorge  für  ausreichende  Predigt  eine  Haupt- 
pflicht der  Prälaten.  Aber  in  dieser  Hinsicht  siehfs  schlimm 
aus^  Die  Kirchci  an  der  Gott  nach  Jes.  5|  1.  2  alles  ge- 
than  hat  und  die  so  schön  blühte^  als  sie  noch  in  Liebe  snr 
Einheit  \  erbuiidcu  war,  ist  jetzt  im  Verlall,  weil  das  Feuer 
des  HuchmutSi  der  Geldgier  und  W  ollust  last  das  ganze 


1)  Sermo  CLXXXIIL 

2)  Sermo  CLXXXI. 

3)  Sermo  GLXVII. 

4)  Sermo  CCXXXIL 

5)  Sermo  CXXV. 

6)  Sermo  CCXLIII. 

7)  Sermo  CXXIX. 

Z«it«chr.  f.  K.-O.  II,  4.  34 


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Land  verzehrt  ^  Schuld  an  diesem  Verfall  ist  der  Klciii& 
und  namentlich  die  Prälaten. 

Damit  kommen  wir  za  der  aaffaUeodBien  Seite  unsem 
Ptalmbachsy  der  aberauB  BcLarfen  Kritik,  die  an 
dem  Klerus  geübt  wird.  Es  mufs  sehr  schlinmi  aus- 
gesehen haben  in  der  Kirche^  wenn  ihre  Fretmde  so  reden. 
Freilich  in  ein  Land,  wo  Kunzilienbeschlüsse  iiöti^  waren, 
wie  die  von  Avignon  1209  und  Paris  1212,  wo  KatLarer, 
TVoubadoors  nnd  Naturalisten  um  die  Wette  den  Klerus 
geiiselten,  da  pafst  auch  solch  eine  Kritik.  Aber  unter  der 
Voraussetaung  der  Abfassung  des  Buches  durch  Antonius 
mufs  solch  bittere  KriHk  sehr  auffiülend  flein,  wenn  man 
die  Grundsätze  des  Franz  von  Assisi  dagegen  hält,  der  in 
seinem  Testament  die  unbedingteste  Ehrfurcht  vor  dem 
Klerus  imd  Unterwerfung  unter  den  Klerus  ausspricht:  „Ich 
will  die  Priester  fürchten  und  lieben  und  ehren  wie  meineD 
Herrn.  Und  eine  Sttnde  will  ich  nicht  einmal  an  ihnen 
sehen;  da  ich  vielmehr  den  Sohn  Gottes  in  ihnen  sehe  und 
sie  nieine  Herren  sind",  sagt  Franz.  Der  Verfasser  unserer 
bermonen  kann  nicht  Worte  genug  finden  gegen  die  bünden 
des  Kleru!^,  besonders  der  Prälaten. 

Die  Kleriker  meinen,  sie  haben  ihrer  Pflicht  genOgl^ 
wenn  sie  ein  Hallelujah  oder  einen  Psahn  heruntersingen  ^ 
die  feisten  Kanoniker  sind  faul  im  Dienst  und  freuen  sich 
daheim  bei  der  Tat'ol  über  Spafsmachem  und  Schauspielern 
Um  die  L^utergebenen  kümmert  sich  der  Klerus  nicht  *. 
Den  Prälaten  werden  ihre  greisen  Pflichten  vorgehalten,  wie 
sie  sich  kdne  Ruhe  gönnen  sollten,  keinen  Schlaf  ans  Sorge 
für  die  Rettung  der  Seelen  ihrer  Unteigebenen     sie  sollten 


1)  Senno  CUV. 
S)  Sermo  UX. 

3)  Senno  CXXV:  „putant  ipsi  pingues  Canonici  se  satisfeciase 
si  in  choTO  unum  allelujnh  vel  uuum  Responsonum  hiue  cautaüt  et 
alte  et  in  liomibus  su^b  postea  vaduut  laäcivire  habcutes  plauioret, 
Jiistrioneft,  joculutores  iu  coenia. 

4)  Sermo  XXXVill. 

5)  Sermo  CCLI. 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  II. 


521 


Gott  ftUem  zum  Erbe  haben     weder  Vater  noch  Mutier 

kennen  ^,  sollen  die  Menschen  gewinnen  durch  Predigt  und 
Beispiel  ^.  Statt  dessen  sind  die  Prälaten  mehr  aut  die  zeit- 
Heben  Güter  erpicht  als  die  Laien  \  sie  iiaben  die  schönsten 
Benfsongen,  das  beste  Getreide,  das  reinste  Öl,  den  gewähl- 
testen Wein  *  Was  Wunder,  wenn  durch  sie  das  Unheil 
über  die  Kirche  kdinnit?  Statt  sich  vor  anderen  auszu- 
zeichnen, widersprechen  i^iast  alie^^  ihrer  Bestimmung  und 
opfern  durch  schlechte  Werke  und  verkehrte  Xjehren  ihre 
Untergebenen  dem  Teufel*.  »Ihr'S  sagt  der  Ver&sser, 
„yon  denen  das  Licht  kommen  sollte,  breitet  das  Netz  eurer 
Habsucht  und  Unbiiiigkeit  aus"  und  „der  Teufel  föngt  mehr 
Leute  durch  das  böse  Beispiel  der  Prälaten  als  durch  das 
anderer  Menschen"  ^  Natürlich  haben  dann  die  Bösen  eine 
grolse  Freade,  wenn  sie  die  PrSlaten  der  Kirche  sich  ihn* 
lieh  sehen,  daher  bekommen  sie  den  Mutj  noch  weiter  ab- 
zuweichen *. 

Die  Priester  sollten  gerecht  und  streng  gegen  die  Sün- 
der sein  und  doch  im  Gebet  sich  zwischen  Gott  und  die 
Sünden  ihrer  Untei^gebenen  stellen,  „aber  es  giebt  keinen, 
der  das  thäte'' Ja  streng  sind  sie  gegen  die  Armen,  die 
ihnen  nichts  geben  können,  da  drohen  sie  gleich  mit  der 
UöUe  ;  um  die  Armen  kümmern  sie  sich  nicht  und  unter- 
st&tsen  ihre  Sache  aach  nicht  im  Gericht  man  muls  ja 
heutzutage  Wort  und  Sakrament  bei  den  Prlüaten  um  QM, 
kaufen      Gegenüber  den  Reichen  aber  kennen  sie  keine 


1)  Sermo  XXIII. 
2^  Scrmo  CCIX. 

3)  Sermo  CCXXX. 

4)  Sermo  XCIV. 

5)  Sermo  LIX. 

6)  Sermo  CXXXUI;  Tgl.  aaeh  Sermo  IV. 

7)  Ibid. 

8)  Ibid. 

9)  Sermo  CCIX. 

10)  Sermo  CXCVIII.  Mordent  dentibus  euis  pauperes,  qui  eis 
Bihil  dant,  comminentes  eis  aelenam  damnationem. 

11)  Sermo  IV. 
13)  Senno  Hl. 

34* 


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522 


Strenge,  da  heUit  es  gleich:  „Friede,  Friede  sei  mitettchl^ 

da  gilt  die  Schwäche  des  Fleisches  als  Entschuldigung'*. 
Die  Untergebenen  unterdrücken  sie  aber  gegen  die  Sun- 
den derselben  sind  sie  oft  lax  und  unterlassen  aus  falschem 
Mitleid  oder  Gleichgültigkeit ,  sie  zu  tadeln^;  insbeaondere 
ist  die  kirchliche  Gerichtsbarkeit  überaus  schlecht  %  denn 
sie  richten  nach  Geschenken  und  yemrteile&  die  Armen. 

*  *   - 

Nimmt  man  dazu  die  Üppigkeit  der  Geistlichen  und  ihren 
Übermut^,  bo  bepTeift  man,  wie  der  Verfasser  klagt,  dafs 
sie  ärger  sind  als  die  Laien  dals  sie  die  Kirche  unirucht* 
bar  machen^,  ▼eraehren*/  daTs  jetzt,  was  noch  etwa  an 
guten  Frilchten  in  der  Kirche  Yorhanden  lst|  hei  den  Laien^ 
nicht  bei  den  Klerikern  zu  finden  ist^,  daTs  durch  ihre 
Sünden  die  Ausbreitung  des  Christentums  gehindert  durch 
ihr  böses  Beispiel  das  Wort  Gottes  den  Laien  verbalst 
wird 

Die  Meinung  des  Verüusers  ist  sdhstvenrtftndlich  nicht 
die,  daCs  die  also  Keifressene  Hierarchie  umgestofsen  werden 
eoUe,  denn  es  mufs  Priester  gehen,  wefl  Christus  durch  sie 

in  der  Kirche  regiert".  Bezeichnend  iiir  den  Standpunkt 
des  Veriaasers  ist  die  Bemerkung,  dafs,  wenn  auch  die  mei- 
sten Prälaten  schlecht  seien ,  man  sie  doch  nicht  vor  den 
Weltleuten  bloDratellen  dürfe  —  Lnmerhin  kann  sich  an- 
gesichts  dieser  Kritik  die  Frage  aufdrängen ,  ob  es  gatn 


1)  Sermo  CXCVIII. 

2)  Sermo  LXVIIl. 

3)  Sermo  C  XXI. 

4)  Senno  CXXV. 

5)  Sermo  XXXVUL 

6)  Sermo  LIX. 

7^  Sermo  XXXVUI. 
S;  Sermo  CXXl. 

9^?  Sermo  LXVTTT:  ,,Kcc!c8ifi  vpro  in  inf<»rionbus  est  foecuiida,  in 
supcrionbus  stchlis  <  t  intructuosa''.  Ebenso  io  sermo  CCLI:  «^hodie 
derlei  sunt  Infructuosi  et  laici  fructuoii^. 

10)  Sermo  XXXVIII. 

11)  Sermo  LXXI. 

12)  Sermo  CXXV. 

13)  Sermo  CXXXLII. 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  II. 


633 


zufällig  ist,  dafs  in  dem  ganzeu  Buch  des  Papstes,  der  Kar- 
dinäle, der  Kurie  mit  keinem  Worte  Erwähnung  gethan  isty 
auch  wo  die  Gelegenheit  dasra  vorhanden  war  ^ 

Weifen  wir  nun  sum  Sehlde  nochmals  die  Frage  nach 
dem  VerfaBser  auf!  Wenn  wir  —  der  Besprechung  der 
Predigten  vorgreifend  —  die  hervorstechenden  Züge  des 
Psalmbuchs  vergleichen,  mit  denen  der  echten  Predigten,  so 
ergiebt  sich  immerhin  eine  überraschende  Ähnlichkeit;  die 
grofse  Menge  der  Schriltcitate  und  die  Vorliebe  iur  das 
Hohelied,  die  kleinen  Propheten  und  Sirach|  die  in  Psalmen 
wie  Predigten  hervortritt,  mag  nichts  besonders  Eigentum* 
liches  sein;  aber  auch  die  citierten  Kircheuväter  sind  so 
ädemiich  dieselben;  in  den  Predigten  wird  der  h.  Bernhard 
etwas  öfter  angeführt,  aber  Citate  aus  den  Viktorinern  und 
LombardoB  fehlen  auch  hier.  Hier  wie  dort  dieselbe  Vor- 
liebe lUr  Eiymologieen,  dieselbe  fast  ausschliefsliche  Anwen- 
dung der  allegorischen  Auslegung.  Ein  Unterschied  aber 
ist  der,  dafs  in  den  1 'redigten  viktorinische  3Iystik  zu  finden 
ist,  die  wir  in  den  Psalmen  vermissen;  allein  das  erklärt 
sich  doch  ohne  Schwierigkeit  durch  die  inzwischen  emge- 
tretene  Freundschaftsverbindung  mit  dem  Mystiker  Thomas 
von  Vercelli.  Übereinstimmend  ist  hier  wie  dort  das  Her* 
vortreten  der  beiden  Qrundgedanken  von  der  Wichtigkeit 
der  Bulse  und  der  rechten  Beschaffenheit  der  Prediger,  und 
endhch  ist  auch  die  scharfe  Khtik  an  den  Prälaten  hier 
wie  dort  zu  finden,  wenn  auch  in  den  Predigten,  wie  natür* 
lieh,  weniger  oft  und  weniger  schroff.  Wollten  wir  noch 
die  Vergleichung  auf  Einzelheiten  ausdehnen,  so  finden  nch 
Ähnlichkeiten  und  Unterschiede;  aber  meines  Erachtens  sind 
weder  die  einen  so  g:ror9,  dafs  sie  die  Identität  des  Ver- 
fassers beweisen,  noch  die  anderen  so  stark,  dafs  sie  die* 
selbe  unmöglich  machen  könnten*. 

1)  So  wird  In  Sermo  LXVI  der  Beiehtum  der  Kirche  (BISrtyrerv 
Bekenner,  Prediger,  Efiuiedler,  Bofaer)  an^senUt,  ia  Sermo  LXXXIV 
die  Nsehlblge  der  Apoatel  und  ihres  Prinsipats  bei  denen  gefunden, 
welehe  auf  Tersehiedene  Weite  gelitten  haben,  die  seien  die  Lenker 

der  Kirche. 

2)  Von  Ähnliekkeiten  im  etnselnen  ist  mir  anfgefiiUen  die  oben 


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624 


LEHPP, 


Alle  Momente  zusammenp^enommen  glaube  ich  sageo  zu 
müssen,  dais  ein  genügender  Beweis  für  die  Abfassung  dea 
Psalmbuchs  durch  Antonius  nicht  erbracht  werden  kann, 
aber  auch  nicht  ein  Beweis  des  Ocgenteilfli  und  ich  persOn- 
fieh  kann  mich  schwer  dem  Eindruck  der  Idendität  des 
Ver&ssm  yon  Psalmen  und  Predigten  entziehen.  Zu  be- 
tonen ist  aber,  dafs  durch  Heranziehung  des  Psalmenwerkes 
lediglich  sonst  bekannte  Charakterzüge  des  Antonius  sciiarter 
benrorgehobcn  werden,  weshalb  die  Entscheidung  der  Frage 
Uber  den  Ver&sser  der  Psahnen  nicht  gerade  von  besondeis 
grofser  Wichtigkeit  fUr  die  Kenntnis  des  Lebens  und  Cha- 
rakters des  Heiligen  ist 

B. 

Predigten. 

Die  UrteÜe  der  Forscher  über  die  gedruckten  Predigten 
des  Antonius  lauten  sehr  ungünstig;  sie  gelten  zum  griilsten 
Teil  für  unecht. 

Die  echten  Werke  des  Antonius  sollen  dagegen 
in  Padua  liegen  K  In  der  That  befindet  sich '  unter 
den  Reliquien  des  h.  Antonius  im  Sanktuarium 
der  Basilika  des  Heiligen  in  Padua  ein  Pergamentcodes, 
der  schon  seit  Ende  des  13.  Jaiiikunderts  als  Reliquie  in 
Prozession  herumgetragen  wurde  und  aut  ßeschiuls  der  ve- 
netianischen  Regierung  geschlossen,  versiegelt  und  unter  Glas 


S.  521  aus  Senno  CXCVIII  angefilhrte  Stelle  mit  dsr  estspiecheoden 
Stelle  wo»  IT  Dom.  p.  Trin.  (wobei  freilich  su  beschten  ist,  dafs  die 
TrinitatiBpredigten  in  gaas  nnsuverllBaiger  Eedaktion  vor  uns  liegen). 

Ahnlich  ist  die  eigeatümlichc  Anwendung  von  2Cliron.  9,  17.  18  auf 
Maria  Serrao  CLXIX  vgl.  J  M.  p.  59.  Von  Differenzen  mögen  aa* 
gt  fiilirt  sein  die,  welche  die  Sündlosigkeit  der  Maria  betrifft ,  Scraio 
CLXIX  vgl.  mit  J.  M.  p.  17.  IS,  da  in  der  Psalrnttelle  die  Aof- 
hebong  der  Sünde  erst  von  dem  englischen  GmTs  an  angenommen  ist, 
«iUirend  es  in  jener  Predigt  beifst:  in  utero  matri«  fuit  sasetificata. 

1)  S.  Azevedo,  Dias,  XLV. 

S)  Nach  Josa  in  J.  M.  p.  10.  11. 


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ANTOltiUS  VON  PADUA.  II. 


626 


^than  worden  war.  Der  Titel  dieses  Codex,  welcher  »amt 
4en  vielen^  augübiich  Ton  Antonius  selbst  geachriebenen 
Randbemerkungen  weggerissen  ist^  aoU  nach  einer  auf  das 
«iBte  Blatt  geschriebenen  Notis  ans  dem  Jahre  1439  ans* 
•drOcklich  besagt  haben,  daJs  dies  Buch  von  Antonius  yer- 
iai'öt  uüd  benutzt  worden  sei  Das  Buch  sei  aber,  ssagt 
Azevedo,  fiir  ein  Mtibbuch  gehalten  worden,  bia  im  Jahr 
1777  entdeckt  wurde,  dais  es  Sermonen  enthalte.  Darauf 
acbrieb  der  damalige  Bibliothekar  Periasuti  mit  greiser  Mühe 
das  ganae  Werk  ab  und  bereitete  es  zum  Druck  vor.  Es 
sollte  zusammen  mit  P*  und  P*  zwei  Bünde  geben.  Aze- 
vedo kündi^'t  es  als  diacktertig  an  und  sagt:  der  erste  Band 
werde  enthalten  zwuiuudsechzis^  Sonntagspredigten,  in  denen 
die  Absicht  des  Heiligen  sei,  das  Alte  Testament  mit  dem 
Neuen  zu  harmonisieren;  der  zweite  Band  werde  zweiund* 
atebsdg  Predigten  über  die  Heiligenfeste  enthalten  ^  darunter 
einige  allegorische  und  moralische  (diese  sind  also  besonders 
gezählt  1,  dann  sechs  andere  riedigten  ,  dann  mit  dem  Titel 
„  Fraguienta^'  weitere  vierundzwanzig.  —  Der  Druck  ist 
aber  nie  bewerkstelligt  worden 

Nun  sind  aber  in  der  Bibliothek  der  Minoriten  zu 
Padua  zwei  Bftnde  Predigten  des  h.  Antonius^  der  eine  Ser* 
mones  Domimcales^  der  andere  Sermones  de  sdemnitatibus 
8aii Ctorum  entlialtend,  der  Handachriit  nach  aus  dem  Ende 
des  13.  Jahrhunderts  stammend,  mit  neuen  Randglossen,  im 
Katalog  seit  1396  als  Predigten  des  h.  Antonius  au%etuiirt. 
Dieses  Werk  ist  eine  Kopie  des  Reliquiencodex, 
die  nach  Azevedo  ziemlich  getreu ,  doch  nicht  ohne  Ande» 
mngen  und  Interpolationen,  nach  Josa  ganz  genau  dem 
Original  entspricht Es  seien  hier  67  Sermones  de  Sanctis 
(eine  immerhin  ziemlich  andere  Zahl  als  die  oben  ange- 


1)  Asefsdo  a.  s.  0.  hat  die  Bemerkung  TeröfientUcht. 

2)  Gayard ,  vgl.  in  dem  oben  8.  209  sogeföhitea  Werke  p.  20, 
bat  1868  dcsLalb  bei  den  Franxiskanera  in  Rom  angefragt,  und  Joia 
bewJehnet  in  der  Vorrede  zu  J.  Bl  im  Jshr  1^66  die  Hersnagsbe 
diK  echten  Predigten  als  einen  frommen  Wunseb. 

3)  J.  S.  p.  125:  „collati  com  fnetioso  oodiee  piae£Uo  ad  uBgnsm 
iUi  lesponders  iaventi  tont**. 


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526 


gebene)  Uber  die  Feste  Tom  Ohristfest  bis  Pauli 

Gedächtnis.  Wenn  dem  so  ist,  so  sind  alle  H.  S.  von 
vornherein  als  ganz  unecht  abzuweisen;  innere 
Gründe  unterstützen  diesen  Schlufs  ohnedies. 

Die  swei  Bände  der  Bibliothek  nun  hat  auch 
Arbusti  ^  studkrt,  der  jahrelang  nach  den  echten  Werken 
des  Antonius  gesucht  hat,  und  hat  sie  Ter  glichen  mit 
der  Ausgrabe  von  De  laliaye  und  kuuötatiert  eine 
unglaubliche  Verschiedenheit  der  Lesarten  und 
des  Stils,  ja  Hinzuftlgung  gan  zer  Seiten  und  sub- 
stantielle Abweichungen;  schlieislich  verwirft  er  die 
Plredigten  in  De  la  Haye's  Ausgabe  ii^sgeaamt  &st  ebenso 
▼öUig,  wie  die  Expositio  mystiea  und  die  Concordantiae 
morales.  Dieses  Urteil  Arbusti's  beruht  auf  eigener  Prüfung 
und  Vergieichung.  Nun  verwirft  aber  Arbusti  ebenso 
auch  die  P.  S.;  doch  lautet  das  Urteil  über  diese  so,  dals 
ersichtlich  ist,  wie  Arbusti  hier  nicht  selbst  yergticheu  hat, 
sondern  y|den  besten  Kritikern''  (d.  h.  hier  ofifonbar  Azso- 
guidi)  folgt  * ;  Azzoguidi  •  aber ,  auf  den  sich  Arbusti  ver- 
iäfst,  bat  wohl  selbst  P.  S.  nicht  gesehen,  sundem  er  folgt 
blofs  BeUarnün^  jedenfalls  hat  weder  Azzoguidi  noch  Bellar- 
min die  Paduaner  Handschriften  gekannt  Ihr  Urteil,  dafs 
P.  S.  dem  Stil  des  Antonius  nicht  entsprechen,  entbehrt 
also  jeder  sicheren  Grundlage. 

Josa  dagegen,  der  ebenfalls  die  echten  Handschriften 
von  Padua  vor  sich  gehabt  hat,  sagt  *,  die  niciirfachen  Aus- 
gaben der  »Sermones  Dominieales  allerdings  seien  yerstUm- 
melti  interpoliert  und  von  den  echten  Ton  Grund  aus  ver- 

1)  Arbusti,  cap.  XXII. 

2)  Arbusti  aagt:  Si  rigettano  coi  migliori  critici  i  Sermoni 
dd  SsDti  e  divers!  estratti  da  un  Codice  della  Magliabccchiana  Fio- 
rentlna  ttampati  m  Avignone  1684.  In  uno  dei  Codici  PadoTani  si 
leggoDO  i  Sermoni  „de  diverti**,  ma  posti  a  confronto  ai  osMrva  mis 
toitansiale  interpolazione. 

3)  Azsog.  praef.  fol.  IV  sagt  von  P.  S  :  Antonii  Rtiluiu  certo 
certluB  noQ  sapiunt  et  a  viris  doctis  (dabei  wird  auf  BeUarmia  ver- 
wieeeu)  velut  Buppositi  rejiciuntur 

i)  J.  S.  p.  126  uod  löö  Schiulsbemerkuiig. 


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A>'T0>JU8  VOK  PADUA.  IL 


527 


schied eu;  dagegeu  von  P.  sagt  er  nur,  sie  seien  unvoll- 
Btiüidig^;  Josa  iiat  nun  ans  der  Beliquienhandscbrift 
SU  Padaa  die  in  P.  8.  fehlenden  Predigten  herausgegeben, 
und  gltteUicherweise  ist  gerade  die  erste  der  J.  S.,  die 
Flimmelfahrtspredigt,  mehr  als  zur  Hälfte  auch  in  P.  S.  ent- 
halten, so  daTs  in  diesem  6tück  eine  eigene  Verglei- 
chung  der  Reliquienhandschrift  mit  P.  S.  möglich 
ist.  Die  Veideiehnng  dieser  PkedigthUlflte  (ca.  7  Seiten  in 
Josa)  ergiebt  eine  vollständige  Übereinstimmung  beider 
Drucke*.  Demnach  dürfen  wir  wohl  P.  S.  als  ge- 
treue Wiedergabe  des  Keliquieucodex  in  Padua 
ansahen*.  £s  ist  nun  fireüicb  immer  noch  die  Frage 
mög^ch,  ob  diese  im  Reliquiensohrein  au  Padua  liegenden 
Fest  predigten,  die  in  P.  S.  und  J  S.  vollständig  uns 
vorliegen,  c^t^miine  Werke  des  Antonius  sind.  Das  läfst  sich 
zwar  mit  absoluter  Sicherheit  nicht  entscheiden  j  aber  man 
bedenke  doch,  dais  Antonius,  der  bis  au  seinem  Tod  an 
seinen  Festtagspredigten  geschrieben  und  das  Werk  offmbar 


1)  Wenn  Josa  a.  a.  O.  sagt:  „Qaoniam  Tero  SermoDe«,  qui  in 
ipso  Codice  eo&tinenttir,  wMe  diflferant  ab  Ulis  omnibos«  qui  jam 
pluries  editi  nmt'*  etc.,  so  sind  tminittelbar  vorher  nur  die  Sennonss 
Domiiileales  erwibot  und  auch  sUeio  hier  gemeint. 

2)  Die  OBbsdeutsnden  Abweiehungon  sind  Fehler  des  Ab* 
ichreibefB. 

3)  Freilieh  stimmt  die  von  Axevsdo  augegebene  Zahl  der  Predigtun 
nicht  völlig  übeietn,  denn  Asevedo  säblt  72,  und  wenn  die  nachher  be- 
sonders gesfthltea  nicht  unter  dieser  Zahl  schon  begriffen  sind,  wsa  nicht 
Uar  ist,  so  iind*8  102;  P.  S.  sind*s  71  und  wenn  die  J.  8.  dasu  gerechnet 
werden«  8&  Allein  die  Sennones  de  diversis  sind  sicher  si»lfcter  hinxn- 
gefügte  Fragmente,  die  aulser  Betracht  bleiben  müssen.  Wenn  nun 
die  Sennones  de  aanetis  allein  gezählt  werden,  so  smd*s  P*  S.  + 
J.  8.  63  und  bei  Asevedo  können,  je  nachdem  die  allegorischen  uod 
moralischen  aUe  pttnktUch  besonden  gezählt  sind,  auch  nur  einige 
mehr  oder  weui^cr  sefai.  Ich  glaube,  daTs  dieser  Dlffeiens  der  Zahl 
kein  grolses  Gewicht  beigelegt  werdsn  dsr£,  ebeuso  wenig  dem  Be- 
denken, das  Arbusti  erregen  ksnn,  wenn  er  8.  88  sagt,  unter  den 
Festpredigten  seisa  acht  FastenpredigteD,  die  indes  nicht  einen  eigenen 
Abschnitt  bilden,  wfihiead  unter  den  P.  8.  nur  sechs  solche  gezahlt 
werden  kfimien  (Nr.  80.  81.  86.  87.  55.  62);  es  kosamt  auch  hier  auf 
die  Zahlung  der  Fragmente  an. 


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528 


nicht  vollendet  hat  ,  aogleicli  nach  seinem  Tod  in  den  Ruf 
und  Verehrimg  eines  Heiligen  gekommen  ist,  d&is  er  nur 
ein  Jahr  nach  seiiieiii  Tod  kanonlaiert  wnide,  dafo  alw 
aeine  Werke  sa  einer  Zeit,  da  es  noch  leicht  sein  mnfste, 
die  echten  Schriften  eu  unterscheiden  und  zu  prüfen ,  reli- 
giösen Wert  als  Reliquien  bekommen  haben  und  daher  oime 
Zweifel  sogleich  demeatfiprechend  behandelt  worden  sind. 
Allerdingi  sind  ja  auch  die  ab  Beiiqoien  Terehrten  Plre> 
digten,  wie  Joaa  in  seiner  Schlnfsanmerkung  beweist,  nicht 
▼on  des  Antonius'  eigener  Hand  geschrieben^  sondern  kcinneo 
höchstens  von  ihm  diktiert  sein,  aber  die  Randglossen  sollen 
von  des  Heiligen  eigener  Hand  stammen  tmd  eben  deshalb 
«im  gröisten  Teil  weggeriseen  sein.  Die  Überüefentiig  iit 
also  hier  eine  gute  and  spricht  mit  für  die  Echtheit 

Wenn  ich  demnach  die  Festtagspredigten  (P.  S.  und 
J.  S.)  fUr  echte  M  orki?  des  Antonius  halte  ,  so  bedarf  es 
auch  keiner  weitereu  Begründung,  wenn  ich  ebenso  die 
J.  M.  als  echte  Predigten  des  Heiligen  annehme. 
Sie  sind  nach  der  Vorrede  aus  den  im  Reliquiencodez 
enthaltenen  Sonntagspredigten  ausgelesen,  es  gilt  aUo 
für  sie  dasselbe,  wie  für  P.  S.  und  J.  S. 

Nicht  so  glückhch  steht  es  mit  den  übrigen  Sonn- 
tagspredigten  H.  D.  und  H.  T.  üaoh  Aaevedo  sind  im 
BeliquiencodeK  au  Padua  sweiundsechslg  Sonntagspredigtea 
enthalten,  darunter  nach  Josa's  Schlufsbemerkung  noch  eine 
Predigt  auf  den  24.  Trinitatissonutag.  Die  Sonntagspred igten 
des  Antonius  haben  also  die  Sonntage  des  ganaen  Jahres 
um£afst.  Aber  während  die  Festtagspredigten  niiTollmidct 
hinterlassen  und  dann  wohl  als  Reliquien  eifersüchtig  be- 
wacht  und  so  verhältnisniäfsig  wenig  abgeschrieben  und  be- 
kannt geworden  sind,  waren  die  Sonntagspredigten  ^ch  u 
ein  Jahr  vor  dem  Tod  des  Heiligen  fertig  und  der  Otfe&t- 
lichkeit  Ubergeben.  Sie  sind  deshalb  auch  ▼iellach  abgo- 
sohrieben,  glossiert,  interpoliert,  ttberarbeitet^  erweitert  woideD, 
und  so  ist  schiefslich  das  aus  ihnen  geworden,  was  De  Is 
Haye  veröffentlicht  hat.  Es  ist  kaum  zu  bezweifeln,  daGi 
in  H.  D.  und  H.  T.  auch  viel  Ursprüngliches  und  Echtes 
ist,  aber  es  ist  völlig  unmoghch,  das  £chte  von  dem  Un- 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  U. 


529 


echten  sa  nntencheiden,  und  das  angelührte  Urteil  Ar* 

busti'a  *,  welcher  De  la  Ilaye  mit  den  echten  Predigten  ver- 
glichen hat,  wird  es  ohne  weiteres  rechttertigen ,  wenn  wir 
H.  D.  und  H.  T.  fiir  die  Kenntnis  des  Antonias  nicht  ver- 
werten. 

Noch  unbrauchbarer  sind  H.  Q.    Wir  hören  wohl, 

dafs  Antonius'  Fastenpredigten  gehalten  hat,  aber  nirgends 
haben  wir  den  geringsten  Anhalt  dafür,  daüs  er  solche  ge- 
schrieben hat  Übrigens  spricht  hier  schon  die  anfGaUende 
innere  und  ftuftere  Ungldchhett  der  Firedigten  für  ihre 
spätere  flntstehung ;  einaehie  unter  ihnen  sind  nur  fVagmente; 
ÄJidere  ganz  ausgeiuhrte  Predigten. 

Das  Resultat  unserer  Untersuchung  ist  also  folgendes: 

1)  Als  ecbte  Werke  des  Antonius  dürfen  be- 
trachtet  werden  die  in  dem  Reliquiencodex  au 
Padua  enthaltenen  Predigten  —  Sonntagspredigten 
und  Festtaggpred igten. 

Mit  diesem  Reliquiencodex  decken  sich  (nach 
Josa)  die  zwei  Predigtbände  in  der  Bibliothek 
der  Minoriten  zu  Padua. 

2)  Aus  dem  Reliquiencodex  selbst  sind  ver- 
?$ff entlicht  J.  ^[  (aus  den  Sonntagspredigten)  und  J.  S. 
(aas  den  P^esttagspredigten). 

3)  Mit  dem  Reliquiencodex  übereinstimmend 
sind  nach  Josa  und  teilweise  möglicher  eigener 
Prüfung  P.  S. 

4)  Durch  In terpola ti (Ml t  u  und  Veränderungen 
völlig  entstellt  und  darum  unbrauchbar  sind 
nach  Arbusti's  und  Josa's  Vergleichung  H.  D. 
und  H.  T. 

5)  Gänzlich  unecht  sind  H.  Q.  und  H.  S.,  weil 
mit  dem  uns  sonst  übe  rlieierten  und  von  Jusa 
und  Azevedo  ausdrücklich  bezeugten  Gegenstand 
der  von  Antonius  geschriebenen  echten  Predigten 
nicht  Toreinbar. 

Nach  diesen  Ergebnissen  der  litterarischen  Untersuchung 

1)  8.  oben  S.  526. 


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530 


möge  nun  eine  ktme  Besprechiiiig  der  echten  Werke  des 

Antonius,  wie  aie  uns  in  J.  M.,  P.  S.  und  J.  S.  vorliegen, 

folgen. 

l)  Die  Marienpredigten  (J.  M.)  sind  eine  zusammen- 
hängende  Qroppe  von  fünf  Predigten  über  Sir.  60,  6—11 
und  8war  an  Büuriä  Gebort  über  Sir.  50,  6,  an  Mazift  Ver- 
kttndiguug  über  ßr,  60;  7,  an  Chriati  Oebnrt  über  Sir. 
50,  8,  an  Manä  Reinigung  über  Sir.  50,  9  und  an  Haiii 
Himmelfahrt  über  Sir.  50,  10.  11.  Die  Predigten  sind  un- 
gleich in  der  Lauge,  die  Predigt  an  Manä  Geburt  füllt  drei, 
die  an  Mariä  Keinigung  dreizehn  Seiten.  Innerbalb  der 
Predigten  selbst  fehlt  flut  jeder  Zuaammenhang  und  Fort- 
achlitt  £a  wird  etwa  daa  Tezteswort  kurz  aUegmiaierty 
dann  irgendein  beliebiger  Bibelspruch  auf  das  Fest  bezogen 
und  ausgeführt;  mit  einem  „Bequitur"  wird  sodami  zu 
einem  weiteren  Bibeiwort  übergegaugeu.  Die  allegorische 
Auslegung  herrscht  ausschiiefslich ,  die  etymologischen  Kün- 
steleien aind  überaus  h&oiig  und  geauoht;  die  Citate  sind 
sehr  zahlreich,  besonders  die  aus  der  heiligen  Schrift,  da- 
neben aber  finden  sich  auch  solche  ans  Bernhard  ^,  Au- 
gustin ^,  einmal  wird  eine  „historia  acholastica"  •  angeiuhit, 
einmal  der  „  philosophus "  Kigeutümiich  sind  die  Beispiele 
aus  der  Naturgeschichte  ^,  die  jedesmal  eingeführt  werden 
mit  einem  „dicitor  in  n«turalibus'^  Die  Sprache  iat  die- 
selbe wie  in  dem  Psalmbuch;  hier  und  da,  aber  selten, 
▼erstattet  der  Verfasser  uns  eine  Ahnung  ^on  der  Ausfüh- 
rung ;  da  ist  er  denn  oft  wiiklich  schwungvoll     sonst  über- 


r  J.  M.  p.  2U.  'iti.  2Ö.  31.  52. 

2)  J.  M.  p.  21.  61. 

3)  J.  M.  p.  39  über  den  Bau  der  Stittuhütte,  wobei  mcUt  klar 
ist,  warum  nicht  die  beilige  Schrift  beibat  citiert  ist 

4)  J.  M.  p.  52. 

5)  J.  M.  |).  t>l.  26. 

6)  Am  hcbun.steu  in  der  Stelle  der  \Vejhnacht,ipre»Jigl  S.  31:  Ver 
dictum  qu«xi  viret.  Tunc  emm  tellus  herbis  ve&titur  diversis,  floribus 
picturatur,  tcmpcriea  aeris  redditur,  aves  citharizaui  rt  oumia  ridere 
vidcntur.  Gratiaii  tibi  rrferimus.  Pater  saucte,  quiu  media  hyeme, 
luediis  iri^unbus  veruum  icuipuo  uubis  fecisti.    lu  hac  euiin  u&UTi- 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  II. 


581 


all  ennüdend  in  der  Belehmng  durch  Allegorie  und  £tf- 
melogie. 

Was  den  Inhalt  betrifft,  so  ist  natürlich  aus  diesen 
wenigen  Predigen  nicht  viel  Eifj^t  iitiunHches  hervorzuheben. 
Doch  ist  mir  nicht  ganz  klar,  warum  Josa  gerade  diese 
Predigten  als  für  nnsere  Zeit  besonders  wertvoll  veH^ffsni- 
licht  hat  Mir  scheinen  sie  anffidlend  gedankenarm;  anch 
ist  es  fiir  unser  Jahrhundert  schwer  zu  ertragen,  aus  dem 
Mund  eines  Mönchs  durcii  fünf  Prediprten  hindurch  in  den 
verschiedenen  btadien  des  weiblichen  Geschlechtslebens  herum- 
geföhrt  zu  werden;  nns  ist  das  widerwärtig.  Natttrlich  ist 
ja  Antonius  durch  den  Gegenstand  dazu  geführt,  und  man 
mufs  zugeben,  dafs  er  immer  wieder  das  eigentlich  Anstöfsige 
durch  sofortie:e  Anwendung  der  Alletrorie  vermeidet;  aber 
doch  sind  die  Predigten  ganz  mit  diesen  Dingen  durch- 
s^^ 

Wenn  nun  schon  in  dem  Psalmbuch  die  grofse  Vereh- 
rung der  Maria  auffallend  ist,  so  hier  noch  mehr: 

Maria  ist  Mittlerin  zwischen  Gott  und  dem  Sündrü-  sie 
hat  den  Teufel  erst  betrogen  und  dann  erschlagen  \  sie 
steht  dämm  über  allen  Engehi  und  Heiligen^  und  hat  es 
mit  ihren  vielen  Tugenden,  unter  denen  namentlich  Demut, 

täte  fiiii  tui  Jesu  beiicdicti,  quae  media  liyome  et  mediis  frigoribus 
celebratur,  veraum  tempus  oniui  amoeuitate  pleuuui  uohii  fecisti. 
IJoJie  Virgo,  terra  b«uedicta,  cui  benedixit  Dominus,  herbam  viren- 
tcm,  pabtüum  poeniteutium  parturivit,  id  est  Del  filinm.  Hodie  pictu- 
ratur  floribuA  rosarum  et  liliis  convaliiara.  Hodie  citharizant  Angeli: 
Gloria  in  ezcelsis  deo.  Ilodic  pacis  tranquillitas  in  terris  reformatur. 
Quid  plura?  Omnia  rident ,  omuia  gaudent.  >  Unde  hodie  dixit 
paBtoribua  Angelas:  „Ecce  evangclizo  vobis  gaudium*'  etc. 

1)  In  H.  T. ,  H,  D.,  II.  Q.  stehen  freilich  noch  viel  stärkere 
Sachen,  so  ist  namentlich  in  der  Predigt  H.  T.  p.  296 f.  eine  mit 
sichtlichem  Behagen  ausgeführte  Abhandlung  über  die  Geburt  uud 
alles,  waa  ihr  vorangeht,  die  in  eine  Hebammenschule  eher  als  auf 
die  Ramsel  passen  möchte.  Salvagnini,  S.  *245 ,  bewundert  freilich 
nur  die  darin  gezeigten  mediziuiscbea  Kenntnisse! 

2)  J.  M.  p.  29. 

3)  J.  M.  p.  44. 

4)  J.  M.  p.  57. 


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532  LEMPP, 

KeiiBcUldt  und  Amnt,  aber  auch  Ifitleid  heryoiragen^  woU 

verdient,  dafs  sie  leiblich  gen  Hiiiimei  gefahren  ist  \  DaJja 
Maria  schon  in  Mutterleib  geheiligt  und  von  da  an  von 
Sttnden  rein  gewesen  ist ist  wohl  natürlich  bei  einem  Weib^ 
das  „mt  Gott  ein  Kind  hatte''  \  das  Christiu,  der  sonst 
cm  Weib  niidit  eiiinial  gegriUst  hat^  über  alle  Weiber  ge- 
liebt hat  das  durch  die  Hand  der  Engel  bei  ihrer  Himmel- 
fahrt ins  himmlische  Brautbett  gefiihjt  worden  ist,  wo  der 
König  der  Könige,  das  Glück  der  Engel,  Jesus  Cbristus  auf 
gestirntem  Throne  lebt  ^. 

Im  ftbrigen  ist  in  diesen  Predigten  ebenso  starke  wie  im 
Psalmbuchi  die  Bufse^  worunter  auch  hier  das  Buissakra- 
ment  gemeint  ist^,  hervorgehoben.   Mehr  aber  ak  in  den 
Psahuen  ist  hier  betont,  dafs  die  wahrhaft  Büfsenden  sich 
von  der  Welt  zurückziehen  müssen  in  die  Einsamkeit 
Damit  hängt  zusammen,  dafs  hier  neben  die  Büfsenden  eine 
neue  Kat^rie  von  Christen  tritt  ^  die  wir  im  Psalm  werk' 
nicht  fanden^  die  Kontemplativen'.    Diese  vergessen 
alles  Irdische  und  hängen  sich  gana  an  die  Süfsigkeit  der 
Betrachtung,  sie  stellen  ainli  im  Geist  vor  den  Gekreuzigten 
und  seine  unsagbaren  Schmerzen  und  ergiefsen  sich  in  unver- 
sieglicbe  Thränen  *®.   Da  sehen  wir  einen  Einflufs  der  vikto- 
rinischen  Mystik.   CharakteristisGh  aber  is^  dafs  auch  diese 
kunsen  Seiten  nicht  ohne  eine  überaus  scharfe  Rüge  an 


1)  Die  drei  Haupttngenden  der  Ifsria  s.  bes.  8.  41  und  SS,  dse 
MStldd  p.  43»  HimmeliUirt  p.  51. 

2)  J.  M.  p.  17. 

8)  J.  M.  p.  66.  Fut  mähr  sSs  naiv  ist  der  Ver|^ch:  it*»^*»* 
imttt  giatta  et  dignltss  d  sliqua  paoperciila  feauna  einn  Impeiaftoie 
filium  haberat.  Yeie  mnnl  gratia  prasstsatior  B.  Msnse  gratis,  qase 
fflimn  cum  Deo  Patra  kabait 

4)  J.  M.  p.  64. 

5)  J.  M .  p.  66. 
e)  Il^d. 

7)  J.  M.  p.  47, 

8)  Besonders  J.  M.  p.  46£. 

9)  J.  M.  p.  50. 
10)  J.  M.  p.  43. 


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ANTONiUä  VON  PADUA.  IL 


633 


die  Prälaten  &indf  die  im  Wohlleben  weibiscb  werden 
und  ihren  Beruf  vemachlfissigea  K 

2)  Die  FestUgspredigten  (P.  S.  und  J.  S.)«  Fttr 
jedes  Fest  and  es  nebxere,  gewöhnKch  drei  Predigten.  Zn* 
erst  eine  Predigt  über  das  Evangelium  des  Tapses.  Da  ist 
stets  vorangestellt  die  Disposition,  in  der  Austulirung  iolgt 
hier  und  da  eine  kurze  hittoriscli-ezegetische  Erklärung  ein* 
geHÜurt  dureh  ein:  ^Znent  wollen  wir  die  Gesebiehte  be- 
irechten*'' Das  findet  sich  in  den  bisher  besprochenen 
Schriften  des  Antonius  nicht.  Es  folpren  der  Hauptpredigt 
gewöhnlich  zwei  kürzere  Predigten,  ein  eermo  allegohcus 
und  ein  sermo  moralis.  Diesen  sind  besondere  alttestament- 
licbe  Texte  sogrnnde  gelegt,  und  swar  haben  beide,  die 
allegorische  nnd  moralische  Predigt  ^  immer  den  gleichen 
Text.  Die  Beziehung  des  alttebLamentliciien  Textes  zum 
Fest  des  Tages  wird  durch  allegorische  Deutung  ins  Licht 
gesetzt.  Welches  der  Unterschied  swischen  dem  allegoriacheD 
und  dem  moralischen  Sermon  sei,  ist  kaum  su  erkennen. 

Sonst  sind  dieselben  Bemerkungen  au  machen  wie  bis- 
her. Die  gleiche  Fülle  von  Citaten,  die  gleiclie,  fast  aus- 
schlielsliche  allegorische  Verwertung  derselben,  die  gleiche 
Vorliebe  für  etymologische  Künsteleien,  die  einmal  im  Zeit- 
geschmack lagen.  Die  Etymologieen  sind  cum  Teil  gelehrts, 
lum  Teil  aber  auch  populftre,  so  dals  das  lombardische 
Volk  sie  Wühl  verstehen  konnte  ^.  Die  Citate  sind  aus  den- 
selben Schriften  genommen,  wie  in  den  bisher  besprochenen 
Schriften,  einmal  finde  ich  noch  Innocena*  ^liunal 

1)  J.  M.  p.  38. 

2)  So  P.  S  p.  200.  181;  J.  8.  p.  1^4. 

8)  Die  gelehrten  dienten  snm  Prunk  s.  B.  P.  8.  p.  222:  „Uln  hsbe- 
mus  (GcD.  16,  12)  «ferus'  Hebraeot  habet  »phaia*  (fil^nc],  qnod  Mmat 
onager**  oder  P.  S.  p.  2-1:  ^deus  dicitur  giaeee  id  ett  ndens, 
qnia  dieitur  vidso,  quod  cnneta  videat;        quoqus  dioitar 

cnno,  quia  cnneta  pereunst"  Populär  sind  s.  B.  P.  8.  p.  121: 
„apis  quae  dicitur  ab  ,a^  qood  est  dne  pede,  so  quod  sine  ps^bus 
nascitur**  oder  P.  8.  p.  96:  „osdaver  a  sado  cadis  vel  a  esieo  oaies, 
qnia  esdet  a  vIta  Tel  caret  vita*';  oder  P.  8.  p.  270:  „ars  =  sine 
TSC,  qoia  essta,  qnia  pauper  qnia  humili•*^ 

4)  P.  8.  p.  110. 


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534 


LEMIT, 


den  apokryphen  liber  jastorura  \  einmal  den  philusophiis  * 
citiert,  auch  Vir^l  fehlt  nicht  ^,  wohl  aber  die  \  ikturiner 
und  Lombardtts.  Auiialiend  ist  die  häutige  Anweadusg  von 
Beii^ielen  aus  der  NatorgeBchichte  mit  der  stereotypen  Em- 
f&hnuig:  lydidtiir  In  naiurslibtiB^.  Aach  in  den  J.  M«  haben 
wn*  dieees  ^^dicitar  in  natturalibna^  hier  nnd  da  gefnndeo, 
und  in  der  Vorrede  zu  den  Sonntagspredigten  hat  Antonios 
diese  naturgeschichtlichen  Bilder,  wie  die  Etymoloeriecn  und 
Aliegoneen,  für  ein  Zugeständnis  an  den  Zeitgeschmack  er- 
klärt*. Aber  mit  der  Predigt  auf  Mariä  Rmnigong  tritt 
dieaee  »»didtar  in  natoraUbna'^  mwwenhaft  auf.  Wir  werden 
in  dieeer  einen  Predigt  belehrt  über  die  Reinlichkdt  der 
Tauben,  über  die  Turteltauben,  die  Ohren  der  Hirsche,  die 
Augen  der  Vogel  und  Fische,  die  üienen,  den  Honig:  dann 
in  der  nächsten  Predigt  über  den  Balsam ,  den  Weinstock, 
die  Folgen  des  MüDuggangB  n.  a.  f.,  aelbst  der  berOhmte 
Vogel  CalandrinBy  der  die  Krankheiten  wegnimmt,  darf  nidii 
fehlen  ^,  ja  sogar  da(e  die  Weiber  frOmmer  seien  als  die 
Männer  und  ieichter  Thränen  vergiefsen,  sowie  dais  sie  ein 
starkes  Gedächtnis  haben,  iälst  sich  der  Veriasser  erst  aus 
den  „  naturahbus''  sagen 

Polemik  gegen  dieKetaer  fehlt,  selten  auch  finden 
sich  mystisehe  AnsfUhrungen;  doch  sind  letitere  ent- 
schieden vorhanden^  nicht  nnr  in  Ausdrücken ,  „wie  Rahel 
ist  die  Seele  des  Büfsenden,  welche  Gott  in  der  Kontempla- 
tion schaut''  ^  u.  dgl.^  sondern  auch  namentlich  in  einer 


1)  J  S.  p.  151. 

2)  J.  S.  p.  161. 

3)  P.  S.  p.  124. 

4)  J.  M.  p.  10:  f,Ad  hoc  nostri  temporis  lectoram  et  aaditomm 
deveoit  insipida  sapientia,  quod  nisi  verba  exqoisita,  et  momm  quid 
resonantia  invenerit  vel  audierii,  legere  ftstidit,  audire  contemait.  Et 
Ideo  ne  verbum  Dei  in  aniBaarmn  snaram  pericolom  eis  Teniiet  in 
contemptum  et  fiastidium  . . .  quasdam  remm  et  aoimaliiim  aatorasi 
et  nominuin  etymologias  moimUter  eipositas  ipsi  operi  InMmimiit*'. 

5)  P.  S.  p.  381. 
iV)  P  S.  p.  283. 
7)  F.  S.  p.  91. 


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ANTONIUS  VON  PADUA.  II. 


535 


Stelle  über  die  doppelte  Sül'sigkeit  der  KontemplAtion  \  die 
«ne  viktoriDiflche  F&rbmig  hat  UbrigeoB  bt  immer  noch 
die  mystische  Ader  so  achwacb,  dais  es  auch  jetzt  noch 
muht  erlaubt  sein  kann,  Antonius  förmlich  unter  die  My* 

stiker  zu  reclmcn. 

Die  Predigt  der  Burse  bildet  last  mehr  nocli  aU  im 
PBalmbuch  das  Hauptthema.  Keine  Predigt,  fast  kein  Fre- 
digtteily  in  dem  nicht  von  BuTse  die  Bede  wäre;  sie  ist  die 
Bedingung  des  wahren  Christentums  und  aller  Hoffiiung  auf 
Seligkeit.  Nur  ein  paar  Stellen  aus  der  grofsen  Masse  seien 
augetulirt :  \  ji  allem  die  schone  iStelle  ^:  „Wenn  du  Christum 
durch  eine  Todsünde  beleidigen  und  ihm  jedes  Unrecht  an- 
thun  würdest  und  würdest  ihm  die  Blume  der  Zerknirschung 
oder  die  Rose  der  thrftnenvoUen  Bdchte  darbieten ,  so  ge- 
denkt er  deiner  Beleidigung  nicht,  vergiebt  deine  Schuld 
und  «It  dich  su  umarmen  und  zu  küssen.'^  BuTse'', 
heiföt  es  ein  andermal',  „hat  zwei  grufsc  Flügel,  die  Zer- 
knirschung und  die  Beichte.  Der  Flügel  der  Zei:kuirschung 
hat  vier  Federn :  die  Bitterkeit  der  begangenen  Sünde,  den 
festen  Vorsata,  nicht  rückiäilig  zu  werden,  den  Vorsats, 
alles  Unrecht  von  Herzen  zu  verzeihen ,  den  Vorsatz,  allen 
Menschen  Ersatz  zu  leisten.  Der  Flügel  der  Beichte  hat 
auch  vier  Federn ;  die  Denüitiirung  des  Leibes  und  der 
Seele  vor  dem  Priester,  die  allgemeine  und  einzeiue  Anklage 
der  eigenen  Missethat,  die  Entdeckung  alier  einzelnen  Um- 
stände ,qttis,  quid,  ubi,  per  quos,  quotiens,  cur,  quomodo, 
quaudo',  die  freiwillige  und  unterwürfige  Übernahme  der 

1)  P.  S.  p.  177.  Dupplez  est  Dulcedo  contcinplatioQifl.  Una 
est  in  affectu  et  haee  est  Titae:  aKa  est  in  intellecta  et  haec  est  seien- 
tiae.  Ista  sit  in  menti«  snhlevatione,  illa  in  mentis  alienatione ;  meatis 
•  sublevatione,  quando  intelligenttae  vivaeitss  divinitiis  irrsdiata  hunmiae 
Industriae  metu  transeendlt,  nee  tarnen  in  mentis  alienatione  traasit, 
ita  nt  flopra  ee  sit,  quod  ndeat,  et  taoien  ab  assuetis  penitas  non 
leeedat  Mentis  alienatio  est,  quando  praesentiam  memoria  menti 
exeidit  et  In  peregrinnm  qneadam  et  hmnsaae  iadostriae  (hier  fehlt 
ein  Wort)  in  onnrn  animi  statum  divinae  operationis  tianafigoratioaem 
transit. 

3)  P.  S.  p.  14. 

8}  P.  S.  p.  60. 

ZaitMhf.  t         II,  4.  ^5 


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636 


LrEHPP; 


vom  Priester  auierlegten  Buise."  Besondere  dio  Notwendig- 
keit deB  BekenntiiiBses  aller  emseloen  Siloden  wird  wieder- 
holt  Btftrk  hervorgehoben „Die  fVaaen  sehen  in  den 

Spiegel;  ehe  sie  ausgehen,  und  wenn  sie  einen  Flecken  im 
Gesicht  bemerken,  waschen  sie  ihn  ab:  so  auch  du  sebaue 
in  den  Spiegel  deines  ÜewisseuS;  und  wenn  du  den  Makel 
einer  Sünde  siehst,  so  geh  sofort  zum  QiieU  der  Beichts'*^ 
Die  in  der  Beichte  auferlegten  Kirchenstrafen  sind  sehr  nttts- 
lieh,  denn  wie  der  Knabe  entwöhnt  wird,  indem  man  die 
Mutterbrust  mit  etwas  Bitterem  einreibt,  »o  wird  der  Be- 
kehrte durch  die  Kirche  von  der  Welt  der  Fleischesiust 
entwöhnt  durch  die  bitteren  Kirchenstrafen,  die  ihm  auf- 
erlegt werden  \  Wer  die  wahren  Bufsfertigen  sind,  ist  bsr- 
auBznlesen,  wenn  es  heifst:  „Der  wahre  Bufsende  ist  der 
^ei>tiich  Arme  und  leiblich  Bedürftige  und  der  mit  Christo 
dem  V^ater  gehorsam  ist  bis  in  den  Tod "  ♦.  Das  sind  j» 
wohl  die  Minoriten.  Genannt  sind  sie  aber  nirgends,  ebeaso 
wenig  Frans  von  Assisi. 

In  der  Welt  herrschen  die  drei  Hauptaünden:  Hochmut, 
Sinnlichkeit  und  Geldgier  ^.  Dem  llociiniut  wird  entgegen- 
gesteilt  die  oit  empfohlene  und  besonders  an  Maria  gerühmte 
Demut  ^.  Die  Geldgier  spricht  sich  besonders  in  dem  ab- 
scheulichen Wucher  aus,  an  dem  sogar  die  Prälaten  der 
Kirche  sich  beteiligen  ^  Dem  ^Lgenüber  wird  besonder» 
Btark  die  Armut  und  ihr  Segen  hervorgehoben:  wenü  man 
nicht  zuerst  das  Zeitliche  von  sich  wegwirft,  kann  man  das 
Himmlische  nicht  ergreifen  Gerade  durch  das  Zeitliche 
kettet  uns  die  Welt  an  die  Sönde,  darum  sollen  wir's  machen 
wie  Joseph,  der  dem  Weib  Potiphar's  den  Mantel  lieis  und 
floh  ^    Gegenüber  der  Sinnlichkeit  wird  die  Keuschheit  ge- 

1)  Betonden  J.  S.  p.  147,  P.  S.  p.  264. 

2)  P.  8.  p.  252. 

3)  R  S.  p.  i;5. 

4)  J.  S.  p.  168. 

5)  P.  8.  p.  252  n.  oft 

6)  Z.  B.  P.  K  p.  9. 
<)  P.  a  p.  356. 

8)  J  S.  p.  leo. 

9)  P  S.  p.  89. 


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AKT0M1Ü8  VOM  PADUA.  II.  587 

prieflen.  Doch  kennt  Antonius  auch  die  Gefahren  des  Hoch- 
mots^  die  der  Keuschheit  drohen;  nur  in  der  Demut  wird  die 
Keuschheit  bewahrt,  ,,eine  hochmfttige  Jungfrau  ist  keine 
Jungfrau ,  sondern  eine  Geschändete  ^  Auch  das  Fasten 
wird  als  Heilmittel  gegen  die  Sinnlichkeit^  gegen  den  Teufel 
überhaupt  gepriesen  *. 

VerhältnismäTsig  seltener  als  im  Psalmbuch,  aber  immer 
noch  viel  ist  von  den  Predigern  die  Rede;  auch  die  Klagen 
über  den  Klerus  sind  weniger  häufig,  aber  doch  stark  ge- 
nug. So  klagt  Antonius,  dafs  die  Geistlichkeit  ,,vor  an- 
deren*' die  Vcrkündijuing  Christi  scheue'.  Ein  andermal 
wird  über  die  cinzellebenden  Mönche  geklagt,  welche  unter 
dem  Mantel  äulserer  Ehrbarkeit  nichts  Gutes  treiben  ^.  Be- 
sonders schön  und  eindringlich  wird  dem  Klerus  in  der 
Predigt  an  Peter  und  Paul*  seine  Pflidit  vorgehalten,  und 
anschaulich  ist  darin  die  Klage:  „Ein  Hirte,  der  die  ihm 
anvertraute  Herde  verlafst,  ist  ein  Götzenbild  in  der  Kirche.  .  . 
Was  uimuit  er  den  Platz  ein?  Wahrlich  er  ist  ein  Götze, 
denn  er  hat  Augen  iUr  die  Eitelkeit  der  Welt  und  sieht 
nicht  das  Elend  der  Annen  ^  Ohren  hat  er  fUr  die  iSchmei- 
cheiäen  sdnes  Gefolges,  und  nicht  hört  er  das  Geschrei  der 
Armen;  eine  Nase  hat  er  för  Wohlgerttche^  wie  ein  Weib, 
und  nicht  riecht  er  den  Gerucii  des  liiuniiels,  noch  den  Ge- 
stank der  Hölle;  Hände  hat  er,  um  Geld  zusammenzuscharren, 
und  Btieichelt  nicht  die  Wundennarben  Christi;  Füfse  hat 
er,  um  Burgen  zu  baueUi  um  Steuern  einzuaiehen,  aber  nicht 
geht  er  aus  zur  Predigt  des  Wortes  Gottes»  weder  Lob  noch 
Bekenntnis  ist  in  seinem  Mund/^  Einmal  ^  lesen  wir  sogar 
das  bittere  Wort:  „Nicht  ohne  Schmerz  sagen  wir,  was  die 
Prälaten  der  Kirche  und  die  Groisen  der  Weit  tiiun,  welche 
die  Armen  Christi,  die  an  ihrer  ThUre  Isage  rufen  und  mit 


1)  P.  S.  p.  Sl. 

2)  P.  S.  p.  248f. 
8)  P.  S.  p.  87. 

4)  P.  8.  p.  194. 

5)  J.  8.  p.  164-170. 

6)  P.  8.  p.  819. 

Im*  * 


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538 


LEUFPy  AMTOKIUS  VON  PADUA.  H. 


jämmerlicher  Stimnio  um  Almosen  bitten,  lange  warten  iasaen, 
und  endlich,  nachdem  sie  sich  gesättigt,  yielieicht  gar  be* 
tninkea  haben,  lassen  sie  jenen  Überreste  ihres  Tisches  und 
Spülwasser  reichen.'' 

Man  iit  lit,  Antonius  wollte  nicht  absichtlich  blind  sein 
gegea  die  Fehler  der  GeUtUchkeit  wie  Franzisku.. 


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Beitrage  zur  üenotnis  der  aeuereo  Gesehichle 
und  des  gegeowirtigen  ZDstaodes  der  Athos- 

klöster  \ 

Von 

Philipp  Meyer, 


Welche  AusbreituDg  die  Bpeziell  hesycbaBtischen  Ge- 
danken des  NikodimoB  auf  dem  AthoB  damals  und  jetzt  und 
▼on  da  aus  in  der  gnechischen  Kirche  gewonnen  haben,  iBt 

nicht  leicht  nachzinvt-isen.  Der  v.fj  iog  /aQtTüJv  des  Niko- 
dimus,  der  aucii  eino  kurze  Darstellung  der  voega  ^rgooeuxi^ 
enthält,  war  m  500  Exemplaren  über  den  heiligen  Berg 
verbreitet,  wie  das  Subskribentenyerzeichnis  ergiebt  Im 
Jahre  1864  gab  der  Igumenos  von  Ajiu  Pawlu,  Szophronios 
Kalligas,  derselbe,  der  die  Athonias  geschrieben,  die  NotQct 
G<Vu</'/c  y^toi  didaGriakiu  /fc  vif  tciyS^i;  /J/orr  rf,-  y^njäg 
jrQooevxf^g  itrA.  heraus,  eine  Broschüre,  die  nul  hl  leiten 
die  Lehre  von  der  roegu  /r^ooet^xj/  behandelt  Das  Werk- 
chen ist  eine  populäre  Bearbeitung  des  2vftßovXevti%6v  von 
Nikodimos  ohne  eigene  Zuthaten  Es  dient  aber  in  dieser 
Gestalt  desto  mehr  zum  Beweise,  wie  jene  mystischen  Ge- 
dankt li  tbrth^hen.  Von  selbbtündigen  Hehandhmgen  der 
Theorie  von  der  voegd  TrQoOEr//^  habe  ich  zwei  aulgeiunden 
in  den  Bibliotheken  der  Klöster.    Der  eine  Codex  ist  in 

1)  S.  oben  S.  896. 

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640 


Ebügmeiiu,  Jer  andere  in  Ajiu  l'awlu.  Beide  Schrilten,  die  die- 
sem Jahrhundert  entätammcn,  bestimmen  die  hohe  Bedeutung 
der  voe^ä  rrQoaevxnj  dahio,  dafs  sie  mit  Gott  eint  T6  fiövow 

St^iovQyri^a  fittd  ro6  ihifiiovifyoO  —  elrai  ^  ^tia  xal  tBQä 
ftffooevxj  (Cod.  Esfigm.^.  Doch  weichen  die  beiden  Aus- 
einandersetzungen mehriaeli  voneiiiauder  ab,  ein  Beweis, 
dafs  sie  voneinander  unabhängig  sind.  Der  Cod.  Esfigm., 
welcher  der  wissenschaftlichere  ist,  kennt  zwei  Arten  von 
mystischem  Qebet,  nämlich  die  voi^ä  nqoaevx^  und  die 
xir^iox^  TtQoaevxi'  I^oob  kann  der  Verfuser  den  Unter- 
schied dieser  baden  Arten  nur  in  der  sich  abstufenden 
Innigkeit  der  Versenkung  in  das  Gebet  linden.  Die  voE^a 
7tQQa€vxi^  fUhrt  zum  Ergebnis  der  blofsen  Versunkenheit  in 
Gott;  die  /.agdia/^  aber  zur  ViBioii.  Der  Sache  nach  banden 
wir  den  Unterschied  schon  bei  Nikodimos.  Ftbr  die  erstere 
Art  ÜÜirt  der  Esfigmenlt  folgendes  lehrreiche  Beispiel  an. 
Der  Verfasser  hatte  ein^t  zur  Liturgie  einen  Priester  in  sein 
Kellion  gerul'eu,  das  er  allein  bewulmte.  Als  der  Priester 
während  der  Feier  irgendeiner  Sache  bedurfte,  sandte  er 
den  Verfasser  hinaus,  diese  zu  holen.  Dieser  aber  vcrgafs 
den  Auftrag  und  kam  mit  leeren  Händen  wieder.  Das 
wiederholte  sich  yiermal  und  fünfinal,  bis  endlich  der  Prie* 
ster  selbst  gehen  mufste.  Diese  merkwürdige  Gedanken* 
losigkeit  aber  hatte  darin  ihren  Grund,  daik  des  Mönches 
Herz  ganz  mit  der  voe^d  JCQoaevxfj  beschäftigt  war.  To- 
aoCiov  ßvOitovcaiy  begrUndet  das  der  Verfasser,  xfiri  aixfia^ 

&e^aovai  fir/^dv  ttva  dioMTcijp  noiljaat  ht  rfjg  toia^ki^ 
ädoktayjag  ov  S^ytzvrat,  toV  vodg  avtßhf  ntcttaßeßv^ia/ntyov 
oyiog  iv  zij  rof  rHoP  ^iv^urj.  d}.)A  y.ai  h  'Aaiqtji  diah>yf^g 
TMti  6're  yevoviai  ^(ai  6're  ^cegmatovai  Kai  bvß  hinaiovai 
%ai  eis  ^ffoictp  nots.  itUap^  drt^Qwiav  st(^tayt/Sfi9»ot  y  ^ 
hiffyua  xfj^  ^^otfctxQff  od  naC^ai  iv  TMi^Si^  aüvChff  dkl* 
htffyii  ddiokÜTtttag  h  adw^  c&g  diQoldyiw.  Damit  ist  offen- 
bar die  schlechthinige  Vorsteliungslosigkeif  des  Nikodi- 
mos  und  das  Versunken  sein  in  Gott  treffend  bezeichnet 
Und  man  mufs  zugeben,  dafs  hierin  strenger,  als  je  im 


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Di£  ATtlOSKLOSTKR.  U. 


641 


Abendland  versucht  ist,  ja  in  geradezu  klassischer,  Weise  das 
mi^nchisclie  Prinsip  der  Weltflacht  darchgefiüirt  ist  Als 
Beispiel  für  die  xa^Jicnu)  n^omvx^  lesen  wir  darauf  bei  dem 

Esiigmeniten  Yon  einem  Jüngling  vornehmen  Geschlechts 
aus  Szalonik,  der  um  1835  nach  dem  Athos  gekommen  und 
in  den  Gebieten  der  Lawra,  den  wüsten  Felsengegenden  des 
Atfaoekegelsy  sich  aogeuedelt.  Dieser  habe  es  in  der  «o^* 
^iaiüj  nffoatox'j  besonders  weit  gebracht  und  s«  sogar  einiger 
Visionen  gewürdigt  Da  heilst  es  z.  B  {i)J7tu  zolg  voe^oig 
6€p^aXfiOig  ietov  ttva  y.azt^x^f*^^^  '''^i^  or^yriQ  roü  dw^a- 
tiov  rot',  oVrivog  at  ^äyidsg  ificof  lafiTt{f6tei^  rod  aafttf^QWt 
6  &fKOiog  ierds  ei0f  ix  to0  0r6fiat6g  %ov  im  rfjg  xa^- 
^m<r  rov  Ttai  Toacnhif»  ^övitira  alardp^  nun*  hutvtp^ 
uLiyurp\  unov  ötv  ijöi  vuio  'Aav  ovdtva  iqu^iov  vä  xi^v  naqa- 
cxrjvr^ ,  tyihx  yuii  tx^^'^-^^'  "^-"^  ^r/.  ijdi  iaio  nB(^iatfikat  lä 
Xiikr^  xov  f/.  Tf;g  &x^ag  xa^ioxQg  ^dvitffog  •  • .  fjifx^w  ^ 
%a^ia  TOP  va  aiuffz^  /lerd  t<Hfai5ti^  cr^od^r^og  wu  d^uljg, 
ßan  rdv  kpaiynot  Bt*  ^elsy  p*  drtoa/tatf^.  Der  Cod.  von 
Ajiu  Pawlu  bespricht  zuerst  die  körperliche  Technik  der 
7iQ0OEvyj]  Uüd  gicbt  zu  einer  schemiitischen  Zeichnung  des 
menschlichen  Oberkörpers,  die  die  Galle  rechts,  den  Nabel 
unten  in  der  Mitte  und  das  Hers  links  darstellt,  folgende 
Anweisung:  Mtj  nqoo^yrjg  <3^9  de^fo  oIts  dg  t6  pilaw, 
ovxt  Big  roi  ourfakot  ,  nquaLyh  xaAö  aQioieQd  ...  ^  tt/mvti 
ive^yel  eig  xt^v  -KOiliav  xat  hid  xdv  ofi(falov  xat  Kivei  tä 
hnoyatni^ia  mu  fi^  n^toaexf^g  SKei  otd'  blußg  dkka  eig  xrjv 
xa^iW,  Vv(O0w  vofSP  fii  xbv  ivdtd^9xw  k&yw  (das  Ao* 
yia%tinjif¥  des  Nikodimos ')  xae  x^^v  fyßaaiv  %fjg:  nvofjg 
y,ou^i  10  KLQi6,  li]O0i  XqiölI  y.iX.  Der  Veriasser  p^iebt 
sich  dann  Mühe,  falsche  Mystik,  z.  B.  die  der  Derwische, 
abzuweisen^  ohne  dafs  ihm  dies  gelingen  kann;  die  Erschei- 
nung des  wahren  göttlichen  Lichtes  beschreibt  er  aber  so: 
<ÜUd  roü  ^ciW  (fu)xdg  ^  t^rpdvua  Ann  xot  ävhog^ 

Isv/jOCiUt],  örroia  Eivai  /xa  lor  ^/iov  (fVJt6g. 

Durch  mündliche  Erkundigungen  habe  ich  das  schriit- 
iich  Überlieferte  nur  bestätigt  gefunden.   Bei  nftherer  Be- 


l)  Gersd«  io  Nikodimos  im  Kipos  Chsriton,  8.  816£ 


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642 


kaiiiitecbaft  und  wo  sie  nicht  Neugierde,  soiiderD  ernstes 
Interesse  und  Kenntnis  ihrer  Gedanken  vorauasetEen  dürfen. 
Bind  auch  die  Ajioriten  nicht  so  abgeneigt,  Ton  ihren  My- 
sterien m  sprechen  y  doch  stets  mit  der  Zariickkaltang,  die 
auch  bei  uns  ernste  Christen  beobachten,  wenn  sie  von 
ihrem  inneren  Leben  reden.  Ich  kann  nur  versichern,  dals 
namentlich  in  den  Kinowien  und  in  den  iSkiten  die  TiQoa- 
evxiii  in  ihren  beiden  Arten,  der  yos^d  und  der  xa^iow}» 
geübt  wird.  Die  letztere  ist  naturgemärs  die  seltenere. 
iJeiiii  über  Visionen  habe  ieh  wenigstens  alte  ernste  Mönche 
sehr  nüchtern,  tast  skeptisch  sprechen  hören.  Zur  Beglau- 
bigung der  Visionen  nämlich  verlangt  man  allgemein  von 
dem  Visionftr  vor  allem  ein  exemplarisch  askittsches  Lebea 
bis  ans  Ende,  nach  dem  Tode  aber,  dafs  Oott  ihn  für  heilig 
erklärt.  Diesen  Beweis  halt  iii.ui  aber  iii  der  irriechischeu 
Kirche  dann  für  erbracht,  wenn  die  üebeine  des  Verstor- 
benen bei  der  dpaÄOfudtj  entweder  wie  noch  lebend  mit 
irischem  Fleisch  umgeben  scheinen  oder  aber,  Ton  Fleisch 
ganz  entbldfsl^  einen  Wohlgeruch  ausströmen  (ctWioToMn). 
Auch  müssen  dieselben  oder  die  Kleider  des  Verstor beueu 
Wunder  thun  *. 

Dafs  die  Theorieen  der  modernen  Ruhenden  nicht  auf 
den  heiligen  Berg  beschrünkt  blieben,  kann  man  mit  Becbt 
aus  der  Bedeutung  der  Athosklöster  för  ihre  Kirche  schlieTseii. 
Der  l'au iarch  Grigorios  V.,  der  Märtyrer  der  griechischen 
Freiheit,  nahm  aus  der  Klosterzelle  die  voe^a  ^r^oaeix'/  ui^^ 
ins  Patriarchion.    Tö  Hfttiqaq  ^etä  %ipf  wip^  dißa/iMiP 


1)  Eine  Heiligsprecbiisg  giebt  es  in  der  grleehischeD  Kirebe 
nicht.  Darum  kann  auch  ein  Streit  darüber  entstehen,  ob  nutn^t  mit 
einem  Heiligen  au  thun  hat.  So  stritt  mau  s.  B.  um  17^  in  Af- 
ifidXiivftt  darüber,  ob  der  Landsmsim  Uarfcoe  Ewjcuikoe,  der  bs- 
rfihmte  VorkSmpfier  der  Orthodoxie,  heilig  sei  oder  nicht  Der  Ftr 
triarch  2:n)u<4tifi,  an  den  man  sieh  wandte,  entsehied  in  einem  Fs* 
trtarchahinsBehreiben  von  17B4  unter  AuMUting  der  Verdieuste  des 
fraglichen  Heiligen  um  die  Orthodoxie  dahin,  dafs  in  Kooitsattnopel 
Markos  als  ein  Helliger  angesehen  werde.  Vgl.  UnoloviHa  roH  h 
Uyfoig  HnjQog  Ma^ov  irfil.,  Konstsutinopel  WO  sneh  dss 
Schreiben  des  SzerapUm  su  lesen  ist. 


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]>1£  ATHOSKLÖSTKli*  II. 


643 


iSuf  cctQTidg  utai  toB  xdoftov  ytvöfieyag  xoe  fidrog  ju<5iy 
n(koaofttk&p  K  Wie  Ghrigorios  mag  mancher  Kirchenfttrst, 
der  ans  der  Reihe  der  Ajioriten  bervorgegangen,  die  Mystik 
de&  heiligen  Berges  mit  iu  die  Welt  genommen  haben.  Der 
Erzbiscfaof  Ue^dl^iog  von  Joannina,  der  sich  von  ^ikodimos 
daa  ^fißovXevtiTtiäv  schreiben  Uela^  wird  jedenfalls  für  die 
Gedanken  ednes  Vetters  eingenommen  gewesen  sein  und 
auch  unter  der  Geistlichkeit  seiner  Eparchie  für  die  Ver- 
breitung derselben  gesorgt  haben  Nikiphoros  der  Chiot 
sagt  Ton  den  Gründern  der  Nta  Mwt}  aui'  Chi«i%  dafs  diese 
Männer  ohne  Zweifel,  wie  die  Jünger  auf  dem  Thabor,  be- 
sonderer Erscheinungen  gewürdigt  seien,  nur  klHine  man 
nicht  sagen,  tis;  rcoiav  i^no^iav  i^q.taZeto  ö  i'oCv  idtv  7CQoa- 

xatg  qiogdig  xai  fii  dyyi^vgK  Auch  der  Ver&sser  des 
jetzt  noch  bei  den  Orlechen  beliebten  zafiBiov  tfjg  dgi^odoSiag^ 
Qtdrptkog  Tf^g  Kaftftaviftc  J*j>richt  sich  bei  der  Lehre  vom 

Gebet  im  allgemeinen  zusiinunend  dazu  aus,  dafs  das  (j^  iiet 
zur  Vision  fuhren  könne,  lioüot  t&v  '^ydor,  sagt  er, 
ftifoa€Vx6f^&^  ^^fa^hfiw  vd  tdody  t^eiag  d:gvaoiagK  £r 
warnt  aber  ziemlich  deutlich  dabei  vor  den  Massalianem« 
die  ohne  Aufhören  gebetet  hätten.  Auch  vom  Gebet  ^i^elte 
„rrdv  iiiiQor  agiaiov**  *.  Das  dari  als  verötcekter  W  ider- 
spruch gegen  die  ajluritischen  Theorieen  aufgelalst  werden, 
mit  denen  Theophilos  als  Schüler  des  Ewjenios  VVulgaris 
ohne  Zweifel  bekannt  war.  Dieser  nun,  ein  universaler 
Geist,  ohne  Zweifel  der  gröfste  Theol<  der  griechischen 
Kirche  in  den  beiden  letzten  Jahrhunderten^  »eiieint  gegen 

1)  Bios  «ttl  noJUriia  töü  nuTQiuQXüi  f  fjijyoQiov  xtL,  Athen  1853^ 
&  14 

2)  s.  a  O.  S.  50.  Chios  stand  damals  auch  in  den  Kolywastieit 
mter  dem  Einflufo  der  strengen  Partei  auf  i^ion  oros. 

3)  TofiiZw  tfis  ÖQ^odo^fat,  Ausgabe  von  1804,  S.  312.  l>ie  erste 
Aasgabe  ist  fon  1780,  die  sweite  von  178Ü.  Über  den  Yerftsser  vgl. 
Ssatkasa.  a.  O.  &  611 

4)  a.  a  O.B.  213. 


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alle  mystischeD  Versuche  gewesea  zu  suin,  GuLt  zu  schauen. 
Obwohl  er  als  rechtgläubiger  Kircheolehrer  in  st^iuer  Dog- 
matik,  dem  6eoiU>^ixov,  das  göttliche  Licht  iür  sichtbar  er- 
klKrt  ^1  eo  Mgt  er  doch  in  seiner  *AMaaxi^  q^M&eog,  einen 
praktiadien  Kommentar  snm  Pentatmich,  wo  er  unbeeqgt 
Ton  jedem  dogmatiedien  Zwange  neh  bewegt,  bd  Erldinmg 
von  Exod.  3,  6:  dnkaxqBilit  6i  Mwvaf)g  i6  ^rQÜüw/coy  aujov 
folgendes:  jbiccZ  öttov  Bivai  VTreQß^ri^iJiyr^  rtg  iP^sof^  na- 
Qovaia  hn^fvijg  dvva^ig  -Kai  tviqyBtay  6h  nqirgu  6 
üpd^taftag  vä  fs^otnyyilrf  f^i  Toiv;  6ukoi>$  loyuffiaög  fitäg 

iffyov  (f>vin%fjg  i^eraoetog'  Siv  nqinu  va  Criifj  hui  vä  i6§. 
niüii^  y/.Bi  drtaitÜTai  ,  oxi  TiBQteqyog  tqevra  xal  niaiig 
etrai  7iQay^ana¥  hT^yxog  f.tt)  ßkeno^inov,  ....  O  Mitwc^ 
6  öoOXog  6  ixXeKTÖg  voO  Kvqiov  dntaTQeifm  rd  rgoaumoif 

rivhxßüto  xartfißHtpM  h^mw  toO  ^coC  xat  ab  Tokfiäg 

elaxiOQ/jarjg  fjtaa  elg  tä  Mdrata  xai  äSvra  ßaih]  v&v  cef- 
^Twr  /Ml  v7ie^a/,aTavorrrti}v  uvatriQi'vjy  tb  xa*  Y.gtudtojv  toC 
TtVBVfiaiog;  td  dai^evig  %al  edvBKiararov  dv^(^{i>ndqiO¥  ^; 

Der  Widerspruch  des  Ewjenios  und  des  Nikodimoe  er> 
klärt  sich  leicht  Wir  haben  es  hier  mit  den  Vertretern 
der  beiden  greisen  Bichtangen  su  thun>  die  in  der  griechi- 
schen Kirche  noch  ungeschieden  sind,  der  katholischen  und 
der  evangelischen  Jene  verlangt  eine  physische  Vei^ainiguug 
mit  Gott,  diese  eine  ethische. 

1)  BtQl9Y*f^,  heiMligegebeii  von  Uya^ayf^oq  jio^tonovLag, 
Yen.  1873,  8.  US:  —  /tip  Mmf  oio(w  if^oloyiiw  oöp  ttdt 
Moi£  nargttfft  nttyrtt  rgönw  A6^9¥  —  w6  H  ^<^oir  f4is,  ti 
II  adt^i  ntiyä^  itniorm  ibeivrdliijrro»  /tiv  ~'  6^6»  44  iHontans. 

2)  a.  a.  0.  Amgabe  von  1801,  obne  Drockort,  dem  Ansehsin 
naeh  in  Wien,  Bd.  I,  S.  241.  Wisn  weist  ab  Dniekork  naeh  Diaü' 
tiekopidos  a  a.  O.  S.  98f. 


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DIE  ATHOäKrX^STGR.  II. 


III. 

Dmt  Stafeasatarsolüed  im  gHeohUohea  Mftaolitvat 
besoaAora  mai  A&m  htül^iem  Barge« 

Das  abepdi&xidigche  Mönchtum  hat  seit  Benedikt  von 
Kunia  begoimeiii  sich  in  bestimmte  Orden  su  teilen.  Die 
Denen  Orden  erwuchsen  ans  den  alten  oder  neben  denaelben, 
um  die  aeitweilig  gelockerten  Bande  der  askitisehen  Zucht 

neu  ansaziehen  oder  um  neue  kircbenpolitiscbe  Aufgaben  zu 
lösen.  Das  oiieutalUche  oder  näher  das  griechische  Mönch- 
tum dagegen  ist  aul  den  Regeln  des  Waasilios  ein  einheit- 
liches geblieben  ^  Es  giebt  keine  Orden  unter  den  grie* 
efaiscben  Mönchen ;  Namen  wie  2tvat€f^t  *j4yimaf^vtjiSt  l>^/io- 
Q^hri^  wollen  nur  die  örtliche  Zugehörigkeit  des  Mönches 
anzeigen 

Innerhalb  der  Einheit  des  trriechischen  Monchtums  aber 
sehen  wir  btufenunterschicde  ausgebildet^  deren  (irundlage  die 
sich  Steigemde  Askise  bildet  Deren  giebt  es  aufser  der 
doxiftaata  zwei,  das  (iix(>dy  ox^j^o  oder  tod  liovdiov  und 
das  ////a  o/IJf/a,  das  im  besonderen  Sinne  das  dyytXint/Av 
hcifst.  Die  dem  ersteron  angehörenden  Mönche  fuhren  den 
l^arocü  ui/.Qutj/nuoiy  fiavdiwLi^  oder  oiavQOfpSQOi  ^  die  lets- 
teren  hciisen  fteyaloaxriitoi  oder  tiMtoi  liovaxoL 

Für  uns  kommt  diese  das  gesamte  anatoliscbe  Mönch- 
tum berührende  Frage  besonders  in  Betracht,  da  iUr  heute  ^ 

1)  Konus  sagt  S.  Sl  in  seinen  Bemerkungen  sa  dem  Ton  ihn 
ins  Neugrieehiiehe  überaetsten  ,,Coosiliam  qnonudsos  episeeponun 
Benoniae  eongregatomm'*  des  Paoliis  Vergerioa  (B£'  YII,  S.  806), 

^  das  1820  in  London  encbien,  Ober  das  anatoUiehe  Mösebtum:  Ol 

rBk  fitynlo9x^^  v")  (ÄUifjoax^fiw)t  tö  6amo»  ol  AunmiA  im^üdow 
rdyfitt  ¥00  ^y(oü  BaaUtiov. 

2)  8o  ausdriieklich  ^itfo^ot  Koftfifiraf  in  seiner  tnitofiog  ix^ 
nXnotiunntii  tatoQta,  %  Aufl.  duroh  n.  Xmwm  (SekyntlMe  I86t), 
S.  905. 

8)  Schon  Smith  berichtet  fttr  seine  Zeit,  die  swdte  UlUfle  des 

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546 


die  beiden  c>/i\intiu  nur  noch  aul'  deoi  Atlios  zu  finden,  liier 
jedeulallB  auch  besoDders  mit  ausgebildet  sind. 

Dem  Eintritt  in  die  cx^fiara  geht  auch  jetzt  noch  eine 
Probezeit  voran,  die  Sovufiaaia  oder  dcM^r^  ^  Der  Novin 
aber  heifst  Jox^/iog,  qaooifogogj  Qacoiiyog  oder  a^;{c/^<uc*. 
Die  Dauer  der  do/j^tri  Poll  nicht  mehr  als*  diei  Jahre  be- 
tragen und  der  Kegel  nach  nicht  weniger  als  sechs  Monate  ^ 
In  einigen  idiorrhythmiachen  Kiöatem  auf  Ajion  oros,  aehr 
Bellen  in  Kinowien  kommt  es  vor,  dafs  einige  ihr  gauses 
Leben  ^aootfOQoi  bleiben,  weil  sie  die  Gelübde  nicht  ab- 
legen wollen.  Ja  es  kommt  vor,  dafs  solche,  die  doch  in 
Wahrheit  L*aien  sind,  die  höcheten  Amter  in  jenen  Klustem 
bekleiden.  Gegen  das  Hinauaschieben  der  GelbbdeUbemahme 
wendet  sich  schon  das  Typikon  des  Antonios  von  1394, 
ebenfalls  lür  die  2:Ä/n^  loi  llQodgofjoc  von  Iwiron  der  Kano- 
nismos  derselben^  den  ich  in  Iwiron  aus  dem  Original  ab- 
geschrieben ^. 

Die  Akolnthie*  zur  Einkleidung  des  c^d^iog  enthüt 
wesentlich  Gebete,  Gott  ml^ge  den  neu  Eintretenden  in  seinem 

Vorhaben  bewahren.    Ein  Ende  criulgt  die  Schur,  öiuiQO- 


17.  Jahrbniiderts,  von  den  fiiyttl6ax>ifto$:  Honun  praecipiia  ledei  ««t 
in  editiMimiB  montis  Athi  jugia  ete.  De  Oraeeae  Eoeleaiae  Hodierno 
Statu.  Ed.  Sccanda.  Londini  167i^ 

1)  Nikodimoa  Ajioritis,  ^li$ofit>koyiiui^or ^  5.  Aufl.  (Yen.  It^X 
$.  162. 

2)  Ebenda  S.  163  und  ■onst  sehr  häufig.    Auch  Ewchokjiott, 
8.  188. 

3)  Nikodimos  Ajioritis,  '/v^o/«<mIo/.,  S.  162. 

A)  So  viel  ich  aus  eigener  Erfahrung  weif«  nur  in  KtttlunusiL 
b)  Dat  Typikon  von  1394  in  der  Uihup^iif,  S.  114.  Der  Kiuo- 
niamo»  der  ProdromoMkiti  stammt  an*  dem  Jahre  1788.  Er  w- 
ordnet  in  Kap.  11,  dafa  Moofttitoi  ala  aoiehe  hochstena  ein  Jahr  ia  der 
Skiti  bleiben  dürfen.  Daun  aoUen  sie  eiu  Jahr  ^dw/io«  werden  ood  * 
ohne  Widerrede  die  Gelübde  ablegen  oder  den  heiligen  Beig  ver 
laaaen. 

6^  Die  Akoluthie  im  EwcholoJ  8.  188-189.  Dieae  Feiern  fiodn 
nicht  im  Kafholikon  atatt,  aondem  in  dem  »«(ifjnrJU^Mir,  du  dm 
Kloaterheiligen  n.  dgl.  geweiht  iat,  s.  B.  in  Iwiron  in  der  KapeUe  der 
berühmten  Panigia  Portaitiaaap  in  der  Lawra  in  der  dea  heiligen  Atfaa- 
naaaioa. 


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DIE  ATHOSKLÖSTER.  II. 


547 


£td(9s,  d.  h.  an  vier  SteUen  des  Kopfes  wird  ein  Büschel 
Haare  abgeschnitteDy  so  dafs  die  gedachten  Verbindung»» 

liuieu  der  Schnittstellen  ein  Kreuz  bilden.  Das  abgeschnit- 
tene Haar  bewahrt  mau  an  heiliger  Stätte  auf^  Als  Ge- 
wänder erhält  der  doAifio^  bei  der  Zeremonie  den  ;ffrw>' 
und  das  luxlvfiai^taiff  er  trägt  aber  alle  Gewänder  der  Mönche^ 
mit  Ausnahme  natürlich  der  besonderen  Abzeichen  der 

Das  Formular  des  Ewciioiujion  setzt,  da  es  dem  Sdy.tuog 
kein  Gelübde  abnimmt^  voraus,  dafs  dieser  auch  wieder  aus- 
treten kann.  So  noch  Ewsthatios  von  Thessalonich  ^  Bei 
Goar  findet  ach  fedoch  ein  Formular,  nach  dem  schon  vom 
66Aiito:i  die  bindenden  Gelübde  abgelegt  werden  K  Nach 
Nikodimus  Ajiontis  erlaubt  auch  Balsamon  den  Rassuphorcn 
den  Austritt  nicht  mehr  und  Nikodimos  selbst  will  diese 
rigoristische  Theorie  aufrecht  halten,  ist  aber  auch  auf  Ajion 
oroB  damit  nicht  durchgedrungen  ^. 

Der  yjTuVy  den  der  öo'/juoq  bei  seiner  Aulnalnue  nach 
dem  Ewcholojion  erhält,  fuhrt  jetzt  den  Namen  iGibqaaov 
oder  U'iOTiTübv  ^äaov.  Es  ist  das  lange,  eng  anliegende, 
dunkle  Untergewand.  Das  xaAvfiot^ioy  ist  die  sdt  Fall* 
merayer  „mdrserförmig''  genannte  griechische  Mönchsmütse  *. 


1)  So  schon  Szymeon  r.  Thess.  t.pp.  S.  192:  T«f  iQij^ai 
9$aaTri(i((tf  anoiii^nat.  Bei  der  Mönchsscbur  in  Iwiron  in  der  Nacht 
vom  20.  auf  den  21.  August  1887,  Uer  ich  beiwohnte,  fiteckte  der 
Priester  die  Haare  zwischen  die  Bilderwand  und  den  Ril  kr-u  des 
PortAitissabüdes,  das  rechts  von  der  nvlr]  an  der  J^ilderwami 
bangt.    Der  Prieater  ^der  nQoafioväQioi)  aber  stand  iu  dieser  Thür. 

2)  a.  a.  0  Kap.  161. 

3)  Ewcl)  Icjiou,  AuBgabe  von  1780.  Das  Formular  scheint  aua 
dem  13.  Jahrhundert  zu  stammen. 

4)  Exoi  11(110]..  .S.  HA. 

6)  Die  Ableitung  (le.s  Wort*'s,  wie  aucli  seine  heutige  Gestalt  ist 
nicht  Bicher.  Untersclii»  de  bei  Goar.  Hent«^  schreibt  das  Ewcho- 
lojion: xa).ruKi'xtov,  ^\kod\mo9:  xnuilavxtov,  Christophoros  Lawriotis: 
xafij^l(ci/<n .  Übrigeiis  dient  das  Wort  bei  den  Griechen  nicht  allein 
zur  Benenn uug  der  Mütze  der  Mönche,  sondern  jeder  ähnlichen,  z.  B. 
der  derSebelcR.  Über  diese  vgl.  Texier,  Asie  mineure  deacriptioo  ete. 
(Ausgabe  von  1882),  p.  ^81,  2  ff. 


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54« 


Die  kanonischen  Pflichten  fordern  von  denen,  die  die  i'rii- 
iungszeit  durchmachen^  dais  bie  während  eines  ^^tQoivAnov 
100  fftQiücäs  (.iBcavoia^  und  von  nqoOY,vrtixai  furavotat  3 
Mfißoaxot'yta  atMoivieren  K  Hat  der  doxiftog  seine  PrfifoDgi- 
seit  bestanden  und  das  Alter  erreicht,  in  dem  der  keimende 
Vollbart  eine  gewisse  Reife  des  Geistes  anseigt,  kann  er  mit 
Zustimmunfj  d(  r  ana^i^  zum  aravQOtp^QO^  belordcrt  werden. 

Die  ü/jj/jH  l^ia  rot'  /iWKQOV  O'/tjuaro^  ]'>i()i  rov  f.tai'^rov  * 
enthalt  als  wesentlichen  Bestandteil  die  Gelübde.  Diese  ver- 
langen namentlich  das  Vefsprechen,  bis  zum  letzten  Atem* 
suge  dem  Kloster  treu  au  bleiben,  die  Keuschheit  sa  be- 
wahren, dem  Vorsteher  und  der  BrQdersehafi  Gehorsam  in 
leisten  und  alle  Trübsal  des  rariniliischen  Lebenb  um  dee 
Reiches  Gottes  willen  zu  ertragen.  Die  Schur  erfolgt  nicht 
anders  als  beim  ^aaoffoQOQy  die  Gewänder  dieses  ax^/ic  aber 
sind  der  %t%dlt¥,  die  Uv^^  die  neQiyttqidlaia,  das  TtakXicw 
und  die  üavddXta.  Den  /irc^y  und  die  nt^fiiuipdlaia  haben 
wir  bereits  bei  den  Rassophoren  getrofien,  die  ti&rri  ist  ein 
breiter  lederner  Gürtel  mit  Schnalle.  Das  Tidkltov  ist  das 
heutige  tycurcüQaaov  oder  ptuvüoQauuv^  das  mit  dem  Talar 
der  evaDgelischen  Geistlichen  grofse  Ähnlichkeit  hat.  Die 
aupödha  oder  nancvxLia  im  Vulglirgriechiscfa  sind  grobe 
Lederpantofifeln.  Bei  allen  feierlichen  Gelegenheiten,  beson* 
ders  in  der  Kirche  und  im  Speisesaal  tragen  die  Stawro- 
phoren  uud  die  ft£ya)jjoyrfUoi  einen  schwarzen  Schleier  über 
dein  /.auiXttL'AioVf  der  daher  den  Nameu  t^cavuj/MfiiAavjuov ' 
führt  und  offenbar  das  Überbleibsel  des  alten  Kukulion  ist 
In  älterer  Zeit  haben  die  fUTugdax^oi  auch  den  diMafto$, 
der  heute  jrokvaTatqtoy  heifst,  erhalten^.  Als  einen  Best 
desselben  bei  den  avavfiwfÖQai  mufs  ich  jenes  seltsame,  etwa 


1)  Nikodimos,  Ezoinoloj.,  S.  78. 

2)  Ewcholoj.,  S.  11)0—1^9. 

a)  Alles  nach  Nikodimos,  Exomoloj.,  S.  ItiTE  VgL  auch  da«  Müs- 
YSrstehea  des  fipaookamilawchioD  darcb  Piscbon.   a.  a.  0.  S.  79. 

4)  Das  bezeugt  ein  Formular  bei  Goar,  das  schon  der  bekannts 
Kardinal  /ir^oan^xW  benutzt  bat,  und  noch  früher  Ewstbatios  v.  Tbes«. 
a  a.  0.  Kap.  72.  Docb  nennt  Szymeoa  TbsM.  den  Mlufioc  ent 
beim  fi^ya  qx^»'   a.  a.  O.  S.  192* 


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Dil:;  ATHOSKI^'>8T£R.  II. 


549 


10  cm  im  Gteviert  haltende ,  schwane,  steife  und  wie  der 
ftoM-ag  der  GroismöDche  (s.  unten)  güBcbmilckte  Stttok 
Zeug  «nselieiiy  dM,  na^fiMv  genannt,  bei  der  Schur  der 

u  i  AQUO/ Tili  Ol  y  wie  ich  selbst  gesehn,  mit  cien  Gewändern  uber- 
reicht und  unter  diesen,  gleich  auf  dem  wuilcnen  üemd  an 
swei  schwarzen  Fadeu  zwischen  den  Schulterblättern  ge- 
tmgen  wird.  Dieses  Ding  bespricht  schon  voll  Verwunde- 
rung Kikodimoe  und  beweist  dadurch,  daüs  dasselbe  schon 

damals  den  Mönchen  unverständlich  war  V  Von  dem  neuen 
heiligen  Lukas,  einem  Ajioriten,  der  1802  von  den  Türken 
ir:  Mytilini  hingerichtet  wurde ,  heifst  es,  als  er  sich  sum 
Todesgange  anzieht,  n^xüv  f4ip  l'ßalM  wxvdaaQTUx  rö  na^^ 
ftmri  (sie)  td  xaloye^rA6»  K  Smith  besdireibt  dieses  Para* 
mandi  ebenlalls,  nennt  es  aber,  wnln  -cheiulich  verkehrt  auch 
fiir  seine  Zeit,  den  uvahxßog  der  Groikniönche  ^. 

Den  avmi^ia/iiyoy  yLavöva  der  Mönche  dieser  Klasse  faist 
Nikodimos  %atä  rovg  iv  ^^yiqß  "0|^  Sttnt^iTimSg  dahin 
sosammen,  yd  Ttd^ww  yonndtaiag  —  hiatdv  Öhta^  rt(foa- 

Die  Mikroschimi  bilden  die  Hauptmasse  der  Mönche  in 
den  idiorrhythmischen  Klöstern  und  in  den  KeUien.  In  den 
Skiten  und  den  Kinowien  sind  sie  in  der  MinderaahL 

Uber  ihnen  nun  stehen  die  Mönche  erster  Ordnung,  die 
fitya/MOxi]Ltot.  Inbetreff  der  l'bernahiue  des  u^ya  o/jjia 
herrscht  aul  dem  heiligen  Berge  nicht  Übereinstimmung. 
Der  strenge  Nikodimos  wollte,  dafs  die  dqxaQioi  gar  nicht 
erst  das  kleine  oxflfio,  sondern  gleich  das  grofse  anlegten  ^ 
Seine  Ansicht  ist  Oeseta  geworden  u>  den  meisten  Kinowien 

1)  Nikodimos,  Exoinoloj.,  S.  167:  aTn^afAUuw  rtTQdytavov,  dnoO 
MttXoCai  rijf  aijutnor  naQKfAuvdv  a/  tioaXoi  afAtt^Bg  Mal  ifOQolfü$  toCro 

2)  XtOV  AtlUOtViiQtOV,  S.  101. 

3)  nvüXaßov,  Bive  paDDiculum  quadratum,  intus  pileis  assutum; 
fjnandoque  vero  eundem  gerunt  in  sinn  cordi  rab  indusiis  laneis  prope 
tdjacentem.  a.  a.  €).  S.  90.  Die  Sitte,  das  naf^fiavdu  im  Hutboden 
SQ  tragen,  existiert  auch  jetzt  noch. 

4)  Nikodimos,  Exomoloj.,  S.  73. 

5)  Ebenda  S.  166. 


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550 


von  Ajiüii  oros.  In  diesen  besteht  also  die  ganze  Brüder- 
■ehalt  ak^esehen  von  den  d^dqtoi  aus  GhroikmöncheD.  So- 
yiel  ich  weifs^  macht  nur  Kutliunusai  yon  dieser  Regel  ebe 

Ausnahme.  Die  viel  freieren  Kinowien  in  der  Welt  natfir- 
Ui'h  kinjiien  eine  solche  Mai^^regel  nicht  durclitiiiireii.  Auch 
die  Skiten  auf  Ajion  oros  zählen  meistens  nur  GroismöJicbe 
SU  ihren  Mitgliedern  und  zwar  solche;  die  das  /i<x^  «xfiua 
gar  nicht  genommen  haben.  In  den  idiorrhythmiscbeii  Klö- 
stern dagegen  geht  dem  fitya  ay/^fia^  wenn  dasselbe  über- 
haupt angelegt  wird,  stets  das  uiy^dr  rfyfua  voran.  Ich 
aber  habe  weder  in  Iwiron  noch  in  \V'atupädi  nuch  in  der 
Lawra,  den  drei  bedeutendsten  idiorrhythmischen  Ktöstem, 
mnen  ^eyaldax^fiog  gesehen. 

Die  d'AolovO-i'a  roV  fieydXov  '/xti  dyytXi^ot  ayfjuaio^  ist 
an  Perikopen,  Gebeten  und  Gesängen  sehi*  reich  ^  Der 
wesentliche  Unterschied  von  der  des  kleinen  opii^a  besteht 
darin,  dafs  in  die  Gelübde  die  neue  Frage  eingescbobes 
wird:  dfrordaar^  rcp  y.6üi.wj  xcri  xoiq  h  xSüpufi  xurrd 
l)'roh]v  Tof}  /.iQi'oL  ;  Dem  entsprechend  legt  aueh  die  fol- 
gende /Ml  t//j^(TiQ  den  Nachdruck  aut  die  Entsagung.  Nach 
der  Schur,  die  bei  allen  Stufen  auf  gleiche  Weise  ausgeübt 
wird,  erhftlt  dann  der  Grofsmönch  die  Kleider  sttner  Ord- 
nung. Als  neue  kommen  der  jucmfc^cr,  der  dpdlaßo;  mi 
das  'AOV'AOt'hov  hinzu.  Letzteres,  flu'  alte  schwarze  Mönchs- 
kapuze, die  vom  Kopl  nur  das  Ueöicht  frei  Üels,  tragt  mau 
gar  nicht  mehr,  vielmehr  benutzen  auch  die  j.tByaX6axf^(^  dss 
xaüv/icrif^ioy  und  das  i7tavmjah>iia^tov*  Die  Kapuze  aber 
ist  mit  dem  fiavS^g^  der  auch  kein  Glewand  mehr  ist,  su 
einem  Stück  verbunden,  das  den  Namen  ro  oyj^uu  hu  be- 
sonderen Sinne  führt  Es  iöl  eine  wohl  ÜU  cm  breite, 
schwarze  bis  zu  den  Kniecn  reichende  Schürze,  die  durch 
einen  Schiita  um  den  Hals  befestigt  wird.  Auf  dem  Nsckeo 
ist  die  kleine  Kapuze  angefügt.  Die  Vorderseite  dieser 
Schürze  schnuukt  ein  grofses  rotes  oder  v/eilscs,  gesticktes 
Kreuz^  das  über  einem  gestickten  Toteukopl  steht  und  aut 
der  einen  Seite  die  Lanze,  auf  der  anderen  das  Rohr  mit 


1)  Ewcholoj.,  S.  199-218, 


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DIB  ATB08KLÖ8TBB.  IL 


551 


dem  Schwamm  hat.  In  den  vier  WiDkebi  des  Kreuzes  al>er 
ist  der  alibysantmiache  Sprach  geachrieben:  12.  XS.  NI — 
KuiK  Der  ämLaßag^  der  jetst  stete  ftoXwna6i^  heifst, 
ist  ein  Gmftnge  aus  schwanen  Wollsehnüren^  die  symmetrisch 

zusamnicnp^enäht  viele  Kreuze  bilden  und  über  die  JSchultera 
gehängt  werden ;  und  zwar  su,  dafs  nach  vom  und  hinten 
dieses  Gehänge  gleichmäfsig  hinabMit  Zur  Zeit  des  Szy- 
meon  Thess.  war  der  dvdlaßog  noch  aus  Leder*.  In 
der  Kirche  der  N4a  (im  Gtebiet  TOn  Ajiu  Pawln) 

hängt  ein  Bild  aus  dem  Jahre  1766,  auf  dem  die  Dar- 
f^jitollten  bereits  das  muderiie  ;roXvoravqtov  tragen.  Der 
heilige  Makarios  aber  ist  auf  dem  Titelbüde  der  Yen.  Aus- 
gabe seiner  Honuiien  von  1801  mit  dem  neuen  uavdt'aq 
nnd  naXvata^tov^  dagegen  mit  dem  alten  wvw>6kuiv  ab- 
gebildet. 

Die  fiEyaX6oyi]uoi  sind,  wie  gesagt ,  namentlich  in  den 
Skiten  und  Kiuowicii  zuhause  und  tragen  da  ihre  Abzeichen 
auch  üfientiich.  Die  Btreiigi>ten  Fasten  sind  ihre  Lcbens- 
regel,  die  /rQooevy/j  ihre  geistige  Speise;  innerhalb 

eines  ffic^orvxrioi^  leisten  sie  120  yowiüUaiag  und  beten 
awölfmal  das  hundertknöpfige  /.vufioaxoivioy  ab.   Die  übri- 


1)  Die  Bcdeutuüg  dieser  Worte  nach  Nikiph.  Kall.  VIII,  32  ist 
bekannt  gphfilton  durch  Nikolaus  Wulgaris,  a.  a.  0.  S.  43.  Dieser 
Spruch  ist  iUt  beliebteste  zu  allen  Ileiiiguugszwecken.  Es  gicbt 
deren  aber  noch  viele  aiidtro,  luit  denen  namentlich  die  Kreuze,  die 
an  viel«  11  Stollen  des  Ajion  orus  als  Heiligun^aiuittel  stehen,  geycliinückt 
sfnd.  Z.  B.  x-  (f.  /f.  d.  h.  ffGj;  Xuiorui  'faittiui  ;iüaty,  i.  x.  n, 
y.  d.  h.  lönug  X{>uv(ov  nttofiJuaoi  y^yot'tv,  r.  r.  <f.  if.  d.  h.  lovtov 
{top)  Tü/iov  dtUuoi'ts  ifmiTovaif,  /.  x-  X  X-  d.  h.  ;|f^*(Jr6f  ;fp*OT*«>'£Mff 

Bedeutung  solcher  Zeiehensehrift  ist  saeh  den 
jüngsten  Ajioriten  geläufig.  Über  die  Gew&nder  der  GiofimSnche 
übrigens  noch  manche  £iDselhetten  bei  Nikodimos,  Exomel.,  S.  168f. 
Die  alte  litterstor  bei  Goar. 

2)  inttt«  ri»  tkPuXnßov,  fx  fftQfnirtav  {»iov  4iä       rOr  »osfiutU»  vi 

uanm^im  mmifbik    a.  a.  O.  S.  Unbestinunt  BtAtfÜMt  x^s 

bodmeagrieehiadi)  vt»vQot*äas  inl  tO»  äft^  mpH  itßclt,  8r«  fi^ardCo^ 
fii»  TO  oiL'fißoXo^  toO  aruuf/od,  a.  a.  O.  S.  191. 

2«its«kr.  t  X..a.  XI.  4.  36 


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552 


gen  Unterschiede  zwischen  ihnen  und  den  oratQOffo^oiy 
nämlich  dafs  sie  keine  Aoiter  in  dcü  Klöstern  annähmen 
oder  die  Welt  me  wieder  beträten  u.  dgi.,  sind  Jetzt  fort- 
gefallen.  In  alten  Zeiten  scheinen  die  Groltmönobe  nur 
Einwiftiilfr  gewesen  zn  sein. 

Obwolil  nnn  die  TeOnng  des  ftüpaxviub»  ox^^a  m  vmm 
axrji-iaia  von  der  Praxis  allgemein  gut  geheifsen  wird  und 
seit  Jahrhunderten  gebilligt  ist,  so  haben  sich  doch  zu  jeder 
Zeit  Stimmen  dagegen  erhoben.  Diese  wollten  nur  ein 
ax^fda  und  swar  das  der  Grofsmönche  gelten  lassen.  Offen- 
bar entiqfiriolit  dies  den  alten  Traditionen  ^  wie  denn  ancb 
▼<m  keinem  Eonml  jene  beiden  Stufen  nebeneinander  aner* 
kannt  sind.  Nicht  allein  Nikodimos,  wie  wir  schon  oben 
angedeutet,  verlangt,  dais  die  Neuerung  der  beiden  (Jxruata 
wieder  Terschwinden  müsse,  sondern  auch  der  sonst  milde 
Verfasser  des  TOfttiov  6^xh)doSiag  spricht  sich  ähnlich  aus, 
indem  er  sich  auf  die  unten  aageföhrten  Worte  des  €bi- 
gorios  Paiamas  beruft*.  Etwa  100  Jahre  froher  weist 
Dossitheos  von  Jerusalem  darauf  hin,  dafs  in  der  alten 
Kirche  ^  rd^iQ  pila  Kat      xb  OX^JH^  Mönche  gewesen 

sei,  seit  Benedikt  erst  hätten  die  Neuerungen  angelaugen  ^ 
Saymeon  v.  Thess.  erklärt  das  fttx^öv  ax^fia  för  keine  selb» 
stftndige  Stufe  im  Mttnchtum^  Doch  nahmen  fromme 
Cbiechen  seiner  Zdt  erst  das  kleine  ffx^f(a  und  später  meist 
erst  in  Todesgefahr  das  grofse.  So  der  unglückliche  Chro- 
nikenschreiber Phrantzis,  der  am  1.  August  1468  ins  Klo- 
ster ging  und  erst  am  26.  Juli  1472  Grofsmönch  wurde  ^ 
Nicht  minder  tritt  Grigorios  Palamas  fiir  die  Einheit  der 

1)  Ewath.  Thess.  a.  a.  O.  Kap.  160. 

2)  a.  a.  0.  S.  19U. 

XU,  Kap.  1. 

4)  a.  a.  0.  S.  31 :  <fi  xai  nuQ  ^juTv  fAixQov  xnt  fx^ya  iiyitm^ 
C^^fittf  ov  Svo  taOta  (fauitv.    all*'  Yr  ttVTo  rd  fiäytt  Mmk  TÜUOt'. 

^4f  8  Xiyirni  utxnm-.  m}^aß*av  fmt  rot  uf/iiXoc 

5")  Vgl  Ed.  Honn  dm  Cliron  S.  430  und  449.  Dafs  der  alte 
Mann  vier  Jalu^  iHiig,  also  über  die  Eeg^i  kioans,  doMf^ot  gewotea» 
i»t  uicht  anzuuehmou. 


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DIE  ATRomUMTEU,  IL 


653 


üXt'if^iccia  ein.  Mi%Qbv  öe  ox^jf^ici  tQv  fWiuxcov  oi  nateQtg 
div  i^evQWOiv,  dXka  fie^twi  and  toig  /ueTayereati^ovg 
hpmnjpav  itt»  tki  %ö  ifioi^aw  üg  chk>.        %d  pa  wifiPOv- 

dg  cd  lui^^bv  daov  ug  tb  jutya,  7iaXiv  h^a  axfj/na  td  dno- 
/M^iöLüMJi  K  Doch  fehlt  es  etwa  um  dieselbe  Zeit  nicht 
an  anderen  Anschauungen.  Job  Amartolos  sagt  in  dem 
kleiiieii  Kapitel  fti^i  za0  äyicv  tuu  dy/thntoO  ax^fiarog  x€ht 
finmxfiv  l^ij/ijrtxi)  ^m^,  dis  seiner  Schrift  ftB^i  httä 
^voTfi^iioy  xtA.  angehängt  ist,  dnö  toC  ikdrTovo^  tTzi  xb 
teXeioreQov  n^oxio^el  (sc.  d.  oxfjftcc  uuyaxt'^oy),  arrb  fAiyLQO- 
<tXJ^ov  KLoi  Qaaog)6(^v  na^v^irov  dg  tb  rfjg  /.ov^äg  äyiov 
ejfilfia  nun  dnb  toikcv  n6hv  ug  td  fiiya  wkod- 

ftm»  cxfli^cc  td  T€l9i6t€^K  EwstliAtioB  iit  in  dieser  Hin* 
eicht  ein  Vorgänger  Job's.  Er  drängt  niemals  darauf,  das 
fÄtKQoy  oxfjfia  wegfallen  zu  lassen  Der  älteste  Zeuge  aber 
für  die  ax^fiaraj  Theodoroe  Stoditis^  spricht  dagegen  schon 
wider  die  Bereohtigiing  derselben.  £r  sagt:  ftij  dda^g  wl 
ftq(5tO¥  tb  keyö^evov  fiim^  ^Hflh^i  ^^^^  f^^y^i  Tux&dri 
%b  oxijfia  Iv  ioiiv  üojihq  Aal  id  ßdictio^a  *. 


1)  Nach  di  r  IJbersctzuug  des  Nikod.  Exomol.  163.  Die  Stelle 
ist  nach  Nikn<iimos  aus  dem  Brief  ;t.n  Jen  Möuch  l/arlo;  ö  '^-fanvijg. 

2)  Uber  die  Zeit  (]f"^  Job  gebe  ith  nach  Fabr.  l)ibl.  gr.  X, 
p.  424  an,  dafs  erst  Lvun  Aüatios  und  Arkudios  fge.st.  U);M)  diesen 
Schriftsteller  kennen.  Die  Erw-ihimug  von  sieben  Sak-niLuetiteii  aetzt 
ihn  aber  frühestens  in  die  zweite  Hiilfte  des  V6.  Jahrhunderts.  Die 
von  ODS  citierte  Schrift  ündet  sich  in  dem  2-'i'VTfryfi(c7ioi'  des  Xni'aav- 
t^of  7t((ti  j(^tv  *0(ffftx/o)v  KlrjQixÜKtn'  xtX.  Erste  Au^^gabe  iu  TergOT. 
Zweite  Ausgabe  in  Venedig  1788,  S.  144.  Es  ist  auch  zu  bemerken, 
dafB  Job  in  der  Benennung  der  ax^ttta  abweicht. 

3)  a.  a.  0.  Kap.  12. 

4)  In  »einer  J^a^tptij  vor  den  iCafi^^i^  i^M^oiinoias  1887), 
S.  89. 


36* 


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654 


MEY£Ry 


IV. 

Die  Athosakademie  nad  der  Koljwastreit. 

Die  zweite  Hillfte  des  yorigen  Jahrhunderts  ist  för  das 

unterjuclite  griechische  Volk   eine   innerlich  recht  ijewei,'te 
Zeit  gewesen.    In  diesem  Zeitraum  durchdrang  die  schon 
länger  andauernde  geistige  Eutwickelung  das  Volk  und  bot 
ihm  die  Kräfte  au  dem  furchtbaren  Freiheitskampf  g^n  die 
Unterdrücker.   Es  war  die  Zeit,  wo  die  hohen  Schulen  auf 
PatmoS;  dem  Athos  und  in  Konstantinopel  bitthten,  wo  nie- 
dere aber  nationale  Bildungsanstalten  in  jeder  raittelgrolsen 
griechischen  Stadt      irr  findet  wurden.    Es  war  die  Zeit, 
neben  den  alten  nationalen  Druckereien  von  Venedig,  J&s&y 
und  Bukarest  die  Presse  des  Patriarchats  von  Konstantinopel 
ihren  Einflula  auf  den  Volksgeist  geltend  machte.   Ea  war 
die  Zeity  wo  Adamantios  Korais  den  hellenischen  Sprach- 
geist aus  seinem  Todesschlummer  wiedererweckte,  wo  Ew- 
jenios  Wulgaris  die  Philosophie  von  Leibniz  und  Wolf  auf 
griechischen  ]^)dea  verpflanzte,  wo  derselbe  Ewjenios  Wul- 
garis mit  Nikophoros  TheotokiS|  Nikodimos  Ajioritis,  Atha* 
nassios  Parios  und  vielen  anderen  der  Kirche  ihr  Sdbet- 
bewulatsein  aurUckgaben. 

Eine  der  Hauptbildungsstätten  dieses  frischen  griechischen 
Lebens  war  die  Athusakademie ,  schon  darum  besuuderer 
Beachtung  wert,  weil  sie  als  ein  Versuch  aufzufassen  ist, 
neubyzantinisches  Kirchentuni,  althellenische  Kultur  und  mo- 
derne abendländische  Philosophie  zu  verschmelzen. 

Zunächst  gilt  es  hier  die  Chronologie  festsulegen.  Fall- 
merayer  läfst  Ewjenios  in  den  ersten  Jahren  der  Kaiserin 
Kathenna  II.  die  Leitung  der  Schule  übernehmen  *.  Das 
heifst  also  bald  nach  1762.  Pischon  setzt  die  Gründung 
durch  Wulgaris  ins  Jahr  1790  *.  Beide  irren.  Elinen 
sicheren  Ausgang  fUr  die  Zeitbestimmung  bietet  der  Brief 


1)  a.  a.  0.  S.  134. 

2)  a.  a.  0.  S.  3d. 

X 

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DIE  ATH0SKLÖ8TEK.  II. 


Ö56 


des  Ewjeiiios,  den  er  Dach  seiner  Fluclit  von  der  Schule 
an  deo  Patriarch  Kynllos  V.  schrieb.  Dieser  Brief  enthält 
die  Bechtferügung  fieiner  Flucht  und  wird  daher  auch  die 
Apologie  des  Enjemos  genannt  K  Diese  nun  ist  bei  Aenian 
▼om  29.  Januar  tftl'ß'  datiert,  was  unter  allen  Umstftnden 
ein  sinnloser  Fehler  ist.  Der  Cod.  Athous  giebt  dafür  den 
25  Januar  uti^v'j'.  Ebenso  Sawiras,  der  jüngere  Zeit- 
genosde  des  Ewjenios  ^.  Weiter  nun  spricht  dieser  in  der 
Apologie  sein  Verwundern  darüber  auB^  dals  erst  jetzt  von 
dem  Patriarchen  an  ihn  die  Aufforderung  komme^  über  seine 
Flucht  Rechenschaft  abzulegen  und  IftTst  dabei  erkennen, 
dals  die  Zeit  uvrb  Tra^c/Mvvzog  fii^vd^  lov/.i'or  uxQi  tov 
i^ywtoßioi;  ^JapovaQt'or  dazwischen  lag  *.  Demnach  hatte  Ew- 
jenios im  Juli  1768  die  Schule  verlassen.  Nun  ist  der  be- 
rühmte Mann  fünf  Jahre  lang  Lehrer  an  der  Akademie  ge- 
wesen K  Deshalb  steht  fUr  seinen  Athosaufenthalt  die  Zeit 
von  1753  bis  Juli  1768  fest.  Das  nimmt  auch  der  Pa- 
tiiarch  Konstantios  I.  an  Doch  war  Ewjenios  nicht  der 
erste  Leiter  der  Anstalt.  Das  war  vielmehr  Neophytos 
Kupsokalywitis.    Dieser  übernahm  im  Dezember  ge* 


1)  HandschTift  erhalten  im  Cod.  250  von  Dionyasin,  snent  ge- 
druckt in  der  avXXoyii  Avtxürw»  ci'yyQttft4irmf  Sifytviov  raO  Bovl' 
yaQ^txti  un^  T  jiiwdifoc,  Athen  1888.  Von  hier  abgedmekt  in  der 
Biographie  des  £.  Ton  Gndas  in  seinen  fiftn  nttfmlXtiloi. . .  III,  Athen 
1870.   Aenian  Ist  mir  nicht  xagängUch. 

2)  iVK«  "JEUttf  Mtl.,  S.  267. 

3)  Gudas  a.  a  0.  8.  12. 

4)  Er  tagt  selbst  in  der  Einleitung  aur  Logik,  Leipaig  1766: 

ox^$t  ytufiip'  tuA  iv  Kia»ajttvw^vn6lt$  fitr'  fxttvo,  r«(  Sutt^' 
p&s  nwovfAH'og)  (yy'yot  ri>  :i noatouilrjxoTtf  xjl.  In  der  Apologie  nennt 
er  swar  sechs  Jahre  als  die  Zeit  seines  Aufenthalts  in  der  Schule. 
Diese  Zahl,  die  Jedeon  als  die  richtiji^e  annimmt,  icbeint  mir  in  der 
Sidle  als  einp  runde  aufzufassen  zu  sein.  In  der  von  mir  bevonngten 
dagegen  berücksichtigt  Ewjenios  das  ror-  und  nachh«  und  dürfte 
deshalb  genauen»  Angaben  machen.  Vgl.  Jedeon,  X^ovxA 
nttTffiaQxif^i  axifjfjfiitts  (Konst.  1883),  S.  lüS. 

5^  Aft>»'fiTffi T/'of  A'  ...  ct'yygi^>ak  al  ildaowtf  ...  (Koustanti" 
nopel  im),  8.  358. 


6Ö6 


METER, 


von  den  7€ff6iift6fiwoi  dM  Kloeten  Watopildi,  die  Lei- 

tuiig  der  eben  begründeten  Schule  Die  jetzt  im  Einsturi 
begriflffne  kleine  Kirche  der  Schule  zeigt  über  der  Thür© 
noch  die  Jahreszahl  1751.  In  diesem  Jahre  war  das  Qe- 
liiiide  ako  wmhnclietiilich  ▼oiiendet 

An  dar  GrUnduiig  dieser  ftr  dae  damalige  giiedbiaclie 
Volk  einsigartigen  Büdungsamtelt  hatten  namentiich  tal 
der  Fatriiirch  Kyrillos  V  und  der  dainalj«;e  PrüigumenoB 
Meletios  in  Watopädi  *  Doch  steuerteu  auch  viol*»  O^ist- 
hche  und  Laien  Cbld  bei.  Die  Schule  auf  dem  belügen 
Berge  flollte  ein  tpqctftum/jifiw  ftdui^  fiadifoaotg  werden*. 
Und  unter  Ewjenioe  eneiohte  sie  es  auch,  da&  Makitos 
▼on  ihr  sagen  konnte :  fteJKov  ri  *ATm6r\ptiaQ  ^  AvMiov^  Sffov 
yt.ai  &EioTeQiov  Xoyov  ?:v  6i6ao/.a).urn'  /.tti  itKeuöTfQa^  a^fr^g 
maiayvjyiov  Aal  toiodrov  j   oiov  övüTvxoCüi  loig  i^^ixoi^ 

Ewjenios  war  Lehrer  an  der  Schale  ^on  Joannina,  als 
man  ihn  nach  dem  Athos  berief.  Er  besaCs  schon  damals 
den  Rttf  sines  bedeutenden  Mannes,  doch  sprach  man  be- 
reits von  seiner  1 'reisinnigkeit  *.  Nach  Kumas  war  er  be- 
rufen, um  Logik  und  Metaphysik  nach  Locke,  Leibniz  und 
Woli'  zu  lehren  ^.  Seine  Logik  und  seine  Metaphysik  hat 
er  namentlidi  auf  Gk^nd  seiner  Vorlesungen  an  der  Atho<$- 
akademie  Terihfst*.    Doch  dehnte  er  seine  Lehrthätigkeit 


1)  nafSdQtt  XVIII,  S.  146  hat  Szakkelion  eineo  Brief  des  Neo- 
phytos  veröffentlicht,  worin  dieser  Bchreibt:  ...  f>&ff  xaytü  naQ^Uif 
i^tU  TiQÖs  rßr         tiQäi  itat  ßaaUutHs  fAOviji  toC  Baionmiiov  Trpo- 

ivadi(tta&at.  .  .  ^rto  Tfjs:  rirKüri];  Inrnufvoc  roO  /ttittfiß^ov.  ?  ,  (tc. 
1749).    Übrigens  Szathas  a.  a.  0.  8.  510  tf 

2)  Kovua;,  tnioQim  rf^tv  r\%-^fHOTHV§iv  nQttitfOV  X,  399. 

3)  Makrii.>''  a  a.  U. 

4)  Ebendii'-elbst 

5)  Bei  Ürudas  8.  10:  „xalbi  ftkv  fivtu  6  Bvy^rtos»  o^' 

6)  Ä.  a  0.  X,  399. 

7)  Die  Logik  Leipzig  1766.  Die  Metaphysik,  dreiteilig  in  Yen. 
1805.  Beide  Werke  geuierseu  noch  jetzt  bei  den  Griechen  grofse« 
Ansehen. 


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DI£  ATUOSELÖSTfili.  U. 


667 


weiter  aus.  Nach  meinem  mit  Kyrillos  V.  geschlossenen 
Kontrakte  war  er  verpflichtet,  zwei  Vorlesungen  UigUch  sn 
balten,  er  hielt  deren  dxei  bis  Tier.  Die  Schule  wuchs  io 
echnelly  dnlh  er  fönf  bis  lechB  Unterlehrer  eiutellen  konnte. 

Er  richtete  Lateinklassen  ein  und  gewann  noch  einen  be- 
sonderen Lehrer  für  die  imarrifioviyLd  ^  Eine  geistreiche 
Schilderung  des  frischen  Lebens  an  dem  jungen  Institut,  in 
dar  er  aUe  hier  bearbeiteten  Lehrstaie  nach  ihren  Ver» 
iretem  aus  AlÜiellas  nennte  giebt  Ewjenios  in  dem  Brieft 
an  den  späteren  Direktor  der  Anstalt  Kyprianos,  welchen 
er   damalft  als  Lehier  engagieren   wollte:  Kai  iyuü  fisy 

%äg  hnb      ^iXiWy  hut  di  itno^l  lai  tipog  rfjg  *SJiXd&ag  ri/p 

aitlöip  u  Öoixi'J/^rjg,  ^^^£7  dt  difr^yeliai  6  /rarijQ  tfji^  ioio- 
qiag  ^liüvtLtüv  Tag  d^atotijrag  xai  TQÖrraia  xavd  %<üv  ßaq- 

Freilich  moelite  manchem  Ajionten  solche  Ausdrucks- 
weise fast  heidnisch  vorkommen.  Der  Ausbruch  eines 
Kampfes  swisehen  den  Jüngern  des  Ew|enios  Wulgaris  und 
den  Grigorioe  Pakunas  war  gewils  nur  eine  Frage  der  Zeit 
Auf  ZSnkereien  der  Art  ftüirt  man  ja  auch  meistens  den 
schnellen  Abgang  des  Ewjenius  von  der  Schule  zurück. 
Mir  scheint  mit  Unrecht  Man  bedenke  besonders,  dafs 
£wjenice  nicht  lange  nach  seinem  For^^ang  rem  Athos  auf 
Wunsch  des  Patriarchen  die^Ldtung  der  neuen  philcsophi- 
sehen  Schule  in  Kenstantinopel  übernahm.  Das  bitte  von 
einem,  der  wegen  Irrlehre  den  Athos  verlassen,  nicht  ge- 
schehen können.  Auch  wurden  des  Wulgaris  Werke  bei 
seinen  Lebaeiten  und  spftter  vielfBu^h  gedruckt  Ja  cur  un- 
€ii%eiüichen  Verteilung  an  arme  'griechische  Studenten  Ym- 
«nstaltetan  die  Br&der  Ztoaifdäf  reiche  GiieclMn,  neue  Auf- 


1)  Gudas  a.  a.  0.  S  lOft 

2)  Bei  AoYddns  a.  a.  0.  S.  91. 


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558 


lagen  derselben      Ferner  enthält  die  Apologie  aach  nicht 

mit  einem  Worte  eine  Verteidigung  gegen  Vorwürfe  der 
Freidenkerei  oder  der  Irrlehre,  vielmehr  »piicht  Ewjenioß 
den  Gnind  aeines  plötzliciieu  Fortgangs  dahin  aus:  dvextit- 
Hirftfa^         ädov  iftovrop  ysyvfdvaoftivop  hßivi^  dido- 

mytXktüv  nqSxiqoi'  eJxov  Und  nun  folgen  genaue  Ansföh* 
rungen  über  die  Insubordimition  der  Lehrer^  die  ZuchtloBig- 
keit  der  Schüler  und  die  Frechheit  der  Bedieusteten.  Hinter 
diesen  allen  aber  stehe  der  Fatiiarch  Kjrülos  ^  und  der 
Proigumenos  Meletios.  Schliellilich  hatte  dann  der  Patriarch 
dem  Ewjenios  Stockachläge  androhen  lassen.  Da  hatte  es 
dieser  für  seiner  Ehre  angemessen  gdialten,  im  Kloster  der 
Iwirer  Schatz  zu  suchen. 

Und  dennoch  miiat  Wulgaris  dem  Patriarchen  nicht  die 
letate  Schuld  an  diesen  erbärmücheu  Vorgängen  bei,  x^iyor 
neifi  ifioO  fii  htMn^v  tifr  dya^oaiSinf¥y  fii  zr^v  6  rolaw  ttffb 
Tcr^iS»»  raikw  ^ctt^,  httuvtä»  xai  kfie  MVi  tä  1/id 
nutd  ixi  fii  htsinjy  tijv  ^qyrjyy  dg  ^  o\  ix^Qoi'  fiov  7un* 
ifioß  08  hUrviaw  K  Diese  Stelle  schont  mir  auf  Privafintri^en 
zu  deuten,  die  ja  im  Orient  recht  häufig  bukI,  oder  aut  Be- 
einflussung des  Patriarchen  durch  die  türkischen  Regierungs- 
kreisC;  denn  die  Zeiten  waren  ja  damals  politisch  sehr  un- 
ruhig. Ani'  das  letatere  weist  Tielieioht  die  Thatsache^  dala 
fiwjeniosy  nachdem  er  aach  in  Konstantinopel  nach  1|  Jahren 
dtureh  Intrignen  gefallen,  ins  Ausla&d  ging  und  nie  sein 
Vaterland  wieder  besuchte. 

Mit  dem  Scheiden  des  Ewjenios  ist  die  JSchule  nicht  ein- 
gegangen. Zunächst  wirkte  sein  Qeist  noch  fort  Kyphanos» 
den  er  in  dem  oben  erwähnten  Briefe  sum  Kommen  ein* 
Iftdt,  wurde  sein  Nachfolger  ^    Nach  diesem  gewann  der 


T)  Vgl.  die  Bekanntniacbunii:  dieser  Männer  am  Eude  von  7^- 
t'Oi  iii  aioi  aiüij(ua  rif^  ui^i a(f  nux)]^  .  .  Wien  1806.  £wjeiiios  h&tte 
das  Werk  dieses  Italieners  ins  Griechische  übersetzt. 

2)  Gudas  a.  a.  0.  S.  12. 

3)  DieMr  war  1757  auf  den  Athos  verbannt 

4)  Oadat  a.  a.  O.  S.  19. 

5)  MakrSos  a.  a.  0.  8.  286. 


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DIE  ATHOJ^KLUSTEK,  11. 


559 


Pairiardi  Sseraphim  den  fiir  teine  Zeit  gelehrten  NiytSlaw 

iv,  Meoofiov.  Der  war  in  italicu  gebildet  und  bis  dahin 
Lehrer  zu  Thrikki  in  Thessalien  gewesen  *.  An  Throditsict?  II. 
(1769 — 1773)  fand  die  Schule  wieder  einen  lieltendeu  Freund. 
Dieser  begünstigte  mit  den  höheren  griechischen  Kreisen  der 
Hauptstadt  die  allerdings  immer  mehr  sinkende  Anstalt  and 
schenkte  ihr  dauernd  das  Jahrgeld ,  das  der  Bischof  von 
Jerissos  und  Ajion  oros  an  den  ikumenischen  Stuhl  zahlte 

Die  Nachiuiger  des  Nikolaus  waren  leider  keine  Männer 
mehr  von  vollkommener  wissenschaitÜcher  Bildung ,  wie 
unser  Gewährsmann  sagt,  d.  k  wohl,  sie  waren  nicht  im 
AiuJand  gebildet  Aach  war  die  Sonne  der  Patriarehen- 
guDst  häufig  verdunkelt.  Ja  Prokopios  (1784>-1789)  scheint 
durch  einen  unzeitigen  Eingriff  in  die  Verbältnisse  der 
Schule  einen  zeitweiligen  Stiilstand  derselben  veranlal'st  zu 
haben.  Doch  wurde  dieselbe  bald  wieder  eröünet  ^.  Neo- 
phytos  Vn.  aber,  ein  Feind  .der  Bildung  nach  Makräos^ 
hinderte  aonächst  die  Reparatur  des  Schalhauses  |  die  eben 
auf  Kosten  der  uMvö/n^s  dem  £nde  entgegengeflihrt  werden 
sollte.  Als  dann  d^r  damalige  Lehrer  KTprianos  starb, 
wagte  er  den  zum  Nachfolger  vorgeschlagenen  Gngorios 
zwar  nicht  oöentiich  von  der  Schule  zu  entfernen,  doch 
sandte  er  einen  Exarchen  nacli  dem  heiligen  Berge^  der  von 
den  Ktöstenii  Skiten  and  Kellien  so  grofse  Summen  zum 
Bezahlen  der  Lehrergehälter  erheben  muiste,  dafs  dieser 
Zwang  alle  Ajioriten  gegen  die  unglückliche  Schule  einnahm 
Niemand  hatte  mehr  Kühe,  weder  Lehrer  iioeh  Schüler.  I)ie 
ganze  Berggemeinde  war  in  grofser  Unruhe  *.  Mit  dem 
Ende  des  Jahrhunderts  schlieist  Makräos  die  Reihe  seiner 
Erzählungen  und  damit  versiegt  unsere  letzte  (Quelle  zur 
Geschichte  der  Athosakademie.   In  Watopedi,  wo  ich  die 


V  Ebeuda  8.  2'2M  und  237.    Hier  heifst  cs  von  Nikülaos:  orrof 

xaiii  M'ivoxffußoofxinv. 

2.  Ebenda  S,  ±y.\. 

3,  -Makräus  a.  a.  U.  S.  Allerdings  sehr  uubestimmt,  offisn- 
bar,  UU1  die  Zeitgenossen  nicht  kompromittieren. 

4)  Ebenda  S.  400  fif. 


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660 


JIEYKR, 


eigentümliche  Kuine,  in  der  jetzt  ein  Eliaskirchlein  gebaut 
ist,  besuchte,  vernahm  ich,  dais  Ewjenios  1805  testamenta- 
risch seiner  geliebten  ächole  noch  1000  Kübel  vermackit 
habe.   Ewjeiuo»  starb  1806. 

Die  Zeit  des  griecfaischen  GoiBteeauieohwaiigBi  an  dem 
die  Athonchvle  eo  groften  Anteil  gehabt,  ist  aueb  eine  2Mt 
der  Öährung,  in  der  das  Ait(?  den  Ausgleich  mit  dem  Neuen 
noch  nicht  gel  un den  hatte.  In  sDlciien  Zeiten  können  Streit- 
fragen von  an  und  für  aicb  geringer  Tragweite  eine  unver- 
diente Bedeutung  erbalten,  wenn  die  Q^geosäiae  der  Zeit 
nch  ihrer  bemftchtigen.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  wiÜ 
anch  eine  Streitigkeit  au%efiUlbt  sein,  ^  namentlich  im  7. 
und  ä.  Jalirzchiit  den  griechischen  Orient  in  Aulreguiig  hielt. 
Es  ist  der  Kolywastreit,  der  besonders  auf  dem  Athos  tobte, 
sich  aber  auch  über  einige  Inseln  des  Agftiscben  Meeres  und 
bis  nach  Saalonik  ausbreitete. 

Der  wesentUehe  Gegenstand  des  8treites  ist  die  Fragen 
ob  die  sogenannten  Kolywa  unter  den  sie  begksitenden  litiir- 
gischcn  Zeremonieen  am  Sonnabend  oder  Sonntag  daigebracht 
werden  sollten. 

Unter  yi^lvßov  verstehen  die  Griechen  den  Brei  von  ge- 
kochten Weizenkömem,  geschnittenen  Kuiakemen,  Mandebi 
n.  dgl.y  den  sie,  meist  eine  kleinere  oder  gTdtee  Schüssel 
▼oll»  an  gewiss«!  Tagen  der  Erinnerungaieier  eines  Verator» 
benen  in  die  Kirche  schicken;  damit  diese  Speise  von  den 
dort  Anwesenden,  auch  von  ihnen  selbst  mit  den  Priestern 
verzehrt  werde  ^  Diese  Sitte,  ohne  Zweite!  ein  Kachklang 
der  antiken  heidnischen  Totenmahlaeiten;  Ton  denen  noch 
so  viele  Steinrelie&  Kunde  geben ,  von  den  Gbiechen  aber 
sat  Nikiphoros  KaUista  ans  der  Zeit  Jnlum's  des  AbMn* 


1)  Die  ältere  Litteratur  bei  Goar.  Ich  arbeite  nach  der  aun- 
koyttt  7iffTTea}{  (Vcn  lR19'i  des  Nikodimos,  nach  den  Patriarchal- 
ausscbreiben,  die  in  der  Sache  erlassen  wurdeu  ,  die  Ich  aus  einem 
C<k1.  Iber,  abgeschrieben,  nach  einer  Strt^itschrift  dis  Athanaaaio» 
Pario«,  atls  demselben  Codex.  Abgeleitete  Quellen  :  M  a  k  r  a  o  s  a.  a.  0  , 
die  7oC  iv  uyi'o^  nnrmK  f)u&v  Maxaoiov,  äQj^itn.  A  ju^Vt^oi/ 

rot;  NoTft(iü,  Ermup.  1886,  eudUch  Jedeon's  kuner  Überblick  a.  a.  0. 
S.  161  ff. 


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DIE  ATH08KLÖ8TER.  n. 


561 


nigeii  hergeleitet^^  hat  nch  wahischeinlich  sat  der  BLüto 
des  Heiligendienetes  hedeutend  geändert   In  alter  Zeit  hielt 

man  diese  Mahlzeiten  an  den  Gräbern  unterschiedslos  Je 
mehr  man  aber  mit  dieser  Feier  die  Vorstellung  verband, 
dals  sie  den  Verstorbenen  im  Jenseits  zu  gröfserem  Heile 
▼erhelfe,  und  je  mehr  aaderBeita  die  Heiligen  aich  von  den 
übrigen  Menichen  als  Sttndem  abhoben  ^  daher  einer  f&r* 
bittenden  Feier  nicht  mehr  bedurften,  am  so  mehr  schied 
sich  das  nvriptoavvov  der  Heiligen  von  dem  der  gewöhnlichen 
Starblichen.    Von  jenem  sagt  daher  Nikodimoe:  HUuo 

htalvmg  ydq,  %aig  r&¥  ^jiylw  SriXaSf)  ei  xal  6  -^thmog 

^vtjfievoi  ovteg  tq)  deoi^  ijrig  elvai  ?)  dXrix^ijg  L(oij  Diese 
ftinjfiaif  bei  denen  stets  vidXvßa  dargebracht  werden,  tragen 
also  einen  freudigen  Charakter*.  Die  fUr  die  gewöhnlichen 
Menschen,  die  Sttndcr,  dargebrachten  Kolywa  haben  dagegen 

ganz  flie  Bedeutuug  der  römischen  Seelenmessen.  Nikodimos 
schreibt:  Ij^ev  y.ai  i)  tAY.lriaia  na^ajuxld  6td  tQv  fi^'riinoaij- 

Sttö  rdv  TOiofivov  tortov  (dem  tSttoc  Tfjg  iv  if&Q  ffvXaxfj^ 
nag  rd  'AotataxS^ofhf  iv  TÖftti»  g^wreiyti*, , ,  ^   Diese  ftviiftö^ 


1)  Die  Sage  in  des  Nikiph.  Iv.O.  X.  Kap.  12,  dem  moderoen 
Geächlecbt  lebendig  gebaUea  durch  den  Bijaav^  ...  de*  JafdaaxfiPÖs 
(Yen.  1795),  S.  559  ff. 

2)  Für  die  Zeit  des  Augustin  8.  d.  Citat  aus  Contra  Faust,  bei 
Goar  a.  a.  0.^  im  allgcmeineu  Neaadery  K.G.  III,  466. 

3,  6u.  mar.,  S.  17. 

4)  Solche  freudige  Kolywn  habe  ich  erlebt  im  Watopedi  am 
Tage  des  beiligeo  Pantcleimon  An  diesem  Tage  wie  au  allcu  der- 
artigen von  geringerer  Bedeutung'  ifst  man  auf  Ajion  oros  die  Ko- 
lywa an  der  Kirchthür,  wo  der  i(f  i)u^moi  dieselben  mit  einem  grofsen 
Holzir.ffel  an  die  Hiiuiu.^gebenden  verteilt,  jedem  etwa  eine  Hand  voll. 
In  Iwiron  ,  hui  Tage  der  Kimissis  der  Panajia  zur  PaniJiriR  wurden 
die  Kolywa  nach  dem  Feste s^if  n  als  Torte  mit  einem  Christuskopf 
aus  Zuckergufs  darauf  serviert.  Ein  religiöser  Festkuchen,  da  nach 
den  obigen  Ausführungen  für  die  Mouche  das  Menschliche  ja  nur 
mit  dem  religiösen  Stempel  Kurs  hat. 

5)  öfd.  TiMjT.,  S.  16.   Üzjm.  Theas,  a  a.  0.  S.  209. 


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562 


UKYKR, 


ovra  werden  wieder  eingeteilt  in  ueoi/M  und  y.oiva.  Diese 
tind  enthalten  in  den  allgemeinen  Fürbitten,  welciie  nach 
den  Akolutfaieen  des  k0tt€qiv6g  und  oqd^ftog  und  der  Xu- 
fovqyia  täglich  abgehidten  werden,  ohne  Koljwa  aber.  Die 
ueqiyuA  sind  einmal  die  auch  in  der  römiwshen  Kirche  be- 
stehenden Feiern  am  dritten,  neunten  u  s.  w.  Tage  nach 
dem  Todestage  der  Verst  ebenen,  bei  den  (jriecheu  die 
tdlta,  twttza  u.  s.  w.  genannt  V  Endlich  bedeuten  die 
fieqiTbä  fjtptifidavva,  und  um  diese  handelt  es  sich  in  unserem 
Falle  y  die  auch  jetzt  noch  allgemein  in  den  AthoddMeni 
am  Freitag  Abend  und  Sonnabend  Morgen  unter  Darbrin- 
guiig  von  -AÖXviia  abgehalteneu  l  eiern  zum  Gedächtnis  der 
jünj^st  verstorbenen  Brüder  und  solclier  Fremden,  prleichvid 
ob  diese  schon  gestorben  oder  noch  leben,  die  dem  Kloster 
Wohlthaten  erwiesen  oder  durch  gröfsere  oder  kleinere 
Summen  sich  ihre  namendiche  Erwähnung  bei  diesen  Qe- 
düchtnisgottesdiensten  erkauft  haben      Die  so  häufige  Er* 

1)  Sehr  gut  bei  Szym  v.  Thess.,  S.  267  flP. 

&tti  ((ffifi^Qtog  xttl  fttnjfAOtftiki  Skat  rßv  nutiigimf  dv6fittfa  furä  xo- 
Xi^ßtav,  xak  rOv  owd^ofifita»  6q^o&6^w».   Proskjn.  der  Lawia 

Ton  1780,  S.  58.  —  fiPtifiovt^ovtm  ..  xn\  ndvta  t&  dt^nric  rör 
6q^oä6^m»  /9MrTMti«Or,  ^oO  of  ra^tttOam  (d.  Beisenden)  yoätfovm». 
Proak^a.  von  Doehiaria  (Buk.  194S),  8.  87.  —  Für  den  Sssnai  gaai 
ebenso:  Nutrtt^ioe  a.  0.  8.  17&ff.  Ober  das  Bach,  des  sogenannte 
ftgufttitiVf  das  die  Namen  der  su  enrShnenden  enthilt,  sefaieibt  mir 
nein  Frennd,  Heir  X^va^ofios  ^nvgtAtnt^  fiir  sein  Kloster:  MM^ff 

ntQ(nov  /rfly  iino^vowtw  ip  Ani&qq  furu  rAv  <)vo/icfrwv  MtA 
äXltov  upw  ttt^wO»  xtA  avp^ifO/iifrQ»  «Öt^.  4f^frcu  än6  tQv 
dvafidtw»  jf^uvttofoVf  toO  öaiov  Jlttr^f  Nmiif6ffov  fktmtlitKt  'o^ 
«r/ro^C,  'twiwoiif  E^vfiioi\  t9»  Mc»^  ^fft^Q^»  ovrto^  ^*F*t¥ 
ft^XV^  ^f^nov  ToO  tä'  ttUtroi  xaTfo/nutvoi,  nigUttfißttw»  fv  ai-vulft 
mQi  täs  12(^00  ovöfAttTtt,  ip  tut  oiat  dXfytt  nnx(ti«nxGiv ,  i^$ff»^6nr 
Ttltiarn.     Tit  dvofAUTit  raOTtt  xaru  rii  (Trcü  atißßattt  {ünni  atißßata. 

*^noxQ^bi  xat    rij<;  !.^nori-(NMcrio>f  ^rrjfiovfvovtrtt  ....  fno  rütv  /»(i^cor 

fx  TifQiTQOnrjs',  xnl  oi'tto  uktn  iixu  a/t^öv  alßm^  ufraicft    yrofcrra  ra 

ötouurn  rOi  ^rjoGv  ixtivtoi-  dofiotv.,.  Hier  handelt  es  sicli  also  um 
die  Tor  Zeiten  Gestorbenen. 


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I>IE  ATHOSKL<)8TEB.  U. 


563 


wähnuug  bezieht  sich  naturgeiuäis  nur  auf  die  jüngst  Ver- 
storbenen. Solche  Feiern^  und  namentlich  filr  Fremde^  hielt 
man  auch  in  den  Skiten  ab,  denn  da  die  Skilioten  in  dem 
grdfsten  Hnf  der  Heiligkeit  stehen ,  so  schätst  man  deren 
FurbitUiii  natürlich  auch  besonders. 

1754  nun  begann  man  die  neue  Kiiclie  der  bkiti  tfjg 
^j^yiag  ^Awaq  zu  bauen.  Daau  steuerten  LaieUi  namentlich 
aus  Smyrna  namhafte  Summen,  unter  der  Bedingung,  dals 
der  Namen  der  Wohlthftter  in  den  genannten  i.ivti^6awa 
gedacht  winde  Dieä>ea  Ablesen  der  Namen  aber  geschah 
nicht  Frciüig  Abend,  sondern  Sonnabends  i'ruh  nach  alter 
Sitte.  Nun  aber,  und  da  lag  der  Grund  der  Verwickelung, 
war  gerade  der  Sonnabend  der  Tag,  an  dem  die  Skitioten, 
die  sich  ja  vom  Handwerk  nfthren,  ihre  Wochenarbeit  zum 
Verkauf  nach  Karyes  trugen  Diesen  Tag  konnten  sie 
also  nicht  jede  Woche  der  Totenieicrn  halber  versäumen, 
und  doch  wollten  sie  auch  der  frommen  Spenden  nicht  ent* 
behren,  deren  Eudau&n  und  Fortsetaung  sie  wiederum  nur 
durch  vollzählige  Feiern  am  Sonnabend  bedingten.  So 
kamen  denn  einig-e  Askiten,  die  nicht  weniger  prakiiüch  als 
fromm  waren,  aut  den  Ausweg,  dia^  ^nifAoawa  am  Sonn- 
tag  nach  der  Liturgie  zu  feiern Das  aber  erschien  nun 
anderen  als  xutvotofAia  xai  rfjg  yuzktjg  vä§mg  diftnQOftifK 
Und  da  von  vielen  Seiten  in  dieser  gährenden  Zeit  ganz 
andere  Fragen  mit  dieser  zusaiiiiiiongeriihrt  waren  die  ge- 
kränkten Neuerer  auch  mit  passenden  tarnen  wie  aafißu" 


1)  Jede 0  11  S.  152  abweicliend  von  Makrän«  n  a  0.  S  21>0. 
Dem  letzterpi!  fol^^e  i<*li ,  da  Jedeon  zu  ^fli<intlirben  scheint,  l'bor 
die  Bedeutung  des  Sonnabends  auch  Koniiiiuos  a.  a.  O.  S.  11:  ixU 
at^v/'^orrru  .  . .  xat  uäXtara  xatd  näv  Qußßatov, 

2)  Makräos  ebenda. 

3)  HakrSos  ebeada 

4)  Solche  wsicn  s.  B.  die  Frsge,  wie  oft  man  das  heiligs 
AbeiMÜnahl  nehmen  aoUe,  über  die  wir  unten  km  berichten,  sodann 
ob  ^e  Bilder  mit  oder  schon  ohne  Aytao/AÖ^  der  Priester  Hdlswii^ 
kugen  Softem  kdnniea,  endlich  fiber  die  Reslprilaens  Christi  im 
Bfot  «ad  Wein.   Dies  nsch  der  genannten  Streitschrift  des  Atha* 


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564 


UHJEM, 


tivol ,  '/.olvßiarat  oder  yLokvßäd£<;  tür  ihre  Gegner  nicht 
sparsam  waren  und  dadurch  wie  stets  den  beschränkten 
Geistern  auch  die  Thür  cur  theologiachen  Arena  öffiaeteo, 
auf  welcher  diese  dann  leicht  die  behanrlichsten  und  ans* 
schlaggebenden  Kämpfer  werden  ^  so  war  der  Streit  auf 
Ajion  oros  bald  ein  alloremeiner  geworden.  Der  Grunm  der 
Parteien  scheute  vor  keinem  Mittel  zurück.  Man  verleum* 
dete  ^  bei  der  Kirchenregierung^  llüichte  Briefe*,  ▼eijagte 
vom  heiligen  Berge,  ja  es  kam  sogar  au  Schllgeraien  unter 
den  Mönchen  Führer  der  strengen ,  konservativen  Partei 
waren  zu  jener  Zeit  Athanassios  von  Faros ,  Jakowos  aus 
dem  Peloponnes,  Agapios  von  KyproB,  Kiphon  von  Chioi^ 
Qrigorios  von  Nissyros  und  andere^  alles  Ajioriten  K  Binsr 
der  Hauptvertreter  der  Neuerer  war  Bipaa^itav  nm  dar 

Der  Verlauf  der  Sache  war  nun  folgender.  Die  Unruhe 
in  der  heiligen  Berggemeinde  wuchs  schnell,  so  dals  baki 
^yQi6ii9im  und  a^ij^^oi^svoi,  ic^o/<d»«xxo«  xat  ärthß^  ättants 
Ol  xij'  ayuif  ^O^i  ifpriavx^Korveg  ^  sich  an  den  Patrisich 
TLeodossios  II.  (9.  April  1769  bis  1 7.  November  1 773)  wandten, 
mit  der  Bitte,  eme;Ent8cheiduiig  in  dem  Streite  treöen  zu  wollen. 
IMese  erschien  in  dem  yqd^ixa  natqiaq^mJhf  im  avvodiTih 
Tom  Juli  1772;  dessen  Hauptentscheidung  in  den  Wertoi 
lag:  Ol  jucv  h  aaßß6%t^  ftmoCpreg  t<S^  ^mxofdimif 
finifi6avva  xakQg  TioiofkJiVy  ol  iv  KVQiax.^^  01%  vtcq- 

1)  ifiok.  niot.,  8.  31  und  46.  Makrfto«  a.  a.  O.  a  291. 

2)  Vgl.  anten. 

3)  Sr^ifavoi  Kofifirjüs  a.  a.  0.  S.  239.    Toooiirov  dk  intCii^k» 

xat  iiüi{tiCov  tOv  MovGv. 

4)  Genaimt  teils  in  der  xa&cUQiüi;  des  Athanassios  in  dem  ge- 
nannten Cod.  Iber.,  teils  in  der  li*oiov&£a  des  Makarios  8.  24. 

6)  DisMT  Wissarion  schrieb  aneh  gegen  die  KoJjwsdan.  Na«b 
Ssathas  sind  Handschriften  von  ihm  in  der  Nitt  Jk^ni  und  der  hir 
Ilgen  Anna.  Trots  lebhafter  Anstrengungen  habe  ich  denn  ksisi 
gvftndea.  Ssathas  a.  a.  0.  S.  572. 

6)  Makräos  a  290. 


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DIE  ATfiOSKLÖäTER.  II. 


665 


/.üvTai  /.Qiuaat  Die  Neueruiig,  die  ohne  Zweifei  in  der 
letzten  Uäift€  des  Urteils  enthalten  iät,  begründete  man  in 
dem  Ausschreiben  damit,  dafe  man  austÜhrte,  ein  christliches 
Gedenken  der  Veretorbenen  sei  erst  m^lglieh  durch  die 
Anferstebung  Christi,  es  könne  daher  auch  nicht  dem  Cha- 
rakter dee  Anferstehungstages ,  eben  des  Sonntags ,  wide^ 
sprechen,  wenn  man  an  diesem  in  den  Kirclien  der  Verstorbe- 
nen gedenke  Diese  Motivierung  nahm  Bezug  auf  die  Gründe, 
mit  denen  die  Anbänger  deä  Alten  die  yiatvosofiia  bekämpften 
und  welchen  dreileig  Jahre  später  Nikodimos  am  besten,  in 
jener  Zeit  Athanaasioe  von  Pkuros  in  ihren  Streitschriften 
Ausdruck  gegeben  haben.  Nikodunos  ftlhrt  in  seiner  Schrift, 
eben  der  duo/Myra  Tioieiog,  die  \vir  hier  inhaltlich  anti- 
cipieren  dürfen,  zunächst  den  historischen  Beweis,  und  zwai' 
durch  üerulung  auf  viele  Typika  und  andere  auf  dem  hei- 
ligen Berge  geltende  Schriften,  dafs  sie,  die  den  Namen 
utoXvßddtg  jelBt  fährten,  Vertreter  der  alten  kirchlichen  Sitte 
waren,  sodann  stiltst  er  sich  für  seine  Sache  namentlich  auf 
den  dogmatischen  Satz,  dafs  am  Sonnabend  die  Seele  des 
Herrn  im  Hades  gewesen,  dai  nm  auch  nur  an  diest  in  Tage 
die  Gebote  und  Zeremonieen  zur  Ausluhrung  kommen  düilten, 
welche  Seelen  aus  dem  Hades  erlösen  sollten.  Dem  Cha- 
rakter des  Sonntags  widerspreche  aber  am  meisten  das 
Traurige  in  jenen  Totenfeiern 

Das  Ausschreiben  von  Juli  1772  fUhrte  den  Frieden 
nicht  herbei.  Daher  säumte  der  Patriarch  nicht,  im  Jidi 
1773  noch  einmal  mit  Milde  zur  Beilegung  des  Streites  zu 
raten.  Man  solle  die  Konservativen  nicht  ai^tMi  und 
Tuxtvoröfioi  nennen  und  die  Ton  der  Lawra  Bestraften  (wahr- 
Bchdnlich  Ajianniten)  sollten  amnestiert  werdend  Darauf 
ftigten  sich  zwar  die  Klöster,  aber  die  Skitioten  namentlich 
verweigerten  nocli  immer  den  Gehorsam.  Darum  folgte 
schnell  ein  neues  Schreiben  von  Theodossios,  in  dem  es 

1)  Cod.  Iber.  Nicht  genau  Nikodimos,  6fx.  ntai.,  %.  2^.  Ma- 
kräo«  a.  a.  0.  S  291. 

2)  6fA.  niat.  namentlich  S.  50  ff.  ntp\  nQovt^ito»  xv^Mut^. 

3)  Cod.  Iber.    Von  Nik.  nicht  genannt. 


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566 


beifst:  bniog  dnb  tb  t'vv  y.ai  eic  lö  t^f^g  ü)Aßi  oi  tv  tcI; 
tüHfiP  h  toig  t^Lovfiiwg  i>rt  adf0if  fiviifioa^potg  tö9  xs- 

6ofiadog  avviii^iCovaiv  dg  t&  fjovaatt^^a  y.al  ttkoviji  lä 
(ivilfiöawa  ^ 

Doch  b&tte  auch  diese  Mahnung  des  Oberhirten  keinen 

düichöchlagtüden  Erfolg.  Am  7.  April  1775  erliefs  Atha- 
nassioä  von  Faros  seine  bireiuchrift:  tÄ^eaig  tjyovv  b^oloyia 
Tfjg  dkriO^oüg  /.al  oQx^odö^ov  mavetog  ya^Ofidn^  hnb  f&f 

q*oqiav  tOv  anavdaltCofMepunf  d^ehpQv     Vielleicht  daCs  dien 

Sclirift,  die  sich  üiLaldich  uicht  viel  von  der  des  Nikodimw 
unterscheidet  und  sehr  sachlich  zu  Werke  geht,  die  Unruhe 
doch  Termehrte,  jedenfalls  sandte  die  dem  Patriarchen  ge- 
horsame Partei  den  Wissarion  1776  nach  Konstantinopel, 
um  wiederum  die  Hilfe  des  Patriarchats  anzurufen.  Welcher 
Al  t  die  Thätlfjkeit  dieses  Gesandten  in  der  Hauptstadt  war, 
sagt  NÜLodimos:  t^Bimv  fiv(^iag  Mttiiyoi^iag  Y,aiä  iGv  ddU- 

Tfjg  ht,yü^iag  Ttai^ddoaiv  xai  aiQerma  altotg  nffoo^ 
q^qorijf^iata  Als  eine  Frucht  dieses  Besuches  ist  es  jeden- 
falls anzusehen,  wenn  noch  im  selben  Jaln-  vc»m  Tatriarib 
Szopbronios  Athauassios  und  die  oben  genannten  Jakowu.'>, 
Agapios  und  Ohristophoros  ak  d(g}Kriyol  /mI  tilg  riMot%^ 
TuxivotOfttag  TrQfarmTioi  xae  dgafiorovi^yot ,  die  gewagt  die 


1)  Cod.  Iber.  Nach  Nikodim.,  der  dieaes  Schreiben  a.  a.  0. 
S.  29  citiert,  wäie  dasaelhe  schon  Tom  Patr.  SiamiiU  erUaaen.  Nim 
hat  gerade  dieaes  Sehreiben  in  dem  Cod.  Athooa  ananahmawciae  kau 
Datum  tomd  k«ne  aonstige  ProTcnienmngabe.  Es  enthalt  aber  den 
Sats,  daia  der  es  erlaaaende  Patr.  bereits  swei  andere  deaadhes  la- 
halta  habe  anagehen  taaaen.  Die  Meinnng  dieses  Auaaehreihens  naebt 
sich  anch  an  eigen  Theophllos  von  Kampanien  a.  a.  O.  im  Kapitei 
Aber  die  Mvßu. 

2)  Cod  Iber. 

3)  6fA,  nfat.,  S.  21. 


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DTE  ATnOSKLÖSTfiR.  II 


567 


erlassenen  Patriarchaliuusclimben  zu  veracfaien  und  so  weit 
sich  Tergessen  hlltten,  zu  sagen,  futj  dg^C^g  q^gov^iv  Hfv 

aylav  zoü  Xqiozov  l/.y,Xr^oiav ,  in  den  Bann  gethan  wurden 
und  zwar  unter  der  Androhung:  der  grafsiichsten  Flüche 
Ixidessen  mufste  die  Sache  schon  1781  rückgängig  gemacht 
werden.  Der  Patriarck  Gawriil  schreibt  da  m  der  d&ikoaig 
des  Athanassios:  Ky^tjft  (se.  Ath.)  Sjtai  ti^  htr- 
mXffifiap  ftQoaartokoyot'iiieyog  vtai  rijy  d^dKoaiv  adroß  ^e^fi^ 
i^ed-if^evog  xat  7iQooanodei'd.vviov  avv  l^y({iy  bri  tu  xar' 
avTOü  rSze  laXtid-ivra  xot  auifpr^r^^ivta  7t(i0(favi^  avyfjo- 

Die  nächsten  Jahre  ruhte  der  Streit,  doch  als  das  Jahr- 
hundert sn  Rfiste  ging,  brach  er  von  neuem  ans.  Damals 
sollte  auf  Veranlassung  des  Patriarch^ft  und  der  Synode  die 
Sammlung  von  KonsiHenbesehlfissen  und  den  Kanones  alter 

und  neuer  Zeit,  die  in  der  jG^riechischen  Kirche  gesetzliche 
Geltung  haben I  neu  herausgegeben,  die  alten  Kommentare 
neu  übersetzt  und  mit  neuen  Erklärungen  in  volksgriechisch 
dem  Text  hinzugeükgt  werden.  Mit  der  Redaktion  des 
Werkes  wurde  Nikodlmos  Ajioritis  und  sttn  Mitbruder 
\dy6mog  ans  dem  Pdoponnes  beauftragt.  Mit  Spannui^  er- 
wartete man  Uberall  das  nationale  Werk,  das  UrfiaXiov  zf^g 
yoijT^g  Nrfig  Tfjg  f4iag  dyiag,  '/M&oXr/.fJg  /.al  aTTO<n  oh  /Jg 
tQv  ÖQ^odo^titv  haüLr^iag.  Auf  500  Exemplare  hatte  allein 
die  heilige  Berggemeinde  subskribiert 

Der  Druck  geschah  bei  Brettkopf  &  Hftrlel  in  Leipzig. 
Der  griechische  Korrektor  dieses  Qescbälts  aber,  der  spätere 
Igumenos  von  Estigmenu  Theodoritos,  dem  wir  schon  mehr- 
fach begegnet  sind,  benutzte  indiskreterweise  diese  Gelegen- 
heit,  seinen  eigenen  viel^Rch  denen  des  ^ikodimos  wider- 


1)  Diese  xuMotaig  im  CocL  Iber.  Von  wlelier  m^ai^iiai^,  die 
fttr  Laien  sum  i»di>tfiu  wird,  aeheittt  es  miMeie  und  ttirkeie  Foimen 
im  Amdmek  lu  gebea.  Eine  milde  bei  Siathas:  BMyQatfut^  ax** 
4iaofitt  toO  ilmoidQxov  'h^ifi/ov  II  (Athen  1870),  8.  144,  eine 
geiadesn  entaetiUche  ia  *0  'SSwerf^xtafids  toO  l4oifio9f  X^mito^oi^ 
lov  9irL  (Bada  1800),  8.  19E  Dasu  Dimitrakopnlos  a.  a.  O, 
S»  66  £ 

2)  Cod.  Iber. 

ZMHkt.  f.  K^.  XI.  4.  87 


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MEY£&, 


sprechenden  Erklärungen  zu  dem  Werk  Ausdruck  zu  verleihen, 
indem  er  dieselben  den  unter  dem  Text  gegebenen  Anmer- 
kungen der  beideu  Kedakteure  80  beifügte,  dafs  im  Druck 
kern  Untenchied  zo  seben  war.  Diese  Abweichungen  be* 
sogen  flieh  auch  gerade  auf  manche  heikle  Punkte ,  die  mit 
der  Kolywafrage  susammenbingen.  Und  obwohl  Theodoritos 
in  dieser  Sache  kirchlich  dachte,  hatte  er  seinen  Ausfiih- 
rimgen  doch  eine  gegen  die  Koiyvvaden  feindliche  Spitze 
gegeben.  So  sagt  er  z.  B.  üct£  oi  ^^fwoOvveSf  6V«  td  ai^ 
ßazow  §t6vw  ylvowcii  fiin^öawa  tbfftüfiinagf  harttaiCwtm  w 
dg  tag  dTtoatokiiiLäg  nual  nttVQiTtäg  xal  hxhtjpioattxdg  dio- 
xd^eig  £0  megte  daher  einen  gewaltigen  Unwillenflstiinn, 
aU  man  in  dem  Tom  Pntiinrehen  herausgegebenen  heihgen 
Buche,  das  die  Tradition  der  Kirche  enthielt,  solche  unkluge 
Parteilichkeit  und  aufserdem  bis  dahin  unerhörte  Ansichten 
z.  B.  über  den  Antichrist  wahrnahm  \  Der  Patriarch  Neo- 
pbytOB  erliefs  deshalb  im  August  1802  em  ÖflSsntUches  Schiei- 
ben) in  dem  der  Sachverhalt  dargestellt,  die  interpolierten 
Stellen  namhaft  gemacht  und  mit  der  AufTorderuni^  ge- 
schlossen wurde ^  jeder  Leser  solle  die  seeieogelahrlichen 
Ausfuhrungen  des  Theodoritos  ans  sdnem  Exemplar  des 
Pidalion  streichen.  Uns  aber  interessiert  besonders  ^Dlgen* 
der  Passus  des  Schreibens:  fii  Vva  %q6n<nt  awpiatniti»  im- 
TLttiviui  Tct  TiaXaia  a/avSakay  Brrov  ^AoXovdit^aay  h  tt{f 
dytftt  * Oq£i  TTtql  xtav  £#vi]»o<TiW>f,  rd  orruia,  yd^ni  Xqiotoi 
Tiai  ^jtov  xal  elvoL  Äataaeoiyaofiiva  eig  xai^dv,  önov  ^  toO 
X^iOToO  äyia  ixiüirjifia  ^^ovoot^^^nj  c  TfUHvIjg  u^fyf^ 
fiOPttj[0v  Siä  t^iÖ¥  awodinüdiv  yffafifidtuiv  ftMjg  fii  ff^xfog 
dQag  fjti7r<jdiaev,  tva  ^tt)  nivrj^rj  Ttvag,  ovtb  Uftij^  oiffc  fflr 
ik^Hli  '^^^^  lOLTWv  *.    Glücklicherweise  erueuerten  sich  die 


1)  ntffdhw,  Ausgabe  von  1800,  S.  184. 

8)  Theodoritos  schrieb  auch  einen  Kommentar  sor  Offinb.  Josmusr 
der  aber  tod  der  Kirche  verboten  wurde.  Vgl.  Siatbas,  MofÜ 
^M.»  S.  619.  Die  Ansichten  des  Pidalion  über  den  Antichrist  kooi* 
men  also  nicht  auf  Bechnung  des  Nikodimoi  und  seinea  Genottss, 
wie  Pichlcr  annimxBt.  a.  a.  0.  I,  487. 

8)  Das  Schreiben  vor  der  streiten^  koirigierteo,  Aoagabe  des  Pi- 
dalion, Athen  1841. 


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J>IE  ATlIÜisKLÜSTER,  U. 


569 


alten  Streitigkeiten  nur  in  geringem  Umfange.  Die  Sache 
spielte  sich  mehr  in  Intriguen  gegen  Personen  ab.  Neben 
Nikodimos  vertraten  damala,  übrigens  genüUäigt,  den  btaud- 
punkt  der  Kolywaden  die  tloivoI  7ivtvfiatvAoi  ^Ayiov  o^ovg 
Farthenio«  und  ^leQÖ&eog  \  aaf  Chios  der  frühere  Ersbuclief 
von  Korinth  MakariOB,  der  auf  dieser  Insel  im  Ruhestand 
lebte  *.  Jerotheos  wurde  nun  in  der  ärgerlichsten  Weise 
von  einem  Diakonen  aus  EsHgmenu  angegriffen ,  also  aus 
demselben  Kloster ,  dem  auch  Theodohtos  angehörte.  Die 
Saipuad»  des  heiligen  Berges  nahm  daraus  Aniaisi  ein 
y^fifia  ipoqiidytaw  ytai  hvndyqacpov  am  19.  Mai  1807 
aoszngeben,  um  diesen  und  andere  Verleumder  darin  zu 
strafen  Den  Nikodimos  aber  suchte  man  in  den  Ruf  zu 
bringen y  als  ob  er  über  das  Abendmahl  nicht  orthodox 
düchte.  Um  das  zu  erreichen,  öffnete  man  einen  Brief,  den 
Kikodimoe  Uber  die  Abendmahlslehre  nach  Konstantinopel 
geschrieben  und  der,  wie  es  scheint,  auch  eine  Dantellung 
der  protestantischen  Abendmahlslehre  enthielt,  und  f^e  in 
diesen  Brief  die  Worte  „l'yioys  dtKOVfQf^"  ein,  wodurch 
Nikodimos  seine  Zustimmung  zu  der  ketzerischen  Lehre  aus- 
drücken soUta  Doch  wurde  der  Zusatz  als  solcher  erkannt, 
Nikodimos  beklagte  sich  bei  der  Szynaxis  und  erhielt  von 
dieser  eine  gISnzende  Rechtfertigung  durch  das  schon  oben 
angeführte  Ausschreiben  der  Gemeindevertretung,  das  in  der 
Kirche  von  Protaton  r.trentlich  verlesen  wurde  * 

Was  an  dem  Vorwuif  wahr  gewesen,  ist  nicht  gewils; 
das  aber  steht  fest,  Tiele  der  Kolywaden,  namentlich  Ma- 
karios,  legten  dnen  besonderen  Wert  auf  möglichst  häufigen 


1)  Letsterer  hat  aneh  eine  iSngere  Sehrift  io  Briefform  an  dsB 
Patriarehai  im  Jahre  1808  geiehriebea,  von  der  ein  Privatcodex  in 
Iwiran  dne  Absehrift  eothilt. 

2)  Vgl.  dfiol.  niat.,  S.  46ff.  und  die  oben  dtierte  Akoluthie 
des  llakarios. 

3)  ^oil.  n(<n.,  S.  46  £  Aus  diesem  Briefe  erfahren  wir, 
daft  die  Partei  des  Nikodimos  aach  „q(t(>u(ta6vot  *tA  nlfftrtwA  xtA 
Maxo96^"  gescholten  wurde.  Daserstere  Wort  ist  aus  „franc-ma^on** 
verdorben  und  dient  noch  jetzt  als  Scheltname  für  die  Protestanten. 

4)  6ii6L  niOT.,  S.  76  ff.  Dort  auch  der  ganae  Brief  abgedmdct 

37» 


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570 


K£Y£B, 


Abendmahlfigennrs.   Makario«  hatte  tchoii  1783  darüber  ein 

eigenes  Buch  herausgegeben,  das  den  Titel  führt:  Ilegi 
avvexoVg  fAetaXt^ifteoig  y,TL  Dieses  Werk  wurde  vom  Patri- 
archen Prokopios  aut'  die  Denunciation  eines  Ajioriten  hin 
verboten  und  erat  von  Neophytos  VII.  wieder  eriaabtK 
Doch  hatte  dch  AthanasnoB  Parioa  in  adner  oben  genannten 
Streitschrift,  anch  der  dSgatog  ndle/jog*  ähnlich  ausge- 
sprochen. Diese  Meinung  der  strengen  Ajioriten  kann  uns 
nicht  befremden,  wenn  wir  uns  erinnern,  dafs  auch  sonst 
schon  Ton  der  Mystik  daa  heilige  Abendmahl  in  ihre  Kreiae 
gesogen  ist. 

Übrigens  machten  die  Kolywaden  dnich  Kikodimos  mit 

Geschick  und  Erfolg  für  ihre  Sache  geltend,  dafs  Gott  sich 
zu  dem  inzwischen  verstorbenen  Makarios  als  zu  einem  Hei- 
ligen hekaiint  habe,  denn  dessen  Gebeine  und  Kleidung»- 
stücke  begannen  in  Chios  Wunder  sa  thon 

Der  Eolywastreit,  den  ich  darum  weitlftoftiger  behandelt, 
weil  er  uns  so  klare  Blicke  in  das  innere  ajioriiiache  Lebsn 
thuu  hiist,  veräcliwand  mit  den  zuletzt  geuauutea  Intiiguea 


1)  DieMs  Bach  ward  falBchlich  dem  Nikodimos  ragetchnebea 
(Szathas  a.  a.  0.  S.  626  u.  a.),  oder  dem  Athanassioa  Parios,  M 
hörte  ich  auf  dem  heiligen  Berge,  oder  dem  ytdrfvrog  Knipoxah" 
ßirijs  (so  Jedeon  noch  a.  a  0.  S.  156).  Indessen  entbält  die  Ako- 
luthie  des  Makarios  die  n&o'mtng  des  Buches  (S.  30f  },  die  an  diesen 
gerichtet  ist,  so  dafs  auch  Jedeon  jetzt  seine  Meinung  geändert  b&t 
Vgl.  *JS«fii;<j»«(JT.  froj  //'  rintf>u.  III,  S  Doch  verrät 
dieser  Schriftsteller  uicht  das  rechte  Vprstiindnis  für  di3  Lehre  rm 
der  ai'vtj(iis  /«raAijv>K>  wenn  er  dieselbe  eine  fimia  neuat.  „ji^*", 
S.  156. 

2)  VgL  S.  232  ff.  Athsnassioa  aber  beklagt  sich  noch  ia  seiner 
sehr  gewandt  geschriebenen  (mrofxri  ttn  avlkoyk  tAf  ^Utav  r^c  ni' 
anoii  doyfjiäxtov,  Leipzig  1806,  dafs  die  Verfolgung  der  Anh&nger 
des  Makarios  nicht  nachgelassen.  TToQQot  anonffjLJtovrtu  toO 
ditnvov  ol  ßovlofifvoi  iiad^iiv,  ov)^  5t*  ivävftn  ovx  //ottr*  yd^ov  .. 
AkV  ort  nvxva;  xal  ov  dtä  noXldv  ^txiQw,  oij  6il&(v  6  <f*o  niu^im» 
i^fifQfTn  :7nnnifQx6ttfvos  (i^/ft);  nQoa<QX*^^»  ^  dl/ysir  'IlM^* 
äva$iojs,      373,  Anm.  1. 

3)  dfi.  niot.,  S.  48.  Die  Akoluthis  aiblt  xwölf  Wunder  das  kai- 
ligea  Makarios  anf. 


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DIE  ATHOSKLÖSTER.  II.  571 

aiia  der  Welt  Nach  fünfeehn  Jahren  hatte  der  griechiache 
Prttheitskampf  begonnen,  da  haben  die  Ajioriten  gezeigt, 

dafs  sie,  die  Heimat-  und  Vaterlandslusen,  für  Heimat  und 
Vaterland  bereit  sind  das  Leben  zu  lassen. 


Ich  füi^e  hier  diu  Erklü-iung  eiuiger  Namen  von  Kioiter- 
beaintea  -au,  und  z^var  der  am  meisten  vorkommenden. 

Dem  Namen  uQX'/iiuyd()iTf^g  euttspriclit  kein  Amt,  es  Ut  ledig- 
lich ein  Titel,  der  vom  Patriarchen  verliehen  werden  kann.  Und 
zwar  erhalten  denselben  fast  regelmafsig  die  Igumenen  der  Kinowien 
und  die  älteren  und  angesehenen  Proigomeni  der  idiorrbyUnaisehen 
KKtoter.  Findet  die  /ugo^taia  durch  den  Patriarchen  selbst 
statte  se  wird  der  Arebimandrii  dadurch  ein  ug/jfmfdQhr^g  tov 
IdytütTUTOVt  nuiQiag/jxov  y  linoaroktxov  xcti  Obtvfifyixov 
and  nimmt  dadurch  einen  höheren  Bang  in  der  ZaU  der  Archi- 
mandriten  ein.  Die  Abzeichen  iür  diese  Wihrale  sind  ein  Kreuz, 
dae  an  einer  Kette  auf  der  Brost  getragen  wird  und  bei  Prie- 
stern das  lmyov&fiQ¥^  das  die  Arcbimandriten  gleich  den  £n- 
prleetem  bei  den  liturgischen  Feiern  tragen  dftrfen.  Die  Er- 
nennung zum  Arcbimandriten  erfolgt  durch  Pergame&tnrknnde  \ 

Die  den  Epitropen  oder  dem  Igumenos  neben-  oder  unter- 
geordneten Beamten  sind  nun  folgende« 

Als  einer  der  ersten  ist  der  Dikaeos^  zu  nennen.  Er  ist 
der  Vertreter  der  Epitropen  und  des  Igumenos  und  nach  diesen 
der  erste  im  Kloster.  Er  ist  auch  h&ofig  der  Kassierer.  Ihm 
liegt  die  Beanfsiehtigang  der  Öffentlichen  Arbeiten,  die  FQrsorge 
ffir  die  Fremden  und  die  Erziehung  der  doiti/ioi  ob.  Auf  Ajion 
eres  haben  nur  die  tdto^v^fta  einen  dixuloc.    Anders  dsa 


1)  Ich  habe  eine  solche  gesehcu  und  abgeschriebcu  iu  Esfigineuu. 
Eine  solche  Ist  abgedruckt  in  Ui^^ymti^  iatonixii  xa\  ßioyiiuqen 

Um  i  nCov  JIi'xiAoi  Athen  1848),  S.  93.  —  Für  Iwirou  nennt  das 
Subskribentenverzeichnis  des  Kipos  Chariton  von  1810  fdof  Arciii- 
mandi'iteo.   Irrig  über  das  Ganze  Pi schon  a.  a.  0.  S.  47. 

2)  Es  ist  itituios  SU  aecentnieteo,  nicht  iUuioi. 


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572 


MEYER, 


Snnaikloster  ^.  In  den  Kino  wies  Tertritt  die  Stelle  des  Sixtuo^ 
der  ofxoyofiog.  FQr  die  KintQhniii^  eines  solchen  hat  das  £w- 
eholojion  suoh  noch  eine  ru^tg 

Den  ersten  im  Kloster  nahe  steht  such  der  axnfO^vXaf, 

Diesem  sind  namentlich  die  Schätze  des  axfv(fvXuxtoy  anver- 
traat,  nämlich  seltene  oder  kostbare  Handschriften,  Crknudeot 
die  sich  auf  die  Verbältnisse  des  Klosters  bezieben,  die  kirchlichen 
Ger.ltG  nnd  Gewftnder  und  die  Reliquien.  Der  oberste  Sekretär 
der  Verwaltung  i-^r  dor  ymtufmrUc: ,  dem  zuweilen  noch  ein 
r7Tf>ynf(tfa(tT(-rc  zur  Seite  steht.  Der  youftuam  c  besorgt  in 
kleinen  Kiitstcni  aucl)  die  (^ppcliäfto  des  Bibliolhokars. 

Den  kirchlichen  Beamten  kann  man  als  ersten  vorajisteüen 
den  TTyfvttuTixog,  der  die  Beichte  der  Vätor  bort  Doch  wohnen 
die  Tryit/nuTixoi  auch  häufig'  in  den  Ökiten.  Dor  Beamte,  der  die 
Kirche  und  die  Ordnung  der  Gottesdienate  nach  den  Ordnungen 
des  Klosters  beeorgt  und  leitet,  heifst  in  einigen  Klöstern  hxXr^- 
oiuQ/jjg,  in  anderen  rvntxugrfg.  Schon  Xgvaard^og  scheint  zwi- 
schen beiden  Titeln  keinen  Untersciued  zu  kennen.  Der  rtvii- 
xuQf;g,  sagt  er,  ßuXXtt  ttg  ral/K  rtjy  txxXrjOtaaj i/.ty  axnXovdUtr 
xui  dioQiLtt  TU  TOfmuQia,  rovg  xavovug  ^  tu  a^uyt'uuafjuiu  xoi 
Talg  ßlüvg  iiui'  uyiwr,  diu  vu  /itt]  ylvixui  jugu/^r;  xai  ffty/^vatg 
ttg  jovg  rpuXrag  xat  iig  liy  ixxXrjatay  ^.  Die  niederen  kirch* 
lieben  Bediensteten  fahren  den  Namen  ixxXr^atuaitxoL  Wiid 
einem  U^ofioru/og  eine  Kirche  zu  spezieller  gottesdienstlicher 
Vereorgung  übergeben,  denn  im  tta^tl^Mtip  wechselt  der  Dienst 
wochenweise,  so  erbftlt  er  den  Namen  ngoa^iovagiog.  So  hat 
Jedes  hesondere  Panagienhild  fftr  sein  nagmatX'^aifii^  einen  ngoa- 
fioyd^iogy  anch  die  Kirche  des  xoiftrjir^giop  n,  s.  w.  K  Doch 
kann  dieser  Titel  anch  in  der  „Weif  vorkommen,  wie  viele 
andere  uatfirlich,  s.  B.  Kuyorugxtjgy  ßrjftatd^g^  die  ich  dämm 
hier  fibsrgehe. 

Fflr  die  tägliche  Austeilang  der  Lebensmittel  sorgen  der 
TfcurctapijC  lind  der  d^oj^cmpi^c*  Der  erstere,  der  auch  xMu^g  * 
oder  KiXXagh^f*  heifst,  giebt  tOglicb  Brot  und  Wein  hentus, 
der  Dochiaris  die  täglichen  Bationen  Ton  Öl  und  getrocknetem 

Fibch. 

£inen  sehr  wichtigen  Posten  hat  der  ugx'^rTiQtog  oder 


1)  Periklis  Grigoriadis  a.  a.  0.  S.  195. 

2)  Ewebol.,  S.  184. 

3)  2:11  Tay tutliov  xrL,  2.  Aufl.,  S.  G'). 

4)  Die  Definition  von  nnoattovnnio;  im  Proskyuit  v.  Docbiariu, 

ÄihdkrihenteiiTendiMniis  dei  *Eooto^q6uio¥  won  1836. 

5)  Pischon  a.  a.  0.  S.  43.' 

6)  £wcholoj.  bei  der  niiig  fdr  den  xtilagifin. 


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DIE  ATH08KLÖ&TBR.  U. 


673 


XoyruSrjg  inne,  d.  b.  dem  die  Soige  fOr  die  Bekdstigiuig  te 
Fremden  im  urfyoyiuQiXioy  übertragen  ist  \   Ihm  aind  meistens 

mchroro  Diener  zur  Hilfe  gegeben.  Fremde,  die  gerne  äoxt^ot 
werden  möchten,  läfst  man  wohl  im  uQxoyiag'xioy  eine  Vorprobe 
abmachen.  Der  O^vqwoo^  oder  nooTagtog*  oder  uvXwgog  ist  der 
Tborwachter.  Er  hat  bäußg  einen  Kramladen,  ligntragiog  heilst 
der  Viirsleher  der  Werft  und  dos  Hafens.  Auf  diesem  Posten 
begegnet  man  zuweilen  alten  SeoJeuton,  die  aller  Hörren  Länder 
gesehen  haben.  Ht'rrscher  im  y.uuTim^ugtoy  oder  y.iodwyotnuaioy 
ist  der  xufinuyugiog  oder  xuf.inuyiait]g.  Der  xovuy.Tür^g  ver- 
mittelt den  Verkehr  des  Klosters  mit  seinem  xoyuxi  in  Karyes, 
wo  er  auch  seine  Wohnung  hat.  Der  ßoodoyugr^g  endlich  sorgt 
für  daä  Wohl  der  ßogöuiyiu  ^  oder  fiovkÜQia,  der  Maulesel. 


Zur  Bedeatani;  des  Nikodimos  IBr  die  s>^ieelUsohe 

Kirebe* 

NikodimM,  odsr  mit  srnnsm  weltUohmi  Nsmett  Kikolaos»  ist 
gabom  1748  in  Ksxos,  Er  kam  1776  auf  den  heOigen  Berg 
mid  nahm  das  klsin«  o/^/««  in  Dionyasia.  1783  wnrde  er 
fiiYMaxiißog  in  einer  Skiti  von  Pantokratoros.  Die  Iststen 
Jahre  seines  Lebens  bewohnte  er  als  Unterthan  der  Lawra  das 
mll/oy  tov  jiyttnf  rmf^imft  meist  th  SKOvntmdmo  genannt»  das 
über  Karjes  liegend,  dieses,  Sierai,  Kutlomnsn,  Iwiron,  Berge 
ond  Tb&ler  nnd  ein  schOnss  Stück  blanen  Meeres  fiberNhen 


1)  Die  FremdcnwohnuD^,  meist  ein  ganzes  Haus  mit  Zimmern 
für  Vornehme  und  Gorinn^o,  heifst  uo/ovranixia  odor:  Äfxnc  oder  un/ov- 
ra^iu  vulgär.  „  J'u  ünxoviuQixia  rjroi  rä  öantjuu,  tig  r«  önoia  dva- 
nm^oyrm  ot  tilaßfli  ngoaKi'vriTal  ttttl  &ro»  ^po*  änfQäaotftu»**.  Proek. 
V.  Doch.  S.  30.  Im  besseren  Griechisch  sagt  man  auch  (tvOvt^  oder 
TO  itvodox^itt.    Prosk.  der  Lawra,  S.  23. 

2)  So  schon  13G5.  Müller  und  Miclosich,  act.  et  dipl.  I, 
442.    Nikiphoros  der  Chiot  schreibt  noaruQtji.    a.  a.  0.  S.  261. 

3)  Dieses  Wort  bereit«  in  einem  Chrysobull  des  Alexios  Kom- 
niDOs  für  das  Joannisklostcr  auf  Patmos«  Pandora,  XV,  S.  549 ,  doch 
hier  von  unrlüniu  unterschieden:  „f^ovkaQtiay,  fnoofiovJMQiuy,  fio^ot^ 


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674  XICYEK, 

l&fot.  Hier  starb  Dikodimos  am  14.  Juli  1809.  Hier  zeigt 
man  anch  noch  seinen  Beli&del  den  Pilgem  und  Fremden  als 

fieliquie  ^ 

Das  Ansehen  des  Kikodimos  in  der  g-riechiächen  Kirche  isi 
nun  ein  sehr  grofses.  Er  gilt  für  eino  Säule  der  Orthodoxie. 
Die  rrrva^fg  des  heiligen  Bcrg-es  stellte  Ihm,  als  er  infolgr  seiner 
Stellung  im  Kolywastreit  der  Ketzerei  verdächtig  geworden  war, 
folgendes  Z^nirnis  aus:  Hfitig  yuQ  annvitg  o/nO(f(oywg  yrnrno- 
ixtv  uvxop  xui  ofioXoyovfity  tvatßtaiuxoy  »ai  u^%^o6üifjianjv  xai 
tM¥  ^Offiutiav  Trq  tüv  Xqioiov  IxxXr^fJiag  TQOtf-ifuOy^  xaC/tt»;  xui 
ix  JWy  iigwy  y.m  KOiyoiftXuw  ov/yguftuiiuy  uvTOV  unoötixytmu^ 
fniaa  ttg  tu  nnoia  ovdu'  (f^ayr^uu  uiQtitxijy  rtfoit/tiui  xui 
xad'tng  Tfitig  utwkoyovimy  uiruy  ogS'odo^Qv y  ottü*  xui  rfttiQ 
unuyrtg  yu  loy  yywotttity  wg  loiovioy  oyra  Ttj  uXrfd-fi'a 
Grigorios  V.  schrieb  ihm  in  den  anerkennendsten  Auödiucken 
für  seine  scbriftstellerisclie  Tb;itit,'kclt  Sza,liia,ö,  jeduufalls  eine 
Autuntit  iu  der  neagnecLischeu  LiUeiutur,  sugt  von  den  Schriften 
des  Ajioriteu :  ja  di  noXvugtd^^u  uvtov  avyygu/.ifiazu  otx  oktyor 
avvttkXiauy  itg  xQUJutwaty  xtg  ogt^odo^iuCt  w^iXtmg  ortmoillH 
yiaiov  tov  rfititQov  i$'ym/g  nQo^tyu  ytyofdtra  Jedeon,  der 
aneh  die  Yerdieosto  unseres  lUftnehee  wohl  xn  würdigen  weüü» 
fikfot  doch  nicht  gnnz  treffend  sein  ürtell  Uber  denselben  dshin 
snssmmen:  • .  •  o  Namör^^og  l,y  tyxmtknnoiSkiu  ttg  i^g  tmt 
xttj*  ttvtir  jf^orofr  uYiogunxilg  nmdwatuig  K  Oder  woÜte  der 
Verfiisser  doch  niebt,  wie  es  aber  den  Eindmek  mneht,  des  Ni* 
kodimos  Gelehrsamkeit  auf  Kosten  ?on  dessen  ürteO^vaft  be- 
tonen? Wie  sehr  Nikodimoe  von  seiner  Kirche  gesohatst  ist^ 
beweist  am  besten,  dab  fast  alle  seine  Schriften  gedruckt  sind 
und  Tiele  Auflagen  erlebt  haben  und  noch  erleben.  In  der  grie>  * 
chischen  Kirche  aber  druckt  man  Bficher  nicht  der  Wissenschaft 


1)  Eine  BioCTaphie  des  Nikodimos,  die  indessen  nicht  viel  mehr 
als  Daten  enthält,  findet  sich  im  Synaxaristis.  Auch  bei  Szathas 
abgedruckt,  a.  a.  0.  S.  624  ff.  Bildnisse  des  Nikodimos  im  Szynaxa- 
littls  uod  im  Kipos  GharHon  mit  folgenden  Stichen: 

TYf  AVxoJijaof  ovtot,  oC  xkfog  u^ji'tt; 

2)  o^oko}'lu  Titaiittii,  S.  89,  in  dem  üffentUchen  Brief  der  Szjnaxis, 
den  wir  oben  erwXhnt  haben. 

3)  Einleitnng  snm  x^nog  ;fa^fODv  und  aar  X^OToif9iia  tO¥ 

oftaveap,  Ven.  Iö03. 

4)  a.  a.  0.  S.  f^Jti    Dort  ancb  das  Veneichais  der  Sehrifteo, 

das  aoer  nicht  ganz  1  ehlerlos  ist 

5}  a.  a,  0.  Ö.  216. 


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DIE  ATHOSKLÖSTEB.  U. 


575 


liilber,  sondarn  wenn  m»  sich  als  ynfxuHfMatarvi  erweisen,  wie 
es  uf  eo  vielen  BfiebertHeln  sa  lesen  ist. 

Unser  Ijiorit  ist  Ton  anbeioxdentlieher  Beleeenheit  in  den 
Y&tem  seiner  Sjrefae.  Zn  diesem  Stndimn  maU  er  alle  Kleater- 
bibliotheken  des  Atfaos  darehforscht  heben ,  denn  nsmentlieh  im 
Ssjnaxansten  seigt  er  grolse  YerUantheit  mit  dem  Inbilt  der>  - 
selben.  Sr  ist  aneh  nemlieli  bewandert  in  der  Terminologie  der 
alten  Pbilosopbeo  seines  Volkes.  Nicht  nnberlttirt  blieb  er  ferner 
▼on  dem  Hauch  abendlftndischer  Bildung,  der  mit  Snjenios  Wvl* 
garis  nnd  seinen  SobAlem  über  den  heiligen  Berg  ging.  Er 
leiht  sogar  ganz  gern  von  den  NaturwissenHchaften,  wo  es  seinen 
Gedanken  helfen  kann.  Doch  gilt  ihm  als  oberstes  Kritirion  der 
Wahrheit  die  Übereinstimmung  mit  der  Sohrift  und  den  Vftteniy 
namentlieh  aber  mit  der  ersteren.  So  kann  er  ssgen:  „a^i^ 
Totg  rtmfyovf  qtvamovg  mci  futuqivoixotg  ya  Xi)'ovatiff  $ri  ^ 
waia  Trjg  ^X'if  fVQinnttTm  dg  toy  iy^iff-akitw  ml  *lc  to  top 
ifKHfoXw  xwm^or. . .  To  didaaxaXttoy  jwy  yguqatr  xai  rm^ 
ugur  TfUTtQWy  tivai  uXrj&iaTtnoy  tto  tu  dtdttrry.nXfta  lujy  «k- 
^(jionwy  ^.  Ebenso  streng  auch  vprfthrt  er  im  Szynaxaristen 
mit  den  Heüigenlegenden,  die  der  Sciinft  widersprechen.  Er 
korrigiert  dieselben  oder  Ififst  die  durch  diu  Schrift  als  Un- 
wahrheit dargestellten  Teile  fort  In  der  Auslegung  der  Schrift 
aber  ist  Kikodimos  von  dem  Dogma  »einer  Kirche  abhängig. 
Wenn  sich  unser  Ajiorit  auch  auf  verschiedenen  Gebieteu  der 
Theologie  versucht  hat,  so  besteht  seine  Hiiui^itbedeutung  doch 
darin,  dafs  er  die  Weltanschauung-  der  Hesychasteu  des  14.  Jahr- 
himilerts  wieder  erneuert,  auf  moderne  Gruudiageu  gestellt  und 
mit  der  allgemeinen  HOnchsaskese  zu  eiuer  Lebensordnung  ver- 
arbeitet hat.  Um  seine  Meinungen  geschichtlich  zu  stützen,  gab 
er  mit  seinem  Freunde  Muxuoiog  Nutagug,  dem  melirlach  irenannten 
Erzbischof  vun  Konuth,  die  soirenannte  riiii^  kalni  heraus.  Dieses 
Werk,  ein  Foliant  von  über  lui'i)  Seiten,  enthrdt  em  immtinsefl 
Material  zur  Gescliichte  der  Mystik  der  irnechi^chen  Kirche. 
Namentlich  sind  eö  die  Schrillen  der  grüri>eu  Hesycfiaiten ,  die 
er  dann  veröffentlicht.  Für  die  Neuheit  hat  er  seine  Godanken 
üuu  byaiemaUöih  und  nicht  uhne  Geschick  xnsammeugefafdt  in 
seinem  ^vfißovXtvttxoy  * ,  das  wie  ein  grofser  Brief  an  seinen 


1)  2:rfxß.,  S.  151. 

2)  Einleitung  zum  Szynaxaristis,  Ausgabe  von  18G8,  Bd.  I,  S.  «^', 
Mal  ^totfOQtov  7iaT^{i(üv  tjudv ,  (v  tj  öiic  T^f  xtaii  rijv  7t(Hl$tv  xul  9tti- 

4)  Der  ToUe  Titel  des  Baches  lantet:  ^EyxHftfdiop  oin^ovltitt»^ 


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576 


UEYBBy  OI£  ATH08KLÖ6TEB.  II. 


Vetter,  den  Mitropoliten  Jerothens  von  Joannina,  e-erichtet  ist 
und  (ieu  Zweck  hat,  die  daiiu  eruiterten  Lebeuäuüäciiauim^ea 
auf  die  WeltsreistlichVeit  zu  übertragen.  Doch  denkt  er  anch 
mit  Emst  daran,  seine  mystische  Askir-e,  sogar  deren  grufstes 
Geheimnis,  die  yoigu  n^ioow/ry  dem  Volk  zu  übermitteln.  Er 
antwortet  auf  die   von  ihm  selbst  aufgeworfene  iia^'o:  mü^ 

Y^{i(f'lÜ   ^XH^'U,    07101     tirai    idia   TüJI'   i^OJ    ZOV   XOOflOV   wWrlU.r  ^10- 

ya/üJy ,  fig  l'ya  au/itglu  onoi  uvuoiQtq iTui  J(o  xui}/.iüj  xui 
joTg  iy  Koa/nü);  Gott  sei  ein  Geist,  daher  könne  ihm  auch  nur 
mit  dem  Geist  gedient  werden.  Das  geschehe  am  meisten  dorch 
die  roiQu  nQoatvxTi,  die  der  Apoetel  Paulas  aUen  Measeheii  lät 
«einem  oiStaA,9lnT(t)q  nQoaevxto&§  (IThesa.  ö«  17)  geboten  habe. 
Anoh  Grigorioe  Sainaitis  und  Falamaa  hfttien  nicht  allein  anf 
AJien  OK»,  sondern  bis  naeh  der  Walachei  ihre  Lehn  fei^ 
breitete  Fflr  die  Allgemeinheit  sind  die  Gedanken  auch  ans- 
geffthrt,  nimlieh  in  dem  «o^roc  niXtfiogK  Die  Sjrstemaftik  ist 
hier  der  GemeinTeretindlichheit  geopfert.  Doch  fehlte  es  damals 
wie  anch  jetrt  dem  rayfia  %w  Idfiov  BaoiWov  an  Tertiarieni, 
welche  die  Klnft  twisehen  der  HOaoherei  nnd  der  Welt  Ober- 
hrflclten  konnten.  Es  lag  anch  in  der  Mystik  des  Ajioriten  ein 
Miller  Protest  gegen  die  Herrschaft  des  Kultus  und  darum  ein 
Leben  schaffendes  Moment.  Aber  im  Orient  versandet  jede 
Quelle,  wenn  ihr  Strom  nicht  mit  elementarer  Gewalt  daherbranst 
oder  Gold  in  seinem  Bette  fahrt.  Das^  erste  pafot  nicht  lom 
weltentrückten  Mystiker,  das  andere  nicht  an  einem  armen  ehr- 
lichen Mönch,  wie  Nikodimos  AJioritis  einer  war. 


n(Ql  (f  vltixijg  iQv  nivif  ttia&^i^aion',  rr/f  t(  (fayraaias  xui  ir;>-  rot  tHtog 
xal  xagdias,  xal  ntQl  tov  noiai  iioiv  al  nvtv/iaitxal  xul  oixtiat  loC 

iv  fioyuj^ois  (Xn/Jarov  Ntxo9^fAOV  *Ayt(Q((rov,  Nlff  Tt^CiTOP  Tvrtotf 
htJo^h'  (ff«  tfiloTfuov  da;iav^,'  ToO  navtirmTUTOv  * EX).oyt uanutov  tt 
xai  GtoTtQOfiitjTov  jVit^TQOJioXiTOV,  uyiov,  Il^HÜnv  ^tv  Lviuitov,  vOp  4k 
'fmevvftfu»,  »VQiovxv^öv  *l€aMov  toO  Nafiov,  oHrtufOi  ytiQiv  ml  otof- 
ni^ri,  1801.  Ohne  Druckort;  walirscfaeinlieh  ist  oeMhe  Wien. 
Neue  Auflage  in  Athen  1685. 

n  :Lvfi(i.,  s.  179  ff. 

2)  JUßXfoy  ^pv^iatf-iXioxarov t  xaXovfXfvov  HOQaios  nolfuog,  ait^ 
Ti^v  ftiv  TtfAp  naqd  tufoc  ootfoO  ävi(iöi,  xttlXtania9^kv  pOp  xai 
^innf^o>D-h'  Tiaftä  ..  iVuro^ij^ov.  VoiL  1796.  Nenerdings  wieder  ia 
Vea.  aufgelegt. 


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ANALEKTEN. 


t. 

Zur  Geschichte  der  BrAder  vom  gemeiosameA 

iifbeii« 

Biftiier  uabekaimte  Schriflen  von  Geert  Groote,  Johaanea 

Busch  und  JohanneB  Veghe. 

Mitgeteilt 

TOD 

Prof:  Dr.  Lndirig  Selmlze 

in  Boctoek. 


L 

Bisher  ist  es  noch  immer  nicht  möglich  gewesen,  die  Schriften 
des  uni  die  Belebung  der  Kirche  des  15,  Jahrhunderts  in  den 
Niederl  all  iJen  und  in  weitesten  Kreisen  über  dieselben  hinaus, 
nauieütlicli  im  nordiiVhen  Deutscliland ,  so  hochverdienten  und 
einflafsreichcE  .  mit  Kecht  als  dc&  Gioiaen  zubenannten  Gerhard 
zu  sammeln  und  herauszugeben.  Wenigstens  seine  sämtlichen 
Briefe  verdienten  einen  besonderen  Abdruck  um  ihres  bedeut- 
samen und  schönen,  tief  ergreifenden  Inhalte  willen.  Jetzt  liegen 
sie  —  ob  alle,  ist  auch  folglich  —  in  Tenchiedensa  8amm- 
Inngen  Tor,  von  Acqnoj  (Amsterdam  1857),  tod  dsBam  (zu- 
«nl  in  den  Bnllstins  de  la  Commttskm  royale  d'bistoire  II,  1, 
saris  3,  nnd  speziell  Brüssel  1660),  Ton  Nolte  (in  der  theo« 
legiscben  Qnartalsobnft  XXII,  9)  nnd  a.  a.  0. 

Um  das  Sammeln  nnd  Anfepflren  der  Schriften  haben  sieh 
die  beiden  holUndieeben  FerBcher  Tb«  A.  und  J.  Ciarisse  ein 


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576 


ANALEETEN. 


ganz  beflondem  Verdienst  erworben  durch  die  uhlreichen  Ab- 
handlungen in  Kist  en  Soyards  arcbief  voor  kerkelijke  geschie* 
denis  seit  1829  bis  1837  unter  dem  Titel:  over  den  geest  en 
de  denkwijzo  van  Geert  Groote,  kenbaar  uit  zijnc  scbrifteti. 
Trot7  <lie8er  gründlicben  Studien  mufs  aber  noch  der  neueste 
Ftirscber  auf  diesem  Gebiete  T).  Carl  Hirsche  in  seinem  in- 
iiaitn  ic  hen ,  voti  umfassendsten  Studien  zeuLrenden  Artikel  über 
die  Brüder  vom  gemeinsamen  Leben  iu  Horzng's  Realencyklopadie 
(II,  690)  sich  dahin  äufsem:  „Auch  nicht  einmal  eiue  genaue 
Kenntnis  der  Anzahl  und  Titel  seiner  Werke  steht  uns  zugeboie. 
Die  Quellenschriflsteller,  welche  die  beste  Kunde  hatten,  be- 
gnügen sich  neben  der  namentlichen  Hervorhebung  einzelner 
Werke  mit  allgemeineren  Angaben;  die  späteren,  wie  Trithemius, 
Revius,  Fiibricius,  Foppeus  haben  entweder  nachweiislich  lücken- 
hattü  oder  offenbar  fehki hafte  Verzeichnisse,  und  auch  durch 
Clarisse's  Bemühungen  ist  die  Htterargeschichtliche  Frage  noch 
nicht  yöUig  aufgeklärt/*  Doch  beeohränkte  sich  Hirsche  selbst 
ebenso  wie  der  ntamte  Biograph  K.  Grttbe  in  seiner  qaellen- 
mflbigen  DaisteUnng:  Gerhard  Groot  und  seine  Stif- 
tungen (Köln  1883)  auf  die  Besprechnng  der  durch  den  Dmek 
beksnnt  gewordenen  Sebriften»  eua  welchen  beide,  jener  in  der 
üfspriohet  dieser  in  der  Übersetzung  trelflieb  gewählte  Proben 
und  Mitteilungen  nuchen. 

Es  ergiebt  sieb  bieraas,  dafs  jeder,  aocb  der  Ideinste  Beitrag 
willkommen  sein  mnlh,  welcher  snr  Aafhellnng  des  litterariseben 
Nacblasses  dient 

Unter  den  von  Ciarisse  aufgezählten  Schriften  Gerhards,  die 
er  troti  aller  Hfibe  nicht  alle  habe  auffinden  und  kennen  lernen 
kennen,  zählt  er  Bd.  I,  8.  357  a.  a.  0.  awei  anf: 

„de  vita  in  conununi  degentium*^  und  „de  instiiatione 

nOTitlorum*'. 
Zu  diesen  beiden  fügt  er  dann: 

„mij  nog  geheel  onbekend  gebleven". 
Was  die  zweite  der  genannten  Schriften  anlangt,  so  ist  sie  nicht 
dieselbe,  welche  auch  specnlum  monachorum  genannt  und  oftmals, 
aber  falschlich  dem  (Gerhard  Groote  beigelegt  ist.  Eine  solche 
stammt  ?om  heiligen  Bernhard;  aber  auch  andere  haben  ein  sol- 
ches Terfafst. 

Auch  sonst  führen  die  genannten  Forscher  nach  Clarisse's  Auf- 
zählung diese  Schrift  de  instittitione  noviciorum  an;  und  in  ouut 
Liste  von  Uandschriftsammluugen  aus  Utrecht  rjennt  er  ebtnilalis 
diese  Schrift ,  mit  dem  Zusatz:  het  iä  ons  nog  niet  voorgekumen. 

Dem  Schreiber  dieses  ist  es  bei  i>einen  Quellenforschangen 
durch  eine  ihm  jüngst  in  die  Hände  gefallene  alte  Handschrift 
gelungen,  über  diese  Schrift  einige  AulliiäruDg  zu  verbreiten. 


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SCHULZE,  Zü  OVOOT]^  BUSCH  UND  VEQHE. 


579 


In  einer  anf  der  Berliner  Königlichen  Bibliothek  befindUohen 
Handschrift  (Msc*  lat  365)  aus  dem  Haoenlebener  Kloster 

stammend,  befindet  sich  unter  vielen  anderen  Stocken  noch  dne 
drei  und  eine  halbe  (^nartseite  umfassende  Schrift  mit  dem  Titel: 
Informatio  noTiciorom  Qherardi  Groot.  Es  lag  ja  nahe,  an  die 
bei  Clarisse  nnd  sonst  erwähnte  Schrift  Gerbard*8  zu  denken. 
Das  Kloster,  welchem  die  Handschrift  angehört  hat,  ist  das  in 
der  Provinz  Sachsen  gleichweit  von  Halberstadt  und  Helmstädt 
liegende  Kloster  zum  h.  Pankratius,  vom  Bischof  Reinhard  von 
Ilalberst.idt  bei  der  Kircho  zu  Osterwick  1 108  mit  regulierten 
Augustiner-Chorherren  besetzt;  sehr  babl  reich  ausgestattet,  ward 
es  1112  nach  dem  nahen  Hameröleben  verlegt;  der  bcrChmte 
Hugo  von  St.  Victor  brachte  hier  1115  seine  Probezeit  zu; 
und  da  auch  Papst  Paschalis  IT.  sich  <liesor  neuen  Propstei 
wohlwollend  annahm,  ward  dies  Kloster  eine  Erziehungsanstalt 
für  alle  AugustinerklÖster  der  Umgegend.  Später  8*)llte  es 
durch  Job.  Busch,  damals  Prior  in  Sulta  bei  Hildesheim,  vibi- 
tiert  worden,  doch  kam  es  erst  1452  dazu,  und  145G  wurde  es 
in  die  Windsheimer  Kongregation  einverleibt  ^  Es  hielt  sich 
bis  zur  S&Vularisation  1804  *.  Aus  diesem  Kloster  stammt  un- 
sere Handschrift.  Bei  der  eagen  Beziehung  mit  den  Winds« 
heimer  Klöstern  und  den  dortigen  Ordensbrüdern  konnten  Schriften 
Ton  Gerbard  leicht  hierher  kommen.  Viele  Handschriften  sind 
TSB  dort  nach  Helmstidi  nnd  später  naeh  Wolfenbattel  gekom- 
men. Unter  andefsn  die  Ar  die  Werke  GerMn's  so  wichtige, 
▼en  Hiiscbe  in  seinen  Prolegemenen  sn  des  Thomas  Imltitlo  be- 
sproefaene  (Bd.  I,  8.  802-^306),  ans  dem  Ende  des  15.  oder 
Aafimg  des  16.  Jahrbnndsris. 

TTnsere  Handsohiift  entbUt  Stfleke»  welche  naeh  den  Unter- 
Schriften  in  den  Jahren  1478— >1484  geschrieben  sind.  Und 
da  sie  anch  die  Sduift  von  Bnsch:  ^Uber  de  origine  modemae 
defotienis''  nnd  andere  Sduriften,  Briefe  nnd  Beden  fon  J.  Bnsch 
.•ntiiftlt»  so  ist  ris  iHr  nneere  Bchrift  des  Gerhard  ein  wichtiger 
nnd  zuTerl&ssiger  Zeuge. 

Die  Überschrift  der  Abschrift  wie  das  in  dem  Codex  voran- 
stebende  Inhaltsverzeichnis  nennen  Groot  als  Verfasser.  Die 
Unterschrift  lautet  nach  dem  Amen  am  Schinls:  Haec  omnia  ex* 
Gerardi  Groot    Ist  anch  dieee  AbkQisnng  nns  nnbekannt,  so 


1)  Dtr&ber  Büsch,  Liber  de  reform.  monact,  cap.  XXXI  (neue 
Ausgabe,  von  K.  Grube\  p.  485-487. 

2)  Uber  das  Kloster  zu  vergleichen  Acqaoy,  Het  Klooster  te 
Windesheim  III  (1860),  p.  1421.,  und  die  dort  angeführteu  Quellen 
und  Schriften.  Dazu  noch  St.  Knnse,  Getehicbte  des  AuguttiDer» 
klosters  HamerHUbf  n,  nebst  alten  historischen  Nachrichten  u.  s.  w. 
nach  angedruckten  Urkunden  und  Handschriften,  Quedlinhorg  188& 


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580  ANAL£KT£N. 

wird  doch  aocb  hier  noch  eismal  mit  Bestimmtheit  der  Yer&sser 
geDHniktb  ViellAicht  aber  erklftrt  sich  auch  dieaa  Abkflnong,  «m 
dia  folgendoi  AaMUmigmi  ala  richtig«  aaerhaimt  wardei. 

Die  Freude,  in  dieeem  kleiDeii  Sefariftetllek  eDdUch  die  biih« 
▼ermi&te  Schrift  Groote*s  geftwden  ra  haben,  war  eina  Teigehlichi. 
Bei  genanerer  ünteisuehmig  ergab  eieh  swar  durchweg  der  an 
den  Schriften  G«rhard*s  bekannte  Geist  nnd  seine  Denhwiim 
anoh  in  diesem  Schriftstflck.  Aber  unbekannt  war  ea  doch  biBlnr 
nicht  Kaoh  Iftngerem  Suchen  fluiden  wir  es  schon  in  den  aller- 
dings ssltenen  nnd  wenig  ▼erbreitetsn  von  de  Barn  in  der  warn 
genannten  Zeitschrift  abgedrocktso  Briefen  8»  78,  nnd  swar  ia 
dem  dritten  nnter  der  Überschrift:  Episteln  sen  dieta  qna^ 
dam  Magistri  Gerhardi  magni  de  noTO  monaoho%  In  emer  sa- 
deren  Ton  D,  ffirsche  teiglichenen  Handschrift  ans  einer  Biblio- 
thek des  KarthftnssrklosterB  St  Barbara  in  Kiiln,  lantet  die 
Überschrift  des  betrellMiden  Brielbs:  BpistoUi  U.  Ofoot  sd 
noTicinm  qnendam  ordinia  cartnsiensis,  also  wie  die  ÜberMbrift 
des  ersten  der  ?on  de  Ram  veröffentlichten  Briefe,  und  zwar 
Ton  spftterer  Hand,  welche  einen  greisen  Teil  der  Hsndscbrtt 
dnrchkorrigiert  hat 

Daraus  ist  ersichtlich,  dafs  1)  dieses  Schriftstück  auch  sonst 
mehrfach  um  seines  wichtigen  Inhalts  willen  abgeschrieben  uad 
verbreitet  worden  ist;  dafs  2)  es  eigentlich  kein  Brief  ist^  daher 
auch  die  Übsrechrift  bei  de  Bam  lautet  epistola  sen  dieta  qaae> 
dam,  und  in  unserer  Handschrift  informatio;  oder  wenn  dieses 
Schriftchen  nrsprOnglich  in  Form  eines  solchen  Briefes  nnd  zwar 
an  denselben  Empfönger  wie  der  erste  Brief  ausgegangen  war,  so 
konnte  es  doch  auch  allgemein  für  sich  selbständig  als  eine  wich- 
tige Zurechtweisung  fflr  jonge  KOnche  abgeschrieben  und  ¥ei- 
breitet  werden. 

Ob  diese  Schrift  vielleicht  nnrh  ur?prüuL'li(  h  v>»n  Oerh:ird  tör 
Nnvr/P)i  PTitworfen  und  dann  er^t  seinem  Brief  angel'ügt,  oder 
nachgesendet  war,  dürfte  sich  schwer  entscheiden  lassen.  Doch 
ist  zu  hcachten,  dafs  Gerhard  bei  der  eigentümlichen  StelluD^  la 
dem  Kbsterleiien,  welche  er  einnahm,  und  mit  welcher  sich  die 
Eigentümlichkeit  der  von  iliui  gebildeten  (Temeinschafien  der 
Brüder  vom  gemeiusamen  Leben  und  der  Windsheiincr  Regel 
bildet,  auch  vielfach  Anlafs  gehabt  haben  wird,  seme  Gruudsatie 
und  Aiiwt'iisungen  für  Klosterleute  aufeusteüen.  Nun  erklärt  sich 
auch  vielleicht  die  zuvor  noch  offen  gelassene  Abkürzung  koi 
SchluXd  unserer  Handschrift,  wenn  \v;r  ex '  auilGsen  in :  ex  epistola. 

Ans  dem  Verzeichnis  seiner  Schriften  wird  demnach  die 
bisher  Termifste  de  institutione  uo?iciorum  zu  streichen  resp.  in 
dem  genannten  Briefe  in  anderer  Form  zu  finden  sein.  Koch 
dürfte   bei  dieser  Schiiil  Gerhards  bemerkt  werden,  iiids  sie 


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SCHULZE,  ZU  OROOTE,  BUäCU  UND  V£GH£.  581 


mehrfache  unverkennbare  ÜbereiuBÜmmungen  mit  Gedanken  in 
den  Schriften  des  Thomas  a  Kempk  enthält,  welche  natürlich 
dieser  tooh  Meister  in  sein  rapiariam  gesanunelt  und  sp&ter  in 
flräMn  Scbriften  verwendet  hat  Wir  erinnern  anf  8.  581  an 
Mle  6.  9.  15;  S.  588  Zeile  13.  13;  S.  586  Zeile  8—12. 

Wir  Saasen  im  folgendmi- den  Text  mit  den  Varianten  dea 
bei  de  Barn  abgedroekten  BrQsseler  (B)  und  dea  von  Hirsche 
Terglicben  Kölner  (K)  Ck>dex  folgen. 


Informatio  uoTieiorum  gkerardi  grot  ^ 

Arduus  *  monachns  debet   esse  homilior  ^   oboediena  soia 

superioribus  et  scnsui  suo  *  non  inniti  nec  suae  discretioni  nec 
sTiae  devotioni  ^  vel  exercitiu  spirituali ,  sed  ea  devotione  et 
©xercitio  uti  quam  ve!  qnnfl  sni  superiores  ßuadent,  qnia  hoc 
est  secnrum  et  humile,  et "  iructuosum  ex  eo  quod  quis  hoc 
suae  voluntati  renunciat.  Nam  perfectius  est  ^  minus  bonum  ex 
obcdientia  quam  majii.s  bonum  ex  propria  volnntate,  et  efücitur 
illud  minus  In  n  um  majus  bommi.  Et*^  multi  cadnnt,  qui  se- 
quuutur'^  propriam  voluntatem  et  sunt  qua&i  proprietarii  se 
ipsos  possidentes.  Et  comedat  monacbus  quae  sibi  apponuntur  lo 
et  non  sit  singularis  in  jejunando. 

Verb:i praecepta  et  consilia  debet  monachns  ^*  recipere^* 
a  soperiore  prompta  voluntate,  ac  si   ii  Doroinomet  illa  perci- 
peret*^  et  auüirct.    is^m  IJüus  sua  pruviJcutia  bic  ordinavit^' 
ab  aeterno,  quod  in  tali  opero  ^'^  taüs  monachus  per  obedientiam  la 
taiis  superioria  salvari  debeat;  et  qui  in  boo  resistit,  ordinationi 


1)  B:  epistola  seu  dicta  quaedam  magistri  gerbardl  Ifagni  de 
novo  monacho.  K:  ep.  M.  0.  Ghroot  ad  noviciam  qnendam  otdinis 

cartbusienBis. 

2)  BK:  novus. 

3)  ER:  bumiliter. 

4)  BK:  tno  sensui. 

5)  BK:  nec  suae  devotioni  fehlen, 

6)  BK:  et  hoc. 

7)  BK:  iructuosum  est. 

8)  B:  et  in  hoc;  K:  in  boo  enim. 
i»)  BK:  est  facere. 

10)  BK:  hoimin  fehlt. 
11']  K:  Kf  tVhlt. 

12)  B:  qai  propr.  vol.  seq.;  K:  qui  propr.  seq.  vol. 

18)  B:  Et  verba. 

14)  B:  mon.  debet. 

15)  B:  n  snp,  reeipw;  K-  ?i  «uo  sup. 

16)  B:  a  Domino  Deo  eamet  perdperet;  K:  Deomet  ea  acciperet. 

17)  B:  providit  et  ordinsvit. 

18)  BK:  tempore. 


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683 


▲NALEKTEN. 


Dei  rairtit  K  Kon  enim  arae  eausa  #1  ntiUtite  magna  *  pota- 
atatam  aaptrior  porUi  non  enim  babaret  potaatatemt  niai  da- 
tnm*  aaaat  aibi  daanpar.  Etiam  ai  anparior  malna  aaaat,  dum- 
modo  raota  in  oppoaitiun  ^Yini  praaeapti  minima  piaadplt'^ 

a  andaetar  at  eonfldantar  aapariori  oonfida»  et  qnalam  te  bdMl 
talem  !•  rapnta,  8i  te  eondemnaTerit»  et  in*  eondemna;  ai  te 
jnatiflcaTarit  Tal  aolvarit  in^  Yirtnte  Dai  et  snperioria  et  ijn 
meritia  et  jnatormn  preoibns  solutum  et  joatificatüm  habe.  Cava 
ne  aoperiorem  jodlcaTeria  in  faetia  auis  ^,  Tal  ad  malum  inter« 

lopietatna  foeria;  et  omne  Terbom  mentia  tuae  Tel  cogitatioaem 
qnamcanqne  contra  superiorem  io  anapieaodo  qnodcnnqne  pamm 
malnm  de  eo  in  f actis  suia*  abborre  et  projice  a  te,  sicnt 
oogitationem  fornicandi  borres  vel  projicis  *S  et  soade  menti  tnae 
qood  emnea  tales  certiaaime  sint^'  »  diabolo  et  laqaei  diaboli. 

15  Item  nec  npplandas     neo  admittaa  qoemcunqne  monacbnm  tibi 
dicentem  mala  de  superioribus  Tel  aaadentem  aoperiorem  Tel 
minus  sapieotem      Tel  minus  bene  agentem;  nec  admittos 
quemcQTiqne  detrabeotem,  qnia  detractio  eat  Talde  freqnentir" 

in  coennbitica  vita. 

so  Itom  si  jiroptcr  occupationem  primi  afiTi!,  propter  addi?renda. 
miuus  fueris  ^'  devotus,  mit  propter  quamcnnquo  temptiitionem 
vel  sobreptionem  diciboli  tibi  videtur,  quod  fnens  minus  uUiis, 
minus  fervidus  vel  minus  boniis  quiim  fuisti  in  saeculo,  hoc  pro 
nullo  reputes.    Nam  illnd  saepe  diabolus  suggerit  quum  non  est 

« Terum.  Kt  saepe  homini,  novicio  videtur  qnod  sit  minus 
ntüia,  quam  ex  praecedenti     et  majori  liumiiitate  acqoisitai  per 


1)  B:  ord.  res.  Dei. 
2^  K:  magua  utit. 

8)  B:  anpeiionea  portant  tod  den  plnr.  im  ff.  baberant;  K  dar 

aingul. 

4)  BK:  data 

5l  B:  praeciperet;  K:  non  praedperet. 

6)  BK:  et  tn  ftblt 

7)  B:  te  in;  K:  te  Tirtnte. 

8)  B:  ne  suprnorcm  judicarcris  vcl  ne  fiieta  ana  jodieafem; 

K:  ne  superiorem  vel  ejus  facta  judicaveris. 

9)  B:  malum  de  eo  Tel  facüs  ejus:  K:  Tel  de  factis. 
m  BK:  projiciaa. 

11)  B :  abjicis. 

12)  BK:  suni. 

IS)  Ii  :  appdaudes  nec  admittes. 

14)  BK:  sapienter. 

15)  B :  admittes. 

IG)  BK:  frequen». 

17)  B:  fueritis  und  ebenso  im  folgenden  stets  plor.  in  den  Verbeo. 

18)  fehlt  in  BK. 

19)  BK:  quam  fbit  in  piaeoedenle  ex  mijofe  bmn. 


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SCHULZ£;  ZU  aEO0T£|  BUSCH  UND  VEQHE. 


583 


quam  komo  eMaai  ^  sna  plw  aniuhilat,  qaam  pniu  fecit,  et  saepe 
hoc  bomini  Tidetor  «x  nu^ori  Imnine  gratiae  aeqnisito qni 
aalins  mala  soa  cognoadt  et  ae  ipaiim  at  dafaetns  aaoa.  Et 
«aica  reaponaioiM  potflat  omaia  ialia  tentatio  «telndi  dioando: 
^BonuBey  animam  meam  '  et  na  ipanm  tibi  obtoli  et  meia  *  a 
anparionbiiB»  et  mamat  ipanm  abnegavi  propiar  ta;  et  boc  aat 
Buqqa  omnibiia  alüa,  qnae  in  mundo  potai  &aara  Nam  me 
atabiUfif  in  mnndo  loTiter  cadare  potni»  bie  aogor  peiaeveraatiae  ^ 
«t  snm  de  omnibna  mmidi  padonlia  aaenroa^ 

St  aogitaa^  qaod  aaape  bomo  plua  maratnr,  quim*  aat  inio 
minoii  farroro,  quam  qnum  est  in  majori  ^   At  contra  aat 
pnnctua  marendly  qnmn  qoando  Dona  deialinquit  hominem  et 
retrahit  mamim  aoamt  at  bomo  manet  Tel  oonfidena  in  Domino 
Tal  aeipanm  ipsum  et  omnem  salatem  soam  Deo  libere  offerena, 
mnltom  meretur     eciens  qnod  infinita  bonitas  ejus  eum  in  finem  u 
non  derelinquet.    Et  ex  omni  tali  et  consimili  tontatione  homo 
talis  sentiot  Tir  taliile  lurrnni  et  proventum        Et  accedens  ad 
«erTitatem  Dei  pniG])ara  ammam  tuam     ii<\  tentationem,  et  in 
nnllo  te  Irangat  vel  moveat,  nt  recedas  a  religione.    Si  m^ores 
tentationes,  quas  parTns     ignorasti,  sentias  confide  ,  quia  dulcis  so 
DominuH  propter  profectum  taum  eas  tibi  diiigit,  et  gaudeas,  quia 
digniis  es  pati  pro  Christo. 

Nec  te  moveut  qualiscunque  sit  ista "  tentatio,  sive  in  fide, 
öive  in  ariditate  mentis,  sive  in  infirmitat©  corporis,  sive  in  in- 
eptitudine,  accidia  Lebetüdine,  et  sie  de  aiiis  lu  omnibus 
ait  Deu8  fortitudo,  virtus,  refngiom  in  toid^^  tnbuiatiombuä,  et 


1)  BK.  :  orimia. 
9^  B:  aequisitae. 
3)  6K:  omnia  mea. 
4/  B   meis  fehlt. 
5}  BK:  peneverare. 

6)  B:  eot 

7)  BR:  oogltetis. 
SS  BK :  qaando. 

91  B:  majori  fer\ore. 
10)  BK:  et  tuuc  e^t. 
11]  BK:  multiim  meretnr  ftUt. 

12)  BK:  Nam  beato»  Tir,  qni  Buifert  tentationem  et  aeeedeas  ad 

timorem. 

13)  BK:  cor  tuum.  * 

14)  BK:  et  Ideo. 

15)  BK:  prios. 

16)  B:  tcmt  illa:  K:  illa  tempt. 

17)  liK:  infinnitatibUi. 

18)  B:  acedia. 

19)  et  sie  de  aliia  feUt  in  BK. 
90)  ftblt  in  BK. 

XMadu.  f.  K.-a.  XI,  4.  ^ 


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584 


tniis  snperior.  Nam  dfiiglt  DenSt  eorripit,  «t  fot%» 
pngilea  vqU  Dens  agonism  et  exereere,  nt  foitioTas  ^  red- 

Item,  HOB  te  noyeat,  ei  Tiderie  atiqnoe  moDeeboe  mimie  di» 
ecretoB,  alioe  ingratoe'  et  indoctoe,  aliee  rendeeee  ia  bouie  ei 

5  erdore,  elios  tentatos  spiritaaliter,  alioe  camaliter  \  aliee  qvilnie* 
crnnque  modie  Titiie  *  obnoxios.  Claude  oculos,  in  qnaatom  potes, 
ad  aliomm  facta  perscmtanda,  quia  difAoile  est  yalde  et  quaai  ^ 
inpossibile  inquisitori  ^  Status  aliorom  et  £wta '  alionm 
Bon  judioare  K    £t  in  jndieando  alioe  macrnnm  et  penculam. 

10  Nam  lefiseime,  ut  ait  Seaeca,  malnm  qais  de  alioqoo  ^  enepi* 
eator,  et  saepe  tales  snspieatioDes  *^  falsae  sunt,  et  semper,  eire 
verao  sive  falsae  sint,  diminunnt  affectnm  sive  "  caritatem,  qaiA^* 
liomo  habet  ad  proximum,  et  hoc  est  magnnm  detrimentom.  Nam 
exp^'flit  et  pacne  nf'cossnrium  est  monarhn,  nt  omne.^  dilig^t .  et. 

15  ideo  (tniDia  in  mclins  debet  interpretari  Et  ^^i  m  hac  iDt^r- 
pretatione  fallitnr aestimaDB  bonum ,  qiii  non  est  brtnn?,  et 
factum  bonum  qnod  non  est  bonum,  io  hoc  Caritas  augmeutator 
et  profoctio  ^*  raritatis  non  subtrahitnr  debitae  homini.  Nam  in 
contingentiuin  talium  veritate  falli  saepissime  est  utile,  ut  declarat 

jo  beatus  Augustinus  in  libro      , EDcbiridion Si  ergo  videris 
talia  facta,  quae  ad  bonum  trahi  possunt,  semper  trabe  ea  omnia 
Tiolento     tractu,  et  saepe  si  ad  bonnm  trabere  non  scis,  cogita 
quam     multa  bona  te  lateant,  et  quam  saepe  in  judicio  deceptns 
fuiöti,  et  quam  ignorans  sis,  et  conclnde  crebro  et  freqnenter» 

^  quam  multa  sunt  bona  coram  Deo  et  in  meute  hominis,  quae 
tibi  mala  apparent;  et  excusa  intentionem  agentis,  si  factum 


1)  BK:  probatioree. 

2)  BK:  iguaros. 

3)  alioB  carn.  fehlt  in  B. 

4^  BK:  quilniadaiD  vitii«  obn. 

5)  B:  imposs.  quasi;  K:  qaan  impost. 

h)  K:  loqnisitioDi. 

7)  BK:  factornm. 

8)  BK:  judioare  alios. 

9)  BK:  de  allo. 

10)  BK:  suspicatioiiei, 
11}  BK:  et. 
12)  BK:  quam. 
W,  BK:  ftUatar. 

14)  B:  perfectione:  K:  peifbetioni. 
Ib)  K:  libro  fehlt 
16^  B:  Tides. 

17)  B:  trahe  in  violento;  K:  trabe  etiam  violento. 

18  B:  quod. 
19)  B:  quod. 


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SCHULZE,  ZU  OBOOT£,  BUSCH  UND  VEGBE. 


586 


eicnsare  nun  potes  ^ ,  vel  eicogita  *  ^atiam  '  absenlem,  vel  hoc 
non  sibi  douatam  a  Domino,  et  tentationem  potius  esse  inimici 
quam  factnm  fratris,  et  crede  qaod  pejus  tu  facieä  ^  bi  talis  ten- 
tatio  in  te  rueret  ^  Tel  nisi  Deus  te  defenderet  sua  gratia,  et 
quod  judiciura  Dei  sit  al^yssus  multa.  fr 

Et  cogiU  qualiter  leviter  cadere  possii  in  brevi  iiora  et 
in  iütiniU  si  te  Deus  derelinquet  et  (juoJ  homines  sanctissimi 
descenderant  in  profundam  viciorum  ^,  et  pessimi  saepe  iid  ce- 
lum  ueeDdernnt.  Dens  enim  novit  et  omnia  mala  poenalia 
et  bons  dirtribnere,  secimduiii  qaod  unicoiqae  necessarium  lo 
re!  otile  fiiit  ^\  et  pemiitfcira  In  mnltls  vitit  divenie  ^  ex  causis 
ad  ntflitatem  timen  habentinm  Tel  alionun.  Nam  Deoe  suETiter 
et  finrtiter  sua  boottato  onmia  digponit;  nee  «et  malom  peeoae» 
secimdiioi  prophetam»  qned  non  freit  Bens  imo  dieo  ^»  prent 
semtiOy  qeed  bod  est  malim  nee  peenae  nee  enlpae,  qaod  in  i9 
polctaritaduiem  et  plenitadinem  monasterii  tu  saoeti  non  re- 
4imdat^.  Bio  «go  alias  adverti  de  qnibns  aimili  monaeho^^ 
per  qnamdam  exanunationem  neam,  di?enas  tentatiene«,  et  ndhi 
TtBom  foit,  qaod  omnea  tales  faemnt  ntües  eidem  menaeho^, 
imo  et  qnaedam  haeratiea  infectio  atilitati  ejoadem  mihi  Tide- so 
bator  deserrire.  Item  confido'^  quod  introitos  religionia  com 
▼olontate  peraeverandi  et  mntandi  *^  est  quasi  socnndas  baptis- 
mas,  secundum  beatum  BernhaFdum,  in  libro  de  praecepto^  et 
dispensationei  et  alios  doctores,  nt  in  coUationibns  Pairum. 

£t  eifo  oonfide,  qaod  tibi  remittantor  tarn  qnoad  culpamM 


1^  K:  pofteris. 

3j  K:  cogita. 

8)  BK:  gratiam  Dei. 

4)  BK:  qaod  pejus  fiuseres. 

5)  BK:  d  talis  in  te  teatatio  dJaboli. 

6)  B:  possrs 

7^  BK:  iiiHiiita  mala. 
8}  BK:  dercüuqucret. 
9^  BK:  malomm. 

10)  B:  saepe  aaeendenint;  K:  aaqpe  in  coelom. 

11)  BK:  caiquam. 

12)  BK:  fuent 

18)  BK:  divena  diTenit. 

14)  BK:  fecit 

15)  K:  Dominus. 

16)  BK:  dici  tibi. 

17^  B:  iu  pico,  et  pulchr. 
18)  B:  rednndet 
19^,  BK:  monaBteiio. 
20S  BK:  confide. 
21^  BK:  mat.  vitam. 
22;  B:  praeceptione» 

88* 


586 


AMALEKT£K. 


quam  qaoad  poenun  penitns  omnia  peceaU.  Et  ergo  aic  ^ 
natu  denuo  et  de  noTO  numdatos  et  baptintoa*  in  spixita, 
enstodi  to  deiseeps  fort!  eutodia,  et  aflaone  haUtma  eom  de> 
Totlone  et  eonAMsione  piaeeedente  et  oiatioiiibiM.  Bt  in  pnneto 
Testimentoniiii  indaendonun  offene  '  te  in  mente  taa  toto  desl- 
derio  Domino  Deo  tno;  et  rerigna  U  ipenm  menteteniu  Deo  et 
auperiori;  et  trade  te  in  beneplaettom  altiadni  et  in  tfas  dis- 
poflitionee  et  qoidqaid  de  te  pennieeiit,  wtn  temptationem  aife 
mortem  ^  irire  Titam»  aire  dolom  eapitia,  aiTe  infirantatea,  die- 

lopone  libenter  pati  propter  ipenm,  qnid  non  annt  oondigne  pae- 
aiones  hicdna  secnli  ad  fotoram  gloriam. 

Item  conclude  tibi^  quod  diabolnm  yidati  Bei  a4intoirio,  qnod 
magnnm  profectum  in  primo  anno  feeiati»  quantomcanqne  inntilis 
fa&aSf  ai  peraeTeraTeria  ^  post  primüm  annum  profitendo;  oecte ' 

le  magnam  reputes  ^  te  contra  inimicnm  Tictoriam  obtinniaae»  qnam 
tarnen  soUos  Dei  a4jatorio  et  non  tibi  adscribaa. 

Item  si  in  ordine  perseverare  te  contingat,  nonquam  ad  ali- 
qnam  dignitatem  anheles  Tel  sliqnod  ofßcinm  nm  cogaris  ex 
ordine  et  tnnc  obedias;  noc  pcrtinaciter  resistas,  nee  de  rebus 

10  et  consiliis conventus  to  intromittas ,  nec  confera»  non*'*  fO» 
catos  et  ju^sns  et  quasi  ex  obedienüa  Amen. 
Haec  omnia  ex^  Gerardi  groot. 


Das  JoluwMt  Bwoh  Miher  maibmkmmaMm  SoMflem. 

Auf  das  Wirken  des  in  der  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  Ton 
Windsheim  acsgegaugeuen  emQufsreichen  und  bedeutendeD  Kloster- 
reformators  J^haunes  Busch,  Augustinerpropste«  an  Hiidesheim, 
aind  durch  die  Jforschungen  K.  Grube's  sowohl  in  seiner  acfaitz- 


1^  BK:  aicut. 

9i  B:  rebapt. ;  in  K  ▼on  fremder  Hand  hinzugefügt. 

31  B:  offerea. 
4)  BK:  depositionem. 


6)  BK:  persereres. 

7)  BK:  et  eerte. 

8^  K:  reputas.  • 

9 1  K  •  concilüi, 
lü)  BK:  aisi. 

11)  Hiennil  aeUielit  K;  B  bat  noeh  Deo  gratiai.  Ol»  pie  me, 


n. 


ftatof« 


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SCHULZE,  ZU  OROOTB,  BUSCH  UND  VEOHE. 


587 


baren  Biographie  (Freiborg  im  Breisgau  1861),  wie  in  der 
neuen  Ausgabe  seiner  drei  geschichtlichen  Werke  „de  viria  il- 
lastribiis",  „Uber  do  origine  devotionis  moderaae"  (beide  zn- 
sammen  das  Chronicoii  Windeshemense)  und  „Uber  do  refor- 
mntii'ne  moiiasten(triim (im  Auftrng-o  der  historisclien  Kommission 
der  Provinz  Sachsen,  Halle  1S86)  mehrfacli  die  Blicke  gelenkt 
worden.  In  der  Einleitung  zu  dieser  neuen  Bearbeitung  der  wich- 
tigsten Schriften  giebt  Grube  auch  eine  Lebensskizze  desselben. 
Er  ist  gelioren  in  der  Iptzteu  Hälfte  des  Jalires  1399  zu  Zwolle, 
in  Oberyssel,  war  daselbst  Scliüier  des  hokaiuiteD  christlichen 
Humanisten  Joh.  Cele;  im  nclitzohnten  Jahre  trat  er  dann  ins 
Kloster  Windesheim  und  ward  am  6.  Januar  1419  eingekleidet; 
1424  errichtete  er  das  Kloster  Bödingen  in  der  ErzdiOcese  Küln 
nud  ward  zum  Priester  daselbst  geweiht.  Ende  1428  ins  Mutter- 
haub  zurückgerufen,  ward  er,  naclidem  er  noch  iiü,cü  LuJen- 
kerken  in  Friesland,  uucii  Beverwijk  m  Holland,  nach  Brouopia 
bei  Kampen,  nach  Wittenburg  bei  Uildesheim  geschickt  war, 
1440  zom  Prior  in  der  Suite  bei  Uildesheim  eingesetzt,  Nnn 
begann  atfaie  weitgreifende  KlorteizeformationswirkMiBkeit.  Im 
Jahre  X417  wurde  er  mm  Propst  des  Klosters  Nenwerk  bei 
Halle  gewftUt  Nachdem  er  hier  1464  infolge  eines  Konfliktes 
mit  dem  Enbischof  von  Magdeburg  resigniert  hatte,  nnd  kiine 
Zeit  in  Wittenberg  Terweilt,  begab  er 'sich  als  simplex  frater 
nach  Windsheim  snrflck.  1459  wieder  nach  Snlte  bemfen, 
weilte  er  dort  bis  1479,  nnd  nachdem  er  daselbst  wegen  Alters- 
schwidie  lesignisrt,  starb  er  bald  nach  1480. 

Seine  genannten  Geschichtswerke  haben  ihm  einen  hervor- 
ragenden Namen  gemacht  Von  seinen  sonstigen  Schriften  er* 
wähnt  Gmbe  weder  in  der  SUzse  noch  in  seiner  Biographie 
etwas.  Anch  Acquoy  in  swnem  bekannten,  anf  gründlichster 
Forschung  ruhenden  Werke:  het  Klooster  te  Windesheim  en 
zijn  invloed  (Utrecht  1875 — 1880),  welcher  auch  diesem  be- 
rfihmten  Windsheimer  grofse  Auänerksamkeit  widmet  ^  kenut  die 
kleineren  Schriften  Bosch's  nicht»  £r  sagt  vielmehr  1,  324: 
Behalye  bet  „Cbronicon  Windeshemense"  en  de  „Betormatio 
monasteriomm "  heeft  Busch  eenige  geschriften  van  kleiner 
cmvang  uitgegeven,  die  wellicht  hier  of  daar  nog  bestaan, 
maar  nns  tot  dußverre  slechts  hy  name  bekend  zdjn.  Wanrschijn- 
lijk  zal  men  in  Duit.sciiland  meer  kans  hebben  zo  ievim  te 
Tinden,  dau  bij  ons ,  want  onze  bibliugrapheu ,  zooals  Sandeniß, 
Valerius  Andreae,  Foppeus  en  anderen,  spreken  er  niet  van, 
waarnit  men  mag  opmakcn ,  dat  zij  in  de  Kloosterbibliotheken 
der  Zuidelijke  Nederlauden  niet  plächten  voor  te  komen.  In- 

1)  Bd.  I,  S.  S89ff: 


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588 


AKALEKTEN. 


tusscher  hadden  Foppens,  l'aijunt  en  Saxe  ze  kunnen  kennen. 
Immers  zij  schreven  hunne  wirken  ua  de  aitgave  van  de  „Ke- 
formaüo  monasterionim"  door  Leibnitz,  en  het  is  in  dit  gescbrift, 
dat  Busch  zelf  ze  heeft  opgenoemd.  Wij  zullen  er  te  tiiels 
van  doen  afdnickken.  Dit  is  het  eenige,  wa.t  wij  Toorshands 
kunnen  verrirliten,  om  ze  aandenke  zoowel  op  hunnen  in  boud 
als  op  hiin  be^taan  de  vestiu^eu.  Möge  het  bij  ^^elukkig  ^amen- 
trefTen  aanleiding  geven  tos  hunue  herkenniog  als  werken  vüa 
Johan  Busch! 

Jene  Stelle,  welche  Acqnoy  ans  Busch's  reformatio  im  Auge 
hat,  ist  in  der  Ausgabe  Ton  Grabe  p.  396:  Dort  spricht  Bosch 
Ton  seinen  Yersnchnngen  inbetreff  somes  Iniholischen  GUnbens 
and  flchliefti  mit  den  Worten:  qaoniodo  antem  lade  flil  liberatiis, 
eentinet  epietola,  qoam  ecripd  ad  qnendam  fratrem  Bemardnm 
ordinis  eanoti  Benedict!  in  Brffordia.  Sodann  enrttint  fineeh 
anf  der  folgenden  Seite  (p.  397) ,  dab  er  aeit  Jenw  Zeit  ange- 
fitngen  habe:  deo  TaearOt  deum  oogooeoere,  frni  et  intelligere 
denn,  nnd  fiübrt  dann  fort:  Et  qnomodo  ad  hoc  perveni,  in 
qolbnedam  eeripei  sermonibiu  de  Chriati  natiTitate  et  aoper  oTan- 
gelio  in  die  epjphanie,  et  in  eennone  de  passione  domini  et  in 
dnobna  sermonibiis  de  aancto  apiiitn  eatia  notabfliboa»  qnonint 
effectum  (andere  Lesart:  qooeque  eonftetoe)  aeripei  ante  eaeer* 
dotium»  aed  presbjter  fadtoa  in  meliorem  formam  eos  redflgi. 

Es  werden  also  hier  von  Boeoh  selbst  an  der  Zelt,  da  er 
dieses  Bneh  »»de  reformatione  monasterionim"  sehrieb«  also  s«i> 
sehen  1470  nnd  1475  aufser  dem  inerat  genannten  Brief  noch 
mehrere  sermones  namhaft  gemacht.  —  Wenn  dann  Ton  Aeqnoy 
nach  seinen  Yorgftngern  erwShnt  werden:  bona  remedia  ex  oeide 
eoncepta  aut  ex  scriptnris  sanetis  elucubrata»  so  besieht  sieh 
dies  anf  das  an  der  genannten  Stelle  etwaa  spftter  erwfthnte 
partum  libellom,  in  welehes  er  solche  dicta  sammelte,  ot  ea  ad 
manum  haberem.  Es  war  also  dies  sein  rapuarium,  welches  alle 
Klosterbrüder  zu  Windsheim  sich  ansnlegen  pflegten. 

Dem  Schreiber  dieses  ist  es  nun  geglückt,  was  Acqnoj  ge« 
wfloscht,  diese  genannten  kleinen  Traktate  von  Busch  au^uflnden. 
Sie  stehen  in  der  oben  S.  579  erwähnten  Berliner  Handschrift 
Hsc.  lat.  355.  Sie  stammt,  wie  bemerkt,  aus  dem  Kloster  der 
Angastinercborherren  sn  Uamersleben  bei  Ualberstadt,  welches, 
wie  wir  uns  erinnern,  1452  Ton  Bosch  visitiert  und  1456 
in  die  Windsheimer  Kongregation  einverleibt  wurde.  Aus  dieser 
engen  Beziehung  zu  Windsheim  stammen  denn  die  mancherlei 
Schriften,  welche  sich  auf  dieses  Kloster  beziehen,  namentlich 
auch  die  Kenntnis  der  Schriften  Busch's  und  die  Abschriften 
derselben.  Über  die  in  demsolbon  Codex  befindliche  Abschrift 
Ton  Buschas  Schrift  de  orig.  devot  moderaae  haben  wir  an 


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SCHULZE,  ZU  OROOTE,  BUSCH  UND  VEOHK. 


589 


«inem  anderen  Orte  gebändelt';  und  oben  8«  577 ff.  thm 
Gerhard  Groote's  Traktat  de  infoimatione  no?iciorum.  Im  An« 
scbluls  an  diese  findmi  wir  denn  aach  Busdi's  Schriften.  Der 
€odex,  klein  Qoari,  von  verschiedenen  Händen  gOBohneben ,  ent- 
hält Abschriften,  welche  nach  den  Bandbemerkungen  und  Unter- 
«chiiften  zwischen  1478  bis  1484  geschrieben  sind.  Leider  ist 
die  Handschrift  nicht  Qn?erletzt.  In  dem  ersten  Stdok,  ?on 
Buschas  Schrift  „de  origine  devotionis  modemae",  fehlen  mehrere 
Blätter.  Und  so  auch  von  der  ersten  hierher  gehörigen  Schrift 
Bnsch*ä.  Wir  besprechen  im  Nachfolgendea  diese  Schriften^  und 
Hieben  ihren  Hauptinhalt  iu  Kürze  an. 

I)  8.  77  der  Handschrift  handelt  die  Schrift,  von  deren  An- 
fang vielleicht  nur  ein  Blatt  fehlt,  über  Hnsch's  Versnchnni^en. 
Wir  haben  also  seinen  von  ihm  erwähnten  Briet  :ul  tratieai 
Bernardum  urdmis  s.  Benedicti  m  Erfordia.  Die  Grundi^edmiken, 
Äoweit  sie  der  anfangblose  Text  oritennen  läTst,  sind  folgende. 

Baach  hat  sich  für  seine  Versuchungen  de  fide  catholica 
auch  anf  Gerhard  Groot  beruteu ,  der  gesagt:  die  iin  (fhiuben 
schwanken,  müssen  glauben  wie  die  Einfaltigen,  and  wie  die 
▼illani  in  villa,  und  es  genügt  zum  Heil.  Getroffen  von  diesem 
Worte  antwortete  ich:  wenn  der  Glaube  allein  genügt,  weshalb 
quäle  ich  mich  mit  allen  Werken  Gottes,  die  meine  von  ihm 
erschaffene  Vernunft  übersteigen,  nnd  welche  sie  doch  zu  er- 
forschen hatv  Mit  den  übrigen  nnd  wie  sie  zu  glauben,  be- 
friedigt mich  nicht.  —  Etwas  Trust  bracbte  mir  diese  Erzählung. 
Aber  die  Versuchungen  im  Glaulien  konnte  sie  nicht  vullig  neh- 
men. Meine  wie  auf  schlüptrigem  Boden  oder  wie  auf  ti^ 
gehenden  Gedanken  vermochten  nicht  den  Glauben  zu  befestigeo, 
sumal  andere  das  Gegenteil  sagten.  Dann  fährt  er  fort:  Als 
wahrer  Chriat  glaabe  ich  alles,  was  Yon  Gott  und  Christo,  vom 
Uneiditbaren,  toh  fiimuMl  und  Hölle,  Ton  Engeln  und  D&monen 
die  Kirche  gUnbt,  nnd  diee  genflgt  snm  HeU.  Zwar  kämpft 
raciocinatio  qnaedam  aetema  intra  me  dagegen,  und  idi  habe, 
eoTiel  ich  konnte,  dagegen  angekämpft,  aber  Ton  der  Yerniinft 
überwftltigt,  habe  ich  ea  nicht  vennocht  Ich  wagte  meine 
Ohmbenaversnchnngen  nicht  an  offenbaren,  aoa  Fracht,  dab  man 
mich  nicht  für  einen  goten  Christen  halten  wfirde.  üm  dieae  Ter- 
anchnngen  an  beseitigett,  wnrde  das  Lesen  der  heiligen  Schriften  nach 
onaerer  Klosteiregel  täglich  geordnet;  beeondera  das  der  Bflcher 
Moees  nnd  der  Propheten.  Daraue  lernte  ich,  daJh  Gott  Mensch 
ward,  geboren  wnrde,  unter  Menschen  wandeln,  leiden,  anf« 
erstehen,  gen  Himmel  Cüiren  nnd  den  nenen  Bnnd  machen  werde. 

Der  Stola  nnaerer  Yemunfterkenntnie  wird  durch  den  Glau- 
ben flberwnnden,  dafa  Gott  ein  Tcrborgener  Gott  ist  nnd  den 

1;  Zu  vergleichen  Göttinger  Gel  Anzeigen  1088. 


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690 


ANALSKTEV. 


Klugen  und  Weisen  ea  verborgen  hat.  Moses  schreibt  Ton  dem 
Propheten,  der  da  kommen  soll;  ebenso  die  anderen,  welche  Busch 
dann  rait  ihren  Weissagungen  aufzählt  und  nnführt.  Moses  uiid 
die  Propheten  sind  geetorben,  aber  ihre  Schriften  mit  ihren 
Weissagungen  sind  geblieben.  Und  da  dies  alles  erfüllt  ist,  habe 
ich  geglaubt  und  glaube,  dafs  alles,  was  sie  fagen,  erfüllt  wer- 
den soll,  und  dafs  sie  es  gesagt  haben,  intpineit  Vdm  heiligen 
Geist,  in  welchem  kein  Falsch  ist  Verum  ergo  tidci  ca- 
tbolicae  fundamentum  ore  prophetarum  a  parte  praedictum  hoc 
modo  in  corde  meo  stabilius.  Sed  qnod  Jhesns  Christus,  d» 
quo  evangelistao  et  apostoli  scripserunt,  hic  ille  esset,  de  quo 
prophetae  praedixemnt,  nondum  comprehenderam  licet,  cum  aliis 
id  ecclesiae  dicebam.  In  quo  certamino  animo  meo  adhnc 
aniie  fluctuanti  et  lequiem  perfectam  nouduui  apprehendenti,  d& 
seriptarae  di?inis  promissis  cottidie  postulabam  consolacionem 
•z  integro  in  fide  me  sperans  solidari  sicut  jam  de  plorilms 
eertiw  M  ftetns.  Dua  l«s  ich  dorn  aaeh  die  Lebon»-  imd 
LeideDSgesehiohien  der  Heiligen  und  USitjnv  inr  Brholnnip»  wo- 
diireli  ftHmihUeli  die  Finstenüs  des  CMates  Aber  die  MeBseli- 
werdnng  Chrieti  schwand  nnd  das  gOtHichs  Licht  aufging.  Daza 
kamen  dann  die  Lehrer  der  Kirche:  AngnstniQSy  Gregor,  Leo, 
Haximits,  fiemard,  deren  Schriften  mür  die  Zweiftl  nahmen.  &• 
wichen  sie  allmSblich  ans  meinem  Henen.  Zum  Tollen  kaftho- 
fischen  01aaben  durchgedrungen  bin  ich  nur  durch  die  Gnade 
Gottes*  —  Dann  ging  ich  sum  Sapprior  Arnold  Kalkar  \  und 
bekasDte  ihm  meinen  Glauben  und  ward  dm»h  ihn  getrOstet. 

Diesen  Brief  schrieb  Busch,  wie  er  am  Schlnfs  sagt,  mr 
GlaubensstärkuDg  fflr  Bruder  Bernhard  und  andere.  Der  Genannte 
ist  sonst  nicht  bekannt  Wir  haben  in  diesem  Brief  nach  dem 
Mitgeteilten  eine  Erweiterung  des  Berichtes  in  cap.  II  de  refor- 
matione  monast. 

II.  Von  S.  79^  an  folgt  epistola  venerabilis  prioris  Johannis 
Busch  ad  qnendam  canonicum  regulärem  in  wyndesem  üratrem 
Wilhelmum  aibi  specialiter  dilectum. 


1)  Über  ihn  besonders  Chrouicon  de  vir.  ill.  cap  XXIIsq.  bes. 
cn]>.  XXI V\  Er  «^tnmmte  aus  Kalkar,  war  nuf  der  Srhiile  ra  De- 
veiiter  mit  den  Brüdern  vom  gem.  Leben  bekannt  geworden,  fühlte 
sieh  dnroh  sie  angezogen  und  wozde  TOn  iloiens  Badewiiisaoon  nach 
Windsheim  gesandt,  mn  das  Kloaterleben  der  dortigen  regulierten 
Kanoniker  kenneu  zu  lernen.  Hier  trat  rr  ]:v.^'2  ein,  ward  bald  zum 
Snpprior  gewählt  und  blieb  in  dieser  Stclluiif;  85  .Jahre  AW^en 
seiner  Gabe  als  Seelsorger  hatte  er  bei  alicu  ueu  euttreteudeu  Ürü- 
dfom  das  grSfate  Vertmuen.  Sao  offimbarten  ihm  ihren  Sedeniostaiid, 
um  von  ihm  getröstet  £U  werden.  Job.  Buscb  scheint  ihm  viel  ver- 
dankt zu  haben,  daher  er  seiner  in  dem  chron.  Windethem.  ao 
eingehend  gedenkt. 


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SCHULZE,  ZU  OROOT%  BÜSCH  UND  TEGHB. 


691 


Di€sor  Bruder  Wilhelm  s^tfiot  der  im  Jahre  1434  isfeellttte 
frater  Tricns  (Dirk,  Theodehcus)  Ton  Deventer  sn  sein,  mit  wel- 
okem  Bosch  einmal  eine  Sendung  nach  Zu^ben  gehebt  hat  (de 
refbnn.  mon.  cap.  III,  p.  700).  Sonst  mt  TOn  ibm  nichts  be- 
kannt. Der  hier  aufbewahrte  Brief  handelt  Ton  der  GröüBe  und 
Güte  Gottes,  damit  der  EmpHLnger  fflr  den  Wandel  auf  dem 
Wege  Qoitee  wisse»  qaod  Dens  est  ubiqne^  non  habens  prin- 
e^nm  nee  finem  et  omtii  sibi  snnt  prsesentiSy  cm  nil  praeterit, 
nihil  noTi  accidit,  non  obliviscitur  d^juscnrnque  rei,  cnm  sit 
immutabilis  vitae  plenus  et  perfectae  posseasor  et  cujus  Status 
omnium  bonorum  a^gregatione  perfectus.  —  Nemo  nisi  mundus 
cnrde  potest  eum  viderc,  arnnrc  et  ro^noscere.  Dnhcr  schliefslich 
die  Mahnun?,  zuzunehmen  m  der  Erkenntnis  Gottes  und  zugleich 
in  der  Reinheit  des  Herzens ,  zu  öffnen  ilerz  und  Auge:  Gott 
liebt  die  reines  Herzens  sind;  nur  so  dürien  sio  ihm  nahen. 

ITI.  S.  81^  folgt  epiütola  venerabilis  prioris  ci^us  snpra  ad 
priorem  Augustinensium  Magdeburg,  de  diversis  eierciciis. 

Busch  war  auf  seinen  Visitationsrei>en  von  1441  an  in 
Merdeburg"  ?tetr?  Gast  bei  den  Augustinereromiten ,  welche  allein 
die  liptorni  imiren  numen  hatten.  Auf  Bitten  ihres  Priors,  dessen 
Name  nicht  ^^enannt  ist,  will  Busch  summatim  aliqua  eiercicia 
describere.  Es  sind  besonders  Übungen  der  Meditation.  Ad 
cognitionem  Dei  pervenitnr  per  creaturas,  per  scnpturas,  per 
Christi  incarnationem  et  per  divinam  inspirationem.  Von  der 
Kreatur  kommen  wir  denkeud  zum  Schöpfer.  Alles  in  ihr  ruft 
nns  zu:  er  hat  uuö  gemacht  und  nicht  wir  selbst.  Aus  der 
Gröfse  und  Vielheit  kann  der  Schöpfer  erkannt  und  der  erkannte 
geliebt  werden.  Dann  bespricht  er  die  anderen  Wege,  und 
schliefst:  Hute  breviter  prioritati  Yestrae  pr^i  tiliis  vestris  signi- 
fica^i,  quod  perfectiori  cogniticni  ipso  mtu:>  eii*erientia  frequenti 
edoctus  sensistis  et  sapuistis.  Kam  in  tot  annis  in  reformatione 
Tiiistis,  in  quibus  ad  ista  et  mnlta  majora  perrenire  potuistis,  si 
tarnen  Deom  in  corde  vestro  sednio  quaerere  et  invenire  laborsstis 
quod  de  taate  patre  dnbitare  ratio  non  pennittit. 

rf.  8.  88*  bis  88^  folgt  serme  de  saaeto  spirita,  Im  An« 
sehhil^  an  die  Worte  „ich  bin  gekommen  ein  Fever  ansuanden'*. 
Er  handelt  vom  heiligen  Geist  als  dritter  Person  in  der  QotU 
heit,  seinem  Yerhiltnis  mm  Vater  tmd  Sohn»  seiner  Qotthelt; 
dann  Uber  sein  Wirken  (erlevehten»  heiligen).  Bemerkanswert 
ist,  daJk  er  stets  den  Ausdnck  apoetases  gebianeht  nnd  anch 
hinzofBgt:  graeci  deeont  ^KMtases  id  est  snbeistenclae. 

Dann  leitet  er  den  sweiten  T^ü  so  ein:  attolamns  pammper 
OMntis  nostrae  ocnlos  in  Spiritus  Saneti  creatoris  noetri  oparap 
tiones»  qiias  in  sanctis  operatns  sit  apostoUs,  wobei  er  dann  mit 
der  Qffenbamng  am  Pfingstfest  b^^innt  und  Ton  den  rieben 


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592 


ANALEKTSN. 


Gabeü  des  Geisten  bpncht:  nunc  pustremo  de  d  uis,  qnae  oepttjin 
esse  describuntur,  parumj^r  oonTertamufii  im  Anscklnüs  an  die 
Fropheten&telle. 

V.  Seite  Sd'^  sermo  de  venerabüi  sacrainento.  In  dieser 
Speiae  hat  Gottes  l^cirmiierziL^keit  ein  Gedächtnis  boiner  unaus- 
ßprechiicbüu  uüd  uueifurschlichen  Wunder  durch  d;e  Traiiaatib- 
stantiation  gestiftet.  Wir  beben  nur  folgende  SäUe  iiui:  figura 
corporis  Christi  non  respondet  ügurae  specierum,  ut  patet  ad 
sensum.  Idee  non  est  sub  speciebus  Ulis  circumscriptive ,  nec 
in  eis  sicni  in  loco  proprie  loqnendo.  Corpus  Christi  est  Se- 
eon dnm  TeTitatem  snb  speelebiiBy  non  moiono  sni,  quum  neqn« 
ntiene  qualititia  ante  neqve  ralione  ntnt  eet  ntionie  ülins,  qood 
in  ij^nm  eet  eonTorenm  ibi  pfaeexietene,  eigu  dimeoaionee  adlme 
ibi  manent.  Corpua  Chrieti  eet  in  eaonunento  enm  qnaUtale 
proiirlai  non  tarnen  eet  ibi  mediante  eoa  qnalitate. 

TL  Dann  reibt  aieh:  de  eelebratione  nueaae.  Baach  sagt: 
aaoerdoe  eciat  eonaeieneiam  optüae  piaepamre,  saoraioentam  Tohe- 
flienter  deeiderare;  stet  eiectae,  non  jaeena  in  altere  n.  s.  w. 

yn.  oratio  derota  poet  coaunonionem  prioris  Job.  Bnaeb  ad 
]>OBiinam  snspirantis. 

YIU.  Sermo  de  natifitate  Domini  TenerabiUs  prioiis  Job. 
Bosch  regnlaris. 

Er  knfipft  in  dieser  Bede,  wie  er  dies  auch  de  reform.  mon. 
cap.  II,  p.  397  sagt,  an  die  Stelle  puer  natus  est  nobis  an;  und 
legt  dann  dar:  pner  iste  rex  xegun  Mt  et  dominus  dominantiaai, 
cieator  angelomm  n.  s.  w.  De  corde  patris  descendit  in  viscera 
matris  —  portans  nobis  pacem  reconciliandi  per  ipsnm  Deo  patri, 
nt  ?eram  paci?m  liabeamus.  Est  mihi  verbum  ad  te,  o  rox  seculorum. 
Volitat  ante  mentis  meae  oculos  aliquid  ineifubile  tuae  bonitaüs 
et  dilectionis:  aperi  oculos  ut  videam  et  inteliigam,  quod  sibi 
▼elit  admirabilis  haec  visio.  —  Jacebam  ego  mortuus  m  tenebris 
peccatorum.  —  0  bone  Jesu,  ubi  ems  panlo  ante?  Sedebaa 
super  sedem  sanctani  Deitatis  tuae  m  ihr  »no  L'loriao  regni  tui. 
Deus  bomo  fautus  est,  ut  homo  per  adoptionem  iuerit  deus.  0 
gloriosa  unio.  Quantum  est  nnnm  esse  cum  Deo,  tamquam 
sponsam  cum  sponso,  amatam  mm  amato,  öiium  cum  patre, 
crt)<^tturam  cum  Creatore.  —  Mag  na,  i^ta  dignatiu.  Tu  uoa  :an:i5 
et  vis  amari  a  nobis.  —  0  bone  Jesu,  te  solmu  desidero.  Ki 
nbi  te  invemam?  Ecce  parvulus  jaces  m  pruciepio  —  super 
matris  tuae  brachia  —  cpto  tecum  esse,  tecum  morari  et  con- 
fabulari  —  Clamabant  prophetae  in  epiritu  sancto:  osculetur  me 
oscttlo  orii.  Num  et  ego  ad  tele  osculum  aliqoando  per- 
▼eniamf  —  Nnn  bittet  er  die  Maria,  ibm  daa  Kind  tu  reichen; 
nm  Joaepb'e  Yermittelnng  n.  e.  w.  Dann  Abrt  er  fort:  Pacabo 
ei  manaioaem  in  corde  meo,  et  coqnam  illi  cibos  qaibns  libenter 


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SCHULZE,  ZU  OaOOTE,  BUSCH  UND  VBQHE. 


598 


T«06ititr;  insQper  infitabo  enin  ad  prandinin,  dicens:  mane  me- 
cnm,  pner  dnlcissime.  —  Hic  paer  aeipiun  mihi  i^stendat  ia 
xegno  suo  magBum  et  gloriosum.  — 

Es  reiht  sich  nnmittelbar ,  wie  de  refonn«  monast.  1.  c.  ge* 

aagt  ist,  an  von  S.  95* — 102'': 

IX.  Onielia  ejus  dem  prioris  Johäanis  caDuuici 
reg"ularis  IQ  die  s.  epyphaniae  oin  i  ni  de  loco  s.  e  vaa- 
gclli  Matthaei  (Cap.  2,  1  flf.).  Hier  heifät  es  zu  Anfang: 
Quatuor  mihi  videor  inveiiire  modos,  quibus  iu  animam  consuevit 
advenire  devotam:  1)  cum  aiiima  se  recolligena  modum  investigat, 
qii)  creatorem  suum  vaieat  invenire,  —  constituit  horainem  do- 
minum domua  siiae  hujua  mundi  et  principem  omnis  jxiSbossionis 
suae  totius  crcatura«;  2)  cum  anima  deum  in  curJis  sui  hospicio 
per  cogitationeö  praefataa  reoipere  laburat  —  et  nihil  pro- 
ficit  —  tandem  se  coavertit,  huuiili  et  contrito  spiritu  ad  deum 
recnrrit,  orando  quaerit  miäericurdiam;  3)  cum  anima  orans  et 
pfiallens  attente  punctum  aut  versiculum  in  scripturls  divinis  de 
Toce  cell  melleis  reperit;  4)  cum  anima  cordc  amoroso  ad  Deum 
8e  nititnr  applicare.  Die  erste  und  dritte  Weise  betreffen  den 
intellectuö.  Die  anderen  beide  die  Erfahrnngr  der  Gnade.  Dann 
legt  er  die  ganze  Perikope  moraliter  aas-,  und  endlicli  noch 
tropologice :  z.  h.  die  tro^  luag-i  sunt  tres  animae  puleuUue 
superioreü  memoria,  ratio,  voluntais;  üben^o  werden  alle  einzelnen 
Züge  gedeutet:  z.  B.  die  Reise,  das  Hauä,  der  Stern,  die  Gaben 

U.  8.  W. 

X.  S.  102^  folgt  de  crncifixo  Jesn  et  ejus  yulneri- 
biiB  ealidftm  eanguinem  perflaentibns,  eine  der  to* 
rigeo  ihnliehe  BehaBdliing  der  «htmeii  Schlange. 

XL  Dttiii  bietet  die  Handschrift  swii  Gehet«  imd  ein  mU- 
loqnium  hrere  mentem  ad  cognittonem  Dei  et  amorem  iUmni- 
nandam. 

XU.  S.  108^  steht  epietoU  prioris  Joh.  Clofekortt 
in  Northbern  professi  qüo&dam  prioris  in  riebe- 
bereb  ad  Job.  Busch  priorem  in  Znlta  1478. 

Job.  Clofekom  war  ans  Osnabrfli^,  und  ins  Kloeter  sn 
Frsndeswegen  eingetreten;  morst  Prior  daselhet  nnd  von  1456 
bis  1476  Prior  in  Bichenberg,  und  reformierte  als  solcher  ndt 
Bosch  anft  eifrigste  viele  KlOster;  sulettt  war  er  wieder  in 
Frondeswegen  oder  Kordhom»  in  dessen  N&he  es  lag.  Bane  enge 
Freundschaft  Terband  beide. 

In  diesem  Schreiben  fingt  CloYokom  inbetreff  der  Feier  der 
Messe  und  der  Gotteedienstordnnng;  nnd  zwar  Ist  seine  occu- 
patio folgende :  qoia  in  sacra  missa  celesti  priua  filius  pro  salnte 
viTonim  et  mortnonun  et  pro  qalbnscnmqae  casibns  immolatnr 
et  oifertur:  nbi,  quando  et  qua  parte  canonis  haec  oblatio  flat» 


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694 


AKALSKTm 


Tel  fieri  debeat,  me  fateor  icmorare.  Ante  enim  consecrationem 
videtiir  non  posse  fiori.  Q,nia  si  fieri  debeai  oblac!i'>,  oportet 
qiiod  priiosens  mt  qni  otTGratur,  qui  ut  sie  non  est  in  altari  ante 
consecrationem.  Post  etiam  orationem  dommicam  non  videtur 
convenioTitor  fipri  ex  eo  quod  omnes  orationes  sequentes  diri- 
guntnr  ad  liiium ,  non  ad  patrem.  Si  aut^m  yolueritis  dic^re, 
quod  in  oratiombus  post  cousecratioDcm ,  tiinc  restat  dubmni, 
qualiter  fiebat  in  primitiva  ecclesia,  quaudo  illae  orationes  ab 
ecclesia  ?el  a  patribus  nondum  fnenint  ordinatae,  com  tarnen  nt 
eredimüSy  domiiiica  oratio  cum  verbis  consecrationie  proferebatnr. 
Si  etiam  dixeritis  quod  in  prmcipio  missae  vei  canonis  debeamos 
inter  communionem  formae  vel  iiiguae  ad  offerendnm,  pro  quo 
vel  pro  quibus  personis  Tel  causis  yelim  ofiferre,  quod  reddit 
homiDem  distractnm,  si  nescias  qnando  sacrificet,  yel  offerat  Nach 
dieser  Ausführung  schliefst  er:  supplid)  itritur  prioritati  Testrae 
valdü  bnmiliter  ut  primu  uuucio  orcurünie  signiüceiis  in  meutern 
vostr;iiu  me  scriptiß  vestris  certiorem,  quum  non  yaleo  ease 
qui e tum  um  video  scriptii  vestia  quae  novi  fore  solida  forma 
Teritate  siiljiiixa  atquo  fundata,  qnnm  non  soletis  incorrecte  scri- 
bere,  iicet  uiiijLiotions  im]iraeparato  lür4i]imini  juxta  vestram  scien- 
tiam.  Sus^pendero  aatem  animum  meum  usque  ad  futurum  c:i- 
lidum  erit  mihi  g-ravo  et  molestum,  quia  ignoro  quid  Ljeins 
futura  causabit  aat  procorabit.  Ego  plures  feci  mecum  dnbitare 
qwm  eoism  mecum  responsione  Testra  letificabitis  et  facietis 
«rnltare.  Yaleat  reverenda  senectos  vestra  com  grege  Tobis 
eommiflso  sana  et  incolamis  ad  landem  ipsius  ffin.  Scriptum 
multum  agitatim  ex  nemore  bestae  MariM  Tugiiiis  im  pioMo 
ad  Crispmi  et  Crispioiaiii  memoriam.   Anno  Domioi  1478. 

Die  folgende  Antwort  ist  flberBchrieben:  Bp.  Johnania 
prioris  in  Snlta  ad  priorem  Johannem  OloTekorn  in 
richeberghe  qnondam  priorem  nnno  in  North orn  eon- 
Tentnalem.  In  diesem  Brief  Tenreiet  Bosch  nnichst  aaf  Hennann 
Ton  HOxtsr  (de  Hnxaria)  ^,  der  oft  darflber  geschrieben  nnd 
dals  durch  Ihn  auch  seine  Ansicht  ihnen  bekumt  set  Doch 
habe  er  anf  seine  Bitte  sich  veranlabt  gesehen»  noch  sorgftltiger 
die  Wahrheit  selbst  sn  erforschen »  als  dnxch  gelehrte  lUansr 
in  eiihhren.  Ln  canon  sei  es  nicht  klar  ausgesprochen,  durch 
welche  Worte  des  Leibes  ohlado  sire  jmmolacto  geschehe.  Br 
mflsse  in  Übereinstimmung  mit  den  gelehrten  M&nnem  sagen: 
sie  beginne  ante  canonem  post  digitorum  obladonem  cum  Teritis 
istts:  in  nomine  patris.  Qnid  retrihuam  domino  pro  omnibus 
quae  retribuit  mihi.    Calicem  salutaris  accipiam.    In  spiritn 


1)  Derselbe,  welcher  nach  de  lef.  moo.  c.  46,  p.  025  dch  dmch 
•eine  soleimes  coUatioiiei  helmmt  gemacht  hat 


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SCHULZfi,  ZU  GROOTIS,  BOSCH  UKD  VfiGJOE.  695 

hnmilitatia»  Teni  invisibilis  sanctificator.  Suscipe  Sta.  Trinitas 
hanc  oblation&m  quam  tibi  offerimus  in  memoriam  pafisionis.  — 
Grate  pro  me  peccatoro,  ut  meum  et  vestram  sacrificinm  ac- 
ceptum  Sit  omnipotenti  Deo.  Et  continuatnr  nlteriua  haec  ob- 
latio  per  totum  canonem  usque  post  Yenorabilis  corporis  Christi 
ßumptionein  in  isla  oratioue:  placeat  tibi  Sta.  Trinitius  ül)rie(iaium 
serritutis  moae  et  praesta  ut  hoc  sacriiicium  quod  tuao  majostati 
indigniis  obtuli ,  sit  tibi  acceptabile  miliique  et  omaibuä  pro 
quibus  illad  obtuli  sit  te  miserante  propiciabile.  Qui  Tivis 
et  regnfts  etc.  —  Perficltnr  autem  haec  oblacio  in  consecratione 
6i  numducatione  8.  corporis  et  Bangninis  ejus  et  in  ejus  somp- 
tion«.  I]>8a  eaim  eonsecntio,  naadiioatio  et  snmpcio  est  ejus 
jnunelatie*  Staiim,  non  poft  eoneeentioiieia  idiig  eleTator  in 
altmn  el  Deo  patri  pneeentatiir  onmique  popido  Cbikttsno  osten- 
ditor  ad  udonndniii  et  Deo  pilrl  repneeontandiini  pro  seipsia  et 
omni  banuuio  genere  in  faac  Tita  et  in  ftitaxa  Ben  in  gloiia 
«xistenti  in  remiaebneni  peceatorom  et  landtim  praeconüs  pro 
beatis  eun  gtadantm  aetiono  pio  ano  ad  nos  benigniBeimo  ad- 
Tenitt  in  boo  neraoMBtOy  cni  tone  iMdem  eninei  neceaaitatM 
noBtraa  espenef«  poanunna  Tenlamqne  el  graciam  lepoitan.  — 
Omma  antem  verba  ante  eanooem»  in  eanene  el  poat  canonem 
in  promimia  leeia  poeita  ant  anU  oblationea  Deo  pneaentalae  ant 
ad  oUaÜonem  deaenientin.  üna  eal  enim  eUatio  a  prindpio 
wmtm  naqiw  ad  linem  qeae  in  eonaeeratione  et  aacramenteram 
aamiptione  plane  pexfleitar.  Ügo  antem  dozi  in  eonanetndinem 
in  Sanetimimt  ooipoiia  elafaiieae  mentaüter  dioeze  ad  iotom 
mondam:  adofate  oameat  adorate  Denm  proptar  fflinm  annm 
enieÜnm  pro  omaibus  penitentibns»  pro  venia  et  giada  in 
mnndo  et  in  pnrgatorio  existentibaa  lepoitanda  et  piV  giaeiik 
mm  actione  in  celo  habitantibaa.  —  In  antiqua  kge  cnm  agnna 
▼el  bedns  immolabatnr,  piiaa  oemdebator  et  eaagoia  per  eiepi- 
dinam  altaris  fondebatnr,  oaniemqae  ejus  eoiam  domino  per 
pontificem  eiaTabator  et  finaliter  maadncabator.  Ita  ejna  immo- 
latio  fnit  completa.  Sie  et  bio  poet  omnia  qoae  saoerdoe  legit, 
et  facit  corpos  Christi  in  missa  mandnoat  et  aaagninem  fondit 
aamendo  enm  et  ita  ^os  immolatio  consnmmata  est 

Der  SchlnTs  des  Briefes  lautet  dann:  Venerabiiis  prior,  ri- 
detis  sententiam  moani  super  dubio  vostro,  tos  probate,  si  mecam 
estis  in  sententiA»  Haeo  ita  aoripai,  ves  me  ceegiatia.  Zoletit 
dMT  Gruli. 

Von  späterer  Hand  ist  dano  nuch  hinzugefügt:  Aliam  episto- 
lam  scripsii  idem  veiierabilis  pater  prior  in  Sulta  ad  abbatem 
in  beiga  ^  donünum  Andream  Becker  doctorem  ddcretonim  eodem 

1)  Bergen,  das  bebanate  Benediktinfirkloster  bei  Uagdebnrg 
ef.  de  iei6im.  omml  p.  464. 


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596 


ÄHÄLESiTEX, 


anno  1478  de  corpore  Christi  Lrlorificato ,  utrnm  illnd  sancti 
apo&toli  videre  et  tangere  pütuennt  post  resurrectionem  an  rea- 
liter. —  Illam  bic  infixi  manu  prioris  tanti  scriptam  ia  memo- 
riam  ejas. 

Aus  deo  ugeftbrten  Stellen  wird  sich  erkennen  laaeen,  djils 
der  Inhalt  der  Schriften  nicht  gerade  bedentend  Jet,  ilier  Mk 
änen  Einblick  anch  in  die  theologische  Lehrweise  dee  Mmmee 
darbietet»  wie  wir  ihn  bisher  ohne  dieselben  noch  nicht  gehabt 
haben* 


Bisher  vnbekaimte  Schriften  des  Johannes  Veghe. 

Die  Aufmerksamkeit  auf  Johannes  Yeghe  ana  Mflnstsr,  dessen 

Wirken  in  Mflnst'Cr,  Rostock  und  Marburg  zwar  ana  den  Ur- 
kunden längst  bekannt  war,  ist  doch  erat  in  der  nenestsn  Zeit 
durch  die  verdienstTolle  Heransgabe  seiner  Predigten,  welche 
Franz  Jostes  in  musterhafter  Weise  zum  erstenmal  nach 
piner  aufgofundenen  Handschrift  zu  Münster  gemacht  bat.  ge- 
lenkt worden.  Er  gehört  zu  der  in  Münster  durch  Hoinrich 
v(in  Ahaus  gegründeten  Brüderschaft  vom  gemeinsamen  Leben. 
Was  über  ihn,  sein  Wirken  und  seine  Stbriften  bekannt  ist,  hat 
.ToBt^s  in  der  Einleitung  zu  seiner  Ausgabe  und  später  der  Ver- 
fa;<9er  diebes  Artikels  im  Nachtrage  zu  Herxog's  Keaiencjklo^die 
(XVlil,  p.  405 fF.)  unter  Veghe  dfirpestellt, 

Yeghe  war  1451  in  das  damals  ein  halbes  Jahrhundert  be- 
stehende Bruderhaus  znm  Sprincrbrunnen  in  Münster  eingetreten. 
Eine  bedeutende  allgemeine,  humanistische  wie  theologische  Bii- 
diiiig,  welcher  sich  die  Fraterherren  nicht  verschlossen,  welche 
sie  vielmehr  unter  öicli  wie  an  Schulen  j^flegten ,  wie  eine  für 
damalige  Verhältnisse  umfassende  Üelebeuhoit,  welche  aus  öeiuen 
Predigten  deutlich  erkennbar  ist,  yerbandeo  mit  hoher  Begabang 
im  Lehren  nnd  Predigen,  erwarb  ihm  das  Yertranen  seines 
Behtofs  Macharins  Wdinek  sehen  frflh  in  solchem  Habs»  dstk 
nun  Ihn  1469  nseh  Bostoek  sandts,  wo  sins  neos  Nisdsr- 
Isssnng  der  Brttder  im  Entstshen  war,  damit  er  die  ssit  slsbsn 
Jshien  daselhst  sehen  lehenden  Brtldsr  sn  «nsm  Konvsnt  ver- 
einige. Br  seihet  war  pro  tsmpofs  Bektor  des  hier  gsgitadstas 
nenen  Hansss  viridis  borti.  Splttsr  (147S)  wird  er  Nidilbigsr 
WsUnck*s  in  Kflnster,  nech  Im  selhjgen  Jshis  visitierts  «r  dss 
Haus  in  Bostoek  nnd  gab  ihm  einen  nensn  Bektor  md  eins 


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SCHULZE,  ZU  QROOT£y  BUSCH  UND  VEOHE. 


6d7 


TOm  Bischof  in  Schwerin  bestätigie  Regel.  Ebenso  entsandte 
er  später  Brüder  nucli  Marburg.  Doch  die  mit  seinem  Rektorat 
Terbundenen  Belsen  za  den  Visitationen  und  Kolloquien  ver- 
mochte  er  seiner  Krankheit  wegen  nicht  lange  m  nntemebmen. 
Br  Tertansdito  dalier  1481  «ein  BAtmt  In  Hflnster  mit  der 
Stelle  eiBSB  Beichtvaters  und  Bektois  im  Sobwestsrahsuse  so  ' 
Nkeiok  bei  HOnster»  wosa  nach  ihren  Statateo  die  Tier  Utesleii 
Schwestern  des  Hanses  ihn  beriefen.  Als  solcher  starb  er  1504 
am  21.  September. 

In  der  Chionik  dieses  Hanses  wird  Veghe  ,»ein  wis,  walge- 
leert man"  genannt,  nnd  von  ihm  gerühmt:  „da  ans  lÄ^srnw^ 
liker  leer  nnde  schrift  heft  na  gelaten".  Hermann  von  dem 
Bnsdie  rechnet  ihn  sn  den  Mfinster'schen  Dichteni.  Aber  von  den 
▼lelen  sänberlicben  lichren  nnd  Schriften  nnd  von  seinen  Dich- 
tnngen  ist  sehr  wenig  auf  uns  gekommen;  Zwei  religiöse  Lieder 
hat  Hölscher  aufgefunden,  welche  er  meint,  ihm  beilegen  in 
dürfen,  abgedmckt  in  dessen  niederdeutschen  geistlichen  Liedern 
nnd  Sprüchen  aus. dem  Mfinsterlande  (Berlin  1864,  S.  1321). 
Ton  seinen  Predigten  hat  Jostes»  wie  <rfMn  erwibnt,  23  heraus 
gegeben. 

Aufser  diesen  Predigten  glaubt  Jostes  in  einer  Abhandlung, 

Historisches  Jahrbuch  1885,  noch  drei  handschriftlich  ihm  vor- 
liegende Traktate,  welche  teils  iliin ,  teils  der  Bibliothek  des 
Altertums  Vereins  zu  Münster  gehören,  ihm  beilegen  za  müssen, 
£s  sind  die  drei  Traktate: 

1)  geiatlike  jagd,  eine  höchst  originelle  Schrift,  einem 
jungen  fTirsten  gewidmet,  der  demnächst  zur  Eegienmg  berufen  ist; 
als  Boich  er  wird  der  Herzog  Magnus  IT.  von  Mecklenburg-  vermutet, 
FC  dafs  die  Schrift  wahrend  Veghe's  Aufenthalt  zur  Organisation 
deä  Brflderbanses  in  Kostock  geschrieben  oder  wenigstens  veran- 
laTigt  sein  konnte.    Der  Inhalt  ergiebt  ä;ch  aus  der  ÜberdchrifL 

2)  Marientrost;  aus  dieser  wie  der  vorhergehenden  Schrift 
giebt  Jostes  reicbiicbe  Auszüge  luit  Vergleicbuug  der  Predigten; 
endlich 

'6)  wjugarden  der  zele.  Dieee  Schrift  ist  die  hedentendste 
von  den  drei  aofgefondMien  Schriften.  Lddtr  ist  sie  in  der  ?on 
Jostes  henviaten  Hsndschxift  Tom  Jahre  1502  nicht  ToUstftndig 
torhandsD.  Es  wsr  dies  hisher  die  einiige  hekannte  Handaehrift 

Der  Yerihsser  dieses  AuImAms  hat  nnn  bei  seinen  Bihliotheks» 
naohförsehnngen  die  Frende  gehabt,  eine  yollstftndig«  Hand« 
schrift  dieses  Tlraktatss  und  aniserdem  noch  eines  aadersn  ihm 
aagnsohlossenen  aoftofinden»  nnd  wUl  im  folgenden  da?en  Beriofai 
entftttjMj 

IHe  Handschrift  bsAndst  sich  nnf  der  kOnlgUehen  KbUethsk 
in  Berlin»  mscr.  germ*  ibl.  542.  Diesslbe  ist  ansgSMidiiil  ge- 


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598 


AKALEKTEM. 


iehneben,  amgMtatttt  und  orhalten.  In  xw«i  Kolumnen  nd 
mhSnuac  gotiseber  groCMr  Bohtift^  mit  d«n  flUiehen  AbkOmmgiii. 
wenigM  Korrekturen  nnd  Sandbemeikmi^.  Die  Initialen  sind 
in  bunten  Farben  je  naeb  den  TeUen  oder  Abeobnitten  tot- 
eebteden  an  Ox6b»  und  tarbe  prftelitig  anag^lbrt.  Da  die 
firttder  Tom  gemeinaamen  Leben  gerade  in  der  Kunat  aoirob! 
dee  Abaohreibens  wie  besondera  aneb  dea  Dluminiereiis  und 
Bubrizierens  Bedeatsames  geleistet,  so  nnterliegt  es  wobl  konen 
Zweifel,  dals  auch  diese  Handachrift  ihrer  Ctemeinachaft  und  zwar 
dem  Münsterhause  entstammen  wird,  wo  man  ihree  berühmten 
Bektors  Schrift  so  herrlich  auszustatten  sich  zur  fihre  und  Freads 
rechnete.  Leider  fehlen  nähere  Daten  über  Ursprung  und  Her- 
kunft der  Handschrift  Nur  zu  Kap.  24  hat  der  Illuminator  mit 
der  gleichen  violetten  färbe  der  Bandverzierung  aeinen  Namea 
eingeschrieben:  eyn  pater  noster  Tor  Hennannua  fiorehorrt; 
möglich,  dafs  er  auch  der  Schreiber  gewesen. 

Anlserdem  aber  findet  sich  eine  sehr  bedeutsame  Angabe  auf 
dem  Vorsatzblatt  mit  gleichroter  Schrift  wie  die  ßubrikaturen : 
Item  dit  bneck  is  ghescroven  in  de  jaer  unses  heren  doeme  screef 
duset  virliundert  vn  sess  untachtetich  vn  wuert  bestaeu  (ang-p- 
f&Dgeü)  viu  deghc  vor  pinite  vü  is  gheendet  up  nuaer  leTfir 
Trouwe  aveut  cativitatis  ofte  gheboert. 

Was  den  Verfasser  des  Werkes  anlangt,  so  sagt  die  nun 
folgende  Angabe  sehr  wenig,  wenn  es  weiter  im  Anschlufs  an 
jene  erste  heilst:  Item  dit  boeck  heett  een  monjck  ghedichtet 
van  der  regulere  ordß  in  de  ere  godes  vn  overuiits  (vermittelst) 
inghenynghe  des  hiighe  geestes  tot  en*'  spegel  vn  exempei  alle 
d^hene  de  een  gheestelick  leve  angheuomaie  hebh»^. 

Danach  gehörte  der  „Dichter*'  zu  den  brüdoru  vom  gemein- 
samen Leben»  wie  denn  auch  der  sogleich  folgende  Ausdruck 
bestätigt: 

hyer  begbynt  een  devoet  boeck  van  enö  gheestolik©  wyn- 
gaerden.  Gerade  der  Ausdruck  een  devoet  boeck  war  in  ihren 
Kreisen,  die  man  wegen  ihrer  Eigentümlichkeit  als  modoma  de- 
TOtio  bezeichnete ,  mehr  als  sonst  gebräuchlich.  In  unserer 
Hauddchrift  tmd  zwm  Werke  deä  Verfassers. 

A. 

Ber  gelstUclie  WelnguteiL 

•   Der  Titel  der  eiaten  Dichtung  ist: 

gbeeetelike  wyngaerden 
woe  alle  kynder  der  graden  enen  gbeeeteliken  wyogacden  ia 
alle  borten  aulld  plantm  ab  de  ajnen^  lele  aecbt  to  mn 
bffudegom: 


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SCHüLZEy  ZU  OROOTE,  HUSCH  UND  VEQHR  599 

Mane  sargamus  ad  vineas. 
An  diese  Stelle  des  Hohenliedes  7,  13  knüpft  die  Allegorie 
Tom  Weingarten  au.    Nach  den  drei  Worten  dM  Textes  serf&llt 

dafi  Ganze  in  drei  Hauptabschnitte. 

Als  kurze  Kinlcituiig  i^'eht  vornn  der  Nachweis  dor  Not- 
wendigkeit. Wenn  du  das  geistliche  Leben  nicht  erneust,  so 
wird  es  verveldet,  verkoeldet.  Darinn  muß  die  Seele  die  Gnade 
Gottes  suchen ,  ohne  welche  es  erstirbt  m  Kwiglteit.  Man  muß 
festigen  mit  Gottes  Gnade  und  auch  myt  dynes  Relves  Stade- 
liken  werke  djna  seives  salicheit  nae  dynen  vermooLrhen.  datta 
also  syst  een  hulper  der  godliken  gracien  in  djns  seives  sa- 
lickeit. 

In  diesen  Worten  zeigt  sich  wieder,  entsprechend  dem  ganzen 
dogmatischen  Standpunkte  dieser  mystischen  Richtung,  eine  Be- 
stätigung, dafs  das  Werk  sowohl  fiberhanpt  diesem  Kreise  der 
BrÜdor  vom  gemeinsamen  Leben  angehört  (ähnlich  auch  Thrmas 
in  seiner  Imitatio,  zu  vergleichen  unser  Artikel  in  Herzog'd 
EealeDcyklopädie,  2.  Aufl.,  XV,  Gllf.),  als  auch  gerade  unserem 
Yerfasser,  wie  aus  seiuen  rredi^j-^tcn  ein  gieiciier  Staudpuükt  bich 
ergiebt  (ebendaselbst  XVIII,  412  f.). 

Das  Wort  znr  Unterweisung  entnimmt  der  Verfasser  dem 
Salomo,  welcher  es  in  dem  kleyn  körte  boeck  der  leeften  van 
gheeelelik«  leefte  tosehen  der  seien  vnde  god  gesprochen  bat. 
Di«  Braut  ist  die  mynend«  aele,  der  Brflutigani  ist  der  ewig« 
KOnig»  der  oberste  Kaiser.  Wie  die  Notwi  im  Gesang  auf-  imd 
abateigeo,  so  kami  jedee  gästliobe  Ben  gelebrt  und  geleitet 
werden  in  seines  geistlieben  Lebens  beghine,  voertganck  m 
selig  ende. 

a)  In  Anknttpfbng  sn  das  erste  Wert  mane  beginnt  die 
Dantellnng  mit  Beantwortong  dar  Frage :  (Kap.  1)  woe  dlie  menacbe 
een  gnet  leren  bei^ynen  sal.  In  der  Naebt  der  Sfinden  bat 
der  Bräutigam  die  Seele  nicbt  gebannt  nnd  daber  geblagt,  nnd 
sie  bat  ibn  gesacbt  anf  Stegen  und  Stnlseii  imd  nicbt  gefbnden« 
O  jnnigbe  aele  äyn  natorlike  begbeerte  ataet  na  dyne  gbemyfiedS, 
äpiB  dorst  nnde  bnngber  en  maeb  niebt  werden  yersadet  nacb 
feraaligbet  dann  allene  in  god,  alsoe  datta  den  o?erste  olaerbeit 
beimeet,  vnde  syn  gneibett  mynnest  not  bertelike  tlamygbe 
leefte.  De  nacht  is  to  daystar,  dyn  leef  to  soebene  Tnde  to 
vyndene,  de  auddeob  ia  dy  te  daer  vnde  to  beet  vroemorgbens 
ist  dy  te  puaae.  De  nacbt  mach  bedeeden  de  oelde  tyt  Toer 
Tnses  heren  tokomesti  —  waa  doyster  alsoe  dat  se  gaet  in  de 
stad  de  ewigben  wonyngben,  des  menschen  berte  waa  also  djep 
dat  daer  nemand  an  maeb  den  grond  aflangben,  —  ao  wie  in 
dat  ganae  land  Tan  egjpten,  dat  nemand  synen  broeder  seeh 
en  meobta.   In  der  Naeht  geben  die  wilden  Tbiere  auf  Banb, 


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600 


AtlALE&TES 


aber  "^vcnii  die  Soone  kommt  gehen  öie  in  ihre  2sester,  Tiere,  wie 
Siü  Daniel  sah  up  de  zee :  Löwe  (=  cloTerdie),  Bär  (=  ghyricheit), 
Pardal  (pardns  of  panther  =  unneynicheit) ;  das  vierte  Tier  war 
fiogstUoher  als  die  anderen,  mit  seinen  zehn  Hörnern:  es  iat  der 
IHtoe  Geist,  dsr  Ftoind  mwsnr  fisUgkiift  mit  den  Sflndm  gegsD 
die  sehn  Qebofee.  wsilike  in  der  nacht  en  Irandeetn  nieht  frar> 
hen  djns  sehes  salieheil  Es  ging  der  Seele  gleieh  den  Jte* 
gern,  die  die  gaose  Neeht  gefischt  und  nichts  gefangen.  Damm 
mahnt  Salome,  daih  man  die  Bnmt  nicht  wecken  soll  hent  dit 
de  dnyster  nacht  veigae  ende  de  daer  dach  opgae.  Mit  dem 
Heigen  also  endet  die  Kacht»  Danmi  o  mensche  keer  dj  van 
qnaet  on  doe  gnet  Bann  folgt  em  Qehet  tost  alle  arme  sOde» 
dat  se  wedder  in  dS  rechten  wech  nogben  kernen. 

b)  Bs  folgt  im  sweiten  Teil  (bis  Kap.  40)  die  Antwort  anf 
die  Flage:  3)  woe  een  geliek  gheestelick  mensche  vp  stnon  aal 
Tn  sal  Yoert  gaen  in  ^heestelikS  doghedg  ?n  vnl  ?erd9  ent 
ende.  —  So  im  AnschlnüB  an  das  zweite  Wort  sorgamos.  Die 
.  Brant  sagt  nicht:  ich  will,  noch  du  sollst,  sondern:  lafat  uns 
sesammen  anfistehen.  Nötig  ist  bei  YoUbringnng  gnter  Werke 
de  godlike  gracie  rnde  imlboert  (Znstimmung)  des  yryen  wülen; 
jene  ist  wirkende  in  unser  seien  myt  nnsem  vryen  willen,  sowohl 
im  Beginne  wie  Fortgang  und  Ende.  Allene  overmits  g^odes 
gTucien  kann  der  Mensch  kommen  aus  der  Kacht  der  Bosheit 
und  an  den  Morgen  dos  guten  Lehens.  Er  kann  weder  selbst 
Sünden  vergeben,  noch  aus  sich  selbst  Gutes  thun,  noch  das 
ewige  Leben  verdienen.  Alles,  wie  St.  Bernhard  mgi,  ans 
Gnaden.  Die  Seele  kann  nicht  BTif.steheu  noch  fortkommen  in 
der  Wflstc  der  Geistlichkeit,  mer  aitjt  gaestu  achter  wert,  da 
glydest  neder,  du  störtest  in  den  drec.  Sie  soll  sich  allezeit 
alheel  yerlassen  auf  den  Geliebten.  Darum:  doe  all  dju  beste 
ua  Uynti  vennoeerhen. 

3)  wo  un.se  g'ljee.stelike  vuert^k'aeu  vn  vpstaen  sal  stüT'  in  ene 
guede  wille.  lu  dem  Lalät-uuB-aufäteheu  drückt  äicJi  aus 
der  gute  Wille,  dos  Begehren  des  geistlichen  Fortgangs;  wie 
Angnstin  sagt:  des  Christen  ganzes  Leben  ist  ein  heilig  Begehren, 
nnd  «war  wie  fienhard  hinioftgt;  nach  mehr  Gnade;  es  ist  nneh 
Jesu  Wort,  das  Hangern  nae  lechtadicheit  Ootlsa  CHkke  wOl 
des  geistlichen  Lebens  Fortgang  nicht  achten  nnd  nrteilen  nach 
YoUkommenheit  der  Weifte»  sondern  nach  Turicheit  djMr  he- 
gheerten«  Bis  is  doch  allen  bijnden  lamen  kropolsn  knacken 
o?er  all  mcghelick. 

4)  Iqrr  is  kentli^,  woe  wj  sollen  Tpstaen  Ton  alkn  qniet: 
nAmlkh  mit  Gottes  Hilf»  QOten  dreck  (der  Sflnden)  tan  der  audsa 
(Gierigkeit  seitlicher  Qflter),  waa  den  stoel  (der  Hdhhit),  wnn 
den  hedde  (der  Mi^it),  neten  gn?e  of  wan  den  dode.  —  Woe 


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SCHULZE,  ZU  OROOTEy  BUSCH  UND  VEGHB. 


601 


laoghe  wilstn  ds  schat  tjner  yerdensten  legghen  in  do  kista  da 
alheel  is  suoder  slot  Bimder  slotel  dat  so  in  den  mond  der 
lad«.  Steh  du  arme  ypolnrite,  do  est  all  dyne  werken  ?n  lof 
der  menedien,  dattu  groet  syst  in  eren  munde« 

5)  woe  een  ytlick  mensche  sal  Tpstag  OTermits  peniteneie. 
Im  Kerker  eingeschl essen  hast  dn  selbst  den  Schlüssel  in  deiner 
Macht,  der  ist,  dyiis  herten  berouwe  VTide  dyns  mundcs  bjechten. 
He  Wolde  alto  gherne  to  dy  komen  woldestn  em  dyn  poerte  vp 
lukon ,  he  selven  kloppet  vn  begheret  viiso  vpdoen  \u  inlaten. 
6)  In  aldus  dauer  wys  snllen  wi  Christum  bidden,  und  7)  be- 
denken, wie  barmherzig  er  ist.  Wer  aber  b}  aufsteht,  soeket 
eeu  ander  stede;  die  erste  behagt  ihm  nicht  mehr.  Dyn  wille 
is  dan  guet,  alstu  in  de  werc  bewysest  na  dyne  Tcrinoghen, 
Tnde  dyn  vermoeghen  moest  komen  wt  de  fonteyne  der  godliken 
guetheit.  Aber  9)  viele  bleiben  in  eer  onaet,  theils  vm  cer 
simpelbeit,  vm  did  se  det  nicht  beter  en  weten;  sie  keiinou  Gutt 
nicht,  halten  ihn  für  strenge,  wissen  niclit,  dafs  er  der  Gute  mt; 
teils  um  ihrer  Trägheit  willen,  de  katte  ©ten  gherne  vische,  mer 
se  en  will  nicht  int  water;  teils  um  der  Gesellschaft  willen,  die 
sie  festhält,  oder  mit  Gewalt  oder  weil  sie  mehr  Gennfs  finden. 
Jedoch  10)  Cbriatos  iat  bannhenog.  Der  Geistliehe  soll  11)  in- 
wendig adbtehen,  absterben  dyner  leeften  os  dynee  herten  Tan 
enbehoerliken  anhanghen  mt  snndeliken  besitten  allee  Ijtlik  gndee 
TB  aller  Tergancliker  dynghen.  Also  efider  eghen  to  le?ene  in 
willigher  amoeden,  dasu  in  Bmnheit  und  Gehorsam  das  Hers 
mit  allem  Gott  opfern;  f&r  aieh  nichts  haben,  aber  im  Gemein- 
aamen  ?iel  haben.  Wer  anstehen  will»  mala  entlastet  sein. 
Hat  maiv  12)  erst  am  Irdischen  Geschmaek  gefonden,  dann  Ter- 
Uert  man  den  am  HlsunUadien*  Das  gastliche  Got  Ist  sota 
fenyn  (GiftX  das  den  Tod  bringt»  ist  kaf  bolsterm  of  klye,  wennt 
die  Jaden  In  Aegypten  sich  begnflgen  mnfirten;  es  ist  een  aas 
of  eene  spyse  vp  de  koype  of  in  de  valle  of  np  de  stappe  (eine 
Art  Falle),  of  oeck  an  de  angel,  womit  de  Tiere  gefiuigen  wer- 
den. Beichtnm  macht  angeblasen  in  hoverdyen.  Aas  derselben 
Blume  holt  die  Biene  ihren  Honig  nnd  die  Schlange  ihr  Gift 
Wat  de  gnte  mensch  besit  dat  is  over  al  gut  Tm  syn  mynüke 
edel  herte. 

Gehindort  wird  13)  dag  Aufstehen  dnrch  Schwerbeit  nnd 
natfirliche  Bande.  Der  Gefangenen  Fülse  sind  im  Stock  steif  ge- 
worden, sie  sind  gebunden  durch  die  sinnliche  VVeltliebe,  in  arm 
schenkebeers  vrouden,  oder  niedergedrückt  durch  einen  grofsen 
harten  Felsen.  Aber  frei  machen  davon,  den  Stein  abwälzen, 
dat  en  kan  nemand  dan  god  und  der  gute  Jesus,  der  kann  den 
Lazarus  lebendig  machen.  Erst  mufs  Gott  durch  seine  Gnade 
den  steen  der  hardnackicheit  wegnehmen.    Auch  l-k)  die  tag- 

89* 


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602 


AKALEKTEK. 


lieben  Sünden  liindern  am  Aufstehen.  Zwar  sind  sie  oft  V!ein. 
aber  viele  zusammen  crleirhen  einem  Strick,  der  ai:>  vielon 
strenghen  vn  v:iu  alten  kleeynen  spyrkeiis  vkissches  of  h;Liiep©ß 
bestelle:  darum  sie  niclit  klein  Lichton.  Een  pond  plumeti  is 
also  swoer  als  een  p^nd  lotes  (Blei),  obgleich  sie  ungleich  sind 
an  Gröfse.  Sie  besiabben  vnd  beslobben  dyn  inwendighe  beide; 
in  den  beghyüen  der  krancl^eit  helpet  allerbest  de  aersadye  (Ar- 
lenoiV  Wie  man  Hand  und  Füfse  täglich  wascht,  den  Hof  ptets 
vom  Unkraut  reinigt,  aldag  saltu  altyt  dyn  hrrle  reyne  makea 
oick  van  daglieliken  sundon  na  dynr*  vermogben.  Dazu  dient 
das  heilige  Sakrament,  mit  dem  hiljen  wywater,  dat  benedyt  is 
in  de  name  des  heren  vn  in  der  kracht  des  dodes  cristi,  mit 
aelmisse  te  ghevene,  mit  Gebet  und  besonders  dem  pater  noster 
in  der  gemeinen  Beichte.  Doch  nicht  blofs  aufstehen,  sondern 
15)  auch  anfeehen  mufs  das  Auge  in  der  rechten  Andacht.  Alle 
Tracht  smaket  na  der  wortelen,  so  is  alle  werck  gnet  of  qnaet 
na  der  andacht.  Wir  sollen  nicht  Vorteil»  Ehre,  Ldm  suchen, 
sondern  allein  Gottes  Küre  und  SpL^en,  und  seinen  Willen  zu  thun. 
Dulicr  sei  unser  Herz  (16)  nicht  zum  zeitlichen  Gcnufs  der  Welt 
gebeugt,  sondern  zu  Gott  gewendet,  dafs  wir  (17)  Christ?  das 
Herz  geben,  der  wie  der  Falke  am  gefangenen  Tier  nur  das 
Herz  verzehrt  nnd  alles  andere  liegen  lälst,  so  auch  nnr  das 
Herz  sucht.  Dem  Bräutigam  sollen  wir  das  Hers  sohneU  Offnen, 
wenn  er  iiiiklopft,  und  wenn  er  Torbeigeht  und  die  Seele  in 
drack»  in  diofheii^  In  qnellinghe  (Qualen),  in  groten  ailMjd  Iftfirt^ 
dun  Bell  die  Seele  nacli  allem  Vermögen  dedi  des  Hemnit 
Eammor  Tnde  dat  beddiken  der  leeften  bereit  hallen.  Dn  ImM 
grote  leckerie,  mer  da  meeteet  dy  Ijden  mjt  epak  vn  koell,  mjt 
kese  Tnde  broei  Dein  Wein  Ist  gewandelt  in  Waeaer;  daa  thnt 
der  Herr»  wo  er  HeffUirt  siebt  In  den  Thilem  flieJbt  das  köst- 
liche Waaaer*  CQmstiis  soll  daa  Heis  flülni  mit  seinem  Beieb- 
tarn  (18.  19) y  er  allein  soll  es  nehmen,  der  dem  Kawflnann 
gleich,  um  der  einen  köstlichen  Perle  willen,  allee  Terknnft  (20); 
weil  er  nna  inent  sein  Herz  gegeben  hat.  Der  Bfiottgam  hat 
das  eiste  nnd  meiste  Beeht  dann.  Ihm  sollen  wir  das  Hen 
bereiten  (28)  snr  Wohnnng.  Das  ist  wnnderbar,  dat  da  nime 
broetbndel  dem  Kaiser  aller  KOnige  sollst  in  deinem  niedrigen 
Henen  eine  Borg  befeiten ,  als  een  schone  berch*kaasr  ^yner 
tokomsi 

Aber  (24)  er  giebt  sein  Herz  als  eine  köstliche  Ckibe 
Tt  leeften  sundor  yenich  yerdenst;  seine  liiebe  geht  über  die 
Liebe  der  Kreaturen  in  der  Welt  Dafür  sollen  wir  ihm  wieder- 
geben unsere  Armut,  was  nicht  sein  Vorteil,  sondern  aUein  unser 
Bestes  ist  Wir  sollen  es  ihm  geben  (2S)  geschmückt  mit  dem 
Besten,  was  wir  haben  in  einem  kleinen  rondan  Korb,  gesehmOckt 


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SCUUL2£,  ZU  OROOTü:,  BUfiCH  UKD  V£OHJS. 


603 


mit  Blumen  und  Kränteni,  deu  Kosen  der  Liebe,  den  Lilien  der 
Keiiiheit,  den  Bluiuen  aller  schüuen  TugendeUi  vudü  iü  buven  all 
jDjt  dat  edel  fyolekeu  der  oetmoedicheit. 

hiQs  Xuibchen  sollen  wir  (213)  kniippen  an  den  snoer  der 
gotliken  guctheit  und  zwar  mitLelbt  dcö  Bundes  des  Glaubens; 
allein  äoUen  wir  nns  yerlassen  mit  allen  unseren  Werken  und 
Verdienst  auf  Gottes  Gutlieit,  Wahrheit  und  Allmächtigkeit.  Alle 
Kinder  der  gracien  sollen  stehen  im  Gehorsam  und  in  der  Liebe 
Qottes  (30),  Christus  giebt  uns  sein  Herz  (31)  in  den  ollwr- 
boghesten  graet  der  m|licheit  Tfi  gheeattiik«  yerenynglie;  wie 
taUoa  vm  eledfn  tb  syeren  ak  ob  wir  to  wertscbop  (Uochzeit) 
gehen.  O  Mle  legghe  van  dj  den  oelden  leliken  (bäfslichen) 
pinmppen  baerden  gra?en  sack  der  nydicbeltp  der  bitfterkelt,  der 
aTegttBS^ieheit  (HUsgunst,  Neid).  Anne  Ijento  haben  keine  kSst» 
liehen  Kleider;  das  Kleid  der  rechten  Liebe  hat  Chrisins  aelbat 
gewirket  an  seinem  Krens»  Wenn  da*8  besadelat  oder  Terloren 
hast«  so  laaf  schnell  sn  dem  obersten  Weber  am  Krens  (32), 
der  seinen  JUngem  auch  die  Ftlise  gewaschen.  Dann  empfangen 
wir  das  Brot  der  Engel,  nnd  sollen  alle  dem  Herrn  danken  (ftr 
di»  Speise.  An  der  Tafel  sollen  wir  myt  oetmoedicheit  aitun, 
weder  stehen  noch  liegen;  sitsen  ist  ein  Mittelding  (36);  toU 
Hanger  nnd  Begierde  in  allen  Krftfton  unseres  Termdgens,  mit 
dem  Tezstand  nadi  seiner  Wahrheit»  mit  der  Liebe  nach  seiner 
Güte,  mit  dem  Glanben  nach  seiner  Treue,  mit  der  Krankheit 
nach  seiner  Allmacht^  mit  der  Unstätigkeit  nach  seiner  Ewigkeit, 
mit  dem  Hoffen  nach  seiner  Beständigkeit  begehren.  Dabei  Christum 
bitten  um  seines  Verdienstes  willen  für  aller  Menschen  Seligkeit 
(38—40). 

c)  Mit  Kap.  M  anf  der  Blattseite  88^  beginnt  der  dritte 
Teil,  im  Anscblufä  an  das  dritte  Wort  ad  fineaa*  Es  heiilst  im 
Text  nicht:  wir  allein  stehen  auf,  oder  stehe  au(  flondem:  labt 
nns  znsammen  (mit  Christo)  an&tehen  nnd  dann  in  den  Wein- 
garten (nicht  „meinen**  oder  „d9m9ii**f  sondern  nur  in  den 
Weingarten)  gehen. 

In  Kap.  42  handelt  der  Dichter  Tan  den  beschrcycliken 
wyngaerde,  nämlich  der  Synagoge  der  Juden  nach  der  Bebe  in  ei- 
bnng  des  Jesajas.  In  diesen  crston  Wcin^'-artcu  soll  die  Seele 
gehen,  um  die  Bosheit  der  Juden  zu  sehen.  Aus  ihm  ist  (43) 
dann  aber  hervorgesprossen  eine  wunderlich  köstliche  Hanke, 
Maria,  ^le  ist  der  andere  Weingarten,  der  schönste,  in  wel- 
chem der  Weinstock  mittelst  der  Sonne  Wasser  in  Wein  ver- 
wandelt. So  ist  de  Oelde  ee  gewandelt  in  de  ee  der  gracie 
oveiraitü  der  godliken  guelheit  in  Marie.  Sie  geht  über  alle 
Kinder  der  heiligen  Kirche  und  alle  Hoheit  der  Engel ,  wopeu 
der  FQlle  der  Gnaden  in  ihr.    Fröhlich  lat  ei  auigegangeu  (44). 


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604 


Ihre  Empl&DgDis  ist  aber  alle  Beiiugkeity  ihi»  Gebort  in  FrQb- 
liehkelt,  ibre  oetmoedigkeit  (45)  ist  bewahrt  ?em  Hem 
uml  Naicht,  beeehmtfeea  Ton  alleii  flberfltlaaigeii  nitlicheii  OQIen 
und  amnlidieii  Geiillaeeii,  ficei  von  aUen  Sfindem  und  Gebnchen; 
beecMoeaen  (46)  tot  aUem  EUilanfen  der  wAden  Cere»  aber 
offen  (47)  fBr  alle  Sftnder:  0  Tochter  des  eberata  YatecB,  o 
Mutter  des  Sohnes,  o  Braut  des  heiligen  Ornates  1  48)  fidle 
Bäume  wachsen  in  ihr:  z.  B.  der  cederbome  yn  nardnSi  saefferaena 
boem  =  alle  Togend  aller  Kreaturen,  der  Ölbaum  der  Barm- 
herzigkeit, die  Feige  der  Sürsigkelt;  wenn  dessen  Frfichte  ihn 
niederdrftcken,  werden  seine  Zweige  in  die  Erde  gesenkt  und 
schlagen  neae  Wurzeln,  wie  Plinius  sagt.  In  den  folgenden 
Kapiteln  werden  ihre  Tugenden  weiter  atifigeführt:  der  Ceder- 
baum  ihrer  reinen  Jungfräulichkeit,  der  busbom  der  Demut;  dann 
die  Blumen  darin:  die  Lilie  der  Keiüheit,  die  Rose  der  Liebe, 
die  fjole  der  Demat;  dann  wird  beschrieben  de  brynk  (Rasenplatz) 
voll  medesoten  oder  mateleefken ,  dann  allerlei  kostele  kruden, 
die  der  oberste  ewige  Apotheker  gepflanzt  hat,  z.  B.  die  myrre 
=  die  mütterlit'he  Traurigkeit,  de  overgroete  bitterheit,  welche 
sie  wegen  ihres  Sohnes  Leiden  und  Sterben  in  ihrem  Herzen 
trug;  daneben  (^Kap.  57)  die  wynrute  der  rrolicheit  unde  dro- 
Ticheit,  jene  wegen  des  v  llkommenen  Oehorsams  ihres  Kindes 
am  Kreuze,  und  diese,  als  sie  ihn  verwundete  mit  ihren  Augen 
und  mit  ihrem  iiiütterlicheii  her/Iichen  Mitleiden  mit  seinen  Lei- 
den. Sie  sah  ihn  am.  Ivrcuz  aU  een  crachtich  verbüener  tusche 
dynen  hemelsche  yader  vnsen  strengt  richter  vnde  tuschen  de 
misdadighen  sunder.  Den  will  er  alle  dynghen  zu  sich  ziehen: 
sowohl  fon  oben  den  Vater,  van  beneden  alle  Beelen,  alle  fn- 
ghelOTO  aller  leye  volke  Tude  lade  Terenyghende  in  een  glielo?e 
?nde  oiok  allen  sanders.  Ton  dieeer  wjnmte  soll  Jeder  sieh 
den  klyne  rys  a4»laeken  Tn  in  de  eerde  poeten  (pflanaan). 
Ebenso  soll  er  Ton  allem  anderen  ein  wenig  abpflfleken»  essen 
nnd  sprecken:  OeJi  ie  aisie  ghee  (Karr);  waib  is  my  ghedaen 
waer  nme  sal  in  aldns  prattiob,  praUoh,  mnlieh  \  gode  miahag- 
kieh.  Naek  Kap.  59  sind  aneh  YOgel  darin,  wie  die  Tanbe,  die 
aflise  Naohtigall  (nachten  gall).  Darum  ruft  der  Brtatigam:  0 
myn  bruet,  stae  ?p,  de  ivynter  is  heo,  de  bloemen  syn  wtghe- 
laten,  der  tortelduu6  stime  is  ghehoert,  in  Tnse  land.  Dafc  is 
en  wü  nicht  langher  ligghen  in  d6  drec  der  sunden  noeh  sitten 
TP  den  stoel  der  iiof  erdyen  no  neeten  Tp  den  bedde  der  traeeheit; 
mer  sta  yp,  gae  to  wercke,  verwyne  dyn  qaaetheit,  ke&e  godes 
gaethei^  mildicheit,  ghenadiekeit,  de  tyt  der  gracien  is  ghekomen, 
de  wynter  der  oelde  atrenghe  Tentes  (Frostes)  der  godliksn 


1)  protaig,  benüg,  eeeliiaft  (?). 


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nCBXiLZE,  zu  OROOTB,  BCJ8CH  UHD  VfiQflB. 


606 


wrake  (Strafe)  16  votlegen.  de  bloemen  in  den  mej  der  solicheit; 
syn  Over  all  openbaer.  Atifserdem  der  Gesang  des  edelen 
lewerkes  (Lerche),  jo  hogher  jo  soter,  jo  ghenoecbliker,  jo  ho^rher, 
jo  lichter.  Maria  sjnghet  der  jücfere  baugli  in  den  o?erate 
iiierusalem.  Daer  is  se  de  eerate  vn  overste  sancmeystersche 
alle  jücfere  voersyiigende  vm  dat  so  is  konynghySe  aller  jücferÖ. 
Endlich  ist  da  der  edle  Weinstock,  auf  dem  höchsten  Berge  aller 
Voilkommenbeit.  Diesen  giebt  sie  allen  Menäolien;  sie  ist  die 
Sonne,  welche  in  diesem  Weingurten  leuchtet  und  allerlei  Frucht 
schafft.  Drum  so! Ion  wir  sie  bitten  um  liire  Gnade  und  All- 
mosen (bis  Xap.  63). 

S.  134  mit  Kap.  64  beginnt  die  Ueschreibung:  dos  anderen 
Weingarten,  Christi  Jesu.  Es  ist  Christus  selbst  der  wahr- 
haftige WMiiBtock,  edel  und  ktotlieh,  vom  heiligen  Geist  ge- 
pflamt  m  die  Erde  des  jungfräulichen  Ackers  seiner  allerreinsten 
Mvttir;  er  wird  (Kap.  66)  laent  «if  die  Erd«  niedergelegt,  ehe 
«r  an  d«8  Knm  genagelt  wnrdot  dann  kHiiM  die  Laote  in 
Mblidikeit  Tor  der  HitM  der  Sonne  beeohirmt»  Yor  Hagel, 
Selmee  und  Begen  gesehftfarti  nnter  ihm  eitwn«  Dee  Wdnetoeka 
Blnme  ist  klein,  aber  krifUg,  allea  bfee  GewOm  wird  Tezjagt. 
Seine  Blitter  lind  seine  Worte  am  Krens.  Qmeii  widmet  der 
yerfaeaer  je  ein  Kapitel  (Kap.  72  f.).  Mit  Recht  sagt  Joetee:  dieee 
Betraehtnngen  eind  von  röhrender  Innigkeit  Ala  sweitee  Wert 
eiebt  der  YerfiMeer  an:  Mein  Gott,  warom  haat  da  mieh  Terlaesen. 

innige  Seele,  merke  diea  k<ieaiehe  Bbitt  am  Weinatoek."  Er 
Uagt,  daili  Gott  ihn  TeilaeBen,  nnd  doeh  aprioht  er:  Tater,  ich 
belbhle  meineii  Geiat  in  deine  HIade.  •  Danraa  magst  dn  er- 
kennen, dalb  dea  Yalera  Yerlaaeen  nnd  dee  Sehnea  Klage  ana 
der  beniieben  Uebe  am  deine  Seligkeit  kommt^  damit  du  solltest 
nach  diaaem  Beispiel  all  dein  Zayersicht  setzen  anf  Gott  aUeaeit 
und  am  meisten  in  der  Zeit  deines  Dmckes.  Es  kommt  die 
Zeit,  daJb  da  auch  verlassen  bist,  also  dafs  dir  der  Himmel 
knpliini  nnd  die  Erde  eisern  ist.  Dann  bist  du  immer  ohne  Tau, 
ohne  Regen  der  Innigkeit  von  oben,  und  nnten  yoU  Härte  and 
Bitterkeit,  ohne  Blumen  und  Frflchte,  belastet  mit  allem,  waa 
bei  dir  ia^  and  allermeist  mit  dir  selbst.  0,  dann  bist  du  tot« 
lassen,  allen  Eur  Last,  ohne  allen  Trost.  Dann  wisse  sicher, 
dafs  der  allerliebste  Vater  seinen  allerliebsten  Sohn  am  Kreoz 
rerlassen  hat  aas  der  allermeisten  Liebe  um  deine  allermeiste 
Seliglceit.  Wahrlich  könntest  du  dann  so  recht  denken  und 
danken,  dann  soll  dein  bitteres  Wesen  süfs,  dein  Wasser  Wein, 
deine  Traurigkeit  Fröhlichkeit,  dein  Verstörtsein  Friede,  deine 
Spreu  Weizen,  deine  Knochen  Mark  werden.  Dann  eollteet  du 
herzlich  sprechen:  „0  Gott,  du  hast  mich  verlassen  im  Druck, 
dennoch  befehle  ich  mich  ganz  in  deine  ü&nde.    Dein  Wille 


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606 


geschehe  aber  mich  in  Zeit  und  Ewigkeit"  Dsbd  tek«  ib6 
denke :  „  jetst  trinke  ick  ans  mriam  Hem  goiimm  Beehir«  sn 
aehtnkt  mix  te  obrnto  Xalwr  von  fBOMiii  eigeatii  W«ni»  an 
knM  d«r  oberste  Vater  eeiae  Weiaranke,  dab  aie  melir  Fmdkk 
trage,  avn  ecbenert  der  ebeiate  Heieter  das  beBchmwtrte  MA, 
daffl  ee  Uinkea  selL  Hat  er  dioli  in  der  Zeit  Teriaasettt  00  «Hl 
er  dich  nicht  Yerlaaeen  In  Ewigkeit  Dein  Peoer  «iH  er  aodi 
wieder  erwecken;  ee  iat  unter  der  Asche  bedeckt;  die  Soaae 
soU  noch  Uar  seheiaen  nad  heifii»  sie  ist  einig  Zeit  aaler  Welp 
lea  bedeckt  Nach  den  Wiater  koaunt  der  SoDuner»  nach  dem 
8tvm  die  Stille".  ^  Ans  Ka|».  75,  über  das  Wort:  Siehe  das 
ist  deia  Sohn"  — :  ITiia  schneidet  das  Schwert  der  Baue  ^  durch 
dein  mütterlich  Herz;  nun  bezahlst  du  alle  Pein  in  meineB 
Sterben,  die  du  schuldig  bliebet  in  meiner  Geburt;  danke,  da0i 
Maria  stand  unter  dem  Kreuz.  Sie  bewies  damit  die  grOiste 
Stftrke»  dafo  sie  nicht  ?or  Traurigkeit  zusammenbrach.  Da  war 
ein  wunderlich  Feuer  der  Beue  das  da  brannte.  So  sahst  da 
deinen  und  deines  Vaters  Sohn  leiden,  geopfert  für  unsere  Sel:!?- 
keit.  Gieb  nur,  dafa  ich  nach  deinem  Exenipei  unter  deiner 
Hilfe  stehe  in  meinem  kleinen  Leiden,  ault^ei ichtet  ohne  Klai,'e 
und  Schreien ,  allein  ansehend ,  (Ms  die  Güte  alle  Din  füget 
über  seine  Kinder  um  ihre  Seligkeit  in  der  Zeit.  Kbenso  wie 
zu  ihr,  spricht  der  Hen:  „0  Braut  siehe  deinen  Bräutigam  — 
Bei  dem  Wort  „mich  dürstet",  klaget  er  nicht  um  der  Schmerzen 
willen,  sondern  allein  über  den  Durst,  d.  h.  das  mynlike  beghcerte 
seines  bereiten  Herzens  noch  mehr  zu  leiden  um  deiner  Seligkeit 
willen.  Nichts  ist  süfser  zu  hören,  als  dafs  die  Quelle  Uagt: 
micii  dürstet.  0  Schöpfer  alles  Waaserc  und  Weines,  du  öffnest 
deine  Hand  und  füllest  alle  Herzen;  du  t-attigest  allen  Hunger; 
du  löschest  allen  iJur^t.  Deinem  allermeisten  Durst  hauen  sie 
damals  gesoheukt  dio  allerbitterste  Galle.  0  m(k;hte  mein  Herz 
schmelzen  und  deinen  Dnrst  laben,  eine  Thr&ne  trftofeln  aaf 
deine  dnistige  Zunge. 

Das  Wert  »es  kt  Tellbiaeht"  spikhi  der  Meisler  nneerer 
Seligkeit  vom  Predigtstahl  seiaes  Kieosee.  Nna  ist  HiaMael  vul 
JBrde  volkadetf  des  Yaters  Oeteehtigknty  die  Qemeiasehsft  aik 
ihm;  die  HdUe  lerbrochen,  aUe  Sohnid  besahlt»  aUer  SeUgkwt 
Loha  verdient»  alle  Frephetie  erftUtt  alle  Figur  te  werke  ge- 
macht; Abrahams  einiger  Sohn  geopfert;  no  is  de  oelde  ee 
geestelik0  Tollenbraeht,  aller  Measehea  Seligkeit  offaabart  die 
Quelle  des  Lebens  atdtfesohlesssn. 

In  Kapitel  80  spiioht  der  YerüMser  von  der  FMeht  der 


1)  des  nmwen. 

2)  irie  oben:  des  zeuweD. 


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SCBULZi^  ZU  6£00T£y  BÜ6CH  U»D  VfiOHfi.  607 


edlen  Traube.  Wie  Moses  aus  Kanaan  die  groise  Traube  kum- 
men  liefs,  so  soll  auch  das  Neue  TeäUoient  der  Gnade  sie 
trageo,  dals  alle  Christen  ihren  Krloaer  am  Kreuz  kennen  lernen 
und  schmecken  in  seinem  Sakrament.  Ist  sie  hier  auf  Erden 
ßo  köstlich  in  der  Wüste,  oh  wat  mach  dim  de  uvürvloedigo  wyn 
we^en  mt  üverste  Jherussalem  in  ewicheit.  I)ie  Trriul)en  machen 
fröhliche  Herzen,  frei,  sicher,  befriedigt.  Freilich,  wenn  sie  reif 
sind,  fallen  sie  nicht  ab,  wie  die  Äpfel,  sondern  müssen  mit  der 
Hand  ipepflQokt,  in  den  Korb  gelegt  und  geprolst  werden.  Dann 
wird  der  Wein  sam  Kaufmann  in  die  Stadt  gebracht  nnd  seine 
loepers  rufen  ihn  ans  mit  groeten  prys.  DofOr  gebohrt  nnserer- 
BtitB  ntäk  (Kap.  85). 

ChcitI»  hat  dnen  grotai  Weingarten  gepüaml  itt  dir  hei- 
lig en  Kirche  (Sap.  86),  Um  baechfittt  gegen  im  wMm 
heestan  (leye,  bare,  wnlff,  Ijndworm,  slanghe»  rave),  so  da&  «edar 
Ktaigfl  noch  'Sjwamm  eiaa  güttbiipa  Bade  nafanoB  sock  an 
Uuvr  Sali^it  aehadigaa  kOnnan,  Aach  ainaa  Torrn  hat  er 
darin  amehtati  auf  daat  man  sichnr  iat  gegen  alle  Fainda:  nflaoh 
lieh  ajnaa  aaliaa  gnaia  angharapan  hf  ajnaa  aalvaa  naman.  fir 
wachst»  wann  man  ihn  beachneidat^  d.  h.  untar  den  Yarfolgongaa« 
Der  Wainbarg  aratraekt  aich  mcht  bldb  flbar  die  Erda,  aondam 
anch  über  dan  Himmel,  —  aber  dort  iat  keine  Arbeit  mehr 
nOthIg;  aie  haben  kdatlicha  Iranben  in  der  Zeit  geteagan,  dmm 
tiinkan  aie  den  Wein  der  IMhlichkeit  in  der  Ewigkeit  Auf 
Erden  boU  jeder  helftn:  graben ,  hackM,  aehneiden,  aufbinden, 
begießen,  alle  Qnader  und  harten  Steine  anawarÜMi,  alles  Un- 
kraut mit  Wurzeln,  Nesseln,  Domen,  Diesteln  aaarottan.  Leider 
arbeiten  Tiele  nicht  nach  des  Herrn  Weise;  geben  schlechtes 
Beispiel,  suchen  nicht  dor  Seelen  Seligkeit,  sondern  zeitlichen 
Lohn.  Sie  nehmen  die  Wolle  von  den  Schafen  nnd  saufen  die 
sfifse  Milch,  aber  den  Wolf  schlagen  sie  nicht  TOn  den  Schafen, 
föe  sind  Mietlinge  (huerlynghe).  In  den  letzten  Zeiten  ist  des 
Herrn  Weinberg  sehr  verkommen  nnd  TCrwastai  Zu  viel  Mist 
schadet.  In  der  ersten  Zeit,  da  er  mager  ¥rar,  ohne  den  Mist 
zeitlichen  Seichtums  nnd  ungehöriger  Genüsse,  trug  er  die  besten 
Trauben,  nnd  den  Wein  der  Turicheit,  der  mynlicheit,  der  rechten 
?rolicheit.  Jetzt  aber  ist  ÜberHufs  an  zeitlichem  Glück,  und 
Toersp  Kt  (Vorzug:)  an  Keichtoifi,  an  Ehre  und  VergnOgen.  Dias 
hat  denselben  verdorheu. 

Die  Prälaten  stiegen  in  die  Hohe,  dio  L-ntcr^^ebeni'n  wurden 
▼ersäumt,  ihre  Weintrauben  sind  bitter,  eere  wvii  is  vorsma  lelick, 
ihr  Gebet  kalt,  ihre  Tugenden  schnöde,  ihre  Werke  verdammiich, 
ihre  Frömmigkeit  ohne  Geschmack ,  ihr  Wort  ohne  Erbauung 
(stichticheit),  ihre  Sitte  ohne  Heite  (eer  zede  sunder  rypioheit).  Es 
aind  darin  die  kesseln  der  Fleischeslust,  die  Zaunrübe  des  Hochmuts; 


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608 


gierige  Lente  grabbich  nae  eerdeschen  g^uede  va  dor:>tich  na 
tjtlike  Wollust  i  ferner  do  mule  oder  wroeto  anders  g-hen^emöt 
de  goer  (drei  Bezeichnungen  für  Maulwurf),  der  den  sch.»nÖ 
brynck  daer  blick  maket  myt  swarten  erden,  —  bedecket  blomen 
unde  kmde  des  brynckes.  Das  sind  die  bösen  Pr&laten,  die 
nur  m  der  Erde  zn  wohnen  snchen  und  in  leitlicher  Wollust; 
sie  wanmeln  viel  Geld  und  Out  nnd  aaek  geistliche  Gfttar  der 
fiidM  als  Friboidni  imd  Alfin,  je  mtlir  Je  lieber;  lie  sind 
Uind  m  geMlieheii  und  ewigen  Dingm.  Unter  der  Brde  uä^ 
Hoher  Vergnügungen  grOnen  siet  dldc  vnd  IMt  md  nmd  en 
ihrem  Leibe.  Der  obente  Ofirbiir  ist  laogniltig  sa  ihrer  Beeee> 
mng;  aber  er  eoUte  eine  Falle  anlSrtellen,  nm  alle  dieee  Manl» 
wflxfe  sa  grypen  ende  knjpen.  Aneh  fiöl  Salbei  (vele  eelven) 
werden  gepflanit;  Ueine  nnd  groihey  Frllatan  nnd  Üateigebene 
sncliea  eree  eelTee  ere»  goot  Tordel  nnde  geenaek  eder  geaoefale. 
Diese  aelre  grflnel  Aber  den  ganaen  Oarten  nnd  vs^iM  viele 
Kiftnter  der  Tugenden.  Jeder  ruft  in  eeinem  Henen:  och  fcedde 
nk  wat  Kap.  87,  ein  Gebet  in  Ghriato  für  eeine  Menneh- 
werdang»  dalh  er  uns  nnd  eeine  Crehe  nicht  verlaaeen 
eehliefiit  dieeen  Abeehnitt 

In  Kap.  89  zeigt  der  Yerfluner,  woe  nntte  vi  gnet  dat  ie, 
dat  de  mensche  de  werlt  vedaeeen;  sie  sollen  dnreh  die  enge 
Pforte  ins  geistliehe  vellkommene  Leben  eingehen,  das  ist  das 
sicherste;  frtlhmorgens  sehen,  nm  zu  verdienen,  am  Abend  dea 
Sterbens  in  den  obersten  Weingarten,  in  Ewigkeit  in  Qottee 
Gloria  zn  kommen*  Früh,  in  der  Jugend  eehont  denn  die  jun- 
gen Bäume  lassen  sich  am  besten  yerpflanzen,  um  dann  mit 
Christo,  der  ala  Brftotigam  mit  uns  arbeiten  und  bei  nna  bleiben 
will,  zu  leben.  Diesen  Weingarten  sollen  wir  schlielsen  (dneh 
das  Leben  nach  der  Regel  und  DisBfdin);  bewahren,  dafs  wir 
nicht  auslaufen  noch  Leidenschaften  nnd  Sflnde  einlassen,  ihn 
befrachten  durch  die  Gnade,  zarecht  machen,  npbjnden  an  Ster- 
ken holteren,  und  zwar  mit  dreierlei  Banden,  wie  Beraard  sagt: 
mit  der  Scham  dat  se  nicht  en  sehenden  er  vrenden  vnde 
maghen,  dat  se  nicht  en  heeten  verlopene  Monniken  of  l>y^ter 
nonnen  of  beegbynen.  Aber  weun  sie  sicli  auch  darüber  hin- 
wegsetzen, soll  man  sie  mit  Nägeln  festmachen,  d.  h.  durch  die 
Angst  der  Ewigkeit,  und  da  auch  dies  nicht  immer  hilft,  und 
der  Mensch  als  Schiff  ohne  Steuermann  unselig  in  Zeit  und 
Ewigkeit  verloren  jsreht,  so  soll  man  jeden  mit  dem  dritten  Bande, 
dem  Leim  der  Liebe,  sanft,  dauerhaft  und  zuverlüf^gi^  biaden. 
Um  gute  Frucht  zu  bringen  (Kap.  'J7),  mufs  der  Wemstock  in 
der  Sonne  ßteiien.  Das  Blattwerk  das  Geschwätz)  hindert  es 
(weitläufige  aber  sinnige  Ausführung  der  Zangensünden);  sind  die 
Traoben  reif,  mnls  man  sie  hüten  ?or  den  Vögeln  des  Tages 


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8CUULZE,  ZU  OliOOTIS^  BUSCH  UND  V£aB£. 


609 


und  den  Dieben  der  Nacht.  Aber  alle  Mittel  (Strohpuppen  oder 
bokemole,  Klappermühlen  u.  s.  w.)  helfen  nicht;  am  besten,  dafa 
ein  lebeudiger  Menäch  es  thuo.  Aber  der  Kueclit,  der  es  aus 
Angst  oder  Lohn  thut,  ist  aucli  mciit  treu.  Am  besten  thut*a 
der  Sohn :  ho  lopet,  he  ropet,  he  cloppet,  he  werpet  myt  kluten, 
myt  stjnen,  myt  kiuppelen,  myt  staken,  am  meisten  mit  seiner 
Armbrust.  So  sollen  wir  die  Traube  bchützeu  vor  den  Vügola 
der  Unatätigkeit,  der  Eitelkeit,  des  Leichtsinns,  yoi  den  Löwen 
4m  Hochmuts,  vor  den  Füchsen  der  loesheit,  der  Bosheit  (fanget 
uns  die  kleinen  FQchse),  der  eigenen,  bOsen,  losen,  klugen  egen« 
«okelieheit  (Eigensucht);  Tor  der  Schlange  des  Neides;  sie  all« 
feijage,  ja  Mto  mit  dem  Krrai  Chriati  und  aeinar  Treue,  Dmii^ 
lieb«.  Kommt  dann  (Kap.  100)  dia  Zait  daa  Aliachaaidana  d.  h. 
dfla  natarlichaii  Starbana,  dann  folgt  auf  den  Tod  dia  Weinpreasa 
daa  Fagafanan;  hiar  wird  dar  Waln  geklärt,  ina  Faia  gafftUt^ 
«ad  diaaaii  Wain  aohaaka  dam  Brintigam,  dar  dir  daftr  toq 
aaiiiam  Wain  glatit»  »  ar  iat  nnaar  Wainataok»  wir  aaiaa  fiaban. 

d)  Dan  Sohlnla  büdat  von  Kap.  108—107  dia  Br« 
Mmng  dar  TorattgaBiaUtan  Fraga»  woa  wj  in  Milan  gaan  in 
lagyaran  Tnaaa  la?aa  wynboft.  Aiabar  apraob  dar  TarÜiaaar  von 
dam  Morgan  daa  Labana»  Jatrt  Ton  dam  daa  Tagaa*  Btaba  firOh 
«of  and  gaba  In  Chriati  Waingartan  und  dann  ainat  oben  in  dan 
latrtan  nnd  baatan  dar  aaligan  Ewigkaii  Es  foUt  noeb  ?ialt 
aber  was  an  VoUkommanhdt  ftblt,  daa  arftlla  mit  aUar  Damtttig^ 
kait  Scbm&cka  dainan  Weingarten.  Ea  soll  in  ihm  bliUian  dat 
«dele  fiolakan  dar  oatmoedicheit  dazu  (Kap.  104),  dat  adala 
medesoteken,  welaha  alle  Tage  der  Sonne  folgt,  anab  nmriatt* 
blomekyn  des  Gehorsams,  und  als  dritte:  iolengeriolem  anV 
like  Yulberdicheit  (Beharrlichkeit  bia  aoa  Ende).  Abar  es  muTs 
der  Weinhof  auch  bewahrt  werden  vor  der  Schlange  des  Nei- 
des, der  Nessel  der  Unrainigkait  and  Eitelkeit,  vor  den  Mäusen, 
welche  dia  Wnnaln  banagan,  dar  njpliabtiglia  (naogiariga)  onrio« 
aieheit. 

In  Kap.  107  schliefst  ein  inniges  Gebet  das  Buch;  sein 
Schlufis  lautet:  Och  aller  edelster  keyser,  du  bist  wyngaerden, 

wynstock  vnd  V7yn ,  laet  my  doch  wesen  dyn  aller  vndersten 
rancke  by  der  eerden  myt  kleinen  bladeren,  myt  snoden  druven, 
dat  ich  nemmer  leven  mog-ho  umme  dy,  want  ich  nicht  un  ver- 
mach suuder  dy  vud  alle  dynghe  Yermach  ick  overmydst  dyn 
guetheit,  mjnlicheii  vnd  myidicheit,  benedjet  in  tyt  vnd  in 
ewicheit 

Der  ^V eingar ten  der  Seele  endet  auf  Seite  224*.  Khe  wir 
einige  Schlnfsbemerkungen  hinzufQgen,  haben  wir  noch  die  zweite 
in  dieser  Handschrift  enthaltene  Dichtung  desselben  Verfassara 
darzulegen. 


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610 


geistliehe  Blumeiibett« 

Auf  S.  284  Iblgi  dni  sweite  Bidtaig  mit  mm  Über- 
Mhiift:  hjT  beghynti  noch  een  guet  boeok  woe  aUe  kpidnr  der 
giMitn  fallen  inwendloh  in  den  herten  een  bloemich  beddike  be- 
reyden  o7nutB  nnses  hM  lyden  vn  ia  ?an  dnerleje  beddiken. 

fie  beginnt  mit  grofter  Initiale  in  blan  nnd  grflnem  Weln- 
lanb  nnd  roten  Yeniernngen.  Aneh  diese  Dicbtang  leimt  akli 
an  ein  Wort  dea  Hobenliedaa;  leetulna  noater  floridna  1, 16»  nnd 
an  Angnatin's  Wort:  0  god  dn  helMt  fna  ghemaket  na  dy  aelTen 
Ti  vnse  horte  ia  Tnmtioh  aoe  langbe  dat  hat  leate  in  dj.  8o 
aoUat  dn  in  deinem  Wiaaen  nnd  in  deiner  liebe  Gott  kennen 
nnd  alle  Dinge  in  Gott;  alle  Seligkeit  iat  in  Gott  0  edele  eele 
woltn  godea  waerheit  kenne,  godea  gnetheit  mjEen,  vfi  gedee 
aoeatioheit  ghebraken  in  eviohidt  in  glorifi,  aoe  moeatn  nn  in 
deesen  elendicheit  na  d|n6  Tomoge  keerS  an  godee  grade;  ohne 
dieae  kennet  dn  nioht  anr  glorie  kommen.  God  ia  dnaoat  werve 
meer  berayt  eyn  gracie  te  gbevene  in  vnae  eele,  als  wj  yub 
daema  aehickcn  vnde  bereyden  oyermits  Tnaen  Trjen  willen  te 
kerene  ran  annde  tn  yan  all  dat  hjnderen  maefa  den  ingaack 
der  grade  in  vna  vn  dit  bereyde  doet  de  sele  OTOtmita  godea 
graoie  lü.  eers  selves  yulbaert  (Zaatimmnng)^ 

In  der  Stelle  des  Hohenliedee  ateht:  onse  beddeken  is  blo^ 
mich,  im  ersten  Sinne.  Die  minnende  Seele  begehrt  ihree 
Bräutigams  Kommen  heralich  in  de  slaepkamer  daer  se  syner 
sot^  teghenwordicheit  ins  heymelike  mochte  gbebmken  in  go- 
Qoecht^  eerä  herte.  Sie  sagt  nicht:  mein  oder  dein,  sondern 
unser  Jiett.  Du  bist  zn  hoch,  meine  Kleinheit  kann  dir  keine 
Statte  tleiner  grotermogentheit  bereiten.  Dies  Wort  sollst  <In 
aber  i^e istlich  verstehen  niich  dreieriei  Smu.  Das  erste 
Bett  hat  CJjristo  bereitet  seine  allerwerteste  Mutter  Maria,  das 
andere  die  Synagoge  der  Juden,  das  dritte  seine  allerliebste 
Braut,  de  ynnig  myn^de  sele.  Das  Büchlein  handelt  nun  von 
diesen  drei  Betten. 

a)  Tn  Kap.  1  (S.  226)  knüpft  die  Betr;iciitung  an  die  t  raL'e : 
woe  wy  begbere  sullr»  vnses  herö  tokonipst.  Der  gut  geschafieiie 
Mensch  ist  gefallen,  von  Tugend  in  Sünde,  j.i  liel  wie  der  W:m- 
derer  von  Jerusalem  nach  Jericho  in  die  llaode  des  Morutirs; 
da  blieb  er  liegen,  halb  tot,  bis  der  gnädige  Samaritanus  Jesus 
Christus  beroort  wort  van  sycs  selves  barmherücheit  vn  heeft 
vp  gheuQmt-  vp  sjn  peert,  dat  is  yp  syn  edel  menscheit,  bren- 
gende  den  krancken  in  den  stall  der  hilghen  korken.  Gott  also 
muis  den  Menschen  gesund  machen,  der  Mensch  begehrte  seines 


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SCHULZE,  Zü  GBOOTEy  BUSCH  UND  YEOBE.  611 

firldsers  Zakanft  und  ruft  im  Bneh  der  Liebe:  Ocb  wolde  he 
mj  doch  küssen  myt  dat  küssen  synes  müdes.  0  Gott,  der  da 
mir  soviel  gegeben  in  deiner  Gnade,  Sonns,  Mond,  £rde»  da  hast 
mir  anch  deine  Boten  und  Knechte  gsssadt  und  auch  83me  gs- 
noechlike  brere,  dat  is  alle  hilghe  scryft,  die  mir  den  weg 
weist;  das  ist  alles  gut,  aber  also  luttik  (wenig),  hont  dat  he 
selven  körnet  vn  küsset  my  myt  syns  se!vos  niüd.  0  Gott,  du 
bist  mächtiiT  und  reich.  0  wil  doch  komeii  rn  wesen  myn 
vrent,  myn  hrrfeder.  Unsere  Natur  ist  aber  zu  snride  dyner 
hoecheit.  Allone  MariT'  reyne  kuniorkes  is  over  all  eer  beddiken. 
Hier  ist  znnächst  (Kap.  2)  ihre  ootmcedicheit  zu  beachten,  es 
ist  ein  beddiken,  vn  nicht  een  bedde.  Sie  hat  sich  selbst  er- 
niedrigt, darum  hat  sie  Gott  erhöht  ;  dyns  herte  kloyne  bcddeken 
heeft  em  bebaghet,  dyn  oetmoedicheit  heeft  syn  groetheit  ghe- 
trecket.  Ihr  Bett  (Kap.  3)  ist  aber  ^hemeyne  alle  sunders;  es 
ist  weder  Gottes,  noch  ihr  eiirenes .  noch  mein,  buuder  unser 
Bett.  Hat  Gott  doch  nicht  verschmäht,  so  maer  auch  der 
niedrigste  Sünder  zu  dir  kommen,  du  verschmähst  uiemand.  Dies 
Bett  ist  blumig.  Zunächst  ist  da  (Kap.  4)  een  edel  fyolekö. 
Alle  Blumen  kommen  erst  im  Mai,  und  verkflndigen,  dafs  der 
Winter  vergangen  ist  und  der  Sommer  angefangen  bat.  So  ist 
nach  dem  harten  Winter  der  strengen  Gerechtigkeit  Gottes  und 
seiner  harten  Werke  über  alle  Sünder  Hiigel,  Schnee,  Freist  und 
Kälte  gekommen,  so  daJs  alle  Horzen  kiilt,  alle  Strafsen  schmutzig 
sind.  Dann  ist  der  Sommer  gekommen  durch  Gottes  Gnade. 
Alle  Propheten  haben  dies  mynnelike  fyolek^  begehrt.  Nun  hat 
^  Maria  ihr  Kind  in  eine  steinerne  Krippe  gelegt;  das  war  sehr 
hui  f&r  unseren  Erlöser;  es  war  dies  töM  sacht,  aber  uns 
nntie»  niobt  blumig,  aber  ms  allen  selig.  8o  «dl  die  Seele  ersl 
einen  Anlluig  machen  in  eer  jacMike  kamerken  Tp  ynse  bloe- 
mjge  beddiken,  daer  nae  en  neder  leggen  Tp  een  arm  beddiken 
in  den  stalL  Kere  djn  berte  an  der  gbenadigben  moeder,  myn- 
liebt  bidde  erC  troesfc  vp  dy  in  dynes  bertS  ynnicheit,  nnd  nun 
Ibl^  diee  Gebet  (Kap.  6).  Wenn  wir  nun  kiank  nnd  beMbt 
sind,  so  ganok  snell  to  bedde,  loep  to  Marien  bnlpe,  reste  alleene 
vp  eer  gbenade. 

b)  Nach  Kap,  8  hat  fwner  Cbristo  ein  Bett  bereitet  qme  steef* 
moedeTi  d^  b.  der  joden  sjnagoga»  nnd  dies  Bett  ist  das  Krens. 
Bas  ist  nnser  aller  Betl^  eng,  sclunal;  dort  bat  er  aobwer  ge» 
litten  (nnn  werden  die  K^rpefscbmenen  gesehildert),  er  bat  es 
ans  mit  groibsr  Arbeit  bereitet,  deshalb  sollen  wir  ihm  dsnken 
ftr  seines  leideas  oTsrflodiebeit  Tm  ?nse  salidieit;  es  gosebiebt 
im  Gebet.  Nichtsdestoweniger  ist  auch  dies  Bett  blumig.  Die 
b5se  Stiefmutter  hat  ihm  nur  Nesseln,  Disteln  und  keine  Blome 
gtbraebt.   Kein  Menseb  mftebte  anf  dieeem  Bett  nthen;  lieber 


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612 


ANALBKTEN. 


auf  Stroh,  Holz  und  Stein.  Aber  seit  der  Bräutigam  der  öeele 
darauf  geschlafen,  ist  es  begehrlich;  denn  seitdem  giebt  es  Ge- 
sundheit, Reinheit,  Freiheit,  Kräfte  in  Zeit  und  Ewigkeit  An 
Jesu  Liebe  als  auf  dem  edelsten  Acker  sind  die  Blumen  aus- 
gelaasen  (Kap.  15):  als  die  Bose  der  allermeisten  Liebe,  die 
Lilie  der  allerDiei^ten  Reinheit,  die  Fiele  der  Demut,  alle  Tugen> 
den  im  obersten  Grad  der  Vi  11k  mmenheit.  In  der  Hitze  der 
Sonno  ist  hier  die  edelste  und  beste  Frucht  gereift  (Kap.  16); 
je  höher  der  Apfel  am  Baum,  desto  mehr  gebacken  wird  er  in 
der  Hitze  und  desto  edler,  gesunder  und  roter.  Alle  Wunden 
der  Sünde  können  durch  diese  Frucht  geneseu;  freilich  nicht  so, 
dafs  man  nur  Ton  Ferne  sie  ansieht;  yiehnehr  mufs  man  nach 
Yermögtn  seinem  Beispiel  nnd  seiner  Lehre  folgen.  Gae  sitten 
TBder  4tt  crnce  Ghrittit  sitte  daor,  loTe  daer,  sljrff  daer,  wone 
daer,  elf  to  mjwtM  kom  vake  (oft)  weder  daa  is  s!^^  Tmdit 
aeete  dyner  kalan. 

c)  Abar  aaeh  Kap.  181^  aell  aneh  die  Bmnt  Chiiati  ihren 
Br&atigani  ein  blflmi^  BafcÜein  bmitan  wt  raekiar  mynnaa.  Diaa 
aon  die  liebende  Saale  ans  ihrea  Hanena  fnnlekait»  ynnidiaii, 
saliekaii,  ghenadichait  madien.  Zwar  kann  man  Jeanm  nieht 
naeb  aeiner  Hokait  nnd  Wflrdigkail  aufnahmen ,  aber  aaine  Otlta 
iwiasrt  seine  Hekait  m  meiner  Xiediigkeit  m  konunan.  Dorak 
Oettaa  Gnade  (Kap.  19)  k5nnen  wir  ina  Laben  der  MatUehkait 
kemman.  Ken  aan  synder  recbTaardich  of  een  gnaet  manack 
gnet  wardfi  by  am  aelven?  Her  overmits  godea  gracie  vn  qma 
selves  Tiye  wille  woert  ka  aen  kjnt  godes  vn  een  bnrghar  vaa 
Jhemsalem.  Sonst  ist  er  ein  Feind  Gottes  nnd  BOiger  von 
Babel.  Es  ist  des  Bräutigams  BetI  wagvn  seiner  Gnade, 
kräftigen  Bereitang  und  liebevollen  Ankommen  nnd  seines  Bdleen 
Schlafens  im  Knmmerlein  deines  Herzens;  und  es  ist  auch  dein 
Bett,  nm  deines  freien  Willen  und  Zustimmung  und  deines  de- 
mütigen Bekennens  deiner  Sünde.  Dies  Bett  Gottes  steht 
(Kap.  2u)  lut  heymelike  in  der  kameren.  Einkehr  in  sich 
selbst  ist  das  erste.  Wolle  doch  aufsen  deinen  Trost  nicht 
suchen,  denn  dranfsen  ist  es  kalt  und  windig,  Ihtgel,  Schnee, 
Regen,  mer  byune  ist  resto,  vrede,  soelicheit,  stüheit.  Dein 
Bräutigam  ist  schemel  (schäm haftig);  er  will  heimlieh  kommen; 
also  inwaert  gaen ,  in  dyu  herte,  da  bereite  ihm  das  blumige 
Bett  deiner  Liebe.  Wir  sollen  ihm  unser  Herz  geben  voer  een 
betulyge  bjtis  herte.  Wir  könnens  nicht  bezahlen,  alles,  was  er 
giebt.  Sein  Herz  ist  Licht  und  Sonne,  Wasser  und  Speise,  eine 
köstliche  Quelle,  um  diö  Fleckeii  zu  waschen,  ein  süfses  Bad  zur 
Genesung,  een  kostel  apoteke  Tull  aller  arzadjen  teghen  all  myn 
mghesnatheit;  ein  sehOner  Stiegel  aller  Tugenden,  ein  Turm  der 
Btlrke  gegen  alle  Falnda,  ain  gkebraden  appel  myt  cmde  rall 


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SCBtTLZB,  ZU  QROOTEy  BÜSCH  UND  VEOHE. 


besrhaden.  Gieb  ihm  dein  Herz.  Ein  edler  Falke  sucht  das 
Uerz,  alles  ander©  Fleisch  lälüt  er  liegen.  In  diese  Kammer 
dürfen  keine  Tiere  hinein,  die  sie  verunreinigen.  Es  steht  das 
Bett  in  verschlossener  Kammer.  Man  macht  es  von  Haar  oder 
"Wolle;  aber  das  ist  hart,  filzig',  knorrig,  kalt,  man  nennt  es  een 
kulter  (kolte,  Matratze);  daß  sind  äufseriiche  Werke,  Martlia- 
werk,  de  sorchvoldich  was  over  all  Tnde  unledich  van  buten 
vnde  daervmmo  vvoert  ise  vake  verstuert  in  eer  selven.  Maria, 
hörte  zu  und  das  war  besser.  Doch  ist  eiu  ßlzig  Bett  auch  gut 
inr  Not|  md  die  äuTseren  guten  Werke  den  Armen  helfen.  Aber 
•in  B0tl  kOtflkhtr  plmnen  ist  begeer  und  die  sollen  wir  pflflckeD 
Ton  YOgeln,  d.  b.  geisflkh  wirUicbe  Ifenseheii«  mid  smur  to» 
dm  Beispislen  Dsd  Tagenden  dsraelbeii* 

Dodi  soUeii  wir  m  hftten  (Kap.  29),  dafii  diese  gntsft  Werk» 
(die  Flftnmen)  nicht  ?om  Wind  ?enrehl  werden,  indem  wir  anf  den 
Bafam  der  Kensehen  sehen;  msa  soll  daher  ftr  sie  ene  bner  michaii 
▼on  Ijlie  doedc.  Das  isl  nicht  leieht  Man  mnih  dazu  Leinsaat  sAen^ 
das  XJnkrant  ansrotten,  den  Flachs  inbereiten,  Gsm  machen  und 
weben;  ja  Uetyner  diasi,  jo  better.  Aber  doppelter  Fkden  reibt 
nicht;  nimlich  die  Uebe  so  Qott  nad  sun  Kiebsten.  Von  dem- 
selben Leinenseng  mnfs  anch  gemacht  werden  alle  dyns  beddiken 
lakene,  gardynS,  kursenbuer,  bovet  doeck,  hoyet  mnssche,  hoyet- 
podesbner  n.  s.  w.  (Kopfkissen,  Kopfinütie,  KopfpfQhlzieche)» 
Bas  sind  die  geistlichen  mancherlei  Übungen,  Werke  und  Tugen- 
den. Dann  sollen  wir  suchen  die  Blnmen:  do  oetmoedicbeit,  dia 
Fyole,  welche  als  erste  Blume  im  Mai  nach  dem  harten,  düsteren^ 
dreckigen  Winter  blüht;  dazu  die  kostele  medesoteken  (Gehor- 
sam), die  Lilie  der  Reinigkeit;  die  Roso  der  Liebe,  die  anch 
unter  Dornen  wächst  ( Feindeslicbe).  Diesen  Blumen  müssen  wir 
Waaser  ins  Glas  geben,  nnd  da  wir's  nicht  haben,  die  Maria 
darum  bitten,  dafs  sie  unser  Bett  blumig  mache,  Kach  Kap.  30 
gehören  noch  andere  Kleinodien  in  die  Kammer:  Alle  Jung- 
frauen haben  viele  köstliche  reyscbap  (Geräte):  Spiegel,  hantvod^ 
hantdwelen,  trysoer,  kamedelo,  vögele  in  de  korflf,  kostele  beldö 
ghemaelt  an  de  wando,  ze^denspull  tafel,  stoel,  luehter,  vn  ins 
middel  eeu  hertes  twychhangende  (Hirschgeweih,  Hirechkolben: 
spica  celtica),  myt  euer  schöner  jücferi*  beide  ghecronet  myt  golde. 
Alle  diese  im  damaligen  Scbmuckzimmer  vorkommenden  Haus- 
geräte werden  allegoriach  gedeutet.  Der  Spiegel  um  die  Flecken 
der  Seele  zu  erkennen,  das  Wasserfafs,  um  bie  abzuwaschen  durch 
Beue,  Bulse  und  Pönitenz,  das  Licht  zum  Leuchten,  um  nicht 
anzustoCsen»  das  Haar  flechten,  dab  die  wilden  Gedenken  nicht 
nach  ihm  Ktelkeit  iMvnmflisgtn;  der  tiysor  ist  die  asmorfiSp. 
um  alle  kMiehen  Gaben  des  Brintigams  einsnscUidhsns  daia 
kommen  nach  Kap.  32  die  schOnea  Bilder  ftr  die  Brinnamn^ 


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614 


AMALBTSN. 


an  den  ?ier  Wänden,  nach  den  vier  Kräften  des  menscli liehen 
Herzens,  natürliche  Angst,  Hoffnung-,  Traurigkeit,  Früliliclikeit. 
Im  Westen  ist  der  Tod,  wovor  uir  Ani^t  haben  sollen,  im 
Osten  die  Passion  des  Herrn,  womuf  unser  Hoffen  steht:  im 
Norden  die  Hölle  von  wegen  der  Traun^^keit,  im  Süden  die  ewige 
Seligkeit  mit  ihrer  Freude.  Danach  soll  im  Westen  ein  Manu  cHbge- 
bildet  werden  mit  einem  swade  oder  een  meyer  myt  cor  zejrse, 
der  alles  Gras  abschneidet  auf  dem  schwarzen  Felde  der  Misse- 
that,  und  darauf  eeii  vle,  der  des  Nachts  fliegt,  grofse  Au^^en 
hat  und  henlt,  wenn  die  Zeit  des  Sterbens  kommt,  anfserdem  ein 
weifser  Schwan,  der  rein  und  Uar  «ad  imiig  singt  Da?or  soll 
ein  lelMDdiger  geytljngh  in  einem  Korbe  hangen,  gioi  eehwaii, 
nir  leine  njbbe  ist  rot  als  Gold.  Xuinii  dn  andi  nlelit  toH» 
kommen  «ein  wie  der  Sehiran,  eo  doeh  diesem  Vogel  glelehen. 
Anf  dem  Osibild  soll  der  Weinelock  der  Frffhliobkeit  gemalt  eeia; 
anf  dem  Bfldbüd  ein  schOnor  ktefUeher  Baum  mit  Frachten,  wie 
Johannes  mit  swftlf  Frflohten  sie  sah  (Offb.  22,  2);  anf  dem 
KerdbUd  de  glojsnde  OYen  van  babylenie. 

Anlherdem  soll  Im  Zhnmer  sein  een  hertee  hoetn  (twyeh)  dannif 
ein  sehen  Jnngftmenbild  mit  einer  klaren  keensen  over  all  Inehten, 
wobei  wir  an  die  gnftdige  Königin  Maria»  die  Mntter  des  Bitatigmns, 
denken  sollen,  da  wir  nur  dnrcb  sie  alles  erreicben.  In  dem  ZimiMr 
soll  aUeseit  Saitenspiel  nnd  Gesang  som  Lobe  Gottes  sein.  Anöh 
in  schweren  Stunden,  wie  der  Herr  am  Kreuz  seine  sieben  Worte 
als  den  edelsten  Gesang  gesprochen  bat.  Dabin  kommt  (Kap.  38) 
Christus  mit  der  Kraft  seiner  Liebe,  er  klopft  an,  als  Lieht^ 
Alles  zn  erleuchten,  als  strenger  Bichter,  dem  nichts  verboTgen 
ist,  als  Arzt  far  die  Krankheit,  als  lieber  Frennd,  als  mjnlic 
brautigaem,  der  alles  giebt,  was  not  ist,  Rpeisp  und  Trank  im 
SalTaraent.  Darum  snllrn  wir  ihn  bitten  um  seine  Gnade;  hfilte 
ihn  in  deines  Herzens  Kauirjier,  dafs  er  bei  dir  bleibe,  nimm 
ihm  seinen  Hut  ab  (die  Dornenkrone),  schliefse  ihn  in  dem 
Schatzkfl^tlein  deines  Gedächtnisses,  dafs  er  ist  der  König  aller 
Könige,  der  um  deiner  Seligkeit  willen  also  geschändet  ist;  —  nimm 
ihm  seinen  Handschuh  und  Schnhe,  seine  Nägel,  welche  dich  be- 
schirmen sollen  in  allen  Dornblättern  der  Trägheit,  seinen  Stab, 
Schwert,  Panzer,  was  dich  vor  allen  Leiden  und  Krankheit  be- 
schirmot:  sein  Geld,  Beutel,  Tasche  (sein  Verdienst),  damit  dü 
dich  allezeit  auf  sein  Verdienst  verlassest,  seine  Tasche  ist  seine 
Menschheit,  voll  von  Gnade,  sem  Beutel  voll  Martern,  beides 
steht  stets  offen. 

Hit  einem  Gebet  im  letzten  Kapitel  (43)  um  Christi  Mildig- 
ksit  md  Bannberzigkeit  scbiieCit  dies  Bneii;  anf  Blatt  31lS  ohne 
üntsnchrift 


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SOBULZB,  ZO  CffiOOTBy  BÜ8QH  UND  VEQHB.  61b 


Die  ans  beiden  Schriften  des  nicht  g-enannten  Verfassers  ge- 
geTbenen  Mitteilnngen  lassen  sowohl  den  GcdankGngaiig  wio  die 
Art  imd  Weise,  JuhaXi  and  Fwoax,  Spradie  und  Darstelioiig  deut- 
lich erkennen. 

Es  nnterliegt  zun^lcbst  keinem  Zweifel ,  dafs  beide  in  dieser 
Handschrift  vorliegenden  Dichtungen  von  demselben  Verfasser 
stammen;  mm  überflufs  sai  auf  das  in  beiden  vorkommende  Bild 
vom  Falken,  der  (\m  Hörz  sucht,  hingewiesen;  femer  die  Erleiche 
Dentnnir  der  Blurneu  von  den  Tne-enden.  Aber  ebenso  wenig 
bedarf  es  eines  Beweises,  daXs  die  vun  Jostes  gefundenen  Schriften  : 
Marioutrost  und  geistreiche  Jagd  mit  dem  Weingarten  und  dem 
Blnmenbett  denselben  Verfasser  haben.  Auch  daför  sei  nur 
hingewiesen  auf  die  Stelle  am  Schlufs  des  Blumcnbettos  von  Hut 
und  Handichub  als  der  Domenkrone  und  den  Nägeln  (Kap.  42), 
vgl.  mit  den  Stellen  bei  Joistes  aus  der  geistlichen  Jagd  S.  185  nnd 
dem  Marieutrost  S.  251.  Ferner  der  Vergleich  mit  dem  Fiaumen- 
bett  im  Blumenbett  Kap.  22,  mit  dem  Weingarten  und  den 
Predigten  S.  367.  Der  Predigtstahl  am  Kreuze  in  Marientrost 
(Joetes  S.  404)  und  W^gsrten  (Kap.  77);  die  Hbnmelsgegea- 
den  in  den  BUden  im  KanunAr  ebenso  gedeutet  in  der  geisi- 
lieben  Jagd,  bei  Joetee  591. 

Die  8tellang,  weldie  er  der  Heria  «nrftnmt,  iat  im  Marien» 
trost  mit  dem  Blnmenbett  tOlUg  die  gleiche  (Kap.  29).  Die 
dori  eitierten  Sehrifleteller  ans  den  Predigten  finden  sieh  hier 
•benlkDs:  de  hejdensehe  meyster  Aristoteles,  de  natorlike  mejster 
Flinins  (auch  in  der  geistUehen  Jagd  bei  Jostes  8.  881),  der 
Tom  Feigenbanm  schreibt»  8eneca  n.  a.;  ferner  Angostin,  Oiegor, 
Djonis,  Bernhard. 

Anch  das  Spraehmaierial  findet  sich  hier  ebenso  schOpf^Brisoh 
gjohandiiabt  wie  nen  erweitert;  die  Allitteration  wird  mit  Tor- 
liebe  angewendet;  z.  B.  besmaddet,  becladdet  nnde  bemaggelt^ 
besubboi  vnde  beslubben,  besabbel  tnde  bemuddet,  ]^iattick,  pm» 
lieh,  mulich,  hoesheit  V  rsheit  ^  giTpon  Tode  knypen. 

Ausdrücke  wie:  GaiTelcange  (Gabelzange,  Ohrwurm),  Zeydeu- 
npnlitafel,  oder:  Kap.  31  vgl.  mit  Jostes,  Predigten,  S.  260; 
Kap.  32  aveguDsticheit  neben  nydlcheit,  vgl.  geistliche  Jagd  48. 

Die  Schreibweise  in  der  Handschrift  weicht  etwas  von  der 
Ton  Jostes  gebrauchten  ab,  z.  B. :  eneren  hier  pnoeren :  verroten 
hier  verotten,  tyd  hier  tjt,  zotelike  hier  soetelike,  deyve  hier 
dyeve,  medesotckyn  liier  medösoteken  u.  a. 

Die  von  Jostes  gegebene  Beweisführung,  dafs  Veghe  der 
Verfasser  Bei,  können  wir  uns  aneignen,  teilweise  berich- 

tigen, teilweise  bestätigen  auf  Unmd  der  in  oneerer  Handschrift 
enthaltenen  Angaben. 

Zanftohet  ist  sein  erster  Punkt,  wonach  auf  Grund  seiner 

atlttAc  1 Xf,  4.  40 


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616 


▲NALBKTEir. 


Handieknü  Tom  Jahre  1502  der  „Weingarten**  mindestens  swel 
Jahre  Tor  Veghe^s  Tode  (21.  September  1504)  Yerfalst  ist,  dahin 
la  berichtigen,  dafs  da,  unsere  Handschrift  aas  dem  Jahre  1486 
stammt,  diese  Dichtung  also  mindestens  achtzehn  Jahre  Tor 
seinem  Tode  verfaTst  \st,  nnchdem  Veghe  schon  fünf  Jahre  Beicht* 
?ater  bei  den  Schwestern  gewesen. 

2.  Dafs  der  Verfas.-er  zunächst  für  Klosterloute  schrieb,  kann 
aus  der  hohen  Pimpfe  hl  uni,'  über  das  Klosterieben  im  Weingarten 
Kap.  89 — 96  nicht  ohne  Grund  treficblossen  werden. 

3.  Weniger  richtig  dürft©  auü  der  ausführlichen  Behamilung 
der  Zungenbünden  g'efol^'ert  werden,  daia  er  für  weiblich©  Kloster- 
ieute  geschrieben;  der  deutschen  Sprache  bedieuto  er  sich,  weil 
er  doch  nicht  blofs  solche  im  Auge  hatte,  sondern  Qbeihaapt 
die  Kinder  der  Oracion,  welche  einen  geistlichen  Weingarten  in 
ihren  Herzen  pflanzen  bollen. 

4.  Dnä  Wort  „Orden"  wendet  der  Verfasser  nie  an,  nennt 
auch  nie  die  Ordensstüter  oder  macht  Anspielungen  auf  die- 
selben. LMo  Genieiaschaft  de.^  geistlichen  Lübens ,  die  er  im 
Augo  hat,  und  welcher  er  ^elbit  angehürt,  ist  also  eine  „freie 
geistlicho  üenossenschaft",  und  er  ist,  wie  unsere  Uaudschrifl 
bestätigt:  een  monyck  van  der  regnor6  ordS. 

5.  Dab  der  Verfasser  in  Manster  der  dortigoi  bedeut- 
samen Stiftung  Ton  H^ridi  ?oii  Ahmt  vagMti  ludWt  Iblgaort 
JosttB  «OB  einer  nur  einem  Hflnstenner  gelinflgin  nnd  nnr  in 
Mflneter  TentSudliclien  Beieieliniinf  Ar  Oeflognü  MBnddentorae'', 
wo  noch  jetzt  ein  iSrflber  ale  Gefingnie  benntrter  Tnim  deaellinl 
den  Namen  Abrt:  „Bnddentonn^. 

Wae  non  eoliIieibliclL  die  ganie  allegorinerende  Diehtung  nnd 
Dantellnng  «nlangli  lo  giebt  der  Yeiftner  In  der  Snleitong  mr 
geisUiehen  Jagd  eine  Becbtlwtignngf  weshalb  er  sieh  des  BÜden 
bedient»  am  seine  Lehre  darunter  danustallen:  ÜTach  St  Paalm 
will  Qott,  dalb  alle  Kenaoben  selig  werden;  da  dieee  nnn  anf 
die  sinnlicben  Dinge  gerichtet  eind,  nnd  dn  allee  Erkennen  ton 
den  Sinnen  ausgeht,  so  hat  schon  Jesus  deswegen  in  Parabeln 
gelehrt.*  Es  sind  die  Parabeln  ntwendighe  ghelikeniase»  np  dat 
ellic  ghetrecket  worde  na  synne  natoren.  Ebenso  ist  Paoloa 
den  Griechen  ein  Grieche  geworden.  Ungehörig  i^t  ee,  anf  den 
Bergen  Fische  fangen  an  wollen,  oder  Hasen  im  Bach;  mer  ellick 
■al  men  soeken  nae  synne  art.  Es  ist  ao  fOr  den  Menaclien  b^ 
qnemer  zu  hören  und  auch  zu  schreiben. 

Fflr  den  Weingarten  der  Seele  und  dies  blumige  Bett  knt^ 
der  Verfasser  an  die  genannten  Stellen  des  Hohenliedes,  dessen 
allegorische  Deutung  die  durchgängige  im  Altertum  und  im 
Mittelalter  gewesen.  Speziell  sind  ihm  sicherlich  bekannt  ge- 
wesen dee  Uonoriua  expositio,  welche  vieliadi  ferbreitet  war; 


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fiCBULZEy  2U  QBOOTK,  BOBOE  VSD  VBGBB. 


617 


noch  mehr  des  h.  Bernhard  86  sermonee,  aach  wohl  Gersons 

expositiones,  dos  Dionysiüs  Carthusianus  u.  a.  Am  meisten  bt- 
einfluXat  ist  der  Verfasaer  von  Euyabroeks  chierheit  des  gheeste- 
ieker  bnüocht,  der  an  eine  Stelle  des  Matthäus  (Kap.  25.  6) 
,6cce  eponsue  venit;  exite  obyiam  ei*  anknöpft  und  in  drei  Büchern 
vom  Leben  dos  beginnenden,  fortschreitenden  und  vollkommenen 
Menschen  bandelt.  Spuren  von  Bekanntschaft  finden  sich  auch 
mit  der  dem  h.  Bernhard  zngeschriebenen  Schrift;  fitis  mjatica 
aeu  tractatos  de  passione  domini. 


G. 

Bei  dieser  Gelegenheit  machen  wir  noch  auf  eine  Schrift 
mit  gleichem  Titel  und  ans  gleichem  Kreise  der  Brüder  ?om 
gemeinsamen  Leben  aufinerksam,  Ton  wdclur  sidi  ein  Esemplur 
auf  der  Bibliofhek  sn  Bestock  befindet   Sie  Ahxt  den  Titel: 

Den  wijngaert  der  8lelai  |  daer  in  een  meneohe  Tinden  |  eS 
plnitai  aal  die  ToUe  aoate  drojve  der  ineanaeten  Cihnsti  |  in 
den  tyt  der  gramen  |  ende  aendencken  aal  |  boe  die  aelve  weg'- 
kepeist  I  Terderi  |  efi  ?erdreoclit  is  |  in  den  tqt  Bqnre  bitter 
paaaiin  |  op  dal  1^  ver  |  oenen  aoode  den  thoren  aqua  vadeia  |  aa 

sejt  door  den  propbeet  Die  peiaae  beb  ick 

allen  getreden  |  ende  van  den  Tele  |  ken  en  la  geen  man 
met  mj. 

Tkaatwerben  op  die  Lombaerde  veate  in  de  gnldd  PeUieaen  |  bj 
Omlliaem  Tä  Paz^ 

Die  Übeiachrift  lantet: 

Ben  deyote  oeffmini^  met  devote  oratien,  daer  he  een  mensche 
mede  mach  leeren  exerciteren  in  die  beneficien  Gods,  eil  bjsonder 
der  incamatien.  ende  paaaien.  Gbemaeet  bj  broeder  Jacob  fioecr, 
Bcfolier. 

Am  linde  des  Drucks  steht: 

Hier  ejndt  die  wijngaert  der  sielen.    Gheprint  Thantwerpen 
'  op  die  Lombaerde  veste  in  den  golden  Pellican  hj  my  Gnilliaem 
van  Pargs.  1569. 

Das  Buch  ist  klein  8®.  Auf  dem  Titel  ein  Holzschnitt:  Christns, 
die  Kelter  tretend,  steht  nnbekloidot  auf  einem  Kissen  mit  vier 
Quasten  an  den  Ecken,  in  der  linken  die  Weltkugel  mit  dem  Kreuz, 
die  rechte  Hand  zum  Schwur  erhoben,  das  Haupt  mit  einem  Strahlen- 
kranz umgeben.  Der  Weinstock  mit  fünf  Trauben,  Blattern  und 
Baaken  omgiebt  ihn»  doch  so,  dais  derselbe  aus  seiner  Brost 

40» 


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ANALSKTKN. 


herYürvrJiclist;  sein  Ende  mit  Trauben  liegt  unter  einer  Presse, 
Yor  welcher  eine  Frau  (Maria?  wohl  die  Kirchü  reprSßontierend) 
kniet  mit  einem  Kelch,  um  den  heransgeprefsten  Wein  anfenf&ng^n. 
Auch  sonst  ist  das  Buch  mit  kleinen,  die  einzülnon  Soenen 
der  Leideni^gQschichte  Yon  der  FnTswasciiuiig  an  darstellenden 
Holzsohnitten  gesieri.  Die  Blätter  sind  Biofat  gewählt;  es  maä 
16  mal  24  Seiton. 

Bs  beginnt  mit  ^aem  QeM:  0  alte  goedirtisveBBte  (o 
aUeEfrommater)  Jbaan  myn  troost  rnfn  liafila  wjn  aaliahijft  0 
gbetron  minnaer  te  menacfaen  mja  aobepper  mjü  Terloaser 
—  wat  grootar  achnldenaer  bau  iek  —  wUt  toeh  nr  y  aoTw 
n^ygan  ?ft  nwan  bamalaoe  tfaioO  tot  mi  am  aosidieb  aeataaifcfi 
an  varliooTt  ghebat  «St  ia  oloppe  mat  ootmoadigar  Traaaan 
▼oor  dia  boiat  nwar  godlikar  ganadO  n.  a.  w.  —  Anf  swd  19  Saitaa 
lange  Gebete  folgt:  hoe  Jeens  heeft  gewaschen  die  ToetaiL  aQnie 
discipnlen.  Die  Passionsgeschichto  wird  abaabnitlBweise  enfthlt 
Als  den  tijt  der  bennberttcheit  efi  genaden  was  nakende  indS 
welcka  dat  Ghriatna  Jbeans  die  ewighe  wyahejt  Qoda  glieordineert 
liadde  oaa  aaliob^  te  Tolbrengiian  ende  ons  te  yerlossen  niot 
met  seWen  ende  gont,  maer  met  sinen  preciosen  bloede.  So 
helft  hi  wt  rechter  liefden,  ^heljck  een  Uberael  vader  des  huys- 
gesins  een  heerlyck  avontmacl  mot  sin§  lienö  discipu]»1  willen 
hoTidö,  eer  hi  door  den  bitteren  doot  van  haor  scheyden  woude. 
In  een  tecken  vä  grooter  liefde,  die  hy  tot  baer  hadde.  In 
welek  avontmacl  hy  xyn  tcstament  woude  disponeren.  —  So  wird 
daun  die  ganze  Leidonsfreschicbte  erbaulich  behandelt;  nach  jedem 
Abschnitt  folgt  ein  Gebet:  een  devote  oratio.  —  Das  bis  ins 
einzelne  durchpreführte  Eeden  in  Gleichnissen  und  allegorischer 
Darstellung,  wie  bei  Veghe  es  sich  ündet,  fehlt  hier.  Sonst  aber 
ist  der  theologische  Standpunkt,  ebenso  wie  die  Sprachwoise  gam 
der  Umgebung  entsprechend,  aus  welchor  der  Verfasser,  über  den 
sonst  im  Bach  nirgc^ndb  eine  Andeutung  zu  üuden  ist,  herätammt. 
Anch  seine  SteUung  xur  Maria  ist  die  gleiche.  Es  tritt  dies 
bte  Knoaeairort  Jean  an  die  Maria  recht  denllldi  lierror:  Bft 
Waat  Maria  m  God  gheordineert  waa»  een  middeienae  te  waaea 
toaehen  god  all  den  aondaer,  daerom  heeft  god  anleken  diooflieit 
(tEBorigkelt)  np  hier  Uten  em<6,  op  dat  yeidieDale  htm  UdaoB 
80  grbot  aonde  igra  ala  aoleiMn  niddelenae  toehehooKde^  die  allen 
meuoen  ghenoech  mooht  tyn^  eil  irtea  ongrondigeii  aeat  haardar 
wdienaten  alle  nanaoan  noohte  helpS.  Gbriatna  heeft  agn 
▼leaBch  ei  hioet  geoiffart,  Maria  haar  aide*  Maria  boghearta 
haar  bloette  yereeiugS  mette  bloede  haen  aoona  of  da  al  aiei 
hQ  ttocbt  volbriengen  den  dienst  Taad  menscS  yerloesdnge.  Maer 
de  pteTUegie  behoorde  allein  de  oppente  prioatar  toe»  daa  hi 
mal  riaea  bloede  moeht  ingae  ia  aaaota  asnelonim»  Maer  alaa 


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MlflGBLLBir.  61$ 

« 

mocht  si  haer  sacrificion,  met  bloodo  yolbrengS,  wtwedelyc  dat 
t«  stortö.  Si  heeft  dat  nochtäa  inwenJolyc  vteert  door  dat 
hittige  vier  der  miane  en  tribuiacie.  Si  heoft  god  een  behaech- 
like  aacrificie  geoflfert,  dat  was  en  bedroeft  hört  eil  eene  geeat 
vol  tribulacien.  —  0  Maria  moeder  der  gratie,  mooder  dor  ont- 
formherticheit  (Barmherzigkeit)  versterct  tdr  in  daecUden  oll 
boboet  vns  van  den  quaden,  verlost  vns  van  den  viant. 

Vorgeblich  habe  ic)i  mich  bemüht,  über  den  Verfasaor  dieses 
Buches,  wie  überhaupt  über  dieses  Buch  nähere  Nachrichten  zu 
erlangea.    Mögen  hoilimdische  Forschor  mehr  Erfoig  hüben. 


2. 

M  i  s  e  e  1 1  e 


I.  Mm  4m  obm  S«  486  A  mli^eleilleii  „Briefe  ChH^* 

ist  noch  aacbzutragen,  daXs  derselbe  sich  deutsch  findet  in: 
Fritz  Closener,  Strafsburgische  Chronik  (in  Bibliothek  dee  Stutt- 
garter litterar.  Vereins  1843  I,  89 — 95)  und  in  dem  Wiener 
Codex  1953  (Rpc.  3347),  8^  13.  Jahrh.  Versen),  welcher 
abgedruckt  ist  in  Haupt  und  Hoffmann,  Altdeutsche  Blatter  1840 

II,  242— 2G1.  Lateinisch  ist  er  ;iuch  imch  eriiaiten  in 
Walter  Coventr.  ed.  Stubbs  II,  185  (aus  Hoger  de  Uoveden), 
arabisch  in  einem  Pariser  Codex  (Catalogne  d.  mauuscr.  arab«e 
311).  t^ber  eiueü  angelsächsischen  Codex  vgl.  Fabncitis  m, 
511,  wo  ein  unserem  oben  abgedruckten  griechischen  Texte  sehr 
lihnlicher  auch  kurz  angeführt  ist,  der  aber  als  Patriarchen 
Joannicius  nennt.  Dafs  übrigens  unser  Brief  bchuu  den  Mala- 
barischen  Syrern  bekanut  war  (La  Croze ,  Eist,  du  christianisme 
des  Inde.s,  p.  240)  weist  mir  der  leider  inzwischen  verstorbene 
Herr  Prof.  Dr.  QUdemeister  gütigst  nach. 

Ä.  Höhricht. 


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620 


ANALEKTESr. 


2.  S«r  KMTsqpoadMB  MaHfai  livIlMr'i 

(b.  oben  8.  274ft)  ^ 

1.  Über  Johann  Öden  (s.  oben  S.  278f.)- 
Johann  Öden  stammte  ans  Heilbronn.    Von  und  aber  ihn 
habe  ich  folgende,  bisher  nnbekannte  Briefe  auf  dem  EgL  Staiie- 
archire  zn  Königsberg  gefunden. 

a)  1524  [Februar  29]  Montags  nach  OcuIL  Frankfurt  a^O. 
„Johann  Oeden  von  Heylpnm''  an  den  fiochmeieter  Markgraf 

*AlbrGcht  TOTi  B rander burir. 

Eigenhändigee  OriginaL     Papier.     Siegel.  Sehieblade 
Kr.  71. 

Oeden  meldet,  das  Evangelium  werde  auch  in  Polen  sehr 
unterdrückt;  wie  lancrs  ein  Bestand  will  haben,  weifs  Gott;  anch 
verspricht  er,  mathematische  Instrumente  zu  sonderlicher  Loet 
des  Hochmeisters  anzufertigen. 

b)  1524.  April  7.  Frankfurt  a./0.  an  denselben.  Oeden 
bittet  nm  Urlaub  nach  Heilbronn. 

Schieblade  C,  Nr.  70. 

c)  1524.  August  16.  Frankfurt  a./O.  (Ib.  105,  Nr.  9.) 
Oeden  meldet  dem  Hochmeister  seine  schwere  Erkrankunir. 

d)  Von  Ofen  aus  entbot  ihn  der  Hochmeister  nach  Zorbst, 
am  31.  Oktobor  1^24. 

(Schieblade  D,  r)31/2.) 

Johann  Öden  war  also  ala  Kai  im  Dienste  des  Hochmeisters 
thätig,  verschwindet  aber  vom  Jahre  1524  an  ans  der  Geschichte 
Preuftiens. 

2.  Kitteilnng  ther  zwei,  bisher  unbekannte.  Tar- 
ieren gegangene  Briefe  AlbrechVs  und  Lnther^a  ans 
der  Zeit:  Jnni  nnd  Jnli  1526. 

a)  Herieg  Albreoht  Ten  Prenfaen  an  ICartin  Lntber. 
[?  d.  d.  Ktaigsberg,  circa  15.  Jnni  1526.] 

Inhaltsangabe  bei  Spalatin,  welcher  den  Brief  gesehen  hat: 
Spalatin,  Annales,  in  Mencken,  Scriptores  renun  Germane 
Carum  (1728),  T.  1^  p.  647:  „Menaibns  aestiTia  Dax  Alb«ta 
PraedeasiB  ordlMn  Ttni(»lenm  cnm  eois  axnit  et  ad  eo&Tiatiim 
Bartholonaei  habendnm  de  rebna  dviatiaua  D.  M.  LutteiBi 


1)  Die  nachfolgenden  Nachträge  Tschaekert*s  kfinnen  ok- 
folge  eines  Veiselieiis  ent  naehtrigUen  gebiaeht  weiden 

Bneger, 


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lilSCELLEN. 


621 


litens  ehristUuiiB^ia  acdytt^  pollteitos  miBBnmm  qaotquot  Teilet 
eqnitam,  qui  advenieiitem  sab  fide  irablioa  dedneerent  Legt 
etiam  liienu  Prindpls  illins  FrusBiae,  ad  enm  in  hec  eeriptae.'* 

Danach  bat  Heraog  Albreebi  im  Sommer  1525 
Kariin  Lntber  nach  Königsberg  eingeladen,  damit 
dieser  dort  an  dem  Landtage,  welcher  die  erange- 
lisehe  KirchenordDiing'  beraten  sollte,  teilnehme 
Ffir  die  Beise  dahin  habe  der  Herzog  Lnthern  soviel 
Beiter  zum  Schutze  Tersprochen,  als  er  haben  wolle. 

I>ie  Steit  der  Abfassnng  l&Crt  stob  mit  Wahiseheinliehkeit  fol- 
gendermafsen  feststellen. 

Der  Landtag  atif  Barthol omäi  (24.  Augnst)  wurde  in  Königs- 
berg am  '29.  Mai  1525  (auf  dem  cr?;ten  Latiding-o  des  neu  j^e- 
Ecliatlenen  ITcrzorrtums  Prcufsen)  iu  Auasicbt  ^rcnommen.  Iq 
diesen  Tagen,  vom  25.  bis  31.  Mai,  war  der  iierz**:  aufser- 
gowöhnlich  beschäftigt.  Darauf  folgten  festliche  Tiige,  als  Hischof 
Polentz  (8.  Jnni)  und  Briefsraann  ('12.  Juni)  Hochzeit  liiel- 
ten.  Mitten  in  diesem  Jubel  tauchte  der  Schwärm L^ei st  Martin 
Cellarius  aus  Stuttgart  in  Königsberg  auf.  8p er a tu 8  so- 
wohl, als  auch  Briefs  mann  schrieben  in  dieser  Sache  an 
Luther  (jener  am  11.,  dieser  &m  15.  Juni).  Brielämann  schrieb 
am  Schiufa  seines  Briefes: 

„Scribit  Lac  de  re  tibi  priuceps  iilustrisbimus 
[Albertus];  exspectat  a  te  quoque  sententiam  et  Ju- 
dicium.'*   (Brismanni  epistolae,  ed.  Qebser  1837,  p.  1.  2.) 

Wegen  der  am  Anfing  August  angetretenen  Beiae  des  Her- 
zogs naeh  Schlesien  worde  der  Landtag  TOn  BartholomAi  (84.  Au- 
gust) anf  Nicolai  (6.  Dezember)  1585  verBchoben.  Hier  wurde 
in  der  That  die  erste,  eTangelische  Kiiohenordnung  fQr  das  Her- 
zogtom Preuisen,  welche  inzwischen  von  den  KOnigsberger  Be* 
fonnatoren  entworfen  war,  angenommen. 

b)  Martin  Luther  an  Herzog  Albrecht. 
[?  d.  d.  Wittenberg,  ciroa  8.  Juli  1525.] 

Auf  die  Einladung  Albreehfs  hat  Luther  aus- 
ffihrlich  geantwortet  und  zwar  sowohl  Aber  Cel- 
larius als  auch  ttber  die  in  Preufson  einzufflhrende 
Kirchen  Ordnung;  und  diese  Antwort  yerfaüBte  er  gleichzeitig 
mit  seinem  Briefe  an  Johannes  Briefsmann,  d.  d.  1525, 
post  ascensionis  (in:  Luther's  Briefe  bearb.  von  De  Wette  III,  21). 

Als  Datum  dieses  Briefes  hat  De  Wette  den  16  August, 
Seidemann  dagegen  (Bd.  VT.  S.  4B1)  und  mit  ihm  Burk- 
hardt, Liitber's  Bricfwerbsel.  S.  87  den  .3.  Juli  angenommen, 
indem  die  beiden  letztgenannten  Gelehrten  statt  post  ascensionis 
post  Tisitationis  setzen. 


622 


ANALEKTm 


Für  mioh  igt  tnlMheidend«  dab  LntliAr  «if  die  eUr»  «n 
15.  Juni  gwohriebene  Bbiladinig,  am  94»  ilvgiist  ia  KOnigR» 
ber^  an  wiislitigeii  Landtagsferbuidlimgen  teilnuielimen,  nicht 
erst  nach  dem  15.  August  in  Wittenberg  die  Antirort 

schreiben  Iconute;  denn  dann  wAr«  lie  gur  nicht  mehr  so  mhtor 
Zeit  in  Königsberg  eingetroffen. 

Der  Brief  Lnther's  an  Brie  Ts  mann  ist  Antwort  auf  dessen 
Schreiben  vom  15.  Jnni  (Qebser  a.  a.  O.  1.  2);  bei  der  Erwäh- 
nnng  der  Vorgänge  in  Königsberg  schreibt  Luther  seinem  Frennde: 
„Scripsi  nwtch  de  Martine  Cellario  et  nunc  latiiis  ad  pria- 
cipem  A  d{>lbeTtum,  simul  de  ceremoniis  instituen* 
dis"  (De  Wette  III,  21). 

Danach  hat  Lnther  sogar  zweimal  über  Collarins  an  Herzog 
Albrecht  geschrieben,  das  zweite  Mal  ausführlich  zugleich 
mit  dem  Briefe  an  Briefsmann;  in  dem  zweiten  Briefe  an  Al- 
hrecht  aber  hat  Luther  auch  über  die  zu  entwerfende 
preufsische  K ir chenordnang  gehandelt. 

Beide  Briefe  sind  yerloren;  ja,  auch  die  hier  mitgeteilten  lu- 
haltsuugab'  II  hat  in  der  Darstellung  der  preufsischen  Kirchen- 
geschichte bisher  niemand  crwäbat.  Sie  werfen  auf  die  Königs- 
berger Ereignisse  des  Jahres  1625  ein  neues  Licht 


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REGISTER 

Von 

Lic.  Bernhard  Bef»  io  Marburg. 


I. 

Verzei€bu8  der  aiigeilrackteA  QuelteiislQcke. 


[381]  Brief  Christi,  griechiäche  Handschrift  in  Carpetitni8.  Aus- 
züge (Neudruck)  437  f. 

Saeo.  Vm/IX:  Syrische  Handschrift  „Sachau  302",  Anfänge 
der  einzelnen  Abbtndlangen  443 — 447. 

[1201]  Brief  CSMtH,  lateinieeher  Ttoxt  aus  der  Chronik  des 
Boger  de  Hoteden  (Nendmck)  438  ff. 

Saee.  xm:  Bri^  ChritH,  lateinieelier  Text  einer  Hamburger 
Handechrift  (Neudruck)  440it 

1437  April  26  IL  Hai  7:  Nokirktitinitnmeni  Aber  einen  Protest 
der  deateehen  Nation  des  Baseler  Konaila,  Abaebrift  270 
bis  274. 

14  78  Ang.  2:  BerMOff  Wükdm  vm  JÜlkik'Btrg  an  Johann 
TOB  Palant  159« 

1478*-U84 :  Haadschrift  der  Berlinw  KAnigl.  Bibliothek  (Haee. 
Cai  365)  ans  dem  Hameralebener  Kloster:  1.  JM/bnmilio 
n^dekfum  ffherardi  groi"  mit  Varianten  561  —  586; 
2.  Bisher  unbekannte  Sdm/ten  des  Johann  Busch,  Titel 
und  AnszQge  586 — 596.  » 

1486:  Handschrift  der  Berliner  Königl.  Bibliothek  ans  dem 
Bruderhans  Münster:  Bisher  unbekannte  Schriften  des 
Jo  kann  Vcg  h  c ,  Titel  und  Auszüge  59?—  617. 

1505  Okt  17:  Brief  Wimpfelings  an  Joh.  Ostendarp. 


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624 


REGISTER. 


Abweichende  Lesarten  nnd  Kigbmingen  ans  dem  Wimpfeling« 

Codex  der  Univeieit&tflbibliothek  ni  Upeala  166  f. 
1616--1582:  WUUnberger  JHt^piOaikmsfheim  450—471. 
1618:  Thesen  Luthers  de  exeommunieatione  477. 
1518:  Thesen  Luther* s  Ober  remissio  poenae  et  eiäpae.  Plikat- 

dmck  (Kopf  und  Varianten)  479« 
[1520]:  Älteste  Sammlung  Wittenberger  Disputationen,  Nach- 

drnck.    Titel  und  33  Thesen  Karlstadts  (Nendruck)  479—483. 
1522  Mai  21:  Gutachten  des  Hauptgerichts  Mich  159 ff. 
1522  — 1533:  Beligionsmandatc  des  Markgrafen  Philipp  «on 

Baden  (3  Neudrucke,  8  bisher  ungedruckte)  311 — 329. 
1524  — 1545:   Korrespondenz  Luthers    mit   Albrecht  von 

Freulseu  (2  neuo  Lutherbriete,  16  neue  Briefe  Albrechts  aa 

Luther,  1  an  Katharina  Lwther)  276—301  vgl  S.  620. 
1534  Aug  31:  JPaul  Speratus  an  Lather,  Melanthon  und 

Jonas  302  f. 

1  535  Nov.  2  0:  Vertrag  swischcn  dem  römischen  Könin  Fer- 
dinand und  d&fn  Kurfürsten  JoJiann  Friedrich  von  Sachsen 
eu  Wien,    Dresdener  Hauptst;iatsarchiv        —  252. 

1  540  (April  8):  Bugenhagen  s  Üborsotznng  zweier  Briefe 
Lutber's  (Anfang,  SchhiJ  s  und  Registratur  vermerke)  306. 

1540  Juni  17:  Erzbiäcliof  Wilhdm  von  Eipa,  Markgraf  von 
Brandenburg,  an  Luther  303  f. 

1563  Dezember  5:  Schreiben  der  Witwe  Bugenhagen's  an 
die  Knifttrstin  Anna  sn  Sachsen.   Excerpte  483 f. 

1567  Hai  21:  Schreiben  Lindemann's  an  Knrftrst  Angost 
sn  Sachsen»  Fladns  betreffend  830  ff. 

(1569):  Schreiben  des  Jotom  Mlkarms  an  die  Knrf&ntin 
Anna  sn  Sachsen.   Excerpte  167  ff. 

1569:  Antwerpener  Dmcfc  der  Bibliothek  sn  Bostock  „Wem^ 
ffortm  ätr  $eete  fson  JaM  Boeex",  Titel  nnd  AnsiOge 
617  ff. 

8aec.  XVII:  BMerverMeichMU  ans  dem  Codex  1280  der 
Bibliothek  von  Iwiron  156  t 


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REGISTER, 


625 


IL 

VerzeiehDis  der  besprocbeoeo  Scbriften. 


Abbandl.  der  kgl.  bayer.  Aka- 
demie der  Wissenschaften, 
a..  Kl.  XVUI:  125  f. 

Antoniades,  Kaiser  Licinius  343. 
Ml.  .UT. 

Anzeigen  ,  Gott.  Gel.  1889:  iülf. 

Archiv,  Freibürger  Diöccsan-, 
Bd.  XIX  1887:  m 

Archiv  für  Kirchen-  und  Lit- 
teratargeschichte  IV  n.  V: 
491—495. 

Armbrnst.  Die  territoriale  Politik 
der  Päpste  von  5ÜQ  bis  800, 
Diss.  Göttingen  1885  :  6fi. 


Baur,  A. ,    Zar   Einleitung  in 

Zwingli's  Schrift  „In  catabapti- 
starum  Btropbos  elenchus*'  lül 
bis  1G5. 
— ,  Zwingli's  Theologie  lÜ 
Berger,  S.,  De  Tbistoire  de  la 

Vulgata  cn  France  ^4. 
— ,  Lea  Bibles  proven^alcs  et  vau- 

doises  496  f. 
Bericht  über  Bestand  und  Wir- 
ken des  histor.  Vereins  zn  Bam- 
berg, 19^  1886  u.  1887:  499. 
Bncholtz,  Ferdinand  Li  22L 
Bnrckhardt,  Die  Zeit  Konstan- 
tin*s  des  Greisen,  2.  Anfl. 


Carlas  de  S.  Ignacio  de  Lo- 
yola 5ÖL 

Christofori,  Graf  Francesco, 
Storia  dei  Cardinali  di  santa 
R^)maDa  chiesa  499  f. 

Colcridge,  The  chronicle  ofS.  An- 
tony  of  Padaa  209  f. 

Corpus  Reformatornm  IX:  1£9^ 


Demetrakopulos,  'laroQfa  roö 
ax^ffixaroq  rijf  yiaTivtxfji;  ixxXri- 
a(as  And  rijs  dQ^o^öiov  *EkXij- 
vucrjs  22  f. 

— ,  *0(^6äoioi  'Ellas  ijTM  negi 
rOv   Ellijvtav   rOv  ygatpavtaiv 

(fvyyQttfxuuJWv  ninGh^  23, 
Denifle,  Die  älteste  Taxrolle  der 

apostolischen  Pönitentiarie  491< 
— ,  Die  HandKchriften  der  Bibel- 

Korrektorien  des  IBx  Jahrhunderts 

— ,  Urkunden  zur  Geschichte  der 
mittelalterlichen  Universitäten 

— ,  Uber  Nikolaus  von  Straijsburg 
491f.  . 

— ,  Ursprung  der  historia  des  Nemo 
495. 

De  Vogü^,  Syrie,  Palestine,  Mont 

Athos  119. 
Dräseke,  J.,  Zu  Michael  Psellos 

173. 

— ,  ApoUinarios'  Dialoge  ,,Über  die 
heilige  Dreieinigkeit"  490 f. 

— ,  Phöbadius  von  Agennum  und 
seine  Schrift  gegen  die  Arianer 
491. 


Ebrard,  Die  Objektivität  Jan- 

feen's  21B, 

Ehrle,  Die  Spiritnalen,  ihr  Ver- 
hältnis zum  Franziskanerorden 
und  den  Fraticellen  491  f. 

— ,  Ein  Bruchstück  aas  den  Akten 
des  Konzils  von  Vicnne  493. 

— ,  Der  Nachlafs  Clemens*  V.  und 
der  1328-1331  geführte  Prozefs 
493 

— ,  Mittcilang  über  den  Schatz 
Johannes  XXII.:  493  f. 


626 


REGISTER. 


FiD  ke,  ILj  Forschungen  Quellen 
zur  Geschichte  des  KoDätanz^r 
KoDzils  49vS  f. 

FoTBcbangen  zur  deutschen  Ge- 
schichte XIII:  215  f. 

Friedrich,  Die  konstant  Schen- 
kung mf. 


.  Glafsberger,    Analecta  Fran- 

ciscana  21L 

G  ö  r  r  e  s ,  Fr.,  Die  Verwandtenraorde 
Konstantin 'b  des  Grofsen  490. 

Gropias,  Isidor.  Hispal.  Etymol.' 
XIII,  IE  (de  diversitate  aquarum) 
als  Handhabe  zur  Beurteilung 
Yon  Isidorus-Handschriftcn  ^Weil- 
burger  Gymnasialprogramm)  112- 

Gnyard,  S.  Antoine  de  Padoue 
209. 


Harnack,  Adolf,  Dogmengesch. 

m 

Hanck,  Albert.  Tertnllian  3Ü5. 
Haopt,  H.,    Priscillian,  Seine 

Schriften  und  sein  Prozefs  III  f. 
— ,  Die  Inquisition  gegen  die  Wal- 
denser  im  südöätl.  Deutschland 
bis  zur  Mitte   des  1^  Jahrb. 

mf. 

Hilgen  fei  d,  Adolf,  Anzeige  von 
Antoniades,  Kaiser  Licinius 
ML 

— ,  Der  Gnosticismus  48'.». 

Horoj,  Medii  aevi  Bibliotheca 
Patnstica  177. 

Hnnziker,  Zur  Regierung  nnd 
Christenverfolgung  des  E.  Dio- 
cletianus  und  seiner  Nachfolger 
a03~313  :  833  f.  340.  84»^. 


Jahrbuch,  Historisches  1885: 

597.  QISl 
Jahresbericht  des  k.  k.  Ober- 

gymnasiums  der  Benediktiner  zu 

Melk,  XXXIX,  1889:  484—488. 
J  a  n  Ts  e  D ,  Geschicbte  des  deutschen 

Volke**  III:  2ilL 
Josa,  P.  M.  Ant.  Maria,  Legenda 

seu  Tita  et  roiracula  S.  Antonii 

de  Padua  178.  18!  184. 
Jostcs,  Unbekannte  Schriften  de« 

Johannes  Veghe  597.  G15. 


Katschthaler,  E.,  Über  den 
Österreich.  Mauriner  B.  Pez  nnd 
j      seinen  Briefwechsel  484 — 488. 
'  Kaweraa,  Der  Briefwechsel  des 
I      Justus  Jonas  4r>4. 
Knaake,  Einleitungen  im  L_.  U. 
und  VI.  Band  der  Neuen  Luther- 
i     Ansgabe  101—154. 
I  Kolde,  Luther  I:  118f.  12L^I23. 
125.  IM. 
K  5  8 1 1  i  n ,  Martin  Luther  473. 475  f. 
;  Krüger,  G.,  Zur  Frage  nach  der 
Entätehungszeit    der  konstant. 
I     Schenkung  US. 


Litteraturblatt,  Theolog., 

1890:  m 
Litteratnrzeitung,  T  heolog., 

1889:  123. 
Loserth,  Die  neuere  Wicliflitte- 

ratur  49L 
— ,  Anzeige  von  Preger,  Taboriten 

nnd  Waldenser  497. 


Mar g all.  F.  Piy,  Juan  de  Ma- 
riana, breves  apuntos  sobre  su 
vida  y  sas  esbritos  Madrid  1888: 
125. 

Meyer,  Gabriel,  Der  h.  Antonias 

von  Padua  21IL 
— ,  Paol,  Bruchstücke  einer  pro- 

ven9aliscben  Bibelübersetzung 

497. 

Mitteilungen   des  Instituts  f. 

.  5sterri  ich.  Geschichtsforschung 
X:  172  f. 


Otto,  Gebrauch  Neut<«tament- 
lieber  Schriften  bei  Tbeophilu» 
von  Antiochien  5.  2.  2L 


Papadopulos  Keramefs,  Bt- 

15Üf. 

Paula  Garzon,  Fr.  de,  Juan  de 

Mariana  y  las  escudes  liberales. 

Estudio    comparativo.  Madrid 

1889:  125. 
Preger,  Taboriten  und  Waldenser 

4SL 


REGISTEB. 


627 


Reasch,  F.  Die  Fälschungen 
in  dem  Traktate  des  Thomas  von 
Aqoin  gegen  die  Griechen  495  f. 

Biley,  The  Atbos  or  tbe  Moun- 
tain m 

Röhricht,  R.,  Deutsche  Pilger- 
reisen nach  dem  Heiligen  Land 

Romania,  T.  XVIII:  496f. 

Salvagnini,  Enrico,  8.  Ant  di 
Padova  c  i  snoi  tempi,  Turin 
1887:  HL  210.  „ 

Schanb,  K.  .W.,  Über  die  nieder- 
deutschen trbertragungcn  des  Lu- 
therischen Neuen  Testamentes, 
welche  im  liL  Jahrh.  im  Druck 
crBcliienen  174. 

Scheffer  -  Boichorst,  Entste- 
hungszeit der  konstant.  Schen- 
kung 112. 

Schiller,  Hermann,  Geschichte 
der  römischen  Kaiserzeit  II :  2^ 
346. 

Schilling,  A.,  Über  die  reli- 
giösen und  kirchlichen  Zustände 
Biberachs  vor  d.  Reformation  499. 

Schnitze,  V.,  Anzeige  von  0. Beek, 
die  Verwandtenmorde  Eonstan- 
tin's  des  Grofsen  490. 

Schwarzlose,  Die  Patrimonien 
der  römischen  Kirche,  Dissert. 
Berlin  1887:  ^ 

Seek,  0.,  Die  Verwandtonmorde 
Konstantin's  des  Gro£sen  4S9f. 

Sitzungsberichte  der  pliilos.- 
histor.  Kl.  der  kgl.  preuTs.  Akad. 
der  WisscnschaH^n  zu  Berlin, 
St  XVU:  174. 

Studien  u.  Kritiken,  Theol., 
1890:  iÜüf. 


Thenn,  Aug,  Zu  Euseb.  Hist 
Eccl.  IV,  13^  3.  ii  IX,  L 

m 

Untersuchungen  zur  römi- 
schen Kaisergeschichte 
(Büdinger)  II:  833?.  m  240. 


Verzeichnis  der  Sachau*- 
schen  Sam mlung  syrischer 
Handschriften,  Kurzes  442. 


W  a  1 1  z ,  Der  Wiener  Vertrag  1535 : 
215  f. 

Wattenbach,  W.,  Das  Hand- 
buch eines  Inquisitors  in  der 
Kirchenbibliothek  St  Nikolai  in 
Greifswald  174. 

Weber,  Rj  ein  Verzeichnis  der 
Tcrraineien  des  Bamberger  Kar- 
meliterkonvents 499. 

Weiland,  L. ,  Das  angebliche 
Wahldekret  d.  Papst.  Stephan  IV. : 
17:1 

Wille,  Philipp  der  Grofsmötige 
und  die  Restitution  Ulrichs  von 
Württemberg  211. 

Wisbaum,  Die  wichtigfiten  Rich- 
tungen und  Ziele  der  Thätigkeit 
des  Papstes  Gregor's  des  Grofsen, 
Diss.    Bonn  1884:  ixL  1^ 

Wolff,  P.,  Die  TtQdiSQot  auf  der 
Synode  in  Nicäa  171. 


Zeitschrift  für  Geschichte 
und  Kunst,  Westdeutsche, 
Korresp.-Blatt,  1889:  171  f. 

Zeitschrift  für  Geschichts- 
wissenschaft, Deutsche,  I: 
173f. 

Zeitschrift,  Histor.,  LXII, 
N.  F.  XXVI :  49L 

Zeitschrift  f.  die  hist.  Theo- 
logie 1859:  5.  L  21. 

Zeitschrift  f.  Kirchengesch. 
X:  161—165 

Zeitschrift  f.  Kirchenrecht 
XIX:  IIS. 

Zeitschrift  f.  kirchL  Wissen- 
schaft und  kirchL  Leben 
1889:  HL  4aL 

Zeitschrift  für  wies.  Theo- 
logie XXVIII:  ML  Mli  XXX: 
490:  XXXII:  III.  illL  489f.; 

XXXIU:  m.  4aL 


628 


BEGIST£R. 


III. 

Saih-  uüd  Namenregister. 


Abendmahlsgeoufs:  in  der 
griech.  Kirche  5t)9f. 

Abendmahlästrcit  im  liL  Jahr- 
hundert: Chronologie  von  Lu- 
ther*8  Schriften  472—476. 

Acta  Jesu  et  Pilati  3M, 

Adamantios  Korais 

Aga  plus,  Märtyrer  3-10.  ML 

Agapios  V.  Kypros  bM.  566f. 

Agostino  Arbusti,  Biographie 
des  hl.  Antonius  von  Padua 

Agrikola  472f. 

Ajioriten,  die  395f.  4üL  404; 

ajiorit  Litteratur  433  ff. 
Ailli  49ä. 

Aitingcr,  Sebastian  22ü 

Akoluthie  546f.  ^ 

Albrecht  von  Brandenbui^,  Erzb. 
von  Mainz:  Brief  an  seine  Räte 
über  das  Ablafsgeschäft  nach 
Luthers  Vorgehen  114 ff.;  igno- 
riert Luther's  Brief  vom  3L  Ok- 
tober 1517:  117]  2ölif.  2ML  m 

Albrecht,  erster  Herzog  von 
Preu£sen :  neue  Korrespondenz 
mit  Luther  274  f.  270—301;  ver- 
loren gegangene  Briefe  aus  die- 
ser Korrespondenz  ÖJJQff.;  Briefe 
Oden's  an  ihn  620;  s.  V»>rhält- 
nis  zu  den  Sc  Ii  wen  kfeldianem 
284;  Ps.  121  gedichtet  286i  Re- 
ligio nsvergleichung  mit  Karl  V. 

Alexander  von  Alexandrien 
HL 

Algesheimer,  Job.  I^eriibard  2ß4. 
Allegorie:  b.  Antonius  v.  Padua 

5Öäf.  530.  533;  b.  Richard  von 

St.  Viktor  512: 
Altes  Testament,  Gebranch  bei 

Theophilus  von  Antiochien  9f. 

ü  nf. 

Anatolius  44€f. 
Andreas  von  Spelle  20L 
Angelico    da    Vieenza,  La 


Vita  di  S.  Antonio  di  Padova 

20L 

Angelus  de  Clareno  492. 
Anna,    Knrfurstoi   zu  Sachsen: 

Schreiben  der    Witwe  Bugcn- 

hagen's  an  sie  4i^3f. 
Ansilcubus  510. 
AnthimuB    von  Nicomedia 

349. 

Antichrist:  Lehre  der  griech. 
Kirche  &6ä. 

Antiochien:  Kanonbildung  da- 
selbst 3  f. 

Antonin  von  Florenz,  Summa 
historialis  21^ 

Antonias,  D.  hl  442.  445. 

Antonius  von  Padua:  Gedruckte 
Antoniuslegenden  178;  kritische 
Besprechung  derselben  179—  198; 
Tierichte  über  Abfassung  von 
Legenden  liififf.  211 ;  ander- 
weitige Nachrichten  aus  dem  UL 
Jahrb.  200—204;  Bitgrapbieen 
204—211;  s,  Schriften  oU.i— 538; 
Beurteilung  der  früheren  Ordens- 
regeln 507 f.;  8.  Poleiuik  gegen 
die  Geistlichkeit  509.  533.  537; 
s.  Kenntnis  der  Philosophie  511 ; 
8.  Verhältnis  zur  Mystik  der 
Viktoriner  511  ff.  532.  534  f; 
katbarische  Anschauungen  514; 
s.  Grundgedanke  verglichen  mit 
denen  des  Franz  von  Assisi  515 
bis  523;  s.  Freundschaft  mit 
Thomas  von  Vercelli  523 ;  Druck 
seiner  echten  Predigten  5*J5; 
HandBchriften  525—521»;  s.  gy- 
näkologischen  Kenntnisse  .531 ;  9. 
Anwendung  der  NaturgescEichte 
532.  634 

Apokalypse:  gebr.  von  den  Atfaos- 
raönchen  433. 

Apullinarios  von  Laodicea:  über 
p.  Schrift  wider  Eunomios  22—61 ; 
Unechtheit  des  4.  und  5.  Buches 


REGISTER. 


629 


des  Basilios  gegen  Ennomios  23  f. ; 
die  handachriftl.  Überlieferung 
derselben  26—30;  ein  unechter 
Anhang  ntgl  toO  nvtvfxaioq  28flf.; 
sonstige  Pseudonyme  Schriften  des 
A.  Üüflf. ;  8.  Verhältnis  zu  Eu- 
Domio8  32 f.;  zu  Basilius  35 f.; 
die  Polemik  des  A.  38 f.  iL  69 f.; 
Sprachgebrauch  und  Dialektik 
desselben  42;  Urteil  des  Basilius 
i3 ;  Schrifterklärung  a.  -benutzung 
49 f.;  Lehre  vom  hl.  Geist  53 
bis  56i  Christologie  Mff.  51  ff. 
56 f.;  Trinitätslehre  57 f.;  Bhe- 
torik  58  f.  ;  Verhältnis  zu  Liba- 
nios  58i  Dialoge  über  die  hl. 
Dreieinigkeit  i^f. 

Apostelgeschichte:  von  Theo- 
philus  von  Antiochien  nicht  ge- 
kannt 2L 

Apustolicität,  ein  Kriterium 
der  Kanonicität  4.  Ig.  20. 

Apostoliker  422. 

Apphianus,  Märtyrer  340 f. 

Arianischer  Streit:  s.u.  Apol- 
linarios  von  Laodicaea  n.  Basilius ; 
491. 

A r  i  m  i  n  um ,  Synode  von,  359:  4^ 
Aristotelismus:  des  ApoUina- 

rios  von  Laodicea  491. 
Armellini  485. 

Armenpflege  der  röra.  Kirche: 
ihre  Organe  20;  Aufwendung  für 
dieselbe  86—91. 

Arnold  Kalkar  590. 

aoy  ovT  doloi  572  f. 

A  s  K  e  s  e :  als  Mittel  der  Vereinigung 
mit  Gott  lia,  42if.  431;  Grund- 
lage für  die  Stufenunterschiede 
im  griech.  Mönchtuni  545 fif.;  Er- 
neuerung der  asket.  Weltanschau- 
ung in  der  griech.  Kirche  575. 

Athanassios,  Gründer  des  Athos- 
kJosters  Lawra  4ü&  4aL 

Athanassios  Parios  554.  5M. 
öüß.  520. 

Athanasius:  Pseudonyme  Dialoge 
490 

AthosklÖster,  die:  Verfassung 
397—418;  Lebensziel  418-435. 
539—544;  Stofcnunterschied  515 
bis  553:  die  Akademie  und  der 
Kolywastreit  554—571;  Kloster- 
beainte  all  ff.;  s.  u.  Nikodimos 
Ajicritis;  Bücherverzeichnisse  da- 
selbst 155  ff. 


August,  Kurfürst  zu  Sachsen, 
1567:  Schreiben  Lindemanns  an 
ihn  33Üff. 

Augustin:  Regel  des  hh  A.  104. 

Augustiner-Chorherren  579. 

Augustiner  •  Eremiten  :  in 
Magdeburg  521. 

Aurifaber.ÄWr.277f.  29a  SSL 

Auto  Heus:  Verfasser  der  drei 
Bücher  ad.  Autolicum  L  4.  — 
Anlage  der  drei  BQcher  5  f. 

Avignon,  Universität  zu  494. 

Azzoguidi:  über  Antonius  von 
Padua  202  f. 


Baden,  Reformation  308 ff. 
Balsamen  547. 

Bamberg,  Karmeliterkonvent  499. 

Bardesanes  44ü 

Bartenstein  487. 

Bartholomäus  von  Pisa  197 f. 

Bartholomäus  von  Trient, 
Ge^ita  Sanctorum  203. 

Baseler  Konzil:  Stellung  der 
deutschen  Nation  zu  der  Aus- 
schreibung eines  Zehnten,  durch 
welchen  die  zur  Griechenunion 
notwendigen  Geldmittel  beschafft 
werden  sollten  268—274. 

Basilius,  Bischof  von  Caesarea: 
über  seine  Schriften  gegen  Eu- 
nomios  22—24;  Ausgaben  seiner 
Werke  von  Combefi,  Garnier  u. 
Qoldhoni  23 f.;  Schutzschriften 
gegen  Eunomius  25^  s.  u.  Apol- 
linarioa  von  Laodicea;  Schriften 
des  Eunoinios  gegen  ihn  33 f.; 
Gamicr*s  Kritik  an  dem  4.  und 
5.  Buch  gegen  Eunomioa  24.  32 
bis  olij  8.  Ürteil  übir  des  Apol- 
linarios  von  Laodicea  Dialektik 
43;  s.  Lehre  vom  hl.  Geist  54j 
s.  christolog.  Terminologie  52. 

Bassian  490. 

Bauernkrieg   1525  :   263f.;  in 

Baden  309. 
Baumbach,  Ludwig  von  232. 
Bayer,  Leonhard  4r"7. 
Begh^rden  und Bcghinen 492. 
Bcichtzettel:  Sprachgebrauch 

im  Ifi.  Jahrh.  12L 
Benedikt  XIL:    TazroUe  der 

apost.  Poenitentiarie  494. 
Benedikt  XllL:  iSS. 
Benediktiner:  s.  u.  Fez. 


630 


REGISTEB. 


Bergen,  Benediktinerkloster  da- 
seibet 

Bertrand  de  Got  403. 
Bessarion  von  der  N^a  £x^Tri 

Bibel-Korrektorien    des  liL 

Jahrh.  iM.  ^ 
BibelübersetzMgen,  die  pro- 

ven^alischen  und  waldensiscben 

4%;  d.  nicdürtleatscbe  HL 
Biberacb,  religiöse  n.  kirchliche 

Zustande  vor  der  Reformation 

Bibliotbeca  ascetica  4S6. 

Bibliotbeca  Benedi  et  ina  Maa- 
riniana 484  ff. 

Bischof,  als  Guteverwaltcr  der 
röm.  Kirche  üfi. 

Blambekin,   die   Visionen  der 

Bologna,  Universität  in  iSi. 

Bonacnrsins  A^d. 

Bonaventnra  507 ;  s.  litt.  Ver- 
hältnis zu  Antonius  von  Padua 
2Q2f.  5ia, 

Bora,  Johann  von  286  f. 

Brandenburg:  Doutstift  daselbst 
108 

Briefsraann  282,  285.  2üiL  MÖ. 
621 ;  Disputationsthesen  iliSff. 

Brüder  des  freien  Geistes 493. 

Br  ü  der  vom  gemeinsamen  Le- 
ben: bisher  unbekannte  Schrif> 
tcn  von  Gccrt  Groote,  Johannes 
Busch  und  Johannes  Veghe  511 
bis  fiia. 

Bucer  225,  iliL 

Bücherverzeichnisse,  auf  dem 

Athos  IhL 
Bagenhagen,  s.  Verdienste  um 

d.  niedordeutsclje  Bibelübersetzang 

114^2^.  305 f.;  Schreiben  seiner 

Witwe  483  f. 
burdatio  6L 

Busch,  Job.  579;  Lebensskizze 
587;  8.  unbekannten  Schriften 
5R7~59fi. 

Bnfse,  Wertbeurteilung  im  MA. 

515.  517  f  5^2.  üaü  f. 


Canierarius,  Joachim  277.  2Sfi. 
Campeggi  308 f. 
Capito  475. 

Carlstadt,  Disputationathescn 
448  f  450  f  45Ü.  460—463.  471. 
479-483. 


castrenses:  in  Tert.  de  Corona 

360  f. 

Chalki,  Kloster  auf  412. 

I  Chios,  Kloster  auf  412. 

I  Christenver folgnng: unterMa- 

1      ximin  II.  335—350;  Unpopulari- 

I  tat  der  Metzeleien  3ilf.  ;  Tole- 
ranzedikt von  311 :  344;  Mai- 
länder Edikt  350  f. 
Christian  III.  von  Dänemark: 
Brief  an  s.  Schwiegersohn  AngUEt 
von  Sachsen  über  das  Kolloquium 

i     zu  Wornjs  IfiS, 

I  Christologie.  des  Eunomios 
aiff. ;  christolog.  termini  bei 
Basilius  und  Apoll  in arios  von 

I      La.idicca  4iff  51  ff.  5fif.  491. 

I  Chrvsostomus,  Homilie  über  die 

!      Bufiic  MiL 

[  Celerinus,  I>ektor  390 f. 

'  Cellarius,  Martin  2M.  ß2L 

i  Citationsforniel,    bei  Theo- 

I      philus  von  Antiochien  fi.  12.  Ifif. 

j      19.  2L 

,  Clemens  von  Alexandrien:  über 

das  Bekränzen  iüilf. 
Clemens  V.:  s.  Nacblais  und  der 

über  ihn  1328  —  1331  geführte 

Prozefs  423, 
Clemcntinen,  liber  scptimus  de- 

cretorum  4Ii3. 
Clovekorn,  Job.:  Brief  an  Job. 

Busch  593  f. 
Coci,  Nikolaus,  seine  Promotions- 
thesen 464. 
Combefis,  s.  u.  Basilius. 
C ran  ach,  Lukas  26iL 
Crautwald  302f. 
Crop,  Gottschalk,  s.  Prorootions- 

thesen  iüUtl'. 
Cruciger  306. 

Cuelsamer,  Job.,  s.  Promotions- 
thesen 462 f. 
Cyprian  von  Karthago  d90f. 

'  Befensor  68  f;  Entstehung  des 
Amtes  69  ff. 
De  la  Haye,  S.  Fransisci  et 
S.  Antonii  Paduatii  opera  omnia 

2Ü6. 

Deutscher  Orden  2I1L 
Diakon,  als  Geschäftsführer  der 

römischen  Patrimoniiilvcrwaltung 

13  f. 

Dialektik,   in  den  arianischen 
Streitigkeiten  43  f. 


REGISTER. 


631 


D  i  d  y  ra  0  8 .  Streitschrift  gegen  E  u- 
noraios  2ß* 

Dietrich  v.  Niem  498. 

Dikäos,  Würde  des  112.  511  f. 

Diocletian,  s.  erstes  Edikt  ge- 
gen die  Christen  3.^9;  der  /zehn- 
jährige Diocletian-Sturiu  351. 

Dionysius,  Ajiorit  413 f. 

Dirk  von  Deventer  5ilL 

Dispntationsubungenjn  Wit- 
tenberg MSif.  4Üäf.  4I2if. 

Dolcinos  4Ü2. 

Dölsch,  Joh.,  Dispotalionsthesen 
44a.  451  458ff.  466ff.  42a  41L 

Dölzig,  Sachs.  Gesandter,  1534: 
LMH  22iL  2m. 

Dossitbeos  von  Jernsalem,  seine 
Kirchcngeschichte  4.'^5. 

^  o  /t  idnriq  572. 


Eck  449. 

Einierich,  Nik. :  directorium  in- 
qnisitionis  1 74. 

Einblattdruck  12S. 

i  XX  Xtja  t  rin/Tjs  512. 

Emmanuel  de  Azevedo,  Bio- 
graph des  hl.  Antonius  v.  Padua 
2ö8f. 

Ephraem,  Traktat  gegen  Barde- 
sanes  446. 

Erasmus,  über  die  Schriften  des 
Basilius  von  Caesarea  gegen 
Eunumios  22. 

Erbrecht  der  Priester  159 ff. 

Efslingen,  Zusammenkunft  der 
oberdeutschen  Städte  1534:  222. 

Eunomios:  Schrift  des  Apolli- 
narios  von  Laodicea  gegen  ihn 
22— Gl;  über  die  Schriften  des 
Basilius  von  Caesarea  gegen  ihn 
22—24;  andere  Bestrt-iter  25j 
8.  Schriften  33 f.;  Abfassnngs- 
zeit  des  l-fnoXoyrjnxö^  35 ;  Be- 
kämpfung^ des  'yfnoloyrjttxo;  in 
des  Apollinarios'  ^AvTiQor]Ttxoq 
xßr'  Evvofjiiov  ülff. ;  s.  schrift- 
stellerische Thätigkeit  41  f  :  s. 
Lehre  von  der  Seele  42;  vom  hl. 
Geiste  5CL 

Eusebius  von  Caesarea,  benutzt 
Lactantius  ä42r;  über  Maxi- 
rain's  II.  Toleranzedikt  348  ;  482. 

Eustachius  von  Flai  4.'^R. 

Eustathitts  von  Antiochien 
IIL 

Z«iUchr.  t  K.-Q.  II,  L. 


Evangelien,  bei  Theophilus  von 

Antiochien  ID.  13.  Ifi.  IS. 
Evagrins  Ponticus  446  f. 
Ewerjetinos  408,  434. 
Ewjenios  Wulgaris  4?^?.  543f.; 

8.  Flucht  554 f.;  8.  Lehrtbätig- 

keit  aMff.  r)H().  575. 
Exkommunikation,  Luther's 

Thesen  über  dieselbe  411  ff. 


Fastenzeiten,  auf  dem  Atbos 
43Qff. 

Fausta,  Gemahlin  Konstantin's 
d.  Gr.  420. 

Feldkirchen,  Barthol.  Bernhard, 
8.  Promotionsthesen  45Ü— 456. 

Ferdinand  L  von  Deutschland: 
214.  2HL:  Streit  über  die  Königs- 
wahl 21iL  22ä.  243i  Stellung 
zur  Kadaner  Zusage  222  f.  227; 
Verhandlung'^n  in  Wien  2Üll  232f. 
235 :  nachherige  Haltung  23üf. 
232  f. 

Fillastre  lüä. 

Firmamentum  trium  ordi- 
num  122.  211. 

Flacius  Ulyricua  3301f. 

Fontanus,  Petrus  465. 

Frankfurt  a.  M.,  s.  u.  Hamman 
von  Holzhausen;  Anfänge  der 
Reformation  251  ff.  2ß4.  2613 : 
Unruhen  durch  den  Bauernkrieg 
203, 

Franz  von  Assisi  515.  .51 7  5'2(). 
I  505 r  538j  Brief  an  Antonius 
I      von  Padda  2QL 

Franz  L  von  Frankreich:  Bünd- 
nis mit  den  deutschen  Protestan- 
I     ten  238. 
i  Franziskaner  4M  f. 
j  Fraticellpn  421f. 

Frosch,  Franz  238. 

Fürstenberg,  Philipp  von  25 G. 
I      211L  2fi3f. 
i 


Galerius  S43f. 

Gallien.  Verwaltung  des  päpst- 
lichen Patrimoniums  daselbst  Iii. 
12.  8L 

j  Garnier,  s  u.  Basilius. 

i  Gawriil  IV.,  Tvpikon  von  1783; 

j     322.  4QÖf.  4Qi  405  414^  sein 

l     Auftreten  im  Kolywastreit  5G7. 


632 


KEGIST£R. 


GebetsstTinden,  in  den  Äthos- 

klöatern  421  ff. 
Geist,  der  heilige:  altkircbliche 

Lehre  zur  Zeit  der  arianinchen 

Streitigkeiten  28  ff.  ^  40  f.  50. 

Sä  ff. 

Gentiiotti,  Bischof  von  Trient 

Georg  von  Sachsen  228. 
Gerbel  475. 

S.  Germain  de  Prös  485.  48ß. 

Gesetz  und  Propheten,  Ver- 
mischung beider  bei  Tbeophilus 
von  Antiochien  IL  LL  IL 

Glauburg,  Johann  von  253, 

gl 0  88 a  crdiuaria  und  intcrlinearis 
51L 

Gnosticisraus  489. 

Gonzaga,  De  origine  seraphicae 
relig.  Franciscanac  2Üß. 

yQtt^^KJfVi  572. 

Gray,  Universität  zu  494. 

Grebel  IfiL  IM. 

Gregor  1. :  Fürsorge  für  die  Patri- 
monien LL  73_;  Grundsätze  der 
8elb«tver waltung  Zi-78j  Bau- 
thätigkeit  82;  Freigebigkeit  84; 
UnterstOtzung  des  Mönchswesens 
85 f.;  Ariuenptlcge  87-91 ;  Auf- 
wand für  Diplomatie ,  Mission 
und  Politik  Ölf 

Gregor  IX.  kanonisiert  Antonius 
von  Padua  2ÜL 

Gregor  XIII.  m 

Gregor  von  Nyssa,  gegen  Eu- 
nomioB  25.  ^f.  3£L  4IL 

Griechische  Kirche,  s.  n. 
Athoiiklöster ,  kirchliche  Litte- 
ratur;  katholische  u.  evangelische 
Richtung  544;  in  der  zweiten 
Hälfte  des  18.  Jahrb.  554. 

Grigorios  V,  P.itriarch  542 f. 

Grigorios  von  Nissyros  5ß4^ 

Grigorios  Palaraas  426.  552f. 

557.  5Ifi. 
Grigorios  Szinaitis  576. 
Groot,  Gerhard:  s.  inforiuatio  novi- 

ciorum  577—58«.  58IL 
Grundbuch  der  römischen  Kirche 

fin. 

Günther,  Franziskus  45L 
Güttel,  Kasp.  121L 


Hamersloben,  Kloster  zum  bl. 

Pankratius  579,  588. 


Han,  Michel  222.  22g. 
Haner,  Joh.  449. 
Hardouin  487. 
Hegemon,  Peter  222. 
Hegesippus,  Spur  seiner  vno~ 

uvrjuetJtt  155  ff 
Heideck,  Friedrich  von  28^ 
Heidelberger  Disputationstheseo 

4ÜL 

Heidentain,  Restauration  unter 
Maximiu  IL:  345t. 
I  Heiligsprechung,  in  der  grie- 
!     chiscben  Kirche  542. 

Heinrich  von  Ceva  492. 

Heinrich  von  Ahaus  59G.  filß. 

Held,  Vizekauzier  241  f. 

Hell  genannt  Pfeffer,  Georg  von 
2Mf. 

Heraclius  490. 

Hermac  Pastor,  Einheit  171. 

Hermann  v.  Höxter  ^^M. 

Hefs,  Joh.  442f. 

Hesychasmus  418.  423f.  42f>, 

.539- .^44.  515. 
Hetzer  lü5 
Hierokles  l^\C^. 

Hieronymus,  über  die  Streit- 
schriften gegen  Eunomios  25 f.; 
über  Eunoiuios  42. 

Hieronymus  ab  Ascnlo,  Fran- 
ziskanergeneral 122.  211. 

Hierotbeos  v.  Joannina  543.  569. 
52fi. 

Hilarius  42L 

Hofmann,    Hans,    Bat  Ferdi- 

nand's  Li  229.  2B±  2lih. 
Hohelied,  Auslegung  des  H.  unter 

den  Brüdern  vom  gemeinsamen 

Leben  599-617. 
Holzhausen,  Hamman  von  253: 

bis  261. 

— ,  Justinian  von  255.  259.  2S£L 
2M 

Hosius  von  Corduba»  Vorsitzen- 
der der  Synode  zu  Nicaa?  IIL. 

Hubmeier,  Balth.,  s.  Autorschaft 
der  in  Zwingli's  Elenchus  be- 
kämpften Schritt  „Confutatio" 
161—165;  8.  Idiom  163. 

Hugo  V.  St.  Caro  505f. 

Hugo  V.  St.  Victor  522» 

Huguccio  .'S  10- 

Humanismus,  in  Frankfurt  a. M. 
255  f. 

Hus,  Beziehung  Luther's  zu  ihm 

478. 

Hutten,  Ulrich  von  255 f. 


REGISTER. 


633 


Hjpnotismos,  bei  den  Atho«- 
mönchen  5^ 


Ibach,  Hartmann  2d& 
Idiorrythroiscb  40öff.  549f. 
Ignatius  M2. 
Igoatiuä  von  Loyola  .VH. 
Inquisition,  Handbücher  der  L 

m. 

Interdikt,  Handhabung  demselben 

im  Ifi.  Jahrh  LLL 
lob  AmartoloB  552. 
Irenaus,  s.  StcUong  in  der  Ge- 

pcbicbte  des  neutestaruentlichen 

Kanons  2;  das  griech.  Original 

von  adv.  baer.  165ft'. 
Isidoras  von  Sevilla,  Hand- 

scbriften  der  Etymologiae  172; 

Iwiron.  Katalog  der  Bibliothek 
von  155  ff. 


Jakob  der  Seher  445 f 
Jakob  von  Sarug  445f. 
Jakowos    aas   dem  Peloponnes 

Jansenistische  Streitigkei- 
ten 487. 

Jeremias  II.,  Patr.  von  Kon- 
stantinopel  410. 

Jesuiten,  neue  spanische  Litte- 
rutur  zur  Geschiebte  der  J.  170; 
ündaldsamkeit  487. 

Jesus  Christus,  Brief  J.  Chr. 
436  —  4421  Handschriften  des- 
selben ^ÜL 

Johann  XXII..  s.  Schatz  493 f. 

Johann  XXIII.  4M 

Johannes  Parens,  Franziskaner- 
general 21L 

Johannes  von  Paris,  Plagiat 
aus  zwei  seiner  Schriften  4üfL 

Johannes  Peckham  21L 

Johann  Friedrich  von  Sachsen, 
1534-1535  :  21If.  21Rf. 

.222.  224.  225 ff.;  Verhandlungen 
mit  Ferdinand  vor  der  Reise  nach 
Wien  22iiff.;  Abmachungen  zu 
Wien  2llL[ff. ;  seine  Stellung  zur 
Erweiterung  des  Schmalkaldener 
Bundes  2M.  242 f.;  Streit  über 
die  Königswahi  219.  22iL  24af. 

Jobann  ?on  Segovia  2G9. 


Johann,  Pfalzgraf  von  Sim- 
mern, Vormundschaft  über  Ba- 
den 30L 

Johanne»  von  Theben  445f. 

Johann  Wilhelm  von  Weimar, 
s.  Stellung  im  Flacian'schen Streit 

aaoff. 

Jobannesevangelium,  zur  Ge- 
schichte seiner  Kanonicitat  L  12. 

Jonas,  Justus  306;  Disputations- 
thesen       4fi5f.  4IL 

Jordan  von  Giano  lliS  201. 

Juan  de  Mariana  174f. 

Jülich,  Zwei  Aktenstücke  zur  Ge- 
schichte des  Landeskirchentums 
in  J.  158-161. 

Jülich-Cleve* scher  Heirat8?er- 
tr^:  Abmachungen  in  Wien 
15:35:  2aL 

Julianus  Apostata  346. 

Julian  von  Speier,  Minorit 
ISbf.  2LL 


Kadan,  Vertrag  von,  1534:  seine 
Bedeutung  für  die  deutschen  Pro- 
testanten 215.  216  —  221.  22L 
233. 

Kammergericht  im  16^  Jahr- 
hundert, gegen  die  Protestanten 
213 f.;  nach  dem  Frieden  von 
Kadan  221-224.  233.  235.  21i6f. 
2aäf.  2A± 

Kanon,  Verhültnis  des  Theophilus 
?on  Antiochien  zu  dem  neutesta- 
raentlichen  1  —  21;  s.  u.  Theo- 
philus; das  Alte  Testament  als 
Kriterium  der  Kanonicitat  9f. 
ÜL  17f  ;  alexandrinischer  490. 

Kanonisation  180. 

Kapitol,  in  Tert.  de  Corona  359. 
361  f. 

Kardinäle,  Geschichte  der  499 f. 

Karl  V.,  8.  Stellung  zu  den  Pro- 
testanten nach  dem  Vertrag  von 
Kadan  223.  231 ;  nach  dem  Vei^ 
trag  von  Wien  234.  ^f.  240. 
24L 

Karmeliter,  Konvent  zu  Bam- 
berg 4Ö9. 

Karyes  391.  3Ii9.  4ÜL 

Kasseler  Gespräch  225. 

Xar  tj;if»;(Ti?  1 1  q  et  427. 

Katbarer,  Neues  Testament  von 
Lyon  4^6.  514. 

Kinowiatisch  405ff.  55<I 

41* 


n  ,  •      by  ^üo^e 


634 


REGISTER. 


Kirchliche  Litteratnr,  iiea- 
griechische  4Äft. 

Kirch enordung,  erste  evange- 
lische KO.  fQr  das  Herzogtum 
Preu£sen  ü21;  landesherrliche  in 
Baden  1531 :  321-329. 

Kirchenstaat,  vorbereitende  Er- 
werbungen Ülff. 

Kirch  weih,  auf  dem  Athos 

Klerus,  Zntitand  desi^olben  im  üL 
Jahrhundert  520.  532.  531  f. 

Kloster,  fAO%nar^{un  tdidfU^'&^a 
und  xoivo^m  lU^f. 

Kdlv(iov  Ö60f. 

Kolywastreit  5G0  -571. 

Konfirmation  der  Klöster  sei- 
tens der  röm.  Kirche  9üf. 

Konkordanzen  im  Mittelalter 
5('4.  üilQf. 

Konkubinat,  s.  Verbreitung  unter 
der  Geistlichkeit  des  aufgellenden 
Mittelalters  152. 

Konrad  von  Megenberg  4M> 

K  0  n  8 1  a  n  t  i  n  d.  6  r.,  8.  Verwandten- 
morde 4S2f. 

Konstantin ifi<?he  Schenkung, 
Entstehungszeit  112  f. 

Konstantinopel,  Refomiatiün 
des  Patriarchats  403 f.;  Verhält- 
nis des  Patriarchats  zu  den 
Athosklöstern  aÜIL  404. 

Konstantios  1  ,  Patr.  von  Kbn- 
stantinopel  41H. 

Konstantins,  s.  Rcichsprimat 
33&  340^  kirchliche  Lage  unter 
ihm  491. 

Konstanzer  Konzil.  Zur  Ge- 
schichte desselben  498  f. 

Kranzverweigcrnng  der  alten 
Christen  iJfi2-  3fiiL 

Kugelroann,  Hans  28iL 

Kultus,  als  Mittel  der  Vereinigung 
mit  Gott  ÜIL  427 ff. 

Kurie,  die  püpi^tlicbe:  Gesamt- 
budget 4Ii3. 

Kyprianos  551.  5&8f. 

Kyrillos  V.,  Patr.  555.  556 ff. 

Li actanti US,  über  Maximin  II. 
335.  34If.  340.  351L 

Lambaesis,  röm.  Lager,  in  Nord- 
Afrika  350  f.  Mff.  3S2f. 

Lang,  Prior  in  Erfutt  143. 

Laski,  Johann  von  2^ 

Lasterkataloge,  altchristliche 
L  14. 


Laurentius  391  f. 

Legendenbildung  184ff  194ff. 
197 f.-,  griechische  Legenden  434. 

L eitzkau,  Propstei  lOG:  Gren- 
I  zen  des  Archidiakonatsbezirkes 
j  108  f  ;  Säkularisierung  des  Klo- 
I  stcrs  lüli;  bi8cböf  liebes  Interdikt 
i  über  den  Bezirk  am  2L  Nov. 
I      1512:  Ufif. 

Lemnins,  Simon  287. 

Lerida,  Universität  zn  404. 

Libanius,  s.  Verhältnis  zu  Apol- 
linarios  von  Laodioea  58. 

Libellus  1261—1264:  4ä!L 

Liber  Conformitat um  195ff. 

Licinius         35£L  352. 

Lifland,  Vt^rhältnis  zu  Markgraf 
Wilhelm  von  Brandenburg  ^2. 

Lindau,  Prozels  wegen  Abstellung 
der  Messe  1536:  23Üf. 

Lindemann,  Laurentius  330ff. 

Lotther,  Melchior,  Drucker  in 
Leipzig  150 

Luigi  da  Missaglia,  Biographie 
des  hl.  Antonius  von  Padua  '^t  H 

Lukas,  d.  hL,  Ajiorit  549. 

Luther,  Martin:  Kenntnis  der 
Rocbtsquellen  104 f.;  Traktat  öb. 
(las  kirchliche  Asylrecht  103 ff.; 
i»eruM>  practicriptus  praepositu  in 
Litzka  106—112;  Berührung  mit 
dem  Propst  von  Leitzkau  112; 
unter  bischöflichem  Interdik-t 
1512—1515:  llOf.;  Drucke  vor 
den  Thesen  116;  Predigt  nach 
Anschlag  der  Thesen  112;  Ver- 
öffentlichung der  Thesen  113 f.; 
Vorgehen  des  Mainzer  Erzbischofs 
115 f.;  Anklage  der  erzbi^chuf- 
lichen  Räte  117f  ;  Mangel  der 
Thesen  und  Abhilfe  119—124; 
beschwert  sich  über  Verbrennung 
der  Gegenthesen  Tetztl'B  Vl\ : 
Druck  der  Resolutiones  1 1 1» . 
Sermon  von  Ablaüs  und  Gnadö 
112  -  125;  Prcdij,'ten  de  virtute 
excüTnnmnicatiüuis  und  de  poeni- 
tentia  12±  478;  Thtscn  de  ei- 
communicatiüne  411  ff. ;  Beicht- 
zettel über  die  zehn  Gebote  und 
Instrnctio  pro  confessione  pecca- 
torum  125— löU;  Predigten  über 
die  zehn  Gebot«  140  f.  143i  über 
Anrufung  der  Heiligen  141  f.; 
Sermo  de  digna  praoparatione 
cordis  pro  snscipiendo  sacraraento 
eucharistiae  145;  Kurzo  Uuter- 


REGISTER. 


635 


Weisung,  wie  man  beichten  soll 
und  CunfiteDdi  ratio  150—154; 
handscliriftlicbe  Verbreitung  von 
Modus  CüiifiteTidi  152 f.;  Thesen 
über  remii»8io  poenae  et  culpae 
479;  propositiones  449.  ittlf. 
480;  Beziehungen  zu  Hufs  478; 
Briefe  an  Uefs  449;  1521  in 
Frankfurt  a.  M.  251;  Urteil  über 
Beine  Verehelicbung  und  die 
Schrift  wider  die  Bauern  259; 
Vorrede  zum  schwäbischen  Syn« 
graiom  412  ff  ;  Sermon  wider  die 
Srchvvarnigeister  474  ff  ;  Brief  an 
die  Beutlinger  4Iilf. ;  Brief  an 
die  Strafsburger  475;  angedruckte 
Predigten  475;  „Dafs  diese  Worte 
,dad  ist  mein  Leib  etc.'"  und 
das  GroCse  Bekenntnis  47«>;  Kor- 
respondenz mit  Albrecht  von 
PreuIlBen,  neue  Briefe  21if.  2Zfi 
bis  3Ü1;  verloren  gegangene  620ff.; 
Dorothea  von  Mauäfeiil  an  ihn 
2ülf.;  Paulus  Sp>eratuA  an  ihn 
302 f.;  Erzbischof  Wilhelm*  von 
Riga  an  ihn  303 f.;  Brief  an  Mc- 
lanthuü  1640  (April  g)  30of. ; 
Schreiben  „wider  etliche  Rotten- 
geister" 1532  April  284;  Aus- 
legung von  Job.  ^  283.  285; 
Schrift  gegen  Albrccht  von  M«inz 
2S5f.  2iil,  2büi  Brief  Albrechts 
von  Preufsen  an  seine  Frau,  Über 
ihren  Sohn  Johannes  300  f. 
Luther-Aosgabe ,  Kritische  Er- 
örterungen zur  neuen  Uii— la4- 

Lyon,   Das  Neue  Testament  von 

4rm. 


Mabillou  485f. 

Ifailäud^r  Religionsgetz  ^13. 

350. 
Major  l£a 

Makarios,  Igumcnos  des  Szinai- 
klübttTs  4 Ulf.  L>üilf.  515. 

Makräos  559. 

Maler,  Joachim  222. 

Mansfeld,  Dorothea  von:  an  Lu- 
ther 3Ölf. 

Manuil,  Kaiser  von  Konstanti- 
nopel, 8.  Typikon  von  1406  :  40tL 
409. 

Marcion  489. 

Marens  Eremita  443fr. 


Maria,  jungfräuliche  Empföngnis 
514 f.;  5iL  523;  Marienpredigten 
530ff. 

Marianus,  Ordenschronik  derMi- 
nuriten  205. 

Markus,  Bischof  von  Epbesus: 
beruft  sich  auf  einen  Ausspruch 
des  Basilius  von  Oaes.  22  f. 

Markus  von  Lissabon,  Fran- 
ziskanerchronik 205  f. 

Mascov,  Georg,  Propst  von  Leitz- 
kan  lOü.  108.  ilil. 

Martene  48L 

Massuet  485.  48L 

Matthias  von  Jagow,  Bischof 
von  Brandenburg  109. 

Mauriner,  B.  Pez  484-48.^. 

Maximilian  Lj  nbtr  Luther  au 
den  Papst  H^. 

M  a  X  i  m  i  n  11^  als  Christenverfolger 
-  352. 

Maximus  Confessor,  Pseudo- 
nyme Dialüge  490. 

Melau  der,  Dionysius  '^fri. 

Melanthon,  Schreiben  an  den 
König  von  Dänemark  (25.  Jan. 
1558) ,  eigenhändige  Abschrift 
KjQ :  Beziehungen  zu  Frankfurt 
a.  M  25ß  258.  260^  Briefe  an 
Hefa  und  Moibanus  450;  pro- 
positiones 449.  4fi4.  4Ü5.  480. 
225.  2TL  288.  290.  2SiL  298. 

Melchizedekianer,  Traktat  des 
Marcus  Eremita  gegen  sie  444 

Meletios  von  Athen  435« 

Melk,  Kloster  484. 

Mendikanten  507 f. 

Metius,  Jukob  294. 

Michael  Psellos  im 

Micyllua,  Jakob 25Si.  2üüf.  2<;7. 

Minoriten  50H;  Elntührung  der 
Mystik  der  Viktoriner  511  ff.  532. 
539;  Bufsbogriff  511  f.  535 f.; 
I     Breviere  182  190. 

Minucins  Felix,  über  das  Be- 
kränzen 3ß3f. 

Mission,  Geldaufwand  der  röm. 
Kirche  für  dieselbe  unter  Gregor  L 
92. 

Mittelalter,  Lebensanschauung 
51äf. 

Moibanns,  Brief  Melanthon's  an 

ihn  4r)'.). 

Mönchtum:  s.  u.  AthosklÖster; 
Idiorrhythmiker  und  Kinowiaten 
405 ff.;  Naturbetrachtung  432 f.; 


636 


REGISTER. 


Einkleidung  and  Gelübde  M6ff.; 

Grof8mönche    5idfr.;  syrisches 

Lesebuch  443 :  M6nchgregeln507f.; 

abendländisches   fvlT) ;    von  der 

röni.  Kirche  unterstützt  85. 
Montanismus,  s.  Verurteilung 

355.  365. 
M  ö  n  8 1  e  r ,    Bruderhaus  daselbst 

59ßf.  611L 
Myconius,  biatoria  Befomiationis 

122- 

Mystik,  myst.  Schriften  des  An- 
tonius von  Padua  505 ;  der  Vik- 
torincr  511  ff.  532.  534 f.;  der 
Brfider  vom  gemeinsamen  jjeben 
5ü8ff  ;  in  den  Athosklöstem  419f. 
42iL  .^-544.  515. 


Naumburg,  Zasaramcnkunft  der 

Schmalkahiener  Hondtisbäupter 

daselhnt  1536:  23Ü. 
Nemesios,  Verhältnis   zu  Eu- 

noiuios  42. 
Nemo,  historia  des  495. 
Neophytos  VII.,  Patriarch  55a. 

5fia. 

Neophytos  Kapsokalywitis 
555  f. 

Nepotismus,  unt«r  Clemens  V.: 

493. 

Nesen,  Wilh.  256f.  25S. 

Nestorianisc be  Schrift  443. 

Neuen  aar,  Wilhelm  von  24il 

Nenplatonismus,  Bundesgenosse 
in  d.  Christenverfolgung  Mttiiinin's 
33 G  f. ;  Bekämpfung  desselbtn 
durch  Michad  Psellos  173. 

Nicäa,  Synode  zu:  die  nQ6idn(H 
111 

Nikiphorus  158. 
Nikiphoros  d.  Chiot  543. 
Nikophoros  Theotokis  5&L 
Nikodimos  Ajioritis:  Ober  die 

Wege  zur  Vereinigung  mit  Gott 
41Ü— 42G.  433.  434i  xf^no^  x"' 
Q(Ttüv  539i  54L  542  f.  552. 
554;  über  die  Gcdächtnismahle 
der  Heiligen  561  f.;  Bekämpfung 
der  xnifotoufa  565 f.;  Autor- 
schaft des  Pidalion  üüllT. ;  ver- 
ketzert 569:  Bedeutung  für  die 
griech.  Kirche  573—576. 
Nikolaos,  T/ehrer  an  der  Athos- 
akademie  559. 


{  Nikolaus    von  Autricoiirt 

I 

Nikolaus    von  Strafsburg 

AM  f. 
Nilus  446 f. 

Niphon  von  Chics  564. 

pofQtt    7i  Qoafvyi]    Al^    423 f. 
1     426.  539-544.  hllL 
I  Nomikon  von  1753:  413.  4.^. 
1  Novidagius,  Thomas:  s.  Pro- 
j     motionsthesen  451  f. 

Noviziat,  im  griech.  Mönchtam 
MiL 

Nürnberg,  Reichstag  von  1522: 
261f.;  von  1524  :  262f.;  Re- 
Hgionsfriede  1532  :  212  ff.  215. 
!     211.  2m  22i.  231  f  233. 


Oberländer  im  16.  Jahrb.,  die: 
Verhältnis  der  0.  zu  dem  Ver- 
trag von  Kadan  212  f.  222 ;  zum 
Schmalkaldener  Bund  223—227. 
23Öf. 

0  e  d  e  n ,  Job. ,  Gesandter  Herzog 
Albrcchts  von  Prcufsen  27Hfl  ; 
Briefe  020. 

Ökolampad  473ff 

ordinatio  sine  titulo:  ihre  Fol- 
gen lüÜfT. 

Ordines  minores,  Verhältnis 
der  Defeusoren  zu  denselben  lüf. 

Ostendorp,  Job.,  Rektor  zu  De- 
venter  l&L 


Pachomius,  Ajiorit  4il. 
Padua,   Predigten   des   hL  An- 
tonius 524  fr. 
Palladios,    historia  Lauaiaca 

133f. 

Panajiotis  Szutsos.'s.  Trauer- 
spiel d  'OdoinoQOi  432  f. 
Pankratius,  Kloster  zum  h.  579 

m 

Pappenbeim,  Joachim  Marschalk 

von  23iL  21L 

Papsttum,  a.  materiellen  Stützen 
vor  Gründung  des  Kirchenstaates 
62—100.  —  Ausgaben  82—93; 
Nebeneinnahmen  93ff. ;  Fortbe- 
stand der  Patrimonien  neben  dem 
Kirchenstaat  ^f. 

Papstverzeichuis,  neuest« 


REGISTER. 


637 


Paris,  Universität  zu;  Registrara 
der  Prokuratoren  der  englischen 
Nation  llil. 

Parthenios  5H9. 
•  Patmos,  Bticherkatftlag  der  Klo- 
sterbibliotliek  daselbst  IT) 5. 

Patriarchat  vun  Kunutantinopel, 
u.  Konstantinopel. 

Patrimonien  der  röro.  Kirche, 
Verwaltung  und  finanzielle  Be- 
dentung  der  ♦32—100.  —  fundas, 
inaäsa  und  patrimoniuni  6^ f.; 
geographische  Bezeichnang  ü5:f ; 
ihr  Verhältnis  zam  Staat  G7j 
die  Beamten  derselben  68— TT; 
Grundsätze  der  Verwaltung  lA 
bis  18;  Natural-  und  Gcldabgaben 
laf.  Mf.;  Ertrag  derselben  filf.; 
Verpachtung  25»  80:  beurteilt 
als  res  paupcrum~BB :  <iirekte 
Unterstützungen  aus  derselben 
95 f.;  Verluste  97j  Erweiterungen 
98;  Patrimonien  neben  dem  Kir- 
chenstaat Ü8f. 

Paulus,  ehrende  Beiworte  in  Schrif- 
ten des  Jahrh.  48^  Kanon ici- 
tät  seiner  Briefe  bei  Tbeophilus 
von  Antiochien  6—10.  13—15. 
17-20. 

pensio  IlL 

Pessimismus  515. 

Petrusbriefe,  Gebrauch  bei  Theo- 
philas  von  Antiochien  ]A 

Petrusevangelium,  in  Antio- 
chien iL 

Petrus  Lombardus  .^11- 

Petrus  Rodnlfus,  historia  sera- 
phica  m  21ML 

Peu tinger,  Dr.  Claudius  230^ 

Pez,  B.  484-488. 

Pfaff  4SL 

Pfarrerstand,  in  Baden  im  16. 

Jahrh.  314ff. 
Philipp  von  Baden,  s.  Keli- 

gionsmandate  1522—1533  :  301 

bis 

Philipp  der  Grofsmütige,  in 
den  Jahren  1534  —  1535  :  2111  f. 
218.  220.  222.  224-  225.  22fi. 

Ph ilostorgios,  durch  Photios* 
Auszüge  erhalten  32;  Über  Eu- 
nomios  34.  41  f;  "über  Apolli- 
na rios  von  Laodicea  33. 

Phöbadius  von  .Agennnm  4äL 

Photins,  über  Schutzschriften  für 
Basilius  gegen  Eanomios  25j 
Auszüge  aus  Philotitorgios  3217 


Phrantzis  552. 
Pidalion  567f 

Pilgerreisen  nach  Rom  86; 
deutsche  nach  dem  hl.  L^a 
4Ba. 

Piatonismus,  Erneuerung  des- 
selben durch  Michael  Psellos 
178 

Plotin,  ausgeschrieben  in  „tkqI 
Toö  nvtvuttjog"  Basilü  opera  ed. 
Garnier  L  32Q-322:  30. 

VflUTtXOq  572. 

Pneumatop  hören,  Bedeutung 

für  den  neutestamentlichen  Kanon 

If.  I2f.  liL  20. 
P  0  a  c  h ,  Andreas,  Predigtsammlung 

Luthet's  475  f 
Polemik,  der  griechischen  Kirche 

gegen  die  römische  435;  gegen 

die  Oeistlichkeit  im  Mittelalter 

5liIL  514.  512  If.  532.  537j  gegen 

die  Ketzer  514.  534. 
Polen,  Evangelium  in  P.  1524: 

620. 
Püleutz  ß2L 
Poliander  2fi3  285. 
PoUicarins,  Job.,   Vater  und 

Sohn  lii2ff. 
Pönitentiarie,  apostolische  494. 
Postwesen  im  röiuischeu  lieich 

3113. 

Potho  von  Priefling  4M 
Predigt,  des  .Antonius  von  Padua 
5(>3ff.  524-ü;^S;  Wertbeurteilung 
der  Pr.  im  Mittelalter  5ü>f. 
Predigtordnnng,  1522  in  Ba- 
den an  (f. 

Preufsen,  Gründung  des  Herzog- 
tums »J^O  ff. 

Priesterehe,  in  Baden  c.  1524 
3Ü8f. 

Primat,  Römischer,  Stellung 

Tertullian's  :iH4f 
Primicerins  14- 
Prisciliian,  s.   Schriften  und 

sein  Prozefs  Ulf 
Prokop i 08,  Patriarch  559. 
Proletariat,  geistliches,  im  HL 

Jahrh.  153  ff. 
Propheten,  die  alttestamentlichen, 

in  der  christlichen  Apologetik  öf. 

lüff  16, 

Protoswürde  in  den  Athosklöstem 

321f.  402ff 
Provence,  Spiritualen   der  Pr. 

422. 


n;    -  -d  by  Goü^lt: 


638 


KEOISTEU. 


Psaimcnkoronientar,  des  An 

tonius  von  Padua  506  —524. 
Psychologie  dor  Mystik  512. 


R  an  ke ,  L  v.,  Deutsche  Geschichte, 
über  die  Verträge  von  Kadan  und 
Wien  212.  214 f.  211.  21K  2mf. 
22L  23ä. 

ßassophoren  54Gf. 

Rftstenbnrger  Rcligionsge- 
spräch  2K). 

Reforniation,  seitens  der  Landes- 
herren im  15.Jahrh.  158—101. 

Regionarier,  die  IL 

Richard  von  St.  Viktor  511ff. 

Roecx,  Jakob,  Verfasser  eines 
Weingartens  der  Seele  tili  ff. 

Roger  de  Hoveden,  Chronica 

Rolandinus  Graminaticus 

203  f. 

Rosler,  Lionard  2I1L 


Sachau302, syrische  Handschrift 
in  Berlin  '442—447. 

Sakramentierer,  in  den  Ver- 
tragen der  deutschen  Protestan- 
ten mit  Kaiser  und  Reich  217. 
222.  224:  283.  284f. 

Sakraraentsverwaltung,  1527 
in  Baden  311  f. 

Salaroanka,  Universität  zu  4Ü4j 

Salimbene  2ÜL 

Sawiras  555. 

SawwAs,  d.  hl.,  s.  Typikon  427  f. 
Scapula,  Prokonsul  von  Afrika 

Schisma  der  occident.  iLoriental. 

Kirchen  173:  s.  u.  Polemik. 
Schlesien,  Beziehungen  zu  dem 

Baseler  Konzil  2fiIL 
Schmalkaldener  Konvent 

1537:  2ܻL 
Schraalkaldi8cherBund223fF. 

231  f.  2.S.'i~2a8. 
Schönberg,  WolfT  von  330. 
Schultz,  Hieronymus,  Bischof  von 

Brandenburg  lOßf.;  gespanntes 

Verhältnis  zwischen  ihm  und  der 

WittcnbcTger  Gei.stlichkejt  110  f. 
Schulwesen,  Reforrafreunde  in 

Frankfurt  a.  M  25ßf. 


Schweinfurt,  Verhandlungen  zu, 
1532:  217. 

Schwenckfeldianer283f.  302f. 

Seckendorf,   Commentarius  de 
'     Latheranismo  212.  214. 
I  Segarelli«  4Ü2. 
!  Serapion  von  Antiochien,  s.  Stel- 
lung in  der  Geschichte  des  neu- 
testarocntlichen  Kanons  3. 

Sermon,  Sprachgebrauch  im  Ifi. 
Jahrb.  LÜL 

Sibylle,  bei  Theophilua  von  An- 
tiochien 10.  12. 

Sicco  Polentone  204f. 

Sil  van  US,  Bisch,  von  Gaza  342. 
348. 

ax(  votf  vXh^  572. 
Skitioten  41iL  m  5fi3.  555. 
Sleidan  212.  2l4f. 
Soeiro  Viegas  II.,  Bischof  von 

Lissabon  179.  181. 
Sonntagsheilignng,  c.  1201 

durch  einen  Brief  Christi  befohlen 

438  f. 

Sozomenos,  Quellen  seiner  Kir- 
chengeschichte 32  f. 

Spalatin,  über  Luther's  Thesen 
de  excommunicatione  478.  151 

Spei  er,  Reiclistag  von  1526:  264  f. 
309;  von  1529:  31Ih  von  1540: 

2m  f. 

Spcratns,  Paul  286;  Brief  an 
Luther ,  Melanthou  und  Jonas 
302f.  fi2L 

Spiritualen,    Verhältnis  zum 
Franzi.=jkanerordtn   und   zu  den 
!      Fraticollen  4aif. 
I  Stephan  IV.,  Wahldekret  113. 

Sturm,  Jak.  222.  22^ 

Summepiskopat  der  Landes- 
herren, s.  Entstehung  '^10- 

Syngramma,  das  schwäbische 
412  ff. 

Szaniuil  L,  Patr.  von  Eonstan- 

i      tinopel  403. 

i  Szinaikl  08  ter,   s.  Reformation 

!     410.  412.  4nf. 
Szophronios  Kalligos  53^ 
Szymeon   von  Thessalonich 
402f.  413.  435.  55L 


;  Taboriten,  Verhaltni.^  zu  Wiclif 

und  zu  den  Waldensem  431  f. 
1  Tan  gel,  Lucas  33L 
I  Teplensis,  Codex  497. 


BEOISTEK. 


639 


Tertiarier  492.  ! 

Tertollian,  von  dem  Kranze  353  \ 
h'\8  394.  —  D.  Schutzschrift  353; 
ßchriftgobrancli  354;  Montanis-  ■ 
mus  als  Hari«lhab*:'  dvr  Chrono- 
lugie  3Ö5 1. ;  Ikrühruog  mit  Cie> 
mcDfl  Alex.  365f  369.  880;  Reise 
nach  Athen  369 :  über  den  Kriegs- 
dienst 369  — :57i;  de  idolatria 
37Uf.;  de  fuga  in  persecutione 
374 f.;  de  velftndis  Tirgiaibas 
375-378;  über  Askese  378 ff.; 
über  Tradition  380 ff.;  s.  Stel- 
lung zu  Rom  382— 385-,  s.  wach- 
sende Autorität  385  f. ;  dedoctor  = 
Pftraklet  386 f.;  scorpiace  388 f.; 
s  StellQDg  zur  Gnosis  :  de 
pailio  389  f.;  Abfassung  von 
adv.  Marcionem  '6iti);  g.  Stellang 
in  der  KaDoosgesobichte  2. 

Tetzel,  Einflofa  »einer  Gegen- 
the.-:en  auf  Lutlier's  Scrni"n  von 
Abiais  und  Gnade  120—124;  ihre 
Verbrennung  124.  125. 

Thann,  Eberhard  von  der  331. 332. 

Theodoritos,  Igumctios? .  cinos 
Athosklosters :  «.  Klost»  robronik 
415  428;  im  Külvwastreit  5G7f. 
569. 

Thfcodoros  Studitis  ,553. 
Theodosios  IL,  Patriarch  559. 
564  ff. 

Theo])liane8, gelehrter Möoeh  nm 
1460:  155. 

Theophilus  von  Antiochien,  s. 
Stellung  in  der  Geschichte  des 
neutestaraentlichen  Kanons  1  bis 
21.  —  Bisheriges  iTteil  2 ff.; 
YtTfaifti-Tscbaft  der  drei  Liiclicr 
ad  Auiolicmii  4;  das  Neue  Testa- 
ment des  Th.  20 f.;  Gebrauch 
des  Alten  Testaments  6.  lOff.; 
der  Pauliisbriefe  6.  10.  13-15. 
17-20;  der  Evangelien  10.  13. 
16.  18  i  der  Petrusbriefe  14. 

TheopbÜQS  r^v  Aft/iTritf^/icf  643. 

Tbimotheos  von  BtrytiiB»  seine 
Kirehengehchichte  32 f. 

Thomas  von  A  q  u  i  n  ,  Traktat 
gegen  die  Griechen  41>5(.. 

Tbomas  von  Celano,  Ähnlich- 
keit seiner  Vita  mit  der  des  An- 
tonius von  Padua  179  190.  201. 

Thomas  von  Eccleston  2U2. 

Tbomas  a  Kempis  680f. 

Thomas  von  Vercelli  203.513. 
523. 


Titulatur  der  röm.  Kirche  72. 
Totenmahlzeiten  indergriech. 
Eiivbe  560  ff. 

T  Oft  rr  (  ^  u  I)  g  572. 
Trinitätslehre,  Termin ologie des 

Apollinariob   von   Laodicea  47. 

57  f. 

TnseisB,  Spiritualen  von  T.  492. 
TvniMdQiif  572. 


Ulrich    von  Württemberg, 

Vertrag  zu  Kadan  216.  218 f. 
Union  der  grieeb.  und  rdm.  Ciiebe 

2G8ff. 

I  n  i  versitäten  im  Mittelalter 

4l>4. 

Urban  IT.,  Schreiben  an  Kicbael 
Palaeologns  496. 


V  eghe,  Joh.,  LeKn^-Vizze  596 f. 
Vehus,  Hieronymus  508. 
Verpachtung  geititlicher  Stellen 

160 

Viktor,  ScbolsTonSt  511ff.682. 

534  f. 

Vienne,  Konzil  von  493. 
Vincenz  von  Beanvais,  spe- 
culum  histoiiale  181.  208.  205. 

V  u  1  g  a  t  a .  zur  Gescbiebte  der  494. 
497  i  510. 


W  ad  d  i  n  f ,  Annales  Ifinontm  206. 

Waldenser,    Bibelöbers  t z i : i i gen 
49Gf. ;  Verhältnis  zu  den  Tabo- 
riten  4i»7f. ;  Inquisition  im  «öd- 
östl.  Deutschland  174. 
Walter  von  8t.  Viktor  6U. 
Weift^enburger,  Job  103.  105. 
Weiler,  Peter  2H5  287. 
Westerburg,  Dr.  Gerhard  263 f. 
Westermann,  Job.,  Ftomotions- 

thesen  458  ff. 
Wiclif  497 f. 

Witdertäufer,  Verhandlungen 
Zwingli's  mit  den  schweizerischen 
W.  165;  in  Münster  217.  228. 
231.  234  f;  in  Baden  318  f. 
Wien,  Vertrag  v(>i].  ir>35:  s.  Be- 
deutung lür  die  deutschen  Pro- 
testanten 230--244. 
Wilhelm   von   Bayern,  Vor- 
[     mundscbaft  Ober  Baden  307. 


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640 


REGISTER. 


Wilhelm   von  Brandenburg, 

Trth  von  Rijra  282f  292.  804f.; 

Brie!  an  Luther  303  f. 
Wilhelm,  Herzog  von  JttUch-Berg, 

ge^en  den  KoDknbinat  der  Geiit- 

uchen  159. 
Wiropfeling,  firief  vom  Jahre 

1505:  166f. 
Windeslieimer  Kongregatlen 

579. 

Wittenberg,  ViTliältnis  der  W. 
Geistlichkeit  zu  d-^m  Ardtidtako- 
nat  von  Leitzkau  WJL  112; 
Streit  der  Oeietliebkeit  mit  dem 
Bischof  von  Brandenburg  110 f.; 
Exerapti(*?i  d Schlofskirclie  III; 
Disputatiou^tbcscn  aug  den  Jahren 
1516—1522  :  448-471.  479  bis 


483;  Studenten  aus  dem  Oniens- 
land  284.  285.  290f.  2d3.  294  f. 

298 

Worms,    Kolloquium   zu,  1557: 
169. 

Wucher,  s.  Bcurteilaog  im  Mittel* 
alter  516. 


Ziesar,  Synode  so,  Jani  1512: 

lOGf.  110. 
Zwin>,'li.  >.  r?rit>f Wechsel  473 ff. ; 
B.  „  FrüudiiLU  Verglimpfung  etc." 
475;  In  eatalmptietanun  etropbas 

elenchus  IGl— 1G5 
Zwinglianpr.  in  Oberdf^ut^ -liiaiid 
217.  219.  224f.i  in  Fraukturt 
a.  M.  264. 


Dracfc  v«a  Fricdr.  AD4r*  P*rthM  In  0.4lta. 


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